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B978-3-437-56141-2.00003-0

10.1016/B978-3-437-56141-2.00003-0

978-3-437-56141-2

Zentripetales Zirkulations-Modell

Selbsterhaltendes Zirkulations-Modell

Leitbahnumläufe

OrganuhrOrganuhr

 Die acht außerordentlichen Gefäße

 Die acht außerordentlichen Gefäße

Leitbahn- und luo-Gefäß-System (jing luo)

C. Focks

  • 3.1

    Modelle des Leitbahn-qi-Flusses48

  • 3.2

    Aufbau des Leitbahn- und Netz-Gefäß-Systems (jing luo)50

  • 3.3

    Die 12 Hauptleitbahnen (jing zheng)51

  • 3.4

    Die 12 Hautzonen (pi bu)53

  • 3.5

    Die 12 Tendino-Muskulären Leitbahnen (jing jin)54

  • 3.6

    Die divergenten Leitbahnen (jing bie)66

  • 3.7

    luo-Gefäße67

  • 3.8

    Die 8 außerordentlichen Gefäße (qi jing ba mai)68

LeitbahnsystemNach luo-Gefäßsystemder Lehre der chinesischen Medizin bilden die jing jing luoluo ein Leitbahn- und Netz-Gefäß-System, in denen sich qi, Blut (xue) und Körperflüssigkeiten jin ye in einem 24 h-Rhythmus bewegen:

  • 12 Hautzonen oder -regionen (pi bu) 3.4

  • Oberflächliche luo-Gefäße (xue luo, fu luo, sun luo) 3.7

  • 12 Tendino-Muskuläre Leitbahnen (jing jin) 3.5

  • 16 luo-Gefäße (luo mai) 3.7

  • 12 Hauptleitbahnen mit äußerem und innerem Verlauf (jing zheng) 3.3

  • 12 divergente Leitbahnen (jing bie) 3.6

  • 8 außerordentliche Gefäße (qi jing ba mai) 3.8

Modelle des Leitbahn-qi-Flusses

Im Wesentlichen Leitbahn-qi-Flussexistieren zwei Sichtweisen über die Richtung des qi-Flusses in den jing luo (Meridianen/Leitbahnen und Netz-Gefäßen). Jede Sichtweise beruht auf einem jeweils unterschiedlichen Verständnis der qi-Bewegung innerhalb des Körpers. Zum vereinfachten Verständnis der beiden Modelle ist es hilfreich, sich eine Person mit zum Himmel erhobenen Armen vorzustellen (Abb. 3.1, Abb. 3.2).
Zentripetales Zirkulations-Modell
Der zentraleZirkulations-Modell:zentripetales Gedanke der klassischen chinesischen Kosmologie fasst den Menschen als zwischen Himmel (yang) und Erde (yin) stehend und beinhaltet die wechselseitige Beziehung, Beinflussung und Abhängigkeit zwischen Kosmos und Mensch. Frühe Leitbahn-Aufzeichnungen zeigen daher die (elf bzw. zwölf) Leitbahnen als Wege, von denen jeder an den Extremitäten beginnt, zum Körperinneren fließt und entweder am Kopf oder am Rumpf endet. Dies kennzeichnet das zentripetale Zirkulationsmodell (Abb. 3.1).
Das zentripetale Zirkulations-Modell findet sich auch in der Theorie der Fünf-Transport-shu-Punkte (4.1.6) wieder. Danach dringt das makrokosmische qi über die Extremitäten in den Körper ein und ist dann vergleichbar mit einem Flusslauf, der sehr dynamisch als Brunnen, Quelle und Bach beginnt, sich zu einem Fluss erweitert und in ein breites und tiefes Meer an Ellenbogen und Knien mündet und dann weiter via Leitbahnen bis zu den inneren Organen fließt. Die Leitbahn-Funktionen sind nach dieser Vorstellung mit Antennen vergleichbar, die den kosmischen Einfluss empfangen und in den Körper leiten. Dabei richtet sich der Leitbahn-qi-Fluss immer von distal (bzw. von außen kommend, an den Akren eintretend) nach proximal (bzw. nach innen, zu den inneren Organen fließend).
Selbsterhaltendes Zirkulations-Modell
Im Zuge der Zirkulations-Modell:selbsterhaltendesEntwicklung der modernen chinesischen Gesellschaft hat sich die Vorstellung der engen Beziehung des Menschen zum Kosmos (als Himmel-Erde-Mensch-Modell) abgeschwächt. Das Leitbahn-System wurde zunehmend mit Phänomenen verglichen, die durch die Menschen selbst erschaffen wurden, wie z. B. mit Kanälen und Entwässerungsgäben. Die Bedeutung Leitbahnsystemder ursprünglichen luo-Gefäßsystemjing luoVerbindung mit dem Leitbahn-qi-FlussKosmos trat gegenüber Vorstellungen von Beziehungsgeflechten innerhalb der Gesellschaft zurück. Die chinesische Gesellschaft rückte zusammen und bildete eine nach außen hin geschlossene Einheit. Entsprechend wurde das Konzept der Leitbahnen als Verbindung zum Makrokosmos zumindest teilweise verlassen und der Leitbahn-qi-Fluss als ein nach außen hin mehr unabhängiger und in sich geschlossener Kreislauf im Sinne eines sich selbsterhaltenden Zirkulations-Modells (Abb. 3.2) dargestellt. Gemäß dieser Vorstellung kann das qi vor- und rückwärtsfließen, d. h. von den äußeren Extremitäten in das Innere des Körpers und wieder zurück – von innen nach außen. Der qi-Fluss in den Haupt-Leitbahnen bewegt sich dabei sowohl in distaler wie auch in proximaler Richtung, abhängig von der yin yang-Polarität der Leitbahn sowie von der jeweiligen Extremität.
In diesem zweiten, historisch vermutlich später entstandenen Konzept fließt das qi in einem kontinuierlichem Kreislauf durch den Körper: Vom Thorax zur Hand, zum Kopf, zum Fuß und wieder zur Thoraxregion. Dieses Modell reflektiert die Entwicklung der chinesischen Zivilisation, des Ackerbaus und im Besonderen der Kontrolle über das Wasser und seine Speicherung durch Reservoire, Drainagekanäle und Gräben, auf der ein großer Teil der Leitbahn-Vorstellungen als Wasserläufe des qi und des Blutes basiert. Die Verbindungen zwischen den Leitbahnen wurden dabei als Anastomosen betrachtet, die dafür sorgen, dass der qi-Fluss in einer ununterbrochenen, zirkulären Folge von Leitbahn zu Leitbahn fließen kann und jeweils im Austausch mit dem Inneren steht (vgl. Focks 2006). Dieser Vorstellung des Leitbahn-qi-Flusses wird in der westlichen Akupunkturtradition meist mehr Bedeutung beigemessen, was z. T. auf die im Westen übliche Nummerierungsmethode der Leitbahnpunkte zurückzuführen ist. Vieles deutet darauf hin, dass die Struktur dieses neuen Zirkulationssystems immer noch zu starr war, um bestimmte Akupunkturwirkungen ausreichend erklären zu können. Nach Ansicht von Pirog (1996) könnte dies eine Begründung dafür sein, dass die Sekundärleitbahnen wie z. B. die Tendino-Muskulären Leitbahnen (3.5) und die divergenten Leitbahnen (3.6) mit ihren primitiveren und natürlichen Verläufen im Sinne einer zentripetalen Zirkulation in das System der jing luo integriert wurden.

