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B978-3-437-57441-2.00006-3

10.1016/B978-3-437-57441-2.00006-3

978-3-437-57441-2

Westliche Erklärungsmodelle

Michael Wullinger

  • 6.1

    Westliche Erklärungsmodelle zu Wirkmechanismen der Akupunktur317

    • 6.1.1

      Immunologische Wirkungen318

    • 6.1.2

      Adaptationsprozesse318

    • 6.1.3

      GUSE-Modell319

    • 6.1.4

      Zusammenfassung320

  • 6.2

    Pharmakologische und klinische Forschung zu chinesischen Arzneimitteln320

    • 6.2.1

      Chemische Zusammensetzung320

    • 6.2.2

      Pharmakologie von Einzelmitteln320

    • 6.2.3

      Pharmakologische und immunologische Wirkungen von Rezepturen323

    • 6.2.4

      Zusammenfassung326

Westliche Erklärungsmodelle zu Wirkmechanismen der Akupunktur

Die wissenschaftliche Forschung über Wirkmechanismen der Akupunktur wird erst seit wenigen Jahren intensiv betrieben. Dabei steht vor allem die schmerzstillende Wirkung der Akupunktur bei chronischen Schmerzen im Mittelpunkt der Untersuchungen. Lange Zeit wurde die Ausschüttung von körpereigenen Endorphinen nach Akupunktur als wichtigster Wirkmechanismus angesehen. Aufgrund der kurzen Wirkdauer dieser Stoffe ist dieser Ansatz jedoch als Erklärung für Langzeitwirkungen der Akupunktur eher unwahrscheinlich.Akupunktur:Wirkungsmechanismen, westliche Erklärungsmodelle
Derartige Langzeiteffekte konnten unter anderem in den ARC-Studien (Acupuncture in Routine Care) nachgewiesen werden, bei denen die Patienten ein halbes Jahr nach Ende der Behandlung nochmals befragt wurden.
Die vorliegenden Ergebnisse haben gezeigt, dass durch zehn bis 15 Akupunkturbehandlungen bei allergischer Rhinitis und Asthma eine nachhaltige Veränderung der allergischen Reaktionslage bewirkt werden konnte.
Derzeit werden komplexe neurophysiologische Modelle mit zahlreichen Wirkmechanismen als Erklärung für die Wirkung der Akupunktur diskutiert. Die umfangreichsten Daten existieren zur analgetischen Wirkung der Akupunktur. Darüber hinaus konnten verschiedene immunologische Wirkungen der Akupunktur bei allergischen Erkrankungen beobachtet werden.
Im folgenden Kapitel sollen zunächst diese immunologischen Veränderungen beschrieben werden. Hochinteressant ist eine Hypothese, die die Induktion von Adaptationsprozessen zur Erklärung von Langzeiteffekten der Akupunktur postuliert. Noch umfassender ist das GUSE-Modell, das die Wirkungen der Akupunktur in generelle, unspezifische und spezifische Effekte unterteilt und dabei auch psychologische Aspekte einbezieht.

