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B978-3-437-56141-2.00007-8

10.1016/B978-3-437-56141-2.00007-8

978-3-437-56141-2

Aufbau einer Akupunktur-Nadel (hao-Nadel)

Stichwinkel. a) Stichwinkel mit Gewebeschichten. Bei allen Nadeln gleiche „Stichtiefe“ (= gleiche Nadellänge im Gewebe), aber es wird ein unterschiedliches Schichtniveau erreicht. b) Stichwinkel: flach s. c.: 5–15°; schräg: 15–45°, senkrecht: 90°.

NadelhaltungManipulationstechnikEinstichtechnikenNadelhaltung. a) Den Nadelansatz mit den Daumen- und Zeigefingerkuppen halten. b) Den Zeigefinger zurückschieben. Durch die Beugung des proximalen und die Streckung des distalen Interphalangealgelenks des Zeigefingers entsteht NadelhaltungEinstichtechnikenein Hausdach. c) 3-ManipulationstechnikFingertechnik (Schnabel). d) 3-Fingertechnik: Nadelgriff zwischen Daumen, Zeige- und Mittelfinger fassen. Die Daumenkuppe sollte sich gegenüber dem Spalt zwischen Zeige- und Mittelfinger befinden. e) Den Nadelgriff zwischen den Fingerkuppen von Daumen und Zeigefinger einspannen. Der Mittelfinger dient als Führungsschiene. f) Bei langer Nadel: Die Nadelspitze sollte nicht > 1–2 mm zwischen den Fingern hervorragen. Eventuell (aus Sterilitätsgründen) sterilen Tupfer einsetzen.

Unterstützung der linken Hand: a) Fingernageldrücken (1. Variante) mit dem Daumen, b) Fingernageldrücken (2. Variante) mit dem Zeigefinger

Unterstützung der linken NadelhaltungEinstichtechnikenHand, Dehnungsmethode: a) Hautdehnung durch Daumen und Zeigefinger (1. Variante), b) Hautdehnung durch Zeige- und Mittelfinger (2. Variante)

Unterstützung der linken Hand; Hautzwickmethode an Lu $Lu 77 (a) und Ex-HN $Ex-HN 33 (yintang) (b)

Einstichtechnik, Fingerdrückenmethode (Einhandtechnik): a) Punktionsmethode, b) Mittelfinger als Führungsschiene

Einstichtechnik (Variante): a) Ausgangsstellung, b) Die Hand zur Senkrechten aufrichten, c) Nadeleinstich

Einstichtechnik mit Führungsröhrchen

Massage im Leitbahnverlauf. a) Mit dem Daumen im Leitbahnverlauf massieren, um deqi auszulösen. b) Mit dem Mittelfinger im Leitbahnverlauf massieren, um deqi auszulösen. c) Mit dem Zeigefinger auf den Leitbahnverlauf klopfen, um deqi auszulösen

Mit den Fingerspitzen der rechten Hand intermittierend auf das Areal um den Punkt drücken, um deqi auszulösen

Nadelschnippen, um deqi auszulösen: a) Ausgangsstellung, b) Vibration der Nadel

a) Schüttel- oder Schwenktechnik (bo) b) Nadelschwenken (yao)

Kratz- oder Schabetechnik: a) Stärkende Variante, b) Ableitende Variante

Nadelrühren: Die Nadel neigen und langsam rühren

„Das Kissen verschieben“

Heben/Senken

Rotation und Drehung. a) Rotation/Drehung der Nadel. b) Daumen wird vorgeschoben, Nadel dreht sich nach rechts (im Uhrzeigersinn). c) Daumen wird zurückgezogen, Nadel dreht sich nach links (gegen den Uhrzeigersinn)

„Der Drache kämpft mit dem Tiger“: Abwechselnd Stärken (1) und Ableiten (2)

„Die Leitbahn wie in einem Mörser zerstoßen“

„Der blau-grüne Drache wedelt mit dem Schwanz“ (Abb. modifiziert nach E. Kitzinger, 1995). 1 = Nadeleinstich (oberflächlich), 2 = Nadel in das Hautniveau biegen, 3 = Subcutanes Vorschieben der Nadel. 4 = Hin- und Herwedeln der Nadel mit leichter Ruderbewegung

„Der blau-grüne Drache wedelt mit dem Schwanz“. a) Nadel herunter biegen. Spitze zeigt auf den Krankheitsherd. Ausgangsstellung. b) Nadel wie ein Ruder hin- und c) herbewegen

„Der weiße Tiger schüttelt seinen Kopf“. a) Daumen vorstrecken (Nadel wird leicht vorgeschoben). b) Daumen zurückziehen (Nadel wird leicht angehoben)

Wegfliegen, stärkende Variante, mit Ausgangsstellung, Variante 1

Wegfliegen, stärkende Variante, mit Ausgangsstellung, Variante 2

Wegfliegen, ableitende Variante, mit Ausgangsstellung, Variante 1

Wegfliegen, ableitende Variante, mit Ausgangsstellung, Variante 2

Das yin (versteckt sich) im yang (Ablauf): Zuerst stärken (1), dann ableiten (2)

Das yang (versteckt sich) im yin (Ablauf): Zuerst ableiten (1), dann stärken (2)

Die drei Schichtebenen eines Punktes

„Feuer, das den Gebirgswald abbrennt“ (shao shan hao): Stärkende Methode

„Das Kühlende des Himmels einströmen lassen“ (tou tian liang): Ableitende Methode

„Der Drache steigt ab, der Tiger steigt empor“

„Die grüne Schildkröte sucht den Punkt“

(Abb. modifiziert nach E. Kitzinger, 1995 und C. C. Schnorrenberger, 1984)

„Fliegender roter Phönix“

Oberflächliche Nadeltechniken. a) Mao ci b) Ban ci c) Fu ci d) Zhi ci

Tiefe Nadeltechniken a) Fen ci b) Duan ci c) Shu (gu) ci d) Guan ci e) Hui ci

Mehrfach Stechen a) Bao ci b) He gu ci c) Qi ci d) Yang ci e) Bang ci

Halten des PflaumenblütenhämmerchenPflaumenblütenhämmerchens

Therapiezonen und Praxis der AkupunkturMikroaderlass:mit PflaumenblütenhämmerchenLinienführung mit dem PflaumenblütenhämmerchenPflaumenblütenhämmerchen. a) Ventrale Seite (yin) mit Extremitäten. b) Dorsale Seite (yang) mit Extremitäten. c) Gesichtsregion. d) Seitliche Kopfregion

Überprüfung auf vorhandenes sha: Kurzfristig Druck auf die betroffenen Regionen ausüben, Finger schnell wegziehen und Entwicklung „weißer Flecken“ beobachten

gua sha-Technik: Schabematerial in einem 30° Winkel zur Haut sanft über die Behandlungsregion drücken, bis keine erneuten Petechien mehr entstehen

gua sha-Technik: Empfohlene Strichfolge und -richtung (modifiziert nach Arya Nielsen, 1995). a) Allgemeine Strichfolge. b) Strichrichtung in der Halsregion. c) Strichrichtung auf der dorsalen Körperseite. d) Strichrichtung auf der ventralen Körperseite

Moxazigarre im Bereich der Schulter (a) und die Varianten bei der Moxazigarren-Anwendung (b), z. B. punktuelle Moxibustion, „Vogel-Pick-Methode“, kreisende Moxibustion.

Wärme- oder Moxanadel. a) Moxakraut auf der Nadel und Unterlagen zum Schutz des Patienten vor herabfallender Asche (aus Chirali, 2002). b) Moxakubus auf einer Nadel

Moxakasten

Moxakegel oder -hütchen

Moxibustion mit „Zwischenlage“, z. B. Bauchnabel-Moxen (a und b)

Schröpftechnik. a) Alkoholgetränkten Tupfer entzünden. b) Kurzfristige Vakuum-Erzeugung im Schröpfglas. c) Rasches Aufdrücken des erhitzten Schröpfglases auf die Haut der zu therapierenden Zone; die Haut wird durch das Vakuum eingesogen. d) Schröpfglas entfernen: Unterstützungshand hält den Schröpfkopf; mit dem Finger die Haut am Glasrand herunterdrücken, um das Vakuum aufzuheben.

Schröpftechnik, Grad der Saugwirkung: Unterteilung in schwaches, mittleres und starkes Schröpfen

Schröpfkopfmassage: Der Schröpfkopf wird über das zuvor eingeölte Hautareal gezogen.

Blutiges Schröpfen (aus Chirali 2002)

Schematische Darstellung des blutigen Schröpfens

Indikationenliste der Akupunktur nach Fachgebieten der westlichen MedizinPraxis der AkupunkturPraxis der AkupunkturIndikationenIndikationen

Tab. 7.1
Erkrankungen des Stütz- und Bewegungssystems
Arthralgien, Arthrosen M 19.9 LWS-Syndrom, Lumbago, Ischialgie M 54.5
Arthritis, rheumatoide Arthritis M 13.9 Morbus Sudeck M 89.0
BWS-Syndrom, Thorakalsyndrom M 54.1 Myofasziales Schmerzsyndrom M 79.1
Epikondylopathie, Karpaltunnelsyndrom G 56.0 Periarthritis humeroscapularis M 75.0
Gonarthrose, Gonalgie M 17.9 Pseudoradikulärsyndrom M 54.1
HWS-Syndrom, zervikale Spondylitis M 47.8 Radikulärsyndrom M 54.1
Kokzygodynie M 53.3 Schulter-Arm-Syndrom, frozen shoulder M 54.1
Koxarthrose, Koxalgie M 25.5 Tendinopathie, Achillodynie M 76.6
Lumbosakrales Schmerzsyndrom M 54.1 Torticollis M 43.6
Neurologische Erkrankungen
Atypischer Gesichtsschmerz G 50.1 Minimale zerebrale Dysfunktion G 93.9
Entwicklungsstörungen im Kindesalter F 89.0 Phantomschmerz, Stumpfschmerz G 54.6
Interkostalneuralgie, Zosterneuralgie G 58.0 Polyneuropathie, Parästhesie G 62.9
Kopfschmerz, Migräne R 51 (G 43.9) Trigeminusneuralgie G 50.0
Lähmungen, Hemiparese, Fazialisparese G 83.9 Vegetative Dysfunktion G 45.9
Zerebrale Anfallsleiden G 45.9
Psychische und psychosomatische Störungen und Erkrankungen
Bulimie, Adipositas E 66.9 Psychovegetatives Syndrom, Unruhezustand R 45.1
Depressive Verstimmung, Depression F 32.9 Schlafstörungen, Erschöpfungszustand G 47.8
Entgiftungsbehandlung und Therapiebegleitung bei Suchterkrankungen, z. B. Alkohol, Nikotin, Arzneimittel, illegale Drogen F 15.4
Bronchopulmonale Erkrankungen
Asthma bronchiale J 45.9 Hyperreagibles Bronchialsystem J 44.8
Bronchitis, Pseudokrupp J 38.5
Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Durchblutungsstörungen J 99.0 Hypertonie, Hypotonie J 10.0
Funktionelle Herzerkrankungen J 51.8 Stenokardie, koronare Herzkrankheit J 20.8
Herzrhythmusstörungen J 49.9
Gastrointestinale Erkrankungen
Cholangitis, Cholezystitis K 83.0 Obstipation, Diarrhö K 59.0
Funktionelle Magen-Darm-Störung K 92.9 Ösophagus, Gastritis, Gastroenteritis K 29.7
Gallenwegdyskinesie, Hepatitis K 82.8 Singultus, Hyperemesis K 06.6
Kolitis, Colitis ulcerosa K 52.9 Ulcus ventriculi, Ulcus duodeni K 25.9
Colon irritabile, Morbus Crohn K 58.9
Urologische Erkrankungen
Zystitis, Prostatitis N 30.9 Harninkontinenz N 39.4
Enuresis nocturna R 32.- Impotenz N 48.4
Funktionelle Störungen des Urogenitaltrakts, Reizblase N 32.8 Pyelonephritis N 12.-
Gynäkologische Erkrankungen
Adnexitis, Salpingitis N 70.1 Klimakterisches Syndrom N 95.9
Fertilitätsstörungen, Frigidität N 97.9 Mastopathie N 60.1
Geburtserleichterung, Laktationsstörung O 92.7 Prämenstruelles Syndrom N 94.3
Geburtsvorbereitung, Geburtseinleitung O 63 Zyklusstörungen, Dysmenorrhö N 92.6
Hals-Nasen-Ohren-Erkrankungen
Geruchsstörung, Geschmacksstörung R 43.8 Otitis H 62.0
Hörsturz, Schwerhörigkeit, Tinnitus H 93.1 Pollinosis J 30.1
Labyrinthitis H 83.0 Rezidivierende Stomatitis K 12.1
Morbus Menière, Schwindel, Reisekrankheit H 81.0 Rhinitis, Sinusitis, Tonsillitis J 31.0
Stimmstörungen R 49.8
Augenerkrankungen
Glaukom H 40.- Retinitis pigmentosa, Makuladegeneration H 30.9
Konjunktivitis, Blepharitis, Uveitis B 30.- Visusschwäche H 53.9
Hauterkrankungen
Akne vulgaris, Furunkulose L 70.0 Ulcera cruris, schlecht heilende Wunden T 79.3
Entzündliche Hauterkrankungen L 23.9 Urtikaria L 50.-
Herpes simplex, Psoriasis L 40.9
Neurodermitis, atopisches Ekzem L 20.8
Sonstiges
Immunstörungen D 84.9 Posttraumatischer Schmerz G 44.3
Kollaps, Schockzustand R 55.- Tumorschmerz R 52.1
Postoperativer Schmerz, Zahnschmerz K 08.8

Indikationenliste erstellt 1996 von DÄGfA, DAGD, DgfAN, SMS, FATCM

Empfehlungen für Nadelgrößen (Angaben in mm)

Tab. 7.2
Therapiebereiche Ohrakupunktur Gesichtsakupunktur Körperakupunktur
Kleinkinder 0,20 × 15,
0,16 × 30 (∗∗)
0,20–0,25 × 15–25,
0,12 × 30 (∗∗)
0,20 × 15–25,
0,12–0,16 × 30 (∗∗)
Kinder bis 14 Jahre 0,20 × 15–25 0,20–0,25 × 20–40,
0,16 × 30 (∗∗)
0,25–0,30 × 20–50,
0,25 × 40 (∗∗) und
0,30 × 50 (∗∗)
Erwachsene 0,20–0,30 × 10–30 0,20–0,30 × 20–30,
0,16 × 30 (∗∗)
0,25–0,35 × 25–60
Schmerzempfindliche Patienten 0,20–0,30 × 10–15 0,20 × 15–25,
0,16 × 30 (∗∗) und
0,25 × 40 (∗∗)
0,20–0,25 × 15–40,
00,25 × 40 (∗∗) und
0,30 × 50 (∗∗)

Japanische Tubennadeln bevorzugen

∗∗

Empfehlenswerte Nadelgrößen bei japanischen Tubennadeln

Stärkung und Ableitung durch RotationstechnikDrehtechnikBasismanipulationstechnikenRotationstechnik

Tab. 7.3
Stärkung Ableitung
Leitbahnen/Flussrichtung Bei den 3 Hand-yang-Leitbahnen (Hand zum Kopf) sowie 3 Fuß-yin-Leitbahnen (Füße zum Rumpf): qi-Flussrichtung nach kranial Bei den 3 Hand-yin-Leitbahnen (Brust zu Händen) sowie 3 Fuß-yang-Leitbahnen (Kopf zu den Füßen): qi-Flussrichtung nach kaudal
Betonung der Drehrichtung Mit Betonung der Drehrichtung im Uhrzeigersinn (nach rechts): Daumen beim Hin- und Herdrehen ruckartig nach vorne ausstrecken (Abb. 7.19b) und dann sanft zurückziehen(Abb. 7.19c) Mit Betonung der Drehrichtung gegen den Uhrzeigersinn (nach links): Daumen beim Hin- und Herdrehen ruckartig nach hinten zurückziehen (Abb. 7.19c) und sanft wieder nach vorn ausstrecken (Abb. 7.19b)
Leitbahnen/Flussrichtung Bei den 3 Hand-yin-Leitbahnen (Brust zu Händen) sowie 3 Fuß-yang-Leitbahnen (Kopf zu den Füßen): qi-Flussrichtung nach kaudal Bei den 3 Hand-yang-Leitbahnen (Hand zum Kopf) sowie 3 Fuß-yin-Leitbahnen (Füße zum Rumpf): qi-Flussrichtung nach kranial
Betonung der Drehrichtung Mit Betonung der Drehrichtung gegen den Uhrzeigersinn (nach links): Daumen beim Hin- und Herdrehen ruckartig nach hinten zurückziehen (Abb. 7.19c) und sanft wieder nach vorne ausstrecken (Abb. 7.19b) Mit Betonung der Drehrichtung im Uhrzeigersinn (nach rechts): Daumen beim Hin- und Herdrehen ruckartig nach vorne (Abb. 7.19b) ausstrecken und dann sanft zurückziehen (Abb. 7.19c)

Wichtige Indikationen für Mikroaderlass mit der Praxis der AkupunkturMikroaderlassMikroaderlassAkupunkturmethoden:ergänzendeDreikantnadel

Tab. 7.4
Indikation Punkte Technik
Kopfschmerzen Ma 8, Du 20 Punktion
Kopfschmerzen, Augenschmerzen, -rötung, Rhinitis Ex-HN 3 (yintang) Punktion
Kopfschmerzen, fieberhafte Erkältungskrankheiten, Augenschmerzen, -rötung Ex-HN 5 (taiyang) Punktion oder Streustiche
Fieber, Tonsillitis, Augenschmerzen, -rötung, Hypertonus Ex-HN 6 (erjian), OP 72, die „3 Venen hinter dem Ohr“ auf der Ohrmuschel Venenpunktion
(V. auricularis post.)
Fieber, Bewusstlosigkeit, Hitzschlag, Parästhesien der Finger Ex-UE 11 (shixuan) oder Brunnen-jing-Punkte (4.1.6) der Hand-Leitbahnen Punktion
Windsymptome (hypertonischer Schwindel, Apoplex, Schock, Taubheit, Lähmungserscheinungen, Hautjucken), Schmerzen (Lumbago, Halsschmerzen, Kopfschmerzen, Migräne, Arthralgie) Infektionskrankheiten (akute Diarrhö und Erbrechen), Husten, Röteln Brunnen-jing-Punkte (4.1.6) Punktion
Halsentzündungen, -schmerzen, Schwellungen von Mund und Zunge Lu 11, Lu 10 Punktion
Entzündungen der Mund-/Rachenhöhle, Asthma bronchiale Lu 10 Punktion oder Streustiche
Stomatitis He 7 Punktion
Hitzschlag, thorakales Beklemmungsgefühl, Erbrechen Pe 3 Punktion oder Streustiche
Hitzschlag, thorakales Beklemmungsgefühl, Tonsillitis Lu 5 Punktion oder Streustiche
Hitzschlag, Lumbago, Wadenkrampf, Hautjuckreiz, Erbrechen, Diarrhö Bl 40 Punktion oder Streustiche
Appetitlosigkeit, Verdauungsstörungen Ex-UE 10 (sifeng) Punktion (v. a. Lymphflüssigkeit ausdrücken)
Meteorismus, Miktionsstörungen, Ulcus cruris, Beinödeme Mi 6, Mi 9 Punktion oder Streustiche
Handschmerzen, -schwellung, -parästhesien Ex-UE 9 (baxie) Punktion
Schmerzen im Hypochondrium, Fußzerrung oder -verrenkung Gb 40 Punktion oder Streustiche
Wadenkrampf Mi 1 Punktion
Fußschmerzen, -schwellung, -parästhesien Ex-LE 10 (bafeng) Punktion
Hautjuckreiz am ganzen Körper Di 4, Mi 10 Punktion oder Streustiche

Beispiele für Erkrankungen und mit gua sha zu behandelnde Zonen

Tab. 7.6
Erkrankung Nach sha suchen und mit gua sha zu behandelnde Zonen
Akuter fieberhafter Infekt (Wind-Kälte-Feuchtigkeit); Sinusitis, Bronchitis, Asthma bronchiale, Emphysem, Husten, Husten aufgrund von yin-Mangel Oberer Rücken, Nacken, Schultern und Thorax
Nackenschmerzen zusätzlich gua sha in der Okziputregion
Kopfschmerzen durch Blut-Stase, Stirnkopfschmerz (yangming, orbital), Mangel-xu-Kopfschmerz Oberer Rücken, Nacken, Schultern
Migräne, Clusterkopfschmerz, Loderndes Feuer von Magen, Gallenblase oder Leber zusätzlich seitliche Nackengegend
Hinterkopfschmerz (taiyang) zusätzlich entlang beider Bl-Leitbahnen
Seitenkopfschmerz (shaoyang) zusätzlich entlang beider SJ-Leitbahnen
Schädeldachkopfschmerz zusätzlich mittlerer Rücken
Zahnschmerzen, Trigeminusneuralgie, Fazialisparese, Augenprobleme Oberer Rücken, Nacken, Schultern
Ohrerkrankungen zusätzlich seitliche Nackengegend
Schmerzen im oberen Rücken Oberer Rücken, Nacken, Schultern bis mittlerer Rücken
Thoraxschmerzen, Palpitationen,Angina pectoris, KHK Oberer und mittlerer Rücken, medialesSchulterblatt, Nacken, Schultern, Sternum
Schmerzen im Bereich der oberenExtremitäten Oberer Rücken, Schulter, Nacken,mittlerer Rücken

Wichtige Indikationen und Punkte zum Moxen

(aus Leitfaden CM, 6. Auflage 2010)

Tab. 7.7
yang-Mangel Du 4, Ma 36, Mi 6, Ren 6
Kälte vertreiben yuan- oder Untere-Meer-xiahe-Punkte, shu- oder mu-Punkt
Infektanfälligkeit, chronische Bronchitis (Lungen-qi-Mangel) Du 12, Bl 12, Bl 13, Ren 17
Spannungskopfschmerz (Milz-qi-Mangel) Bl 20, Ma 36, Mi 6, Ren 6, Ren 12
Chronische Gastritis (Kälte in Milz und Magen) Bl 20, Bl 21, Ma 36, Mi 9, Ma 21, Ren 12
Diarrhö bei Kälte im Dickdarm Bl 20, Bl 21, Bl 25, Ma 37, Ma 25
Lumbalgie (Nieren-qi-Mangel, Kälte-Obstruktion) Bl 22 bis Bl 25, Du 4, Bl 52, Bl 60, Ren 4
Enuresis noctura (Nieren-yang-Mangel) Ren 4, Bl 23, Ni 7, Ren 6

Praxis der Akupunktur

C. Focks

  • 7.1

    Allgemeines608

    • 7.1.1

      Indikationen und Kontraindikationen608

    • 7.1.2

      Komplikationen und Nebenwirkungen612

    • 7.1.3

      Technische Voraussetzungen614

    • 7.1.4

      Praktische Voraussetzungen616

    • 7.1.5

      deqi618

    • 7.1.6

      Stichwinkel619

    • 7.1.7

      Stichtiefe620

  • 7.2

    Einstichtechniken621

    • 7.2.1

      Nadelhaltung bei Einstich und Manipulationstechniken621

    • 7.2.2

      Unterstützung der linken Hand beim Einstechen623

    • 7.2.3

      Einhandtechnik624

    • 7.2.4

      Weitere Einstichtechniken626

  • 7.3

    Techniken, die deqi auslösen, weiterleiten und erhalten628

    • 7.3.1

      Einführung628

    • 7.3.2

      Techniken, die deqi auslösen628

    • 7.3.3

      Techniken, die deqi verstärken und weiterleiten631

    • 7.3.4

      Techniken, die deqi (er-)halten (shou qi)634

  • 7.4

    Basismanipulationstech-niken635

    • 7.4.1

      Einführung635

    • 7.4.2

      Basismanipulationstechniken zum Stärken (bu) und Ableiten (xie)636

  • 7.5

    Komplexe Nadeltechniken642

    • Einführung642

    • 7.5.2

      Ausgeglichene oder neutrale Techniken (ping bu ping xie)642

    • 7.5.3

      Nadeltechniken in einer Schichtebene643

    • 7.5.4

      Nadeltechniken innerhalb von 2 Schichtebenen650

    • 7.5.5

      Kombinierte Nadeltechniken, die zwischen 3 Schichtebenen durchgeführt werden652

    • 7.5.6

      dao qi657

    • 7.5.7

      Moderne Unterteilungen der (klassischen) Akupunkturtechniken658

  • 7.6

    Die Akupunktur ergänzende Methoden667

    • 7.6.1

      Mikroaderlass667

    • 7.6.2

      Moxibustion675

    • 7.6.3

      Schröpfen679

    • 7.6.4

      Indikationen für Mikroaderlass mit Schröpfen und Moxibustion685

Allgemeines

Der Inhalt dieses Kapitels basiert auf der praktischen Erfahrung der Autoren, Studien in der VR China, Seminarunterlagen, Lehrvideos und Literatur, die im Anhang dieses Buches aufgeführt ist (▸ Anhang).

