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B978-3-437-56483-3.10004-7

10.1016/B978-3-437-56483-3.10004-7

978-3-437-56483-3

Pulspositionen: Cun, Guan und Chi

Zang-Organzuordnung zur Pulsposition

Drei Schichten bei der Pulstastung

Projektionsflächen der Organe auf der Zunge

a-f: a Rote Zungenspitze, vergrößerte rote Papillen auf der Zungenspitze, dicker gelber Belag. Diagnose: Hitze im Herzen mit Feuchtigkeitsretention im Körper. b Dicke und geschwollene Zunge, purpurn in der Zungenmitte, trocken. Diagnose: pupurn im Zentrum: Blut-Stase (Milz); dick/geschwollen: durch Blut-Stase verursachte Blut-Hitze; trocken: Hitze-Zeichen. c Dicke und große Zunge mit roten Pünktchen an den Zungenrändern. Diagnose: rote Pünktchen an den Zungenrändern z.B. Hitze (Le/Gb); dick/geschwollen: Blut-Hitze und -Stauung.

d Leicht blasser Zungenkörper mit dickem klebrigem, leicht grauem Belag v.a. auf der Zungenwurzel. Diagnose: Nieren-Yang-Mangel, Milz-Qi- und -Yang-Mangel mit Feuchtigkeitsretention. e Roter Zungenkörper mit fehlendem Belag an beiden Zungenrändern und normalem Belag in der Mitte der Zunge. Diagnose: Leichter Leber-Yin-Mangel mit Hitze. f Geschwollener Zungenkörper mit Zahneindrücken und blasser Farbe, dicker weißgelblicher Belag. Diagnose: Nieren-Yang-Mangel mit Feuchtigkeitsretention und leichter Hitze im Mittleren der San Jiao.

a-f: a Fehlende Beweglichkeit, tief roter oder karminroter Zungekörper mit Furchen und Atrophien, äußerst wenig und trockener Belag (Spiegelzunge). Diagnose: Schwerer Yin-Mangel mit Hitze. b Sich ablösender Zungenbelag im Bereich der Zungenspitze und Zungenmitte. Hinweis auf Lungen- und Magen-Yin-Mangel. c Landkartenzunge (sich ablösender Belag): Hinweis auf Magen-Yin- und -Yang-Mangel; weißer schmieriger Belag: Innerer Schleim/Feuchtigkeit; rote Zunge: Hitze (im Magen). d Landkartenzunge: Störung Magen-(Qi)-Yang; schmieriger/weißer Belag: Feuchtigkeit und Kälte; rote Pünktchen: Hitze. e Feuchter Zungenbelag. Diagnose: Kälte oder Feuchtigkeit im Körper. f : Roter Zungenkörper mit quarkigem Belag. Diagnose: Nahrungsstagnation, Feuchte-Hitze in Milz und Magen.

a-f: a Weißer und dicker Zungenbelag. Diagnose: z.B. Akkumulation von Feuchtigkeit, Schleim und Hitze. b Weißer, dicker und schmieriger Zungenbelag. Diagnose: z.B. Akkumulation von Feuchtigkeit, Schleim und Hitze. c Gelber und glatter (feuchter) Zungenbelag, gerötete Zungenspitze (mit trockenem Belag). Diagnose: Feuchte-Hitze in Le/Gb. d Gelber Zungenbelag. Diagnose: z.B. schweres Hitze-Syndrom. e Trockener, gelber Zungenbelag. Diagnose: z.B. starker Verbrauch der Körperflüssigkeit durch starke Hitze. f Schwarzer und trockener Zungenbelag. Diagnose: z.B. Exsikkose durch extreme Hitze.

a-f: a Grauer und trockener Zungebelag. Diagnose: Verbrauch der Körperflüssigkeit durch lang anhaltende Hitze. b Leicht geschwollener, blasser Zungenkörper mit Zahnabdrücken; dicker gelbschwarzer Belag (Ursache hier: Medikamenteneinnahme) Diagnose: Feuchtigkeitsretention im Körper aufgrund leichten Milz-Yang-Mangels. c Blasser, geschwollener Zungenkörper mit Zahnabdrücken, Furchen und Makulae. an beiden Zungenrändern. Schmieriger, gräulicher Belag an der Zungenwurzel. Diagnose: Nieren- und Milz-Yang-Mangel. d Blasser Zungenkörper mit normalem Belag auf der linken Seite und klebrigem, weißem Belag auf der rechten Zungenseite. Diagnose: Milz-Qi-Mangel mit Feuchtigkeitsretention. e Tiefe Mittelfurche. Diagnose: z.B. Magen-Yin-Mangel, Milz-Yang- und Magen-Qi-Mangel. f Furchenzunge, rot und ohne Belag. Diagnose: z.B. Herz- und Nieren-Yin-Mangel.

a-f: a Verminderte Beweglichkeit und Vitalität, starke Zungenatrophie, karminroter Zungenkörper mit wenig trockenem Belag. Diagnose: Schwerer Yin-Mangel mit Hitze. b : Deviation der Zunge nach rechts, normaler Zungenkörper mit gelbem, klebrigem Belag. Diagnose: Wind und Schleim in den Meridianen und Netzgefäßen führt zu Obstruktion der Meridiane (TIA). c Trockene Zunge mit dunkelrot-violetten Zungenrändern. Diagnose: z.B. Blut-Stase und Innen-Hitze-Syndrom. d Leicht violette Zunge mit feuchtem Belag. Diagnose: z.B. Blut-Stase und Innen-Kälte-Syndrom. e Purpurne Zunge mit blauen Flecken. Diagnose: z.B. Blut-Stase. f Blaue Zunge mit blauen Flecken. Diagnose: z.B. Blut-Stase.

Yang- und Yin-Konstitution, Yin- und Yang-Temperament

Kopftypen

Holz-Typen

Feuer-Typen

Erde-Typen

Metall-Typen

Wasser-Typen

Zonen-Lokalisation nach Yin und Yang: a) rechts und links, b) oben und unten

Die einzelnen Zonen des San Jiao mit ihrer Beziehung zu Körper-Jing/Geist-Funktion-Qi/Seele-Geist-Shen

Zonen-Lokalisation nach den fünf Wandlungsphasen

Zonen-Lokalisation nach den Meridianen und Meridian-Zonen (jeweils beidseitig)

Zonen-Lokalisation nach den Organen und Körperregionen

Anatomische Spiegelung der Organe und Körperregionen

Repräsentation des gesamten Körpers im Gesicht

Linien, Falten und Merkmale im Gesicht

Ansicht der Stirn

Linien, Falten und Merkmale

Die fünf Räder

Die acht Wälle des Auges

Zonen unter dem Auge (Tab. 4.43)

Dreiteilung des Ohrs

Mund- und Lippenregion: gesamte Mund- und Lippenregion; Lippen

FK-Zuordnung nach Pulsposition

Tab. 4.18
Linke Hand Rechte Hand
Cun Guan Chi Cun Guan Chi
Herz, Perikard Leber, Gallenblase Niere, Blase, Dickdarm Lunge, Thorax Milz, Magen Niere, San Jiao, Dünndarm

Vereinfacht wird in China häufig nur die Zuordnung der fettgedruckten Zang-Organe gebraucht.

DD: Kombinationen von Pulsqualitäten

Tab. 4.19
Befund Mögliches Krankheitssyndrom
Oberflächlich und kräftig Außen-Fülle (Tab. 4.53, Tab. 4.55)
Oberflächlich und schnell Außen-Hitze (Tab. 4.57)
Oberflächlich und langsam Außen-Kälte (Tab. 4.57)
Oberflächlich und straff gespannt Außen-Kälte (Tab. 4.57)
Tief und saitenförmig Innen-Kälte (Tab. 4.57) mit Schmerzen
Tief und schlüpfrig Innen-Kälte (Tab. 4.57) mit Schleimretention (4.2.3)
Tief und rau Blut-Stase (4.2.3)
Tief und schwach Qi- (4.2.3) und Yang-Mangel (Tab. 4.56)
Langsam und schlüpfrig Schleimretention (4.2.3) und/oder Nahrungsstagnation (11.6.5)
Langsam und tief Innen-Kälte (Tab. 4.57)
Langsam, lässt sich kurz tasten und ist sanft Yang-Mangel (Tab. 4.56) oder Kälte (Tab. 4.54) und Feuchtigkeit
Schnell und kräftig Fülle-Hitze (Tab. 4.56)
Schnell und leer oder dünn Mangel-Hitze (Tab. 4.56)
Schnell und hohl Extremer Blutverlust
Leer (oder schwach) und oberflächlich Qi-Mangel (4.2.3)
Leer (oder dünn) und rau Blut-Mangel (4.2.3)
Leer, tief und schnell Yin- oder Blut-Mangel mit Hitze: Mangel-Hitze (Tab. 4.56)
Voll und langsam Fülle-Kälte (Tab. 4.56)
Voll, schlüpfrig und schnell Schleim-Hitze (4.2.3)
Voll und saitenförmig Fülle, Stagnation (Tab. 4.53, Tab. 4.54, Tab. 4.56) und Schmerzen

Pathologische Pulsqualitäten und zugeordnete Erkrankungen

Tab. 4.20
Bezeichnung Eigenschaften Zugeordnete Erkrankungen Pulszeichnung
I. Oberflächliche Pulse
1 Oberflächlicher Puls (Fu Mai) Leicht und oberflächlich, deutlich bei leichtem Druck auf die Haut zu spüren, wird bei stärkerem Druck schwächer oder verschwindet Außen-Syndrom (Biao Zheng); Schwäche-, Mangel-Syndrom (wenn kraftlos und oberflächlich)
2 Hohler Puls (Kou Mai) Oberflächlich, groß, innen hohl, wird auch als zwiebellauchstängelförmiger Puls beschrieben Starker akuter Blutverlust, auch bei Schädigung der Körpersäfte-Jin-Ye
3 Sanfter Puls (Ru Mai) Oberflächlich, dünn, nachgiebig, weich und kraftlos, verschwindet bei stärkerem Druck Feuchtigkeitsretention bei deutlichem Mangel-Zustand, Qi- und Blut-Mangel
4 Zerfließender Puls (San Mai) Oberflächlich und zerstreut, spürbar bei leichtem Druck, bei mittelstarkem Druck allmählich hohl, verschwindet bei starkem Druck; wirkt beim Tasten unregelmäßig und unbestimmt Oft ernsthafter Krankheitszustand: zerstörtes Ursprungs-Yuan-Qi, großer Qi- und Blutverlust, auch bei Frauen nach einer Entbindung
5 Trommelpuls (Ge Mai) Oberflächlich, straff und groß, außen hart und in der Mitte hohl, vergleichbar mit dem Druck auf ein Trommelfell, in der tiefen Schicht leer Mangel an Essenz-Jing, Yin und Blut, Blutverlust
II. Tiefe Pulse
6 Tiefer Puls (Chen Mai) Liegt in den Muskeln, nahe am Knochen; bei leichtem Druck nicht, erst bei starkem Druck deutlich in der dritten Pulsschicht spürbar Innen-Syndrom
7 Verborgener Puls (Fu Mai) Liegt noch tiefer als der tiefe Puls (Chen Mai); um ihn zu tasten, ist starker Druck bis auf Sehnen und Knochen nötig Schwergradiger Yin- und Blutmangel; oft auch bei starker innerer Blockade, z.B. durch Kälte, starke Schmerzen
8 Fixierter Puls (Lao Mai) Fest, groß, kraftvoll, straff und lang; läuft tief unter den Muskeln, zwischen 6 (Chen Mai) und 7 (Fu Mai) Ernsthafte Erkrankung mit Blockaden, Schmerzen
III. Verlangsamte Pulse
9 Langsamer Puls (Chi Mai) Langsamer als der normale Puls, weniger als 4 Schläge/Atemzug des Arztes (< 60/min) Kälte-Syndrom
10 Träger Puls (Huan Mai) Zeigt zwar eine normale Frequenz (4-mal/Atemzug, 60–80/min), ist jedoch beim An- und Abfluten träge und behäbig Oft Hinweis auf einen Mangel oder Feuchtigkeit; bei gesunden Menschen ist er ein normaler Puls
IV. Beschleunigte Pulse
11 Schneller Puls (Shuo Mai) Beschleunigter Puls, mehr als 5 Schläge/Atemzug (> 100/min) Hitze-Syndrom
12 Rasender Puls (Ji Mai) Extrem erregt und drängend, bei jedem Atemzug Puls mehr als 7 oder 8 Schläge (> 120/min) Zeichen extremen Yin-Mangels mit Yang-Überschuss; das Ursprungs-Yuan-Qi schwindet; Puls kurz vor Entbindung
13 Beweglicher Puls (Dong Mai) Schlüpfrig, kräftig und schnell, bewegt sich hin und her wie eine Bohne am Stängel, am deutlichsten in der Guan-Position Angstzustand, akute Schmerzen, manchmal auch während der Schwangerschaft
V. Schwache Pulse
14 Leerer Puls (Xu Mai) Schwach, weich, groß und träge, bei leichtem Druck kraftlos, wird bei mittlerem und stärkerem Druck allmählich leer Mangel-Syndrom, Qi- und Blut-Mangel
15 Verschwindender Puls (Wei Mai) Sehr fein und sehr zart, manchmal spürbar, manchmal nicht, oft nur bei leichtem Druck tastbar Möglich bei allen ernsthaften Krankheiten mit allgemeinem Yin-, Yang-, Qi- oder Blut-Mangel, meist ein bedrohlicher Yang-Mangel
16 Kraftloser, schwacher Puls (Ruo Mai) Fadenförmig, dünn, tief und sehr schwach, bei leichtem Druck nicht spürbar, erst bei starkem Druck auf der tiefen Ebene schwach tastbar Qi-, Blut- und Yang-Mangel, chronischer Blutverlust
17 Fadenförmiger, dünner Puls (Xi Mai) Sehr dünn und fein wie ein Faden, aber in allen drei Pulstiefen gut tastbar; weich, aber gerade Allgemeine Erschöpfung und Mangel des Yin; innere Feuchtigkeit mit schwergradigem Qi-Mangel
18 Kurzer Puls (Duan Mai) Kürzer als normal, kann die drei Pulspositionen nicht ausfüllen und nur in der mittleren Guan-Position deutlich tastbar Verletzung, Mangel oder Blockaden des Qi
19 Rauer Puls (Se Mai) Kommt und geht schleifend und rau, als ob man mit einem Messer leicht an einer Bambusstange kratzt; oft dünn und kurz; fühlt sich an, als ob seine Oberfläche unregelmäßig sei Essenz-Jing- und Blutverlust; Schmerzen und Blut-Stase, v.a. im Herzbereich; Tumoren
VI. Volle Pulse
20 Voller Puls (Shi Mai) Kräftig, groß und lang in allen drei Pulstiefen Fülle-Syndrom, Hitze im gesamten San Jiao
21 Straffer Puls (Jin Mai) Beim Tasten eine unglatte, kräftige und straffe Spannung spürbar; wirkt wie ein gespanntes und gleichzeitig stark verdrehtes Seil Kälteblockade, Schmerzen und Verdauungsstörungen
22 Überfluteter Puls (Hong Mai) Breit, groß und voll an allen drei Pulspositionen; kommt mit Kraft und geht mit mäßiger Schwäche wie eine Flutwelle, die mit gebrochener Kraft zurückfließt Üppiges Hitze-Syndrom bzw. Yang-Fülle-Syndrom
23 Saitenförmiger, drahtiger Puls (Xian Mai) Lang, glatt und kräftig, fühlt sich wie eine gespannte Violinsaite an, schlägt gegen den Finger Leber- und Gallenerkrankungen, Schmerzen besonders im Brust- und Rippenbereich, Krankheiten durch Schleimansammlungen
24 Schlüpfriger Puls (Hua Mai) Verläuft glatt, fühlt sich beim Betasten rund und schlüpfrig an, kommt und geht mit Leichtigkeit, rollt unter den Fingern wie eine ölige Perlenkette Schleim-/Feuchtigkeits-Syndrom, Nahrungsstagnation; Puls während der Schwangerschaft
25 Langer Puls (Chang Mai) Weder groß noch klein, aber lang und gerade. Die Länge des Pulses überschreitet seine normale Position; an allen drei Pulspositionen und -tiefen gut tastbar Überschuss des Yang-Qi, Fülle-Syndrom, Hitze-Syndrom
VII. Unregelmäßige Pulse
26 Schneller und unregelmäßiger Puls (Cu Mai) Rasch, jagend, heftig, mit unregelmäßigen Pausen Asthma und Husten durch Schleimblockade; Fülle-Hitze-Syndrom mit üppigem Yang, Erschöpfung des Ursprungs-Yuan-Yin, Herz-Yin-Mangel mit Hitze, Herz-Feuer
27 Langsamer und unregelmäßiger Puls (Jie Mai) Wirkt träge mit Pausen, die häufig, unregelmäßig und von kurzer Dauer sind; deutlich in allen Pulstiefen tastbar Üppiges Yin und Kälte-Fülle-Syndrom, Qi-, Blut- und Schleimblockaden
28 Intermittierender Puls (Dai Mai) Langsam und schwach; besteht aus 2 oder 3 Schlägen mit einer regelmäßigen, langen Pause dazwischen Erschöpfung des Qi der Zang-Organe, Schwäche des Ursprungs-Yang sowie dadurch verursachte Schmerzzustände und Verdauungsprobleme

Augenhöhle und -ringe

Tab. 4.43
Zeichen Hinweis auf
Eingesunkene Augen Essenz-Jing-Mangel, starke Erschöpfung
Hervortretende Augen Leber-Qi-Stauung (11.7.2), Schleim, Schleim-Hitze, Leber-Feuer/Hitze (11.7.4), Herz-Feuer (11.1.6), Leber-Wind (11.7.6), toxische-Hitze, Yin-Mangel mit Mangel-Hitze (4.2.2), Qi- und Blut-Stagnation (4.2.3), Lungenprobleme, Asthma
Augenhöhle dunkel Erschöpfung, Nieren- und Leber-Mangel (Nieren-Yin oder -Yang oder -Qi), Schleim, Feuchtigkeit (Nierenbelastung durch Zucker, Eiweiß etc.)
Dunkel-blau Nieren-Yang-Mangel (11.9.2)
Dunkel-braun-grau Nieren-Yin-Mangel (11.9.6), Hitze verletzt das Yin
Augenhöhle schwarz wie Kohle Erschöpfung des Ursprungs-Yuan-Qi
Um die Augen entzündet Hitze in Magen/Milz, Leber-/Gallenblasen-Hitze, Feuchte-Hitze (11.7.7)
Bläulich Nieren-Yang-Mangel (11.9.2), innere Kälte, eingedrungene Kälte im Darm und im unteren Abdomen
Dunkel um die Augen herum (Brille) Nieren- und Leber-Schwäche, Essenz-Jing-Verlust, Yin-Mangel (Schlafmangel), Nierenbelastung durch Zucker/Eiweiß
Dunkel und glänzend Nieren-Yang-Mangel (11.9.2)
Dunkel trocken Nieren-Yin-Mangel (11.9.1, z.B. Morbus Addison)
Augenhöfe weiß Nieren-Schwäche, Nieren-Yang-Mangel (11.9.2), Kälte im Unterleib, Dysmenorrhö, Bauchschmerz
Violetter, pflaumenblauer Augenhof Nieren-Qi-Mangel, Nieren-Yang-Mangel (4.2.2), Hypotonie, Drogenabusus, Ausscheidungsstörung der Blase
Rötliche Augenringe Leber-Qi-Stauung (11.7.2)

Differenzierung von Mangel- und Fülle-Syndrom

Tab. 4.53
Mangel-Syndrom Fülle-Syndrom
Konstitution Schwach, blasses Gesicht Kräftig, Gesichtsrötung
Verhalten Verlangsamt, apathisch, lustlos Kraftvoll, agitiert, gereizt
Atmung Oberflächlich, schwach, Dyspnoe Tief, kräftig, heftig
Stimme Leise, schwach Laut, stark
Schmerzen Dumpf, beständig, Druck bessert Akut, heftig, Druck verschlechtert
Schweiß Spontan- oder Nachtschweiß Reichliches Schwitzen
Zunge (4.1.7) Blass.
Belag: trocken, wenig oder fehlend
Rot.
Belag: dick, schmierig
Puls (4.1.6) Leer (Xu), schwach (Ruo) Kräftig, voll (Shi)

Differenzierung von Kälte- und Hitze-Syndrom

Tab. 4.54
Kälte-Syndrom Hitze-Syndrom
Ursache Äußere pathogene Kälte (2.6.1), Yang-Mangel mit relativem Yin-Überschuss (Tab. 4.56) Äußere pathogene Hitze (2.6.1), Yin-Mangel mit relativem Yang-Überschuss (Tab. 4.56), Flüssigkeitsmangel (4.2.3)
Temperaturverhalten Bevorzugt Wärme, hat Kälteaversion Bevorzugt Kälte, hat Hitzeaversion
Durst Durstlos, wenig warme Getränke Durst auf kalte Getränke
Gesichtsfarbe Blass Rot
Verhalten Ruhig, langsam, introvertiert Agitiert, reizbar, schnell, extrovertiert
Stuhl Weich bis Diarrhö, hell Obstipation, dunkel
Urin Klar, viel Trüb, dunkelgelb, konzentriert
Zunge (4.1.7) Blass.
Belag: weiß, feucht
Rot.
Belag: gelb, trocken
Puls (4.1.6) Langsam (Chi) Schnell (Shuo)

Leitsymptome zur Unterscheidung von Außen- und Innen-Erkrankungen

Tab. 4.55
Außen (Biao) Innen (Li)
Ursache Eindringen eines äußeren pathogenen Faktors wie Wind, Kälte, Hitze etc. (2.6.1) Weiterentwicklung einer Außenkrankheit
Äußerer Faktor greift die Zang-Fu-Organe direkt an (12.2.1, 12.2.2, 2.6.2)
Direkte innere Schädigung durch emotionalen und/oder körperlichen Stress (2.6.3), Fehlernährung (8.3)
Lokalisation Erkrankung der Körperoberfläche: Haut-, Muskelschicht, Meridiane Erkrankung der inneren Organe/Zang-Fu-Organe
Verlauf Meist akut Meist chronisch
Symptome Fieber mit Kälteaversion Fieber ohne Kälteaversion oder Kälteaversion ohne Fieber
Zunge (4.1.7) Dünn, weiß oder gelb Fehlt oder dick
Puls (4.1.6) Oberflächlich (Fu) Tief (Chen)

Weitere DD nach der Theorie von Qi, Blut und Körperflüssigkeiten 4.2.3 sowie nach der Zang-Fu-Theorie 11

Kombinationen Fülle/Mangel mit Hitze/Kälte

Tab. 4.56
Abb. 2.2 Fülle Mangel
Hitze ( Yang- Syndrom) Yang -Fülle
  • Temperaturverhalten: hohes Fieber, Hitzegefühl, Rötung, Wärme und Druck verschlechtert

  • Urin: gelb, wenig, trüb

  • Stuhl: trocken, Obstipation

  • Zunge: dunkelrot; Belag: gelb, dick

  • Puls: schnell, voll

  • Zusatzbefunde: unruhig, verwirrt, Schweißneigung

  • Therapie: 10.2.2, 10.2.4

Yin-Mangel mit relativem Yang-Überschuss
  • Temperaturverhalten: subfebrile Temperaturen nachmittags, Wangenrötung, Hitzesensationen an Hand- und Fußsohlen, Kälte und Druck bessert

  • Urin: gelb, wenig

  • Stuhl: trocken, Obstipation

  • Zunge: rot, belaglos

  • Puls: schnell, leer, dünn

  • Zusatzbefunde: schnelle und schwache Bewegungen, Schlaflosigkeit, Nachtschweiß

  • Therapie: 10.2.8

Kälte ( Yin -Syndrom) Yin -Fülle
  • Temperaturverhalten: kalte Extremitäten, Wärme bessert, Kälte und Druck verschlechtern

  • Sputum: reichlich

  • Urin: klar, viel

  • Stuhl: wässrig

  • Zunge: blass; Belag: weiß, dick

  • Puls: tief, voll, langsam

  • Zusatzbefunde: kein Schwitzen; Bewegungen: kräftig, langsam

  • Therapie: 10.2.6

Yang-Mangel mit relativem Yin-Überschuss
  • Temperaturverhalten: kalte Extremitäten, Druck und Wärme bessern

  • Urin: viel, klar

  • Stuhl: dünn

  • Zunge: blass; Belag: dünn, weiß

  • Puls: leer, langsam

  • Zusatzbefunde: tagsüber Schwitzen; Bewegungen: schwach, langsam, Schläfrigkeit

  • Therapie: 10.2.6, 10.2.7, 10.2.8

Kombinationen Kälte/Hitze mit Außen/Innen

Tab. 4.57
Außen Innen
Kälte
  • Temperaturverhalten: starke Kälteaversion, kein Schwitzen

  • Urin: normal

  • Zunge: normal; Belag: weiß, dünn

  • Puls: oberflächlich, straff gespannt, langsam

  • Therapie: 10.2.1

  • Temperaturverhalten: Frösteln, kein Fieber, kalte Extremitäten

  • Urin: viel, hell

  • Zunge: blass; Belag: weiß, dick

  • Puls: tief, langsam, saitenförmig

  • Zusatzbefunde: Blässe, durstlos, weiche bis breiige Stühle

  • Therapie: 10.2.6, 10.2.7, 10.2.8

Hitze
  • Temperaturverhalten: akutes Fieber mit Wind- und teilweise Hitzeaversion, evtl. Schwitzen, starke Halsschmerzen

  • Urin: normal

  • Zunge: rot; Belag: gelb, dünn

  • Puls: oberflächlich, schnell

  • Therapie: 10.2.1

  • Temperaturverhalten: hohes Fieber (Fülle) oder chronische subfebrile Temperaturen (Mangel), Hitzeaversion

  • Urin: dunkelgelb, wenig

  • Zunge: tiefrot; Belag: dick, gelb

  • Puls: Schnell und tief, bei Fülle voll, bei Mangel leer, dünn

  • Zusatzbefunde: Obstipation

  • Therapie: 10.2.2, 10.2.7

Diagnostik

Alexander Maret

Lothar Roth

Tang

Tian Li

Gerd Wiesemann

  • 4.1

    Diagnostische Methoden 158

    • 4.1.1

      Anamnese158

      Alexander Maret, TIAN Li

    • 4.1.2

      Inspektion165

      Alexander Maret, TIAN Li

    • 4.1.3

      Auskultation168

      Alexander Maret, TIAN Li

    • 4.1.4

      Olfaktion169

      Alexander Maret, TIAN Li

    • 4.1.5

      Palpation169

      Alexander Maret, TIAN Li

    • 4.1.6

      Pulstastung169

      TANG Jü

    • 4.1.7

      Zungendiagnostik179

      Lothar Roth

    • 4.1.8

      Gesichtsdiagnostik194

      Gerd Wiesemann

  • 4.2

    Differenzialdiagnostik 241

    Alexander Maret, TIAN Li

    • 4.2.1

      Acht diagnostische Leitkriterien (Ba Gang)241

      Alexander Maret, TIAN Li

    • 4.2.2

      Kombination der Leitkriterien245

      Alexander Maret, TIAN Li

    • 4.2.3

      Theorie von Qi, Blut und Körperflüssigkeiten246

      TIAN Li

Diagnostische Methoden

Die chinesische Diagnostik basiert auf vier Säulen: Anamnese (4.1.1), Inspektion (4.1.2), Auskultation und Olfaktion (werden in der TCM zu einer Säule zusammengefasst (4.1.3–4.1.4) sowie Palpation (4.1.5). Spezielle Techniken sind die Pulstastung (4.1.6) und die Zungendiagnostik (4.1.7). Die Summe der Befunde wird einem oder mehreren Krankheitssyndromen (4.2, 11) zugeordnet.