Immunologische Wirkungen

Neurophysiologische Untersuchungen konnten nachweisen, dass in der Hypophyse nach Akupunktur β-Immunologische Wirkungen:AkupunkturEndorphineEndorphine und ACTH (adrenokortikotropes Hormon)ACTH (adrenocorticotropes Hormon) freigesetzt werden. Das ACTH stimuliert die Nebennierenrinden und führt zur Ausschüttung von Kortisol (Stux et al. 2003). In ähnlicher Weise wie bei den Schmerzen wurde dies als maßgeblicher Wirkmechanismus für entzündungshemmende oder bronchospasmolytische Wirkungen bei asthmatischen Beschwerdebildern angesehen. Auch hier gilt jedoch, dass Langzeiteffekte der Akupunktur damit nicht erklärt werden können.
Pomeranz und Berman vertreten die Ansicht, dass die Freisetzung von ArachidonsäureArachidonsäure aus verletzten Zellmembranen sowie LeukotrieneLeukotriene und ProstaglandineProstaglandine antiallergische Effekte der Akupunktur erklären könnten (Stux et al. 2003).
In einer Studie zur allergischen Rhinitis von Lau et al. (1975) zeigte sich nach Akupunktur ein Abfall der EosinophileEosinophilen im Blut und im Nasensekret sowie des Serum-Serum-IgEIgE. Diese Veränderungen korrelierten mit einer signifikanten Abnahme der subjektiven klinischen Beschwerden (Besserung von 86 %).
Christensen et al. (1984) konnten nach Akupunktur einen signifikanten Abfall des im Blut zirkulierenden IgE nachweisen, während Chari et al. (1988) eine signifikante Abnahme von IgAIgA im Nasenschleim und im Serum fanden. Diese Ergebnisse konnten in neuen Studien nicht bestätigt werden.
Joos S. et al. (1997) veröffentlichten 1997 eine viel beachtete Studie zu immunologischen Effekten der Akupunktur bei der Behandlung des allergischen Asthma bronchiale. Sie konnten zeigen, dass die Akupunktur einen spezifischen immunmodulierenden Effekt ausübt. Nach der Akupunktur zeigte sich eine signifikante Vermehrung definierter Lymphozytensubpopulationen (CD 3+ T-Zellen, CD 4+ T-Zellen), signifikante Veränderungen der Zytokinkonzentrationen (IL-6, IL-8, IL-10) und ein Rückgang der Eosinophilen im peripheren Blut. Außerdem konnte ein deutlicher Zusammenhang zwischen dem Befinden der Patienten nach Akupunktur (79 % gaben eine Besserung an) und den Veränderungen der Immunparameter beobachtet werden. Abschließend wird die Hypothese formuliert, dass die Akupunkturwirkung als ein komplexes Zusammenspiel modulierender Einflüsse auf Immunsystem, Nervensystem, Hormonsystem und Psyche zu verstehen sei.
In einer neuen, noch nicht veröffentlichten Studie von Hauswald B. (2004) konnte nach Akupunktur von Patienten mit perennialer allergischer Rhinitis (PAR) ein signifikanter Anstieg von T-Helferzellen und der Interleukin-(IL-10-)Konzentration nachgewiesen werden.
Zusammenfassend gibt es derzeit Hinweise auf folgende Wirkungen der Akupunktur bei allergischen Erkrankungen (Pfab et al. 2005):
  • Im zentralen Nervensystem (ZNS) Ausschüttung von Endorphinen, ACTH und SerotoninSerotonin

  • Auf spinaler Ebene Beeinflussung von Prostaglandine:E 2Prostaglandin E2

  • In der Peripherie Veränderungen von vasoaktiven Peptiden (vasoaktive Peptide (CGRP)Peptide:vasoaktiveCGRP:vasoaktive PeptideCGRP), InterleukineInterleukinen (IL-6, IL-8, IL-10) und bestimmten Lymphozyten:SubpopulationenLymphozytensubpopulationen

Adaptationsprozesse

Bäcker et al. (2004) haben eine Hypothese zur Erklärung von Langzeiteffekten der Akupunktur vorgestellt. Sie postulieren die Induktion von Adaptationsprozessen des Organismus durch wiederholte Akupunkturreize. Der Begriff Adaptation wird von ihnen von Phänomenen bei Infektanfälligkeit auf chronische Schmerzen übertragen. Adaptation wird verstanden als eine Erhöhung der Widerstandkraft gegenüber einem adaptogenen Reiz durch die Verbesserung eines oder mehrerer Regulationssysteme.Adaptationsprozesse:Akupunktur
Dieses Modell, das zum Verständnis von Langzeiteffekten der Akupunktur bei chronischen Schmerzen entwickelt wurde, lässt sich mühelos auch auf allergische Erkrankungen übertragen. Es deckt sich auch in weiten Teilen mit den Schlussfolgerungen, die Joos et al. (1997) gezogen hatten. Das Phänomen der Akupunktur wird verstanden als Anpassung des Organismus durch Veränderungen des neuronalen, vegetativen, hormonellen sowie des Immunsystems.
Bäcker und Hammes (2005) kommen nach Sichtung der Literatur aus der neurobiologischen Grundlagenforschung zu folgender Darstellung möglicher therapeutisch relevanter Mechanismen. Diese werden in lokale und segmentale sowie systemische Mechanismen unterteilt:
  • Lokale und segmentale Mechanismen:

    • Antiinflammatorische Wirkung im Gewebe durch vasoaktive Peptide (Calcitonin-Gene-Related-Peptide; CGRP)