Indikationen und Kontraindikationen

Indikationen
Hauptindikation der Akupunktur ist die Behandlung von chronischen Praxis der AkupunkturSchmerzen sowie von funktionellen und psychosomatischen IndikationenStörungen im weitesten Sinne. Viele Funktions- und Befindlichkeitsstörungen, die von der westlichen Medizin nicht weiter diagnostisch und therapeutisch differenziert werden, lassen sich mit der Syndromdifferenzierung der Chinesischen Medizin erklären, einordnen und erfolgreich behandeln.
Fachgerecht angewandt, kann die Akupunktur als weitgehend nebenwirkungsfreie Methode unter Beachtung weniger relativer Kontraindikationen (7.1.1) bei den nachfolgend aufgeführten Erkrankungen lindern oder heilen (Tab. 7.1). Voraussetzung ist immer eine klare Diagnosestellung gemäß westlicher Medizin vor Behandlungsbeginn. Als adjuvante Methode ist ihr Einsatz auch bei malignen Erkrankungen zur Schmerzlinderung und in Kombination mit anderen Schmerzverfahren berechtigt.
Kontraindikationen
  • Akute (lebensbedrohliche) Erkrankungen wie z. B. Praxis der Akupunkturallergisches Ödem, Hypertonie, Krise oder Status asthmaticus

  • KontraindikationenErkrankung mit akutchirurgischer Interventionspflicht: Z. B. Ileus, Perforation im Gastrointestinal-Trakt

  • Erhöhte Blutungsneigung, z. B. bei Faktorenmangel, ausgeprägter Thrombozytopenie, Einnahme von Antikoagulanzien wie Phenprocoumon-Marcumar®, Falithrom®, Coumadin® etc. In diesen Fällen: Ausweichen auf Laserakupunktur, Moxibustion (7.6.2), TENS (Transkutane elektrische Nervenstimulation) möglich. Anmerkung: Unter Low-dose-Heparinisierung (z. B. im Rahmen einer Gestosebehandlung oder Arthroskopie oder Sectio) darf eine Nadelakupunktur durchgeführt werden

  • Präfinalstadien

  • Punktlokalisation in verletzten oder geschädigten Bereichen: Verbrennungen, Hautinfektionen, Ekzeme u. a.

  • Psychische Störungen (relativ): Z. B. Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen mit schizoider, manischer bzw. affektiver Komponente mit starker Plus-Symptomatik (Gefahr der Abwehrreaktion bei der Nadelung)

  • Schwangerschaft (relativ): Cave bei Di 4, Mi 6, Bl $Di 460, Bl $Mi 667 sowie den Punkten in der Abdomenregion; starke $Bl 60Stimulation immer vermeiden.

Wichtig

Vor dem Beginn einer Akupunkturtherapie sollte eine klare Diagnosestellung aus westlich-medizinischer Sicht stehen. Durch eine Akupunkturbehandlung darf nicht die Diagnose einer schwerwiegenden Erkrankung übersehen oder deren Feststellung verzögert werden. Eine Akupunkturtherapie darf nicht durchgeführt werden, wenn die Reserven des Organismus zur funktionellen Selbsthilfe erschöpft sind oder eine andere Behandlungsmethode anerkanntermaßen wirksamer ist bzw. die Akupunktur ist dann nur z. B. im Rahmen einer adjuvanten Therapie möglich und zu diskutieren.

Komplikationen und Nebenwirkungen

Nadelkollaps
Ursachen: Gefahr des $Bl 67KomplikationenNadelkollaps bei geschwächten und/oder asthenischen NebenwirkungenPatienten, bei Nadelung im Sitzen oder Stehen, im „Hungerzustand“ oder Nadelkollapsdirekt nach einer Hauptmahlzeit, bei übermäßiger Nadelangst und körperlichem Anspannungszustand des Patienten, nach starkem Schwitzen oder bei Anämie (Hypotonie) und bei zu starker (ableitender) Nadeltechnik.
Gegenmaßnahmen: Die Nadeln sofort wieder entfernen, Schocklagerung und den Patienten warm halten, ggf. ein warmes Getränk trinken lassen oder andere (schulmedizinische), den Kreislauf stabilisierende Maßnahmen einsetzen, falls erforderlich, sowie eine entsprechende Dokumentation.
Notfallpunkte: Du 20, Du 26, Pe $Du 206 und Ni 1. $Du 26
Prophylaxe: Den Patienten psychologisch auf $Pe 6die Akupunktur vorbereiten durch ein einfühlsames Gespräch und $Ni 1Patientenmerkblatt. Die Erstsitzung sollte nach Möglichkeit immer im Liegen durchgeführt werden mit zunächst nur milder Stimulation. So wenig Nadeln wie möglich, so viele wie nötig einsetzen. Kurzer Hinweis vor jedem Nadeleinstich. Die Füße des Patienten warm halten (Kirschkernsäckchen, Decken, Rotlicht). Cave: Bei sehr empfindlichen NadelkollapsPatienten ist auch im Liegen ein Kollaps möglich!
Blutung oder Hämatom
Ursachen: Zu einer KomplikationenNebenwirkungenBlutung oder einem Hämatom kommt es meist, wenn ein größeres Gefäß, insbesondere Blutungin HämatomGelenknähe, punktiert sowie eine zu starke (ableitende) Nadeltechnik durchgeführt wurde, vor allem Praxis der Akupunkturkurz vor der Nadelentfernung.
Vorgehen: Dokumentation. Kompression der Punktionsstelle bei der Nadelentfernung besonders bei Einsatz von Antikoagulanzien oder Gerinnungshemmern beim Patienten. Cave: Im Gebiet großer Arterien wie z. B. Bl 40 gute Nachkontrollen durchführen (Einzelfalldarstellung eines Aneurysmas nach Punktion veröffentlicht). Kalte $Bl 40Kompressen sind nur bei kleinen Gefäßen sinnvoll. Herparinsalbe ist aus pharmakologischer Sicht nicht hautgängig, dagegen ist Hirudin gut hautgängig. Cave: Wegen fibrinolytischer Wirkung kommt es manchmal zu Nachblutungen. Hilfreich wirkt Ringelblumensalbe (Kontraindikation Korbblüterallergie!), da die Resorption des organisierten Hämatoms beschleunigt wird bei weitestgehender lokaler Infektionsprophylaxe.
Prophylaxe: Da es bei Punkten im Gebiet großer Arterien vereinzelt auch zu arteriovenösen Fisteln, Aneurysmen und Thrombosen kommen kann, sollte die Indikation bei Patienten mit entsprechender Vorgeschichte und/oder gerinnungshemmender Medikation kritisch gestellt werden. Vorherige orientierende Palpation auf Pulswellen bei kritischen Punkten vornehmen. Kritische Punkte sind z. B. Bl 39, Bl 40, Lu 9, He $Bl 397, Lu $Lu 95 und Pe $He 73, da hier Variationen des Arterienverlaufs $Lu 5existieren können. Empfohlen wird außerdem die Verwendung von $Pe 3Einmalsterilnadeln, da hierbei die Nadelspitze weniger traumatisierend ist.
Infektionen
Ursachen: Invasive Verfahren bergen das Risiko, dass Mikroorganismen in den Körper des Patienten eingebracht werden können. Durch Infektionunzureichende Hautdesinfektion bei gefährdeten Patienten und bei Dauernadeln, unzureichender Sterilisation bei wieder verwendbaren Nadeln sowie „Vergessen von Dauernadeln“ (vor allem in der Ohrakupunktur) ist die Infektionsgefahr größer. Zudem besteht bei Patienten mit reduziertem Allgemeinzustand und geschwächter Immunitätslage z. B. bei systemischer Kortikoidbehandlung oder Systemerkrankungen wie Diabetes mellitus das Risiko einer systemischen Infektion.
Vorgehen: Dokumentation. Therapie entsprechend dem Schweregrad der Infektion nach den üblichen (schulmedizinischen) Richtlinien.
Prophylaxe: Sorgfältige Hautdesinfektion (mehrfache Desinfektion der Haut über Akupunkturzonen über 5 min) bei Risikopatienten (Patienten mit reduziertem AZ mit herabgesetzter Immunabwehr, z. B. bei systemischer Kortikoidbehandlung oder Systemerkrankungen wie Diabetes mellitus). Verwendung von Einmalsterilnadeln, sachgerechte Sterilisation bei wiederverwendbaren Nadeln. Bei Verwendung von Dauernadeln: Nadeln rechtzeitig wieder entfernen in der Körperakupunktur nach 2–3 Tagen, in der Ohrakupunktur nach max. 4–5 Tagen oder jeweils sofort bei Infektionszeichen (Ausnahme: semipermanente Ohrnadelung bis zu 4 Wochen bzw. sofort bei Infektionszeichen).
Bei Nicht-Risikopatienten wird in Bezug auf die Hautdesinfektion in der gängigen Praxis oft folgendermaßen verfahren: Durch die kaum vorhandene Keimverschleppung in die Tiefe bei der Akupunktur (kein Stanzzylinder), der kurzen Verweildauer sowie der schlechten Umweltbedingungen (Metalloberfläche der Nadel) ist ein durch eine Desinfektion unbeeinflusster ph von 5,5 vermutlich die beste Prophylaxe.
Akzidentelle Verletzung innerer Organe und Gewebe
Ursachen: Mögliche Ursachen einer akzidentellen Verletzung können Nichtbeachtung der Verletzung, akzidentelleStichtiefe Gewebeverletzungund OrganverletzungStichrichtung vor allem bei asthenischen Patienten oder KomplikationenPatienten mit Emphysem (cave: Pneumothorax), eine Nebenwirkungenunzureichende Nadeltechnik und mangelhafte anatomische Kenntnisse des Anwenders sowie ein unruhiger Patient mit reflektorischer Abwehrreaktion sein.
Praxis der AkupunkturVorgehen: Dokumentation. Wichtig ist das rechtzeitige Erkennen der Verletzung und die korrekte Einschätzung des Schweregrades. Die Therapie sollte entsprechend dem Ausmaß der Verletzung nach den üblichen schulmedizinischen Richtlinien, ggf. der Notwendigkeit einer stationären Aufnahme, erfolgen.
Prophylaxe: Entsprechende anatomische Kenntnisse und ausreichende Qualifikation des Behandlers. Bei der Nadelung die Hand abstützen, jeden Einstich vorher dem Patienten kurz mitteilen, damit er sich darauf einstellen kann. Bei der Nadelung an beweglichen Körperteilen mit der linken Hand die Extremität fixieren, den Kopf durch eine Abstützung (z. B. durch Nackenrolle oder Kopflochkissen) stabilisieren, in schwierigen Fällen Hilfspersonen einsetzen.
Festsitzende Nadel
Ursachen: Muskulärer Spasmus bei Triggerpunktnadelung, das Bindegewebe verdreht sich um die Nadel (v. a. bei starker Nadel, festsitzendeStimulationstechnik oder bei vorgeschädigten Nadeln), Nadelverbiegungen durch Patientenbewegungen oder bei unprofessioneller Nadeltechnik.
Vorgehen: Zunächst den Patienten beruhigen. Bei einer Verbiegung der Nadel durch eine Körperbewegung den Patienten bitten, wieder vorsichtig die Ausgangsposition einzunehmen. Dabei das angrenzende Gewebe um die festsitzende Nadel durch leichtes Beklopfen mit den Fingern entspannen und dann nach Lockerung versuchen, die Nadel vorsichtig zu entfernen. Cave: Eine festsitzende Nadel nie mit Gewalt herausziehen!
Prophylaxe: Mikromassage des Punktes vor Punktion, einwandfreies Nadelmaterial verwenden (am besten Einmalsterilnadeln). Die Nadeln nie bis zum Griff einführen. Den Patienten vor Nadelung optimal entspannend lagern, er sollte sich während der Akupunkturbehandlung möglichst nicht oder nur langsam bewegen (Patientenaufklärung vor der Behandlung, z. B. durch ein Patientenmerkblatt).
Sonstige Komplikationen
Schmerz beim Einstich: Vermeidung durch eine korrekte Lokalisation (Cave: Nerven, alte Narben, Haarporen) und Stichtechnik, z. B. vor dem Stechen den Punkt massieren, schneller durch die Haut stechen. Nadeltechnik verbessern z. B. durch Trockenübungen zur Stärkung der Fingerkraft mit festem Watteball.
Schmerz bei liegender Nadel: Kommt selten vor. Vermeidung durch leichtes Zurückziehen der Nadel; evtl. Nadellokalisation durch Stichrichtung und -tiefe revidieren.
Eingeschränkte Verkehrstüchtigkeit: Vermutlich bedingt durch endokrine Nachschwankungen mit verzögert auftretender Müdigkeit und Verlängerung der Reaktionszeit. Patientenaufklärung vor Behandlung, z. B. durch ein Patientenmerkblatt.
Erstverschlimmerung: Kommt selten vor. Vermeidung durch möglichst wenig Nadeln und Stimulation in der ersten Sitzung. Anders als in der Homöopathie kein erwartetes Phänomen. Ausnahme: Bei Behandlung eines außerordentlichen Gefäßes in den ersten drei Tagen oft Hinweis auf Regulation des Gefäßes und damit auf Therapieerfolg.

Technische Voraussetzungen

Nadelmaterial
Aufbau einer Akupunktur-Nadel
Der übliche Technische VoraussetzungenAufbau einer Akupunktur-NadelmaterialNadel (hao-Praxis der AkupunkturNadel) gliedert sich in Endstück (bei einigen chinesischen Nadeln mit „Auge“ – wichtig Akupunktur-Nadel, Aufbaufür bestimmte Manipulationstechniken), Nadelgriff, Nadelansatz oder -wurzel, den Nadelrumpf oder -körper sowie die Nadelspitze (Abb. 7.1).
Nadelqualität

Empfehlenswert aus Sicherheitsgründen und forensischen Erwägungen sind Einmal-NadelqualitätStahlnadeln. Vor allem in der französischen Ohrakupunktur kommen jedoch auch Gold- und Silbernadeln zur Anwendung.

Beschichtung der Nadelspitze (z. B. mit Silikon):
  • Vorteile: Verminderter Einstichschmerz, müheloseres Vorschieben.

  • Nachteile: Eventuelle Allergien, Gewebeirritation durch Fremdmaterial (durch zurückgebliebene Silikonreste).

  • Empfehlung: V. a. bei empfindlichen, allergiegefährdeten Patienten Einsatz von silikonfreien und unbeschichteten Nadeln. Verbesserung der Stichtechnik durch entsprechendes Training, damit die Nadelführung bei dem Hauteinstich und der Durchführung der Manipulationstechniken schmerzfreier gelingt.

  • Nadelgriff: Entweder aus einem Plastik- oder Stahlgriff oder einer Kupfer-Aluspirale. Ein unbeschichteter Spiralgriff aus Metall bietet Vorteile bei der Durchführung bestimmter Stimulationstechniken, da er meist „griffiger“ ist. Chinesische Nadeln bieten zudem den Vorteil, dass sie am Endstück (Kopf) ein so genanntes Auge besitzen und gezielte Rotationsbewegungen (90°/180°, d. h. ¼ Auge verschoben, bzw. 2⁄4 Auge verschoben) durchgeführt werden können. Da die Gefahr der Ablösung einer Beschichtung durch Wärmeeinwirkung oder einer Elektrolyse besteht, sollten bei der Behandlung mit Moxibustion nur unbeschichtete Nadelgriffe verwendet werden.

Nadelgrifftypen:
  • Japanischer Typ (zylindrisch: Spiralig, glatt oder profiliert): Dieser Typ ermöglicht das Aufsetzen der japanischen Moxacaps, die Moxa zum Erwärmen der Nadel aufnehmen können.

  • Chinesischer Typ: (Variante 1: Spiralig): Einmal oder wieder verwendbare Nadeln, gute Griffeigenschaften bei Stimulationstechniken. (Variante 2: Geflochten): Wieder verwendbare Nadeln, sehr gute Griffeigenschaft, sicher und gezielt zu manipulieren.

Nadelgrößen
Die Nadelgröße der Akupunkturnadel (hao-Nadel) unterteilt sich in Nadellänge und Nadelstärke bzw. -dicke. Tab. 7.2 gibt eine Übersicht über Technische Voraussetzungenhandelsübliche Nadelgrößen und Empfehlungen für die entsprechenden NadelmaterialEinsatzbereiche.
  • Nadellänge: In der Körperakupunktur wird eine Länge zwischen 25–50 mm standardmäßig eingesetzt.

    • Kürzere Nadeln (< 15 mm) finden bei muskelarmen Regionen, z. B. in der Ohr- und Gesichtsregion oder bei Kleinkindern und „Nadelängstlichen“ Verwendung.

    • Längere Nadeln (≥ 40 mm) werden für muskelreiche Körperregionen wie in der Gesäß- und Oberschenkelregion sowie in der chinesischen Schädelakupunktur eingesetzt.

  • Praxis der AkupunkturNadelstärke

    • Der übliche Durchmesser der Nadeln liegt meist zwischen 0,15–0,30 mm in Abhängigkeit von der Nadellänge.

    • Dicke Nadeln, die zudem oft länger sind, werden für muskelreiche Körperregionen eingesetzt und bieten den Vorteil, dass eine starke deqi-Sensation ausgelöst werden kann und mit ihnen technisch gute Manipulationen durchführbar sind. Als Nachteil werden sie jedoch vom Patienten oft als schmerzhafter empfunden. Zudem setzen sie eine sichere Nadelführung und -technik des Akupunkteurs voraus.

    • Dünne Nadeln, die zudem oft kürzer sind, werden in muskelärmeren Körperarealen eingesetzt wie z. B. in der Gesichts- und Ohrregion sowie bei Kindern, „Nadelängstlichen und -empfindlichen“.

Praktische Voraussetzungen

„Das Augenmerk auf nichts anderes richten,

die Nadel wie einen Tiger in der Hand betrachten,

den shen nicht ablenken lassen,

den Patienten wie einen Vornehmen behandeln.“

(Chinesisches Gedicht „biao you“)

Haltung des Therapeuten bei der Durchführung der Akupunktur
In der Interpretation bedeutet dieses Gedicht, Therapeutenhaltungdass die Nadel vom Therapeuten als sehr kraftvoll (wie Praktische Voraussetzungenein Tiger) eingeschätzt werden soll, damit auch die Akupunkturwirkung kraftvoll ist. Der Therapeut sollte daher bei der Nadelführung achtsam und konzentriert sein, bewusst die Patientenreaktionen auf die Behandlung wahrnehmen und das deqi (7.1.5) kontrollieren. Die Haltung gegenüber dem Patienten und seiner Erkrankung sollte von Demut und Respekt getragen sein.
Da das Erreichen des deqi und damit das Ansprechen der Behandlung wichtig ist, sollte der Akupunkteur vor der ersten Behandlung den Patienten auf mögliche Nadelempfindungen hinweisen.
Situative Voraussetzung des Patienten
Der Patient sollte:
  • weder unter Alkohol-,Patient, Voraussetzungen Drogen- noch Sedativaeinfluss stehen

  • nicht übermäßig erschöpft sein (Praxis der Akupunkturdann eher andere therapeutische Maßnahmen wie chinesische Pharmakotherapie, qigong etc. einsetzen)

  • kein starkes Hunger- oder Durstgefühl haben

  • nicht direkt nach einer reichhaltigen Mahlzeit akupunktiert werden

  • nicht ausgekühlt sein. Empfehlenswert: Erwärmung durch Deckenstrahler, Rotlicht im Fußbereich, leichte Woll- und Seidendecken, erwärmte Kastanien- oder Kirschkernsäckchen. Diese Maßnahmen dienen auch der Verhinderung einer Auskühlung während einer Akupunkturbehandlung.

Patientenlagerung
Vorteilhaft für eine entspannte Lagerung sind breite Patientenliegen und Lagerungshilfen wie Kissen, Nacken- oder PatientenlagerungKnierollen. Der z. T. entkleidete Patient sollte mit leichten Seiden- oder Wolldecken zugedeckt werden. Die Fußregion kann mit vorgewärmten Kastaniensäckchen oder einem Infrarotstrahler warm gehalten werden.
Folgende Lagerungen werden unterschieden:
  • Rückenlage: Standardlagerung zur Prophylaxe eines Nadelkollaps und zur besseren Entspannung des Patienten während der Akupunktursitzung.

  • Nachteil: Nadelung von Rückenpunkten bei dieser Lagerung nur bedingt möglich. So können die Rücken-shu-Punkte (4.1.4) vor der Lagerung auch flach subkutan zur Wirbelsäule hin gerichtet genadelt werden. Danach kann sich der Patient während der Nadelverweildauer auf den Rücken legen, die Nadeln vorher evtl. mit Pflasterstreifen fixieren.

  • Bauchlage: Bei der Nadelung von Punkten der Blasen-Leitbahn in der Rückenregion oder zur Moxibustions- oder Schröpfkopfbehandlung von Rückenpunkten.

  • Nachteil: Diese Position wird v. a. von Rückenschmerzpatienten oft nicht über längere Zeit toleriert. Die Unterstützung des Brustkorbes durch ein Kissen sowie eine Knierolle in der Fußgelenkregion können zu einer größeren Entspannung beitragen.

  • Seitenlage: Günstig bei der Nadelung der lateralen Beinseiten, der lateralen Rippenregion sowie bei gleichzeitiger Nadelung der Rücken- und Bauchpunkte.

  • Nachteil: Problematische Punktlokalisation der Rücken- und Bauchpunkte durch unübersichtliche Anatomie sowie oft nicht optimale Entspannung des Patienten.

  • Sitzende oder stehende Lagerung:Patientenlagerung Hierbei werden die meisten Punkte gut erreicht. Vorteilhaft ist diese Lagerung auch bei der Ausführung von Bewegungsübungen des Patienten im Rahmen Praktische Voraussetzungeneiner Fernpunktstimulation (4.2.1). Im Sitzen ist es möglich, den Kopf durch eine Stuhllehne abzustützen, z. B. bei der Nadelung in der Hals- oder Nackenregion (je nach Punktlokalisation mit Überstreckung oder Beugung im HWS-Bereich). Bei sitzendem Patienten können die Arme zur Nadelung der Arm- sowie Handpunkte bequem auf einem Tisch oder der Liege gelagert werden bzw. bei einem Stuhl auf entsprechenden Armlehnen.

  • Nachteil: Größere Kollapsgefahr und geringere Entspannung des Patienten.

deqi

Im 1. Kapitel des Ling Shu heißt es:

„Das Wesentliche in der deqiAkupunktur ist das Ankommen des qi … Die Praxis der AkupunkturAkupunkturnadel ist deshalb einzigartig, weil sich um sie herum das qi sammelt (deqi oder die Nadelreaktion). Die Bedeutung, das qi zu erreichen, kann nicht überbetont werden, weil davon die Wirksamkeit der Behandlung abhängt.“

(Robert Johns 1999)

Einführung
Das deqi beschreibt das „Nadelgefühl“ während der adäquaten Reizung eines Akupunkturpunktes. Das Erreichen dieser Sensation ist ein Kriterium, ob ein Punkt in seiner Lokalisation und Tiefe korrekt getroffen und aktiviert wurde. Durch die Anwendung der verschiedenen Nadelstimulationstechniken wird versucht, die deqi-Sensation auszulösen, weiterzuleiten und zu unterhalten. Gleichzeitig kann die deqi-Auslösung als prognostisches Kriterium gewertet werden: bei schnell und einfach auszulösender deqi-Sensation ist die Erkrankung vorrausichtlich gut durch Akupunktur beeinflussbar, bei nur träger oder gar keiner Nadelsensation ist die Störung erschwert oder nicht mit Akupunktur therapierbar.
Charakteristika des deqi beim Patienten
Nach dem spitzen Einstichschmerz und während des Vorschiebens der Nadel empfindet der Patient bei korrekter Punktlokalisation das so genannte deqi-Gefühl, auch „propagated sensation along the channel“ (PSC). Typischerweise empfunden werden ein dumpfer Druck, Spannung oder ein dumpfes Ziehen, ein Wärme- oder Schweregefühl, manchmal auch eine elektrisierende oder kribbelnde Ausstrahlung am Punkt. Idealerweise breitet sich diese Empfindung wie eine dumpfe oder kribbelnde Sensation entlang der Leitbahnen aus, häufig nach proximal. Das deqi unterscheidet sich deutlich von dem Punktionsschmerz, wird aber nicht immer als angenehm vom Patienten empfunden. Den Patienten daher vorab über diese Sensation ausreichend informieren, z. B. zusätzlich durch ein Patientenmerkblatt.
Die Intensität des deqi variiert je nach Körperareal in Abhängigkeit von der Innervierungsdichte des Gewebes und wird zudem von der Patientenkonstitution und dem Schweregrad der Erkrankung beeinflusst. Nach Kitzinger (1995) zeigt sich eine gewisse Dominanz bei der Qualität des deqi bezogen auf die Gewebestruktur: Am Nervenstamm in 50 % der Fälle ein Taubheitsgefühl, in 21 % eine Ausdehnungsempfindung (Spannungsgefühl); am Periost überwiegend mit 50 % ein Wundheitsgefühl; in der Muskulatur meist ein Wundsein und eine Ausdehnungsempfindung (Spannungsgefühl) sowie an den Blutgefäßen oft ein Schmerz.
Charakteristika des deqi beim Akupunkteur

„Leicht, glatt und locker, dann fehlt sie noch.

