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B978-3-437-56483-3.10014-X

10.1016/B978-3-437-56483-3.10014-X

978-3-437-56483-3

Fingerlinie (Zhi Wen)

Zusammengelegter Bambus Bl2 (Cuanzhu)

(aus Han 2005)

Teich des Windes Gb20 (Fengchi)

(aus Han 2005)

Bauch (Fu)

(aus Han 2005)

Einflusspunkt des FKLunge Bl13 (Feishu)

(aus Han 2005)

Bereich der Milz-Leitbahn (Pijing)

(aus Han 2005)

Bereich der Leber-Leitbahn (Ganjing)

(aus Han 2005)

Bereich der Herz-Leitbahn (Xinjing)

(aus Han 2005)

Bereich der Nieren-Leitbahn (Shenjing)

(aus Han 2005)

Bereich der Dünndarm-Leitbahn (Xiaochangjing)

(aus Han 2005)

Kleiner Himmelsmittelpunkt (Xiaotianxin)

(aus Han 2005)

Gelenke der fünf Finger (Wuzhi Jie)

(aus Han 2005)

Gemeinsames Aufsitzen (Shangma)

(aus Han 2005)

Palast der inneren Strapazen Pe8 (Neilaogong)

(aus Han 2005)

Dritter Weiler am Fuß Ma36 (Zusanli)

(aus Han 2005)

Zusammenkunft der drei Yin Mi6 (Sanyinjiao)

(aus Han 2005)

Die Siegelhalle (Yintang, Extrapunkt) ausstreichen (Mo Yintang)

(aus Han 2005)

Die Pforte des Shen pressen He7 (An Shenmen)

(aus Han 2005)

Die Wasserquelle Ni5 pressen (An Shuiquan)

(aus Han 2005)

Wachstum der Funktionskreise mit Besonderheiten

(modifiziert nach Han Chaling 2005)

Tab. 14.1
Wachstumszyklus (WZ) Weiterentwicklung der Funktionskreise (FK) Besonderheiten in diesem Zeitraum
1.WZ FK Niere Erinnerungsvermögen bildet sich aus
2.WZ FK Blase Häufig Störungen im Bereich der Ohren, Kältegefühl in der LWS-Region
3.WZ v.a. FK Herz Das Kind vermag sich zu freuen und zu lachen
4.WZ FK Dünndarm Das Kind schwitzt viel, zeigt häufig Angst- und Schreckreaktionen
5.WZ FK Leber Das Kind zeigt plötzlich Gefühlsregungen von Trauer und Kummer, weint häufig
6.WZ FK Gallenblase Häufiger Störungen im Bereich der Augen, Gesichtsrötung
7.WZ FK Lunge Stimmliche Veränderungen
8.WZ Veränderungen im FK Dickdarm Evtl. Hautreaktionen und Schweiße
9.WZ FK Milz Wissens- und Denkfähigkeit entfalten sich
10.WZ FK Magen Oft Appetitstörungen: Appetitmangel, abdominale Schmerzen, Übelkeit und Erbrechen
Nach dem 10. WZ Durchbruch des ersten Backenzahns Das Kind lernt allmählich Sprechen, ist in dieser Phase häufig launisch

Fragen im Anamnesegespräch

Tab. 14.2
Fragethema Hinweis auf ...
Temperaturverhalten
Fieber Hinweis: Bei Fieber immer die Stellen hinter den Ohren untersuchen (Fieberareal, dann oft Erythem, oft rötlich und juckend als Zeichen für eine fiebrige Erkrankung, zeigt auch Schnelligkeit des Fieberanstiegs an) und Hals und Nacken abtasten
Fieber und Kälteaversion/Frösteln Äußere Erkrankung (Wind-Kälte/-Hitze)
Fieber ohne Kälteaversion/Frösteln Hitze im Inneren (oder nach innen gedrungen)
Schwitzen (DD: 13.22.2)
Spontanschweiß bei geringer Anstrengung Qi-Mangel, auch Disharmonie zwischen Abwehr-Wei-Qi und Nähr-Ying-Qi
Nachtschweiß Qi- und Yin-Schwäche oder Hitze im Magen, bei Kindern oft durch Nahrungsstagnation mit Stagnations-Hitze; aber auch Yang-Mangel, wenn Schwitzen mit Kältegefühlen, starker Blässe und Kälteaversion einhergeht
Kopfschweiß Bei Kindern durch (Fülle) im mittleren Jiao (Yang steigt zum Kopf)
Schwitzen mit warmer Haut Hitze
Schwitzen mit Kältegefühlen Kälte
Unaufhörlich tropfender Schweiß Vorbote Yang-Kollaps
Ausscheidungen (Urin/Stuhl)
Fragen nach Häufigkeit, Menge, Konsistenz, Farbe, evtl. nach emotionalen Begleitumständen (siehe unten Inspektion, S.1705)
Schlafverhalten (DD: 13.18.2)
Schmerzen
Ernährungsvorlieben (Durst und Appetit)
Guter Appetit Starker Magen, Indikator für eine gute Mitte
Appetitverlust und Völlgefühl Magen und Milz sind schwach
Kein Verlangen zu trinken oder zu essen, Nahrung nicht umwandeln können (z.B. Verdauungsreste im Stuhl, Völle und Blähungen nach Essen, auch nach bestimmten Speisen) Mögliche Nahrungsblockaden; in chron. Fällen evtl. chron. Verdauungsblockaden (GanJi [14.7.2])
Äußergewöhnliche Essgelüste oder Verzehr von Schmutz und Sand Evtl. Parasitenbefall oder ein Bedarf nach bestimmten Nahrungsmitteln
Viel Durst und Verlangen nach kalten Getränken Hitze-Störung
Viel Durst und Verlangen nach warmen Getränken Kälte-Störung
Trinkt viel, aber Mund- und Lippen-Trockenheit Magen-Yin-Mangel
Weitere Anamnesethemen
Entwicklung, Wachstum
  • Auffälligkeiten während Zeugung (Alter der Eltern, Lebensumstände, evtl. Alkoholabusus, Drogenkonsum, vorhergehende Aborte und Schwangerschaften, evtl. reproduktionsmedizinische Therapie etc.)

  • Schwangerschaft (Verlauf, körperliches und seelisches Befinden der Mutter, Erkrankungen der Mutter etc.)

