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B978-3-437-56801-5.00015-4

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Schlusswort結

Bereits während des Medizinstudiums bemerkten wir, dass unser gewohntes „schulmedizinisches“ Denken und die uns vermittelten Therapieformen keinesfalls ganzheitlich Medizin, modernemangelnde Ganzheitlichkeitund umfassend sind. Der Einfluss der Emotionen als krankmachende Faktoren auf Leib und Psyche wurde lediglich am Rande betrachtet und fand in der Therapie wenig Raum als Indikator für die Heilung.

Erst durch die Hinwendung zur klassischen asiatischen Denkweise und zu komplementären Ansätzen in der Medizin, einhergehend mit einem erweiterten Krankheitsmodell und den zugehörigen Therapieoptionen, sahen wir endlich eine Chance, einen Menschen als Individuum umfassend betrachten und ihm auch dort eine Hilfestellung geben zu können, wo die etablierte Mainstreammedizin längst versagte, wie bei chronischen und malignen Erkrankungen.

Es kam uns zur Hilfe, dass sich uns dieser Weg sehr früh, während des Studiums der etablierten Medizin, eröffnete, und wir uns somit parallel unterschiedliche Heilmethoden aus aller Welt aneignen konnten. Dennoch gestaltete sich die Offenlegung der alten chinesischen Medizinweisheiten als sehr schwierig. Trotz des komplementären Charakters der asiatischen Denkweise präsentierte sich das Studium der sogenannten Traditionellen Chinesischen Medizin mit den zeitgenössischen chinesisch-, englisch- und deutschsprachigen Publikationen, den gängigen Kursangeboten und selbst einem Aufbaustudium an einer renommierten chinesischen Hochschule mit wenig Tiefgang.

Die klinische Praxis auch der Ärzte in China – mit wenigen Ausnahmen – erschien doch sehr schematisch und wenig an dem tatsächlichen Leiden der Patienten interessiert. Lehrer, bei denen Meister-Tugenden erkennbar waren, zeigten sich zunächst zurückhaltend und verschlossen. Es erforderte eine geduldige und vorsichtige Annäherung über viele Jahre, um einen gewissen Einblick in versteckte Hintergründe zu erhalten.

Wiederholt wurde auf die alten Schriften verwiesen, aber auch diese waren nicht aus dem Stehgreif zu ergründen. Das Arbeiten mit den alten Texten erforderte in gleicher Weise eine jahrelange Vorbereitung mit meditativer Versenkung auf allen Ebenen und der Unterstützung durch zugewandte Lehrer der Sprache und Kultur. Immer wieder musste der Kontakt mit der chinesischen Geistigkeit gesucht werden, um schließlich die Schlüssel zu den verborgenen Weisheiten zu finden.

Die Verbindung mit authentischen Meistern und eine beständige Praxis der Übung in der Verinnerlichung wie auch in der Entäußerung durch eigene unterrichtende Weitergabe über lange Zeit waren notwendig, um schließlich einen Zugang zu eröffnen. Auf diesem Hintergrund stellt die hier gegebene Anleitung eine Quintessenz aus den Lehren von zwei bis drei Jahrzehnten der Auseinandersetzung dar, in denen wir uns kontinuierlich den Herausforderungen gestellt haben.

Endlich fühlten wir, dass es möglich war, die Patienten mit in den Heilungsprozess einzubeziehen und sie zu motivieren, auf dem Weg zur Gesundung Verantwortung und Initiative zu übernehmen und sich auf einen persönlichen, für die Gesundung unentbehrlichen Entwicklungsprozess einzulassen.

Die Entwicklung und Anwendung wahrer therapeutischer Kräfte beruht jedoch im Kern auf der Beherrschung der ordnenden Lebenskraft Qi. Dies entspricht dem im chinesischen Schriftzeichen zhì 治 („behandeln“, „beherrschen“, „regeln“) ausgedrückten Prinzip, dass medizinisches Behandeln genauso wie die Herrschaft über einen Staat und die Regulierung der sozialen Beziehungen im Lenken der Lebensströme im Sinne der natürlichen Ordnung des Dao, also im Leiten der lebendigen Kraft Qi besteht. Die Fähigkeit zum Führen des Qi kann nicht durch reines Wissen und äußere Technik erworben werden, sondern ist nur über eigene Lebenspraktik innerlich zu entwickeln.

Indem wir in der Behandlung der Patienten darauf achteten, das Qi mit Hilfe dieser entwickelten Kräfte zu bewegen, konnten in vielen Fällen das Problem einer sogenannten „Therapieresistenz“ überwunden und „nicht behandelbare Fälle“ wieder in eine Therapie geführt werden. Im Verlauf der Behandlung sahen sich dann die Patienten oftmals motiviert, eine eigene Praxis der Arbeit am Qi (Qigongqìgōng 氣功) zu entwickeln, um die Lebenspflege und Gesunderhaltung zunehmend in die eigene Hand zu legen. Diese Praxis altchinesischer Medizin folgt den Hinweisen im 13. Kapitel des Huángdì nèijīng;Huángdì nèijīngHuángdì nèijīng 黃帝內經, das vom „Bewegen der Essenz“ und dem „Wandeln des Qi“ spricht.

Die hier vorgelegte Einführung ist klein und liegt leicht in der Hand, doch die Umsetzung ist eine große Aufgabe mit schwerwiegender Verantwortung. Möge die Übung gelingen.

Zen-Meister Meister Xuedou

Mutig ergreifen die Weisen eine Wahrheit, sobald sie sie vernehmen. Keinen Augenblick darfst du zögern, sonst verlierst du den Kopf.

Meister Xuedou (Xuědòu Zhòngxiǎn 雪竇重顯, 980–1052) [1]

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