Schwer, rau und fest, dann hat sie schon angesprochen.

Es scheint, als ob ein Fisch den Angelhaken nach unten zieht, wenn die Energie kommt.

Ist sie noch nicht da, hat man einen tiefen und leeren Eindruck, als befände man sich in einem ruhigen, geräumigen Saal.“

(„biao you“ chinesisches Gedicht; nach einer Übersetzung von C. Schnorrenberger 1984)

Die Empfindung des Akupunkteurs bei der Nadelung ist ein weiteres wichtiges Kriterium für die Beurteilung der korrekten deqiPunktion des Punktes. Wird der Punkt in seiner Tiefe korrekt getroffen und eine deqi-Sensation beim Patienten ausgelöst, spürt dies der Akupunkteur durch die Veränderung des Tonus des umliegenden Gewebes um die Nadel. Er empfindet einen leicht zusammenziehenden Widerstand bei der Nadelbewegung, die Nadel wird plötzlich „festgehalten“ wie ein gefangener Fisch am Angelhaken.
Qualität der deqi-Sensation bei einzelnen Erkrankungen
Der Therapeut sollte versuchen, die jeweils beschriebene Qualität der deqi-Sensation entsprechend der Erkrankung zu erzeugen. Dies Sensation, Qualitätgeschieht mit Unterstützung von verschiedenen Praxis der AkupunkturNadelmanipulationstechniken, die von Kapitel 7.3 bis 7.6 ausführlicher beschrieben sind.
  • Bei akuter Erkrankung mit Fülle-shi-Symptomen: eine starke, elektrisierende und ausstrahlende Nadelsensation erzeugen (ableitende Nadeltechniken 7.4.2).

  • Bei Apoplex, Krampfanfall oder Bewusstlosigkeit: Bei der Nadelung sehr schmerzhafter Punkte wie Du 26 (shuigou) und der Fingerendpunkte Ex-UE 11 (shixuan) $Du 26mit wiederbelebender und sedierender Wirkung eine oft schmerzhafte deqi-Sensation.

  • $Ex-UE 11Bei Organprolaps oder Descensus: ein ziehendes, anhebendes Gefühl, z. B. Stimulationstechnik an Ex-CA 1 (zigong) (7.3.3, Drehen).

  • Bei Kälte- und Mangel-Syndrom: eine erwärmende Nadelsensation, $Ex-CA 1z. B. durch die Anwendung der Kombinationstechnik shao shan hao (7.5.5, Abb. 7.32)

  • Bei Hitze- und Fülle-Syndrom: eine kühlende Nadelsensation, z. B. durch die Anwendung der Kombinationstechnik tou tian liang (7.5.5, Abb. 7.33)

  • Bei Rekonvaleszenten und schwachen Patienten möglichst nur milde und sanfte Nadelsensationen auslösen (neutrale oder stärkende Nadeltechniken 7.5.2, 7.4.2). Cave: in diesen Fällen starke (ableitende) Nadelstimulationen vermeiden.

Stichwinkel

Der Stichwinkel ist abhängig von der Körperregion, der Muskeldicke und der Nadelstimulationstechnik, die für den Akupunkturpunkt Stichwinkeleingesetzt wird. Es werden verschiedene Stichwinkel differenziert, die ein unterschiedliches Gewebeniveau ansprechen (Abb. 7.2):
  • Senkrechter Stichwinkel (90°): In der Abdomen-, Extremitäten-, Lenden- und Gesäßregion sowie in den Bereichen mit dicker Muskel- und Fettschicht. Die Nadel dringt bei gleicher „Stichtiefe“ in tiefere Gewebeschichten ein.

  • Schräger Stichwinkel (30–60°): In Regionen mit dünner Muskelschicht oder in der Nähe von anatomischen Organstrukturen (Cave: Organverletzung). Die Nadel dringt bei gleicher „Stichtiefe“ in mittlere Gewebeschichten ein.

  • Flach und horizontal s. c. (< 15): Bei Akupunkturpunkten, die an sehr dünnen Muskel- und Fettschichten lokalisiert sind, z. B. Punkte in der Nähe von Knochen wie in der Schädelregion. Zusätzlich kann hier die Penetrationsmethode, z. B. subkutaner Durchstich von Ma 4–Ma 6 oder das subkutane Auffädeln $Ma 4mehrerer Akupunkturpunkte $Ma 6eingesetzt werden. Die subkutane Durchstich-Technik wird tw. im Gesicht, an den Händen Stichwinkelund Füßen sowie über Nerven und Gefäßen angewendet, wird im Westen aber eher kritisch eingeschätzt (bei Nadelung in der Nähe von Nerven und Gefäßen Gefahr der Auffädelung). Bei vasoaktiven Punkten ist der Tangentialstich entlang des Gefäßes oft therapeutisch wirksamer (z. B. Ma 42 entlang der A. dorsalis pedis).

Stichtiefe

Die $Ma 42Stichtiefe ergibt sich aus der topographisch-anatomischen Lage des Punktes sowie der für sie vorgeschriebenen Stichtiefe und Stichtiefeder geplanten Stimulationstechnik. Erreicht werden soll die Auslösung der deqi-Sensation (7.1.5) in bestimmter Tiefe der Nadel. In Kapitel 5 wird die Praxis der AkupunkturStichtiefe bei den einzelnen Punkten meist nur in groben Richtwerten angegeben, da sie von der individuellen Konstitution sowie der Lage des Punktes abhängig ist und sich daher auf Erwachsene mit durchschnittlicher Konstitution bezieht. In der Praxis die Stichtiefe nach folgenden Parametern modifizieren:
  • Alter des Patienten: Bei älteren Patienten und bei Kindern die Einstichtiefe verringern. qi und Blut sind bei ihnen schwächer ausgeprägt als bei Erwachsenen.

  • Konstitution des Patienten: Bei kräftigen und adipösen Patienten die Nadel eher tiefer einstechen als bei mageren oder geschwächten Patienten. Bei ängstlichen und nervösen Patienten kann das deqi oft schnell und stark ausgelöst werden, dann eher eine oberflächlichere Stichtiefe wählen. Dagegen bei einem Patienten, bei dem die Reaktion nur sehr langsam und relativ schwach eintritt, tiefer nadeln.

  • Erkrankungsort: Bei oberflächlichen Erkrankungen oberflächlicher, bei tiefer sitzenden Erkrankungen tiefer nadeln.

  • Region: Eher oberflächlicher nadeln bei Akupunkturpunkten auf Kopf, Brust und Rücken, eher tiefer nadeln bei Akupunkturpunkten auf den Extremitäten, in Hüft- und Bauchregion mit tiefer gelegener Muskulatur.

  • Pathologie: Eher oberflächlicher nadeln bei yang-Syndromen und akut aufgetretenen Störungen; eher tiefer nadeln bei yin-Syndromen und chronischeren Störungen.

Einstichtechniken

Nadelhaltung bei Einstich und Manipulationstechniken

Nadellage auf dem Zeigefinger

Unterstützung der linken Hand beim Einstechen

„Die linke Hand drückt mit Kraft, um das qi zu zerstreuen.

Die rechte führt die Nadel leicht und langsam ein, damit die Patienten keine Schmerzen verspüren“.

(„biao you“ chinesisches Gedicht – nach der Übersetzung von C. Schnorrenberger, 1984)

Eine korrekt durchgeführte und schmerzarme Nadeltherapie ist prinzipiell auf die Koordination beider Hände angewiesen. Die meist rechte Stichhand ist die „Haupthand“. Auch Linkshändern empfehlen chinesische Ärzte eher die Nadeltechnik mit der rechten als Haupthand zu üben und Praxis der Akupunkturzu erlernen.
Die linke Hand ist dann sozusagen die „Unterstützungshand“ und erfüllt mehrere Funktionen:
  • den Punkt zu fixieren, damit die Nadel sicher in den Punkt eingeführt werden kann

  • der Rumpfverbiegung der stechenden Nadel entgegenzusteuern

  • Schmerzen beim Nadeleinstich zu vermindern

  • durch entsprechende Techniken die Akupunkturwirkung zu verstärken.

Nachfolgend beschriebene Einstichtechniken mit der (linken) Unterstützungshand werden unterschieden.
Fingernageldrücken
Das Punktareal wird durch einen Finger der Unterstützungshand fixiert. Es gibt mehrere Varianten, z. B. Fixation mit dem FingernageldrückenDaumen der linken Hand (Abb. 7.5a) oder Fixation durch den Zeigefinger der Unterstützungshand (Abb. 7.5b). Ebenso kann z. B. bei den Extremitäten die „Tigerkralle“ fixationsverstärkend für den Unterarm eingesetzt werden (Abb. 7.5b).
Dehnungsmethode
Bei der Dehnungsmethode wird die Haut um das Punktareal durch die Unterstützung der linken Hand vorgedehnt, damit der Einstich Dehnungsmethodeschmerz- und müheloser gelingt. Anwendung findet diese Methode besonders bei Punkten der Abdomenregion z. B. bei schlaffen Bauchdecken. Es gibt vor allem 2 Varianten:
  • 1.Variante: die Haut um den Punkt wird durch Daumen und Zeigefinger der Unterstützungshand gedehnt (Abb. 7.6a)

  • 2.Variante: die Haut um den Punkt wird mit Hilfe von Zeige- und Mittelfinger der Unterstützungshand gedehnt (Abb. 7.6b)

Hautzwickmethode
Bei der Hautzwick- oder Pinzettengriff-Methode wird die Haut über Hautzwickmethodedem Punktareal abgehoben und die Nadel schräg bzw. flach s. c. in Punktrichtung in Pinzettengriff-Methodedie abgehobene Hautfalte eingestochen (Abb. 7.7). Mit dieser Methode kann ebenfalls Muskelgewebe z. B. bei der Triggerpunktnadelung „gezwickt“ und hochgehoben und in den Muskel in Punktrichtung genadelt werden (z. B. bei Gb 21).

Einhandtechnik

Einführung
Die $Gb 21Einstichmethoden können auch ohne die Praxis der AkupunkturUnterstützung der linken Hand durchgeführt werden. In der Praxis wird aber oft die Einhandtechniklinke Hand, z. B. zur Vordehnung der Haut, mit eingesetzt.
Punktionsmethode
Die Nadel ca. 1–2 mm (also kurz) vor der Nadelspitze mit dem Daumen und Zeigefinger der Punktionshand fassen und die Nadel wie bei einem „Vogelpicken“ schnell und mit Kraft in die Haut einstechen. Vorteil: verringerter Haut-Einstichschmerz. Danach langsam bis zur gewünschten Tiefe vorschieben. Die Punktionsmethode eignet sich zur Einstichtechnik mit einer „langen Nadel“ (Abb. 7.4f) und für Akupunkturanfänger (Abb. 7.8a).
Fingerdrückenmethode (Einhandtechnik)
Es gibt mehrere Varianten der Einhand-Einstichmethoden (= ohne Unterstützung der linken Hand). Die Einstichvariante von Fingerdrückenmethode7.2.4 (Abb. 7.9) kann auch als Einhandtechnik durchgeführt werden. In den Beispielen nimmt dann jeweils der Mittelfinger der Punktionshand die Rolle ein, durch Druck auf das Punktareal die Haut etwas vorzudehnen, damit der Hauteinstich schmerzloser ist.
Anmerkung: Die Methode erfordert eine korrekte Nadelhaltung und ausreichend Fingerkraft durch entsprechendes Training, damit eine sichere Nadelführung gewährleistet ist und der Einstich möglichst schmerzfrei gelingt. Bei dieser Nadeltechnik wird der Therapeutenfinger als Führungsschiene genutzt, was aus Sterilitätsgründen (7.1.2) ggf. problematisch ist. Daher vorher eine entsprechende Händedesinfektion durchführen oder auf andere Einstich-Techniken ausweichen.
Fingerdrückenmethode (Variante 1): Den Nadelgriff zwischen dem Daumen und dem Zeigefinger halten. Der ausgestreckte Mittelfinger dient als Führungsschiene für die Nadel und dehnt gleichzeitig mit seiner in die Haut gedrückten Fingerkuppe die Haut des Punktareals vor. Dann die Nadel mit Krafteinsatz entlang der Führungsschiene einsenken, Fingerdrückenmethodeindem der Daumen und der Zeigefinger im Gelenkbereich von der Beugung in die Streckung bewegt werden, Einstichtechnikenwährend der Mittelfinger fest am Akupunkturpunkt verbleibt (Abb. 7.8b).
Fingerdrückenmethode (Variante 2): 7.2.4

Weitere Einstichtechniken

Einstichvariante mit Unterstützung der linken Hand
Abb. 7.9
  • Ausgangsstellung: Den Nadelgriff zwischen Daumen und Zeigefinger der rechten Hand wie bei einem Einstichtechniken:Unterstützung durch linke HandSchnabel festhalten. Den an den Zeigefinger angelegten Mittelfinger als Schiene auf der Haut seitlich an den Punkt anlegen. Die Nadel an der Mittelfingerkuppe entlang führen, bis die Nadelspitze vor dem Einstichpunkt zu liegen kommt. Dies ist die Ausgangsstellung für die beschriebene Technik (Abb. 7.9a).

  • Vorbereitung: Nun die Hand zur Senkrechten aufrichten, indem sie sich auf den Mittelfinger abstützt. Dadurch neigt sich die Nadel leicht nach links. Daumen und Zeigefinger liegen dann ca. lotrecht vor dem Zeigefinger der Unterstützungshand (Abb. 7.9b).

  • Nadeleinstich: Kurz vor dem Einstich mit der linken Unterstützungshand einen zusätzlichen Druck auf das Gewebe um das Praxis der AkupunkturPunktareal ausüben. Dann unmittelbar den Nadeleinstich ausführen. Dabei mit dem Mittelfinger der Stichhand den Druck auf das Gewebe verstärken, die Nadel kurz zurückziehen (Klammergriff durch Zeigefinger und Daumen nach oben ziehen) und dann mit Schwung und Krafteinsatz schnell durch die Haut einführen (Abb. 7.9c).

Diese Methode kann auch als Einhandtechnik durchgeführt und in diesem Fall als 2. Variante der Fingerdrückenmethode (7.2.3) bezeichnet werden. Der Mittelfinger übernimmt dabei die Rolle der Hautvordehnung für den schmerzfreien Hauteinstich.
Anmerkung: Die Methode erfordert eine korrekte Nadelhaltung und ausreichend Fingerkraft durch entsprechendes Training, damit eine sichere Nadelführung gewährleistet ist und der Einstich möglichst schmerzfrei gelingt. Bei dieser Nadeltechnik wird der Therapeutenfinger als Führungsschiene genutzt, was aus Sterilitätsgründen (7.1.2) ggf. problematisch ist. Daher vorher eine entsprechende Händedesinfektion durchführen oder auf andere Einstich-Techniken ausweichen.
Einstichtechnik mit Führungsröhrchen
Einsatz einer Nadel mit Führungsröhrchen, die dünner als übliche Nadeln ist.
Vorteil: Schmerzfreie Stich- und Nadelführung, Führungsröhrchen (Einstichtechnik)daher Einsatz v. a. bei Nadelempfindlichen und Kindern.
Nachteil: Aufgrund der dünnen Nadel ist eine deqi-Sensation nur erschwert auslösbar.
Vorgehensweise: Das Führungsröhrchen mit der Nadel auf die Haut aufsetzen. Dann durch das Führungsröhrchen etwas Druck auf die Haut ausüben, um die Haut vorzudehnen und vor dem Nadeleinstich die Nadel am Kopf „frei“-drehen. Jetzt schnell mit dem Finger oder der linken Hand auf den Kopf der Nadel klopfen, damit die Nadelspitze durch die Haut eindringen kann. Nun vorsichtig das Führungsröhrchen entfernen und die Nadel weiter in das Gewebe bis zur gewünschten Tiefe vorschieben (Abb. 7.10).

Techniken, die deqi auslösen, weiterleiten und erhalten

Einführung

Techniken, die das deqi provozieren, werden dann eingesetzt, wenn die Nadel zwar korrekt im Akupunkturpunkt lokalisiert und bis deqi:Technikenzur entsprechenden Tiefe vorgeschoben wurde, sich aber kein deqi auslösen läßt. Folgende Techniken werden unterschieden:
  • Techniken, die helfen, das deqi zu provozieren.

  • Techniken, die die Verbreitung des qi-Flusses fördern.

  • Techniken, die helfen, das deqi aufrecht zu halten.

  • Teilweise handelt es sich um dieselben Methoden.

Techniken, die deqi auslösen

Spontanes Einsetzen des deqi
Die Nadel für einige Sekunden am Ort belassen deqi:spontanes Einsetzenund abwarten, ob eine deqi-Sensation „spontan“ ohne weitere Praxis der AkupunkturManipulation entsteht.
Korrektur der Nadelposition (sou)
Die Nadel bis deqi:Nadelpositionunter die Haut sou (Korrektur der Nadelposition)zurückziehen, die Nadelrichtung ändern und wieder in die Tiefe vorschieben. Korrektur der Nadelposition (sou)Diesen Vorgang ggf. mehrmals in verschiedenen Richtungen (ventral, dorsal, medial und lateral des Punktes) wiederholen, bis eine deqi-Sensation ausgelöst werden kann.
Massage im Leitbahnverlauf (xun an)
Das Areal um deqi:Massage im Leitbahnverlaufden xun an (Massage im Leitbahnverlauf)Akupunkturpunkt und entlang des entsprechenden Leitbahnverlaufs massieren oder Massage im Leitbahnverlauf (xun an)leicht beklopfen. Einsatz zur Provokation des deqi und bei einer im Gewebe festsitzenden „blockierten“ Nadel, die gelöst werden soll.
Mögliche Varianten der Manipulationstechnik „Massage im Leitbahnverlauf“:
  • „Mit dem Daumen im Leitbahnverlauf massieren, um deqi auszulösen“ (Abb. 7.11a)

  • „Mit dem Mittelfinger im Leitbahnverlauf massieren, um deqi auszulösen“ (Abb. 7.11b)

  • „Mit dem Zeigefinger im Leitbahnverlauf klopfen, um deqi auszulösen“ (Abb. 7.11c)

Drücktechnik (she)
Daumen-, Zeige- und Mittelfingerspitzen der rechten Drücktechnik (she)Hand werden wie bei einem „Schnabel“ zusammengehalten. she (Drücktechnik)Dieser drückt dann kräftig und intermittierend pickend auf das Areal um den Punkt (Abb. 7.12). Die Technik wird zur Provokation des deqi eingesetzt und bei einer im Gewebe festsitzenden „blockierten“ Nadel, die gelöst werden soll.
Nadelschnipptechnik (tan zhen)
Der Begriff setzt sich zusammen aus Nadelschnipptechnik (tan zhen)„tan“ (Schnippen) und „zhen“ (halber Faustschluss), der Zeige- oder tan zhen (Nadelschnipptechnik)Mittelfinger wird ausgestreckt. Bei dieser Technik z. B. mit dem Daumen und Zeigefinger gegen den Nadelgriff schnippen, wodurch dieser vibriert und erschüttert wird. In der Tiefe wird dabei ein Druck erzeugt. Dadurch kann sowohl eine deqi-Sensation ausgelöst, als auch das Leitbahn-qi stimuliert, beschleunigt oder verstärkt werden.
  • Nadelschnippen, um deqi auszulösen. Ausgangsstellung (Abb. 7.13a)

  • Nadelschnippen, um deqi auszulösen. Vibration der Nadel nach Durchführung der Technik (Abb. 7.13b)

Vogelpicken (que zhou)
Als Vogelpicken wird ein schnelles, kurzes Heben und que zhou (Vogelpicken)Senken der Nadel (7.4.2, Abb. 7.18) bezeichnet Vogelpicken (que zhou)ähnlich wie bei einem klopfenden Specht. Dabei wird das deqi verstärkt.
Zittertechnik (chan)
Mit der rechten Hand werden sehr kleine und extrem schnelle Praxis der Akupunkturchan (Zittertechnik)Zitter-Bewegungen ausgeführt, die durch das Nadelheben und Zittertechnik (chan)-senken ähnlich wie eine elektrische Stimulation einen starken Reiz auslösen.
Änderung der Nadelposition
Einsatz dann, wenn der Akupunkturpunkt falsch oder ungenau gewählt wurde.

Techniken, die deqi verstärken und weiterleiten

Nachdem die deqi-Sensation provoziert wurde, werden Techniken eingesetzt, um das deqi zu Nadelposition, Veränderungdeqi:Verstärkung und Weiterleitungverstärken oder in ein entferntes Körperareal zu leiten.
Heben und Senken (ti cha)
Heben (ti) heißt Zurückziehen der ti cha (Heben und Senken)Nadel in Richtung zur oberflächlichen Schicht. Senken (cha) heißt Heben und Senken (ti cha)Vorschieben der Nadel in die Tiefe. Unterschiedliche Abstufungen des Heben/Senken können je nach Erkrankungsart gewählt deqiwerden wie z. B. sanftes (ohne Krafteinsatz, leichtes) oder starkes (mit Krafteinsatz) Heben/Senken, schnelles oder langsames Heben/Senken. Heben/Senken kann auch zur Provokation des deqi eingesetzt werden und je nach Variante zum Stärken oder Ableiten (ausführlicher 7.4.2, Abb. 7.18).
Drehen (cuo zhen)
Achtung: Die Nadel bei dieser Technik immer in dieselbe, also cuo zhen (Drehen)in eine Richtung drehen wie beim Aufrollen eines Drehen (cuo zhen)Fadens oder Öffnen einer Sardinenbüchse. In der Praxis wird nach der Auslösung des deqi durch diese Drehung eine Ausbreitung der deqi-Sensation erreicht. Cave: Bei dieser Methode nicht zu fest oder zu schnell drehen, um ein schmerzhaftes Verwickeln von Bindegewebe- oder Muskelfasern zu vermeiden. Wichtiges Beispiel für die Technik des Drehens ist der Extrapunkt Ex-CA 1 (zigong). Dazu beidseitig eine Nadel in Ex-CA 1 (zigong) setzen, dann die Drehtechnik in Richtung Ren $Ex-CA 12 anwenden und danach beide Nadeln seitlich nach kranial hochziehen, wobei etwas Zug auf Ren 2 ausgeübt werden $Ren 2soll, um eine hebende deqi-Sensation z. B. bei Uterusprolaps oder -senkung zu erzeugen. Nach Beendigung der Manipulation die Nadel wieder vorsichtig zurückdrehen (zurückspulen), das Gewebe um die Nadel herum lockern z. B. durch sanftes Beklopfen und dann die Nadel ohne Widerstand entfernen.
Schüttel- oder Schwenktechnik (bo zhen)
Den bo zhen (Schüttel- und Schwenktechnik)Nadelgriff mit dem rechten Daumen und Zeigefinger festhalten. Die Nadel aus der senkrechten Schüttel- und Schwenktechnik (bo zhen)Lage mit einer Pendelbewegung von 45° von rechts nach links hin- und herschwenken. Diese Bewegung so langsam wie möglich ausführen, damit sich die Sensation ausbreiten kann. Diese Methode dient auch zur Therapie von Verhärtungen und Schwellungen (Abb. 7.14a).
Nadelschwenken (yao zhen)
yao bedeutet, die Nadel nach Auslösung der yao zhen (Nadelschwenken)deqi-Sensation in einem Winkel von ca. 90° langsam wie Nadelschwenken (yao zhen)einen Schlegel beim Glockenläuten von links nach rechts hin- und herzuschwenken (Abb. 7.14b). Praxis der AkupunkturDiese Technik wird meist nicht öfter als 3-mal durchgeführt, wobei der Stichkanal der Nadel vergrößert werden soll, damit pathogenes qi entweichen kann. Mit dem Nadelschwenken (yao) wird daher grundsätzlich eine ableitende Wirkung erzielt.
Kratz- oder Schabetechnik (gua zhen)
gua bedeutet Kratzen oder gua zhen (Kratztechnik)Schaben. Dabei werden Nadeln mit einem Kratztechnik (gua zhen)Spiralgriff eingesetzt. Der Fingernagel von Zeigefinger oder Daumen kratzt Schabetechniküber den Nadelgriff nach oben oder nach unten. Dadurch verstärkt sich die Reaktion auf die Nadel und die deqi-Sensation. Während der Manipulation muss die Nadel stabil mit den Fingern der Punktionshand festgehalten werden, damit sie weder tiefer-, noch herausrutschen kann. Das Kratzen am Nadelgriff kann auch mit der linken Unterstützungshand durchgeführt werden. Man unterscheidet 2 Varianten:
  • Stärkende Variante (bu): Kratzen von oben nach unten. Vorstellung: „etwas hineingeben“(Abb. 7.15a).