Anamnese

Alexander Maret, TIAN Li
Fieber und Kälteaversion

DD: Temperaturempfinden

Tab. 4.1
Befund Mögliches Krankheitssyndrom
Kälteaversion/Schüttelfrost ohne Fieber
Keine Besserung durch Wärme Außen-Wind-Kälte (Tab. 4.57; 12.1.1)
Besserung durch Wärme Yang-Mangel (Tab. 4.56)
Kälteaversion/Schüttelfrost mit Fieber
Leichtes Fieber mit starker Kälteaversion/Schüttelfrost Außen-Wind-Kälte (Tab. 4.57; 12.1.1)
Hohes Fieber mit leichter Kälteaversion/Schüttelfrost Außen-Wind-Hitze (Tab. 4.57; Kap. 12.1.1, 12.2.6)
Alternierend Fieber und Kälteaversion/Schüttelfrost mit unregelmäßigem Intervall Shaoyang-Syndrom (12.1.3, 4.2.1); Zwischenstadium zwischen oberflächlicher und innerer Krankheit
Alternierend Fieber und Kälteaversion/Schüttelfrost mit regelmäßigem Intervall Malaria tertiana/quartana
Fieber ohne Kälteaversion/Schüttelfrost
Höher als 39C und kontinuierlich Innen-Fülle-Hitze (Tab. 4.56, Tab. 4.57)
Remittierend Yang-Ming-Fu-Organ-Syndrom (12.1.2) oder Shi-Wen-Syndrom (Feuchte-Wärme 12.2.3, 12.2.9)
Subfebril: 37–38C mit subjektivem Gefühl von Fieber Yin-Mangel (Tab. 4.56), Blut-Mangel (4.2.3), Qi-Mangel (4.2.3)
Schwitzen

DD: Schwitzen

Tab. 4.2
Befund Mögliches Krankheitssyndrom
Schwitzen vermindert
Mit starker Kälteaversion Außen-Wind-Kälte (Tab. 4.57)
Mit trockener Haut Körperflüssigkeiten-Jin-Ye-Mangel (4.2.3)
Leichtes Fieber und Windaversion Außen-Wind-Invasion mit Innere-Qi-, Blut-, oder Yin-Mangel-Syndrom (12.1.1)
Fieber mit geringer Kälteaversion Äußere Wind-Hitze-Invasion (11.3.5)
Schwitzen vermehrt ( 13.22.2 )
Tagsüber bei leichtester Anstrengung Qi-Mangel (4.2.3)
Nachtschweiß mit Hitzesensationen in Handflächen, Fußsohlen und Thorax Yin-Mangel mit Mangel-Hitze(Tab. 4.56)
Schweißausbruch, hohes Fieber, Durst auf kalte Getränke Fülle-Hitze (12.1.2)
Kalter Schweißausbruch, Blässe und kalte Extremitäten Yang-Kollaps (4.2.1)
Appetit, Durst und Geschmack

DD: Appetit, Durst und Geschmack

Tab. 4.3
Befund Mögliches Krankheitssyndrom
Appetit
Appetit vermindert
Müdigkeit, Diarrhö, Meteorismus Milz-Qi-Mangel (11.5.1)
Körperliches Schweregefühl, Geschmacksverlust, trübe Sekretionen, weißer, feuchter/schmieriger/klebriger Zungenbelag Feuchte-Kälte in der Milz (11.5.5)
Abneigung gegen fette Speisen, Übelkeit, Schmerzen im Hypochondrium, gelber, klebrig-schmieriger Zungenbelag Feuchte-Hitze in Leber und Gallenblase (11.7.7)
Mundgeruch, epigastrische Schmerzen, dicker, quarkiger, weißer oder gelber Zungenbelag Nahrungsstagnation im Magen (11.6.5)
Appetit erhöht
Kann ständig viel essen, großer Durst, roter Zungenkörper Loderndes Magen-Feuer (11.6.4)
Kann nur wenig essen Magen-Yin-Mangel (11.6.3)
Durst
Durst vermindert Normal oder Kälte (Tab. 4.54), Feuchtigkeit oder Schleimretention (4.2.3) im Körper
Durst allgemein erhöht
Bevorzugt kalte Getränke Hitze (Tab. 4.54)
Bevorzugt warme Getränke Kälte (Tab. 4.54)
Durst erhöht, kann viel trinken
Vorwiegend kalte Getränke, Hitzegefühl, Schweißausbrüche Fülle-Hitze (Tab. 4.56), Yang-Fülle (12.1.2)
Vorwiegend kalte Getränke, Rückenschmerzen, Hitzesensationen Nieren-Yin-Mangel (11.9.6) mit Leere-Hitze
Mundtrockenheit, trinkt nur langsam oder in kleinen Schlucken Leichter Yin-Mangel (Tab. 4.56)
Subfebrile Temperatur, Appetitmangel, körperliches Schweregefühl, gelber, schmieriger, klebriger Zungenbelag Feuchte-Hitze (4.2.3)
Trinken verursacht Erbrechen und Schwindel Schleimretention (4.2.3)
Trockener Mund mit Verlangen, den Mund zu benetzen, aber ohne zu schlucken Blut-Stase (4.2.3)
Mundgeschmack
Bitter (unabhängig vom Zeitpunkt) Leber-Feuer (11.7.4)
Bitter (nur morgens) Herz-Feuer (11.1.6)
Süß Feuchte-Hitze in Milz und Magen (11.5.6)
Sauer und faulig Nahrungsstagnation im Magen (11.6.5)
Salzig Nieren-Mangel-Syndrom (11.9)
Geschmack nach Verbranntem Loderndes Herz-Feuer (11.1.6)
Geschmacksverlust Milz-/Magen-Mangel-Syndrom (11.5, 11.6)

Gemeint ist der Geschmack, den man ohne Essen im Mund empfindet, z.B. nach dem Aufstehen

Stuhl und Urin

DD: Stuhl und Urin

Tab. 4.4
Befund Mögliches Krankheitssyndrom
Stuhlentleerung und andere körperliche Symptome
Werden schlechter nach Stuhlentleerung Mangel-Syndrom (Tab. 4.53)
Werden besser nach Stuhlentleerung Fülle-Syndrom (Tab. 4.53)
Obstipation
Harter Stuhl, Fieber/subfebrile Temperaturen, wenig dunkler Urin Innen-Hitze (Tab. 4.57)
Stuhl nicht trocken, aber erschwerte Stuhlentleerung, Völlegefühl Leber-Qi-Stauung (11.7.2)
Erschwerte Stuhlentleerung, Blässe, Müdigkeit Qi-Mangel (4.2.3)
Schwindel, Blässe, bei chronischer Krankheit oder nach einer Geburt Blut-Mangel (4.2.3)
Trockene, harte Stühle, trockener Mund im Alter Flüssigkeitsmangel im Dickdarm (11.4.1)
Harter, trockener Stuhl, Tinnitus, Hitzesensationen Yin-Mangel (Tab. 4.56) mit Leere-Hitze
Mit tief empfundenem Bauchschmerz, Wärme bessert Kälte im Dickdarm (11.4.4)
Mit weichem Stuhl, ohne Stuhldrang, Kältegefühl Dickdarm-Schwäche mit Kälte (11.4.2)
Diarrhö
Akut, schmerzhaft, Kältegefühle Feuchte-Kälte im Dickdarm (11.4.4)
Akut mit Bauchschmerz, Anusbrennen nach Stuhlgang, Tenesmen, faulig riechend Feuchte-Hitze im Dickdarm (11.4.3)
Wässrig, Bauchschmerzen, Meteorismus Feuchte-Kälte in der Milz (11.5.5)
Stuhlgang beginnt flüssig, krampfhafte Bauchschmerzen vor Stuhlentleerung, wird gegen Ende hart, Meteorismus, Appetitmangel Leber attackiert Milz (11.11.18)
Blähungsgeräusche, chronische Bauchschmerzen Dünndarm-Schwäche mit Kälte (11.2.1)
Weiche Stühle mit unverdauten Nahrungsresten Milz-Qi/Yang-Mangel (11.5.1, 11.5.2)
Chronisch (besonders frühmorgens), zuerst periumbilikale Bauchschmerzen, danach Diarrhö, kalte Extremitäten Milz- und Nieren-Yang-Mangel (11.11.17)
Obstipation und Diarrhö
Obstipation mit weichem Stuhl ohne Stuhldrang oder chronische Diarrhö mit weichem Stuhl und Meteorismus Schwäche-Kälte im Dickdarm (11.4.2)
Undulierendes Fieber, Ansammlung von trockenen Stuhlmassen im Dickdarm mit stinkenden, wässrigen Entleerungen, schmerzhaft aufgetriebenes Abdomen Feuchte-Hitze im Dickdarm (11.4.3)
Weiche Stühle mit intensivem Geruch oder Obstipation, Analbrennen, körperliches Schweregefühl Feuchte-Hitze in der Milz (11.5.6)
Weiche, faulig riechende Stühle oder Obstipation mit zögernder Darmpassage, Bauchschmerzen (bessern sich nach Stuhlgang) Nahrungsstagnation im Magen (11.6.5)
Urin
Blassgelb Kälte (Tab. 4.54) meist in Niere oder Blase
Dunkelgelb, Volumen vermindert Hitze (Tab. 4.54), mit Dysurie: Feuchte-Hitze in der Blase (11.10.1)
Dunkelgelb, Volumen vermindert, Blutbeimengung, Dysurie Hitze (Tab. 4.54) schädigt Blutgefäße
Volumen vermehrt, blassgelb, klar, Blässe, Nykturie, Schwäche/Schmerz lumbal/Knie Nieren-Qi- oder Yang-Mangel (11.9.22, 11.9.7)
Harntröpfeln, Harnretention Nieren-Qi nicht fest (11.9.3), Blasenstörungen (durch Steine oder Feuchte-Hitze)
Enuresis oder Harninkontinenz Besonders Nieren-Qi- oder Yang-Mangel (11.9.2, 11.9.7)
Häufiger Harndrang, mit viel Urin Nieren-Qi- oder Yang-Mangel (11.9.7, 11.9.2)
Häufiger Harndrang, mit wenig Urin Qi-Mangel (4.2.3)
Schmerzen

DD: Schmerzen

Tab. 4.5
Befund Mögliches Krankheitssyndrom
Schmerzqualität
Spannungsschmerzen ohne fixierte Lokalisation Qi-Stagnation (4.2.3)
Scharf, stechend, bohrend mit fixierter Lokalisation Blut-Stase (4.2.3)
Krampfartig mit Kältegefühl, Wärme bessert Kälte (Tab. 4.54)
Brennend, Kälte bessert Hitze (Tab. 4.54)
Akut, heftig, scharf, Druck verschlechtert, Aufsetzen, Bewegung bessert Fülle (Tab. 4.53)
Schleichender Beginn, dumpf, beständig, Druck, Hinlegen und Ruhe bessern Mangel (Tab. 4.53)
Mit Schweregefühl Feuchtigkeit (2.6.1, 4.2.3), Schleimretention (4.2.3)
Mit Leeregefühl, wie Vakuum Qi-Mangel (4.2.3), Blut-Mangel (4.2.3) und Nieren-Yin-Mangel (11.9.6)
Leichter Schmerz mit Schwächegefühl Nieren-Mangel-Syndrom (11.9)
Schmerzlokalisation: Kopf (Kopfschmerz 13.17.2, Tab. 13.116)
Stirn und Augenbrauenregion Störung im Yangming-Meridian (Ma, Di)
Temporalregion und Taiyang (Ex-HN 5) Störung im Shaoyang-Meridian (Gb, SJ)
Okzipital und nuchal Störung im Taiyang-Meridian (Dü, Bl)
Scheitel Störung im Jueyin-Meridian (Le)
Schmerzlokalisation: Thorax (meist Herz und Lungen betroffen)
Mit Ausstrahlung in Schulter und Rücken Herz-Yang-Mangel (11.1.2), Schleim-Kälte benebelt das Herz (11.1.8), Herz-Qi-Mangel (11.1.1), Herz-Blut-Stase (11.1.5)
Mit Fieber, gelbem Auswurf, Dyspnoe Schleim-Hitze-Retention in der Lunge (11.3.7)
Mit Nachtschweiß, Husten, evtl. blutiger Auswurf Lungen-Yin-Mangel (11.3.2) mit Leere-Hitze
Mit heftigen hypochondrischen Schmerzen Feuchte-Hitze in Leber und Gallenblase (11.7.7), Leber-Blut-Stase (11.7.3)
Schmerzlokalisation: Bauch, Rücken und Extremitäten
Epigastrium Milz-/Magenstörungen (11.5, 11.6)
Unterbauch Störung in Niere, Blase, Uterus, Dick- oder Dünndarm
Schmerzlokalisation: Körper
Flanken Leber
LWS, Lumboischialgie Feuchte-Kälte, Qi- und Blut-Stase, Nieren-Mangel-Syndrom (Tab. 13.58)
Gliederschmerzen Wind-Kälte-Invasion (11.3.4), Wind-Hitze-Invasion (11.3.5), Wind-Invasion, häufig in Kombination mit Abwehr-Wei-Qi-Mangel
Schmerzen im ganzen Körper Qi-Stagnation und Blut-Stase, Wind-Kälte oder -Feuchtigkeit blockieren die Meridiane
Schlaf

DD: Schlafstörungen (13.18.2)

Tab. 4.6
Befund Mögliches Krankheitssyndrom
Einschlafstörung
Mit Palpitationen, Hitzesensationen an Handflächen/Fußsohlen, Schwäche lumbal/Knie Herz- und Nieren-Yin-Mangel mit Leere-Hitze, Disharmonie zwischen Herz und Niere (11.11.11)
Mit Völle-/Druckgefühl epigastral, durch Erbrechen oder Stuhlgang besser, quarkiger Zungenbelag Nahrungsstagnation im Magen (11.6.5)
Mit Ängstlichkeit vor Einschlafen Herz-Qi-Mangel (11.1.1), Gallenblasen-Qi-Mangel (11.8.1, 11.11.8)
Durchschlafstörungen
Wacht in der Nacht auf und kann nicht wieder schnell einschlafen, Gedanken drehen sich im Kreis oder kein tiefer Schlaf und frühmorgendliches Aufwachen Leber-Qi-Stauung (11.7.2) oft mit Stagnationshitze
Häufig in Kombination mit Palpitationen, Appetitmangel, Schwindel, Blässe Milz-Qi- und Herz-Blut-Mangel (11.11.5)
Träume
Plötzliches Aufwachen wegen Albträumen Loderndes Leber-Feuer (11.7.4), loderndes Herz-Feuer (11.1.6)
Viele Träume, kann sich aber nicht daran erinnern Disharmonie zwischen Herz und Niere (11.11.11)
Albträume, Schwindel, Übelkeit, Völlegefühle Feuchtigkeitsretention (4.2.3)
Übermäßige Schläfrigkeit
Schwindel, Schweregefühl, thorakales Druckgefühl, Übelkeit, schmieriger, klebriger Zungenbelag Feuchte-Kälte in der Milz (11.5.5), trüber Schleim blockiert den Kopf (11.5.7)
Extreme Müdigkeit, kalte Extremitäten Herz- und Nieren-Yang-Mangel (11.1.2, 11.9.2, 11.11.10)
Müdigkeit v.a. nach dem Essen, Appetitmangel Milz-Qi-Mangel (11.5.1)
Menstruation und Fluor vaginalis

DD: Menstruation (13.12.2)

Tab. 4.7
Befund Mögliches Krankheitssyndrom
Zyklus verkürzt, Blut ( 13.12.2 .a)
Dunkelrot, dickflüssig, viel Blut-Hitze (4.2.3)
Hellrot, dünnflüssig, viel Milz-Qi-Mangel (4.2.3, 11.5.1)
Zyklus verlängert, Blut
Hellrot, dünnflüssig, wenig Blut-Mangel (4.2.3)
Dunkelrot, dickflüssig mit Koageln, wenig Blut-Stase (4.2.3)
Dunkelrot, wenig, Kältegefühl Blut-Kälte (4.2.3)
Zyklus unregelmäßig, Blut (12.12.2.g)
Dunkelrot, dickflüssig mit Koageln, v.a. prämenstruell Spannungsgefühl in Brust/Unterbauch Leber-Qi-Stauung (11.7.2), Leber-Blut-Stase (11.7.3)
Hellrot, wenig, Appetitmangel, Diarrhö, Schwäche in Rücken/Knie Nieren-Jing-Mangel 11.9.1)
Plötzliche, massive Blutungen (Beng) und nachfolgende Schmierblutungen (Lou), Blut ( 13.12.2 .d)
Dunkelrot, dickflüssig, viel, evtl. klumpig Blut-Hitze (4.2.3)
Dunkelrot, dickflüssig mit Koageln Blut-Stase (4.2.3)
Klebriger, bräunlicher Fluor ohne Klumpen, nach unten ziehendes Gefühl im Unterbauch Feuchte-Hitze im Uterus (4.2.3)
Wässriges Blut, Rastlosigkeit, Hitzewallungen Mangel-Hitze (4.2.3)
Hellrot, dünnflüssig, viel Milz kontrolliert Blut nicht (11.5.3) oder Nieren-Yin-Mangel (11.9.6) oder Nieren-Yang-Mangel (11.9.2)
Amenorrhö ( 13.12.2 .g)
Mit Palpitationen, Blässe, Schwindel, Anorexie Qi- und Blut-Mangel (4.2.3)
Reichlicher Fluor, Völlegefühl im Bauch, Adipositas, Übelkeit Schleim- und Feuchtigkeitsretention (4.2.3)
Mit Tinnitus, Schwindel, Schwäche in Rücken/Knie, immer primäre Amenorrhö Nieren-Jing-Mangel (11.9.1)
Zunehmend unregelmäßige Menstruation in Anamnese, Spannungsgefühl hypochondrial, Seufzen, Depression Leber-Qi-Stauung (11.7.2)
Dysmenorrhö ( 13.12.2 .i)
Prämenstruell oder am ersten Tag, besser nach Klumpenausscheidung Blut-Stase durch Leber-Qi-Stauung (11.7.2)
Während der Menstruation, besser durch Wärme Kälte im Uterus
Gelblicher Fluor, evtl. rezidivierende Unterleibentzündungen, brennender Schmerz vor und nach der Menstruation, Besserung durch Kälte Feuchte-Hitze im Uterus
Während/nach der Menstruation, Schmerz dumpf, Leeregefühl Qi- und Blut-Mangel, Nieren-Yin-Mangel (11.9.6), Nieren-Yang-Mangel (11.9.2)
Fluor vaginalis ( 13.12.4 )
Weiß Kälte (4.2.1)
Gelb Hitze (4.2.1)
Dünnflüssig Feuchte-Kälte
Dickflüssig Feuchte-Hitze
Weiß, dünnflüssig, geruchlos Milz-Qi-Mangel (11.5.1), Feuchte-Kälte in der Milz (11.5.5), Nieren-Yang- oder -Qi-Mangel (11.9.2, 11.9.3, 11.9.7)
Gelb, dickflüssig, stinkend (evtl. auch rötlich) Feuchte-Hitze fließt nach unten

Inspektion

Alexander Maret, TIAN Li
Die inneren Organe (Zang Fu 2.4) stehen in direkter Beziehung zur Körperoberfläche. Innere Krankheiten können sich auf ihr manifestieren.
Vitalität
Der Allgemeinzustand gibt einen ersten Eindruck über Qi (2.3.1), Blut-Xue (2.3.2), Essenz-Jing (2.3.4), Körperflüssigkeiten-Jin-Ye (2.3.3) und das Erkrankungsstadium und ist entscheidend für die Prognose (differenzierte Gesichtsdiagnose 4.1.8).

DD: Vitalität

Tab. 4.8
Erhalten (De Shen)Vermindert (Shi Shen)Pseudovitalität von Sterbenden (Jia Shen)
BlickFrischDumpfGlänzend
GesichtsausdruckKräftigMüdeZufrieden, gerötete Wangen
Spontane BewegungFreiVerlangsamtAgitiert
SpracheKlarVerwaschenRedselig, wiederholt häufig das Gleiche
BewusstseinKlarEingetrübtKurzfristig klar
PathophysiologieGenügend Reserven der vier Substanzen (siehe oben)Großer Mangel einer/mehrerer Substanzen (siehe oben)Yang-Kollaps (4.2.1), letztes Yang-Aufflackern: vorübergehende Besserung
KrankheitsstadiumFrühphaseSpätphaseFinalstadium
PrognoseGünstigSchlechtKurz vor dem Tod
Gesichtsfarbe (differenzierte Gesichtsdiagnose 4.1.8)
Cave: Die normale Gesichtsfarbe variiert entsprechend der ethnischen Herkunft!

DD: Gesichtsfarbe

Tab. 4.9
BefundMögliches Krankheitssyndrom
RotHitze (Tab. 4.54)
Rötung des gesamten GesichtsFülle-Hitze (Tab. 4.56: Yang-Fülle)
Rötung nur der WangenLeere-Hitze (Tab. 4.56) bei Yin-Mangel)
Weiß (Blässe)Kälte (Tab. 4.54), Mangel (Tab. 4.53)
Blass, leuchtend (evtl. geschwollen)Yang-Mangel (Tab. 4.56)
Blass, mattBlut-Mangel (4.2.3)
GelbMilz-Mangel-Syndrom (11.5) oder Feuchtigkeitsretention (4.2.3)
DunkelgelbYin-Ikterus (13.4.2.b, Tab. 13.21, z.B. bei Hepatitis) durch Feuchte-Kälte oder lang andauernde Blut-Stase (4.2.3)
Gelb mit oranger TönungYang-Ikterus (13.4.2.a, Tab. 13.21, z.B. bei Hepatitis) durch Feuchte-Hitze (4.2.3)
Blau (blauviolett: Zyanose)Blut-Stase (4.2.3), Herz-Blut-Stase (11.1.5)
Blau und BlässeKälte (Tab. 4.54)
Grau, bes. unter den AugenNieren-Mangel-Syndrom (11.9), meist Nieren-Yin-Mangel (11.9.6)
Äußeres Erscheinungsbild

DD: Äußeres Erscheinungsbild

Tab. 4.10
Befund Mögliches Krankheitssyndrom
Adipositas oder Ödeme Qi-Mangel (4.2.3), Yang-Mangel (Tab. 4.56), Feuchtigkeitsretention (4.2.3), Schleimretention (4.2.3)
Abmagerung Yin-Mangel mit Mangel-Hitze (Tab. 4.56)
Aufrechte Haltung, aktiv Yang-Syndrom (4.2.2)
Eingesunkene Haltung, passiv Yin-Syndrom (4.2.2)
Beobachtung der Sinnesorgane (differenzierte Gesichtsdiagnostik 4.1.8)

DD: Sinnesorgane

Tab. 4.11
Befund Mögliches Krankheitssyndrom
Auge (FK Leber 2.4.9)
Gerötet, geschwollen Wind-Hitze-Invasion (11.3.5), Loderndes Leber-Feuer (11.7.4)
Gelbe Skleren Feuchte-Hitze (4.2.3), Ikterus (13.4.2)
Nase (FK Lunge 2.4.3)
Nasenflügelatmung Wind-Hitze-Invasion in der Lunge (11.3.5), Lungen-Qi-Mangel (11.3.1), Lungen-Qi-/Nieren-Yang-Mangel (11.11.13), Niere unfähig, Qi zu empfangen (11.9.4)
Nasensekret 4.1.2
Ohren (FK Niere 2.4.7)
Deformierte Ohrmuscheln Nieren-Jing-Mangel (11.9.1)
Eitriger Ausfluss Feuchte-Hitze in Leber und Gallenblase (11.7.7)
Mund und Lippen (FK Milz 2.4.5)
Blässe Blut-Mangel (4.2.3)
Zyanose Blut-Stase (4.2.3, 11.1.5), Kälte (Tab. 4.54)
Rot, trocken und rissig Fülle-Hitze (Tab. 4.56), Mangel an Körperflüssigkeiten (4.2.3)
Aphthen Loderndes Herz-Feuer (11.1.6), loderndes Magen-Feuer (11.6.4), Feuchte-Hitze in Milz und Magen (11.5.6)
Rot, brennend, geschwollen Loderndes Magen-Feuer (11.6.4)
Zunge (FK Herz 2.4.1)
Inspektion: 4.1.2
Exkrete
Exkrete sind Sputum, Nasensekret, Urin, Stuhl und Vaginalsekret.