Aufbau des Leitbahn- und Netz-Gefäß-Systems (jing luo)

Im Huang Di Nei Jing Ling Shu (▸ Kap. 11) Netz-Gefäß-SystemLeitbahnsystem:Aufbauheißt es: „Der Mensch lebt, Krankheiten brechen aus […] der Anfänger und der erfahrene Meister müssen stets mit den jing luo beginnen“. Nach den Vorstellungen der chinesischen Medizin sind die jing luo ein Netzsystem von Leitbahnen und Gefäßen, in denen qi, Blut und Nahrungsessenzen fließen. Sie haben Verbindungen zu den zang fu und „bewässern“ den ganzen Organismus. Sie versorgen ihn sowohl an der Oberfläche (außen) als auch in der Tiefe (innen), sowohl oben als auch unten. Funktionell betrachtet, sind die jing luo zuständig für die Verteilung von qi und Blut, regulieren yin und yang und schützen den Körper. Sie stellen aber auch mögliche Ausbreitungswege für Erkrankungen dar, und darüber hinaus zeigen sich auf ihnen Reaktionen auf körperliche Störungen. Dies können einerseits Störungen der Leitbahnen jing luoselbst sein, Netz-Gefäß-SystemLeitbahnsystem:Aufbauandererseits reflektieren die jing luo Erkrankungen der zang fu nach außen. In der Therapie können sie dazu dienen, qi in die erkrankten Regionen zu leiten. Nach dem Gesetz des biao li (Außen-Innen) kommuniziert das „Äußere“ mit dem „Inneren“. biao (Außen) entspricht dabei eher Haut, Muskeln und den oberflächlichen Verläufen des jing luo-Systems. Die tieferen Verläufe der Leitbahnen und die Funktionskreise (zang fu) werden dem li (Innen) zugerechnet. Voraussetzung für die qi-Zirkulation und die Kommunikation zwischen Außen und Innen ist eine spezielle Organisationsstruktur innerhalb des jing luo-Systems. Dabei nehmen die außerordentlichen Gefäße (3.8) eine LeitbahnsystemSonderstellung luo-Gefäßsystemein, denen eine wichtige Rolle bei der Koordination und Regulation der Hauptleitbahnen und des gesamten jing luo-Systems zukommen. Sie verbinden jedoch Innen mit Außen nicht direkt, z. B. stehen sie nicht direkt in Verbindung mit den zang fu. Über die Tiefenlokalisation der einzelnen Leitbahnen und Gefäße innerhalb des Körpers existieren unterschiedliche Vorstellungen (vgl. Focks 2006).