  • Geburt und Wochenbett

  • Ernährungsweise als Säugling

  • Verlauf der Entwicklungsstadien wie Lachen, Krabbeln, Sitzen, Stehen, Gehen, Zahnen, Fontanellenverschluss

  • Krankheitsgeschichte und Chronologie der Beschwerden

  • Impfungen, Medikamenteneinnahme, Operationen, Unfälle in der Vorgeschichte

Familien- und Sozialanamnese
  • Geschwister

  • Erkrankungen in der Familie

  • Traumatische Belastungen und Erfahrungen

  • Lebensbedingungen (z.B. allein erziehend, Patchwork-Familie, Wohnverhältnisse)

Emotionale Anamnese Emotionalität und Verhalten im Kontext von Familie, Schule, Freunde etc. Wichtig: ältere Kindern sollten in einer weiteren Sitzung auch allein mit dem Therapeuten sprechen können
Fünf Retardierungen (Wu Chi) Stehen, Gehen, Haarwachstum, Zahndurchbruch, Sprechen
Fünf Weichheiten (Wu Ruan) Weicher Kopf (Fontanellenschluss bleibt aus), weiches Genick (kann den Kopf nicht altersentsprechend halten), weiche Extremitäten (Knochen-Rachitis), weicher Mund (kann nicht kauen), weiche Muskeln

Diagnostische Hinweise durch die Beurteilung von Augen, Gesichtsfarbe und Haaren

Tab. 14.3
Beobachtung Hinweis auf
Augen
Haben Glanz, reagieren lebhaft auf die Umwelt, Pupille und Iris sind groß und rund Gesunde Kinder, Abweichungen weisen auf Erkrankungen hin
Starrer Blick und Augendeviation Krämpfe (bei kleinen Kindern) oder geistige Beeinträchtigungen
Verkleinerung/Erweiterung der Pupillen, temporäres Schielen Hitze (Wangenrötung v.a. nachmittags ist ein Zeichen für Yin-Mangel; tiefrote Färbung mit gleichzeitigem kaltem Schweiß: Yang-Mangel oder -Kollaps)
Blasse oder (trocken) verklebte Augenlider Blut-Xue-Mangel
Geschwollene Augenlider mit oberflächlichen Wassereinlagerungen Schwäche-Syndrome der Mitte; viel Schleim in den Augen: Anzeichen von Feuchtigkeit, Schleimbelastung der Milz
Starker Glanz und Augenrötung Oft bei Masern
Eingefallene Augenringe und Weinen ohne Tränen Qi-Schwäche und starker Mangel an Körperflüssigkeiten (z.B. bei fieberhaften Erkrankungen)
Pupillenveränderungen Nieren-Muster, z.B. Pupillengröße links und rechts unterschiedlich
Blaue Vene zwischen den Augen Milz-Schwäche, Kälte, Feuchtigkeit oder Schleim im oberen Jiao
Gesichtsfarbe (Hinweis: erkrankt ein Kind, ändert sich sofort die Gesichtsfarbe)
Schimmernd, rosig, frisch, gut befeuchtet Gesunde Kinder (bei Babys zusätzlich ein schimmernder Ausdruck), Abweichungen weisen auf eine Erkrankung hin
Blass, weißlich Häufig Schädigung durch Kälte oder Qi-Mangel, bei starker Blässe auch Blut-Xue-Mangel (zeigt Verbrauch an), oft zusammen mit blassen Lippen
Plötzlich auftretende weiße Gesichtsfarbe Mit fühlbar kalten Extremitäten und evtl. Schweißen (bis zum Kollaps): Yang-Verlust, kann nach Erkrankung oder emotionalem oder körperlichem Trauma auftreten (Unfall, Missbrauch)
Rot Zeigt Hitze an (Wangenrötung v.a. nachmittags: Yin-Mangel; tiefrote Färbung mit gleichzeitigem kaltem Schweiß: Yang-Mangel oder -Kollaps)
Gelb Körperliche Schwäche, Milz-Schwäche mit Feuchtigkeitsansammlungen
Gelb, sehr blass Häufig Milz-Qi-Mangel
Gelb, klar und leuchtend Feuchtigkeit und Hitze im Inneren (Yang-Gelb)
Gelb, schmutzig, gräulich Blockaden durch Feuchte-Kälte-Prozesse (Yin-Gelb)
Blaugrünlich oder Grünlich Schmerzen, Krämpfe bei Kindern und/oder Blut-Xue-Stasen
Grünlich, scharlachrote Lippen Qi-Blockaden und Blut-Stasen
Schwärzlich Meist Kälte (Yang-Mangel) oder Störung durch wässrigen Schleim
Schwärzlich und fahl Nieren-Yang-Mangel; schwärzliche Färbung von Augenhöhlen und -region zeigt Nieren-Schwäche oder wässrigen Schleim (Shui Yin) an. Bestehen zusätzlich Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen: Lebensmittelvergiftung; schwärzlich-grünlicher Teint zeigt einen bedrohlichen Zustand mit Qi-Kollaps der Niere an
Weiße Flecken Sind meist trocken, erscheinen oft auf der Lungen-Seite auf der rechten Wange oder am Kinn, selten auf der Stirn: Schleim oder alte pathogene, versteckte Faktoren (Fu Qi)
Haare (als Indikator für die Niere)
Viele Haare bei der Geburt, erste Haare sehr dunkel Zeichen für starke Niere bei der Geburt
Wenig Haare bei der Geburt, erste Haare eher fein, flaumig und hell Zeichen für Schwäche in der Niere bei der Geburt
Milchschorf der Kopfhaut Kann Hinweis auf Lungen- oder Nieren-Schwäche sein, zeigt auch Schleimbelastung an

Diagnostische Hinweise durch die Beurteilung von Nase, Ohren, Lippen und Mund

Tab. 14.4
Beobachtung Hinweis auf ...
Nase
Lang dauernde Verstopfung mit Absonderung von dickem Nasensekret und starker Nasenflügelbewegung Qi-Stagnation im Bereich der Lunge oder Hitze in der Lunge
Ohren
Ohrmuschel rosig, dick, fleischig, Haut schimmert feucht Gesunde Kinder
Stark gerötete Helix Schädigung durch Wind-Hitze
Helix grünlich verfärbt und kalt Schädigung durch Kälte, Krämpfe oder Schmerzen
Ohrschmerzen und/oder dicke Flüssigkeitsabsonderung aus dem Ohr Feuer in Gallenblase und Leber
Mund
Trocken Hitze in Magen und Milz
Starker wässriger Speichelfluss Kälte und Feuchtigkeit in der Milz oder Milz-Schwäche
Zu viel schleimiger Speichel Mangel in Milz und Niere
Mundsoor Fetale Toxine oder Feuchte-Hitze in der Mitte
Lippen
Weißlich, blass Starker Qi- und Blut-Mangel
Livide gefärbt Qi-Blockaden und Blut-Stasen
Knallrot Hitze in Milz und Magen durch Nahrungsblockaden (Gan Ji)
Tiefrot, kirschrot Wenn durch eine akute, starke Diarrhö das Yin geschädigt wurde
Trocken, muss immer die Lippen befeuchten, trockene, rote Lippen, Rhagaden Trockenheit von Magen und Darm (evtl. durch Hitze entstanden)
Zahnfleisch und Zähne
Schwellung und Rötung des Zahnfleischs Emporloderndes Feuer im Magen
Später Zahndurchbruch Nieren-Schwäche