DD: Exkrete

Tab. 4.12
BefundMögliches Krankheitssyndrom
Klar, weißKälte (Tab. 4.56)
Trüb, gelb, auch klebrigFülle-Hitze (Tab. 4.56)

Auskultation

Alexander Maret, TIAN Li

DD: Sprache/Stimme

Tab. 4.13
Befund Mögliches Krankheitssyndrom
Leise Mangel (Tab. 4.53)
Laut Fülle (Tab. 4.53)
Akute Heiserkeit Invasion der Lunge durch äußere Faktoren (11.3.3, 11.3.4, 11.3.5)
Chron. Heiserkeit Lungen-Yin-Mangel (11.3.2), Nieren-Yin-Mangel (11.9.6)
Unverständlich und laut Mentale Störung durch Feuchte-Hitze oder Schleim-Feuer (z.B. Schleim-Feuer erregt das Herz 11.1.7) oder durch loderndes Leber- und Gallenblasen-Feuer (11.7.4)
Unverständliches, leises Murmeln Herz-Qi-Mangel (11.1.1) oder feuchter Schleim oder kalter Schleim blockiert die Herz-Öffnungen

DD: Atmung

Tab. 4.14
Befund Mögliches Krankheitssyndrom
Kräftige Atmung, akute Dyspnoe, erschwertes Ausatmen Invasion der Lunge durch äußere pathogene Faktoren (11.3.4, 11.3.5)
Schwache, oberflächliche Atmung, chron. Dyspnoe, erschwertes Einatmen Lungen-Qi-Mangel (11.3.1), Niere unfähig, das Qi aufzunehmen (11.9.4)
Rasselnde Geräusche, weißes Sputum Feuchtigkeits-Schleim-Retention in der Lunge (11.3.6)
Stridor, gelbes Sputum Schleim-Hitze-Retention in der Lunge (11.3.7)
Schluchzen, Seufzen Leber-Qi-Stauung (11.7.2)

DD: Husten

Tab. 4.15
Befund Mögliches Krankheitssyndrom
Lauter Husten mit dünnflüssigem, weißem Sputum Wind-Kälte-Invasion, Schleim-Feuchtigkeits-Retention oder Schleim-Flüssigkeits-Retention in der Lunge (11.3.4, 11.3.6, 11.3.8)
Lauter Husten mit dickflüssigem, gelbem Sputum Wind-Hitze-Invasion oder Schleim-Hitze-Retention in der Lunge (11.3.5, 11.3.7)
Trockener Husten mit wenig blutigem Sputum oder ohne Auswurf Lungen-Yin-Mangel (11.3.2), Nieren-Yin-Mangel (11.9.6), Lungen- und Nieren-Yin-Mangel (11.11.14)
Leise, röchelnde Atmung Lungen-Qi-Mangel (11.3.1)
Lauter, trockener Husten ohne Sputum Lungen-Trockenheit (11.3.3)

Olfaktion

Alexander Maret, TIAN Li

DD: Körpergeruch und Exkrete

Tab. 4.16
BefundMögliches Krankheitssyndrom
Scharf, übelFülle-Hitze (Tab. 4.56)
MildMangel-Kälte (Tab. 4.56)
Sauer und faulNahrungsstagnation im Magen (11.6.5)
ApfelgeruchSchwergradiger Diabetes mellitus
Körpergeruch nach UrinNieren-Mangel-Syndrom (11.9)
Alkoholisch (auch ohne Konsum von Alkohol möglich!)Feuchte-Hitze-Retention (4.2.3)

Palpation

Alexander Maret, TIAN Li

DD: Palpation des Abdomens

Tab. 4.17
BefundMögliches Krankheitssyndrom
Hart, druckschmerzhaftFülle (Tab. 4.53)
Weich, Druck ist angenehmMangel (Tab. 4.53)
Fühlen eines Blubberns, PlätschernFlüssigkeitsretention (4.2.3)
Palpable, unfixierte MasseQi-Stagnation (4.2.3)
Palpable, fixierte, schmerzhafte MasseBlut-Stase (4.2.3)
DD: Meridian- und Akupunkturpunktpalpation
Meridiane: schmerzhafte Punkte, v.a. die Xi-, Yuan- und Shu-Punkte (5.9.3, 5.9.1, 5.9.6)Zugeordnetes Zang-Fu-Organ (2.4) betroffen
Spezifische Akupunkturpunkte: Shu-/Mu-Punkte (5.9.4, 5.9.5)Zugeordnetes Zang-Fu-Organ (2.4) betroffen

Pulstastung

TANG Jü
Die Pulsqualität ist ein wichtiges Kriterium in der CM-Diagnostik. Zur Untersuchung des funktionellen Zustands des Patienten mit den Fingern dessen Arterienpuls (heute üblich die A. radialis) tasten: Frequenz, Tiefe, Kraft, Geschwindigkeit, Länge, Dicke, Gleichmäßigkeit, Rhythmus und Qualität geben Auskunft über Lokalisation und Schweregrad der Erkrankung, Verhältnis von Aufrechtem-Zheng-Qi (2.6.1) sowie über die Krankheitsprognose.
Technik der Pulstastung
Patientenlagerung
Aufrechtes Sitzen oder Rückenlage, Hände befinden sich auf Höhe des Herzens, die Innenfläche nach oben gekehrt. Ein kleines, weiches Kissen unter den Handgelenken hilft zur Entspannung der Muskulatur und der Gefäße. Die Handgelenkspulse werden in drei Positionen unterteilt (Abb. 4.1).
Durchführung
  • Bei weiblichen Patienten zuerst rechte Hand, bei männlichen linke Hand tasten

  • Zuerst mit Mittelfinger die Guan-Position aufsuchen, danach Zeigefinger auf die Cun-Position und anschließend Ringfinger auf die Chi-Position legen. Abstand der drei Finger je nach Größe des Therapeutenfingers und Körpergröße des Patienten modifizieren. Auf anatomische Varianten des Pulsverlaufs achten – die Chi-Position liegt manchmal schräg aufwärts zum Handrücken (Xie Fei Mai), oder Puls liegt direkt am Handrücken (Fan Guan Mai)

  • Puls mit locker gekrümmten Fingern in einem Winkel von ca. 45 drücken (Abb. 4.1)

  • Auf jeder Seite mind. 1 min (oder 60 Schläge) lang tasten

  • Gleichmäßigen Druck auf alle drei Pulspositionen zur Gesamtbeurteilung der Organfunktionen und des Körperzustands ausüben

  • Einzelne Pulspositionen danach separat nachtasten, um Störungen eines bestimmten Organs oder Meridians herauszufinden.

Abstufung des Fingerdrucks
Dreifache Abstufung während der Tastung:
  • Bei leichtem Druck den Puls auf der Haut des Patienten mit sehr wenig Kraft fühlen

  • Bei mittlerem Druck mäßig stark drücken und den Puls in den muskulären Partien suchen

  • Bei starkem Druck die Fingerbeere bis an Knochen und Sehnen drücken und die Finger nach vorn oder hinten bewegen, sodass der Puls schiebend untersucht wird.

Bei Kindern < 3 Jahren ist die Pulsdiagnose nicht aussagekräftig; bei größeren Kindern kann man mit dem Daumen auf den drei Pulspositionen bewegend tasten (auch 14.1).

Organzuordnung zur Pulsposition
In der klassischen chinesischen Literatur besteht eine Zuordnung der Pulspositionen zu den inneren Organen. Zuteilung nach dem klassischen Medizinwerk Jing Yue Quan Shu (1624 n. Chr.) wird heute in der Klinik am häufigsten verwendet (Tab. 4.18, Abb. 4.2).
Der physiologische Puls
Nach CM ist der Puls durch seine Länge, Breite und Tiefe unter den tastenden Fingern definiert: Ruhig, kräftig und gleichmäßig, weder oberflächlich noch tief, d.h. in allen drei Tiefen gut tastbar, weder breit noch schmal, weder lang noch kurz, weder schnell noch langsam, mittlere Frequenz von vier Schlägen pro Atemzug des Arztes (60–80 Schläge/min), gelassen, sanft und harmonisch (Abb. 4.3). Dieser Puls wird klassisch auch als Puls mit Magen-Qi (Wei-Qi), Geist (Shen) und Wurzel (Gen) bezeichnet: Magen-Qi bedeutet normale Magenfunktion (normale Pulsfrequenz mit ruhiger, sanfter und gelassener Qualität). Die Stärke des Magen-Qi und seine Veränderung im Pulsbild zeigen den Gesundheitszustand des Patienten und die Prognose seiner Krankheit. Geist-Shen bezieht sich auf die normale Funktion des Qi, v.a. der Zustand des Herz-Qi und -Blutes und Wurzel (Gen) bedeuten spürbare Kraft und Vitalität des Pulses, besonders in der Chi-Position. Es weist auf die normale Funktion des Ursprungs-Yuan-Qi hin. Besitzt der Puls diese drei Kriterien, wird das Pulsbild auch dann als günstig angesehen, wenn es sonst krankhaft verändert ist.
Beeinflussende Faktoren: Innere und äußere Faktoren beeinflussen den physiologischen Puls. Abgrenzung zu den pathologischen Pulsveränderungen (siehe unten Der pathologische Puls, Tab. 4.20) für DD wichtig.
Geschlecht
  • Männer: Puls meist voll und kräftig

  • Frauen: Puls dünner und kraftloser; kurz vor und während der Menstruation ist der Puls oft schlüpfrig und schnell (Hua Shuo Mai); in der Chi-Position ist er größer als in der Cun-Position, der linke Puls ist meist größer als der rechte; oft ist eine Unruhe unter den Fingern zu spüren; Schwangerschaft: Schlüpfriger Puls (Hua Mai), besonders in der Chi-Position und/oder in der linken Cun-Position.

Alter
  • Kinder (auch 14.1): Puls ist kürzer, deshalb nur mit dem Daumen und sanft bis zur mittleren Pulstiefe tasten; physiologische Schnelligkeit bei Kindern beachten: Neugeborene 120/min, 2-Jährige 110/min, 4-Jährige 100/min, 8-Jährige 90/min; Differenzierung von wenigen Pulsqualitäten (Tab. 4.20): Oberflächlich (Fu Mai), tief (Chen Mai), langsam (Chi Mai), schnell (Shuo Mai), leer (Xu Mai) und voll (Shi Mai). Beim Kind < 3 Jahren keine Pulsdiagnose

  • Jüngere Erwachsene: Meist voller, kräftiger Puls

  • Ältere Menschen: Meist dünner, kraftloser Puls.

Konstitution
  • Kräftig (athletisch): Meist voller und kräftiger Puls

  • Schwach: Meist dünner und kraftloser Puls

  • Schlank: Meist oberflächlicher Puls

  • Adipös: Meist dünner und tiefer Puls

  • Groß gewachsen: Puls lässt sich meist länger tasten

  • Klein gewachsen: Puls lässt sich meist kürzer tasten

  • Sportlich: Puls langsamer.

Sonstige Faktoren
  • Ruhe: Eine Pulsdiagnose sollte im Ruhezustand erfolgen (gilt für Arzt wie für Patient); Essen, heiße Getränke, Alkohol, körperliche Anstrengungen und Hungergefühl beeinflussen die Pulsqualität. Cave: Möglichst keine Pulsdiagnose direkt nach dem Essen, Sport, schnellem Laufen oder bei starkem Hunger durchführen!

  • Gemütszustand: Emotionale Störungen während der Pulstastung möglichst vermeiden, da sie das Pulsbild verfälschen können (z.B. innere Anspannung und Aufregung durch den Arztbesuch)

  • Medikamente: Medikamentenanamnese beachten, da einige die Pulsqualität verändern

  • Jahreszeiten: Unterschiedlicher Witterungseinfluss; im Frühjahr ist der Puls eher saitenförmig gespannt (Xian Mai), im Sommer breit und kräftig (Hong Mai), im Herbst oberflächlich (Fu Mai), und im Winter liegt er tief (Chen Mai).

Der pathologische Puls
Pulskombinationen und zugeordnete Erkrankungen
Ursache und Entwicklung einer Erkrankung sind vielfältig. Der Puls zeigt daher oft nicht nur eine Qualität, sondern häufig eine Kombination von Pulsqualitäten an. Cave: Pulse mit gegensätzlichem Charakter, z.B. oberflächlicher (Fu Mai) und tiefer Puls (Chen Mai) können nicht gemeinsam auftreten (Tab. 4.19)!
Interpretation der Pulstastung
Eine aussagekräftige Pulsdiagnose ist nur mit ausreichender Erfahrung möglich; die Diagnose der Krankheitssymptome sollte immer auch die anderen diagnostischen Methoden (4) mit einschließen. Bei Inkongruenz von körperlichen Symptomen und getastetem Puls entscheidet die persönliche Erfahrung über die Gewichtung hinsichtlich Diagnosestellung und Therapiemaßnahmen.

Akute Krankheit stimmt mit Yang-Pulstypen (Tab. 4.20) überein.

Chronische Krankheit stimmt mit Yin-Pulstypen (Tab. 4.20) überein.

Prognostische Wertung
Gute Prognose: Pulsbild stimmt mit den restlichen Krankheitssymptomen diagnostisch überein.
Schlechte Prognose: Pulsbild widerspricht den restlichen Krankheitssymptomen.
Beispiele: Mangel-Syndrom (Tab. 4.53) zusammen mit Yang-Pulstypen: Weist auf Schwäche des Aufrechten-Zheng-Qi (2.3.1) und gleichzeitig auf ein Überwiegen des Pathogenen-Xie-Qi (2.6.1) hin. Akute Erkältungskrankheit zusammen mit Yin-Pulstypen: Weist auf einen Qi-Mangel (4.2.3) hin.

Zungendiagnostik

Lothar Roth
Erste Erwähnung der Zungendiagnostik im Huang Di Nei Jing (1.2). Theorie nach CM: Die Zunge ist über Meridiane und Netzgefäße mit Zang-Fu-Organen (2.4) verbunden; der Blasen-Meridian verzweigt sich auf der Zunge; Magen- und Milz-Qi steigen nach oben und bilden den Belag. Der Nieren-Meridian endet in der Zungenwurzel. Der Leber-Meridian, die Nebenleitbahnen von Blase, Magen und San Jiao haben eine Verbindung mit der Zunge. Indirekte Verbindung haben der Lungen-, Dickdarm-, Dünndarm- und Gallenblasen-Meridian.
Eine vollständige Diagnose nach der CM ist nur mit Zungendiagnostik möglich. Cave: Die Zunge spiegelt nur einen Teil eines Syndroms (einzelne Symptome) und nicht unbedingt immer das gesamte Syndrom wider! (Anmerkung: Neue Zungenfotos aus Heping 2005).

Zungendiagnostik gibt Hinweis auf:

Krankheitssyndrom, z.B. Fülle-Shi- oder Mangel-Xu-Syndrom
Bezug zu den Zang-Fu-Organen (Abb. 4.4 und Kasten S. 180)
Qualität und Quantität der pathogenen Faktoren (Xie Qi 2.6.1)
Krankheitsverlauf und Prognose.
Durchführung
  • 2 Stunden vor Untersuchung keine Nahrungsaufnahme. Cave: Farbveränderungen, Rauchen, Kaffee, schwarzer Tee, Gewürze und Alkohol führen zu einer Rotfärbung des Zungenkörpers

  • Gute Ausleuchtung: Natürliche Lichtquelle oder weißes Licht: Cave: Gelbliches Licht einer Glühbirne oder starke Umgebungsfarben verfälschen Farbeindruck

  • Entspanntes Zeigen der Zunge für eine kurze Zeit (2–3 sec). Cave: Herausstrecken über längere Zeit führt zu Farbveränderungen des Zungenkörpers ins Bläulich-Violette; besser Zunge mehrmals kurz zeigen lassen.

Die normale Zunge ist frei beweglich, hat einen leicht geröteten Zungenkörper, einen schwachen, dünnen, weißen und nicht abwischbaren Belag und ist leicht feucht und glänzend. Physiologische Zungenveränderungen bedenken:
  • Adipöse Patienten haben einen größeren Zungenkörper als asthenische Patienten

  • Ältere Patienten haben oft Zungenfurchen. Cave: Akutes Entstehen immer pathologisch

  • Kinder haben oft durch ihre spezielle Nahrung (Milchprodukte, Früchte) einen weißen bis schmierigen Belag.

Untersuchungskriterien
  • Zungenkörper (She Zhi): Form, Haltung, Farbe, Beweglichkeit

  • Zungenbelag (She Tai): Qualität, Quantität, Farbe, Lokalisation (Frage: Organbezug)

  • Wurzel des Zungenbelags: Belag nicht mit Spatel abzustreifen (besitzt Wurzel) weist auf gute Prognose hin; Belag abzustreifen (besitzt keine Wurzel) weist auf schlechte Prognose hin

  • Feuchtigkeit: Durch Abwischen der Zunge mit Baumwollgaze

  • Lokalisation: siehe Kasten und Abb. 4.4.

Organbezug nach Lokalisation (Abb. 4.4)

Zungenspitze: Herz; Beispiel: Gerötete Zungenspitze kann auf Hitze im Herzen deuten (Abb. 4.5 a)
Zwischen Zungenspitze und Zungenmitte: Lunge
Zungenmitte: Milz und Magen, wobei die Zungenmitte mit dem Magen korrespondiert, und das Gebiet kreisförmig um das Zentrum mit der Milz (nach einigen Autoren Repräsentation der Milz rechts der Medianlinie und Magen links); Beispiel: Purpurne Färbung in der Zungenmitte kann auf Blutstagnation im Mittleren der San Jiao deuten (Abb. 4.5 b)
Lateraler Rand: Leber und Gallenblase (nach einigen Autoren Repräsentation Gb rechts und Le links); Beispiel: Rote Pünktchen an den Zungenrändern bei dicker und geschwollener Zunge können auf Hitze (Blut-Hitze) und Blut-Stauung hindeuten (Abb. 4.5 c)
Zungenwurzel: Nieren und selten auch Dünndarm und Dickdarm und Blase; Beispiel: Grauer Belag im Wurzelbereich kann auf Nieren-Yang-Mangel hindeuten (Abb. 4.5 d).
Die Zunge kann wie der Puls auch in drei Teile aufgeteilt werden:
  • Vorderes Drittel entspricht dem oberen Jiao

  • Mittleres Drittel entspricht dem mittleren Jiao

  • Hinterstes Drittel entspricht dem unteren Jiao.

Quantität des Zungenbelags
Der Zungenbelag entsteht durch nach oben strömendes Magen-Qi. Da alle fünf Yin-Organe mit dem Magen-Qi verknüpft sind, zeigt der Zungenbelag Fülle, Mangel, Kälte und Hitze aller Organe.
  • Dünner Belag: Durch den Belag Zungenkörper sichtbar: Physiologisch. Falls der Belag dicker wird und Zungenkörper nicht sichtbar: Anfangsstadium einer Erkrankung mit Invasion der Körperoberfläche durch äußere pathogene Faktoren (2.6.1) bei intakter Körperabwehr (Wei Qi 2.3.1; normaler physiologischer Belag in der Mitte Abb. 4.5 e)

  • Dicker Belag: Äußere pathogene Faktoren sind ins Körperinnere eingedrungen bei geschwächter Körperabwehr; ebenfalls bei Nahrungsstagnation im Magen (11.6.5) und Feuchte-Syndrom (4.2.3; Abb. 4.5 f).

  • Fehlender Belag: Mit rotem Zungenkörper (Spiegelzunge) Leber-Yin-Mangel und Nieren-Yin-Mangel (11.9.6, 11.11.20; Abb. 4.6 a)

  • Akutes Verschwinden des Belags: Lungen- und Magen-Yin-Mangel (11.6.3), Magen-Qi-Mangel (11.6.1), Milz-Qi-Mangel (11.5.1; Abb. 4.6 b)

  • Lingua geographica (sich ablösender Belag): Kongenital, Parasitenbefall, Magen-Qi/Yang-Mangel, Magen-Yin-Mangel (11.6.1, 11.6.3; Abb. 4.6 c, Abb. 4.6 d).

Qualität des Zungenbelags
  • Stark feucht: Kälte (4.2.1) oder Feuchtigkeit (4.2.3, 2.6.1) im Körper (Abb. 4.6 e)

  • Trocken: Verbrauch von Körperflüssigkeit (Jin Ye 2.3.3), meist durch Hitze verursacht (Abb. 4.6 a)

  • Quarkig: Sieht aus wie Hüttenkäse oder Quark, ist im Gegensatz zum schmierigen, klebrigen Belag abwischbar, besitzt also keine Wurzel, meist Nahrungsstagnation im Magen (11.6.5; Abb. 4.6 f)

  • Schmierig oder klebrig: Dick und feucht, wie nasse Vogelfedern, schwer abwischbar, meist Feuchtigkeits-Syndrom (4.2.3), Schleimretention oder Nahrungsstagnation (4.2.3, 11.6.5; Abb. 4.5 d).

Farbe des Zungenbelags

Veränderungen (Verfälschung) des Zungenbelags durch:

  • Rauchen: Belag grünlich oder grau, trocken

  • Milchprodukte: Belag weiß oder quarkig

  • Beeren: Belag rot oder schwarz

  • Gewürze wie Curry, Senf: Gelbfärbung des Belags

  • Kaffee, schwarzer Tee: Braunfärbung des Belags

  • Mechanische Reinigung (Zungenspatel)

  • Bei Obstruktion der Nasenwege führt die Mundatmung zu einer Austrocknung des Zungenbelags

  • Physiologischer Wechsel des Zungenbelags während der Jahreszeiten: Im Sommer ist der Belag eher dicker und leicht gelblicher, im Herbst eher dünn und trocken und im Winter eher feucht

Zu obigen Beeinträchtigungen der Zungendiagnostik gilt: Ausspülen des Mundes bewirkt keine Veränderung!

Weißer Zungenbelag
Findet sich bei der normalen Zunge, zu Beginn einer Krankheit, bei eher harmlosen Krankheiten (bei Kälte-Syndrom (4.2.1), bei Außen-Syndrom (4.2.1) und bei leichteren chronischen Krankheiten)
  • Dünn, weiß: Zungenkörper nicht mehr sichtbar; äußere Wind-Kälte-Erkrankung (11.3.4, 12.1.1; Abb. 4.6 e) oder Mangel-Kälte-Syndrom (Tab. 4.56)

  • Weiß, feucht und schmierig/klebrig: Schleimretention (4.2.3), Kälte, Feuchtigkeits-Syndrom (Tab. 4.54; 4.2.3) oder Verdauungsstörungen mit Nahrungsstagnation im Magen (11.6.5; Abb. 4.5 d)

  • Weiß, trocken und schmierig/klebrig: Akkumulation von Feuchtigkeit, Schleim und Hitze (Abb. 4.7 a und Abb. 4.7 b)

  • Weiß, trocken und quarkig: Schleim und Hitze im Magen durch Nahrungsstagnation (11.6.5; Abb. 4.6 f).

Gelber Zungenbelag
Weist auf Hitze-Syndrom hin (4.2.1)
  • Dünn, leicht gelb, aber noch feucht: Äußere Hitze und Wind sind in die Körperoberfläche eingedrungen, bisher ohne Schädigung der Körperflüssigkeit, z.B. auch Feuchte-Hitze in Leber und Gallenblase (Abb. 4.7 c)

  • Dünn, gelb und trocken: Schweres Hitze-Syndrom (4.2.1) bei schon geschädigter Körperflüssigkeit (Abb. 4.7 d)

  • Dick, gelb, schmierig/klebrig und feucht: Feuchte-Hitze-Retention im Körper (4.2.3) oder Hitze und Nahrungsstagnation im Magen (11.6.5; Abb. 4.5 a)

  • Dick, gelb und trocken: Starker Verbrauch der Körperflüssigkeit durch starke Hitze (4.2.1; Abb. 4.7 e)

  • Gelb, schwarz, z.T. mit Furchen: Fast vollständige Exsikkose der Körperflüssigkeit durch extreme Hitze (4.2.1; Abb. 4.7 f).

Grauer Zungenbelag
Weist auf Innen-Hitze hin (Tab. 4.57) oder Feuchte-Kälte-Syndrom (4.2.3)
  • Grau und trocken: Verbrauch der Körperflüssigkeit durch lang andauernde Hitze (4.2.1; Abb. 4.8 a)

  • Grau und feucht: Schleimretention (4.2.3) oder Feuchte-Kälte im Körperinnern (4.2.3; Abb. 4.5 d, Abb. 4.8 c).

Schwarzer Zungenbelag
Entsteht meist aus gelbem oder grauem Belag; kritische Krankheitszustände oder nach Medikamenteneinnahme (Abb. 4.8 b)
  • Schwarz und trocken: Extremes Feuer (2.6.1, 4.2.1) mit fast vollständiger Exsikkose der Körperflüssigkeit (Abb. 4.7 f)

  • Schwarz mit Furchen und prominenten Papillen: Extremes Innen-Hitze-Syndrom (Tab. 4.57) führt zu fast vollständigem Nieren-Yin-Mangel (11.9.6), kritischer Zustand (Abb. 4.7 f)

  • Schwarz und feucht: Nach oben steigende Feuchtigkeit durch Yang-Mangel des Mittleren der San Jiao und Kälte.

Verschiedene Farben des Zungenbelags
In der Klinik finden sich oft verschiedene Farben nebeneinander. Dies entsteht, weil der Zungenbelag oft nicht vollständig durch die Pathogene verändert wird. Dadurch können ältere und neuere Abbilder des Krankheitsverlaufs nebeneinander auftreten, was diagnostisch ausgewertet werden kann.
  • Weiß und gelb: Zeigt einen Wandel von Kälte zu Hitze oder umgekehrt

  • Vorwiegend weiß mit neu aufgetretenen einzelnen gelben Spuren: Zeigt einen Krankheitsverlauf von extern zu intern, von Kälte zu Hitze an

  • Vorwiegend gelb mit neu aufgetretenen einzelnen weißen Spuren: Zeigt einen Krankheitsverlauf von intern zu extern und Rückgang der Hitze

  • Gelber Belag im Zentrum und weißer um das Zentrum: Interne Hitze nimmt ab

  • Weiß im Zentrum und gelb um das Zentrum: Pathogene dringen tiefer und Hitze entsteht

  • Weiß und grau: Bei feuchtem Zungenbelag deutet dies auf Feuchtigkeit und Kälte im Innern. Ein halb weißer und halb grauer Zungenbelag (vertikal oder horizontal unterteilt) deutet auf ein Shaoyang- oder Shaoyin-Syndrom (Schichten Modell 12.1.3 und 12.1.512.1.312.1.5)

  • Weiß und schwarz: Weißer Zungenbelag mit schwarzen Punkten oder Schleiern deutet auf Feuchtigkeitsretention im Qi-Stadium (Qi Fen Zheng 12.2)

  • Gelb und schwarz: Gelber Zungenbelag im Zentrum und schwarze Schleier um das Zentrum deuten auf innere Feuchte-Hitze in der Milz. Schwarze Punkte im Zentrum bei gelbem Zungenbelag deuten auf Hitze in der Yangming Schicht (12.1.2)

  • Weiß, grau und schwarz: Weißer Zungenbelag im Zentrum und schwarzer und grauer Zungenbelag um das Zentrum: Feuchtigkeit in der Milz

  • Gelb und grau: Gelber und trockener Zungenbelag im Zentrum und grauer Belag um das Zentrum deuten auf den Wandel von Feuchtigkeit in Hitze, die schon die Körperflüssigkeit angreift.

Lokalisation und Lokalisationswechsel des Zungenbelages
Die Verteilung des Zungenbelags oder eine Veränderung der Lokalisation deuten auf die Art der Pathogene und deren Lokalisation im Körper hin.
  • Bei einem akuten Außen-Syndrom bildet sich der Zungenbelag vorwiegend um das Zungenzentrum oder an der Zungenspitze

  • Ein Wechsel der Lokalisation des Belags von der Zungenspitze und dem Gebiet um das Zentrum vermehrt ins Zentrum bedeutet ein Vordringen der Pathogene ins Innere. Dabei kommt es auch oft zu einem Farbwechsel von weiß zu gelb (Zunahme der Hitze).

  • Bei einem Innen-Syndrom bildet sich der Zungenbelag vorwiegend entsprechend der jeweils betroffenen Organe (Abb. 4.4) oder der Zungenbelag bedeckt die ganze Zunge

  • Ein isolierter Zungenbelag der linken Seite deutet auf die Leber

  • Ein isolierter Zungenbelag der rechten Seite deutet auf ein Shaoyang-Syndrom, falls der Belag weiß und schlüpfrig ist, und auf eine Stagnation von Feuchte-Hitze in der Gallenblase, falls der Belag dick, gelb und schmierig ist.

Zusammenfassung der wichtigsten Veränderungen des Zungenbelags

  • Der Zungenbelag ändert sich im Gegensatz zum Zungenkörper schneller sowohl bezüglich der Farbe, der Qualität und der Quantität. Veränderungen entstehen durch Fortschreiten der pathologischen Prozesse oder durch die Behandlung.

  • Der Zungenbelag gibt einen schnellen Überblick über ein Fülle- oder Mangel-Syndrom. Ein dicker Zungenbelag deutet auf ein Fülle-Syndrom, ein fehlender auf ein Mangel-Syndrom.

  • Bei oberflächlichen Krankheiten reagiert der Zungenbelag immer vor dem Zungenkörper und ist deshalb bei der Diagnose wichtiger. Bei chronischen Krankheiten oder Krankheiten im Innern ist der Zungenbelag von sekundärer Bedeutung, und die Veränderungen des Zungenkörpers sind diagnostisch aussagekräftiger.

  • Die Qualität und Quantität des Zungenbelags ist ein guter Indikator für das Vorhandensein von Feuchtigkeit und Schleim und über den Zustand der Körperflüssigkeit.

  • Die Farbe des Zungenbelags gibt einen ersten und wichtigen Anhaltspunkt über das Vorhandenseins von Hitze oder Kälte.

