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B978-3-437-56141-2.00001-7

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978-3-437-56141-2

Lokalisationsmethoden und cun-Maße

C. Focks

  • 1.1

    Lokalisationsmethoden in der Körperakupunktur2

  • 1.2

    cun-Maße am Körper2

  • 1.3

    Aufsuch-Tipps6

    • 1.3.1

      Gummiband6

    • 1.3.2

      Körperhaltungen und -bewegungen7

    • 1.3.3

      Handspanntechnik nach König/Wancura9

Grundvoraussetzung für jede erfolgreiche Akupunkturbehandlung ist neben der differenzierten Diagnostik nach den Kriterien der chinesischen Medizin und der entsprechenden Punktauswahl das Wissen über die exakte Lokalisation der Punkte sowie deren korrekte Nadelung und Nadelmanipulation (7).

Lokalisationsmethoden in der Körperakupunktur

Körperakupunktur:LokalisationsmethodenAkupunkturpunkte können nach verschiedenen Methoden lokalisiert werden:
Anatomischer Bezug: Viele Akupunkturpunkte liegen an anatomisch markanten Stellen, z. B. in Vertiefungen, an Muskel- und Sehnenansätzen, in Hautrinnen, über Gelenkspalten, an Knochenvorsprüngen etc. Bei korrekter Lokalisation und entsprechender Übung fällt der palpierende Finger quasi in diese Vertiefungen und Löcher hinein.
Verschiedene anatomische Orientierungszonen und -punkte bilden die Basis, um Akupunkturpunkte zu lokalisieren. In Kapitel 2 „Anatomische Orientierung“ werden die wichtigsten von ihnen ausführlicher dargestellt. Man unterscheidet:
  • Fixe Orientierungsmarker, die sich nicht durch unterschiedliche Körperhaltungen oder -bewegungen verändern. Sie beinhalten Knochenmarker wie Vertiefungen oder Prominenzen des knöchernen Skelettsystems, aber auch z. B. Nagelfalzwinkel, Mamillen, Bauchnabel etc. Die Körper-cun-Messung (1.2) beruht zum großen Teil auf der Basis der fixen Orientierungsmarker.

  • Bewegliche Orientierungsmarker, die man durch die Einnahme einer spezifischen Körperhaltung oder -bewegung finden oder besser darstellen kann (1.3.2). Beispiele sind hier die Flexion im Ellbogengelenk zur eindeutigen Kennzeichnung der Ellenbeugefalte z. B. für die Lokalisation von Di $Di 11 §quchi&11 oder die Darstellung der am meisten distal gelegenen Handflächenbeugefalte bei leichtem Faustschluss zur Lokalisation von Dü 3. $Dü 3.§houxi&Außerdem können Punkte aufgrund veränderter Konsistenz der Haut, durch Druckschmerzhaftigkeit, Verquellung und Bremswirkung beim zarten Übergleiten des palpierenden Fingers ertastet werden.

Proportionale Punktabstandsmessung: Für Punkte, die nicht unmittelbar an markanten Strukturen liegen, benutzt die Chinesische Medizin die individuelle Maßeinheit cun (1.2).
Elektrische Punktsuchgeräte: Dabei wird der elektrische Hautwiderstand an den Punkten gemessen. Er ist im Bereich der Akupunkturpunkte im Allgemeinen erniedrigt. Diese Lokalisationsmethode wird vor allem in der Ohrakupunktur angewendet. Sie hat sich im Bereich der Körperakupunktur als nicht so praktikabel erwiesen.
Very-point-Technik (nach Gleditsch 1979): Die Nadel mit leichter Hand – tänzelnd – über die Haut führen, dabei bleibt die Nadel beim leichten und lockeren tangentialen Sticheln an einem Punkt „hängen“ und dringt dort quasi wie von allein in die Haut ein. Der relevante Einstichpunkt ist gefunden.

cun-Maße am Körper

Die Chinesen verwenden als Maßeinheit für Entfernungen am Körper-cunKörper das cun-Maßecun. Im Gegensatz zum offiziellen chinesischen fixen cun (1 cun entspricht 2,5 cm) bezieht es sich in der Medizin als relatives Maß auf individuelle Körperproportionen.
Diese relative Maßeinheit ist durch Distanzen an den Fingern des jeweiligen Patienten (Finger-cun) oder durch Strecken zwischen bestimmten Körperabschnitten des Patienten (Körper- oder Strecken-cun) definiert.