Diagnostische Hinweise durch die Beurteilung der Zunge

Tab. 14.5
Beobachtung Hinweis auf ...
Zungekörper (ZK) mittelrot, weich und beweglich mit dünnem, weißlichem, normal befeuchteten Zungebelag (ZB) Gesunde Kinder; der Zungenkörper sollte die Gesichtsfarbe widerspiegeln
ZK blass mit leicht roter Spitze oder roter Zungenrand Zeigt bei Kindern bis 4Jahren sicher äußere Wind-Hitze an
ZK normal, aber mit roten Punkten oder Papillen Hitze im Inneren
ZK weißlich blass Qi- und Blut-Mangel
ZK tiefrot mit Papeln Hitze im Ying-Qi
ZK rot mit wenig oder ohne ZB, trocken Verbrauch an Körperflüssigkeiten (durch Hitze) führt zu Yin-Mangel
ZK purpurfarben mit Petechien Qi-Blockaden und Blut-Stase
ZK geschwollen, weich, zu groß für den Mund, evtl. mit Zahneindrücken Schwäche der Milz, aber auch Nieren-Yang-Mangel
ZK steif, dünn Zeigt sich schnell und oft bei dehydrierten Kindern, erfordert schnelle Rehydrierung
ZK klein, geschrumpft Schweres Mangel-Muster (Lunge, Milz, Niere) oder evtl. schwaches Zungenbändchen (Hinweis: bei schwachen Lippen- und Zungenbändchen ist der FK Leber betroffen)
Ulzerationen und Aphthen Hitze-Toxine oder Herz-Feuer
Zungenbelag (ZB) weiß (dick) Äußerer Pathogener Faktor Kälte
ZB weiß und klebrig Innere Kälte und Feuchtigkeit
ZB gelb Hitze-Schädigung
ZB gelb und klebrig Innere Hitze und Feuchtigkeit
ZB glatt und landkartenartig Magen-Yin-Mangel
ZB dick, klebrig, quarkig Nahrungsblockaden (Gan Ji)

Diagnostische Hinweise durch die Beurteilung des Stuhls und des Schließmuskels

Tab. 14.6
Beobachtung Hinweis auf ...
Stuhl
Dünnflüssig, schmierig mit weißen Klümpchen Nahrungsblockaden
Diarrrhö, gelb, stark übel riechend Feuchtigkeit und Hitze
Geleeartig mit rötlicher Farbe, Kind schreit plötzlich immer auf Cave: Darminvagination durch z.B. langdauernde Nahrungsblockaden, Feuchte-Hitze in Milz/Magen, Feuchte-Kälte-Blockaden durch z.B. Qi- und Blut-Schwäche
Hart, erschwerte Defäkation Oft Hitze-Prozesse im Inneren
Schließmuskel (Anus)
Gereizt und gerötet Fülle-Hitze
Blass, Aussehen fast wie Vitiligo als Zeichen, dass der Anus nicht richtig versorgt wird Leere-Kälte

Diagnostische Hinweise durch die Beurteilung der Fingerlinie

Tab. 14.7
Beurteilung der Fingerlinie Hinweis auf ...
Schwach oder nicht sichtbar, eher rosafarben, hat viel Glanz, Verlauf bis zum Wind-Segment Gesunde Kinder (Variation von Linienstärke und -länge je nach Klima, bei hohen Temperaturen dicker und länger, bei Kälte geschrumpft, fein und kurz, mit zunehmendem Alter wird sie kürzer)
Änderung von Farbe und Füllungszustand Erkrankung
Verfärbungen der Fingerlinie
Frischrot Äußere pathogene Erkrankung (z.B. Wind-Kälte)
Dunkelrot, purpurfarben Innere Hitze
Hellgeblich Milz-Mangel-Syndrome
Dunkelviolett bis schwarz Blut-Stase (ernsthafter Zustand), Toxine
Grünbläulich, grünlich Innerer oder äußerer Wind, Kälte oder Schmerzen
Blass Qi- und Blut-Mangel
Verlauf
Unregelmäßig (z.B. mit Unterbrechungen) Beeinträchtigung des Blutflusses durch Schleim-Hitze oder Nahrungsblockaden in der Mitte, auch fortschreitende Erkrankung
Tiefe
Besonders nahe der Oberfläche und sehr deutlich sichtbar Außen-Biao-Erkrankung (4.2.1)
Besonders tief liegend und sehr wenig sichtbar Innen-Li-Erkrankung (4.2.1)
Seitenunterschied der Finger
Rechte Fingerseite Zeigt mehr die Qi-Seite und Erkrankungen des Qi an
Linke Fingerseite Zeigt mehr die Blut-Seite und Erkrankungen des Blutes an
Lokalisation/Länge der Fingerlinie
Erscheint bis zum Wind-Segment Störung im Bereich der äußeren Luo-Gefäße, leichte Störung
Erscheint bis zum Qi-Segment Schädigung bis in den Bereich der Meridiane gedrungen mit ernsthafter Erkrankung
Erscheint bis zum Lebenssegment Schädigung im Bereich der Zang-Fu, bedrohlicher Zustand

Diagnostische Hinweise durch die akustische und olfaktorische Beurteilung

Tab. 14.8
Hören Hinweis auf ...
Klang der Stimme beim Weinen
Weint und schreit mit heller klarer Stimme, teilweise lang, meist reichlich Tränen Gesunde Kinder
Spitze Schreie beim Weinen, zeitweilig vor sich hinjammernd und heftig schreiend Bauchschmerzen
Heiseres Weinen Entzündung des Rachens
Heiseres Weinen +Atemstörungen Entzündung des Rachens +oberflächliche Wassereinlagerung im Hals
Kraftloses Weinen Schwäche-Syndrome
Klang des Hustens
Leichtgradiger Husten mit klarem Auswurf und klarem Fließschnupfen Äußere Wind-Kälte
Starker, tiefer Husten mit gelbem Auswurf und trübem Nasensekret Äußere Wind-Hitze
Trockener, hell und klar klingender Husten ohne Auswurf Schädigung der Lunge durch Wind-Trockenheit
Riechen Hinweis auf ...
Atem
Übler Mundgeruch Hitze im Magen
Nach Fisch und verdorbenem Fleisch riechend Zahnfleischbluten oder andere Blutungen
Säuerlich, faulig riechendes Aufstoßen Häufig nach Überessen
Stuhl
Übel riechend Hitze im Dickdarm durch Blockaden
Säuerlich, faulig riechend Häufig nach Überessen und bei Nahrungsstauung
Unauffällig riechend, durchfällig mit unverdauten Nahrungsresten Nieren-Yang-Mangel
Urin
Übel riechend Feuchte-Hitze (in der Blase)
Unauffällig riechend, reichlich fließend Kälte durch Schwäche im unteren Jiao

Einteilung in Fülle und Leere bei Kindern

(modifiziert nach Scott 2003)