    • Auflösung muskulärer Triggerpunkte

    • Erhöhung der peripheren Durchblutung

    • Segmentale Hemmung von Schmerzrezeptoren am Rückenmark

    • Somatoviszerale Reflexe (Head-Zonen) durch Punkte am Rumpf

  • Systemische Mechanismen:

    • Aktivierung deszendierender Hemmung durch Endorphine

    • Modulation der cerebralen Aktivierung im limbischen System

    • Modulation des vegetativen Tonus, der subjektiv als Entspannung wahrgenommen wird und durch β-Blocker unterdrückt werden kann

    • Endokrine Wirkungen/Neurotransmitter (Endorphine, Oxytocin, Serotonin, ACTH)

Diese Übersicht stellt mögliche Wirkmechanismen der Akupunktur bei chronischen Schmerzen dar. Die Autoren weisen darauf hin, dass neben den erwähnten neurobiologischen Mechanismen auch wesentliche psychologische Effekte existieren.
Insgesamt kann angenommen werden, dass viele der dargestellten Wirkmechanismen in analoger Weise bei Allergien zutreffen.

GUSE-Modell

Stör (2006) stellt die dargestellten Mechanismen nochmals in einen größeren Kontext und entwickelt ein Modell von generellen, unspezifischen und spezifischen Effekten (GUSE) der Akupunktur:GUSE-Modell
  • Generelle Effekte der Akupunktur umfassen die Rahmenbedingungen sowie „Riten“ der Akupunkturbehandlung. Dazu zählen die soziokulturelle Akzeptanz einer Behandlungsmethode, die Aufmerksamkeit und Zuwendung des Therapeuten oder auch das Liegen in entspannter Atmosphäre. Auch die Persönlichkeit und Kompetenz des behandelnden Therapeuten spielen eine wesentliche Rolle sowie viele andere psychologische Momente.

  • Unspezifische Effekte der Akupunktur werden wieder unterteilt in lokale und systemische Wirkungen. Diese decken sich weitgehend mit den von Bäcker und Hammes (2005) dargestellten Mechanismen. Es wird das Zusammenspiel von Nervensystem, Endokrinium und Hormonsystem hervorgehoben.

  • Spezifische Effekte sind bislang am wenigsten erforscht. Als wesentliche Quellen sind hier vor allem das traditionelle Wissen und die Erfahrung zu nennen. In einer experimentellen Studie konnte die juckreizstillende Wirkung einer alleinigen Nadelung des Punktes Di 11/IC IC 11 (Di 11, quchi)11 („Gekrümmter Teich“, quchi (Di 11, IC 11)quchi) nachgewiesen werden (Pfab et al. 2005). Die Differenziertheit der Akupunkturwirkung und die Zuordnung zu speziellen Lokalisationen lassen sich durch die neurobiologischen Mechanismen nicht annähernd erklären.

Zusammenfassung

Die neurophysiologische Grundlagenforschung hat eine Vielzahl von Hypothesen für die analgetische Wirkung der Akupunktur hervorgebracht. Diese lassen sich teilweise auch auf antiallergische Effekte übertragen. Die Induktion von Adaptationsprozessen ist hierbei ein interessanter Ansatz.
Darüber hinaus konnten verschiedene immunmodulierende Wirkungen beobachtet werden. Keines dieser Modelle eignet sich für die Erklärung punktspezifischer Wirkungen.
Erfreulicherweise zeigte sich als ein Ergebnis der deutschen Akupunkturstudien auch, dass die größere Akupunkturerfahrung des behandelnden Arztes einen positiven Einfluss auf die Effektivität der Akupunkturbehandlung hatte (Witt et al. 2006).

Pharmakologische und klinische Forschung zu chinesischen Arzneimitteln

In den letzten Jahren wurden vor allem in China große Anstrengungen unternommen, traditionelle Indikationen durch pharmakologische Forschungen zu bestätigen. Neben biochemischen Analysen wurden sowohl tierexperimentelle Studien als auch klinische Studien durchgeführt. Dabei wurden entgegen der traditionellen Verordnungspraxis häufig auch Einzelmittel untersucht. Die Autoren dieses Buches sind der Meinung, dass chinesische Arzneimittel grundsätzlich auf der Basis einer traditionellen Diagnose verordnet werden sollten. Trotzdem soll erwähnt werden, dass im heutigen China das pharmakologische Wissen häufig in die alltägliche Praxis mit einfließt. So werden bestimmte Kräuter unter anderem verwendet, weil sie z. B. eine antiallergische Wirkung haben.

