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B978-3-437-55283-0.00001-2

10.1016/B978-3-437-55283-0.00001-2

978-3-437-55283-0

Das Modell der Fünf Wandlungsphasen

Schriftzeichen Qi

Aspekte der fünf Wasser, WandlungsphaseMetall, WandlungsphaseHolz, WandlungsphaseFeuer, WandlungsphaseErde, WandlungsphaseWandlungsphasen

Tab. 1.1
Aspekte Holz Feuer Erde Metall Wasser
Richtung Osten Süden Mitte Westen Norden
Jahreszeit Frühling Sommer Übergangszeit (Spätsommer, Spätherbst, „Spätfrühling“ usw.) Herbst Winter
Klimafaktor Wind Hitze Feuchtigkeit Trockenheit Kälte
Entwicklung Geburt Wachstum Umwandlung Ernte Speicherung
Farbe grün rot gelb weiß schwarz/blau
Geschmack sauer bitter süß scharf salzig
Zang-Organ Leber Herz Milz Lunge Niere
Fu-Organ Gallenblase Dünndarm Magen Dickdarm Harnblase
Sinnesorgane Auge Zunge Mund Nase Ohr
Gewebe Sehnen, Bänder, Nägel Blut, Blutgefäße Muskeln, Fett-, Bindegewebe Haut, Körperhaar Knochen, Zähne, Nerven, Kopfhaar
Emotion Wut/Zorn Freude Grübeln, Sorgen Traurigkeit Angst
Laut Schreien Lachen Singen Weinen Stöhnen
Geruch ranzig verbrannt süßlich verrottet, übel faulig, eitrig

Konzepte und theoretische Grundlagen der chinesischen Medizin

Heping Yuan

Alexandra Blunck

Yin und Yang

Die Lehre von Yin und Yang ist die wichtigste Theorie in der TCM. Sie entspringt der taoistischen Naturphilosophie und besagt, dass sich alle Dinge in zwei Polaritäten teilen lassen – in Yin und Yang. Alle Erscheinungen und Veränderungen des Lebens und alle Naturphänomene lassen sich aus dem wechselseitigen Zusammenspiel von Yin und Yang ableiten. Eine der ersten Quellen dieser Theorie findet sich um 700 v. Chr. im „Buch der Wandlungen“ (Yi Jing oder I King).Yin\"\r\"YinYang\"\r\"Yang

Dynamik zwischen Yin und Yang

Opposition: Yin und Yang sind als Gegensätze zu sehen, wobei Yin immer schon den Samen des Yang in sich trägt, wie auch das Yin in jedem Yang keimt. Der Gegensatz ist relativ, nie absolut.Yin:DynamikYang:Dynamik
Gegenseitige Abhängigkeit: Yin und Yang brauchen und definieren sich durch ihre Gegensätzlichkeit. So gibt es keinen Winter ohne Sommer, keinen Tag ohne Nacht, keine Geburt ohne Tod. Veränderungen entstehen durch die Spannung zwischen diesen Extremen.
Gegenseitiger Verbrauch: Yin und Yang begrenzen einander – Wasser begrenzt das Feuer, die Nacht den Tag, der Regen die Trockenheit. Bei Übermacht des einen und/oder Schwäche des anderen Pols entstehen Störungen im gesamten System – ein Yin-Überschuss führt relativ zum Yang-Mangel, ein Yang-Überschuss zum Yin-Mangel.
Gegenseitige Umwandlung: Yin kann sich in Yang verwandeln. Wenn es den Punkt seines Extrems erreicht hat, verkehrt es sich in sein Gegenteil. Sommer- und Wintersonnenwende sind Beispiele einer solchen Intertransformation.

Anwendung

In Physiologie, Pathologie, Diagnostik und Therapie der TCM geht es letztendlich um die dynamische Beziehung zwischen Yin und Yang und deren Störungen. Eine rote Zungenfarbe, trockene Zunge, gelber und trockener Zungenbelag gehören zum Yang-Aspekt, der Yin-Aspekt zeigt sich mit einer hellblassen Zungenfarbe und weißem und feuchtem Zungenbelag.Yin:AnwendungYang:Anwendung

Fünf Wandlungsphasen (Wu Xing)

Die Fünf Wandlungsphasen – andere Begriffe sind Fünf Elemente, Entsprechungen, Bewegungen – sind ein früher Grundpfeiler der chinesischen Naturphilosophie, die alle Naturphänomene den Kategorien Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser zuordnet und deren Beziehungen zueinander definiert. Jede der fünf Wandlungsphasen beinhaltet charakteristische Qualitäten (Tab. 1.1).Wandlungsphasen, fünf\"\r\"Wandlungsphasen

Qualitäten

Wandlungsphasen, fünf:QualitätenHolz, WandlungsphaseHolz: Yang-Phase, wächst, entfaltet sich frei, dehnt sich aus, entspricht der Freiheit und Harmonie auf körperlicher und seelischer Ebene.
Feuer: Yang-Phase, wärmt, lodert aufwärts, macht den Intellekt, das Charisma eines Menschen aus. Feuer, Wandlungsphase
Erde: Neutrale Phase, Achse zwischen den beiden Yang- und den beiden Yin-Wandlungsphasen, empfängt, wandelt um, bildet die Mitte des Menschen, wirkt wie eine „innere Mutter“, die nährt und stabilisiert. Erde, Wandlungsphase
Metall: Yin-Phase, klärt, schützt, steigt ab, symbolisiert die Körperoberfläche und damit den Kontakt eines Menschen zu seiner Umwelt. Metall, Wandlungsphase
Wasser: Yin-Phase, nährt, fließt, „alles Leben kommt aus dem Wasser“, stellt die Wurzel allen Lebens dar, sorgt für Wachstum und Fortpflanzung. Wasser, Wandlungsphase

Dynamik der Wandlungsphasen

Die Fünf Wandlungsphasen beeinflussen sich gegenseitig sowohl in physiologischer Hinsicht (Sheng- und Ke-Zyklus) als auch in pathologischer Hinsicht (Cheng-, Wu- und teilweise Sheng-Zyklus). Bei Störungen dieses Gleichgewichts kommt es zu pathologischen Syndromen.Wandlungsphasen, fünf:Dynamik

  • Die physiologische Dynamik der Wandlungsphasen ergibt: Eine Wandlungsphase ernährt und erzeugt die nächste.