Die 12 Hauptleitbahnen (jing zheng)

Synonyme: jing zhengLeitbahnen, reguläre Leitbahnen, Meridiane.
Die 12 HauptleitbahnenHauptleitbahnen sind der integrale Teil des Leitbahnsystems und spielen die wichtigste Rolle innerhalb der jing luo-Theorie.
Kennzeichen
Die 12 Hauptleitbahnen breiten sich bilateral über den Körper aus. Jede Leitbahn besitzt einen eigenen regulären Weg mit einem inneren und äußeren Verlauf. Man unterscheidet yin- und yang-Leitbahnen, die in einer Innen/Außen-Beziehung zueinander stehen. Jede Leitbahn wird einem zang/fu-Organ zugeordnet. Sie ist durch innere Verläufe einerseits mit ihrem eigenen zang/fu-Organ sowie andererseits auch mit dem Organ ihrer Innen/Außen gekoppelten Leitbahn verbunden.
Pathologie
Jede Leitbahn hat ihre eigenen pathologischen Symptome und Zeichen, die wichtig sind als Wegweiser in der Akupunktur-Praxis. Die Erkrankungen der Leitbahnen als solche sollten als sinnvolle Ergänzung zu der zang/fu-Pathologie (die eigentlich eine Grundlage der chinesischen Arzneimitteltherapie ist) angesehen werden. Sie werden in diesem Punktsuch-Leitfaden aber nur kurz, im Atlas Akupunktur ausführlich besprochen.
Leitbahnumläufe
Die chinesische Medizin unterscheidet innerhalb des Leitbahnsystems 3 Umläufe mit jeweils vier verschiedenen LeitbahnumläufeLeitbahnen. Von den Leitbahnen eines Umlaufs verlaufen jeweils zwei auf der yin-(Innen-) und zwei auf der yang-(Außen-)Seite.
Achsen- und Schichtverbindung
Synonyme: Oben-Unten-Oben-Unten-VerbindungAchsenverbindungVerbindung.
Diese Verbindung kennzeichnet entweder die Beziehung zwischen den beiden yin-Leitbahnen oder zwischen den beiden yang-Leitbahnen eines Umlaufs.
Beispiel: die taiyang-Achse oder -SchichtverbindungSchicht, yangming-Achse etc.
Gekoppelte Leitbahnen
Synonyme: Leitbahnen:gekoppelteInnen-Außen-Innen-Außen-VerbindungVerbindung.
Diese Verbindung jing zhengkennzeichnet jeweils die HauptleitbahnenBeziehung entweder von yin- und yang-Leitbahn jing luoder Hand oder von yin- und yang-Leitbahn des LeitbahnumläufeFußes innerhalb eines Umlaufs.

Leitbahnumläufe

Tab. 3.1
1. Umlauf
Lungen-LeitbahnVom Thorax zu den FingerspitzenHand – taiyin
Dickdarm-LeitbahnVon den Fingerspitzen zum GesichtHand – yangming
Magen-LeitbahnVom Gesicht zu den ZehenspitzenFuß – yangming
Milz-LeitbahnVon den Zehenspitzen zum Thorax (Herz)Fuß – taiyin
2. Umlauf
Herz-LeitbahnVom Thorax zu den FingerspitzenHand – shaoyin
Dünndarm-LeitbahnVon den Fingerspitzen zum GesichtHand – taiyang
Blasen-LeitbahnVom Gesicht zu den ZehenspitzenFuß – taiyang
Nieren-LeitbahnVon den Zehenspitzen zum Thorax (Perikard)Fuß – shaoyin
3. Umlauf
Perikard-LeitbahnVom Thorax zu den FingerspitzenHand – jueyin
san-jiao-LeitbahnVon den Fingerspitzen zum GesichtHand – shaoyang
Gallenblasen-LeitbahnVom Gesicht zu den ZehenspitzenFuß – shaoyang
Leber-LeitbahnVon den Zehenspitzen zum Thorax (Lunge)Fuß – jueyin
Organuhr
Der Energiekreislauf innerhalb Leitbahnsystemder luo-Gefäßsystem12 Hauptleitbahnen erfolgt in einem zirkadianen Rhythmus von 24 Stunden, sodass jede Leitbahn jeweils für 2 Stunden einen maximalen Energiedurchfluss erhält.
Die Polarisierung der Energie (Umschlag von yin nach yang oder von yang nach yin) erfolgt dabei jeweils im Bereich der Akren.

Die 12 Hautzonen (pi bu)

Die 12 HautzonenHautzonen pi-busind die am oberflächlichsten verlaufenden Anteile des Leitbahnsystems. Ihre Funktion ist die Zirkulation von qi und Blut zur Körperoberfläche. Sie ernähren Haut und Poren und schützen den Körper gegen äußere pathogene Faktoren.
Kennzeichen
Die Hautzonen werden unterteilt entlang des Verlaufs der jeweiligen Hauptleitbahn sowie ihrer zugehörigen luo-Gefäße. Sie werden daher entsprechend ihren Hauptleitbahnen benannt und besitzen jing luoselbst keine eigenen Punkte.
In der Hautzonendiagnostik reflektieren sie die physiologische Kondition der Hauptleitbahnen und ihrer zugehörigen zang/fu-Organe, z. B. durch pathologische Hautsensationen, Hautschäden oder -verfärbungen.
Funktionen
Sie zirkulieren Blut und qi, insbesondere das Abwehr-wei-qi, zur Körperoberfläche und regulieren die Hautfunktionen Leitbahnsystemund luo-Gefäßsystemdie Poren. Dadurch stärken sie die körperliche Abwehrkraft.
Pathologie
Die Hautzonen reflektieren pathologische Störungen der Hauptleitbahnen und ihrer zugehörigen zang/fu-Organe nach außen.
Therapie und Diagnostik erfolgen z. B. über die Hand- und Fußgelenkakupunktur. Die Therapie der Hautzonen kann auch über die gua-sha-Technik (chinesische Schabetechnik 7.6.1) sowie über oberflächliche Akupunkturtechniken sowie Schröpfen, Massage etc. (7.6.3) erfolgen.