Tab. 14.9
Beobachtung Fülle Leere
Aussehen Kräftige, robuste Kinder Kleine schwächliche Kinder
Strahlen, lächeln wie die Sonne, aufgeweckt, rege Zierlich, zart, blass, wirken ruhig
Blick: offen und wissbegierig, die sind wirklich da! Blick: teilnahmslos
Haltung Aufrecht, sitzen gerade Schlaff, sitzen nicht aufrecht
Verhalten Voller Energie, laute Stimme, machen viel Lärm und toben herum Sind ruhig und zurückgezogen, leise Stimme, lesen gern, gucken gerne fern, großes Schlafbedürfnis
Schreien viel, weinen heftig, sind aber hart im Nehmen bei Verletzung Weinen schnell, Weinen klingt aber schwach und wenig emotional, sind bei Verletzung empfindlich und schnell weinerlich
Wach und aufnahmefähig, sind sehr willensstark, setzen sich durch, können anderen auf die Nerven gehen, sind schwer zu ignorieren, neigen dazu, sich z.B. bei Akupunktur zu wehren Leben in ihrer Phantasiewelt, sind gern allein, wirken teilnahmslos, kämpfen wenig und wehren sich eher nicht, akupunktiert zu werden
Appetit Gut, essen gern und manchmal viel Schlecht, appetitlos, essen wenig, sind wählerisch, kein großes Interesse am Essen
Knochen und Muskeln Starke Knochen, kräftige Muskeln mit gutem Tonus Dünne Knochen, schwache Muskeln, bei Babys: schlaffer Muskeltonus
Erkrankungen Selten krank; neigen bei Krankheit eher zu Fülle-Mustern, z.B. bei akuten Erkrankungen mit hohem Fieber, lautem Husten und starken Schmerzen Anfällig für Erkrankungen; neigen dann eher zu Mangel-Mustern, z.B. chron. weicher Stuhl, eher niedriges Fieber, schwacher Husten, dumpfe, schwache Schmerzen

Einteilung Hitze und Kälte bei Kindern

(modifiziert nach Scott 2003)

Tab. 14.10
Beobachtung Hitze Kälte
Temperatur Rotes Gesicht, wirken heiß, schwitzen viel, Hitzeaversion, im Allgemeinen leicht bekleidet, ziehen sich schnell aus Blasses Gesicht, schwitzen kaum, Kälteaversion, ziehen sich gern warm an
Aktivität Sehr aktiv, rennen herum, sind rastlos, Stillsitzen fällt ihnen schwer Weniger aktiv, können gut stillsitzen
Schlaf Gehen ungern ins Bett, Schlaf ist leicht und unruhig, Schlafen auf dem Rücken, Arme und Beine von sich gestreckt, decken sich nachts auf Tiefer Schlaf, manchmal nächtliche Bauchschmerzen, wachen davon schreiend auf, Schlafposition ist zusammengerollt oder auf dem Bauch
Verhalten Aufgedreht, leicht aufbrausend Ruhig
Appetit Gut Weniger gut, öfter Bauchschmerzen
Durst Durstig, trinkt gerne Kaltes Wenig Durst, Bauchschmerzen nach kaltem Wasser
Zunge Rot Blass
Puls normal: 3.–6.Lebensjahr 100Schläge/min Schnell (120–140) Langsam (<100)

Geeignete Nahrungsmittel für die erste Beikost

Tab. 14.11
Nahrungsgruppe Nahrungsmittel Zubereitung
Getreide (glutenfrei) Weißer Rundkornreis, Hirse, Maisgries Suppe oder Brei
Gemüse (nitratarm) Möhren, Pastinaken, Kürbis
Kartoffeln, Fenchel, Süßkartoffeln
Gedünstet, anfangs püriert, später zerdrückt
Obst Äpfel, Birnen Zu Mus gekocht
Fett (hochwertig) Mandelmus, Weizenkeimöl, Rapsöl, Olivenöl, Butter Nach dem Kochen zusetzen
Getränke (warm) Möhrensud (Rezept1), Fencheltee, warmes Wasser In Abstand zu den Mahlzeiten anbieten

Auflistung in der Reihenfolge der Einführung

Geeignete Nahrungsmittel im zweiten Lebensjahr

Tab. 14.12
Nahrungsgruppe Nahrungsmittel Wirkung und Funktion
Getreide Weißer Rundkornreis Stärkt das Qi des mittleren Jiao, wirkt gegen Durchfall
Hirse Stärkt das Qi des mittleren Jiao, tonisiert das Blut-Xue, stärkt die Niere, enthält viel Eisen und Kieselsäure
Maisgries Stärkt die Mitte, leitet überschüssige Feuchtigkeit aus
Dinkel, Gries oder Flocken Sehr nährendes und stärkendes Getreide für Milz und Leber
Hafer, Mehl oder Flocken Gut für Milz-Qi und Milz-Yang, bei geschwächten Kinder
Quinoa Enthält viele Mineralien, tonisiert das Qi
Amarant Enthält viele Mineralien, v.a. viel Kalzium, tonisiert das Qi, stärkt Milz, Lunge und Nieren
Gemüse Möhren Wärmen und tonisieren die Milz, wirken gekocht gegen Durchfall
Pastinaken Tonisieren Qi und Blut-Xue
Kürbis (v.a. Hokaidokürbis) Herbstgemüse, stärkt das Milz-Qi, transformiert Feuchtigkeit
Kartoffeln Sind leicht verdaulich, tonisieren das Milz-Qi
Fenchel Wärmt und tonisiert die Mitte
Süßkartoffeln Sehr nährend, tonisieren Qi und Blut-Xue, scheiden überschüssige Feuchtigkeit aus, wirken gegen Durchfall, gute Schleimprophylaxe
Kohlrabi, Blumenkohl Leicht verdauliche Kohlgemüse, sind neutral bis leicht kühlend, tonisieren das Milz-Qi
Brokkoli Enthält viele Mineralien, v.a. Kalzium, tonisiert Qi und Blut-Xue
Chinakohl Stärkt den Magen, bildet Körpersäfte Jin-Ye, befeuchtet den Dickdarm, beseitigt Unruhe
Spinat Leicht kühlend, aber gekocht eher neutral, bildet Blut-Xue und Körpersäfte Jin-Ye, befeuchtet den Dickdarm
Grüne Bohnen Nähren Qi und Blut-Xue
Obst Heimische Obstsorten, je nach Jahreszeit frisch oder als Kompott: Z.B. im Sommer frische Erdbeeren und Himbeeren; im Herbst Äpfel und Birnen (frisch oder als Kompott), Weintrauben, Aprikosen- und Pflaumenkompott Befeuchten und fördern die Bildung der Körpersäfte Jin-Ye
Hülsenfrüchte Erbsen (eingeweckt oder ausnahmsweise tiefgefroren; keine getrockneten Erbsen verwenden, die zu schwer verdaulich sind) Sehr tonisierend, bei Milz-Qi-Mangel, Appetitlosigkeit
Linsen (rote geschälte, grüne, braune Linsen) Tonisieren Qi und Blut-Xue
Trockenfrüchte Rosinen Stärken die FK Niere und Leber, nähren Qi und Blut-Xue
Aprikosen Enthalten viele Mineralien, bilden Flüssigkeiten, befeuchten die Lunge, lindern Asthma
Nüsse Mandelmus Befeuchtet Lunge und Dickdarm, fördert den Stuhlgang
Samen Sonnenblumenkerne Tonisieren die Milz
Sesammus Enthält viel Kalzium, stärkt Leber und Nieren, befeuchtet
Süßungsmittel Honig Tonisiert den mittleren Jiao, befeuchtet Lunge und Dickdarm, lindert Husten
Ahornsirup Energetisch warmes Süßungsmittel
Milch
(immer nur warm geben)
Kuhmilch Nährt und befeuchtet; cave: nicht bei Schleimbefund geben
Schafmilch Nährt und befeuchtet, ist energetisch wärmer als Kuhmilch
Ziegenmilch Nährt und befeuchtet, ist energetisch wärmer als Kuh- und Schafmilch
Reismilch Energetisch neutral, gilt als guter Ersatz für Kuhmilch
Käse Frischkäse Kühlt leicht und befeuchtet; cave: nicht bei Schleimbefund geben
Eier Hühnerei Tonisiert Qi und Blut, nährt das Yin
Fisch Z.B. magerer Seefisch, Forelle Leicht verdaulich
Fleisch Huhn Wärmt die Mitte, tonisiert das Milz-Qi nährt das Blut-Xue, tonisiert die Niere, bildet Körperflüssigkeiten Jin-Ye
Pute Tonisiert Qi und Blut-Xue
Rind Tonisiert Qi und Blut-Xue
Taube Tonisiert Qi und Blut-Xue, nährt Leber und Niere
Kaninchen Mageres Fleisch, nährt und tonisiert den mittleren Jiao, gut bei starkem Milz-Qi-Mangel
Brotaufstriche Vegetarisch, z.B. auf Basis von Sonnenblumenkernen Tonisieren die Milz
Gewürze Zimt, Kardamom, Ingwer Eignen sich gut, um die Wirkung kalter Nahrungsmittel zu kompensieren, transformieren Feuchtigkeit
Kräuter Schnittlauch, Petersilie, Dill Wärmende Gewürze, erleichtern die Verdauung
Fette Butter, Sahne Tonisieren Qi und Blut-Xue, befeuchten Trockenheit
Hochwertige kaltgepresste Öle, z.B.: Olivenöl, Rapsöl, Weizenkeimöl Nähren Yin und befeuchten
Getränke Ungesüßter Kräutertee Wärmt die Mitte
Traubensaft mit warmem Wasser verdünnt Traubensaft ist neutral und deshalb als Getränk besser geeignet als Apfelsaft, der energetisch kühlend wirkt
Kirschsaft mit warmem Wasser verdünnt Kirschsaft ist ebenfalls neutral und tonisiert Qi und Blut
Warmes Wasser Wärmt die Mitte
Gemüsekochwasser von nitratarmem Gemüse (Tab. 14.11) Stärkt und wärmt die Mitte
Getreidekochwasser von Reis oder Hirse Wirkt sehr tonisierend auf den mittleren Jiao