    • Holz nährt Feuer,

    • Feuer nährt Erde,

    • Erde nährt Metall,

    • Metall nährt Wasser,

    • Wasser nährt Holz,

    • Holz nährt Feuer …

  • In pathologischen Zuständen ist entweder die Mutter zu schwach und kann den Sohn nicht ausreichend ernähren oder der Sohn ist zu schwach und nimmt der Mutter zuviel weg und schwächt diese (Abb. 1.1).

Sheng-Sheng-ZyklusZyklus (Geburts-Mutter-Sohn-Zyklus): Eine Wandlungsphase erzeugt und ernährt die nächste. Jede Phase ist zugleich Ernährerin (Mutter) und zugleich Ernährter (Sohn).
Ke-Ke-ZyklusZyklus (Kontrollzyklus): Eine Wandlungsphase hält die andere unter Kontrolle und wird wiederum von einer anderen Wandlungsphase kontrolliert.
Cheng-Cheng-ZyklusZyklus (Überkontrolle): Die kontrollierte Phase wird pathologisch unterdrückt und geschwächt.
Wu-Wu-ZyklusZyklus (Verspottung): Eine Wandlungsphase wird pathologisch stärker als ihre Kontrollphase.

Anwendung

Anwendung findet die Theorie der Fünf Wandlungsphasen sowohl in der Diagnostik als auch in der Therapie von Krankheiten.Wandlungsphasen, fünf:Anwendung
Diagnostik: Körperliche Veränderungen (z. B. Gesichtsfarbe, Körpergewebe, Störungen der Sinnesorgane) wie auch Bevorzugung oder Ablehnung von Wetterlagen, Jahreszeiten, Geschmacksrichtungen und Farben können Hinweise auf eine Störung (Leere oder Fülle) in einer Phase sein.
Akupunktur: Harmonischer Ausgleich der Zyklen über die Behandlung mit den Fünf Transport-Shu-Punkten. Bei Mangel einer Phase den Punkt auswählen, der der Mutter-Phase entspricht mit stärkender Nadeltechnik (Bu Fa). Bei Fülle einer Phase den Punkt auswählen, der der Sohn-Phase entspricht mit ableitender Nadeltechnik (Xie Fa).
Heilkräuter und Diätetik: Bezug über die Fünf Geschmacksrichtungen, die bestimmte Wirkungen auf den Körper haben, sodass sie auch in die Therapie innerhalb der Fünf Wandlungsphasen mit einbezogen werden können.
Zungendiagnostik: Die Fünf Wandlungsphasen bzw. Organentsprechungen sind topographisch auf der Zunge angeordnet:
ZungenrandGallenblase und LeberHolz
ZungenspitzeHerzFeuer
LungeMetall
ZungenmitteMagen und MilzErde
ZungenwurzelBlase und NiereWasser

Substanztheorie

Qi

Das Schriftzeichen für Qi (Abb. 1.2) setzt sich zusammen aus dem Zeichen für „Dampf“ und „Reis“. Qi ist zugleich Masse (Reis) und Energie (Dampf). Alle Lebensformen sind Ausdruck von Qi in verschiedenen Stufen der Materialisierung. So sind die Körperstrukturen eine sehr feste, materielle, der Geist-Shen SubstanztheorieQi\"\r\"QiGeist-Sheneine sehr immaterielle Erscheinungsform. Qi ist die Grundlage aller Substanzen: Blut Xue, Körperflüssigkeiten Jin-Ye, Jin-YeEssenz Jing und Geist Shen. Die Wurzel des Körper-Qi liegt im Mingmen, dem Yang-Aspekt der Nieren.
Formen des Qi
Ursprungs-Yuan-Qi: Ursprungs-QiQi:FormenGehört zumYuan-Qi vorgeburtlichen oder Vorhimmels-Qi, ist eine dynamische Form der Essenz-Jing, Jingentsteht zwischen den beiden Nieren und wird ständig durch das nachgeburtliche Qi (Nähr-Ying-Qi) ergänzt. Durch die Transportfunktion des San Jiao zirkuliert es im ganzen Körper und tritt an den Ursprungs-Yuan-Qi-Punkten Ursprungs-Yuan-Qi-Punkteaus dem Meridian aus. Enger Bezug zum Mingmen, erwärmt und aktiviert mit diesem alle Organe und fördert die Entwicklung und das Wachstum des ganzen Körpers. Nahrungs-Gu-Qi: Nahrungs-Gu-QiEntsteht in der Milz und entspricht dem ersten Zwischenergebnis bei der Nahrungsaufbereitung. Grundlage für das nachgeburtliche Qi (Nähr-Ying-Qi).
Nähr-Ying-QiSammel-Zong-Qi (=Sammel-Qi Brust-Qi; oft auch Atmungs-Qi, Thorax-Xiong-Qi oder Großes Da-Qi): Befindet sich im Thorax, v. a. Zong-Qihinter dem Punkt Danzhong (Ren 17) und wird in der Lunge aus Qing-Qi (aus der Atemluft) und Nahrungs-Gu-Qi aus der Milz gebildet. Es unterstützt Respiration und Stimmfunktionen (Lautstärke), hilft Herz und Lunge bei der Verteilung von Qi und Blut.
Klares Qing-Qi (=Qing-Qi „klares“ Qi): Aus der Qi:klaresNatur, das bei der Atmung von der Lunge aufgenommen wird.
Echtes Zhen-Qi: Ist das letzte Glied in der Qi:echtesAufbereitung von Nahrungs-Gu-Qi, Essenz-Jing und Atemluft in der Lunge. Zwei Formen:
  • Abwehr-Wei-Qi: Wei-QiWird von derAbwhr-Qi Lunge an der Körperoberfläche außerhalb der Meridiane zirkuliert und schützt den Körper vor äußeren Einflüssen, indem es die Hautporen öffnet und schließt sowie die Sekretion von Schweiß und damit die Körpertemperatur regelt.

