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B978-3-437-57640-9.10003-3

10.1016/B978-3-437-57640-9.10003-3

978-3-437-57640-9

Überblick über den Verlauf der Hauptleitbahnen an der Oberfläche des Kopfes: Kopf frontal

[aus Focks/Hillenbrand, 2006]

Überblick über den Verlauf der Hauptleitbahnen an der Oberfläche des Kopfes: Kopf seitlich

[aus Focks/Hillenbrand, 2006]

Die Physiologie des Halses, der Nase und der Ohren aus Sicht der chinesischen Medizin

Michael Hoffmann

Agnes Fatrai

In diesem Kapitel gehen wir auf wichtige physiologische Funktionen des Halses, der Nase und der Ohren aus Sicht der chinesischen Medizin ein und beschreiben ihre Beziehung zu den Funktionskreisen. Hierbei ist zu beachten, dass die in der chinesischen Medizin gebräuchliche, umfangreiche Differenzierung der Symptome und physiologischen Zusammenhänge die Basis unserer Ausführungen darstellt, wobei sich die von uns gewählten deutschen Ausdrücke an den chinesischen Originalbegriffen orientieren.

Die physiologischen Funktionen des Halses, der Nase und der Ohren

Die physiologischen Funktionen der Ohren

Das Ohr ist zuständig für das Hörvermögen und den Gleichgewichtssinn. Das Hörvermögen entsteht, indem die Töne in das Innenohr eindringen und sie von der konstellierenden Kraft shen des Gehörs (tingshen) wahrgenommen, über die Leitbahn des Gehörs (tingmai) in die Versammlungshalle der ursprünglichen konstellierenden Kraft shen weitergeleitet und durch diese analysiert und differenziert werden. Der Gleichgewichtssinn wird von der konstellierenden Kraft shen der Position (weishen) mit Unterstützung durch die ursprüngliche konstellierende Kraft shen und durch Einfluss des echten Wassers (zhenshui) im Innenohr erhalten.

Die physiologischen Funktionen der Nase

Die Nase, die auch als Körperöffnung mit viel Qi und viel Xue bezeichnet wird, führt die Atmung durch, leitet das Riechvermögen an, unterstützt das Sprechen und wehrt äußere Schrägläufigkeiten (Heteropathien, xie) ab. Die Durchführung der Atmung durch die Nase steht in einem engen Zusammenhang mit dem Fk Lunge (o. pulmonalis, fei), denn die Nase ist die Körperöffnung des Fk Lunge (o. pulmonalis, fei) und das Tor für das bei der Atmung ein- und austretende Qi. Beide zusammen sind zuständig für die Atmung. Während der Atmung wirken die Yin-Säfte und das Yang-Qi in der Nase erwärmend, befeuchtend und die eingeatmete Luft reinigend, so dass das den Fk Lunge (o. pulmonalis, fei) erreichende Qi trotz wetterbedingter Schwankungen immer gleich warm und sauber ist. Das Riechvermögen ist auf die konstellierende Kraft shen des Riechens (xiushen) angewiesen, die in der Nase gespeichert und von der ursprünglichen konstellierenden Kraft shen dominiert wird. Wenn Gerüche in die Nase eindringen, werden sie von der konstellierenden Kraft shen des Riechens (xiushen) wahrgenommen, zur ursprünglichen konstellierenden Kraft shen weitergeleitet und durch diese analysiert und differenziert. Eine weitere Voraussetzung für das Riechvermögen ist, dass die Nase die Atmung durchführt, denn nur so können die Gerüche in die Nase gelangen. Das Sprechen wird durch Resonanz in den Nasenhaupt- und -nebenhöhlen unterstützt. Die Abwehr von äußeren Schrägläufigkeiten (Heteropathien, xie) in der Nase erfolgt, indem geradläufiges Qi (orthopathisches Qi, zhengqi) in der Nase verteilt ist, das eindringenden Schrägläufigkeiten (Heteropathien, xie) Widerstand leistet. Dies ist möglich, wenn in der Nase ausreichend Yang-Qi vorhanden ist und Abwehr-Qi (qi defensivum, weiqi) in der Nase verteilt ist, denn diese können äußeren Schrägläufigkeiten (Heteropathien, xie) direkten Widerstand leisten. Zudem können bei harmonischem und durchgängigem Yang-Qi bereits in der Nase verweilende Schrägläufigkeiten (Heteropathien, xie) ausgeniest werden.