Form des Zungenkörpers
Geschwollen (oft mit Zahnabdrücken) und vergrößert
Differenzierung nach zusätzlichen Befunden. Weitere DD nach Farbe:
  • Blass: Meist Milz-Qi- und Milz-Yang-Mangel (11.5.1, 11.5.2), teilweise auch Nieren-Qi- und Nieren-Yang-Mangel (11.9.3, 11.9.2; Abb. 4.8 c und Abb. 4.8 d)

  • Leicht gerötet, mit dickem, schmierigem/klebrigem Belag: Aufsteigende Hitze durch Schleim- und Feuchtigkeitsretention (4.2.3)

  • Karminrot: Innen-Hitze im Herzen und in der Milz. Tritt auch bei exzessivem Alkoholkonsum auf

  • Geschwollene Zungenkanten (vorwiegend im mittleren Abschnitt der Zunge): Meist Milz-Qi- und Milz-Yang-Mangel. Zusätzliche vertikale Furchen deuten auf einen chronischen Milz-Yang-Mangel

  • Geschwollene Zungenseiten (dünner Streifen entlang der ganzen Zunge): Meist aufsteigendes Leber-Yang oder Leber-Feuer. Die Farbe des Zungenköpers ist dabei meist blauviolett

  • Geschwollene Zungenspitze: Deutet auf ein Herz-Syndrom. Ist der Zungenkörper gerötet, zeigt es Herz-Feuer. Ist die Farbe des Zungenkörpers normal oder blass, deutet dies auf Herz-Qi-Mangel

  • Schwellung des Zungenkörpers zwischen Spitze und Zentrum: Bei normaler oder blasser Farbe des Zungenkörpers deutet dies auf einen Lungen- und Milz-Qi-Mangel mit Feuchtigkeitsretention

  • Halbseitige Schwellung des Zungenkörpers: Dies führt zu einer Verschiebung der Zungenmittellinie und deutet auf einen Qi- und Blut-Mangel in den Meridianen und Netzgefäßen der betroffenen Seite

  • Eng lokalisierte Schwellungen: Qi-Mangel oder Qi-Stagnation im jeweiligen Organ (Abb. 4.4)

  • Hammerförmige Schwellung (beidseitige Schwellung seitlich der Zungenspitze): Chronischer und ernster Milz- und Magen-Qi-Mangel

Dünn und verkleinert (zart)
Weist auf Yin-Mangel oder Qi- und Blut-Mangel hin
  • Dünn und blass: Qi- und Blut-Mangel (4.2.3)

  • Dünn und rot: Aufsteigendes Yang durch Yin-Mangel-Syndrom (Tab. 4.56).

Papillen
Auffallend große Papillen auf der Zungenoberfläche durch große Hitze, Hitze in der Ying-Schicht (12.2.3) und loderndes Herz-Feuer (11.1.6); je nach Lokalisation der Papillen kann auf das betroffene Zang-Fu-Organ geschlossen werden (Abb. 4.5 a).
Furchen
Physiologisch im Alter und kongenital bei ungefähr 0,5% der Bevölkerung. Akutes Entstehen: Yin-Mangel (Tab. 4.56; Abb. 4.8 e) oder starke Hitze im Körperinnern (Tab. 4.57; Abb. 4.6 a, Abb. 4.7 e).
  • Breite, tiefe Mittelfurche: Hinweis auf Magen-Yin-Mangel, Milz-Yang-, Magen-Qi-Mangel (11.6.2, 11.6.3; Abb. 4.8 e)

  • Lange, bis fast zur Herzspitze reichende Mittelfurche: Bei roter Zunge ohne Belag Hinweis für Herz- und Nieren-Yin-Mangel (11.11.11; Abb. 4.8 f), bei roter Zungenspitze und tiefer Furche Hinweis für Herz-Feuer (11.1.6)

  • Vertikale Furchen: Oberflächliche Furchen weisen auf Magen- und Milz-Qi-Mangel mit Blut-Mangel hin. Tiefe Furchen weisen auf starken Yin-Mangel hin. Lokalisation der Furchen gibt Hinweis auf betroffenes Zang-Fu-Organ (Abb. 4.8 e).

Zahnabdrücke
Entstehen durch Vergrößerung der Zunge am Zungenrand, meist durch Milz- (11.5.1, 11.5.2) und Nieren-Yang-Mangel (11.9.2, 11.11.17; Abb. 4.8 c).
Haltung des Zungenkörpers
Verkürzter Zungenkörper
Zunge kann nicht mehr herausgestreckt werden; entsteht durch verkürztes Frenulum oder bei schwergradiger Erkrankung.
  • Verkürzt, blass und feucht: Kältestagnation in den Muskeln (Tab. 4.54) und dadurch Kontraktion der Zungenmuskulatur

  • Verkürzt, rot und trocken: Starke Hitze und Fieber mit Exsikkose und Muskelspasmen (Abb. 4.9 a).

Tremor des Zungenkörpers
Durch Mangel an Qi, Körperflüssigkeit, Blut und Yang (4.2.3; Tab. 4.56) kann die Zungenmuskulatur nicht mehr ernährt werden mit nachfolgendem Tremor; weiterhin bei innerem Wind durch starkes Innen-Hitze-Syndrom (Tab. 4.57; 11.7.6). Weitere DD nach Farbe:
  • Karminrote Zunge: Fülle-Hitze (Tab. 4.56) führt zur Exsikkose oder verursacht inneren Wind

  • Blasse trockene Zunge: Qi- und Blut-Mangel (4.2.3).

Atrophie der Zungenmuskulatur
Extreme Qi-, Blut- und Yin-Mangel-Zustände
  • Schnell entstehend und roter Zungenkörper: Starke Hitze schädigt Yin und Blut (2.6.1, 4.2.3, 12.2.2, 4.2.3; Abb. 4.9 a)

  • Langsam entstehend und blasser Zungenkörper: Starker Qi- und Blut-Mangel (4.2.3)

  • Langsam entstehend und roter Zungenkörper: Leber-Yin (11.7.1) und Nieren-Yin-Mangel (11.9.6, 11.11.20) aufgrund chronischer Erkrankungen.

Steifer Zungenkörper
Zungenkörper kann nicht frei bewegt werden
  • Karminrote und steife Zunge: Invasion des Perikards durch starke Hitze (12.2.8, 2.6.1) oder starke Yin-Schädigung durch Hitze häufig bei Apoplex und Bewusstlosigkeit.

Deviation des Zungenkörpers
Aufkommender Leber-Wind (11.7.6) oder Schleim und Feuchtigkeit (z.B. Apoplex oder TIA; Abb. 4.9 b).
Farbe des Zungenkörpers

Veränderungen (Verfälschung) der Farbe des Zungenkörpers durch:

  • Scharfe oder heiße Nahrung: Hyperämie der Zunge (rot)

  • Karotinhaltige Nahrung und Vitamine: Gelbliche Verfärbung

  • Medikamente: Abb. 4.8 b

  • Langes Sprechen: Rote Zungenspitze möglich

  • Nach langem Schreien von Kleinkindern können sich Zeichen einer Blut-Stase bilden oder kann sich der Zungenkörper rot verfärben

Zu obigen Beeinträchtigungen der Zungendiagnostik gilt: Ausspülen des Mundes bewirkt keine Veränderung!

Blasser Zungenkörper
Mangel-Kälte-Syndrom oder Qi- und Blut-Mangel
  • Blass, vergrößert, weich, teilweise Zahnabdrücke: Milz-Yang-Mangel und Nieren-Yang-Mangel (11.5.2, 11.9.2, 11.11.17; Abb. 4.8 c und Abb. 4.8 d)

  • Blass und dünn: Qi- und Blut-Mangel (4.2.3).

Roter Zungenkörper
Fülle- oder Mangel-Hitze. Weitere DD nach Farbe des Belags:
Dunkelroter (karminroter) Zungenkörper
Schwere Hitze im Ying-Stadium (Yingfen 12.2.3) oder lang andauernde Hitze im Körper; meist im Herzen (2.4.1, 12.2) oder Magen (2.4.6, 12.2)
Blauvioletter Zungenkörper
Blut-Stase (4.2.3)
  • Dunkelrot-violett mit trockenem Belag: Blut-Stase und Innen-Hitze-Syndrom (Tab. 4.57; Abb. 4.9 c)

  • Leicht violett mit feuchtem Belag: Blut-Stase und Innen-Kälte-Syndrom (Tab. 4.57; Abb. 4.9 d)

  • Nur einzelne violette Makulae: Blut-Stase (4.2.3), leichte Form

  • Purpurne Zunge mit blauvioletter Makula: Blut-Stase (4.2.3), schwere Form (Abb. 4.9 e und Abb. 4.9 f).

Zungenunterseite
Gefäße vergrößert, geschlängelt und blau bis violett: Blut-Stase (4.2.3) und Krankheiten im Herz-Meridian.
Prognostische Kriterien
Quantität des Zungenbelags
1 kein Belag, 2 normaler Belag, 3 dicker Belag
  • Wachstum des Belags (2 zu 3): Schlechte Prognose; Krankheit verlagert sich von der Körperoberfläche in das Körperinnere

  • Verminderung des Belags (3 zu 2): Heilungsprozess schreitet fort

  • Verschwinden des Belags (2 zu 1): Schlechte Prognose; Yin-Schädigung durch chronische Krankheit

  • Entstehung eines neuen dünnen Belags (1 zu 2): Heilungsprozess, erneute Stärkung von Yin.

Farbveränderung des Zungenbelags
  • Farbveränderung von weiß zu gelb über dunkelgelb bis grau oder schwarzgelb: Anstieg der Hitze im Körper

  • Farbveränderung in umgekehrter Reihenfolge: Verbesserung und Heilung der Krankheit.

Wurzel des Zungenbelags
Kann ein Belag im Verlauf einer Krankheit plötzlich mit einem Spatel abgewischt werden (Belag hat seine Wurzel verloren) oder verschwindet der Belag: Hinweis auf ungünstigen Krankheitsverlauf. Empfehlung: Karzinomausschluss. Cave: Eine Ausnahme bildet der quarkige Belag – er kann immer abgewischt werden.
Übersicht der häufigen Zungenbefunde

Häufige klinische Zungenbefunde

Tab. 4.21
Aspekt Syndrome
Zungenkörper: blass
Zungenbelag: dünn, weiß
Äußerer pathogener Wind (2.6.1) und Kälte (2.6.1, 11.3.4, 12.1.1) sind in Körperoberfläche eingedrungen oder Yang- und Qi-Mangel (Tab. 4.56; 4.2.3) führt zu innerer Kälte
Zungenkörper: normal oder rot
Zungenbelag: dünn, weiß oder leicht gelb
Äußerer pathogener Wind (2.6.1) und Hitze (2.6.1, 11.3.5, 12.2) sind in die Körperoberfläche eingedrungen
Zungenkörper: blass
Zungenbelag: weiß, schmierig/klebrig, feucht
Kälte und Feuchtigkeitsretention (4.2.3) im Innern des Körpers (Abb. 4.5 d)
Zungenkörper: blass
Zungenbelag: weiß, schmierig/klebrig, feucht, v.a. in der Mitte und an der Wurzel
Milz- und Magen-Mangel-Syndrom (meist Qi- und Yang-Mangel 11.5.1, 11.5.2, 11.6.1) führt zu einer Akkumulation von Feuchtigkeit und Kälte im Innern
Zungenkörper: normal oder rot
Zungenbelag: leicht gelb, schmierig/klebrig
Hitze und Feuchtigkeitsretention (Tab. 4.57; 4.2.3) im Innern des Körpers (Abb. 4.5 a)
Zungenkörper: rot, trocken
Zungenbelag: wenig oder kein Belag
Yin-Mangel (Tab. 4.56) und Innen-Hitze-Syndrom (Tab. 4.57; Abb. 4.6 a)
Zungenkörper: rot
Zungenbelag: wenig, trocken, weiß oder gelb
Starkes Innen-Hitze-Syndrom (Tab. 4.57) führt zu Mangel an Körperflüssigkeit. Veränderung der Farbe in karminrot, Steigerung der inneren Hitze (4.2.3)
Zungenkörper: blass; blasse Lippen/Fingernägel Blut-Mangel häufig kombiniert mit Qi-Mangel (4.2.3)

Gesichtsdiagnostik

Gerd Wiesemann
Untersuchungskriterien
Betrachtung
  • des Shen (Vitalität)

  • der Kopf- und Gesichtsform

  • der Gesichtszonen allgemein

  • der Gesichtsmerkmale wie Gesichtsglanz, -farben und -feuchtigkeit, Linien und Falten, Furchen, Venenzeichnungen, Schwellungen/Wölbungen, Eindellungen, Pickel etc.

  • der Gesichtszonen im Einzelnen: Stirnregion, Augenregion, Nasenregion, Wangenregion, Ohrenregion, Mund- und Lippenregion, Kinn- und Kieferregion, Haare und Bart.

Praktische Voraussetzung: Ausreichend natürliches oder weißes Licht, sonst kann der Farbeindruck verfälscht werden. Den Glanz des Gesichts am Glanz der Augen messen. Die Hand des Therapeuten als Kontrast neben das zu betrachtende Gesicht halten.

Betrachtung des Shen (Wang Shen) der Vitalität

Betrachtung des Shen

Tab. 4.22
Gutes Shen
(De Shen)
Schwaches, verlorenes
Shen (Bu Shen/Shi Shen)
Falsches Shen
(Jia Shen)
Allgemeiner Eindruck Der erste Eindruck ist gut Schlechter Eindruck, labile Gemütsverfassung Nach anfänglich schlechtem plötzlich wieder guter Eindruck
Ansprechbarkeit Wach und aufmerksam Schweigsam, geistig verwirrt Wach, hektisch
GlanzAussehen Frisches Aussehen; das Licht spiegelt sich im Gesicht; Haare, Fingernägel, Zähne glänzen; gute Durchblutung; normalfarben Mattes, stumpf-glanzloses Aussehen; dunkler trüber, schmutziger Teint; untypische Verfärbungen Glänzend, rosiges Aussehen
Gesicht Gesicht ist gefüllt, nicht eingefallen; Schläfen, Wangen, Nacken sind gefüllt; die Augen treten weder hervor noch sind sie eingesunken Ausgezehrt; tief liegende Augen, mageres Gesicht; eingefallene Schläfen (die Lebenskraft weicht) Ausgezehrt; eingefallene Augen, Schläfen, Wangen
Augen Augen sind offen, strahlen, funkeln, glänzen; rasche und exakte Pupillenreaktionen; flexible Augenbewegungen; lebendiger, steter, klarer Blick und guter Blickkontakt, ohne anzustarren oder zu provozieren Stumpfe Augen; stumpfer Blick; getrübte Pupillen; verlangsamte, abnorme Augenbewegungen; der Blick ist unklar (Schleim verwirrt das Herz); Pupillen und Blick sind starr, fixiert (Essenz-Jing-Qi erschöpft, z.B. bei Koma); die Augen starren nach oben (das Yang stirbt); Unfähigkeit, mit seinem Gegenüber Blickkontakt aufzunehmen oder provozierendes Anstarren; um die Iris ist das Weiß der Skleren zu sehen Plötzlich wieder glänzende, leuchtende Augen; kein Blickkontakt
Atmung Die Atmung ist gleichmäßig und tief bis in den Bauch; ohne Seufzer Unnormale Atmung (Schnaufen, Schnappen); flache oder blockierte Atmung; Kurzatmigkeit Schnelle, flache Atmung
Stimme und Sprache Angenehme Stimme; klare, verständliche, normale Sprache Redet undeutlich und wirr; Sprachstörungen Stimme plötzlich kraftvoll und laut, redselig, wiederholt ständig das Gleiche
Allgemeines Verhalten Positive Einstellung; angenehmes, normales Verhalten; kooperativer Patient; reagiert adäquat auf Fragen und Wünsche Reaktion ist schwerfällig (Aufrechtes-Zheng-Qi [2.3.1] ungenügend); schräge Kopfhaltung; umhersuchender Blick (schwache psychische Energien) Positive Einstellung; neuer Lebensmut
Körper und Bewegungen Körper zeigt Kraft und Beweglichkeit und ist harmonisch gerundet; Bewegung ist entspannt und geschmeidig, harmonisch, fließend und koordiniert; gut ausgebildete Muskeln, die entspannt und locker sind, jedoch ausreichend Spannkraft haben Auszehrung, dünne und schwache Muskulatur oder auch Schwellungen und Ödeme; Fehlbildungen; unbewusste, unkoordinierte Bewegungen; abnorme Bewegungen, (Tics, Ataxien, unruhige Bewegungen) Geschwächt
Mimik Natürliches Minenspiel Maskenhaft oder unnatürliches Minenspiel
Geistige Klarheit Zeigt Präsenz, Zusammenhalt und Logik im Denken und Handeln; adäquate Reaktionen auf Umweltreize; klar strukturiertes Denken; deutliche Sprache; geistige Wachheit, Ausdauer und Schlüssigkeit des Denkens Redet zusammenhanglos; Lachkrämpfe; hysterische Zustände; Schreckhaftigkeit; irrationale Ängste Kurzzeitig klar; will unbedingt noch bestimmte Angelegenheiten klären; will noch viel erledigen; hat wieder Zukunftspläne
Klinische Bedeutung Gute Gesundheit oder Anfangsstadium einer Erkrankung
Aufrechtes-Zheng-Qi (2.3.1) ist nur wenig oder gar nicht geschädigt, die Funktionen der Zang Fu-Organe nur leicht gestört; Qi, Blut, Essenz-Jing und Körperflüssigkeiten-Jin-Ye sind intakt
Fortgeschrittenes Stadium und ernstes Stadium der Erkrankung
Aufrechtes-Zheng-Qi (2.3.1) ist stark geschädigt, die Zang-Fu-Funktionen sind erschöpft; das Herz, der Kaiser, ist angeschlagen; das Herz wird durch Schleim, Schleim-Hitze angegriffen; die Sinnesöffnungen sind getrübt und blockiert
Finalstadium der Erkrankung; das Yang trennt sich vom Yin (Yang-Kollaps [4.2.1]), ein letztes Aufbäumen der Yang-Energien wie beim Aufflackern einer Kerze kurz vor dem Erlöschen
Prognose Gut Schlecht Kurz vor dem Tod
Abnormales Shen

Abnormales Shen

Tab. 4.23
Krankheitsbild Ursache
Schlafstörungen, Alpträume Hitze, Yin-Mangel (4.2.2), Blut-Mangel (4.2.3), die Leber kann Hun (die Wander-Seele) nicht halten
Unruhe Hitze durch Fülle oder Mangel (Leere – bei Yin-Mangel [4.2.1, 4.2.2])
Aggressivität, Brutalität Hitze, Schleim-Hitze (4.2.3), Schleim-Feuer erregt das Herz (11.1.7), Feuchte-Hitze in Leber und Gallenblase (11.7.7, 11.8.2) oder Magen
Paresen, Parästhesien Leber-Wind (11.7.6)
Tremor, Zuckungen, Tics, Krämpfe Leber-Wind (11.7.6)
Neurosen, Psychosen (inaktiv), Depression, Introvertiertheit, Lethargie, starrt vor sich hin etc. Schleim-Kälte benebelt das Herz (Han Tan Mi Xin Qiao 11.1.8)
Neurosen, Psychosen (aktiv), Schizophrenie, Manie, Größenwahn, lacht und heult ohne Grund, schimpft, brüllt und tobt Schleim-Feuer erregt das Herz (Tan Huo Rao Xin 11.1.7)
Epilepsie, Chorea, Tourette-Syndrom Wind-Schleim (Feng Tan 4.2.3)
Betrachtung der Kopf- und Gesichtsform
Kopf- und Gesichtsform allgemein

Kopf- und Gesichtsform

Tab. 4.24
Konstitution Temperament Bewegung Kondition
Großer Kopf, großes Gesicht Yang Starke, große Knochen und Muskulatur Extrovertiert Phlegmatisch Aktiv Kräftig, ausdauernd
kleiner Kopf, kleines Gesicht Yin Schwache Knochen und Muskulatur Introvertiert Sentimental, nervöser Typ Nicht aktiv Schwach
Breiter Kopf, breites Gesicht Yang Starke Knochen und Muskulatur Extrovertiert Phlegmatisch, melancholisch Wenig aktiv Kräftig, ausdauernd
Schmaler Kopf, schmales Gesicht Yin Schwache Knochen und Muskulatur Introvertiert Sentimental, nervöser Typ Weniger aktiv Schwach
Langer Kopf, langes Gesicht Yin Starke Muskulatur Extrovertiert Sentimental, sanguinisch Aktiv Kräftig
Kurzer Kopf, kurzes Gesicht Yang Introvertiert Phlegmatisch, melancholisch Nicht aktiv
Kopf- und Gesichtsform nach Yin und Yang (Abb. 4.10)
Kopf- und Gesichtsform nach den fünf Wandlungsphasen
Die Kopf- und Gesichtsform gibt Hinweise, welcher Wandlungsphase ein Mensch zugeordnet werden kann, und damit auf seine Konstitution und sein Temperament (Abb. 4.11). Die nachfolgend beschriebene Typisierung beschreibt charakteristische Tendenzen. In der Realität finden sich oft keine reinen Konstitutionstypen, sondern eher Mischtypen, z.B. Holz-Metall-Typen etc.
Holz-Typen
(Abb. 4.36)
Feuer-Typen
(Abb. 4.36)
Erde-Typen
(Abb. 4.36)
Metall-Typen
(Abb. 4.36)
Wasser-Typen
(Abb. 4.36)
Körperbau und KonstitutionOft kräftige, ausgeprägte Muskulatur, athletischer KörperbauEher schwacher Körperbau und schwache MuskulaturStarker und robuster Körperbau wie z.B. starke, runde und fleischige Schulter- und Thoraxpartie, oft großer, runder Bauch; kurze Nackenpartie, Neigung zu ÜbergewichtFeiner und zartgliedriger Knochenbau mit schmaler Schulterpartie; meistens von dünner StaturOft großer Knochenbau mit kräftiger Konstitution, breiter Schulterpartie; Muskulatur tendenziell aber eher lang und steif
Kopf- und GesichtsformEher länglich und rechteckig, Kiefer und Kiefermuskulatur kräftig und zum Kinn stark betont, oft angespannte KaumuskulaturKlein und nach unten spitz zulaufendEher rundlich mit starken, fleischigen, rundlichen und breiten Knochen, eher plump geformte Wangen, fleischige Lippen, Tendenz zum DoppelkinnFeine und zartgliedrige Gesichtsknochen, z.B. zarte und feine Nase; wirkt aristokratisch und stolzGroß und rundlich oder trapezförmig mit großen Knochen, breiten Wangenknochen und breitem Kiefer, kräftigem Kinn; trägt den Kopf aufrecht
SinnesorganeAugenbrauen sind kräftig, stark und weitGenerell spitze Formen bei Nasenspitze, Ohren, Augen und Augenbrauen; große und runde Augen, die glänzen, leuchten und funkeln und alles aufnehmenGroße, runde Nase, fleischige LippenZarte und feine NaseStarke Nase, kräftige Ohren, tief liegende Augen mit leicht geschwollenen Lidern, die meist hart, herablassend und dominierend (und unsensibel) wirken
Teint und Behaarung (Gesicht, guter Status: am innenseitigen Unterarm in der Handgelenksregion)Tendenziell grünlich, olivenfarben, viele MuttermaleRotes Gesicht, ist schnell erregt, Ohren, Nase oder Hals und Dekollet färben sich plötzlich rot (hektische Flecken), Haut sieht verbrannt aus, trocken und rau, stark behaartTendenziell gelblich, kleine Poren, wenig behaartTendenziell weiß und milchig, Haut meist dünn, papier- und pergamentartig, aber auch bräunlich gegerbtes Aussehen; generell Tendenz zur Austrocknung der Haut und Schleimhäute, oft viele Sommersprossen; Haare sehen verbrannt und spröde ausTendenziell dunkler (schwarz-blauer) Teint, aber auch normalfarben bis leicht rötlich; pastös, als ob zuviel Wasser in der Haut wäre, teigig, große Poren; evtl. viele Haare
ExtremitätenSehnen und Muskeln klar definiert, kräftige Hände, knotige Fingergelenke, Handinnenfläche von vielen Falten durchzogenWohlgeformte Hände, lange FingerFleischige und rundliche Extremitäten (Muskeln nicht abgrenzbar); grobe, breite und fleischige Hände (Wurstfinger), quadratische Hände; gleichmäßiger und fester (bodenständiger), aber langsamer GangFeine und zartgliedrige Finger- und Handgelenke, feine, grazile, stolze BewegungenGroße Hände und Füße; tendenziell steife Bewegungen
Stimme und StimmlageAbgehackt, oft präzise, zornig, mit Spannung; oft schreiendLachend, unpassendSingendTraurig, schwach, weinerlichMonoton, meist tief, einschläfernd
Psychische KonstitutionIst sehr vital und emotional, will das Leben in vollen Zügen spüren und erfahren (Dramatik, Leidenschaft, Eifersucht, Liebe), fasst schnell einen Entschluss und führt seinen Plan entschieden durch, muss sich und den anderen zeigen, was er kann – ist dabei mutig, kühn und fordernd, neigt aber auch zu Getriebensein, Ungeduld, Reizbarkeit und Intoleranz und dominiert laut und schrill seine UmgebungEntspricht dem intellektuellen Verstandesmenschen, ist tendenziell eher verspielt, freundlich und neugierig, nimmt alles auf (oft ohne Kontrolle Reizüberflutung und Erregung), entflammt daher schnell und brennt dauernd (Gefahr: Tendenz zur Erschöpfung), braucht wenig Schlaf, ist nachts aktiv, nimmt sich aber kaum Zeit für Regeneration und zehrt aus; es bedarf nur ein wenig Benzin, z.B. eine neue Idee, und schon brennt das Feuer wieder lichterloh; dadurch oft nervöses und hektisches Verhalten, schneller und getriebener RedeflussMeist freundlich, fröhlich, gesellig, loyal, zuverlässig, kooperativ; sehr guter Zuhörer; liebt Genuss und Essen; kocht gern und liebt das Übermaß; ist bodenständig und hat ein starkes Nervenkostüm; ist nicht so schnell aus der Ruhe zu bringenOrdnungsliebend, ist taktvoll, elegant, gut erzogen, hat etwas Stolzes und Aristokratisches (das kantige Äußere kann kühl, abweisend und snobistisch wirken), alles wird perfekt geplant und arrangiert, nichts dem Zufall überlassen; geht früh ins Bett und steht früh aufViel persönliche Kraft, Ausdauer und Mut; hat ein starkes Ego und einen starken Willen; hat eine magnetisierende, charismatische Ausstrahlung und besitzt daher Führungsqualitäten; ist selbstbewusst und versucht, seine Ideen durchzusetzen; neigt zu Sturheit, Eigensinn, Arroganz und Stolz und ist daher wenig teamfähig
ErkrankungstendenzenEntspannung fällt schwer, steht ständig unter Strom. Wird er im Gefühls- und Kreativitätsausdruck behindert, entstehen Spannungen, die sich oft in Form von Schmerzen zeigen oder sich durch Zornesausbrüche entladenNeigung zur Reizüberflutung und Erregung, durch schnelles Verbrennen von Säften, Blut (Yin) Neigung zu Konzentrations- und Merkfähigkeitsstörungen; erschöpft sich durch seine Lebensweise schnell (brennt aus)Neigt zu Feuchtigkeits- und SchleimansammlungenNeigung zu Infektionskrankheiten, Immunschwäche; aufgrund einer konstitutionellen Schwäche kann das Nervensystem leicht angegriffen werden; ist jedoch in der Gesundung zäh und ausdauernd (gnadenlos mit sich)Seine starke Nieren-Kraft drückt sich in einer robusten Gesundheit und starker, persönlicher Kraft aus
Gesichtszonen
In den nachfolgenden Abbildungen 4.12–4.18 werden die Zonen-Lokalisationen grafisch dargestellt:
  • Zonen-Lokalisation nach Yin und Yang (Zweiteilung) (Abb. 4.12)

  • Zonen-Lokalisation nach den San Jiao (Dreiteilung) (Abb. 4.13)

  • Zonen-Lokalisation nach den fünf Wandlungsphasen (Fünfteilung) (Abb. 4.14)

  • Zonen-Lokalisation nach den Meridianen und Meridian-Zonen (Abb. 4.15)

  • Zonen-Lokalisation nach den Organen und Körperregionen (Abb. 4.16)

  • Anatomische Spiegelung der Organe und Körperregionen (Abb. 4.17)

  • Anatomische Spiegelung des gesamten Körpers (Abb. 4.18).

