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B978-3-437-57640-9.10006-9

10.1016/B978-3-437-57640-9.10006-9

978-3-437-57640-9

Bewährte Punktekombination bei allen Affektionen des Halses und allgemein grippalen Infekten

Bewährte Punktekombination bei allen Affektionen des Halses und allgemein grippalen Infekten

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Bewährte Punktekombination bei allen Affektionen des Halses und allgemein grippalen Infekten

Hals-Nasen-Ohren-Erkrankungen und ihre Behandlungsmöglichkeiten aus Sicht der chinesischen Medizin

Michael Hoffmann

Agnes Fatrai

Werner Jansen

Peter Melloh

Einführung
Nachfolgend wird die Behandlung häufig auftretender HNO-Erkrankungen aus Sicht der chinesischen Medizin beschrieben. Dabei werden die Erkrankungen entsprechend der üblichen westlichen Terminologie geordnet und abgehandelt. Bei den einzelnen Erkrankungen wird zunächst in knapper Form auf wichtige westliche Gesichtspunkte eingegangen, anschließend folgt die Differenzierung des Krankheitsbildes aus chinesischer Sicht. Auf dieser Basis werden die Behandlungsmöglichkeiten der chinesischen Medizin aufgeführt, wobei der Schwerpunkt auf der Arzneimitteltherapie und der Akupunktur liegt. Daran anschließend werden grundsätzliche indikationsspezifische Ernährungsempfehlungen gegeben. Grundlage dieser Ausführungen sind vor allem chinesische und teilweise auch westliche Quellen, die im Literaturverzeichnis am Ende dieses Kapitels aufgeführt sind. Die Anwendung der beschriebenen Therapieverfahren erfordert in jedem Fall eine weitreichende Kenntnis der chinesischen Medizin, die nur während einer entsprechenden Ausbildung unter Anleitung erworben werden kann. Dazu verweisen wir auf die im Anhang genannten Ausbildungsstätten.
Arzneitherapie
In Abhängigkeit von der chinesischen Diagnose wird bei den einzelnen Erkrankungen jeweils eine Basisrezeptur angegeben. Die relevanten Wirkungen der verwendeten Arzneimittel werden jeweils erläutert. Die angegebenen Rezepturen können je nach Befund selbstverständlich verändert oder andere Rezepturen gewählt werden.
Folgende Punkte müssen bei der Herstellung eines Arzneimittel-Dekokts beachtet werden:
Zubereitung eines chinesischen Arzneimittel-Dekokts
Die üblicherweise verwendeten chinesischen Arzneimittel sind vorwiegend pflanzlichen Ursprungs (Kap. 5.2). In der Regel wird die verordnete Arzneimittelmenge für 7 Tage berechnet, wobei sie jedoch durch zweimaliges Auskochen – ohne erheblichen Wirkungsverlust – für einen Bedarf von 14 Tagen verwendet werden kann. Aus den Arzneimitteln wird auf folgende Weise ein Absud hergestellt:
  • Für die meisten Arzneimittel beträgt die Kochzeit 20 Minuten. Für mineralische Arzneimittel ist eine Kochzeit von 1 Stunde, für Blätter und Blüten von 3 Minuten erforderlich. Wegen ihres Gehaltes an ätherischen Ölen dürfen einige Arzneimittel nicht gekocht, sondern erst nach Ende des gesamten Kochvorganges zugefügt und einige Minuten zum Ziehen im Dekokt belassen werden (s. u.).

  • In der Regel vermerkt der Apotheker die Kochdauer auf dem jeweiligen Arzneimittel-Beutel.

  • Man gibt den gesamten Inhalt eines Beutels in einen Topf, anschließend werden ca. 2 Liter kaltes Wasser dazugegossen. Es folgt eine Einweichzeit von 1 Stunde. Die Wassermenge richtet sich dabei nach den Arzneimittelmengen und -eigenschaften. Das Wasser sollte die Arzneimittel auf jeden Fall gut bedecken. Die einzelnen Bestandteile werden danach entsprechend der jeweils erforderlichen Kochzeit im Einweichwasser ausgekocht.

  • Wenn die verwendeten Arzneimittel unterschiedliche Kochzeiten haben, beginnt man mit den Arzneimitteln mit der längsten Kochzeit und fügt die anderen entsprechend der angegebenen Zeit später hinzu. Die Arzneimittel sollten während des Kochvorgangs immer gut mit Wasser bedeckt sein.

  • Der Absud wird nach Ende des Kochvorgangs durch ein feines Sieb in einen Krug abgegossen. Der sich nach einigen Minuten bildende Bodensatz kann weggeschüttet werden.

  • Anschließend werden die bereits ausgekochten Kräuter zurück in den Topf gegeben, diese werden mit kaltem Wasser übergossen, und ungeachtet der nun vermischten Kochzeiten wird alles nochmals 30 Minuten ausgekocht. Dieser zweite Absud wird mit dem ersten gut vermischt.

  • Die noch heiße Flüssigkeit wird in zwei saubere Flaschen gefüllt, die ab diesem Zeitpunkt im Kühlschrank aufbewahrt werden. Jede Flasche enthält ein Konzentrat für 7 Tage.

  • 1/7 des Inhaltes einer Flasche (bei 1 Liter ca. 140 ml) wird täglich aus der Vorratsflasche entnommen (vorher kurz schütteln) und in 3 Portionen verdünnt oder unverdünnt zwischen den Mahlzeiten erwärmt getrunken. Die Tagesmenge kann auch in eine Thermosflasche gefüllt und mit frisch abgekochtem Wasser aufgefüllt werden.

Kochzeiten der Arzneimittel bei der Herstellung chinesischer Dekokte

Tab. 6.1.1
ArzneimittelVerwendete Teile von Pflanzen und TierenGeamtkochzeitBemerkungen
Mastodi fossilium ossis (Longgu)
Haematitum (Daizheshi)
Bambusae concretio silicea (Tianzhuhuang)
Magnetitum (Cishi)
Gypsum fibrosum (Shigao)
Concha60 Minuten40 Minuten vorab kochen, dann die übrigen Bestandteile zufügen; alle Mineralien, soweit möglich, pulverisiert
Mantidis ootheca (Sangpiaoxiao)
Poria (Fuling)
Sophorae flos (Huaihuami)
Bulbus
Cortex
Caulis
Fructus
Herba
Pericarpium
Radix
Ramuli
RhizomaSemen
Thallus
Tubera
20 MinutenDie hier aufgeführten Arzneimittel sind in Kombination mit Arzneimitteln, die 60 Minuten gekocht werden müssen, nach 40 Minuten zuzugeben
Plantaginis semen (Cheqianzi)
Typhae pollen (Puhuang)
20 Minuten in einem TuchSehr fein, deshalb im Tuch
Schizonepetae herba (Jingjie)
Prunellae spica (Xiakucao)
10 Minuten
Menthae herba (Bohe)
Cinnamomi cortex (Rougui)
(Arzneien, die ätherische Öle enthalten)
10 Minuten ziehen lassenNach Abschluss der Kochzeit der übrigen Arzneimittel den Topf von der Platte nehmen, diese Kräuter zugeben und bei geschlossenem Deckel ziehen lassen, dann alles zusammen abgießen
Acori calami rhizoma (Shuichangpu)
Rhei rhizoma (Dahuang) (extra)
alle Amomi-Früchte
Folia
Flos
3 Minuten
Inulae flos (Xuanfuhua)3 Minuten in einem Tuch
Aucklandiae radix (Muxiang)Nur kurz aufkochen
Asini corii colla (Ejiao)
Maltose (Yitang)
Zum Schluss in heißem Dekokt auflösenNach dem Abseihen der übrigen Arzneien zugeben
Aconiti radix lateralis praeparata (Fuzi)Extra abkochen, 30 MinutenAbkochen, dann Absud verwerfen und die Droge zusammen mit anderen Dekoktbestandteilen 20 Minuten kochen
Ephedrae herba (Mahuang)Extra abkochen, 10 MinutenEventuell Schaum abschöpfen
Ginseng radix (Renshen)Extra abkochenGinseng radix (Renshen)
Diätetik
Die Behandlung der einzelnen Krankheitsbilder wird ergänzt durch grundsätzliche Ernährungsempfehlungen aus Sicht der chinesischen Medizin, die als Orientierungshilfe dienen sollen. Die Empfehlungen basieren ausschließlich auf dem Therapiekonzept, das durch die chinesische Diagnose vorgegeben ist. Es werden beispielhaft einzelne, empfehlenswerte Nahrungsmittel aufgeführt (Kap. 5.3). Des Weiteren geben wir allgemeine Hinweise zu Speisen oder Nahrungsmitteln, die bei der jeweiligen Diagnose nicht empfehlenswert sind.
Akupunktur
Die Akupunkturpunkte, die bei der Behandlung der einzelnen HNO-Erkrankungen relevant sind, werden in Tabellen aufgeführt, wobei die Lokalisation und die indikationsspezifische Wirkung des jeweiligen Akupunkturpunktes aus Sicht der chinesischen Medizin beschrieben werden. Diese Punkte sind unter Berücksichtigung der chinesischen Diagnose zusammengestellt, wobei jeweils die lokalen Punkte im Kopf- und HNO-Bereich sowie die peripheren Punkte im Extremitätenbereich und am Rumpf zusammengefasst werden. Besonders wichtige Punkte sind durch Fettdruck gekennzeichnet. Die von uns genannten Akupunkturpunkte können – je nach Befund – selbstverständlich ergänzt oder verändert werden. Wie im Kapitel 5 (S. 57) ausgeführt, werden in der Regel während einer Akupunktursitzung lokale Punkte im Kopf- und HNO-Bereich gemeinsam mit peripheren Punkten behandelt, wobei die Anzahl der eingesetzten Nadeln etwa 6–12 beträgt.
Je nach Diagnose sind ausleitende oder unterstützende Nadeltechniken zu erwägen (Kap. 5.1.1).
Obwohl dies in den Listen nicht explizit erwähnt wird, können einige der genannten Akupunkturpunkte auch gemoxt werden. Der Einsatz dieses Verfahrens ist abhängig von der chinesischen Diagnose und sollte sehr vorsichtig erfolgen (S. 59).

Erkrankungen der Ohren

Otitis externa

Krankheitsbild und Therapie aus westlicher Sicht
Übersicht
Unter Otitis externa versteht man die entzündlichen Erkrankungen der Ohrmuschel und des äußeren Gehörgangs sowie der Trommelfelloberfläche. Von den verschiedenen Krankheitsbildern wird im Folgenden beispielhaft das häufigste Krankheitsbild, die Otitis externa diffusa, besprochen.
Klinisches Bild
  • Es handelt sich um eine entzündliche Irritation der Kutis und Subkutis des äußeren Gehörgangs.

  • Häufig bestehen zu Beginn Juckreiz und Druckgefühl, welche dann in Schmerzen vor allem bei Druck auf den Tragus übergehen.

  • Objektiver Befund: Es können sich Rötung und Schwellung des Gehörgangs, häufig mit Sekretion wässriger bis eitriger Flüssigkeit zeigen.

  • Ursache: Äußere Reize wie Badewasser, übertriebene Ohrreinigung, aber auch Gehörgangsexostosen können Besiedelungen mit Viren oder Bakterien sowie Mykosen begünstigen.

  • Desgleichen treten solche Irritationen bei eitriger Otitis media mit starker Ohrsekretion, Hörgeräteträgern und häufigem Benutzen von Schallschutzstöpseln auf.

  • Häufig ist die Otitis externa ein Teilbefund generalisierter dermatologischer Erkrankungen wie z. B. seborrhoisches Ekzem oder Psoriasis.

  • Komplikationen: In seltenen Fällen kommt es zur Beteiligung der ganzen Ohrmuschel wie bei einem Erysipel oder einer Perichondritis.

Therapie aus westlicher Sicht
  • Nach sorgfältiger Gehörgangsreinigung Verabreichung topischer Antibiotika, ggf. topischer Antimykotika und topischer Glukokortikoide

  • Je nach Schweregrad zusätzlich Verordnung von Analgetika

CAVE

Wegen der möglichen Komplikationen vor allem bei langwierigen Verläufen ist eine otologische Abklärung unbedingt erforderlich.

Krankheitsbild und Therapie aus Sicht der chinesischen Medizin
Übersicht
In der chinesischen Medizin gehört diese Erkrankung zur Kategorie Geschwür des Ohres (Erchuang).
Agenzien und Pathogenese
  • A Wind (ventus, feng) und Hitze (calor, re) greifen die Oberfläche (extima, biao) an:

    Wind (ventus, feng) und Hitze (calor, re) sind äußere Schrägläufigkeiten (Heteropathien, xie).

  • B Glut (ardor, huo) und Hitze (calor, re) der Fk Leber und Gallenblase (oo. hepaticus et felleus, gan dan):

    Innere Faktoren sind übermäßige Glut (ardor, huo) der Fk Leber und Gallenblase (oo. hepaticus et felleus, gan dan). Wind (ventus, feng) und Hitze (calor, re) heizen Glut (ardor, huo) und Hitze (calor, re) der Fk Leber und Gallenblase (oo. hepaticus et felleus, gan dan) auf. Glut (ardor, huo) und Hitze (calor, re) steigen hoch und versengen das Ohr.

  • C Überhandnehmende Glut (ardor vigens, huosheng) infolge einer energetischen Schwäche (depletio, xu) des Yin:

    Bei längerer Dauer greift die schrägläufige Hitze (heteropathischer calor, xiere) das Yin an und verursacht eine energetische Schwäche (depletio, xu) des Yin. In diesem Fall steigt die überhandnehmende Glut (ardor vigens, huosheng) nach oben, um das Ohr zu versengen und eine Entzündung der Haut zu verursachen.

Differenzierte chinesische Therapie
A Wind (ventus, feng) und Hitze (calor, re) greifen die Oberfläche (extima, biao) an
Hauptsymptome
  • Roter, geschwollener und stark schmerzhafter äußerer Gehörgang, manchmal auch mit eitriger Sekretion

  • Mögliche Allgemeinsymptome: Fieber, Kopfschmerzen, Müdigkeit und Kälteaversion

  • Zungenkörper: rot; Zungenbelag: dünn und weißlich

  • Pulse: oberflächlich und beschleunigt (superficiales und celeri, fu shu)

Krankheitsmechanismus
Wind (ventus, feng) und Hitze (calor, re) als Schrägläufigkeiten (Heteropathien, xie) greifen die Oberfläche (extima, biao) an.
Therapeutisches Vorgehen

  • 1.

    Zerstreuen von Wind (ventus, feng)

  • 2.

    Kühlen und Ausleiten von Hitze (calor, re)

  • 3.

    Beseitigen der Schwellung

  • 4.

    Stillen des Schmerzes

Arzneitherapie

Basisrezeptur: Modifiziertes Pulver mit Lonicera und Forsythia (Yinqiao san)

Arznei Pinyin Klassische Tagesdosis (g) Modifizierte Tagesdosis (g) Erläuterung
Lonicerae flos Jinyinhua 10–15 10 Kühlt Hitze (calor, re), leitet Wind-Hitze (calor venti, fengre) aus, antibakterielle Wirkung
Forsythiae fructus Lianqiao 3–15 10 Kühlt Hitze (calor, re), leitet Wind-Hitze (calor venti, fengre) aus, zerteilt Schwellungen
Phragmitis rhizoma Lugen 15–30 30 Kühlt Hitze (calor, re), befördert Exantheme heraus
Menthae herba Bohe 1–8 6 Leitet Wind-Hitze (calor venti, fengre) aus
Schizonepetae herba Jingjie 3–10 10 Öffnet die Oberfläche (extima, biao), leitet Wind (ventus, feng) aus
Platycodi radix Jiegeng 3–10 6 Kanalisiert Schleim (pituita, tan), leitet Wind-Hitze (calor venti, fengre) aus
Taraxaci herba Pugongying 9–30 10 Kühlt Hitze (calor, re), entgiftet und desinfiziert
Glycyrrhizae radix Gancao 1–15 3 Leitet Glut (ardor, huo) aus, entgiftet und desinfiziert
Einnahmemodus: Dekokt (Zubereitung Kap. 6, Einführung)
Erläuterung: Die beiden Hauptarzneien Lonicerae flos (Jinyinhua) und Forsythiae fructus (Lianqiao) kühlen das Innere (intima, li) und desinfizieren. Menthae herba (Bohe) und Schizonepetae herba (Jingjie) öffnen die Oberfläche (extima, biao) und kühlen gleichzeitig. Platycodi radix (Jiegeng) und Glycyrrhizae radix (Gancao) öffnen die Oberfläche (extima, biao) und wandeln Schleim (pituita, tan) um, während Phragmitis rhizoma (Lugen) Hitze (calor, re) kühlt und gleichzeitig befeuchtet. Taraxaci herba cum radice (Pugongying) kühlt Hitze (calor, re) und entgiftet.
Modifikationen:
  • Bei starkem Schmerz: Prunellae spica (Xiakucao) 10 g, Scutellariae radix (Huangqin) 10 g

  • Bei Ohrsekretion: Sophorae flavescentis radix (Kushen) 10 g

Diätetik

Grundsätzliche, indikationsabhängige Empfehlungen zur Ernährung

Empfehlenswert Die Oberfläche (extima, biao) öffnende und gleichzeitig kühlende Nahrungsmittel (Rettich, Karotte, Chinakohl, Wassermelone)
Nicht empfehlenswert Warme und heiße Nahrungsmittel (scharfe Gewürze, Alkohol, Tabak)
Akupunktur

Indikationsabhängig wichtige Akupunkturpunkte (je nach Befund kann die Behandlung weiterer, hier nicht aufgeführter Akupunkturpunkte erforderlich sein)

Deutsche Bezeichnung Lateinische Bezeichnung Deutsche Übersetzung des chinesischen Namens Pinyin Lokalisation Erläuterung
Lokale Punkte
3E 18 T 18 Punkt der Spasmen jimo In einer gut tastbaren Vertiefung am Schädelansatz des Mastoids hinter dem Ohr Klärt Hitze (calor, re), zerstreut Schwellungen, leitet Wind (ventus, feng) aus
3E 20 T 20 Oberes Schläfenbein jiaosun Direkt oberhalb der Ohrspitze Klärt Hitze (calor, re), zerstreut Schwellungen, leitet Wind-Feuchtigkeit (humor venti, fengshi) aus
Periphere Punkte
Di 11 IC 11 Gekrümmter Teich quchi Bei 90 gewinkeltem Ellbogen in Verbindung der Ellbogenfalte zum Epicondylus lateralis in einer Vertiefung davor Leitet Wind (ventus, feng) aus, klärt Hitze (calor, re), öffnet die Oberfläche (extima, biao)
3E 5 T 5 Äußeres Passtor waiguan 2 cun proximal der Handgelenksfalte, in der Mitte des Unterarmes zwischen Elle und Speiche, gegenüber Pe 6/Pc 6 Öffnet die Oberfläche (extima, biao), klärt Hitze (calor, re), macht die Haupt- und Netzleitbahnen (cardinales und reticulares, jingmai luomai) durchgängig
Di 4 IC 4 Vereinte Täler hegu Etwa in der Mitte des 2. Mittelhandknochens an der radialen Seite Leitet Wind (ventus, feng) aus, öffnet die Oberfläche (extima, biao), beseitigt Schmerz
Ergänzungspunkte:
  • Bei Kopfschmerzen: Ex-HN 5/Ex 2 (Die Sonne, taiyang)

  • Bei reduziertem Hörvermögen: 3E 21/T 21 (Pforte des Ohres, ermen)

Glut (ardor, huo) und Hitze (calor, re) der Fk Leber und Gallenblase (oo. hepaticus et felleus, gan dan)
Hauptsymptome
  • Diffuse rote Schwellung und heftige, unerträgliche Schmerzen im äußeren Gehörgang, evtl. mit eitriger Sekretion und eingeschränktem Hörvermögen

  • Mögliche Allgemeinsymptome: Fieber, Unwohlsein, Durst mit starkem Verlangen zu trinken, bitterer Mundgeschmack, trockener Stuhl, dunkelgelb gefärbter Urin

  • Zungenkörper: rot; Zungenbelag: schleimig und gelblich

  • Pulse: gespannt und beschleunigt (intenti und celeri, jin shu)

Krankheitsmechanismus
Wind (ventus, feng) und Hitze (calor, re) entfachen Glut (ardor, huo) und Hitze (calor, re) der Fk Leber und Gallenblase (oo. hepaticus et felleus, gan dan). Diese steigen nach oben und erhitzen das Ohr.
Therapeutisches Vorgehen

  • 1.

    Kühlen und Ausleiten von Hitze (calor, re) der Fk Leber und Gallenblase (oo. hepaticus et felleus, gan dan)

  • 2.

    Klären von Glut (ardor, huo)

  • 3.

    Beseitigen der Schwellung

Arzneitherapie

Basisrezeptur: Eine Modifikation des Gentiana-Dekoktes zur Zerstreuung des Fk Leber (o. hepaticus) (Longdan xiegan tang)

Arznei Pinyin Klassische Tagesdosis (g) Modifizierte Tagesdosis (g) Erläuterung
Gentianae radix Longdancao 3–10 3 Leitet Feuchtigkeit-Hitze (calor humidus, shire) und Glut (ardor, huo) aus
Scutellariae radix Huangqin 6–15 10 Kühlt Hitze (calor, re) und Glut (ardor, huo)
Gardeniae fructus Zhizi 3–10 10 Kühlt Hitze (calor, re) und Glut (ardor, huo)
Alismatis rhizoma Zexie 3–15 10 Diuretisch, kühlt Hitze (calor, re)
Rehmanniae radix Shengdihuang 10–30 15 Kühlt Hitze (calor, re), ergänzt Xue und Säfte (jinye)
Angelicae sinensis radix Danggui 3–10 10 Ergänzt und bewegt das Xue
Prunellae spica Xiakucao 9–15 10 Kühlt Hitze (calor, re), zerstreut Stauungen
Glycyrrhizae radix Gancao 1–15 3 Stützt das Qi, wirkt beruhigend und ausgleichend
Einnahmemodus: Dekokt (Zubereitung Kap. 6, Einführung)
Erläuterung: Die Hauptarznei Gentianae radix (Longdancao) hat einen starken Bezug zum Fk Leber (o. hepaticus, gan) und kühlt intensiv Glut (ardor, huo). Scutellariae radix (Huangqin) und Gardeniae fructus (Zhizi) unterstützen diese Wirkung. Alismatis rhizoma (Zexie) leitet Feuchtigkeit (humor, shi) aus. Angelicae sinensis radix (Danggui) und Rehmanniae radix (Shengdihuang) wirken der starken Dispulsion des Fk Leber (o. hepaticus, gan) durch ihre Yin stützende Wirkung entgegen und verhindern so eine Schmälerung der Säfte (jinye). Prunellae spica (Xiakucao) kühlt Hitze (calor, re) und löst Zusammenballungen. Glycyrrhizae radix (Gancao) harmonisiert das Rezept.
Modifikationen:
  • Bei reichlich Eiter: Manitis squama (Chuanshanjia) 10 g, Gleditsiae spina (Zaojiaoci) 10 g; Manitis squama (Chuanshanjia) unterliegt dem Artenschutz, ein möglicher Ersatz wären Scorpio (Quanxie) 3 g oder Olibanum (Ruxiang) 9 g

  • Bei starkem Durst: Adenophorae radix (Nanshashen) 10 g, Ophiopogonis radix (Maimendong) 10 g

Diätetik

Grundsätzliche, indikationsabhängige Empfehlungen zur Ernährung

Empfehlenswert Den Qi-Fluss im Fk Leber (o. hepaticus, gan) verbessernde und regulierende sowie kühlende Nahrungsmittel (Stangensellerie, Wasserkastanie, Krebse)
Nicht empfehlenswert Warme und heiße Nahrungsmittel (scharfe Gewürze, Alkohol, Tabak)
Akupunktur

Indikationsabhängig wichtige Akupunkturpunkte (je nach Befund kann die Behandlung weiterer, hier nicht aufgeführter Akupunkturpunkte erforderlich sein)

Deutsche Bezeichnung Lateinische Bezeichnung Deutsche Übersetzung des chinesischen Namens Pinyin Lokalisation Erläuterung
Lokale Punkte
3E 17 T 17 Schutzschirm gegen Wind yifeng Am Vorderrand des Processus mastoideus, wo das Ohrläppchen bei Druck den Processus berührt Macht die Netzleitbahnen (reticulares, luomai) durchgängig, stillt Schmerzen
3E 21 T 21 Pforte des Ohres ermen Vor dem Ohr, bei geöffnetem Mund in der Vertiefung auf Höhe der Incisura supratragica und etwas oberhalb des Processus condylaris der Mandibula Macht die Netzleitbahnen (reticulares, luomai) durchgängig, stillt Schmerzen
Periphere Punkte
Le 2 H 2 Der Zwischenraum des Gehens dadun Distal vom Zehengrundgelenk, zwischen der 1. und 2. Zehe Klärt Glut des Fk Leber (ardor hepatici, ganhuo), leitet Hitze (calor, re) aus
Gb 40 F 40 Das Feld am Hügel qiuxu In der Vertiefung vor und unterhalb des Malleolus lateralis und lateral der Sehnen des M. extensor digitorum longus Klärt Glut des Fk Leber (ardor hepatici, ganhuo), leitet Hitze (calor, re) aus
Gb 42 F 42 Der Fünfte Versammlungspunkt der Erde diwuhui 0,5 cun distal von Gb 41/F 41 auf der medialen Seite des M. extensor digiti longus V Klärt Glut des Fk Leber (ardor hepatici, ganhuo), leitet Hitze (calor, re) aus
Ergänzungspunkte:
  • Bei bitterem Mundgeschmack: Gb 34/F 34 (Quelle am sonnenbeschienenen Grabhügel, yanglingquan)

  • Bei vermindertem Hörvermögen: 3E 16/T 16 (Öffnung des Himmels, tianyou)

C Überhandnehmende Glut (ardor vigens, huosheng) infolge einer energetischen Schwäche (depletio, xu) des Yin
Hauptsymptome
  • Juckender äußerer Gehörgang, evtl. mit geringfügiger eitriger Sekretion, raue und verdickte Haut des Gehörgangs mit Krusten und Schuppen

  • Mögliche Allgemeinsymptome: Fieber, Unwohlsein, Durst mit starkem Verlangen zu trinken, trockener Stuhl

  • Zungenkörper: rot.; Zungenbelag: dünn

  • Pulse: zart und beschleunigt (minuti und celeri, xi shu)

Krankheitsmechanismus
Durch eine energetische Schwäche (depletio, xu) des Yin des Fk Niere (yin renale, shenyin) kann das Yang nicht gehalten werden, es kommt zu überhandnehmender Glut (ardor vigens, huo sheng). Wenn diese aufsteigt und die Ohren erreicht, entsteht Juckreiz mit Entzündungserscheinungen.
Therapeutisches Vorgehen

  • 1.

    Nähren des Yin

  • 2.

    Befeuchten der Trockenheit (ariditas, zao)

  • 3.

    Kühlen und Ausleiten der Hitze (calor, re)

  • 4.

    Beseitigen der Schwellung

Arzneitherapie

Basisrezeptur: Eine Modifikation der Pille mit Anemarrhena, Phellodendron und Rehmannia (Zhibai dihuang wan)

Arznei Pinyin Klassische Tagesdosis (g) Modifizierte Tagesdosis (g) Erläuterung
Anemarrhenae rhizoma Zhimu 6–12 10 Kühlt Hitze (calor, re) und Glut (ardor, huo), stützt das Yin
Phellodendri cortex Huangbai 3–10 10 Leitet Feuchtigkeit-Hitze (calor humidus, shire) aus, entgiftet und desinfiziert
Rehmanniae radix Shengdihuang 10–30 10 Kühlt Hitze (calor, re), ergänzt das Xue und die Säfte (jinye)
Moutan cortex radicis Mudanpi 3–12 6 Kühlt Hitze (calor, re) und das Xue, löst Zusammenballungen
Corni fructus Shanzhuyu 4–12 10 Stützt das Yin und das Struktivpotential jing
Poria Fuling 10–15 10 Wirkt diuretisch, beruhigend, ausgleichend
Alismatis rhizoma Zexie 3–15 10 Wirkt diuretisch, kühlt Hitze (calor, re)
Dioscoreae rhizoma Shanyao 10–30 10 Leitet Feuchtigkeit-Hitze (calor humidus, shire) aus
Lonicerae flos Jinyinhua 10–15 10 Kühlt Hitze (calor, re), entgiftet und desinfiziert
Prunellae spica Xiakucao 9–15 10 Kühlt Hitze (calor, re), löst Zusammenballungen
Einnahmemodus: Dekokt (Zubereitung Kap. 6, Einführung)
Erläuterung: Ursprünglich liegt dieser Rezeptur die Rehmannia-Pille mit sechs Geschmacksrichtungen (Liuwei dihuang wan) zugrunde. Rehmanniae radix (Shengdihuang) stützt das Yin und ergänzt die Energien des Fk Niere (o. renalis, shen). Corni fructus (Shanzhuyu) wärmt und ergänzt den Fk Niere (o. renalis, shen), Dioscoreae rhizoma (Shanyao) kräftigt den Fk Milz (o. lienalis, pi). Dagegen kühlt Moutan cortex (Mudanpi) und zerstreut wurzelloses Yang, Alismatis rhizoma (Zexie) und Poria (Fuling) leiten Feuchtigkeit (humor, shi) aus. Durch Hinzufügen von Anemarrhenae rhizoma (Zhimu) und Phellodendri cortex (Huangbai) wird das Yin gestützt, Glut (ardor, huo) zerstreut und somit hochschlagendes Yang des Fk Niere (yang renale, shenyang) beruhigt. Lonicerae flos (Jinyinhua) und Prunellae spica (Xiakucao) kühlen zusätzlich Hitze (calor, re).
Modifikationen:
  • Bei starkem Juckreiz im äußeren Gehörgang: Chrysanthemi flos (Juhua) 10 g, Cicadae periostracum (Chantui) 10 g

  • Bei Gehörgangsrhagaden und -blutungen: Rubiae radix (Qiancao) 10 g, Arnebiae/Lithospermi radix (Zicao) 10 g

Diätetik

Grundsätzliche, indikationsabhängige Empfehlungen zur Ernährung

Empfehlenswert Säfte (jinye) spendende, gleichzeitig kühlende Nahrungsmittel (Weizen, Kolbenhirse, Hülsenfrüchte, Karotte, Maulbeerfrucht, Meeresfrüchte)
Nicht empfehlenswert Warme und heiße, dadurch trocknende Nahrungsmittel (scharfe Gewürze, Alkohol, Tabak)
Akupunktur

Indikationsabhängig wichtige Akupunkturpunkte (je nach Befund kann die Behandlung weiterer, hier nicht aufgeführter Akupunkturpunkte erforderlich sein)

Deutsche Bezeichnung Lateinische Bezeichnung Deutsche Übersetzung des chinesischen Namens Pinyin Lokalisation Erläuterung
Lokale Punkte
3E 17 T 17 Schutzschirm gegen Wind yifeng Am Vorderrand des Processus mastoideus, wo das Ohrläppchen bei Druck den Processus berührt Harmonisiert die Netzleitbahnen (reticulares, luomai) des Ohres
Gb 2 F 2 Versammlungspunkt für das Gehör tinghui Vor dem Ohr, bei geöffnetem Mund in einer Vertiefung auf der Höhe der Incisura intertragica an der unteren Grenze des Processus condylaris der Mandibula Harmonisiert die Netzleitbahnen (reticulares, luomai) des Ohres
Periphere Punkte
Ni 3 R 3 Mächtiger Wasserlauf taixi Auf der Mitte der Verbindungslinie zwischen Malleolus medialis und der Achillessehne Nährt das Yin des
Fk Niere (yin renale, shenyin)
Ni 7 R 7 Der zurückfließende Strom fuliu Am Vorderrand der Achillessehne, 2 cun über Ni 3/R 3 in einer Vertiefung Nährt das Yin des
Fk Niere (yin renale, shenyin)
Ren 4 Rs 4 Das erste der Passtore guanyuan 3 cun unterhalb des Nabels Stützt das Qi des Fk Niere (qi renale, shenqi), wandelt Struktivpotential jing um, um die Ohren zu nähren

Akute Otitis media

Krankheitsbild und Therapie aus westlicher Sicht
Übersicht
Otitis media ist ein Sammelbegriff für alle entzündlichen Erkrankungen des Mittelohres. Im Folgenden soll beispielhaft die akute eitrige Mittelohrentzündung behandelt werden.
Klinisches Bild
  • Die akute eitrige Otitis media tritt häufig im Anschluss an Infekte der oberen Atemwege auf.

  • Hauptsymptome sind Ohrenschmerzen, manchmal begleitet von Fieber und allgemeinem Krankheitsgefühl.

  • Das Trommelfell ist gerötet und vorgewölbt.

  • Ursache kann eine gestörte Tubenfunktion sein. Vergrößerte Adenoide oder Tonsillen werden als Ursache diskutiert. Die häufigsten Bakterien sind Streptococcus pneumoniae und Haemophilus influenzae.

  • Komplikationen können eine Beteiligung des kochleovestibulären Organs oder eine Mastoiditis sein.

Therapie aus westlicher Sicht
  • Behandlung mit Nasentropfen (Sympathomimetika), Antibiotikum (erste Wahl: Amoxicillin), ggf. Analgetika

  • Bei Beteiligung des kochleovestibulären Organs Glukokortikoide, Rheologika, bei Mastoiditis ggf. operative Intervention

Krankheitsbild und Therapie aus Sicht der chinesischen Medizin
Übersicht
Die akute eitrige Otitis media wird in der chinesischen Medizin der Kategorie akutes eitriges Ohr (Ji nonger) zugerechnet. Die Schrägläufigkeiten (Heteropathien, xie) Wind (ventus, feng) und Hitze (calor, re) fachen Glut (ardor, huo) in den Fk Leber und Gallenblase (oo. hepaticus et felleus, gan dan) an, die dann zum Ohr aufsteigt, um es anzusengen, was letztlich in den meisten Fällen die Erkrankung herbeiführt.
Agenzien und Pathogenese
Bei dieser Erkrankung können zwei Symptomkonfigurationen differenziert werden:
  • A Wind-Hitze (calor venti, fengre) greift die Oberfläche (extima, biao) an:

    Diese Form findet sich im Anfangsstadium der Erkrankung, und es bestehen gleichzeitig Symptome der Oberfläche (extima, biao) am gesamten Körper.

  • B Aufsteigende Glut (ardor, huo) der Fk Leber und Gallenblase (oo. hepaticus et felleus, gan dan):

    Diese Form findet sich im späteren Verlauf der Erkrankung, wobei gleichzeitig Ganzkörpersymptome von überhandnehmender Glut (ardor vigens, huosheng) der Fk Leber und Gallenblase (oo. hepaticus et felleus, gan dan) auftreten.

Bei Kindern sind die Funktionskreise zart, und ihr Körper ist noch nicht vollständig ausgebildet. Daher werden sie leicht von äußeren Schrägläufigkeiten (Heteropathien, xie) affiziert, so dass sie häufiger als Erwachsene unter dieser Erkrankung leiden. Die akute Otitis media kann sich bei Kindern auch leicht zu einer ernsten Erkrankung entwickeln.
Differenzierte chinesische Therapie
A Wind-Hitze (calor venti, fengre) greift die Oberfläche (extima, biao) an
Hauptsymptome
  • Rascher Krankheitsbeginn

  • Zunehmendes Spannungs-, Schwellungs- oder Völlegefühl und Schmerzen im Ohr

  • Allmählich zunehmende pochende oder bohrende Ohrenschmerzen

  • Nach heftigen Schmerzen häufig Herausfließen einer eitrigen Flüssigkeit und Nachlassen der Ohrenschmerzen

  • Hypoakusis und Tinnitus in Form von Rauschen

  • Rotes, vorgewölbtes Trommelfell

  • Schallleitungsschwerhörigkeit

  • Mögliche Allgemeinsymptome: allgemeines Unwohlsein, Fieber, Kälteaversion, Körperschmerzen, Nasenatmungsbehinderung und Sekretion

  • Zungenkörper: rot; Zungenbelag: dünn, gelblich

  • Pulse: oberflächlich und beschleunigt (superficiales und celeri, fu shu)

Krankheitsmechanismus
Zu Beginn der Erkrankung dringen die Schrägläufigkeiten (Heteropathien, xie) Wind-Hitze (calor venti, fengre) oder Wind-Kälte (algor venti, fenghan) von außen ein, wobei sich letztere häufig einstaut und zu Hitze (calor, re) wandelt. In der Folge entstehen dann Blockaden von Wind-Hitze (calor venti, fengre) im oberen Wärmebereich (oberes Calorium, shangjiao), die überhandnehmen und sich mit Qi und Xue in der Körperöffnung Ohr zusammenballen.
Therapeutisches Vorgehen

  • 1.

    Vertreiben von Wind (ventus, feng)

  • 2.

    Kühlen von Hitze (calor, re)

  • 3.

    Stärken des Fk Lunge (o. pulmonalis, fei)

  • 4.

    Freimachen der Sinnesöffnungen

Arzneitherapie

Basisrezeptur: Modifiziertes Pulver mit Viticis fructus (Manjingzi san)

Arznei Pinyin Klassische Tagesdosis (g) Modifizierte Tagesdosis (g) Erläuterung
Viticis fructus Manjingzi 5–10 10 Leitet Wind-Hitze (calor venti, fengre) aus
Chrysanthemi flos Juhua 3–15 10 Leitet Wind-Hitze (calor venti, fengre) aus
Cimicifugae rhizoma Shengma 1–10 10 Löst die Oberfläche (extima, biao), kühlt Hitze (calor, re)
Peucedani radix Qianhu 3–10 10 Leitet Wind-Hitze (calor venti, fengre) aus
Rehmanniae radix Shengdihuang 10–30 12 Nährt das Yin, kühlt und bewegt das Xue
Paeoniae radix rubra Chishaoyao 3–10 10 Kühlt Hitze (calor, re) und Xue, bewegt das Xue
Ophiopogonis radix Maimendong 3–18 10 Stützt und ergänzt das Yin
Clematidis armandii caulis Chuanmutong 3–9 10 Leitet Glut (ardor, huo) aus, wirkt diuretisch
Poria Fuling 10–15 10 Wirkt diuretisch, leitet Feuchtigkeit (humor, shi) aus
Mori cortex Sangbaipi 10–15 10 Leitet Feuchtigkeit-Hitze (calor humidus, shire) aus, zerteilt Schwellungen
Einnahmemodus: Dekokt (Zubereitung Kap. 6, Einführung)
Erläuterung: Viticis fructus (Manjingzi), Chrysanthemi flos (Juhua), Cimicifugae rhizoma (Shengma) und Peucedani radix (Qianhu) wirken vor allem an der Oberfläche im Kopfbereich und eignen sich hervorragend, um Wind-Hitze (calor venti, fengre) auszuleiten und Schmerzen zu stillen. Rehmanniae radix (Shengdihuang), Paeoniae radix rubra (Chishaoyao) und Ophiopogonis radix (Maimendong) nähren vor allem das Yin, kühlen und dynamisieren das Xue und beseitigen Rötungen und Schwellungen des Trommelfells. Clematidis armandii caulis (Chuanmutong), Poria (Fuling) und Mori cortex (Sangbaipi) kühlen Hitze (calor, re), leiten Feuchtigkeit (humor, shi) aus, mindern Schwellungen und beseitigen Eiter.
Modifikationen:
  • Bei verstopfter Nase mit Nasenfluss: Magnoliae flos (Xinyi) 6 g, Xanthii fructus (Cang'erzi) 6 g, Menthae herba (Bohe, später zugeben) 6 g

  • Bei Kindern zum Besänftigen des Fk Leber

    (o. hepaticus, gan): Uncariae ramulus cum

    uncis (Gouteng) 6 g, Cicadae periostracum (Chantui) 6 g

  • Bei Nervosität, Benommenheit, Nackenstarre, Erbrechen etc.: Bubali cornu (Shuiniujiao, vorher abkochen) 30 g

Diätetik

Grundsätzliche, indikationsabhängige Empfehlungen zur Ernährung

Empfehlenswert Leichte Nahrung, viel Flüssigkeit, reichlich Gemüse und Obst
Nicht empfehlenswert Scharfe, fette und allzu süße Nahrungsmittel
Akupunktur

Indikationsabhängig wichtige Akupunkturpunkte (je nach Befund kann die Behandlung weiterer, hier nicht aufgeführter Akupunkturpunkte erforderlich sein)

Deutsche Bezeichnung Lateinische Bezeichnung Deutsche Übersetzung des chinesischen Namens Pinyin Lokalisation Erläuterung
Lokale Punkte
3E 21 T 21 Pforte des Ohres ermen Vor dem Ohr, bei geöffnetem Mund in der Vertiefung auf Höhe der Incisura supratragica und etwas oberhalb des Processus condylaris der Mandibula Macht das Ohr frei, zerstreut Hitze (calor, re)
Gb 2 F 2 Versammlungspunkt für das Gehör tinghui Vor dem Ohr, bei geöffnetem Mund in einer Vertiefung auf der Höhe der Incisura intertragica an der unteren Grenze des Processus condylaris der Mandibula Zerstreut Wind-Hitze (calor venti, fengre)
3E 17 T 17 Schutzschirm gegen Wind yifeng Am Vorderrand des Processus mastoideus, wo das Ohrläppchen bei Druck den Processus berührt Klärt das Gehör, leitet Wind (ventus, feng) aus
Periphere Punkte
3E 5 T 5 Äußeres Passtor waiguan 2 cun proximal der Handgelenksfalte, in der Mitte des Unterarmes zwischen Elle und Speiche, gegenüber Pe 6/Pc 6 Löst die Oberfläche (extima, biao), zerstreut Hitze (calor, re)
Ma 36 S 36 Dritter Weiler am Fuß zusanli 3 cun unterhalb der Patellaunterkante, 1 cun fibular der Tibiakante, auf Höhe der Tuberositas tibiae Harmonisiert Qi und Xue
Gb 34 F 34 Quelle am sonnenbeschienenen Grabhügel yanglingquan In der Vertiefung vor und unterhalb des Fibulaköpfchens Eliminiert Wind (ventus, feng) und Hitze (calor, re)
Gb 43 F 43 Der eingezwängte Wasserlauf xiaxi Zwischen der 4. und 5. Zehe proximal der Interdigitalfalte Eliminiert Wind (ventus, feng) und Hitze (calor, re)
Gb 40 F 40 Das Feld am Hügel qiuxu In der Vertiefung vor und unterhalb des Malleolus lateralis und lateral der Sehnen des M. extensor digitorum longus Löst Stauungen, macht die Netzleitbahnen (reticulares, luomai) durchgängig
Alle Punkte täglich einmal dispulsiv nadeln.
Ergänzungspunkte: Bei Fieber zusätzlich Di 11/IC 11 (Gekrümmter Teich, quchi) und Di 4/IC 4 (Vereinte Täler, hegu)
B Aufsteigende Glut (ardor, huo) der Fk Leber und Gallenblase (oo. hepaticus et felleus, gan dan)
Hauptsymptome
  • Heftige, starke, stechende oder bohrende Schmerzen

  • Hören stark eingeschränkt

  • Rotes, vorgewölbtes Trommelfell, evtl. mit Eiteraustritt

  • Im Audiogramm Schallleitungsschwerhörigkeit

  • Mögliche Allgemeinsymptome: Fieber, feucht-roter Teint, bitterer Geschmack im Mund, trockener Rachen, Obstipation, gelblich roter Urin

  • Zungenkörper: rot; Zungenbelag: gelblich, dick

  • Pulse: saitenförmig und beschleunigt (chordales und celeri, xian shu)

Krankheitsmechanismus
Nicht behandelte Wind-Hitze (calor venti, fengre) in der Oberfläche (extima, biao) dringt nach innen in die Fk Leber und Gallenblase (oo. hepaticus et felleus, gan dan) ein, was im Inneren überhandnehmende Glut (ardor, huo) und Hitze (calor, re) der Fk Leber und Gallenblase (oo. hepaticus et felleus, gan dan) zur Folge hat, die entlang der Leitbahnen nach oben verdampfen, so dass sich toxische innere und äußere Hitze (calor, re) in der Körperöffnung Ohr zusammenballen. Die Hitze (calor, re) nimmt überhand, das Fleisch, das Muskelfleisch und die Membran verderben und werden zu einer eitrigen Flüssigkeit.
Therapeutisches Vorgehen

  • 1.

    Kühlen von Hitze (calor, re)

  • 2.

    Ausleiten von Glut (ardor, huo)

  • 3.

    Klären von Glut (ardor, huo) der Fk Leber und Gallenblase (oo. hepaticus et felleus, gan dan)

  • 4.

    Herauslösen von Toxischem

Arzneitherapie

Basisrezeptur: Modifiziertes Gentiana-Dekokt zur Zerstreuung des Fk Leber (Longdan xiegan tang)

Arznei Pinyin Klassische Tagesdosis (g) Modifizierte Tagesdosis (g) Erläuterung
Gentianae radix Longdancao 3–10 10 Leitet Glut (ardor, huo) aus
Gardeniae fructus Zhizi 3–10 10 Kühlt Hitze (calor, re)
Scutellariae radix Huangqin 6–15 10 Leitet Glut (ardor, huo) aus
Bupleuri radix Chaihu 3–12 10 Löst die Oberfläche (extima, biao), bewegt und reguliert das Qi
Prunellae spica Xiakucao 9–15 15 Kühlt Hitze (calor, re)
Clematidis armandii caulis Chuanmutong 3–9 10 Leitet Glut (ardor, huo) aus, wirkt diuretisch
Plantaginis semen Cheqianzi 3–15 12 Kühlt Hitze (calor, re)
Alismatis rhizoma Zexie 3–15 10 Kühlt Hitze (calor, re)
Angelicae sinensis radix Danggui 3–10 10 Ergänzt und bewegt das Xue
Rehmanniae radix Shengdihuang 10–30 12 Kühlt Hitze (calor, re), kühlt und ergänzt das Xue
Glycyrrhizae radix Gancao 1–15 6 Beruhigt und gleicht aus
Einnahmemodus: Dekokt (Zubereitung Kap. 6, Einführung)
Erläuterung: Die Hauptarznei Gentianae radix (Longdancao) ist vor allem dazu geeignet, Hitze (calor, re) in den Fk Leber und Gallenblase (oo. hepaticus et felleus, gan dan) zu kühlen und Glut (ardor, huo) auszuleiten. Scutellariae radix (Huangqin), Gardeniae fructus (Zhizi) und Bupleuri radix (Chaihu) unterstützen sie dabei. Prunellae spica (Xiakucao) kühlt Hitze (calor, re) und leitet Glut (ardor, huo) im Fk Leber (o. hepaticus, gan) aus. Plantaginis semen (Cheqianzi), Alismatis rhizoma (Zexie) und Clematidis armandii caulis (Chuanmutong) leiten Feuchtigkeit (humor, shi) aus, lösen Toxisches heraus, leiten Hitze (calor, re) nach unten und kühlen und eliminieren Eiter. Angelicae sinensis radix (Danggui) und Rehmanniae radix (Shengdihuang) dynamisieren das Xue und beseitigen Stasen. Glycyrrhizae radix (Gancao) kühlt Hitze (calor, re), löst Toxisches heraus und harmonisiert die Wirkung aller Arzneien.
Modifikationen:
  • Bei Obstipation: Rhei rhizoma (Dahuang, später zugeben) 6 g

  • Bei starken Ohrenschmerzen mit Obstipation: Paeoniae radix rubra (Chishaoyao) 12 g, Moutan cortex (Mudanpi) 12 g, Olibanum (Ruxiang) 10 g, Myrrha (Moyao) 10 g

  • Um Eiterabfluss zu drainieren: Gleditsiae spina (Zaojiaoci) 12 g, Manitis squama (Chuanshanjia) 10 g

  • Bei starker Pyorrhö: Angelicae dahuricae radix (Baizhi) 10 g, Platycodi radix (Jiegeng) 10 g, Kochiae fructus (Difuzi) 10 g, Sophorae flavescentis radix (Kushen) 12 g

Diätetik wie unter A
Akupunktur: wie unter A

Seromukotympanum

Krankheitsbild und Therapie aus westlicher Sicht
Übersicht
Das Seromukotympanum – auch: Paukenerguss – ist die häufigste Ursache einer kindlichen Schwerhörigkeit. Es handelt sich hierbei um eine Ansammlung von nicht-eitriger Flüssigkeit unterschiedlicher Viskosität in den Mittelohrräumen. Im angloamerikanischen Schrifttum wird häufig der Begriff seröse oder muköse chronische Otitis verwandt.
Klinisches Bild
  • Es besteht ein Druck- und Völlegefühl im Ohr sowie eine unterschiedlich ausgeprägte Schwerhörigkeit.

  • Das Trommelfell ist verstärkt eingezogen, und der Hammergriff erscheint verkürzt. Meist schimmert die Ergussflüssigkeit gelblich durch, manchmal sind typische Blasen oder Flüssigkeitssicheln sichtbar.

  • Nach umfangreichen epidemiologischen Daten hatten 90 % aller Patienten im Kindesalter ein- oder mehrfach Paukenergüsse.

  • Der Paukenerguss ist häufig eine Begleiterscheinung eines oberen Luftwegsinfektes.

  • Ursachen sind Tubenbelüftungsstörungen, Nasopharynxobstruktion oder Allergie.

  • Bei Kindern können bei länger anhaltender Symptomatik Sprachentwicklungsstörungen auftreten.

Therapie aus westlicher Sicht
  • Konservativ mit abschwellenden Nasentropfen und Mukolytika, ggf. Politzern, Luftballon nasal aufblasen lassen, bei Allergien entsprechend antiallergische Therapie

  • Bei persistierenden Mittelohrergüssen operativ Beseitigung der Nasopharynxobstruktion (bei Kindern Adenotomie) und Parazentese oder Paukenröhrchen

Krankheitsbild und Therapie aus Sicht der chinesischen Medizin
Übersicht
In der chinesischen Medizin wird die Erkrankung als Spannungsgefühle im Ohr (Erzhang) bzw. Verschluss des Ohres (Erbi) bezeichnet. Als Auslöser gilt die Schrägläufigkeit (Heteropathie, xie) Wind (ventus, feng), die den Fk Lunge (o. pulmonalis, fei) attackiert und die Bauenergie (qi constructivum, yingqi) blockiert. Bei länger anhaltender Symptomatik werden Xue-Stasen infolge von Qi-Stagnationen als ursächlich angesehen.
Agenzien und Pathogenese
Zu Beginn der Erkrankung bewirkt eine von außen eindringende Wind-Schrägläufigkeit (ventus-Heteropathie, fengxie) eventuell in Kombination mit Kälte (algor, han), Hitze (calor, re) oder Feuchtigkeit (humor, shi) eine Blockade des Qi der Leitbahnen, so dass Spannungsgefühle im Ohr (Erzhang) entstehen. Bei einer rechtzeitigen Behandlung ist leicht eine vollständige Genesung zu erreichen. Vor allem Kinder erkranken an diesem Krankheitsbild. Häufig stehen eine gleichzeitig vorhandene Erkältung oder ein Husten im Vordergrund, so dass die begleitende Otitis oft übersehen wird.
Im weiteren Verlauf kommt es zu persistierenden Blockaden von Schrägläufig-Toxischem (Heteropathisch-Toxisches, xiedu) und lokalen Blockaden des Qi und des Xue, die häufig begleitet von einer energetischen Schwäche (depletio, xu) der Fk Milz und Niere (oo. lienalis et renalis, pi shen) zu einem Verschluss des Ohres (Erbi) führen. So besteht häufig eine Kombination aus energetischer Schwäche (depletio, xu) und energetischer Überladung (repletio, shi). Hier ist die Behandlung schwieriger.
Man unterscheidet folgende Symptomkonfigurationen:
  • A Eindringende Wind-Schrägläufigkeit (ventus-Heteropathie, fengxie) und Blockade des Qi der Leitbahnen

  • B Schleim-Hitze (calor pituitae, tanre) blockiert im Fk Lunge (o. pulmonalis, fei) und affiziert nach oben hin die Körperöffnung Ohr

  • C Feuchtigkeit-Hitze (calor humidus, shire) der Fk Leber und Gallenblase (oo. hepaticus et felleus, gan dan), die nach oben zur Körperöffnung Ohr verdampft

  • D Zusammenballungen von Schleim-Trübem (pituita-Trübes, tanzhuo) und mangelnde Durchgängigkeit des Qi-Mechanismus

  • E Verweilende Blockaden von Schrägläufig-Toxischem (Heteropathisch-Toxisches, xiedu) sowie Qi-Blockaden und Xue-Stasen

Differenzierte chinesische Therapie
Beim Seromukotympanum treten im Anfangsstadium häufig gleichzeitig Atemwegsinfektionen, Rhinitiden und Sinusitiden etc. auf. Die Behandlung erfolgt hauptsächlich durch Herauslösen und Zerstreuen von Wind (ventus, feng). Eine Auflösung des Paukenergusses ist relativ leicht zu erreichen.
Bei ausgeprägtem Erguss sollte man hauptsächlich Hitze (calor, re) kühlen und Feuchtigkeit (humor, shi) ausleiten oder Schleim (pituita, tan) umwandeln und Trübes beseitigen.
Bei länger bestehendem Befund sind zusätzlich das Qi zu bewegen, das Xue zu dynamisieren, Stasen zu beseitigen und die Körperöffnungen durchgängig zu machen. Gleichzeitig sollte man den Fk Milz (o. lienalis, pi) kräftigen und den Fk Niere (o. renalis, shen) konsolidieren.
Eindringende Wind-Schrägläufigkeit (ventus-Heteropathie, fengxie) und Blockade des Qi der Leitbahnen
Hauptsymptome
  • Unangenehme Spannungsgefühle bis hin zu Schmerzen im Ohr

  • Manchmal Echogefühl im Ohr

  • Eventuell Rauschen im Ohr

  • Nachlassen des Hörvermögens

  • Leicht gerötetes und eingezogenes Trommelfell, manchmal mit einem Flüssigkeitsspiegel, der sich bei Kopfbewegung mitbewegen kann

  • Audiometrisch Schallleitungsschwerhörigkeit

  • Mögliche Allgemeinsymptome: Kopfschmerzen, behinderte Nasenatmung, nasale Sekretion, Halsschmerzen, Fieber und Kälteaversion, Husten

  • Zungenkörper: blassrot; Zungenbelag: dünn-weißlich, dünn-gelblich

  • Pulse: oberflächlich (superficiales, fu)

Krankheitsmechanismus
Eine Wind-Schrägläufigkeit (ventus-Heteropathie, fengxie), eventuell in Kombination mit Kälte (algor, han), Hitze (calor, re) oder Feuchtigkeit (humor, shi), dringt ein, steigt entlang den Leitbahnen empor und ballt sich in der Körperöffnung Ohr zusammen. Dies führt zu einer mangelnden Entfaltung des Qi der Leitbahnen im Ohr, und es kommt zum Krankheitsbild Spannungsgefühle im Ohr (Erzhang).
Therapeutisches Vorgehen bei Tendenz zu Wind-Hitze (calor venti, fengre)

  • 1.

    Vertreiben von Wind (ventus, feng)

  • 2.

    Kühlen von Hitze (calor, re)

  • 3.

    Zerstreuen der Schrägläufigkeiten (Heteropathien, xie)

  • 4.

    Freimachen der Sinnesöffnungen

Arzneitherapie bei Tendenz zu Wind-Hitze (calor venti, fengre)

Basisrezeptur: Pulver mit Lonicera und Forsythia (Yinqiao san)

Arznei Pinyin Klassische Tagesdosis (g) Modifizierte Tagesdosis (g) Erläuterung
Lonicerae flos Jinyinhua 10–15 12 Leitet Wind-Hitze (calor venti, fengre) aus
Forsythiae fructus Lianqiao 3–15 12 Leitet Wind-Hitze (calor venti, fengre) aus
Platycodi radix Jiegeng 3–10 10 Bewegt und reguliert das Qi
Arctii fructus Niubangzi 3–10 10 Leitet Wind-Hitze (calor venti, fengre) aus
Menthae herba Bohe 1–8 10 Leitet Wind-Hitze (calor venti, fengre) aus, löst die Oberfläche (extima, biao), macht die Sinne durchgängig
Sojae semen praeparatum Dandouchi 10–15 9 Leitet Hitze (calor, re) aus, löst die Oberfläche (extima, biao)
Schizonepetae herba Jingjie 3–10 10 Leitet Wind (ventus, feng) aus, löst die Oberfläche (extima, biao)
Lophateri herba Danzhuye 9–15 6 Kühlt Hitze (calor, re), wirkt diuretisch
Phragmitis rhizoma Lugen 15–30 15 Kühlt Hitze (calor, re)
Glycyrrhizae radix Gancao 1–15 3 Beruhigt und gleicht aus, befeuchtet Trockenheit (ariditas, zao)
Einnahmemodus: Dekokt (Zubereitung Kap. 6, Einführung)
Erläuterung: Die Hauptarzneien Lonicerae flos (Jinyinhua) und Forsythiae fructus (Lianqiao) lösen Wind (ventus, feng) heraus, kühlen Hitze (calor, re) und lösen die Oberfläche (extima, biao). Platycodi radix (Jiegeng) und Arctii fructus (Niubangzi) zerstreuen das Qi des Fk Lunge (qi pulmonale, feiqi), wobei Menthae herba (Bohe) und Sojae semen praeparatum (Dandouchi) den Hauptarzneien helfen, äußere Hitze (calor, re) zu beseitigen. Schizonepetae herba (Jingjie) verstärkt die Wirkung des Rezepts, ohne Trockenheit (ariditas, zao) zu erzeugen. Lophateri herba (Danzhuye), Phragmitis rhizoma (Lugen) und Glycyrrhizae radix (Gancao) erzeugen Säfte (jinye) und wirken insgesamt lindernd.
Modifikationen:
  • Bei Husten und gelblichem Sputum: Mori cortex (Sangbaipi) 12 g, Fritillariae thunbergii bulbus (Zhebeimu) 12 g, Houttuyniae herba cum radice (Yuxingcao) 15 g

  • Bei Nasenverstopfung und einem dickflüssigen Sekret: Magnoliae flos (Xinyi) 10 g, Angelicae dahuricae radix (Baizhi) 9 g

Therapeutisches Vorgehen bei Tendenz zu Wind-Kälte (algor venti, fenghan)

  • 1.

    Vertreiben von Wind (ventus, feng)

  • 2.

    Zerstreuen von Kälte (algor, han)

  • 3.

    Zerstreuen von Zusammenballungen

  • 4.