Die physiologischen Funktionen von Schlund und Kehlkopf

Wie in der Medizinliteratur Chinas bereits sehr früh erkannt wurde, kann der Hals (yanhou) in zwei Bereiche unterteilt werden: in den Schlund (Pharynx, yan) und in den Kehlkopf (Larynx, hou).

Der Kehlkopf (hou) steht mit dem Qi des Himmels in Verbindung, der Schlund (yan) steht mit dem Qi der Erde in Verbindung. (29. Kapitel des Huangdi Neijing Suwen)

Die physiologischen Funktionen des Schlundes (Pharynx)
Der Schlund (Pharynx) mündet nach oben in die Choanen, nach unten grenzt er an den Eingang der Speiseröhre, nach vorne steht er mit der Mundhöhle in Verbindung. Von der Form her ist er oben breit und unten eng, wie ein Trichter. Er leitet das Schlucken an und bildet die Passage der Nahrung. Er kann in den Nasopharynx (hangsang), den Oropharynx (yanmen) und den Hypopharynx (yi) unterteilt werden.
Er leitet das Schlucken an, führt die Atmung durch, unterstützt das Sprechen und wehrt Heteropathisch-Toxisches ab. Das Schlucken von Nahrung und Getränken kann nur stattfinden, wenn Zunge, Schlund (Pharynx), Kehldeckel und Kehlkopf (Larynx) aufeinander abgestimmt zusammenwirken. Dabei hat der Schlund (Pharynx) die wichtigste Rolle. Bei diesem Vorgang hat die ursprüngliche konstellierende Kraft shen eine wichtige kontrollierende und regulierende Funktion. Der Schlund (Pharynx) befindet sich zwischen der Nase und dem Kehlkopf (Larynx), die Atmungsluft muss ihn passieren, und deshalb ist er auch an der Atmung beteiligt. Die eingeatmete Luft wird hier zusätzlich erwärmt, befeuchtet und gereinigt, so dass das Qi, das den Fk Lunge (o. pulmonalis, fei) erreicht, rein, klar und frei von Schrägläufigkeiten (Heteropathien, xie) ist. Ebenso müssen die vom Kehlkopf (Larynx) erzeugten Töne den Schlund (Pharynx) passieren. Äußere Schrägläufigkeiten (Heteropathien, xie), die über Mund und Nase in den Organismus eindringen, müssen ebenfalls den Schlund (Pharynx) passieren. Da dieser mit den Fk Lunge und Magen (oo. pulmonalis et stomachi, fei wei) in Verbindung steht, wird er mit reichlich Wehrenergie (qi defensivum, weiqi) versorgt, so dass er in der Lage ist, eindringendes Heteropatisch-Toxisches abzuwehren.
Die physiologischen Funktionen des Kehlkopfes (Larynx)
Der Kehlkopf (Larynx) ist für die Stimmbildung und die Atmung zuständig. Nach oben ist er dem Speiseröhreneingang benachbart, nach unten setzt er sich in der Luftröhre fort und reicht bis zum Fk Lunge (o. pulmonalis, fei). Zusammen mit der Luftröhre und den Nasengängen wird er zu den Verbindungen des Fk Lunge (feixi) gezählt. Er befindet sich in der Mitte des vorderen Halses und wird hauptsächlich von Knorpel, Muskeln und Faszien gebildet. Er kann in den Larynxeingang oder Aditus laryngis (houmen) und in die Glottis, die die Stimmritze enthält (shenghu), unterteilt werden.
Er führt die Atmung durch und leitet die Lautbildung an. Die eingeatmete Luft passiert Nase und Schlund (Pharynx) und gelangt schließlich zum Kehlkopf (Larynx). Der Kehldeckel hebt und öffnet sich, und das eingeatmete klare Qi kann über diesen Weg in den Fk Lunge (o. pulmonalis, fei) gelangen und das trübe Qi aus dem Fk Lunge (o. pulmonalis, fei) umgekehrt wieder austreten und zu Schlund (Pharynx) und Nase weitergeleitet werden. Damit wird der ungestörte Ablauf der Atmung aufrechterhalten. Daneben wird bei der Durchführung der Atmung die eingeatmete Luft durch den Kehlkopf (Larynx) weiter gereinigt, erwärmt und befeuchtet. In der Kehle erzeugen die Stimmlippen mit Hilfe des Qi des Fk Lunge (qi pulmonale, feiqi) rhythmische Schwingungen, wodurch Laute gebildet werden. Diese werden durch Resonanz und Verstärkung in Schlund (Pharynx), Mund und Nase zu lauten und klaren Tönen.
Das Struktivpotential jing, das Qi, das Xue und die Säfte sind die wesentlichen materiellen Grundlagen des menschlichen Lebens. Da der Hals, die Nase und die Ohren im oberen Körperbereich angesiedelt sind, gehören sie zu den so genannten klaren Körperöffnungen (Körperöffnungen im Kopfbereich, qingqiao). Die Leitbahnen verlaufen in der Tiefe des Kopfes und haben eine feine und komplizierte Struktur. Nur das leichte und klare raffinierte Energiepotential ist in der Lage, zu ihnen nach oben zu gelangen. Der jeweilige Anteil des Struktivpotentials jing, des Qi, des Xue und der Säfte, der zu Mund, Nase und Ohren aufsteigt, wird in der chinesischen Hals-Nasen-Ohrenheilkunde als echtes Struktivpotential jing (zhenjing), echtes Qi (qi merum, zhenqi), echtes Xue (xue merum, zhenxue) und nach oben sickernde Säfte bezeichnet.