Bewährte Arzneipaare und -kombinationen in der Kinderheilkunde

(modifiziert nach Körfers 2006)

Tab. 14.14
FK/Wirkort Arzneipaar/-kombination Wirkung/Indikation
FK Milz/Magen Atractylodis Rz (Cang Zhu) oder Atractylodis macrocephalae Rz (Bai Zhu) in Kombination mit Citri reticulatae Pericarpium (Chen Pi) Reguliert das Qi der Mitte, beseitigt Feuchtigkeit
Atractylodis macrocephalae Rz (Bai Zhu) und Amomi Fr (Sha Ren) Unterstützt die Mitte, beseitigt Feuchtigkeit und befreit das Milz-Yang wieder; gut als Tee bei Kleinkindern zur Unterstützung bei der Nahrungsmittel-Umstellung
Lablab Sm album (Bian Dou) und Plantaginis Sm (Che Qian Zi) Beseitigt Druck aus der Mitte z.B. durch Nahrungsstagnation, beseitigt Feuchtigkeit
Aucklandiae Rx (Mu Xiang) und Amomi Fr (Sha Ren) Wärmt und bewegt in der Mitte, wandelt Feuchtigkeit um, zerstreut Stauungen; wichtiges Paar auch bei Kälte von außen (kalte Nahrungsmittel wie Eis) mit starken Bauchschmerzen
Aucklandiae Rx (Mu Xiang) und Citri reticulatae Pericarpium (Chen Pi) Reguliert Qi der Mitte, beseitigt Schmerzen; gut bei Schulbauchschmerzen bzw. Schmerzen, die durch emotionalen Stress und z.B. (unterdrückte) Wut entstehen oder sich dadurch verschlimmern
Agastachis Hb (Tu Huo Xiang) und Eupatorii Hb (Pei Lan) Wärmt, unterstützt und reinigt die Milz, setzt die Qi-Dynamik in Gang und weckt die Milz (aromatische Dämpfe nutzen), zur Feuchtigkeitsbeseitigung; Kombination zunächst niedrig dosieren: in einer extra Tüte verpacken lassen mit Anweisung für eine Dosissteigerung an die Eltern
Aucklandiae Rx (Mu Xiang) und Persicae Sm (Tao Ren) Reguliert Qi und bewegt das Blut, Einsatz von der Mitte her, wirkt aber beim Kind allgemein Qi und Blut bewegend, z.B. Einsatz auch bei hartnäckiger Sinusitis mit Blut-Stase
FK Lunge Citri reticulatae Pericarpium (Chen Pi) und Platycodi Rx (Jie Geng) Löst eine Lungen-Qi-Stagnation; tiefes Einatmen erschwert durch Qi-Stagnation im Thorax (Zong-Qi), z.B. bei körperlicher Anstrengung, setzt die Qi-Dynamik in Gang (2.3.1); in diesem Fall ist prinzipiell ausreichend Qi vorhanden (kein Qi-Mangel), das sich jedoch thorakal staut
Aurantii Fr (Zhi Ke) und Platycodi Rx (Jie Geng) Beseitigt Schleim und Druck vom Thorax, löst die Qi-Dynamik (2.3.1)
Asteris Rx (Zi Wan), Magnoliae Fl (Xin Yi Hua) Entlastet die Oberfläche; bei pathogenem Faktor in der Frühphase zur Verhinderung eines Hustens
Arctii Fr (Niu Bang Zi) und Platycodi Rx (Jie Geng) Einsatz bei Halsproblemen wie Schmerzen, Schwellung, Rötung etc., v.a. zu Beginn einer Halsentzündung
Chrysanthemi Fl (Ju Hua) und Lonicerae Fl (Jin Yin Hua) Entlastet die Oberfläche von Wind-Hitze, beseitigt Toxine; bei akuter Wind-Hitze, Beginn einer Halsentzündung
Armeniacae Sm (Xing Ren) und Peucedani Rx (Qian Hu) Senkt Qi ab, bewegt Schleim, beendet Keuchen und Husten; bei Wind-Kälte und Husten
Mori Fo (Sang Ye) und Armeniacae Sm (Xing Ren) Vertreibt Wind-Hitze, kühlt Hitze, senkt Lungen-Qi ab und beendet Husten; bei Wind-Hitze und Husten
Schizonepetae Hb (Jing Jie) und Saposhnikoviae Rx (Fang Feng) Entlastet die Oberfläche (Haut) von Ansammlungen von Feuchtigkeit (z.B. durch Schwäche der Milz), vertreibt Wind; angezeigt bei Hauterkrankungen mit feuchten Pusteln, Bläschen und Juckreiz
FK Herz (Shen) Acori tatarinowii Rz (Shi Chang Pu, wirkt auf He, Ma, Le) und Agastaches Hb (Tu Huo Xiang) Klärt den Geist, füllt das Mark und unterstützt das Gehirn; bei Störungen in der geistigen Entwicklung und ersten Lernstörungen in der Schule
FK Leber Puerariae Rx (labatae) (Ge Gen) und Bupleuri Rx (Chai Hu) Diese Kombination löst Stagnation bei Kindern, auch Stagnations-Hitze, die sie an die Oberfläche bringt und löst; bei Nackenproblemen
Bupleuri Rx (Chai Hu) und Cyperi Rz (Xiang Fu) Einsatz bei älteren Kindern, löst das Leber-Qi
Cinnamomi Ra (Gui Zhi) und Paeoniae Rx alba (Bai Shao) Einsatz bei allen Problemen im Nacken, z.B. bei Säuglingen mit verzögerter Fähigkeit zur Kopfhebung
Mori Fo (Sang Ye) und Chrysanthemi Fl (Ju Hua) Bei allen (konnatalen) Augenproblemen
Lycii Fr (Gou Qi Zi) und Chrysanthemi Fl (Ju Hua) Bei Augentrockenheit
FK Niere Cinnamomi Cx (Rou Gui) und Rubi Fr (Fu Pen Zi) Unterstützt das Nieren-Yang und die Haltefunktion der Niere (Blase) z.B. bei Enuresis
Cistanches Hb (Rou Cong Rong) und Polygoni multiflori Rx (He Shou Wu) Stärkt die Niere und ist ein wichtiges Paar zur Regulation der Niere, bei Entwicklungsstörungen, Enuresis, Probleme beim Stehen und Gehen