  • Ableitende Variante (xie): Kratzen von unten nach oben. Vorstellung: „etwas herausziehen“(Abb. 7.15b).

Nadelrühren (pan zhen)
Die pan zhen (Nadelrühren)Punkttiefe wird in Relation zu der vorgeschriebenen Nadelrühren (pan zhen)Stichtiefe des Punktes in 3 Schichtebenen eingeteilt (deqiausführlicher 7.5.5, Abb. 7.31). Nach dem Nadeleinstich zunächst die Nadel in die tiefe Schicht vorschieben und in dieser Schicht die deqi-Sensation auslösen. Jetzt die Nadel in die mittlere Schicht zurückziehen und nach Auslösen eines deqi in der mittleren Schicht die Nadel in die oberflächliche Schicht zurückziehen und hier ebenso das deqi auslösen. Dann die Nadel in einem Neigungswinkel von ca. 45° zur Hautoberfläche langsam bis zu 3 Runden rühren, ähnlich wie bei dem Drehen mit einer Handmühle. Diese Technik verstärkt die deqi-Sensation (Abb. 7.16).
Blockieren (guan bi)
Diese Methode bewirkt eine Lenkung des qi. Dabei drückt guan bi (Blockierung)entweder der linke Daumen oder Zeigefinger nach der Auslösung des Blockierung (guan bi)deqi entgegengesetzt zur gewünschten qi-Ausbreitung. Wenn z. B. das qi nach oben (oberhalb der Nadel) weitergeleitet werden soll, dann drücken die Finger der linken Hand in dem Areal unter dem Akupunkturpunkt ständig nach proximal. Zugleich muss die Nadelspitze von der rechten Hand auch in Richtung nach proximal dirigiert werden. In dem umgekehrten Fall, wenn das deqi nach distal weitergeleitet werden soll, drücken die Finger der linken Hand in dem Areal oberhalb des Akupunkturpunktes nach distal. Wichtig: der Druck der linken Hand darf nicht zu stark sein, um nicht eine Weiterleitung des qi zu verhindern. Zeigt sich bei dieser Methode die deqi-Sensation als Kribbelgefühl, so sollte die linke Hand etwas kräftiger drücken. Wenn die deqi-Sensation allerdings eher eine Empfindung von Anschwellen oder Schwere bewirkt, was eine Zunahme der Stauung kennzeichnet, sollte mit weniger Kraft gedrückt werden.
Wegfliegen (fei)
Die Praxis der AkupunkturNadel zunächst einmal hin- und herdrehen, dann den Daumen fei (Wegfliegen)und den Zeigefinger plötzlich von dem Nadelgriff lösen.Wegfliegen (fei) Dies erinnert an einen auffliegenden Vogel, der seine Flügel zum Fliegen öffnet. Diese Methode fördert den qi-Fluss über eine größere Entfernung und verlängert seine Dauer. Sie wird ebenso zur Stärkung (bu) und Ableitung (xie) eingesetzt und daher noch einmal in Kapitel (7.5.3, Abb. 7.25, Abb. 7.26, Abb. 7.27, Abb. 7.28) differenzierter dargestellt.
Biegen (tui)
Daumen und Zeigefinger biegen den Nadelgriff nach vorne. Dabei sollte tui (Biegen)sich die Nadel nicht mitdrehen. Dies bewirkt eine Biegengrößere qi-Ausbreitung, Verlängerung der Dauer und Förderung der Auslösung des deqi.

Techniken, die deqi (er-)halten (shou qi)

Su Wen, 25. Kapitel: „Wenn das qi der Leitbahn ausgelöst ist, darf man es nicht mehr verlieren.“
Die Armbrust spannen (tui nu)
Nach tui nu (Armbrust spannen)der deqi-Provokation verbleibt die Nadel in der Armbrust spannen (tui nu)entsprechenden Tiefe. Der Nadelgriff wird fest zwischen Daumen, deqiZeige- und Mittelfinger gehalten und die Nadel wie bei dem Spannen einer Armbrust gebogen. Die Nadelspitze darf dabei nicht aus dem deqi-Areal verrutschen. Nun sollten einige Sekunden abgewartet werden, wodurch die deqi-Sensation gestärkt und bewahrt wird.
Das Kissen verschieben (ban dian)
Dies ist eine Kombination aus „ban dian (Kissen verschieben)ban“ (bedeutet: verschieben) und „dian“ (bedeutet: als Kissen Kissen verschieben (ban dian)dienen). Nach der deqi-Auslösung greift man die Nadel zwischen Daumen und Zeigefinger der rechten Hand. Der Zeigefinger befindet sich am Nadelgriff unter dem Daumen und beide Finger biegen nun durch einen gemeinsamen, gleichzeitigen Druck die Nadel. Dieser Teil der Technik kennzeichnet das Verschieben (ban). Gleichzeitig bedient man sich der dian-Technik. Der rechte Zeigefinger schiebt sich während der Biegung entlang des Nadelgriffes nach unten und dient als Kissen zwischen Daumen und Haut (in Kombination mit der ban-Technik, bei dem Biegen der Nadel). Auf diese Weise wird das Areal der deqi-Sensation blockiert. Danach gleitet der Zeigefinger wieder nach oben, während der Daumen bei der Nadelbiegung zur anderen Seite nach unten gleitet und diesmal zum Kissen zwischen Zeigefinger und Haut wird. Die Finger, die abwechselnd als Kissen dienen und der Druck der „ban“-Technik verstärken gemeinsam die qi-Sensation. Diese Methode wird sowohl zur Stärkung als auch zur Ableitung angewandt. Dabei findet die Stärkung auf der konvexen Seite der Nadel statt, die Ableitung auf der konkaven Seite der Nadel (Abb. 7.17).

Basismanipulationstechniken

Einführung

Vorbedingung für die Manipulationstechniken BasismanipulationstechnikenStärken (bu) und Ableiten (xie) oder die ausgeglichene oder neutrale Praxis der AkupunkturTechnik (ping bu ping xie) ist immer der Nadeleinstich und die Auslösung der deqi-Sensation (7.1.5) am Punkt. Zur Provokation des korrekten deqi können die entsprechenden Nadelmanipulationen zur Auslösung des deqi (7.3.2) verwendet werden.
Aus didaktischen Gründen werden die Basisstimulationstechniken zur Stärkung (bu) und Ableitung (xie) getrennt und einzeln aufgeführt. In der Praxis werden diese Techniken aber oft Basismanipulationstechnikenin Kombination miteinander zu komplexeren Nadelungsmethoden zusammengesetzt. Spezielle klassische Kombinationstechniken werden ausführlich in dem Kapitel „Komplexe Nadeltechniken“ (7.5) dargestellt.
Der Erfolg einer korrekten Stärkung (bu) kann sich bei dem Patienten durch eine Wärme- und Drucksensation unter der Nadel äußern, während die erfolgreiche Ableitung (xie) ein Leere-Gefühl unter der Nadel erzeugt, als ob man „in einen Quark oder eine saure Creme (Tofu)“ einsticht.
Exkurs: Dauer der Nadelstimulation und Verweildauer
Im Westen wird die Nadel meistens länger in dem Punkt Verweildauerbelassen, oft in einer Zeitspanne von ca. 20–30 min. Nadelstimulation, VerweildauerDabei ist zu berücksichtigen, dass entgegen den Klassikern die Nadeltechniken eher wenig, nicht differenziert oder gar nicht angewandt werden. Davon unabhängig ist die Auslösung der deqi-Sensation für den langfristigen Therapieerfolg wichtig.
Ling Shu (1. Kapitel): „Wenn das qi provoziert wurde, ist es nicht sinnvoll, die Nadel länger im Körper zu belassen, da das Ziel in diesem Moment erreicht wurde.“
Ling Shu (3. Kapitel): „Der gute Arzt muss die Nadel zurückziehen (entfernen), sobald das qi angekommen ist.“
In klassischen Texten heißt es auch: Das Entfernen der Nadel direkt nach der Provokation des qi bewirkt eine Stärkung (Tonisierung), das Belassen der Nadel bis zur Auflösung des qi entspricht einer Ableitung (Sedierung).
Im (westlichen) Praxisalltag hat sich folgende Vorgehensweise bewährt:
  • Die Nadel nach der Stimulationstechnik sofort herausziehen bei akuten Erkrankungen (Synkope, Schock, Kollaps), die eine Notfallbehandlung erfordern.

  • Sie kann sofort bei Kindern oder bei gewöhnlichen Erkrankungen nach der qi-Provokation und -Anregung durch die entsprechende Nadelungstechnik (zur Stärkung oder Ableitung) herausgezogen werden.

  • Die Nadel sollte nach durchgeführter Stimulationstechnik möglichst für weitere Stimulationen im Punkt belassen werden bei Krankheiten vom Kälte-Typ (auch mit zusätzlicher Moxibustion), Krämpfen, Spasmen, Schmerzen, Parästhesien und Paresen. Hier sollte während der Nadelverweildauer mit Rücksicht auf die Patientenkonstitution alle 3–5 min. eine erneute Reizung durch ableitende Nadelstimulationstechnik durchgeführt werden, um die qi-bewegende und -regulierende Wirkung zu verstärken. Gegebenenfalls auch Elektrostimulation einsetzen.

  • Die Nadel kann weiter im Punkt nach entsprechender Nadeltechnik belassen werden bei Nervenleiden zur Beruhigung (Cave: Nadelängstliche) sowie zur allgemeinen Entspannung des Patienten. Hier kann der vegetative Entspannungseffekt durch die Akupunkturtherapie therapeutisch genutzt werden. Wichtig ist dabei die entspannte Lagerung (breite Patientenliegen, Lagerungshilfen, wärmende Maßnahmen wie leichte Decken, Kirschkernsäckchen etc.). Ebenso kann beruhigende Hintergrundmusik als begleitende Entspannungshilfe eingesetzt werden. Dabei wird im Sinne einer milden, stärkenden Technik während der Nadelverweildauer nicht erneut stimuliert.

Basismanipulationstechniken zum Stärken (bu) und Ableiten (xie)

Sanft/stark
Stärken, Tonisieren (bu): xie (Ableiten)Praxis der AkupunkturSanft: ohne Ableiten (xie)Krafteinsatz, leicht bu (Stärken)(modern: z. B. Stärken (bu)wird eine Technik in einer sanften, milden Art und Weise durchgeführt)
BasismanipulationstechnikenAbleiten (xie): Stark: mit Krafteinsatz (modern: z. B. wird eine Technik in einer starken, kräftigen Art und Weise durchgeführt)
Verschließen/Öffnen
Stärken, Tonisieren (bu): Punkt zudecken (schließen), sofortiges Zudrücken und Massage des Punktes („qi wird behalten und kann nicht entweichen“)
Ableiten (xie): Offen/Bluten lassen des Punktes, die Nadel vor und mit dem Entfernen noch in Kreisbewegung schwenken, um das „Loch“ zu vergrößern („Böse Geister befreien“)
Langsam/schnell
Einsatz z. B. bei Nadeleinstich/-entfernung oder oft in Kombination mit Heben/Senken
Stärken, Tonisieren (bu): Nadel langsam tiefer stechen, bei der Nadelentfernung rasch herausziehen
Ableiten (xie): Nadel schnell tiefer stechen, bei der Nadelentfernung langsam herausziehen
Einatmen/Ausatmen
Stärken, Tonisieren (bu): Nadeleinstich mit der Ausatmung, Nadelentfernung mit der Einatmung
Ableiten (xie): Nadeleinstich mit der Einatmung, Nadelentfernung mit der Ausatmung
Heben/Senken
Einfache Durchführung: Mit „Heben“ wird das Zurückziehen der Nadel von einer tieferen in eine oberflächlicher gelegene Schicht Heben und Senken (ti cha)bezeichnet, mit „Senken“ das Vorschieben der Nadel von einer oberflächlicheren in eine tiefer gelegene Schicht. Diese mehrmalige longitudinale Manipulation der Nadel heißt Heben/Senken-Technik.
Ein schnelles und häufiges Heben und Senken ereugt eine stärkere Stimulation, ein langsames und seltenes Heben und Senken eine geringere Stimulation.
Das Ausmaß, die Schichtenauswahl, die Häufigkeit und die Dauer des Hebens und Senkens sollten abhängig gemacht werden von der Patientenkonstitution und dem jeweiligen Krankheitszustand sowie von der Punktlage und dem Therapieziel. In ihrer ursprünglichen Form sollte die Technik des Hebens und Senkens folgendermaßen ausgeführt werden: mit gleichmäßiger Kraft der Finger, nicht zu großer Amplitude (ca. 0,3–0,5 cun), nicht zu schneller Frequenz (ca. 60-mal/min), den Nadelkörper senkrecht halten, keine Veränderung von Stichwinkel, -richtung und -tiefe.
Die Methode kann durch den Krafteinsatz (sanft/stark) und die Schnelligkeit (langsam/schnell) bei dem Heben/Senken der Nadel variiert werden:
Stärken, Tonisieren (bu): Die Nadel von der oberflächlichen Schicht stark (mit Kraft) und schnell in die Tiefe senken (qi „hineingeben“), dann sanft (ohne Kraft, leicht) und langsam wieder zur oberflächlichen Schicht heben (zurückziehen).
Oder moderne Anwendung: Heben/Senken durchführen: eher oberflächlicher senken (<10 mm), niedrige Stimulationsfrequenz: z. B. 5-mal Heben/Senken alle 10 s.
Ableiten (xie): Die Nadel von der tiefen Schicht in die oberflächliche Schicht stark (mit Krafteinsatz) und schnell Praxis der Akupunkturheben (qi „herausziehen“) und dann sanft (ohne Krafteinsatz, leicht) und langsam wieder in die tiefe Schicht senken.
Oder moderne Anwendung: Heben/Senken durchführen: eher tiefer senken (>10 mm), höhere Stimulationsfrequenz: z. B. 10-mal Heben/Senken alle 10 s.
Rotation/Drehung
Basismanipulationstechniken▸ Exkurs Rotations-/Drehtechnik, Abb. 7.19
Die Nadel nach dem Einstechen in eine bestimmte Tiefe mehrfach vor- Drehtechnikund zurückdrehen.
Differenzierung von: RotationstechnikRotationswinkel/Drehfrequenz.
Stärken, Tonisieren (bu): Sanfte Rotation der Nadel mit kleiner Amplitude (<180°) und langsam, d. h. mit niedriger Frequenz (5-mal/10 s). Die Nadel also mit einem kleinem Rotationswinkel eher langsam hin-/herdrehen (s. Exkurs Rotations-/Drehtechnik).
Ableiten (xie): Rotation mit großer Amplitude (>180°) und schnell, d. h. mit höherer Frequenz (10-mal/10 s) Die Nadel also mit einem großem Rotationswinkel eher schnell hin- und herdrehen.
9–6-Methode
Stärken, Tonisieren (bu): Um zu stärken, wird bei den Nadeltechniken nach der yang-Zahl 9 bzw. ein Vielfaches × 9 behandelt.
Ableiten (9-6-Methodexie): Um abzuleiten, wird bei den Nadeltechniken nach der yin-Zahl 6 bzw. ein Vielfaches × 6 behandelt.
Schichtebenen oder -tiefen
Bei einigen komplexen Nadeltechniken (7.5.5) werden die Akupunkturpunkte in 3 Schichtebenen (Abb. 7.31) Schichtebeneneingeteilt.
Stärken, Tonisieren (bu): Z. B. Methode „Feuer, das den Gebirgswald abbrennt“ (shao shan huo 7.5.5, Abb. 7.32). Benutzt 3 Ebenen von oben nach unten.
Ableiten (xie): Z. B. Methode „Das Kühlende des Himmels einströmen lassen“ (tou tian liang 7.5.5, Abb. 7.33). Benutzt 3 Ebenen von unten nach oben.
Mit/Gegen Flussrichtung
Synonym: Verfolgen und Entgegenkommen
Bezieht sich auf die Nadelstichrichtung mit dem oder entgegen dem Mit/Gegen FlussrichtungLeitbahn-qi-Verlauf.
Stärken, Tonisieren (bu): Schräg in Leitbahnverlaufsrichtung nadeln.
Variante: Die Nadel bei der Rotation/Drehtechnik (s. Exkurs Rotations-/Drehtechnik) mit Betonung der Drehung in Leitbahn-qi-Flussrichtung hin- und herdrehen, d. h. die Nadel erhält in Richtung des Leitbahn-qi-Verlaufs einen kleinen Anschub.
Ableiten (xie): Schräg entgegen der Leitbahnverlaufsrichtung nadeln.
Variante: Die Nadel bei der Rotation/Drehtechnik (s. Exkurs Rotations-/Drehtechnik) mit Betonung der Drehung Praxis der Akupunkturentgegen der Leitbahn-qi-Flussrichtung hin- und herdrehen, d. h. die Nadel erhält entgegen der Richtung des Leitbahn-qi-Verlaufs einen kleinen Anschub.
Nadelanzahl
Stärken, Tonisieren (bu): Eher weniger Nadeln in einer Sitzung verwenden.
Ableiten (xie): Eher mehr Nadeln in einer Sitzung verwenden.
Nadelverweildauer
Kennzeichnet zum einen die Zeiteinheit, NadelanzahlBasismanipulationstechnikenmit der die Nadel im Punkt belassen oder ob während der Verweildauer Nadelverweildauerstimuliert wird.
Statisches Nadelverweilen
  • Nach dem Erreichen des deqi verbleibt die Nadel im Akupunkturpunkt ohne Manipulation.

  • Anwendung bei nadelängstlichen Pat., schwacher Konstitution oder chronischen Erkrankungen.

Aktives Nadelverweilen
  • Nach dem Erreichen des deqi verbleibt die Nadel im Akupunkturpunkt und wird während der Verweildauer häufiger manipuliert, z. B. alle 3–5 min starke (ableitende) Nadelmanipulation mit z. B. Heben/Senken und Rotation.

  • Einsatz zur Wirkungsverstärkung des deqi bei Schwächezuständen zur Tonisierung und bei Füllezuständen zur Ableitung sowie auch bei Ausbleiben des deqi.

Mitternacht/Mittag
Methode der Chronopunktur. Die Akupunkturpunkte werden entsprechend dem An- und Abfluten des qi und Blut in den Mitternacht/Mittagverschiedenen Leitbahnen ausgewählt.
Stärken, Tonisieren (bu): Mit der Flut (zugeben).
Ableiten (xie): Mit der Ebbe (wegnehmen).
Stimulationsfrequenz klassisch
(In Koordination mit den Atemzügen)
Stärken, Tonisieren (bu): Technik 4-mal pro Atemzug des Patienten durchführen.
StimulationsfrequenzAbleiten (xie): Technik 8-mal pro Atemzug des Patienten durchführen.
Kratz- oder Schabetechnik
Stärken, Tonisieren (bu): gua zhen (Kratztechnik)Kratzen am Nadelgriff von oben nach unten (qi Schabetechnikhineingeben) (Abb. 7.15a).
Ableiten (xie): Kratztechnik (gua zhen)Kratzen am Nadelgriff von unten nach oben (qi herausziehen) (Abb. 7.15b).
Schüttel-/Schwenktechnik
Nadel wie eine Glocke von links nach rechts bewegen.
SchwenktechnikStärken, Tonisieren (bu): Kleine Amplitude, langsamer (Schütteltechnikniedrige Frequenz) und mit sanfter Stimulation.
Ableiten (xie): Große Amplitude, schneller (höhere Frequenz) und mit starker Stimulation.
Nadelrühren
Mit der Nadel einen Bogen schlagen.
Stärken, Nadelrühren (pan zhen)Tonisieren (bu): Rühren mit einer kleinen Amplitude, langsamer (pan zhen (Nadelrühren)niedrigere Frequenz) und mit sanfter Stimulation.
Ableiten (xie): Rühren mit einer großen Amplitude, schneller (höhere Praxis der AkupunkturFrequenz) und starker Stimulation.
Wegfliegen
Oder BasismanipulationstechnikenVogelflug, beschrieben bei den komplexen Nadeltechniken (fei (Wegfliegen)7.5.3).
Stärken, Tonisieren (bu): Stärkende Wegfliegen (fei)Variante des Wegfliegens (7.5.3) (Abb. 7.25, Abb. 7.26).
Ableiten (xie): Ableitende Variante des Wegfliegens (7.5.3) (Abb. 7.27, Abb. 7.28).
Exkurs: Rotations-/Drehtechnik
Technische Voraussetzung: Chinesische Nadeln mit Spiralgriff und Endstück (Auge)/Griffelspitze Drehtechniksind am besten für diese Technik geeignet. Der RotationstechnikSpiralgriff gewährleistet eine sichere Nadelführung und die „Augen“-drehung kennzeichnet den Grad des Rotationswinkels. Wird das Auge zwischen den Fingerspitzen um ¼ verschoben, bedeutet dies eine Drehung um 90 %, wird es um 2⁄4 verschoben, eine Drehung um 180 %.
Durch die Nadelrotation wird die Bewegung des jing-qi gefördert bzw. gehemmt und erzielt dabei einen stärkenden bzw. ableitenden Effekt. In der modernen Anwendung wird dies vor allem durch unterschiedlich große Drehwinkel sowie unterschiedliche Drehfrequenz erreicht (Rotation/Drehung). In der klassischen Vorgehensweise ist zudem die Betonung der Drehung in oder entgegen der qi-Flussrichtung bedeutend: Stimmt die Nadeldrehung mit der Richtung des Leitbahnverlaufs überein, wirkt dies stärkend, dagegen bei Nadeldrehung entgegen der Richtung des Leitbahn-qi-Verlaufs ableitend.
Hier finden sich in der Literatur einige Widersprüche, da zudem unterschiedliche Drehrichtungen bei Männern und Frauen für morgens bzw. nachmittags angegeben werden.
Die Rotations-/Drehtechnik kann folgendermaßen zusammengefasst werden (Tab. 7.3):
  • Stärkung: mit Betonung der Drehrichtung in Leitbahnflussrichtung, die Drehung in Leitbahnflussrichtung erhält dabei einen kleinen, kräftigen „Anschub“.

  • Ableitung: mit Betonung der Drehrichtung entgegen der Leitbahnflussrichtung. Die Drehung gegen die Leitbahnflussrichtung erhält dabei einen kleinen, kräftigen „Anschub“.

Dabei bedeutet die Betonung der Drehrichtung (Abb. 7.19b und c):
  • Die Nadel wird ruckartig im Uhrzeigersinn (nach rechts) gedreht, indem der Daumen nach vorne ausgestreckt und anschließend zum Ausgangspunkt zurückgeführt, also zurückgedreht wird (Abb. 7.19b, dann Abb. 7.19c).

  • Die Nadel wird ruckartig gegen den Uhrzeigersinn (nach links) gedreht, indem man den Daumen nach hinten zu sich zieht und ihn anschließend wieder in seine Ausgangsstellung zurückbringt, also die Nadel wieder zurückdreht (Abb. 7.19c, dann Abb. 7.19b).