Finger-Finger-cuncun-cun-MaßeMaße

Tab. 1.1
A1 cun als Daumen-MaßDistales Daumenendglied im breitesten Bereich
B2 cun als Zeigefinger-MaßGesamte Länge des Mittel- und Endgliedes des Zeigefingers
C1 cun als Mittelfinger-MaßDer Abstand zwischen den beiden Beugefaltenenden des mittleren Gliedes des Mittelfingers, wenn die Mittelfingerkuppe auf die Daumenkuppe gelegt wird
D1,5 cun als Querfinger-MaßBreite von aneinandergelegten Mittel- und Zeigefinger in Höhe des distalen Interphalangealgelenks
E2 cun als Querfinger-MaßBreite der aneinandergelegten Mittel-, Zeige- und Ringfinger im Bereich der Endglieder
F3 cun als Querfinger-MaßBreite der aneinandergelegten Zeige-, Mittel-, Ring- und Kleinfinger in Höhe des proximalen Interphalangealgelenks (= 1 Handbreite)
Wichtig: Bei den Cun-Angaben handelt es sich um „ca.“-Angaben, d. h. die Angaben führen dorthin, wo man den Punkt suchen sollte. Entscheidend für die Punktfindung ist jeweils die Palpation.

Körper- oder Strecken-cun-Thorax:cun-MaßeRücken:cun-MaßeLendenregion, cun-MaßeKopf:cun-MaßeExtremität:cun-Maßecun-MaßeAbdomen:cun-Maße$Ren 22 §tiantu&$Ma 8 §touwei&$Le 13 §zhangmen&$Gb 34 §yanglingquan&$Ex-HN 3 §yintang&$Du 14 §dazhui&Maße