Die 12 Tendino-Muskulären Leitbahnen (jing jin)

Synonyme: jing jinTendino-Muskuläre Tendino-Muskuläre LeitbahnenLeitbahnen, TMM-Leitbahnen oder -Meridiane, Sehnenleitbahnen, muskulo-tendinäre Leitbahnen, Muskel-/Sehnenleitbahnen.
Die 12 Tendino-Muskulären Leitbahnen sind äußere Ausbreitungen der Hauptleitbahnen. Ihre verschiedenen Funktionen umfassen die Stärkung der Verbindungen zwischen den Gelenken, Muskeln, Sehnen und Ligamenten. Sie unterstützen damit natürliche Bewegungsabläufe und die Beweglichkeit.
Kennzeichen
Es werden 12 bilaterale Tendino-Muskuläre Leitbahnen unterschieden. Sie sind mit den Hauptleitbahnen verbunden und werden entsprechend nach ihnen benannt. Im Prinzip sind die Tendino-Muskulären Leitbahnen Gruppen von Muskeln, Sehnen und Bändern, die sich entlang des Verlaufs der Hauptleitbahnen und ihrer zugehörigen luo-Gefäße projizieren. Sie zirkulieren (oberflächlich) auf der Körperperipherie und unterstützen die Hauptleitbahnen in ihrer qi- und Blutzirkulation zu den Muskeln, Geweben, Gelenken sowie zur Körperoberfläche. Sie besitzen keine eigenen Punkte und auch keine (direkte) Verbindung zu den zang/fu-Organen.
Jede der Tendino-Muskulären Leitbahnen verfügt über einen eigenen Verlauf. Dieser folgt im Allgemeinen der Hauptleitbahn. Ihr Beginn ist im Gegensatz zu den Hauptleitbahnen immer an den Extremitäten (Finger- oder Zehenspitzen). Sie zweigen von den Hauptleitbahnen meist an deren Brunnen-jing-Punkten (4.1.6) ab. Ihr Verlauf orientiert sich dabei stets nach kranial entweder bis zum Rumpf oder bis zum Kopf und Gesicht. Sie bedecken breitere Areale als die zugehörigen Hauptleitbahnen, d. h. sie sind breiter und bandartiger. Ihre Ausbreitung schließt auch bestimmte Regionen mit ein, die weder von den Hautpleitbahnen noch von den divergenten Leitbahnen durchlaufen werden. Durch diesen Verlauf können einige Punktwirkungen der mit ihnen verbundenen Hauptleitbahnen erst verstanden werden.
Die Tendino-Muskuläre Leitbahnenjing jinTendino-Muskulären Leitbahnen manifestieren sich unter pathologischen Bedingungen als sogenannte ashi-Punkte (a shi xue) oder Triggerpunkte.
Funktionen
Die Hauptaufgabe der Tendino-Muskulären Leitbahnen liegt darin, qi und Blut über die Körperoberfläche zu verteilen sowie die Muskeln, Sehnen und Bänder mit den Gelenken zu verbinden. Im Allgemeinen verbinden sie dabei Gruppen von synergistisch tätigen Muskeln miteinander. Gleichzeitig schützen sie Knochen und Skelettgerüst und vernetzen die Körperstrukturen miteinander. Dadurch unterstützen sie die Gelenke in Bewegungsabläufen und Funktion.
Pathologie
Störungen der jing luoTendino-Muskulären Leitbahnen zeigen sich entlang ihres Leitbahnverlaufs meist als folgende Symptome: muskuläre Verspannungen, Schmerzen, Verkrampfungen, Spasmen, Steifigkeit, aber auch Lähmungen, Schwäche und Schwellungen der Muskeln, Sehnen und Bänder. Zusätzlich zeigt jegliche Form von Bewegungseinschränkung in den Gelenkregionen eine Mitbeteiligung der Tendino-Muskulären Leitbahnen an. Jede der TMM-Leitbahnen hat zudem ihre eigene Pathologie.
Therapie
Für die luo-GefäßsystemTherapie Leitbahnsystemder Tendino-Muskulären Leitbahnen existieren keine für sie spezifischen Akupunkturpunkte. Die Tendino-Muskulären Leitbahnen lassen sich aber durch eine oberflächliche Nadelung, v. a. an den ashi-Punkten gut beeinflussen, ebenso wie durch relativ oberflächliche Techniken wie Schröpfen, Tuina-Massage, Pflaumenblütennadelung, Hautnadeln und die gua-sha-Methode (Schabetechnik 7.6.1).
Therapiert werden sie z. B. durch die Nadelung und Behandlung der ashi-Punkte, aber auch durch eine Kombination von Lokal-, Regional- und Fernpunkten (4.2.1). In akuten Fällen mit Bewegungseinschränkungen werden zunächst Fernpunkte eingesetzt, darüber hinaus Bewegungsübungen des Patienten im betroffenen Gelenk empfohlen. Bei einer akuten traumatischen Verletzung (mit Bewegungseinschränkung) kann auch die sogenannte miu-ci-Methode (7.5.7) eingesetzt werden.
Tendino-Muskuläre Lu-Leitbahn