Anmerkung: Das beschriebene Zurückziehen des Daumens sowie die Bewegung des Zeigefingers nach vorne bedeuten nur, dass sich die Finger in dieser Bewegung kräftiger und schneller (dynamischer) bzw. ruckartiger bewegen. Anschließend müssen sie sich natürlich wieder in umgekehrter Richtung bewegen, jetzt allerdings etwas leichter und langsamer. Es bedeutet nicht, dass die Nadel immer nur in derselben DrehtechnikRichtung gedreht wird, sondern sie wird in Rotationstechnikwechselnder Richtung, also hin- und hergedreht. Es handelt sich hier allein um ein unterschiedliches Tempo und um eine unterschiedliche Kraftgebung bei der Nadeldrehung. In China vergleicht man diesen Vorgang gerne mit den Armbewegungen beim Rudern: Dabei treibt das Boot ja auch vorwärts oder rückwärts, je nach Tempo und Krafteinsatz bei der Ruderbewegung. Klassisch wird die Rotationsfrequenz dabei in Bezug auf die Atemzüge des Patienten gezählt.

Komplexe Nadeltechniken

Einführung

Der Einsatz der komplexen Nadeltechniken Praxis der AkupunkturPraxis der Akupunkturerfolgt immer erst nach dem Nadeleinstich und der korrekten Auslösung und Erhaltung der deqi-Nadeltechnik:komplexeSensation (7.1.5). Dabei werden die Basismanipulationstechniken (7.4.2) zum Stärken (bu) und Ableiten (xie) miteinander kombiniert. Einsatz v. a. folgender Techniken: Langsam/schnell, Heben/Senken, Rotation, Mit/Gegen Flussrichtung, 3 Schichtebenen oder -tiefen, 9–6-Methode, Öffnen/Schließen.

Ausgeglichene oder neutrale Techniken (ping bu ping xie)

Eine ausgeglichene oder neutrale Manipulationstechnik kennzeichnet 2 Varianten:
„Ausgewogene“ Neutraltechnik
„ping“ bedeutet eine gleiche Menge oder gleichmäßig. In einem ausgeglichenen Maße werden sowohl stärkende (bu)Neutraltechnik:ausgewogene als auch ableitende (xie) Nadeltechniken (7.4.2) an einem Akupunkturpunkt angewendet. Es handelt sich hier also um ein balanciertes Stärken und Ableiten. Ein wichtiger Vertreter dieser Technik war der Arzt Chen Hui. Er postulierte, dass zuerst eine ableitende Technik (xie) an dem Akupunkturpunkt angewandt werden sollte, um sowohl pathogenes als auch verbrauchtes qi aus dem Körper auszuleiten. Danach wären sozusagen die Leitbahnen frei, um durch die anschließend folgende stärkende Technik (bu) besser mit qi angefüllt zu werden. Wenn man zuerst die stärkende Technik vor der ableitenden Technik einsetzt, würde man eher das pathogene qi stärken, anstatt es zu vermindern. Anwendung findet die ausgeglichene oder neutrale Technik bei Patienten mit gemischten Syndrom-Bildern, die gleichzeitig Fülle- und Mangel-Symptome zeigen oder in der Schmerztherapie.
„Milde“ Neutraltechnik
ping“ hat eine antike Bedeutung im Sinne von leicht und mild und die neutrale Technik wurde von dem Arzt Neutraltechnik:mildeYang Ji-Zhou unter diesem antiken Aspekt weiterentwickelt. Unter dieser Vorstellung werden die Basis-Stimulationstechniken weder stärkend noch ableitend angewandt, sondern es wird in einer moderaten Art und Weise, d. h. nur leicht und mild stimuliert. Die Stimulation durch die Manipulationstechniken ist also insgesamt sehr mild, auch wenn sowohl stärkende (bu) oder ableitende (xie) Elemente eingesetzt werden. Empfohlen wird diese Neutraltechnik:mildeTechnik vor allem zur Behandlung von schwachen oder empfindlichen Patienten Nadeltechnik:komplexeund in der Schmerztherapie.

Nadeltechniken in einer Schichtebene

„Der Drache kämpft mit dem Tiger“ (long hu jiao zhan fa)
Abb. 7.20 Praxis der Akupunktur
Neutrale Kombinationsmethode (7.5.2), Nadeltechnik:eine Schichtebeneda in Der Drache kämpft mit dem Tiger (long hu jiao zhan fa)einem ausgewogenen Verhältnis sowohl stärkende als auch ableitende long hu jiao zhan fa (Der Drache kämpft mit dem Tiger)Basistechniken (7.4.2) miteinander kombiniert werden.
Voraussetzung: Empfehlenswert sind chinesische Nadeln mit Griffelspitze und Auge: Eine Verschiebung des Auges zwischen den Fingerspitzen um ¼ zeigt eine Drehung um 90 % an, eine Verschiebung um 2⁄4 eine Drehung um 180 %.
Wirkung: Leitet und reguliert das Leitbahn-qi, harmonisiert ying- und wei-qi. Sehr wirksam zur Schmerzbeseitigung.
Durchführung: Nach dem Nadeleinstich und dem Erreichen des deqi:
  • Einfache Variante:

  • Die Nadel zunächst nach links (der Daumen dreht neun Mal nach vorne, Drachen zi) und dann nach rechts (der Daumen dreht sechs Mal rückwärts, Tiger wu) drehen. Diese Methode kann mehrfach ausgeführt werden

  • Komplexere Variante:

    • Zunächst stärkende Komponente, 1. Schritt (Drachen-Drehen): Rotation (Hin- und Herdrehen) der Nadel 9-mal in stärkender Weise (bu), d. h. die Nadel mit kleiner Amplitude (<180°), langsamerer Frequenz mit Betonung der Drehrichtung in Leitbahn-qi-Flussrichtung hin- und herdrehen (▸ 7.20, 1. Schritt)

    • Danach ableitende Komponente, 2. Schritt (Tiger-Drehen): Rotation (Hin- und Herdrehen) der Nadel 6-mal in ableitender Weise (xie), d. h. die Nadel mit großer Amplitude (>180°), schnellerer Frequenz und Betonung der Drehrichtung entgegen der Leitbahn-qi-Flussrichtung hin- und herdrehen (▸ 7.20, 2. Schritt)

Diesen Ablauf mehrmals wiederholen. Dabei wird abwechselnd eine Stärkung und Ableitung durchgeführt (abwechselnd Drachen- und Tiger-Drehen), daher die Bezeichnung „der Drache kämpft mit dem Tiger“.
„Die Leitbahn wie in einem Mörser zerstoßen (zerstampfen)“
Neutrale Kombinationsmethode (7.5.2), da in einem ausgewogenen Verhältnis sowohl stärkende als auch ableitende Die Leitbahn wie in einem Mörser zerstoßenBasistechniken (7.4.2) miteinander kombiniert werden.
Voraussetzung: Empfehlenswert sind chinesische Nadeln mit Griffelspitze und Auge: Eine Verschiebung des Auges zwischen den Fingerspitzen um ¼ zeigt eine Drehung um 90 %, eine Verschiebung um 2⁄4 eine Drehung um 180 % an.
Wirkung: Harmonisiert yin und yang, beseitigt lokal Stagnation von qi und Körperflüssigkeiten z. B. bei ödematösen Schwellungen und qi-Stagnation.
Durchführung (Ablauf Abb. 7.21): Nach dem Nadeleinstich und Erreichen des deqi:
  • Zunächst stärkende Komponente (1. Schritt): Nadel stark (mit Krafteinsatz) senken und sanft (ohne Krafteinsatz, leicht) heben bei gleichzeitiger Rotation (Hin-/Herdrehen) mit Betonung der Die Leitbahn wie in einem Mörser zerstoßenDrehrichtung in den Leitbahn-qi-Fluss und kleinem Rotationswinkel (< 180°). Diesen Ablauf 9-mal wiederholen.

  • Danach ableitende Komponente (2. Schritt): Nadel Nadeltechnik:komplexesanft (ohne Kraft, leicht) senken und stark (mit Kraft) heben bei gleichzeitiger Rotation (Hin-/Herdrehen) mit Betonung der Drehrichtung Praxis der Akupunkturentgegen des Leitbahn-qi-Flusses und großem Rotationswinkel (> 180°). Diesen Ablauf 6-mal wiederholen.

  • Abschluss: Dann die Nadel langsam entfernen und den Punkt offen lassen.

„Der blau-grüne Drache wedelt mit dem Schwanz“ (cang long bai wei fa)
Stärkende Kombinationsmethode (bu), da sie nur Der blau-grüne Drache wedelt mit dem Schwanz (cang long bai wei fa)Basistechniken zur Stärkung (7.4.2) miteinander cang long bai wie fa (Der blau-grüne Drache wedelt mit dem Schwanz)kombiniert.
Wirkung: Unterstützt bei Mangel-Zuständen, erwärmt die Leitbahn, gut zur qi-Regulation bei lokaler qi-Stagnation und um das qi zu dem Krankheitsherd zu leiten, bei sehr starken Schmerzen.
Durchführung (Ablauf Abb. 7.22): Nach dem Nadeleinstich und Erreichen des deqi, die Nadel auf die oberflächliche Schicht zurückziehen und den Nadelgriff wie eine Klammer mit Daumen und Zeigefinger der rechten Hand umfassen und fast horizontal über dem Fingernagel des linken Therapeutenzeigefingers herunterbiegen (Abb. 7.23a). Dabei sollte die Nadelspitze in der Tiefe in Richtung des Krankheitsherdes zeigen. Dies ist die Ausgangs- und Mittelstellung bei der nachfolgend beschriebenen Technik. Nun den Nadelkörper selbst nicht mehr in der Tiefe bewegen, d. h. bei der Nadelmanipulation weder die Nadel tiefer einsenken noch weiter herausziehen. Sie sollte in einer Ebene verbleiben. Jetzt den Nadelgriff wie ein Ruder waagerecht (!) 9-mal oder ein Vielfaches davon hin- und herbewegen (Abb. 7.23b und c), während sich die Hand auf dem Ringfinger abstützt. Der linke Zeigefinger befindet sich unter der Nadel auf derselben Seite wie der Nadelgriff, sodass das qi entsprechend auf der anderen Seite in Richtung des Krankheitsherdes weitergeleitet wird.
Danach die Nadel schnell herausziehen, den Punkt sofort verschließen und massieren.
Tipps für die klinische Praxis
  • Die Technik in einem von dem Krankheitsherd weiter entfernt liegenden Punkt mit der Visualisierung durchführen, das qi „mit Anlauf auf die erkrankte Region abzufeuern“.

  • Die Technik solange fortsetzen, bis das qi zu fließen beginnt, aber cave: Die Nadel nicht länger als 1 min manipulieren.

  • Wenn das qi nicht oder nur zögernd fließt, ausgehend von der Nadelinsertion den Leitbahnverlauf in die Erkrankungsrichtung hin massieren oder beklopfen (7.3, Techniken zur Weiterleitung des qi).

„Der weiße Tiger schüttelt seinen Kopf“ (bai hu yao tou fa)
Synonym: Das Kopfschütteln des Praxis der AkupunkturNadeltechnik:komplexeroten Phönix (chi feng yao tou)
Ableitende Kombinationsmethode (bau hu yao tou fa (Der weiße Tiger schüttelt seinen Kopf)xie), da sie nur ableitende Basistechniken (7.4.2) miteinander kombiniert.
Wirkung: Fördert wirksam den qi-Fluss, zerstreut Stasen, v. a. in den luo-Gefäßen. Die luo-Punkte (4.1.2) sollten spezifisch in chronischen Fällen eingesetzt werden. Das qi wird dabei sozusagen aus einiger Entfernung auf den Krankheitsherd losgelassen, um diesen wie eine Zielscheibe zu durchschlagen. (Merksatz: „Neue Krankheiten sind in den Leitbahnen lokalisiert, die alten [chronischen] stecken in den luo-Gefäßen fest“).
Indikation: Bewusstseinsverlust, Erregungs- und Angstzustände, Hitze-Gefühle thorakal, Stauungen und Schwellungen in den Leitbahnen und den luo-Gefäßen, Spasmen und Nackensteife mit Fülle- und Hitze-Symptomen.
Durchführung: Nach dem Nadeleinstich und Erreichen des deqi, die Nadel in dieser Tiefe in senkrechter Stellung belassen. Mit dem Daumen, Zeige- und Mittelfinger den Nadelgriff umfassen und die Nadel quer zur Leitbahnverlaufsrichtung hin- und herschwenken, d. h. von rechts nach links, wie bei dem Schlagen einer Glocke. Den linken Zeigefinger dabei hinter die Nadel legen. Wenn sich die Nadel bei dem Hin- und Herschwenken über den linken Zeigefinger beugt, zeitgleich den Daumen nach vorne ausstrecken, wodurch die Nadel leicht in die Tiefe vorgeschoben wird (Abb. 7.24a). Wenn die Nadel auf die andere Seite schwenkt, dagegen den Daumen nach hinten zurückziehen, was die Nadel leicht nach oben steigen lässt (Abb. 7.24b). Das Schwenken selbst wird meist in einem schnelleren Tempo durchgeführt als bei „Der grüne Drache wedelt mit dem Schwanz“. Den ganzen Ablauf 6-mal oder ein Vielfaches davon wiederholen.
Danach die Nadel langsam herausziehen, vor und mit der Nadelentfernung noch in einer Kreisbewegung schwenken, um das Loch zu vergrößern und den Punkt offen lassen.
Tipps für die klinische Praxis
  • Die Technik in einem von dem Krankheitsherd weiter entfernt liegenden Punkt mit der Visualisierung durchführen, das qi „mit Anlauf auf die erkrankte Region abzufeuern“.

  • Die Technik solange fortsetzen, bis das qi zu fließen beginnt, aber cave: Die Nadel nicht länger als 1 min manipulieren.

  • Wenn das qi nicht oder nur zögernd fließt, ausgehend von der Nadelinsertion den Leitbahnverlauf in die Erkrankungsrichtung hin massieren oder beklopfen (Techniken zur Weiterleitung des qi 7.3).

  • Typische Punkte für den Einsatz dieser Methode sind z. B. Di 4, Ma 40 bei psychischen Erregungszuständen.

  • $Di 4Diese Methode kann zusätzlich in Kombination mit dem Ein-/$Ma 40Ausatmen durchgeführt werden. Der Patient sollte dazu auf natürliche Weise durch die Nase ein- und den Mund ausatmen. Während des Ausatmens die Ableitungstechnik (Daumen nach vorne) anhalten.

Wegfliegen (fei fa)
Das „Wegfliegen“ oder auch der „Vogelflug“ (kurz besprochen fei fa (Wegfliegen)unter 7.3.3, 7.4.2) kann in 2 Varianten Wegfliegen (fei fa)durchgeführt werden, einer stärkenden und einer ableitenden Variante (7.4.2).
Indikation: Das Wegfliegen ist eine wirksame Methode zur Stärkung oder Ableitung und wird bei starken Schmerzen angewandt.
Technik:
  • Ausgangsstellung der Finger: Nach dem Nadeleinstich und Erreichen des deqi die Nadel fest zwischen Daumen und Zeigefinger einklemmen und Praxis der Akupunkturdie Nadel rotieren. Dabei sind 2 Ausgangsstellungen der Nadelhaltung möglich (Abb. 7.25aNadeltechnik:komplexe, Abb. 7.26a).

  • Stärkende Variante des Wegfliegens (Abb. 7.25b, Abb. 7.26b): Die Nadel in der Ausgangsstellung hin- und herdrehen. Dann den Zeigefinger während der Rotation plötzlich und schnell ähnlich wie beim Fingerschnippen von dem Daumen lösen. Gleichzeitig die Hand öffnen und alle Finger dabei abspreizen. Die auf diese Weise losgelassene Nadel vibriert stark und gut sichtbar. Die Wirkung ist umso stärker, je deutlicher die Schwingungen ausgeprägt sind.

  • Ableitende Variante des Wegfliegens (Abb. 7.27b, Abb. 7.28b): Die Nadel in der Ausgangsstellung rotieren. Während der Rotation plötzlich und schnell den Daumen ähnlich wie beim Fingerschnippen vom Zeigefinger lösen. Gleichzeitig die Hand öffnen und dabei die Finger bis auf den Zeigefinger abspreizen, der gebeugt wird. Die Teilbeugung des proximalen und distalen Interphalangealgelenks des Zeigefingers zeigt die korrekte Durchführung der Technik an. Die auf diese Weise losgelassene Nadel vibriert stark und sichtbar. Die Wirkung ist umso stärker, je deutlicher die Schwingungen ausgeprägt sind.

Tipps für die klinische Praxis
Für intensive Nadelvibrationen und eine adäquate Weiterleitung wird die Verwendung von eher längeren Nadeln empfohlen.
Die Ausführung der Technik variiert bei adipösen oder asthenischen Patienten:
  • Bei adipösen Patienten (mit Leere-Symptomen): Zunächst die Nadel einmal stärkend in Leitbahnrichtung und dann ableitend entgegen der Leitbahnrichtung drehen. Nach dem Bruchteil einer Sekunde dann die stärkende Variante des „Wegfliegens“ anschließen. Der gesamte Ablauf sollte in einem geschmeidigen Fluss erfolgen.

  • Bei asthenischen Patienten (mit Fülle-Symptomen): Die Nadel zunächst einmal ableitend gegen den Leitbahnfluss, danach einmal stärkend im Leitbahnfluss drehen. Nach dem Bruchteil einer Sekunde die Nadel fest einklemmen und dann die ableitende Variante des „Wegfliegens“ anschließen. Der gesamte Ablauf sollte in einem geschmeidigen Fluss erfolgen.

Nadeltechniken innerhalb von 2 Schichtebenen

Bei den Nadeltechniken innerhalb von 2 Schichtebenen wird die Nadelstichtiefe in 2 Schichten eingeteilt:
  • Nadeltechnik:innerhalb von 2 SchichtebenenDie oberflächliche Schicht: ist relativ und bezieht sich auf die halbe der für den Punkt vorgeschriebenen Stichtiefe. Z. B. bei einem Punkt mit vorgesehener Stichtiefe bis zu 1 cun ist es die Hälfte der maximalen Punkttiefe, also 0,5 cun.

  • Die tiefe Schicht: ist relativ und bezieht sich auf die maximale der für den Punkt Nadeltechnik:komplexevorgeschriebenen Stichtiefe. Z. B. bei einem Punkt mit vorgesehener Stichtiefe bis zu 1 cun ist es die Praxis der Akupunkturmaximale Punkttiefe 1 cun.

Das yin (versteckt sich) im yang (yang zhong yin yin fa)
Kombinationsmethode aus sowohl Das yin (versteckt sich) im yang (yang zhong yin yin fa)stärkenden als auch ableitenden Basistechniken (7.4.2). Diese yang zhong yin yin fa (Das yin (versteckt sich) im yang)werden so miteinander verknüpft, dass zunächst eine stärkende, danach eine ableitende Wirkung am Punkt erzielt wird. Als erstes wird die Stärkung (bu) in der oberflächlichen Schicht durchgeführt, danach folgt die Ableitung (xie) in der tiefen Schicht. Der Patient kann am Ende der Stärkungsreihe eine Wärmesensation und am Ende der Ableitungsreihe eine Kältesensation empfinden. Die Methode ist das „Gegenstück“ zu der Methode „yang im yin“.
Indikation: Syndrome vom Kälte-Typ mit Hitze-Zeichen oder Erkrankungen, die zunächst Kälte-, dann Hitze-Charakter zeigen (z. B. auf Kälte folgt Fieber) sowie für Mangel-Syndrome mit gleichzeitigen Fülle-Zeichen.
Technik:
  • 1. Schritt, Stärkende Komponente (Abb. 7.29): Die Nadel zunächst in die oberflächliche Schicht des Punktes einstechen. Nach Erreichen des deqi in dieser Schicht Nadelmanipulationen im Sinne von Tonisieren durchführen: z. B. 9-mal oder ein Vielfaches davon langsam und stark (mit Krafteinsatz) senken und schnell und sanft (ohne Krafteinsatz, leicht) anheben.

  • 2. Schritt, Ableitende Komponente (Abb. 7.29): Danach die Nadel weiter in die tiefe Schicht des Punktes vorschieben. Nach Erreichen des deqi in dieser Schicht Nadelmanipulationen im Sinne von Ableiten (Sedieren) durchführen: z. B. 6-mal oder ein Vielfaches davon schnell und sanft (ohne Krafteinsatz, leicht) senken und langsam und stark (mit Krafteinsatz) anheben.

  • 3. Schritt, Abschluss (Abb. 7.29): Dann die Nadel entfernen.

Das yang (versteckt sich) im yin (yin zhong yang yin fa)
Kombinationsmethode aus sowohl Das yang (versteckt sich) im yin (yin zhong yang yin fa)stärkenden als auch ableitenden Basistechniken (7.4.2). Diese yin zhong yang yin fa (Das yang (versteckt sich) im yin)werden so miteinander verknüpft, dass zunächst eine ableitende, danach eine stärkende Wirkung am Punkt erzielt wird. Als erstes wird die Ableitung (xie) in der tiefen Schicht durchgeführt, danach folgt die Stärkung (bu) in der oberflächlichen Schicht. Der Patient kann am Ende der Ableitungsreihe eine Kälte-Sensation und am Ende der Stärkungsreihe eine Wärme-Sensation empfinden. Die Methode yin zhong yang yin fa (Das yang (versteckt sich) im yin)ist das „Gegenstück“ zu der Methode „yin im yang“.
Indikation: Das yang (versteckt sich) im yin (yin zhong yang yin fa)Syndrome vom Hitze-Typ mit Kälte-Zeichen oder Erkrankungen, die zunächst Hitze-, Nadeltechnik:innerhalb von 2 Schichtebenendann Kälte-Charakter (z. B. auf Fieber folgt Kälte) zeigen sowie für Fülle-Syndrome mit gleichzeitigen Mangel-Zeichen.
Durchführung:
  • 1. Schritt, Ableitende Komponente (Abb. 7.30): Die Nadel zunächst in die tiefe Schicht des Punktes einstechen. Nach Erreichen des deqi in dieser Schicht Nadelmanipulationen im Sinne von Ableiten (Sedieren) durchführen: z. B. 6-mal oder ein Vielfaches davon schnell und sanft (ohne Kraft, leicht) senken und langsam und stark (mit Krafteinsatz) heben.

  • 2. Schritt, Stärkende Komponente (Abb. 7.30): Danach die Nadel wieder in die oberflächliche Schicht zurückziehen. Nach Erreichen des deqi in dieser Schicht Nadelmanipulationen im Nadeltechnik:komplexeSinne von Tonisieren durchführen: z. B. 9-mal oder ein Vielfaches davon langsam und stark (mit Krafteinsatz) senken und schnell und sanft (ohne Kraft, leicht) heben.

  • 3. Schritt, Abschluss (Abb. 7.30): Dann die Nadel Praxis der Akupunkturentfernen.

Kombinierte Nadeltechniken, die zwischen 3 Schichtebenen durchgeführt werden

Bei den Kombinationstechniken, die zwischen 3 Schichtebenen Nadeltechnik:kombiniertedurchgeführt werden, wird die Stichtiefe des Punktes in 3 Schichtebenen Kombinationstechnikenoder -tiefen eingeteilt:
  • Oberflächliche Schicht: „Himmel“ (tian)

  • Mittlere Schicht: „Mensch“ (ren)

  • Tiefe Schicht: „Erde“ (di)

Die Einteilung der Schichtebenen bzw. -tiefen (Abb. 7.31) wird dabei in Relation zu der vorgeschriebenen Stichtiefe eines Punktes vorgenommen (7.1.7, jeweilige Angaben zu den Punkten in Kapitel 5). So ist z. B. bei einem Punkt mit einer erlaubten Stichtiefe bis maximal 1,5 cun die oberflächliche Schicht 0 bis 0,5 cun, die mittlere 0,5 bis 1 cun und die tiefe Schicht 1 bis 1,5 cun.
Die Techniken sollten möglichst an Punkten in muskelreichen Gebieten angewandt werden.
„Feuer, das den Gebirgswald abbrennt“ (shao shan huo)
Stärkende Kombinationsmethode (bu), da sie Feuer, das den Gebirgswald abbrennt (shaoshan huo)nur Basistechniken zur Stärkung (7.4.2) miteinander verknüpft. shao shan huo (Feuer, das den Gebirgswald abbrennt)Kombination aus Schnell/Langsam, Heben/Senken, 9/6-Methode, Öffnen/Schließen und evtl. Einbeziehen der Atmung.
Wirkung: Diese Technik erzeugt ein Wärmegefühl bei dem Patienten und kann schweißtreibend wirken. shao shan huo (Feuer, das den Gebirgswald abbrennt)Zur Therapie von Kälte-Syndromen.
Punkte zur Durchführung der Technik: Feuer, das den Gebirgswald abbrennt (shaoshan huo)z. B. Ren 12, Gb 20, Di 4, Ma 36.
Durchführung: Die Stichtiefe des Punktes in Relation zu seiner vorgeschriebenen Stichtiefe (7.1.7) in 3 Nadeltechnik:kombinierteSchichtebenen einteilen (Abb. 7.31, Abb. 7.32).
  • 1. Schritt: Nadeleinstich während des Ausatmens und Auslösen des deqi.