Chemische Zusammensetzung

Aufgrund von umfangreichen chemischen und biochemischen Untersuchungen konnten zahlreiche Bestandteile chinesischer Heilpflanzen identifiziert werden. In manchen Fällen ist es gelungen, die klinische Wirkung einer Pflanze durch einen oder mehrere Wirkstoffe weitgehend zu klären. Beispiele hierfür sind die sympathikomimetische Wirkung des Ephedrin in Ephedrae Ephedrae herba (Mahuang)herba (Mahuang (Ephedrae herba)Mahuang), die kortikoidähnliche Wirkung von GlycyrrhizinGlycyrrhizin in Glycyrrhizae radix (Gancao (Glycyrrhizae radix)Gancao), die adaptogene Wirkung der SaponineSaponine im Ginseng Ginseng radix (Renshen)radix (Renshen (Ginseng radix)Renshen), die antitussive Wirkung des AmygdalinAmygdalin in Pruni armeniacae Pruni armeniacae semen (Xingren)semen (Xingren (Pruni armeniacae semen)Xingren) oder die antibakterielle Wirkung von BaikaleinBaikalein in Scutellariae radix (Huangqin (Scutellariae herba)Huangqin). Jede Pflanze enthält in der Regel einige hundert verschiedene pflanzliche Bestandteile. Daraus folgt, dass die pharmakologischen Wirkungen einer Pflanze häufig durch das Zusammenspiel mehrerer Wirkstoffe zustande kommen bzw. eine Heilpflanze auch mehrere pharmakologische Wirkungen aufweisen kann.

Pharmakologie von Einzelmitteln

Im Zusammenhang mit allergischen Erkrankungen sind vor allem die folgenden pharmakologischen Wirkungen von Bedeutung:Arzneimittel:Pharmakologie
  • Adaptogene Wirkung

  • Antiallergische Wirkung

  • Antiasthmatische Wirkung

  • Antihistaminartige Wirkung

  • Steroidähnliche Wirkung

  • Wirkung auf Hypophyse oder Nebennierenrinde (NNR)

  • Immunmodulierende Wirkung

  • Immunstimulierende Wirkung

  • Entzündungshemmende Wirkung

Die folgende Liste von Arzneimitteln und pharmakologischen Wirkungen erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Für die Zusammenstellung gab es drei maßgebliche Auswahlkriterien:
  • Die Arzneimittel sollten relevant für die Behandlung allergischer Erkrankungen sein.

  • Es sollte eine weitgehende Übereinstimmung zwischen traditioneller Indikation und pharmakologischer Wirkung bestehen.

  • Diese Wirkung sollte möglichst in mehreren Quellentexten übereinstimmend erwähnt worden sein (Zhu You-Ping 1998, Chang Hsou-Mou et al. 2001, Chen und Chen 2004).

Adaptogene Wirkung
  • Ginseng radix (Renshen (Ginseng radix)Renshen)

  • Codonopsitis radix (Dangshen (Codonopsitis radix)Dangshen)

  • Schisandrae Schisandrae fructus (Wuweizi)fructus (Wuweizi (Schisandrae fructus)Wuweizi)

  • Curculiginis Curculiginis rhizoma (Xianmao)rhizoma (Xianmao (Curculiginis rhizoma)Xianmao)

Antiallergische Wirkung
  • Ephedrae herba (Mahuang (Ephedrae herba)Mahuang)

  • Cinnamomi cassiae Cinnamomi cassiae ramulus (Guizhi)ramulus (Guizhi (Cinnamomi cassiae rumulus)Guizhi)

  • Magnoliae Magnoliae flos (Xinyi)flos (Xinyi (Magnoliae flos)Xinyi)

  • Asari Asari herba cum radice (Xixin)radix (Xixin (Asari herba cum radice)Xixin)

  • Centipedae Centipedae herba (Ebushicao)herba (Ebushicao (Centipedae herba)Ebushicao)

  • Schizonepetae herba (Jingjie (Schizonepetae herba)Jingjie)

  • Saposhnikoviae radix (Fangfeng (Saposhnikoviae radix)Fangfeng)

  • Cicadae Cicadae periostracum (Chantui)periostracum (Chantui (Cicadae periostracum)Chantui)

  • Scutellariae Scutellariae radix (Huangqin)radix (Huangqin (Scutellariae radix)Huangqin)