Das echte Struktivpotential jing (zhenjing)

Das echte Struktivpotential jing ist das leichte und klare, aus dem Struktivpotential jing der Speicher- und Durchgangsfunktionskreise (oo. horreales et aulici, zangfu) raffinierte Energiepotential, das über in der Tiefe verlaufende, feine Leitbahnen zu den oberen Körperöffnungen aufsteigt, um sie zu befeuchten und zu nähren. Ohren, Nase und Mund können nur dann entstehen und ihre Sinne entwickeln, wenn sie durch das Struktivpotential jing befeuchtet werden. Das Struktivpotential jing hat eine enge Beziehung zur konstellierenden Kraft shen und ist die Mutter des Qi. Weiterhin besteht eine wechselseitige Beziehung zum Qi, zum Xue und zu den Säften. Daher ist das Struktivpotential jing die wichtigste der Substanzen, die die oberen Körperöffnungen befeuchten und nähren.

Das echte Qi (qi merum, zhenqi)

Unter dem echten Qi (qi merum, zhenqi) versteht man das ursprüngliche Qi (qi primum, yuanqi), das sich in den Leitbahnen von Ohren, Nase und Mund hin- und herbewegt. Es wirkt als Antrieb für die physiologischen Aktivitäten der oberen Körperöffnungen. Seine Wurzel hat es im Fk Niere (o. renalis, shen). Das echte Qi (qi merum, zhenqi) steigt pausenlos auf, sinkt ab und tritt aus sowie ein. Somit fördert es den ununterbrochenen Strom des Struktivpotentials jing, des Xue und der Säfte nach oben, die in die oberen Körperöffnungen eindringen und sie nähren. Der energetische Zustand des Qi wirkt sich zudem auf die Sinnesempfindungen der oberen Körperöffnungen aus. Wenn das echte Qi (qi merum, zhenqi) in den Ohren, der Nase und dem Mund kräftig und ungehindert fließen kann, sind das Gehör, der Geruch und der Geschmackssinn geschärft, bei Erschöpfung und Blockaden dagegen kann es zu Erkrankungen dieser Sinnesorgane kommen. Im Falle einer Schädigung des Qi sind diese Sinne geschwächt.

Die Säfte (jinye)

Die Säfte haben ihre Quelle im Fk Drei Wärmebereiche (o. tricalorii, sanjiao). Mit der Umwandlung des Qi durch den Fk Niere (o. renalis, shen) und mit dem Aufsteigen, Absinken, Aus- und Eintreten des Qi-Mechanismus dringen sie in die klaren Körperöffnungen und damit auch in Ohren, Nase und Mund ein und verteilen sich in ihnen. Zusammen mit Qi und Xue sorgen sie dafür, dass diese Körperöffnungen befeuchtet, genährt, erwärmt und geschützt werden, so dass sie ihre physiologischen Funktionen entfalten können.