  • 2. Schritt: Die Nadel zunächst in die oberflächliche Schicht führen und in dieser Schicht 9-mal oder ein Vielfaches davon stark (mit Krafteinsatz) senken und sanft (ohne Krafteinsatz, leicht) heben.

  • 3. Schritt: Danach die Nadel in die mittlere Schicht einführen, nach dem Auslösen des deqi in dieser Schicht 9-mal oder ein Vielfaches davon stark (mit Krafteinsatz) senken und sanft (ohne Krafteinsatz, leicht) heben.

  • 4. Schritt: Danach den Ablauf in der tiefen Schicht durchführen.

  • Nach einem Durchlauf die Nadel entweder in der tiefen Schicht belassen oder die ganze Vorgehensweise eventuell noch einmal wiederholen (Schritt 2–4), aber nicht öfter als 3-mal Nadeltechnik:komplexehintereinander.

  • 5. Schritt, Abschluss: Die Nadel mit dem Einatmen von der tiefen Schicht aus schnell nach oben herausziehen und den Punkt sofort verschließen.

„Das Kühlende des Himmels einströmen lassen“ (tou tian liang)
Abb. 7.33 Praxis der Akupunktur
Ableitende Kombinationsmethode (xie), da sie Das Kühlende des Himmels einströmen lassen (tou tian liang)nur Basistechniken zur Ableitung (7.4.2) miteinander tou tian liang (Das Kühlende des Himmels einströmen lassen)verknüpft. Kombination aus Schnell/Langsam, Heben/Senken, 9/6-Methode, Öffnen/Schließen und evtl. Einbeziehen der Atmung.
Wirkung: Diese Technik erzeugt ein lokales Kältegefühl beim Patienten. Zur Therapie von Fülle-Hitze-Syndromen.
Punkte zur Durchführung der Technik: z. B. Fülle-Hitze (Di 11), Wind-Hitze (Du 14, Bl $Di 1113, Di $Du 144, Gb $Bl 1320).
Durchführung: Die Stichtiefe des Punktes $Di 4in Relation zu seiner vorgeschriebenen Stichtiefe (7.1.7)$Gb 20 in 3 Schichtebenen oder -tiefen (Abb. 7.31) einteilen.
  • 1. Schritt: Nadeleinstich mit dem Einatmen und Erreichen des deqi.

  • 2. Schritt: Nadel bis in die tiefe Schicht vorschieben, in dieser Schicht das deqi auslösen und die Nadel 6-mal oder ein Vielfaches davon stark (mit Krafteinsatz) heben und sanft (ohne Krafteinsatz, leicht) senken.

  • 3. Schritt: Dann die Nadel auf die mittlere Schicht zurückziehen und nach Erreichen des deqi die Nadel in dieser Schicht 6-mal oder ein Vielfaches davon stark (mit Krafteinsatz) heben und sanft (ohne Krafteinsatz, leicht) senken.

  • 4. Schritt: Danach den Ablauf in der oberflächlichen Schicht durchführen.

  • Nach einem Durchlauf die Nadel entweder in der oberflächlichen Schicht belassen oder die ganze Vorgehensweise eventuell noch einmal wiederholen (Schritt 2–4), aber nicht öfter als 3-mal hintereinander.

  • 5. Schritt, Abschluss: Die Nadel von der oberflächlichen Schicht aus mit dem Ausatmen langsam herausziehen, tou tian liang (Das Kühlende des Himmels einströmen lassen)vor und mit der Nadelentfernung noch mit einer Kreisbewegung Das Kühlende des Himmels einströmen lassen (tou tian liang)schwenken, um das Loch zu vergrößern und den Punkt offen lassen.

„Der Drache steigt ab, der Tiger steigt empor“ (long hu sheng jiang fa)
Neutrale Kombinationsmethode (7.5.2), da in Der Drache steigt ab, der Tiger steigt empor (long hu sheng jiang fa)einem ausgewogenen Verhältnis Basistechniken long hu sheng jiang fa (Der Drache steigt ab, der Tiger steigt empor)zur Stärkung und Ableitung (7.4.2) miteinander kombiniert werden.
Wirkung: Harmonisiert Nadeltechnik:kombiniertewei- und ying-qi. Dabei wird qi aus dem wei-fen (der Abwehr-wei-qi-Schicht) und aus dem ying-fen (der Nähr-ying-Schicht) gesammelt und in die mittlere Schicht transportiert. Sie beseitigt intensiv lokale qi- und Blut-Stagnation, daher ist die Schmerztherapie das klassische Einsatzgebiet. Die Technik nur bei Punkten in muskelreichen Regionen sowie bei Patienten anwenden, die eine starke Nadelstimulation vertragen. Dies ist die intensivste der Kombinationsmethoden, ein guter Punkt für die Durchführung der Methode ist z. B. Ma 36.
Durchführung: Die Stichtiefe eines Punktes in Relation zu seiner vorgeschriebenen Stichtiefe (7.1.7$Ma 36) in drei Schichtebenen (Abb. 7.31, Abb. 7.34) einteilen.
  • 1. Schritt: Nach Nadeltechnik:komplexedem Nadeleinstich und Erreichen des deqi die Nadel in die oberflächliche Schicht führen und sie mit kleinem Rotationswinkel (<180°), eventuell mit Drehbetonung im Leitbahnfluss, hin- und herdrehen.

  • 2. Schritt: Dann die Nadel stark (mit Krafteinsatz) bis in die mittlere Schicht senken und dann sanft (ohne Krafteinsatz, leicht) auf die oberflächliche Schicht heben (zurückziehen) bei Praxis der Akupunkturgleichzeitiger Nadelrotation (<180°, eventuell Drehbetonung im Leitbahnfluss). Diese Vorgehensweise 9-mal wiederholen. Sie wird „der Drache steigt ab“ genannt. Wirkung: Dabei wird qi von der oberflächlichen Schicht (der wei-qi-Schicht oder wei fen) auf die mittlere Schicht geschickt.

  • 3. Schritt: Danach die Nadel von der mittleren Schicht in die tiefe Schicht sanft (ohne Krafteinsatz, leicht) senken und in dieser Schicht die Nadel in großem Rotationswinkel (>180°) und eventuell mit Drehbetonung gegen den Leitbahnfluss hin- und herdrehen.

  • 4. Schritt: Dann die Nadel stark (mit Krafteinsatz) in die mittlere Schicht heben und wiederum sanft (ohne Kraft, leicht) in die tiefe Schicht senken. Diese Vorgehensweise 6-mal wiederholen. Sie wird „der Tiger steigt empor“ genannt. Wirkung: Dabei wird qi von der tiefen Schicht (ying-fen) in die mittlere Schicht geschickt.

  • 5. Schritt, Abschluss: Die Nadel langsam von der mittleren Schicht aus herausziehen und den Punkt offen lassen.

„Die grüne Schildkröte sucht den Punkt“ (cang gui tan xue fa)
Synonym: „Das Buddeln der grünen Schildkröte oder die schwarze Schildkröte Die grüne Schildkröte sucht den Punkt (cang gui tan xue fa)kundschaftet die Höhle aus“.
Stärkende Kombinationsmethode
Wirkung: Die Nadeltechnik wirkt stark tonisierend (stärkend) und der qi-cang gui tan xue fa (Die grüne Schildkröte sucht den Punkt)Fluss der Leitbahn wird stark angeregt.
Durchführung: Die Tiefe eines Punktes in Relation zu seiner vorgeschriebenen Stichtiefe (7.1.7) in drei Schichtebenen einteilen (Abb. 7.31, Abb. 7.35).
  • Nach dem Nadeleinstich die Nadel hin- und herdrehen und stark (mit Krafteinsatz) von der oberflächlichen Schicht bis in die tiefe Schicht senken.

  • Dann die Nadel sanft (ohne Krafteinsatz, leicht) bis unter die Haut zurückziehen.

  • Nun die Stichrichtung verändern und die Nadel wieder unter Rotation stark (mit Krafteinsatz) bis in die tiefe Schicht senken und dann sanft bis unter die Haut zurückziehen. Diese Nadeltechnik:kombinierteVorgehensweise mehrmals mit unterschiedlichen Stichrichtungen wiederholen, bis eine große Ausbreitungsfläche um den Punkt punktiert worden ist. Dabei sollten nacheinander alle 4 Stichrichtungen (ventral, dorsal, medial und lateral des Punktes) eingesetzt werden.

„Fliegender roter Phoenix“ (chi fen ying yuan fa)
Synonym: Der rote chi fen ying yuan fa (Fliegender roter Phönix)Phönix fliegt der Quelle entgegen
Ableitende Kombinationsmethode
Wirkung: Unterstützt vor allem den qi-Fluss in den Leitbahnen und in den luo-Gefäßen (3.7).Fliegender roter Phönix (chi fen ying yuan fa)
Nadeltechnik:komplexeDurchführung: Die Tiefe eines Punktes in Relation zu seiner vorgeschriebenen Stichtiefe (7.1.7) in drei Schichtebenen (Abb. 7.31, Abb. 7.36) einteilen. Zunächst Nadeleinstich und Erreichen des deqi.
  • 1. Schritt: Die Nadel bis in die tiefe Schicht senken, bis dort Praxis der Akupunktureine deqi-Sensation auftritt.

  • 2. Schritt: Dann die Nadel bis in die oberflächliche Schicht heben (zurückziehen) und dort eine deqi-Sensation auslösen.

  • 3. Schritt: Nun die Nadel in die mittlere Schicht führen.

  • 4. Schritt: Hier die Nadel heben und senken und dabei drehen, danach loslassen, was dem kreisenden Fliegen eines Phoenix ähnelt und die Zirkulation des qi-Flusses in den Leitbahnen fördert.

  • Oder in dieser Schicht die Nadel in folgender Weise stimulieren:

    • Wenn sich der Erkrankungsherd in der oberen Körperregion befindet: Mildes Heben/Senken mit Rotation (Hin- und Herdrehen der Nadel) mit Betonung im Uhrzeigersinn (nach rechts) und zeitgleich mit der Einatmung des Patienten.

    • Wenn sich der Erkrankungsherd in der unteren Körperregion befindet: Mildes Heben/Senken mit Rotation (Hin- und Herdrehen der Nadel) mit Betonung gegen den Uhrzeigersinn (nach links) und zeitgleich mit der Ausatmung des Patienten.

  • 5. Schritt, Abschluss: Danach wird die Nadel schnell herausgezogen und der Punkt verschlossen.

dao qi

(modifiziert nach R. Johns, 1999 und Seminarunterlagen F. Ramakers, 2003)
dao qi bedeutet „das qi leiten“ und beschreibt eine Technik, die von Robert Johns, 1999, als das „Juwel der antiken Akupunkteure“ dao qibezeichnet wird. Durch das dao qi wird das qi in die Region geführt bzw. geleitet, in der die Störung lokalisiert ist. Durch das zugeführte qi wird das gestörte qi in der Erkrankungsregion wieder korrigiert und der qi-Fluss gefördert.
Voraussetzungen
Der Patient muss ruhig und entspannt sein. Eine enge Kooperation zwischen Therapeut und Patient ist wichtig, um die Wirkung des dao qi beurteilen zu können. Die Empfindungen bei dieser Technik unterscheiden sich von den anderen Techniken: es fühlt sich an wie ein beständig fließender Wasser- oder Luftfluss. Idealerweise wird bei dem Patienten eine Empfindung erreicht, die vollständig bis in die betroffene, zu therapierende Region zieht. Es fühlt sich dann so an, als ob stetig Wasser vom Akupunkturpunkt in das Erkrankungsareal hineinfließt. Das dao qi kennzeichnet dabei eine leichte, aber gleich bleibende und gleichmäßige Empfindung.
Technik
Zunächst die Nadel mit der Unterstützung der linken Hand (7.2.2) in den ausgewählten Punkt einführen und eine deqi-Sensation auslösen. Die Nadel muss dabei auf den Ort der Erkrankung gerichtet sein. Der Einstichwinkel darf während der Technik des dao qi nicht mehr verändert werden. Nach der Provokation der korrekten deqi-Sensation die Technik des dao qi durchführen. Dazu wird die Nadel wiederholt im Punkt hin und her geschoben (Heben/Senken). Bei der Manipulation ist darauf zu achten, dass die Nadel in beiden Richtungen mit der gleichen Geschwindigkeit, der gleichen Stärke sowie dem gleichen Bewegungsumfang bewegt wird. Jeder Aspekt der Nadelmanipulation muss gleich bleiben. Dies erfordert Nadeltechnik:komplexedie ständige Aufmerksamkeit des Therapeuten. Er muss sich darauf konzentrieren, das „qi zum Laufen zu bringen und in die korrekte Richtung zu leiten“.
Punktauswahl (nach R. Johns)
  • Bei Haut- und Muskelregionen: entsprechende Quell-ying-Punkte (4.1.6)Praxis der Akupunktur

  • Bei Muskeln- und Leitbahnstörungen: entsprechende Bach-shu-Punkte (4.1.6)

  • Bei Störungen der fu-Organe: entsprechende mu-Punkte (4.1.5), Meer-he-Punkte (4.1.6)

  • Bei Störungen der zang-Organe: entsprechende Rücken-shu-Punkte (4.1.4), yuan-Punkte (4.1.1)

Einstichtiefe
Bei der Technik des dao qi sollte einerseits die vorgeschriebene Stichtiefe des einzelnen Punktes (jeweilige Empfehlungen) beachtet sowie andererseits die Stichtiefe je nach Erkrankungsart variiert werden. Das bedeutet z. B., die Nadel oberflächlicher zu setzen bei Hauterkrankungen und im Gegensatz dazu, tiefer zu stechen bei Erkrankungen der zang-Organe oder bei chronischen (tief liegenden) Störungen (siehe auch 7.1.7).
Nadelanordnung
Bei akuten Störungen, d. h. wenn sich die Störung im Pulsbild oberflächlich manifestiert hat, befinden sich die pathogenen Faktoren noch in der Oberfläche. In diesem Fall auf der kontralateralen Seite der Störung nadeln. Bei chronischen Störungen sollte zunächst die betroffene Seite mit der dao qi-Technik therapiert werden. Wenn der gewünschte Therapieeffekt ausbleibt oder unzureichend ist, die kontralaterale Seite nadeln.

Moderne Unterteilungen der (klassischen) Akupunkturtechniken

Die im folgenden Kapitel dargestellten Akupunkturtechniken beziehen sich auf die klassischen (antiken) Nadeltechniken, die im Nei Jing beschrieben werden. Man unterscheidet dao qiAkupunkturtechnik, moderne Unterteilungendie
  • „9 klassischen Stichtechniken“, die sich auf unterschiedliche Erkrankungen beziehen, die entsprechend mit verschiedenen Sticharten behandelt werden (teilweise Bezug auf die 9 antiken Nadeln).

  • „12 klassischen Stichtechniken“, die sich auf die 12 regulären Leitbahnen beziehen.

  • „5 klassischen Stichtechniken“, die sich auf die 5 zang-Organe beziehen.