  • Forsythiae fructus (Lianqiao (Forsythiae fructus)Lianqiao)

  • Houttuyniae Houttuyniae herba (Yuxingcao)herba (Yuxingcao (Houttuyniae herba)Yuxingcao)

  • Stephaniae Stephaniae radix (Fangji)radix (Fangji (Stephaniae radix)Fangji)

  • Lumbricus (Dilong (Lumbricus)Dilong)

  • Ganoderma Ganoderma lucidum (Lingzhi)lucidum (Lingzhi (Ganoderma lucidum)Lingzhi)

  • Aquilariae Aquilariae lignum (Chenxiang)lignum (Chenxiang (Aquilariae lignum)Chenxiang)

  • Persicae Persicae semen (Taoren)semen (Taoren (Persicae semen)Taoren)

  • Pruni mume Pruni mume fructus (Wumei)fructus (Wumei (Pruni mume fructus)Wumei)

Antiasthmatische Wirkung
  • Ephedrae herba (Mahuang (Ephedrae herba)Mahuang)

  • Centipedae herba (Ebushicao (Centipedae herba)Ebushicao)

  • Pruni armeniacae semen (Xingren (Pruni armeniacae semen)Xingren)

  • Farfarae Tussilaginis farfarae flos (Kuandonghua)flos (Kuandonghua (Tussilaginis farfare flos)Kuandonghua)

  • Inulae japonicae Inulae japonicae flos (Xuanfuhua)flos (Xuanfuhua (Inulae japonicae flos)Xuanfuhua)

  • Fraxini Fraxini cortex (Qinpi)cortex (Qinpi (Fraxini cortex)Qinpi)

  • Menispermi Menispermi radix (Shandougen)radix (Shandougen (Menispermi radix)Shandougen)

  • Citri reticulatae viride Citri reticulatae viride pericarpium (Qinpi)pericarpium (Qingpi (Cetri reticulatae viride pericarpium)Qingpi)

  • Lumbricus (Dilong)Lumbricus (Dilong (Lumbricus)Dilong)

  • Ganoderma lucidum (Lingzhi (Ganoderma lucidum)Lingzhi)

  • Angelicae sinensis Angelicae sinensis radix (Danggui)radix (Danggui (Angelicae sinensis radix)Danggui)

Antihistaminartige Wirkung
  • Angelicae dahuricae Angelicae dahuricae radix (Baizhi)radix (Baizhi (Angelicae dahuricae radix)Baizhi)

  • Asari herba cum radice (Xixin (Asari herba cum radice)Xixin)

  • Saposhnikoviae radix (Fangfeng (Saposhnikoviae radix)Fangfeng)

  • Cicadae periostracum (Chantui (Cicadae periostracum)Chantui)

  • Citri reticulatae Citri reticulatae pericarpium (Chenpi)pericarpium (Chenpi (Citri reticulatae pericarpium)Chenpi)

  • Moutan cortex Moutan cortex radicis (Mudanpi)(Mudanpi (Mountan cortex radicis)Mudanpi)

  • Dictamni cortex radicis (Baixianpi (Dictamni cortex radicis)Baixianpi)

  • Bambusae folium (Xianzhuye (Bambusae folium)Xianzhuye)

  • Tribuli fructus (Baijili (Tribuli fructus)Baijili)

  • Glycyrrhizae radix (Gancao (Glycyrrhizae radix)Gancao)

Steroidähnliche Wirkung
  • Rehmanniae Rehmanniae radix (Shengdihuang)radix (Shengdihuang (Rehmanniae radix)Shengdihuang)

  • Glycyrrhizae radix (Gancao (Glycyrrhizae radix)Gancao)

  • Dictamni cortex radicis (Baixianpi (Dictamni cortex radicis)Baixianpi)

Wirkung auf Hypophyse oder Nebennierenrinde (NNR)
  • Ginseng radix (Renshen (Ginseng radix)Renshen)

  • Codonopsitis radix (Dangshen (Codonopsitis radix)Dangshen)

  • Polygoni multiflori Polygoni multiflori radix (Heshouwu)radix (Heshouwu (Polygoni multiflori radix)Heshouwu)

  • Rehmanniae radix (Shengdihuang (Rehmanniae radix)Shengdihuang)

  • Anemarrhenae Anemarrhenae rhizoma (Zhimu)rhizoma (Zhimu (Anemarrhenae rhizoma)Zhimu)