    Freimachen der Sinnesöffnungen

Arzneitherapie bei Tendenz zu Wind-Kälte (algor venti, fenghan)

Basisrezeptur: Eine Modifikation des Giftlösenden Pulvers mit Schizonepeta und Saposhnikovia (Jingfang baidu san)

Arznei Pinyin Klassische Tagesdosis (g) Modifizierte Tagesdosis (g) Erläuterung
Schizonepetae herba Jingjie 3–10 10 Leitet Wind (ventus, feng) aus, löst die Oberfläche (extima, biao)
Saposhnikoviae radix Fangfeng 3–9 10 Leitet Wind (ventus, feng) aus, löst die Oberfläche (extima, biao)
Notopterygii rhizoma Qianghuo 3–10 6 Löst die Oberfläche (extima, biao), leitet Wind-Kälte (algor venti, fenghan) aus
Angelicae pubescentis radix Duhuo 3–10 10 Leitet Wind (ventus, feng) aus, zerstreut Stauungen
Bupleuri radix Chaihu 3–12 10 Löst die Oberfläche (extima, biao), bewegt und reguliert das Qi
Chuanxiong rhizoma Chuanxiong 1–10 5 Leitet Wind (ventus, feng) aus, bewegt und reguliert das Qi
Aurantii fructus immaturus Zhishi 3–9 10 Bewegt und reguliert das Qi, zerstreut Kälte (algor, han)
Poria Fuling 10–15 12 Wirkt diuretisch, leitet Feuchtigkeit (humor, shi) aus, beruhigt und gleicht aus
Platycodi radix Jiegeng 3–10 10 Bewegt und reguliert das Qi
Glycyrrhizae radix Gancao 1–15 5 Beruhigt und gleicht aus
Einnahmemodus: Dekokt (Zubereitung Kap. 6, Einführung)
Erläuterung: Schizonepetae herba (Jingjie) und Saposhnikoviae radix (Fangfeng) beseitigen Wind (ventus, feng) und zerstreuen Kälte (algor, han). Notopterygii rhizoma (Qianghuo), Angelicae pubescentis radix (Duhuo) und Chuanxiong rhizoma (Chuanxiong) leiten Wind-Kälte (algor venti, fenghan) und Feuchtigkeit (humor, shi) aus. Platycodi radix (Jiegeng), Bupleuri radix (Chaihu) und Aurantii fructus immaturus (Zhishi) bewegen und regulieren das Qi und zerstreuen Schrägläufigkeiten (Heteropathien, xie). Poria (Fuling) leitet Feuchtigkeit (humor, shi) aus und wandelt Schleim (pituita, tan) um. Glycyrrhizae radix (Gancao) harmonisiert die Wirkungen aller Arzneien.
Modifikationen:
  • Bei deutlichem Paukenerguss: Plantaginis semen (Cheqianzi) 15 g, Alismatis rhizoma (Zexie) 15 g

  • Bei Nasenverstopfung und Nasenfluss: Magnoliae flos (Xinyi) 10 g, Angelicae dahuricae radix (Baizhi) 10 g, Xanthii fructus (Cang'erzi) 10 g

Diätetik

Grundsätzliche, indikationsabhängige Empfehlungen zur Ernährung

Empfehlenswert Leichte Speisen (Wachskürbis, Hiobstränensamen)
Nicht empfehlenswert Fette, süße, deftige, rohe, kalte und scharfe Nahrungsmittel
Akupunktur

Indikationsabhängig wichtige Akupunkturpunkte (je nach Befund kann die Behandlung weiterer, hier nicht aufgeführter Akupunkturpunkte erforderlich sein)

Deutsche Bezeichnung Lateinische Bezeichnung Deutsche Übersetzung des chinesischen Namens Pinyin Lokalisation Erläuterung
Lokale Punkte
Dü 19 IT 19 Palast des Gehörs tinggong In einer Vertiefung zwischen Tragus und Kiefergelenk bei leichter Mundöffnung Behebt Gehörstörungen aller Art
Gb 2 F 2 Versammlungspunkt für das Gehör tinghui Vor dem Ohr, bei geöffnetem Mund in einer Vertiefung auf der Höhe der Incisura intertragica an der unteren Grenze des Processus condylaris der Mandibula Zerstreut Wind (ventus, feng), harmonisiert das Gehör
3E 21 T 21 Pforte des Ohres ermen Vor dem Ohr, bei geöffnetem Mund in der Vertiefung auf Höhe der Incisura supratragica und etwas oberhalb des Processus condylaris der Mandibula Macht das Ohr durchgängig, zerstreut Hitze (calor, re)
3E 17 T 17 Schutzschirm gegen Wind yifeng Am Vorderrand des Processus mastoideus, wo das Ohrläppchen bei Druck den Processus berührt Wehrt Wind (ventus, feng) ab, klärt das Gehör
Periphere Punkte
Di 4 IC 4 Vereinte Täler hegu Etwa in der Mitte des 2. Mittelhandknochens an der radialen Seite Zerstreut Wind (ventus, feng), löst die Oberfläche (extima, biao), macht das Leitbahnsystem durchgängig
Pe 6 Pc 6 Inneres Passtor neiguan Zwischen den Sehnen der Mm. palmaris longus und flexor carpi radialis, 2 cun proximal der Handgelenksfalte Reguliert das Qi, leitet Wind (ventus, feng) aus
Jedes Mal 2–3 Punkte wählen, mit mittlerer Stimulation nadeln, die Nadeln 10–20 Minuten lang liegen lassen.
Modifikationen:
  • Bei energetischer Schwäche (depletio, xu) des Fk Milz (o. lienalis, pi): Ma 36/S 36 (Dritter Weiler am Fuß, zusanli), Bl 20/V 20 (Einflusspunkt des Mitten-Funktionskreises, pishu)

  • Bei energetischer Schwäche (depletio, xu) des Fk Niere (o. renalis, shen): Mi 6/L 6 (Die Verbindung der drei Yin, sanyinjiao), Ren 4/Rs 4 (Das erste der Passtore, guanyuan), Bl 23/V 23 (Einflusspunkt des Nieren-Funktionskreises, shenshu), dabei suppletiv nadeln

Moxibustion
Bei Kälte aufgrund energetischer Schwäche (algor depletionis, xuhan) folgende Punkte täglich einmal moxen:
  • Lokale Foramina: Dü 19/IT 19 (Palast des Gehörs, tinggong), Gb 2/F 2 (Versammlungspunkt für das Gehör, tinghui), 3E 17/T 17 (Schutzschirm gegen Wind, yifeng)

  • Distale Punkte: je nach Diagnose jeweils Di 4/IC 4 (Vereinte Täler, hegu), Pe 6/Pc 6 (Inneres Passtor, neiguan), Ma 36/S 36 (Dritter Weiler am Fuß, zusanli), Bl 20/V 20 (Einflusspunkt des Mitten-Funktionskreises, pishu), Mi 6/L 6 (Die Verbindung der drei Yin, sanyinjiao) oder Bl 23/V 23 (Einflusspunkt des Nieren-Funktionskreises, shenshu)

Schleim-Hitze (calor pituitae, tanre) blockiert im Fk Lunge (o. pulmonalis, fei) und affiziert nach oben hin die Körperöffnung Ohr
Hauptsymptome
  • Persistierende Spannungs-, Druck- und Obstruktionsgefühle im Ohr

  • Nachlassendes Gehör

  • Ohrgeräusche in Form von Rauschen möglich

  • Gerötetes, eventuell leicht nach außen gewölbtes Trommelfell eventuell mit Flüssigkeitsspiegel

  • Schallleitungsschwerhörigkeit in der Tonaudiometrie

  • Mögliche Allgemeinsymptome: trockener Rachen, Husten, gelbliches, dickflüssiges Sputum, Nasenverstopfung, gelbliches, dickflüssiges Nasensekret, Obstipation, gelblicher Urin

  • Zungenkörper: rötlich; Zungenbelag: gelblich-klebrig

  • Pulse: schlüpfrig und beschleunigt (lubrici und celeri, hua shu)

Krankheitsmechanismus
Eine Wind-Schrägläufigkeit (ventus-Heteropathie, fengxie) dringt ein oder die Schrägläufigkeit (Heteropathie, xie) Wind-Hitze (calor venti, fengre) affiziert den Fk Lunge (o. pulmonalis, fei). Der Fk Lunge (o. pulmonalis, fei) kann nicht mehr klären und absenken. Hitze (calor, re) verbrennt die Säfte (jinye) zu Schleim (pituita, tan), und Schleim-Hitze (calor pituitae, tanre) setzt sich im Fk Lunge (o. pulmonalis, fei) fest, steigt entlang der Leitbahn empor, sammelt sich in der Körperöffnung Ohr an und führt zur Erkrankung.
Therapeutisches Vorgehen

  • 1.

    Kühlen von Hitze (calor, re)

  • 2.

    Dispulsieren des Fk Lunge (o. pulmonalis, fei)

  • 3.

    Umwandeln von Schleim (pituita, tan)

  • 4.

    Freimachen der Sinnesöffnungen

Arzneitherapie

Basisrezeptur: Eine Modifikation der Mischung von Dekokt mit Lepidium und Jujuba zur Zerstreuung des Fk Lunge (Tingli dazao xiefei tang) und Das Qi durchgängig machendes Pulver (Tongqi san)

Arznei Pinyin Klassische Tagesdosis (g) Modifizierte Tagesdosis (g) Erläuterung
Lepidii/Descurainiae semen Tinglizi 3–9 12 Zerstreut Hitze (calor, re), kanalisiert Schleim (pituita, tan), senkt das Qi ab
Mori cortex Sangbaipi 10–15 15 Kühlt Hitze (calor, re)
Scutellariae radix Huangqin 6–15 15 Kühlt Hitze (calor, re), leitet Glut (ardor, huo) aus
Magnoliae flos Xinyi 3–10 15 Bewegt und reguliert das Qi, kanalisiert Schleim (pituita, tan)
Bupleuri radix Chaihu 3–12 10 Bewegt und reguliert das Qi
Bambusae concretio silicea Tianzhuhuang 3–12 10 Kühlt Hitze (calor, re), wandelt Schleim-Hitze (calor pituitae, tanre) um
Pheretima Dilong 3–10 10 Kühlt Hitze (calor, re), wirkt diuretisch
Fritillariae thunbergii bulbus Zhebeimu 5–12 10 Kanalisiert Schleim (pituita, tan), kühlt Hitze (calor, re)
Acori rhizoma Shichangpu 3–10 10 Kanalisiert Schleim (pituita, tan), macht die Sinne frei
Plantaginis herba Cheqiancao 9–30 15 Kühlt Hitze (calor, re), leitet Feuchtigkeit-Hitze (calor humidus, shire) aus
Glycyrrhizae radix Gancao 1–15 5 Beruhigt und gleicht aus
Jujubae fructus Dazao 3–10 5 Stück Stützt und ergänzt das Qi, beruhigt und gleicht aus
Einnahmemodus: Dekokt (Zubereitung Kap. 6, Einführung)
Erläuterung: Lepidii/Descurainiae semen (Tinglizi) und Mori cortex (Sangbaipi) kühlen Hitze (calor, re) und dispulsieren den Fk Lunge (o. pulmonalis, fei). Scutellariae radix (Huangqin) und Pheretima (Dilong) kühlen Hitze (calor, re). Magnoliae flos (Xinyi) und Bupleuri radix (Chaihu) bewegen und regulieren das Qi. Bambusae concretio silicea (Tianzhuhuang) und Fritillariae thunbergii bulbus (Zhebeimu) kühlen Hitze (calor, re) und wandeln Schleim (pituita, tan) um. Acori rhizoma (Shichangpu) macht die Körperöffnungen durchgängig. Glycyrrhizae radix (Gancao) und Jujubae fructus (Dazao) harmonisieren die Wirkung aller Arzneien.
Modifikationen:
  • Bei deutlicher Nasenverstopfung: Angelicae dahuricae radix (Baizhi) 6 g, Xanthii fructus (Cang'erzi) 6 g

  • Bei starkem Husten: Peucedani radix (Qianhu) 6 g, Platycodi radix (Jiegeng) 6 g, Armeniacae semen (Xingren) 6 g

  • Bei einem unangenehmen Gefühl im Hals: Platycodi radix (Jiegeng) 6 g, Trichosanthis pericarpium (Gualoupi) 12 g, Belamcandae rhizoma (Shegan) 6 g

Diätetik: wie unter A
Akupunktur: wie unter A
Feuchtigkeit-Hitze (calor humidus, shire) der Fk Leber und Gallenblase (oo. hepaticus et felleus, gan dan), die nach oben zur Körperöffnung Ohr verdampft
Hauptsymptome
  • Spannungs-, Druck- und Obstruktionsgefühle im Ohr

  • Nachlassen des Hörvermögens

  • Eventuell Ohrenrauschen

  • Leicht vorgewölbtes und gerötetes Trommelfell mit eventuellem Flüssigkeitsspiegel, der sich mit Veränderung der Kopfstellung bewegt

  • Audiometrisch Schallleitungsschwerhörigkeit

  • Mögliche Allgemeinsymptome: bitterer Mundgeschmack, trockener Rachen, Nervosität, Reizbarkeit, Schmerz- und Druckgefühle in der Brust und im Flankenbereich, Obstipation, gelblicher Urin

  • Zungenkörper: rot; Zungenbelag: gelblich-klebrig

  • Pulse: saitenförmig und beschleunigt (chordales und celeri, xian shu)

Krankheitsmechanismus
Bei vorbestehender konstitutionell bedingter eingestauter Hitze (calor, re) der Fk Leber und Gallenblase (oo. hepaticus et felleus, gan dan) und einer zusätzlichen Affektion durch die Schrägläufigkeit (Heteropathie, xie) Feuchtigkeit-Hitze (calor humidus, shire) verdampfen Feuchtigkeit (humor, shi) und Hitze (calor, re) gemeinsam, steigen entlang der Leitbahn empor und ballen sich in der Körperöffnung Ohr zusammen.
Therapeutisches Vorgehen

  • 1.

    Kühlen und Dispulsieren der Fk Leber und Gallenblase (oo. hepaticus et felleus, gan dan)

  • 2.

    Ausleiten von Feuchtigkeit (humor, shi)

  • 3.

    Freimachen der Sinnesöffnungen

Arzneitherapie

Basisrezeptur: Modifiziertes Gentiana-Dekokt zur Zerstreuung des Fk Leber (o. hepaticus) (Longdan xiegan tang)

Arznei Pinyin Klassische Tagesdosis (g) Modifizierte Tagesdosis (g) Erläuterung
Gentianae radix Longdancao 3–10 8 Leitet Glut (ardor, huo) aus
Bupleuri radix Chaihu 3–12 10 Bewegt und reguliert das Qi, löst die Oberfläche (extima, biao)
Scutellariae radix Huangqin 6–15 12 Kühlt Hitze (calor, re), leitet Feuchtigkeit-Hitze (calor humidus, shire) aus
Gardeniae fructus Zhizi 3–10 10 Kühlt Hitze (calor, re), leitet Glut (ardor, huo) aus
Alismatis rhizoma Zexie 3–15 12 Wirkt diuretisch, leitet Feuchtigkeit (humor, shi) aus, kühlt Hitze (calor, re)
Plantaginis semen Cheqianzi 3–15 10 Wirkt diuretisch, kühlt Hitze (calor, re)
Rehmanniae radix Shengdihuang 10–30 10 Kühlt Hitze (calor, re) und das Xue, ergänzt die Säfte (jinye)
Clematidis armandii caulis Chuanmutong 3–9 6 Leitet Glut (ardor, huo) aus, wirkt diuretisch
Glycyrrhizae radix Gancao 1–15 5 Beruhigt und gleicht aus
Einnahmemodus: Dekokt (Zubereitung Kap. 6, Einführung)
Erläuterung: Die Hauptarznei Gentianae radix (Longdancao) kühlt Hitze (calor, re) in den Fk Leber und Gallenblase (oo. hepaticus et felleus, gan dan) und leitet Glut (ardor, huo) aus. Scutellariae radix (Huangqin), Gardeniae fructus (Zhizi) und Bupleuri radix (Chaihu) unterstützen sie dabei. Plantaginis semen (Cheqianzi), Alismatis rhizoma (Zexie) und Clematidis armandii caulis (Chuanmutong) leiten Feuchtigkeit (humor, shi) aus, lösen Toxisches heraus, leiten Hitze (calor, re) nach unten und kühlen und eliminieren Eiter. Rehmanniae radix (Shengdihuang) dynamisiert das Xue und beseitigt Stasen. Glycyrrhizae radix (Gancao) kühlt Hitze (calor, re), löst Toxisches heraus und harmonisiert die Wirkung aller Arzneien.
Modifikationen:
  • Bei starker Nasenverstopfung: Xanthii fructus (Cang'erzi) 6 g, Acori rhizoma (Shichangpu) 6 g

  • Bei Obstipation: Rhei rhizoma (Dahuang, später zugeben) 10 g

Diätetik: wie unter A
Akupunktur: wie unter A
Zusammenballungen von Schleim-Trübem (pituita-Trübes, tanzhuo) und mangelnde Durchgängigkeit des Qi-Mechanismus
Hauptsymptome
  • Spannungs- und Druckgefühle im Ohr

  • Ohrensausen

  • Nachlassen des Hörvermögens

  • Blassgelbes , eventuell bernsteinfarbenes oder auch grauweißes und trübes Trommelfell mit dahinter befindlicher Flüssigkeit oder Luftbläschen, die sich mit Veränderung der Kopfstellung verändern

  • Mögliche Allgemeinsymptome: Benommenheit, Spannungsgefühle am Kopf, Spannungs- und Völlegefühle in Oberbauch und Abdomen, klebriger Mund ohne Durst, eventuell Husten, dünnflüssiges, weißliches Sputum, eventuell verstopfte Nase mit klarem, dünnflüssigem Sekret

  • Zungenkörper: blass; Zungenbelag: weißlich-feucht oder weißlich-klebrig

  • Pulse: saitenförmig und schlüpfrig (chordales und lubrici, xian hua)

Krankheitsmechanismus
Durch eine länger eingestaute Wind-Feuchtigkeit-Schrägläufigkeit (humor-venti-Heteropathie, fengshi xie) ist der Fk Lunge (o. pulmonalis, fei) in seiner Fähigkeit zu entfalten und abzusenken eingeschränkt. Das Qi des Fk Lunge (qi pulmonale, feiqi) ist dadurch gestört, die Wege der Säfte (jinye) sind nicht mehr durchgängig, Feuchtigkeit (humor, shi) und Trübes steigen entlang der Leitbahn empor und sammeln sich in der Körperöffnung Ohr an. Zusätzlich kann der Fk Milz (o. lienalis, pi) durch diätetische Fehler und Übermüdung geschädigt sein, so dass er nicht mehr umsetzen kann. Dann bedrängt Feuchtigkeit (humor, shi) den Fk Milz (o. lienalis, pi), und das Yang-Qi kann nicht mehr emporsteigen. Feuchtigkeit (humor, shi) und Trübes steigen empor und benebeln die klaren Körperöffnungen (Körperöffnungen im Kopfbereich).
Therapeutisches Vorgehen

  • 1.

    Bewegen des Qi

  • 2.

    Umwandeln von Schleim (pituita, tan)

  • 3.

    Freimachen der Sinnesöffnungen

Arzneitherapie

Basisrezeptur: Eine Modifikation der Mischung von Das Dekokt aus den zwei Abgestandenen (Ingredienzen) (Erchen tang) und Das Qi durchgängig machendes Pulver (Tongqi san)

Arznei Pinyin Klassische Tagesdosis (g) Modifizierte Tagesdosis (g) Erläuterung
Pinelliae rhizoma Banxia 3–12 10 Wandelt Schleim (pituita, tan) um
Citri reticulatae pericarpium Chenpi 3–10 5 Bewegt und reguliert das Qi, trocknet Feuchtigkeit (humor, shi)
Poria Fuling 10–15 15 Wirkt diuretisch, leitet Feuchtigkeit (humor, shi) aus, kanalisiert Schleim (pituita, tan)
Coicis semen Yiyiren 6–30 20 Wirkt diuretisch, leitet Feuchtigkeit (humor, shi) aus
Cyperi rhizoma Xiangfu 6–15 10 Bewegt und reguliert das Qi
Chuanxiong rhizoma Chuanxiong 1–10 5 Bewegt und reguliert das Qi
Bupleuri radix Chaihu 3–12 10 Bewegt und reguliert das Qi
Acori rhizoma Shichangpu 3–10 10 Kanalisiert Schleim (pituita, tan), macht die Sinne frei
Magnoliae flos Xinyi 3–10 10 Bewegt und reguliert das Qi, kanalisiert Schleim (pituita, tan)
Glycyrrhizae radix Gancao 1–15 5 Beruhigt und gleicht aus
Einnahmemodus: Dekokt (Zubereitung Kap. 6, Einführung)
Erläuterung: Pinelliae rhizoma (Banxia) als Hauptarznei trocknet Feuchtigkeit (humor, shi) und wandelt Schleim (pituita, tan) um. Darin unterstützt wird diese Arznei durch Citri reticulatae pericarpium (Chenpi), das indirekt durch Belebung der Transportfunktion des Fk Milz (o. lienalis, pi) den Schleim (pituita, tan) austreibt. Poria (Fuling), Coicis semen (Yiyiren) und Glycyrrhizae radix (Gancao) stärken beide den Fk Milz (o. lienalis, pi) und leiten Feuchtigkeit (humor, shi) aus. Bupleuri radix (Chaihu), Cyperi rhizoma (Xiangfu) und Chuanxiong rhizoma (Chuanxiong) regulieren in Kombination das Qi des Fk Leber (qi hepatici, ganqi) und machen die Sinnesorgane frei. Acori rhizoma (Shichangpu) und Magnoliae flos (Xinyi) bewegen das Qi und machen die Körperöffnungen durchgängig.
Modifikationen:
  • Bei Nasenverstopfung und reichlich Sekret: Xanthii fructus (Cang'erzi) 10 g, Angelicae dahuricae radix (Baizhi) 10 g

  • Bei Husten mit reichlich Sputum: Sinapis albae semen (Baijiezi) 10 g, Raphani semen (Laifuzi) 10 g

  • Bei Benommenheit und einem schweren Kopf: Notopterygii rhizoma (Qianghuo) 10 g, Ligustici sinensis radix (Gaoben) 10 g

  • Bei einer energetischen Schwäche (depletio, xu) des Qi der Fk Milz und Lunge (qi lienale et pulmonale, pi fei qi): Astragali radix (Huangqi) 15 g, Codonopsis radix (Dangshen) 15 g, Atractylodis macrocephalae rhizoma (Baizhu) 10 g. Alternativ dazu kann man das Pulver mit Ginseng, Poria und Atractylodes macrocephala (Shenling baizhu san) einsetzen.

Diätetik: wie unter A
Akupunktur: wie unter A
Verweilende Blockaden von Schrägläufig-Toxischem (Heteropathisch-Toxisches, xiedu) sowie Qi-Blockaden und Xue-Stasen
Hauptsymptome
  • Therapieresistente Spannungs-, Druck- und Obstruktionsgefühle im Ohr

  • Deutlich eingeschränktes Hörvermögen

  • Starke Einziehung des eventuell verdickten Trommelfells, in schweren Fällen Adhärenz

  • Audiometrisch findet sich eine Schallleitungsschwerhörigkeit

  • Meist unauffällige Allgemeinsymptome

  • Zungenkörper: blass; Zungenbelag: weißlich

  • Pulse: gespannt und rau (intenti und asperi, jin se)

Krankheitsmechanismus
Werden Spannungsgefühle im Ohr (Erzhang) nicht behandelt oder treten sie wiederholt auf, kommt es zu verweilenden Blockaden von Schrägläufig-Toxischem (Heteropathisch-Toxisches, xiedu), Qi und Xue stauen sich ein, die Netzleitbahnen (reticulares, luomai) werden blockiert, und die Körperöffnung Ohr wird verschlossen und ist nicht mehr durchgängig, oder durch eine depletive Schädigung der Fk Milz und Niere (oo. lienalis et renalis, pi shen) ist das Struktivpotential jing defizient, es kann nicht mehr nach oben strömen, die Körperöffnung Ohr wird nicht mehr genährt, sie wird verschlossen und ist nicht mehr brauchbar; all dies kann zum Krankheitsbild Verschluss des Ohres (Erbi) führen.
Therapeutisches Vorgehen

  • 1.

    Bewegen des Qi

  • 2.

    Dynamisieren des Xue

  • 3.

    Freimachen der Sinnesöffnungen

Arzneitherapie

Basisrezeptur: Eine Modifikation des Dekoktes, das die Sinnesöffnungen löst und das Xue vorantreibt (Tongqiao huoxue tang)

Arznei Pinyin Klassische Tagesdosis (g) Modifizierte Tagesdosis (g) Erläuterung
Persicae semen Taoren 3–10 10 Bewegt das Xue, löst Stasen des Xue
Carthami flos Honghua 3–10 5 Bewegt das Xue, löst Stasen des Xue
Chuanxiong rhizoma Chuanxiong 1–10 5 Bewegt und reguliert das Qi
Bupleuri radix Chaihu 3–12 10 Bewegt und reguliert das Qi
Cyperi rhizoma Xiangfu 6–15 10 Bewegt und reguliert das Qi
Moutan cortex Mudanpi 3–12 12 Kühlt und bewegt das Xue
Curcumae longae tuber Yujin 3–10 10 Bewegt Xue und Qi
Pheretima Dilong 3–10 10 Kühlt Hitze (calor, re), wirkt diuretisch
Acori rhizoma Shichangpu 3–10 10 Macht die Leitbahnen durchgängig und die Sinne frei
Poria Fuling 10–15 15 Wirkt diuretisch, leitet Feuchtigkeit (humor, shi) aus, beruhigt und gleicht aus
Glycyrrhizae radix Gancao 1–15 5 Beruhigt und gleicht aus
Einnahmemodus: Dekokt (Zubereitung Kap. 6, Einführung)
Erläuterung: Persicae semen (Taoren), Carthami flos (Honghua) und Chuanxiong rhizoma (Chuanxiong) als Hauptarzneien beleben das Xue und lösen Xue-Stasen auf. Unterstützt werden sie durch Moutan cortex (Mudanpi) und Curcumae longae tuber (Yujin). Bupleuri radix (Chaihu) und Cyperi rhizoma (Xiangfu) bewegen und regulieren das Qi. Pheretima (Dilong) und Poria (Fuling) wirken diuretisch. Acori rhizoma (Shichangpu) macht die Sinnesöffnungen frei. Glycyrrhizae radix (Gancao) harmonisiert die Wirkungen aller Arzneien.
Modifikationen:
  • Bei gleichzeitiger energetischer Schwäche (depletio, xu) des Qi der Fk Lunge und Milz (qi pulmonale et lienale, fei pi qi): Codonopsis radix (Dangshen) 15 g, Astragali radix (Huangqi) 15 g

  • Bei gleichzeitiger energetischer Schwäche (depletio, xu) des Yang des Fk Niere (yang renale, shenyang): Eucommiae cortex (Duzhong) 15 g, Cuscutae semen (Tusizi) 15 g, Morindae radix (Bajitian) 15 g

  • Bei deutlicher energetischer Schwäche (depletio, xu) der Fk Lunge, Milz und Niere (oo. pulmonalis, lienalis et renalis, fei pi shen): Carthami flos (Honghua) und Persicae semen (Taoren) aus der Rezeptur herausnehmen

  • Bei gleichzeitiger energetischer Schwäche (depletio, xu) des Yin des Fk Niere (yin renale, shenyin): zusätzliche Verabreichung von Rehmannia-Pille mit sechs Geschmacksrichtungen (Liuwei dihuang wan)

Diätetik: wie unter A
Akupunktur: wie unter A

Chronische Otitis media

Krankheitsbild und Therapie aus westlicher Sicht
Übersicht
Die Bezeichnung chronische Mittelohrentzündung steht für eine Reihe von Erkrankungen des Mittelohres, denen eine langdauernde mehr oder minder ausgeprägte Entzündung mit irreversiblen Gewebszerstörungen und Neubildungen zugrunde liegt. Man unterscheidet zwei Hauptformen, die prognostisch günstigere chronische Schleimhauteiterung und die chronische Knocheneiterung (Cholesteatom). Sonderformen sind die Tympanosklerose, der Adhäsivprozess, die Paukenfibrose und die spezifischen Entzündungen. Im Folgenden soll hier nur die chronische Schleimhauteiterung besprochen werden.
Klinisches Bild
  • Das charakteristische Symptom ist die anhaltende oder immer wiederkehrende, geruchlose, wässrige oder schleimig-eitrige, schmerzlose Otorrhö.

  • Die Otoskopie zeigt eine zentrale, mehr oder minder große Trommelfellperforation.

  • Die Ursache ist häufig eine Tubendysfunktion, in 40 % der Fälle lässt sich jedoch keine Ursache finden.

  • Komplikationen sind selten, können aber in Form von Ossikeldestruktionen oder Mastoiditiden auftreten.

Therapie aus westlicher Sicht
  • Konservativ: gründliche mechanische Reinigung und Einbringen von lokalen Antiseptika oder Antibiotika

  • Operativer Verschluss des Trommelfelldefektes nach Ausheilung der Otorrhö

CAVE

Da die Abgrenzung zur prognostisch wesentlich ungünstigeren Knocheneiterung schwierig sein kann, ist eine fachärztliche Abklärung unbedingt erforderlich!

Krankheitsbild und Therapie aus Sicht der chinesischen Medizin
Übersicht
Die chronisch eitrige Otitis media wird in der chinesischen Medizin der Kategorie Chronisches eitriges Ohr (Man nonger) zugerechnet. Diese Erkrankung entsteht häufig nach einer erfolglosen Behandlung des Krankheitsbildes Akutes eitriges Ohr (Ji nonger). Wenn Schrägläufig-Toxisches (Heteropathisch-Toxisches, xiedu) blockiert und verweilt, kommt es zu einem protrahierten Krankheitsverlauf. Dabei besteht ein enger Zusammenhang mit depletiven Schädigungen der Fk Milz (o. lienalis, pi) und Fk Niere (o. renalis, shen).
Agenzien und Pathogenese
Die chinesische Medizin geht davon aus, dass eine chronisch eitrige Otitis media auf eine depletive Schädigung der Fk Milz (o. lienalis, pi) und Fk Niere (o. renalis, shen) mit Blockade und Verweilen von Schrägläufig-Toxischem (Heteropathisch-Toxisches, xiedu) in der Körperöffnung Ohr zurückzuführen ist. Infolge der energetischen Schwäche (depletio, xu) des Fk Milz (o. lienalis, pi) besteht eine Feuchtigkeits-Belastung (humor, shi). Die Krankheitswurzel (stirps, ben) ist die energetische Schwäche (depletio, xu) des Fk Milz (o. lienalis, pi) bzw. die depletive Schädigung des Fk Niere (o. renalis, shen) und des ursprünglichen Qi (qi primum, yuanqi), die Verzweigung (cacumen, biao) ist toxische Feuchtigkeit (humor, shi).
Differentialdiagnostisch lassen sich zwei Symptomkonfigurationen anhand der Klinik und der Trommelfellbefunde unterscheiden:
  • A Feuchtigkeits-Belastung (humor, shi) bei energetischer Schwäche (depletio, xu) des Fk Milz (o. lienalis, pi):

    Bei Feuchtigkeit (humor, shi) als Folge von energetischer Schwäche (depletio, xu) des Qi des Fk Milz (qi lienale, piqi) ist der Trommelfelldefekt zentral gelegen, und der eitrige Ausfluss ist dünnflüssig und geruchlos.

  • B Depletive Schädigung des Fk Niere (o. renalis, shen) und des ursprünglichen Qi (qi primum, yuanqi):

    Bei einer depletiven Schädigung des Fk Niere (o. renalis, shen) und des ursprünglichen Qi (qi primum, yuanqi) besteht ein randständiger Defekt mit übel riechendem, eher dickflüssig-rahmigem Sekret.

Differenzierte chinesische Therapie
Bei der Behandlung gilt es, den Fk Milz (o. lienalis, pi) zu kräftigen und den Fk Niere (o. renalis, shen) zu suppletieren, Toxisches herauszulösen und Eiter zu drainieren, Feuchtigkeit (humor, shi) zu trocknen und zusammenhaltend zu wirken.
Feuchtigkeits-Belastung (humor, shi) bei energetischer Schwäche (depletio, xu) des Fk Milz (o. lienalis, pi)
Hauptsymptome
  • Über Jahre mal mehr, mal weniger bestehende eitrige Sekretion

  • Dünnflüssiges, geruchloses Sekret

  • Zentraler Trommelfelldefekt, eventuell mit durch die Perforation sichtbaren Polypen in der Paukenhöhle

  • Tonaudiometrisch Schallleitungsstörung

  • Mögliche Allgemeinsymptome: Benommenheit, schwerer Kopf, Abgeschlagenheit, Kraftlosigkeit, Appetitlosigkeit, Spannungsgefühle im Abdomen, manchmal halbflüssiger Stuhl, fahlgelber, stumpfer Teint, blasse Lippen

  • Zungenkörper: blass; Zungenbelag: weißlich, feucht

  • Pulse: behäbig, zart und schwach (languidi, minuti und invalidi, huan xi ruo)

Krankheitsmechanismus
Durch die energetische Schwäche (depletio, xu) des Fk Milz (o. lienalis, pi) sammelt sich Feuchtigkeit (humor, shi) an. Diese Schrägläufigkeit (Heteropathie, xie) stört den oberen Körperbereich, ballt sich mit dem Schrägläufig-Toxischen (Heteropathisch-Toxisches, xiedu) zusammen und hält sich längere Zeit im Ohr auf, so dass es zu dieser chronischen Entzündung kommt.
Therapeutisches Vorgehen

  • 1.

    Kräftigen des Fk Milz (o. lienalis, pi)

  • 2.

    Ausleiten von Feuchtigkeit (humor, shi)

  • 3.

    Drainieren von Eiter

Arzneitherapie

Basisrezeptur: Das Innere befreiendes und Toxisches herauslösendes Pulver (Tuoli xiaodu san)

Arznei Pinyin Klassische Tagesdosis (g) Modifizierte Tagesdosis (g) Erläuterung
Codonopsis radix Dangshen 3–15 15 Stützt und ergänzt das Qi
Astragali radix Huangqi 10–15 15 Stützt und ergänzt das Qi
Atractylodis macrocephalae rhizoma Baizhu 3–10 12 Ergänzt das Qi, harmonisiert die Fk Milz und Magen (oo. lienalis et stomachi, pi wei), trocknet Feuchtigkeit (humor, shi)
Poria Fuling 10–15 15 Leitet Feuchtigkeit (humor, shi) aus
Chuanxiong rhizoma Chuanxiong 1–10 6 Leitet Feuchtigkeit (humor, shi) bei Wind-Feuchtigkeit (humor venti, fengshi) aus, bewegt und reguliert das Qi
Paeoniae radix lactiflora Baishao 3–15 12 Ergänzt und kühlt das Xue
Angelicae sinensis radix Danggui 3–10 9 Ergänzt und bewegt das Xue, leitet Feuchtigkeit (humor, shi) bei Wind-Feuchtigkeit (humor venti, fengshi) aus
Lonicerae flos Jinyinhua 10–15 12 Leitet Feuchtigkeit-Hitze (calor humidus, shire) aus, entgiftet und desinfiziert
Angelicae
dahuricae
radix
Baizhi 3–10 6 Trocknet Feuchtigkeit (humor, shi), kanalisiert Schleim (pituita, tan)
Platycodi radix Jiegeng 3–10 6 Bewegt und reguliert das Qi, kanalisiert Schleim (pituita, tan), leitet Feuchtigkeit-Hitze (calor humidus, shire) aus
Gleditsiae spina Zaojiaoci 3–10 15 Leitet Feuchtigkeit-Hitze (calor humidus, shire) aus, entgiftet und desinfiziert
Glycyrrhizae radix Gancao 1–15 6 Stützt das Qi, harmonisiert die Mitte (Fk Milz und Magen, oo. lienalis et stomachi, pi wei)
Einnahmemodus: Dekokt (Zubereitung Kap. 6, Einführung)
Erläuterung: Codonopsis radix (Dangshen), Astragali radix (Huangqi), Poria (Fuling) und Atractylodis macrocephalae rhizoma (Baizhu) kräftigen den Fk Milz (o. lienalis, pi), mehren das Qi und leiten Feuchtigkeit (humor, shi) aus. Chuanxiong rhizoma (Chuanxiong), Paeoniae radix lactiflora (Baishao) und Angelicae sinensis radix (Danggui) nähren und dynamisieren das Xue. Lonicerae flos (Jinyinhua), Angelicae dahuricae radix (Baizhi), Platycodi radix (Jiegeng), Gleditsiae spina (Zaojiaoci) und Glycyrrhizae radix (Gancao) lösen Toxisches heraus und drainieren den Eiter.
Modifikationen:
  • Bei reichlich Eiter: Plantaginis semen (Cheqianzi) 15 g, Kochiae fructus (Difuzi) 12 g, Chrysanthemi indici flos (Yejuhua) 15 g, Taraxaci herba cum radice (Pugongying) 15 g, Houttuyniae herba cum radice (Yuxingcao) 15 g

  • Bei dünnflüssigem Eiter: Codonopsis radix (Dangshen), Poria (Fuling) und Atractylodis macrocephalae rhizoma (Baizhu) in höheren Dosierungen

  • Bei Abgeschlagenheit, Kurzatmigkeit und

    deutlicher Schwerhörigkeit: Cimicifugae

    rhizoma (Shengma) 10 g, Bupleuri radix

    (Chaihu) 10 g

Diätetik

Grundsätzliche, indikationsabhängige Empfehlungen zur Ernährung

Empfehlenswert Warme Nahrungsmittel mit scharfer oder bitterer Geschmacksrichtung (Bohnenarten, chinesischer Lauch, Knoblauch, Ingwer, Fisch)
Nicht empfehlenswert Kalte oder kühle Nahrungsmittel (fettes Schweine- oder Gänsefleisch, raffinierter Zucker)
Akupunktur

Indikationsabhängig wichtige Akupunkturpunkte (je nach Befund kann die Behandlung weiterer, hier nicht aufgeführter Akupunkturpunkte erforderlich sein)

Deutsche Bezeichnung Lateinische Bezeichnung Deutsche Übersetzung des chinesischen Namens Pinyin Lokalisation Erläuterung
Lokale Punkte
3E 21 T 21 Pforte des Ohres ermen Vor dem Ohr, bei geöffnetem Mund in der Vertiefung auf Höhe der Incisura supratragica und etwas oberhalb des Processus condylaris der Mandibula Macht das Ohr durchgängig
Gb 2 F 2 Versammlungspunkt für das Gehör tinghui Vor dem Ohr, bei geöffnetem Mund in einer Vertiefung auf der Höhe der Incisura intertragica an der unteren Grenze des Processus condylaris der Mandibula Harmonisiert das Gehör
3E 17 T 17 Schutzschirm gegen Wind yifeng Am Vorderrand des Processus mastoideus, wo das Ohrläppchen bei Druck den Processus berührt Klärt das Gehör
Periphere Punkte
3E 5 T 5 Äußeres Passtor waiguan 2 cun proximal der Handgelenksfalte, in der Mitte des Unterarmes zwischen Elle und Speiche, gegenüber Pe 6/Pc 6 Macht Haupt- und Netzleitbahnen (cardinales und reticulares, jingmai luomai) durchgängig, beseitigt Qi-Blockaden
Ma 36 S 36 Dritter Weiler am Fuß zusanli 3 cun unterhalb der Patellaunterkante, 1 cun fibular der Tibiakante, auf Höhe der Tuberositas tibiae Reguliert und stützt die Fk Milz und Magen (oo. lienalis et stomachi, pi wei)
Gb 34 F 34 Quelle am sonnenbeschienenen Grabhügel yanglingquan In der Vertiefung vor und unterhalb des Fibulaköpfchens Stützt und reguliert den Fk Milz (o. lienalis, pi), eliminiert Feuchtigkeit (humor, shi)
Gb 43 F 43 Der eingezwängte Wasserlauf xiaxi Zwischen der 4. und 5. Zehe proximal der Interdigitalfalte Eliminiert Feuchtigkeit (humor, shi), stützt und reguliert das Qi des Fk Milz (qi lienale, piqi)
Gb 40 F 40 Das Feld am Hügel qiuxu In der Vertiefung vor und unterhalb des Malleolus lateralis und lateral der Sehnen des M. extensor digitorum longus Macht die Netzleitbahnen (reticulares, luomai) durchgängig
Alle Punkte sind täglich einmal suppletiv zu nadeln.
Moxibustion
Schwebende Moxibustion, d. h. eine brennende Moxazigarre wird in einem bestimmten Abstand über dem Foramen gehalten, an 3E 17/T 17 (Schutzschirm gegen Wind, yifeng). Täglich einmal 1 Minute lang moxen, bis sich lokal eine Wärmeempfindung einstellt.
Depletive Schädigung des Fk Niere (o. renalis, shen) und des ursprünglichen Qi (qi primum, yuanqi)
Hautsymptome
  • Lang anhaltende, dickflüssig-rahmige, zähe, übelriechende, eitrige Sekretion

  • Randständiger Trommelfelldefekt

  • Durch Perforation hindurch häufig Granulationen oder Polypen in der Paukenhöhle sichtbar

  • Deutlicher Rückgang des Hörvermögens

  • Tonaudiometrisch ausgeprägte Schallleitungsschwerhörigkeit, manchmal kombinierte Schwerhörigkeit

  • Mögliche Allgemeinsymptome: Benommenheit, Schmerzen im Lendenwirbelsäulenbereich, in Hüften und Knien

  • Zungenkörper: rot; Zungenbelag: spärlich

  • Pulse: zart und schwach (minuti und invalidi, xi ruo)

Krankheitsmechanismus
Bei depletiven Schädigungen des Fk Niere (o. renalis, shen) wird die Körperöffnung Ohr nicht mehr genährt. Depletives Yang und Glut aufgrund energetischer Schwäche (ardor depletionis, xuhuo) schlagen empor und ballen sich mit dem Schrägläufig-Toxischen (Heteropathisch-Toxisches, xiedu) zusammen. Muskeln und Knochen werden geschädigt. Da der Fk Niere (o. renalis, shen) die Knochen dominiert, wird bei energetischer Schwäche (depletio, xu) desselben die Knochensubstanz locker und brüchig. Die Knochen können der Zersetzung durch Feuchtigkeit-Hitze (calor humidus, shire) bei Eiter im Ohr nicht standhalten. Hält diese länger an, werden Knochen zersetzt, und es bildet sich dunkler, übel riechender Eiter. In schweren Fällen kann Schrägläufig-Toxisches (Heteropathisch-Toxisches, xiedu) nach innen sinken und pathologische Veränderungen von Eiter im Ohr hervorrufen. Greift Schrägläufig-Toxisches (Heteropathisch-Toxisches, xiedu) auf den Processus mastoideus über, entsteht Toxisches in der Ohrwurzel (Ergen du). Wenn die Leitbahnen im Bereich des Ohres mit affiziert werden, kommt es zu Fazialisparesen und Drehschwindel. Dringt Schrägläufig-Toxisches (Heteropathisch-Toxisches, xiedu) in den Bereich der Bauenergie (qi constructivum, yingqi) ein und affiziert die Schrägläufigkeit (Heteropathie, xie) den Fk Herzbeutel (o. pericardialis, xinbao), so führt dies zum Krankheitsbild Gelbes Ohr aufgrund schädigender Kälte (Huang'er shanghan).
Therapeutisches Vorgehen

  • 1.

    Suppletieren des Fk Niere (o. renalis, shen)

  • 2.

    Stützen des ursprünglichen Qi (qi primum, yuanqi)

  • 3.

    Beseitigen von Feuchtigkeit (humor, shi)

  • 4.

    Umwandeln von Trübem

Arzneitherapie

Basisrezeptur: Pille mit Anemarrhena, Phellodendron und Rehmannia (Zhibai dihuang wan)

Arznei Pinyin Klassische Tagesdosis (g) Modifizierte Tagesdosis (g) Erläuterung
Corni fructus Shanzhuyu 4–12 12 Stützt und ergänzt das Yin
Dioscoreae rhizoma Shanyao 10–30 12 Stützt und ergänzt das Yin
Poria Fuling 10–15 15 Wirkt diuretisch, leitet Feuchtigkeit (humor, shi) aus
Alismatis rhizoma Zexie 3–15 15 Leitet Feuchtigkeit (humor, shi) aus, kühlt Hitze (calor, re)
Moutan cortex Mudanpi 3–12 12 Kühlt Hitze (calor, re) und das Xue, bewegt das Xue
Rehmanniae radix Shengdihuang 10–30 12 Kühlt Hitze (calor, re), kühlt und ergänzt das Xue
Anemarrhenae rhizoma Zhimu 6–12 12 Kühlt Hitze (calor, re), leitet Glut (ardor, huo) aus
Phellodendri cortex Huangbai 3–10 12 Leitet Feuchtigkeit-Hitze (calor humidus, shire) aus
Clematidis armandii caulis Chuanmutong 3–9 12 Kühlt Hitze (calor, re), leitet Glut (ardor, huo) aus, wirkt diuretisch
Prunellae spica Xiakucao 9–15 12 Kühlt Hitze (calor, re)
Platycodi radix Jiegeng 3–10 6 Kanalisiert Schleim (pituita, tan), leitet Feuchtigkeit-Hitze (calor humidus, shire) aus
Houttuyniae herba cum radice Yuxingcao 9–15 12 Kühlt Hitze (calor, re), entgiftet
Lonicerae flos Jinyinhua 10–15 12 Leitet Feuchtigkeit-Hitze (calor humidus, shire) aus, entgiftet und desinfiziert
Einnahmemodus: Dekokt (Zubereitung Kap. 6, Einführung)
Erläuterung: Corni fructus (Shanzhuyu) und Rehmanniae radix (Shengdihuang) befeuchten und nähren die Fk Leber (o. hepaticus, gan) und Fk Niere (o. renalis, shen). Dioscoreae rhizoma (Shanyao) suppletiert den Fk Milz (o. lienalis, pi), stützt das Yin und konsolidiert das Struktivpotential jing. Durch die Kombination dieser drei Arzneimittel kann man erreichen, dass gleichzeitig die Fk Leber (o. hepaticus, gan), Fk Niere (o. renalis, shen) und Fk Milz (o. lienalis, pi) suppletiert werden. Poria (Fuling) leitet Feuchtigkeit (humor, shi) aus und hilft Dioscoreae rhizoma (Shanyao) dabei, den Fk Milz (o. lienalis, pi) zu stützen. Alismatis rhizoma (Zexie) kühlt die Glut (ardor, huo) des Fk Niere (o. renalis, shen) und leitet sie aus. Gleichzeitig verhindert diese Arznei ein Befeuchten und Verkleben durch Rehmanniae radix (Shengdihuang). Moutan cortex (Mudanpi) kühlt und leitet Glut (ardor, huo) des Fk Leber (o. hepaticus, gan) aus und wirkt gleichzeitig der Wärme von Corni fructus (Shanzhuyu) entgegen. Anemarrhenae rhizoma (Zhimu) und Phellodendri cortex (Huangbai) befeuchten das Yin, senken Glut (ardor, huo) ab und beseitigen Feuchtigkeit (humor, shi). Clematidis armandii caulis (Chuanmutong), Prunellae spica (Xiakucao), Platycodi radix (Jiegeng), Houttuyniae herba cum radice (Yuxingcao) und Lonicerae flos (Jinyinhua) kühlen Hitze (calor, re), lösen Toxisches heraus, leiten Wasser aus und drainieren Eiter.
Modifikationen:
  • Bei wenig geruchlosem Eiter: Mantidis ootheca (Sangpiaoxiao) 6 g

  • Bei energetischer Schwäche (depletio, xu) des Yang des Fk Niere (yang renale, shenyang): Cinnamomi cassiae cortex (Rougui) 1 g, Aconiti radix lateralis praeparata (Fuzi) 3 g

  • Bei Zersetzung der Knochensubstanz infolge lange bestehender Feuchtigkeit-Hitze-Belastung (calor humidus, shire) mit schmutzig trübem und übelriechendem Eiter: Persicae semen (Taoren) 12 g, Carthami flos (Honghua) 12 g, Olibanum (Ruxiang) 12 g, Myrrha (Moyao) 12 g, Lycopi herba (Zelan) 12 g, Manitis squama (Chuanshanjia) 15 g, Gleditsiae spina (Zaojiaoci) 15 g, Lasiosphaera (Mabo) 12 g

Diätetik

Grundsätzliche, indikationsabhängige Empfehlungen zur Ernährung

Empfehlenswert Wärmende Nahrungsmittel mit salziger oder scharfer Geschmacksrichtung (Kolbenhirse, chinesischer Lauch, Schweineniere)
Nicht empfehlenswert Kalte oder kühlende Nahrungsmittel
Akupunktur: wie unter A

Innenohrschwerhörigkeit

Krankheitsbild und Therapie aus westlicher Sicht
Übersicht
Die Innenohr- oder Schallempfindungsschwerhörigkeit kann verschiedenste Ursachen haben. Sie kann hereditär, toxisch, traumatisch, infektiös oder einfach altersmäßig bedingt sein.
Klinisches Bild
  • Eine Schwerhörigkeit kann je nach Ursache ganz unterschiedlich verlaufen.

  • Ein plötzlicher Beginn ist außer bei einem Hörsturz vor allem bei Lärmeinwirkungen zu beobachten.

  • Langsam fortschreitendes schlechteres Hören ist bei der Altersschwerhörigkeit aber auch bei toxischen Schädigungen zu erwarten.

  • Der otoskopische Befund ist nicht pathologisch. Die Diagnostik erfolgt über audiologische Untersuchungen.

Therapie aus westlicher Sicht
  • Medikamentöse Behandlung nur bei akut auftretenden Schwerhörigkeiten, dann vor allem in Form rheologischer Infusionstherapien häufig mit Glukokortikoidzusatz

  • Bei allen anderen Formen je nach Schweregrad meist apparative Versorgung (Hörgerät, Cochlea-Implantat)

CAVE

Die differentialdiagnostische Abklärung ist dem Facharzt vorbehalten.

Krankheitsbild und Therapie aus Sicht der chinesischen Medizin
Übersicht
In der chinesischen Medizin wird die Erkrankung auf eine energetische Schwäche (depletio, xu) des Fk Niere (o. renalis, shen) zurückgeführt. Der Fk Niere (o. renalis, shen) öffnet sich in die Ohren, und Qi des Fk Niere (qi renale, shenqi) fließt in die Ohren. Nur wenn Struktivpotential jing und Qi ausreichend vorhanden und das Meer des Markes (mare medullae, suihai, entspricht dem Neben-Fk Gehirn [paraorbis cerebri, nao]) ausreichend ernährt sind, ist die Hörfähigkeit gegeben. Bei älteren Menschen beginnen Struktivpotential jing und Qi im Fk Niere (o. renalis, shen) nachzulassen, das Hörvermögen nimmt dadurch ab.
Die Schallempfindungsschwerhörigkeit wird in der chinesischen Medizin der Kategorie Schwerhörigkeit (Erlong) zugerechnet.
Agenzien und Pathogenese
In der klinischen Praxis kann man in der Hauptsache drei depletive Krankheitsbilder unterscheiden.
  • A Energetische Schwäche (depletio, xu) des Struktivpotentials jing des Fk Niere (o. renalis, shen)

  • B Energetische Schwäche (depletio, xu) der Fk Milz und Magen (oo. lienalis et stomachi, pi wei)

  • C Depletive Schädigung von Qi und Xue

Die Ursachen der Erkrankung sind durch unterschiedliche Faktoren herbeigeführte Qi-Blockaden und Xue-Stasen im Ohrbereich. Dadurch werden die Leitbahnen des Ohres verschlossen, die Körperöffnung Ohr wird nicht mehr genährt, und es kommt zu einem Nachlassen des Hörvermögens und zu Ohrensausen.
Differenzierte chinesische Therapie
Energetische Schwäche (depletio, xu) des Struktivpotentials jing des Fk Niere (o. renalis, shen)
Hauptsymptome
  • Langer Krankheitsverlauf

  • Allmählich zunehmende beidseitige Schwerhörigkeit

  • Langsam zunehmendes leises Ohrensausen, nachts nicht aussetzend

  • Unauffälliges oder leicht atrophisches Trommelfell

  • Tonaudiometrisch reine Schallempfindungsschwerhörigkeit

  • Mögliche Allgemeinsymptome: Nervosität, Schlafstörungen, Benommenheit, Schwindel, Schwäche und Ziehen in Hüften und Knien, nachts reichlich Urin, trockener Mund, trockener Rachen

  • Zungenkörper: rot; Zungenbelag: dünn, weißlich, trocken

  • Pulse: zart und beschleunigt (minuti und celeri, xi shu).

Krankheitsmechanismus
Infolge einer altersbedingten energetischen Schwäche (depletio, xu) des Fk Niere (o. renalis, shen) wird die Körperöffnung Ohr nicht mehr ausreichend durch das Struktivpotential jing befeuchtet und genährt, und das Hörvermögen lässt nach.
Therapeutisches Vorgehen

  • 1.

    Nähren des Fk Niere (o. renalis, shen)

  • 2.

    Suppletieren des Fk Niere (o. renalis, shen)

  • 3.

    Ergänzen des Struktivpotentials jing

  • 4.

    Mehren des Neben-Fk Rückenmark (paraorbis medullae, sui)

Arzneitherapie

Basisrezeptur: Eine Modifikation der Die linke Seite fördernden Magnetitum-Pille gegen Schwerhörigkeit (Erlong zuoci wan)

Arznei Pinyin Klassische Tagesdosis (g) Modifizierte Tagesdosis (g) Erläuterung
Rehmanniae radix praeparata Shudihuang 10–30 15 Stützt und ergänzt das Yin
Dioscoreae rhizoma Shanyao 10–30 15 Stützt und ergänzt das Yin
Corni fructus Shanzhuyu 4–12 15 Stützt und ergänzt das Yin
Moutan cortex Mudanpi 3–12 15 Kühlt und bewegt das Xue
Alismatis rhizoma Zexie 3–15 15 Wirkt diuretisch, leitet Feuchtigkeit-Hitze (calor humidus, shire) aus
Poria Fuling 10–15 15 Wirkt diuretisch, beruhigt und gleicht aus
Schisandrae fructus Wuweizi 1,5–10 10 Stützt und ergänzt das Yin, stützt das Struktivpotential jing, beruhigt und gleicht aus
Magnetitum Cishi 15–30 30 Stützt und ergänzt das Yin
Acori rhizoma Shichangpu 3–10 12 Macht die Leitbahnen durchgängig und die Sinne frei
Glycyrrhizae radix (in einer Flüssigkeit geröstet) Gancao 1–15 6 Stützt und ergänzt das Qi
Einnahmemodus: Dekokt (Zubereitung Kap. 6, Einführung)
Erläuterung: Rehmanniae radix praeparata (Shudihuang) stützt in hervorragender Weise das Yin des Fk Niere (yin renale, shenyin) und das Struktivpotential jing. Corni fructus (Shanzhuyu) und Dioscoreae rhizoma (Shanyao) unterstützen sie dabei. Alismatis rhizoma (Zexie) und Moutan cortex (Mudanpi) verschaffen ein Gegengewicht zu den warmen Eigenschaften von Corni fructus (Shanzhuyu). Poria (Fuling) stärkt durch ihre diuretische Wirkung den Fk Milz (o. lienalis, pi) und verhindert, dass das Rezept den Verdauungsprozess blockiert. Magnetitum (Cishi) und Schisandrae fructus (Wuweizi) unterstützen ebenfalls das Yin und sind darüber hinaus von ausgleichender und beruhigender Wirkung. Acori rhizoma (Shichangpu) macht die Sinnesöffnungen frei, und Glycyrrhizae radix (Gancao) harmonisiert die Wirkung aller Arzneien.
Modifikationen:
  • Bei deutlicher Tendenz zu energetischer Schwäche (depletio, xu) des Yang des Fk Niere (yang renale, shenyang): Eucommiae cortex (Duzhong) 10 g, Psoraleae semen (Buguzhi) 10 g

  • Bei Tendenz zu energetischer Schwäche (depletio, xu) des Yin mit reichlich Urin in der Nacht, Nervosität und Schlafstörungen: Alpiniae oxyphyllae fructus (Yizhiren) 6 g, Rubi fructus (Fupenzi) 6 g

  • Bei energetischer Schwäche (depletio, xu) des Yin der Fk Leber und Niere (oo. hepaticus et renalis, gan shen) und emporschlagendem Yang des Fk Leber (yang hepatici, ganyang): unpräparierte Ostreae concha (Muli) 20 g, Mastodi fossilium ossis (Longgu) 20 g

Diätetik

Grundsätzliche, indikationsabhängige Empfehlungen zur Ernährung

Empfehlenswert Leichte, Säfte spendende, salzige oder leicht bittere Speisen (Kolbenhirse, Hülsenfrüchte, Tintenfisch)
Nicht empfehlenswert Kalte und rohe Lebensmittel
Akupunktur

Indikationsabhängig wichtige Akupunkturpunkte (je nach Befund kann die Behandlung weiterer, hier nicht aufgeführter Akupunkturpunkte erforderlich sein)

Deutsche Bezeichnung Lateinische Bezeichnung Deutsche Übersetzung des chinesischen Namens Pinyin Lokalisation Erläuterung
Lokale Punkte
3E 21 T 21 Pforte des Ohres ermen Vor dem Ohr, bei geöffnetem Mund in der Vertiefung auf Höhe der Incisura supratragica und etwas oberhalb des Processus condylaris der Mandibula Macht das Ohr durchgängig
Dü 19 IT 19 Palast des Gehörs tinggong In einer Vertiefung zwischen Tragus und Kiefergelenk bei leichter Mundöffnung Behebt Gehörstörungen aller Art
Gb 2 F 2 Versammlungspunkt für das Gehör tinghui Vor dem Ohr, bei geöffnetem Mund in einer Vertiefung auf der Höhe der Incisura intertragica an der unteren Grenze des Processus condylaris der Mandibula Harmonisiert das Gehör
3E 17 T 17 Schutzschirm gegen Wind yifeng Am Vorderrand des Processus mastoideus, wo das Ohrläppchen bei Druck den Processus berührt Klärt das Gehör
Periphere Punkte
3E 3 T 3 Mittlere Insel zhongzhu In einer Vertiefung des Handrückens zwischen dem 4. und 5. Os metacarpale, in einer Vertiefung proximal des Metacarpophalangeal-Gelenks Macht die Sinnesöffnungen frei
3E 5 T 5 Äußeres Passtor waiguan 2 cun proximal der Handgelenksfalte, in der Mitte des Unterarmes zwischen Elle und Speiche, gegenüber Pe 6/Pc 6 Macht Haupt- und Netzleitbahnen (cardinales und reticulares, jingmai luomai) durchgängig, beseitigt Qi-Blockaden
Gb 34 F 34 Quelle am sonnenbeschienenen Grabhügel yanglingquan In der Vertiefung vor und unterhalb des Fibulaköpfchens Stützt und reguliert den Fk Niere (o. renalis, shen)
Ma 36 S 36 Dritter Weiler am Fuß zusanli 3 cun unterhalb der Patellaunterkante, 1 cun fibular der Tibiakante, auf Höhe der Tuberositas tibiae Harmonisiert das Qi und das Xue
Mi 6 L 6 Die Verbindung der drei Yin sanyinjiao 3 cun oberhalb des Malleolus internus am Hinterrand der Tibia Stützt den Fk Niere (o. renalis, shen), steigert und dynamisiert den Säfteumlauf
Jeweils 2–3 Foramina nadeln.
Energetische Schwäche (depletio, xu) der Fk Milz und Magen (oo. lienalis et stomachi, pi wei)
Hauptsymptome
  • Schwerhörigkeit und Ohrensausen

  • Verstärkung bei Anstrengung oder raschem Aufstehen

  • Manchmal Leere- oder Kältegefühl im Ohr

  • Unauffälliges Trommelfell, manchmal mit leichter Einziehung und Trübung

  • Tonaudiometrisch Schallempfindungsschwerhörigkeit

  • Mögliche Allgemeinsymptome: Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit, nach dem Essen Spannungsgefühle im Abdomen, manchmal halbflüssiger Stuhl, fahlgelber Teint, blassrote Lippen

  • Zungenkörper: blassrot; Zungenbelag: dünn, weißlich

  • Pulse: erschöpft und schwach (depleti und invalidi, xu ruo).