Tendino-Muskuläre Lu-Leitbahn

Verlauf
Die Tendino-Muskuläre Lu-Leitbahn beginnt $Lu 11 §shaoshang&bei Lu 11 (shaoshang) am radialen Daumen-Nagelfalzwinkel, zieht radialseitig entlang des Daumens und 1. Metakarpalknochens, dann nach proximal über den antero-lateralen Anteil des Unterarms und folgt dem M. biceps brachii und dem vorderen Anteil des M. deltoideus. Er verknotet (jie) sich in der anterioren Schultergegend nahe des Acromio-Klaviculargelenks, zieht dann unter die Axilla, trifft $Gb 22 §yuanye&bei Gb 22 (yuanye) die anderen Tendino-Muskulären Hand-yin-Leitbahnen und verläuft unter dem M. pectoralis major bis zur Fossa supraclavicularis, dann $Di 15 §jianyu&zu Di 15 (jianyu), wieder zurück zu $Ma 12 §quepen&Ma 12 (quepen), durchdringt die Fossa supraclavicularis und verzweigt sich in Thorax-, Hypochondrialregion und dem Diaphragma.
Tendino-Muskuläre Di-Leitbahn

Tendino-Muskuläre Di-Leitbahn a–b

Verlauf
Die Tendino-Muskuläre LeitbahnenTendino-Muskuläre Di-Leitbahn beginnt am Zeigefinger bei $Di 1 §shangyang&Di 1 (shangyang), zieht entlang jing jindes Zeigefingers und 2. Metakarpalknochens $Di 5 §yangxi&zu Di 5 (yangxi), verläuft entlang des postero-lateralen Unterarmanteils, jing luodann entlang des lateralen Oberarmanteils $Di 15 §jianyu&zu Di 15. Von hier aus zieht ein sich über die Scapula verteilender Ast in Richtung Wirbelsäule und setzt dort von HWK 7 bis BWK 5 an. Der Hauptast von Di 15 zieht nach kranial über die Fossa supraclavicularis und entlang der lateralen Halsregion zum Unterkieferwinkel und teilt sich: Ein Zweig zieht luo-Gefäßsystemüber das LeitbahnsystemJochbein zur lateralen Nasenregion – der andere Zweig verläuft über die laterale Gesichtsregion und trifft sich bei $Gb 13 §benshen&Gb 13 (benshen) mit den anderen Tendino-Muskulären yang-Leitbahnen, zieht dann über den Kopf und endet in der Unterkieferwinkelregion der Gegenseite. (Anmerkung: Nach Solinas et al. [1998] wird das Leitbahn-Ende nach einigen Schulen bis zu $Di 17 §tianding&Di 17 [tianding] beschrieben).
Tendino-Muskuläre Ma-Leitbahn

Tendino-Muskuläre Ma-Leitbahn a–b

Verlauf
Die Tendino-Muskuläre Ma-Leitbahn beginnt breitflächig an der 2., 3. und 4. Zehe, zieht über den Fußrücken zur Tibiagrube, wo sie sich verknotet (jie) und sich in zwei Äste aufteilt:
  • Antero-lateral verlaufender Ast zieht über Patella, lateralem Oberschenkel, Hüft- und Wirbelsäulenregion

  • Anterior verlaufender Ast zieht über Patella, den anterioren Obeschenkelanteil in die Leistenregion, dann über Abdomen- und Thoraxregion bis zur Fossa supraclavicularis und entlang der antero-lateralen Halsregion aufwärts bis zur Unterkieferwinkelregion. Hier teilt er sich in drei Zweige auf: Ein Zweig endet vor dem Ohr – ein weiterer Zweig zieht zum Jochbein, trifft $Dü 18 §quanliao&bei Dü 18 (quanliao) die anderen Tendino-Muskulären Fuß-yang-Leitbahnen – der dritte Zweig umrundet den Mund, zieht zur oberen Nasenregion, wo er sich mit der Tendino-Muskulären Bl-Leitbahn verbindet und sich dann um das untere Augenlid verteilt.

Tendino-Muskuläre Mi-Leitbahn

Tendino-Muskuläre Mi-Leitbahn a–b

Verlauf
Die Tendino-Muskuläre Mi-Leitbahn beginnt an der Medialseite der Großzehe bei $Mi 1 §yinbai&Mi 1 (yinbai), verläuft entlang der medialen Fußkante, verknotet (jie) sich $Mi 5 §shangqiu&bei Mi 5 (shangqiu), zieht entlang der medialen Tibia des medialen Oberschenkels und verknotet (jie) sich in der medialen Leistengegend, zieht zu $Ren 3 §zhongji&Ren 3 (zhongji), wo sie die anderen Tendino-Muskulären Fuß-yin-Leitbahnen trifft und sich in drei Zweige aufteilt: Ein Zweig zieht zur Genitalregion – ein weiterer Zweig verläuft entlang der vorderen Medianlinie, verknotet (jie) sich in der Nabelgegend, durchdringt das Abdomen und vernetzt sich in der Rippen- und Thoraxhöhlenregion – der dritte Zweig zieht tiefer in das Körperinnere jing jinund endet in der Wirbelsäulenregion bei $Bl 20 §pishu&Bl 20 (pishu).
Tendino-Muskuläre He-Leitbahn