Immunmodulierende Wirkung
  • Ginseng radix (Renshen (Ginseng radix)Renshen)

  • Astragali radix (Huangqi (Astragali radix)Huangqi)

  • Schisandrae fructus (Wuweizi (Schisandrae fructus)Wuweizi)

  • Epimedii Epimedii herba (Yinyanghuo)herba (Yinyanghuo (Epimedii herba)Yinyanghuo)

  • Paeoniae lactiflorae radix (Baishao (Paeoniae lactiflorae radix)Baishao)

  • Lycii Lycii fructus (Gouqizi)fructus (Gouqizi (Lycii fructus)Gouqizi)

  • Ganoderma lucidum (Lingzhi (Ganoderma lucidum)Lingzhi)

  • Cordyceps Cordyceps sinensis (Dongchongxiacao)sinensis (Dongchongxiacao (Cordyceps sinensis)Dongchongxiacao)

Immunstimulierende Wirkung
  • Astragali radix (Huangqi (Astragali radix)Huangqi)

  • Atractylodis macrocephalae rhizoma (Baizhu (Atractylodis macrocephalae radix)Baizhu)

  • Codonopsitis radix (Dangshen (Codonopsitis radix)Dangshen)

  • Ganoderma Ganoderma lucidum (Lingzhi)lucidum (Lingzhi (Ganoderma lucidum)Lingzhi)

  • Ginseng radix (Renshen (Ginseng radix)Renshen)

  • Pruni mume fructus (Wumei (Pruni mume fructus)Wumei)

  • Epimedii herba (Yinyanghuo (Epimedii herba)Yinyanghuo)

Entzündungshemmende Wirkung
  • Bupleuri Bupleuri radix (Chaihu)radix (Chaihu (Bupleuri radix)Chaihu)

  • Plantaginis semen (Cheqianzi (Plantaginis semen)Cheqianzi)

  • Isatidis Isatidis folium (Daqingye)folium (Daqingye (Isatidis Folium)Daqingye)

  • Saposhnikoviae radix (Fangfeng (Saposhnikoviae radix)Fangfeng)

  • Scutellariae radix (Huangqin (Scutellariae radix)Huangqin)

  • Houttuyniae herba (Yuxingcao (Houttuyniae herba)Yuxingcao)

  • Lonicerae Lonicerae flos (Jinyinhua)flos (Jinyinhua (Lonicerae flos)Jinyinhua)

  • Forsythiae fructus (Lianqiao (Forsythiae fructus)Lianqiao)

  • Gentianae Gentianae radix (Longdancao)radix (Longdancao (Gentianae radix)Longdancao)

  • Moutan cortex radicis (Mudanpi (Mountan cortex radicis)Mudanpi)

  • Mori cortex Mori cortex radicis (Sangbaipi)radicis (Sangbaipi (Mori cortex radicis)Sangbaipi)

  • Cimicifugae Cimicifugae rhizoma (Shengma)rhizoma (Shengma (Cimicifugae rhizoma)Shengma)

  • Scrophulariae Scrophulariae radix (Xuanshen)radix (Xuanshen (Scrophulariae radix)Xuanshen)

Pharmakologische und immunologische Wirkungen von Rezepturen

Neben den pharmakologischen Wirkungen von Einzelmitteln wurden auch Untersuchungen über die Wirkung komplexer Rezepturen, wie sie üblicherweise in der traditionellen chinesischen Arzneimitteltherapie verwendet werden, durchgeführt.Rezepturen:pharmakologische und immunologische Wirkungen
Untersuchte Rezeptur
Dabei wurde insbesondere die Rezeptur, die in mehreren Studien zur Behandlung des atopischen Ekzems erfolgreich getestet wurde, genauen Analysen unterzogen.
Bestandteile:
  • Saposhnikoviae radix (Fangfeng (Saposhnikoviae radix)Fangfeng)

  • Schizonepetae herba (Jingjie (Schizonepetae herba)Jingjie)

  • Tribuli fructus (Baijili (Tribuli fructus)Baijili)

  • Dictamni cortex radicis (Baixianpi (Dictamni cortex radicis)Baixianpi)

  • Bambusae folium (Xianzhuye (Bambusae folium)Xianzhuye)

  • Clematidis armandii caulis (Chuanmutong (Clematidis armandii caulis)Chuanmutong)

