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Notwendigkeit der Achtsamkeit必

Ein beständiges Gewahr-Sein gegenüber dem Zustand des Qi erfordert eine besondere Form der AchtsamkeitAchtsamkeit. Diesem wirklichen Gewahr-Sein AchtsamkeitGewahr-Seinsteht jedoch eine Grundfunktion unseres Organismus im Weg, die in der Regel ständig aktiv ist, sobald wir uns im Wachzustand befinden: das Denken. Das im Verstand verankerte Denken ist nützlich bei der Erfüllung der folgenden Funktionen: Planen, Berechnen, Erinnern, Organisieren, Sammeln, Kategorisieren, Ordnen, Konzeptualisieren. Dazu werden Sinnesdaten und Informationen sinnvoll angeordnet wie in einem Computer, den wir auch ausschalten sollten, wenn er nicht benötigt wird.

Das Problem ist: Wir schalten diesen Computer üblicherweise nicht aus, und sein ständiger Gebrauch verleitet uns dazu, ihn für alle anstehenden Aufgaben benutzen zu wollen. Der Verstand meint, etwas zu verstehen, wenn er in seiner Analyse eine Erklärung, eine Begründung gefunden hat. Ein tiefergreifendes Verständnis, eine echte Einsicht ist damit noch nicht verbunden. Der erste Schritt in diese Richtung findet statt, wenn wir gewahr werden, dass wir denken, dass unser Verstand sich weiter durch seine Bioneuronenschaltkreise rattert. Den Zustand des Gewahr-Seins nennen wir Bewusstheit. Der Prozess des Gewahr-Werdens erfordert Bewusstsein (oder auch bewusst-Sein).

Gedanken können Objekte des Gewahr-Seins werden. Ihnen kommt aber noch nicht die Bedeutung von Erkenntnis zu. Der Verstand versteht nicht erschöpfend, Verstehen ist nicht sein Zuständigkeitsbereich, das ist nicht seine eigentliche Funktion. Objekte können sich nicht selbst verstehen, nur das lebendige Subjekt, das BEWUSSTSEIN, weiß und versteht.

Gedanken sind wie Diebe in der Nacht – unbemerkt können sie ihr Unwesen treiben. Entweder ist ein Gedanke sinnvoll, sinnbezogen, oder er ist unsinnig, sinnlos. In beiden Fällen ist es wichtig, dass das Bewusstsein aktiviert wird und sich gewahr werden kann, was da vorüberzieht.

Wir befinden uns gewöhnlich in einem permanenten Trancezustand (Automatismus, Konditionierung), einem Nebel: Bevor wir bemerken, dass wir gedacht haben oder dass die Sinne etwas erlebt haben, ist der Augenblick schon vorüber. Und es geht ständig so weiter: Ein Gedanke folgt auf den nächsten, eine Wahrnehmung löst eine andere ab. Solange wir nicht merken, wie viel Unbedeutendes, Sinnloses uns durch den Kopf geht, was unsere Gefühlswelt und unser Handeln unweigerlich mitbestimmt, können wir nicht erwarten, dass wir mit der Allgegenwart des DAO in Kontakt treten und seine Manifestationen im Qi erspüren.

Es ist notwendig, Aufmerksamkeit in die Unmittelbarkeit des Erlebens zu bringen!

Kein Gedanke, keine Empfindung sollte jemals unbemerkt vorüberziehen!AchtsamkeitBedeutung

Achtsamkeitsübungen AchtsamkeitÜbungenaus der chinesischen Tradition wie bestimmte Qigong-Praktiken (qìgōng 氣功) helfen uns in der Ausbildung der Fähigkeit, das zu sehen und zu erkennen, was ist. Wir üben uns in einer wertfreien und wahrhaftigen Wahrnehmung, jenseits von Für und Wider, von Ja oder Nein. Daraus entwickelt sich eine unmittelbare Einsicht oder ein intuitives Wissen, das unweigerlich aus der Übung in Bewusstwerdung entsteht, und nicht einer intellektuellen Analyse oder einer philosophischen Betrachtung entspringt.

Um die Fähigkeiten eines Meisters der Altchinesischen Medizin zu erlangen, welcher in der Lage ist, seine Patienten ganzheitlich zu erfassen, muss es dem Therapeuten gelingen, seinen Geist zur Stille zu bringen, damit sich seine Wahrnehmung über die Grenzen des Verstandes erhebt. Das Bewusstsein erlangt dann die Qualität eines ruhigen Sees, in dessen Oberfläche sich der Himmel vollkommen widerspiegeln kann.

Die alten Meister verfügten über die Kunst, das Innere ihrer Patienten zu sondieren, noch bevor der Patient eine Aussage traf, und über die Beurteilung von Puls und Zunge vervollständigten sie ihre Diagnostik. Ihre treffsichere Einschätzung und erfolgreiche Therapie waren mit ihrem außergewöhnlichen Gewahr-Sein verbunden.

Zen-Meister Meister Ryokan

Vom Dachvorsprung tropft es und tropft. Vollkommen dieser Augenblick. In der unermesslichen Leere vertieft sich mein Verstehen.

Meister Ryokan (Ryōkan 良寛, 1758–1831) [1] [W1028]

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