  • Nähr-Nähr-QiYing-Qi: Ying-QiKennzeichnet eine essenzielle Substanz, die eng mit dem Blut verknüpft ist (wird manchmal synonym gebraucht), und zirkuliert mit ihm in den Blutgefäßen (Xue Mai), aber auch in den Meridianen (Leitbahnen, Jing Luo). Jing LuoEs ernährt den Körper und kann in Blut umgewandelt werden.

Meridian-Jingluo-Qi: Meridian-QiZirkuliert in den Jingluo-QiMeridianen, entspricht den Meridianfunktionen und den in den Meridianen fließenden Nährstoffen.
Aufrechtes Zhong-Qi: Aufrechtes Zhong-QiKeine Qi:aufrechteseigene Qi-Form, sondern ein Sammelbegriff für die Schutzfunktion der Qi-Formen gegenüber dem Angriff äußerer pathogener Faktoren (Xie Qi) im Sinne eines „antipathogenen Qi“ oder der Abwehrkraft des Körpers.
Funktionen
Transportieren: Bewegt die Nahrung durch den Verdauungstrakt, Blut durch die Gefäße, Flüssigkeiten durch den Körper.
Qi:FunktionenTransformieren: Wandelt Essenz-Jing, Qi, Körperflüssigkeiten und Blut-Xue ineinander um; unterstützt Zang-Fu-Organe, die aus den Körperflüssigkeiten Dampf, Schleim und Urin transformieren.
Kontrollieren: Hält das Blut in den Gefäßen und kontrolliert Schwitzen, Wasserlassen und Stuhlgang.
Schützen: Schützt den Körper an der Oberfläche vor exogenen pathogenen Faktoren.
Erwärmen: Erwärmt den Körper und lässt die Organe funktionieren.
Ernähren: Ernährt den Körper (Nähr-Ying-Qi).

Blut-Xue

Blut-Xue ist die materielle Form von Qi und ist nicht gleichzusetzen mit Blut im westlich-medizinischen Sinn. Es ist ein Yin-Aspekt des Körpers und bildet die materielle Basis von Geist-Shen.
Blut-XueFunktion: Ernährt und befeuchtet den Körper.
Bildung: Aus dem Nähr-Ying-Qi und den Körperflüssigkeiten, Essenz-Jing (nachgeburtliche Essenz) und Blut-Xue wandeln sich ineinander um.
Regulation: Wird vom Herzen dominiert, durch das Herz-Qi in den Blutgefäßen zirkuliert (hier wirkt auch die Lunge mit), durch das Milz-Qi kontrolliert (hält es in den Blutgefäßen) und durch die Leber gespeichert (reguliert das Blutvolumen).

Körperflüssigkeiten Jin-Ye

Jin-Ye, die Körperflüssigkeiten, umfasst alle Sekrete, Inkrete und Exkrete des Körpers. Es werden klare und dünne Flüssigkeiten und dickflüssige, trübe Flüssigkeiten unterschieden.
KörperflüssigkeitenJin-YeBildung: Aus Nähr-Qing-Qi.
Regulation: Verteilung und Exkretion der Körperflüssigkeiten sind abhängig von Milz (Bildung), Lunge (dominiert Verteilung und Herabführung, reguliert die Wasserpassage), Niere (trennt „klare“ von „trüben“ Flüssigkeiten, schickt die „klaren“ zur Lunge hinauf und scheidet die „trüben“ über die Blase aus) und dem San Jiao (Wasserwegenetz).
Formen:
  • Jin: JinDünnflüssige, klare Anteile, zirkulieren mit dem Abwehr-Wei-Qi an der Körperoberfläche, ernähren und befeuchten dort Haut und Muskulatur. Sie helfen, das Blut zu verdünnen. Beispiele: Tränen, Speichel, Schweiß und Schleimsekretion.

  • Ye: YeDickflüssige, trübe Anteile zirkulieren mit dem Nähr-Ying-Qi im Körperinneren, bewegen sich langsam. Sie befeuchten die inneren Organe, Gelenke, Marksubstanz und Sinnesorgane. Beispiele: Pankreassekret, Gelenkflüssigkeit und Liquor.

Beziehungen zwischen Qi, Blut und Körperflüssigkeiten

Qi Qi:Blut-Xueund Blut-Xue: Blut-Xue:QiQi bildet, erwärmt, bewegt und kontrolliert Blut („Qi ist die Lokomotive, Blut-Xue der Waggon“). Blut hingegen ist die Mutter des Qi, sein Ernährer und Träger. Qi gehört zum Yang-, Blut zum Yin-Aspekt des Körpers.
Qi Qiund Körperflüssigkeiten: Körperflüssigkeiten:QiQi kontrolliert Qi:KörperflüssigkeitenVerteilung und Elimination der Körperflüssigkeiten, die wie Blut dem Yin-Aspekt des Körpers angehören. Zugleich sind Körperflüssigkeiten Träger verschiedener Ausdrucksformen von Qi. Beispiele: Mit Schweiß zirkuliert das Abwehr-Wei-Qi; bei unkontrolliertem Schwitzen vermindert sich das Abwehr-Wei-Qi.
Blut-Xue Blut-Xue:Körperflüssigkeitenund Körperflüssigkeiten: Blut-Xue und Körperflüssigkeiten Körperflüssigkeiten:Blut-Xuesind in vielen Aspekten nicht voneinander zu trennen. Zum einen helfen die Körperflüssigkeiten, das Blut zu verdünnen, zum anderen ernährt das Blut dieselben. Beide gehören dem Yin-Aspekt des Körpers an. Mangel des einen führt auf Dauer zwingend zum Mangel des anderen.