Empfohlene Nadel-Verweildauer in der Kinderakupunktur

Tab. 14.15
Alter Empfohlene Nadel-Verweildauer
Kinder von 3Mon bis ca. zum 6.Lebensjahr 5–10sec., bis De-Qi erreicht ist und das Qi fließt
7–10 Jahre 5min
10–12 Jahre 10min
12–15 Jahre 10–15 min

Bewertung der durch Gua Sha entstehenden Petechien bei Kindern

Tab. 14.16
Petechienzeichen Hinweis auf ...
Statt Röte entsteht ein weißer Strich oder Fleck Qi-Stagnation
Rote Petechien Hitze-Zeichen
Dunkelrote bis violettschwarze Petechien Lang bestehende Blutstagnation
Hellrote Petechien, frisches Rot Kurzfristige Erkrankung
Braune Petechien Blut-Mangel, Blut-Trockenheit
Quaddeln und unregelmäßige Flecken an oder um das geschabte Areal Feuchtigkeit und Schleim

Beispiele für Gua-Sha-Behandlungen

Tab. 14.17
Störung/Erkrankung Behandelte Regionen
Erkrankungsmuster mit pathogenen Faktoren wie z.B. akute Wind/Kälte, beginnende Erkältung Lu7 und Du14
Zur allgemeinen Abwehrstärkung Entlang folgender Meridiane tägl. behandeln: von Lu5Lu9 und Di11Di5
Ohrenschmerzen Großflächig um SJ5 und Gb34
Zur Verflüssigung von Schleim An Ma40 großflächig behandeln, entlang Mi-Meridian von Mi9Mi6
Ständiger Hustenreiz An Lu6 und Lu7 großflächig behandeln, sowie von Lu2Lu1
Akute Bronchitis Lokales Schaben der Brust und im Bereich der oberen Jiao am Rücken

Empfehlungen für die Anwendung von Samenkornpflastern und Metallkugeln

Tab. 14.18
Material Wirkweise, Anwendungsgebiete
Vergoldete Kugeln + stärkt/tonisiert; Einsatz bei Kindern vom Mangel-Typ
Kugel aus Silber leitet ab, sediert
Kugel aus Titan N neutral bis –; leitet ab, sediert
Hirsekörner N neutral, + tonisiert
Samenkörner (z.B. Semen Vaccariae) Ist scharf, bewegt, wirkt schnell, z.B. zur akuten Stärkung der Abwehr und Lungenschutz auf Lu7

Wichtige Akupunkturpunkte bei speziellen Erkrankungen im Kindesalter

Tab. 14.19
Rhinitis/Sinusitis (14.7.4) Wind -Kälte/Wind-Hitze: Bl12, Bl13, Lu7, Di4, SJ5, Du23, Ex-HN3 (Yintang)
Schleim: Mi9, Ma40; Schleim durch Nahrungsstagnation (Gan Ji): Ex-UE10 (Sifeng), Ma36, Ren12, Ma40, Lu7, Di4, Di11
Husten (14.7.5) Hauptpunkte: Lu5, Lu7, Bl13
Wind-Kälte: Bl13, Ren12, Ren17, Moxa; bei Wind-Hitze: Lu7, Di4 oder Lu10, Bl13 S, bei starker/m Hitze/Fieber: Du14 auch Gua Sha, Di11; bei Wind-Feuchtigkeit: Mi9, Ni7, Bl13, Ma36, Ma40, Bl20; bei viel Schleim: Ren17, Ren22; bei thorakaler Enge: Pe6, Ren17; bei Wind-Trockenheit: Lu5, Lu7, Bl13 oder befeuchtende Kombination: Lu5, Ni6; bei Schleim-Hitze in der Lunge: Lu10, Lu5, Ren17; weitere Punkte: Ren22, Pe6, Bl13, Ex-B1 (Dingchuan); bei Fieber: Du14, Di11; bei Lungen- und Milz-Qi-Mangel: Lu7, Bl13 M, Ren12 M, Ma36, Mi6, Bl20 M, Ren17
Halsentzündung und Tonsillitis (14.7.4) Wind-Kälte: Bl12, Gb20, Lu7, Di4; bei Wind-Hitze: SJ5, Gb20, Di4, Di11, Ma44, Du14, Lu5, Lu11 B
Tonsillitis (14.7.4) Wind-Hitze: v.a. Lu11 B, Ma44, Di4, Lu10; Lokalpunkte: Dü17, SJ17; zusätzlich Hitze klären (Lungen- und Magen-Hitze): Du14, Di11
Otitis (14.7.7) Hauptpunkte bei akuter Otitis: SJ5, Gb41, SJ17
Hauptpunkte bei chron. Otitis: SJ 5, Gb 34, Gb 37, Gb 41, Gb 20, SJ 17 bei Entzündung
Bei Hitze: Di11, Du14, Di4; bei Kälte: Ren12 M, Ma25 M, Bl20; bei Schleim: Ma40; bei Lungen- und Milz-Qi-Mangel: Bl20 M, Ma36, Ren12 M, Mi6, zusätzlich Lokalpunkte Ohr: SJ17, Gb2
Nahrungsstagnation, Gan Ji (14.7.2) Ex-UE10 (Sifeng) als Hauptpunkt bei Säuglingen und Kleinkindern; Di4, Ma43, Ma44 bei Stagnations-Hitze
Bauchschmerzen (14.7.9) Hauptpunkte: Ren12, Ma25, Ma36, bei Kälte mit Moxa; bei Schleim: Ma40
Diarrhö (14.7.10) Hauptpunkte: Ma25, Ma36 und evtl. Bauchnabelmoxen (bei Kälte, Qi- und Yang-Mangel). Weitere Punkte: Ren12, Mi4, Bl20, Bl21, Bl25; bei Feuchte-Hitze: Mi9, Gb34, mehr Hitze auch Ma 44
Obstipation (14.7.11) Fülle-Typ: Bei Kleinkindern: Ex-UE10 (Sifeng); ältere Kinder: SJ6, Ma25, Gb34; Mangel-Typ: Ma36, Ren12, Mi6; bei Hitze: Ma44; bei Kälte: Bauchnabelmoxen, Ren12, Ma36
Enuresis (14.7.12) Basispunkte: Ren3, Ren4, Mi6; weitere Punkte: Ni3, Le8, Ren6; bei Lungen- und Milz-Qi-Mangel: Ma36, Ren12; bei Nieren-Qi-Mangel: Bl23; bei Feuchte-Hitze in der Leber-Leitbahn: Le5, Le3, Mi9
Psycho-mentale Störungen (14.7.13) Niere und Willen (Zhi) stärken: Bl23, Ni3, Ren4, Bl52
Leber-Blut nähren, Hun verwurzeln: Le8, Le3, Ma36, Bl17, Bl18, Bl47
Herz-Yin und -Blut nähren: He6, He5, Ma36, Ren15, Bl15
Geist-Shen beruhigen: Du20, Ex-HN1 (Sishencong), Ex-HN3 (Yintang)
Lunge und Po stärken: Bl42, Lu7, Ni6
Bei Schwäche von Milz und Herz: Mi6, Ma36, He5
Bei Schleim-Hitze: Pe5

