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B978-3-437-56801-5.00002-6

10.1016/B978-3-437-56801-5.00002-6

978-3-437-56801-5

Grundeinsichten einer erweiterten Medizin本

Der Mensch ist mehr als nur sein Körper. In fast allen erweiterten medizinischen Konzepten, gleichgültig aus welcher Kultur sie stammen, findet sich das Modell des energetischen, systemischen oder dynamischen Heilens wieder. So heißt es etwa im „Leitfaden des Gelben Ahnherrschers“ (Huángdì nèijīng, 黃帝內經):

Wenn Blut und Qi sich nicht vereinen, dann erst können Krankheiten entstehen.

(Leitfaden des Gelben Ahnherrschers, Innerer Band, Unbefangene Fragen: Abhandlung über das Regulieren der Leitbahnen, Huángdì nèijīng sùwèn tiáojīng lùn 黃帝內經素問調經論)

BibelUnd in der Bibel steht:

Und Jesus sprach: […] Es hat mich jemand angerührt, denn ich merkte, dass eine Kraft von mir ausging. […] Die Frau […] fiel vor ihm nieder und bekannte vor allem Volke, weshalb sie ihn angerührt habe, und wie sie sofort geheilt worden sei.

(Lukas 8, Vers 45–47)

Die klassische Schrift der Altchinesischen Medizin Huángdì nèijīngHuángdì nèijīng;Huángdì nèijīng (黃帝內經 „Leitfaden des Gelben Ahnherrschers, Innerer Band“) Leitfaden des Gelben Ahnherrschers, Innerer BandAltchinesische Medizinklassische Schriftstellt eine Kompilation von Dialogen des Adepten Huángdì 黃帝 und anderer Schüler mit ihren Lehrmeistern über die Weisheiten der Medizin dar. Huángdì 黃帝 ist eine Sagengestalt, die bereits in ihrer frühen Kindheit durch außergewöhnliche Begabungen und einen besonders wachen Geist auffiel.

Über den medizinischen Kontext hinaus wird dieser symbolischen Figur nachgesagt, in sexualmagischen Praktiken bewandert gewesen zu sein und den Ritus des Feueratems beherrscht zu haben. Die Naturgeschichte der Heilwirkenden in China ist verknüpft mit den schamanistischen und esoterischen Praktiken im Daoismus und den Erfahrungen in den Übungen der Askese und Selbstverfeinerung.

Den Urgrund aller Dinge stellte man sich als ungetrennte Einheit vor, so dass die Vereinigung von Yin und Yang, von Erde und Himmel, Feuer und Wasser aufgrund der Auflösung der Dualität wieder zu diesem Ursprung zurückführen soll. Die rituelle Praxis dieser Wiedervereinigung von Gegensätzen bedeutete auch eine Verehrung der allerhöchsten Instanz. Für die alten Weisen erfüllte sich die natürliche Ordnung in allen Bereichen des Lebens, wie dem biologischen, psychologischen, sozialen, kulturellen, politischen und militärischen.

Die Weisheit der verschiedenen antiken Kulturen unserer Welt resultiert aus einer Bezogenheit auf den Kosmos Kosmosund seine Gesetzmäßigkeiten. Die Annäherung an dieses Verständnis vollzieht sich im modernen Sinne eher synthetisch als analytisch, wie es innerhalb der heutigen Naturwissenschaften der Fall ist. Himmel, Mensch und Erde bezeichnen die drei grundlegenden Sphären dieses KosmosKosmosTrinität Himmel, Mensch, Erde. Diese Metapher beschreibt zugleich das Eingespannt-Sein des Menschen mit seinem psychoenergetischen, ungetrennten Kern in die mannigfaltigen Polaritäten aller Erscheinungen.

Innerhalb dieser Trinität wurde der Kopf mit dem Himmel und auch dem Kosmos assoziiert und als Yang-Aspekt betrachtet. Das Abdomen wurde mit der Erde assoziiert, der eine rezeptive Kraft zugesprochen wurde, was dem Yin zugeordnet wird. Zwischen Himmel und Erde manifestiert sich der Mensch, dem im Leib der Brustraum zugeschrieben wird. An diesem Ort findet die Verschmelzung von Yin und Yang statt, wodurch das Qi geboren wird.

Diesen drei Manifestationsbereichen, die auch als die drei ZinnoberfelderZinnoberfeld (oberes, mittleres und unteres „dāntiándāntián siehe Zinnoberfeld;dāntián 丹田“) bezeichnet werden, sind in den altchinesischen Lehren die drei Schätze „shénshén;shén 神“ (Himmel), „jīngjīng;jīng 精“ (Erde) und „ 氣“ (Mensch) zugeordnet. Shén bildet unter anderem das Bewusstsein, jīng den Leib und die Seele mit den Emotionen.

Im YìjīngYìjīng;YìjīngLeitfaden der Wandlungen (易經 „Leitfaden der Wandlungen“) wird die Vereinigung dieser drei Schätze im Einklang mit den kosmischen Gesetzen als eine Art egofreien Seins, der auch dem erleuchteten Zustand (fliegender Drache) des Geistes Geisterleuchteter Zustandentspricht, beschrieben. Die Heilkunde der Naturstoffe, die Geisterbeschwörung und heilende Ritualtänze wurden in China bereits zu frühen Zeiten zur Förderung der Gesundheit und zur Gesundung eingesetzt. Die Tradition der Bewegungs- und Meditationspraktiken setzt sich bis in die heutigen Tage in China in Form von Qigong-Qigong oder Taiji-Übungen Taijiquanfort. Das reine Yang der aufsteigenden Erdenergie in Vereinigung mit der aufsteigenden Sonnenkraft am frühen Morgen im eigenen Leib zu speichern, war eine Methode, um das Nieren-Qi zu vermehren.