Krankheitsmechanismus
Eine energetische Schwäche (depletio, xu) der Fk Milz und Magen (oo. lienalis et stomachi, pi wei) bedingt eine mangelhafte Verteilung des aus der Nahrung raffinierten Energiepotentials (Getreide-Qi, qi frumentarium, guqi) und eine unzureichende Anhebung des klaren Yang. Qi und Xue werden nur in unzureichendem Ausmaß hervorgebracht und umgewandelt. Die Körperöffnung Ohr wird nicht ausreichend durch klares Qi befeuchtet und genährt.
Therapeutisches Vorgehen

  • 1.

    Mehren des Qi

  • 2.

    Kräftigen des Fk Milz (o. lienalis, pi)

  • 3.

    Emporheben des Yang

Arzneitherapie

Basisrezeptur: Eine Modifikation des Das Qi mehrenden, schärfenden und klärenden Dekoktes (Yiqi congming tang)

Arznei Pinyin Klassische Tagesdosis (g) Modifizierte Tagesdosis (g) Erläuterung
Astragali radix Huangqi 10–15 15 Stützt und ergänzt das Qi, hebt das Yang empor
Codonopsis radix Dangshen 3–10 15 Stützt und ergänzt das Qi
Atractylodis macrocephalae rhizoma Baizhu 3–10 10 Stützt und ergänzt das Qi, harmonisiert und stützt die mittleren Funktionskreise
Bupleuri radix Chaihu 3–12 10 Bewegt und reguliert das Qi, hebt das Yang empor
Puerariae radix Gegen 3–15 30 Hebt das Qi empor
Cimicifugae rhizoma Shengma 1–10 10 Löst die Oberfläche (extima, biao), hebt das Qi empor
Paeoniae radix lactiflora Baishao 3–15 15 Ergänzt das Xue, stützt das Struktivpotential jing
Phellodendri cortex Huangbai 3–10 10 Entgiftet und desinfiziert
Viticis fructus Manjingzi 5–10 15 Leitet Wind (ventus, feng) aus, klärt den Kopf
Glycyrrhizae radix (in einer Flüssigkeit geröstet) Gancao 1–15 10 Stützt und ergänzt das Qi
Einnahmemodus: Dekokt (Zubereitung Kap. 6, Einführung)
Erläuterung: Astragali radix (Huangqi), Codonopsis radix (Dangshen) und Atractylodis macrocephalae rhizoma (Baizhu) kräftigen den Fk Milz (o. lienalis, pi) und mehren das Qi. Bupleuri radix (Chaihu), Puerariae radix (Gegen) und Cimicifugae rhizoma (Shengma) heben das Yang-Qi empor. Ausgleichend hierzu wirken Paeoniae radix lactiflora (Baishao) und Phellodendri cortex (Huangbai). Viticis fructus (Manjingzi) hat eine den Kopf klärende Wirkung. Glycyrrhizae radix (Gancao) harmonisiert die Wirkung aller Arzneien.
Modifikationen:
  • Bei Benommenheit und einem schweren Kopf: Gastrodiae rhizoma (Tianma) 6 g

  • Bei halbflüssigem Stuhl: Atractylodis macrocephalae rhizoma (Baizhu) in einer höheren Dosierung

  • Bei Abgeschlagenheit, Kraftlosigkeit und Somnolenz: Astragali radix (Huangqi) 30 g

Diätetik: wie unter A
Akupunktur: wie unter A
Energetische Schwäche (depletio, xu) von Qi und Xue mit Qi-Blockaden und Xue-Stasen
Hauptsymptome
  • Vermindertes Hörvermögen

  • Tieffrequentes, leises Ohrensausen, manchmal durch Kopfbewegung veränderlich

  • Unauffälliges, gelegentlich trübes Trommelfell

  • Tonaudiometrisch Schallempfindungsschwerhörigkeit

  • Mögliche Allgemeinsymptome: blasser Teint, Benommenheit, Palpitationen, Kurzatmigkeit, Kraftlosigkeit

  • Zungenkörper: blass; Zungenbelag: dünn-weißlich

  • Pulse: zart und schwach (minuti und invalidi, xi ruo).

Krankheitsmechanismus
Durch eine depletive Schädigung von Qi und Xue entstehen Qi-Blockaden und Xue-Stasen im Ohrbereich. Die Leitbahnen des Ohres werden verschlossen, und die Körperöffnung Ohr wird nicht mehr genährt. Es kommt zu einem Nachlassen des Hörvermögens und zu Ohrensausen.
Therapeutisches Vorgehen

  • 1.

    Nähren des Xue

  • 2.

    Mehren des Qi

  • 3.

    Dynamisieren des Xue

  • 4.

    Durchgängigmachen der Körperöffnungen

Arzneitherapie

Basisrezeptur: Modifiziertes Dekokt der vier Bestandteile (Siwu tang)

Arznei Pinyin Klassische Tagesdosis (g) Modifizierte Tagesdosis (g) Erläuterung
Astragali radix Huangqi 10–15 15 Stützt und ergänzt das Qi
Rehmanniae radix praeparata Shudihuang 10–30 20 Ergänzt und suppletiert das Xue
Salviae miltiorrhizae radix Danshen 3–15 20 Bewegt das Xue, beruhigt und gleicht aus
Achyranthis bidentatae radix Niuxi 3–15 20 Bewegt das Xue
Chuanxiong rhizoma Chuanxiong 1–10 10 Bewegt das Xue, bewegt und reguliert das Qi
Schisandrae fructus Wuweizi 1,5–10 10 Stützt und ergänzt das Qi, beruhigt und gleicht aus
Acori rhizoma Shichangpu 3–10 10 Macht die Leitbahnen durchgängig und die Sinne frei
Polygalae radix Yuanzhi 3–10 10 Macht die Leitbahnen durchgängig und die Sinne frei
Notoginseng radix (pulverisiert, in Wasser aufgelöst) Sanqi 2–6 3 Hält und belebt das Xue
Paeoniae radix lactiflora Baishao 3–15 15 Ergänzt und suppletiert das Xue
Alismatis rhizoma Zexie 3–15 15 Wirkt diuretisch
Angelicae sinensis radix Danggui 3–10 10 Ergänzt, suppletiert und bewegt das Xue
Einnahmemodus: Dekokt (Zubereitung Kap. 6, Einführung)
Erläuterung: Astragali radix (Huangqi), Angelicae sinensis radix (Danggui), Paeoniae radix lactiflora (Baishao) und Rehmanniae radix praeparata (Shudihuang) suppletieren das Qi und das Xue. Chuanxiong rhizoma (Chuanxiong), Angelicae sinensis radix (Danggui), Salviae miltiorrhizae radix (Danshen), Achyranthis bidentatae radix (Niuxi) und Notoginseng radix (Sanqi) dynamisieren das Xue und wandeln Stasen um. Alismatis rhizoma (Zexie) unterstützt diesen Prozess durch ihre diuretische Wirkung. Acori rhizoma (Shichangpu) und Polygalae radix (Yuanzhi) machen die Körperöffnungen durchgängig.
Modifikationen:
  • Bei deutlicher energetischer Schwäche (depletio, xu) des Qi: Astragali radix (Huangqi) in einer höheren Dosierung

  • Bei gleichzeitigem Drehschwindel: Gastrodiae rhizoma (Tianma) 6 g, Uncariae ramulus cum uncis (Gouteng) 10 g

Diätetik: wie unter A
Akupunktur: wie unter A

Hörsturz

Krankheitsbild und Therapie aus westlicher Sicht
Klinisches Bild
  • Der Hörsturz tritt plötzlich, in der Regel einseitig auf.

  • Es handelt sich um eine Schallempfindungsschwerhörigkeit cochleärer Genese von unterschiedlichem Schweregrad bis hin zur Ertaubung.

  • Symptome sind ein akuter subjektiver Hörverlust, Druckgefühl im Ohr, Hyper- oder Diplakusis, pelziges Gefühl um die Ohrmuschel, Tinnitus und Schwindel.

  • Ursache und Krankheitsentstehung sind weitgehend unbekannt.

Therapie aus westlicher Sicht
  • In der Regel rheologische Infusionstherapie mit antiödematöser Therapie (Glukokortikoide)

  • Alle heute angewandten Therapien lediglich empirisch abgesichert

CAVE

Bei einseitigen Schwerhörigkeiten ist immer auch an das Vorliegen eines Akustikusneurinoms zu denken, daher ist die fachärztliche Abklärung unabdingbar!

Krankheitsbild und Therapie aus Sicht der chinesischen Medizin
Übersicht
Die häufigsten Ursachen für einen Hörsturz sind Disharmonien der Funktionskreise, Eindringen von Schrägläufig-Toxischem (Heteropathisch-Toxisches, xiedu) und Qi-Blockaden und Xue-Stasen. Charakteristisch ist ein plötzlicher einseitiger Hörverlust, eventuell mit Ohrensausen und Drehschwindel ohne klare Ursache. Häufig sind inneres Angespanntsein, Sorgen, Übermüdung, aber auch Erkältung der Erkrankung vorangegangen. In der chinesischen Medizin wird der akute Hörsturz den Kategorien Plötzlicher Hörverlust (Baolong), Schlagartiger Hörverlust (Culong) und Wind-bedingter Hörverlust (Fenglong) zugerechnet.
Agenzien und Pathogenese
Durch Eindringen von Schrägläufig-Toxischem (Heteropathisch-Toxisches, xiedu), Qi-Blockaden und Xue-Stasen bzw. durch depletive Schädigungen der Funktionskreise wird die Körperöffnung Ohr nur mangelhaft versorgt. Die auslösenden Faktoren sind Übermüdung, emotionale Reize, Erkältungen etc.
Differentialdiagnostisch lassen sich folgende Symptomkonfigurationen unterscheiden:
  • A Schrägläufig-Toxisches (Heteropathisch-Toxisches, xiedu) dringt ein, die Schrägläufigkeit (Heteropathie, xie) affiziert die Körperöffnung Ohr:

    Wind (ventus, feng), Hitze (calor, re) und Schrägläufig-Toxisches (Heteropathisch-Toxisches, xiedu) dringen ein. Schrägläufig-Toxisches (Heteropathisch-Toxisches, xiedu) beeinflusst das Innere (intima, li) und staut sich latent im Ohr ein. Das in den Leitbahnen fließende Qi (qi cardinale, jingqi) der Körperöffnung Ohr ist nicht mehr durchgängig, es blockiert und wird nicht zerstreut. Die Netzleitbahnen (reticulares, luomai) kontrahieren, und es kommt zu Qi-Blockaden und Xue-Stasen. Es entsteht ein plötzlicher Hörverlust.

  • B Einstauungen des Qi des Fk Leber (qi hepatici, ganqi) und Emporschlagen von Glut des Fk Leber (ardor hepatici, ganhuo):

    Einerseits können emotionale Unausgeglichenheit und emotionale Reize zu Einstauungen des Qi des Fk Leber (qi hepatici, ganqi) führen. Der Fk Leber (o. hepaticus, gan) kann nicht mehr lösen, entfalten und gleichmäßig verteilen. Eingestauter Zorn (ira, nu) schädigt den Fk Leber (o. hepaticus, gan). Es kann zu Kontravektionen (jueni) des Qi kommen, die in das Ohr eindringen. Das Qi und das Xue der Körperöffnung Ohr werden disharmonisch, und die Körperöffnungen im Kopfbereich werden blockiert.

    Andererseits können sich Einstauungen des Qi des Fk Leber (qi hepatici, ganqi) zu Glut (ardor, huo) wandeln und den oberen Körperbereich stören. Dadurch kommt es zu gegenläufigen (kontravektiven, ni) Störungen von Qi und Xue der Körperöffnung Ohr.

    Schließlich kann Schrägläufig-Toxisches (Heteropathisch-Toxisches, xiedu) entlang den Leitbahnen in das Innere (intima, li) vordringen und Glut (ardor, huo) mobilisieren, die sich im Inneren eingestaut hat. Diese steigt dann kontravektiv empor, und die Körperöffnungen im Kopfbereich werden blockiert.

  • C Einstauungen von Schleim (pituita, tan) und Feuchtigkeit (humor, shi) blockieren die Körperöffnungen im Kopfbereich:

    Durch den übermäßigen Verzehr von Alkohol und deftigen Speisen können die Fk Milz und Magen (oo. lienalis et stomachi, pi wei) geschädigt werden. Dadurch wird die Umsetzung gestört. Feuchtigkeit (humor, shi) sammelt sich an, und Schleim (pituita, tan) wird hervorgebracht. Schleim (pituita, tan) staut sich ein, wandelt sich zu Glut (ardor, huo) und blockiert im oberen Körperbereich die Körperöffnungen. Qi und Xue werden disharmonisch, und die Körperöffnung Ohr verliert ihr Hörvermögen.

    Möglicherweise bestehen aber im Körper auch konstitutionell bedingt Schleim (pituita, tan) und Feuchtigkeit (humor, shi). Dringt nun plötzlich toxischer Wind (ventus, feng) ein, kann diese äußere Schrägläufigkeit (Heteropathie, xie) zusammen mit Schleim (pituita, tan) und Feuchtigkeit (humor, shi) gegenläufig (kontravektiv, ni) emporsteigen, in das Ohr eindringen und die Körperöffnung blockieren.

  • D Qi-Blockaden und Xue-Stasen blockieren die Körperöffnung Ohr:

    Bei plötzlichem Schrecken oder bei Disharmonie der Funktionskreise kann das Qi gegenläufig (kontravektiv, ni) emporsteigen. Es kann aber auch toxischer Wind (ventus, feng) von außen eindringen und die Körperöffnung Ohr affizieren. Qi und Xue werden dadurch gestört. Das in den Leitbahnen fließende Qi (qi cardinale, jingqi) der Körperöffnung Ohr ist nicht mehr durchgängig, und die Leitbahnen kontrahieren und werden blockiert. Qi und Xue blockieren die Körperöffnung Ohr.

  • E Absinken aufgrund energetischer Schwäche (depletio, xu) des Fk Milz (o. lienalis, pi), das klare Yang steigt nicht empor:

    Falsche Ernährung, z. B. der übermäßige Verzehr von kalten, üppigen und deftigen Speisen, kann die Fk Milz und Magen (oo. lienalis et stomachi, pi wei) schädigen. Bei einer energetischen Schwäche (depletio, xu) des Fk Milz (o. lienalis, pi) werden das Emporheben und das Absenken gestört. Das klare Yang gelangt nicht mehr nach oben zu den Ohren, so dass diese nicht mehr versorgt werden. Es kann aber auch das trübe Yin nicht absinken, sondern gegenläufig (kontravektiv, ni) emporsteigen. Dadurch vernebelt es die Körperöffnungen. Die Körperöffnung Ohr wird blockiert, und dies führt dann zu einem Hörsturz.

    Bei einer energetischen Schwäche (depletio, xu) des Fk Milz (o. lienalis, pi) wird die Quelle der Hervorbringung und Umwandlung von Qi und Xue defizient, und die genuinen Leitbahnen werden deplet. Bei einer energetischen Schwäche (depletio, xu) können daher äußere Schrägläufigkeiten (Heteropathien, xie) die energetische Schwäche (depletio, xu) ausnutzen und über die Leitbahnen in das Ohr eindringen. Die Schrägläufigkeiten (Heteropathien, xie) schädigen das Ohr, und es kommt so zu einem Hörsturz. Am Ohr sammeln sich zahlreiche Leitbahnen. Durch eine energetische Schwäche (depletio, xu) im Fk Magen (o. stomachi, wei) werden diese Leitbahnen ebenfalls deplet. Aufgrund der energetischen Schwäche (depletio, xu) kommt es zu einem Absinken, der Fluss in den Leitbahnen versiegt. Bei einem Versiegen wird das Ohr nicht mehr genährt, und dies führt in der Folge zu einem akuten Hörverlust.

  • F Entweichen des Struktivpotentials jing bei energetischer Schwäche (depletio, xu) des Fk Niere (o. renalis, shen), wodurch die Körperöffnung Ohr nicht mehr genährt wird:

    Der Fk Niere (o. renalis, shen) speichert das Struktivpotential jing. Das Struktivpotential jing wird in den Neben-Fk Rückenmark (paraorbis medullae, sui) umgewandelt, der im Neben-Fk Gehirn (paraorbis cerebri, nao) zusammenkommt und das Ohr nährt. Bei einer Defizienz der angeborenen Anlagen oder bei einem zügellosen Leben erschöpft sich das Struktivpotential jing des Fk Niere (o. renalis, shen). Das Struktivpotential jing entweicht, und die struktiven Säfte werden verbraucht.

Im fortgeschrittenen Alter kann aber auch das Struktivpotential jing erschöpft sein. Das Meer des Markes (mare medullae, suihai, entspricht dem Neben-Fk Gehirn [paraorbis cerebri, nao]) wird dann deplet, die Körperöffnung Ohr wird nicht mehr genährt, und all dies kann zu einem plötzlichen Hörverlust führen.
Differenzierte chinesische Therapie
Schrägläufig-Toxisches (Heteropathisch-Toxisches, xiedu) dringt ein, die Schrägläufigkeit (Heteropathie, xie) affiziert die Körperöffnung Ohr
Hauptsymptome
  • Plötzlicher einseitiger Hörverlust

  • Verstopfungs-, Spannungs- und Druckgefühl im Ohr

  • Eventuell Ohrensausen

  • Typischer Hörschwellenabfall im Audiogramm

  • Mögliche Allgemeinsymptome: Benommenheit, Übelkeit

  • Zungenkörper: Zungenspitze rot; Zungenbelag: dünn, weißlich

  • Pulse: oberflächlich und beschleunigt (superficiales und celeri, fu shu)

Krankheitsmechanismus
Toxischer Wind (ventus, feng) greift die Körperöffnung Ohr an. Das in den Leitbahnen fließende Qi (qi cardinale, jingqi) der Körperöffnung Ohr ist nicht mehr durchgängig, es klumpt, blockiert und wird nicht zerstreut. Die Netzleitbahnen (reticulares, luomai) kontrahieren. Daher lässt das Hörvermögen plötzlich nach, so dass das Ohr keine Geräusche mehr wahrnehmen kann. Die Schrägläufigkeit (Heteropathie, xie) blockiert die Körperöffnung Ohr, sie staut sich ein, und dies führt zu Verstopfungs-, Spannungs- und Druckgefühlen im Ohr. Die Schrägläufigkeit (Heteropathie, xie) toxischer Wind (ventus, feng) steigt zusammen mit dem Qi des Fk Magen (qi stomachi, weiqi) oder Schleim (pituita, tan) und Feuchtigkeit (humor, shi) kontravektiv empor. Dies führt zu Übelkeit und Benommenheit.
Therapeutisches Vorgehen

  • 1.

    Vertreiben von Wind (ventus, feng)

  • 2.

    Herauslösen von Toxischem

  • 3.

    Durchgängigmachen der Körperöffnungen

Arzneitherapie

Basisrezeptur

Arznei Pinyin Klassische Tagesdosis (g) Modifizierte Tagesdosis (g) Erläuterung
Puerariae radix Gegen 3–15 10 Öffnet die Oberfläche (extima, biao), löst Körpergewebe
Arctii fructus Niubangzi 3–10 10 Leitet Wind-Hitze (calor venti, fengre) aus
Aurantii fructus Zhike 3–9 6 Bewegt und reguliert das Qi, löst Zusammenballungen
Menthae herba Bohe 1–8 6 Lockert die Oberfläche (extima, biao), leitet Wind-Hitze (calor venti, fengre) aus
Sojae semen praeparatum Dandouchi 6–15 10 Öffnet die Oberfläche (extima, biao)
Platycodi radix Jiegeng 3–10 6 Bewegt und reguliert das Qi, kanalisiert Schleim (pituita, tan)
Schizonepetae herba Jingjie 3–10 6 Leitet Wind (ventus, feng) aus, öffnet die Oberfläche (extima, biao)
Saposhnikoviae radix Fangfeng 3–9 6 Öffnet die Oberfläche (extima, biao), leitet Wind (ventus, feng) aus
Cicadae periostracum Chantui 3–10 6 Leitet Wind (ventus, feng) aus, klärt den Kopf
Paeoniae radix rubra Chishaoyao 3–10 6 Kühlt Hitze (calor, re) und Xue
Glycyrrhizae radix Gancao 1–15 3 Stützt und ergänzt das Qi
Forsythiae fructus Lianqiao 3–15 10 Entgiftet und desinfiziert
Gardeniae fructus Zhizi 3–10 6 Entgiftet und desinfiziert
Lasiosphaera Mabo 2–5 3 Entgiftet
Einnahmemodus: Dekokt (Zubereitung Kap. 6, Einführung)
Erläuterung: Die Hauptarznei Puerariae radix (Gegen) öffnet die Oberfläche (extima, biao) und bringt die Säfte (jinye) zu den entsprechenden Körperregionen. Unterstützt wird sie durch Menthae herba (Bohe), Sojae semen praeparatum (Dandouchi) und Saposhnikoviae radix (Fangfeng). Arctii fructus (Niubangzi), Schizonepetae herba (Jingjie) und Cicadae periostracum (Chantui) leiten Wind (ventus, feng) aus. Qi bewegend und regulierend und dadurch indirekt Feuchtigkeit (humor, shi) und Schleim (pituita, tan) ausleitend wirken Aurantii fructus (Zhike) und Platycodi radix (Jiegeng). Paeoniae radix rubra (Chishaoyao) hat hierbei durch seine Hitze (calor, re) kühlende Wirkung einen ausgleichenden Aspekt. Forsythiae fructus (Lianqiao), Gardeniae fructus (Zhizi) und Lasiosphaera (Mabo) tragen zum Herauslösen von Toxischem bei. Glycyrrhizae radix (Gancao) harmonisiert die Wirkung aller Arzneien.
Modifikationen:
  • Bei gegenläufigem (kontravektivem, ni) Emporsteigen von toxischem Wind (ventus, feng) gemeinsam mit dem Qi des Fk Magen (qi stomachi, weiqi): in Ingwer präparierte Pinelliae rhizoma Banxia) 9 g, Haematitum (Daizheshi) 20 g, in Ingwer präparierte Bambusae caulis in taeniam (Zhuru) 8 g, Poria (Fuling) 12 g

  • Bei Verstopfungs-, Spannungs- und Druckgefühlen im Ohr: Lonicerae caulis (Rendongteng) 12 g, Luffae fructus (Sigualuo) 10 g, Acori rhizoma (Shichangpu) 6 g, Xanthii fructus (Cang'erzi) 6 g

Diätetik

Grundsätzliche, indikationsabhängige Empfehlungen zur Ernährung

Empfehlenswert Leichte Speisen (Amaranth, Schafs-/Ziegenfleisch, Schweinefleisch)
Nicht empfehlenswert Scharfe, trockene und heiße Nahrungsmittel, Alkohol
Akupunktur

Indikationsabhängig wichtige Akupunkturpunkte (je nach Befund kann die Behandlung weiterer, hier nicht aufgeführter Akupunkturpunkte erforderlich sein)

Deutsche Bezeichnung Lateinische Bezeichnung Deutsche Übersetzung des chinesischen Namens Pinyin Lokalisation Erläuterung
Lokale Punkte
Gb 2 F 2 Versammlungspunkt für das Gehör tinghui Vor dem Ohr, bei geöffnetem Mund in einer Vertiefung auf der Höhe der Incisura intertragica an der unteren Grenze des Processus condylaris der Mandibula Zerstreut Wind (ventus, feng), harmonisiert das Gehör
3E 17 T 17 Schutzschirm gegen Wind yifeng Am Vorderrand des Processus mastoideus, wo das Ohrläppchen bei Druck den Processus berührt Wehrt Wind (ventus, feng) ab, klärt das Gehör
Dü 19 IT 19 Palast des Gehörs tinggong In einer Vertiefung zwischen Tragus und Kiefergelenk bei leichter Mundöffnung Behebt Gehörstörungen aller Art
3E 21 T 21 Pforte des Ohres ermen Vor dem Ohr, bei geöffnetem Mund in der Vertiefung auf Höhe der Incisura supratragica und etwas oberhalb des Processus condylaris der Mandibula Macht das Ohr durchgängig
3E 18 T 18 Punkt der Spasmen zhimai In einer gut tastbaren Vertiefung am Schädelansatz des Mastoids hinter dem Ohr Zerstreut Wind (ventus, feng)
Periphere Punkte
Bl 23 V 23 Einflusspunkt des Nieren-Funktionskreises shenshu 1,5 cun lateral des Dornfortsatzes des 2. LWK Stützt den Fk Niere (o. renalis, shen), verbessert das Gehör
Ren 4 Rs 4 Das erste der Passtore guanyuan 3 cun unterhalb des Nabels Stützt den Fk Niere (o. renalis, shen), reguliert das Qi
3E 3 T 3 Mittlere Insel zhongzhu In einer Vertiefung des Handrückens zwischen dem 4. und 5. Os metacarpale, in einer Vertiefung proximal des Metacarpophalangeal-Gelenks Macht die Sinnesöffnungen frei
Mi 6 L 6 Die Verbindung der drei Yin sanyinjiao 3 cun oberhalb des Malleolus internus am Hinterrand der Tibia Stützt und kräftigt die Fk Milz und Niere (oo. lienalis et renalis, pi shen)
Bei jeder Sitzung 2–3 Hauptforamina (fettgedruckt) und 2 ergänzende Foramina nadeln, dabei ausgewogen suppletieren und dispulsieren; täglich einmal behandeln, 10 Sitzungen bilden eine Behandlungseinheit, zwischen den Behandlungseinheiten 3–5 Tage pausieren.
Einstauungen des Qi des Fk Leber (qi hepatici, ganqi ) und Emporschlagen von Glut des Fk Leber (ardor hepatici, ganhuo)
Hauptsymptome
  • Plötzlicher Hörverlust

  • Ohrensausen

  • Verstopfungsgefühl im Ohr

  • Unauffälliges Trommelfell

  • Schallempfindungsschwerhörigkeit im Audiogramm

  • Mögliche Allgemeinsymptome: Nervosität, Reizbarkeit, Spannungs- und Völlegefühle im Brust- und Flankenbereich, bitterer Mundgeschmack, trockener Rachen, Benommenheit, gerötete Augen, unruhiger Schlaf

  • Zungenkörper: rot; Zungenbelag: dünn, gelblich

  • Pulse: saitenförmig und beschleunigt (chordales und celeri, xian shu)

Krankheitsmechanismus
Bei Einstauungen im Fk Leber (o. hepaticus, gan) ballt sich das Qi zusammen, bei Zorn (ira, nu) steigt das Qi empor. Lange bestehende Einstauungen wandeln sich zu Glut (ardor, huo). Qi des Fk Leber (qi hepatici, ganqi) und Glut des Fk Leber (ardor hepatici, ganhuo) steigen gegenläufig (kontravektiv, ni) empor und affizieren im oberen Körperbereich die Körperöffnung Ohr. Da diese dann nicht mehr durchgängig ist, kommt es zu einer plötzlichen Verminderung des Hörvermögens mit Ohrensausen und Verstopfungsgefühl im Ohr. Überhandnehmende Glut (ardor vigens, huosheng) führt zu Benommenheit und geröteten Augen. Einstauungen des Qi des Fk Leber (qi hepatici, ganqi) haben Spannungs- und Völlegefühle im Brust- und Flankenbereich zur Folge. Der bittere Mundgeschmack und der trockene Rachen sind auf eine Störung des oberen Körperbereichs durch Glut des Fk Leber (ardor hepatici, ganhuo) zurückzuführen. Glut (ardor, huo) stört darüber hinaus den Fk Herz (o. cardialis, xin) und die konstellierende Kraft shen. Die konstellierende Kraft shen kann deshalb nachts nicht in ihrer Behausung bleiben, so dass es zu einem unruhigen Schlaf, Nervosität und Reizbarkeit kommt.
Therapeutisches Vorgehen

  • 1.

    Klären von Hitze (calor, re)

  • 2.

    Kühlen des Fk Leber (o. hepaticus, gan)

  • 3.

    Beseitigen von Einstauungen

  • 4.

    Dispulsieren von Glut (ardor, huo)

  • 5.

    Freimachen der Sinnesöffnungen

Arzneitherapie

Basisrezeptur: Pulver der heiteren Ungebundenheit mit Moutan cortex und Gardeniae fructus (Danzhi xiaoyao san)

Arznei Pinyin Klassische Tagesdosis (g) Modifizierte Tagesdosis (g) Erläuterung
Bupleuri radix Chaihu 3–12 10 Löst die Oberfläche (extima, biao), bewegt und reguliert das Qi
Angelicae sinensis radix Danggui 3–10 10 Ergänzt und bewegt das Xue
Atractylodis macrocephalae rhizoma Baizhu 3–10 10 Stützt und ergänzt das Qi, trocknet Feuchtigkeit (humor, shi)
Poria Fuling 10–15 10 Wirkt diuretisch, leitet Feuchtigkeit (humor, shi) aus, beruhigt und gleicht aus
Moutan cortex radicis Mudanpi 3–12 10 Kühlt Hitze (calor, re) und Xue, löst Zusammenballungen
Gardeniae fructus Zhizi 3–10 10 Kühlt Hitze (calor, re), leitet Glut (ardor, huo) aus
Paeoniae radix rubra Chishaoyao 3–10 10 Kühlt Hitze (calor, re), kühlt und bewegt das Xue
Glycyrrhizae radix (in einer Flüssigkeit geröstet) Gancao 1–15 3 Stützt und ergänzt das Qi
Einnahmemodus: Dekokt (Zubereitung Kap. 6, Einführung)
Erläuterung: Die Hauptarznei Bupleuri radix (Chaihu) entspannt den Fk Leber (o. hepaticus, gan). Angelicae sinensis radix (Danggui) unterstützt sie dabei. Atractylodis macrocephalae rhizoma (Baizhu) und Poria (Fuling) stärken den Fk Milz (o. lienalis, pi) und damit seine transformierende Funktion. Moutan cortex (Mudanpi), Gardeniae fructus (Zhizi) und Paeoniae radix rubra (Chishaoyao) haben vor allem kühlende Wirkung. Glycyrrhizae radix (Gancao) stärkt den Fk Milz (o. lienalis, pi) und harmonisiert die Wirkungen aller Arzneien.
Modifikationen:
  • Bei überhandnehmender Glut (ardor vigens, huosheng) des Fk Leber (o. hepaticus, gan): Gentianae radix (Longdancao) 6 g, Scutellariae radix (Huangqin) 10 g, Prunellae spica (Xiakucao) 10 g

  • Bei Ohrensausen und Verstopfungsgefühl im Ohr: Acori rhizoma (Shichangpu) 6 g, Curcumae longae tuber (Yujin) 6 g, Luffae fructus (Sigualuo) 10 g

Diätetik: wie unter A
Akupunktur: wie unter A
Einstauungen von Schleim (pituita, tan) und Feuchtigkeit (humor, shi) blockieren die Körperöffnungen im Kopfbereich
Hauptsymptome
  • Plötzlicher Hörverlust

  • Tieffrequentes starkes Ohrensausen

  • Spannungsgefühle im Ohr

  • Unauffälliges Trommelfell

  • Schallempfindungsschwerhörigkeit im Audiogramm

  • Mögliche Allgemeinsymptome: Drehschwindel, Übelkeit, schwerer Kopf, Müdigkeit der Extremitäten, fader Geschmack im Mund, Appetitlosigkeit

  • Zungenkörper: rot; Zungenbelag: weißlich, klebrig

  • Pulse: schlüpfrig und beschleunigt (lubrici und celeri, hua shu)

Krankheitsmechanismus
Trifft plötzlich eindringender toxischer Wind (ventus, feng) auf konstitutionell bedingte Ansammlungen von Schleim (pituita, tan) und Feuchtigkeit (humor, shi), kann die äußere Schrägläufigkeit (Heteropathie, xie) zusammen mit Schleim (pituita, tan) und Feuchtigkeit (humor, shi) gegenläufig (kontravektiv, ni) emporsteigen und die Körperöffnung Ohr benebeln und blockieren. Dies führt zu einem plötzlich auftretenden Hörverlust mit Ohrensausen. Schleim (pituita, tan), Feuchtigkeit (humor, shi) und stark ausgeprägtes Trübes rufen Spannungsgefühle im Ohr hervor. Der starke, tiefe Ton beruht auf einer energetischen Überladung (repletio, shi). Schleim (pituita, tan) und Feuchtigkeit (humor, shi) blockieren zudem in der Mitte (Fk Milz und Magen, oo. lienalis et stomachi, pi wei), so dass es zu Übelkeit, einem faden Mundgeschmack und Appetitlosigkeit kommen kann. Das klare Yang steigt nicht mehr empor, und schrägläufige Feuchtigkeit (heteropathischer humor, xieshi) und stark ausgeprägtes Trübes blockieren, was zu Drehschwindel und Müdigkeit der Extremitäten führt.
Therapeutisches Vorgehen

  • 1.

    Auflösen des Schleims (pituita, tan)

  • 2.

    Umwandeln von Trübem

  • 3.

    Emporheben von Klarem

  • 4.

    Freimachen der Sinnesöffnungen

Arzneitherapie

Basisrezeptur: Eine Modifikation des Dekoktes aus den zwei Abgestandenen (Ingredienzen) (Erchen tang)

Arznei Pinyin Klassische Tagesdosis (g) Modifizierte Tagesdosis (g) Erläuterung
Pinelliae rhizoma Banxia 3–12 10 Wandelt Schleim (pituita, tan) um, senkt das Qi ab
Citri reticulatae pericarpium Chenpi 3–10 10 Bewegt und reguliert das Qi, wandelt Schleim (pituita, tan) um
Poria Fuling 10–15 10 Leitet Feuchtigkeit (humor, shi) aus, kanalisiert Schleim (pituita, tan)
Scutellariae radix Huangqin 6–15 6 Kühlt Hitze (calor, re), leitet Glut (ardor, huo) aus
Coptidis rhizoma Huanglian 1–10 3 Kühlt Hitze (calor, re), leitet Glut (ardor, huo) aus
Menthae herba Bohe 1–8 6 Leitet Hitze (calor, re) aus, löst die Oberfläche (extima, biao)
Glycyrrhizae radix Gancao 1–15 3 Stützt und ergänzt das Qi
Zingiberis rhizoma recens Shengjiang 2–6 Scheiben 3 Scheiben Löst die Oberfläche (extima, biao), entgiftet und desinfiziert
Einnahmemodus: Dekokt (Zubereitung Kap. 6, Einführung)
Erläuterung: Pinelliae rhizoma (Banxia) als Hauptarznei trocknet Feuchtigkeit (humor, shi), wandelt Schleim (pituita, tan) um und lässt das gegenläufige (kontravektive, ni) Qi des Fk Magen (qi stomachi, weiqi) nach unten sinken. Zingiberis rhizoma recens (Shengjiang) verstärkt diese Wirkung. Citri reticulatae pericarpium (Chenpi) belebt den Fk Milz (o. lienalis, pi) und den Qi-Fluss im mittleren Wärmebereich (mittleres Calorium, zhongjiao). Poria (Fuling) lässt Feuchtigkeit (humor, shi) abfließen. Scutellariae radix (Huangqin), Coptidis rhizoma (Huanglian) und Menthae herba (Bohe) leiten Hitze (calor, re) aus, während Glycyrrhizae radix (Gancao) den Fk Milz (o. lienalis, pi) stärkt und harmonisiert.
Modifikationen:
  • Bei Verstopfungs-, Spannungs- und Druckgefühlen im Ohr: Aurantii fructus (Zhike) 6 g, Curcumae longae tuber (Yujin) 6 g, Acori rhizoma (Shichangpu) 6 g

  • Bei Husten mit viel Sputum: Trichosanthis fructus (Gualou) 15 g, Peucedani radix (Qianhu) 6 g, Fritillariae thunbergii bulbus (Zhebeimu) 9 g

  • Bei Ohrensausen, Taubheit, Spannungs- und Völlegefühlen im Brust- und Flankenbereich, zeitweise Erbrechen von klebrigem Sputum, Obstipation: Rhei rhizoma (Dahuang) 2 g, Liquidambaris fructus (Lulutong) 6 g, Luffae fructus (Sigualuo) 10 g, Acori rhizoma (Shichangpu) 6 g

Diätetik: wie unter A
Akupunktur: wie unter A
Qi-Blockaden und Xue-Stasen blockieren die Körperöffnung Ohr
Hauptsymptome
  • Plötzlicher Hörverlust

  • Hochfrequentes Ohrensausen

  • Eventuell Schmerzen und Spannungsgefühle im Ohr

  • Unauffälliges Trommelfell

  • Schallempfindungsschwerhörigkeit im Audiogramm

  • Zungenkörper: purpurrot; Zungenbelag: dünn, weißlich

  • Pulse: verlangsamt und rau (tardi und asperi, chi se)

Krankheitsmechanismus
Qi-Blockaden und Xue-Stasen blockieren die Körperöffnungen im oberen Kopfbereich. Die Leitbahnen werden blockiert, das Qi und das Xue der Körperöffnung Ohr wird gestört, das Ohr wird nicht mehr befeuchtet und genährt. Dies führt zu einem plötzlichen Hörverlust und Ohrensausen. Werden lange bestehende Blockaden nicht aufgelöst, kommt es zu einem anhaltenden Hörverlust, anhaltendem Ohrensausen und eventuell zu Spannungsgefühlen und Schmerzen im Ohr.
Therapeutisches Vorgehen

  • 1.

    Bewegen des Qi

  • 2.

    Dynamisieren des Xue

  • 3.

    Freimachen der Sinnesöffnungen

  • 4.

    Durchgängigmachen von Einstauungen

Arzneitherapie

Basisrezeptur: Modifiziertes Dekokt, das die Sinnesöffnungen löst und das Xue vorantreibt (Tongqiao huoxue tang)

Arznei Pinyin Klassische Tagesdosis (g) Modifizierte Tagesdosis (g) Erläuterung
Persicae semen Taoren 3–10 10 Bewegt das Xue, löst Xue-Stasen
Carthami flos Honghua 3–10 10 Löst Xue-Stasen
Paeoniae radix rubra Chishaoyao 3–10 6 Kühlt und bewegt das Xue
Chuanxiong rhizoma Chuanxiong 1–10 6 Bewegt das Xue, bewegt und reguliert das Qi
Zingiberis rhizoma recens Shengjiang 2–6 Scheiben 3 Löst die Oberfläche (extima, biao), entgiftet und desinfiziert
Allii fistulosi bulbus Congbai 2–8 Knollen 3 Löst die Oberfläche (extima, biao)
Jujubae fructus Dazao 3–10 6 Stützt und ergänzt das Qi, beruhigt und gleicht aus
Acori rhizoma Shichangpu 3–10 6 Macht die Leitbahnen durchgängig und die Sinne frei
Einnahmemodus: Dekokt (Zubereitung Kap. 6, Einführung)
Erläuterung: Die beiden Hauptarzneien Persicae semen (Taoren) und Carthami flos (Honghua) beleben Xue und zerstreuen Xue-Stasen. Unterstützt werden sie dabei von Paeoniae radix rubra (Chishaoyao), Chuanxiong rhizoma (Chuanxiong) und Moschus (Shexiang). Zingiberis rhizoma recens (Shengjiang) und Allii fistulosi bulbus (Congbai) öffnen die Oberfläche (extima, biao), während Jujubae fructus (Dazao) ausgleichend und harmonisierend wirkt.
Modifikationen:
  • Verstärkung des Rezeptes: Salviae miltiorrhizae radix (Danshen) 10 g, Pheretima (Dilong) 6 g, Acori rhizoma (Shichangpu) 6 g, gerösteter Aurantii fructus (Zhike) 6 g, Luffae fructus (Sigualuo) 10 g

  • Bei energetischer Schwäche (depletio, xu) des Qi: Codonopsis radix (Dangshen) 10 g, Astragali radix (Huangqi) 12 g, Atractylodis macrocephalae rhizoma (Baizhu) 6 g

  • Bei energetischer Schwäche (depletio, xu) des Xue: Rehmanniae radix (Shengdihuang) 20 g, Rehmanniae radix praeparata (Shudihuang) 20 g, Angelicae sinensis radix (Danggui) 6 g, Polygonati rhizoma (Huangjing) 10 g, Mori fructus (Sangshen) 12 g

  • Bei energetischer Schwäche (depletio, xu) des Yin: Rehmanniae radix praeparata (Shudihuang) 10 g

  • Bei energetischer Schwäche (depletio, xu) des Yang: Psoraleae semen (Buguzhi) 6 g

Diätetik: wie unter A
Akupunktur: wie unter A
Absinken aufgrund energetischer Schwäche (depletio, xu) des Fk Milz (o. lienalis, pi), das klare Yang steigt nicht empor
Hauptsymptome
  • Plötzlicher Hörverlust

  • Trommelfell unauffällig

  • Schallempfindungsstörung im Audiogramm

  • Mögliche Allgemeinsymptome: Gefühl der Leere im Kopf, Benommenheit, Müdigkeit der Extremitäten, Kurzatmigkeit, Wortkargheit

  • Zungenkörper: blass, vergrößert; Zungenbelag: dünn, weißlich

  • Pulse: zart und schwach (minuti und invalidi, xi ruo)

Krankheitsmechanismus
Bei einer energetischen Schwäche (depletio, xu) des Qi des Fk Milz (qi lienale, piqi) ist die Quelle der Hervorbringung und Umwandlung von Qi und Xue defizient, und die Körperöffnung Ohr wird nicht mehr genährt. Dies hat einen plötzlichen Hörverlust zur Folge. Da das Qi deplet ist und absinkt und das Qi des klaren Yang nicht emporsteigen kann, kommt es zu einem Gefühl der Leere im Kopf und zu Benommenheit. Die energetische Schwäche (depletio, xu) des Fk Milz (o. lienalis, pi) führt zu Müdigkeit der Extremitäten.
Therapeutisches Vorgehen

  • 1.

    Kräftigen des Fk Milz (o. lienalis, pi)

  • 2.

    Mehren des Qi

  • 3.

    Emporheben des Yang

  • 4.

    Schärfen des Gehörs

Arzneitherapie

Basisrezeptur: Das Qi mehrende, schärfende und klärende Dekokt (Yiqi congming tang)

Arznei Pinyin Klassische Tagesdosis (g) Modifizierte Tagesdosis (g) Erläuterung
Astragali radix Huangqi 10–15 12 Stützt und ergänzt das Qi, hebt das Yang empor
Codonopsis radix Dangshen 3–10 10 Stützt und ergänzt das Qi
Cimicifugae rhizoma Shengma 1–10 6 Löst die Oberfläche (extima, biao), hebt das Qi empor
Puerariae radix Gegen 3–15 10 Hebt das Qi empor
Viticis fructus Manjingzi 5–10 6 Leitet Wind (ventus, feng) aus, klärt den Kopf
Paeoniae radix lactiflora Baishao 3–15 10 Ergänzt das Xue, stützt das Struktivpotential jing
Phellodendri cortex Huangbai 3–10 6 Entgiftet und desinfiziert
Glycyrrhizae radix (in einer Flüssigkeit geröstet) Gancao 1–15 3 Stützt und ergänzt das Qi
Einnahmemodus: Dekokt (Zubereitung Kap. 6, Einführung)
Erläuterung: Die Hauptarznei Astragali radix (Huangqi) stützt und ergänzt das Qi außerordentlich. Unterstützt wird sie dabei von Codonopsis radix (Dangshen) und auch von Glycyrrhizae radix (Gancao). Cimicifugae rhizoma (Shengma) und Puerariae radix (Gegen) heben das Qi empor. Ausgleichend hierzu wirken Paeoniae radix lactiflora (Baishao) und Phellodendri cortex (Huangbai). Viticis fructus (Manjingzi) hat eine den Kopf klärende Wirkung.
Modifikationen:
  • Bei Appetitlosigkeit, Spannungsgefühlen im Abdomen und immer wieder halbflüssigem Stuhl: Poria (Fuling) 12 g, unpräparierte Coicis semen (Yiyiren) 15 g, Dioscoreae rhizoma (Shanyao) 20 g, Amomi xanthioidis fructus (Sharen) 3 g, Lablab semen album (Biandou) 15 g

  • Bei Ohrensausen: Acori rhizoma (Shichangpu) 6 g, Magnetitum (Cishi) 20 g

Diätetik

Grundsätzliche, indikationsabhängige Empfehlungen zur Ernährung

Empfehlenswert Wärmende, stützende Nahrungsmittel mit emporhebender Wirkung (Weizen, Rundkornreis, Hülsenfrüchte, Karotten, Huhn, Fasan, Taube)
Nicht empfehlenswert Kalte und rohe Speisen
Akupunktur: wie unter A
Entweichen des Struktivpotentials jing bei energetischer Schwäche (depletio, xu) des Fk Niere (o. renalis, shen), wodurch die Körperöffnung Ohr nicht mehr genährt wird
Hauptsymptome
  • Plötzliche Verminderung des Hörvermögens

  • Allmählich zunehmendes Ohrensausen

  • Unauffälliges Trommelfell

  • Schallempfindungsstörung im Audiogramm

  • Mögliche Allgemeinsymptome: Benommenheit, Schwindel, Schwäche und Ziehen in Hüften und Knien, Unruhe mit Schlafstörungen, bei Männern Pollution, bei Frauen Menstruationsstörungen und Ausfluss, eventuell Aversion gegen Kälte und kalte Extremitäten

  • Zungenkörper: rot; Zungenbelag: wenig

  • Pulse: zart und beschleunigt (minuti und celeri, xi shu)

Krankheitsmechanismus
Bei einer energetischen Schwäche (depletio, xu) des Fk Niere (o. renalis, shen) mit Entweichen des Struktivpotentials jing kann das Ohr im oberen Körperbereich nicht ausreichend genährt werden, so dass es zu einem plötzlichen Hörverlust und allmählich zunehmendem Ohrensausen kommt. Zudem ist bei einer energetischen Schwäche (depletio, xu) des Fk Niere (o. renalis, shen) das Meer des Markes (mare medullae, suihai, entspricht dem Neben-Fk Gehirn [paraorbis cerebri, nao]) deplet. Dies hat Benommenheit und Schwindel zur Folge. Eine energetische Schwäche (depletio, xu) führt außerdem zu Schwäche und Ziehen in Hüften und Knien. Bei einer Erschöpfung des Yin des Fk Niere (yin renale, shenyin) bewegt sich das ministerielle Feuer (ignis ministri, mingmen zhi huo) unkontrolliert, oder Glut aufgrund energetischer Schwäche (ardor depletionis, xuhuo) schlägt empor, was Unruhe mit Schlafstörungen, Pollution, Menstruationsstörungen und Ausfluss zur Folge hat.
Therapeutisches Vorgehen

  • 1.

    Stützen des Fk Niere (o. renalis, shen)

  • 2.

    Ergänzen des Struktivpotentials jing

  • 3.

    Nähren des Ohres

  • 4.

    Wiederherstellen der Schärfe der Ohren

Arzneitherapie

Basisrezeptur: Modifizierte Die linke Seite befeuchtende Pille gegen Schwerhörigkeit (Erlong zuoci wan)

Arznei Pinyin Klassische Tagesdosis (g) Modifizierte Tagesdosis (g) Erläuterung
Rehmanniae radix praeparata Shudihuang 10–30 10 Stützt und ergänzt das Yin, ergänzt das Xue
Corni fructus Shanzhuyu 4–12 10 Stützt das Struktivpotential jing, stützt und ergänzt das Yin
Dioscoreae rhizoma Shanyao 10–30 10 Stützt und ergänzt das Yin und das Qi
Moutan cortex Mudanpi 3–12 6 Kühlt Hitze (calor, re), löst Zusammenballungen
Alismatis rhizoma Zexie 3–15 6 Beseitigt Hitze aufgrund energetischer Schwäche (calor depletionis, xure), wirkt diuretisch
Poria Fuling 10–15 6 Wirkt diuretisch, beruhigt und gleicht aus
Magnetitum Cishi 15–30 10 Stützt und ergänzt das Yin, beruhigt und gleicht aus
Acori rhizoma Shichangpu 1–10 6 Macht die Sinnesöffnungen frei
Schisandrae fructus Wuweizi 1,5–10 6 Stützt und ergänzt das Yin, stützt das Struktivpotential jing, beruhigt und gleicht aus
Einnahmemodus: Dekokt (Zubereitung Kap. 6, Einführung)
Erläuterung: Rehmanniae radix praeparata (Shudihuang) wirkt stark das Yin des Fk Niere (yin renale, shenyin) und das Struktivpotential jing stützend. Corni fructus (Shanzhuyu) und Dioscoreae rhizoma (Shanyao) unterstützen sie dabei. Alismatis rhizoma (Zexie) und Moutan cortex (Mudanpi) verschaffen ein Gegengewicht zu den warmen Eigenschaften von Corni fructus (Shanzhuyu). Poria (Fuling) stärkt durch seine diuretische Wirkung den Fk Milz (o. lienalis, pi) und verhindert, dass das Rezept den Verdauungsprozess blockiert. Magnetitum (Cishi) und Schisandrae fructus (Wuweizi) unterstützen ebenfalls das Yin und sind darüber hinaus von ausgleichender und beruhigender Wirkung.

Alternative Basisrezeptur: Psoralea-Pille (Buguzhi wan)

ArzneiPinyinKlassische Tagesdosis (g)Modifizierte Tagesdosis (g)Erläuterung
MagnetitumCishi15–3010Stützt und ergänzt das Yin, beruhigt und gleicht aus
Rehmanniae radix praeparataShudihuang10–3010Stützt und ergänzt das Yin, ergänzt das Xue
Angelicae sinensis radixDanggui3–1010Ergänzt und bewegt das Xue
Chuanxiong rhizomaChuanxiong1–106Bewegt das Xue und das Qi
Cinnamomi cassiae cortexRougui1–33Stützt und erwärmt das Yang
Cuscutae semenTusizi6–1510Stützt das Yang und das Struktivpotential jing
Zanthoxyli fructusChuanjiao1,5–63Wärmt die Fk Milz und Magen (oo. lienalis et stomachi, pi wei)
Psoraleae semenBuguzhi3–1010Stützt das Yang, stützt und ergänzt das Qi
Tribuli fructusBaijili6–1210Beruhigt und gleicht aus, klärt den Kopf
Trigonellae semenHuluba3–106Erwärmt das Yang
Eucommiae cortexDuzhong6–1510Stützt das Yang, bewegt und reguliert das Qi
Angelicae dahuricae radixBaizhi3–106Löst die Oberfläche (extima, biao), leitet Wind (ventus, feng) aus, kanalisiert Schleim (pituita, tan)
Acori rhizomaShichangpu1–106Macht die Sinnesöffnungen frei
Einnahmemodus: Dekokt (Zubereitung Kap. 6, Einführung)
Erläuterung: Psoraleae semen (Buguzhi) ist eine stark das Yang des Fk Niere (yang renale, shenyang) stützende Arznei, die dem Fk Niere (o. renalis, shen) Energie zuführt. Unterstützt wird sie durch Cinnamomi cassiae cortex (Rougui), Cuscutae semen (Tusizi), Trigonellae semen (Huluba) und Eucommiae cortex (Duzhong). Ausgleichend durch ihre Yin-unterstützende Wirkung sind dem Rezept Magnetitum (Cishi) und Rehmanniae radix praeparata (Shudihuang) beigegeben. In ähnlicher Weise wirken Angelicae sinensis radix (Danggui) und Chuanxiong rhizoma (Chuanxiong). Ausgleichend und harmonisierend sind Zanthoxyli fructus (Chuanjiao) und Tribuli fructus (Baijili), wohingegen Angelicae dahuricae radix (Baizhi) und Acori rhizoma (Shichangpu) die Körperöffnungen freimachen.
Diätetik: wie unter E
Akupunktur: wie unter A

Tinnitus

Krankheitsbild und Therapie aus westlicher Sicht
Übersicht
In diesem Abschnitt wird der wesentlich häufiger auftretende subjektive Tinnitus besprochen. Ein objektiver Tinnitus, d. h. ein Ohrgeräusch, das gleichzeitig von einem externen Beobachter registriert werden kann, ist extrem selten.
Klinisches Bild
  • Beim subjektiven Tinnitus liegt eine fehlerhafte Informationsbildung im auditorischen System ohne Einwirkung eines akustischen Reizes vor. Vom Patienten werden die verschiedensten Ton- und Klangqualitäten ein- oder beidseitig, manchmal aber auch nicht lokalisierbar geschildert.

  • Man unterscheidet nach Zeitverlauf einen akuten (besteht weniger als 3 Monate), einen subakuten (besteht zwischen 3 Monaten und 1 Jahr) sowie einen chronischen Tinnitus (besteht länger als 1 Jahr).

  • Zudem wird unterschieden zwischen einem kompensierten und einem dekompensierten Tinnitus.

  • Tinnitus kann Begleitsymptom bei orthopädischen, gnathologischen, internistischen und neurologischen Krankheitsbildern sein.

Therapie aus westlicher Sicht
  • Neben der ausführlichen ärztlichen Beratung rheologische bzw. antiödematöse Therapie beim akuten, in einigen Fällen auch beim subakuten Tinnitus wie beim Hörsturz

  • Beim chronischen Tinnitus vorwiegend apparative Versorgung (Tinnitusnoiser, Tinnitusmasker) in Verbindung mit verhaltenstherapeutischen Maßnahmen (Tinnitusretraining-Therapie)

CAVE

Da das Symptom Tinnitus häufig nur eine Begleiterscheinung anderer otologischer Erkrankungen ist, ist die fachärztliche Abklärung unabdingbar!

Krankheitsbild und Therapie aus Sicht der chinesischen Medizin
Übersicht
In der chinesischen Medizin werden den Krankheitsbildern Tinnitus, Schwerhörigkeit oder Taubheit dieselben Pathomechanismen zugrunde gelegt. Die Ohren zählen zu den Sinnesöffnungen. An den Ohren kommen viele Leitbahnen zusammen (28. Kapitel des Huangdi Neijing Lingshu). Die Ohren haben eine enge Beziehung zu den Fk Niere (o. renalis, shen), Fk Leber (o. hepaticus, gan), Fk Herz (o. cardialis, xin), Fk Gallenblase (o. felleus, dan), Fk Milz (o. lienalis, pi) und dem Meer des Markes (mare medullae, suihai, entspricht dem Neben-Fk Gehirn [paraorbis cerebri, nao]). Die Fähigkeit zu hören beruht auf der Versorgung mit Struktivpotential jing, welches über die Leitbahnen von den Funktionskreisen, vor allem vom Fk Niere (o. renalis, shen), zur Verfügung gestellt wird. Jede Störung dieses Versorgungsweges kann zu Tinnitus oder Schwerhörigkeit führen.
Agenzien und Pathogenese
Differentialdiagnostik

Differentialdiagnostik

Energetische Schwäche (depletio, xu) Energetische Überladung (repletio, shi)
Alter Patient Junger Patient
Beginn schleichend Beginn plötzlich
Schwacher Ton Kräftiger Ton
Patient eher schwächlich Patient eher kräftig
Hochfrequent, Pfeifen, wellenförmig Laut dröhnend, geht nie weg
Druck auf Ohr bessert Druck auf Ohr verschlimmert
Man unterscheidet folgende Symptomkonfigurationen:
  • A Wind-Hitze (calor venti, fengre) blockiert den Fk Lunge (o. pulmonalis, fei):

    Durch nach oben steigende Wind-Hitze (calor venti, fengre) im Fk Lunge (o. pulmonalis, fei) kann Tinnitus entstehen.

  • B Emporschlagende Hitze (calor, re) bzw. Glut (ardor, huo) im Fk Leber (o. hepaticus, gan):

    Zu den Ohren emporschlagende Glut (ardor, huo) im Fk Leber (o. hepaticus, gan) führt zu Tinnitus.

  • C Emporschlagendes Yang des Fk Leber (yang hepatici, ganyang):

    Aufsteigendes Yang des Fk Leber (yang hepatici, ganyang) kann Tinnitus erzeugen.

  • D Energetische Schwäche (depletio, xu) des Xue und des Yin des Fk Leber (yin hepatici, ganyin):

    Durch mangelhafte Versorgung mit Struktivpotential jing und Xue kann Tinnitus entstehen.

  • E Energetische Schwäche (depletio, xu) des Yin des Fk Niere (yin renale, shenyin):

    Hierbei werden die Ohren nicht ausreichend ernährt, und es entsteht Tinnitus.

  • F Energetische Schwäche (depletio, xu) des Qi des Fk Niere (qi renale, shenqi):

    Durch mangelnde Versorgung der Ohren mit Struktivpotential jing als Folge einer energetischen Schwäche (depletio, xu) des Qi des Fk Niere (qi renale, shenqi) kann Tinnitus entstehen.

  • G Fehlendes Zusammenwirken zwischen den Fk Herz (o. cardialis, xin) und Fk Niere (o. renalis, shen):

    Wenn die Interaktion zwischen den Fk Herz und Niere (oo. cardialis et renalis, xin shen) gestört ist, kann durch emporschlagende Glut des Fk Herz (ardor cardiale, xinhuo) Tinnitus entstehen.