Tendino-Muskuläre He-Leitbahn

Verlauf
Die Tendino-Muskuläre LeitbahnenTendino-Muskuläre He-Leitbahn beginnt radialseitig am Kleinfinger, zieht über den anterioren und radialen Anteil von Kleinfinger und Hand, verknotet (jie) sich $He 7 §shenmen&bei He 7 (shenmen), zieht dann über den anterioren und ulnaren Armanteil bis zur Axillagegend und trifft die anderen Tendino-Muskulären Hand-yin-Leitbahnen nahe $Gb 22 §yuanye&Gb 22 (yuanye). Von hier zieht sie in die Tiefe, kreuzt die jing luoBrustregion, verknotet (jie) sich bei $Ren 17 §danzhong&Ren 17 (danzhong), zieht dann zum Mageneingang, Leitbahnsystemdurchdringt luo-Gefäßsystemdas Diaphragma und endet in der Nabelgegend.
Tendino-Muskuläre Dü-Leitbahn

Tendino-Muskuläre Dü-Leitbahn a – c

Verlauf
Die Tendino-Muskuläre Dü-Leitbahn beginnt an der ulnaren Seite des Kleinfingers bei $Dü 1 §shaoze&Dü 1 (shaoze), zieht entlang der ulnaren Kleinfinger- und Handkante zu Dü 5 (yanggu), zieht dann zum Ellbogen und zur Axilla. Von hier zieht ein Ast in die Achselhöhle, wo er sich verknotet (jie). Ein anderer Ast breitet sich über die Scapula aus, zieht dann entlang der lateralen Nackenregion, wo sich die Leitbahn in zwei Zweige aufteilt: Ein anterior verlaufender Zweig zieht zum Unterkieferwinkel, dann entlang der Mandibula zum Ohr, über das Jochbein und verknotet (jie) sich an der lateralen Orbita – ein posterior verlaufender Zweig verknotet (jie) sich am Processus mastoideus (von hier zieht ein kleiner Zweig in das Ohr), umrundet das Ohr, verläuft dann nach kaudal zur Wangenregion und zur lateralen Orbita und dann weiter über die fronto-parietale Kopfregion zu $Gb 13 §benshen&Gb 13 (benshen), nach Deadman zu Ma 8 (touwei), wo er die anderen Tendino-Muskulären Hand-yang-Leitbahnen trifft.
Tendino-Muskuläre Bl-Leitbahn
Verlauf
Die Tendino-Muskuläre Bl-Leitbahn beginnt lateral an der Kleinzehe, zieht an der lateralen Fußkante entlang zum Malleolus lateralis, von hier gehen drei Äste ab:
  • Ein Ast zieht zum Calcaneus, wo er sich lateral verknotet (jie) und sich über die Ferse ausbreitet

  • Ein weiterer Ast zieht entlang des lateralen Unterschenkelanteils bis zum Fibulaköpfchen

  • Der Hauptast zieht zur Achillessehne, dann entlang des posterioren Unter- und Oberschenkels, verknotet (jie) sich in der Mitte der Gesäßfalte, zieht breitflächig lateral der Wirbelsäule über Gesäß und Rücken zur Nackenregion, wo er sich $Bl 10 §tianzhu&bei Bl 10 (tianzhu) verknotet (jie). In seinem Verlauf zweigen auf Achselhöhe zwei Äste ab: Ein Ast zieht zur Schulterregion – der andere Ast durchdringt jing jindie Axilla, steigt am Thorax auf und zieht zur Fossa supraclavicularis. Hier zweigen erneut zwei Unter-Äste ab: Ein Unter-Ast steigt zum Processus mastoideus bei Gb 12 (wangu) – der andere Unter-Ast zieht über die Wangenregion zu $Dü 18 §quanliao&Dü 18 (quanliao), wo er sich mit den anderen Tendino-Muskulären Fuß-Yang-Leitbahnen trifft. Der Hauptast teilt sich bei $Bl 10 §tianzhu&Bl 10 (tianzhu) in zwei Äste: Ein Ast dringt tiefer bis zur Zungenwurzel ein – der andere Ast zieht lateral der

    Tendino-Muskuläre Bl-Leitbahn

    Medianlinie über den Schädel bis zum inneren Augenwinkel und trennt sich in zwei Zweige, wovon der eine sich lateral der Nase verknotet und über die Wangenregion nach kaudal zieht – der andere Zweig zieht über das obere Tendino-Muskuläre LeitbahnenAugenlid, dringt dann tiefer in die obere Orbitaregion ein und endet am Gaumen.