Pädiatrie

Claudia Focks

H.A.N. Chaling

Ruthild Schulze

Sieglinde Wilz

  • 14.1

    Besonderheiten bei Kindern 1698

    Claudia Focks mit einem Beitrag von Sieglinde Wilz und Ruthild Schulze ( 14.1.3.c)

    • 14.1.1

      Kindliche Entwicklung1698

    • 14.1.2

      Physiologische und pathologische Besonderheiten1699

    • 14.1.3

      Diagnostik bei Kindern1703

  • 14.2

    Diätetik bei Kindern 1714

    Sieglinde Wilz, Ruthild Schulze

    • 14.2.1

      Diätetik für den Säugling1715

    • 14.2.2

      Die Ernährung ab dem zweiten Lebensjahr1720

    • 14.2.3

      Ernährung nach den Jahreszeiten1724

    • 14.2.4

      Allgemeine Ernährungsratschläge bei Krankheit1725

    • 14.2.5

      Ernährungsratschläge für Jugendliche1725

  • 14.3

    Chinesische Arzneitherapie 1726

    Claudia Focks

    • 14.3.1

      Allgemeine Hinweise zur Anwendung chinesischer Arzneien bei Kindern1726

    • 14.3.2

      Dosierung bei Kindern1726

    • 14.3.3

      Äußerliche Anwendungen1727

    • 14.3.4

      Wichtige Arzneipaare in der Kinderheilkunde1728

  • 14.4

    Tuina bei Kindern1730

    HAN Chaling (Übersetzung: Gerlinde Wislsperger)

    • 14.4.1

      Einführung, Grundprinzipien der Bausteine1730

    • 14.4.2

      Bausteine am Kopf1731

    • 14.4.3

      Baustein am Bauch1732

    • 14.4.4

      Baustein am Rücken1733

    • 14.4.5

      Bausteine an der oberen Extremität1733

    • 14.4.6

      Bausteine am Bein1739

    • 14.4.7

      Bausteine der Erwachsenen-Tuina, die auch bei Kindern eingesetzt werden können1740

    • 14.4.8

      Häufige Krankheitsbilder bei Kindern1742

  • 14.5

    Akupunktur und relevante Verfahren 1746

    Sieglinde Wilz, Ruthild Schulze

    • 14.5.1

      Kinderakupunktur1747

    • 14.5.2

      Akupunktur-relevante Verfahren1752

  • 14.6

    Qigong bei Kindern1756

    Claudia Focks

  • 14.7

    Häufige Störungen bei Kindern 1757

    Claudia Focks

    • 14.7.1

      Therapeutische Grundsätze1757

    • 14.7.2

      Syndrom des GanJi1758

    • 14.7.3

      Fieber durch akuten Infekt oder innere Ursachen1760

    • 14.7.4

      Rhinitis und Sinusitis1764

    • 14.7.5

      Husten1765

    • 14.7.6

      Tonsillitis1768

    • 14.7.7

      Otitis1769

    • 14.7.8

      Asthma bronchiale bei Kindern1771

    • 14.7.9

      Leitsymptom: (Funktionelle) Bauchschmerzen1772

    • 14.7.10

      Leitsymptom: Diarrhö1774

    • 14.7.11

      Leitsymptom: Obstipation1775

    • 14.7.12

      Enuresis nocturna1777

    • 14.7.13

      Psycho-mentale Störungen1778

    • 14.7.14

      Akupunktur bei speziellen Erkrankungen im Kindesalter1780

Besonderheiten bei Kindern

Claudia Focks mit einem Beitrag von Sieglinde Wilz und Ruthild Schulze ( 14.1.3.c )
Ein Kind ist nicht die kleine Ausgabe eines Erwachsenen. Sondern Kinder befinden sich bis zum Erwachsenenalter in einer dauernden Wachstums- und Entwicklungsphase und sind daher sowohl physisch und funktionell verschieden von Erwachsenen. Je jünger sie sind, desto größer ist dieser Unterschied.

Kindliche Entwicklung

Bereits in den Entwicklungsphasen im Mutterleib bilden sich beim Fetus Knochen, Mark, Essenz-Jing und Qi und die Funktionskreise (FK) aus, sind aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht vollständig entwickelt. Nach der Geburt beginnt die schrittweise Ausbildung der Funktionen von Skelett, Sehnen, Leitbahnen und FK. Dieser Wachstums- und Entfaltungsprozess verläuft von innen nach außen und von unten nach oben (Holz-Energie) und bei den meisten Kindern in Zyklen von ca. 32Tagen, d.h., alle 32Tage ist der kindliche Körper einen Wachstumsschritt weiter.
Mit der Geburt wird der San Jiao aktiv mit der Atmung als Funktion des oberen Jiao, der Verdauung als Funktion des mittleren Jiao und der Ausscheidung als Funktion des unteren Jiao (14.1.2).
Knochenwachstum: Nach Han Chaling (2005) wachsen in den ersten zwei Wachstumszyklen nach der Geburt verstärkt die 45kleinen Knochen von Händen und Füßen. Erst im Anschluss daran beginnt die Ausbildung des Leitbahnsystems an den Extremitäten. Die übrigen 320großen Knochen durchlaufen den Wachstumsprozess in zehn aufeinanderfolgenden 32-Tage-Zyklen.
Das Wachstum der FK vollzieht sich zeitgleich mit dem Knochenwachstum (Tab.14.1).
Wachstum als Krisenzeit: Die Kindesentwicklung führt alle 32bzw. 64Tage zu einem Anstieg des warmen Yang-Qi (Mingmen-Feuer), denn v.a. bei Säuglingen muss das Yang noch in das Yin eingepflanzt werden. In dieser Zeit zeigt sich oft ein Entwicklungsschub (z.B. nach Zahndurchbruch, Fieber, Durchfall etc.). Danach beginnen die Babys, erste Worte zu sprechen oder zu krabbeln etc. Die frühkindliche Entwicklung geht aus Sicht der CM mit Krisen einher, die allerdings nicht wie Krankheiten behandelt, sondern in ihrer Entwicklung erleichtert und unterstützt werden, z.B. durch begleitende volksheilkundliche Maßnahmen, durch eine gezielte Ernährung (z.B. mit speziell zugesetzten Arzneimitteln [14.2, 14.3]) oder durch Tuina, die von außen mechanisch auf das Körperinnere einwirkt (14.4).