  • H Energetische Schwäche (depletio, xu) des Qi des Fk Milz (qi lienale, piqi):

    Mangelnde Versorgung durch Qi und Xue, aber auch Blockaden durch Feuchtigkeit (humor, shi) können zu Tinnitus führen.

  • I Schleim-Glut (ardor pituitae, tanhuo):

    Bei Schädigung des Fk Milz (o. lienalis, pi) durch falsche Ernährung und gleichzeitiger Stagnation des Qi des Fk Leber (qi hepatici, ganqi) mit Erzeugung von Hitze (calor, re) kann Schleim-Glut (ardor pituitae, tanhuo) entstehen. Schleim-Glut (ardor pituitae, tanhuo) kann über die Magen-Leitbahn (c. stomachi, wei jing) Tinnitus verursachen.

  • J Qi-Stagnationen und Xue-Stasen:

    Infolge Mangelernährung der Ohren bei Qi-Stagnationen und Xue-Stasen kann Tinnitus entstehen.

Differenzierte chinesische Therapie
Wind-Hitze (calor venti, fengre) blockiert den Fk Lunge (o. pulmonalis, fei)
Hauptsymptome
  • Rascher Beginn, oft Erkältung am Anfang

  • Druckgefühl in den Ohren, in einigen Fällen Taubheitsgefühl

  • Die Hörschärfe in einem oder beiden Ohren kann reduziert sein

  • Der Tinnitus klingt wie das Brausen eines Windes

  • Mögliche Allgemeinsymptome: oft verstopfte Nase, gesteigerte Nasensekretion, Kopfschmerzen, Fieber

  • Zungenkörper: rot; Zungenbelag: dünn

  • Pulse: oberflächlich und beschleunigt (superficiales und celeri, fu shu)

Krankheitsmechanismus
Schrägläufigkeiten (Heteropathien, xie) dringen von außen als erstes in den Fk Lunge (o. pulmonalis, fei) ein. Wind-Hitze (calor venti, fengre) im Fk Lunge (o. pulmonalis, fei) beruht entweder auf von außen eingedrungener Wind-Hitze (calor venti, fengre) oder auf Wind-Kälte (algor venti, fenghan), die von außen eingedrungen ist und in Wind-Hitze (calor venti, fengre) umgewandelt wurde. Der Fk Lunge (o. pulmonalis, fei) ist über Netzleitbahnen (reticulares, luomai) mit den Ohren verbunden. Wenn Wind-Hitze (calor venti, fengre) im Fk Lunge (o. pulmonalis, fei) nach oben steigt, kann sie Tinnitus erzeugen.
Therapeutisches Vorgehen

Ausleiten von Wind-Hitze (calor venti, fengre)

Arzneitherapie

Basisrezeptur: Modifiziertes Pulver mit Lonicera und Forsythia (Yinqiao san)

Arznei Pinyin Klassische Tagesdosis (g) Modifizierte Tagesdosis (g) Erläuterung
Lonicerae flos Jinyinhua 10–15 12 Kühlt Hitze (calor, re), leitet Wind-Hitze (calor venti, fengre) aus
Forsythiae fructus Lianqiao 3–15 10 Kühlt Hitze (calor, re), leitet Wind-Hitze (calor venti, fengre) aus
Lophateri herba Danzhuye 6–9 10 Kühlt Hitze (calor, re), leitet Feuchtigkeit (humor, shi) aus
Menthae herba Bohe 1–8 6 Löst die Oberfläche (extima, biao), leitet Wind-Hitze (calor venti, fengre) aus, macht die Leitbahnen durchgängig und die Sinne frei
Sojae semen praeparatum Dandouchi 9–15 6 Löst die Oberfläche (extima, biao)
Schizonepetae herba Jingjie 3–10 10 Leitet Wind (ventus, feng) aus, löst die Oberfläche (extima, biao)
Platycodi radix Jiegeng 3–10 6 Leitet Wind-Hitze (calor venti, fengre) aus, bewegt das Qi, reguliert
Arctii fructus Niubangzi 3–10 10 Leitet Wind-Hitze (calor venti, fengre) aus
Glycyrrhizae radix Gancao 1–15 3 Stützt und ergänzt das Qi, beruhigt und gleicht aus
Phragmitis rhizoma Lugen 15–30 10 Kühlt Hitze (calor, re)
Puerariae radix Gegen 3–15 15 Löst die Oberfläche (extima, biao)
Acori rhizoma Shichangpu 3–10 10 Macht die Leitbahnen durchgängig und die Sinne frei
Einnahmemodus: Dekokt (Zubereitung Kap. 6, Einführung)
Erläuterung: Lonicerae flos (Jinyinhua) und Forsythiae fructus (Lianqiao) als Hauptarzneien kühlen Hitze (calor, re) und desinfizieren. Lophateri herba (Danzhuye) wirkt hierbei unterstützend. Menthae herba (Bohe), Sojae semen praeparatum (Dandouchi) und Schizonepetae herba (Jingjie) sind die Oberfläche (extima, biao) öffnende Arzneien und von kühler und scharfer Qualität. Sie unterstützen und verstärken die anderen Arzneien. Platycodi radix (Jiegeng), Arctii fructus (Niubangzi) und Glycyrrhizae radix (Gancao) leiten Wind-Hitze (calor venti, fengre) aus und bewirken zusammen eine Lösung des Fk Lunge (o. pulmonalis, fei). Phragmitis rhizoma (Lugen) kühlt Hitze (calor, re) und befeuchtet. Puerariae radix (Gegen) löst die Oberfläche (extima, biao). Acori rhizoma (Shichangpu) macht die Sinnesöffnungen frei.
Diätetik

Grundsätzliche, indikationsabhängige Empfehlungen zur Ernährung

Empfehlenswert Scharfe, die Oberfläche (extima, biao) öffnende, gleichzeitig jedoch kühlende Nahrungsmittel (Rettich, Löwenzahn, Tomate, Wassermelone, grüner Tee)
Nicht empfehlenswert Warme und heiße Nahrungsmittel (Lauch, Hühnerfleisch, Tabak, Alkohol, scharfe Gewürze)
Akupunktur

Indikationsabhängig wichtige Akupunkturpunkte (je nach Befund kann die Behandlung weiterer, hier nicht aufgeführter Akupunkturpunkte erforderlich sein)

Deutsche Bezeichnung Lateinische Bezeichnung Deutsche Übersetzung des chinesischen Namens Pinyin Lokalisation Erläuterung
Lokale Punkte
3E 17 T 17 Schutzschirm gegen Wind yifeng Am Vorderrand des Processus mastoideus, wo das Ohrläppchen bei Druck den Processus berührt Leitet Wind-Hitze (calor venti, fengre) aus, macht lokal die Leitbahnen durchgängig
Dü 19 IT 19 Palast des Gehörs tinggong In einer Vertiefung zwischen Tragus und Kiefergelenk bei leichter Mundöffnung Leitet Wind-Hitze (calor venti, fengre) aus, macht lokal die Leitbahnen durchgängig
Periphere Punkte
3E 9 T 9 Vierter Abzugsgraben sidu 7 cun proximal der dorsalen Handgelenkfalte zwischen Radius und Ulna Macht das in den Leitbahnen fließende Qi (qi cardinale, jingqi) durchgängig, unterstützt 3E 17/T 17 bei der Öffnung der Ohren, unterstützt Di 4/IC 4 und Di 6/IC 6 beim Zerstreuen und Ausleiten von Wind-Hitze (calor venti, fengre)
Di 4 IC 4 Vereinte Täler hegu Etwa in der Mitte des 2. Mittelhandknochens an der radialen Seite Leitet Wind (ventus, feng) aus, beseitigt Hitze (calor, re), löst die Oberfläche (extima, biao)
Di 6 IC 6 Schräger Durchgang pianli 3 cun proximal von Di 5/IC 5 auf der Verbindungslinie Di 5/IC 5Di 11/IC 11 Leitet Wind (ventus, feng) aus, beseitigt Hitze (calor, re), löst die Oberfläche (extima, biao)
Modifikation: Bei Fieber: Du 14/Rg 14 (Punkt aller Strapazen, dazhui)
Emporschlagende Glut (ardor, huo) im Fk Leber (o. hepaticus, gan)
Hauptsymptome
  • Plötzlicher Beginn des Tinnitus

  • Wie das Brausen eines Stromes oder wie der Donnerhall einer großen Glocke

  • Die Intensität der Beschwerden schwankt

  • Typischerweise durch Ärger oder Zorn verstärkt

  • Oft schmerzhaftes Druckgefühl in den Ohren

  • Mögliche Allgemeinsymptome: Kopfschmerzen, Schwindel, rotes Gesicht und rote Augen, bitterer Geschmack im Mund, trockene Kehle, unruhiger Schlaf, Reizbarkeit und Unruhe, Schmerzen in den seitlichen Rippenpartien, Verstopfung, dunkel gefärbter Urin

  • Zungenkörper: rot; Zungenbelag: gelb

  • Pulse: saitenförmig, beschleunigt und angefüllt (chordales, celeri und repleti, xian shu shi)

Krankheitsmechanismus
Häufigste Ursache ist lang andauernder Zorn, Groll, unterdrückter Ärger oder Frustration. Durch Stagnation des Qi des Fk Leber (qi hepatici, ganqi) entsteht Glut (ardor, huo) im Fk Leber (o. hepaticus, gan). Diese hat die Tendenz, Richtung Kopf emporzuschlagen. Sie steigt auch zu den Ohren empor und bewölkt dort die Orifizien, was zu Tinnitus führt. Die Leber-Leitbahn (c. hepatica, gan jing) hat außerdem eine Oberfläche-Inneres-Beziehung (extima und intima, biaoli) zur Gallenblasen-Leitbahn (c. fellea, dan jing). Die Gallenblasen-Leitbahn (c. fellea, dan jing) führt zu den Ohren.
Therapeutisches Vorgehen

  • 1.

    Beruhigen des Fk Leber (o. hepaticus, gan)

  • 2.

    Beseitigen von Glut (ardor, huo)

Arzneitherapie

Basisrezeptur: Modifiziertes Gentiana-Dekokt zur Zerstreuung des Fk Leber (Longdan xiegan tang)

Arznei Pinyin Klassische Tagesdosis (g) Modifizierte Tagesdosis (g) Erläuterung
Gentianae radix Longdancao 3–10 6 Leitet Glut (ardor, huo) aus, besänftigt inneren Wind (ventus internus, neifeng)
Bupleuri radix Chaihu 3–12 6 Löst die Oberfläche (extima, biao), bewegt und reguliert das Qi
Scutellariae radix Huangqin 6–15 10 Kühlt Hitze (calor, re), leitet Glut (ardor, huo) aus, senkt das Yang ab
Gardeniae fructus Zhizi 3–10 10 Kühlt Hitze (calor, re), leitet Glut (ardor, huo) aus
Alismatis rhizoma Zexie 3–15 6 Kühlt Hitze (calor, re)
Rehmanniae radix Shengdihuang 10–30 10 Kühlt Hitze (calor, re) und Glut (ardor, huo), ergänzt das Xue
Plantaginis semen Cheqianzi 3–15 6 Kühlt Hitze (calor, re), klärt die Augen
Moutan cortex Mudanpi 3–9 10 Kühlt Hitze (calor, re) und Xue, bewegt das Xue
Acori rhizoma Shichangpu 3–10 10 Macht die Leitbahnen durchgängig und die Sinne frei
Curcumae longae tuber Yujin 3–10 10 Kühlt Hitze (calor, re), bewegt das Qi und das Xue
Einnahmemodus: Dekokt (Zubereitung Kap. 6, Einführung)
Erläuterung: Die Hauptarznei Gentianae radix (Longdancao) hat, wie auch Bupleuri radix (Chaihu), einen starken Bezug zum Fk Leber (o. hepaticus, gan) und kühlt intensiv Glut (ardor, huo). Scutellariae radix (Huangqin) und Gardeniae fructus (Zhizi) unterstützen die kühlende Wirkung. Alismatis rhizoma (Zexie) leitet neben ihrer kühlenden Wirkung auch Feuchtigkeit (humor, shi) aus. Rehmanniae radix (Shengdihuang) hat neben seinem Bezug zum Fk Leber (o. hepaticus, gan) eine Xue ergänzende Wirkung und verhindert so eine Schmälerung der Säfte (jinye). Plantaginis semen (Cheqianzi) wirkt kühlend und diuretisch. Moutan cortex (Mudanpi) kühlt Hitze (calor, re) und das Xue. Curcumae longae tuber (Yujin) kühlt Hitze (calor, re) und bewegt das Xue. Acori rhizoma (Shichangpu) macht die Sinnesöffnungen frei.

Alternative Basisrezeptur: Pulver der heiteren Ungebundenheit mit Moutan cortex und Gardeniae fructus (Danzhi xiaoyao san)

ArzneiPinyinKlassische Tagesdosis (g)Modifizierte Tagesdosis (g)Erläuterung
Bupleuri radixChaihu3–1215Löst die Oberfläche (extima, biao), bewegt und reguliert das Qi
Angelicae sinensis radixDanggui3–1012Ergänzt und bewegt das Xue
Paeoniae radix lactifloraBaishao3–1515Harmonisiert und stützt den Fk Leber (o. hepaticus, gan), senkt das Yang ab, kühlt das Xue
Atractylodis macrocephalae rhizomaBaizhu3–109Stützt und ergänzt das Qi
Glycyrrhizae radixGancao1–156Stützt und ergänzt das Qi, leitet Glut (ardor, huo) aus, beruhigt und gleicht aus
PoriaFuling10–1515Wirkt diuretisch, beruhigt und gleicht aus
Menthae herbaBohe1–89Leitet Wind-Hitze (calor venti, fengre) aus, klärt die Augen, macht die Leitbahnen durchgängig und die Sinne frei
Moutan cortexMudanpi3–129Kühlt Hitze (calor, re), leitet Glut (ardor, huo) aus
Gardeniae fructusZhizi3–109Kühlt Hitze (calor, re), leitet Glut (ardor, huo) aus
Liquidambaris fructusLulutong3–109Bewegt und reguliert das Qi, macht die Leitbahnen durchgängig und die Sinne frei
Ostreae conchaMuli10–3030Harmonisiert und stützt den Fk Leber (o. hepaticus, gan), senkt das Yang ab, beruhigt und gleicht aus
Zingiberis rhizoma recensShengjiang2–6 Scheiben3 ScheibenLöst die Oberfläche (extima, biao)
Einnahmemodus: Dekokt (Zubereitung Kap. 6, Einführung)
Erläuterung: Das Grundrezept Pulver der heiteren Ungebundenheit (Xiaoyao san) beinhaltet als Hauptarznei Bupleuri radix (Chaihu), die vor allem das Qi des Fk Leber (qi hepatici, ganqi) bewegt und reguliert. Angelicae sinensis radix (Danggui) und Paeoniae radix lactiflora (Baishao) nähren das Xue und besänftigen den Fk Leber (o. hepaticus, gan). Atractylodis macrocephalae rhizoma (Baizhu) und Poria (Fuling) stärken den Fk Milz (o. lienalis, pi) und ihre umsetzenden Funktionen. Glycyrrhizae radix (Gancao) kräftigt den Fk Milz (o. lienalis, pi) und wirkt ausgleichend. Moutan cortex (Mudanpi) und Gardeniae fructus (Zhizi) kühlen stark Hitze (calor, re) und Glut (ardor, huo). Menthae herba (Bohe) und Liquidambaris fructus (Lulutong) machen beide die Sinnesöffnungen frei. Ostreae concha (Muli) wirkt auf den Fk Leber (o. hepaticus, gan) stark ausgleichend und beruhigend. Zingiberis rhizoma recens (Shengjiang) löst die Oberfläche (extima, biao).
Diätetik

Grundsätzliche, indikationsabhängige Empfehlungen zur Ernährung

Empfehlenswert Öffnende, lösende und erweichende Nahrungsmittel (chinesischer Lauch, Stangensellerie, Wasserkastanie, Kumquat, Krebse)
Nicht empfehlenswert Warme und heiße Nahrungsmittel (Lauch, Hühnerfleisch, Tabak, Alkohol, scharfe Gewürze)
Akupunktur

Indikationsabhängig wichtige Akupunkturpunkte (je nach Befund kann die Behandlung weiterer, hier nicht aufgeführter Akupunkturpunkte erforderlich sein)

Deutsche Bezeichnung Lateinische Bezeichnung Deutsche Übersetzung des chinesischen Namens Pinyin Lokalisation Erläuterung
Lokale Punkte
3E 17 T 17 Schutzschirm gegen Wind yifeng Am Vorderrand des Processus mastoideus, wo das Ohrläppchen bei Druck den Processus berührt Macht lokal die Leitbahnen durchgängig, löst lokal den Qi- und Xue-Fluss
Gb 2 F 2 Versammlungspunkt für das Gehör tinghui Vor dem Ohr, bei geöffnetem Mund in einer Vertiefung auf der Höhe der Incisura intertragica an der unteren Grenze des Processus condylaris der Mandibula Macht lokal die Leitbahnen durchgängig, löst lokal den Qi- und Xue-Fluss
Periphere Punkte
3E 3 T 3 Mittlere Insel zhongzhu In einer Vertiefung des Handrückens zwischen dem 4. und 5. Os metacarpale, in einer Vertiefung proximal des Metacarpophalangeal-Gelenks Beruhigt den Fk Leber (o. hepaticus, gan), beseitigt Glut des Fk Leber (ardor hepatici, ganhuo)
Gb 43 F 43 Der eingezwängte Wasserlauf xiaxi Zwischen der 4. und 5. Zehe proximal der Interdigitalfalte Beruhigt den Fk Leber (o. hepaticus, gan), beseitigt Glut des Fk Leber (ardor hepatici, ganhuo)
Le 3 H 3 Die mächtige große Straße taichong In der Vertiefung zwischen den Grundgelenken und dem proximalen Winkel zwischen 1. und 2. Metatarsalknochen Beruhigt den Fk Leber (o. hepaticus, gan), beseitigt Glut des Fk Leber (ardor hepatici, ganhuo)
Bei Verstopfung zusätzlich: 3E 6/T 6 (Der fliegende Tiger/Seitlicher Abzugsgraben, feihu/zhigou)
Emporschlagendes Yang des Fk Leber (yang hepatici, ganyang)
Hauptsymptome
  • Zusätzlich Schwindel

  • Schmerzhaftes Ziehen in den Ohren

  • Mögliche Allgemeinsymptome: rotes Gesicht, rote Augen, Schlaflosigkeit, trockener Mund und trockene Kehle, Lenden- und Knie-Schmerzen und -Schwäche

  • Zungenkörper: rot; Zungenbelag: spärlich

  • Pulse: saitenförmig, zart und beschleunigt (chordales, minuti und celeri, xian xi shu)

Krankheitsmechanismus
Aufgrund einer energetischen Schwäche (depletio, xu) des Yin in den Fk Leber und Niere (oo. hepaticus et renalis, gan shen) kann das Yin das Yang des Fk Leber (yang hepatici, ganyang) nicht richtig kontrollieren, Letzteres steigt auf, stört die Ohren und kann so Tinnitus hervorrufen.
Therapeutisches Vorgehen

  • 1.

    Stärken des Yin

  • 2.

    Absenken des Yang des Fk Leber (yang hepatici, ganyang)

Arzneitherapie

Basisrezeptur: Modifizierter Trank mit Gastrodia und Uncaria (Tianma gouteng yin)

Arznei Pinyin Klassische Tagesdosis (g) Modifizierte Tagesdosis (g) Erläuterung
Gastrodiae rhizoma Tianma 3–10 10 Besänftigt inneren Wind (ventus internus, neifeng), beruhigt und gleicht aus, macht die Leitbahnen durchgängig und die Sinne frei
Uncariae ramulus cum uncis Gouteng 6–15 15 Kühlt Hitze (calor, re), besänftigt inneren Wind (ventus internus, neifeng), beruhigt und gleicht aus, senkt das Yang ab
Haliotidis concha Shijueming 10–30 15 Senkt das Yang ab, kühlt Hitze (calor, re), klärt Augen und Kopf
Gardeniae fructus Zhizi 3–10 10 Kühlt Hitze (calor, re), leitet Glut (ardor, huo) aus
Scutellariae radix Huangqin 6–15 10 Kühlt Hitze (calor, re), leitet Glut (ardor, huo) aus, senkt das Yang ab
Eucommiae cortex Duzhong 6–15 10 Stützt das Yang, harmonisiert und stützt den Fk Leber (o. hepaticus, gan)
Taxilli herba Sangjisheng 10–20 10 Stützt und ergänzt das Yin
Poriae sclerotium pararadicis Fushen 9–15 6 Beruhigt
Polygoni multiflori caulis Yejiaoteng 15–30 15 Senkt das Yang ab, macht die Leitbahnen durchgängig und die Sinne frei, beruhigt und gleicht aus
Achyranthis bidentatae radix Niuxi 3–15 10 Kühlt Hitze (calor, re) und Glut (ardor, huo), stützt und ergänzt das Yin
Magnetitum Cishi 15–30 15 Senkt das Yang ab, beruhigt und gleicht aus, stützt und ergänzt das Yin
Acori rhizoma Shichangpu 3–10 10 Macht die Leitbahnen durchgängig und die Sinne frei
Einnahmemodus: Dekokt (Zubereitung Kap. 6, Einführung)
Erläuterung: Gastrodiae rhizoma (Tianma), Uncariae ramulus cum uncis (Gouteng) und Haliotidis concha (Shijueming) als Hauptarzneien beruhigen den Fk Leber (o. hepaticus, gan) und eliminieren Wind (ventus, feng). Gardeniae fructus (Zhizi) und Scutellariae radix (Huangqin) beseitigen Hitze (calor, re) und verhindern, dass Hitze (calor, re) in der Leber-Leitbahn (c. hepatica, gan jing) nach oben aufflammt. Eucommiae cortex (Duzhong) und Taxilli herba (Sangjisheng) kräftigen und nähren den Fk Leber (o. hepaticus, gan). Polygoni multiflori caulis (Yejiaoteng) und Poriae sclerotium pararadicis (Fushen) beruhigen die konstellierende Kraft shen. Achyranthis bidentatae radix (Niuxi) kühlt Hitze (calor, re) und stützt gleichzeitg das Yin. Magnetitum (Cishi) beruhigt und stützt ebenfalls das Yin. Acori rhizoma (Shichangpu) macht die Sinnesöffnungen frei.
Diätetik

Grundsätzliche, indikationsabhängige Empfehlungen zur Ernährung

Empfehlenswert Neutrale, leicht kühle, süße Nahrungsmittel (schwarze Sojabohnen, Sesam, Walnusskerne, Karotte, Pflaume)
Nicht empfehlenswert Warme und heiße Nahrungsmittel (Lauch, Hühnerfleisch, Tabak, Alkohol, scharfe Gewürze)
Akupunktur

Indikationsabhängig wichtige Akupunkturpunkte (je nach Befund kann die Behandlung weiterer, hier nicht aufgeführter Akupunkturpunkte erforderlich sein)

Deutsche Bezeichnung Lateinische Bezeichnung Deutsche Übersetzung des chinesischen Namens Pinyin Lokalisation Erläuterung
Lokale Punkte
3E 17 T 17 Schutzschirm gegen Wind yifeng Am Vorderrand des Processus mastoideus, wo das Ohrläppchen bei Druck den Processus berührt Macht lokal die Leitbahnen durchgängig, löst lokal den Qi- und Xue-Fluss
Gb 2 F 2 Versammlungspunkt für das Gehör tinghui Vor dem Ohr, bei geöffnetem Mund in einer Vertiefung auf der Höhe der Incisura intertragica an der unteren Grenze des Processus condylaris der Mandibula Macht lokal die Leitbahnen durchgängig, löst lokal den Qi- und Xue-Fluss
Periphere Punkte
Le 3 H 3 Die mächtige große Straße taichong In der Vertiefung zwischen den Grundgelenken und dem proximalen Winkel zwischen 1. und 2. Metatarsalknochen Harmonisiert den Fk Leber (o. hepaticus, gan), senkt das Yang ab
Ni 3 R 3 Mächtiger Wasserlauf taixi Auf der Mitte der Verbindungslinie zwischen Malleolus medialis und der Achillessehne Kräftigt das Yin, senkt das Yang ab
Mi 6 L 6 Die Verbindung der drei Yin sanyinjiao 3 cun oberhalb des Malleolus internus am Hinterrand der Tibia Kräftigt das Yin, senkt das Yang ab
Energetische Schwäche (depletio, xu) des Xue und des Yin des Fk Leber (xue et yin hepatici, gan yin xue)
Hauptsymptome
  • Ohrgeräusche wie Zikaden mit schwankender Intensität

  • Schlechter bei Belastung und am Nachmittag

  • Eventuell verminderte Hörschärfe

  • Schwindel

  • Mögliche Allgemeinsymptome: stumpfblasse Gesichtsfarbe, trockene, brüchige Fingernägel, Schlaf durch Träume gestört, trockene Augen, unscharfes Sehen

  • Zungenkörper: blass; Zungenbelag: dünn, weißlich

  • Pulse: zart (minuti, xi)

Krankheitsmechanismus
Energetische Schwäche (depletio, xu) des Xue und des Yin des Fk Leber (xue et yin hepatici, gan yin xue) entsteht durch mangelhafte Erzeugung von Xue durch den Fk Milz (o. lienalis, pi), großen Xue-Verlust oder chronische Krankheiten, die Yin-Xue konsumieren. Die Fähigkeit zu hören beruht auf der Versorgung mit Struktivpotential jing und Xue. Der Fk Leber (o. hepaticus, gan) speichert das Xue (62. Kapitel des Huangdi Neijing Suwen). Bei energetischer Schwäche (depletio, xu) des Xue werden die Ohren nicht ausreichend ernährt, und Tinnitus kann entstehen.
Therapeutisches Vorgehen

Stützen des Xue

Arzneitherapie

Basisrezeptur: Modifiziertes Dekokt der vier Bestandteile (Siwu tang)

Arznei Pinyin Klassische Tagesdosis (g) Modifizierte Tagesdosis (g) Erläuterung
Angelicae sinensis radix Danggui 3–10 10 Ergänzt und bewegt das Xue
Paeoniae radix lactiflora Baishao 3–15 10 Ergänzt das Xue, stützt das Struktivpotential jing, harmonisiert und stützt den Fk Leber (o. hepaticus, gan)
Rehmanniae radix praeparata Shudihuang 10–30 12 Ergänzt das Xue, stützt und ergänzt das Yin
Chuanxiong rhizoma Chuanxiong 1–10 6 Bewegt das Xue
Bupleuri radix Chaihu 3–12 3 Bewegt und reguliert das Qi
Acori rhizoma Shichangpu 3–10 10 Macht die Leitbahnen durchgängig und die Sinne frei
Mori fructus Sangshen 10–15 10 Ergänzt das Xue, stützt und ergänzt das Yin
Einnahmemodus: Dekokt (Zubereitung Kap. 6, Einführung)
Erläuterung: Angelicae sinensis radix (Danggui) ergänzt und bewegt das Xue, während Chuanxiong rhizoma (Chuanxiong) hauptsächlich das Xue bewegt. Rehmanniae radix praeparata (Shudihuang), Paeoniae radix lactiflora (Baishao) und Mori fructus (Sangshen) ergänzen das Xue und stützen das Yin. Bupleuri radix (Chaihu) hat einen starken Bezug zum Fk Leber (o. hepaticus, gan) und bewegt und reguliert das Qi. Acori rhizoma (Shichangpu) macht die Sinnesöffnungen frei.
Diätetik: wie unter C
Akupunktur

Indikationsabhängig wichtige Akupunkturpunkte (je nach Befund kann die Behandlung weiterer, hier nicht aufgeführter Akupunkturpunkte erforderlich sein)

Deutsche Bezeichnung Lateinische Bezeichnung Deutsche Übersetzung des chinesischen Namens Pinyin Lokalisation Erläuterung
Lokale Punkte
3E 17 T 17 Schutzschirm gegen Wind yifeng Am Vorderrand des Processus mastoideus, wo das Ohrläppchen bei Druck den Processus berührt Macht lokal die Leitbahnen durchgängig, löst lokal den Qi- und Xue-Fluss
Gb 2 F 2 Versammlungspunkt für das Gehör tinghui Vor dem Ohr, bei geöffnetem Mund in einer Vertiefung auf der Höhe der Incisura intertragica an der unteren Grenze des Processus condylaris der Mandibula Macht lokal die Leitbahnen durchgängig, löst lokal den Qi- und Xue-Fluss
Periphere Punkte
Mi 6 L 6 Die Verbindung der drei Yin sanyinjiao 3 cun oberhalb des Malleolus internus am Hinterrand der Tibia Stärkt die Fähigkeit des Fk Milz (o. lienalis, pi), Xue zu erzeugen
Ma 36 S 36 Dritter Weiler am Fuß zusanli 3 cun unterhalb der Patellaunterkante, 1 cun fibular der Tibiakante, auf Höhe der Tuberositas tibiae Stärkt die Fähigkeit des Fk Milz (o. lienalis, pi), Xue zu erzeugen
Bl 17 V 17 Einflusspunkt des Zwerchfells geshu 1,5 cun lateral des Dornfortsatzes des 7. BWK Stärkt die Fähigkeit des Fk Milz (o. lienalis, pi), Xue zu erzeugen
Bl 20 V 20 Einflusspunkt des Mitten-Funktionskreises pishu 1,5 cun lateral des Dornfortsatzes des 11. BWK Stärkt die Fähigkeit des Fk Milz (o. lienalis, pi), Xue zu erzeugen
Energetische Schwäche (depletio, xu) des Yin des Fk Niere (yin renale, shenyin)
Hauptsymptome
  • Typisch verlängerter Krankheitsverlauf

  • Schwaches Zirpen in den Ohren wie von Zikaden

  • Zunehmende Schwerhörigkeit

  • Schwindel

  • Mögliche Allgemeinsymptome: Schlaflosigkeit, Samenverlust, trockener Mund und trockene Kehle, trübe Sicht, Hitzegefühl auf Fußsohlen, Handflächen und im Brustbereich, Nachtschweiß, Lenden- und Knieschmerzen

  • Zungenkörper: rot; Zungenbelag: dünn

  • Pulse: zart und beschleunigt (minuti und celeri, xi shu)

Krankheitsmechanismus
Energetische Schwäche (depletio, xu) des Yin des Fk Niere (yin renale, shenyin) entsteht durch übermäßige sexuelle Aktivität, angeborene Schwäche, Alterung oder chronische Krankheiten. Der Fk Niere (o. renalis, shen) dominiert die Ohren (5. Kapitel des Huangdi Neijing Suwen), und der Fk Niere (o. renalis, shen) erhält Struktivpotential jing von den fünf Speicherfunktionskreisen (oo. horreales, zang) und sechs Durchgangsfunktionskreisen (oo. aulici, fu) (1. Kapitel des Huangdi Neijing Suwen). Bei energetischer Schwäche (depletio, xu) des Yin des Fk Niere (yin renale, shenyin) werden die Ohren nicht mehr ausreichend ernährt, und es kann Tinnitus entstehen.
Therapeutisches Vorgehen

Stützen des Yin des Fk Niere (yin renale, shenyin)

Arzneitherapie

Basisrezeptur: Modifizierte Die linke Seite fördernde Magnetitum-Pille gegen Schwerhörigkeit (Erlong zuoci wan)

Arznei Pinyin Klassische Tagesdosis (g) Modifizierte Tagesdosis (g) Erläuterung
Rehmanniae radix praeparata Shudihuang 10–30 12 Stützt und ergänzt das Yin
Corni fructus Shanzhuyu 4–12 10 Stützt und ergänzt das Yin
Dioscoreae rhizoma Shanyao 10–30 10 Stützt und ergänzt das Yin
Moutan cortex Mudanpi 3–12 6 Kühlt und bewegt das Xue
Alismatis rhizoma Zexie 3–15 6 Diuretisch, leitet Feuchtigkeit-Hitze (calor humidus, shire) aus
Poria Fuling 10–15 6 Diuretisch, beruhigt und gleicht aus
Bupleuri radix Chaihu 3–12 3 Löst die Oberfläche (extima, biao), bewegt und reguliert das Qi
Magnetitum Cishi 15–30 15 Stützt und ergänzt das Yin
Acori rhizoma Shichangpu 3–10 10 Macht die Leitbahnen durchgängig und die Sinne frei
Einnahmemodus: Dekokt (Zubereitung Kap. 6, Einführung)
Erläuterung: Grundrezept ist hier die Rehmannia-Pille mit sechs Geschmacksrichtungen (Liuwei dihuang wan). Die Hauptarznei Rehmanniae radix praeparata (Shudihuang) stützt und ergänzt sehr stark das Yin des Fk Niere (yin renale, shenyin). Corni fructus (Shanzhuyu) nährt den Fk Leber (o. hepaticus, gan) und raut das Struktivpotential jing auf. Dioscoreae rhizoma (Shanyao) stützt das Yin und hat einen starken Bezug zum Fk Milz (o. lienalis, pi). Alismatis rhizoma (Zexie) und Poria (Fuling) wirken ausleitend. Moutan cortex (Mudanpi) kühlt das Xue und zerstreut wurzelloses Yang aus dem Fk Niere (o. renalis, shen). Bupleuri radix (Chaihu), Magnetitum (Cishi) und Acori rhizoma (Shichangpu) werden bei einer energetischen Schwäche des Fk Niere (o. renalis, shen) hinzugefügt, wenn dabei Tinnitus und Schwerhörigkeit entstanden sind.

Alternative Basisrezeptur: Modifizierte Pille mit Anemarrhena, Phellodendron und Rehmannia (Zhibai dihuang wan)

ArzneiPinyinKlassische Tagesdosis (g)Modifizierte Tagesdosis (g)Erläuterung
Anemarrhenae rhizomaZhimu6–129Ergänzt die Säfte (jinye), stützt und ergänzt das Yin
Phellodendri cortexHuangbai3–109Leitet Feuchtigkeit-Hitze (calor humidus, shire) aus
Rehmanniae radix praeparataShudihuang10–3012Stützt und ergänzt das Yin
Corni fructusShanzhuyu4–1210Stützt und ergänzt das Yin
Dioscoreae oppositae rhizomaShanyao10–3010Stützt und ergänzt das Yin
Moutan cortex radicisMudanpi3–126Kühlt und bewegt das Xue
Alismatis rhizomaZexie3–156Diuretisch, leitet Feuchtigkeit-Hitze (calor humidus, shire) aus
PoriaFuling10–156Diuretisch, beruhigt und gleicht aus
Einnahmemodus: Dekokt (Zubereitung Kap. 6, Einführung)
Erläuterung: Hierbei ist die Rehmannia-Pille mit sechs Geschmacksrichtungen (Liuwei dihuang wan) um Anemarrhenae rhizoma (Zhimu) und Phellodendri cortex (Huangbai) ergänzt worden. Diese Rezeptur stützt das Yin und leitet Glut (ardor, huo) aus. Sie wird vor allem bei energetischer Schwäche (depletio, xu) des Fk Niere (o. renalis, shen) mit sich nach oben lösendem Yang des Fk Niere (yang renale, shenyang) eingesetzt.
Diätetik

Grundsätzliche, indikationsabhängige Empfehlungen zur Ernährung

Empfehlenswert Leichte, Säfte spendende, salzige oder leicht bittere Speisen (Kolbenhirse, Hülsenfrüchte, Tintenfisch)
Nicht empfehlenswert Kalte und rohe Lebensmittel
Akupunktur

Indikationsabhängig wichtige Akupunkturpunkte (je nach Befund kann die Behandlung weiterer, hier nicht aufgeführter Akupunkturpunkte erforderlich sein)

Deutsche Bezeichnung Lateinische Bezeichnung Deutsche Übersetzung des chinesischen Namens Pinyin Lokalisation Erläuterung
Lokale Punkte
3E 21 T 21 Pforte des Ohres ermen Vor dem Ohr, bei geöffnetem Mund in der Vertiefung auf Höhe der Incisura supratragica und etwas oberhalb des Processus condylaris der Mandibula Macht lokal die Leitbahnen und die Ohren durchgängig
Gb 2 F 2 Versammlungspunkt für das Gehör tinghui Vor dem Ohr, bei geöffnetem Mund in einer Vertiefung auf der Höhe der Incisura intertragica an der unteren Grenze des Processus condylaris der Mandibula Macht lokal die Leitbahnen und die Ohren durchgängig
Periphere Punkte
Ni 3 R 3 Mächtiger Wasserlauf taixi Auf der Mitte der Verbindungslinie zwischen Malleolus medialis und der Achillessehne Nährt und stützt das Yin des Fk Niere (yin renale, shenyin), kühlt Hitze (calor, re)
Ni 7 R 7 Der zurückfließende Strom fuliu 2 cun proximal von Ni 3/R 3 am Vorderrand der Achillessehne Nährt und stützt das Yin des Fk Niere (yin renale, shenyin), kühlt Hitze (calor, re)
Mi 6 L 6 Die Verbindung der drei Yin sanyinjiao 3 cun oberhalb des Malleolus internus am Hinterrand der Tibia Stärkt das Yin, beseitigt Hitze (calor, re)
Energetische Schwäche (depletio, xu) des Qi des Fk Niere (qi renale, shenqi)
Hauptsymptome
  • Tinnitus klingend wie Zikaden

  • Schlechter in der Nacht

  • Mögliche Allgemeinsymptome: Meiden von Kälte, frostige Glieder, Lenden- und Knieschmerzen und -schwäche, Samenverlust, Impotenz, klarer, reichlicher Urin, Müdigkeit, allgemeine Schwäche, verminderte Nahrungsaufnahme, Durchfall, blasse Gesichtsfarbe

  • Zungenkörper: blass; Zungenbelag: weißlich

  • Pulse: zart und schwach (minuti und invalidi, xi ruo)

Krankheitsmechanismus
Eine energetische Schwäche (depletio, xu) des Qi des Fk Niere (qi renale, shenqi) kann durch Alterung, frühe oder übermäßige sexuelle Aktivitäten etc. entstehen. Sobald eine energetische Schwäche (depletio, xu) des Qi des Fk Niere (qi renale, shenqi) besteht, wird als erstes weniger Struktivpotential jing erzeugt und umgewandelt, da das Qi des Fk Niere (qi renale, shenqi) und das Struktivpotential jing sich wechselseitig erzeugen und umwandeln. Zum zweiten lässt der Fk Niere (o. renalis, shen) in seiner Speicherfunktion nach, was zu einem Verlust und dadurch zu einer Schwächung des Struktivpotentials jing führt. Der Fk Niere (o. renalis, shen) dominiert die Ohren (5. Kapitel des Huangdi Neijing Suwen). Daher rührt die Fähigkeit zu hören hauptsächlich auf der Ernährung mit Struktivpotential jing. Qi des Fk Niere (qi renale, shenqi) erzeugt Struktivpotential jing, und Struktivpotential jing erzeugt Mark (Neben-Fk Rückenmark, paraorbis medullae, sui). Der Neben-Fk Gehirn (paraorbis cerebri, nao) ist das Meer des Neben-Fk Rückenmark (paraorbis medullae, sui) (33. Kapitel des Huangdi Neijing Lingshu). Bei energetischer Schwäche (depletio, xu) des Qi des Fk Niere (qi renale, shenqi) wird weniger Mark (Neben-Fk Rückenmark, paraorbis medullae, sui) erzeugt. Daher kann Tinnitus entstehen.
Therapeutisches Vorgehen

Stützen und Festigen des Qi des Fk Niere (qi renale, shenqi)

Arzneitherapie

Basisrezeptur: Modifizierte Pille mit Cistanchis (Congrong wan)

Arznei Pinyin Klassische Tagesdosis (g) Modifizierte Tagesdosis (g) Erläuterung
Cistanchis herba Roucongrong 10–20 10 Stützt das Yang, erwärmt das Yang
Corni fructus Shanzhuyu 4–12 10 Stützt das Struktivpotential jing, stützt und ergänzt das Yin
Acori rhizoma Shichangpu 3–10 10 Macht die Leitbahnen durchgängig und die Sinne frei
Cuscutae semen Tusizi 6–15 10 Stützt das Yang, stützt und ergänzt das Qi, hebt das Qi empor
Magnetitum Cishi 15–30 15 Senkt das Qi ab, beruhigt und gleicht aus
Eucommiae cortex Duzhong 6–15 10 Stützt das Yang, bewegt und reguliert das Qi
Drynariae rhizoma Gusuibu 3–15 10 Stützt das Yang
Cervi cornu Lurong 0,3–0,9 1 Stützt das Yang
Einnahmemodus: Dekokt (Zubereitung Kap. 6, Einführung)
Erläuterung: Cistanchis herba (Roucongrong), Cuscutae semen (Tusizi), Eucommiae cortex (Duzhong), Drynariae rhizoma (Gusuibu) und Cervi cornu (Lurong) sind alle Arzneimittel der Gruppe der Yang stützenden und ergänzenden Arzneimittel und haben einen starken Bezug zum Fk Niere (o. renalis, shen). Corni fructus (Shanzhuyu) führt dem Fk Niere (o. renalis, shen) Energie zu. Magnetitum (Cishi) wirkt beruhigend, das Qi absenkend und den Fk Niere (o. renalis, shen) stützend. Acori rhizoma (Shichangpu) macht die Sinnesöffnungen frei.

Alternative Basisrezeptur: Die nach rechts gehende Pille (Yougui wan)

ArzneiPinyinKlassische Tagesdosis (g)Modifizierte Tagesdosis (g)Erläuterung
Aconiti radix lateralis praeparataFuzi1–109Hebt das Yang empor, wärmt und stützt
Cinnamomi cassiae cortexRougui1–39Stützt und erwärmt das Yang, stützt und ergänzt das Qi
Cervi colla cornuLujiaojiao3–96Ergänzt und mehrt das Yang
Rehmanniae radix praeparataShudihuang10–3015Ergänzt das Xue, stützt und ergänzt das Yin
Corni fructusShanzhuyu4–1215Stützt das Struktivpotential jing, stützt und ergänzt das Yin
Dioscoreae rhizomaShanyao10–3015Stützt und ergänzt das Qi
Lycii fructusGouqizi3–129Stützt und ergänzt das Yin
Cuscutae semenTusizi6–1515Stützt das Yang, stützt und ergänzt das Qi und hebt es empor
Eucommiae cortexDuzhong6–159Stützt das Yang, bewegt und reguliert das Qi
Angelicae sinensis radixDanggui3–1012Ergänzt und bewegt das Xue
Einnahmemodus: Dekokt (Zubereitung Kap. 6, Einführung)
Erläuterung: Die Hauptarzneien Aconiti radix lateralis praeparata (Fuzi), Cinnamomi cassiae cortex (Rougui) und Cervi colla cornu (Lujiaojiao) wärmen und stützen das Yang des Fk Niere (yang renale, shenyang). Rehmanniae radix praeparata (Shudihuang), Corni fructus (Shanzhuyu), Dioscoreae rhizoma (Shanyao), Lycii fructus (Gouqizi) und Eucommiae cortex (Duzhong) nähren als Ministerarzneien das Yin und die Fk Niere und Leber (oo. renalis et hepaticus, shen gan) und stützen den Fk Milz (o. lienalis, pi). Angelicae sinensis radix (Danggui) wird beigegeben, um das Xue und den Fk Leber (o. hepaticus, gan) zu kräftigen.
Diätetik

Grundsätzliche, indikationsabhängige Empfehlungen zur Ernährung

Empfehlenswert Salzige oder scharfe, wärmende Speisen (chinesischer Lauch, Walnuss, Weintraube, Hirschfleisch)
Nicht empfehlenswert Kalte, rohe Nahrungsmittel, Alkohol im Übermaß
Akupunktur

Indikationsabhängig wichtige Akupunkturpunkte (je nach Befund kann die Behandlung weiterer, hier nicht aufgeführter Akupunkturpunkte erforderlich sein)

Deutsche Bezeichnung Lateinische Bezeichnung Deutsche Übersetzung des chinesischen Namens Pinyin Lokalisation Erläuterung
Lokale Punkte
3E 17 T 17 Schutzschirm gegen Wind yifeng Am Vorderrand des Processus mastoideus, wo das Ohrläppchen bei Druck den Processus berührt Hebt das Yang an, macht die Ohren durchgängig
Gb 2 F 2 Versammlungspunkt für das Gehör tinghui Vor dem Ohr, bei geöffnetem Mund in einer Vertiefung auf der Höhe der Incisura intertragica an der unteren Grenze des Processus condylaris der Mandibula Hebt das Yang an, macht die Ohren durchgängig
Du 20 Rg 20 Zusammenkunft aller Leitbahnen baihui An der höchsten Stelle des Kopfes, am Schnittpunkt der Medianen mit der Verbindungslinie zwischen den höchsten Punkten der Ohrmuscheln Hebt das Yang an, macht die Ohren durchgängig
Periphere Punkte
Ren 4 Rs 4 Das erste der Passtore guanyuan 3 cun unterhalb des Nabels Wärmt und stützt das Qi des Fk Niere (qi renale, shenqi)
Ren 6 Rs 6 Meer des Qi qihai In der vorderen Medianlinie, 1,5 cun unter dem Nabel bzw. 3,5 cun über der Symphysenoberkante Wärmt und stützt das Qi des Fk Niere (qi renale, shenqi)
Fehlendes Zusammenwirken zwischen den Fk Herz (o. cardialis, xin) und Fk Niere (o. renalis, shen)
Hauptsymptome
  • An- und Abschwellen des Tinnitus

  • Nicht sehr lautes Klingen in den Ohren

  • Schlechter nach zu wenig Schlaf

  • Schwerhörigkeit überwiegt Tinnitus

  • Mögliche Allgemeinsymptome: Rastlosigkeit, Schlaflosigkeit, Palpitationen, Vergesslichkeit, Lenden- und Knieschmerzen und -schwäche, intermittierendes Fieber, Nachtschweiße, spärlicher, dunkler Urin

  • Zungenkörper: rot; Zungenbelag: spärlich

  • Pulse: zart und beschleunigt (minuti und celeri, xi shu)

Krankheitsmechanismus
Durch übermäßige Glut (ardor, huo) im Fk Herz (o. cardialis, xin), verursacht entweder durch ein Übermaß an den fünf Emotionen oder energetische Schwäche (depletio, xu) des Qi des Fk Niere (qi renale, shenqi) durch sexuelle Exzesse, Masturbation etc., kann die Wechselbeziehung zwischen den Fk Herz und Niere (oo. cardialis et renalis, xin shen) zusammenbrechen. Physiologischerweise sollte der Fk Herz (o. cardialis, xin) mit dem Fk Niere (o. renalis, shen) von oben nach unten interagieren und umgekehrt. Wenn dies nicht geschieht, entweder aufgrund von zu viel Glut (ardor, huo) im Fk Herz (o. cardialis, xin) oder energetischer Schwäche (depletio, xu) des Qi des Fk Niere (qi renale, shenqi), wird das Zusammenwirken zwischen den Fk Herz und Niere (oo. cardialis et renalis, xin shen) unterbrochen. In diesem Falle kann Glut (ardor, huo) des Fk Herz (o. cardialis, xin) alleine hochflackern oder ministerielles Feuer (ignis ministri, mingmen zhi huo), dessen untere Quelle das Feuer der Pforte des Lebensloses (porta fortunae, mingmen) ist, kann in den Fk Herz (o. cardialis, xin) eindringen. In diesem letzten Fall verbindet sich ministerielles Feuer (ignis ministri, mingmen zhi huo) mit Glut (ardor, huo) des Fk Herz (o. cardialis, xin) und lodert auf. Wenn Glut (ardor, huo) des Fk Herz (o. cardialis, xin) hochflackert und die Ohren stört, entsteht Tinnitus.
Therapeutisches Vorgehen

  • 1.

    Stützen des Yin

  • 2.

    Absenken von Glut (ardor, huo)

  • 3.

    Verbessern der Kommunikation zwischen Fk Herz (o. cardialis, xin) und Fk Niere (o. renalis, shen)

Arzneitherapie

Basisrezeptur: Modifiziertes Dekokt mit Coptis und Gelatinum (Huanglian ejiao tang)

Arznei Pinyin Klassische Tagesdosis (g) Modifizierte Tagesdosis (g) Erläuterung
Coptidis rhizoma Huanglian 1–10 6 Kühlt Hitze (calor, re), leitet Glut (ardor, huo) aus
Scutellariae radix Huangqin 6–15 6 Kühlt Hitze (calor, re), leitet Glut (ardor, huo) aus
Asini corii colla Ejiao 3–15 5 Stützt und ergänzt das Yin
Paeoniae radix lactiflora Baishao 3–15 6 Ergänzt das Xue
Magnetitum Cishi 15–30 20 Senkt das Yang ab, stützt und ergänzt das Yin
Acori rhizoma Shichangpu 3–10 10 Macht die Leitbahnen durchgängig und die Sinne frei
Eigelb 1 Stück Leitet Hitze (calor, re) aus, erzeugt Xue
Einnahmemodus: Dekokt (Zubereitung Kap. 6, Einführung)
Erläuterung: Coptidis rhizoma (Huanglian) und Scutellariae radix (Huangqin) als Hauptarzneien beseitigen Hitze (calor, re) aus dem Fk Herz (o. cardialis, xin) und beruhigen zusammen mit der dritten Hauptarznei Asini corii colla (Ejiao), die durch Nähren des Yin des Fk Niere (yin renale, shenyin) indirekt die Glut (ardor, huo) des Fk Herz (o. cardialis, xin) kontrolliert, die konstellierende Kraft shen. Unterstützt werden diese Arzneien durch die Ministerarznei Eigelb, die sowohl Hitze (calor, re) kühlt als auch das Xue nährt. Paeoniae radix lactiflora (Baishao) hilft Asini corii colla (Ejiao), das Yin zurückzuhalten und zu nähren.
Diätetik: wie unter E
Akupunktur

Indikationsabhängig wichtige Akupunkturpunkte (je nach Befund kann die Behandlung weiterer, hier nicht aufgeführter Akupunkturpunkte erforderlich sein)

Deutsche Bezeichnung Lateinische Bezeichnung Deutsche Übersetzung des chinesischen Namens Pinyin Lokalisation Erläuterung
Lokale Punkte
3E 17 T 17 Schutzschirm gegen Wind yifeng Am Vorderrand des Processus mastoideus, wo das Ohrläppchen bei Druck den Processus berührt Macht lokal die Leitbahnen und die Ohren durchgängig
Dü 19 IT 19 Palast des Gehörs tinggong In einer Vertiefung zwischen Tragus und Kiefergelenk bei leichter Mundöffnung Macht lokal die Leitbahnen und die Ohren durchgängig
Periphere Punkte
Pe 7 Pc 7 Großer Grabhügel daling In der Mitte des ventralen Handgelenkspalts (distalste Handgelenksbeugefalte) zwischen den Sehnen der Mm. palmaris longus und flexor carpi radialis Senkt Glut (ardor, huo) des Fk Herz (o. cardialis, xin) ab
Ni 3 R 3 Mächtiger Wasserlauf taixi Auf der Mitte der Verbindungslinie zwischen Malleolus medialis und der Achillessehne Nährt das Yin des Fk Niere
(o. renalis, shen)
Ren 7 Rs 7 Verknüpfung der Yin-Leitbahnen yinjiao In der vorderen Medianlinie, 1 cun unterhalb des Bauchnabels Stärkt das Yin, verbessert die Kommunikation zwischen Fk Herz und Niere (oo. cardialis
et renalis, xin shen)
Modifikation: Bei Nachtschweiß: He 6/C 6 (Spaltpunkt des kleinen Yin, yinxi) und Ni 7/R 7 (Der zurückfließende Strom, fuliu)
Energetische Schwäche (depletio, xu) des Qi des Fk Milz (qi lienale, piqi)
Hauptsymptome
  • Tinnitus schlimmer bei Belastung oder nach Aufstehen aus der Hocke

  • Plötzliches, gelegentlich leeres, kaltes Gefühl in den Ohren

  • Mögliche Allgemeinsymptome: Müdigkeit, allgemeine Schwäche, verminderte Nahrungsaufnahme, Schweregefühl im Abdomen nach dem Essen, blassgelbe Gesichtsfarbe, Durchfall, blasse Lippen

  • Zungenkörper: blass; Zungenbelag: dünn, weiß

  • Pulse: schwach und erschöpft (invalidi und depleti, ruo xu)

Krankheitsmechanismus
Konstitutionelle Schwäche, Diätfehler mit Beschädigung der Fk Milz und Magen (oo. lienalis et stomachi, pi wei), chronische Krankheiten, übermäßiges Grübeln, Ängstlichkeit oder Sorgen können zu einer energetischen Schwäche (depletio, xu) des Qi des Fk Milz (qi lienale, piqi) führen.
Der Fk Milz (o. lienalis, pi) ist die Quelle der Erzeugung und Umwandlung von Qi und Xue. Die Fähigkeit zu hören beruht auf der Erwärmung und Ernährung durch Qi und Xue. Bei energetischer Schwäche (depletio, xu) des Qi des Fk Milz (qi lienale, piqi) werden daher die Ohren ausreichender Ernährung beraubt. In Folge kann Tinnitus entstehen. Darüber hinaus kann klares Qi nicht bereitgestellt werden, um die Ohren zu ernähren, und Feuchtigkeit (humor, shi) kann nicht umgewandelt werden. Das kann zu einer Blockade in den Netzleitbahnen (reticulares, luomai) in den Ohren führen. Feuchtigkeit (humor, shi) als Schrägläufigkeit (Heteropathie, xie) ist eine Art Flüssigkeit, und ihre Natur ist es zu fließen. Wenn sie zu langsam fließt, kann Tinnitus entstehen.
Therapeutisches Vorgehen

  • 1.

    Stärken der Mitte (Fk Milz und Magen, oo. lienalis et stomachi, pi wei)

  • 2.

    Stützen des Qi des Fk Milz (qi lienale, piqi)

Arzneitherapie

Basisrezeptur: Modifiziertes Dekokt, das die Energien der Mitte ergänzt und das Qi vermehrt (Buzhong yiqi tang)

Arznei Pinyin Klassische Tagesdosis (g) Modifizierte Tagesdosis (g) Erläuterung
Astragali radix Huangqi 10–15 15 Stützt und ergänzt das Qi
Codonopsis radix Dangshen 3–15 10 Stützt und ergänzt das Qi, hebt das Qi empor, harmonisiert und stützt die mittleren Funktionskreise
Glycyrrhizae radix Gancao 1–15 3 Stützt und ergänzt das Qi, harmonisiert und stützt die mittleren Funktionskreise
Atractylodis macrocephalae rhizoma Baizhu 3–10 10 Stützt und ergänzt das Qi, harmonisiert und stützt die mittleren Funktionskreise
Angelicae sinensis radix Danggui 3–10 6 Ergänzt und bewegt das Xue
Cimicifugae rhizoma Shengma 1–10 3 Löst die Oberfläche (extima, biao), hebt das Qi empor
Bupleuri radix Chaihu 3–12 3 Bewegt und reguliert das Qi und hebt es empor
Citri reticulatae pericarpium Chenpi 3–10 6 Bewegt, reguliert, stützt und ergänzt das Qi und senkt es ab
Acori rhizoma Shichangpu 3–10 10 Macht die Leitbahnen durchgängig und die Sinne frei, harmonisiert und stützt die mittleren Funktionskreise
Puerariae radix Gegen 3–15 10 Hebt das Qi empor, ergänzt die Säfte (jinye)
Einnahmemodus: Dekokt (Zubereitung Kap. 6, Einführung)
Erläuterung: Die Hauptarznei Astragali radix (Huangqi) wirkt stark das Qi stützend und hebt das Yang-Qi der Fk Milz und Magen (oo. lienalis et stomachi, pi wei) nach oben. Codonopsis radix (Dangshen), Atractylodis macrocephalae rhizoma (Baizhu) und Glycyrrhizae radix (Gancao) stützen und ergänzen das Qi des Fk Milz (qi lienale, piqi). Angelicae sinensis radix (Danggui) ergänzt und bewegt das Xue, Citri reticulatae pericarpium (Chenpi) reguliert das Qi. Cimicifugae rhizoma (Shengma), Bupleuri radix (Chaihu) und Puerariae radix (Gegen) tragen dazu bei, das Yang-Qi nach oben zu bringen. Acori rhizoma (Shichangpu) macht die Leitbahnen durchgängig und die Sinne frei.