Organ-Theorie (Zang-Fu-Lehre)

Die Zang-Fu-Lehre spielt eine zentrale Rolle in der chinesischen Medizin. Im Gegensatz zum westlichen strukturell-physiologischen Organverständnis liegt der Lehre von Zang-Fu eine empirisch-funktionelle Vorstellung zugrunde. Sie denkt in Korrelation, das heißt in Beziehung der einzelnen Teile zueinander (systemtheoretisch). Statt von Organen wird daher eher von „Funktionskreisen“ gesprochen. Die Zang-Fu-Lehre beschreibt im Wesentlichen eine Landschaft oder ein Muster von funktionellen Zusammenhängen, die eine vollkommene Integration von Körperfunktionen, Geweben, Sinnesorganen, Umwelteinflüssen, Emotionen und psychischen Aktivitäten ermöglichen. Erkrankungen und Störungen werden damit zu einem Disharmoniemuster auch als Symptomlandschaften eingeordnet und in Beziehung zueinander gesetzt. Die genaue Beobachtung von Körperoberfläche, Zunge, Sekreten, Puls etc. ermöglicht dabei Rückschlüsse auf den Zustand der inneren Organe und ihrer jeweiligen Beziehungen zueinander. Zur Erklärung der Hierarchie innerhalb der Zang-Fu-Organe können die Organe mit den Positionen in der Hierarchie des altchinesischen Feudalsystems verglichen werden.

Zang-Speicher-Organe (Yin-Organe)