Die konstellierende Kraft shen

Die so genannte konstellierende Kraft shen bestimmt das Bewusstsein, das Gemüt, die geistige Aktivität sowie die äußere Erscheinung des Menschen. In den Ohren äußert sie sich als shen des Gehörs (tingshen, entspricht dem Hörvermögen), das die Aktivität des Hörvermögens unter Führung der konstellierenden Kraft shen des Fk Herz (o. cardialis, xin) bezeichnet. Wenn shen des Gehörs (tingshen) vorhanden ist, bedeutet dies uneingeschränktes Hörvermögen. Mangelt es aber an shen des Gehörs (tingshen), führt dies zu einem reduzierten Hörvermögen bis hin zur Taubheit. In der Nase äußert sie sich als shen des Riechens (xiushen, entspricht dem Riechvermögen), das die Aktivität des Riechvermögens unter Führung der konstellierenden Kraft shen des Fk Herz (o. cardialis, xin) bezeichnet. Wenn shen des Riechens (xiushen) vorhanden ist, bedeutet dies uneingeschränktes Riechvermögen. Mangelt es aber an shen des Riechens (xiushen), führt dies zu einem reduzierten Riechvermögen bis hin zur Anosmie.
Beim Schlucken, Schmecken und Sprechen hat die ursprüngliche konstellierende Kraft shen ebenfalls eine kontrollierende und regulierende Funktion.

Die Beziehung des Halses, der Nase und der Ohren zu den Funktionskreisen

Die Beziehung des Halses, der Nase und der Ohren zu den Funktionskreisen ist von grundlegender Bedeutung für die chinesische Hals-Nasen-Ohrenheilkunde.
Die Funktionskreise und die mit ihnen verbundenen physiologischen Funktionen haben eine Beziehung zu bestimmten Teilen und Funktionen des Halses, der Nase und der Ohren. Im Folgenden gehen wir nur auf Beziehungen ein, die für die HNO-Heilkunde eine Rolle spielen.