Alternative Basisrezeptur: In den Fk Milz einfließendes Dekokt (Guipi tang)

ArzneiPinyinKlassische Tagesdosis (g)Modifizierte Tagesdosis (g)Erläuterung
Codonopsis radixDangshen3–1515Stützt und ergänzt das Qi, hebt das Qi empor, harmonisiert und stützt die mittleren Funktionskreise
Astragali radixHuangqi10–1512Stützt und ergänzt das Qi
Atractylodis macrocephalae rhizomaBaizhu3–109Stützt und ergänzt das Qi, harmonisiert und stützt die mittleren Funktionskreise
Glycyrrhizae radixGancao1–159Stützt und ergänzt das Qi, harmonisiert und stützt die mittleren Funktionskreise
Longanae arillusLongyanrou6–1512Stützt und ergänzt Qi, Xue und Yin
Angelicae sinensis radixDanggui3–1012Ergänzt und bewegt das Xue
Zizyphi spinosae semenSuanzaoren10–1530Stützt und ergänzt das Yin
PoriaFuling10–159Diuretisch, beruhigt und gleicht aus
Polygalae radixYuanzhi3–109Macht die Leitbahnen durchgängig und die Sinne frei
Aucklandiae radixMuxiang1–109Bewegt, reguliert, stützt und ergänzt das Qi
Zingiberis rhizoma recensShengjiang2–6 Scheiben3 ScheibenLöst die Oberfläche (extima, biao), zerstreut Kälte (algor, han)
Jujubae fructusDazao3–10 Stück5 StückStützt und ergänzt das Qi, harmonisiert und stützt die mittleren Funktionskreise
Einnahmemodus: Dekokt (Zubereitung Kap. 6, Einführung)
Erläuterung: Die Hauptarzneien Codonopsis radix (Dangshen) und Astragali radix (Huangqi) stützen sehr intensiv den Fk Milz (o. lienalis, pi). Atractylodis macrocephalae rhizoma (Baizhu) und Glycyrrhizae radix (Gancao) stärken ebenfalls den Fk Milz (o. lienalis, pi). Longanae arillus (Longyanrou) kräftigt das Xue und beruhigt die konstellierende Kraft shen. Die Fähigkeit von Angelicae sinensis radix (Danggui), das Xue zu ergänzen und zu bewegen, wird durch die Kombination mit Astragali radix (Huangqi) verstärkt. Zizyphi spinosae semen (Suanzaoren) und Poria (Fuling) beruhigen beide die konstellierende Kraft shen und unterstützen die Hauptarzneien in ihrer Wirkung. Polygalae radix (Yuanzhi) fördert den Qi-Fluss im Fk Herz (o. cardialis, xin) und beruhigt dadurch die konstellierende Kraft shen. Aucklandiae radix (Muxiang) wirkt vor allem in Kombination mit Atractylodis macrocephalae rhizoma (Baizhu) stark Qi regulierend und den Fk Milz (o. lienalis, pi) belebend. Zingiberis rhizoma recens (Shengjiang) und Jujubae fructus (Dazao) unterstützen die Wirkungen der anderen Arzneien.
Diätetik

Grundsätzliche, indikationsabhängige Empfehlungen zur Ernährung

Empfehlenswert Wärmende, süße Nahrungsmittel (Weizen, Rundkornreis, gelbe Sojabohne, Erdnuss, Karotte, Apfel)
Nicht empfehlenswert Kalte, rohe Speisen
Akupunktur

Indikationsabhängig wichtige Akupunkturpunkte (je nach Befund kann die Behandlung weiterer, hier nicht aufgeführter Akupunkturpunkte erforderlich sein)

Deutsche Bezeichnung Lateinische Bezeichnung Deutsche Übersetzung des chinesischen Namens Pinyin Lokalisation Erläuterung
Lokale Punkte
3E 17 T 17 Schutzschirm gegen Wind yifeng Am Vorderrand des Processus mastoideus, wo das Ohrläppchen bei Druck den Processus berührt Macht lokal die Leitbahnen durchgängig, löst lokal den Qi- und Xue-Fluss
Gb 2 F 2 Versammlungspunkt für das Gehör tinghui Vor dem Ohr, bei geöffnetem Mund in einer Vertiefung auf der Höhe der Incisura intertragica an der unteren Grenze des Processus condylaris der Mandibula Macht lokal die Leitbahnen durchgängig, löst lokal den Qi- und Xue-Fluss
Periphere Punkte
Ma 36 S 36 Dritter Weiler am Fuß zusanli 3 cun unterhalb der Patellaunterkante, 1 cun fibular der Tibiakante, auf Höhe der Tuberositas tibiae Stärkt den Fk Milz (o. lienalis, pi)
Bl 21 V 21 Einflusspunkt des Magen-Funktionskreises weishu 1,5 cun lateral des Dornfortsatzes des 12. BWK Stärkt den Fk Milz (o. lienalis, pi)
Bl 20 V 20 Einflusspunkt des Mitten-Funktionskreises pishu 1,5 cun lateral des Dornfortsatzes des 11. BWK Stärkt den Fk Milz (o. lienalis, pi)
Schleim-Glut (ardor pituitae, tanhuo)
Hauptsymptome
  • Tinnitus klingt wie ein Strom oder kräftiger Regen

  • Verminderte Hörschärfe

  • Druckgefühl in den Ohren

  • Mögliche Allgemeinsymptome: trüber Kopf mit Schweregefühl, Fülle- und Druckgefühl in Brust und Magen, Husten mit reichlich Schleim, wenig Urin, Verstopfung

  • Zungenkörper: rot; Zungenbelag: gering, gelblich

  • Pulse: saitenförmig und schlüpfrig (chordales und lubrici, xian hua)

Krankheitsmechanismus
Durch unregelmäßige Nahrungsaufnahme und falsche Ernährung mit Beschädigung des Fk Milz (o. lienalis, pi) sammelt sich Schleim (pituita, tan) an. Durch emotionales Ungleichgewicht kann es zur Stagnation des Qi des Fk Leber (qi hepatici, ganqi) kommen, die Hitze (calor, re) erzeugen kann. Die Hauptleitbahn Überstrahlung des Yang (splendor yang, yangming) des Fußes ist direkt mit den Ohren verbunden. Wenn Hitze (calor, re) mit Schleim (pituita, tan) entlang der Leitbahn nach oben steigt, kann Tinnitus entstehen. Darüber hinaus ist Schleim (pituita, tan) als Schrägläufigkeit (Heteropathie, xie) eine Art Flüssigkeit, und ihre Natur ist es zu fließen. Wenn sie nicht fließt, entsteht Tinnitus.
Therapeutisches Vorgehen

  • 1.

    Kühlen von Hitze (calor, re)

  • 2.

    Umwandeln von Schleim (pituita, tan)

  • 3.

    Harmonisieren des Fk Magen (o. stomachi, wei)

Arzneitherapie

Basisrezeptur: Modifiziertes Den Fk Gallenblase erwärmendes Coptis-Dekokt (Huanglian wendan tang)

Arznei Pinyin Klassische Tagesdosis (g) Modifizierte Tagesdosis (g) Erläuterung
Bambusae caulis in taeniam Zhuru 5–10 6 Kühlt Hitze (calor, re), wandelt Schleim-Hitze (calor pituitae, tanre) um
Aurantii fructus immaturus Zhishi 3–9 6 Kanalisiert Schleim (pituita, tan)
Pinelliae rhizoma Banxia 3–12 10 Wandelt Schleim (pituita, tan) um, harmonisiert und stützt die mittleren Funktionskreise
Citri reticulatae pericarpium Chenpi 3–10 10 Bewegt und reguliert das Qi, trocknet Feuchtigkeit (humor, shi)
Poria Fuling 10–15 10 Leitet Feuchtigkeit (humor, shi) aus, harmonisiert und stützt die mittleren Funktionskreise, kanalisiert Schleim (pituita, tan)
Glycyrrhizae radix Gancao 1–15 3 Stützt und ergänzt das Qi, harmonisiert und stützt die mittleren Funktionskreise, leitet Glut (ardor, huo) aus
Coptidis rhizoma Huanglian 1–10 6 Kühlt Hitze (calor, re), leitet Glut (ardor, huo) aus
Einnahmemodus: Dekokt (Zubereitung Kap. 6, Einführung)
Erläuterung: Die Hauptarznei Bambusae caulis in taeniam (Zhuru) beseitigt sehr effektiv Schleim-Glut (ardor pituitae, tanhuo) im Fk Magen (o. stomachi, wei). Dem Grundrezept Dekokt, das den Fk Gallenblase erwärmt (Wendan tang) wurde Coptidis rhizoma (Huanglian) hinzugefügt, um Hitze (calor, re) zu kühlen und zu beruhigen. Aurantii fructus immaturus (Zhishi) wirkt hierbei stark unterstützend. Pinelliae rhizoma (Banxia) und Citri reticulatae pericarpium (Chenpi) leiten Feuchtigkeit (humor, shi) aus, regulieren das Qi und harmonisieren den Qi-Fluss im Fk Magen (o. stomachi, wei). Poria (Fuling) und Glycyrrhizae radix (Gancao) stärken den Fk Milz (o. lienalis, pi), leiten Feuchtigkeit (humor, shi) aus, harmonisieren den mittleren Wärmebereich (mittleres Calorium, zhongjiao) und beruhigen die konstellierende Kraft shen. Coptidis rhizoma (Huanglian) wurde als sehr effektive Arznei zur Beseitigung von Schleim-Glut (ardor pituitae, tanhuo) dem Grundrezept Dekokt, das den Fk Gallenblase erwärmt (Wendan tang) hinzugefügt.
Diätetik

Grundsätzliche, indikationsabhängige Empfehlungen zur Ernährung

Empfehlenswert Kühlende, Schleim (pituita, tan) umwandelnde Nahrungsmittel (Sojamilch, Rettich, Birne, Pampelmuse)
Nicht empfehlenswert Heiße, scharfe, stark gewürzte Speisen
Akupunktur

Indikationsabhängig wichtige Akupunkturpunkte (je nach Befund kann die Behandlung weiterer, hier nicht aufgeführter Akupunkturpunkte erforderlich sein)

Deutsche Bezeichnung Lateinische Bezeichnung Deutsche Übersetzung des chinesischen Namens Pinyin Lokalisation Erläuterung
Lokale Punkte
3E 17 T 17 Schutzschirm gegen Wind yifeng Am Vorderrand des Processus mastoideus, wo das Ohrläppchen bei Druck den Processus berührt Macht lokal die Leitbahnen durchgängig, löst lokal den Qi- und Xue-Fluss
Gb 2 F 2 Versammlungspunkt für das Gehör tinghui Vor dem Ohr, bei geöffnetem Mund in einer Vertiefung auf der Höhe der Incisura intertragica an der unteren Grenze des Processus condylaris der Mandibula Macht lokal die Leitbahnen durchgängig, löst lokal den Qi- und Xue-Fluss
Periphere Punkte
3E 3 T 3 Mittlere Insel zhongzhu In einer Vertiefung des Handrückens zwischen dem 4. und 5. Os metacarpale, in einer Vertiefung proximal des Metacarpophalangeal-Gelenks Löst das Qi der Drei-Wärmebereiche-Leitbahn (c. tricalorii, sanjiao jing), kühlt Hitze (calor, re)
Ma 44 S 44 Innere Vorhalle neiting Distal des Metatarsophalangeal-Gelenks der 2. Zehe an der fibularen Seite in einer Vertiefung an der Aponeurose Löst das Qi der Drei-Wärmebereiche-Leitbahn (c. tricalorii, sanjiao jing), kühlt Hitze (calor, re)
Ma 40 S 40 Üppige Fülle fenglong In der Mitte zwischen Unterkante der Patella und Spitze des Malleolus lateralis, 1 cun lateral von Ma 38/S 38 Wandelt Schleim (pituita, tan) um, leitet Schleim-Glut (ardor pituitae, tanhuo) aus
Qi-Stagnationen und Xue-Stasen
Hauptsymptome
  • Plötzliches Einsetzen des Tinnitus

  • Schwindel

  • Mögliche Allgemeinsymptome: Kopfschmerzen, Reizbarkeit und Unruhe, Spannung und Völlegefühl in Brust und seitlichen Rippenpartien

  • Zungenkörper: dunkel, gestaut; Zungenbelag: dünn

  • Pulse: saitenförmig und rau (chordales und asperi, xian se)

Krankheitsmechanismus
Frustration, die eine Stagnation des Qi des Fk Leber (qi hepatici, ganqi) verursacht, oder Traumata können zu Qi-Stagnationen und Xue-Stasen führen. Qi-Stagnationen können Xue-Stasen zur Folge haben und umgekehrt. Bei Qi-Stagnationen und Xue-Stasen können die Ohren nicht ausreichend ernährt werden. Als Ergebnis kann Tinnitus entstehen.
Therapeutisches Vorgehen

  • 1.

    Bewegen des Qi

  • 2.

    Dynamisieren des Xue

  • 3.

    Umwandeln von Xue-Stasen

Arzneitherapie

Basisrezeptur: Modifiziertes Dekokt, das die Sinnesöffnungen löst und das Xue vorantreibt (Tongqiao huoxue tang)

Arznei Pinyin Klassische Tagesdosis (g) Modifizierte Tagesdosis (g) Erläuterung
Persicae semen Taoren 3–10 10 Bewegt das Xue, löst Stasen des Xue
Carthami flos Honghua 3–10 10 Bewegt das Xue, löst Stasen des Xue, kühlt das Xue
Chuanxiong rhizoma Chuanxiong 1–10 10 Bewegt das Xue, bewegt und reguliert das Qi
Paeoniae radix rubra Chishaoyao 3–10 10 Kühlt und bewegt das Xue
Acori rhizoma Shichangpu 3–10 10 Macht die Leitbahnen durchgängig und die Sinne frei
Curcumae longae tuber Yujin 3–10 10 Bewegt das Xue, löst Stasen des Xue, bewegt und reguliert das Qi
Einnahmemodus: Dekokt (Zubereitung Kap. 6, Einführung)
Erläuterung: Die Hauptarzneien sind hier Persicae semen (Taoren), Carthami flos (Honghua) und Chuanxiong rhizoma (Chuanxiong), die alle drei besonders im Kopfbereich das Xue bewegen und Xue-Stasen lösen. Darin unterstützt werden sie durch Paeoniae radix rubra (Chishaoyao) und Curcumae longae tuber (Yujin). Acori rhizoma (Shichangpu) macht die Sinnesöffnungen frei.
Diätetik

Grundsätzliche, indikationsabhängige Empfehlungen zur Ernährung

Empfehlenswert Das Qi und das Xue bewegende Nahrungsmittel (schwarze Sojabohne, chinesischer Lauch)
Nicht empfehlenswert Heiße, scharfe, stark gewürzte Speisen
Akupunktur

Indikationsabhängig wichtige Akupunkturpunkte (je nach Befund kann die Behandlung weiterer, hier nicht aufgeführter Akupunkturpunkte erforderlich sein)

Deutsche Bezeichnung Lateinische Bezeichnung Deutsche Übersetzung des chinesischen Namens Pinyin Lokalisation Erläuterung
Lokale Punkte
3E 17 T 17 Schutzschirm gegen Wind yifeng Am Vorderrand des Processus mastoideus, wo das Ohrläppchen bei Druck den Processus berührt Macht lokal die Leitbahnen durchgängig, löst lokal den Qi- und Xue-Fluss, bewegt das Xue
Gb 2 F 2 Versammlungspunkt für das Gehör tinghui Vor dem Ohr, bei geöffnetem Mund in einer Vertiefung auf der Höhe der Incisura intertragica an der unteren Grenze des Processus condylaris der Mandibula Macht lokal die Leitbahnen durchgängig, löst lokal den Qi- und Xue-Fluss, bewegt das Xue
Periphere Punkte
Di 4 IC 4 Vereinte Täler hegu Etwa in der Mitte des 2. Mittelhandknochens an der radialen Seite Bewegt das Qi
Pe 6 Pc 6 Inneres Passtor neiguan Zwischen den Sehnen der Mm. palmaris longus und flexor carpi radialis, 2 cun proximal der Handgelenksfalte Wandelt Stasen um
Mi 6 L 6 Die Verbindung der drei Yin sanyinjiao 3 cun oberhalb des Malleolus internus am Hinterrand der Tibia Wandelt Stasen um

Schwindel

Krankheitsbild und Therapie aus westlicher Sicht
Übersicht
Schwindel kann bei einer Vielzahl von Krankheiten auftreten. Außer an vestibuläre ist an orthostatische, kardiale, endokrine, ophthalmologische, halswirbelsäulenbedingte und psychische Ursachen zu denken. Von den vestibulären Schwindelformen sind die peripheren von den zentralen abzugrenzen. In das Hals-Nasen-Ohren-Fachgebiet fallen die peripher-vestibulären Krankheitsbilder. Am häufigsten sind hierbei der benigne paroxysmale Lagerungsschwindel, die Neuritis vestibularis und der Morbus Menire. Seltener sind andere labyrinthäre Erkrankungen wie die Contusio labyrinthi oder Tumoren. Als beispielhaft für eine peripher-vestibuläre Erkrankung soll hier der Morbus Menire besprochen werden.
Klinisches Bild Morbus Menire
  • Es handelt sich um eine in der Regel (70 %) einseitige Erkrankung des kochleovestibulären Organs.

  • Typisch ist die klassische Trias: anfallsweiser, heftiger Drehschwindel (Minuten bis Stunden anhaltend), Hörminderung (anfangs fluktuierend), Tinnitus (meist tieffrequent) im betroffenen Ohr.

  • Die einzelnen Attacken treten meist ohne Prodromi oder erkennbare Auslöser auf, ohne tageszeitliche Bindung, auch aus dem Schlaf heraus.

  • Während der Attacke sieht man einen horizontal rotierenden Nystagmus, eine gerichtete Fallneigung sowie Blässe, Schweißneigung und Erbrechen.

  • Die Menire-Attacke klingt in einem langsamen Decrescendo über viele Minuten bis zu mehreren Stunden langsam ab.

  • Im fortgeschrittenen Stadium ist die fluktuierende, progrediente Hörstörung meist im Tieftonbereich ein wichtiger diagnostischer Hinweis.

  • Die Diagnose des Morbus Menire beruht gelegentlich allein anamnestisch auf dem Verdacht und wird demnach sicher zu häufig gestellt.

  • Die Ätiologie ist unklar. Pathogenetisch konnte ein Endolymphhydrops nachgewiesen werden.

Therapie aus westlicher Sicht
  • Im akuten Anfall: Sedierung, Antiemetika, Antivertiginosa, Glukokortikoide, rheologische Infusionstherapie

  • Bei längerem Verlauf: langfristig Betahistin, evtl. orale Rheologika, transtympanale medikamentöse Zerstörung der Sinnesendstellen des Vestibularorgans mit Gentamicin (chemische Labyrinthausschaltung)

  • Bei mangelndem Ansprechen auf konservative Therapiemaßnahmen und invalidisierenden Schwindelanfällen: operative Therapie (Saccotomie, Saccusdekompression, Vestibulotomie, Labyrinthektomie, Neurektomie des N. vestibularis)

CAVE

Da differentialdiagnostisch eine Reihe von weiteren Erkrankungen in Frage kommt, ist eine fachärztliche Abklärung unbedingt erforderlich.

Krankheitsbild und Therapie aus Sicht der chinesischen Medizin
Übersicht
In der chinesischen Medizin wird Morbus Menire der Kategorie Ohr-Drehschwindel (Erxuanyun) zugerechnet. Man kann davon ausgehen, dass die in der westlichen Medizin am häufigsten anzutreffenden peripheren vestibulären Drehschwindelformen wie der benigne paroxysmale Lagerungsschwindel, die Neuritis vestibularis und der Morbus Menire unter diese Kategorie zu subsummieren sind. Da die Symptomenkonfigurationen sich sehr ähneln, ist es gerechtfertigt, die folgenden Ausführungen auf das Krankheitsbild Drehschwindel allgemein zu beziehen.
Agenzien und Pathogenese
Im Vordergrund stehen innere Schädigungen der Funktionskreise. Man geht zudem davon aus, dass Ohr-Drehschwindel (Erxuanyun) auf die sechs klimatischen, von außen eindringenden Einflüsse zurückzuführen ist. Innere Läsionen der Funktionskreise führen dabei zum Ausbruch der Erkrankung. Innerhalb der inneren Läsionen kann zwischen Wind (ventus, feng), Glut (ardor, huo), Schleim (pituita, tan) und energetischer Schwäche (depletio, xu) differenziert werden.
Das Krankheitsbild Drehschwindel steht in einer sehr engen Beziehung zu den Fk Niere (o. renalis, shen), Fk Milz (o. lienalis, pi) und Fk Leber (o. hepaticus, gan), wobei eine energetische Schwäche (depletio, xu) häufig in den Fk Niere (o. renalis, shen) und Fk Milz (o. lienalis, pi) und eine energetische Überladung (repletio, shi) im Fk Leber (o. hepaticus, gan) zu finden ist.
Differentialdiagnostisch lassen sich folgende Symptomkonfigurationen unterscheiden:
  • A Defizienz des Neben-Fk Gehirn (paraorbis cerebri, nao)

  • B Defizienz des aufsteigenden Qi

  • C Aufsteigen von Kälte (algor, han) infolge von energetischer Schwäche (depletio, xu) des Yang des Fk Niere (yang renale, shenyang)

  • D Den oberen Körperbereich störendes Yang des Fk Leber (yang hepatici, ganyang)

  • E Blockaden von Schleim-Trübem (pituita-Trübes, tanzhuo)

Differenzierte chinesische Therapie
Bei der Behandlung von Drehschwindel sollte man sich an folgenden Prinzipien orientieren: Bei energetischer Überladung (repletio, shi) ist zu dispulsieren, bei energetischer Schwäche (depletio, xu) ist zu suppletieren und zuerst die vordergründige Symptomatik behandeln, bei Nachlassen der Symptomatik die Krankheitswurzel behandeln.
Defizienz des Neben-Fk Gehirn (paraorbis cerebri, nao)
Hauptsymptome
  • Relativ häufig auftretender Drehschwindel

  • Dabei recht starkes Ohrensausen

  • Allmähliches Nachlassen des Hörvermögens

  • Mögliche Allgemeinsymptome: geistige Abgeschlagenheit, Schwäche und Ziehen in Hüften und Knien, Nervosität, Schlafstörungen, viele Träume, Pollutionen, Gedächtnisschwäche, Hitzegefühle auf Fußsohlen und Handflächen

  • Zungenkörper: rot; Zungenbelag: spärlich

  • Pulse: saitenförmig, zart und beschleunigt (chordales, minuti und celeri, xian xi shu)

Krankheitsmechanismus
Bei einer Defizienz der angeborenen Anlagen, übermäßigem Geschlechtsverkehr bzw. mangelnder Versorgung nach Erkrankungen kann das Yin des Fk Niere (yin renale, shenyin) verbraucht und geschädigt werden. Gleichzeitig können dabei das Struktivpotential jing und das Meer des Markes (mare medullae, suihai, entspricht dem Neben-Fk Gehirn, paraorbis cerebri, nao) defizient werden. Das Meer des Markes (mare medullae, suihai) wird in der Folge deplet, und die Körperöffnung Ohr wird nicht mehr genährt.
Therapeutisches Vorgehen

  • 1.

    Befeuchten des Yin

  • 2.

    Suppletieren des Fk Niere (o. renalis, shen)

  • 3.

    Ergänzen des Struktivpotentials jing

  • 4.

    Mehren des Neben-Fk Gehirn (paraorbis medullae, sui)

Arzneitherapie

Basisrezeptur: Eine Modifikation der Rehmannia-Pille mit Lycium und Chrysanthemum (Qiju dihuang wan)

Arznei Pinyin Klassische Tagesdosis (g) Modifizierte Tagesdosis (g) Erläuterung
Rehmanniae radix praeparata Shudihuang 10–30 15 Ergänzt das Xue und das Yin
Corni fructus Shanzhuyu 4–12 15 Stützt das Struktivpotential jing, ergänzt das Yin
Dioscoreae rhizoma Shanyao 10–30 20 Stützt und ergänzt das Qi und das Yin
Moutan cortex Mudanpi 3–12 10 Kühlt und bewegt das Xue
Alismatis rhizoma Zexie 3–15 15 Leitet Feuchtigkeit-Hitze (calor humidus, shire) aus
Poria Fuling 10–15 15 Leitet Feuchtigkeit (humor, shi) aus, kanalisiert Schleim (pituita, tan)
Lycii fructus Gouqizi 3–12 15 Stützt und ergänzt das Yin, stützt das Struktivpotential jing
Chrysanthemi flos Juhua 3–15 15 Leitet Wind-Hitze (calor venti, fengre) aus
Haliotidis concha Shijueming 10–30 30 Klärt den Kopf
Ostreae concha (gebrannt) Muli 10–30 30 Beruhigt und gleicht aus
Paeoniae radix lactiflora Baishao 3–15 15 Stützt das Struktivpotential jing, ergänzt das Xue
Polygoni multiflori radix Heshouwu 10–30 15 Stützt das Struktivpotential jing, ergänzt das Xue
Einnahmemodus: Dekokt (Zubereitung Kap. 6, Einführung)
Erläuterung: Rehmanniae radix praeparata (Shudihuang) und Corni fructus (Shanzhuyu) befeuchten und suppletieren das Yin des Fk Niere (yin renale, shenyin). Dioscoreae rhizoma (Shanyao) und Poria (Fuling) befeuchten den Fk Niere (o. renalis, shen), kräftigen den Fk Milz (o. lienalis, pi) und leiten Wasser aus. Alismatis rhizoma (Zexie) wirkt diuretisch und gleichzeitig kühlend. Lycii fructus (Gouqizi), Paeoniae radix lactiflora (Baishao) und Polygoni multiflori radix (Heshouwu) nähren den Fk Leber (o. hepaticus, gan) und suppletieren das Xue. Moutan cortex (Mudanpi) und Chrysanthemi flos (Juhua) kühlen den Fk Leber (o. hepaticus, gan) und leiten Glut (ardor, huo) aus. Haliotidis concha (Shijueming) und gebrannte Ostreae concha (Muli) beruhigen stark die konstellierende Kraft shen.
Modifikationen:
  • Bei relativ starker energetischer Schwäche (depletio, xu) des Struktivpotentials jing und des Neben-Fk Rückenmark (paraorbis medullae, sui), geistiger Abgeschlagenheit, Kraftlosigkeit der Extremitäten und Ziehen in den Hüften: Cervi colla cornu (Lujiaojiao) 3 g

  • Bei starker Übelkeit und Erbrechen: Pinelliae rhizoma (Banxia) 10 g, Zingiberis rhizoma recens (Shengjiang) 3 Scheiben, Bambusae caulis in taeniam (Zhuru) 6 g

  • Bei Schlafstörungen und vielen Träumen: Zizyphi spinosae semen (Suanzaoren) 10 g, Platycladi semen (Baiziren) 10 g

Diätetik

Grundsätzliche, indikationsabhängige Empfehlungen zur Ernährung

Empfehlenswert Leicht wärmende, süße Nahrungsmittel (Weizen, Rundkornreis, gelbe Sojabohne, Erdnuss, Karotte, Apfel)
Nicht empfehlenswert Fette, deftige, gekochte, geröstete, gebratene Speisen
Akupunktur

Indikationsabhängig wichtige Akupunkturpunkte (je nach Befund kann die Behandlung weiterer, hier nicht aufgeführter Akupunkturpunkte erforderlich sein)

Deutsche Bezeichnung Lateinische Bezeichnung Deutsche Übersetzung des chinesischen Namens Pinyin Lokalisation Erläuterung
Lokale Punkte
Du 20 Rg 20 Zusammenkunft aller Leitbahnen baihui An der höchsten Stelle des Kopfes, am Schnittpunkt der Medianen mit der Verbindungslinie zwischen den höchsten Punkten der Ohrmuscheln Macht Sinnesöffnungen frei, hebt das Qi empor
Du 24 Rg 24 Vorhalle der konstellierenden Kraft shenting In der Medianlinie 0,5 cun über der vorderen Haaransatzlinie bzw. 4,5 cun anterior von Du 20/Rg 20 Senkt hochschlagendes Yang ab
3E 21 T 21 Pforte des Ohres ermen Vor dem Ohr, bei geöffnetem Mund in der Vertiefung auf Höhe der Incisura supratragica und etwas oberhalb des Processus condylaris der Mandibula Macht das Ohr durchgängig
Gb 20 F 20 Teich des Windes fengchi In der Vertiefung zwischen M. sternocleidomastoideus und M. trapezius (Höhe Du 16/Rg 16) Klärt das Gehör, zerstreut Wind (ventus, feng)
Periphere Punkte
He 7 C 7 Pforte des Shen shenmen Im ventralen Handgelenksspalt (distalste Handgelenksbeugefalte) radial des Sehnenansatzes des M. flexor carpi ulnaris Senkt das Yang ab, sediert, beruhigt, macht die Netzleitbahnen (reticulares, luomai) durchgängig
Pe 6 Pc 6 Inneres Passtor neiguan Zwischen den Sehnen der Mm. palmaris longus und flexor carpi radialis, 2 cun proximal der Handgelenksfalte Reguliert das Qi, zerstreut Wind (ventus, feng)
Bl 62 V 62 Ursprung der Emporziehenden Yang-Leitbahn shenmai In einer Vertiefung unterhalb der höchsten Prominenz des Malleolus lateralis über dem Gelenkspalt zwischen Talus und Calcaneus Macht die Emporsteigende Yang-Leitbahn (s. ascendens yang, yang qiaomai) durchgängig, klärt das Bewusstsein
Di 4 IC 4 Vereinte Täler hegu Etwa in der Mitte des 2. Mittelhandknochens an der radialen Seite Zerstreut Wind (ventus, feng), macht das Leitbahnsystem durchgängig, stabilisiert die Wehrenergie (qi defensivum, weiqi)
Ma 36 S 36 Dritter Weiler am Fuß zusanli 3 cun unterhalb der Patellaunterkante, 1 cun fibular der Tibiakante, auf Höhe der Tuberositas tibiae Harmonisiert das Qi und das Xue
Ma 40 S 40 Üppige Fülle fenglong In der Mitte zwischen Unterkante der Patella und Spitze des Malleolus lateralis, 1 cun lateral von Ma 38/S 38 Wirkt sedierend, senkt das Yang ab, leitet Schleim (pituita, tan) aus
Bl 20 V 20 Einflusspunkt des Mitten-Funktionskreises pishu 1,5 cun lateral des Dornfortsatzes des 11. BWK Bewegt das Qi des Fk Milz (qi lienale, piqi), assimiliert Feuchtigkeit (humor, shi), reguliert das Xue
Bl 23 V 23 Einflusspunkt des Nieren-Funktionskreises shenshu 1,5 cun lateral des Dornfortsatzes des 2. LWK Stützt und harmonisiert das Qi des Fk Niere (qi renale, shenqi), verbessert das Gehör
Ren 4 Rs 4 Das erste der Passtore guanyuan 3 cun unterhalb des Nabels Stützt den Fk Niere (o. renalis, shen), reguliert das Qi, senkt das Yang ab
Le 2 H 2 Der Zwischenraum des Gehens xingjian Distal vom Zehengrundgelenk, zwischen der 1. und 2. Zehe, ca. 0,5 cun proximal der Zwischenzehenfalte Stützt und harmonisiert den Fk Leber (o. hepaticus, gan), leitet Glut (ardor, huo) aus
Ni 3 R 3 Mächtiger Wasserlauf taixi Auf der Mitte der Verbindungslinie zwischen Malleolus medialis und der Achillessehne Stützt und reguliert das Qi der Fk Niere und Leber (qi renale et hepatici, shen gan qi), kühlt Hitze (calor, re)
Ren 12 Rs 12 Sammlungspunkt des Magen-Funktionskreises zhongwan In der vorderen Medianlinie, 4 cun über dem Nabel bzw. 4 cun unter dem sternocostalen Winkel Reguliert den Fk Magen (o. stomachi, wei), kanalisiert Feuchtigkeit (humor, shi), leitet Gegenläufigkeiten (Kontravektionen, ni) ab
Jeweils 3–4 Foramina nadeln. Je nach energetischer Schwäche (depletio, xu) oder energetischer Überladung (repletio, shi) suppletiv oder dispulsiv nadeln.
Defizienz des aufsteigenden Qi
Hauptsymptome
  • Drehschwindel

  • Mögliche Allgemeinsymptome: blasser Teint, geistige Abgeschlagenheit, Schläfrigkeit, stumpfer Gesichtsausdruck, stumpfe Lippen und Nägel, Appetitlosigkeit, halbflüssiger Stuhl, Wortkargheit, Atemnot, bei Bewegung Kurzatmigkeit, Palpitationen

  • Zungenkörper: blass; Zungenbelag: weißlich

  • Pulse: zart und beschleunigt (minuti und celeri, xi shu)

Krankheitsmechanismus
Der Fk Leber (o. hepaticus, gan) kann durch plötzlichen Zorn (ira, nu) geschädigt werden. In diesem Fall steigt durch den Zorn (ira, nu) das Qi empor, und das Emporheben und Entfalten finden übermäßig statt. Im oberen Körperbereich werden die klaren Körperöffnungen (Körperöffnungen im Kopfbereich) gestört, und es kommt zu Drehschwindel.
Therapeutisches Vorgehen

  • 1.

    Suppletieren von Qi und Xue

  • 2.

    Kräftigen des Fk Milz (o. lienalis, pi)

  • 3.

    Beruhigen der konstellierenden Kraft shen

Arzneitherapie

Basisrezeptur: Eine Modifikation des In den Fk Milz (o.lienalis) einfließenden Dekoktes (Guipi tang)

Arznei Pinyin Klassische Tagesdosis (g) Modifizierte Tagesdosis (g) Erläuterung
Astragali radix Huangqi 10–15 30 Stützt und ergänzt das Qi, hebt das Yang empor
Codonopsis radix Dangshen 3–15 30 Stützt und ergänzt das Qi, hebt das Qi empor
Angelicae sinensis radix Danggui 3–10 10 Ergänzt und bewegt das Xue
Longanae arillus Longyanrou 6–15 15 Ergänzt, beruhigt und gleicht das Xue, das Yin und das Qi aus
Zizyphi spinosae semen Suanzaoren 10–15 20 Stützt und ergänzt das Yin, sammelt, senkt das Yang ab
Atractylodis macrocephalae rhizoma Baizhu 3–10 10 Stützt und ergänzt das Qi
Poria Fuling 10–15 20 Leitet Feuchtigkeit (humor, shi) aus, beruhigt und gleicht aus
Aucklandiae radix Muxiang 1–10 10 Bewegt, reguliert, stützt und ergänzt das Qi
Polygalae radix Yuanzhi 3–10 10 Macht die Leitbahnen durchgängig und die Sinne frei
Glycyrrhizae radix (in einer Flüssigkeit geröstet) Gancao 1–15 6 Stützt und ergänzt das Qi, beruhigt und gleicht aus
Einnahmemodus: Dekokt (Zubereitung Kap. 6, Einführung)
Erläuterung: Astragali radix (Huangqi), Codonopsis radix (Dangshen) und in einer Flüssigkeit geröstete Glycyrrhizae radix (Gancao) kräftigen den Fk Milz (o. lienalis, pi) und mehren das Qi. Angelicae sinensis radix (Danggui), Longanae arillus (Longyanrou) und Zizyphi spinosae semen (Suanzaoren) suppletieren das Xue, nähren den Fk Herz (o. cardialis, xin) und beruhigen die konstellierende Kraft shen. Atractylodis macrocephalae rhizoma (Baizhu), Poria (Fuling) und Aucklandiae radix (Muxiang) kräftigen den Fk Milz (o. lienalis, pi), regulieren das Qi und beseitigen Feuchtigkeit (humor, shi). Polygalae radix (Yuanzhi) und auch Zizyphi spinosae semen (Suanzaoren) beruhigen die konstellierende Kraft shen.
Modifikationen:
  • Bei geistiger Abgeschlagenheit, Kraftlosigkeit und einem blassen Teint: Polygoni multiflori radix (Heshouwu) 20 g, Rehmanniae radix praeparata (Shudihuang) 20 g, Paeoniae radix lactiflora (Baishao) 10 g

  • Bei Drehschwindel und Kurzatmigkeit bei Bewegung: Ostreae concha (Muli) 20 g, Tribuli fructus (Baijili) 10 g

  • Bei Schlafstörungen und Nervosität: Margaritiferae concha usta (Zhenzhumu) 0,5 g, Ostreae concha (Muli) 20 g

Diätetik: wie unter A
Akupunktur: wie unter A
Moxibustion
Bei einer Defizienz des aufsteigenden Qi kann man mit Moxazigarren schwebende Moxibustion an Du 20/Rg 20 (Zusammenkunft aller Leitbahnen, baihui) durchführen; dies hat häufig eine sehr gute, den Drehschwindel stoppende Wirkung.
Aufsteigen von Kälte (algor, han) infolge von energetischer Schwäche (depletio, xu) des Yang des Fk Niere (yang renale, shenyang)
Hauptsymptome
  • Drehschwindel

  • Mögliche Allgemeinsymptome: Palpitationen, Aversion gegen Kälte, kalte Extremitäten, Husten mit weißlichem Auswurf, Lumbago, kalter Rücken, Teilnahmslosigkeit, Nykturie mit reichlich klarem Urin

  • Zungenkörper: blass; Zungenbelag: weißlich

  • Pulse: untergetaucht, zart und schwach (mersi, minuti und invalidi, chen xi ruo)

Krankheitsmechanismus
Bei energetischer Schwäche (depletio, xu) des Yang des Fk Niere (yang renale, shenyang) kann Kälte (algor, han) entstehen. Da eine energetische Schwäche (depletio, xu) des Yang des Fk Niere (yang renale, shenyang) auch das Yang des Fk Milz (yang lienale, piyang) deplet werden lässt, kann Feuchtigkeit (humor, shi) nicht mehr ausreichend umgewandelt werden. Kälte (algor, han) und Feuchtigkeit (humor, shi) stagnieren und strömen nach oben zur Körperöffnung Ohr. Dies führt zu Drehschwindel.
Therapeutisches Vorgehen

  • 1.

    Erwärmen und Stärken des Yang des Fk Niere (yang renale, shenyang)

  • 2.

    Zerstreuen von Kälte (algor, han)

  • 3.

    Ausleiten von Feuchtigkeit (humor, shi)

Arzneitherapie

Basisrezeptur: Eine Modifikation des Dekoktes des wahren Kriegers (Zhenwu tang)

Arznei Pinyin Klassische Tagesdosis (g) Modifizierte Tagesdosis (g) Erläuterung
Aconiti radix lateralis praeparata Fuzi 1–10 10 Hebt das Yang empor und erwärmt, zerstreut Kälte (algor, han)
Poria Fuling 10–15 20 Wirkt diuretisch, leitet Feuchtigkeit (humor, shi) aus
Atractylodis macrocephalae rhizoma Baizhu 3–10 10 Stützt und ergänzt das Qi, trocknet Feuchtigkeit (humor, shi)
Zingiberis rhizoma recens Shengjiang 2–6 Scheiben 10 Löst die Oberfläche (extima, biao), zerstreut Kälte (algor, han)
Paeoniae radix lactiflora Baishao 3–15 15 Ergänzt und suppletiert das Xue, senkt das Yang ab
Glycyrrhizae radix (in einer Flüssigkeit geröstet) Gancao 1–15 3 Stützt und ergänzt das Qi, beruhigt und gleicht aus
Einnahmemodus: Dekokt (Zubereitung Kap. 6, Einführung)
Erläuterung: Aconiti radix lateralis praeparata (Fuzi) wärmt und stärkt das Yang des Fk Niere (yang renale, shenyang). Poria (Fuling) und Atractylodis macrocephalae rhizoma (Baizhu) kräftigen den Fk Milz (o. lienalis, pi) und scheiden Feuchtigkeit (humor, shi) aus. Zingiberis rhizoma recens (Shengjiang) zerstreut Kälte (algor, han). Paeoniae radix lactiflora (Baishao) und Glycyrrhizae radix (Gancao) wirken harmonisierend und ausgleichend.
Modifikationen:
  • Bei kaltem Rücken, kalten Extremitäten und reichlich klarem Urin: Zanthoxyli pericarpium (Huajiao) 3 g, Asari radix (Xixin) 2 g, Cinnamomi cassiae ramulus (Guizhi) 3 g, Morindae radix (Bajitian) 10 g

  • Bei reichlich dünnflüssigem, weißlichem Sputum und beschleunigter Atmung: Sinapis albae semen (Baijiezi) 5 g, Schisandrae fructus (Wuweizi) 3 g

Diätetik

Grundsätzliche, indikationsabhängige Empfehlungen zur Ernährung

Empfehlenswert Salzige oder scharfe, wärmende Speisen (chinesischer Lauch, Walnuss, Weintraube, Hirschfleisch)
Nicht empfehlenswert Kalte, rohe Nahrungsmittel, Alkohol im Übermaß
Akupunktur: wie unter A
Moxibustion
Bei Aufsteigen von Kälte (algor, han) kann man an der Leitbahn der Steuerung (s. regens, dumai) und an Punkten des besonderen Einflusses (foramina inductoria, shuxue) der Blasen-Leitbahn (c. vesicalis, pangguang jing) schwebende Moxibustion durchführen.
Den oberen Körperbereich störendes Yang des Fk Leber (yang hepatici, ganyang)
Hauptsymptome
  • Durch emotionale Reize ausgelöster Drehschwindel

  • Mögliche Allgemeinsymptome: Jähzorn, Nervosität, rötlicher Teint, gerötete Augen, Kopfschmerzen, bitterer Mundgeschmack, trockener Rachen, Schmerz- und Völlegefühle in Brust und Flanken, Schlafstörungen, viele Träume

  • Zungenkörper: rot; Zungenbelag: gelblich

  • Pulse: saitenförmig und beschleunigt (chordales und celeri, xian shu)

Krankheitsmechanismus
Aufgrund einer energetischen Schwäche (depletio, xu) des Yin in den Fk Leber und Niere (oo. hepaticus et renalis, gan shen) kann das Yin das Yang des Fk Leber (yang hepatici, ganyang) nicht richtig kontrollieren. Letzteres steigt auf, stört die Ohren und kann so Tinnitus hervorrufen.
Therapeutisches Vorgehen

  • 1.

    Besänftigen des Fk Leber (o. hepaticus, gan)

  • 2.

    Auslöschen von Wind (ventus, feng)

  • 3.

    Befeuchten des Yin

Basisrezeptur: Eine Modifikation des Trankes mit Gastrodia und Uncaria (Tianma gouteng yin)

Arznei Pinyin Klassische Tagesdosis (g) Modifizierte Tagesdosis (g) Erläuterung
Gastrodiae rhizoma Tianma 3–10 10 Besänftigt inneren Wind (ventus internus, neifeng), leitet Wind-Hitze (calor venti, fengre) aus, macht die Sinne frei
Uncariae ramulus cum uncis Gouteng 6–15 15 Besänftigt inneren Wind (ventus internus, neifeng), beruhigt und gleicht aus, senkt das Yang ab
Haliotidis concha Shijueming 10–30 30 Senkt das Yang ab, kühlt Hitze (calor, re)
Achyranthis bidentatae radix Niuxi 3–15 15 Stützt und ergänzt das Yin, kühlt Glut (ardor, huo)
Eucommiae cortex Duzhong 6–15 10 Stützt das Yang, harmonisiert und stützt den Fk Leber (o. hepaticus, gan)
Taxilli herba Sangjisheng 10–20 15 Stützt und ergänzt das Yin
Scutellariae radix Huangqin 6–15 10 Senkt das Yang ab, leitet Glut (ardor, huo) aus
Gardeniae fructus Zhizi 3–10 10 Kühlt Hitze (calor, re), leitet Glut (ardor, huo) aus
Polygoni multiflori caulis Yejiaoteng 15–30 15 Senkt das Yang ab, macht die Leitbahnen durchgängig und die Sinne frei, beruhigt und gleicht aus
Poriae sclerotium pararadicis Fushen 6–15 15 Beruhigt und gleicht aus
Glycyrrhizae radix Gancao 1–15 6 Beruhigt und gleicht aus
Arzneitherapie
Einnahmemodus: Dekokt (Zubereitung Kap. 6, Einführung)
Erläuterung: Gastrodiae rhizoma (Tianma), Uncariae ramulus cum uncis (Gouteng) und Haliotidis concha (Shijueming) besänftigen den Fk Leber (o. hepaticus, gan), senken das Yang ab und löschen Wind (ventus, feng) aus. Achyranthis bidentatae radix (Niuxi), Eucommiae cortex (Duzhong) und Taxilli herba (Sangjisheng) stützen den Fk Niere (o. renalis, shen) und befeuchten das Yin. Scutellariae radix (Huangqin) und Gardeniae fructus (Zhizi) kühlen den Fk Leber (o. hepaticus, gan) und leiten Glut (ardor, huo) aus. Polygoni multiflori caulis (Yejiaoteng) und Poriae sclerotium pararadicis (Fushen) beruhigen den Fk Herz (o. cardialis, xin) und die konstellierende Kraft shen. Glycyrrhizae radix (Gancao) harmonisiert die Wirkung aller Arzneien.
Modifikationen:
  • Bei starkem Drehschwindel: Mastodi fossilium ossis (Longgu) 15 g, Ostreae concha (Muli) 15 g

  • Bei Tendenz zu überhandnehmender Glut (ardor vigens, huosheng) mit bitterem Mundgeschmack, trockenem Rachen, rotem Zungenkörper, gelblichem Belag und saitenförmigen und beschleunigten Pulsen (chordales und celeri, xian shu): Gentianae radix (Longdancao) 3 g, Moutan cortex (Mudanpi) 6 g

  • Bei starker Übelkeit und Erbrechen: Bambusae caulis in taeniam (Zhuru) 6 g, Pinelliae rhizoma (Banxia) 6 g

Diätetik

Grundsätzliche, indikationsabhängige Empfehlungen zur Ernährung

Empfehlenswert Neutrale, leicht kühle, süße Nahrungsmittel (schwarze Sojabohnen, Sesam, Walnusskerne, Karotte, Pflaume)
Nicht empfehlenswert Warme und heiße Nahrungsmittel (Lauch, Hühnerfleisch, Tabak, Alkohol, scharfe Gewürze)
Akupunktur: wie unter A
Blockaden von Schleim-Trübem (pituita-Trübes, tanzhuo)
Hauptsymptome
  • Drehschwindel mit starken Spannungsgefühlen an der Stirn

  • Mögliche Allgemeinsymptome: Druckgefühl in der Brust, starke Übelkeit und starkes Erbrechen, reichlich Speichel, Palpitationen, Appetitlosigkeit, Müdigkeit, Völlegefühl im Kopf

  • Zungenkörper: blassrot; Zungenbelag: weißlich, klebrig

  • Pulse: nachgiebig und schlüpfrig (lenes und lubrici, ru hua), eventuell gleichzeitig saitenförmig (chordales, xian)

Krankheitsmechanismus
Durch falsche Ernährung, übermäßige Anstrengung, ständiges Grübeln bzw. übermäßigen Verzehr von kalten und kühlen Speisen können die Fk Milz und Magen (oo. lienalis et stomachi, pi wei) geschädigt werden. Es wird dann nicht mehr ausreichend hervorgebracht und umgewandelt. Dadurch erschöpfen sich Qi und Xue, sie können den oberen Körperbereich nicht mehr versorgen. Durch eine gestörte Umsetzung kann sich Feuchtigkeit (humor, shi) ansammeln. Schleim (pituita, tan) wird hervorgebracht, und das Yang-Qi wird blockiert. Die klaren Körperöffnungen (Körperöffnungen im Kopfbereich) werden vernebelt, und dies führt zu Drehschwindel.
Therapeutisches Vorgehen

  • 1.

    Kräftigen des Fk Milz (o. lienalis, pi)

  • 2.

    Trocknen von Feuchtigkeit (humor, shi)

  • 3.

    Ausleiten von Schleim (pituita, tan)

  • 4.

    Auslöschen von Wind (ventus, feng)

Arzneitherapie

Basisrezeptur: Eine Modifikation des Dekoktes aus Pinellia, Atractylodes macrocephala und Gastrodia (Banxia baizhu tianma tang)

Arznei Pinyin Klassische Tagesdosis (g) Modifizierte Tagesdosis (g) Erläuterung
Pinelliae rhizoma Banxia 3–12 12 Wandelt Schleim (pituita, tan) um, trocknet Feuchtigkeit (humor, shi), harmonisiert und stützt die mittleren Funktionskreise
Gastrodiae rhizoma Tianma 3–10 10 Besänftigt inneren Wind (ventus internus, neifeng), beruhigt und gleicht aus, macht die Leitbahnen durchgängig und die Sinne frei
Atractylodis macrocephalae rhizoma Baizhu 3–10 10 Harmonisiert und stützt die mittleren Funktionskreise, trocknet Feuchtigkeit (humor, shi)
Poria Fuling 10–15 20 Wirkt diuretisch, leitet Feuchtigkeit (humor, shi) aus, harmonisiert und stützt die mittleren Funktionskreise
Citri reticulatae pericarpium Chenpi 3–10 10 Bewegt und reguliert das Qi, trocknet Feuchtigkeit (humor, shi)
Zingiberis rhizoma recens Shengjiang 2–6 Scheiben 3 Scheiben Löst die Oberfläche (extima, biao), zerstreut Kälte (algor, han)
Jujubae fructus Dazao 3–10 10 Harmonisiert und stützt die mittleren Funktionskreise, beruhigt und gleicht aus
Glycyrrhizae radix Gancao 1–15 6 Stützt und ergänzt das Qi, harmonisiert und stützt die mittleren Funktionskreise
Einnahmemodus: Dekokt (Zubereitung Kap. 6, Einführung)
Erläuterung: Pinelliae rhizoma (Banxia) und Citri reticulatae pericarpium (Chenpi) trocknen Feuchtigkeit (humor, shi) und wandeln Schleim (pituita, tan) um. Gastrodiae rhizoma (Tianma) löscht Wind (ventus, feng) aus und stoppt den Drehschwindel. Atractylodis macrocephalae rhizoma (Baizhu) und Poria (Fuling) kräftigen den Fk Milz (o. lienalis, pi) und beseitigen Feuchtigkeit (humor, shi). Zingiberis rhizoma recens (Shengjiang), Jujubae fructus (Dazao) und Glycyrrhizae radix (Gancao) regulieren und harmonisieren die Fk Milz und Magen (oo. lienalis et stomachi, pi wei).
Modifikationen:
  • Bei starker Feuchtigkeit (humor, shi), Abgeschlagenheit, weißlichem Sputum und einem weißlichen, klebrigen Zungenbelag: Verdoppelung der Dosis von Pinelliae rhizoma (Banxia) und Zugabe von Alismatis rhizoma (Zexie) 4 g

  • Bei starkem Drehschwindel: Bombyx batryticatus (Jiangcan) 5 g, Arisaema cum bile (Dannanxing) 6 g

  • Bei Glut (ardor, huo) mit gelblichem Sputum, gelblichem, klebrigem Zungenbelag und schlüpfrigen und beschleunigten Pulsen (lubrici und celeri, hua shu): Scutellariae radix (Huangqin) 6 g, Bambusae caulis in taeniam (Zhuru) 6 g, Aurantii fructus immaturus (Zhishi) 3 g

Diätetik

Grundsätzliche, indikationsabhängige Empfehlungen zur Ernährung

Empfehlenswert Leicht kühlende, Schleim (pituita, tan) umwandelnde Nahrungsmittel (Sojamilch, Rettich, Birne, Pampelmuse)
Nicht empfehlenswert Heiße, scharfe, stark gewürzte Speisen
Akupunktur: wie unter A

Fazialisparese

Krankheitsbild und Therapie aus westlicher Sicht
Übersicht
Man unterscheidet eine zentrale von einer peripheren Fazialisparese. Erstere ist dem neurologischen Fachgebiet zugeordnet. In diesem Abschnitt wird die periphere Fazialisparese besprochen.
Klinisches Bild
  • Es handelt sich um eine meist einseitige, innerhalb von Stunden oder wenigen Tagen sich entwickelnde partielle oder komplette Lähmung der Gesichtsmuskeln unter Einschluss der Stirnmuskulatur (Abgrenzung gegenüber der zentralen Fazialisparese).

  • Oft sind das Schmecken und die Tränensekretion beeinträchtigt. Seltener besteht eine Hyperakusis.

  • Am häufigsten ist die idiopathische periphere Fazialisparese (Bell-Lähmung). Andere Ursachen sind Diabetes mellitus, Zoster oticus und Borreliose.

  • Die Prognose ist günstig. Ohne Therapie kann man in etwa 80 % der Fälle eine Ausheilung erwarten.

Therapie aus westlicher Sicht
  • Prophylaxe gegen sekundäre Schäden an der Hornhaut (Uhrglasverband)

  • Kausalgerichtete medikamentöse Therapie (Kortikosteroide)

CAVE

Wegen des breiten ätiologischen Spektrums ist eine sorgfältige otologische/interdisziplinäre Betreuung und Abklärung unbedingt erforderlich.

Krankheitsbild und Therapie aus Sicht der chinesischen Medizin
Übersicht
In der chinesischen Medizin wird die Fazialisparese den Kategorien Schrägstellung des Mundes (Koupi), Schrägstellung von Mund und Auge (Kouyan waixie) und Lähmung des Gesichtes aufgrund schrägläufigen Windes (heteropathischer ventus) (Fengxie miantan) zugeordnet. Meistens handelt es sich um Eindringen von Wind (ventus, feng) in die Hauptleitbahnen Überstrahlung des Yang des Fußes (c. splendoris yang pedis, zu yangming jing) oder Großes Yang der Hand (c. yang maioris manus, shou taiyang jing). Dies führt dazu, dass das in den Leitbahnen fließende Qi in seiner Funktion beeinträchtigt ist. Zudem resultiert eine Disharmonie zwischen Bauenergie (qi constructivum, yingqi) und Wehrenergie (qi defensivum, weiqi).
Bei der Bell-Fazialisparese handelt es sich um eine plötzlich einsetzende periphere Fazialisparese, die auf eine Affektion durch eine Wind-Schrägläufigkeit (ventus-Heteropathie, fengxie) zurückzuführen ist. Die Schrägläufigkeit (Heteropathie, xie) blockiert die Leitbahnen. Auch die Netzleitbahnen (reticulares, luomai) werden blockiert, und plötzlich setzt eine einseitige Lähmung der Gesichtsmuskulatur ein. Die Erkrankung tritt besonders häufig in Jahreszeiten auf, in denen sich die Temperatur oft ändert, also vor allem beim Übergang von Frühling zu Sommer und von Herbst zu Winter.
Agenzien und Pathogenese
Der Kopf ist der Zusammenkunftsort aller Yang-Leitbahnen, hier kommen zahlreiche Leitbahnen zusammen. Die Hauptleitbahn Überstrahlung des Yang des Fußes (c. splendoris yang pedis, zu yangming jing) wird häufig durch Hitze (calor, re), die Hauptleitbahn Großes Yang der Hand (c. yang maioris manus, shou taiyang jing) häufig durch Kälte (algor, han) affiziert. Wenn eine Wind-Schrägläufigkeit (ventus-Heteropathie, fengxie) eindringt, affiziert sie zunächst den Kopf- und Gesichtsbereich. Staut sich im Inneren Feuchtigkeit-Hitze (calor humidus, shire) ein, erkranken die Leitbahnen Überstrahlung des Yang (cc. splendoris yang, yangming jing); wenn Qi und Xue deplet sind, werden die Haupt- und Netzleitbahnen (cardinales und reticulares, jingmai luomai) blockiert.
Differentialdiagnostisch unterscheidet man folgende Symptomkonfigurationen:
  • A Eindringen von schrägläufigem Wind (heteropathischer ventus, xiefeng), Spannung der Sehnen und Muskeln und Schrägstellung des Mundes:

    Beim Übergang von Herbst zu Winter treten Kälte (algor, han) und Wind (ventus, feng) neu auf. Beim Übergang von Frühling zu Sommer sollten Kälte (algor, han) und Wind (ventus, feng) verschwinden. Wenn Wind-Kälte (algor venti, fenghan) von außen eindringt, dringt sie zuerst in den Kopf- und Gesichtsbereich ein. Deshalb spannen sich die Leitbahnen in diesem Bereich, und es kommt zu einer Schrägstellung des Mundes.

  • B Verdampfen von Feuchtigkeit-Hitze (calor humidus, shire), Blockade der Netzleitbahnen (reticulares, luomai):

    Der übermäßige Verzehr von fetten, süßen, deftigen, scharfen und gebratenen Speisen kann zur Ansammlung von Trockenheit (ariditas, zao) und Hitze (calor, re) im Inneren führen. Dadurch werden Schleim (pituita, tan) und Feuchtigkeit (humor, shi) hervorgebracht. Im mittleren Wärmebereich (mittleres Calorium, zhongjiao) sammelt sich Feuchtigkeit-Hitze (calor humidus, shire) an und nimmt überhand. Sie steigt entlang den Leitbahnen empor und wirkt dort störend. Sie verdampft zu den Leitbahnen im Kopf- und Gesichtsbereich. In der Folge werden die Netzleitbahnen (reticulares, luomai) blockiert, und es kommt zur Gesichtsverzerrung.

  • C Konstitutionell bedingte energetische Schwäche (depletio, xu), Defizienz von Qi und Xue:

    Bei einer konstitutionell bedingten energetischen Schwäche (depletio, xu) oder bei einer Defizienz von Qi und Xue nach einer langwierigen Erkrankung ist die Zirkulation in den Leitbahnen nicht mehr ausreichend durchgängig. Die Abwehr des Organismus nach außen ist instabil. Schon durch geringe Anstrengung oder plötzliche Wetterumschwünge kann die Zirkulation in den Leitbahnen gestört und blockiert werden. Im Kopf- und Gesichtsbereich kann es dann zu Taubheitsgefühlen der Muskeln und zu einer Gesichtsverzerrung kommen.

Differenzierte chinesische Therapie
Eindringen von schrägläufigem Wind (heteropathischer ventus, xiefeng), Spannung der Sehnen und Muskeln und Schrägstellung des Mundes
Hauptsymptome
  • Morgendliches Taubheitsgefühl im Gesicht

  • Eingeschränkte Beweglichkeit einer Gesichtshälfte

  • Asymmetrie der Mundwinkel

  • Speichelfluss aus dem Mundwinkel

  • Unangenehmes Gefühl beim Kauen

  • Nachlassen des Geschmackssinns

  • Spannungsgefühle und Otalgie auf der erkrankten Seite

  • Hyperakusis

  • Druckempfindlichkeit des Mastoids der betroffenen Seite

  • Untersuchung: Verstreichen der Nasolabialfalte und der Stirnfalten, geschwächte oder fehlende Bewegung beim Stirnrunzeln, beim Heben der Augenbrauen, beim Lidschluss, beim Zeigen der Zähne, beim Lippenspitzen; Unfähigkeit, die Backen aufzublasen

  • Zungenkörper: blass; Zungenbelag: dünn und weißlich

  • Pulse: gespannt und beschleunigt (intenti und celeri, jin shu)

Krankheitsmechanismus
Der Kopf ist der Zusammenkunftsort aller Yang-Leitbahnen. Es findet Tag und Nacht ein Wechsel statt, Yin und Yang nehmen zu und ab. Spät am Tag wird das Yang gespeichert, und das Yin nimmt zu. Die Abwehr nach außen wird locker, und es kann leicht zu Affektionen durch Schrägläufigkeiten (Heteropathien, xie) kommen. Deshalb setzt diese Erkrankung häufig nachts ein und wird morgens bemerkt. Die Schrägläufigkeit (Heteropathie, xie) Wind (ventus, feng) dringt in Kombination mit Kälte (algor, han) oder Hitze (calor, re) ein. Als erstes werden der Kopf und das Gesicht affiziert, und die Leitbahnen werden blockiert. Es bestehen Einstauungen der Schrägläufigkeit (Heteropathie, xie) in den Leitbahnen, und die Bewegung der Bauenergie (qi constructivum, yingqi) wird gestört. Dadurch kommt es zur Spannung der Sehnen und Muskeln. Dies hat eine Gesichtsverzerrung zur Folge.
Therapeutisches Vorgehen

  • 1.

    Ausleiten von Wind (ventus, feng)

  • 2.

    Zerstreuen von Kälte (algor, han)

  • 3.