Im westlichen Denken geht man von folgendem Gehirnmodell und den Funktionen der Gehirnhälften aus:
  • Links rechts

  • Rationelle Seite Denken in Bildern und Symbolen

  • Logisches Denken Formen und Räume erkennen

  • Analysieren von Zusammenhängen Dinge ganzheitlich verstehen

  • Übersetzen von Gedanken und Gefühle in Sprache Gefühlswahrnehmung

  • Noten lesen, Musik in Noten niederschreiben Musikalität, erfassen einer Melodie

  • Techniken des Malens, Zeichnens, Kameratechnik Kunst, erfassen eines Motivs in seiner Ganzheit

  • Logisch, sachlich, detailgenau, analytisch kreativ, ganzheitlich, intuitiv, emotional

  • Denken fügt die Details der linken Seite zu einem sinnvollen Ganzen

  • Linker Motorcortex steuert rechte Körperseite rechter Motorcortex steuert linke Körperseite

  • Rechts: Nächtliche Aktivität des Träumens.

In der CM geht man von folgenden Funktionen der Gesichts- bzw. Körperhälften aus:
  • Links rechts

  • Mondseite (Vergangenheit, Erinnerung, Träume, Ahnungen, Gefühle Sonnenseite (Ich-Bewusstsein, Klarheit des Denkens und Handelns)

  • Weiblich, Unbewusstes männlich, Bewusstes, weniger emotional; die Seite, die wir in der Öffentlichkeit zeigen wollen.

Gesichtsmerkmale (Gesichtsglanz, -farben und -feuchtigkeit, Linien und Falten etc.)
Der Glanz des Gesichts, seine Farben und seine Farbintensität sowie die Geschmeidigkeit der Gesichtshaut (Feuchtigkeit) geben Auskunft über den Zustand der Zang-Fu-Organe, Yin und Yang, Qi und Blut-Xue und Geist-Shen sowie über die Konstitution und Kondition.

Das normale, gesunde Aussehen

Die Gesichtsfarbe zeigt sich entsprechend der Hautfarbe bzw. der ethnischen Herkunft und ist abhängig von Alter, Tätigkeit (z.B. Bauer auf dem Land oder Arbeiter im Büro). Normal ist ein glänzender, strahlender, das Licht widerspiegelnder Teint mit einem Hauch rosiger oder rötlicher Farbe (ausreichend Herz-Blut) und einer Spur Gelb (Farbe der Erde/Milz und des Magens). Eine geschmeidige feuchte Gesichtshaut (elastisch und fest) ist der Ausdruck von ausreichend Körperflüssigkeiten-Jin-Ye.
Gesichtsglanz
Glanz hat einen Bezug zu Geist-Shen, Qi und Blut-Xue sowie zu Fülle und Mangel (Leere).

Gesichtsglanz

Tab. 4.25
ZeichenHinweis auf
Glänzend, frischer Glanz
  • Geist-(Bewusstsein-)Shen ist vorhanden, starke gute Vitalität und Gesundheit

  • Aufrechtes-Zheng-Qi (2.3.1) ist stark

  • Nur eine leichte Erkrankung, oberflächliche Erkrankung, die gerade begonnen hat

  • Qi und Blut sind noch nicht angegriffen

  • Gute Prognose

Matter, glanzloser, welker, schlaffer Teint
  • Geist-(Bewusstsein-)Shen ist geschwächt, geringe bis schlechte Vitalität und Gesundheit

  • Qi und Blut-Xue wurden geschädigt, Abwehr-Wei-Qi (2.3.1) und Aufrechtes-Zheng-Qi sind schwach, die Essenz-Jing (2.3.4) ist erschöpft

  • Ernsthafte Erkrankung, mäßige bis schlechte Prognose

Geschmeidigkeit der Gesichtshaut
Die Geschmeidigkeit bzw. die Feuchtigkeit der Gesichtshaut gibt Hinweise auf die Stärke des Qi des mittleren der San Jiao (das Magen-Qi) sowie auf den Zustand der Körperflüssigkeiten-Jin-Ye, des Blutes und des Yin. So bedeutet eine geschmeidige, feuchte Gesichtshaut im Allgemeinen eine gute, eine trockene, verdorrte Gesichtshaut eine schlechte Prognose.
Gesichtsfarbe
Differenzierung nach Haupt- und Nebenfarbe

Beurteilung der Hauptfarbe (dominante Farbe) als der eigentlichen Haut- und Gesichtsfarbe, die abhängig ist von Rasse, Vererbung, Grundkonstitution usw. und die sich im Laufe des Lebens nicht oder kaum verändert. Sie gibt Hinweise auf die Grundkonstitution eines Menschen.

Beurteilung der Nebenfarbe (Gastfarbe), die sich verändert in Abhängigkeit von Lebensweise, Arbeitsbedingungen, Klima, Jahreszeit, Sonneneinstrahlung etc. Sie zeigt den aktuellen Zustand von Yin und Yang, Qi und Blut-Xue und den Zustand der Zang-Fu-Organe an.

Gesichtsfarben allgemein

Gesichtsfarben allgemein

Tab. 4.26
Farbe KonstitutionWandlungsphase/Organbezug Klima Emotion Krankheitsbild
Grün/blau (Qing) Holz/Leber Wind Zorn Schmerz Stagnation
Rot (Hong) Feuer/Herz Hitze Freude Hitze
Gelb, braun (Huang) Erde/Milz Feuchtigkeit Grübeln, Denken Hitze Qi-Mangel (4.2.3), Feuchtigkeit/Schleim (4.2.3)
Weiß (Bai) Metall/Lunge Trockenheit Trauer Kälte Qi-Mangel (4.2.3), Blut-Xue-Mangel (4.2.3), Yang-Mangel (4.2.2)
Schwarz und/oder blau Wasser/Niere Kälte Angst Schmerz Erschöpfung
Beurteilung der Farbe

Beurteilung der Farbnuancen

Tab. 4.27
Eher positiv Eher negativ
Grün Feder eines Pfaus Wintergras
Rot Hahnenkamm Wie Embryo (dunkelrot)
Gelb Bauch eines Krebses Mandarinen
Weiß Schweineschmalz Getrockneter Knochen
Schwarz Feder eines Raben Verbrannter Stoff, Asche
Beurteilung der Farbintensität

Beurteilung der Farbintensität

Tab. 4.28
Farbverteilung und -intensität Hinweise auf
Oberflächlich Äußere Störung, milder Zustand, Yang (4.2.1)
Tief, satt Innere Störung, ernster Zustand, Yin (4.2.1)
Klar, deutlich Yang-Erkrankung, oberflächige äußere Erkrankung (4.2.1)
Trübe, stumpf, versteckt Yin-Erkrankung, tiefe innere Erkrankung (4.2.1)
Dünn, hell Mangel-(Leere-)Syndrom (4.2.1)
Dick, dunkel Fülle-Syndrom (4.2.1)
Verstreut, verteilt Schwacher pathogener Faktor führt zu einer akuten Erkrankung, einem milden Krankheitszustand von kurzer Dauer und guter Prognose
Konzentriert Ernster pathogener Faktor führt zu einer chronischen Erkrankung, einem ernsten Krankheitszustand von langer Dauer und schlechterer Prognose
Gesichtsfarben als Hinweise auf Störungen im Einzelnen
Grün-/Blaufärbung (Mian Se Qin)
Hinweise auf: Kälte (Han), Schmerz (Tong), Stauung (Yu), Blut-Stagnation (Yu Xue), Krämpfe (Jing) (kindliche Fieberkrämpfe) durch inneren Wind (Nei Feng).
Ein grünes oder blaues Gesicht indiziert eine Stagnation oder Akkumulation des Qi und des Blutes-Xue in den Blutgefäßen (Xue Mai) und den Meridianen (Jing Mai) durch Kälte oder Wind, aber auch z.B. emotionell bedingt.

Grün-/Blaufärbung

Tab. 4.29
Färbung und Zonen-LokalisationHinweis auf
Grünblaue GesichtsfarbeErkältung durch Wind-Kälte
Schmerzen, Krampfzustände durch Kälte
Bauchschmerzen durch Kälte
Unterleibschmerzen durch Kälte
Qi-Stagnation (4.2.3), Blut-Stase (4.2.3)
Möglicher Hinweis auf maligne Tumoren oder Zysten
Bei Kindern: grünlich, bläuliche Färbung an der Nasenwurzel zwischen den Augenbrauen und um die MundwinkelHohes Fieber, oft Vorzeichen für Fieberkrämpfe, inneren Wind (Nei Feng) (Ying-Schicht oder Xue-Schicht ist betroffen 12.2.2)
Weiß und grünlich/bläulichStarke Schmerzen durch Kälte
Grünlich (bläulich) und graue GesichtsfarbeStagnation von Qi und Blut im Inneren
Leber-Qi-Stauung (11.7.2), Leber-Blut-Stase (11.7.3), Leber-Wind (11.7.6), Kälte im Leber-Meridian (11.7.8)
Grüne Gesichtsfärbung mit roten AugenLeber-Hitze und -Feuer (11.7.4)
Grünlicher Schimmer unter den AugenLeber-Blut-Mangel (11.7.1)
Grüne NaseQi-Stagnation mit Schmerzen im Abdomen
Grünlich gelbliche WangenWind-Schleim
Grünliche Färbung auf der StirnLeber attackiert Milz und Magen (11.11.18, 11.11.19)
Rot-grünliche GesichtsfärbungLeber-Qi-Stauung oder -Blut-Stagnation wandelt sich in Hitze
Gesicht und Lippen bläulich violett mit Schmerzen thorakalHerz-Blut-Stase (11.1.5)
Blaue NasolabialfalteKälte in Magen oder Dickdarm (11.6.7, 11.4.4)
Blaue Kapillarzeichnung an der SchläfeLeber-Qi-Stauung (11.7.2), Leber-Blut-Stase (11.7.3), Depressionen
Bläuliche Kapillarfärbung auf der Stirn mit blassem GesichtKälte im Magen-Darmtrakt oder Kälte im Unterleib führt zu Schmerzen im Abdomen
Blaue LippenEingedrungene Kälte, Yang-Mangel mit Kälte in Magen, Milz und Verdauungstrakt
Zyanotische Gesichtsfärbung/bläulich violette FärbungBlut-Stagnation durch Yang-Mangel, Herz-Yang-Mangel (11.1.2), Wind-Kälte-Angriff, Yang-Mangel führt zu Kälte
Blass, bläulichKälte, Blockierung des Yang-Qi; kann nicht zirkulieren
Zyanotische Wangen, Ohren, Lippen, FingernägelEingedrungene Kälte
Herz-Yang-Mangel (11.1.2), Lungen-Yang-Mangel, Nieren-Yang-Mangel (11.9.2) führen zu Kälte
Rot-bläulich oder bläulich rotBlockierung durch Hitze oder Schleim-Hitze
Blaue AugensklerenWind-Kälte, Nieren-Mangel-Syndrome (Knochenprobleme, Knochenbrüchigkeit), Parasiten im Darm
Rotfärbung (Mian Se Hong)
Rot ist eine Yang-Farbe, die Farbe der Wandlungsphase Feuer, des Herzens sowie der Emotionen Freude, Lust und Liebe.
Rot zeigt Feuer oder Hitze durch Fülle- oder Mangel-(Leere-)Syndrome an, von Innen- oder Außen-Syndromen, wie auch Wind-Hitze, Feuchte-(Nässe-)Hitze, Schleim-Hitze, Toxische Hitze.

Rotfärbung

Tab. 4.30
Färbung und Zonen-LokalisationHinweis auf
Rotes GesichtFülle-Hitze in den Zang-Fu-Organen, äußere Hitze mit Fieber, Wind-Hitze, Blut-Hitze, Yangming-Hitze (12.2.6, 12.2, 12.1.2), Unruhe, Einschlafstörungen, Emotionen wie Zorn, exzessive Freude, manische Zustände
Rote Wangen bei normaler GesichtsfarbeLungen-Hitze, Herz-Hitze, Magen-Hitze, Leber-Hitze, cave: möglicher Hinweis auf falsches Shen
Blasses, fahles Gesicht mit roten WangenYin-Mangel mit Mangel-Hitze (4.2.2), Nieren-Yin-Mangel, Lungen-Yin-Mangel, Herz-Yin-Mangel jeweils mit Mangel-Hitze (11.9.6, 11.3.2, 11.1.4)
Oben Hitze – unten Kälte (Shang Re Xia Han 4.2.1)
Disharmonie zwischen Herz und Niere (11.11.11)
Pseudo-Hitze (Echte Kälte mit falscher Hitze 4.2.1)
Nachtschweiß, Durchschlafstörungen, Unruhe, Nervosität
Gerötete WangenknochenYin-Mangel (9.2), Blut-Mangel mit Mangel-Hitze (4.2.1)
Rote Wangen nach dem MittagsschlafLungen-Yin-Mangel (11.3.2)
Aufsteigende Röte bei normaler oder blasser GesichtsfarbeMenopause, Yin-Mangel (4.2.2)
Aufregung, Herz-Hitze, Blut-Mangel (4.2.3), Nervosität
Rote LippenMilz- oder Magen-Hitze; z.B. Magen-Feuer (11.6.4)
Schleim-Feuer oder Feuchte-Hitze in der Milz (11.5.6)
Rote NaseHitze im Magen; z.B. Magen-Feuer (11.6.4)
Rote NasenflügelLungen-Hitze (von innen oder außen)
Rote NasenspitzeHitze im Herzen; z.B. Herz-Feuer (11.1.6)
Rote AugenHitze in der Leber; z.B. Leber-Feuer (11.7.4), Wind-Hitze (11.3.5, 12.1, 12.2)
Rote StirnHitze im Yangming (12.1.2), Herz-Hitze, Lungen-Hitze
Rote Ohren (Helix, Anthelix oder Ohrmuschel)Yin-Mangel, Lungen-Yin-Mangel, Herz-Yin-Mangel jeweils mit Mangel-Hitze (11.9.6, 11.3.2, 11.1.4)
Feuchte-Hitze in Leber oder Gallenblase (11.7.7)
Rote bläuliche (zyanotische) Gesichtsfarbe oder rotviolette Färbung oder Venenzeichen, FleckenBlut-Stase durch Hitze, Lokalisation zeigt die betroffenen Zang-Fu-Organe an
Gelbfärbung (Mian Se Huang)
Gelb ist die Farbe der Wandlungsphase Erde, der Organe Milz und Magen und der Emotion Grübeln und Denken. Gelb indiziert eine Milz-Dysfunktion, Feuchtigkeit (Nässe) und Schleim. Eine Gelbfärbung gibt Hinweise auf etwas Schmutziges, Trübes und Klebriges.
Das Gesicht eines gesunden Menschen sollte einen Hauch Gelb besitzen als Zeichen eines genügend kräftigen Milz- und Magen-Qi zum Aufbau des Nachgeburts-Qi (Nachgeburtliche Essenz-Jing 2.3.4).

Gelbfärbung

Tab. 4.31
Färbung und Zonen-LokalisationHinweis auf
Gelber TeintMilz-Dysfunktion, d.h. schwache Transformation, Assimilation und Transport, sodass Säfte, Jing und Yin nicht produziert werden und stattdessen Feuchtigkeit bzw. Schleim entsteht, z.B. bei Milz-Qi-Mangel (11.5.1) mit Feuchtigkeit, Feuchte-Kälte in der Milz (11.5.5)
Gelbe Gesichtsfarbe mit SchwellungMilz-Schwäche-Syndrome wie z.B. Milz-Qi-Mangel (11.5.1), Feuchtigkeitsstagnation, -ansammlung (4.2.3)
Blasser, gelber TeintMilz-Qi-Mangel (11.5.1), Blut-Mangel (4.2.3)
Gelb, matt, trocken oder wächsernQi- und Blut-Mangel kann die Haut nicht ernähren, Milz-Schwäche, z.B. Milz-Qi-Mangel (11.5.1) und Magen-Feuer (11.6.4)
Dunkles, mattes GelbFeuchtigkeit oder Feuchte-Kälte (4.2.3)
Yin-Ikterus (13.4.2)
Lang andauernde Blut-Stagnation (4.2.3)
Leuchtendes Gelb, kräftig wie eine ausgereifte Orange (Kanarienvogelgelb)Feuchte-Hitze (4.2.3), z.B. Feuchte-Hitze in Leber und Gallenblase (11.7.7)
Yang-Ikterus (13.4.2)
Gelbe SklerenFeuchte-Hitze (4.2.3), z.B. Feuchte-Hitze in Leber und Gallenblase (11.7.7), Ikterus (13.4.2)
Gelbe NaseFeuchte-Hitze in Milz und Magen (11.5.6)
Gelb um den MundMilz-/Magen-/Darm-Störung mit Feuchtigkeit
Feuchtigkeit im Unteren Jiao
Gelb, grünlich (bläulich)Blut-Stagnation durch Feuchte-Hitze
Gelbbraune Färbung/XantelasmenFeuchte-Hitze in Leber und Gallenblase (11.7.7.), Feuchte-Hitze in der Milz (11.5.6), Fettunverträglichkeit, Steinbildung
Gelbe Hände (Innenhand)Milz-Dysfunktion
Diabetes mellitus (möglich)
Rötlich gelber TeintWind-Hitze, Wind-Feuchtigkeit
Braunfärbung (gelb-braun/dunkelbraun) (Mian Chen)

Braunfärbung

Tab. 4.32
Färbung und Zonen-Lokalisation Hinweis auf
Schmutziges Gelb oder schmutziges Braun, Chloasmen (Hyperpigmentation) Leber-Qi-Stauung führt zu Blut-Stagnation (11.7.2, Leber-Blut-Stase 11.7.3)
Feuchte-Hitze in Milz und Magen (11.5.6)
Leber und Nieren-Yin-Mangel mit aufsteigender Mangel-Hitze (11.11.20)
Leber-Störung, Schwangerschaft
Sommersprossen, Ephelides, Lentigo Inadäquate Nieren-Yin-Funktion oder angeborener Nieren-Essenz-Jing-Mangel (11.9.1) behindert die Haut, bei Sonneneinstrahlung ebenmäßig zu bräunen (Fähigkeit zur Bräunung bedeutet Schutz vor den UV-Strahlen)
Nieren-Yin kann die Haut nicht ernähren, und Feueransammlung oder Wind und Feuer in den Gefäßen zerstäuben das Yin über die Oberfläche
Muttermale und Leberflecken Dienen in erster Linie der Schicksalsdiagnose
Dunkle Farben (Braun und Schwarz) sind Yin-Farben. Menschen mit dunkler Körperfarbe haben ausreichend Substanz (Jing, Yin, Blut und/oder Säfte), die den Körper vor Sonneneinstrahlung schützt und somit dunkel färbt; eine dunkle Hautfarbe bedeutet jedoch auch ein Übermaß an Feuchtigkeit, Schleim, Kälte oder Blut-Stagnation.
Der gesunde Körper reagiert auf Sonnenlicht mit einer Dunkelfärbung der Haut, um sich vor zuviel Yang (Sonnenlicht) zu schützen. Yin ist der körperliche Schutz. (Melanin ist eine Yin-Substanz.)
Weißfärbung, Blässe (Bai Se Mian)
Weiß ist die Farbe der Wandlungsphase Metall, von Lunge und Dickdarm. Weiß bedeutet Mangel (Leere) oder Kälte; Kälte durch Fülle oder Kälte durch Mangel (Leere). Weiß indiziert Blut-Mangel und/oder Blutverlust. Ist genügend Blut, Qi und Yang vorhanden, ist die Zirkulation ausreichend, und es entsteht ein gesunder rötlicher oder rosafarbener Gesichtsteint. Ein Übermaß an weißer Farbe bedeutet, das Feuer kann Metall nicht schmelzen (Wandlungsphasen-Zyklus).
Bei einer Kälte und Schwäche des Yang erstarrt der Qi- und Blutfluss und Qi und Blut können nicht zum Kopf aufsteigen. Dadurch bleiben die Gefäße leer und das Gesicht bleibt weiß oder blass. Ein weißer Teint zeigt eine schwache Konstitution und ein schwaches Immunsystem an. Menschen mit einer konstant schwachen Lunge, die sich emotional in Traurigkeit, Besorgtsein, Weinen, Stöhnen äußern kann, haben ein weißes, blasses Gesicht.

Weißfärbung, Blässe

Tab. 4.33
Färbung und Zonen-LokalisationHinweis auf
Weißes Gesicht, offener MundAbwehr-Wei-Qi-Mangel (2.3.1), Aufrechtes-Zheng-Qi-Mangel (2.3.1), Lungen- und Milz-Qi-Mangel (11.11.12)
Konzentrationsstörungen, unfallgefährdet
Weißes Gesicht wie ausgetrockneter Knochen (elfenbeinfarben)Lungen-Qi-Mangel (11.3.1), Infektanfälligkeit
Weiß, matt ohne GlanzBlut-Mangel (4.2.3)
Weiß und matt mit roten WangenYin-Mangel mit Mangel-Hitze (4.2.2)
Weißmattes Gesicht mit roten Wangen, roten Lippen, ausgezehrtem KörperYin-Mangel mit aufloderndem Feuer (4.2.2)
Weiße, blasse Stirn nach dem AufstehenMilz-Qi-Mangel (11.5.1), Unterzuckerung, Hypotonie
Weiße LippenMilz- und Magen-Qi-Mangel (11.5.1, 11.6.1), Yang-Mangel (4.2.2)
Blasse weiße NasenspitzeHerz-Qi-Mangel (11.1.1), Herz-Yang-Mangel (11.1.2), Blut-Mangel (4.2.3)
Weiß um die Augen oder unter den AugenMilz- und Nieren-Yang-Mangel (11.11.17), Kälte im Unterleib, Dickdarm- oder Uterus-Kälte, Dysmenorrhö, Bauchschmerzen
Plötzlich weiß und matt mit starkem Schwitzen, kalten Extremitäten, ohne Durst, Aversion gegen Kälte, schwacher Puls (San Mai)Yang-Kollaps (4.2.1), absinkendes Yang (4.2.1), Schockzustand, kurz vor dem Kollabieren
Extrem weiß und BauchschmerzenEingedrungene Kälte von außen
Weiße blasse KonjunktivenQi-Mangel (4.2.3), Blut-Mangel (4.2.3)
Schwarz-/Dunkelfärbung (Mian Se Hei)
Schwarz ist die Farbe der Wandlungsphase Wasser, der Nieren und der Kälte. Bei Yang in Mangel (Leere) oder Yin in Fülle. Bei Kälte leidet der Patient unter Schmerzen.
Entstehung der dunklen, schwarzen (rußigen) Farbe:
  • Bei einer lang andauernden, chronischen Erkrankung, bei Erschöpfungszuständen, Auszehrung und Burnout-Syndromen

  • Die Qi- und Blut-Xue-Funktionen erstarren

  • Ein Nieren-Yang-Mangel (11.9.2) führt zu mangelnder Zirkulation sowie Qi- und Blut-Stagnation

  • Durch Wasser- und Kälteakkumulation im Inneren entstehen Wassersucht und eine Feuchtigkeitskonzentration im Inneren.

Schwarze Farbe bedeutet eine schlechte Prognose.

Schwarz-/Dunkelfärbung

Tab. 4.34
Färbung und Zonen-LokalisationHinweis auf
Schwarz, trübe, matt, feuchtNieren-Yang-Mangel (11.9.2)
Schwarze, trübe, matte GesichtsfarbeNieren-Yang-Mangel (11.9.2)
Eingedrungene Kälte mit Stauungen im Nieren-FK
Schwarz und trocken ohne GlanzMangel-(Leere-)Zustände, Nieren-Yin-Mangel (11.9.6), Essenz-Jing-Mangel, Hitze verletzt die Säfte
Schwarz, glänzend feuchtFülle-Syndrom, Ansammlung von Wasser oder Feuchtigkeit oder Kälte
Schwarz, trocken und schuppigStarke Hitze hat das Innere verletzt und Nieren-Yin und Essenz-Jing verbraucht
Schwarz wie KohleErschöpfung der Lebensenergien
Dunkle Verfärbung um die Augen, dunkle AugenringeErschöpfung, Überanstrengung, Übernächtigung, Nieren-Mangel-Syndrome
Hoher Zuckerkonsum, Feuchtigkeit erschöpft die Niere
Erschöpfung der Niere durch Stress, Menorrhagie, starke Metrorrhagie, nach Entbindung
Erhöhte Nierenbelastung (tierisches Eiweiß, Salz, Alkohol, Chemie)
Zusätzlich hohle, eingesunkene Augen und eingefallene SchläfenDeutet auf eine Verschlimmerung des Zustands
Dunkle Ringe mit blauen Lippen und kalten ExtremitätenNieren-Yang-Mangel (11.9.2)
Dunkle, schwarze Verfärbung der NaseStagnation der Körperflüssigkeiten
Schwarze, dunkle NasenlöcherExtreme Hitze greift die Lungen an
Schwarze Verfärbung um den MundErschöpfung des Nieren-Qi
Schwarz und trocken; faltig im Bereich um den MundNieren-Yin-Mangel (11.9.6)
Milz versagt, den Körper zu ernähren
Gynäkologische Probleme
Schwarze Färbung auf der StirnKälte oder Nieren-Yang-Mangel schwächt das Herz
Linien und Falten

Linien und Schwellungen

Tab. 4.35
Horizontale Linien
Yin-Zustand
  • Feuchtigkeit, Schleim

  • Kälte

  • Schwäche

  • Qi-Mangel, Yang-Mangel

  • Körperlich, manifester Zustand

Vertikale Linien
Yang-Zustand
  • Trockenheit

  • Hitze (Fülle oder Mangel)

  • Yin-Mangel, Blut-Mangel

  • Psychisch, geistig, seelisch, mental

Diagonale Linien
Gemischter Yin- und Yang-Zustand
  • Feuchtigkeit und Hitze

  • Schleim und Hitze

Gekreuzte Linien
Gemischter Yin- und Yang-Zustand
  • Feuchtigkeit und Hitze

  • Schleim und Hitze

Nach unten bzw. oben gerichtete Linien
Linien nach unten gerichtet
Yin-Linien Lungenschwäche
Trauer, mangelnde Freude, Verlust, Enttäuschung, Pessimismus
Linien nach oben gerichtet
Yang-Linien Feuer, Herz-Energie
Freude, Spaß, Optimismus
Schwellungen
SchwellungenFeuchtigkeit, Schleim, Wasseransammlung
Linien, Falten und Merkmale im Einzelnen (Abb. 4.19)
Die Gesichtszonen im Einzelnen
Stirnregion (Abb. 4.20)
Die Stirn symbolisiert das Feuer-Element, die geistigen und seelischen Energien des Menschen, sein Bewusstsein (Shen) sowie seine Talente und Begabungen. Sie spiegelt seine Vorstellungskraft, seinen Verstand und sein logisches, analytisches Denken.
Die Stirn hat aber auch einen Bezug zum Verdauungssystem (Magen-Dickdarm, Yangming) und somit auch zur Erde.
Dreiteilung der Stirn in Ober-, Mittel- und Unterstirn
  • Die oberste Ebene symbolisiert den Himmel und damit die Qualität des Geist-Shen und zum Teil auch des Hun (Wanderseele)

  • Die mittlere Ebene symbolisiert den Menschen und die Qualität des Qi

  • Die untere Ebene symbolisiert die Erde und damit die Qualität des Essenz-Jing sowie des Po (Körperseele).