Oberflächliche Nadeltechniken
Mao ci, Haarfeines Stechen
Technik: Mao ci, haarfeines StechenSehr oberflächliche, schnelle Stechen:haarfeines (Mao ci)Punktion. Wird heute fast nur angewendet mit dem Nadeltechnik:oberflächlichePflaumenblütenhämmerchen (leichtes Klopfen, 7.6.1) oder mit Hautnadeln. Die Nadel dringt nur bis zur Epidermis ein.
Indikation: Narben/Haut/oberflächliche Parästhesien/Kindertherapie
Klassische Quellen: „9 klassische Stichtechniken“
Ban ci, Zur Hälfte Stechen (Lunge/Haut)
Technik: Nadel schnell und Stechen:zur Hälfte Stechen (Ban ci)oberflächlich stechen und sofort wieder herausziehen. Ban ci, Zur Hälfte StechenEmpfindung wie beim Herauszupfen eines Haares. Die Nadel dringt nur bis in das Corium ein.
Nadeltechnik:komplexeIndikation: Haut/Kindertherapie
Klassische Quellen: „5 klassische Stichtechniken“
Fu ci, Schwebendes oder flaches, oberflächliches Stechen
Technik: Die Nadel nur flach s. Stechen:schwebendes oder flaches, oberflächliches Stechen (Fu ci)c. bis höchstens subfascial einstechen, z. B. flach s. c. Fu ci (Stechen, schwebendes oder flaches, oberflächliches)bei der Hand-/Fußgelenkakupunktur oder bei der Penetrationsmethode (Tou ci 7.5.7), aber auch Praxis der Akupunkturbei dem Einsatz von Hautnadeln.
Indikation: Z. B. Hand-/Fußgelenkakupunktur bei chronischen Schmerzen
Klassische Quellen: „12 klassische Stichtechniken“
Zhi ci, Gerade/unmittelbar hineinstechen
Technik: Hautzwickmethode und Stechen:gerade/unmittelbar hineinstechen (Zhi ci)flach s. c./horizontal hineinstechen (tiefste der oberflächlichen Techniken)
Zhi ci (gerade/unmittelbar hineinstechen)Indikation: Stechen:gerade/unmittelbar hineinstechen (Zhi ci)Bei Erkrankungen, die sich noch in der Oberfläche befinden: oberflächlicher Zhi ci (gerade/unmittelbar hineinstechen)pathogener Faktor (z. B. Kälte, oberflächliche Muskelkrämpfe, oberflächliche Hitze in der Haut z. B. bei Juckreiz/Urtikaria).
Klassische Quellen: „12 klassische Stichtechniken“
Tiefe Nadeltechniken
Fen ci, Geteiltes Stechen (an Gewebegrenze)
Technik: Nadel Nadeltechnik:tiefeAkupunkturtechnik, moderne Unterteilungensenkrecht in die tiefe Muskulatur Fen ci (Geteiltes Stechen)stechen bis knapp über das Periost (Gewebegrenze Muskel/Periost)
Stechen:geteiltes (Fen ci)Indikation: Muskelschmerzen, -verspannungen und -spasmen
Klassische Quellen: „9 klassische Stichtechniken“
Duan ci, Kurzes Stechen (auch bewegtes Stechen)
Technik: Stechen mit bewegter Nadel (für periostale Duan ci (kurzes Stechen)Punkte), d. h. die Nadel schrittweise in kurzen Intervallen in Stechen:kurzes (Duan ci)die Tiefe einstechen. Die Nadel langsam bis in Knochennähe senken, wobei sie während des schrittweisen Senkens jeweils nach links und rechts hin- und hergeschwenkt wird (leitet pathogene Faktoren aus). Am Periost angekommen, die Nadel noch mehrmals in dieser Schicht heben und senken („periostale Akupunktur“) und dann herausziehen.
Cave: Nie den Knochen berühren! Diese Technik sollte nur von geübten Therapeuten mit sicherer Nadelführung angewandt werden, da die Gefahr einer traumatischen Periostverletzung besteht!
Indikation: Knochen-bi-Syndrome (z. B. rheumatische Erkrankungen mit Muskelschmerzen/-schwellungen in Knochennähe/Periostschmerzen)
Klassische Quellen: „12 klassische Stichtechniken“
Shu ci, Transportierendes Stechen
Technik: (shu: zerstreuen, ableiten). Zunächst deqi Shu ci (Transportierendes Stechen)auslösen und dann senkrecht und tief in Stechen:transportierendes (Shu ci)das Schmerzareal hineinstechen, dort (ableitende) Nadelmanipulationen (7.4.2) durchführen und Nadeltechnik:komplexeentweder sofort wieder herausziehen oder noch einige Minuten in dem Schmerzareal belassen. Nach der Nadelentfernung den Punkt offenlassen.
Indikation: Tiefsitzende Schmerzen und Praxis der AkupunkturSchwellungen (akut, Fülle, Hitze)
Cave: Wirkt stark ableitend. Konstitution beachten und nur wenige Punkte auswählen und therapieren.
Klassische Quellen: „12 klassische Stichtechniken“
Shu (gu) ci, Den Knochen stechen (Niere)
Technik: Shu (ghu) ci (Den Knochen stechen (Niere))Für Periost und Sehnenansätze, senkrechter Stich bis zum Periost. Die Tiefe Stechen:Den Knochen stechen (Niere) (Shu (gu)ci)ist wie bei Duan ci, die Nadel aber direkt in die entsprechende Tiefe senken und dort ein deqi auslösen.
Cave: Nie den Knochen Shu (ghu) ci (Den Knochen stechen (Niere))berühren! Technik sollte nur von geübten Therapeuten mit sicherer Stechen:Den Knochen stechen (Niere) (Shu (gu)ci)Nadelführung angewandt werden, da die Gefahr einer traumatisierenden Periostverletzung besteht!
Indikation: Knochen-bi-Syndrome (z. B. rheumatische Erkrankungen mit Knochenbeteiligung/Periostschmerzen).
Klassische Quellen: „5 klassische Stichtechniken“
Guan ci, Das Gelenk stechen (Leber)
Technik: Die Akupunkturtechnik, moderne UnterteilungenNadeltechnik Stechen:Das Gelenk stechen (Leber), (Guan ci)wird an den Sehnenansätzen in den Gelenkregionen durchgeführt. Der Punkt wird nach der Guan ci (Das Gelenk stechen (Leber))Nadelentfernung sofort verschlossen, um eine Blutung zu verhindern (außer bei sehr starker Hitze, dann nicht so tief in die Sehne hineinstechen).
Cave: Schmerzhafte Nadeltechnik. Sichere, professionelle Nadelführung ist wichtig, da die Gefahr einer Traumatisierung besteht!
Indikation: Sehnen-bi-Syndrome (z. B. rheumatische Erkrankungen mit Sehnenbeteiligung)
Klassische Quellen: „5 klassische Stichtechniken“
Hui ci, Entspannendes oder ausstrahlendes Stechen
Technik: Die Stechen:entspannendes auder ausstrahlendes (Hui ci)Nadel zunächst senkrecht in den Schmerzpunkt einführen, durch Heben/Senken Hui ci (Entspannendes oder ausstrahlendes Stechen)eine deqi-Sensation auslösen, dann in die oberflächliche Schicht heben (zurückziehen) und von hier aus nacheinander schräg in alle vier Richtungen (sternförmig) in die Tiefe um den Punkt herumstechen, dabei die Nadel zusätzlich nach rechts und links schwenken (Loch vergrößern).
Wirkung: Wirkt sehr entspannend auf die Muskulatur
Indikation: Bei Sehnen- und Muskel-bi-Syndromen, Muskelschmerzen und -spasmen, Peritendinitis
Klassische Quellen: „12 klassische Stichtechniken“
Mehrfach Stechen
Grundsätzlich beinhaltet „Mehrfach Stechen“ 2 Varianten: entweder wird eine Nadel in mehrere Punkte eingestochen oder aber mehrere Nadeln werden Stechen:mehrfachesin einen Punkt gestochen.
Bao ci, Nachspürendes Stechen
In Praxis der Akupunktureinem Schmerzgebiet (Muskel Bao ci (Nachspürendes Stechen)oder Leitbahnverlauf) ohne Stechen:nachspürendes (Bao ci)Fixationspunkt (wanderndes bi) wird wiederholt die Nadel eingestochen und stimuliert.
Technik: Nadeltechnik:komplexeZuerst den schmerzhaftesten Punkt im Schmerzareal aufsuchen und dort die Nadel hineinstechen und stimulieren. Dann die Nadel zunächst belassen – der gespannte Muskeltonus lässt an der entsprechenden Stelle nach – und den jetzt aktuell schmerzhaftesten Punkt in dem Areal finden (nachspüren). Die Nadel wieder Bao ci (Nachspürendes Stechen)herausziehen und in diesen 2. Stechen:nachspürendes (Bao ci)Punkt einstechen. Diese Vorgehensweise mehrfach wiederholen. Dabei sollte die Nadel in jeden sich Stechen:mehrfachesnachfolgend darstellenden „Haupt“-Schmerzpunkt eingestochen werden. Man verfolgt sozusagen den „wandernden“ Schmerz.
Indikation: Bei Muskel-/Sehnen-bi-Syndromen, insbesondere bei Wind-bi-Syndromen (Beschwerden mit alternierendem Charakter und wechselnder Lokalisation)
Klassische Quellen: „12 klassische Stichtechniken“
He gu ci, Stechen im Tal (Milz/Muskelfleisch)
Technik: Die He gu ci (Stechen im Tal (Milz/Muskelfleisch)Nadel am Schmerzpunkt tief senkrecht (z. B. in den Muskel) hineinstechen, dann Stechen:im Tal (Milz/Muskelfleisch) (He gu ci)zurückziehen und schräg nach rechts, nach erneutem Zurückziehen schräg nach links einstechen (wie ein Hühnerfuß). Variante als 3-Nadel-Methode: Zeitgleich 1 Nadel senkrecht, Akupunkturtechnik, moderne Unterteilungendann jeweils 1 Nadel schräg rechts und schräg links von dem Schmerzpunkt platzieren.
Indikation: Zur Muskelentspannung bei Muskelschmerzen und -spasmen. Einsatz dieser Technik aber auch bei Struma oder entsprechenden Gewebsverquellungen und -schwellungen.
Klassische Quellen: „5 klassische Stichtechniken“
Ou ci, Gepaartes oder doppelseitiges Stechen (2 Nadeln)
Technik: 2-Nadeltechnik. Klassisch: shu-mu-Methode (4.3.3): den Rücken-shu-Punkt in Ou ci: Gepaartes oder doppelseitiges Stechen)Kombination mit dem mu-Punkt des zang-/fu-Organs nadeln
Variante in der Schmerztherapie:Stechen:gepaartes oder doppelseitiges (Ou ci) Wirkungsverstärkung durch je eine Nadel am Ober- und Unterrand von Schmerzarealen oder schmerzhaften Muskeln
Indikation: Je nach Beschwerden und Punktlokalisation. In der Schmerztherapie zur Muskelentspannung
Klassische Quellen: „12 klassische Stichtechniken“
Qi ci, Gemeinsames oder konzentriertes Stechen (3 Nadeln)
Technik: 3-Qi ci (Gemeinsames oder konzentriertes Stechen)Nadeltechnik. 1 Nadel senkrecht in den Punkt einstechen, dann 2 Nadeln lateral daneben Stechen:gemeinsames oder konzentriertes (Qi ci)schräg mit Fokus auf die senkrechte Nadel einstechen.
Indikation: Bei konzentriertem, tiefsitzendem Schmerz, bei Kälte-bi-Syndrom auch in Verwendung mit Moxibustion
Klassische Quellen: „12 klassische Stichtechniken“
Yang ci, Leichtes oder Zerstreuungs-Stechen (5 Nadeln)
Technik: 5-Stechen:Leichtes oder Zertreuungs-Stechen (Yang ci)Nadeltechnik. 1 Nadel senkrecht in den Punkt einstechen, dann 4 weitere Nadeln von 4 Yang ci (Leichtes oder Zertreuungs-Stechen)Richtungen aus mit Fokus auf die Nadel flach s. c. oder schräg sternenförmig einstechen.
Indikation: Bei oberflächlichem Schmerz (z. B. bei Herpes zoster), Hautproblemen (z. B. Nadeltechnik:komplexeUrtikaria, dann um die betroffene Hautregion herumstechen), oberflächlichem Kälte-bi-Syndrom.
Yang ci (Leichtes oder Zertreuungs-Stechen)Klassische Quellen: „12 klassische Stichtechniken“
Bang ci, Kräftigendes Stechen oder Stechen mit Nebenstich
Technik: Neben einer bereits Stechen:Kräftigendes oder Stechen mit Nebenstich(Bang ci)im Punkt platzierten Nadel wird eine zweite „Neben“-Nadel Ban ci (Kräftigendes Stechen oder Stechen mit Nebenstich)eingestochen (2 Varianten, siehe Abb. 7.39ePraxis der Akupunktur). Diese Technik beinhaltet aber auch im Sinne einer Stechen:mehrfachesWirkungsverstärkung folgende Variante: z. B. Stechen beider Knieaugen oder gleichzeitiges Stechen SJ 14 und Di 15.
Indikation: Bei chronischen bi-$SJ 14Syndromen oder chronischem lokalisiertem Schmerz
Klassische Quellen:$Di 15 „12 klassische Stichtechniken“
Bluten lassen
Luo ci, Stechen von luo-Gefäßen
Technik: Luo ci (Stechen von luo-Gefäßen)Mikroaderlass (Stechen:Stechen von luo-Gefäßen (Luo ci)Blutenlassen) an luo-Gefäßen (auch 7.6.1, 3.7)
MikroaderlassIndikation: Bluten lassenHitze-Syndrome, lokalisierte Blutstagnation, Halsschmerzen (z. B. Lu Akupunkturtechnik, moderne Unterteilungen11)
Klassische Quellen: „9 klassische Stichtechniken“
Bao wen ci, Stechen wie ein Leopard (Herz)
Technik: Rings um die Einstichstelle 4 weitere Nadeln $Lu 11Stechen:Wie ein Leopard (Herz) (Bao wen ci)einstechen, um Blut aus den luo-Gefäßen (3.7) abzulassen
Indikation: Bao wen ci (Stechen wie ein Leopard (Herz))Klassisch: Blutenlassen von kleinen Gefäßen, um stagniertes Blut zu entfernen (Herz), heute v. a. Einsatz bei Hautproblemen mit pathogener Hitze
Klassische Quellen: „5 klassische Stichtechniken“
Zan ci, Unterstützendes Stechen
Technik: Eine Nadel senkrecht ein- und Stechen:unterstützendes (Zan ci)ausführen und mehrmals flach s. c. einstechen, bis es zu einer Blutung Can ci (Unterstützendes Stechen)kommt
Indikation: (klassisch bei Abzessen etc.), um oberflächlich Hitze auszuleiten (z. B. bei Herpes zoster)
Klassische Quellen: „12 klassische Stichtechniken“
Da xie ci, Kräftigendes Stechen
Technik: Mit der Lanzette Eiter Stechen:Kräftigendes (Da xie ci)herauslassen
Indikation: Chirurgische Intervention!
Klassische Da xie ci (Kräftigendes Stechen)Quellen: „9 klassische Stichtechniken“
Techniken, die dem Leitbahnverlauf folgen
Jing ci, Stechen von Leitbahnen, Knotenbildungen
Technik: Tendino-Muskuläre Leitbahnen (Jing ci (Stechen von Leitbahnen, Knotenbildung) 3.5), tiefer Stich an Triggerpunkten mit ableitender Nadeltechnik
Leitbahn:StechenIndikation: Schmerztherapie
Klassische Quellen: „9 klassische Stichtechniken“
Shu ci, Transportierendes Stechen
Technik: Nadeltechnik:komplexeKlassisch bezieht sich Shu ci (Transportierendes Stechen)diese Technik auf die Nadelung der shu-Punkte (5-shu- und die Rücken-Stechen:transportierendes (Shu ci)shu-Punkte), die v. a. auf die zang/fu-Organe wirken
Indikation: Moderne Anwendung: Nadelung der 5 shu-Punkte (4.1.6), Rücken-shu-Punkte (4.1.4), Untere-Meer-xiahe-Punkte (4.1.9), yuan-Punkte (4.1.1) und xi-Punkte (4.1.3) mit Wirkung v. a. auf die zang-/fu-Organe
Klassische Quellen: „9 klassische Stichtechniken“
Yin ci, Stechen mit yin-Charakter
Technik: Die Punkte werden Praxis der AkupunkturYin ci (Stechen mit yin-Charakter)bilateral, sowohl links, wie auch rechts gestochen
Indikation: Stechen:mit yin Charakter (Yin ci)Klassisch: Nadelung von Ni 3. Moderne Anwendung: bilaterales Stechen der Punkte bei Schwächezuständen
Klassische Quellen: „12 $Ni 3klassische Stichtechniken“
Akupunktur unterschiedlicher Punkte
Yuan dao ci, Fernpunktstechen
Technik: Stechen von Fernpunkten (4.Fernpunktstechen (Yuan dao ci)3.2)
Indikation: V. a. in der Schmerztherapie, bei Yuan dao ci (Fernpunktstechen)Bewegungseinschränkungen z. B. bei bi-Syndromen
Klassische Quellen: „9 klassische Stichtechniken“
Ju ci, Große Akupunkturmethode
Technik: Akupunkturtechnik, moderne UnterteilungenGegenseitig/Ju ci (Große Akupunkturmethode)Akupunkturmethoden:große (Ju ci)Überkreuznadelung. Nadelung der Punkte von den Hauptleitbahnen (3.3) und Akupunkturmethoden:eigentümliche (Miu ci)den 8 außerordentlichen Gefäßen (3.8)
Indikation: z. B. bei linksseitigen Erkrankungen werden die entsprechenden Punkte auf der gegenseitigen, d. h. rechtsseitigen Körperregion gestochen
Klassische Quellen: „9 klassische Stichtechniken“
Miu ci, Eigentümliche Methode
Technik: Kontralaterale Nadelung entweder der entsprechenden luo-Punkte (4.1.2) oder entlang des luo mai (Miu ci (Eigentümliche Akupunkturmethode) 3.7) oder in ashi-Punkten oder Brunnen-jing-Punkten (4.1.6)
Indikation: Akute Symptome, Erkrankung befindet sich noch in der Oberfläche
Tou ci, Durchstechmethode (Penetrationsmethode)
Technik: z. B. Pe 6–SJ 5. Cave: Traumatisierend, wird im Westen $SJ 5$Pe 6eher nicht verwendet
Cui ci, Stechen mit der Feuer- oder Flammennadel
Technik: Stechen Tou ci (Durchstechmethode)Durchstechmethode (Tou ci)mit erhitzter Nadel. Für diese Technik gibt es spezielle Nadeltypen. Technik wird im Westen selten angewandt
Indikation: bi-Syndrome
Klassische Quellen: „9 klassische Stichtechniken“

Die Akupunktur ergänzende Methoden

Mikroaderlass

Mikroaderlass mit Lanzette oder Dreikantnadel (san ling zhen)
Der Mikroaderlass oder das Akupunkturmethoden:ergänzendeBlutenlassen der kleinen Gefäße (luo ci fa) Mikroaderlassmit der Dreikantnadel (san ling zhen) ist eine Technik, die bei den 9 klassischen Akupunkturmethoden (bezieht sich z. T. auf die 9 Nadeltypen 7.5.7) beschrieben Bluten lassenwird. Im Westen wird oft eine Blutzuckerlanzette anstatt der Dreikantnadel eingesetzt.
Wirkung: Leitet Hitze ab, bewegt qi und Blut, macht Leitbahnen und luo-Gefäße durchgängig
Indikation: Einsatz bei Erkrankungen mit venöser Blutstauung, bi-Syndromen (Tab. 7.4)
Kontraindikation: Schwächezustände, Blutgerinnungsstörungen, Schwangerschaft ab dem 4. Monat, post partum, Anämie, Hypotonus
Differenzierung folgender Methoden:
  • Schnelle, Praxis der Akupunkturblutige Nadelung (Punktion): Durchführung der Technik mit der Dreikantnadel oder dem Schnäpper

  • Langsame, blutige Nadelung (Punktion): Durchführung der Technik mit dünneren Instrumenten, z. B. einer dünneren Dreikantnadel, dem kleinen Blutabnahmeskalpell oder einer etwas dickeren, handelsüblichen Kanülennadel

Streustriche: Mehrere im betroffenen Gebiet verteilte Stiche mit der Dreikantnadel, z. B. über einem Muskelhartspann setzen. Als alternative, weniger schmerzintensive Methode kann das Areal mit dem Pflaumenblütenhämmerchen unter starker Stimulation „blutig geklopft“ und nachfolgend „blutig“ geschröpft werden (siehe auch Mikroaderlass mit Pflaumenblütenhämmerchen oder „blutiges Schröpfen“).
Venenpunktion: Kleine Venen oder Venolen („luo-Gefäße“) (3.7) werden angestochen und etwas Blut abgelassen. Cave: Hautinfektion, Kollapsvorbeugung (Rückenlagerung) wegen der starken Stimulation, Kontraindikationen beachten!
Technik:
  • Vorbereitung: Vor der Punktion die Haut reiben, um die Durchblutung in dem Punktionsgebiet zu erhöhen. Bei der Punktion der Punkte an Fingern und Zehen das jeweilige Zehen- oder Fingerendglied wie beim Melken von proximal nach distal reiben, um das Blut in Richtung Zehen- oder Fingerspitzen zu bewegen.

  • Durchführung: Die Nadel wie einen Stift in die Hand nehmen, dabei die Spitze vorstehen lassen. Dann die Nadel zügig und nur oberflächlich (ca. 1–3 mm in die Haut, auf kleinen Venen 2–5 mm auf der Haut) einstechen und rasch wieder herausziehen. Die Punktionsstelle, z. B. der Finger, muss während des Stechvorgangs mit der anderen Unterstützungshand fixiert werden. Nach der Punktion das Blut aus der Einstichstelle herausdrücken. Hilfreich für den weiteren Blutfluss ist das wiederholte Abwischen mit einem alkoholgetränkten Tupfer während des Mikroaderlasses.

Mikroaderlass mit Pflaumenblütenhämmerchen (mei hua zhen)
Halten des Pflaumenblütenhämmerchens
Stimulationsgrade
  • Leichte Stimulation: Leichtgradig (Mikroaderlass:mit Pflaumenblütenhämmerchenmit wenig Krafteinsatz) klopfen bis zu einer leichten Akupunkturmethoden:ergänzendelokalen Hautrötung. Wirkung: Stärkend (bu). Einsatz v. a. bei Kindern, älteren oder geschwächten Praxis der AkupunkturPatienten (Linienführung Abb. 7.41).

  • Mittlere Stimulation: Mittelgradig (d. h. mit etwas mehr Krafteinsatz) klopfen bis zu einer stärkeren Hautrötung. Therapeutisch erwünscht ist auch eine eventuelle leichte Papelbildung der Haut. Es dürfen aber noch keine Hautblutungen auftreten, dann war die Manipulation zu stark. Der Patient sollte bei der Behandlung eine leichtgradige Missempfindung verspüren. Wirkung: Stärkend (bu), Methode aktiviert den qi- und Blutfluss (Linienführung Abb. 7.41).

  • Starke Stimulation: Mit starkem Krafteinsatz und ausholender Hämmerchenbewegung bis zu leichtgradigen oberflächlichen Hautblutungen klopfen. Der Therapie- und Mikroaderlasseffekt kann durch anschließendes Schröpfen der behandelten Zonen gesteigert werden. Wirkung: Wirkt aus- und ableitend (xie), beseitigt lokale Hitze und überschüssiges yang (Linienführung Abb. 7.41).

Indikationen

Pflaumenblütenhämmerchen: Indikationen und Behandlungsregionen

Tab. 7.5
Indikation Behandlungsregion
Erkrankungen von äußerem Genitale, Anus, Perineum Os coccygis
Kopfschmerzen, Migräne Nach Kopfschmerzlokalisation
Erkrankungen von Magen, Respirationstrakt, Lymphsystem Unterkieferregion
Erkrankungen von Respirationstrakt/Gastrointestinaltrakt, oberen Extremitäten, HWS, Schulterblatt Über M. sternocleidomastoideus
Erkrankungen der oberen Extremitäten,Respirationstrakt, Herz Oberhalb/unterhalb der Clavicula
(Nacken-)Kopfschmerzen Oberhalb des Schulterblattes
Erkrankungen der oberen Extremitäten Schulterblattrand medial
Erkrankungen von Milz, Magen, Leber, Gallenblase, Pankreas Oberbauchzone
Erkrankungen der Genitalorgane Inguinalzone
Erkrankungen der unteren Extremitäten Untere Sakralzone
Erkrankungen von Augen, Nase, Zunge HWK 1–4 paravertebral
Erkrankungen von Rachen, Tonsillen, Schilddrüse, regionale LK, Nacken-/Schulterbereich HWK 5–7 paravertebral
Erkrankungen von Respirationstrakt, Herz, oberen Extremitäten BWK 1–5 paravertebral
Erkrankungen von Milz, Magen, Dünndarm BWK 5–12 paravertebral
Erkrankungen von Leber, Gallenblase, Blutgefäßen, Diaphragma BWK 7–12 paravertebral
Erkrankungen von Urogenitaltrakt, Rektum LWK 1–5 paravertebral
Erkrankungen der unteren Extremitäten LWK 4–5 paravertebral
Erkrankungen der unteren Extremitäten S 1–3 paravertebral
Erkrankungen der Genitalorgane S 1–5 paravertebral
gua sha-Methode (gua sha fa)
Die gua sha-Methode ist eine gua sha-Methode (gua sha fa)Schabetechnik auf der Haut. Sie Akupunkturmethoden:ergänzendegehört noch mehr als das SchabetechnikSchröpfen (7.6.3) zur Volksmedizin. Im Westen hat sich v. a. Arya Nielsen (1995) um eine Praxis der Akupunkturfundierte Verbreitung dieser Methode verdient gemacht.
Wirkung: Vertreibt äußere pathogene Faktoren von der Oberfläche, bewegt die Körperflüssigkeiten sowie stagniertes qi und Blut, stabilisiert die Poren und verhindert dadurch ein weiteres Eindringen von pathogenen Faktoren.
Indikation: Bei Störungen mit Eindringen von äußeren pathogenen Faktoren wie Kälte, Feuchtigkeit, Akupunkturmethoden:ergänzendeTrockenheit, Hitze und Wind mit Bockaden von qi und Blut in Leitbahn- und luo-Gefäßbereich (Tab. 7.6).
Kontraindikation: Schabetechnik nicht über Hautverletzungen oder -infektionen, z. B. Pickel, Wunden, Pigment- oder Leberflecken sowie Sonnenbrand anwenden. Einzelne Pickel, Wunden oder Leberflecken können während der Therapie mit der Unterstützungshand abgedeckt werden, sodass nur über- oder unterhalb der betroffenen Hautstelle geschabt wird. Kein gua sha bei Schwangeren über dem Abdomen. Nicht bei sehr geschwächten Patienten anwenden.
Material: Flacher breiter, etwas gerundeter Gegenstand, z. B. eine dicke Münze oder Löffel gua sha-Methode (gua sha fa)(z. B. chinesischer Suppenlöffel), in Asien gibt es auch spezielle Schabegegenstände aus Praxis der AkupunkturWasserbüffelhorn
Sha- Syndrom“:
Nach Arya Nielsen (1995) ist das sha-Syndrom eine Erkrankung, die durch Exposition gegenüber Akupunkturmethoden:ergänzendeäußeren pathogenen Faktoren wie z. B. Wind, Kälte oder Feuchtigkeit (Nässe) auftritt und zu einer Blockade der Leitbahnen führt. Manifestationen sind Frösteln, Fieber, Spannungsgefühl und Schmerzen im Körper. Andere Manifestationen sind Erbrechen und Durchfall oder Steifheit und Taubheit der Extremitäten. Man sollte generell bei Störungen oder Krankheiten das Vorhandensein von sha vermuten, insbesondere aber, wenn Schmerzen an der Erkrankung mitbeteiligt sind. Zudem kann die Reaktion auf das gua sha wichtige diagnostische und prognostische Hinweise liefern.
Hinweise auf vorhandenes sha (Abb. 7.42) in der Praxis:
  • Lokalisation und zu behandelnde Zonen: In den Regionen nach sha suchen, wo die Beschwerden auftreten (Tab. 7.6)

  • Überprüfung, ob sha vorhanden ist: Bei der Patientenuntersuchung der schmerzhaften oder betroffenen Areale mit den Fingern auf die Haut des Patienten drücken und die Hand dann schnell zurückziehen. sha ist nach Ansicht von Dr. So/Arya Nielsen (1995) dort vorhanden, wo die Druckstellen eine Zeitlang weiterhin sichtbar bleiben (Abb. 7.42). Durch den auf das Gewebe ausgeübten Druck wird das Blut verdrängt und es entstehen „weiße Stellen“. Diese verschwinden bei regelrechtem qi- und Blutfluss sofort wieder, bilden sich aber bei gestörtem und verlangsamtem Blutfluss erst verzögert wieder zurück.

Technik des gua sha
Vorbereitung: gua sha kann mit Akupunktur kombiniert werden. Hier empfiehlt Arya Nielsen die Akupunkturnadelung z. B. der ashi- oder Triggerpunkte vor der Anwendung des gua sha, da durch die Akupunktur das stagnierte qi und Blut aktiviert wird. Nachfolgend kommt es bei der gua sha-Behandlung zu noch stärkerer Petechienausbildung an der Oberfläche. Vor der Behandlung etwas Therapieöl unter leichter Massage in der Behandlungsregion auftragen und das Gebiet auf Spasmen, Muskelverspannungen und Triggerpunkte hin untersuchen.Praxis der Akupunktur
Durchführung: Über den betroffenen Regionen den Schabegegenstand mit der abgerundeten, stumpfen Kante in einem 30° Winkel zur Haut (Abb. 7.43) in einer Richtung sanft, aber mit leichtem Druck über die Haut schaben. Bei der Nutzung eines Löffels die nach außen gewölbte Form verwenden, um ein Schneiden zu vermeiden. Die Striche über dem Behandlungsgebiet solange wiederholen, bis alles sha an die Oberfläche gelangt ist. Dieser Moment kann für den Patienten der Beginn von Missempfindungen auf der Haut sein. Ein weiteres Kennzeichen ist auch, dass sich keine weiteren Petechien mehr über dem Gebiet bilden (kein weiteres sha mehr sichtbar „nachkommt“).
Strichfolge: Arya Nielsen empfiehlt, eine gua sha-Methode (gua sha fa)regelmäßige Abfolge und Strichfolge bei der Therapie mit gua sha einzuhalten (Abb. 7.44)

Nach einer gua sha-Behandlung die betroffenen und therapierten Regionen erst wieder mit gua sha therapieren, wenn die Petechien bzw. Hauterscheinungen möglichst vollständig zurückgebildet sind.

Moxibustion

Die Moxibustion (chinesisch „jiu“, übersetzt „Brennen“) ist eine kombinierte Phyto- und Wärmetherapie. Darunter versteht man Akupunkturmethoden:ergänzendeMoxibustiondie Erwärmung von Arealen oder Akupunkturpunkten mittels glimmenden Beifußkrautes (Artemisia vulgaris).
Die Wirkung des Abbrennens von Beifußkraut besteht darin, das yang zu stärken, Kälte zu vertreiben und Feuchtigkeit aus den Leitbahnen, der Oberfläche sowie den Organen zu „trocknen“. Zusätzlich fördert es durch die aktivierende Wärme die qi- und Blutzirkulation und wird daher auch bei qi- und Blutstagnation eingesetzt.
Indikationen
Praxis der Akupunktur Tab. 7.7
Einsatz v. a. bei Kälte-Symptomen. Beispiele:
  • Bei Fülle-Kälte-Syndromen: z. B. akuter Infekt mit Schüttelfrost und Gliederschmerzen zusätzlich in Kombination mit ableitender Nadeltechnik (7.4.2)

  • Bei Mangel-Kälte-Syndromen: z. B. bei yang-Mangel-Syndromen mit Erschöpfung, am besten in Kombination mit stärkender Nadeltechnik (7.4.2)

  • Ödembildung („blasses“ Ödem, nicht durch Entzündung bedingtes Ödem). Hier nur vorsichtig moxen wegen möglicher Sensibilitätsminderung der minderdurchbluteten Areale.

  • Bei Schmerzen, z. B. des Bewegungsapparates oder in der Gynäkologie, die durch den pathogenen Faktor Kälte mit verursacht werden. Kältezeichen ist ein bohrender, durchdringender Schmerzcharakter mit oft fixierter Lokalisation. Hier kann am Hauptschmerzpunkt die Moxibustion durchgeführt werden.

  • Zur Prävention: Klassisch wird z. B. zur Stärkung der Abwehrkraft Ma 36 regelmäßig gemoxt.

Kontraindikationen
  • Hitzesyndrome: z. B. yang-Fülle-Syndrome ($Ma 36mit äußerem oder innerem pathogenem Faktor Hitze) oder yin-Mangel-Syndrome (mit relativem Übermaß an yang) oder auch ein kombinierter yin- und yang-Mangel (mit z. B. Hitze-, aber auch Kältezeichen).

  • Fieberhafte und akut infektiöse Erkrankungen, akute Entzündungen, Blutungen

  • Hypertonus (relativ), Kleinkinder (empfindliche Haut), Schwangerschaft: im Bereich der Unterbauchregion

  • Kontraindiziert: Punkte über oberflächlichen Gefäßen, Krampfadern, an MoxibustionSchleimhäuten, infizierte und akut entzündete Hautregionen, schlecht heilende Wunden. Cave: v. a. bei Patienten mit pAVK oder Diabetes mellitus Verbrennungsgefahr wegen Sensibilitätsstörungen

  • Ungünstige Lokalisationen sind z. B. Punkte am Ohr, in der Augenregion, am behaarten Kopf, über Akupunkturmethoden:ergänzendeOrganen, die dicht unter der Hautoberfläche liegen oder Punkte in unmittelbarer Nähe zu Arterien oder Nerven wie z. B. Bl 40, Lu 9 (siehe entsprechende Hinweise bei den Punkten).