Leber (Gan)
Die Leber sorgt für einen harmonischen, ungehinderten Qi-Fluss im ganzen Körper und damit für einen reibungslosen Ablauf der Körperfunktionen. Die Entsprechung der Aufgaben der Leber im Feudalstaat sind die Tätigkeiten als oberster Heerführer, die für die strategische Planung zuständig ist.Zang-Fu-Lehre\"\r\"ZangZang-Organe
Funktion
Reguliert den freien Fluss von Qi: Der Qi-Fluss der Leber ist aufsteigend und ausbreitend, aber auch zirkulierend. Die Leber koordiniert und kontrolliert den Qi-Fluss der anderen Organe und ist damit für die ungehinderte Bewegung und den harmonischen Fluss der Substanzen im ganzen Körper zuständig. Bei einer Disharmonie kann es daher zu Blockaden und Stauungen kommen.Yin-OrganeSpeicher-OrganeLeber (Gan)\"\r\"Leber
Speichert das Blut-Xue: Blut-Xue:LeberDie Leber nimmt das Blut-Xue in sich auf und reguliert das zirkulierende Blutvolumen. Bei körperlicher Ruhe fließt das Blut zurück in die Leber, regeneriert sich und verlässt diese bei Bedarf durch körperliche Aktivität wieder. So sorgt eine gesunde Leber für gute Sensibilität und Kraft in den Extremitäten. Bei Leber-Blut-Mangel kann es zu Taubheits- und Kribbelgefühl, Kraftlosigkeit, Koordinationsstörungen, Schwindel mit Augenflimmern, Menstruationsstörungen etc. kommen.
Beherbergt die Wanderseele (Hun): Das Schriftzeichen für Hun besteht aus den Zeichen mit der Bedeutung „Wolke“ und „Geist“. Hun Hunentspricht am ehesten dem westlichen Verständnis von Seele, die nach dem Tod des Körpers überlebt und den Körper verlässt. Sie beherrscht die Emotionen, die geistige Ausgewogenheit, beeinflusst die Durchsetzungsfähigkeit und bestimmt die Fähigkeit, unser Leben zu planen.
Körpergewebe
Die dem Funktionskreis Leber zugeordneten Körpergewebe sind Sehnen und Bänder. Bei Leber-Störungen können Muskelkrämpfe, Bänder- und Sehnenverletzungen oder -kontrakturen entstehen. Finger- und Fußnägel werden als äußere Ausdrucksform der Sehnen betrachtet. Sie sollten fest, glänzend und ebenmäßig wachsend sein.
Öffner
Die dem Funktionskreis Leber zugeordneten Öffner sind die Augen (Sehkraft, Ernährung und Befeuchtung).
Emotion
Die dem Funktionskreis Leber zugeordnete Emotion ist Wut oder auch Zorn und Ärger. Bei einer Unterdrückung dieser Emotion kommt es zu Störungen des freien, ungehinderten Leber-Qi-Flusses mit Stauungszeichen auf körperlicher und emotionaler Ebene. In fortgeschrittenen Fällen können sich auch Symptome von Leber-Wind und Leber-Feuer entwickeln. Doch auch andere Emotionen können die Leber in ihrer Funktion des freien Qi-Flusses stören.
Sekret
Die dem Funktionskreis Leber zugeordneten Sekrete sind die Tränen. Hier zeigen sich wieder der Aspekt und die Beziehung zu den Augen als Öffner.
Pathogener Klimafaktor
Als pathogener Klimafaktor wird der Leber der Wind zugeordnet. Patienten mit einer Leber-Fülle neigen bei windigem Wetter zu Symptomen des blockierten Qi-Flusses wie Kopfschmerzen oder Nackensteifigkeit.
Partner-Fu-Organ: Gallenblase (Dan)
Funktion: Die Gallenblase speichert und sezerniert die Galle zur Unterstützung der Verdauung. Seelisch verhilft sie zu Mut und Initiative. Sie sorgt für einen „inneren Lebensplan“ und ist der „Richter, der Entscheidungen fällt“. Bei einer Schwäche der Gallenblase ist der Betroffene leicht entmutigt und frustriert. Auf körperlicher Ebene kommt es zu Übelkeit und Aufstoßen.
Gallenblase (Dan)Beziehung Leber-Gallenblase: Innerliche-äußerliche Kopplung. Ein harmonischer Leber-Qi-Fluss sorgt für ungehinderte Gallensekretion und umgekehrt. Auf der psychischen Ebene benötigt die Leber für die Lebensplanung die Entscheidungsfähigkeit der Gallenblase.
Herz (Xin)
Zum Funktionskreis des Herzens gehören alle psychischen, intellektuellen und spirituellen Fähigkeiten und Aktivitäten, die die unverwechselbare Persönlichkeit eines Menschen ausmachen. Die Entsprechung im Feudalstaat ist daher die Position des Herrschers und gottgleichen Kaisers, der mit tiefem Verständnis richtungweisend regiert. Das Herz (Xin) wird daher als der Monarch über die fünf Yin- und die sechs Yang-Organe und als „Residenz des Geistes Shen“ angesehen.
Funktion
Regiert das Blut (Xue): Das Herz regiert das Blut-Xue, Herz (Xin)\"\r\"HerzBlut-Xue:Herzdie Blutgefäße (Xue Mai), reguliert die Blutzirkulation. Die Umwandlung von Nahrungs-Qi in Blut-Xue findet im Herzen statt. Weiter ist das Herz für die Blutzirkulation verantwortlich: Der Herzschlag ist vom Herz-Qi abhängig. Aber auch andere Organe wie Lunge, Milz und Leber spielen eine Rolle im Blutkreislauf.
Kontrolliert und reguliert die Blutgefäße (Xue Mai): Die Blutgefäße sind vom Qi und Blut des Herzens abhängig. Wenn z. B. das Herz-Qi schwach ist, kann auch der Puls schwach und unregelmäßig sein.
Beherbergt den Geist (Shen): Das Herz ist Sitz des Bewusstseins und beeinflusst die mentale, emotionale, im erweiterten Sinn aber auch die spirituelle Aktivität des Menschen. Um den Geist-Shen beherbergen zu können, benötigt das Herz ausreichend Herz-Blut. Wenn das Herz kräftig und ausreichend Blut vorhanden ist, bestehen normale geistige Aktivität, klares Bewusstsein, gutes Gedächtnis. Bei Störungen des Herzens ist der Geist-Shen nicht mehr „zu Hause“ und es entwickeln sich Störungen in der Merk- und Konzentrationsfähigkeit sowie Unruhe, Schlaflosigkeit, aber auch übermäßiges Träumen und Schläfrigkeit bis hin zu Zuständen der Verwirrung und Bewusstseinsverlust.
Körpergewebe
Dem Herzen als Körpergewebe zugeordnet werden die Blutgefäße.
Öffner
Dem Herzen als Öffner zugeordnet werden Gesichtsfarbe, Zunge (v. a. die Zungenspitze), Sprachfähigkeit und Geschmackssinn. Wenn das Herz-Qi frei und ungehindert zirkuliert, dann fließt das Blut ruhig und gleichmäßig durch den Körper und gibt dem Gesicht eine gesunde, rosige Farbe; die Zunge ist normal rot, feucht und frei beweglich. Die Sprache ist sowohl abhängig von Geist-Shen als auch von der Artikulationsfähigkeit und damit von der freien Zungenbeweglichkeit. Sprachstörungen wie Stottern und Stammeln, aber auch die verschiedenen Aphasieformen werden dem Herzen zugeordnet.
Sekret
Als Sekret wird dem Funktionskreis Herz der Schweiß zugeordnet.
Emotion