Die Beziehung der Ohren zu den Funktionskreisen

Die Beziehung der Ohren zum Fk Niere (o. renalis, shen)
Der Fk Niere (o. renalis, shen) dominiert die Ohren, und die Ohren sind die Körperöffnung und das spezifische Sinnesorgan des Fk Niere (o. renalis, shen), so dass sie in einer engen Beziehung zueinander stehen. Der Fk Niere (o. renalis, shen) speichert Struktivpotential jing, und das Struktivpotential jing des Fk Niere (o. renalis, shen) steht nach oben mit den Ohren in Verbindung. Ist ausreichend Struktivpotential jing des Fk Niere (o. renalis, shen) vorhanden, wird die Körperöffnung Ohr befeuchtet und genährt, das Hörvermögen ist gut, und der Gleichgewichtssinn ist ungestört.
Die Beziehung der Ohren zum Fk Herz (o. cardialis, xin)
Neben der Zunge werden dem Fk Herz (o. cardialis, xin) auch die Ohren als Körperöffnung zugeordnet. Der Fk Herz (o. cardialis, xin) dominiert die konstellierende Kraft shen, und die Ohren leiten den Hörsinn unter Führung des Fk Herz (o. cardialis, xin) an. Zudem dominiert der Fk Herz (o. cardialis, xin) die Bahnen des Xue, und an den Ohren kommen zahlreiche Leitbahnen zusammen. Wenn Xue des Fk Herz (o. cardialis, xin) nach oben gelangt, werden die Ohren durch dieses Xue befeuchtet und genährt, so dass sie ihren Funktionen nachkommen können. Die Herz-Leitbahn (cardinalis cardiale, xin jing) dringt in das Ohr ein, und das Struktivpotential jing des Fk Niere (o. renalis, shen) steht nach oben mit den Ohren in Verbindung, so dass der Fk Herz (o. cardialis, xin) und der Fk Niere (o. renalis, shen) miteinander in Verbindung stehen. Wenn der der Wandlungsphase Feuer zugeordnete Fk Herz (o. cardialis, xin) und der der Wandlungsphase Wasser zugeordnete Fk Niere (o. renalis, shen) sich gegenseitig regulieren und harmonisieren, ist der Hörsinn gut.
Die Beziehung der Ohren zu den Fk Leber und Gallenblase (oo. hepaticus et felleus, gan dan)
Die Gallenblasen-Leitbahn (cardinalis fellea, dan jing) verläuft hinter dem Ohr, einer seiner Zweige geht hinter dem Ohr ab, tritt in das Ohr ein und kommt vor dem Ohr wieder heraus. Die Fk Leber und Gallenblase (oo. hepaticus et felleus, gan dan) bilden Oberfläche (extima, biao) und Inneres (intima, li), und auch die Netzleitbahn (reticularis, luomai) des Fk Leber (o. hepaticus, gan) knüpft am Ohr an. Nach der Lehre der fünf Wandlungsphasen ist der Fk Leber (o. hepaticus, gan) das Kind des Fk Niere (o. renalis, shen), Struktivpotential jing und Xue der Fk Leber und Niere (oo. hepaticus et renalis, gan shen) haben die gleiche Quelle, und der Fk Niere (o. renalis, shen) dominiert das Ohr, und deshalb stehen der Fk Leber (o. hepaticus, gan) und das Ohr in einer engen Beziehung zueinander. Das Qi der Fk Leber und Gallenblase (oo. hepaticus et felleus, gan dan) steht mit dem Ohr in Verbindung, und wenn der Qi-Mechanismus durchgängig ist, das Qi wärmt und das Xue befeuchtet und die Körperöffnungen klar und durchgängig sind, kann das Ohr die fünf Töne hören.
Die Beziehung der Ohren zum Fk Lunge (o. pulmonalis, fei )
Die drei Yin-Leitbahnen der Hand und des Fußes vereinigen sich über Leitbahnzweige (paracardinales, jingbie) mit den Yang-Leitbahnen und stehen mit den Ohren in Verbindung, und die von der Lungen-Leitbahn (cardinalis pulmonale, fei jing) abgehende Netzleitbahn (reticularis, luomai) verläuft ebenfalls am Ohr. Nach den Beziehungen der Hervorbringungs- und Bändigungsreihenfolgen der fünf Speicherfunktionskreise (oo. horreales, zang) ist der Fk Lunge (o. pulmonalis, fei) die Mutter des Fk Niere (o. renalis, shen), und der Fk Niere (o. renalis, shen) dominiert die Ohren. Der Fk Lunge (o. pulmonalis, fei) dominiert das Qi, und das Qi des Fk Lunge (o. pulmonalis, fei) dringt zu den Ohren vor, wodurch diese hören können. Zudem bringen der der Wandlungsphase Metall zugeordnete Fk Lunge (o. pulmonalis, fei) und der der Wandlungsphase Wasser zugeordnete Fk Niere (o. renalis, shen) einander hervor. Ist das Qi des Fk Lunge (o. pulmonalis, fei) durchgängig und reguliert, kann das trübe Yin absinken, die klaren Körperöffnungen werden nicht von Schrägläufigkeiten (Heteropathien, xie) blockiert, und die Ohren können hören.
Die Beziehung der Ohren zum Fk Milz (o. lienalis, pi )
Die Netzleitbahn (reticularis, luomai) der Milz-Leitbahn (cardinalis lienale, pi jing) tritt in das Ohr ein. Der Fk Milz (o. lienalis, pi) ist die Wurzel der angeborenen Konstitution, er dominiert die Verteilung des aus der Nahrung raffinierten Energiepotentials (Getreide-Qi, qi frumentarium, guqi), setzt Wasser und Feuchtigkeit (humor, shi) um, hebt das klare Yang empor, und er ist die Quelle der Hervorbringung und Umwandlung von Qi und Xue. Da die Ohren zu den klaren Körperöffnungen gehören, können sie ihren Funktionen nur dann nachkommen, wenn sie durch klares Qi befeuchtet und genährt werden.