  • Potentilla chinensis herba (Weilingcai)Weilingcai (Potentilla chinensis herba)

  • Paeoniae lactiflorae radix (Baishao (Paeoniae lactiflorae radix)Baishao)

  • Rehmanniae radix (Shengdihuang (Rehmanniae radix)Shengdihuang)

  • Glycyrrhizae radix (Gancao (Glycyrrhizae radix)Gancao)

Latchman et al. (1994) haben mit Bezug auf bekannte pharmakologische Wirkungen der Einzelmittel folgende Wirkmechanismen für die ganze Rezeptur vorgeschlagen:
  • Endogene Kortison-/Kortisolausschüttung durch adrenokortikale Stimulation

  • Potenzierung der Wirkung von endogenen Kortikosteroiden in spezifischen Geweben einschließlich der Haut und der Lunge durch Inhibition von metabolisierenden Enzymen

  • Kortikosteroid-ähnliche Wirkung von Pflanzenderivaten

  • Wechselwirkungen bei der Bildung von Entzündungsmediatoren in der Arachidonsäure/Prostaglandin/Leukotrienkaskade

  • Ein juckreizhemmender Effekt, der nicht notwendigerweise durch Kortikosteroide vermittelt wird (vasokonstriktorisch)

  • Antibakterielle Wirkung

  • Antiallergische Wirkung (Wechselwirkung bei Vorgängen, die zu einer allergischen Reaktion führen)

Aus pharmakologischer Sicht ist die Wirksamkeit möglicherweise das Ergebnis von mehreren gleichzeitigen Wirkungen auf Entzündungsprozesse in der Haut, die verschiedene Mediatorsysteme an mehreren Stellen beeinflussen. Hierin könnte auch ein Vorteil von komplexen Rezepturen gegenüber westlicher Monotherapie liegen.
Darüber hinaus wurden einige spezifische immunologische Veränderungen bei Patienten, die wegen eines atopischen Ekzems mit obiger Rezeptur behandelt wurden, festgestellt (Latchman et al. 1996):
  • Eine signifikante Erniedrigung von IgE-Komplexen

  • Eine Blockierung der Induktion von CD23 durch Interleukine IL-4 (CD23 sind IgE-Rezeptoren niedriger Affinität, die eine zentrale Rolle bei der chronischen Entzündung des atopischen Ekzems haben)

  • Eine signifikante Erniedrigung von löslichen Interleukin-2-Rezeptoren (diese korrelieren mit der Krankheitsaktivität)

Die Veränderung der genannten immunologischen Parameter gingen mit einer signifikanten Besserung der klinischen Beschwerden einher.
Weitere untersuchte Rezepturen
Borchers et al. (1997) haben eine Übersichtsarbeit über immunmodulierende Wirkungen von chinesischen Arzneimitteln veröffentlicht. Es wurden zahlreiche japanische, chinesische und westliche Quellen untersucht, wobei sowohl experimentelle als auch klinische Studien zitiert wurden. Dabei wurden unter anderem drei Rezepturen erwähnt, die klinisch zur Behandlung allergischer Erkrankungen eingesetzt werden.
„Dekokt mit Bupleurum und Magnoliae cortex“ (Chaipo tang) – japanisch Saiboku to
Die Rezeptur ist eine Zusammensetzung aus dem „Kleinen Bupleurum-Dekokt“ (Xiao chaihu tang) und dem „Dekokt mit Pinellia-Knollen und Magnolienrinde“ (Banxia houpo tang).Dekokt mit Bupleurum und Magnoliae cortex (Chaipo tang)Chaipo tang
  • Zusammensetzung:

    • Bupleuri radix (Chaihu (Bupleuri radix)Chaihu)

    • Pinelliae Pinelliae rhizoma (Banxia)rhizoma (Banxia (Pinelliae rhizoma)Banxia)

    • Scutellariae radix (Huangqin (Scutellariae herba)Huangqi)

    • Ginseng radix (Renshen (Ginseng radix)Renshen)

    • Glycyrrhizae radix (Gancao (Glycyrrhizae radix)Gancao)

    • Zingiberis rhizoma Zingiberis rhizoma viridis (Shengjiang)viridis (Shengjiang (Zingiberis rhizoma viridis)Shengjiang)

    • Magnoliae cortex (Houpo (Magnoliae cortex)Houpo)