Tab. 1.2
Kopf
longitudinal12 cunVon der Stirnhaaransatzlinie (2.1.1) bis zur Nackenhaaransatzlinie (2.1.5)
3 cunVon der Augenbrauenmitte bis zur Stirnhaaransatzlinie (2.1.1)
3 cunVom Unterrand des Processus spinosus HWK 7 (2.4.1) bis zur Nackenhaaransatzlinie (2.1.5)
18 cunVon Ex-HN 3 (yintang) bis zu Du 14
horizontal9 cunVom rechten zum linken Processus mastoideus (2.1.4)
9 cunVon Ma 8 rechts bis Ma 8 links
Thorax und Abdomen
longitudinal9 cunVon der suprasternalen Grube (Ren 22) bis zum sternokostalen Winkel (2.5, Synchondrosis xiphosternalis)
8 cunVon dem sternokostalen Winkel (2.5, Synchondrosis xiphosternalis) bis zur Bauchnabelmitte
5 cunVon der Bauchnabelmitte bis zum Symphysenoberrand (2.5)
horizontal8 cunVon der rechten Brustwarzenmitte bis zur linken Brustwarzenmitte
seitlich
longitudinal
12 cunVon dem Ende der Achselfalte bis zum freien Ende der 11. Rippe (Le 13)
Rücken- und Lendenregion
Orientierungshilfen für die Punkte sind die anatomischen Beziehungen zu den Wirbeldornfortsätzen sowie die Interkostalräume. Orientierungspunkte: Dornfortsatz HWK 7, der Angulus scapulae in Höhe Dornfortsatz BWK 7, Beckenkammhöhe, „Tuffier-Linie“ (Dornfortsatz LWK 4), der lumbosakrale Übergang, die Spina iliaca posterior superior (SIPS) in Höhe Dornfortsatz S 2 (oder Vertiefung des 2. Foramen sacrale) sowie der Hiatus sacralis. Beachte: die Lagerungsposition (Stehen, Sitzen, Bauchlage) hat ebenso wie der individuelle Körperbau sowie die Wirbelsäulenstellung (Kyphose, Lordose etc.) einen deutlichen Einfluss auf die Höhe der Wirbel in Beziehung zu anderen Körperstrukturen und kann daher individuell erheblich variieren. Genauere Ausführungen dazu: 2.4, Anatomische Orientierung.
longitudinal30 cunVon dem Dornfortsatz BWK 1 bis zur Spitze des Os coccygis
horizontal3 cunVon dem medialen Scapularand bis zur Dornfortsatzlinie bei entspannter Schulterregion (Arme locker hängend)
Obere Extremität
lateral9 cunVon dem ventralen Achselfaltenende bis zur Ellenbeugefalte
12 cunVon der Ellenbeugefalte bis zum Handgelenkspalt (2.3.3, Handgelenkfalte)
Untere Extremität
lateral19 cunVon der höchsten Prominenz des Trochanter major (2.6) bis zur Kniegelenkbeugefalte
16 cunVon der Kniegelenkbeugefalte bis zur höchsten Prominenz des Malleolus lateralis (2.6.2)
14 cunVon Gb 34 (vor und unterhalb des Fibulaköpfchens) bis zur höchsten Prominenz des Malleolus lateralis (2.6.2)
3 cunVon der höchsten Prominenz des Malleolus lateralis (2.6.2) bis zum Fersenunterrand
medial18 cunSymphysenoberrand (2.5) bis zum Patellaoberrand (2.6.1)
15 cunVon der medialen Kniegelenkfalte bis zur höchsten Prominenz des Malleolus medialis (2.6.2)
13 cunVon dem medialen Condylus tibiae (2.6.1, am Übergang zum Tibiaschaft) bis zur höchsten Prominenz des Malleolus medialis (2.6.2)
dorsal14 cunVon der Glutealfalte bis zur Kniegelenkbeugefalte
Differenz zwischen Malleolus medialis und lateralis
1 cunDifferenz der Prominenzhöhe vom Malleolus medialis (2.6.2) zum Malleolus lateralis (2.6.2)
Zur Lokalisation vieler Punkte genügen die häufig in der Praxis angewendeten Messungen mit dem Finger-cun (Abb. 1.1). Bei der Messung ist stets zu beachten, dass als Maßeinheit die Finger des Patienten – nicht die des Therapeuten – gelten. Bei ungefährer Übereinstimmung der Fingerbreiten des Therapeuten mit denen des Patienten kann einfachheitshalber mit dem Therapeuten-cun gemessen werden. Auch eine Anpassung der Fingerabstände des Therapeuten, z. B. Weit- oder Engstellung bei aneinandergelegten Querfingern oder eine gedachte Zugabe bei der Daumen-cun-Abmessung können kleinere Abweichungen entsprechend zum Patienten-cun korrigieren.
Das Körper- oder Strecken-cun berücksichtigt dagegen die Proportionen der einzelnen Körperabschnitte durch regionale Messstrecken (Abb. 1.2). Diese werden dann in eine bestimmte Anzahl von Abschnitten eingeteilt. In der täglichen Praxis gestaltet sich die Anwendung dieser differenzierten Unterteilung meist als sehr aufwändig. Oft reicht die Handspanntechnik nach König/Wancura zur Festlegung von Strecken-Mittelpunkten (1.3.3) kombiniert mit der Finger-cun-Messung und der orientierenden Palpation aus. Insbesondere zur Orientierung im Bauchbereich kann auch ein präpariertes Gummiband (1.3.1) eingesetzt werden.

Findetipp für das Ende der Achselfalte:

Die vordere (ventrale) bzw. hintere (dorsale) Axillarfalte kennzeichnet das Achselhöhlenende im ventralen bzw. dorsalen Hautansatzbereich des Armes am Thorax und dient der Cun-Messung im Oberarmbereich (Abb. 1.2, Lu $Lu 3 §tianfu&3, Lu $Lu 4 §xiabai&4). Wenn der Patient eine Handkante in die Achselhöhle einklemmt, zeigt diese den Übergangsbereich an. Das Ende der Axillarfalte projiziert sich unterhalb des M. pectoralis, der hier unter den M. deltoideus zu seinem Ansatz am Humerus zieht. Je nach Körperproportionen, Armstellung oder Muskelanspannung stellt sich das Ende der Achselfalte sehr variabel dar und sollte daher am besten in entspannter Haltung mit locker herabhängenden Armen individuell festgelegt werden.

Aufsuch-Tipps

Gummiband

Aufsuch-TippsZur Vereinfachung der GummibandKörper-cun-Messung in der Praxis und für die korrekte Punktlokalisation insbesondere in der Bauchregion bei individuell sehr unterschiedlich ausgeprägten Bauchformen hat sich die Anwendung eines präparierten Gummibandes (Kitzinger 1995) bewährt. Dafür kann ein 1–2 cm breites, z. B. 40 cm langes Wäschegummiband eingesetzt werden. Dieses wird in gleichmäßigen Abständen von 2 cm gekennzeichnet und kann zusätzlich entsprechend von 1 bis 20 durchnumeriert werden. Der Anfang des Bandes und die entsprechend vorgeschriebene cun-Zahl werden unter Zug an die jeweiligen Enden der Messstrecke angelegt. Dabei ergibt sich je nach Körperbau das relative Körper- oder Strecken-cun-Maß.
Beispiele:
  • Zur Punktlokalisation in der Oberbauchregion dehnt man 8 Abschnitte zwischen sternokostalem Winkel (2.5) und Bauchnabel (Abb. 1.3).