Die Beziehung der Nase zu den Funktionskreisen

Die Beziehung der Nase zum Fk Lunge (o. pulmonalis, fei )
Der Fk Lunge (o. pulmonalis, fei) dominiert die Nase, die Nase ist die Körperöffnung und zudem auch das spezifische Sinnesorgan des Fk Lunge (o. pulmonalis, fei). Das Qi des Fk Lunge (o. pulmonalis, fei) steht mit der Nase in Verbindung; ist es ausreichend vorhanden, so stehen der Fk Lunge (o. pulmonalis, fei) und die Nase im Einklang, und sie können ihren Funktionen nachkommen. Die Nase ist das Tor, durch das das Qi der Atmung ein- und austritt. Ist die Nase durchgängig und kann das Qi der Atmung ohne Behinderung ein- und austreten, ist auch das Qi des Fk Lunge (o. pulmonalis, fei) durchgängig. Der Fk Lunge (o. pulmonalis, fei) dominiert das Entfalten und Absenken, und wenn das Qi des Fk Lunge (o. pulmonalis, fei) durchgängig ist, ist auch das Riechvermögen gut.
Die Beziehung der Nase zum Fk Milz (o. lienalis, pi )
Die Nase befindet sich genau im Zentrum des Gesichtes, und das Zentrum wird der Wandlungsphase Erde zugeordnet, so dass die Nase der Wandlungsphase Erde und dem Fk Milz (o. lienalis, pi) zugeordnet wird. An ihr sammeln sich die Leitbahnen des gesamten Körpers. Der Fk Milz (o. lienalis, pi) hält das Xue zusammen und sammelt es, zudem ist er die Quelle der Hervorbringung und Umwandlung von Qi und Xue. Der energetische Zustand des Fk Milz (o. lienalis, pi) wirkt sich auf den Zustand der Leitbahnen und auf die Bewegung des Xue im Nasenbereich aus, und die ungestörten physiologischen Funktionen der Nase sind auf ein kräftiges Qi des Fk Milz (o. lienalis, pi) angewiesen.
Die Beziehung der Nase zum Fk Gallenblase (o. felleus, dan)
Die Gallenblasen-Leitbahn (cardinalis fellea, dan jing) hat ihren Anfang am Kanthus lateralis und verläuft über Windungen hinter den Kopf; das Qi des Fk Gallenblase (o. felleus, dan) steht nach oben mit dem Neben-Fk Gehirn (paraorbis cerebri, nao) in Verbindung, und dieser wiederum steht nach unten mit dem Nasenrücken in Verbindung, so dass zwischen dem Fk Gallenblase (o. felleus, dan) und der Nase über das Meer des Markes (mare medullae, suihai) eine Verbindung besteht. Ist das Qi des Fk Gallenblase (o. felleus, dan) harmonisch und ausgeglichen, so sind auch der Neben-Fk Gehirn (paraorbis cerebri, nao), der Nasenrücken und die Nase gesund und wohlauf.
Die Beziehung der Nase zum Fk Niere (o. renalis, shen)
Die Nieren-Leitbahn (cardinalis renale, shen jing) verbindet sich mit der Leitbahn der Steuerung (sinarteria regens, dumai), und diese verläuft über den Nasenrücken bis zur Nasenspitze. Die Nase ist die Körperöffnung des Fk Lunge (o. pulmonalis, fei), und die Wandlungsphasen Metall und Wasser bringen einander hervor, so dass der Fk Niere (o. renalis, shen) und die Nase in einer direkten Beziehung zueinander stehen. Nur wenn das Yin des Fk Niere (o. renalis, shen) nach oben gelangt und die Nase befeuchtet und nährt, kann die Nase ihre Funktionen der Atmung und des Riechens entfalten. Zudem muss die Nase vom Yang des Fk Niere (o. renalis, shen) erwärmt werden, damit diese Funktionen reibungslos ablaufen können.
Die Beziehung der Nase zum Fk Herz (o. cardialis, xin)
Der Bereich der Nasenwurzel wird dem Fk Herz (o. cardialis, xin) zugeordnet, und die Nase ist das Tor der Fk Herz und Lunge (oo. cardialis et pulmonalis, xin fei). Diese sind beide im oberen Wärmebereich (oberes Calorium, shangjiao) lokalisiert, zudem dominiert der Fk Herz (o. cardialis, xin) das Xue und der Fk Lunge (o. pulmonalis, fei) das Qi. Das Qi ist der Führer des Xue, und das Xue ist die Mutter des Qi. Fk Herz und Lunge (oo. cardialis et pulmonalis, xin fei) führen gemeinsam die Qi und Xue umsetzende Funktion durch. Der Fk Herz (o. cardialis, xin) dominiert die konstellierende Kraft shen und auch das Riechen, und die Dominanz der Nase über das Riechvermögen findet unter der Führung des Fk Herz (o. cardialis, xin) statt. Ist ausreichend Qi des Fk Herz (o. cardialis, xin) vorhanden, so kann die Nase ihren Aufgaben ungestört nachkommen.