Obere, mittlere und untere Ebene der Stirn

Tab. 4.36
Obere Ebene
Kindheit, Jugend, Pubertät Himmel – Shen (Shen Geist, Bewusstsein + Hun Wanderseele)
Höhere Lebensideale
Intuition, Inspiration, spirituelle FähigkeitSchnelle Auffassungs- und Beobachtungsgabe, gute Vorstellungsgabe und -kraft
Ethisches, religiöses Denken, Weisheit, Schaffenskraft, Schönheitsliebe, künstlerische Begabung, Phantasie, Idealismus, Talente, Einfühlungsvermögen
Mittlere Ebene
Erwachsenenzeit Mensch – Qi (Yi Denken)
Vorstellung, Begriffe, Sprache
Rationale Aspekte, intellektueller Bereich, praktisches und intellektuelles Denkvermögen und Umsetzung, Logik, Abstraktionsvermögen, Begriffs- und Sprachbildung, Reflexion, Wissensdrang, philosophisches Denken
Untere Ebene
Alter Erde – Körper (Zhi Willenskraft + Po Körperseele)
Bildhaftigkeit, Bewusstsein der Welt, wie wir sie erleben, die Welt der Dinge aufzufassen, wie sie ist, sie sich vorzustellen
Sinnhaftigkeit
Instinkt, Konstitution, Körperkraft
körpergebundene Sinne, Realitätsbezug, bildhafte Abstraktion und Reflexion, gutes Wiedererkennungsvermögen, starkes Gedächtnis, reale Auffassungsgabe, praktisches Denkvermögen, reale, kühle und objektive Verstandeskräfte
Tendenz zu Pessimismus, Pedanterie

Eine gute Stirn ist breit, glänzend, schön gewölbt und kräftig, sie ist hoch, harmonisch und rein als Zeichen von Klugheit, klarem Denken, entschlossenem, aufrichtigem Handeln.

Stirnformen und Stirnwölbung

Stirnformen und Stirnwölbung

Tab. 4.37
Zeichen Hinweis auf
Stirnformen
Lange Stirn Denker, hat viele Ideen und Gedanken, liebt und sammelt Informationen
Liebt die Welt der Theorien, Verknüpft und analysiert, will und sucht nach Erklärungen, ob wissenschaftlich, philosophisch oder spirituell; liebt die Differenzierung, ist neugierig und wissbegierig
Haarlinie sehr hoch Freier, offener Geist
Stirnformen
Kurze, enge Stirn Entschlossen, bestimmt, festgelegt, zielstrebig, begrenzt, kann engstirnig sein
Lernt durch Erfahrungen, praktische Intelligenz
Haarlinie niedrig Gute Erziehung, strenge Erziehung, dominante Erziehung
Breite Stirn Kann sich vielem zuwenden, Vielfalt
Schmale Stirn Kann sich nur auf Weniges konzentrieren, verliert schnell den Überblick, ist schnell überfordert durch zu viele Ereignisse und/oder Reize (Herz-Blut-Mangel 11.1.3, Herz-Yin-Mangel 11.1.4)
Stirnwölbung
Je stärker nach vorn gewölbt ist, desto stärker ist die geistige, mentale Aktivität (Shen)
Runde, volle Stirn Starke Vorstellungskraft und Originalität bei der Lösung von Problemen
Suche nach kreativen Alternativen
Zeigt die ererbten Talente, Fähigkeiten, links von der väterlichen Seite, rechts von der mütterlichen Seite her
Starke, gerundete Stirn Starker reiner Geist-Shen, Wissen und Intelligenz ohne rationalen Verstand, ohne Erlernen
Fliehende Stirn Weist auf eine Yang-Konstitution hin, die Shen-Ebene, die geistige Aktivität ist mehr praktisch ausgerichtet
Flache Stirn Gute Konstitution, will Klarheit und schnelle Ergebnisse
Nach innen gewölbte Stirn Unterer Bereich der Stirn, Augenbrauenwulste sind etwas ausgeprägt, Stirnbereich ist schwächer
Kann andere gut leiten, anführen, hat eine gute Überlebensfähigkeit, ist praktisch veranlagt, jedoch sind die moralisch-ethischen Aspekte schwächer ausgebildet
Stirnknochen in der Mitte oberhalb Nasenwurzel wölbt sich (bone of the dragon) Starke körperliche und geistige Kraft, Führungsqualitäten, König, Kaiser, Regent, Boss, Chef
Gerade, leicht gerundete Stirn Gutes Shen und starkes Yi, schneller Verstand, Intelligenz, starke Talente, kann sich sprachlich gut verständigen und sein Denken artikulieren
Delle in der Stirnmitte Fanatisches Denken
Nach oben und hinten gezogene Stirn Gutes Gedächtnis, schnelle mentale Reaktion, liebt Methoden, die schon überprüft wurden
Mag keine Zeit vergeuden; Erlerntes und Erfahrungen helfen ihm bei der Lösung von Problemen
Gerade, nach oben gerichtete Stirn Logisches Denken, geradliniges Denken, geht Schritt für Schritt vorwärts, kann unter Druck nicht gut nachdenken
Faltenbildung auf der Stirn
Linien und Falten auf der Stirn weisen auf einen tätigen Verstand und Intellekt hin. Die Milz ist aktiv oder auch überaktiv, kann körperliche Störungen aufweisen. Somit zeigen Stirnfalten auch Störungen der Milz und des Magens an: Feuchtigkeit, Feuchte-Hitze, Schleim, durch falsche Ernährung, Erschöpfung von Milz und Magen durch zu viel Denken (Abb. 4.21).

Faltenbildung auf der Stirn

Tab. 4.38
ZeichenHinweis auf
Faltenbildung in den drei Bereichen
Falte/Linie im oberen StirnbereichZeigt intellektuelle Fähigkeiten und die spirituelle Natur des Menschen
Falte/Linie im mittleren StirnbereichPersönlichkeit und Charakter des Menschen
Falte/Linie im unteren StirnbereichZeigt mehr praktische Veranlagung
Die 3 Linien sind klar, tief und nicht unterbrochenZeichen für gute Gesundheit, gutes Urteilsvermögen und einen harmonischen Ausgleich zwischen den 3 Aspekten
Unterbrochene Falte/LinieStörung im entsprechenden Bereich
Unterbrechung der unteren LinieProbleme auf der materiellen Ebene (Finanzen, Beruf)
Falten und körperliche Störungen
Chaotische FaltenChaotische Ernährung, chaotische Persönlichkeit, instabile Gesundheit
Senkrechte Falte oder Falten auf der StirnMagen- oder Dickdarm-(Yangming-)Hitze (12.1.2, 11.6.4)
Harter, trockener Stuhl, Heißhunger, Genusssucht, Fresssucht, isst viel und schnell, muss nicht dick sein
Raster-Muster-FaltenFeuchte-Hitze, Schleim-Hitze in Magen und Darm
Nahrungsmittelstagnation (auf Unterlippe achten, schlingt Essen herunter, was zu Schleim führt, der das Herz angreifen kann)
Mentale Störungen, Verwirrungen, Übergewicht, Arteriosklerose, Hypertonie, Diabetes mellitus
Raster-Muster-Falten, die aussehen wie GefängnisstäbeSchlechtes Zeichen, Probleme am Ende des Lebens
Linien an der Augenbraue
Linien oberhalb und seitlich um die AugenbraueIntuitive Fähigkeit, gesundes Urteilsvermögen
Hohe geistige Ideale, hat hart an sich gearbeitet
Farben und andere Merkmale auf der Stirn

Farben und andere Merkmale

Tab. 4.39
Zeichen Hinweis auf
Weiße Stirn Feuer kann Metall nicht schmelzen (kontrollieren), Lungen-Qi-Mangel (11.3.1), schwaches Abwehr-Wei-Qi (2.3.1) etc.
Rote Stirn Feuer/Hitze im oberen Jiao (Herz- oder Lungen-Feuer/-Hitze 11.1.6)
Bläuliche Kapillarzeichnung auf der Stirn Kälte in Magen und Darm (Dickdarm, Dünndarm); ist oft bei Kindern zu sehen
Fettige, ölige Stirn Leber-/Gallenblasen-Stagnation durch Feuchtigkeit
Trockene, schuppige Stirn Lungen-Hitze, Lungen-Trockenheit (11.3.3), Flüssigkeitsmangel im Dickdarm (11.4.1)
Viele Pickel (Hautunreinheiten) auf der Stirn Feuchtigkeit/Feuchte-Hitze/Schleim-Hitze in Lunge oder Darm
Bei Kindern auf Darmparasiten achten (blaue Augenskleren, Lippen und Zunge ansehen)
Rote Farbe im Himmelbereich Hitze im Perikard, schneller Puls, Fieber durch Kaffee, Tee, Rauchen
Zu viel Denken, Magen wird heiß
Schlafstörungen
Weiße Farbe/Flecken im Himmelbereich Dickdarm-Schwäche mit Kälte (11.4.2), Lungen-/Herz-Qi-Mangel (11.3.1, 11.1.1)
Bräunliche Farbe auf der Stirn Feuchtigkeitsablagerungen, Schleim
Blasen-/Nierenentzündung, Nierensteine, Neigung zu Zysten, Tumoren
Gelbe Färbung der oberen Stirnebene Fettverdauungsstörung, Leber-/Gallenblasen-Stagnation
Rote Färbung in der mittleren Stirnebene Aufregung, Nervosität, Sensibilität, Herz-Yin-Mangel (11.1.4), Herz-Blut-Mangel (11.1.3) mit Hitze
Weiße Färbung in der Mitte Milz-Qi-Mangel (11.5.1), Yang-Mangel (4.2.2), Herz-Qi-Mangel (11.1.1), Blut-Mangel (4.2.3), Herz-Yang-Mangel (11.1.2), Schleim-Kälte benebelt das Herz (11.1.8)
Siegelhalle: Die Zone zwischen den Augenbrauen
Die Siegelhalle hat einen Bezug zur Leber. Hier liegt auch ein Punkt für die Lunge (Lunge kontrolliert die Leber) und die oberen BW und die HWS, die von der Leber beeinflusst werden können.

Siegelhalle: Die Zone zwischen den Augenbrauen

Tab. 4.40
ZeichenHinweis auf
Falten im Bereich der Siegelhalle
Falte zwischen den AugenbrauenGallenblasen-Hitze, Gallenstau, Feuchte-Hitze in der Gallenblase (11.8.2)
Zorn, Verspannungen, Verkrampfungen, Kopfschmerz, Migräne, Hüftverschiebung, Beinverkürzung
Bei Gallenschwäche (z.B. Gallenblasen-Qi-Mangel 11.8.1): Entscheidungsschwierigkeiten
Bei starker Galle: machtvolle Menschen mit starker Selbstkontrolle, Selbstdisziplin (je tiefer die Falte, desto ausgeprägter die Probleme oder Qualitäten)
Farbe und Glanz des Oberlids beachten
Augenbraue und zusammenwachsende Augenbrauen: Bereich seitlich der Nase ist die Gallenzone
Rechtsseitige FalteProblem liegt rechts
Linksseitige FalteProblem liegt links
2 Falten zwischen den AugenbrauenAngestauter Zorn, Wut, Leber-Qi-Stauung (11.7.2), ungeduldig und gereizt
Leber-Blut-Mangel (11.7.1), Yin-Mangel (4.2.2), Lichtempfindlichkeit, nach Zornausbruch geschwächt
Leber-Yang-Fülle, z.B. Leber-Feuer (11.7.4), aufsteigendes Leber-Yang (11.7.5), Kopfschmerz
Viele Falten zwischen den AugenbrauenLeber-/Gallenblasen-Entzündung, Hitze, Qi-Stau, Gallensteine, Gallenblasenentfernung, braunes schmutziges Gesicht
1 Falte/Linie genau über dem Du Mai in der MitteMagen-Feuer/-Hitze (11.6.4), Gastritis, Leber-Qi attackiert den Magen (11.11.18); zu viel Denken, Grübeln lässt Magen-Qi stagnieren, nicht durch Ernährung bedingt
Magensäure, Mundgeruch etc.
jeweils 1 Falte links und rechts auf Bl 2 zulaufendBlasenprobleme, Harnleiterprobleme, Blasen-/Prostata-Karzinom, Harnstau, Zystitis, Feuchte-Hitze im Unteren der San Jiao, z.B. Feuchte-Hitze in der Blase (11.10.1), Nieren-Yin-Mangel (11.9.6)
LWS-Probleme, Bandscheibenvorfall etc.
Falten, die auf den Blasen-Meridian-Stirnverlauf zulaufen; Prostatafalte läuft schräg auf Bl 2 zuProstataprobleme, Harnleiter-/Harnröhrenstörung
Lin-Syndrome (Leitsymptom Dysurie 13.5.1)
Weitere Merkmale der Siegelhalle
Siegelhalle gerötetHitze in Leber/Gallenblase, die aufs Herz gehen kann
Streitigkeiten
Siegelhalle offen und weit (3. Auge)Wenig Ärger, wenig Zorn
Spirituelle Offenheit, Weitblick, Weisheit, versteht andere, besitzt Innenschau
Siegelhalle engAutoritätsproblem, Starrsinn
Augenregion
Die Augen konzentrieren Essenz-Jing und das Qi der Organe, sie sind die Sinnesorgane der Leber, das Fenster (der Spiegel) zum Geist-Shen (Herz), und sie kommunizieren mit dem Gehirn.
Die Sehfähigkeit wird von der Leber dominiert, die Pupillenreaktion von der Niere, der Glanz reflektiert den Geist-(Bewusstsein-)Shen, Lidschluss und -öffnung unterstehen der Milz.
Die Augen sollten klar und strahlend sein, Pupillen und Iris rein und die Skleren sollten weiß sein, glänzen und strahlen, ohne Blutgefäßzeichnungen und Einblutungen. Der Augapfel sollte normal beweglich, das Auge nicht trocken, sondern gut befeuchtet sein. Die Augen sollten nicht zu tief in der Augenhöhle liegen, aber auch nicht hervorquellen. Die Lider sollten weder geschwollen noch entzündet sein und sich leicht öffnen lassen.
Das Auge und seine Zuordnungen (Abb. 4.22–4.24)

Das Auge und seine Zuordnungen (Abb. 4.22–4.24)

Tab. 4.41
Die fünf Räder des Auges
(Abb. 4.22)
Die acht Schutzwälle des Auges
(Abb. 4.23)
1Qi-RadLu/DiSkleraHimmels-Wall
2Muskel-RadMa/MiAugenlidErde-Wall
3Blut-RadHe/Pe/DüBeide AugenwinkelFeuer-Wall
4Wind-RadLe/GbIrisWind-Wall
5Wasser-RadNi/BlPupilleWasser-Wall
6PeÄußerer KanthusBerg-Wall
7SJInnere Sklera untenSee-Wall
8GbÄußere Sklera obenDonner-Wall

Wenn die Pupillen trübe sind und der Blick matt, kann dies ein Anzeichen für eine Geist-/Bewusstsein-Shen-Störung sein. Wenn der Patient erkrankt ist, dabei aber die Augen klar glänzend sind, ist dies ein Zeichen für eine eher gute Prognose.

Auge

Augenmerkmale

Tab. 4.42
Skleren
Weiße Skleren starke Lunge, gute Leber
Rote Skleren Müdigkeit, Erschöpfung, Übernächtigung
Feuer greift Metall an, Feuer verletzt oder greift die Lunge anLeber-Feuer (11.7.4), Feuchte-Hitze in Leber und Gallenblase (11.7.7), Magen-Feuer (11.6.4), Herz-Feuer (11.1.6), Lungen-Hitze, Leber- und Nieren-Yin-Mangel (11.11.14), Wind-Hitze, Feuer-Toxine von außen, Alkohol-Toxine
Glasig-feuchte Skleren Äußerer Wind, Wind-Hitze, Fieber, Geist-Shen gestört
Gelbe Skleren Feuchte-Hitze (4.2.3)
Trübe Skleren, schmutzig Hitze in der Lunge und Leber, Toxinbelastung der Leber
Grünliche Skleren Leber-Wind (11.7.6)
Bläuliche Skleren (bei Neugeborenen physiologisch) Wind-Kälte, Nieren-Schwäche-Syndrome (Knochenprobleme, Knochenbrüchigkeit)
Parasiten im Darm
Innere Kälte (4.2.2)
Weiße Körnchen auf der Sklera, auch auf der Pupille möglich Schleim (4.2.3)
Venenzeichnung im Auge, Blut im Auge Blut-Stagnation (4.2.3), Nieren- oder Herz-Yin-Mangel mit Hitze (11.9.6, 11.1.4), Herz-Hitze, z.B. Herz-Feuer (11.1.6)
Kanthus
Augenwinkel rot Herz-Hitze, z.B. Herz-Feuer (11.1.6), Perikard-Hitze, Blut-Hitze (4.2.3), Herz-Yin-Mangel (11.1.4)
Augenwinkel rot mit eitrigem Sekret Feuchte-Hitze (4.2.3)
Augenwinkel blass Blut-Mangel (4.2.3)
Konjunktiven
Konjunktiven blass Qi-, Blut-, Yang-Mangel von Niere, Milz (z.B. 11.11.9, 11.9.7, 11.9.2, 11.5.1, 11.5.2, 11.11.17)
Konjunktiven rot Hitze (Feuer) (4.2.1) oder Yin-Mangel (4.2.2) von Leber, Magen, Herz, Lunge (z.B. 11.7.4, 11.6.3, 11.6.4, 11.1.4, 11.1.6, 11.3.2), Blut-Hitze (4.2.3), Wind-Hitze (11.3.5)
Rot und juckend Wind, Wind-Hitze (11.3.5), Qi-Mangel mit Wind
Rot und juckend mit eitrigem Sekret, schmerzhaft Wind-Hitze (11.3.5), Feuchte-Hitze, toxische Hitze der Milz und Lunge
Pupillen (Bezug zu Niere und Leber)
Kleine glänzende Pupillen Genug Nieren-Qi und Essenz-Jing, viel Kraft, langes Leben
Weite Pupillen (Mydriasis) Nieren-Erschöpfung, Yin-Mangel, Essenz-Jing-Mangel (11.9.1), Blut-Mangel, Leber-Feuer (11.7.4), Schleim-Hitze, Qi- und Blut-Stagnation (4.2.3), Drogenabusus
Pupillenverengung (Miosis) Loderndes Leber-Feuer (11.7.4) oder extreme Hitze (Fieber)Schleim-Hitze (4.2.3), Tumoren, Blut-Stagnation (4.2.3)
Pupillenstarrer Herz-Feuer (11.1.6), Schleim-Hitze im Herzen (11.1.7)
Einseitig erweiterte Pupillen Tumoren, Blut-Stagnation (4.2.3), Schädeltrauma, Hämatom
Iris
Kleine Iris Schwache Gelenke, Neigung zu Gelenkproblemen
Schattige Iris Hitze in Lunge und Leber
Skleren
Dumpfe, verschleierte Iris Schleimansammlung
Iris ist vorwölbend Leber-Feuer (11.7.4)
Weißer Ring um die Iris Feuchtigkeit, Feuchte-Hitze (4.2.3)
Gelenkprobleme
Augenlider
Oberlid (das Oberlid steht in Beziehung zur Milz, Leber/Gallenblase und Blase)
Oberlid kann nicht gehoben werden
(Blepharoptosis)
Absinkendes Milz-Qi (11.5.4), Qi- und Blut-Stagnation
Wind dringt in die Gefäße des Auges
Rot-geschwollenes Oberlid Wind-Hitze (11.3.5), Feuchte-Hitze in der Gallenblase (11.8.2)
Pickel am Oberlid, braune Flecken, Grießkörner, Xanthelasmen Gallenblasen-Störung, Gallensteine möglich, Feuchte-Hitze in der Gallenblase (11.8.2), Schleim-Hitze (4.2.3), Hypercholesterinämie, Gicht, Arteriosklerose möglich
Dunkle, violette Linien Gallenblasen-Störung
Glänzend Gallenblasen-Störung
Bräunlich glänzendes Augenlid Feuchte-Hitze in der Gallenblase (11.8.2), Gallensteine, Fettstoffwechselstörung
Augenlidgeschwür Feuchte-Hitze in Milz und Magen (11.5.6), Schleim-Hitze (4.2.3)
Gerstenkorn (Hordeolum) Feuchte-Hitze in Milz und Magen (11.5.6), Schleim-Hitze, Diabetes mellitus ausschließen
Narbenpterygium Feuchte-Hitze im Magen (11.5.6), Schleim-Hitze (4.2.3)
Unterlidrand (steht in Beziehung zum Magen [und zur Milz])
Unterlidrand gerötet Magen-Feuer (11.6.4), Feuchte-Hitze, Schleim-Hitze, Gastritis
Unterlid (Tränensäcke) ( Abb. 4.24 )
Unterlid geschwollen Schwäche in Niere, Blase, Lunge, Milz, z.B. Nieren-Qi-Mangel, Lungen-Qi-Mangel, Milz-Qi-Mangel (11.9.7, 11.3.1, 11.5.1)
Pickel, Flecken auf Unterlid Nierenbelastung, Lin-Syndrom (Leitsymptom Dysurie 13.5.1) möglich
Ober- und Unterlid
Geschwollen Qi-/Yang-Mangel in Niere, Lunge, Milz führt zu Wasseransammlung, Milz- und Herz-Yang-Mangel (11.11.6), Wind-Kälte (11.3.4)
Geschwollen und rot Wind-Hitze, Wind-Feuchte-Hitze/Hitze, toxische Hitze, Feuchte-Hitze sammeln sich in Milz, Leber und/oder Lunge
Augenhöhle und -ringe
Weitere Besonderheiten der Augenregion

Weitere Besonderheiten der Augenregion

Tab. 4.44
Zeichen Hinweis auf
Strabismus (Schielen) Leber-Qi- und -Blut-Mangel (11.7.1), aufsteigendes Leber-Yang (11.7.5), Leber-Wind (11.7.6), Blut-Stagnation (4.2.3), Schleim, Schleim-Hitze (4.2.3), seit der Kindheit bestehender Essenz-Jing-Mangel (11.9.1), Leber- und Nieren-Schwäche
Nach innen Schielen Feuchte-Hitze der Milz und der Leber (11.5.6, 11.7.7)
Nach außen Schielen Chronisches ernstes Geschehen
Vermehrtes Augensekret Leber-Feuer (11.7.4), Feuchte-Hitze in der Leber (11.7.7), Feuchte-Hitze/Schleim-Hitze in Milz und Magen, Wind-Hitze, toxische Hitze
Augentränen Wind, Leber-Blut-Mangel (11.7.1), Yin-Mangel, Nieren-Yin-Mangel (11.9.6), Leber-Feuer (11.7.4), Herz-Feuer/Hitze (11.1.6)
Trockene Augen Leber-Blut-Mangel (11.7.1), Leber-Yin-Mangel, z.B. bei Leber-/Nieren-Yin-Mangel (11.11.20), Hitze verletzt die Körperflüssigkeiten-Jin-Ye
Juckende Augen Wind, Wind-Hitze, Wind-Kälte, Leber-Feuer (11.7.4), Leber-Blut-Mangel (11.7.1), Feuchte-Hitze (4.2.3)
Häufiger Lidschlag Leber-Qi-Stauung (11.7.2), Leber-Blut-Mangel (11.7.1), Yin-Mangel, Herz-Blut-Mangel (11.1.3)
Nystagmus Innerer (Leber-)Wind (11.7.6)
Augenweiß ist oben zu sehen, Blick nach unten (Sanpaku-Augen, Sonnenuntergang) Überempfindlich, ängstlich, scheu, jedoch auch hysterisch und zornig
Augenweiß ist unten zu sehen, Blick nach oben (Sanpaku-Augen, Iris geht nach oben) Nieren-Schwäche, schwache Reflexe, früher Tod
Das Weiße ist um die Iris herum zu sehen Hitze/Feuer erschöpft Essenz-Jing, überaktiv, Störungen des Nervensystems
Mit offenen Augen Schlafen Milz-Mangel-Syndrome, Blut-Mangel (4.2.3)
Mit offenen Augen Schlafen bei Kindern Leber-Blut-Mangel (11.7.1), Leber-Wind (11.7.6)
Die Augenbrauen
Die Augenbrauen sind die Torbögen der Augen. Physiologisch haben die Augenbrauen einen Bezug zur Niere (der Wandlungsphase Wasser) und der Leber (der Wandlungsphase Holz) und sind damit Ausdruck des Nieren-Essenz-Jing und des Leber-Blutes, des Nieren- und Leber-Yin. Ebenso haben sie einen Bezug zur Blase (Taiyang) und damit zum Immunsystem.
Die Augenbrauen sollten das Auge wie ein Dach abdecken. Am Anfang sind sie rund und breit wie ein halber Finger und verjüngen sich zum Ende. Der Abstand zwischen Auge und Augenbraue sollte breit wie der Zeigefinger sein. Der Abstand von Braue zu Braue sollte ca. 1,5 Cun betragen. Die Augenbrauenfarbe gleicht den Kopfhaaren, sie sind dicht, glänzend und verlaufen alle in eine Richtung.

Augenbrauen

Tab. 4.45
Zeichen Hinweis auf
Dichte, dicke und starke Brauen Nieren und Leber sind stark, gute Ausdauer, gute Regenerationsfähigkeit
Schwache, dünne, zarte Augenbrauen Schwache Niere und Blase, Unterleib schwach, Yang-Mangel, Qi-Mangel, Leber- und Nieren-Blut-Mangel, -Yin-Mangel (z.B. 11.11.20), keine Ausdauer, schwaches Immunsystem
Lange, glänzende Augenbrauen, dicht und stark Starke Nieren, langes Leben, starkes Immunsystem, starker Wille, Durchsetzungskraft
Lange Augenbrauen über die Augen hinausgehend Gutes Nieren- und Leber-Blut und -Yin, langes Leben
Kurze Augenbrauen Schwache Niere und Leber, schwache Schilddrüse, kurzes Leben
Eng zusammenstehende Brauen Hitze der Leber, Leber-Qi-Stauung (11.7.2) und aufsteigendes Leber-Yang, Feuchte-Hitze in der Leber (11.7.7)
Weit auseinanderstehende Brauen Kälte im Leber-Meridian (11.7.8), Neigung zu Leber-Qi-Mangel
Zusammengewachsene Augenbrauen Leber-Gallenblasen-Hitze, Streitsucht, Eifersucht, starke Gefühle
Gaue Augenbrauen Nieren- und Leber-Yin-Mangel (11.11.20)
Augenbrauen fallen aus Nieren- und Leber-Yin-Mangel (11.11.20)
Trockene Augenbrauen Schwache Niere und Leber
Stirn-Augenbrauenknochen am Orbitalrand stark gewölbt Starke körperliche Kraft, Resistenz, gute körperliche Widerstandskraft
Augenbrauen zeigen nach oben Yang: kriegerische Natur
Augenbrauen zeigen nach unten Yin: ruhige Natur, Weisheit
Wangenregion
Die Wangen symbolisieren nach den fünf Wandlungsphasen Holz und Metall, dabei zählt die linke Wange zum Holz und die rechte Wange zur Lunge.
Gleichzeitig repräsentieren beide Wangen die Lungen sowie die Verdauungsfunktionen und damit die Wandlungsphase Erde. Magen- und Dünndarm-Meridian ziehen durch die Wangen.
Die Nasolabialfalte spiegelt zum einen Magen und Dickdarm, in der Nasenregion aber auch die Grenze vom Oberen zum Mittleren der San Jiao (Diaphragma) wider.

