© 2020 by Elsevier GmbH

Bitte nutzen Sie das untenstehende Formular um uns Kritik, Fragen oder Anregungen zukommen zu lassen.

Willkommen

Mehr Informationen

B978-3-437-56801-5.02001-7

10.1016/B978-3-437-56801-5.02001-7

978-3-437-56801-5

Einleitung序

Was bedeutet es, Therapeut zu sein? Welchen Herausforderungen muss man sich stellen, und wie kann man ihnen begegnen? Der berühmte chinesische Gelehrte Xú DàchūnXú Dàchūn 徐大椿 äußerte sich im Vorwort seines 1757 veröffentlichen Werkes „Über Ursprung und Entwicklung der Medizin“ (Yīxué yuánliú lùn 醫學源流論) in der folgenden Weise zu diesem Thema:

Die Medizin ist ein kleiner Beruf. Ihre Konzepte sind feinsinnig. Sie birgt große Verantwortung. Sie wird als niedere Beschäftigung erachtet.

Das Lernen der großen Menschen des Altertums war darauf ausgerichtet, die Ordnung in der Welt und im Reich aufrecht zu erhalten, und sie stellten sicher, dass niemand von ihrem Wohlwollen ausgeschlossen war. Ja weiter noch, sie sorgten dafür, dass Himmel und Erde ihre rechte Stellung beibehielten, und sich die Zehntausend Dinge ihrem Wesen entsprechend entwickeln konnten. Dies waren die erhabenen Verdienste dieser Gelehrten. Und wenn man nun jeden Tag einen Menschen rettet, jeden Monat hunderte Erkrankungen heilt, sich um dieses kümmert und jenes vernachlässigt, und trotzdem auch in einem Umkreis von zehn Meilen nicht jeder Aufgabe gerecht wird; und wenn die Umstände sich so gestalten, dass eine Heilung nicht möglich ist, dass man nicht über die Fähigkeit verfügt, die Toten ins Leben zurückzuholen; muss man einen solchen Beruf nicht als klein betrachten?!

Dennoch verbanden sich die Weisen des Altertums im Heilen mit allen Dingen zwischen Himmel und Erde und ergründeten die Quellen des Lebens. Die Leitbahnen und Netzgefäße, die Zàng- und Fǔ-Eingeweide, Qi und Blut, die Knochen und den Fluss in den Gefäßen, all dies betrachteten sie wie Erscheinungen in einem gläsernen Leib. Auf dieser Grundlage machten sie den Ausgangspunkt der Erkrankung ausfindig und benutzten Arzneien, um das Kranke auszutreiben und einen Ausgleich herzustellen. Hier kommen wunderbare Mächte und Einsichten in verborgene Geheimnisse zur Wirkung, die sich nicht mit Worten beschreiben lassen, und bei denen Handeln und Wandeln untrennbar miteinander verknüpft sind. Sind solche Konzepte nicht sehr feinsinnig?!

Ein kleiner Beruf wird von einem Gelehrten nicht der Ausübung wert erachtetet werden. Aber wie sollen feinsinnige Konzepte von Unwissenden durchdrungen werden?

In der Alten Chinesischen Medizin war die Unterweisung des Schülers Altchinesische MedizinUnterweisung des Schülerswesentlich reicher an Inhalten, als es die heutige Ausbildung in Akupunktur und Chinesischer Medizin vorsieht. Der moderne Unterricht ist reduziert auf Aspekte, die in Bezug zur materiellen Welt stehen, und er verläuft in der Regel in monologischer Form, selbst wenn viele neue Medien eingesetzt werden. Die klassische Unterweisung war der Dialog zwischen Meister und Schüler, und der Meister prüfte in der ersten Phase den Adepten auf seine Eignung. Der Wunsch nach Unterweisung reichte als Voraussetzung nicht aus.

Die Ausbildung in Altchinesischer Medizin Altchinesische MedizinAusbildungszielzielte darauf ab, den Heilkundigen in die Lage zu versetzen, seinen Patienten zu durchschauen, so dass sich ihm das Leiden des Betroffenen unmittelbar offenbarte. Die Entwicklung dieser Fähigkeiten setzte voraus, dass der Heilkundige sich selbst vollständig durchschauen konnte, sich also jederzeit seiner inneren Vorgänge vollständig bewusst wurde, und die Wege kannte, diese inneren Regungen – wie etwa Gedanken und Emotionen – zu transformieren. Diese Herausforderungen anzunehmen, sich einem solchen Entwicklungsgang hinzugeben, geht über das hinaus, was aus der Alltagserfahrung angeleitet werden kann und in den konventionellen Ausbildungen zum Therapeuten unterrichtet wird. Im Sinne des Zen-Buddhismus kann man die sich stellende Aufgabe wie folgt beschreiben:

Zen-Meister Meister Foyan

Dein Geist gleicht einem Auge, das alles sieht, nur nicht sich selbst. In jeden Winkel dringt sein Licht; was hindert ihn, sich selbst zu erkennen?

Meister Foyan (Fóyǎn Qīngyuǎn 佛眼清遠, 1067–1120) [1] [O1065]

Eine angemessene Ausbildung in Altchinesischer Medizin beruht darauf, nicht nur die in den modernen Curricula weitgehend ausgeblendeten kosmologischen, spirituellen und psychischen Phänomene in der Behandlung von Patienten ausreichend zu würdigen, sondern auch die Methode des Lernens über die reine Wissensvermittlung hinaus auf die Anleitung in der konkreten Anwendung mit direkt erfahrbaren Wirkungen zu erweiternAltchinesische MedizinAusbildungsinhalte. Auf diese Weise können die Vernachlässigung dieser ursprünglichen Elemente in der jetzigen chinesischen Kultur und die Reduktion auf physisch fixierte Symptome in dem aktuellen Verständnis der Traditionellen Chinesischen Medizin überwunden werden.

Um diesem Ansinnen gerecht zu werden, müssen wir uns als Therapeuten auf den Weg der inneren Reife und Wandlung begeben und durch Hingabe an den inneren Prozess das Qi erfahren und lenken lernen. Xú Dàchūn 徐大椿 schrieb über den „idealen Arzt“Arzt, idealer:

Daher sollten nur Menschen mit einem kritischen Geist und einem Interesse an dem ursprünglichen Wissen Medizin studieren. Folglich sollte jeder, der die Medizin zu seinem Beruf macht, andere in seinen natürlichen Gaben übertreffen und mit seinem Wissen hinter sich lassen. Er sollte in der Lage sein, alle Alltagsangelegenheiten ruhen zu lassen und sich viele Jahre auf das Studieren zu konzentrieren. Wenn er dann noch von einem kundigen Lehrer unterrichtet wird, so ist er fähig, eine geheime Durchdringung der Wahrheit und ein erschöpfendes Verständnis der Absichten der alten Weisen zu erlangen.

Xú Dàchūn (徐大椿) [W1027]

Holen Sie sich die neue Medizinwelten-App!

Schließen