Die Menschen des Altertums studierten die Lebensrhythmen der Tiere und Pflanzen, um sich selbst besser in die kosmischen Zusammenhänge einfügen und von diesen profitieren zu können. Das Wissen um die Gegebenheiten wurde von Generation zu Generation, vom Meister zum Schüler, mündlich übertragen. Der Adept lernte, seine Fähigkeiten zu schulen, eine geistige Verbindung zu allem Sein herauszubilden und sich innerlich zu entwickeln, um Schmerz und Angst überwinden und durch die Vereinigung mit den Kräften der Elemente, der Tiere und Pflanzen gestärkt werden zu können. Dieses Wissen sollte vor Missbrauch geschützt, daher geheim weitergegeben und nur durch langes Üben erworben werden.

Die daoistische Lehre dào;dàodaoistische Lehrebeinhaltet die Vorstellung, dass die Gesetze und Geheimnisse des Kosmos nicht mit dem Geist erfasst werden können, sondern durch ein reines Herz gefühlt und erfahren werden müssen. Um sich mit der Göttlichkeit und der kosmischen Kraft zu verbinden, wurden Initiationsrituale und qualvolle Exerzitien durchgeführt, die im Verlauf der Geschichte einen Schatz von daoistischen Meditationsübungen und Praktiken der inneren Alchimie hervorbrachten, die dem Ziel dienen sollten, eine Art unsterblichen reinen Lichtkörper zu entwickeln und zu bewahren. Hierzu sollte der Adept seinen Geist beruhigen, seinen Leib in den Rhythmus des Kosmos einschwingen und sich durch niedere Arbeiten vom Ego befreien, um so eine innere Leere zu schaffen, die es erlaubte, die Lehren des Meisters in sich aufzunehmen und im Stande zu sein, das Unsichtbare und Namenlose sich offenbaren zu lassen.

Bis zum China der Gegenwart haben diese Weisheiten unzählige Aktionen der Säuberung und Bücherverbrennung durchlaufen, was auch mit dem Verlust alten Wissens verbunden war. Die Ursprünge der Überlieferung haben sich verwischt, und nur eine geringe Zahl von Menschen konnte das nunmehr fragmentierte Ursprungswissen bewahren. Unser Studium kann sich daher nicht auf die Erarbeitung von Zeitdokumenten und schriftlichen Überlieferungen beschränken, sondern benötigt die Tradierung durch authentische MeisterAltchinesische MedizinTradierung. Noch heute leben und praktizieren in nördlichen Gegenden des Mao-Shan-Gebirges Mönche, welche in der rituellen Magie und Alchimie unterwiesen wurden.

Und so endet denn das Vorwort des Xú Dàchūn 徐大椿 zu seiner 1757 veröffentlichten medizinischen Schrift:

In meinen jungen Jahren widmete ich mich oft mit ganzem Herzen dem Studium der Klassiker und musste mit ansehen, wie viele meiner Angehörigen über lange Jahre von Krankheiten geplagt und schließlich dahingerafft wurden. Ausgiebig lernte ich aus der Literatur über Rezepturen und vernachlässigte dabei das Essen und den Schlaf. So verlief es über viele Jahre, und obschon es mir nicht gelang, eine Rezeptur zu finden, welche meine Angehörigen hätte aus dem Tod zurück ins Leben bringen können, so verfestigten sich doch meine Kenntnisse der Ursprünge der medizinischen Lehre. ‚Breche dir neunmal den Arm und werde selbst zum Arzt‘, diesem Wort kann man bis heute Glauben schenken. Zu meinem großen Bedauern musste ich feststellen, dass über die Zeit der Táng 唐 und Sòng 宋 keine Gelehrten mehr wesentliche Beiträge zur Fortentwicklung der Medizin geleistet hatten. Im Gegenteil, die Medizin wurde als niedere Betätigung betrachtet, so dass allmählich die alten Traditionen verloren gingen, die wahren überlieferten Weisheiten nicht mehr aufgefunden werden konnten und zuverlässige Behandlungsprinzipien vergessen wurden. Dies trübt in hohem Maße die Freude an der Medizin, so dass ich befürchte, dass nunmehr die Kunst der Pflege des Lebens in der Medizin niemals wieder auferstehen wird. Die Fehler und die Inkompetenz in der Medizin haben ein unerhörtes Ausmaß angenommen, auch wenn die alte Kunst in Worten viel beschworen wird. Selbst wenn man einen Kundigen fände, welcher die verlorene Medizin wieder rekonstruieren oder vervollständigen könnte, so würde diese Aufgabe doch mehr als einen Menschen und ein Zeitalter benötigen.

Zen-Meister Meister Fenyang

Aus der Verblendung und dem Zweifel helfen selbst tausend Schriften nicht heraus. Beginnst du aber zu begreifen, ist ein Wort schon zuviel.

Meister Fenyang (Fényáng Shànzhào 汾陽善昭, 947–1024) [1]

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