Tendino-Muskuläre Ni-Leitbahn

Tendino-Muskuläre Ni-Leitbahn a – b

Verlauf
Die Tendino-Muskuläre Ni-Leitbahn beginnt unter der Kleinzehe, zieht dann schräg verlaufend über die Fußsohle zum Malleolus medialis, wo sie sich verknotet (jie). Von hier zieht ein kleiner Ast zum medialen jing luoCalcaneus-Anteil. Der Hauptast verläuft entlang des postero-medialen Beins über die Genitalregion bis zu $Ren 3 §zhongji&Ren 3 (zhongji), wo sie die anderen Tendino-Muskulären yin-Leitbahnen trifft, durchdringt das Abdomen und verläuft entlang der Wirbelsäule in die Nackenregion. luo-GefäßsystemLeitbahnsystemVon der Genitalregion zieht ein Ast innerlich durch das Gesäß und folgt der tief liegenden Muskulatur entlang der Wirbelsäule bis zur Okzipitalregion.
Tendino-Muskuläre Pe-Leitbahn

Tendino-Muskuläre Pe-Leitbahn

Verlauf
Die Tendino-Muskuläre Pe-Leitbahn beginnt an der Spitze des Mittelfingers, zieht über den anterioren Anteil von Mittelfinger und Mittelhandknochen, verbreitet sich in der mittleren Handfläche, verknotet (jie) sich in der Mitte der Handgelenkregion und verläuft über den anterioren Unterarmanteil sowie den antero-medialen Oberarmanteil bis zur Axilla zu $Gb 22 §yuanye&Gb 22 (yuanye), wo sie sich mit den anderen Tendino-Muskulären Hand-yin-Leitbahnen trifft. Hier teilt sich die Leitbahn: Ein Zweig verteilt sich breitflächig über die anterioren, lateralen und posterioren Rippenanteile – der andere Zweig durchdringt den Thorax unterhalb der Axilla, erreicht die mittlere Thoraxregion auf Höhe von $Ren 17 §danzhong&Ren 17 (danzhong), von wo er sich innerhalb der Thoraxhöhle ausbreitet und sich dann am Diaphragma verknotet (jie).
Tendino-Muskuläre SJ-Leitbahn

Tendino-Muskuläre SJ-Leitbahn

Verlauf
Die Tendino-Muskuläre SJ-Leitbahn beginnt am ulnaren Nagelfalzwinkel des Ringfingers, zieht zwischen dem 4. und 5. Metakarpalknochen zum Handgelenk, dann entlang des posterioren Unter- und Oberarmanteils, verknotet (jie) sich an der posterioren Grenze des Acromions, zieht über den posterioren Schulteranteil und die laterale Nackenregion, erreicht den Unterkieferwinkel und jing jinteilt sich in zwei Äste auf: Ein Ast zieht durch den Unterkieferwinkel, dringt tiefer Tendino-Muskuläre Leitbahnenbis zur Zungenwurzel ein – der andere Ast steigt vor der Ohrregion auf, verknotet (jie) sich am äußeren Augenwinkel, überkreuzt die Schläfenregion und endet bei $Gb 13 §benshen&Gb 13 (benshen), nach Deadman im Stirnwinkel, in der fronto-parietalen Region, wo er sich mit den anderen Tendino-Muskulären Hand-yang-Leitbahnen trifft.

Tendino-Muskuläre Gb-Leitbahn

Tendino-Muskuläre Gb-Leitbahn
Verlauf
Die Tendino-Muskuläre Gb-Leitbahn beginnt an der 4. Zehe, verknotet (jie) sich in dem Areal von $Gb 40 §qiuxu&Gb 40 (qiuxu) anterior und inferior des Malleolus lateralis, folgt dem lateralen Beinanteil, wobei eine Abzweigung jing luoschräg zu $Ma 32 §futu&Ma 32 (futu) verläuft. Der Hauptast zieht zum Trochanter major. Von hier zieht eine Abzweigung breitflächig über die Gesäß- zur Sakralregion. Von der Hüftregion aus zieht die Leitbahn über die Flanken zur unteren Rippenregion, wo sie sich in zwei Äste aufteilt: Ein Ast verläuft nach ventral über den lateralen Thoraxanteil und verknotet (jie) sich $Ma 12 §quepen&bei Ma 12 (quepen)Leitbahnsystemder luo-Gefäßsystemandere Ast folgt der Medioaxillarlinie, zieht dann über den Thorax, um den anderen Ast in der Fossa supraclavicularis zu treffen. Von Ma 12 verläuft die Leitbahn entlang der lateralen Halsregion und umrundet das Ohr. Ein Abzweig zieht dann auf Höhe der Ohrspitze zu $Du 20 §baihui&Du 20 (baihui). Von der Temporalregion steigt ein Ast ab, kreuzt die Wange bis zum Unterkiefer, verläuft über das Jochbein zu $Dü 18 §quanliao&Dü 18 (quanliao), wo er die anderen Tendino-Muskulären Fuß-yang-Leitbahnen trifft und sich in zwei Äste aufteilt, von denen einer lateral zur Nasenwurzel zieht, der andere zum äußeren Augenwinkel.
Tendino-Muskuläre Le-Leitbahn
Verlauf
Die Tendino-Muskuläre Le-Leitbahn beginnt auf der Dorsalseite der 1. Zehe, zieht entlang des lateralen und dorsalen Anteils der 1. Zehe bis vor den Malleolus medialis, dann über den medialen Tibia- und Oberschenkelanteil, erreicht die Inguinalregion und trifft bei $Ren 3 §zhongji&Ren 3 (zhongji) die anderen Tendino-Muskulären Fuß-yin-Leitbahnen und zieht dann über die Genitalien.