  • Zur Punktlokalisation in der Unterbauchregion werden 5 Abschnitte zwischen Bauchnabel und Symphysenoberrand gedehnt (Abb. 1.4).

Körperhaltungen und -bewegungen

Zur Aufsuch-Tippsdifferenzierten Punktsuche können bestimmte KörperhaltungKörperhaltungen eingenommen oder bestimmte KörperbewegungKörperbewegungen ausgeführt werden.
Beispiele:
Bessere Sehnendarstellung durch Ballen der Faust zur Orientierung der Pe-Punkte im Unterarmbereich (Abb. 1.5)
Tigermundgriff als Lokalisationshilfe für Lu $Lu 7 §lieque&7 und Di $Di 6 §pianli&6 (Abb. 1.6). Diese Messung ist aber eher ungenau und wird daher unter den jeweiligen Punkten in Kapitel 5 nicht erneut beschrieben. Tigermundgriff für Lu 7: Daumen und Zeigefinger beider Hände abspreizen, überkreuzen und den Zeigefinger der einen auf den Processus styloideus der anderen Hand platzieren, dabei eine Abwinkelung zwischen Hand- und Unterarmbereich vermeiden. Lu 7 befindet sich jetzt direkt unter der Zeigefingerspitze in einer V-förmigen Rinne. Um Di 6 durch den Tigermundgriff zu finden, dann den Mittelfinger an den Zeigefinger anlegen. Der Punkt findet sich jetzt direkt unter der Mittelfingerspitze.
Wird die Hand flach auf den Tisch gelegt und Daumen und Zeigefinger zusammengepresst, drückt der M. adductor pollicis den M. interosseus dorsalis nach oben. Auf dem höchsten Punkt des entstandenen Muskelwulstes Di $Di 4 §hegu&4 lokalisieren (Abb. 1.7).
Den Tastfinger auf den proximalen Teil des Processus styloideus ulnae (2.3.3) legen. Während der Handbewegung von der Pronations- zur halben Supinationsstellung ertastet der Finger am proximalen Abhang vom Processus styloideus eine Knochenrinne (Gleitfurche für die Sehne des M. extensor carpi ulnaris). Diese Knochenrinne ist auch tastbar, wenn die Hand des Patienten auf seiner Brust ruht (halbe Supinationsstellung). In dieser Rinne $Dü 6 §yanglao&6 (Abb. 1.8) lokalisieren.
Nutzung der Bremswirkung eines Gleitfingers: Der Finger wird durch die zunehmende Hautfaltenverdickung am Punkt abgebremst. Dies dient z. B. zur schnellen Lokalisation der Punkte Pe $Pe 6 §neiguan&6 und SJ $SJ 5 §waiguan&5 (Abb. 1.9), diese Lokalisationshilfe ist allerdings eher ungenau und wird daher bei den jeweiligen Punkten in Kapitel 5 nicht erneut beschrieben.

Handspanntechnik nach König/Wancura

Die Handspanntechnik nach König/WancuraHandspanntechnik eignet sich insbesondere zur schnellen Festlegung von Streckenmittelpunkten. Dabei werden die Kleinfinger beider Hände an die entsprechenden Endpunkte einer abzumessenden Strecke gelegt. Beide Hände sollten sich dabei gleichmäßig auf die Strecke verteilen. Die beiden Daumen werden nun in der Mitte zusammengeführt und zeigen den Streckenmittelpunkt an.
Beispiele:
  • Zur Festlegung des Streckenmittelpunktes der 16 cun langen Strecke Kniegelenkfalte/Prominenz Malleolus lateralis werden die beiden Kleinfinger jeweils auf die beiden Endpunkte gelegt (Abb. 1.10)

  • Zum Aufsuchen von Du $Du 20 §baihui&20 werden die beiden Hände links und rechts an die Kopfpartie des Patienten gelegt, die beiden Kleinfinger berühren jeweils eine Ohrspitze. Die beiden Daumen werden dann in der Schädeldachmittellinie zusammengeführt und zeigen auf Du 20 (Abb. 1.11).

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