Wange

Tab. 4.46
ZeichenHinweis auf
Wangenformen
Runde, fleischige WangenHamsterbackenStarke Lungen, starke Milz, gute Ernährung, gute ReservenWenn zu stark ausgeprägt: Feuchtigkeit und Schleim führen zu Lungenproblem
Hohe WangenStarke Metall-Qualität, ehrlich, exzellente Führer in verantwortungsvollen Positionen
Knochige WangenAutorität, starkes Lungen- und Nieren-Qi
Flache WangenLungen- und Nieren-Qi-Mangel (11.11.13)
Eingefallene WangenLungen-Schwäche, Yin-Mangel, Trauer, Verlust
Hängende WangenNieren-(Blasen-)Milz-Yang-Mangel
Wangenfärbung
Rote WangenHitze in der Lunge führt zu Trockenheit der Lunge, Wind-Hitze, Schleim-Hitze
Rote Wangen bei weißem Gesicht, v.a. nachmittagsLungen- und Nieren-Yin-Mangel (11.11.14)
Eine Wange rot (links oder rechts)Linke Wange rot: Hitze in der Leber, z.B. bei schreienden, hysterischen, zahnenden Kindern (Homöopathie: Chamomilla-Kind)Rechte Wange rot: Hitze in der Lunge
Kreisrundes dunkelrotes Mal seitlich der Nase (2 cm Durchmesser)Herzklappen, Herz-Qi- und/oder -Yang-Mangel (11.1.1, 11.1.2) Herz-Blut-Stagnation (11.1.5)
Dunkelrote WangenHerz-Blut-Stase (11.1.5), Blut-Stase der Lunge
Seitlich am Kiefergelenk/Unterkiefer: Blut-Stase in den Beinen (Varizen)
Zyanotische WangenEingedrungene Kälte
Herz-Blut-Stase (11.1.5)
Zyanotisch rote WangenThorax-Bi-Syndrom, z.B. bei KHK, Lungenerkrankungen durch Schleim-Hitze
Geplatzte Kapillaren auf der WangeHerz-, Kreislauf- und Lungen-Störungen
Blasse, weiße WangenFeuer kann Metall nicht schmelzen (nach den fünf Wandlungsphasen), Blut-Mangel (4.2.3), Qi-, Yang-Mangel (4.2.3, 4.2.2), Herz-Schwäche-Syndrome (z.B. 11.1.1, 11.1.2)
Graue WangenLungen sind erschöpft, Lungenkarzinom möglich
Grünliche WangenSchmerzen, Lungen- oder Dickdarmkarzinom möglich
Weiße Pickel auf der WangeFeuchtigkeit/Schleim in der Lunge oder im Magen
Rote Pickel (akneähnlich) auf der WangeFeuchte-Hitze (4.2.3), Schleim-Hitze in Milz, Magen, Lunge, Herz oder im Blut
Wangenhaut und -falten
Dünne Haut auf den WangenLungen-Yin-Mangel (11.3.2)
Tiefe vertikale Falten auf den WangenLungen-Yin-Mangel (11.3.2), Alkoholiker- und Raucherfalten
Falten links und rechts verbinden sich unter dem KinnDickdarmproblem, Milz-Störung
Ohrenregion
Die Ohren repräsentieren auf der Organebene die Nieren und damit unsere angeborene Konstitution.
Die Fähigkeit des Hörens ist die erste Sinnesfähigkeit des Menschen. Auf der Ebene der Leitbahnen stehen sie in einem Bezug zu allen sechs Yang-Meridianen (Gallenblase, San Jiao, Dünndarm, Blase, Magen und Dickdarm).

Schön geformte Ohren sind Ausdruck von Weisheit, Glück und Erfüllung, langem Leben, Frieden, Reichtum und Erfolg. Kein Wunder also, wenn die Ohren im Alter wachsen.

Die Ohren repräsentieren den ganzen Körper des Menschen (Ohrakupunktur 5.7.1).
Die Ohrläppchen spiegeln dabei den Kopf wider. Die Helix spiegelt den Yang-Aspekt der Wirbelsäule, Du Mai und Taiyang (Dü/Bl) und damit das Kreislauf-, Immun- und Nervensystem (Abb. 4.25).
Die Anthelix reflektiert den Yin-Aspekt des knöchernen Anteils der Wirbelsäule von der HWS bis zum Steißbein am unteren Schenkel der Anthelix und mit den unteren Extremitäten am oberen Schenkel. Die Ohr-Scapha steht in Bezug zu den oberen Extremitäten. Die Ohrmuschel spiegelt die inneren Organe.
Die Größe des Ohrs sollte harmonisch zum ganzen Kopf/Gesicht passen. Die Farbe der Ohren sollte blassrot sein. Form: Idealerweise sind sie oben rund, in der Mitte breit und gehen schließlich in schön geschwungene Ohrläppchen über. Sie sollten am Kopf anliegen und sich beidseits auf einer Höhe zwischen den Mundwinkeln und den Augenwinkeln befinden. Die Ohren sollten nicht zu weich, aber auch nicht zu hart sein.

Ohr

Tab. 4.47
ZeichenHinweis auf
Ohrform
Große OhrenStarkes Nieren-Qi, gute Konstitution
Kleine OhrenKleine Ohren sind Ausdruck für erhöhte Aktivität aber oft geschwächte Widerstandskraft
Fleischige OhrenStarke Nieren-Substanz
Muschelförmige OhrenSensibel, Neigung zu Leber-Qi- und Blut-Mangel (11.7.1)
Spitze Ohren, WolfsohrenNeigung zu Feuchte-Hitze im Unteren der San Jiao, Übersäuerung, Überlastung mit tierischem Eiweiß
Besonders negativ ist es, wenn keine Ohrläppchen vorhanden sind
Anliegendes OhrZeichen von Langlebigkeit (mind. 90 Jahre)
Abstehende Ohren, SegelohrenZeichen einer schwachen Konstitution, eines schnellen Verstandes und von Cleverness, aber Faulheit
Kleine Segelohren ohne LäppchenNieren- und Milz-Qi-Mangel
Anthelix ist stark gewölbtStarkes Leber-Qi, starkes Leber-Yang, sehr aktiv, können jedoch sehr schnell heißlaufen
Weiche OhrenSchwache Nieren, schwaches Gallenblasen-Qi
Starre OhrenNiere und Galle sind zu stark, Neigung zu Stagnation
Ohren hoch angesetztYang-Zustand, sehr aktiv
Ohren niedrig angesetztYin-Zustand, passiv
Helix
Kräftiger gerundeter OhrrandStarkes Rückgrat, gute Widerstandskraft, starkes Nerven- und Immunsystem
Schwacher, dünner, aufgerollter OhrenrandSchwache Nerven, schwaches Immunsystem, schwacher Antrieb
Große Ohren mit ausgeprägtem InnenrandGutes Immunsystem, starkes Abwehr-Wei-Qi (2.3.1)
  • Zusätzlich wachsen am Ohrenrand Haare

  • Abwehr-Wei-Qi ist sehr stark

Rand sehr flachSchwaches Immunsystem
Ohrläppchen
Kräftige OhrläppchenWeisheit, langes Leben, Glück, Intuition
Große Ohren mit langen OhrläppchenZeichen für Fruchtbarkeit, es ist viel Essenz vorhanden
Zeichen von großer Intelligenz, Zeichen der Weisheit
Große Ohrläppchen: Tendenz zu Feuchtigkeit
Kein Ohrläppchen vorhandenArteriosklerose, Hypertonie, Krebs, ZNS-Probleme
Falten im OhrläppchenGefahr für KHK-Erkrankungen und Arteriosklerose, Diabetes mellitus, Hypertension
Ohrläppchen freihängend oder leicht nach vorn oder oben weisendStarke Nieren, Zeichen der Langlebigkeit
Ohrfarben
Rote OhrenYin-Mangel/Mangel-Hitze, Feuer
Alkoholabusus oder zu scharfes Essen
Kühle, blasse OhrenOptimal
Dunkelrote OhrenBlut-Stagnation durch Blut-Hitze
Dunkelblaue bis schwarze OhrenNieren- und Herz-Yang-Mangel (11.11.10)
Gelbfärbung in der OhrmuschelMilz-Magen-Störungen
Blaugrüne HelixBlut-Stase
Braunschwarze Färbung in unterer Ohrmuschel wie verkohltNieren sind erschöpft, Essenz-Jing-Mangel (11.9.1)
Ohrensekret, Ohrerkrankungen
Viel OhrenschmalzFeuchte-Hitze im Dickdarm/Verdauungstrakt und/oder Leber und Gallenblase (11.7.7)
Milz-, Nieren-Yang-Mangel (11.11.17), Schleim
Ohrmuschel geschwollen und rotFeuchte-Hitze in Leber und Gallenblase (11.7.7)
Nieren-Yin-Mangel mit aufsteigender Hitze
Venenzeichnung im OhrLungen-Schwäche, Qi-Stagnation, Blut-Stase
Entzündung und JuckenFeuchte-Hitze im Dickdarm
Otitis Media mit oder ohne eitriges SekretWind-Hitze
Feuer/Hitze-Toxine
Leber-Gallenblasen-Hitze oder Feuchte-Hitze (11.7.7)
Nieren-Yin-Mangel mit aufsteigender Hitze
OhrblutungenLeber-Feuer (11.7.4)
Yin-Mangel mit aufsteigender Hitze (4.2.2)
Mund- und Lippenregion (Abb. 4.26)
Der Mund und die Lippen repräsentieren zunächst die Wandlungsphase Erde, die Milz und den Magen und damit das Verdauungssystem, aber auch den Anus sowie die Sexualorgane.
Die Unterlippe für sich allein spiegelt den Dickdarm, die Oberlippe für sich allein den Magen, die Leber und das Urogenitalsystem (Uterus und Eierstöcke), hier insbesondere der Bereich oberhalb der Oberlippe. Der Lippenrand repräsentiert den Dünndarm.
Die Mundwinkel haben einen Bezug zum Mageneingang und -ausgang sowie zum Duodeneum.

Mund

Tab. 4.48
ZeichenHinweis auf
Mundformen
Großer MundMilz und Magen stark
Kleiner MundMilz- und Magen-Qi-Mangel (11.5.1, 11.6.1)
Mund und Lippen geschlossenStarkes Nervensystem
Dauernd offener MundQi-Mangel, Abwehr-Wei-Qi-Mangel (2.3.1), Milz-Schwäche, Feuchtigkeit und Schleim
Mundfarben und -besonderheiten
Rote LippenMagen-Hitze, Blut-Hitze
Wunde LippenHitze im Magen-Darm-Trakt, Milz
Blasse LippenMilz-/Magen-Qi- und -Yang-Mangel (11.5.1, 11.5.2, 11.6.1), Blut-Mangel (4.2.3)
Violette LippenHämorrhoiden
Blaue LippenKälte im Magen-Darm-Trakt
Schleim blockiert die Lunge oder das Herz (Thorax-Bi)
Gelbe LippenFeuchtigkeit in Milz und Magen, Feuchte-Hitze
Schwarze LippenKälte oder Blut-Stagnation im Magen-Darm-Trakt
Weißer Rand um den MundKälte im Magen
Oberlippe geschwollenLeber-Störung, Feuchte-Hitze in der Leber (11.7.7)
Unterlippe geschwollenDickdarm-Störung, Feuchte-Hitze, Nahrungsstagnation im Magen
Unterlippe geschwollen, dunkel, rot, braunFeuchte-Hitze, Hämorrhoiden
Trockene, schuppige UnterlippenKörperflüssigkeiten-Jin-Ye-Mangel (4.2.3), Yin-Mangel, Flüssigkeitsmangel im Dickdarm (11.4.1), Hitze im Dickdarm
LippengeschwürDickdarmgeschwür, Dickdarmkarzinom möglich
Schmale OberlippeLeber-Qi-Stauung (11.7.2), Leber-Blut-Mangel (11.7.1)
Spröde, rissige LippenHitze, die die Säfte verletzt
Auf der Innenseite der Lippe viele weiße PunkteParasiten
Seitlich des Lippenbändchens KnötchenHämorrhoiden
Pickel und Warzen, Abszess an den MundwinkelnMagengeschwür
Weiße MundwinkelSchleim, Feuchtigkeit im Duodenum
Viele kleine Falten oberhalb der OberlippeYin-Yang-Disharmonie, Hormonstörung, Trockenheit
Warzen und Pickel oberhalb der OberlippeUterus-Myome, Zysten, Endometriose, Karzinom
Herpes labialisFeuchte-Hitze in Milz und Magen (11.5.6), Fieber, Lungen-, Milz-Qi-Mangel (11.5.1)
Spucke rinnt aus dem MundMilz-Qi-Mangel (11.5.1), innerer Wind, Wind dringt in die Meridiane ein, die den Mund versorgen (Fazialisparese 13.17.4), Magen-Hitze
Philtrum (das Philtrum reflektiert Niere, Blase, Uterus, Eierstock, Penis und Vagina)
Keine Philtrumlinie (flaches Philtrum)Nieren-Schwäche-Syndrome
Fertilitätsstörung
Feuchte-Hitze in Milz und Magen (11.5.6)
Tiefes PhiltrumStarke Nieren und Leber
Falte im PhiltrumUterusprobleme, Feuchtigkeit, Kälte im Unterleib, Fluor vaginalis
Rotes PhiltrumHitze, Feuchte-Hitze im Unteren Jiao (z.B. Feuchte-Hitze in der Blase 11.10.1)
Braunes, gelbes PhiltrumHitze, Feuchte-Hitze im Unteren Jiao (z.B. Feuchte-Hitze in der Blase 11.10.1)
Grünes PhiltrumLeber-Qi-Stauung (11.7.2), Blut-Stagnation, Dysmenorrhö
Bläuliches PhiltrumKälte im Uterus, Dysmenorrhö
Nasolabialfalte/Magenfalte

Nasolabialfalte/Magenfalte

Tab. 4.49
Zeichen Hinweis auf
Ausgeprägte Falte Starker Magen bis Magen-Feuer (11.6.4)
Dickdarmstörung
Lungenprobleme, Trauer
Blaue Nasolabialfalte Kälte im Magen/Dickdarm (11.6.7. 11.4.4)
Grüne Nasolabialfalte Leber attackiert den Magen (11.11.19)
Gelbe Nasolabialfalte Feuchtigkeit im Magen/Dickdarm
Kinn- und Kieferregion
Ein starkes Kinn und ein starker Kiefer sind Zeichen der Kraft. Kinn und Kiefer spiegeln den Unteren der San Jiao wider. Das Kinn ist der Wasser-Palast oder der Palast der Willenskraft und hat damit einen starken Bezug zur Niere. Auch der knöcherne Anteil des Kiefers, v.a. der Unterkiefer, symbolisiert die Nierenkraft, während der muskuläre Aspekt, die Kaumuskulatur, die Kraft der Leber repräsentiert. Der Kieferknochen steht in Verbindung zu den Hüften, das Kiefergelenk zum Hüftgelenk. Da hier die Yangming-Meridiane (Dickdarm und Magen) zirkulieren, hat der Oberkiefer ebenso einen Bezug zum Dickdarm und der Unterkiefer zum Magen.

Kinn- und Kieferregion

Tab. 4.50
ZeichenHinweis auf
Kinn
Vorstehendes KinnStarke Nieren, starke Gallenblase, starke Bewegungskraft, Durchsetzungskraft
Entschlossenheit, starke Libido
Neigung zu Hitze-Erkrankungen und zu Yin-Mangel (4.2.2)
Gleichmäßig gebogenes, rundes Kinn, gepaart mit einem ebenmäßigen, kräftigen KieferStarke Nieren, langes Leben
Fleischiges Kinn, runde zweidimensionale ZoneStarke Nieren, Triebhaftigkeit
Kantiges KinnWillenskraft, Durchsetzungskraft
Gespaltenes KinnStarkes Nieren-Yang, Mut und Abenteuerlust
Lendenwirbelprobleme
KinngrübchenGute Nierenkraft, Schönheitssymbol
Wollen auf sich aufmerksam machen
Fliehendes KinnNieren-Schwäche, wenig Willenskraft, wenig Durchsetzungskraft, schwache Libido
Fluor vaginalis, Inkontinenz etc.
Langes KinnGeschwächtes Immun- und Nervensystem
Spitzes KinnYin-Mangel (4.2.2), Mangel-Hitze, Emotionen erzeugen Hitze, die die Substanz (Yin) verbrennt
DoppelkinnMilz-Schwäche-Syndrome, Dünndarm-Schwäche, Bindegewebeschwäche, schwacher Beckenboden
Unterkiefer
Breiter, kräftiger UnterkieferStarkes Yin, starke Knochen, starke Nieren
Übergroßer, runder UnterkieferStarkes Erd- und Wasser-Element, Fülle in der Erde, Neigung zu Übergewicht
Breiter, rechteckiger UnterkieferBesitzt starke physische Kraft
Kleiner, schmaler, schwacher UnterkieferSchwache Konstitution, keine Durchsetzungskraft, eher emotionell veranlagt
Schwache KaumuskelnSchwache Leber-Energie, keine Durchsetzungs(beiß)kraft
ZähneknirschenLeber-Qi-Stauung (11.7.2), Leber-Gallen-Hitze, Magen-Darm-Probleme, Parasiten
Haare und Barthaare
Haare
Im Unterschied zu den Körperhaaren (Yang-Energien, Abwehr-Wei-Qi) haben die Kopfhaare einen Bezug zu den Yin-Kräften des Körpers. Sie sind Ausdruck von Nieren-Essenz-Jing und -Yin sowie des Leber-Blutes. Die Haare können aber nicht von Kopf und Kopfhaut getrennt betrachtet werden. Der Kopf ist Yang und steht im frontalen Areal besonders mit dem Verdauungstrakt (Magen und Dickdarm) in Verbindung und im parietalen Areal mit Gallenblase und San Jiao (Shao Yang).
Die Haarfarbe ist abhängig von der Ernährung durch Blut und Yin. Je dunkler die Haare, desto kräftiger die Yin-Substanzen. Gesunde Haare sind gleichmäßig verteilt, mehr oder weniger kräftig, in einem gleichbleibenden Farbton mit einem normalen Glanz.

Haare

Tab. 4.51
ZeichenHinweis auf
Haarwuchs
HaarausfallNieren-/Leber-Yin/-Essenz-Jing oder Blut-Mangel
Feuchte-Hitze in Leber und Gallenblase (11.7.7), Magen und Dickdarm (11.5.5, 11.4.3)
Blut-Hitze, zu viel Grübeln (Milz-Problem)
Chemotherapie
Genetisch bei jungen gesunden Menschen
AlopezieEssenz-Jing-Mangel, Blut-Mangel (4.2.3), Yin-Mangel mit innerem Leber-Wind (11.7.6)
Blut-Hitze (4.2.3), Blut-Stagnation (4.2.3)
Haarfarbe
Blonde HaareYang-Zustand, Tendenz zu Blut und Yin-Mangel
Rote HaareYang, hitzig, feurig
Dunkle HaareStarkes Yin und Blut
Graue HaareNieren- und Leber-Yin-Mangel und -Blut-Mangel (11.11.20)
In fortgeschrittenem Alter normal
Leber-Gallenblasen-Qi-Stauung
Weiße, silberweiße Haaresehr Yang-lastiger Zustand, Niere und Leber sind geschwächt; kann Hinweis auf Unfruchtbarkeit sein
Graue Haare über den OhrenStress, Burn-out-Syndrom
Gallenprobleme, Ischialgie möglich
Haarbeschaffenheit
Dünne, brüchige HaareYin-Mangel (4.2.2), Blut-Mangel (4.2.3)
Gynäkologische Probleme
Dicke, kräftige HaareAusreichend Blut und Yin
Trockene HaareLeber-Blut-Mangel (11.7.1)
Nieren-Yin-, -Essenz-Jing-Mangel (11.9.6, 11.9.1)
Qi- und Blut-Mangel (4.2.3), Qi und Yin schwach, Blut-Stagnation (4.2.3)
Fettige HaareFeuchtigkeit, Feuchte-Hitze, Schleim, Schleim-Hitze (4.2.3)
Schuppige HaareBlut-Mangel (4.2.3), Yin-Mangel (4.2.2), aufkommender Leber-Wind (11.7.6)
Feuchte-Hitze, Schleim-Hitze (4.2.3), toxische Hitze
Bartwuchs
Der Bartwuchs steht in Verbindung mit Nieren-Yin und -Essenz-Jing, Leber-Blut, Magen und Dickdarm sowie Chong Mai und Ren Mai.

Bartwuchs

Tab. 4.52
ZeichenHinweis auf
Starker kräftiger BartwuchsQi, Blut, Yin und Essenz-Jing sind kräftig
Schwacher BartwuchsQi- und Blut-Mangel (4.2.3)
Yin-Mangel (4.2.1), Essenz-Jing-Mangel (11.9.1), Schwäche von Chong und Ren Mai (5.4.4, 5.4.5)
BarthaarausfallQi- und Blut-Mangel (4.2.3), Yin-Mangel (4.2.2), Essenz-Jing-Mangel (11.9.1), Schwäche von Chong und Ren Mai (5.4.4, 5.4.5) Feuchte-Hitze, Blut-Hitze, Z.n. Chemotherapie
Verstärkter Bartwuchs bei FrauenYang-Zustand, Yin-Mangel (Östrogenstörung) oder Yang-Fülle (zu viel Testosteron)
Feuchtigkeit und Feuchte-Hitze

Differenzialdiagnostik

Alexander Maret, TIAN Li
Die durch die diagnostischen Methoden (4.1) gewonnenen pathologischen Befunde müssen einer chinesischen Diagnose zugeordnet werden (10.1). Dabei gilt die Differenzierung nach den acht diagnostischen Leitkriterien (4.2.1) als eine erste grobe Orientierung. Weitere Differenzierungen werden wie folgt abgehandelt: Die Differenzierung nach Qi, Blut und den Körperflüssigkeiten (4.2.3), die nach Zang-Fu-Syndromen (11), die Differenzierung febriler Erkrankungen (übergeordnete Diagnose nach westlichen Gesichtspunkten, z.B. Infektionserkrankungen) nach dem Shang Han Lun (Kälte induzierte Erkrankungen oder Sechs-Schichten-Modell, 12.1) und nach dem Wen Bing Lun (Vier-Schichten-Modell, 12.2).

Acht diagnostische Leitkriterien (Ba Gang)

Alexander Maret, TIAN Li
Die Interpretation der diagnostischen Befunde anhand der acht diagnostischen Leitkriterien erlaubt eine erste Einteilung der zugrunde liegenden Erkrankung: Yang: Außen, Hitze, Fülle. Yin: Innen, Kälte, Mangel; Yin und Yang sind dabei übergeordnete Kategorien der anderen Leitkriterien.
Yin und Yang
  • Yang-Syndrom: Yang überwiegt, entweder bedingt durch den äußeren pathogenen Faktor Hitze oder Yin ist vermindert, sodass es zu einem relativen Übermaß an Yang kommt (Yin-Mangel-Syndrom). Die Symptome entsprechen einem Hitze-Syndrom (4.2.1; Tab. 4.54, Tab. 4.56; Abb. 2.2)

  • Yin-Syndrom: Yin überwiegt, entweder bedingt durch den äußeren Faktor Kälte oder das Yang ist vermindert, sodass es zu einem relativen Übermaß an Yin kommt (Yang-Mangel-Syndrom). Die Symptome entsprechen einem Kälte-Syndrom. (4.2.1; Tab. 4.54, Tab. 4.56; Abb. 2.2).

Kollaps von Yin oder Yang
Verschlechterung des AZ kann als (lebensgefährlicher) Kollaps von Yin oder Yang gedeutet werden.
Yin-Kollaps
  • Temperaturverhalten: Klebriger Schweiß, heiße Hände und Füße (Extremitäten)

  • Zusatzbefunde: Dyspnoe oder schnelle Atmung, Unruhezustände, Durst auf kalte Getränke

  • Zunge: Rot, trocken

  • Puls: Schnell, dünn.

Yang-Kollaps
  • Temperaturverhalten: Viel kalter, perlenförmiger Schweiß, kalter Körper, v.a. Hände und Füße (Extremitäten)

  • Zusatzbefunde: Schwache Atmung, kein Durst oder Durst auf heiße Getränke, Apathie

  • Zunge: Blass, feucht

  • Puls: Schwach, verschwindend.

Therapie 10.2.6.
Mangel/Leere (Xu) und Fülle (Shi)
Das Verhältnis zwischen dem Aufrechten-Zheng-Qi (Resistenzkraft 2.3.1) und den pathogenen Faktoren (Xie Qi 2.6.1) drückt sich in Mangel (Synonym: Leere oder in einigen Büchern auch Schwäche bzw. Depletion) oder Fülle (Synonym: Repletion) aus. Bei Mangel ist Aufrechtes-Zheng-Qi geschwächt, bei Fülle kräftig (10.1.3, Tab. 4.53).
Sonderformen
  • Pseudo-Fülle und wahrer Mangel oder Pseudo-Mangel und wahre Fülle. Puls- und Zungendiagnostik geben Hinweise auf das zugrunde liegende wahre Syndrom.

  • Komplexe Zustände von Fülle- und Mangel-Syndromen: Syndrome mit gleichzeitig bestehenden Fülle- und Mangel-Symptomen, z.B. Schleimretention in der Lunge oben und Nieren-Yang-Mangel unten.

Kälte (Han) und Hitze (Re)
Übergänge, Sonderformen
  • Oben Hitze – unten Kälte (Shang Re Xia Han): Yang-Überfluss in der oberen, Yin-Überfluss in der unteren Körperhälfte. Leitsymptome: Wärmegefühl in Thorax und Kopf, Schwindel, Säurereflux, Stomatitis, Kältegefühl im Bauch, reichlicher, blassgelber Urin, kalte Füße. Beispiel: Starker Hunger, kann viel essen und trinken (Magen-Hitze oben) und geruchloser Durchfall (Kälte in Dickdarm unten)

  • Gegenseitige Transformation: Zu Beginn der Erkrankung liegt ein Kälte-Syndrom vor, das sich in ein Hitze-Syndrom transformiert oder umgekehrt. Beispiel: Bei dem Syndrom einer äußeren Wind-Kälte zeigt sich durch den Kampf des warmen Yang-Qi mit dem pathogenen Faktor ein Hitze-Zustand. Dies erfolgt schnell bei Patienten mit einem starken Yang-Qi bzw. bei konstitutionellen Yang-Fülle-Patienten

  • Kombinationen: Chronisches Innen-Hitze-Syndrom mit zusätzlicher akuter Außen-Kälte-Erkrankung oder chronisches Innen-Kälte-Syndrom mit zusätzlicher akuter Außen-Hitze-Erkrankung. Beispiel: Wind-Kälte-Invasion durch Klimaanlage im Sommer

  • Pseudo-Hitze: Der Erkrankung liegt, obwohl sie Hitze-Zeichen zeigt, ein Kälte-Syndrom zugrunde. Dies zeigt sich z.B. daran, dass die Patienten trotz der augenscheinlichen Hitze-Symptome warmes Essen und Trinken bevorzugen

  • Pseudo-Kälte: Der Erkrankung liegt, obwohl sie Kälte-Zeichen zeigt, ein Hitze-Syndrom zugrunde. Dies zeigt sich z.B. daran, dass die Patienten trotz Kälte-Symptomatik ein starkes Verlangen und Durst nach kalten Getränken haben.

Hinweise auf das wahre Syndrom bei widersprüchlicher Symptomatik (Pseudo-Syndrom): Zungen-/Pulsdiagnostik, Durstverlangen nach kalten oder warmen Getränken, ob der Patient zugedeckt liegen will oder nicht und ob der Urin dunkel oder hell ist.