Tipps

Praxis der AkupunkturDer Patient muss während der Moxibustion ständig beaufsichtigt werden. Für die Nadelentfernung eine feuerfeste Schale mit Pinzette sowie standfeste Moxalöscher zum sicheren Abstellen und Löschen z. B. von Moxazigarren bereithalten.
Die Moxibustion so lange durchführen, bis sich im behandelten Areal ein intensives Wärmegefühl ausgebreitet hat.
Anwendung nur in gut belüftbaren Räumen (eventuell Absaugvorrichtung).
Nach der Moxabehandlung sollte der Pat. nicht sofort etwas Kaltes trinken, sich warm ankleiden, möglichst noch etwas ausruhen und nicht unmittelbar nach der Behandlung etwas essen (ggf. etwas Warmes trinken und eine kleine, warme Mahlzeit zu sich nehmen, aber keine Rohkost!), um den Wärmeeffekt auszunutzen.
$Bl 40
Direkte Moxibustion
Die $Lu 9Moxakegel werden direkt auf die Haut aufgesetzt und bis auf 2⁄3 des Materials heruntergebrannt und dann Moxibustion:direkteentfernt. Die chinesische Methode der direkten Moxibustion, bei der die Kegel ganz herunterbrennen und entsprechende Hautläsionen und Narben hinterlassen, ist im Westen kontraindiziert.
Indirekte Moxibustion
Moxibustion:direkteBei der indirekten Moxibustion kommt es nicht zu einem direkten Hautkontakt. Es werden verschiedene Verfahren Moxibustion:indirektedifferenziert:
Moxazigarre
Die Haut oder auch eine im Akupunkturpunkt platzierte Nadel wird durch eine Moxazigarre erwärmt Akupunkturmethoden:ergänzende(Abb. 7.45). Folgende Methoden werden dabei unterschieden:
  • Punktuelle Moxibustion mit Moxazigarre (Abb. 7.45b): Die Zigarre wird solange in einem Abstand von ca. 2–3 cm über den Akpunkturpunkt gehalten, bis der Patient eine deutliche Wärmesensation verspürt. Dann die Moxazigarre entfernen und mit dem Daumen der anderen Hand einige Zeit auf die Stelle drücken, um ein Entweichen der Wärme-Energie zu verhindern. Dieser Vorgang kann ca. 5 Minuten lang auf jedem Punkt wiederholt werden.

  • „Vogel-Pick“-Methode (Abb. 7.45a,b): ca. 5–15 Minuten lang wird eine glimmende Zigarre über dem Punkt – wie ein Specht – ohne direkten Hautkontakt auf- und abbewegt.

  • Kreisende Moxibustion mit Moxazigarre (Abb. 7.45b): Große Regionen, wie z. B. am Rücken oder Bauch, werden bei dieser Variante mit kreisenden Bewegungen und einem Abstand von ca. 2–4 cm von der Zigarre zur Haut über ca. 10 Minuten erwärmt.

Wärme- oder Moxanadel
Auf den Griff einer bereits im Akupunkturpunkt platzierten Nadel wird MoxanadelMoxakraut „aufgeknetet“ (Abb. 7.46aWärmenadel) oder industriell dafür vorbereitete Moxakuben aufgesteckt (Abb. 7.46b) und das Moxa dann von unten entzündet. Bei diesem Vorgang verteilt sich sowohl die Abstrahlungshitze des glühenden Krautes als auch die über die Metallnadel geleitete Wärme in den Praxis der AkupunkturAkupunkturpunkt. Zum Schutz des Patienten vor herabfallender Asche bzw. zu starker Abstrahlungswärme um die Nadel ein Papierstück oder eine Alufolie legen (Abb. 7.46a). Geeignete Punkte: z. B. die Rücken-shu- und mu-Punkte (4.1.4, 4.1.5) der inneren zang/fu-Organe, die Tonisierungspunkte der Organe (4.1.6) sowie allgemeine qi-tonisierende Punkte wie z. B. Ma 36, Ren 6 etc.
Moxakasten
Abb. 7.47 $Ma 36
Abbrennen von $Ren 6Moxakraut in einem Metall- oder Holzkästchen, das einen siebartigen Boden auf dem Kastengrund hat, mit dem das Moxakraut Moxakastenaufgefangen wird. Der Kasten wird mit ca. 5 cm Abstand über der Haut, v. a. in der großflächigen Lumbal- oder Abdominalregion vorsichtig hin- und herbewegt.
Moxakegel oder -hütchen
Moxahütchen oder -kegel werden vom Handel auf einer fixierten, meist selbstklebenden Unterlage angeboten, die auf den Moxahütchenjeweiligen Punkt geklebt und dann abgebrannt werden. Beim Abbrennen dringt die Wärme durch ein kleines Loch in der Unterlage gezielt an den Punkt. Cave: Unterschiedliche Qualität der Hütchen. Einige erzeugen keine ausreichende Wärme, dafür brennen andere bei längerer Lagerung und Trocknung umso intensiver und schneller Akupunkturmethoden:ergänzendeab, sodass sie beim Patienten Brandblasen hervorrufen können.
Moxibustion mit „Zwischenlage“ (z. B. Ingwer-, Salz- oder Knoblauch-Isolation)
Am bekanntesten ist das Bauchnabel-Moxen (Abb. 7.49). Durchführung: Beim liegenden Patienten wird der Moxibustion:mit ZwischenlageBauchnabel mit Salz gefüllt. Darüber wird eine Scheibe von frischem Ingwer gelegt. Auf die Scheibe wird dann entweder ein daumenstückgroßer, gedrehter Moxakegel oder ein Stück Moxazigarre platziert. Die Moxazigarre kann nach unten hin durchstochen werden, um einen besseren Rauchabzug zu gewährleisten. Dann wird das Moxa abgebrannt. Das Abglühen bewirkt eine sehr angenehme Wärme in der gesamten Bauchregion, hat eine stärkende Wirkung auf den ganzen Körper und erwärmt auch kalte Extremitäten. Indikation: z. B. bei yang-Mangel-Syndromen mit Kältegefühlen, Erschöpfung, Präkollapszuständen oder bei Bauchschmerzen mit Kältesymptomatik und starker Diarrhö.
Beispiele für Zwischenlagen:
  • mit Ingwer (Abb. 7.49): hat einen stärkenden, wärmenden Effekt.

  • mit Knoblauch: bedeutet einen intensiven Reiz durch die ätherische Ölfreisetzung, der therapeutisch eingesetzt werden kann bei Krampfzuständen, chronischer Tonsillitis, Rückenschmerzen, Lymphdrüsenschwellungen oder auch Schwellungen z. B. nach Insektenstichen.

  • mit Salz (Abb. 7.49). Salz-Moxibustion wird häufig über dem Bauchnabel (Ren 8) zur allgemeinen qi- und yang-Stärkung oder bei $Ren 8Diarrhö oder abdominalen Schmerzen eingesetzt.

  • Praxis der Akupunkturmit Tofu: Zur Therapie v. a. von Schwellungen und Ödemen, z. B. bei Sinusitis (dann neben dem Nasenflügel und unterhalb der Nase moxen).

Schröpfen

Allgemeine Hinweise
Wirkung
  • Die durch das Schröpfen ausgelöste Reizung des Akupunkturpunktes beeinflusst die Funktion der entsprechenden inneren zang/fu-Organe.

  • SchröpfenBewirkt bei Fülle-Syndromen eine lokale Ausleitung und Entlastung.

  • Leitet pathogene Faktoren aus (z. B. Wind bei akutem fieberhaften Infekt).

Nebenwirkungen
  • Bei trockenem (unblutigem) Schröpfen evtl. Hämatome im Gewebe (Resorption im Verlauf von Tagen).

  • Bei blutigem Schröpfen entstehen oberflächliche Wunden.

  • Schröpfen in der oberen Rückenregion kann einen leichten Schröpfenblutdrucksteigernden Effekt bewirken, dagegen kann das Schröpfen unterhalb von LWK 4 blutdrucksenkend sein.

  • Vorsicht: bei Patienten mit empfindlicher Haut Gefahr des Auftretens von Spannungsblasen.

Indikationen
  • Erkrankungen des Bewegungsapparates mit schmerzhaften Myogelosen und Muskelhartspan.

  • Neuralgien, wie z. B. Interkostalneuralgie, dann paravertebrales Akupunkturmethoden:ergänzendeSchröpfen in der Region des betroffenen Segments.

  • Bei Erkrankungen des Respirationstrakts wie akute Erkältungskrankheit, akute und chronische Bronchitis etc.

  • Bei Parästhesien lokal in der betroffenen Region schröpfen.

  • Bei Erkrankungen der inneren Organe wie z. B. bei Störungen des Magen-Darm-Trakts, Dysmenorrhö etc.

Kontraindikationen
  • Blutgerinnungsstörungen, über offenen Hautläsionen, Hautregionen mit Zustand nach Radiatio oder Stauungsödemen, nicht direkt über Knochen, Dornfortsätzen, kleinen Gelenken, während der Schwangerschaft v. a. kein Schröpfen der Regionen unter dem Bauchnabel, nicht bei hohem Fieber, Krampfneigung sowie bekannter Epilepsie.

  • Bei energetischen Mangel- und Erschöpfungszuständen auf keinen Fall blutiges Schröpfen anwenden.

Technik
  • Lagerung und Vorbereitung: Günstig ist die Lagerung des Patienten im Sitzen oder Liegen. Der Patient sollte ausreichend über die Schröpftechnik aufgeklärt werden. Bereitstellung der verschiedenen Schröpfgläser, Pinzette, Wattebausch, Feuerzeug und feuerfeste Schale.

  • Vorbereitung (Abb. 7.50a und b): Zunächst wird im Schröpfglas ein Vakuum erzeugt. Dafür kann z. B. ein alkoholgetränkter Tupfer oder Wattebausch abgebrannt oder die groß gestellte Flamme eines Gasfeuerzeuges genutzt werden. Das Schröpfglas wird damit kurzfristig erhitzt (Abb. 7.50a und b): der Wattebausch oder das Feuerzeug wird kurz in das Glasinnere gehalten.

  • Aufsetzen des Schröpfglases (Abb. 7.50c): Dann Praxis der Akupunkturwird das so erhitzte Schröpfglas mit einer raschen Bewegung auf die zu therapierende Hautzone aufgedrückt. Die abkühlende Luft erzeugt ein starkes Vakuum und saugt die Haut unter dem Schröpfglas ein und hält das Schröpfglas fest. Dadurch wird sich die Haut entsprechend des Grades der Saugwirkung (siehe unten) rot und ggf. bei starker Saugwirkung und abhängig von der Dauer der Behandlung violett verfärben.

  • Entfernen des Schröpfglases (Abb. 7.50d): Zur Entfernung des Schröpfkopfes wird das „Vakuum“ im Schröpfglas wieder gelöst. Dabei das Schröpfglas mit einer Hand festhalten und mit dem Finger der anderen Hand die Haut am Schröpfglasrand herunterdrücken, um Einlass für die Außenluft zu schaffen und das Vakuum aufzuheben.

Grad der Saugwirkung
Es werden verschiedene Grade bei der Schröpfglastherapie differenziert in Abhängigkeit der Saugwirkung auf das unterliegende SchröpfenGewebe:
  • schwaches (leichtes) Schröpfen wirkt eher tonisierend, stärkt den qi-Fluss in den Leitbahnen sowie qi und Blut

  • mittleres Schröpfen wirkt eher tonisierend und ist die am häufigsten eingesetzte Variante bei Patienten, die sich in einem guten energetischen Zustand befinden. Sie kann daher auch bei Kindern ab 7 Jahren eingesetzt werden. Einsatz bei Hitzezuständen oder Kälte-bi-Akupunkturmethoden:ergänzendeSyndromen, bei Stress- und Anspannungszuständen, zur Stärkung des qi und Blut oder auch bei Kinderkrankheiten.

  • starkes Schröpfen hat eine ableitende Wirkung und ist neben der Schröpfkopfmassage bei den (unblutigen) Techniken die am stärksten ableitende Technik. Nur bei Patienten mit starker Konstitution und energetisch gutem Zustand anwenden. Einsatz z. B. bei starken Schmerzen, um den qi- und Blutfluss zu aktivieren und Stagnation aufzulösen oder um pathogene Faktoren zu beseitigen.

Trockenes (unblutiges) Schröpfen
Wirkung
Bei kurzer Schröpfdauer eher ein tonisierender, wärmender Effekt. Bei länger als 5-minütiger Schröpfen:trockenes (unblutiges)Schröpfdauer wird eher ein ableitender Effekt erzielt. Ein kurzfristiges, trockenes Schröpfen mit schwacher Saugwirkung (Abb. 7.51) ist auch bei Patienten mit schwacher Konstitution möglich.
Hinweise
Bei Schmerzen des Bewegungsapparates kann das trockene Schröpfen über dem Hauptschmerzpunkt bzw. den ashi-Punkten oder über Mangel-Gelosen durchgeführt werden. Cave: Bei Patienten mit empfindlicher Haut können durch das Schröpfen Spannungsblasen auftreten, ebenso bei Patienten unter Cortisontherapie!
Schröpfkopfmassage oder mobiles Schröpfen
Abb. 7.52 Praxis der Akupunktur
Die Schröpfkopfmassage wirkt je nach Stärke der Ausführung eher Schröpfen:mobilesableitend oder tonisierend (siehe auch Grad der Saugwirkung, Schröpfkopfmassage Abb. 7.51). Der Schröpfkopf wird über eine zuvor eingeölte Hautpartie, z. B. die paravertebrale Muskulatur über dem Blasen-Leitbahnverlauf gezogen. Dabei wird das Glas sicher umfasst und gleichmäßig gezogen, um zu vermeiden, dass während des Massagevorgangs Außenluft in das Glas eindringen kann und das Vakuum aufhebt. Durch die Massage wird ein großflächiges Areal über cutiviscerale Reflexe bis zur Hautrötung und Ausbildung eines Wärmegefühls gereizt. Einsatzgebiete der Schröpfkopfmassage sind vor allem Schmerzen des Bewegungsapparates und kalte, minderdurchblutete Myogelosen. Die Massage kann aber auch vorsichtig bei asthenischen Patienten mit qi-Mangel durchgeführt werden. Sie bewirkt eine Förderung der Durchblutung und Aktivierung des Lymphabflusses.
Blutiges Schröpfen
Das Blutige Schröpfen wird bei Fülle-Syndromen, v. a. bei Blutiges SchröpfenHitzezuständen, qi-Stagnation, Blut-Stase sowie über Fülle-Gelosen Schröpfen:blutigesdurchgeführt.
Durchführung
Vor der Schröpftherapie wird die Hautpartie angestochen oder skarifiziert, z. B. mit der Dreikantnadel (7.6.1, Abb. 7.54b) oder dem Pflaumenblütenhämmerchen (7.6.1, Abb. 7.53a, Abb. 7.54a). Dann wird der Schröpfkopf aufgesetzt. Durch die Sogwirkung wird der Körperpartie Blut entzogen (Abb. 7.53c, Abb. 7.54c). Cave: Beim blutigen Akupunkturmethoden:ergänzendeSchröpfen Schröpfköpfe aus Glas mit sachgerechter Desinfektion und Sterilisation verwenden.
Dauer und Entfernung
Die Schröpfköpfe so lange belassen, bis sich die gewünschte Blutmenge entleert hat, aber nicht länger als 10 min. Zur Schröpfkopfentfernung ausreichend Zellstoffmaterial und Einmalhandschuhe bereithalten (Abb. 7.53d). Danach die Wundregion mit steriler Gaze oder Pflaster abdecken.
Wirkung
Das Blutige Schröpfen hat einen starken (v. a. auch Hitze-)ableitenden Effekt in Abhängigkeit von der Schröpfdauer sowie der entzogenen Blutmenge.
Schematische Darstellung der Methode in Abb. 7.54.
Schröpfglas auf Nadel
Die Nadel in den Punkt einstechen und eine deqi-Sensation auslösen. Danach zusätzlich über die Nadel ein Schröpfglas auf NadelnSchröpfglas setzen. Diese Methode hat sich bewährt, z. B. bei Bandscheibenvorfall, bei Schulter-Arm-Syndrom oder auch bei Hauterkrankungen. Variante: Nadel zusätzlich moxen. Nach Abbrennen und Abnahme des Moxakrautes auf die erwärmte Nadel ein Schröpfglas setzen.
Wirkung: Erwärmend und stärkend.

Schröpfglas auf Nadel (aus Yuan 2004)

Indikationen für Mikroaderlass mit Schröpfen und Moxibustion

Schröpfen:IndikationenSchröpfen:IndikationenSchröpfen:IndikationenSchröpfen:IndikationenPraxis der AkupunkturPraxis der AkupunkturMoxibustion:IndikationenMoxibustion:IndikationenMoxibustion:IndikationenMoxibustion:IndikationenMikroaderlass:IndikationenMikroaderlass:IndikationenMikroaderlass:IndikationenMikroaderlass:IndikationenAkupunkturmethoden:ergänzendeAkupunkturmethoden:ergänzendeAkupunkturmethoden:ergänzende$SJ 1$Ren 17$Ren 12$Ren 12$Ren 8$Ren 6$Ren 6$Ren 6$Ren 4$Pe 9$Pe 7$Pe 3$Ni 5$Ni 1$Mi 6$Ma 7$Ma 6$Ma 4$Ma 4$Lu 11$Lu 11$Lu 10$Lu 5$Lu 5$Le 8$Gb 39$Gb 39$Gb 20$Ex-UE-11$Ex-UE 11$Ex-LE 9$Ex-HN 5$Ex-HN 5$Ex-HN 5$Ex-HN 4$Ex-HN 1$Ex-HN 1$Du 28$Du 26$Du 26$Du 26$Du 26$Du 23$Du 21$Du 20$Du 20$Du 14$Du 1$Di 4$Bl 67$Bl 40$Bl 40$Bl 40$Bl 40$Bl 23$Bl 13$Bl 2$Bl 2Indikationen für Mikroaderlass mit Schröpfen und Moxibustion

Tab. 7.8
Indikation Punkte und Technik∗∗
Fieber Schnelle blutige Punktion Du 14 (dazhui) und Ex-UE 11 (shixuan) an den Fingerspitzen, langsame blutige Punktion von Lu 5 (chize) und Bl 40 (weizhong)
Sonnenstich Schnelle blutige Punktion an Du 26 (shuigou), langsame blutige Punktion Ex-UE 11 (shixuan) an den Fingerspitzen und Bl 40 (weizhong)
Durst Langsame blutige Punktion von Ni 5 (shuiquan)
Hypertonischer Schwindel(bei Leber-Wind) Schnelle blutige Punktion an Ex-HN 1 (sishencong), Bl 2(cuanzhu), ca. 1–2 ml Blut bluten lassen
Apoplex
Hypertonischer Kopfschmerz und Schwindel Zur Prävention schnelle blutige Punktion Ex-UE 11 (shixuan) an den Fingerspitzen
Während eines Anfalls Schnelle blutige Punktion der 12 Brunnen-jing-Punkte, Du 20 (baihui), und wenn der Blutdruck nicht zu hoch ist, auch Du 26 (shuigou)
Schwächezuständen und Leere (Mangel) Zusätzlich Moxa an Ren 8 (shenque) und Ren 4 (guanyuan)
Postapoplektische Schäden
Aphasie Schnelle blutige Punktion der beiden sublingualen Venen und schnelle blutige Punktion von Pe 9 (zhongchong) und SJ 1 (guanchong)
Gesichtslähmung Schnelle blutige Punktion von Ma 4 (dicang) und Ma 6 (jiache)
Hemiplegie Betroffene Seite an Gb 39 (xuanzhong) blutig schröpfen
Schock Schnelle blutige Punktion von Du 26 (shuigou) oder starke Stimulation des Punktes mit normaler Akupunkturnadel
Parästhesien der Extremitäten (bei Schock) Schnelle blutige Punktion von Ex-UE 11 (shixuan) der Fingerspitzen oder der 12 Brunnen-jing-Punkte oder Moxen von Ren 12 (zhongwan) und Ren 6 (qihai)
Gesichtslähmungen Blutige Punktion der um Ma 4 (dicang) liegenden Vene auf der betroffenen Gesichtshälfte; schnelle blutige Punktion von Ex-HN 5 (taiyang), Ma 7 (xiaguan)
Bei länger bestehender Lähmung (Gesicht) Moxa an Ma 4 (dicang) und Di 4 (hegu)
Tinea des Fußes Schnelle blutige Punktion von Ex-LE 9 (waihuaijian), sowohl bei Feuchtigkeits- als auch bei Trockenheitsbedingter Tinea
Lumbago Langsame blutige Punktion von Bl 40 (weizhong); bei Leere (Mangel) und Feuchte-Kälte Moxibustion von Bl 23 (shenshu); bei Muskelschmerz langsame blutige Punktion von Du 28 (yinjiao)
Halsschmerzen Schnelle blutige Punktion und normale Nadelung von Lu 11 (shaoshang)
Kopfschmerzen
Hauptpunkte Punktion von Du 20 (baihui), Gb 20 (fengchi), Ex-HN 5 (taiyang)
Durch Traumen Zusätzliche Moxibustion von Ren 6 (qihai), Du 20 (baihui) und Du 21 (qianding)
Zusätzlich nach Kopfzonen
Schädeldach Schnelle blutige Punktion von Ex-HN 1 (sichencong)
Hinterkopf Schnelle blutige Punktion von Bl 67 (zhiyin)
Stirn Schnelle blutige Punktion von Bl 2 (cuanzhu), Ex-HN 4 (yuyao), Du 23 (shangxing)
Seitenkopfschmerz Langsame blutige Punktion von Ex-HN 5 (taiyang)
Arthralgie (bi-Syndrom)
Bei fieberhaften Erkrankungen Langsame blutige Punktion von Bl 40 (weizhong) und Pe 3 (quze)
Bei starkem Schmerz Blutige Nadelung der schmerzempfindlichen Stellen und Ashi-Punkte (z. B. auch flächig mit dem Pflaumenblütenhämmerchen), danach die Blutung durch Schröpfen erhöhen (blutiges Schröpfen), zusätzlich Gb 39 (xuanzhong) und Moxibustion
Akute Gastroenteritis (Diarrhö mit Erbrechen) Schnelle blutige Punktion der 12 Brunnen-jing-Punkte und langsame blutige Punktion von Pe 3 (quze) und Bl 40 (weizhong)
Husten
Bei Invasion von äußeren pathogenen Faktoren Schnelle blutige Punktion von Lu 10 (yuji), Lu 5 (chize)
Bei inneren Ursachen Langsame blutige Punktion von Lu 5 (chize)
Asthma
Bei Fülle-Asthma Schnelle, aber seichte Punktion von Ren 17 (danzhong), Bl 13 (feishu) mit blutigem Schröpfen
Bei Leere-(Mangel)-Asthma Moxibustion an Ren 6 (qihai); Cave: Moxibustion kann bei einigen Asthmapatienten einen Anfall provozieren
Röteln Langsame blutige Punktion von Pe 3 (quze), Bl 40 (weizhong). Schnelle blutige Punktion der 12 Brunnen-jing-Punkte
Anurie ( long bi ) Langsame blutige Punktion von Le 8 (ququan) und schnelle blutige Punktion von Mi 6 (sanyinjiao)
Hitzebedingte Manie und Psychose Schnelle blutige Punktion von Du 26 (shuigou), Pe 7 (daling), Lu 11 (shaoshang), Ni 1 (yongquan). Um Du 1 (changqiang) wird großflächig blutig genadelt (z. B. mit dem Pflaumenblütenhämmerchen) und Moxibustion an Ren 12 (zhongwan)

Liste modifiziert nach G. Neeb (Ci Luo Fa-Methode, 1999 in www.tcminter.net) mit freundlicher Genehmigung des Autors in Leitfaden Chinesische Medizin, 2006

∗∗

Technik der schnellen blutigen Punktion: Schnelle blutige Nadelung (Mikroaderlass) mit Dreikantnadel oder Schnäpper; Technik der langsamen blutigen Punktion: Langsame blutige Nadelung (Mikroaderlass) mit einer dünneren Dreikantnadel, dem kleinen Blutabnahmeskalpell oder einer etwas dickeren, normalen Nadel (provoziert eine geringere Blutung)

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