    Durchgängigmachen der Netzleitbahnen (reticulares, luomai)

Arzneitherapie

Basisrezeptur: Giftlösendes Pulver mit Schizonepeta und Saposhnikovia (Jingfang baidu san)

Arznei Pinyin Klassische Tagesdosis (g) Modifizierte Tagesdosis (g) Erläuterung
Schizonepetae herba Jingjie 3–10 9 Leitet Wind (ventus, feng) und Wind-Kälte (algor venti, fenghan) aus, löst die Oberfläche (extima, biao)
Saposhnikoviae radix Fangfeng 3–9 9 Leitet Wind (ventus, feng) und Wind-Kälte (algor venti, fenghan) aus, löst die Oberfläche (extima, biao)
Notopterygii rhizoma Qianghuo 3–10 9 Löst die Oberfläche (extima, biao), zerstreut Kälte (algor, han), beseitigt Schmerzen, leitet Wind-Kälte (algor venti, fenghan) aus
Chuanxiong rhizoma Chuanxiong 1–10 6 Leitet Wind (ventus, feng) aus, beseitigt Schmerzen
Bupleuri radix Chaihu 3–12 9 Lockert und löst die Oberfläche (extima, biao), bewegt und reguliert das Qi
Platycodi radix Jiegeng 3–10 3 Bewegt und reguliert das Qi, leitet Wind-Kälte (algor venti, fenghan) aus
Aurantii fructus Zhike 3–10 6 Bewegt und reguliert das Qi, beseitigt Schmerzen
Poria Fuling 10–15 9 Leitet Feuchtigkeit (humor, shi) aus, beruhigt und gleicht aus
Glycyrrhizae radix Gancao 1–15 3 Stützt und ergänzt das Qi, beruhigt und gleicht aus
Einnahmemodus: Dekokt (Zubereitung Kap. 6, Einführung)
Erläuterung: Schizonepetae herba (Jingjie) und Saposhnikoviae radix (Fangfeng) lösen die Oberfläche (extima, biao), und Bupleuri radix (Chaihu) unterstützt sie dabei. Notopterygii rhizoma (Qianghuo) zerstreut Wind (ventus, feng) und leitet Feuchtigkeit (humor, shi) aus. Chuanxiong rhizoma (Chuanxiong) und Poria (Fuling) verstärken diese Wirkung. Platycodi radix (Jiegeng), Aurantii fructus (Zhike) und Glycyrrhizae radix (Gancao) harmonisieren den Qi-Fluss.
Modifikationen:
  • Bei ausgeprägter Fazialisparese: Typhonii rhizoma praeparata (Baifuzi) 3 g, Bombyx batryticatus (Jiangcan) 5 g, Scorpio (Quanxie) 2 g

  • Bei Fieber und Ohrenschmerzen: Scutellariae radix (Huangqin) 6 g, Gentianae radix (Longdancao) 3 g, Phellodendri cortex (Huangbai) 3 g

  • Bei Taubheitsgefühlen im Gesichtsbereich: Pheretima (Dilong) 3 g

  • Bei Zuckungen im Gesichtsbereich: Trachelospermi caulis (Luoshiteng) 10 g, Liquidambaris fructus (Lulutong) 4 g, Pheretima (Dilong) 3 g, Scolopendra (Wugong) 2 g

Diätetik

Grundsätzliche, indikationsabhängige Empfehlungen zur Ernährung

Empfehlenswert Die Oberfläche (extima, biao) öffnende, wärmende Nahrungsmittel (Frühlingszwiebel, Knoblauch, Koriander, Ingwer)
Nicht empfehlenswert Kühle und kalte Speisen
Akupunktur

Indikationsabhängig wichtige Akupunkturpunkte (je nach Befund kann die Behandlung weiterer, hier nicht aufgeführter Akupunkturpunkte erforderlich sein)

Deutsche Bezeichnung Lateinische Bezeichnung Deutsche Übersetzung des chinesischen Namens Pinyin Lokalisation Erläuterung
Lokale Punkte
Ma 4 S 4 Zwischenspeicher der Erde dicang 0,5 cun seitlich des Mundwinkels Hebt Paresen auf
Ma 6 S 6 Maxilla jiache Bei starkem Kaudruck auf der höchsten Erhebung des M. masseter, ca. 1 Fingerbreite (Mittelfinger) vor und oberhalb des Unterkieferwinkels Löst Wind-Schrägläufigkeiten (ventus-Heteropathien, fengxie) heraus, macht die Netzleitbahnen (reticulares, luomai) durchgängig
Ma 7 S 7 Unteres Passtor xiaguan Bei geschlossenem Mund unter dem Jochbeinbogen in der Mitte der Vertiefung der Incisura mandibulae zwischen dem Processus coronoideus und dem Processus condylaris der Mandibula Macht die Netzleitbahnen (reticulares, luomai) frei
Gb 14 F 14 Die Weiße des Yang yangbai 1 cun über der Mitte der Augenbraue Zerstreut Wind (ventus, feng)
Dü 18 IT 18 Kellerloch der Wange quanliao Auf der Höhe von Di 20/IC 20, unterhalb des äußeren Augenwinkels Zerstreut Wind-Schrägläufigkeiten (ventus-Heteropathien, fengxie) aller Art
3E 17 T 17 Schutzschirm gegen Wind yifeng Am Vorderrand des Processus mastoideus, wo das Ohrläppchen bei Druck den Processus berührt Wehrt Wind (ventus, feng) ab
Gb 20 F 20 Teich des Windes fengchi In der Vertiefung zwischen M. sternocleidomastoideus und M. trapezius (Höhe Du 16/Rg 16) Zerstreut Wind (ventus, feng)
Periphere Punkte
Lu 7 P 7 Reihe von Lücken lieque Proximal des Processus styloideus radii, zwischen der Sehne des M. extensor pollicis und der Radiuskante Zerstreut Wind (ventus, feng)
3E 5 T 5 Äußeres Passtor waiguan 2 cun proximal der Handgelenksfalte, in der Mitte des Unterarmes zwischen Elle und Speiche, gegenüber Pe 6/Pc 6 Macht die Haupt- und Netzleitbahnen (cardinales und reticulares, jingmai luomai) durchgängig, beseitigt Qi-Blockaden
Ma 36 S 36 Dritter Weiler am Fuß zusanli 3 cun unterhalb der Patellaunterkante, 1 cun fibular der Tibiakante, auf Höhe der Tuberositas tibiae Harmonisiert das Qi und das Xue
Le 3 H 3 Die mächtige große Straße taichong Zwischen dem Mittelfußknochen der 1. und 2. Zehe in einer Vertiefung ca. 1,5 cun proximal des Grundgelenks Senkt das Yang des Fk Leber (yang hepatici, ganyang) ab
Ma 44 S 44 Innere Vorhalle neiting Distal des Metatarsophalangeal-Gelenks der 2. Zehe an der fibularen Seite in einer Vertiefung an der Aponeurose Reguliert das Qi
Jedes Mal 3–4 lokale und 2–3 periphere Foramina nadeln. Täglich oder jeden zweiten Tag nadeln. Dabei ausgewogen suppletieren und dispulsieren, die Nadeln 15–20 Minuten liegen lassen. Gleichzeitig kann man auch flach zu Foramina durchstechen, wie etwa von Ma 6/S 6 (Maxilla, jiache) zu Ma 4/S 4 (Zwischenspeicher der Erde, dicang) und von Ma 4/S 4 (Zwischenspeicher der Erde, dicang) zu Ma 7/S 7 (Unteres Passtor, xiaguan).
Verdampfen von Feuchtigkeit-Hitze (calor humidus, shire), Blockade der Netzleitbahnen (reticulares, luomai)
Hauptsymptome
  • Starrer Gesichtsausdruck einer Seite

  • Unbeweglicher Mundwinkel

  • Taubheitsgefühl auf der betroffenen Seite

  • Speichelfluss

  • Beim Kauen Austreten von Nahrung

  • Nachlassen des Geschmackssinns

  • Immer wieder Spannungsgefühle und Schmerzen im Ohr

  • Untersuchung: schwache oder fehlende Beweglichkeit der Gesichtsmuskulatur der betroffenen Seite, Stirnrunzeln, Augenbrauenheben, Zeigen der Zähne und Lippenspitzen auf einer Seite nicht oder nur eingeschränkt möglich

  • Zungenkörper: blass oder blassrot; Zungenbelag: dünn, klebrig

  • Pulse: nachgiebig (lenes, ru)

Krankheitsmechanismus
Der übermäßige Genuss von üppigen, deftigen, scharfen und gebratenen Speisen bringt Feuchtigkeit (humor, shi) und Schleim (pituita, tan) hervor. Es kann sich im Inneren Feuchtigkeit-Hitze (calor humidus, shire) bilden. Wenn sich Feuchtigkeit-Hitze (calor humidus, shire) über längere Zeit hinweg einstaut, entlang den Leitbahnen emporsteigt und im Kopf- und Gesichtsbereich die Leitbahnen stört und Schleim (pituita, tan), Feuchtigkeit (humor, shi), Trockenheit (ariditas, zao) und Hitze (calor, re) die Muskeln und Sehnen (nervocardinales, jinmai) blockieren, kommt es zu Schlaffheit der Muskeln und Sehnen (nervocardinales, jinmai) und Leitbahnen mit Gesichtsverzerrung, die auch die gesunde Seite beeinträchtigt. Ansammlungen von Feuchtigkeit-Hitze (calor humidus, shire) im Inneren führen zu einem bitteren Mundgeschmack, einem klebrigen Zungenbelag und nachgiebigen Pulsen (lenes, rumai).
Therapeutisches Vorgehen

  • 1.

    Ausleiten von Feuchtigkeit (humor, shi)

  • 2.

    Umwandeln von Schleim (pituita, tan)

  • 3.

    Kühlen von Hitze (calor, re)

  • 4.

    Durchgängigmachen der Netzleitbahnen (reticulares, luomai)

Arzneitherapie

Basisrezeptur: Dekokt der drei Samen (Sanren tang)

Arznei Pinyin Klassische Tagesdosis (g) Modifizierte Tagesdosis (g) Erläuterung
Armeniacae semen Xingren 3–10 9 Wirkt im oberen Wärmebereich (oberes Calorium, shangjiao) absenkend
Amomi fructus rotundus Baidoukou 1–6 3 Wandelt Feuchtigkeit (humor, shi) um, zerstreut Stauungen
Coicis semen Yiyiren 6–30 12 Leitet Feuchtigkeit (humor, shi) aus, wirkt diuretisch, kühlt Hitze (calor, re)
Pinelliae rhizoma Banxia 3–12 6 Wandelt Schleim (pituita, tan) um, senkt das Qi ab
Magnoliae cortex Houpo 3–10 5 Wandelt Feuchtigkeit (humor, shi) um, bewegt und reguliert das Qi
Talcum Huashi 6–18 12 Leitet Feuchtigkeit (humor, shi) aus, kühlt Hitze (calor, re), wirkt diuretisch
Tetrapanacis medulla Tongcao 3–6 3 Wirkt diuretisch, kühlt Hitze (calor, re)
Lophateri herba Danzhuye 6–9 6 Kühlt Hitze (calor, re), wirkt diuretisch, leitet Feuchtigkeit-Hitze (calor humidus, shire) aus
Einnahmemodus: Dekokt (Zubereitung Kap. 6, Einführung)
Erläuterung: Die drei Hauptarzneien sind Armeniacae semen (Xingren), Amomi fructus rotundus (Baidoukou) und Coicis semen (Yiyiren). Armeniacae semen (Xingren) lockert die Durchlässigkeit im oberen Wärmebereich (oberes Calorium, shangjiao), und Amomi fructus rotundus (Baidoukou) öffnet Feuchtigkeit-Blockaden (humor, shi) im mittleren Wärmebereich (mittleres Calorium, zhongjiao). Unterstützt werden diese Arzneien dabei von Pinelliae rhizoma (Banxia) und Magnoliae cortex (Houpo). Coicis semen (Yiyiren) leitet Feuchtigkeit-Hitze (calor humidus, shire) des unteren Wärmebereiches (unteres Calorium, xiajiao) aus. Talcum (Huashi), Tetrapanacis medulla (Tongcao) und Lophateri herba (Danzhuye) verstärken diese Wirkung.
Modifikationen:
  • Bei ausgeprägter Fazialisparese: Typhonii rhizoma praeparata (Baifuzi) 3 g, Scorpio (Quanxie) 2 g, Bombyx batryticatus (Jiangcan) 5 g

  • Bei Fieber, bitterem Mundgeschmack und gelblichem Zungenbelag: Scutellariae radix (Huangqin) 6 g, Gentianae radix (Longdancao) 3 g, Mori folium (Sangye) 10 g, Lonicerae flos (Jinyinhua) 10 g, Taraxaci herba cum radice (Pugongying) 10 g

  • Bei Obstipation: Mirabilitum purum (Xuanmingfen) 6 g, unpräparierte Rhei rhizoma (Dahuang) 2 g

  • Bei reichlich Schleim (pituita, tan) und Feuchtigkeit (humor, shi): Sinapis albae semen (Baijiezi) 5 g, Plantaginis semen (Cheqianzi) 6 g, in Ingwer präparierte Pinelliae rhizoma (Banxia) 6 g

  • Bei ausgeprägter Wind-Schrägläufigkeit (ventus-Heteropathie, fengxie) und rasch einsetzender Fazialislähmung: Cicadae periostracum (Chantui) 6 g, Gentianae macrophyllae radix (Qinjiao) 3 g, Scolopendra (Wugong) 2 g

Diätetik

Grundsätzliche, indikationsabhängige Empfehlungen zur Ernährung

Empfehlenswert Kühlende, Feuchtigkeit (humor, shi) ausleitende Nahrungsmittel (Buchweizen, Mungbohne, Sojasprosse, Löwenzahn, Krebse, grüner Tee)
Nicht empfehlenswert Warme und heiße Speisen, vor allem Alkohol
Akupunktur: wie unter A
Konstitutionell bedingte energetische Schwäche (depletio, xu), Defizienz von Qi und Xue
Hauptsymptome
  • Eingeschränkte oder nicht vorhandene Beweglichkeit eines Mundwinkels vom Patienten selber oft nicht wahrgenommen

  • Taubheits- und Spannungsgefühle einer Gesichtshälfte

  • Beim Kauen Verziehen des Mundes zu einer Seite

  • Beim Sprechen und Lachen Verstärkung der Schiefe

  • Geschmackssinn nachlassend

  • Untersuchung: fehlende oder geschwächte Beweglichkeit der Gesichtsmuskulatur

  • Mögliche Allgemeinsymptome: magerer Körper, leise, zaghafte Stimme, Tränenfluss

  • Zungenkörper: blass; Zungenbelag: dünn

  • Pulse: untergetaucht und zart (mersi und minuti, chen xi)

Krankheitsmechanismus
Qi und Xue sind deplet, die Zirkulation in den Leitbahnen ist nicht durchgängig. Bei Anstrengung oder plötzlichen Wetterumschwüngen dringt eine Wind-Schrägläufigkeit (ventus-Heteropathie, fengxie) in die Netzleitbahnen (reticulares, luomai) ein, und die Leitbahnen werden blockiert. Dies hat eine Gesichtsverzerrung zur Folge. Weil Qi und Xue defizient sind, ist die Stimme leise und zaghaft. Die Leitbahnen verkrampfen sich, und die Gesichtsmuskulatur wird schlaff und beeinträchtigt auch die gesunde Seite.
Therapeutisches Vorgehen

  • 1.

    Mehren des Qi

  • 2.

    Nähren des Xue

  • 3.

    Beseitigen von Wind (ventus, feng)

  • 4.

    Durchgängigmachen der Leitbahnen

Arzneitherapie

Basisrezeptur: Modifiziertes Dekokt gegen die vier Gegenläufigkeiten mit Angelica sinensis (Danggui sini tang)

Arznei Pinyin Klassische Tagesdosis (g) Modifizierte Tagesdosis (g) Erläuterung
Angelicae sinensis radix Danggui 3–10 9 Ergänzt, suppletiert und bewegt das Xue
Cinnamomi cassiae ramulus Guizhi 1–3 6 Stützt und erwärmt das Yang, stützt und ergänzt das Qi
Paeoniae radix lactiflora Baishao 3–15 9 Ergänzt und suppletiert das Xue
Asari radix Xixin 1–3 9 Öffnet die Oberfläche (extima, biao), beseitigt Schmerzen
Glycyrrhizae radix (in einer Flüssigkeit geröstet) Gancao 1–15 3 Stützt und ergänzt das Qi, beruhigt und gleicht aus
Jujubae fructus Dazao 3–10 6 Stützt und ergänzt das Qi, beruhigt und gleicht aus
Einnahmemodus: Dekokt (Zubereitung Kap. 6, Einführung)
Erläuterung: Die Hauptarznei Angelicae sinensis radix (Danggui) stützt und bewegt das Xue. Paeoniae radix lactiflora (Baishao) und Asari radix (Xixin) verstärken diese Wirkung. Cinnamomi cassiae ramulus (Guizhi), Glycyrrhizae radix (Gancao) und Jujubae fructus (Dazao) stützen gemeinsam das Qi.
Modifikationen:
  • Bei ausgeprägter Fazialisparese: Bombyx batryticatus (Jiangcan) 5 g, Typhonii rhizoma praeparata (Baifuzi) 3 g, Scorpio (Quanxie) 2 g

  • Bei ziehenden Schmerzen in den Gelenken und Aversion gegen Kälte: Notopterygii rhizoma (Qianghuo) 4 g, Angelicae pubescentis radix (Duhuo) 3 g, Gentianae macrophyllae radix (Qinjiao) 3 g, Schizonepetae herba (Jingjie) 5 g

  • Bei Kopfschmerzen: Viticis fructus (Manjingzi) 6 g, Uncariae ramulus cum uncis (Gouteng) 10 g

  • Bei Obstipation: Trichosanthis fructus (Gualou) 10 g, Cannabis semen (Huomaren) 10 g, Mirabilitum purum (Xuanmingfen) 6 g

  • Bei länger bestehendem, therapieresistentem Verlauf: Pheretima (Dilong) 3 g, Scolopendra (Wugong) 2 g, Vaccariae semen (Wangbuliuxing) 6 g

Diätetik

Grundsätzliche, indikationsabhängige Empfehlungen zur Ernährung

Empfehlenswert Das Qi und das Xue stützende Nahrungsmittel (Longane, Feigen, Schaf-, Ziegenfleisch, Huhn, Fische)
Nicht empfehlenswert Kühle und kalte Speisen
Akupunktur: wie unter A

Trigeminusneuralgie

Krankheitsbild und Therapie aus westlicher Sicht
Übersicht
Man unterscheidet zwischen der klassischen (früher idiopathischen) Trigeminusneuralgie und der symptomatischen Trigeminusneuralgie. Bei Ersterer besteht zwischen den Schmerzattacken in der Regel Beschwerdefreiheit. Letztere führt ebenfalls zu Schmerzparoxysmen, doch können Zeichen einer Sensibilitätsstörung im Versorgungsbereich des betroffenen Trigeminusastes vorhanden sein, und es wird keine Schmerzfreiheit zwischen den Attacken gefordert.
Klinisches Bild
  • Die Trigeminusneuralgie ist als blitzartig einschießender, extrem heftiger, elektrisierender und stechender Schmerz im Versorgungsgebiet eines oder mehrerer Trigeminusäste definiert.

  • Die Attacken halten typischerweise Sekunden, selten auch länger (< 2 Minuten) an und treten sowohl spontan als auch durch Reize wie Berührung im Nervus-trigeminus-Versorgungsgebiet, Kauen, Sprechen, Schlucken oder Zähneputzen getriggert auf.

  • Bei der klassischen Form besteht zwischen den Attacken Beschwerdefreiheit. Multiple Attacken können täglich über Wochen bis Monate auftreten und in Anfangsstadien spontan über Wochen bis Monate sistieren.

  • In der Regel ist der Verlauf progredient.

  • Symptomatische Trigeminusneuralgien treten bei Entmarkungskrankheiten wie der Multiplen Sklerose auf, aber auch als Symptom von Raumforderungen (Neurinome, insbesondere Akustikusneurinome, Metastasen), umschriebenen Hirnstammischämien und Angiomen des Hirnstamms.

  • Die klassische Trigeminusneuralgie ist eine Erkrankung des höheren Lebensalters, typischerweise mit Beginn nach dem 40. Lebensjahr und Zunahme der Inzidenz mit dem Lebensalter. Frauen sind aufgrund ihrer höheren Lebenserwartung häufiger betroffen.

Therapie aus westlicher Sicht
  • Medikamentöse Therapie mit Carbamazepin (Antiepileptikum) und Baclofen (GABA-B-Rezeptor-Antagonist), entweder als Monotherapie oder als Kombination

  • Chirurgisch nur bei erfolgloser medikamentöser Therapie: z. B. perkutane temperaturgesteuerte Koagulation des Ganglion Gasseri, mikrovaskuläre Dekompression des N. trigeminus oder radiochirurgische Behandlungsverfahren

CAVE

Grundsätzlich ist eine sorgfältige HNO-ärztliche/neurologische Betreuung erforderlich.

Krankheitsbild und Therapie aus Sicht der chinesischen Medizin
Übersicht
Trigeminusneuralgie wird in der chinesischen Medizin den Kategorien Gesichtsschmerzen (Miantong), Einseitige Kopfschmerzen (Piantoutong) und Wind des Kopfes (Toufeng) zugeordnet.
Agenzien und Pathogenese
Die chinesische Medizin geht davon aus, dass die Trigeminusneuralgie häufig auf Affektionen der drei Yang-Leitbahnen im Kopfbereich zurückzuführen ist. Die Schrägläufigkeit (Heteropathie, xie) Wind (ventus, feng) spielt hierbei ursächlich die größte Rolle. Da der Kopf die höchste Stelle des Körpers ist, kann hier Wind (ventus, feng) sehr leicht angreifen. Wenn Wind (ventus, feng) auf Kälte (algor, han), Glut (ardor, huo) oder Schleim (pituita, tan) trifft und sie sich vereinigen, kommt es zu Blockaden von Wind-Kälte (algor venti, fenghan), zu Schädigungen durch Wind-Glut (ardor venti, fenghuo) oder zu Blockaden von Wind-Schleim (pituita venti, fengtan) der drei Yang-Leitbahnen und dadurch zu Schmerzen.
Auch innere Läsionen kommen als Ursache der Erkrankung in Frage. Einstauungen von Hitze (calor, re) in den Fk Leber und Gallenblase (oo. hepaticus et felleus, gan dan), emporschlagende Hitze (calor, re) des Fk Magen (o. stomachi, wei) und emporschlagendes Yang aufgrund energetischer Schwäche (depletio, xu) des Yin können hierbei eine Rolle spielen. Das emporschlagende Yang wandelt sich dabei zu Wind (ventus, feng), wobei Wind-Glut (ardor venti, fenghuo) den Kopfbereich angreift, im oberen Körperbereich die klaren Körperöffnungen (Körperöffnungen im Kopfbereich) stört und so zu Schmerzen führt.
Schließlich können Qi-Blockaden und Xue-Stasen im Kopfbereich die drei Yang-Leitbahnen blockieren. Die mangelnde Durchgängigkeit führt dann zu Schmerzen.
Wenn äußere Schrägläufigkeiten (Heteropathien, xie) zur Erkrankung führen und diese immer wieder auftritt, kann die Schrägläufigkeit (Heteropathie, xie) entlang den Leitbahnen in das Innere (intima, li) vordringen, sich zu Hitze (calor, re) wandeln und das Yin schädigen. Bei einer Erkrankung aufgrund innerer Läsionen kommt es ebenfalls häufig zu Affektionen durch äußere Schrägläufigkeiten (Heteropathien, xie), wodurch sich der Krankheitszustand verschlechtert. Eine Kombination aus innerer und äußerer Schrägläufigkeit (Heteropathie, xie) ist daher ein klinisches Charakteristikum dieser Erkrankung.
Man kann differentialdiagnostisch folgende Symptomkonfigurationen unterscheiden:
  • A Verfestigungen von Wind-Kälte (algor venti, fenghan) in den Netzleitbahnen (reticulares, luomai)

  • B Schädigung der Netzleitbahnen (reticulares, luomai) durch Wind-Hitze (calor venti, fengre)

  • C Den oberen Körperbereich störende Glut (ardor, huo) des Fk Leber (o. hepaticus, gan)

  • D Blockaden durch eingestautes Xue

Differenzierte chinesische Therapie
Die oben genannten Krankheitsformen treten häufig kombiniert auf, so dass es vor der Behandlung notwendig ist zu erkennen, was im Vordergrund steht, und es ist flexibel zu behandeln. Diese Erkrankung ist sehr hartnäckig, so dass für die Behandlung Geduld notwendig ist.
Verfestigungen von Wind-Kälte (algor venti, fenghan) in den Netzleitbahnen (reticulares, luomai)
Hauptsymptome
  • Anfallsartig einsetzende heftige Schmerzen im Gesicht

  • Bedürfnis, den Kopf mit Tüchern etc. zu umwickeln

  • Mögliche Allgemeinsymptome: Aversion gegen Wind- und Kältereize, bei Wind und Kälte Einsetzen bzw. Verstärkung der Schmerzen

  • Zungenkörper: blass; Zungenbelag: dünn, weißlich

  • Pulse: oberflächlich und gespannt (superficiales und intenti, fu jin) oder saitenförmig und gespannt (chordales und intenti, xian jin)

Krankheitsmechanismus
Der Patient wird von einer Wind-Kälte-Schrägläufigkeit (algor-venti-Heteropathie, fenghan xie) affiziert. Kälte (algor, han) ist von Natur aus blockierend und kontrahierend und bewirkt, dass Qi und Xue sich verfestigen und blockieren. Hinzu kommt ein Überhandnehmen von Schleim-Trübem (pituita-Trübes, tanzhuo) im Inneren. Wind (ventus, feng) blockiert zusammen mit Schleim (pituita, tan) die Leitbahnen, so dass diese nicht mehr durchgängig sind. Bei nicht durchgängigen Leitbahnen treten Schmerzen auf, so dass es zu heftigen attackenartigen, ziehenden Schmerzen kommt. Kälte (algor, han) ist eine Yin-Schrägläufigkeit (Heteropathie, xie), daher bessert sich der Zustand bei Wärme.
Therapeutisches Vorgehen

  • 1.

    Herauslösen und Beseitigen von Wind (ventus, feng)

  • 2.

    Zerstreuen von Kälte (algor, han)

  • 3.

    Stillen der Schmerzen

Arzneitherapie

Basisrezeptur: Eine Modifikation des Pulvers mit Ligusticum, das mit grünem Tee einzunehmen ist (Chuanxiong chatiao san)

Arznei Pinyin Klassische Tagesdosis (g) Modifizierte Tagesdosis (g) Erläuterung
Chuanxiong rhizoma Chuanxiong 1–10 18 Leitet Wind (ventus, feng) aus, beseitigt Schmerzen
Schizonepetae herba Jingjie 3–10 10 Leitet Wind (ventus, feng) und Wind-Kälte (algor venti, fenghan) aus, löst die Oberfläche (extima, biao)
Angelicae dahuricae radix Baizhi 3–10 10 Lockert und löst die Oberfläche (extima, biao), leitet Wind (ventus, feng) und Wind-Kälte (algor venti, fenghan) aus
Notopterygii rhizoma Qianghuo 3–10 10 Zerstreut Kälte (algor, han), beseitigt Schmerzen, leitet Wind-Kälte (algor venti, fenghan) aus
Asari radix Xixin 1–3 6 Leitet Wind-Kälte (algor venti, fenghan) aus, beseitigt Schmerzen, löst die Oberfläche (extima, biao)
Saposhnikoviae radix Fangfeng 3–9 10 Leitet Wind (ventus, feng) und Wind-Kälte (algor venti, fenghan) aus, löst die Oberfläche (extima, biao), beseitigt Schmerzen
Menthae herba Bohe 1–8 10 Lockert und löst die Oberfläche (extima, biao), klärt den Kopf, macht die Leitbahnen durchgängig und die Sinne frei
Mori folium Sangye 5–15 15 Klärt den Kopf, macht die Leitbahnen durchgängig und die Sinne frei
Viticis fructus Manjingzi 5–10 15 Leitet Wind (ventus, feng) aus, klärt den Kopf
Glycyrrhizae radix Gancao 1–15 3 Stützt und ergänzt das Qi, beruhigt und gleicht aus
Der Rezeptur ein wenig grünen Tee beigeben.
Einnahmemodus: Dekokt (Zubereitung Kap. 6, Einführung)
Erläuterung: Die scharfen und warmen Mittel Schizonepetae herba (Jingjie), Saposhnikoviae radix (Fangfeng), Asari radix (Xixin) und Notopterygii rhizoma (Qianghuo) lösen Wind (ventus, feng) heraus und zerstreuen Kälte (algor, han). Chuanxiong rhizoma (Chuanxiong), Angelicae dahuricae radix (Baizhi) und Viticis fructus (Manjingzi) beseitigen Wind (ventus, feng), stillen Schmerzen und gehen nach oben zum Kopf und zu den Augen. Menthae herba (Bohe) und Mori folium (Sangye) lösen Wind (ventus, feng) heraus, lösen die Oberfläche (extima, biao) und klären den Kopf und die Augen und machen sie durchgängig. Glycyrrhizae radix (Gancao) harmonisiert alle Arzneimittel. Alle Mittel gemeinsam lösen Wind (ventus, feng) heraus, zerstreuen Kälte (algor, han), beseitigen Wind (ventus, feng) und stillen Schmerzen.
Modifikationen:
  • Bei relativ starker energetischer Schwäche (depletio, xu) des Yang mit Aversion gegen Kälte: Ephedrae herba (Mahuang) 9 g, Aconiti radix lateralis praeparata (Fuzi) 6 g

  • Bei Krämpfen der Gesichtsmuskeln: Scolopendra (Wugong) 5 g, Pheretima (Dilong) 9 g

  • Bei ausgeprägten, mit Schmerzen einhergehenden Verfestigungen von Kälte (algor, han): Ligustici sinensis radix (Gaoben) 12 g, Aconiti radix praeparata (Zhichuanwu) 6 g

  • Wenn sich Einstauungen von Wind-Kälte (algor venti, fenghan) nach längerer Zeit zu Hitze (calor, re) wandeln: Chrysanthemi flos (Juhua) 18 g

Diätetik

Grundsätzliche, indikationsabhängige Empfehlungen zur Ernährung

Empfehlenswert Die Oberfläche (extima, biao) öffnende, wärmende Nahrungsmittel (Frühlingszwiebel, Knoblauch, Koriander, Ingwer)
Nicht empfehlenswert Kühle und kalte Speisen
Akupunktur

Indikationsabhängig wichtige Akupunkturpunkte (je nach Befund kann die Behandlung weiterer, hier nicht aufgeführter Akupunkturpunkte erforderlich sein)

Deutsche Bezeichnung Lateinische Bezeichnung Deutsche Übersetzung des chinesischen Namens Pinyin Lokalisation Erläuterung
Lokale Punkte
Bl 2 V 2 Zusammengelegter Bambus cuanzhu Am medialen Ende der Augenbraue Zerstreut Wind (ventus, feng), macht die Netzleitbahnen (reticulares, luomai) frei
Gb 14 F 14 Die Weiße des Yang yangbai 1 cun über der Mitte der Augenbraue Zerstreut Wind (ventus, feng)
Ma 2 S 2 Rand des Wangenbeins sibai 1 cun unterhalb der Pupille des geradeaus blickenden Auges, auf dem Rand des Os zygomaticum; cave! Leitet Wind-Schädigungen (ventus, feng) aus
Ma 3 S 3 Weites Kellerloch juliao 0,7 cun lateral der Nasenöffnung, in Höhe des unteren Randes des Nasenflügels, in Höhe Di 20/IC 20 Zerstreut Wind-Schädigungen (ventus, feng)
Ma 4 S 4 Zwischenspeicher der Erde dicang 0,5 cun seitlich des Mundwinkels Besänftigt inneren Wind (ventus internus, neifeng)
Ma 6 S 6 Maxilla jiache Bei starkem Kaudruck auf der höchsten Erhebung des M. masseter, ca. 1 Fingerbreite (Mittelfinger) vor und oberhalb des Unterkieferwinkels Löst Wind-Schrägläufigkeiten (ventus-Heteropathien, fengxie), macht die Netzleitbahnen (reticulares, luomai) durchgängig
Ma 7 S 7 Unteres Passtor xiaguan Bei geschlossenem Mund unter dem Jochbeinbogen in der Mitte der Vertiefung der Incisura mandibulae zwischen dem Processus coronoideus und dem Processus condylaris der Mandibula Macht die Netzleitbahnen (reticulares, luomai) frei
Di 20 IC 20 Empfangen der Wohlgerüche yingxiang Am unteren Rand des Nasenflügels in einer Vertiefung Zerstreut Wind (ventus, feng)
Dü 18 IT 18 Kellerloch der Wange quanliao Auf der Höhe von Di 20/IC 20, unterhalb des äußeren Augenwinkels Zerstreut Wind-Schrägläufigkeiten (ventus-Heteropathien, fengxie) aller Art
3E 17 T 17 Schutzschirm gegen Wind yifeng Am Vorderrand des Processus mastoideus, wo das Ohrläppchen bei Druck den Processus berührt Wehrt Wind (ventus, feng) ab
Du 26 Rg 26 Wassergraben shuigou Auf der Mittellinie des Philtrums, etwas oberhalb seiner Mitte Besänftigt Wind (ventus, feng)
Ren 24 Rs 24 Punkt, der die Flüssigkeiten aufnimmt chengjiang In der Mitte des Unterkiefers in der Vertiefung unterhalb der Lippe Besänftigt Wind (ventus, feng)
Periphere Punkte
3E 5 T 5 Äußeres Passtor waiguan 2 cun proximal der Handgelenksfalte, in der Mitte des Unterarms zwischen Elle und Speiche, gegenüber Pe 6/Pc 6 Leitet Kälte (algor, han) aus, macht die Haupt- und Netzleitbahnen (cardinales und reticulares, jingmai luomai) durchgängig
Ma 40 S 40 Üppige Fülle fenglong In der Mitte zwischen Unterkante der Patella und Spitze des Malleolus lateralis, 1 cun lateral von Ma 38/S 38 Wandelt Feuchtigkeit (humor, shi) um, leitet Schleim (pituita, tan) aus
Ma 36 S 36 Dritter Weiler am Fuß zusanli 3 cun unterhalb der Patellaunterkante, 1 cun fibular der Tibiakante, auf Höhe der Tuberositas tibiae Harmonisiert das Qi und das Xue
Bei der Auswahl der lokalen Foramina ist das jeweilige Ausbreitungsgebiet der drei Trigeminus-Äste zu berücksichtigen:
  • Ausbreitungsgebiet von Ast 1: Gb 14/F 14 (Die Weiße des Yang, yangbai) und Bl 2/V 2 (Zusammengelegter Bambus, cuanzhu)

  • Ausbreitungsgebiet von Ast 2: Ma 2/S 2 (Rand des Wangenbeins, sibai), Ma 3/S 3 (Weites Kellerloch, juliao), Ma 7/S 7 (Unteres Passtor, xiaguan), Di 20/IC 20 (Empfangen der Wohlgerüche, yingxiang), Dü 18/IT 18 (Kellerloch der Wange, quanliao) und Du 26/Rg 26 (Wassergraben, renzhong)

  • Ausbreitungsgebiet von Ast 3: Ma 4/S 4 (Zwischenspeicher der Erde, dicang), Ma 6/S 6 (Maxilla, jiache), Ma 7/S 7 (Unteres Passtor, xiaguan), 3E 17/T 17 (Schutzschirm gegen Wind, yifeng) und Ren 24/Rs 24 (Punkt, der die Flüssigkeiten aufnimmt, chengjiang)

Schädigung der Netzleitbahnen (reticulares, luomai ) durch Wind-Hitze (calor venti, fengre)
Hauptsymptome
  • Anfallsartig einsetzende heftige Schmerzen und Hitzegefühle im Gesicht

  • Mögliche Allgemeinsymptome: bitterer Mundgeschmack, leichter Durst, Obstipation, rötlicher Urin

  • Zungenkörper: roter Rand und rote Spitze; Zungenbelag: dünn, gelblich

  • Pulse: oberflächlich und beschleunigt (superficiales und celeri, fu shu) oder saitenförmig und beschleunigt (chordales und celeri, xian shu)

Krankheitsmechanismus
Meist besteht eine konstitutionell bedingte energetische Schwäche (depletio, xu) des Fk Milz (o. lienalis, pi). Dadurch nehmen im Inneren Feuchtigkeit (humor, shi) und Schleim (pituita, tan) überhand. Kommt nun eine zusätzliche Affektion durch eine Wind-Hitze-Schrägläufigkeit (calor-venti-Heteropathie, fengre xie) hinzu, so stört Wind-Hitze (calor venti, fengre) zusammen mit Schleim-Trübem (pituita-Trübes, tanzhuo) den oberen Körperbereich und blockiert die Leitbahnen. Diese sind nicht mehr durchgängig, und so kommt es an der Wange zu brennenden oder lanzinierenden Schmerzen. Wind (ventus, feng) ist eine Yang-Schrägläufigkeit (Yang-Heteropathie, yangxie), die sich bewegen will und sich mehrmals verändert, daher treten die Schmerzen immer wieder auf und verschwinden wieder.
Therapeutisches Vorgehen

  • 1.

    Beseitigen von Wind (ventus, feng)

  • 2.

    Zerstreuen von Hitze (calor, re)

  • 3.

    Kühlen der Netzleitbahnen (reticulares, luomai)

  • 4.

    Stillen der Schmerzen

Arzneitherapie

Basisrezeptur: Eine Modifikation des Pulvers mit Chrysanthemum, das mit grünem Tee einzunehmen ist (Juhua chatiao san)

Arznei Pinyin Klassische Tagesdosis (g) Modifizierte Tagesdosis (g) Erläuterung
Chrysanthemi flos Juhua 3–15 15 Leitet Wind (ventus, feng) und Wind-Hitze (calor venti, fengre) aus, kühlt Hitze (calor, re), klärt den Kopf
Bombyx batryticatus Jiangcan 3–10 10 Leitet Wind (ventus, feng) und Wind-Hitze (calor venti, fengre) aus, beruhigt und gleicht aus
Chuanxiong rhizoma Chuanxiong 1–10 15 Leitet Wind (ventus, feng) und Wind-Hitze (calor venti, fengre) aus, beseitigt Schmerzen
Angelicae dahuricae radix Baizhi 3–10 10 Lockert und löst die Oberfläche (extima, biao), leitet Wind (ventus, feng) aus
Asari radix Xixin 1–3 6 Öffnet die Oberfläche (extima, biao), beseitigt Schmerzen
Schizonepetae herba Jingjie 3–10 6 Leitet Wind (ventus, feng) aus, öffnet die Oberfläche (extima, biao)
Menthae herba Bohe 1–8 10 Lockert und löst die Oberfläche (extima, biao), klärt den Kopf, macht die Leitbahnen durchgängig und die Sinne frei
Mori folium Sangye 5–15 15 Leitet Wind-Hitze (calor venti, fengre) aus, kühlt Hitze (calor, re), klärt den Kopf, macht die Leitbahnen durchgängig und die Sinne frei
Viticis fructus Manjingzi 5–10 15 Leitet Wind (ventus, feng) und Wind-Hitze (calor venti, fengre) aus, klärt den Kopf
Glycyrrhizae radix Gancao 1–15 6 Stützt und ergänzt das Qi, beruhigt und gleicht aus
Die Rezeptur mit ein wenig grünem Tee einnehmen.
Einnahmemodus: Dekokt (Zubereitung Kap. 6, Einführung)
Erläuterung: Chrysanthemi flos (Juhua), Menthae herba (Bohe), Mori folium (Sangye), Viticis fructus (Manjingzi) und grüner Tee lösen Wind-Hitze (calor venti, fengre) heraus. Angelicae dahuricae radix (Baizhi), Asari radix (Xixin) und Schizonepetae herba (Jingjie) lösen Wind (ventus, feng) heraus und lösen die Oberfläche (extima, biao). Chuanxiong rhizoma (Chuanxiong) und Bombyx batryticatus (Jiangcan) machen die Netzleitbahnen (reticulares, luomai) durchgängig und stillen Schmerzen. Glycyrrhizae radix (Gancao) harmonisiert alle Arzneimittel.
Modifikationen:
  • Bei stark ausgeprägter Wind-Hitze (calor venti, fengre): Lonicerae flos (Jinyinhua) 12 g, Forsythiae fructus (Lianqiao) 12 g, Gardeniae fructus (Zhizi) 15 g

  • Bei Schädigung der aktiven Säfte (jin) mit Durst: Anemarrhenae rhizoma (Zhimu) 15 g, Phragmitis rhizoma (Lugen) 18 g, Trichosanthis radix (Tianhuafen) 12 g

  • Bei Obstipation: Rhei rhizoma (Dahuang) 9 g

  • Bei rötlichem Urin: Rehmanniae radix (Shengdihuang) 12 g, Lophateri herba (Danzhuye) 15 g

  • Bei Auftreten von wechselnden Kälte- und Hitzeempfindungen: Bupleuri radix (Chaihu) 9 g, Scutellariae radix (Huangqin) 15 g

Diätetik

Grundsätzliche, indikationsabhängige Empfehlungen zur Ernährung

Empfehlenswert Scharfe und kühlende Nahrungsmittel (Rettich, Karotte, Chinakohl, Löwenzahn, Tomate, grüner Tee)
Nicht empfehlenswert Warme und heiße Speisen
Akupunktur

Indikationsabhängig wichtige Akupunkturpunkte (je nach Befund kann die Behandlung weiterer, hier nicht aufgeführter Akupunkturpunkte erforderlich sein)

Deutsche Bezeichnung Lateinische Bezeichnung Deutsche Übersetzung des chinesischen Namens Pinyin Lokalisation Erläuterung
Lokale Punkte: wie unter A
Periphere Punkte
Di 1 IC 1 Äußerstes Yang shangyang 0,1 cun neben dem radialen Nagelfalzwinkel des Zeigefingers Öffnet die Oberfläche (extima, biao), macht die Sinnesöffnungen frei
3E 1 T 1 Die große Straße am Passtor guanchong An der ulnaren Seite des Ringfingers, 0,1 cun lateral des ulnaren Nagelfalzwinkels Leitet Wind (ventus, feng) aus, macht die Sinnesöffnungen frei
Dü 1 IT 1 Der kleine Moorsee shaoze 0,1 cun neben dem ulnaren Nagelfalzwinkel des Kleinfingers Zerstreut Wind-Hitze (calor venti, fengre)
Di 11 IC 11 Gekrümmter Teich quchi Bei 90 gewinkeltem Ellbogen in Verbindung der Ellbogenfalte zum Epicondylus lateralis in einer Vertiefung davor Leitet Wind (ventus, feng) aus, kühlt Hitze (calor, re)
Di 4 IC 4 Vereinte Täler hegu Etwa in der Mitte des 2. Mittelhandknochens an der radialen Seite Zerstreut Wind (ventus, feng), beseitigt Schmerz
Ma 40 S 40 Üppige Fülle fenglong In der Mitte zwischen Unterkante der Patella und Spitze des Malleolus lateralis, 1 cun lateral von Ma 38/S 38 Wandelt Feuchtigkeit (humor, shi) um, leitet Schleim (pituita, tan) aus
Bei der Auswahl der lokalen Foramina ist das jeweilige Ausbreitungsgebiet der drei Trigeminus-Äste zu berücksichtigen:
  • Ausbreitungsgebiet von Ast 1: Gb 14/F 14 (Die Weiße des Yang, yangbai) und Bl 2/V 2 (Zusammengelegter Bambus, cuanzhu)

  • Ausbreitungsgebiet von Ast 2: Ma 2/S 2 (Rand des Wangenbeins, sibai), Ma 3/S 3 (Weites Kellerloch, juliao), Ma 7/S 7 (Unteres Passtor, xiaguan), Di 20/IC 20 (Empfangen der Wohlgerüche, yingxiang), Dü 18/IT 18 (Kellerloch der Wange, quanliao) und Du 26/Rg 26 (Wassergraben, renzhong)

  • Ausbreitungsgebiet von Ast 3: Ma 4/S 4 (Zwischenspeicher der Erde, dicang), Ma 6/S 6 (Maxilla, jiache), Ma 7/S 7 (Unteres Passtor, xiaguan), 3E 17/T 17 (Schutzschirm gegen Wind, yifeng) und Ren 24/Rs 24 (Punkt, der die Flüssigkeiten aufnimmt, chengjiang)

Di 1/IC 1 (Äußerstes Yang, shangyang), 3E 1/T 1 (Die große Straße am Passtor, guanchong) und Dü 1/IT 1 (Der kleine Moorsee, shaoze) mit der Dreikantnadel blutig stechen, so dass etwas Blut austritt. Di 11/IC 11 (Gekrümmter Teich, quchi), Di 4/IC 4 (Vereinte Täler, hegu) und Ma 40/S 40 (Üppige Fülle, fenglong) unter Anheben und Nachstechen (ticha) dispulsiv nadeln und die Nadeln mehrmals bewegen, um die Nadelstichempfindung zu verstärken; die Nadeln 30 Minuten lang liegen lassen. Im Anfallsstadium sollte täglich genadelt werden, nach Remission jeden zweiten Tag, bis die Schmerzen kontrolliert sind.
Den oberen Körperbereich störende Glut (ardor, huo) des Fk Leber (o. hepaticus, gan)
Hauptsymptome
  • Anfallsartig einsetzende heftige Schmerzen im Gesicht

  • Starke Hitzegefühle an der Wange

  • Mögliche Allgemeinsymptome: Nervosität, Reizbarkeit, Benommenheit, gerötete Augen, Ohrensausen, bitterer Mundgeschmack, Schlafstörungen, viele Träume, Obstipation, rötlicher Urin

  • Zungenkörper: rot; Zungenbelag: gelblich

  • Pulse: saitenförmig und beschleunigt (chordales und celeri, xian shu)

Krankheitsmechanismus
Wenn durch Sorge (solicitudo, you) und Grübeln (cogitatio, si) eingestauter Zorn (ira, nu) den Fk Leber (o. hepaticus, gan) schädigt, kann die Wandlungsphase Holz nicht mehr gleichmäßig verteilen. Es kommt zu Einstauungen, die sich in Glut (ardor, huo) verwandeln. Glut (ardor, huo) des Fk Leber (o. hepaticus, gan) affiziert den oberen Körperbereich und verbrennt und schädigt die Leitbahnen. Dies führt zu heftigen, kaum ertragbaren Schmerzen im Gesicht, die häufig bei emotionaler Unausgeglichenheit auftreten.
Therapeutisches Vorgehen

  • 1.

    Kühlen des Fk Leber (o. hepaticus, gan)

  • 2.

    Ausleiten von Hitze (calor, re)

  • 3.

    Absenken von Glut (ardor, huo)

  • 4.

    Stillen der Schmerzen

Arzneitherapie

Eine Modifikation der Mischung von Gentiana-Dekokt zur Zerstreuung des Fk Leber (o. hepaticus) (Longdan xiegan tang) und Emporhebendes und absenkendes Pulver (Shengjiang san)

Arznei Pinyin Klassische Tagesdosis (g) Modifizierte Tagesdosis (g) Erläuterung
Gentianae radix Longdancao 3–10 15 Leitet Glut (ardor, huo) aus
Gardeniae fructus Zhizi 3–10 10 Kühlt Hitze (calor, re), leitet Glut (ardor, huo) aus
Scutellariae radix Huangqin 6–15 10 Kühlt Hitze (calor, re), leitet Glut (ardor, huo) aus
Rehmanniae radix Shengdihuang 10–30 15 Kühlt Hitze (calor, re) und Glut (ardor, huo)
Bupleuri radix Chaihu 3–12 10 Bewegt und reguliert das Qi
Cicadae periostracum Chantui 3–10 6 Leitet Wind-Hitze (calor venti, fengre) aus, klärt den Kopf
Bombyx batryticatus Jiangcan 3–10 6 Leitet Wind-Hitze (calor venti, fengre) aus, beruhigt und gleicht aus
Curcumae longae rhizoma Jianghuang 3–10 10 Kühlt Hitze (calor, re), bewegt das Xue
Rhei rhizoma Dahuang 1–12 6 Kühlt Hitze (calor, re), kühlt Glut (ardor, huo), löst Stasen des Xue
Plantaginis semen Cheqianzi 3–15 10 Kühlt Hitze (calor, re), klärt den Kopf
Glycyrrhizae radix Gancao 1–15 6 Leitet Glut (ardor, huo) aus, beruhigt und gleicht aus
Einnahmemodus: Dekokt (Zubereitung Kap. 6, Einführung)
Erläuterung: Gentianae radix (Longdancao), Gardeniae fructus (Zhizi), Scutellariae radix (Huangqin) und Rhei rhizoma (Dahuang) kühlen den Fk Leber (o. hepaticus, gan) und leiten Glut (ardor, huo) aus. Plantaginis semen (Cheqianzi) und Rehmanniae radix (Shengdihuang) leiten Feuchtigkeit-Hitze (calor humidus, shire) der Fk Leber und Gallenblase (oo. hepaticus et felleus, gan dan) aus. Bupleuri radix (Chaihu), Cicadae periostracum (Chantui), Bombyx batryticatus (Jiangcan) und Curcumae longae rhizoma (Jianghuang) lösen den Fk Leber (o. hepaticus, gan), beseitigen Einstauungen, beseitigen Wind (ventus, feng) und stillen Schmerzen. Glycyrrhizae radix (Gancao) harmonisiert alle Arzneimittel.
Modifikationen:
  • Bei gleichzeitigem Drehschwindel: Paeoniae radix lactiflora (Baishao) 12 g, Uncariae ramulus cum uncis (Gouteng) 15 g, Chrysanthemi flos (Juhua) 18 g

  • Bei Krämpfen der Gesichtsmuskulatur: Fossilia dentis mastodi (Longchi) 30 g, Scorpio (Quanxie) 6 g, Pheretima (Dilong) 6 g

  • Bei trockenem Mund mit Durst: Scrophulariae radix (Xuanshen) 15 g, Ophiopogonis radix (Maimendong) 12 g

Diätetik

Grundsätzliche, indikationsabhängige Empfehlungen zur Ernährung

Empfehlenswert Öffnende, lösende und erweichende Nahrungsmittel (chinesischer Lauch, Stangensellerie, Wasserkastanie, Brauntang, Kumquat)
Nicht empfehlenswert Warme und heiße Speisen, vor allem Alkohol
Akupunktur

Indikationsabhängig wichtige Akupunkturpunkte (je nach Befund kann die Behandlung weiterer, hier nicht aufgeführter Akupunkturpunkte erforderlich sein)

Deutsche Bezeichnung Lateinische Bezeichnung Deutsche Übersetzung des chinesischen Namens Pinyin Lokalisation Erläuterung
Lokale Punkte: wie unter A
Periphere Punkte
3E 2 T 2 Pforte des Saftes yemen Distal vom Metacarpo-Phalangeal-Gelenk des 4. Fingers, 0,5 cun proximal des Sehnenrandes zwischen Ringfinger und kleinem Finger Kühlt die Säfte (jinye), macht die Netzleitbahnen (reticulares, luomai) frei
Le 2 H 2 Der Zwischenraum des Gehens xingjian Distal vom Zehengrundgelenk, zwischen der 1. und 2. Zehe, ca. 0,5 cun proximal der Zwischenzehenfalte Stützt und harmonisiert den Fk Leber (o. hepaticus, gan), leitet Glut (ardor, huo) aus
Gb 43 F 43 Der eingezwängte Wasserlauf xiaxi Zwischen der 4. und 5. Zehe proximal der Interdigitalfalte Eliminiert Hitze (calor, re)
Le 8 H 8 Quelle an der Krümmung ququan Bei gebeugtem Knie am medialen Ende der Kniegelenksfalte, zwischen dem Vorderrand des M. semimembranosus und dem Condylus tibialis in einer Vertiefung tastbar Stützt und harmonisiert das Qi des Fk Leber (qi hepatici, ganqi)
Bei der Auswahl der lokalen Foramina ist das jeweilige Ausbreitungsgebiet der drei Trigeminus-Äste zu berücksichtigen:
  • Ausbreitungsgebiet von Ast 1: Gb 14/F 14 (Die Weiße des Yang, yangbai) und Bl 2/V 2 (Zusammengelegter Bambus, cuanzhu)

  • Ausbreitungsgebiet von Ast 2: Ma 2/S 2 (Rand des Wangenbeins, sibai), Ma 3/S 3 (Weites Kellerloch, juliao), Ma 7/S 7 (Unteres Passtor, xiaguan), Di 20/IC 20 (Empfangen der Wohlgerüche, yingxiang), Dü 18/IT 18 (Kellerloch der Wange, quanliao) und Du 26/Rg 26 (Wassergraben, renzhong)

  • Ausbreitungsgebiet von Ast 3: Ma 4/S 4 (Zwischenspeicher der Erde, dicang), Ma 6/S 6 (Maxilla, jiache), Ma 7/S 7 (Unteres Passtor, xiaguan), 3E 17/T 17 (Schutzschirm gegen Wind, yifeng) und Ren 24/Rs 24 (Punkt, der die Flüssigkeiten aufnimmt, chengjiang)

An den peripheren Foramina unter Anheben und Nachstechen (ticha) und kombiniertem Drehen und Wirbeln (nianzhuan) dispulsiv nadeln, die Nadeln langsam bewegen, so dass sich die Nadelstichempfindung allmählich verstärkt und sich zu entfernten Punkten verbreitet, anschließend die Nadeln liegen lassen und alle 3–5 Minuten die Nadeln zweimal bewegen.
Modifikationen:
  • Bei Nervosität und Reizbarkeit: Pe 7/Pc 7 (Großer Grabhügel, daling)

  • Bei Spannungs- und Druckgefühlen in der Brust und im Flankenbereich: 3E 6/T 6 (Der fliegende Tiger/Seitlicher Abzugsgraben, feihu/zhigou)

An Pe 7/Pc 7 (Großer Grabhügel, daling) unter Drehen und Wirbeln (nianzhuan) dispulsiv nadeln, so dass sich die Nadelstichempfindung nach oben verbreitet, an 3E 6/T 6 (Der fliegende Tiger/Seitlicher Abzugsgraben, feihu/zhigou) ausgewogen suppletieren und dispulsieren.
Blockaden durch eingestautes Xue
Hauptsymptome
  • Weniger anfallsartige als lange andauernde, heftige, bohrende, stechende oder schneidende Schmerzen im Gesicht

  • Druckempfindlichkeit an der schmerzenden Stelle

  • Keine erkennbaren Auslöser wie Kälte oder Hitze

  • Mögliche Allgemeinsymptome: raue und schuppige Haut, dunkler Teint, Aversion gegen Wind und Kälte, spontane Schweißausbrüche, leise Stimme

  • Zungenkörper: dunkelpurpurrot evtl. mit Petechien; Zungenbelag: dünn, weißlich

  • Pulse: saitenförmig und rau (chordales und asperi, xian se)

Krankheitsmechanismus
Dauern die Gesichtsschmerzen über mehrere Jahre hinweg an, erschöpfen sich Qi und Xue. Die Schrägläufigkeit (Heteropathie, xie) dringt in das Xue und in die Netzleitbahnen (reticulares, luomai) ein, und in den Leitbahnen kommt es zu Einstauungen. Das anfallsweise Auftreten der Schmerzen nimmt ab, die Schmerzen sind dauernd vorhanden, bohrend und kaum ertragbar.
Therapeutisches Vorgehen

  • 1.

    Dynamisieren des Xue

  • 2.

    Beseitigen von Stasen

  • 3.

    Durchgängigmachen der Körperöffnungen

  • 4.

    Stillen der Schmerzen

Arzneitherapie

Basisrezeptur: Eine Modifikation des Dekoktes, das die Sinnesöffnungen löst und das Xue vorantreibt (Tongqiao huoxue tang)

Arznei Pinyin Klassische Tagesdosis (g) Modifizierte Tagesdosis (g) Erläuterung
Paeoniae radix rubra Chishaoyao 3–10 9 Kühlt und bewegt das Xue
Chuanxiong rhizoma Chuanxiong 1–10 9 Bewegt das Xue, beseitigt Schmerzen
Persicae semen Taoren 3–10 9 Bewegt das Xue, löst Stasen des Xue
Carthami flos Honghua 3–10 9 Bewegt das Xue, löst Stasen des Xue, beseitigt Schmerzen
Zingiberis rhizoma recens Shengjiang 2–6 Scheiben 2 Scheiben Lockert und löst die Oberfläche (extima, biao), entgiftet und desinfiziert
Bombyx batryticatus Jiangcan 3–10 9 Leitet Wind (ventus, feng) aus, beruhigt und gleicht aus
Scorpio Quanxie 1–3 6 Löst Zusammenballungen, beseitigt Schmerzen
Angelicae dahuricae radix Baizhi 3–10 9 Lockert und löst die Oberfläche (extima, biao), leitet Wind (ventus, feng) aus
Allii fistulosi bulbus Congbai 2–8 Stück 2 Stück Klärt den Kopf, beseitigt Schmerz
Einnahmemodus: Dekokt (Zubereitung Kap. 6, Einführung)
Erläuterung: Persicae semen (Taoren), Carthami flos (Honghua), Paeoniae radix rubra (Chishaoyao) und Chuanxiong rhizoma (Chuanxiong) dynamisieren das Xue und wandeln Stasen um. Bombyx batryticatus (Jiangcan) und Scorpio (Quanxie) vertreiben Wind (ventus, feng) und machen die Netzleitbahnen (reticulares, luomai) durchgängig. Angelicae dahuricae radix (Baizhi) ist scharf und aromatisch und verteilt sich gut. Die Frühlingszwiebeln (Allii fistulosi bulbus, Congbai) machen die Körperöffnungen durchgängig. Alle Mittel gemeinsam wirken das Xue dynamisierend, Stasen umwandelnd, die Körperöffnungen durchgängig machend und Schmerzen stillend.
Modifikationen:
  • Bei stark eingestautem Xue: Eupolyphaga (Tubiechong) 5 g, Hirudo (Shuizhi) 6 g

  • Bei Krämpfen der Gesichtsmuskeln: Scolopendra (Wugong) 6 g, Pheretima (Dilong) 6 g

  • Bei gleichzeitigen Qi-Blockaden: Citri reticulatae viride pericarpium (Qingpi) 9 g, Aurantii fructus (Zhike) 12 g, Cyperi rhizoma (Xiangfu) 6 g

  • Bei gleichzeitig bestehenden Zeichen von Hitze (calor, re): Scutellariae radix (Huangqin) 12 g, Gardeniae fructus (Zhizi) 12 g

Diätetik

Grundsätzliche, indikationsabhängige Empfehlungen zur Ernährung

Empfehlenswert Das Qi und gleichzeitig das Xue bewegende Nahrungsmittel (chinesischer Lauch, Azukibohnen)
Nicht empfehlenswert Kalte und rohe Speisen
Akupunktur

Indikationsabhängig wichtige Akupunkturpunkte (je nach Befund kann die Behandlung weiterer, hier nicht aufgeführter Akupunkturpunkte erforderlich sein)

Deutsche Bezeichnung Lateinische Bezeichnung Deutsche Übersetzung des chinesischen Namens Pinyin Lokalisation Erläuterung
Lokale Punkte: wie unter A
Periphere Punkte
Bl 17 V 17 Einflusspunkt des Zwerchfells geshu 1,5 cun lateral des Dornfortsatzes des 7. BWK Reguliert das Xue, verteilt Stasen
Bl 18 V 18 Einflusspunkt des Leber-Funktionskreises ganshu 1,5 cun lateral des Dornfortsatzes des 9. BWK Harmonisiert das Qi, löst Blockaden
Ren 4 Rs 4 Das erste der Passtore guanyuan 3 cun unterhalb des Nabels Reguliert das Qi
Mi 6 L 6 Die Verbindung der drei Yin sanyinjiao 3 cun oberhalb des Malleolus internus am Hinterrand der Tibia Steigert und dynamisiert den Säfteumlauf
Ma 36 S 36 Dritter Weiler am Fuß zusanli 3 cun unterhalb der Patellaunterkante, 1 cun fibular der Tibiakante, auf Höhe der Tuberositas tibiae Harmonisiert das Qi und das Xue
Bei der Auswahl der lokalen Foramina ist das jeweilige Ausbreitungsgebiet der drei Trigeminus-Äste zu berücksichtigen:
  • Ausbreitungsgebiet von Ast 1: Gb 14/F 14 (Die Weiße des Yang, yangbai) und Bl 2/V 2 (Zusammengelegter Bambus, cuanzhu)

  • Ausbreitungsgebiet von Ast 2: Ma 2/S 2 (Rand des Wangenbeins, sibai), Ma 3/S 3 (Weites Kellerloch, juliao), Ma 7/S 7 (Unteres Passtor, xiaguan), Di 20/IC 20 (Empfangen der Wohlgerüche, yingxiang), Dü 18/IT 18 (Kellerloch der Wange, quanliao) und Du 26/Rg 26 (Wassergraben, renzhong)

  • Ausbreitungsgebiet von Ast 3: Ma 4/S 4 (Zwischenspeicher der Erde, dicang), Ma 6/S 6 (Maxilla, jiache), Ma 7/S 7 (Unteres Passtor, xiaguan), 3E 17/T 17 (Schutzschirm gegen Wind, yifeng) und Ren 24/Rs 24 (Punkt, der die Flüssigkeiten aufnimmt, chengjiang)

Die peripheren Foramina suppletiv nadeln. Nach Herausziehen der Nadeln kann man moxen oder nur an Ren 4/Rs 4 (Das erste der Passtore, guanyuan) Moxibustion auf einer Ingwerscheibe durchführen, dabei jeweils 5–7 große Moxakegel abbrennen.
Modifikationen:
Bei Aversion gegen Wind und spontanen Schweißausbrüchen: Du 14/Rg 14 (Punkt aller Strapazen, dazhui) und Ni 7/R 7 (Der zurückfließende Strom, fuliu)
An Du 14/Rg 14 (Punkt aller Strapazen, dazhui) kann man die Methode des suppletiven Nadelns mit Bewegen von Hitze (calor, re) anwenden oder nach einfacher Akupunktur zusätzlich moxen. An Ni 7/R 7 (Der zurückfließende Strom, fuliu) sollte man unter Anheben und Nachstechen (ticha) sup
pletiv nadeln. Bei einer lange bestehenden Erkrankung mit einer schwachen Konstitution sollte man jeden zweiten Tag nadeln.