Die dem Herzen zugeordnete Emotion ist die Freude, aber auch die Emotion im Sinne der Übererregung und Erregbarkeit. Die Freude als positives Lebensgefühl regt den Qi-Fluss des Herzens an. Ein Übermaß an Erregung, Stress und hektischer Lebenswandel sowie „emotionale Schockerlebnisse“ können zu Schlaflosigkeit, Unruhezuständen, aber auch zu Herzbeschwerden führen.
Pathogener Klimafaktor
Der dem Herzen zugeordnete pathogene Klimafaktor ist Hitze.
Partner-Fu-Organ: Dünndarm (Xiaochang)
Das gekoppelte Fu-Organ ist der Dünndarm (Xiaochang).
Dünndarm (Xiaochang)Funktion: Annahme und temporäre Speicherung von teilweise verdauter Nahrung des Magens, weitere Verdauung und Absorption von Nahrungsessenzen sowie von einem Teil des Wassers in der Nahrung. Der Dünndarm leitet den verbleibenden Rest der Nahrung an den Dickdarm weiter.
Beziehung Herz-Dünndarm: Der Dünndarm-Meridian ist mit dem Herzen verbunden, wodurch mit dem Herzen eine Innen-Außen-Kopplung besteht.
Milz (Pi)
Die Milz ist verantwortlich für die Aufnahme, Aufbereitung und Verteilung der Nahrung. Sie bildet die materielle Basis des Körpers und des nachgeburtlichen Qi (pathologische Syndrome). Die Entsprechung im Feudalstaat sind Aufgaben als Minister für Wirtschaft und Ernährung sowie als Proviantmeister.
Funktion
Herrscht über Transport und Umwandlung: Die Milz nimmt zusammen mit dem Magen die Nahrung auf und trennt das „Nützliche“ vom „Unnützen“. Sie nimmt das „Nützliche“ als Nahrungsessenz auf und leitet das „Unnütze“ weiter an den Darm. Aus der Nahrungsessenz wird in der Milz Nahrungs-Gu-Qi produziert, das die Quelle für Qi und Blut bildet. So sorgt eine gesunde Milz für eine harmonische Umwandlung und Bewegung der Flüssigkeiten mit ausreichender Versorgung des Körpers mit Qi, Blut und Körperflüssigkeiten. Ist das Milz-Qi kräftig, hat der Mensch warme Hände und Füße, einen guten Tastsinn, keine peripheren Ödeme. Bei einer Schwächung der Milz ist dieser harmonische Ablauf gestört und es kommt zu Feuchtigskeits-, Nässe- und Schleimansammlungen sowie zu einem Mangel an Qi und Blut.Milz (Pi)\"\r\"Milz
Hält das Blut in den Gefäßen: Die Milz verhindert ein unkontrolliertes Verlassen des Blutes-Xue aus den Gefäßen (Xue Mai). Ein Milz-Qi-Mangel führt zu Blutung (Petechien), Zahnfleischbluten, Nasenbluten, kleinen Blutbeimengungen in den Körpersekreten und Metrorrhagien.
Hält die Organe an ihrem Platz: Die Milz kontrolliert das aufsteigende Qi und hat einen hebenden Effekt, indem sie die Organe an ihrem Platz hält und ein Absinken verhindert. Bei einem Milz-Qi- oder -Yang-Mangel kann es zu Organsenkungen kommen.
Beherrscht das Denken (Yi): Der Milz werden insbesondere das analytische Denken, Lernen, Einsicht, Konzentration und Vorstellungskraft zugeordnet. Bei einer guten Konstitution des Milz-Qi ist das Denken scharf, die Konzentration gut. Das Denken und das Gedächtnis werden aber vom Herzen beeinflusst.
Körpergewebe
Die Milz ernährt die Muskulatur (im Sinne von Muskel-„Fleisch“), das Fettgewebe und das Bindegewebe. Wenn die Milz gesund ist, sind Arme und Beine kräftig. Milz-Mangel-Syndrome können daher von Muskelschwäche bis zur Muskelatrophie führen.
Öffner
Der der Milz zugeordnete Öffner ist der Mund und im weiteren Sinne auch die Lippen. Bei einer gesunden Milz-Funktion besteht ein sensibler Geschmackssinn. Rötungen, Blässe und Risse im Bereich von Lippen und Mund können als Störungen der Milz angesehen werden.
Emotion
Die der Milz zugeordnete Emotion sind „Si“, was dem Grübeln, Sich-Sorgen, Nachdenklichkeit und Meditation entspricht. In krankhafter Form würde man darunter am ehesten die Depressivität (nach westlicher Vorstellung) verstehen.
Sekret
Das der Milz zugeordnete Sekret ist der Speichel. Seine Konsistenz, Menge und Zeitpunkt der Produktion werden von der Milz gesteuert.
Pathogener Klimafaktor
Als pathogener Klimafaktor werden der Milz Feuchtigkeit und Nässe zugeordnet. Feuchtigkeit und Nässen greifen leicht die Milz an und blockieren ihr Qi. Dann kann das klare Qi im Sinne der Milz nicht mehr ausreichend aufsteigen, sondern sammelt sich an, wird trübe und sinkt nach unten und verursacht entsprechende Störungen. Feuchtigkeit und Nässe führen zu Ödemen, Übelkeit, weichen Stühlen, Diarrhö, Schleimretention und Müdigkeit.
Partner-Fu-Organ (Yang-Organ): Magen (Wei)
Das gekoppelte Fu-Organ ist der Magen (Wei).
Magen (Wei)Funktion: Der Magen entspricht einem großen Kochtopf, in dem die Basis für das nachgeburtliche Qi aus Nahrung und Getränken zubereitet wird. Dies kann als ein Prozess des Fermentierens und Reifens angesehen werden. Die Nahrungsessenz wird zur Weiterverwertung als Prozess der Auftrennung und Extraktion an Milz und Dünndarm abgeleitet. Die Bewegungsrichtung des Qi des Magens ist dabei abwärts gerichtet. Bei Störungen im Bereich des Magens findet sich oft eine Richtungsumkehr des Magen-Qi mit Übelkeit, Reflux oder Erbrechen. Für seine Aufgabe des „Einkochens“ braucht der Magen viel Flüssigkeit und reagiert daher empfindlich auf Trockenheit.
Beziehung Milz-Magen: Milz und Magen sind innerlich und äußerlich gekoppelt. Ihre Aufgaben sind eng miteinander verbunden und daher manchmal kaum zu trennen. Die Milz ist Yin, ihr Qi steigt auf; sie neigt zu Yang-Mangel und zu Kälte-Symptomen; sie liebt Trockenheit und leidet unter Feuchtigkeit; Milz-Qi-Mangel führt zu Diarrhö, sinkendes Milz-Qi zu Organprolaps. Der Magen ist Yang, sein Qi steigt ab, er neigt zu Yin-Mangel und Hitze-Symptomen; er liebt Feuchtigkeit und leidet unter Trockenheit.
Lunge (Fei)
Die Lunge kontrolliert die Körperoberfläche (Haut und Körperbehaarung) und steht damit in direktem Kontakt zur Umwelt. Sie ist verantwortlich für die Immunabwehr (Abwehr-Wei-Qi) und einen großen Teil der Ausscheidungen. Die Entsprechung im Feudalstaat sind die Aufgaben eines Verwaltungsministers.
Funktion
Dominiert das Qi, kontrolliert und regiert Atmung: Durch die Atmung nimmt die Lunge „reines“ Qi (Qing Qi) aus der Atemluft und gibt „unreines“ Qi (Zhuo Qi) an sie ab. Die Kontrolle der Atmung steht in enger Beziehung zum Sammel-Zong-Qi, an dessen Bildung die Lunge beteiligt ist. Das „reine“ Qi der Luft verbindet sich mit dem Nahrungs-Gu-Qi aus der Milz zum Zong Qi. Die Lunge dominiert damit das Qi der Atmung. Weiter dominiert sie auch das Qi im ganzen Körper, da sie für die Verteilung des Qi im Körper zuständig ist.Lunge (Fei)\"\r\"Lunge