Die divergenten Leitbahnen (jing bie)

Synonyme: Leitbahnen:divergentejing bieSonderleitbahnen, Sonder-Leitbahnen, divergierende Leitbahnen.
bie bedeutet divergierend, separierend. Die 12 divergenten Leitbahnen sind Abzweigungen der Hauptleitbahnen. Hauptsächlich unterstützen sie die Kommunikation zwischen den zang/fu-Organen und Leitbahnen, besonders die Kommunikation zwischen den Organen und Leitbahnen, die durch Leitbahnbeziehungen (3.2) miteinander gekoppelt sind. Zusätzlich stärken sie die Verbindung zum Herzen.

Tendino-Muskuläre Le-Leitbahn

Kennzeichen
Unterschieden jing biewerden Leitbahnen:divergente12 bilateral verlaufende divergente Leitbahnen, die nach den jeweiligen Hauptleitbahnen benannt werden. Es handelt sich um tief liegende Leitbahnen, die selbst von den Hauptleitbahnen abzweigen und mit den inneren zang-/fu-Organen verbunden sind. Sie besitzen keine eigenen Punkte, stärken aber das qi der Hauptleitbahnen.
Alle divergenten Leitbahnen haben entweder eine direkte oder eine indirekte Verbindung zum Herzen. Sie verbinden die Innen/Außen-gekoppelten Hauptleitbahnen miteinander. Die 12 divergenten Leitbahnen besitzen selbst keine der Innen/Außen-Beziehung entsprechende Verbindung wie die 6 yin- und 6 yang-Hauptleitbahnen, sie verfügen dagegen über ein eigenes System der „6 Vereinigungen“.

luo-Gefäße

Synonyme: NetzgefäßeNetzgefäße, KollateraleKollaterale
Kennzeichen
Die luo-luo-GefäßeGefäße sind jing luoAbzweigungen von den Hauptleitbahnen. Sie werden eingeteilt in die 16 großen luo-Gefäße sowie in zahlreiche kleine und auch oberflächliche luo-Gefäße. Die kleinen oberflächlichen luo-Gefäße sind Unterverzweigungen der großen luo-Gefäße. Sie werden wiederum unterteilt in die sun luo als vertikale Verästelungen der luo mai. Die sun luo verteilen sich sowohl über die gesamte Körperoberfläche als auch in den inneren Organen. Die sun luo verzweigen sich weiter in die fu luo, die damit oberflächlicher liegen. Die fu luo besitzen wiederum horizontale Verästelungen, die xue luo (Blutgefäß-Netzwerk) genannt werden.
Generell kann man sagen, daß die luo-Gefäße zusammen wie ein Netzwerk den Körper überziehen. Alle luo-Gefäße stehen dabei in Verbindung mit dem Haupt-luo-Gefäß der Milz (bei Mi 21). Gemeinsam mit dem übrigen Leitbahnsystem formen sie das Leitbahn-Netzwerk, um qi und Blut sowohl im Körper als luo-Gefäßsystemauch an der Körperoberfläche zu verteilen.
Die Leitbahnsystem16 großen luo-Gefäße zweigen an spezifischen Punkten, den luo-Punkten (4.1.2), von ihrer zugehörigen Hauptleitbahn ab. Die luo-Punkte liegen dabei in Körperzonen, an denen sich die luo-Gefäße verzweigen, die die Innen/Außen gekoppelten yin- und yang-Leitbahnen miteinander verbinden.
Die 16 großen luo-Gefäße stellen eine Leitungs- und Kontrollfunktion über die anderen luo-Gefäße des Körpers dar. Jedes der großen luo-Gefäße hat dabei eine eigene Pathologie. Pathogene Faktoren dringen allgemein über die oberflächlichsten luo-Gefäße in den Körper ein. Auf der anderen Seite reflektieren z. B. die Blut-luo-Gefäße (xue luo) Störungen wie qi- und Blut-Stagnation der Leitbahn oder des Organs durch Zeichen auf der Haut wie z. B. Hautverfärbungen, Besenreiser etc.
Therapie
luo-Gefäße können gut beeinflusst werden durch oberflächliche Nadel- und Hautreiztechniken (7.6) z. B. mit Pflaumenblütenhämmerchen, Blutenlassen (Mikroaderlass) sowie Schröpfen und Moxibustion.

Die 8 außerordentlichen Gefäße (qi jing ba mai)

Die 8 außerordentlichen Gefäße sind sozusagen die tiefsten und ursprünglichsten Leitbahnstrukturen. Nach einigen Schulen der chinesischen Medizin entwickeln sie sich schon sehr früh in der Embryonalphase. Ihre pathologischen Manifestationen sind daher durch umfassende Symptomkomplexe charakterisiert. Sie können nach klassischen Schriften verglichen werden mit Energie-Reservoirs, die Überschüsse an yang, qi, yin oder Blut aufnehmen und bei Bedarf wieder an das Hauptleitbahnsystem abgeben können.
Mit Ausnahme jing luovon ren und du mai besitzen sie keine eigenen Punkte, sondern nutzen Punkte der regulären Hauptleitbahnen, die sie miteinander verbinden. Sie können durch die Nadelung ihrer Öffnungs- und Ankopplungspunkte aktiviert werden (4.1.8).
Darüber hinaus werden die außerordentlichen Leitbahnen in 4 Paare eingeteilt, die jeweils in Kombination bestimmte Körperregionen gemeinsam versorgen.

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