Erkrankungen der Nase und der Nebenhöhlen

Akute Rhinitis

Krankheitsbild und Therapie aus westlicher Sicht
Klinisches Bild
  • Man unterscheidet ein trockenes Vorstadium von einem serösen oder katarrhalischen Stadium. Bei ersterem bestehen Niesreiz, Kitzeln, Fremdkörper- oder Wundgefühl in der Nase und im Nasenrachen und allgemein Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, Frösteln, aber auch Hitzegefühl. Nach wenigen Stunden setzt letzteres mit zunehmender Nasenverstopfung und wässrig-seröser Sekretion ein, und die Haut des Naseneinganges ist mit zunehmender Sekretion gerötet.

  • Nach einigen Tagen verringert sich die Rhinorrhö, das Sekret wird zäher, es kann zur Krustenbildung kommen, und die Allgemeinerscheinungen klingen nach 1–2 Wochen ab.

  • Die akute Rhinitis oder der Schnupfen wird meist durch Rhino-, Adeno-, RS- oder Parainfluenzaviren verursacht.

Therapie aus westlicher Sicht
  • Vorwiegend symptomatisch: abschwellende Nasentropfen, Wärmeapplikation, feuchtwarme Inhalationen, Mukolytika

  • Antibiotika nur bei bakterieller Superinfektion

Krankheitsbild und Therapie aus Sicht der chinesischen Medizin
Übersicht
In der chinesischen Medizin wird die Erkrankung der Kategorie Verstopfung der Nase aufgrund schädigenden Windes (Shangfeng bise) zugeordnet.
Agenzien und Pathogenese
Der akuten Rhinitis geht häufig ein Aufenthalt in Kälte oder Feuchtigkeit voraus. Dabei kann die Schrägläufigkeit (Heteropathie, xie) Wind (ventus, feng) zusammen mit Kälte (algor, han) oder Hitze (calor, re) eindringen, die Nase affizieren und den Fk Lunge (o. pulmonalis, fei) in seiner Fähigkeit, zu klären und hinabzuführen, beeinträchtigen.
Man unterscheidet differentialdiagnostisch zwei Hauptsymptomkonfigurationen:
  • A Eindringen von Wind-Kälte (algor venti, fenghan)

  • B Eindringen von Wind-Hitze (calor venti, fengre)

Differenzierte chinesische Therapie
Eindringen von Wind-Kälte (algor venti, fenghan)
Hauptsymptome
  • Verstopfte Nase

  • Wässriges Nasensekret

  • Niesreiz

  • Nasale Sprache

  • Mögliche Allgemeinsymptome: Kopfschmerzen, Kälteaversion, Unwohlsein

  • Zungenkörper: rötlich; Zungenbelag: dünn und weißlich

  • Pulse: oberflächlich und gespannt (superficiales und intenti, fu jin)

Krankheitsmechanismus
Wind-Kälte (algor venti, fenghan) als exogenes Agens bildet die Hauptbelastung für den Fk Lunge (o. pulmonalis, fei). Durch das Eindringen von Wind-Kälte (algor venti, fenghan) wird die Wehrenergie (qi defensivum, weiqi), die vom Fk Lunge (o. pulmonalis, fei) dominiert wird, gebunden und geschädigt. Die Nase als Körperöffnung des Fk Lunge (o. pulmonalis, fei) wird hierbei als erstes affiziert.
Therapeutisches Vorgehen

  • 1.

    Ausleiten von Wind (ventus, feng)

  • 2.

    Vertreiben von Kälte (algor, han)

  • 3.

    Freimachen der Sinnesöffnungen

Arzneitherapie

Basisrezeptur: Eine Modifikation des Magnolienblüten-Pulvers (Xinyi san)

Arznei Pinyin Klassische Tagesdosis (g) Modifizierte Tagesdosis (g) Erläuterung
Magnoliae flos Xinyi 3–10 6 Leitet Wind (ventus, feng) aus, zerstreut Kälte (algor, han)
Ligustici sinensis radix Gaoben 3–10 9 Leitet Wind (ventus, feng) aus, lockert und löst die Oberfläche (extima, biao), zerstreut Kälte (algor, han)
Cimicifugae rhizoma Shengma 1–10 9 Löst die Oberfläche (extima, biao), hebt das Qi empor
Chuanxiong rhizoma Chuanxiong 1–10 9 Bewegt und reguliert das Qi, leitet Wind (ventus, feng) aus
Saposhnikoviae radix Fangfeng 3–9 9 Löst die Oberfläche (extima, biao), leitet Wind (ventus, feng) und Wind-Kälte (algor venti, fenghan) aus
Notopterygii rhizoma Qianghuo 3–10 9 Löst die Oberfläche (extima, biao), zerstreut Kälte (algor, han), leitet Wind-Kälte (algor venti, fenghan) aus
Angelicae dahuricae radix Baizhi 3–10 6 Lockert und löst die Oberfläche (extima, biao), leitet Wind (ventus, feng) und Wind-Kälte (algor venti, fenghan) aus
Glycyrrhizae radix Gancao 1–15 6 Stützt und ergänzt das Qi, beruhigt und gleicht aus
Asari radix Xixin 1–3 3 Löst die Oberfläche (extima, biao), leitet Wind-Kälte (algor venti, fenghan) aus, zerstreut Hitze (calor, re)
Einnahmemodus: Dekokt (Zubereitung Kap. 6, Einführung)
Erläuterung: Magnoliae flos (Xinyi) und Ligustici sinensis radix (Gaoben) leiten Wind (ventus, feng) aus und zerstreuen Kälte (algor, han). Cimicifugae rhizoma (Shengma), Saposhnikoviae radix (Fangfeng), Notopterygii rhizoma (Qianghuo), Angelicae dahuricae radix (Baizhi) und Asari radix (Xixin) lösen in erster Linie die Oberfläche (extima, biao) und leiten Wind-Kälte (algor venti, fenghan) aus. Chuanxiong rhizoma (Chuanxiong) bewegt das Qi, und Glycyrrhizae radix (Gancao) harmonisiert die Rezeptur.

Alternative Basisrezeptur: Pulver mit Prunus armeniaca und Perilla (Xingsu san)

ArzneiPinyinKlassische Tagesdosis (g)Modifizierte Tagesdosis (g)Erläuterung
Perillae caulis et foliumZisuye3–106Löst die Oberfläche (extima, biao), zerstreut Kälte (algor, han)
Peucedani radixQianhu3–106Leitet Wind-Kälte (algor venti, fenghan) aus
Aurantii fructusZhike3–106Bewegt und reguliert das Qi
Citri reticulatae pericarpiumChenpi3–106Bewegt und reguliert das Qi
Platycodi radixJiegeng3–106Leitet Wind-Kälte (algor venti, fenghan) aus
Pinelliae rhizomaBanxia3–126Senkt das Qi ab
PoriaFuling10–156Wirkt diuretisch, beruhigt und gleicht aus
Glycyrrhizae radixGancao1–153Stützt und ergänzt das Qi, beruhigt und gleicht aus
Armeniacae semenXingren3–106Stillt Husten, befeuchtet Trockenheit (ariditas, zao)
Jujubae fructusDazao3–102 StückStützt und ergänzt das Qi, beruhigt und gleicht aus
Zingiberis rhizoma recensShengjiang2–6 Scheiben3 ScheibenLockert und löst die Oberfläche (extima, biao), zerstreut Kälte (algor, han)
Einnahmemodus: Dekokt (Zubereitung Kap. 6, Einführung)
Erläuterung: Die Hauptarznei Perillae caulis et folium (Zisuye) löst in erster Linie die Oberfläche (extima, biao). Zwischen Perillae caulis et folium (Zisuye) und Peucedani radix (Qianhu) besteht ein Synergismus. Unterstützt wird Peucedani radix (Qianhu) durch Pinelliae rhizoma (Banxia), Citri reticulatae pericarpium (Chenpi) und Poria (Fuling). Armeniacae semen (Xingren), Platycodi radix (Jiegeng) und Aurantii fructus (Zhike) lösen die Blockade der Energien im Fk Lunge (o. pulmonalis, fei). Abgerundet wird die Rezeptur durch die auf die Fk Milz und Magen (oo. lienalis et stomachi, pi wei) harmonisierend wirkenden Glycyrrhizae radix (Gancao), Jujubae fructus (Dazao) und Zingiberis rhizoma recens (Shengjiang).
Modifikationen:
  • Bei starker Kälteaversion: Saposhnikoviae radix (Fangfeng) 12 g, Puerariae radix (Gegen) 10 g

  • Bei stark verstopfter Nase: Angelicae dahuricae radix (Baizhi) 10 g, Magnoliae flos (Xinyi) 10 g

Diätetik

Grundsätzliche, indikationsabhängige Empfehlungen zur Ernährung

Empfehlenswert Scharfe und wärmende Nahrungsmittel (Frühlingszwiebel, Ingwer, Knoblauch, Koriander)
Nicht empfehlenswert Kühle, kalte und rohe Speisen
Akupunktur

Indikationsabhängig wichtige Akupunkturpunkte (je nach Befund kann die Behandlung weiterer, hier nicht aufgeführter Akupunkturpunkte erforderlich sein)

Deutsche Bezeichnung Lateinische Bezeichnung Deutsche Übersetzung des chinesischen Namens Pinyin Lokalisation Erläuterung
Lokale Punkte
Du 23 Rg 23 Oberer Stern shangxing Auf der Kopfmittellinie, 1 cun hinter der vorderen Haargrenze Beseitigt Wind (ventus, feng), unterstützt die Nase
Ex-HN 3 Ex 1 Siegelhalle yintang In der Mitte zwischen den Augenbrauen Leitet Wind (ventus, feng) aus
Ex-HN 8 Ex 3 Durchgängige Nase bitong Am oberen Ende der Nasolabialfalte, am Übergang von der Maxilla zur Nasenhöhle Öffnet die Nase
Di 20 IC 20 Empfangen der Wohlgerüche yingxiang Am unteren Rand des Nasenflügels in einer Vertiefung Macht die Nase durchgängig
Gb 20 F 20 Teich des Windes fengchi In der Vertiefung zwischen M. sternocleidomastoideus und M. trapezius (Höhe Du 16/Rg 16) Zerstreut Wind (ventus, feng), klärt das Gehör
Periphere Punkte
Bl 12 V 12 Pforte der Winde fengmen 1,5 cun lateral des Dornfortsatzes des 2. BWK Zerstreut Wind (ventus, feng), macht die Netzleitbahnen (reticulares, luomai) frei
Bl 13 V 13 Einflusspunkt des Lungen-Funktionskreises feishu 1,5 cun lateral des Dornfortsatzes des 3. BWK Löst die Oberfläche (extima, biao)
Lu 7 P 7 Reihe von Lücken lieque Proximal des Processus styloideus radii, zwischen der Sehne des M. extensor pollicis und der Radiuskante Zerstreut Wind (ventus, feng), verteilt die Wehrenergie (qi defensivum, weiqi), löst die Oberfläche (extima, biao)
Eindringen von Wind-Hitze (calor venti, fengre)
Hauptsymptome
  • Verstopfte Nase

  • Juckreiz in der Nase

  • Weißlich-zähes oder dickgelbes Nasensekret

  • Mögliche Allgemeinsymptome: Fieber, Aversion gegen Wind, Kopfschmerzen, Halsschmerzen, Durst

  • Zungenkörper: rot; Zungenbelag: dünn, gelblich

  • Pulse: oberflächlich und beschleunigt (superficiales und celeri, fu shu)

Krankheitsmechanismus
Zu Beginn der Erkrankung handelt es sich fast immer um das Eindringen von Wind-Kälte (algor venti, fenghan). Treten zu einer Wind-Kälte-Symptomatik (algor venti, fenghan) Hitze-Symptome (calor, re) hinzu, so wird hieraus eine Wind-Hitze-Schrägläufigkeit (calor-venti-Heteropathie, fengre xie).
Therapeutisches Vorgehen

  • 1.

    Ausleiten von Wind (ventus, feng)

  • 2.

    Klären von Hitze (calor, re)

  • 3.

    Freimachen der Sinnesöffnungen

Arzneitherapie

Basisrezeptur: Eine Kombination aus Trank mit Morus und Chrysanthemum (Sangju yin) und Xanthium-Pulver (Cang'erzi san)

Arznei Pinyin Klassische Tagesdosis (g) Modifizierte Tagesdosis (g) Erläuterung
Mori folium Sangye 5–15 7,5 Leitet Wind-Hitze (calor venti, fengre) aus, kühlt Hitze (calor, re), klärt den Kopf, macht die Leitbahnen durchgängig und die Sinne frei
Chrysanthemi flos Juhua 3–15 3 Leitet Wind (ventus, feng) und Wind-Hitze (calor venti, fengre) aus, kühlt Hitze (calor, re), klärt den Kopf
Armeniacae semen Xingren 3–10 6 Befeuchtet Trockenheit (ariditas, zao), stillt Husten
Forsythiae fructus Lianqiao 3–15 4,5 Kühlt Hitze (calor, re), leitet Wind-Hitze (calor venti, fengre) aus
Menthae herba Bohe 1–8 3 Leitet Wind-Hitze (calor venti, fengre) aus, lockert und löst die Oberfläche (extima, biao), klärt den Kopf, macht die Leitbahnen durchgängig und die Sinne frei
Platycodi radix Jiegeng 3–10 6 Leitet Wind-Hitze (calor venti, fengre) aus
Phragmitis rhizoma Lugen 15–30 6 Kühlt Hitze (calor, re)
Glycyrrhizae radix Gancao 1–15 3 Stützt und ergänzt das Qi, beruhigt und gleicht aus
Xanthii fructus Cang'erzi 3–10 6 Löst die Oberfläche (extima, biao)
Angelicae dahuricae radix Baizhi 3–10 3 Lockert und löst die Oberfläche (extima, biao), leitet Wind (ventus, feng) aus
Magnoliae flos Xinyi 3–10 3 Leitet Wind (ventus, feng) aus
Einnahmemodus: Dekokt (Zubereitung Kap. 6, Einführung)
Erläuterung: Mori folium (Sangye), Chrysanthemi flos (Juhua) und Armeniacae semen (Xingren) leiten Wind-Hitze (calor venti, fengre) aus und lockern den Fk Lunge (o. pulmonalis, fei). Forsythiae fructus (Lianqiao), Menthae herba (Bohe), Platycodi radix (Jiegeng) und Phragmitis rhizoma (Lugen) unterstützen sie dabei. Xanthii fructus (Cang'erzi), Angelicae dahuricae radix (Baizhi) und Magnoliae flos (Xinyi) machen die Sinnesöffnungen, insbesondere die Nase, frei.
Modifikationen:
  • Bei Halsschmerzen: Scutellariae radix (Huangqin) 6 g, Lonicerae flos (Jinyinhua) 10 g, Violae herba (Zihuadiding) 5 g, Arctii fructus (Niubangzi) 6 g

  • Bei Husten mit Auswurf: Pinelliae rhizoma (Banxia) 6 g, Fritillariae thunbergii bulbus (Zhebeimu) 6 g, Asteris radix (Ziwan) 6 g, Farfarae flos (Kuandonghua) 6 g

Diätetik

Grundsätzliche, indikationsabhängige Empfehlungen zur Ernährung

Empfehlenswert Scharfe, gleichzeitig süße, neutrale oder kühlende Nahrungsmittel (Rettich, Karotten, Chinakohl, Löwenzahn, Tomaten, Wassermelone, grüner Tee)
Nicht empfehlenswert Warme und heiße Speisen
Akupunktur

Indikationsabhängig wichtige Akupunkturpunkte (je nach Befund kann die Behandlung weiterer, hier nicht aufgeführter Akupunkturpunkte erforderlich sein)

Deutsche Bezeichnung Lateinische Bezeichnung Deutsche Übersetzung des chinesischen Namens Pinyin Lokalisation Erläuterung
Lokale Punkte
Du 23 Rg 23 Oberer Stern shangxing Auf der Kopfmittellinie, 1 cun hinter der vorderen Haargrenze Beseitigt Wind (ventus, feng), unterstützt die Nase
Ex-HN 3 Ex 1 Siegelhalle yintang In der Mitte zwischen den Augenbrauen Leitet Wind (ventus, feng) aus, kühlt Hitze (calor, re)
Ex-HN 8 Ex 3 Durchgängige Nase bitong Am oberen Ende der Nasolabialfalte, am Übergang von der Maxilla zur Nasenhöhle Öffnet die Nase
Di 20 IC 20 Empfangen der Wohlgerüche yingxiang Am unteren Rand des Nasenflügels in einer Vertiefung Macht die Nase durchgängig
Gb 20 F 20 Teich des Windes fengchi In der Vertiefung zwischen M. sternocleidomastoideus und M. trapezius (Höhe Du 16/Rg 16) Zerstreut Wind (ventus, feng), klärt das Gehör
Periphere Punkte
Bl 12 V 12 Pforte der Winde fengmen 1,5 cun lateral des Dornfortsatzes des 2. BWK Leitet Wind (ventus, feng) aus, löst die Oberfläche (extima, biao), unterstützt die Nase
Bl 13 V 13 Einflusspunkt des Lungen-Funktionskreises feishu 1,5 cun lateral des Dornfortsatzes des 3. BWK Löst die Oberfläche (extima, biao)
Di 4 IC 4 Vereinte Täler hegu Etwa in der Mitte des 2. Mittelhandknochens an der radialen Seite Zerstreut Wind (ventus, feng), löst die Oberfläche (extima, biao), macht das Leitbahnsystem durchgängig, stabilisiert die Wehrenergie (qi defensivum, weiqi)
Di 11 IC 11 Gekrümmter Teich quchi Bei 90 gewinkeltem Ellbogen in Verbindung der Ellbogenfalte zum Epicondylus lateralis in einer Vertiefung davor Leitet Wind (ventus, feng) aus, löst die Oberfläche (extima, biao), kühlt Hitze (calor, re)

Chronische Rhinitis

Krankheitsbild und Therapie aus westlicher Sicht
Die mit Abstand häufigsten in der westlichen Medizin unterschiedenen Formen der chronischen Rhinitis sind die allergische Rhinitis, die hyperreflektorische Rhinitis und die Rhinitis sicca. Die ersteren beiden Krankheitsbilder sind in ihrer klinischen Erscheinungsform sehr ähnlich. Der Hauptunterschied besteht darin, dass der einen Krankheit ein nachweisbares allergisches Geschehen zugrunde liegt, bei der anderen eine Allergie nicht nachweisbar ist.
Allergische Rhinitis
Übersicht
Man unterscheidet zwischen saisonaler, d. h. vom Frühjahr bis zum Herbst als so genannter Heuschnupfen (Pollinosis) auftretender, und perennialer, d. h. ganzjährig vorhandener Rhinitis, zum Teil mit Konjunktivitis wechselnder Ausprägung und in Kombination mit einem allergischen Asthma bronchiale.
Klinisches Bild
  • Die typischen Symptome sind Rhinorrhö, nasale Obstruktion, Juckreiz, Niesen und begleitende Reizerscheinungen im Bereich der Konjunktiven, des Nasenrachenraumes, des Tracheobronchialsystems sowie im Magen-Darm-Trakt.

  • Auslöser sind überwiegend Pollen, aber auch Hausstaubmilben, Tierepithelien und Schimmelpilze.

  • Die Diagnose stützt sich in erster Linie auf die Anamnese. Haut-, Labor- und Provokationstests dienen meist nur der Bestätigung und sind in der Wertigkeit nachrangig.

  • Die allergische Rhinitis gilt als klassisches Beispiel für eine immunologische Sofortreaktion vom Typ I nach Coombs und Gell.

  • Etwa 10–20 % der Bevölkerung leiden an einer allergischen Rhinitis.

Therapie aus westlicher Sicht
  • Konservativ: Allergenkarenz, Hyposensibilisierung (subkutan oder sublingual), medikamentös: topische Dinatriumcromoglykate, systemisches oder topisches Antihistaminikum, topische und/oder systemische Glukokortikoide

  • Operativ: Korrektur symptombegünstigender Septumdeviationen, Nasenmuschelhyperplasien, Entfernung von Nasenpolypen

CAVE

Grundsätzlich ist eine sorgfältige HNO-ärztliche/allergologische Abklärung erforderlich.

Hyperreflektorische Rhinopathie (Rhinopathia vasomotorica)
Übersicht
Früher fasste man jene chronischen Rhinopathien, die als auslösende Ursache weder eine IgE-Vermittlung noch ein infektiöses Agens erkennen ließen, unter dem Begriff vasomotorische Rhinopathie zusammen. Die Bezeichnung hyperreflektorische Rhinopathie erfasst jedoch sowohl die Gefäß- als auch die Drüsenreaktion.
Klinisches Bild
  • Typische Symptome sind nasale Obstruktion, wässrige Hypersekretion, Juck- und Niesreiz.

  • Es besteht eine erhöhte Irritationsfähigkeit bzw. verstärkte Reaktionsantwort der Nasenschleimhaut gegenüber umweltbedingten oder körpereigenen Reizen.

  • Häufigstes Auftreten zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr.

Therapie aus westlicher Sicht
  • Topische Glukocorticosteroid-Dosieraerosole, Nasenduschen mit Salzlösungen

  • Bei Therapieresistenz operative Verkleinerung der Nasenmuscheln

CAVE

Wegen der möglichen Differentialdiagnosen und des breiten ätiologischen Spektrums ist eine sorgfältige rhinologische Abklärung unbedingt erforderlich.

Krankheitsbild und Therapie aus Sicht der chinesischen Medizin
Übersicht
Die allergische Rhinitis wird in der chinesischen Medizin nach ihren verschiedenen Symptomen als Nasenfluss mit klarem Sekret (Biqiu), Nasenjucken (Biyang), Nasenlaufen (Biliuti) und Verstopfte Nase (Bise) oder als Verstopfte Nase, Nasenfluss mit klarem Sekret und Niesen (Qiuti) beschrieben. Eine Unterscheidung zwischen saisonaler und perennialer Rhinitis wird in der chinesischen Medizin nicht ausdrücklich vorgenommen, da die Symptome bei beiden Krankheitsbildern die gleichen sind und der Unterschied lediglich in der Zeitdauer der Symptomatik liegt.
In den chinesischen Fachbüchern wird die hyperreflektorische oder vasomotorische Rhinitis unter den Begriff chronische Rhinitis subsummiert. Danach handelt es sich in der chinesischen Medizin bei der chronischen Rhinitis um eine häufige Erkrankung, bei der eine Entzündung der Schleimhaut in der Nasenhöhle oder unter der Schleimhaut über mehrere Monate anhält oder wiederholt auftritt, wobei auch im Intervall keine vollständige Genesung erreicht wird. Das wichtigste klinische Symptom ist die Nasenverstopfung, aber auch verstärkte Nasensekretion, Juck- und Niesreiz gehören dazu.
In der chinesischen Medizin wird chronische Rhinitis der Kategorie Verstopfte Nase (Bizhi) zugerechnet.
Da die Symptome beider Krankheitsbilder sich sehr ähneln, ja zum Teil nahezu identisch sind, ist es sinnvoll, innerhalb der chinesischen Medizin beide Erkrankungen zusammenzufassen. Die Behandlungsprinzipien gemäß den Grundlagen der chinesischen Medizin sind bei beiden Krankheitsbildern die gleichen.
Agenzien und Pathogenese
Die Erkrankung wird in verschiedene Symptomkonfigurationen differenziert, die sich jedoch insgesamt inhaltlich ähneln. Man kann die folgenden Symptomkonfigurationen unterscheiden, wobei es klinisch häufig fließende Übergänge zwischen diesen gibt. Um individuell jeden Fall erfolgreich behandeln zu können, sind die Differenzierungen und Schwerpunkte unter der Überschrift Modifikationen besonders zu beachten.
  • A Wind-Kälte (algor venti, fenghan) dringt in den Fk Lunge (o. pulmonalis, fei) ein:

    Die Schrägläufigkeit (Heteropathie, xie) Wind-Kälte (algor venti, fenghan) dringt in die Oberfläche (extima, biao) ein und führt zu einer Blockade der Wehrenergie (qi defensivum, weiqi) und des Qi des Fk Lunge (qi pulmonale, feiqi).

  • B Wind-Hitze (calor venti, fengre) dringt in den Fk Lunge (o. pulmonalis, fei) ein:

    Die Schrägläufigkeit (Heteropathie, xie) Wind-Hitze (calor venti, fengre) dringt in die Oberfläche (extima, biao) ein und führt ebenfalls zu einer Blockade der Wehrenergie (qi defensivum, weiqi) und des Qi des Fk Lunge (qi pulmonale, feiqi). Je nach Eindringtiefe der schädigenden Hitze (calor, re) und der Ätiologie der Hitze-Schädigung (calor, re) werden unterschiedliche Arzneien eingesetzt.

  • C Energetische Schwäche (depletio, xu) des Qi des Fk Lunge (qi pulmonale, feiqi) und/oder des Yin des Fk Lunge (yin pulmonale, feiyin) mit Eindringen von Wind (ventus, feng):

    Hier ist in der Regel das Qi des Fk Lunge (qi pulmonale, feiqi) geschwächt. Dadurch kann der Fk Lunge (o. pulmonalis, fei) ein Eindringen von Schrägläufigkeiten (Heteropathien, xie) wie Wind (ventus, feng), Kälte (algor, han) und Hitze (calor, re) nicht verhindern. In seltenen Fällen besteht zusätzlich auch eine energetische Schwäche (depletio, xu) des Yin des Fk Lunge (yin pulmonale, feiyin) mit Zeichen von Trockenheit (ariditas, zao) und Hitze (calor, re).

  • D Auf dem Boden einer energetischen Schwäche (depletio, xu) des Fk Milz (o. lienalis, pi) entsteht Feuchtigkeit (humor, shi) bzw. Schleim (pituita, tan):

    Der obere Wärmebereich (oberes Calorium, shangjiao) wird durch Feuchtigkeit (humor, shi) und Schleim (pituita, tan) blockiert. Schrägläufigkeiten (Heteropathien, xie) wie Wind (ventus, feng) und Kälte (algor, han) können in den Fk Lunge (o. pulmonalis, fei) eindringen.

  • E Eine energetische Schwäche (depletio, xu) des Fk Niere (o. renalis, shen) führt zu einer Schwäche des Fk Lunge (o. pulmonalis, fei), so dass Schrägläufigkeiten (Heteropathien, xie) wie Wind (ventus, feng) und Kälte (algor, han) eindringen:

    Ist der Fk Niere (o. renalis, shen) in seinem Qi- und Yang-Aspekt geschwächt, werden einerseits die Fk Milz und Lunge (oo. lienalis et pulmonalis, pi fei) nicht mehr ausreichend erwärmt, andererseits wird das Qi der erworbenen Konstitution (qi ascitum, houtian zhi qi) des Fk Lunge (o. pulmonalis, fei) nicht mehr abgesenkt und im Körper verteilt. Besteht daneben auch eine energetische Schwäche (depletio, xu) des Fk Niere (o. renalis, shen) in seinem Yin-Aspekt, führt dies zu einem generellen Säftemangel und im Fk Lunge (o. pulmonalis, fei) speziell zu trockenen Schleimhäuten, trockenem Husten und Hitze-Zeichen (calor, re). Dies erleichtert das Eindringen von Schrägläufigkeiten (Heteropathien, xie).

Differenzierte chinesische Therapie
Wind-Kälte (algor venti, fenghan) dringt in den Fk Lunge (o. pulmonalis, fei) ein
Hauptsymptome
  • Jucken in der Nase, Niesen auch mit Niesattacken, laufende Nase mit wässrigem Schnupfen, verstopfte Nase, plötzliches Auftreten und Abklingen der Symptome je nach Exposition; diese Symptomkonfiguration entspricht der einfachen unkomplizierten allergischen Rhinitis

  • Mögliche Allgemeinsymptome: Jucken im Hals, Druck- und Völlegefühl über den Sinus, Kopfschmerzen, Nackenschmerzen, Müdigkeit, leichter Husten

  • Zungenkörper: in der Regel unauffällig, ggf. einzelne rote Punkte im vorderen Zungendrittel; Zungenbelag: dünn, weißlich

  • Pulse: oberflächlich (superficiales, fu) oder saitenförmig (chordales, xian)

Krankheitsmechanismus
Wind (ventus, feng) und Kälte (algor, han) dringen in die Oberfläche (extima, biao) ein und blockieren die Wehrenergie (qi defensivum, weiqi) und das Qi des Fk Lunge (qi pulmonale, feiqi). Zeichen der blockierten Wehrenergie (qi defensivum, weiqi) sind Juckreiz und Niesattacken.
Therapeutisches Vorgehen

Ausleiten von Wind (ventus, feng) und Kälte (algor, han) aus dem Fk Lunge (o. pulmonalis, fei)

Arzneitherapie

Basisrezeptur: Eine Modifikation des Xanthium-Pulvers (Cang'erzi san)

Arznei Pinyin Klassische Tagesdosis (g) Modifizierte Tagesdosis (g) Erläuterung
Xanthii fructus Cang'erzi 3–10 6 Leitet Wind (ventus, feng) und Feuchtigkeit (humor, shi) aus, macht die Nase durchgängig
Magnoliae flos Xinyi 3–10 6–9 Vertreibt Wind-Kälte (algor venti, fenghan), macht die Nase frei
Angelicae dahuricae radix Baizhi 3–10 6–9 Leitet Wind (ventus, feng) und Feuchtigkeit (humor, shi) aus, macht die Nase frei
Menthae herba Bohe 1–8 3–6 Kühlt, klärt Augen und Kopf
Schizonepetae herba Jingjie 3–10 6–9 Leitet Wind-Kälte (algor venti, fenghan) aus
Saposhnikoviae radix Fangfeng 3–9 9 Leitet Wind (ventus, feng) aus
Platycodi radix Jiegeng 3–10 6–9 Leitet Wind-Kälte (algor venti, fenghan) und Schleim (pituita, tan) aus
Einnahmemodus: Dekokt (Zubereitung Kap. 6, Einführung)
Erläuterung: Die ersten vier Arzneien entsprechen dem Xanthium-Pulver (Cang'erzi san). Es löst Schrägläufigkeiten (Heteropathien, xie) wie Wind (ventus, feng) und Kälte (algor, han) und macht die Sinnesöffnungen frei. Schizonepetae herba (Jingjie) und Saposhnikoviae radix (Fangfeng) unterstützen die starke Wind (ventus, feng) ausleitende Funktion der Gesamtrezeptur. Platycodi radix (Jiegeng) ist Melderarznei für den Fk Lunge (o. pulmonalis, fei) und leitet Wind-Kälte (algor venti, fenghan) und Schleim (pituita, tan) aus.
Diätetik

Grundsätzliche, indikationsabhängige Empfehlungen zur Ernährung

Empfehlenswert Wind (ventus, feng) ausleitende und tendenziell wärmende Nahrungsmittel (z. B. Fenchel, Frühlingszwiebel, Ingwer)
Nicht empfehlenswert Wind (ventus, feng) begünstigende Nahrungsmittel (z. B. Hühnerfleisch, Schweinefleisch, Krebse)
Akupunktur

Indikationsabhängig wichtige Akupunkturpunkte (je nach Befund kann die Behandlung weiterer, hier nicht aufgeführter Akupunkturpunkte erforderlich sein)

Deutsche Bezeichnung Lateinische Bezeichnung Deutsche Übersetzung des chinesischen Namens Pinyin Lokalisation Erläuterung
Lokale Punkte
Ex-HN 3 Ex 1 Siegelhalle yintang In der Mitte zwischen den Augenbrauen Leitet Wind (ventus, feng) aus, macht die Nase frei, sediert die konstellierende Kraft shen
Di 20 IC 20 Empfangen der Wohlgerüche yingxiang Am unteren Rand des Nasenflügels in einer Vertiefung Macht die Nase durchgängig
Periphere Punkte
Di 4 IC 4 Vereinte Täler hegu Etwa in der Mitte des 2. Mittelhandknochens an der radialen Seite Stabilisiert die Wehrenergie (qi defensivum, weiqi), leitet Wind (ventus, feng) aus
Gb 20 F 20 Teich des Windes fengchi In der Vertiefung zwischen M. sternocleidomastoideus und M. trapezius (Höhe Du 16/Rg 16) Zerstreut Wind (ventus, feng), kühlt Hitze (calor, re)
3E 5 T 5 Äußeres Passtor waiguan 2 cun proximal der Handgelenksfalte, in der Mitte des Unterarmes zwischen Elle und Speiche, gegenüber Pe 6/Pc 6 Öffnet die Oberfläche (extima, biao), vertreibt Schrägläufigkeiten (Heteropathien, xie)
Lu 7 P 7 Reihe von Lücken lieque Proximal des Processus styloideus radii, zwischen der Sehne des M. extensor pollicis und der Radiuskante Verteilt die Wehrenergie (qi defensivum, weiqi)
Bl 10 V 10 Säule des Himmels tianzhu 1,3 cun lateral Du 15/Rg 15 zwischen den Processus spinosi des 1. und 2. HWK im lat. Teil des M. trapezius, 0,5 cun oberhalb des Haaransatzes Leitet Wind (ventus, feng) und Feuchtigkeit (humor, shi) aus
Wind-Hitze (calor venti, fengre) dringt in den Fk Lunge (o. pulmonalis, fei) ein
Hauptsymptome
  • Jucken in der Nase, im Hals und besonders in den Augen. Im Vordergrund stehen Hitze-Zeichen (calor, re) wie starke Rötung der Konjunktiven, gerötete geschwollene Augenlider, auch Augentränen. Weiterhin verstopfte Nase mit klarem oder gelblichem, wässrigem Ausfluss

  • Mögliche Allgemeinsymptome: Reizbarkeit, allgemeine Windempfindlichkeit, Durst, Schwitzen

  • Zungenkörper: vorderes Drittel gerötet, oft mit vielen roten Punkten; Zungenbelag: dünn, feucht, eventuell auch gelblich

  • Pulse: saitenförmig, oberflächlich und beschleunigt (chordales, superficiales und celeri, xian fu shu)

Krankheitsmechanismus
Wind-Hitze (calor venti, fengre) dringt in die Oberfläche (extima, biao) ein und blockiert die Wehrenergie (qi defensivum, weiqi) im Fk Lunge (o. pulmonalis, fei). Juckreiz der Augen und Nase und Niesanfälle sind Zeichen dieser Blockade. Da hier die Hitze (calor, re) im Vordergrund steht, finden sich oft besonders gerötete und geschwollene Schleimhäute in Augen und Hals.
Therapeutisches Vorgehen

Ausleiten von Wind-Hitze (calor venti, fengre)

Arzneitherapie

Basisrezeptur

Arznei Pinyin Klassische Tagesdosis (g) Modifizierte Tagesdosis (g) Erläuterung
Xanthii fructus Cang'erzi 3–10 6–9 Leitet Wind (ventus, feng) aus, öffnet die Nase
Centipedae herba Ebushicao 2–6 6–12 Vertreibt Wind (ventus, feng), trocknet Feuchtigkeit (humor, shi)
Angelicae dahuricae radix Baizhi 3–10 6–9 Vertreibt Wind (ventus, feng), trocknet Feuchtigkeit (humor, shi)
Cicadae periostracum Chantui 3–10 6–9 Leitet Wind (ventus, feng) stark aus, klärt die Augen
Chrysanthemi flos Juhua 3–15 10 Zersteut Wind (ventus, feng) und Hitze (calor, re), klärt die Augen
Mori folium Sangye 5–15 10 Leitet Wind-Hitze (calor venti, fengre) aus, kühlt die Augen
Glycyrrhizae radix Gancao 1–15 3 Harmonisiert
Einnahmemodus: Dekokt (Zubereitung Kap. 6, Einführung) Erläuterung: Die ersten drei Arzneimittel machen die Nase frei und lassen die Schleimhaut abschwellen (Ausleitung von Wind [ventus, feng] und Feuchtigkeit [humor, shi]). Die nächsten drei Arzneimittel kühlen und klären die Augen (Ausleitung von Wind-Hitze [calor venti, fengre]).
Modifikationen: Je nach Ausprägung der einzelnen Symptome können weitere Arzneien verwendet werden.
  • Bei stärkerer Augenbeteiligung mit deutlichen Hitze-Zeichen (calor, re): Tribuli fructus (Baijili) 10 g, Cassiae semen (Juemingzi) 10 g, Moutan cortex (Mudanpi) 10 g, Rehmanniae radix (Shengdihuang) 10 g, Scutellariae radix (Huangqin) 6–8 g

  • Bei stärkerer Nasenbeteiligung mit Schwellung der Schleimhäute und viel Schleim: Platycodi radix (Jiegeng) 6 g, Angelicae dahuricae radix (Baizhi) auf 15–20 g erhöhen

  • Bei starken Hitze-Zeichen (calor, re) auf dem Boden einer energetischen Schwäche (depletio, xu) des Yin des Fk Niere (yin renale, shenyin) mit geröteten Schleimhäuten in Nase, Rachen, Augen mit Zeichen von Trockenheit (ariditas, zao) und ggf. Durst, Unruhe, Schlafstörungen, roter Zungenkörper: Scutellariae radix (Huangqin) 6–9 g, Paeoniae radix lactiflora (Baishao) 9 g, Jujubae fructus (Dazao) 3 Stück, Scrophulariae radix (Xuanshen) 9 g, Sojae semen praeparatum (Dandouchi) 12 g

  • Bei Hitze (calor, re) im Fk Lunge (o. pulmonalis, fei) mit geröteter Schleimhaut und/oder verstopfter trockener Nase, evtl. Nasenbluten, wenig zähem, glasigem Nasensekret, vermehrtem Schwitzen, Durst: Scutellariae radix (Huangqin) 6–12 g, Moutan cortex (Mudanpi) 9–15 g, Arnebiae/Lithospermi radix (Zicao) 7 g, Rubiae radix (Qiancaogen) 6–9 g, Ecliptae herba (Hanliancao) 10 g

  • Bei allergischem Asthma mit wenig zähem Sekret: Pheretima (Dilong) 9 g, Ephedrae herba (Mahuang) 6 g, Armeniacae semen (Xingren) 6 g, Ophiopogonis radix (Maimendong) 10 g, Schisandrae fructus (Wuweizi) 10 g

Diätetik

Grundsätzliche, indikationsabhängige Empfehlungen zur Ernährung

Empfehlenswert Wind (ventus, feng) ausleitende und tendenziell kühlende Nahrungsmittel (z. B. Rettich, Löwenzahn, Wassermelone, grüner Tee)
Nicht empfehlenswert Wind (ventus, feng) begünstigende Nahrungsmittel (z. B. Hühnerfleisch, Schweinefleisch, Krebse)
Akupunktur

Indikationsabhängig wichtige Akupunkturpunkte (je nach Befund kann die Behandlung weiterer, hier nicht aufgeführter Akupunkturpunkte erforderlich sein)

Deutsche Bezeichnung Lateinische Bezeichnung Deutsche Übersetzung des chinesischen Namens Pinyin Lokalisation Erläuterung
Lokale Punkte
Ex-HN 3 Ex 1 Siegelhalle yintang In der Mitte zwischen den Augenbrauen Leitet Wind (ventus, feng) aus, macht die Nase frei, sediert die konstellierende Kraft shen
Di 20 IC 20 Empfangen der Wohlgerüche yingxiang Am unteren Rand des Nasenflügels in einer Vertiefung Macht die Nase durchgängig
Periphere Punkte
Di 4 IC 4 Vereinte Täler hegu Etwa in der Mitte des 2. Mittelhandknochens an der radialen Seite Stabilisiert die Wehrenergie (qi defensivum, weiqi), leitet Wind (ventus, feng) aus
Di 11 IC 11 Gekrümmter Teich quchi Bei 90 gewinkeltem Ellbogen in Verbindung der Ellbogenfalte zum Epicondylus lateralis in einer Vertiefung davor Kühlt Hitze (calor, re), zerstreut Wind (ventus, feng)
Gb 20 F 20 Teich des Windes fengchi In der Vertiefung zwischen M. sternocleidomastoideus und M. trapezius (Höhe Du 16/Rg 16) Kühlt Hitze (calor, re), zerstreut Wind (ventus, feng)
Lu 5 P 5 Moorsee am Fußpunkt chize In der Mitte der Ellbeuge, an der Innenkante des M. brachioradialis Stützt Qi und Yin des Fk Lunge (qi et yin pulmonale, fei qi yin), kühlt
3E 5 T 5 Äußeres Passtor waiguan 2 cun proximal der Handgelenksfalte, in der Mitte des Unterarmes zwischen Elle und Speiche, gegenüber Pe 6/Pc 6 Öffnet die Oberfläche (extima, biao), leitet Schrägläufigkeiten (Heteropathien, xie) aus
Bl 10 V 10 Säule des Himmels tianzhu 1,3 cun lateral Du 15/Rg 15 zwischen den Processus spinosi des 1. und 2. HWK im lat. Teil des M. trapezius, 0,5 cun oberhalb des Haaransatzes Leitet Wind (ventus, feng) und Feuchtigkeit (humor, shi) aus
Ergänzungspunkte:
  • Bei starker Augenbeteiligung:

    • Bl 2/V 2 (Zusammengelegter Bambus, cuanzhu), klärt die Sicht, zerstreut Wind (ventus, feng)

    • Le 2/H 2 (Der Zwischenraum des Gehens, xingjian), stützt und harmonisiert den Fk Leber (o. hepaticus, gan), hält das Xue

    • Gb 8/F 8 (Der obere Punkt des Ohres, erjian/shuaigu), zerstreut Wind (ventus, feng)

  • Bei stärkerer Nasenbeteiligung:

    • Du 23/Rg 23 (Oberer Stern, shangxing), leitet Wind-Hitze (calor venti, fengre) aus, macht die Nase durchgängig

    • Ex-HN 8/Ex 3 (Durchgängige Nase, bitong), öffnet die Nase

  • Bei starken Hitze-Zeichen (calor, re) infolge von energetischer Schwäche (depletio, xu) des Yin des Fk Niere (yin renale, shenyin):

    • Bl 67/V 67 (Das äußerste Yin, zhiyin), stützt das Yin des Fk Niere (yin renale, shenyin)

  • Bei Hitze (calor, re) im Fk Lunge (o. pulmonalis, fei):

    • Lu 10/P 10 (Fischbauchgrenze, yuji), kühlt Hitze (calor, re) im Fk Lunge (o. pulmonalis, fei)

  • Bei Asthma:

    • Bl 13/V 13 (Einflusspunkt des Lungen-Funktionskreises, feishu), stützt die Fk Lunge und Niere (oo. pulmonalis et renalis, fei shen), kühlt Hitze (calor, re)

    • Ren 22/Rs 22 (Bresche des Himmels, tiantu), stärkt und reguliert das Qi des Fk Lunge (qi pulmonale, feiqi)

    • Ma 40/S 40 (Üppige Fülle, fenglong), wandelt Feuchtigkeit (humor, shi) um, leitet Schleim (pituita, tan) aus

Energetische Schwäche (depletio, xu) des Qi des Fk Lunge (qi pulmonale, feiqi) und/oder des Yin des Fk Lunge (yin pulmonale, feiyin) mit Eindringen von Wind (ventus, feng)
Hauptsymptome
  • Intermittierend wässriger Schnupfen, Niesreiz, verstopfte Nase, oft alle Symptome ganzjährig mit unterschiedlicher Ausprägung

  • Bei energetischer Schwäche (depletio, xu) des Yin: zusätzlich trockene Nase und Augen, trockener Mund und Rachen

  • Mögliche Allgemeinsymptome: Müdigkeit, Blässe, spontane Schweiße, Infektanfälligkeit, Kurzatmigkeit schon bei geringer Belastung

  • Zungenkörper: leicht gedunsen, blass; Zungenbelag: dünn, weißlich

  • Bei energetischer Schwäche (depletio, xu) des Yin: trockener, roter, fester Zungenkörper

  • Pulse: erschöpft (depleti, xu), evtl. oberflächlich (superficiales, fu); bei energetischer Schwäche des Yin: zart und beschleunigt (minuti und celeri, xi shu)

Krankheitsmechanismus
Das Qi des Fk Lunge (qi pulmonale, feiqi) und damit auch die Wehrenergie (qi defensivum, weiqi) sind erschöpft durch Überanstrengung, Infektanfälligkeit oder energetischer Schwäche (depletio, xu) des Fk Milz (o. lienalis, pi). Die geschwächte Wehrenergie (qi defensivum, weiqi), die in der Oberfläche (extima, biao) zirkuliert, kann eindringende Schrägläufigkeiten (Heteropathien, xie) wie Wind (ventus, feng), Kälte (algor, han) etc. nicht mehr ausreichend abwehren. Dies führt zu einer Stagnation des Qi und der Säfte (jinye) (klinisch Nasenjucken, Niesanfälle, verstopfte Nase).
Durch häufige Infekte oder toxische Schädigungen wie Nikotinabusus und Luftverschmutzung kann auch das Yin des Fk Lunge (yin pulmonale, feiyin) mit geschädigt sein und zu einem Säftemangel (jin xu) in der Oberfläche (extima, biao) führen, so dass Schrägläufigkeiten (Heteropathien, xie) leichter eindringen können.
Therapeutisches Vorgehen

  • 1.

    Stärken des Qi des Fk Lunge (qi pulmonale, feiqi) und der Wehrenergie (qi defensivum, weiqi)

  • 2.

    Ausleiten von Wind-Kälte (algor venti, fenghan)

  • 3.

    Stützen und Kühlen des Yin des Fk Lunge (yin pulmonale, feiyin)

Arzneitherapie

Basisrezeptur: Modifiziertes Pulver gegen Wind aus Jade (Yu pingfeng san)

Arznei Pinyin Klassische Tagesdosis (g) Modifizierte Tagesdosis (g) Erläuterung
Astragali radix Huangqi 10–15 15–30 Stützt und ergänzt das Qi des Fk Lunge (qi pulmonale, feiqi)
Atractylodis macrocephalae rhizoma Baizhu 3–10 6–8 Stützt das Qi des Fk Milz (qi lienale, piqi)
Saposhnikoviae radix Fangfeng 3–9 6–9 Leitet Wind (ventus, feng) aus
Codonopsis radix Dangshen 3–15 9 Stützt das Qi der Fk Milz und Lunge (qi lienale et pulmonale, fei pi qi)
Cicadae periostracum Chantui 3–10 9 Leitet Wind-Hitze (calor venti, fengre) aus
Angelicae dahuricae radix Baizhi 3–10 9–12 Leitet Wind-Kälte (algor venti, fenghan) aus, starker Nasenbezug
Magnoliae flos Xinyi 3–10 10–12 Leitet Wind (ventus, feng) und Schleim (pituita, tan) aus
Platycodi radix Jiegeng 3–10 6 Kanalisiert Schleim (pituita, tan)
Mume fructus Wumei 3–10 12 Adstringiert den Fk Lunge (o. pulmonalis, fei)
Glycyrrhizae radix Gancao 1–15 3 Harmonisiert
Einnahmemodus: Dekokt (Zubereitung Kap. 6, Einführung) Erläuterung: Die ersten drei Arzneimittel machen das Pulver gegen Wind aus Jade (Yu pingfeng san) aus. Es stützt und ergänzt das Qi des Fk Lunge (qi pulmonale, feiqi) und stärkt damit die Oberfläche (extima, biao) mit der Wehrenergie (qi defensivum, weiqi). Codonopsis radix (Dangshen) stützt mit Atractylodis macrocephalae rhizoma (Baizhu), welche auch Feuchtigkeit (humor, shi) ausleitet, den Fk Milz (o. lienalis, pi) und damit indirekt das Qi des Fk Lunge (qi pulmonale, feiqi). Angelicae dahuricae radix (Baizhi), Magnoliae flos (Xinyi) und Cicadae periostracum (Chantui) leiten Wind-Kälte (algor venti, fenghan) respektive Wind-Hitze (calor venti, fengre) aus und machen die Nase frei bzw. klären die Augen. Platycodi radix (Jiegeng) bringt einerseits als Melderarznei die Gesamtrezeptur in den Fk Lunge (o. pulmonalis, fei) und leitet andererseits neben der harmonisierenden Glycyrrhizae radix (Gancao) bei Wind-Hitze (calor venti, fengre) und Wind-Kälte (algor venti, fenghan) auch Schleim (pituita, tan) aus. Mume fructus (Wumei) sammelt und adstringiert den Fk Lunge (o. pulmonalis, fei) als Gegengewicht zu den Wind (ventus, feng) ausleitenden Arzneien und stützt bei antiallergischer Wirkung auch das Qi des Fk Lunge (qi pulmonale, feiqi).
Modifikationen:
  • Bei zusätzlichen Zeichen einer energetischen Schwäche (depletio, xu) des Yin des Fk Lunge (yin pulmonale, feiyin) wie intermittierend wässrigem Ausfluss aus der Nase, trockener geschwollener Nase, evtl. geröteten Schleimhäuten, trockenem Rachen, trockenem Husten: Schisandrae fructus (Wuweizi) 10 g, Ophiopogonis radix (Maimendong) 10 g, Rehmanniae radix (Shengdihuang) 10–15 g und Moutan cortex (Mudanpi) 9–15 g, Anemarrhenae rhizoma (Zhimu) 6 g bei zusätzlichen Hitze-Zeichen (calor, re)

  • Bei starkem Ausfluss aus der Nase: Schisandrae fructus (Wuweizi) 10 g, Chebulae fructus (Hezi) 9 g

  • Bei Zeichen von Asthma: Pheretima (Dilong) 6–9 g (gut in Kombination mit Cicadae periostracum [Chantui]), Ephedrae herba (Mahuang) 6 g, Armeniacae semen (Xingren) 6 g

  • Bei Zeichen von Xue-Stasen: Moutan cortex (Mudanpi) 9–15 g, Paeoniae radix rubra (Chishaoyao) 9 g, Angelicae sinensis radix (Danggui) 6–9 g

Diätetik

Grundsätzliche, indikationsabhängige Empfehlungen zur Ernährung

Empfehlenswert Das Qi des Fk Milz (qi lienale, piqi) und damit auch das Qi des Fk Lunge (qi pulmonale, feiqi) stützende Nahrungsmittel (z. B. Walnüsse, Weintrauben)
Nicht empfehlenswert Nahrungsmittel mit kaltem Temperaturverhalten (gekeimter Weizen, Löwenzahn, Bambussprossen, Mungbohnen, Banane, Wassermelone, Krebse)
Akupunktur

Indikationsabhängig wichtige Akupunkturpunkte (je nach Befund kann die Behandlung weiterer, hier nicht aufgeführter Akupunkturpunkte erforderlich sein)

Deutsche Bezeichnung Lateinische Bezeichnung Deutsche Übersetzung des chinesischen Namens Pinyin Lokalisation Erläuterung
Lokale Punkte
Ex-HN 3 Ex 1 Siegelhalle yintang In der Mitte zwischen den Augenbrauen Leitet Wind (ventus, feng) aus, sediert die konstellierende Kraft shen
Di 20 IC 20 Empfangen der Wohlgerüche yingxiang Am unteren Rand des Nasenflügels in einer Vertiefung Macht die Nase durchgängig
Periphere Punkte
Lu 9 P 9 Großer Wasserschlund taiyuan Am radialen Ende der Handgelenksfalte in der Vertiefung radial der Pulstaststelle Stützt das Qi der Fk Lunge und Milz (qi pulmonale et lienale, fei pi qi)
Lu 1 P 1 Versammlungshalle der Mitte zhongfu 6 cun lateral der vorderen Medianlinie und 1 cun unterhalb der Clavicula Stützt das Qi der Fk Lunge und Milz (qi pulmonale et lienale, fei pi qi)
Bl 13 V 13 Einflusspunkt des Lungen-Funktionskreises feishu 1,5 cun lateral des Dornfortsatzes des 3. BWK Stützt die Fk Lunge und Niere (oo. pulmonalis et renalis, fei shen)
Di 4 IC 4 Vereinte Täler hegu Etwa in der Mitte des 2. Mittelhandknochens an der radialen Seite Leitet Wind (ventus, feng) aus, stärkt die Wehrenergie (qi defensivum, weiqi)
3E 5 T 5 Äußeres Passtor waiguan 2 cun proximal der Handgelenksfalte, in der Mitte des Unterarmes zwischen Elle und Speiche, gegenüber
Pe 6/Pc 6
Zerstreut Wind (ventus, feng)
Lu 5 P 5 Moorsee am Fußpunkt chize In der Mitte der Ellbeuge, an der Innenkante des M. brachioradialis Stützt das Yin und das Qi des Fk Lunge (yin et qi pulmonale, fei yin qi)
Ergänzungspunkte:
  • Bei energetischer Schwäche (depletio, xu) des Yin des Fk Lunge (yin pulmonale, feiyin):

    • Bl 12/V 12 (Pforte der Winde, fengmen), stützt den Fk Lunge (o. pulmonalis, fei), zerstreut Wind (ventus, feng), kühlt Hitze

      (calor, re)

  • Bei starker Nasensekretion:

    • Gb 5/F 5 (Punkt der Medulla, xuanlu), öffnet die Oberfläche (extima, biao), zerstreut Wind (ventus, feng)

    • Gb 39/F 39 (Die herabhängende Glocke, xuanzhong), entfaltet das Qi im oberen Wärmebereich (oberes Calorium, shangjiao), zerstreut Wind (ventus, feng)

  • Bei Asthma:

    • Bl 13/V 13 (Einflusspunkt des Lungen-Funktionskreises, feishu), stützt die Fk Lunge und Niere (oo. pulmonalis et renalis, fei shen), kräftigt das Yin

    • Ni 7/R 7 (Der zurückfließende Strom, fuliu), stützt das Yin des Fk Niere (yin renale, shenyin)

  • Bei Xue-Stasen:

    • Di 16/IC 16 (Großer Knochen, jugu), zerstreut Xue-Stasen im Brustraum

Auf dem Boden einer energetischen Schwäche (depletio, xu) des Fk Milz (o. lienalis, pi) entstehen Feuchtigkeit (humor, shi) und Schleim (pituita, tan)
Hauptsymptome
  • Neben den typischen Symptomen einer Pollinosis wie Jucken der Nase, Niesanfälle, Augenjucken usw. gehäuft verstopfte Nase, klarer, zäher oder wässriger Schleim, evtl. auch Husten mit weißlichem Sputum

  • Mögliche Allgemeinsymptome: schlechter Appetit, weiche bis breiige Stühle, Müdigkeit, Erschöpfung, Schweregefühl, asthmatische Beschwerden

  • Zungenkörper: blässlich, gedunsen mit Zahneindrücken; Zungenbelag: wenig oder auch dick, weißlich

  • Pulse: erschöpft (depleti, xu) und/oder schlüpfrig (lubrici, hua)

Krankheitsmechanismus
Eine energetische Schwäche (depletio, xu) des Fk Milz (o. lienalis, pi), eventuell bedingt durch eine konstitutionelle Schwäche oder häufig auch durch Fehlernährung (Diätetik), führt zu einer geschwächten Assimilationsleistung des Fk Milz (o. lienalis, pi). Aufgenommene Nahrung kann nicht mehr in physiologischer Weise aufgeschlossen und verarbeitet werden, und es bilden sich Feuchtigkeit (humor, shi) und Schleim (pituita, tan), die den oberen Wärmebereich (oberes Calorium, shangjiao) blockieren. Der Fk Lunge (o. pulmonalis, fei) wird nicht mehr ausreichend mit aktiven Säften (jin) und Nahrungs-Qi (qi frumentarium, guqi) versorgt, so dass es zu einer Schleim-Blockade (pituita, tan) im Fk Lunge (o. pulmonalis, fei) kommt und Schrägläufigkeiten (Heteropathien, xie) wie Wind (ventus, feng) und Kälte (algor, han) in die Oberfläche (extima, biao) eindringen und zu den genannten Symptomen führen können.
Therapeutisches Vorgehen

  • 1.