Außen (Biao) und Innen (Li)
Äußere pathogene Faktoren (2.6.1) wie Kälte, Hitze oder Wind befallen zunächst die Körperoberfläche. Mit Fortschreiten der Erkrankung und bei starkem pathogenen Faktor (Xie Qi 2.6.1) und/oder einem schwachen Aufrechten-Zheng-Qi (2.3.1) können auch die Zang-Fu-Organe (die inneren Organe 2.4) erkranken. Die Differenzierung in Außen oder Innen zeigt auch das Erkrankungsstadium an (Außen: Akutes Stadium, Innen: Chronisches Stadium). Innen-Li-Erkrankungen (Tab. 4.55) werden v.a. nach der Theorie von Qi, Blut und Körperflüssigkeiten (4.2.3) und nach der Zang-Fu-Theorie (11) differenziert.
Sonderformen
  • Zwischenstadium von Innen- und Außen-Syndrom: Pathogener Faktor bleibt zwischen Innen und Außen stecken (Shaoyang-Syndrom 12.1.3). Leitsymptome: Alternierend Fieber und Schüttelfrost, Völlegefühl in Thorax/Hypochondrium, bitterer Mundgeschmack

  • Gleichzeitiges Erkranken von Außen und Innen, z.B. bei einer chronischen inneren Erkrankung mit zusätzlich akuter äußerer Erkrankung. Beispiel: Chronisch obstruktive Bronchitis mit akuter Erkältungserkrankung (z.B. Infektexazerbation).

Kombination der Leitkriterien

Alexander Maret, TIAN Li

Theorie von Qi, Blut und Körperflüssigkeiten

TIAN Li
Syndrome des Qi
Qi-Mangel (Qi Xu)
  • Symptome: Belastungsdyspnoe, körperliche und geistige Müdigkeit, Schwindel, leise Stimme, Spontanschweiß, leichtes Fieber, Anstrengung verschlechtert. Mögliche Zusatzsymptome: Appetitverlust, Palpitationen, Gesichtsblässe, Erkältungsanfälligkeit. Zunge: Blass. Puls: Schwach (Ruo), leer (Xu)

    • Lungen-Qi-Mangel: Symptome und Therapie 11.3.1

    • Herz-Qi-Mangel: Symptome und Therapie 11.1.1

    • Milz-Qi-Mangel: Symptome und Therapie 11.5.1

    • Nieren-Qi-Mangel: Symptome und Therapie von Nieren-Qi nicht fest (11.9.3) und Niere unfähig, das Qi aufzunehmen (11.9.4)

  • Therapieprinzipien: 10.2.7.

Sinkendes Qi (Qi Xian)
  • Symptome: Wie bei Qi-Mangel, zusätzlich: Nach unten drängendes Gefühl im Bauch, Organsenkungen und -vorfälle (Viszeroptose). Zunge: Blass. Puls: Schwach (Ruo), evtl. tief (Chen)

  • Therapieprinzipien: Qi stärken und anheben.

Rezept: Bu Zhong Yi Qi Tang (7.6.10.a); wichtigste Arzneimittel: Astragali Rx. (Huang Qi), Codonopsis Rx. (Dang Shen), Cimicifugae Rz. (Sheng Ma), Bupleuri Rx. (Chai Hu).
Akupunktur: Bl 20, Ma 36, Ren 6, Ren 4, Du 20 (alle Punkte stärkend, evtl. Moxa).
Qi-Stagnation (Qi Zhi)
  • Symptome: Lokales oder generalisiertes Blähungs-, Spannungs- und Völlegefühl, Spannungsschmerz, evtl. mit wechselnden Lokalisationen und wechselnder Intensität, stimmungsabhängig, Besserung nach Entweichung von Flatus. Zunge: Normal. Puls: Saitenförmig (Xian)

    • Leber-Qi-Stauung: Spannungsgefühl oder Völlegefühl in Hypochondrium oder Thorax mit wechselnden Lokalisationen (11.7.2)

    • Qi-Stagnation in Magen und Dickdarm: Druck-, Spannungs- und Völlegefühl in Epigastrium und Abdomen, Obstipation

  • Therapieprinzipien: Qi bewegen und evtl. Stau lösen.

Rezept: Yue Ju Wan (7.6.11.a), Chai Hu Shu Gan San (7.6.6), Xiao Yao San (7.6.6); wichtigste Arzneimittel: Citri reticulatae Pericarpium (Chen Pi), Aucklandiae Rx. (Mu Xiang), Cyperi Rz. (Xiang Fu), Aurantii Fr. (Zhi Qiao oder Zhi Ke).
Akupunktur: Qi bewegen durch Di 4, Le 3, Le 13, Le 14, Bl 18 (alle Punkte ableitend nadeln).
Gegenläufiges Qi (Qi Ni)
  • Symptome:

    • Aufsteigendes Lungen-Qi: Husten, Asthma bronchiale (13.9.4)

    • Aufsteigendes Magen-Qi: Aufstoßen, Übelkeit, Erbrechen (11.11.19)

    • Aufsteigendes Leber-Yang: Kopfschmerzen, Schwindel, Reizbarkeit (11.7.5)

  • Therapieprinzipien: Gegenläufiges Qi regulieren; Lungen-Qi-Absenkungsfunktion fördern, Husten beenden, Magen-Qi nach unten senken, Übelkeit und Erbrechen beenden, Leber-Qi-Fluss regulieren.

Rezept: Lunge: Su Zi Jiang Qi Tang (7.6.11.b, 7.6.11.b), Ding Chuan Tang (7.6.11.b), Magen: Xuan Fu Dai Zhe Tang (7.6.11.b), Leber (aufsteigendes Leber-Yang): Tian Ma Gou Teng Yin (7.6.15).
Akupunktur: Lunge: Ren 17, Ren 22, Ex-HN 3 (Yintang), Magen: Ren 12, Ren 17, Pe 6, Ex-HN 3 (Yintang), Ma 44; bei aufsteigendem Leber-Yang Du 20, Gb 20, Ex-HN 3 (Yintang) (alle Punkte ableitend nadeln).
Syndrome des Blut-Xue
Blut-Mangel (Xue Xu)
  • Symptome: Blasses Gesicht (blassweiß oder fahlgelb), blasse Lippen, Schwindel, mögliche Zusatzsymptome: Vergesslichkeit, Atemnot, Palpitationen, Schlafstörungen, Parästhesien, schwache Monatsblutung mit wenig hellrotem Blut, verlängerter Zyklus, Amenorrhö. Zunge: Blass. Puls: Dünn (Xi), schwach (Ruo) oder dünn

    • Herz-Blut-Mangel: Palpitationen und Schlafstörungen (11.1.3)

    • Herz-Blut und Milz-Qi-Mangel: Palpitationen, Erschöpfung und Menstruationsbeschwerden (11.11.4)

    • Leber-Blut-Mangel: Trockene Augen, Parästhesien, Muskelspasmen, brüchige Nägel, wenig Monatsblutung, verlängerter Zyklus oder Amenorrhö (11.7.1)

  • Therapieprinzipien: Blut stärken und nähren (10.2.8).

Blut-Stase (Xue Yu)

Zur Differenzierung des Begriffs Stase Glossar (Index).

Verlangsamung oder Anhalten des Blutflusses.
  • Symptome: Schmerz mit fixierter Lokalisation, Verschlechterung am Abend, Tumor mit fixierter Lokalisation und Druckdolenz, Gesichts- und Extremitätenzyanose, Varikosis, dunkle Hautveränderungen, dunkle, schuppige Haut, Hämorrhagie mit dunklem Blut und Koagel. Zunge: Zyanotisch mit dunklen Flecken. Puls: Rau (Se)

    • Blut-Stase durch Qi-Mangel: Kombiniert mit Müdigkeit, Kurzatmigkeit und Spontanschweiß

    • Blut-Stase durch Blut-Mangel: Kombiniert mit Schwindel, Palpitationen und Schlafstörungen

    • Blut-Stase durch Kälte: Schmerzen verbessert durch Wärme, kalte Extremitäten

    • Blut-Stase durch Hitze: Schmerzen verbessert durch Kälte, Fieber und Blutung

  • Therapieprinzipien: Blut-Stase beseitigen (10.2.9).

Blut-Hitze (Xue Re)
  • Symptome: Hitzegefühle, nachts stärker, Hämorrhagie mit hellem Blut ohne Koagel (Hitze verletzt die Gefäße), Unruhezustände, Mundtrockenheit ohne Durst. Zunge: Rot. Puls: Schnell (Shuo)

  • Therapieprinzipien: Blut-Hitze klären (10.2.2).

Blut-Kälte (Xue Han)
  • Symptome: Kalte, evtl. zyanotische Extremitäten; Bauchschmerzen, Wärme-Applikation bessert, Kälteaversion, verlängerte Menstruation, Dysmenorrhö, dunkles Blut mit Klumpen. Zunge: Blass oder blauviolett, weißer Belag. Puls: Rau (Se), langsam (Chi) oder dünn (Xi), behäbig

  • Therapieprinzipien: Kälte vertreiben, Gefäße wärmen.

Rezept: Wen Jing Tang (7.6.12.a), Ai Fu Nuan Gong Wan (7.6.10.b), wichtigste Arzneimittel: Cinnamomi Ra. (Gui Zhi), Asari Rx. et Rz. (Xi Xin), Evodiae Fr. (Wu Zhu Yu), Angelicae sinensis Rx. (Dang Gui), Zingiberis Rz. (Gan Jiang).
Akupunktur: Blut wärmen durch Ren 4, Ren 6, Du 4, Bl 17, Mi 8 (alle Punkte stärkend nadeln oder Moxibustion).
Syndrome von Qi und Blut
Qi-Stagnation und Blut-Stasen (Qi Zhi Xue Yu)

Zur Differenzierung des Begriffs Stase Glossar (Index).

  • Symptome: Spannungsgefühl und -schmerz, Ekchymose, tastbare abdominale Massen, prämenstruelles Syndrom, Dysmenorrhö. Zugenbelag: Weiß. Puls: Saitenförmig (Xian) oder rau (Se).

Rezept: Xue Fu Zhu Yu Tang (7.6.12.a), Shen Tong Zhu Yu Tang (7.6.12.a).
Akupunktur: Qi und Blut bewegen durch Di 4, Le 3, Di 11, Mi 10, Bl 17, Bl 18.
Qi- und Blut-Mangel (Qi Xue Liang Xu)
  • Symptome: Blassgelbes Gesicht, Atemnot, spricht wenig, Müdigkeit, Palpitationen, Schlafmangel, Parästhesien der Extremitäten. Zunge: Blass. Belag: Weiß. Puls: Schwach (Ruo), tief (Chen).

Rezept: Ba Zhen Tang (7.6.10.c), Dang Gui Bu Xue Tang (7.6.10.c), Gui Pi Tang (7.6.10.c) bei Schlafstörungen und Angstzuständen.
Akupunktur: Qi stärken und Blut nähren durch Ma 36, Mi 10, Bl 17, Bl 20, Ren 6.
Qi-Mangel und Blutverlust (Qi Bu She Xue)
  • Symptome: Blutungen, kombiniert mit verschiedenen Symptomen von Qi- und Blutmangel. Zunge: Blass. Puls: Schwach (Ruo) und dünn (Xi).

Rezept: Bu Zhong Yi Qi Tang (7.6.10.a).
Akupunktur: Qi stärken und Blutung stillen durch Du 20, Ma 36, Ren 6, Bl 17, Bl 20.
Qi-Kollaps bei Blutverlust (Qi Sui Xue Tuo)
  • Symptome: Blässe bei profuser Blutung, kalte Extremitäten, diffuses Schwitzen, Ohnmacht. Puls: Sehr schwach (Ruo).

Rezept: Du Shen Tang.
Akupunktur: Moxibustion an Ren 8, Ren 6, Du 20.
Syndrome der Körperflüssigkeiten-Jin-Ye
Flüssigkeits-Mangel
Körperflüssigkeiten gehören zum Yin. Yin-Mangel (Tab. 4.56) führt zu Trockenheit (pathogener Faktor Trockenheit 2.6.1). Organmanifestation: Häufig Lunge (Lungen-Trockenheit 11.3.3, Lungen-Yin-Mangel 11.3.2), Dickdarm (Flüssigkeitsmangel im Dickdarm 11.4.1), Magen (Magen-Yin-Mangel 11.6.3) und Niere (Nieren-Yin-Mangel 11.9.6).
  • Symptome: Haut-, Mund-, Nasen-, Lippen- und Zungentrockenheit, spröde Haare, trockener Husten, spärliche Miktion, Obstipation. Zunge: Rot (wenn Yin-Mangel), trocken, rissig, wenig gelber Belag, Puls: Dünn (Xi), schnell (Shuo)

  • Ursachen: Länger bestehender Yin-Mangel (v.a. von Magen und/oder Niere), Exsikkose durch reduzierte Flüssigkeitsaufnahme oder starken Flüssigkeitsverlust durch Schwitzen bei febrilen Erkrankungen (12), Erbrechen, Diarrhö, akutem oder chronischem Blutverlust

  • Therapieprinzipien: Flüssigkeitszufuhr bei Yin-Mangel, Trockenheit befeuchten, Yin nähren (10.2.8), ggf. Hitze klären.

Flüssigkeits-Retention
In der CM werden vier Formen von pathologischen Ansammlungen von Flüssigkeiten (Flüssigkeits-Retentionen) unterschieden: (Pathologische) Feuchtigkeit/Nässe (Shi), Ödeme (Shui oder Shui Zhong), Schleim (Tan) und dünner Schleim (Mucus) (Yin).
Ursachen für Flüssigkeits-Retentionen:
  • Exogen: Invasion äußerer pathogener Feuchtigkeit (2.6.1), die v.a. die Milz verletzt

  • Endogen: Meist Milz-Qi-Mangel-Syndrom (11.5.1, 11.5.2, 11.5.5); Flüssigkeiten werden nicht mehr ausreichend transformiert und weitergeleitet – aber auch ein Yin-Mangel führt durch Eindickung der physiologischen Flüssigkeiten z.B. zu Schleim. Folge: Feuchtigkeits- und Nässeansammlungen, Ödeme (Symptome 2.6.1). Zunge: Gedunsen mit Zahneindrücken, Zungenbelag: Evtl. klebrig, feucht, Puls: Schlüpfrig (Hua).

Flüssigkeits-Retention: Ansammlungen von Feuchtigkeit/Nässe (Shi)
  • Feuchtigkeits-Retentionen können in Kombination mit Kälte oder Hitze auftreten:

    • Feuchte-Kälte in der Milz (11.5.5).

    • Feuchte-Hitze in der Milz (11.5.6)

    • Feuchte-Hitze im Dickdarm (11.4.3)

    • Feuchte-Hitze in Leber und Gallenblase (11.7.7)

    • Feuchte-Hitze in der Gallenblase (11.8.2)

    • Feuchte-Hitze in der Blase (11.10.1)

  • Therapieprinzipien: Feuchtigkeit transformieren, Diurese fördern (10.2.9); zusätzlich pathogenen Faktor beseitigen (2.6.1), bei Feuchte-Hitze-Syndrom Feuchte-Hitze klären.

Flüssigkeits-Retention: Ödeme (Shui)
Ödeme (Shui): Einteilung nach CM und differenziertere Therapie (13.22.1).
  • Ödeme durch Lungen-Qi-Mangel (11.3.1): Meist im oberen Körperbereich (Gesicht und Hände) mit äußerer Schädigung durch Wind-Kälte-Exposition (Ödeme unter Wind-Wasser schädigt die Lunge 13.22.1)

  • Ödeme durch Milz-Yang-Mangel (11.5.2): Meist Körpermitte (z.B. Aszites), aber auch Beinödeme (v.a. abends)

  • Ödeme durch Nieren-Yang-Mangel (11.9.2): Meist im unteren Körperbereich (Beine, Knöchel).

Flüssigkeits-Retention: Ansammlungen von Schleim (Tan)
Schleim (Tan) ist zäher und schwerer als Feuchtigkeit (2.6.1) und neigt zu Verstopfungen und Blockaden. Er entsteht aus Flüssigkeit und Feuchtigkeits-Retentionen meist unter Einwirkung von Hitze oder Feuer (Erhöhung der Viskosität) im Inneren des Körpers. Der Schleimbegriff ist in der CM weiter gefasst als in der westlichen Schulmedizin: Unterteilung in substanzhaften und substanzlosen Schleim (Kasten).

Schleim: Einteilung nach CM

Substanzhafter Schleim

Sichtbarer Schleim in der Lunge, z.B. produktiver Husten bei chronischer Bronchitis, z.B. Schleim-Hitze-Retention in der Lunge (11.3.7), Schleim-Feuchtigkeits-Retention in der Lunge (11.3.6).

Substanzloser Schleim

  • Schleim unter der Haut: Subkutane Knoten, Lymphknotenschwellungen, Fibrome, Lipome, Struma

  • Schleim in den Meridianen: Entspricht Taubheitsgefühlen (z.B. bei Apoplex)

  • Schleim in Gallenblase oder Nieren: Steinbildungen

  • Schleim in den Gelenken: Knochendeformationen, z.B. bei rheumatischen Erkrankungen (13.15.5 unter Gelenk-Bi-Syndrome)

  • Schleim benebelt den Geist (Shen): Schleim-Feuer erregt das Herz (11.1.7), Schleim-Kälte benebelt das Herz (11.1.8), Trüber Schleim blockiert den Kopf (11.5.7), Epilepsie mit innerem Wind (13.17.12) (mentale Störungen und Geisteskrankheiten), Apoplex mit innerem Wind.

  • Ursachen: Milz-Qi-/Yang-Mangel (11.5.1, 11.5.2), durch die die Körperflüssigkeiten nicht mehr ausreichend transformiert und transportiert werden; oft auch ein Milz- und Nieren-Yang-Mangel (11.11.17), aber auch (Nieren)-Yin-Mangel mit Mangel-Hitze kann durch die Eindickung der physiologischen Säfte z.B. zu Schleim-Hitze führen (dünne Menschen)

  • Symptome: Schleimsyndrome können ein buntes Bild an Symptomen zeigen und umfassen innerhalb der Syndromdifferenzierung die größte Symptomanzahl (siehe oben Kasten Schleim: Einteilung nach CM)

  • Mögliche Schleimsymptome: Z.B. Druck- oder Völlegefühl epigastral oder abdominal, Schwindel, Appetitlosigkeit, Abmagerung, Parästhesien der Extremitäten, einseitige Gesichtslähmung, Schmerzen und Schwellungen der Gelenke, Zungensteifigkeit, Aphasie oder Sprachschwierigkeiten, Kollapsneigung, Epilepsie, Verwirrtheit, Koma, Lymphknotenschwellungen, Abszesse, Hautknoten, psychische Störungen, Bewusstseinstrübungen

  • Wichtiger Hinweis auf Schleimbelastung: Schmierig-klebriger Zungenbelag mit schlüpfrigem oder saitenförmigem Puls (Schleim blockiert, Gefäßverengung durch Fließhindernis). Cave: Oft zeigt sich trotz Schleimbelastung kein klebriger Zungenbelag.

Schleim-Retention in Kombination mit anderen pathogenen Faktoren
Schleim verbindet sich oft mit anderen pathogenen Faktoren wie Hitze, Kälte, Feuchtigkeit oder Wind (2.6.1). In den nachfolgenden Abschnitten werden diese Kombinationen näher bestimmt.
Feuchtigkeits-Schleim-Retention (Shi Tan)
  • Hauptsymptome: Keuchender Husten mit viel weißlichem, leicht abhustbarem Sputum, Übelkeit, Erbrechen, Zungenbelag: Weiß und klebrig. Mögliche Schleimsymptome, siehe oben Kasten Schleim: Einteilung nach CM

  • Therapieprinzipien: Feuchtigkeit trocknen und Schleim transformieren.

Rezept: Er Chen Tang (7.6.16.a); wichtigste Arzneimittel: Pinelliae Rz. praep. (Zhi Ban Xia), Poria (Fu Ling), Citri reticulatae Pericarpium (Chen Pi).
Kälte-Schleim-Retention (Han Tan)
  • Hauptsymptome: Keuchender Husten mit klarem Sputum, Kälteaversion, kalte Extremitäten, Zungenbelag: Weiß und schlüpfrig-feucht. Evtl. Zusatzsymptome: Mögliche Schleimsymptome, siehe oben Kasten Schleim: Einteilung nach CM

  • Therapieprinzipien: Kälte wärmen und Schleim transformieren.

Rezept: San Zi Yang Qin Tang (7.6.16.c); wichtigste Arzneimittel: Pinelliae Rz. praep. (Ban Xia), Zingiberis Rz. (Gan Jiang), Asari Rx. et Rz. (Xi Xin).
Hitze-Schleim-Retention (Re Tan)
  • Hauptsymptome: Keuchender Husten, gelbes, zähflüssiges Sputum mit Klumpen, Durst und Reizbarkeit, Zungenbelag: Gelb und klebrig. Evtl. Zusatzsymptome: Mögliche Schleimsymptome, siehe oben Kasten Schleim: Einteilung nach CM

  • Therapieprinzipien: Hitze kühlen und Schleim transformieren.

Rezept: Wen Dan Tang (7.6.16.b), Qing Qi Hua Tan Tang (7.6.16.b); wichtigste Arzneimittel: Trichosanthis Fr. (Gua Lou), Fritillariae cirrhosae Bb. (Bei Mu), Mori Cx. (Sang Bai Pi).
Trockenheit-Schleim-Retention (Zao Tan)
  • Hauptsymptome: Trockener Husten, wenig und klebriges Sputum, das schwer zu expektorieren ist; manchmal gibt es kleine Blutungspunkte im Sputum; Trockenheit von Hals, Nase, Mund und Lippen; trockene Haare und Haut. Zungenbelag: Trocken, klebrig. Evtl. Zusatzsymptome: Schleimsymptome, siehe oben Kasten Schleim: Einteilung nach CM

  • Therapieprinzipien: Trockenheit lindern und Schleim umwandeln.

Rezept: Bei Mu Gua Lou San (7.6.16.d), wichtigste Arzneimittel: Fritillariae cirrhosae Bb. (Chuan Bei Mu), Trichosanthis Fr. (Gua Lou).
Wind-Schleim-Retention (Feng Tan)
  • Hauptsymptome:

    • Exogener Wind blockiert das Lungen-Qi: Husten mit wenig weißem Sputum, gereizter Hals, leichte Kälteaversion. Zungenbelag: Dünn und weiß

    • Innerer Wind-Schleim im Kopf, der die Sinnesöffnungen blockiert: Schwindel, Kopfschmerzen mit Übelkeit und/oder Erbrechen; schwerer Kopf, Mühe, sich zu konzentrieren, plötzlicher Kollaps oder Koma, Epilepsieanfälle, Apoplexie. Zungenbelag: Dünn und weiß. Evtl. Zusatzsymptome: Schleimsymptome, siehe oben Kasten Schleim: Einteilung nach CM

  • Therapieprinzipien: Wind und Schleim vertreiben.

Rezept: Exogener Wind blockiert das Lungen-Qi: Zhi Sou San (7.6.16.e), innerer Wind-Schleim im Kopf, der die Sinnesöffnungen blockiert: Ban Xia Bai Zhu Tian Ma Tang (7.6.16.e); wichtigste Arzneimittel: Arisaematis Rz. praep. (Tian Nan Xing), Typhonii Rz. (Bai Fu Zi), Gastrodiae Rz. (Tian Ma).
Qi-Schleim-Retetion (Qi Tan)
  • Hauptsymptome: Schluckbeschwerden, Fremdkörpergefühl im Hals (Globusgefühl); emotional bedingtes Erscheinen und Verschwinden; weiche, schmerzlose Knoten in Hals, Brust oder Inguinalregion, Knoten über der ganzen Leber-Leitbahn, die mit einem Wechsel der Hautfarbe einhergehen; Depression, Stimmungsschwankungen, in schwereren Fällen mit Sprachbeeinträchtigung oder plötzlicher Parese. Zungenbelag: Weiß, schleimig. Evtl. Zusatzsymptome: Schleimsymptome, siehe oben Kasten Schleim: Einteilung nach CM

  • Therapieprinzipien: Qi bewegen und Schleim umwandeln.

Rezept: Ban Xia Hou Po Tang (7.6.11.a); wichtigste Arzneimittel: Magnoliae officinalis Cx. (Hou Po), Pinelliae Rz. praep. (Zhi Ban Xia), Platycodi Rx. (Jie Geng), Fritillariae thunbergii Bb. (Zhe Bei Mu).
Flüssigkeits-Retention: Dünner Schleim (Yin)
Dünner Schleim oder Mucus findet sich schon in den frühesten Aufzeichnungen (Nei Jing und Jin Gui Yao Lüe 1.2). Allen Pathologien sind v.a. zwei Eigenschaften gemeinsam: Die ätiologischen Mechanismen mit dünnem Schleim beinhalten eine Verlangsamung von Transformation und Transport der Flüssigkeiten und die Pathologie konzentriert sich auf die Zang-Organe Lunge, Milz und Niere (nach Clavey 2004).
Schleim und dünner Schleim im Gastrointestinalsystem Tan Yin
  • Hauptsymptome: Völlegefühl in Thorax und Epigastrium, hörbare Magen- oder Darmgeräusche, Übelkeit und Erbrechen mit klarem Sputum, kein Durst oder mag nicht trinken, Schwindel, Palpitationen und Kurzatmigkeit. Zungenbelag: Weiß und wässerig. Puls: Saitenförmig (Xuan) und Schlüpfrig (Hua)

  • Therapieprinzipien: Den dünnen Schleim erwärmen und transformieren.

Rezept: Ling Gui Zhu Gan Tang.
Hängender dünner Schleim Xuan Yin
  • Bezeichnung hängender dünner Schleim oder auch Suspensions-Schleim, weil der Schleim nicht im ganzen Körper verteilt ist, sondern sich in Thorax und Rippenregion ansammelt, als ob er dort (fest-)hängt.

  • Hauptsymptome: Husten und Schmerzen im Hypochondrium, Kurzatmigkeit, Dyspnoe. Zungenbelag: Dünn und Weiß. Puls: Tief (Chen) und saitenförmig (Xuan)

  • Therapieprinzipien: Den dünnen Schleim beseitigen.

Rezept: Shi Zao Tang.
Überflutender dünner Schleim Yi Yin
  • Bezeichnung überflutender oder Überfluss an dünnem Mucus/Schleim, weil sich die Flüssigkeiten über die vier Gliedmaßen ergießen und zu Ödemen führen.

  • Hauptsymptome: Schmerzen und Schwergefühl oder Ödeme der Extremitäten, Dysurie, Fieber und Frösteln, ohne Schwitzen, Dyspnoe und Husten mit viel weißem schaumigem Sputum. Zungenbelag: Weiß. Puls: Saitenförmig (Xuan) und gespannt (Jin)

  • Therapieprinzipien: Die Oberfläche befreien und dünnen Schleim umwandeln.

Rezept: Qing Long Tang.
Dünner Schleim in den Bronchien Zhi Yin
  • Nach Clavey (2004) auch als dünner Schleim oberhalb des Zwerchfells bezeichnet, Zhi Yin übersetzt er als sich abstützender Schleim, weil das Pathogen sich ähnlich wie ein Pfosten auf dem Zwerchfell abstützt, um nach oben in den Thorax und gegen die Lunge zu drücken.

  • Hauptsymptome: Dyspnoe und Husten und mit viel dünnem, weißem, schaumigem Sputum, Völlegefühl in Thorax, Kurzatmigkeit, kann nicht flach liegen, Ödeme im Gesicht. Zungenbelag: Weiß und klebrig. Puls: Saitenförmig (Xuan) und gespannt (Jin)

  • Therapieprinzipien: Den dünnen Schleim aus der Lunge drainieren.

Rezept: Ting Li Da Zao Xie Fei Tang.

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