Verteilt und führt herab: Die Lunge verteilt das Qi und die Körperflüssigkeiten Jin-Ye im ganzen Körper. Sie führt das Qi und die Körperflüssigkeiten nach unten. Daraus ergibt sich in diesem Punkt eine besondere Beziehung zur Niere, die die Aufgabe hat, das Qi zu empfangen.
Reguliert die Wasserwege: Die „reinen“ Anteile der Körperflüssigkeiten aus der Milz werden in der Lunge verdampft und im ganzen Körper verteilt. Überschüssige und „unreine“ Flüssigkeiten werden von ihr hinab zur Niere geleitet und über die Blase ausgeschieden. Ist diese Funktion gestört, kann es zu Ödemen und Atemproblemen kommen. Die Lunge ist zusammen mit der Niere für den Wasserhaushalt zuständig.
Beherbergt die Körperseele (Po): Die Lunge beherrscht den Instinkt und die vegetativen und autonomen Reaktionen.
Körpergewebe
Das dem Funktionskreis Lunge zugeordnete Körpergewebe ist die Körperoberfläche mit Haut, Poren, Schweißdrüsen und Körperbehaarung. Befindet sich das Lungen-Qi in Harmonie und freiem Fluss, ist die Haut rosig und glatt ohne Zeichen von Trockenheit oder Verunreinigungen. Sie ist widerstandsfähig, heilt bei Verletzungen gut und schnell, öffnet und schließt ihre Poren regelrecht. Sie hat damit eine enge Verbindung zum Abwehr-Wei-Qi.
Öffner
Der Öffner der Lunge ist die Nase einschließlich der oberen Luftwege mit Nebenhöhlen und Kehlkopf. Ein gesundes Lungen-Qi sorgt für einen sensiblen Geruchssinn und eine klare Stimme mit guter Stimmbandfunktion. Bei Lungen-Qi-Mangel Lungen-Qi-Mangelist die Stimme leise oder Patient mag nicht sprechen. Beschwerden wie Rhinitis, Halsentzündungen etc. werden daher der Lunge zugeordnet.
Emotion
Die der Lunge zugeordnete Emotion ist Trauer, Traurigkeit und Kummer. Ein Übermaß an diesen Emotionen blockiert das Lungen-Qi und führt zu Atembeschwerden.
Sekret
Die der Lunge zugeordneten Sekrete sind die Sekrete der oberen Luftwege, z. B. das Nasensekret. Ihre Qualität und Quantität geben Auskunft über den Zustand der Lunge. Bei Lungenfunktionsstörungen kann es zu Sekretstau in der Nase und in den Nasennebenhöhlen kommen.
Pathogener Klimafaktor
Als pathogener Klimafaktor ist dem Funktionskreis Lunge die Trockenheit zugeordnet. Allerdings schädigen auch andere Klimafaktoren wie Kälte, Wind und Hitze die Lunge (die Lunge als „zartes“ Organ mit dem Kontakt nach außen über die Körperoberfläche). Die Trockenheit bewirkt, dass die Lungen vermehrt angreifbar sind durch äußere Faktoren, z. B. der Zusammenhang zwischen trockener Heizungsluft im Winter und Erkältungskrankheiten.
Partner-Fu-Organ (Yang-Organ): Dickdarm (Da Chang)
Gekoppeltes Fu-Organ ist der Dickdarm (Da Chang).
Dickdarm (Da Chang)Funktion: Der Dickdarm empfängt die flüssigen und festen Bestandteile des „Trüben“ und scheidet sie mit dem Stuhl aus.
Beziehung Lunge-Dickdarm: Innerlich-äußerliche Koppelung. Sie sind beide wichtige Eliminationsorgane. Das absteigende Lungen-Qi unterstützt den Dickdarm bei der Defäkation. Die Störungen in diesem System können zur Obstipation, aber auch zu Atemproblemen führen.
Niere (Shen)
Die Niere ist Wurzel des Lebens und Bewahrerin der vorgeburtlichen Essenz-Jing.
Funktion
Speichert die Essenz, dominiert Entwicklung, Reproduktion und Altern: Die Essenz Jing ist die Grundlage der Entstehung Reifung von Eizellen bzw. Spermien. Bei einer Nieren-Schwäche kommt es zu Amenorrhö, Sterilität, Impotenz und Schwangerschaftsproblemen.Niere (Shen)\"\r\"Niere
Regiert Wasser: Die Niere funktioniert wie ein Drainagesystem im unteren der San Jiao und regiert über die gesamte Produktion und Bewegung der Körperflüssigkeiten. Sie sammelt die Flüssigkeiten aus Darm, Lunge und Milz. Sie verdampft „klare“ Flüssigkeit wieder zurück, leitet sie zur Lunge hinauf und leitet „trübe“ und überschüssige Flüssigkeiten an die Blase zur Ausscheidung weiter.
Empfängt das Qi: In dieser Funktion hilft sie der Lunge in ihrer Respirationsfunktion, indem sie das von der Lunge herabgeführte Qi in Empfang nimmt und „festhält“. Eine gleichmäßige Atmung ist also auch abhängig von dieser Nieren-Funktion. Ist diese gestört, steigt das Qi wieder nach oben und führt zu Atembeschwerden.
Regiert die Willenskraft (Durchhaltewillen Zhi): Willenskraft ist in diesem Zusammenhang der Durchhaltewillen. Eine chronische Überarbeitung kann Nierenstörungen auslösen, wobei physische Überarbeitung eher das Nieren-Yang, geistige Überarbeitung eher das Nieren-Yin schwächen soll.
Körpergewebe
Der Niere als Körpergewebe zugeordnet werden das Mark, die Knochen und das Kopfhaar. Pathologische Zeichen sind Erkrankungen im Bereich des Gebisses, des Skelettsystems und viele neurologische Störungen sowie auch frühzeitiges Ergrauen des Kopfhaares. Haarausfall oder dünnes, sprödes Haar sind Zeichen eines Nieren-Mangel-Syndroms.
Öffner
Die der Niere zugeordneten Öffner sind die Ohren. Otitiden, Gehörprobleme, Ohrgeräusche und Gleichgewichtsstörungen können über die Nieren behandelt werden. Darüber hinaus kontrahiert die Niere die unteren Körperöffnungen und reguliert übergeordnet die Blasen- und Darmentleerung sowie den Samenerguss beim Mann.
Emotion
Die dem Funktionskreis Niere zugeordnete Emotionen sind Angst und Schrecken (Erschrecken). Bei einer Nieren-Schwäche zeigen sich häufig Angstgefühle und mangelndes Selbstvertrauen.
Sekret
Das der Niere zugeordnete Sekret ist der Urin. Menge, Geruch und Farbe des Urins und Häufigkeit des Harnflusses geben Aufschluss über den Zustand der Nieren.
Pathogener Klimafaktor
Als pathogener Klimafaktor wird der Niere die Kälte zugeordnet. Ebenso kann aber auch Trockenheit und Hitze (außen wie innen) die Niere schädigen, da sie die Körperflüssigkeiten verbrauchen.
Partner-Fu-Organ (Yang-Organ): Harnblase (Pang Guang)
Funktion: Die Blase nimmt die „trüben“ Flüssigkeiten aus Dünndarm und Niere auf, scheidet sie als Urin aus und hält die unteren Wasserwege frei und offen (pathologische Syndrome). Ihre Funktion ist abhängig von der Unterstützung durch das Nieren-Yang.
Harnblase (Pang Guang)Beziehung Niere-Harnblase: Innerliche und äußerlich Koppelung. Die Blase kann als Yang-Aspekt der Niere betrachtet werden und ist abhängig von einem starken Mingmen-Feuer (Nieren-Yang-Feuer).