    Stärken des Fk Milz (o. lienalis, pi)

  • 2.

    Umwandeln von Schleim (pituita, tan)

  • 3.

    Ausleiten von Schrägläufigkeiten (Heteropathien, xie)

Arzneitherapie

Basisrezeptur: Eine Modifikation des Dekoktes der sechs Edlen (Liu junzi tang)

Arznei Pinyin Klassische Tagesdosis (g) Modifizierte Tagesdosis (g) Erläuterung
Codonopsis radix Dangshen 3–15 9–12 Stützt das Qi des Fk Milz (qi lienale, piqi)
Atractylodis macrocephalae rhizoma Baizhu 3–10 9–12 Stützt das Qi des Fk Milz (qi lienale, piqi), wandelt Feuchtigkeit (humor, shi) um
Poria Fuling 10–15 9–12 Leitet Feuchtigkeit (humor, shi) aus
Citri reticulatae pericarpium Chenpi 3–10 6 Bewegt das Qi der Mitte (Fk Milz und Magen, oo. lienalis et stomachi, pi wei), löst und wandelt Schleim (pituita, tan) um
Dioscoreae rhizoma Shanyao 10–30 10 Stützt das Qi und Yin der Fk Milz und Lunge (qi et yin lienale et pulmonale, pi fei qi yin)
Agastachis herba Huoxiang 4,5–10 9 Wandelt Feuchtigkeit (humor, shi) um, leitet Wind (ventus, feng) und Kälte (algor, han) aus
Eupatorii herba Peilan 5–10 9 Leitet Feuchtigkeit (humor, shi) aus, harmonisiert die Mitte (Fk Milz und Magen, oo. lienalis et stomachi, pi wei)
Xanthii fructus Cang'erzi 3–10 6–9 Leitet Wind (ventus, feng) und Feuchtigkeit (humor, shi) aus, macht die Nase frei
Platycodi radix Jiegeng 3–10 6 Leitet Schleim (pituita, tan) bei Wind-Kälte (algor venti, fenghan) aus
Glycyrrhizae radix Gancao 1–15 2–3 Harmonisiert, wandelt Schleim (pituita, tan) um
Einnahmemodus: Dekokt (Zubereitung Kap. 6, Einführung)
Erläuterung: Die ersten vier Arzneimittel sowie Glycyrrhizae radix (Gancao) entsprechen dem Dekokt der sechs Edlen (Liu junzi tang) ohne Pinelliae rhizoma (Banxia), wobei Ginseng radix (Renshen) durch Codonopsis radix (Dangshen) ersetzt wurde. Es stützt und ergänzt das Qi des Fk Milz (qi lienale, piqi) und hilft, Schleim (pituita, tan) umzuwandeln. Agastachis herba (Huoxiang) und Eupatorii herba (Peilan) wandeln Feuchtigkeit (humor, shi) im Fk Milz (o. lienalis, pi) um und stützen so die Assimilationsleistung der Mitte (Fk Milz und Magen, oo. lienalis et stomachi, pi wei). Auf diese Weise wird die Auflösung von Schleim (pituita, tan) gefördert. Xanthii fructus (Cang'erzi) leitet Feuchtigkeit (humor, shi) und Wind (ventus, feng) aus und hat einen starken Bezug zur Nase (verstopfte Nase, zähes Nasensekret etc.). Platycodi radix (Jiegeng) bewegt Qi und wandelt Schleim (pituita, tan) im Fk Lunge (o. pulmonalis, fei) um.
Modifikationen:
  • Bei starker Nasensymptomatik: Angelicae dahuricae radix (Baizhi) 9–12 g, Magnoliae flos (Xinyi) 6–9 g, Centipedae herba (Ebushicao) 3–6 g, Mume fructus (Wumei) 10–12 g

  • Bei energetischer Schwäche (depletio, xu) des Qi des Fk Lunge (qi pulmonale, feiqi): Astragali radix (Huangqi) 15 g, Schisandrae fructus (Wuweizi) 10 g

  • Bei Müdigkeit und Appetitlosigkeit: Ginseng radix (Renshen) 3–6 g statt Codonopsis radix (Dangshen), Hordei fructus germinatus (Maiya) 15 g, Massa medicata fermentata (Shenqu) 10 g

Diätetik

Grundsätzliche, indikationsabhängige Empfehlungen zur Ernährung

Empfehlenswert Feuchtigkeit (humor, shi) ausleitende Nahrungsmittel (z. B. Gerste, frischer Ingwer)
Nicht empfehlenswert Feuchtigkeit (humor, shi) und Schleim (pituita, tan) fördernde Nahrungsmittel (z. B. Süßes, besonders Haushaltszucker, Schweinefleisch, Kuhmilch und ihre Produkte, tierische Fette, Nüsse)
Akupunktur

Indikationsabhängig wichtige Akupunkturpunkte (je nach Befund kann die Behandlung weiterer, hier nicht aufgeführter Akupunkturpunkte erforderlich sein)

Deutsche Bezeichnung Lateinische Bezeichnung Deutsche Übersetzung des chinesischen Namens Pinyin Lokalisation Erläuterung
Lokale Punkte
Ex-HN 3 Ex 1 Siegelhalle yintang In der Mitte zwischen den Augenbrauen Leitet Wind (ventus, feng) aus, sediert die konstellierende Kraft shen
Di 20 IC 20 Empfangen der Wohlgerüche yingxiang Am unteren Rand des Nasenflügels in einer Vertiefung Macht die Nase durchgängig
Periphere Punkte
Lu 9 P 9 Großer Wasserschlund taiyuan Am radialen Ende der Handgelenksfalte in der Vertiefung radial der Pulstaststelle Stützt das Qi der Fk Lunge und Milz (qi pulmonale et lienale, fei pi qi)
Lu 1 P 1 Versammlungshalle der Mitte zhongfu 6 cun lateral der vorderen Medianlinie und 1 cun unterhalb der Clavicula Stützt das Qi der Fk Lunge und Milz (qi pulmonale et lienale, fei pi qi)
Di 4 IC 4 Vereinte Täler hegu Etwa in der Mitte des 2. Mittelhandknochens an der radialen Seite Leitet Wind (ventus, feng) aus, stärkt die Wehrenergie (qi defensivum, weiqi)
3E 5 T 5 Äußeres Passtor waiguan 2 cun proximal der Handgelenksfalte, in der Mitte des Unterarmes zwischen Elle und Speiche, gegenüber Pe 6/Pc 6 Zerstreut Wind (ventus, feng)
Ma 36 S 36 Dritter Weiler am Fuß zusanli 3 cun unterhalb der Patellaunterkante, 1 cun fibular der Tibiakante, auf Höhe der Tuberositas tibiae Reguliert die Fk Milz und Magen (oo. lienalis et stomachi, pi wei)
Ma 40 S 40 Üppige Fülle fenglong In der Mitte zwischen Unterkante der Patella und Spitze des Malleolus lateralis, 1 cun lateral von Ma 38/S 38 Wandelt Schleim (pituita, tan) um
Bl 20 V 20 Einflusspunkt des Mitten-Funktionskreises pishu 1,5 cun lateral des Dornfortsatzes des 11. BWK Stützt das Qi des Fk Milz (qi lienale, piqi), eliminiert Feuchtigkeit (humor, shi)
Ergänzungspunkte:
  • Bei starker Nasensymptomatik:

    • Ex-HN 8/Ex 3 (Durchgängige Nase, bitong), öffnet die Nase

    • Bl 7/V 7 (Himmelskommunikation, tongtian), zerstreut Wind (ventus, feng)

  • Bei energetischer Schwäche (depletio, xu) des Qi des Fk Lunge (qi pulmonale, feiqi):

    • Bl 13/V 13 (Einflusspunkt des Lungen-Funktionskreises, feishu), stützt den Fk Lunge (o. pulmonalis, fei), reguliert das Qi

  • Bei Müdigkeit und Appetitlosigkeit:

    • Bl 20/V 20 (Einflusspunkt des Mitten-Funktionskreises, pishu), bewegt das Qi des Fk Milz (qi lienale, piqi)

    • Bl 21/V 21 (Einflusspunkt des Magen-Funktionskreises, weishu), stützt die Fk Milz und Magen (oo. lienalis et stomachi, pi wei)

Energetische Schwäche des Fk Niere (depletio des o. renalis, shenxu) führt zu energetischer Schwäche des Fk Lunge (depletio des o. pulmonalis, feixu)
Hauptsymptome
  • Juckende Nase, Niesreiz, wässriger Schnupfen, schlechter durch Kälte, asthmatische Beschwerden; bei energetischer Schwäche (depletio, xu) des Yin auch trockene Nase und Augen, trockener Mund

  • Mögliche Allgemeinsymptome: Kälteaversion, kalte Extremitäten, vermehrte Schweiße, Kurzatmigkeit bei geringer Anstrengung, Erschöpfung, evtl. Nykturie, Schwächegefühl in der Lumbalregion; bei energetischer Schwäche (depletio, xu) des Yin: auch Nachtschweiße, Schlafstörungen

  • Zungenkörper: blässlich; Zungenbelag: dünn, weißlich

  • Pulse: erschöpft und schwach (depleti und invalidi, xu ruo)

Krankheitsmechanismus
Diese Symptomkonfiguration kommt in seiner reinen hier beschriebenen Form klinisch äußerst selten vor. Die beschriebenen Prinzipien sollen vielmehr den Therapeuten sensibilisieren, immer auch nach Zeichen einer energetischen Schwäche (depletio, xu) von Yang oder Yin des Fk Niere (yang renale oder yin renale, shenyang shenyin) zu suchen und sich nicht allein bei der Diagnose auf die Verzweigungen (cacumen, biao) der Erkrankung zu konzentrieren.
Eine energetische Schwäche (depletio, xu) des Yang des Fk Niere (yang renale, shenyang) mit energetischer Schwäche (depletio, xu) des Qi des Fk Niere (qi renale, shenqi) ist, nach den klassischen chinesischen Texten, meist angeboren oder Folge von chronischen Erkrankungen, lange bestehender körperlicher Überanstrengung oder sexuellen Exzessen. Wo immer die energetische Schwäche (depletio, xu) herkommen mag, sie führt zu einer mangelhaften Erwärmung der Fk Milz und Lunge (oo. lienalis et pulmonalis, pi fei). Das Qi der erworbenen Konstitution (qi ascitum, houtian zhi qi) des Fk Lunge (o. pulmonalis, fei) kann nicht mehr in ausreichendem Maße abgesenkt und im Gewebe verteilt werden, weshalb auch die Wehrenergie (qi defensivum, weiqi) zu schwach ist, um die gesamte Oberfläche (extima, biao) zu versorgen, so dass Schrägläufigkeiten (Heteropathien, xie) wie Wind (ventus, feng) und Kälte (algor, han) leicht eindringen können.
Ist zusätzlich auch schon das Yin des Fk Niere (yin renale, shenyin) geschädigt, schmälert dies ebenfalls das Yin des Fk Lunge (yin pulmonale, feiyin) mit Zeichen von Trockenheit (ariditas, zao) und Hitze (calor, re). Schrägläufigkeiten (Heteropathien, xie) können so leicht eindringen.
Therapeutisches Vorgehen

  • 1.

    Stützen und Wärmen des Yang des Fk Niere (yang renale, shenyang)

  • 2.

    Ggf. Stützen und Kühlen des Yin des Fk Niere (yin renale, shenyin)

  • 3.

    Stärken der Wehrenergie (qi defensivum, weiqi) und Ausleiten von Wind (ventus, feng)

Arzneitherapie

Basisrezeptur: Eine Modifikation des Dekoktes des wahren Kriegers (Zhenwu tang)

Arznei Pinyin Klassische Tagesdosis (g) Modifizierte Tagesdosis (g) Erläuterung
Aconiti radix lateralis praeparata Fuzi 1–10 6 Wärmt die Fk Milz und Niere (oo. lienalis et renalis, pi shen)
Atractylodis macrocephalae rhizoma Baizhu 3–10 9 Stärkt das Qi des Fk Milz (qi lienale, piqi), leitet Feuchtigkeit (humor, shi) aus
Poria Fuling 10–15 10 Leitet Feuchtigkeit (humor, shi) aus
Zingiberis rhizoma Ganjiang 1–12 6 Wärmt die Fk Milz und Lunge (oo. lienalis et pulmonalis, pi fei)
Paeoniae radix lactiflora Baishao 3–15 10 Stützt Xue und Yin
Cuscutae semen Tusizi 6–15 12 Stützt das Yang und das Struktivpotential jing
Psoraleae semen Buguzhi 3–10 6–9 Wärmt das Yang des Fk Niere (yang renale, shenyang), ergänzt Qi
Angelicae dahuricae radix Baizhi 3–10 9–12 Vertreibt Wind (ventus, feng), starker Bezug zur Nase
Astragali radix Huangqi 10–15 15 Stützt das Qi des Fk Lunge (qi pulmonale, feiqi) und so die Wehrenergie (qi defensivum, weiqi)
Einnahmemodus: Dekokt (Zubereitung Kap. 6, Einführung)
Erläuterung: Die ersten fünf Arzneimittel entsprechen dem Dekokt des wahren Kriegers (Zhenwu tang). Es wärmt die Fk Niere und Milz (oo. renalis et lienalis, shen pi), kräftigt diese auch in ihrem Qi-Aspekt und leitet Feuchtigkeit (humor, shi) aus. Cuscutae semen (Tusizi) und Psoraleae semen (Buguzhi) wärmen ebenfalls das Yang und stärken und ergänzen das Qi. Die Wehrenergie (qi defensivum, weiqi) wird durch Astragali radix (Huangqi) gestärkt, und Angelicae dahuricae radix (Baizhi) leitet Wind (ventus, feng) aus, besonders bei Schnupfen und verstopfter Nase.
Modifikationen:
  • Bei Zeichen von energetischer Schwäche (depletio, xu) des Yin (Hauptsymptome): Rehmanniae radix (Shengdihuang) 10–15 g, Corni fructus (Shanzhuyu) 6 g, Dioscoreae rhizoma (Shanyao) 10 g, Schisandrae fructus (Wuweizi) 10 g, Asparagi radix (Tianmendong) 10 g

  • Bei Asthma: Pheretima (Dilong) 7 g, Ephedrae herba (Mahuang) 6 g, Armeniacae semen (Xingren) 6 g, Mume fructus (Wumei) 6 g, Schisandrae fructus (Wuweizi) 10 g

Diätetik

Grundsätzliche, indikationsabhängige Empfehlungen zur Ernährung

Empfehlenswert Den Fk Niere (o. renalis, shen) stützende Nahrungsmittel (z. B. Esskastanie, chinesischer Lauch, Hirschfleisch)
Nicht empfehlenswert Nahrungsmittel mit kühlem und kaltem Temperaturverhalten (z. B. Kürbis, Chinakohl, Salz)
Akupunktur

Indikationsabhängig wichtige Akupunkturpunkte (je nach Befund kann die Behandlung weiterer, hier nicht aufgeführter Akupunkturpunkte erforderlich sein)

Deutsche Bezeichnung Lateinische Bezeichnung Deutsche Übersetzung des chinesischen Namens Pinyin Lokalisation Erläuterung
Lokale Punkte
Ex-HN 3 Ex 1 Siegelhalle yintang In der Mitte zwischen den Augenbrauen Leitet Wind (ventus, feng) aus, sediert die konstellierende Kraft shen
Di 20 IC 20 Empfangen der Wohlgerüche yingxiang Am unteren Rand des Nasenflügels in einer Vertiefung Macht die Nase durchgängig
Periphere Punkte
Lu 7 P 7 Reihe von Lücken lieque Proximal des Processus styloideus radii, zwischen der Sehne des M. extensor pollicis und der Radiuskante Senkt das Qi des Fk Lunge (qi pulmonale, feiqi) ab, verteilt die Wehrenergie (qi defensivum, weiqi)
Bl 13 V 13 Einflusspunkt des Lungen-Funktionskreises feishu 1,5 cun lateral des Dornfortsatzes des 3. BWK Stützt die Fk Lunge und Niere (oo. pulmonalis et renalis, fei shen)
Di 4 IC 4 Vereinte Täler hegu Etwa in der Mitte des 2. Mittelhandknochens an der radialen Seite Leitet Wind (ventus, feng) aus, stärkt die Wehrenergie (qi defensivum, weiqi)
3E 5 T 5 Äußeres Passtor waiguan 2 cun proximal der Handgelenksfalte, in der Mitte des Unterarmes zwischen Elle und Speiche, gegenüber Pe 6/Pc 6 Zerstreut Wind (ventus, feng)
Lu 5 P 5 Moorsee am Fußpunkt chize In der Mitte der Ellbeuge, an der Innenkante des M. brachioradialis Stützt Yin und Qi des Fk Lunge (yin et qi pulmonale, fei yin qi)
Ni 3 R 3 Mächtiger Wasserlauf taixi Auf der Mitte der Verbindungslinie zwischen Malleolus medialis und der Achillessehne Stützt das Qi des Fk Niere (qi renale, shenqi)
Ni 7 R 7 Der zurückfließende Strom fuliu Am Vorderrand der Achillessehne, 2 cun über Ni 3/R 3 in einer Vertiefung Stützt das Yin des Fk Niere (yin renale, shenyin)
Ren 5 Rs 5 Das steinerne Tor shimen In der vorderen Medianlinie, 2 cun unterhalb der Mitte des Nabels bzw. 3 cun oberhalb der Symphysenoberkante Stützt Yin und Yang des Fk Niere (yin et yang renale, shen yin yang)
Ergänzungspunkte:
  • Bei energetischer Schwäche (depletio, xu) des Yin: Bl 67/V 67 (Das äußerste Yin, zhiyin), stützt das Yin des Fk Niere (yin renale, shenyin)

  • Bei Asthma: Bl 43/V 43 (Das Innere, gaohuang), reguliert das Qi des Fk Lunge (qi pulmonale, feiqi)

Rhinitis sicca

Krankheitsbild und Therapie aus westlicher Sicht
Klinisches Bild
  • Es handelt sich um eine chronische Schleimhauterkrankung des vorderen Nasenseptums.

  • Die typischen Symptome sind Trockenheitsgefühl, Juckreiz und Krustenbildung.

  • Durch Entzündung des Perichondriums kann es über eine Ulcusbildung zu rundlichen Septumperforationen kommen.

  • Die Ursache ist unklar, diskutiert werden physikochemische Einflüsse wie Schnupftabak, Kokainmissbrauch etc. Differentialdiagnostisch abzugrenzen sind gewerbliche Septumperforationen, Schleimhautlupus, Lues, Lepra, Karzinome.

Therapie aus westlicher Sicht
  • Konsequente Salbenbehandlung

CAVE

Wegen der möglichen Differentialdiagnosen und Komplikationen vor allem bei langwierigen Verläufen ist eine sorgfältige HNO-ärztliche Abklärung unbedingt erforderlich.

Krankheitsbild und Therapie aus Sicht der chinesischen Medizin
Übersicht
Rhinitis sicca ist auf depletive Schädigungen von Funktionskreisen und auf Affektionen durch Schrägläufig-Toxisches (Heteropathisch-Toxisches, xiedu) zurückzuführen. Die wichtigsten Manifestationen sind Trockenheit, Hyperämie und Atrophie der Nasenschleimhaut sowie verminderte Sekretbildung. Diese Erkrankung ähnelt dem chinesischen Krankheitsbild Trockenheit der Nase (Bizaozheng).
Rhinitis sicca kann in allen vier Jahreszeiten auftreten, im Hochsommer, im Herbst und im Winter tritt sie aber gehäuft auf.
Agenzien und Pathogenese
  • A Schädigung des Fk Lunge (o. pulmonalis, fei) durch eine Trockenheit-Schrägläufigkeit (ariditas-Heteropathie, zaoxie):

    Langfristig auf die Nase einwirkende Reize wie Staub, hohe Temperaturen oder trockenes, kaltes Wetter bewirken, dass schrägläufige Trockenheit (heteropathische ariditas, xiezao) die Säfte (jinye) verbraucht und schädigt, das Yin des Fk Lunge (yin pulmonale, feiyin) wird defizient, und die Körperöffnung Nase kann nicht mehr befeuchtet und genährt werden.

  • B Emporschlagende Hitze des Fk Magen (calor stomachi, weire), die nach oben die Körperöffnung Nase verbrennt:

    Durch den übermäßigen Verzehr von scharfen, fetten, süßen und gebratenen Speisen wird Hitze (calor, re) geschürt und Glut (ardor, huo) hervorgebracht, oder äußere Schrägläufigkeiten (Heteropathien, xie) dringen bis in das Innere (intima, li) vor, wandeln sich zu Hitze (calor, re) und schädigen den Fk Magen (o. stomachi, wei), Hitze des Fk Magen (calor stomachi, weire) verdampft nach oben, und die Körperöffnung Nase wird verbrannt.

  • C Trockenheit (ariditas, zao) des Fk Lunge (o. pulmonalis, fei) bei energetischer Schwäche des Yin (depletio yin, yinxu):

    In der Spätphase einer Hitze-Erkrankung (calor, re) sind die Yin-Säfte nicht wieder hergestellt, bzw. in einem fortgeschrittenen Alter besteht eine Erschöpfung der aktiven Säfte (jin). Dadurch kommt es zu Trockenheit (ariditas, zao) des Fk Lunge (o. pulmonalis, fei) bei energetischer Schwäche des Yin (depletio yin, yinxu), die Säfte (jinye) können nicht nach oben gelangen, und die Nase wird nicht mehr befeuchtet und genährt.

  • D Energetische Schwäche (depletio, xu) des Qi der Fk Milz und Lunge (qi lienale et pulmonale, pi fei qi):

    Der Fk Milz (o. lienalis, pi) dominiert die Umsetzung, der Fk Lunge (o. pulmonalis, fei) dominiert die Bewegung und Verteilung. Bei energetischer Schwäche (depletio, xu) des Qi der Fk Milz und Lunge (qi lienale et pulmonale, pi fei qi) können die raffinierten Substanzen nicht mehr nach oben zur Nase befördert werden, so dass die Nase nicht mehr befeuchtet und genährt wird.

Differenzierte chinesische Therapie
Schädigung des Fk Lunge (o. pulmonalis, fei) durch eine Trockenheit-Schrägläufigkeit (ariditas-Heteropathie, zaoxie)
Hauptsymptome
  • Trockene, rissige, schmerzende, stechend juckende Nase, Niesen, dickflüssiges, teilweise mit Blut vermischtes Nasensekret

  • Zungenkörper: rot; Zungenbelag: fehlend

  • Pulse: zart und beschleunigt (minuti und celeri, xi shu)

Krankheitsmechanismus
Die Schrägläufigkeit (Heteropathie, xie) Trockenheit (ariditas, zao) schädigt die aktiven Säfte (jin) des Fk Lunge (o. pulmonalis, fei), die Nase wird nicht mehr durch die Säfte (jinye) befeuchtet und genährt, und dies hat eine trockene, rissige, schmerzende Nase und ein dickflüssiges, Krusten bildendes Sekret zur Folge. Aufgrund der Reizung durch Schorf sticht und juckt es in der Nase, und man niest häufig. Der rote Zungenkörper ohne Belag und die zarten und beschleunigten Pulse (minuti und celeri, xi shu) sind Zeichen für Defizienz der Säfte (jinye).
Therapeutisches Vorgehen

  • 1.

    Kühlen und Zerstreuen der Trockenheit-Schrägläufigkeit (ariditas-Heteropathie, zaoxie)

  • 2.

    Befeuchten der Körperöffnung Nase

Arzneitherapie

Basisrezeptur: Modifikation der Rezeptur Dekokt mit Morus und Prunus armeniaca (Sangxing tang)

Arznei Pinyin Klassische Tagesdosis (g) Modifizierte Tagesdosis (g) Erläuterung
Mori folium Sangye 5–15 3 Leitet Wind-Hitze (calor venti, fengre) aus, kühlt Hitze (calor, re)
Fritillariae thunbergii bulbus Zhebeimu 5–12 3 Wandelt Schleim (pituita, tan) um, kühlt Hitze (calor, re)
Sojae semen praeparatum Dandouchi 9–15 3 Macht die Oberfläche (extima, biao) frei
Gardeniae fructus Zhizi 3–10 3 Kühlt Hitze (calor, re)
Armeniacae semen Xingren 3–10 4,5 Befeuchtet Trockenheit (ariditas, zao)
Piri cortex Lipi 15–25 3 Kühlt den Fk Herz (o. cardialis, xin), befeuchtet den Fk Lunge (o. pulmonalis, fei), senkt Glut (ardor, huo) ab, bringt Säfte (jinye) hervor
Adenophorae radix Nanshashen 6–20 3 Stützt und ergänzt das Yin, befeuchtet Trockenheit (ariditas, zao)
Einnahmemodus: Dekokt (Zubereitung Kap. 6, Einführung)
Erläuterung: Mori folium (Sangye) und Sojae semen praeparatum (Dandouchi) lösen die Trockenheit (ariditas, zao) im Fk Lunge (o. pulmonalis, fei). Armeniacae semen (Xingren) wärmt und befeuchtet und regt die aktiven Energien im Fk Lunge (o. pulmonalis, fei) an. Fritillariae thunbergii bulbus (Zhebeimu) wandelt Schleim (pituita, tan) um und wirkt gleichzeitig suppletiv. Gardeniae fructus (Zhizi) kühlt und leitet Hitze (calor, re) aus dem oberen Wärmebereich (oberes Calorium, shangjiao) und dem Fk Lunge (o. pulmonalis, fei) aus. Adenophorae radix (Nanshashen) befeuchtet die Trockenheit (ariditas, zao).
Modifikationen:
  • Bei starker Hitze des Fk Lunge (calor pulmonale, feire): Scutellariae radix (Huangqin) 3 g, Forsythiae fructus (Lianqiao) 3 g

  • Bei trockenem Husten mit wenig Sputum: Scrophulariae radix (Xuanshen) 3 g, Rehmanniae radix (Shengdihuang) 6 g, Ophiopogonis radix (Maimendong) 3 g, Polygonati odorati rhizoma (Yuzhu) 3 g

Diätetik

Grundsätzliche, indikationsabhängige Empfehlungen zur Ernährung

Empfehlenswert Süße Nahrungsmittel mit Tendenz zur Kälte (Weizen, Spinat, Birne)
Nicht empfehlenswert Heiße Nahrungsmittel (Alkohol, scharfe Gewürze, Knoblauch), Tabakgenuss
Akupunktur

Indikationsabhängig wichtige Akupunkturpunkte (je nach Befund kann die Behandlung weiterer, hier nicht aufgeführter Akupunkturpunkte erforderlich sein)

Deutsche Bezeichnung Lateinische Bezeichnung Deutsche Übersetzung des chinesischen Namens Pinyin Lokalisation Erläuterung
Lokale Punkte
Di 20 IC 20 Empfangen der Wohlgerüche yingxiang Am unteren Rand des Nasenflügels in einer Vertiefung Macht die Nase durchgängig, zerstreut Wind-Hitze (calor venti, fengre)
Bl 7 V 7 Himmelskommunikation tongtian 1,5 cun lateral der Medianen, 4 cun hinter der vorderen Haargrenze Zerstreut Wind (ventus, feng), zerschlägt Wind-Feuchtigkeit-Blockaden (humor venti, fengshi)
Periphere Punkte
Di 4 IC 4 Vereinte Täler hegu Etwa in der Mitte des 2. Mittelhandknochens an der radialen Seite Öffnet die Oberfläche (extima, biao), kräftigt und verteilt das Qi des Fk Lunge (qi pulmonale, feiqi)
Emporschlagende Hitze des Fk Magen (calor stomachi, weire), die nach oben die Körperöffnung Nase verbrennt
Hauptsymptome
  • Trockenheit, starkes Hitzegefühl, Schmerzen und Blutung in der Nase, trockener Mund, trockener Rachen, Wunsch nach kalten Getränken, übler Mundgeruch, eventuell Schwellung, Erosion und Bluten des Zahnfleisches

  • Zungenkörper: rot; Zungenbelag: gelblich

  • Pulse: überflutend und beschleunigt (exundantes und celeri, hong shu)

Krankheitsmechanismus
Hitze des Fk Magen (calor stomachi, weire) schlägt empor, Glut (ardor, huo) und Hitze (calor, re) brennen im Inneren, sie steigen entlang den Leitbahnen empor und verbrennen die Nase, und dies hat Trockenheit, starkes Hitzegefühl und Schmerzen der Nase, einen roten Zungenkörper, einen gelblichen Belag und überflutende und beschleunigte Pulse (exundantes und celeri, hong shu) zur Folge. Glut (ardor, huo) und Hitze (calor, re) verbrennen die Haupt- und Netzleitbahnen (cardinales und reticulares, jingmai luomai) der Nase, so dass es zu Nasenbluten kommt. Glut des Fk Magen (ardor stomachi, weihuo) verdampft zusammen mit Qi nach oben, weshalb übler Mundgeruch und Schwellung, Erosion und Bluten des Zahnfleisches bestehen. Überhandnehmende Hitze (calor vigens, shengre) schädigt die aktiven Säfte (jin), woraus Trockenheit von Mund und Rachen und der Wunsch nach kalten Getränken resultieren.
Therapeutisches Vorgehen

  • 1.

    Kühlen und Ausleiten von Glut des Fk Magen (ardor stomachi, weihuo)

  • 2.

    Nach-unten-Leiten von Hitze (calor, re)

Arzneitherapie

Basisrezeptur: Dekokt zur Regulation des Fk Magen (o. stomachi) und Wiederherstellung des Qi-Flusses (Tiaowei chengqi tang)

Arznei Pinyin Klassische Tagesdosis (g) Modifizierte Tagesdosis (g) Erläuterung
Rhei rhizoma Dahuang 1–12 6 Kühlt Hitze (calor, re), wirkt laxierend
Glycyrrhizae radix Gancao 1–15 6 Befeuchtet Trockenheit (ariditas, zao), harmonisiert und stützt
Natrii sulfas Mangxiao 3–15 9 Kühlt Hitze (calor, re), wirkt laxierend, befeuchtet Trockenheit (ariditas, zao)
Einnahmemodus: Dekokt (Zubereitung Kap. 6, Einführung)
Erläuterung: Rhei rhizoma (Dahuang) und Natrii sulfas (Mangxiao) wirken einerseits Hitze (calor, re) kühlend, andererseits befeuchtend und erweichend. Glycyrrhizae radix (Gancao) kompensiert die kühlende Wirkung der beiden Arzneien.
Modifikationen:
  • Bei Nasenbluten: Rehmanniae radix (Shengdihuang) 6 g, Imperatae rhizoma (Baimaogen) 6 g, Salviae miltiorrhizae radix (Danshen) 6 g

  • Bei Trockenheit von Mund und Rachen: Scrophulariae radix (Xuanshen) 6 g, (Maimendong) 6 g, Trichosanthis radix (Tianhuafen) 6 g

Diätetik

Grundsätzliche, indikationsabhängige Empfehlungen zur Ernährung

Empfehlenswert Feuchtigkeitsspendende Nahrungsmittel mit kühlem Temperaturverhalten (Weizen, Chinakohl, Birne)
Nicht empfehlenswert Heiße Nahrungsmittel (Alkohol, scharfe Gewürze, Knoblauch), Tabakgenuss
Akupunktur: wie unter A
Trockenheit (ariditas, zao) des Fk Lunge (o. pulmonalis, fei) bei energetischer Schwäche des Yin (depletio yin, yinxu)
Hauptsymptome
  • Trockenheit, leichte Schmerzen und leichter Juckreiz in der Nase, eventuell Hitzegefühl in der Nase, immer wieder Reiben der Nase, mit Blut versetztes Nasensekret

  • Zungenkörper: rot, leicht feucht; Zungenbelag: wenig

  • Pulse: zart und beschleunigt (minuti und celeri, xi shu)

Krankheitsmechanismus
Das Yin des Fk Lunge (yin pulmonale, feiyin) ist defizient, Trockenheit (ariditas, zao) und Glut (ardor, huo) verbrennen die aktiven Säfte (jin), die Körperöffnung Nase wird nicht mehr genährt, die Yang-Netzleitbahnen (Yang-reticulares, yang luomai) werden geschädigt, und dadurch findet sich im Sekret Blut. Trockenheit (ariditas, zao) schädigt die Lungen-Leitbahn (c. pulmonale, fei jing), was Trockenheit, leichte Schmerzen und leichten Juckreiz in der Nase, eine rote, trockene Nasenschleimhaut und Erosion und Verkrustung der Nasenschleimhaut zur Folge hat. Der rote Zungenkörper mit wenig Belag und die zarten und beschleunigten Pulse (minuti und celeri, xi shu) sind Zeichen für eine energetische Schwäche (depletio, xu) des Yin und Trockenheit (ariditas, zao) des Fk Lunge (o. pulmonalis, fei).
Therapeutisches Vorgehen

  • 1.

    Befeuchten des Yin

  • 2.

    Befeuchten der Trockenheit (ariditas, zao)

  • 3.

    Mehren und Suppletieren des Yin des Fk Lunge (yin pulmonale, feiyin)

Arzneitherapie

Basisrezeptur: Dekokt zum Nähren des Yin und Kühlen des Fk Lunge (o. pulmonalis) (Yangyin qingfei tang)

Arznei Pinyin Klassische Tagesdosis (g) Modifizierte Tagesdosis (g) Erläuterung
Rehmanniae radix Shengdihuang 10–30 12 Ergänzt die Säfte (jinye), kühlt Hitze (calor, re) und das Xue
Ophiopogonis radix Maimendong 3–18 7 Stützt und ergänzt das Yin, ergänzt die Säfte (jinye)
Menthae herba Bohe 1–8 3 Lockert die Oberfläche (extima, biao), leitet Wind-Hitze (calor venti, fengre) aus
Scrophulariae radix Xuanshen 6–30 9 Stützt und ergänzt das Yin
Fritillariae thunbergii bulbus Zhebeimu 3–12 5 Kanalisiert Schleim (pituita, tan), stillt Husten
Moutan cortex Mudanpi 3–12 5 Kühlt Hitze (calor, re) und das Xue
Paeoniae radix lactiflora Baishao 3–15 5 Ergänzt das Xue, stützt das Struktivpotential jing
Glycyrrhizae radix Gancao 1–15 3 Befeuchtet Trockenheit (ariditas, zao), wirkt beruhigend und ausgleichend
Einnahmemodus: Dekokt (Zubereitung Kap. 6, Einführung)
Erläuterung: Rehmanniae radix (Shengdihuang) und Scrophulariae radix (Xuanshen) nähren vor allem das Yin und beseitigen Hitze aufgrund energetischer Schwäche (calor depletionis, xure). Ophiopogonis radix (Maimendong) und Paeoniae radix lactiflora (Baishao) unterstützen die ersten beiden Mittel dabei, das Yin zu nähren. Moutan cortex (Mudanpi) kühlt das Xue und unterstützt die beiden ersten Arzneien. Fritillariae thunbergii bulbus (Zhebeimu) befeuchtet den Fk Lunge (o. pulmonalis, fei). Menthae herba (Bohe) zerstreut die Schrägläufigkeit (Heteropathie, xie), und Glycyrrhizae radix (Gancao) harmonisiert die Wirkungen aller Arzneimittel.
Modifikationen:
  • Bei emporschlagender Glut (ardor, huo) aufgrund energetischer Schwäche (depletio, xu) des Yin: Rehmanniae radix praeparata (Shudihuang) 10 g, Anemarrhenae rhizoma (Zhimu) 6 g, Phellodendri cortex (Huangbo) 3 g

  • Bei blutig tingiertem Sekret: Imperatae rhizoma (Baimaogen) 10 g, Nelumbinis nodus rhizomatis (Oujie) 9 g, Ecliptae herba (Hanliancao) 6 g

Diätetik

Grundsätzliche, indikationsabhängige Empfehlungen zur Ernährung

Empfehlenswert Nahrungsmittel, die das Yin des Fk Lunge (yin pulmonale, feiyin) stärken (Hiobstränensamen, Kürbisgemüse, Birne)
Nicht empfehlenswert Tabakgenuss, warme, Schleim (pituita, tan) begünstigende Nahrungsmittel (Aprikose, weißer Zucker)
Akupunktur: wie unter A
Energetische Schwäche (depletio, xu) des Qi der Fk Milz und Lunge (qi lienale et pulmonale, pi fei qi)
Hauptsymptome
  • Trockene Nase, dickflüssiges, eventuell verschorftes, häufig mit Blut vermischtes Sekret

  • Mögliche Allgemeinsymptome: geistige Abgeschlagenheit, Kurzatmigkeit, Appetitlosigkeit

  • Zungenkörper: blass; Zungenbelag: weißlich

  • Pulse: zart und schwach (minuti und invalidi, xi ruo)

Krankheitsmechanismus
Aufgrund einer energetischen Schwäche (depletio, xu) des Qi der Fk Milz und Lunge (qi lienale et pulmonale, pi fei qi) kann das aus der Nahrung raffinierte Energiepotential nicht mehr nach oben zur Nase befördert werden, die Nase wird nicht mehr befeuchtet und genährt, so dass die Nasenschleimhaut blass, die Nase trocken und das Sekret dickflüssig wird. Die geistige Abgeschlagenheit, die Kurzatmigkeit, die Appetitlosigkeit, der blasse Zungenkörper, der weißliche Belag und die zarten und beschleunigten Pulse (minuti und celeri, xi shu) sind Zeichen für eine energetische Schwäche (depletio, xu) des Qi der Fk Milz und Lunge (qi lienale et pulmonale, pi fei qi).
Therapeutisches Vorgehen

  • 1.

    Suppletieren der Mitte (Fk Milz und Magen, oo. lienalis et stomachi, pi wei)

  • 2.

    Mehren des Qi

  • 3.

    Stützen der Wandlungsphase Erde

  • 4.

    Hervorbringen der Wandlungsphase Metall

Arzneitherapie

Basisrezeptur: Dekokt, das die Energien der Mitte ergänzt und das Qi vermehrt (Buzhong yiqi tang)

Arznei Pinyin Klassische Tagesdosis (g) Modifizierte Tagesdosis (g) Erläuterung
Astragali radix Huangqi 10–15 15 Stützt und ergänzt das Qi, festigt die Oberfläche (extima, biao)
Glycyrrhizae radix Gancao 1–15 4,5 Stützt und ergänzt das Qi, harmonisiert und stützt die Fk Milz und Magen (oo. lienalis et stomachi, pi wei)
Codonopsis radix Dangshen 3–15 9 Stützt und ergänzt das Qi, leitet Glut (ardor, huo) aus, harmonisiert und stützt die Fk Milz und Magen (oo. lienalis et stomachi, pi wei)
Atractylodis macrocephalae rhizoma Baizhu 3–10 12 Trocknet Feuchtigkeit (humor, shi), harmonisiert und stützt die Fk Milz und Magen (oo. lienalis et stomachi, pi wei)
Angelicae sinensis radix Danggui 3–10 9 Ergänzt und bewegt das Xue
Citri reticulatae pericarpium Chenpi 3–10 6 Bewegt und reguliert das Qi
Cimicifugae rhizoma Shengma 1–10 4,5 Hebt das Qi empor
Bupleuri radix Chaihu 3–12 4,5 Hebt das Qi empor
Einnahmemodus: Dekokt (Zubereitung Kap. 6, Einführung)
Erläuterung: Astragali radix (Huangqi) ergänzt die Energien des Fk Lunge (o. pulmonalis, fei) und festigt die Oberfläche (extima, biao). Codonopsis radix (Dangshen) und Glycyrrhizae radix (Gancao) stützen den Fk Milz (o. lienalis, pi), stärken und harmonisieren die Mitte (Fk Milz und Magen, oo. lienalis et stomachi, pi wei) und zerstreuen Glut (ardor, huo). Atractylodis macrocephalae rhizoma (Baizhu) trocknet Feuchtigkeit (humor, shi) und kräftigt den Fk Milz (o. lienalis, pi). Angelicae sinensis radix (Danggui) harmonisiert das Xue und stützt das Yin. Cimicifugae rhizoma (Shengma) und Bupleuri radix (Chaihu) heben die aktiven Energien, und Citri reticulatae pericarpium (Chenpi) macht die Mitte (Fk Milz und Magen, oo. lienalis et stomachi, pi wei) durchlässig und stellt so den Austausch zwischen Außen und Innen sicher.
Modifikation: Bei Nasenbluten: Asini corii colla (Ejiao) 9 g, Bletillae rhizoma (Baiji) 6 g, Agrimoniae herba (Xianhecao) 12 g
Diätetik

Grundsätzliche, indikationsabhängige Empfehlungen zur Ernährung

Empfehlenswert Das Qi des Fk Milz (qi lienale, piqi) stützende Nahrungsmittel (gekochter Weizenbrei, Rundkornreis, Karotte, Koriander, Apfelkompott, Hühnerfleisch)
Nicht empfehlenswert Feuchtigkeit (humor, shi) und Schleim (pituita, tan) erzeugende Nahrungsmittel (Nüsse, fettes Fleisch, übermäßiger Genuss von Zucker)
Akupunktur: wie unter A

Epistaxis

Krankheitsbild und Therapie aus westlicher Sicht
Klinisches Bild
  • Besonders häufig ist das Nasenbluten bei Kindern und Jugendlichen, bei Erwachsenen sind Männer doppelt so häufig betroffen wie Frauen.

  • Eine Häufung ergibt sich im Winter, aber auch bei extrem trockenem und heißem Klima.

  • Nasenbluten ist ein Symptom einer lokalen oder systemischen Erkrankung.

  • Als Ursache sind häufig Störungen der Hämostase oder ein Hypertonus zu finden.

  • Differentialdiagnostisch ist weiterhin das Vorliegen eines Morbus Osler, einer Wegnerschen Granulomatose oder eines Tumors in Erwägung zu ziehen.

Therapie aus westlicher Sicht
  • Lokale Blutstillung mittels chemischer oder physikalischer Koagulation oder durch vordere, ggf. auch hintere Nasentamponade

  • Nach der Blutstillung Behandlung des eventuellen Grundleidens

CAVE

Die Behandlung der Epistaxis gehört wegen der möglichen Komplikationen in die Hände eines HNO-Facharztes.

Krankheitsbild und Therapie aus Sicht der chinesischen Medizin
Übersicht
Epistaxis wird in der chinesischen Medizin der Kategorie Nasenbluten (Binü) zugeordnet.
Folgende Symptomkonfigurationen kommen als Ursachen für Blutungen in Frage:
  • 1.

    Energetische Schwäche (depletio, xu) des Qi

  • 2.

    Hitze (calor, re)

  • 3.

    Hitze aufgrund energetischer Schwäche (calor depletionis, xure)

  • 4

    .Xue-Stasen

Energetische Schwäche (depletio, xu) des Qi und Hitze (calor, re) sind dabei die am häufigsten vorkommenden Störungen.
Agenzien und Pathogenese
Die chinesische Medizin geht davon aus, dass neben Verletzungen auch folgende Faktoren zu Epistaxis führen können:
  • A Hitze des Fk Lunge (calor pulmonale, feire) verdampft zur Nase:

    Affektion des Fk Lunge (o. pulmonalis, fei) durch die außen induzierten Schrägläufigkeiten (Heteropathien, xie) Wind-Hitze (calor venti, fengre) oder Trockenheit (ariditas, zao) und Hitze (calor, re), wobei schrägläufige Hitze (heteropathischer calor, xiere) entlang der Leitbahn emporsteigt, sich einstaut und die Leitbahn schädigt.

  • B Glut des Fk Magen (ardor stomachi, weihuo) verbrennt die Nase:

    Zu schnelles Trinken, hochprozentige Getränke und zu viele scharfe und trockene Speisen führen dazu, dass Hitze (calor, re) des Fk Magen (o. stomachi, wei) stark im Vordergrund steht und das Innere verbrennt. Sie steigt entlang der Leitbahn empor, schädigt die Yang-Netzleitbahnen (Yang-reticulares, yangluo) in der Nase, und Xue sprudelt mit Hitze (calor, re) hervor.

  • C Glut des Fk Leber (ardor hepatici, ganhuo) verbrennt die Nase:

    Durch emotionale Unausgeglichenheit oder plötzlichen Zorn (ira, nu) kommt es zu Stagnationen des Qi mit der Folge einer Einstauung des aktiven Energieflusses des Fk Leber (o. hepaticus, gan). Hieraus resultieren nicht nur Stasen des Xue, sondern auch eine Bildung von Hitze (calor, re) und Glut (ardor, huo). Dies führt zu einem gegenläufigen (kontravektiven, ni) Emporsteigen des Yang des Fk Leber (yang hepatici, ganyang), wodurch das Absinken des Qi des Fk Lunge (qi pulmonale, feiqi) behindert wird und es sich einstaut. Einstauungen des Qi des Fk Lunge (qi pulmonale, feiqi) wandeln sich zu Glut (ardor, huo), die das Xue verdampfen lässt und die Leitbahnen der Körperöffnung Nase bedrängt.

  • D Mangelnde Versorgung der Körperöffnung Nase aufgrund energetischer Schwäche (depletio, xu) des Yin:

    Bei einer Defizienz der Fk Leber und Niere (oo. hepaticus et renalis, gan shen) befeuchtet die Wandlungsphase Wasser die Wandlungsphase Holz nicht mehr. Der Fk Leber (o. hepaticus, gan) speichert kein Xue mehr, deshalb steigt Glut aufgrund energetischer Schwäche (ardor depletionis, xuhuo) auf, und das Xue tritt aus.

  • E Mangelndes Zusammenhalten des Xue durch den Fk Milz (o. lienalis, pi):

    Bei energetischer Schwäche (depletio, xu) des Qi des Fk Milz (qi lienale, piqi) kann das Xue nicht mehr zusammengehalten werden.

  • F Xue-Stasen in der Körperöffnung Nase:

    Eingestautes Xue blockiert im Inneren (intima, li), das Xue folgt nicht mehr den Leitbahnen, sondern es verlässt sie.

All diese Agenzien und Krankheitsmechanismen können dazu führen, dass sich das Xue unkontrolliert bewegt, in die Nase strömt und es zu Nasenbluten kommt. In schweren Fällen, in denen sich das Nasenbluten nicht stillen lässt, kann das Qi mit dem Xue abfließen, was zum kritischen Krankheitsbild Entweichen des Yin und Verlust des Yang (Yintuo yangwang) führen kann.
Differenzierte chinesische Therapie
Die Behandlung im akuten Stadium sollte nach dem Prinzip in akuten Fällen zuerst die vordergründige Symptomatik (cacumen, biao) behandeln durchgeführt werden. Die Blutung ist also zunächst durch äußere Methoden zu stillen. Anschließend kann man nach dem Prinzip bei Nachlassen der akuten Symptomatik die Wurzel der Erkrankung (stirps, ben) behandeln vorgehen und entsprechend der Symptomkonfiguration die Wurzel der Erkrankung (stirps, ben) therapieren.
A Hitze des Fk Lunge (calor pulmonale, feire) verdampft zur Nase
Hauptsymptome
  • Blutig tingiertes Nasensekret oder leicht tröpfelnde Blutung mit hellrotem Blut

  • Hitzegefühle an der Nase

  • Mögliche Allgemeinsymptome: Husten mit wenig Auswurf, Fieber, trockener Mund

  • Zungenkörper: rote Zungenspitze, roter Zungenrand; Zungenbelag: dünn, gelblich, trocken

  • Pulse: oberflächlich und beschleunigt (superficiales und celeri, fu shu) bzw. beschleunigt (celeri, shu)

Krankheitsmechanismus
Äußere oder innere schrägläufige Hitze (heteropathischer calor, xiere) steigt entlang der Leitbahn empor, staut sich ein, die Leitbahnen werden geschädigt, und es kommt zum Nasenbluten.
Therapeutisches Vorgehen

  • 1.

    Herauslösen von Wind (ventus, feng)

  • 2.

    Kühlen von Hitze (calor, re)

  • 3.

    Kühlen des Xue

  • 4.

    Stillen der Blutung

Arzneitherapie

Basisrezeptur: Eine Modifikation des Trankes aus Maulbeerblättern und Chrysanthemenblüten (Sangju yin)

Arznei Pinyin Klassische Tagesdosis (g) Modifizierte Tagesdosis (g) Erläuterung
Mori folium Sangye 5–15 15 Leitet Wind-Hitze (calor venti, fengre) aus, kühlt Hitze (calor, re)
Chrysanthemi flos Juhua 3–15 15 Leitet Wind (ventus, feng) und Wind-Hitze (calor venti, fengre) aus
Forsythiae fructus Lianqiao 3–15 15 Kühlt Hitze (calor, re), leitet Wind-Hitze (calor venti, fengre) aus
Rehmanniae radix Shengdihuang 10–30 15 Kühlt Hitze (calor, re), kühlt das Xue
Platycladi cacumen Cebaiye 6–15 15 Kühlt und hält das Xue, wirkt hämostiptisch
Armeniacae semen Xingren 3–10 10 Stillt Husten und Keuchen
Gardeniae fructus Zhizi 3–10 10 Kühlt Hitze (calor, re), leitet Glut (ardor, huo) aus
Moutan cortex Mudanpi 3–12 12 Kühlt das Xue, kühlt Hitze (calor, re)
Imperatae rhizoma Baimaogen 10–30 25 Zerstreut und kühlt Hitze (calor, re)
Menthae herba Bohe 1–8 6 Leitet Wind-Hitze (calor venti, fengre) aus, klärt Augen und Kopf
Glycyrrhizae radix Gancao 1–15 6 Stützt und ergänzt das Qi, harmonisiert und stützt die mittleren Funktionskreise
Einnahmemodus: Dekokt (Zubereitung Kap. 6, Einführung)
Erläuterung: Mori folium (Sangye), Chrysanthemi flos (Juhua), Forsythiae fructus (Lianqiao), Armeniacae semen (Xingren), Menthae herba (Bohe) und Glycyrrhizae radix (Gancao) lösen Wind-Hitze (calor venti, fengre) aus und kühlen Hitze (calor, re). Rehmanniae radix (Shengdihuang), Moutan cortex (Mudanpi), Imperatae rhizoma (Baimaogen), Platycladi cacumen (Cebaiye) und Gardeniae fructus (Zhizi) kühlen das Xue und stillen die Blutung.
Modifikationen:
  • Bei relativ starker Hitze-Symptomatik (calor, re): Scutellariae radix (Huangqin) 15 g, Coptidis rhizoma (Huanglian) 10 g

  • Bei starkem Husten mit reichlich dickflüssigem Auswurf: Fritillariae thunbergii bulbus (Zhebeimu) 10 g

Diätetik

Grundsätzliche, indikationsabhängige Empfehlungen zur Ernährung

Empfehlenswert Löwenzahn, Tomate, Rettich, Chinakohl, Karotte, Sternfrucht, Wassermelone, grüner Tee
Nicht empfehlenswert Nahrungsmittel mit heißem Temperaturverhalten
Akupunktur

Indikationsabhängig wichtige Akupunkturpunkte (je nach Befund kann die Behandlung weiterer, hier nicht aufgeführter Akupunkturpunkte erforderlich sein)

Deutsche Bezeichnung Lateinische Bezeichnung Deutsche Übersetzung des chinesischen Namens Pinyin Lokalisation Erläuterung
Lokale Punkte
Lu 3 P 3 Versammlungshalle des Himmels tianfu Auf der Oberarminnenseite 3 cun distal des vorderen Axillarfaltenendes im Sulcus bicipitalis lateralis Bewegt Qi und Xue, senkt das Qi des Fk Lunge (qi pulmonale, feiqi) ab, kühlt das Xue
Lu 5 P 5 Moorsee am Fußpunkt chize In der Mitte der Ellbeuge, an der Innenkante des M. brachioradialis Kühlt Hitze (calor, re) im Fk Lunge (o. pulmonalis, fei), senkt das Qi des Fk Lunge (qi pulmonale, feiqi) ab
Lu 11 P 11 Junges Shang shaoshang 0,1 cun neben dem radialen Nagelwinkel des Daumens Leitet Hitze (calor, re) aus, macht die Kehle frei, leitet Wind (ventus, feng) aus
Di 19 IC 19 Kellerloch des Getreides heliao Unterhalb des Nasenlochrandes 0,5 cun lateral der Mittellinie Leitet Wind (ventus, feng) aus, macht die Nase durchgängig
Bl 4 V 4 Große Straße der Nase bichong 1,5 cun lateral der Medianlinie und 0,5 cun innerhalb der vorderen Haaransatzlinie Öffnet die Oberfläche (extima, biao), kühlt Hitze (calor, re), zerstreut Wind (ventus, feng)
Bl 7 V 7 Himmelskommunikation tongtian 1,5 cun lateral der Medianen, 4 cun hinter der vorderen Haargrenze Zerstreut Wind (ventus, feng), löst Krämpfe, löst Blockaden durch Wind-Feuchtigkeit (humor venti, fengshi)
Gb 5 F 5 Punkt der Medulla xuanlu In der Mitte einer Linie zwischen Ma 8/S 8 und Gb 7/F 7 Zerstreut Wind (ventus, feng), kühlt Hitze (calor, re)
Ex-HN 3 Ex 1 Siegelhalle yintang In der Mitte zwischen den Augenbrauen Leitet Wind (ventus, feng) und Hitze (calor, re) aus, kühlt Hitze (calor, re), beruhigt die konstellierende Kraft shen
Ex-HN 8 Ex 3 Durchgängige Nase bitong Am oberen Ende der Nasolabialfalte, am Übergang von der Maxilla zur Nasenhöhle Macht die Nase durchgängig
Periphere Punkte
Di 2 IC 2 Zweites Interstitium erjian An der radialen Seite des Zeigefingers distal des Zeigefingergrundgelenks, an der Grenze zwischen weißem und rotem Fleisch Vertreibt Wind (ventus, feng), beseitigt Hitze (calor, re)
Di 4 IC 4 Vereinte Täler hegu Etwa in der Mitte des 2. Mittelhandknochens an der radialen Seite Zerstreut Wind (ventus, feng), macht die Leitbahnen durchgängig, löst die Oberfläche (extima, biao)
Di 6 IC 6 Schräger Durchgang pianli 3 cun proximal von Di 5/IC 5 auf der Verbindungslinie Di 5/IC 5Di 11/IC 11 Macht die Sinnesorgane durchgängig, dynamisiert und hält das Xue
Dü 1 IT 1 Der kleine Moorsee shaoze 0,1 cun neben dem ulnaren Nagelfalzwinkel des Kleinfingers Zerstreut Wind-Hitze (calor venti, fengre)
Dü 2 IT 2 Das vordere Tal qiangu Distal vom Metakarpophalangeal-Gelenk des kleinen Fingers an der ulnaren Seite an der Grenze zwischen weißem und rotem Fleisch Zerstreut Wind (ventus, feng) sowie Wind-Hitze (calor venti, fengre)
Dü 3 IT 3 Der hintere Wasserlauf houxi Proximal des Metakarpophalangeal-Gelenks des kleinen Fingers an der Außenseite, an der Grenze weißes und rotes Fleisch Macht die Leitbahnen durchgängig, klärt das Bewusstsein, zerstreut Wind-Hitze (calor venti, fengre)
Bl 58 V 58 Das zurückweichende Yang feiyang/jueyang 1 cun distal und 1 cun lateral von Bl 57/V 57 bzw. 7 cun proximal von Bl 60/V 60 am Fibulahinterrand und am lateralen Rand des M. gastrocnemius Leitet Wind (ventus, feng), Feuchtigkeit (humor, shi) und Hitze (calor, re) aus dem mittleren Wärmebereich (mittleres Calorium, zhongjiao) aus
Pe 4 Pc 4 Spaltpforte ximen 5 cun proximal des ventralen Handgelenkspalts (distalste Handgelenksbeugefalte) zwischen den Sehnen der Mm. palmaris longus und flexor carpi radialis Stützt die Fk Herz und Lunge (oo. cardialis et pulmonalis, xin fei), kühlt Hitze (calor, re) und Xue, sediert, stoppt Blutungen
Du 12 Rg 12 Die Säule der Person shenzhu Auf der Medianlinie unter dem Dornfortsatz von
BWK 3
Stützt das Qi der Fk Lunge, Leber und Herz (oo. pulmonalis, hepaticus et cardialis, fei gan xin), kühlt Hitze (calor, re), leitet inneren und äußeren Wind (ventus, feng) aus, beruhigt die konstellierende Kraft shen
Du 14 Rg 14 Punkt aller Strapazen dazhui Unterhalb des Dornfortsatzes des 7. HWK, auf der Medianen Beseitigt Schrägläufigkeiten (Heteropathien, xie) aus der Oberfläche (extima, biao), klärt das Sensorium, stützt das Qi der Mitte (Fk Milz und Magen, oo. lienalis et stomachi, pi wei) und die Fk Leber und Lunge (oo. hepaticus et pulmonalis, gan fei), senkt Glut (ardor, huo) ab, leitet Feuchtigkeit-Hitze (calor humidus, shire) aus
Du 16 Rg 16 Versammlungshalle des Windes fengfu 1 cun oberhalb der Haargrenze auf der Medianen, direkt unter der Protuberantia occipitale Zerstreut Wind-Schrägläufigkeiten (ventus-Heteropathien, fengxie) jeder Art
Glut des Fk Magen (ardor stomachi, weihuo) verbrennt die Nase
Hauptsymptome
  • Starke Blutung aus der Nase, hell- oder dunkelrotes Blut

  • Gleichzeitig Trockenheit der Nase

  • Mögliche Allgemeinsymptome: übler Mundgeruch, Durstgefühl, Obstipation, spärlicher, rötlicher Urin

  • Zungenkörper: rot; Zungenbelag: gelblich, dick, trocken

  • Pulse: überflutend, groß und beschleunigt (exundantes, magni und celeri, hong da shu) oder saitenförmig und beschleunigt (chordales und celeri, xian shu)

Krankheitsmechanismus
Wenn Hitze des Fk Magen (calor stomachi, weire) stark im Vordergrund steht und das Innere (intima, li) verbrennt, schlägt Glut (ardor, huo) entlang der Leitbahn empor, schädigt die Yang-Netzleitbahnen (Yang-reticulares, yangluo) in der Nase, und Xue sprudelt mit Hitze (calor, re) hervor.
Therapeutisches Vorgehen

  • 1.

    Kühlen von Hitze (calor, re)

  • 2.

    Ausleiten von Glut (ardor, huo)

  • 3.