Die Beziehung des Schlundes (Pharynx) und des Kehlkopfes (Larynx) zu den Funktionskreisen

Die Beziehung des Kehlkopfes (Larynx) zum Fk Lunge (o. pulmonalis, fei )
Der Kehlkopf grenzt nach unten an die Luftröhre an, er steht mit dem Fk Lunge (o. pulmonalis, fei) in Verbindung, und er wird zu den Verbindungen des Fk Lunge (feixi) gerechnet. Die Leitbahn des Fk Lunge (o. pulmonalis, fei) verläuft entlang von Schlund und Kehlkopf. Der Fk Lunge (o. pulmonalis, fei) und der Kehlkopf führen gemeinsam die Atmung und die Lautbildung durch. Nur wenn ausreichend Qi des Fk Lunge (o. pulmonalis, fei) vorhanden ist und ungestört entfaltet werden kann, sind die Funktionen des Kehlkopfes gesund, nur dann ist die Atmung durchgängig, und nur dann ist die Stimme klangvoll.
Die Beziehung des Schlundes (Pharynx) zu den Fk Milz und Magen (oo. lienalis et stomachi, pi wei )
Der Schlund grenzt nach unten an die Speiseröhre, er steht mit dem Fk Magen (o. stomachi, wei) in Verbindung, und er wird zu den Verbindungen des Fk Magen (weixi) gerechnet. Die Leitbahn des Fk Milz (o. lienalis, pi) verläuft entlang von Schlund und Kehlkopf nach oben zur Zungenwurzel. Die Fk Milz und Magen (oo. lienalis et stomachi, pi wei) sind gemeinsam für das Zersetzen der Nahrung und für das Verteilen des aus der Nahrung raffinierten Energiepotentials zuständig. Die Funktionen von Kehlkopf und Schlund sind nur dann ungestört, wenn sie mit Qi des Fk Milz (o. lienalis, pi) versorgt werden, und nur wenn die physiologischen Funktionen von Kehle und Rachen ungestört sind, können Nahrungsaufnahme und Atmung reibungslos ablaufen, und nur in diesem Fall können die Fk Milz und Magen (oo. lienalis et stomachi, pi wei) ihren Aufgaben der Verdauung, Absorption und Verteilung nachkommen.
Die Beziehung von Schlund (Pharynx) und Kehlkopf (Larynx) zum Fk Niere (o. renalis, shen)
Weil die Leitbahn des Fk Niere (o. renalis, shen) in den Fk Lunge (o. pulmonalis, fei) eintritt und entlang dem Kehlkopf verläuft, stehen der Fk Niere (o. renalis, shen) und der Kehlkopf in einer direkten Beziehung zueinander. Der Fk Niere (o. renalis, shen) speichert Struktivpotential jing; ist ausreichend Struktivpotential jing des Fk Niere (o. renalis, shen) vorhanden, so werden Kehlkopf und Schlund durch das Struktivpotential jing befeuchtet und genährt, ihre physiologischen Funktionen sind gesund, die Stimme ist klangvoll, die Atmung gleichmäßig, und Schrägläufigkeiten (Heteropathien, xie) können nur schwer eindringen. Zudem ist es erforderlich, dass das Yang-Qi des Fk Niere (o. renalis, shen) sie erwärmt.
Die Beziehung von Schlund (Pharynx) und Kehlkopf (Larynx) zum Fk Leber (o. hepaticus, gan)
Die Leitbahn des Fk Leber (o. hepaticus, gan) verläuft entlang dem Kehlkopf nach oben und dringt über den Nasopharynx bis zu den Augen vor. Der Fk Leber (o. hepaticus, gan) speichert Xue, dominiert das Lösen und Entfalten, er liebt die gleichmäßige Verteilung und verabscheut Einstauungen. Wenn die Funktionen des Fk Leber (o. hepaticus, gan) ungestört sind, der Qi-Mechanismus durchgängig ist und Qi und Xue harmonisch sind, sind auch Kehlkopf und Schlund durchgängig.