    • Perillae caulis et Perillae caulis et folium (Zisuye)folium (ZisuyeZisuye (Perillae caulis et folium))

    • Poria (Fuling)Poria (Fuling (Poria)Fuling)

    • Jujubae Jujubae fructus (Dazao)fructus (Dazao (Jujubae fructus)Dazao)

  • Indikation:

    • Asthma bronchiale

  • Immunologische Wirkungen:

    • Hemmt den plättchenaktivierenden Faktor PAF

    • Vermindert die Interleukin-IL-2-Produktion

    • Reduziert IgG1 im Serum

    • In Tierversuchen Abnahme der Eosinophilen in den Atemwegen

„Kleines Dekokt des Grünen Drachen“ (Xiao qinglong tang) – japanisch Sho seiryu to
  • Zusammensetzung: Xiao qinglong tang (Kleines Dekokt des Grünen Drachen) Sho seiryu to (Kleines Dekokt des Grünen Drachen) Kleines Dekokt des Grünen Drachen (Xiao qinglong tang)

    • Ephedrae herba (Mahuang (Ephedrae herba)Mahuang)

    • Cinnamomi cassiae ramulus (Guizhi (Cinnamomi cassiae rumulus)Guizhi)

    • Asari herba cum radice (Xixin (Asari herba cum radice)Xixin)

    • Pinelliae rhizoma (Banxia (Pinelliae rhizoma)Banxia)

    • Zingiberis Ganjiang (Zingiberis rhizoma)rhizoma (Ganjiang)

    • Paeoniae lactiflorae radix (Baishao (Paeoniae lactiflorae radix)Baishao)

    • Schisandrae fructus (Wuweizi (Schisandrae fructus)Wuweizi)

    • Glycyrrhizae radix (Gancao (Glycyrrhizae radix)Gancao)

  • Indikationen:

    • Asthma bronchiale

    • Allergische Rhinitis

  • Immunologische Wirkung:

    • Hemmt die Histaminfreisetzung

„Dekokt mit Poria, Süßholz, Ingwer, Schisandrae, Asari, Pinellia und Bittermandel“ (Linggan jiangwei xinxiaren tang) – japanisch Ryokankyo mishin genin to
  • Zusammensetzung: Ryokankyo mishin genin to (Dekokt mit Poria, Süßholz, Ingwer, Schisandrae, Asari, Pinellia und Bittermandel) Linggan jiangwei xinxiaren tang (Dekokt mit Poria, Süßholz, Ingwer, Schisandrae, Asari, Pinellia und Bittermandel) Dekokt mit Poria, Süßholz, Ingwer, Schisandrae, Asari, Pinellia und Bittermandel (Linggan jiangwei xinxiaren tang)

    • Poria (Fuling (Poria)Fuling)

    • Glycyrrhizae radix (Gancao (Glycyrrhizae radix)Gancao)

    • Zingiberis rhizoma (Zingiberis rhizoma (Ganjiang)Ganjiang)

    • Schisandrae fructus (Wuweizi (Schisandrae fructus)Wuweizi)

    • Asari herba cum radice (Xixin (Asari herba cum radice)Xixin)

    • Pinelliae rhizoma (Banxia (Pinelliae rhizoma)Banxia)

    • Pruni armeniacae semen (Xingren (Pruni armeniacae semen)Xingren)

  • Indikationen:

    • Asthma bronchiale

    • Allergische Rhinitis

  • Immunologische Wirkungen:

    • Hemmt die Degranulation von Mastzellen und Histaminfreisetzung

    • Steigert die Interleukin-IL-4-Produktion

Zusammenfassung

In den letzten Jahrzehnten ist es gelungen, von einigen chinesischen Heilpflanzen einzelne chemische Wirkstoffe zu isolieren, die die klinische Wirkung des Mittels weitgehend erklären. Für eine große Zahl der Phytotherapeutika konnten experimentell und klinisch bestimmte pharmakologische Wirkungen gezeigt werden. Für einige Rezepturen wurden in Studien auch immunologische Veränderungen nachgewiesen, die die Wirkung bei allergischen Erkrankungen teilweise erklären. Auch aus pharmakologischer Sicht gibt es Hinweise darauf, dass die Verwendung einer komplexen Rezeptur Vorteile gegenüber der Verordnung von Monosubstanzen haben kann.

Literatur

Bäcker et al., 2004

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