Fünf Fu-Yang-Organe und San Jiao (sechs Fu-Organe)

Die fünf Fu-Yang-Organe wurden bei Fünf Zang-Yin-Organen (1.4.1) als deren Partner-Yang-Organe erklärt.Yang-OrganeFu-Organe
Fu-Organ (Yang-Organ) San Jiao
Meist übersetzt als Dreifacher Erwärmer, Dreifacher Brenner, Dreierwärmer; entspricht keiner spezifischen Organstruktur, sondern einer Funktion.
San JiaoDem Aufgabenbereich des San Jiao entspricht im Feudalstaat am ehesten der Beamte für Bewässerung und Kontrolle der Wasserwege. Der San Jiao nimmt die Körperflüssigkeiten auf, transportiert und transformiert sie und scheidet Abfälle aus. Er hat eine Koordinationsfunktion im Metabolismus sowie bei der Bewegung der Körperflüssigkeiten und des Qi.
San Jiao als Dreiteilung des Körpers
In dieser Vorstellung entspricht der San Jiao einem großen Gefäß, welches alle inneren Organe enthält und untereinander in ihrer Funktion koordiniert.
Oberer der San Jiao (Zungenspitze): Der obere derSan Jiao:oberer San Jiao liegt oberhalb des Zwerchfells. Er enthält das Herz und die Lunge und verteilt Flüssigkeiten in Form von feinem Dampf im ganzen Körper, um ihn zu befeuchten.
Mittlerer der San Jiao (Zungenmitte): Der mittlere San San Jiao:mittlererJiao liegt zwischen Zwerchfell und Bauchnabel, enthält den Magen und die Milz. Hier wird die Nahrung aufgenommen und der San Jiao verteilt sie als Nahrungsessenz im gesamten Körper. Hier hat er den Charakter eines „großen Kochtopfs“.
Unterer der San Jiao (Zungenwurzel): Der untere der SanSan Jiao:unterer Jiao liegt unterhalb des Bauchnabels. Er enthält Dünndarm und Dickdarm, die Nieren und die Harnblase. Die Leber wird physiologisch ebenfalls dazu gerechnet. Seine Funktion in diesem Bereich ist die Trennung „klar“ von „unklar“, „Nützlichem“ von „Unnützem“ und hier werden die Abfälle über die Blase und den Dickdarm ausgeschieden. Hier entspricht er der „Kläranlage des Körpers“.
San Jiao als Straße des Yuan-Qi
Über das Wegenetz des San Jiao wird es dem Ursprungs-Yuan-Qi ermöglicht, durch den Körper zu den anderen Organen und an die Körperoberfläche in die Meridiane zu gelangen.

Außerordentliche Hohl-Fu-Organe (Qi Heng Zhi Fu)

Die sechs außerordentlichen Fu-Organe haben sowohl Yin-Charakter, d. h. sie speichern Essenz, als auch Yang-Charakter: sie sind hohl. Sie sind: Gehirn, (Nao), Mark, (Sui), Knochen, (Gu), Blutgefäße (Xue Mai) und Gallenblase (Gan) und Uterus (Nü Zi Bao).Yuan-QiQi:Yuan-Qi

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