Die Beziehung des Halses, der Nase und der Ohren zu den Leitbahnen

Letztendlich haben alle Leitbahnen und damit auch deren Leitbahnzweige, Muskelleitbahnen, Netzleitbahnen und weitere feinere Verästelungen sowie die acht unpaarigen Leitbahnen (ss. impares, qijing bamai) direkt oder indirekt eine Verbindung zu den oberen Körperöffnungen.
Die Gliederung des Leitbahnsystems wird weiter unten (Kap. 5.1 sS. 56) beschrieben. Hinsichtlich des genauen Verlaufs der Leitbahnen verweisen wir auf die bereits existierende Literatur. Ein Überblick über den Verlauf der Hauptleitbahnen an der Oberfläche des Kopfes ist Abb. 3.1 und Abb. 3.2 zu entnehmen.

Weiterführende Literatur

Literatur in westlichen Sprachen

Porkert, 1991

M. Porkert Die Theoretischen Grundlagen der chinesischen Medizin 1991 Acta Medicinae Sinensis, Phainon Dinkelscherben

Porkert and Schwarzenberg, 1985

M. Porkert C.-H. Hempen Systematische Akupunktur 1985 Urban & Schwarzenberg München – Wien – Baltimore

Engelhardt and Fischer, 2002

U. Engelhardt C.-H. Hempen Chinesische Diätetik 2002 Urban & Fischer München – Jena

Chinesischsprachige Literatur

He Wenbin et al., 1998

Wenbin He Unbefangene Fragen (Suwen) 1998 Chinesischer Verlag für Medizin, Naturwissenschaften und Technik Beijing

Hu Liansheng et al., 2004

Liansheng Hu Traditionelle chinesische Hals-Nasen-Ohrenheilkunde (Zhongyi erbi yanhou kexue) 2004 Chinesischer Verlag für Traditionelle Chinesische Medizin Beijing

Li Fancheng et al., 2001

Fancheng Li Hals-Nasen-Ohrenheilkunde – Kombination von chinesischer und westlicher Medizin (Zhongxiyi jiehe erbi yanhou kexue) 2001 Volksverlag für Hygiene Beijing

Tan Yisong et al, 1998

Yisong Tan Angelpunkt der Struktivkraft (Lingshu jing) 1998 Chinesischer Verlag für Medizin, Naturwissenschaften und Technik Beijing

Wang Delan et al, 2003

Delan Wang Traditionelle chinesische Hals-Nasen-Ohrenheilkunde (Zhongyi erbi yanhou kexue) 2003 Verlag für Wissenschaft und Technik Shanghai Shanghai

Wang Shizhen et al, 2004

Shizhen Wang Traditionelle chinesische Hals-Nasen-Ohrenheilkunde (Zhongyi erbi yanhou kexue) 2004 Chinesischer Verlag für Traditionelle Chinesische Medizin Beijing

Wang Yongqin et al, 2001

Yongqin Wang Traditionelle chinesische Hals-, Nasen-, Ohren- und Mundheilkunde (Zhongyi erbi yanhou kouqiang xue) 2001 Volksverlag für Hygiene Beijing

Wu Guihua et al., 2005

Guihua Wu Traditionelle chinesische Hals-Nasen-Ohrenheilkunde (Zhongyi erbi yanhou kexue) 2005 Wissenschaftsverlag Beijing

Xiong Dajing et al, 2001

Dajing Xiong Praktische chinesische Hals-, Nasen-, Ohren- und Mundheilkunde (Shiyong zhongyi erbi yanhou kouchi kexue) 2001 Verlag für Wissenschaft und Technik Shanghai Shanghai

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