Physiologische und pathologische Besonderheiten

Unreifes Qi
Alle Qi-Formen sind bei Kindern noch unreif. Alles ist bereits potentiell angelegt, benötigt aber noch Zeit zur Entwicklung, Entfaltung und Reifung. Das Qi und das Blut-Xue sind noch nicht vollständig aufgefüllt und sind daher beide im Mangel.
Die Unreife des Qi bezieht sich auf die Differenzierung der funktionalen Tätigkeit des Qi. So wird bei der Geburt der San Jiao aktiv mit der Atmung als Funktion des oberen Jiao, der Verdauung als Funktion des mittleren Jiao und der Ausscheidung als Funktion des unteren Jiao. Besonders in den ersten Lebensjahren ist der San Jiao – v.a. die FK Lunge, Milz und Niere – sehr verletzlich und kann in seinen Funktionen leicht gestört werden. Das Mingmen-Feuer (2.4.14) kommt bei Kindern nur langsam zur (vollständigen) Entfaltung. Yin kennzeichnet die materielle Basis, das Yang ist die physiologische Aktivität. Bei Kindern muss sich das Yang erst in das Yin einpflanzen. Deshalb herrscht bei Kindern sowohl ein Yin- als auch ein Yang-Mangel vor.
Dauernder Mangel im FK Lunge: Das Lungen-Qi ist noch nicht voll entfaltet und entwickelt, und auch das Abwehr-Wei-Qi ist noch labil. Aus diesen Gründen können Pathogene leichter eindringen. Wenn beispielsweise eine Nasenverstopfung die Entfaltung des Lungen-Qi blockiert, beeinträchtigt sie nachfolgend alle anderen FK und ist daher unbedingt zu therapieren. In der Praxis zeigt sich nach Antibiotikagabe oder Impfung häufig eine Hauterkrankung als Zeichen einer Lungen-Beteiligung.
Dauernder Mangel im FK Milz: Dieser Mangel-Zustand bezieht sich auf die Aufnahme der Nahrung (auch auf die Aufnahme von Sinneseindrücken) und auf die Verdauung (Transformations- und Transportfunktion). Über die Beteiligung an der Qi-Dynamik (QiJi [2.3.1]) ist die Mitte (Milz/Magen) für die Zirkulation im Körper zuständig, ebenso für das In-Gang-Bringen der Funktionen, das Nach-oben-und-unten-Bringen und für das Gleichgewicht-Halten. Störungen jeder Art zeigen sich v.a. bei Kleinkindern schnell in Verdauungsstörungen und einer Blockade der Mitte mit Nahrungsstagnation (Gan Ji [14.7.2]). Für ihre Entfaltung und Entwicklung benötigen Kinder viel Energie und bekommen bei Schwäche schnell Probleme mit der Bereitstellung von Qi und Blut über die Mitte.
Dauernder Mangel im FK Niere: Die Niere steuert die Langzeitrhythmen im Körper (Sieben- bzw. Acht-Jahres-Zyklen bei Mädchen und Jungen) und damit die langen Entwicklungsphasen. Bei jeder weiteren Stufe zeigt sich eine bestimmte körperliche, sexuelle und geistige Reifung. Im Verhältnis von Blut und Qi sind Mädchen und Frauen mehr durch das Blut bestimmt, Jungen und Männer mehr über das Qi. Dies bedeutet jedoch nicht, dass Mädchen mehr Blut haben, sondern dass Mädchen eher über das Blut behandelt werden sollten und Jungen eher über das Qi. Zeigt sich bei Schulbeginn bei einem Mädchen eine Entwicklungsverzögerung (z.B. nachts noch Bettnässerin), kann diese durch Angelicae sinensis Rx. (Dang Gui) unterstützt werden. Ebenso kann ein siebenjähriges Mädchen z.B. allein durch die Gabe von Dang Gui in Suppen etc. in ihrer weiblichen Physiologie gefördert werden, sodass der Chong Mai bereits mit Beginn der Pubertät gut gefüllt ist und die Menstruation reibungslos eintreten kann. Angst ist bei Kindern ein wichtiger pathophysiologischer Faktor, der Entwicklungsverzögerungen und eine Yang-Schädigung verursachen kann. Kinder sollten möglichst angstfrei und ohne Druck, aber mit Metall (Rhythmen und Regeln) erzogen werden. Wenn Kinder in einer ruhigen Atmosphäre und liebevollen Umgebung aufwachsen dürfen, können sie sich optimal entfalten.
Empfindliche und zarte Zang Fu
Sind Organe empfindlich und zart, verlässt Qi leicht seinen Pfad (Körfers 2007). Empfindlichkeit bedeutet in diesem Zusammenhang eine Schwäche bzw. Labilität. Kinder sind noch unfertig und dadurch anfälliger für Angriffe von äußeren Pathogenen (auch emotionalen). Sie brauchen Unterstützung (Auffüllung) und Regulierung.
Haut und Muskeln sind noch sehr zart und weich. Die Poren und Gewebe zwischen Haut und Muskeln (CouLi [2.3.1]) sind durchlässig, sodass äußere pathogene Faktoren leicht eindringen können. Insbesondere Babys und Kleinkinder müssen deshalb gut warm gehalten werden, da ihre Wärmeregulation noch sehr empfindlich reagiert.
Unterentwickelter Körperbau
Unter dem Begriff Körperbau ist die Gestaltung von Gliedern, Skelett, Muskulatur, Blut, Körperflüssigkeiten etc. zu verstehen. Muskeln und Sehnen sind im Kindesalter noch nicht gefestigt, deshalb sollten Kinder auf keinen Fall zu schwer tragen (Schultornister) oder sich beim Sporttreiben zu sehr verausgaben (Leistungssport).
Wie die FK sind auch die Leitbahnen und Akupunkturpunkte bei Kindern zwar schon angelegt, aber noch nicht vollständig ausgebildet.
Starke oder lebhafte Vitalität
Kinder haben von Natur aus eine starke Vitalität. Sie unterstehen der Wandlungsphase Holz und müssen wachsen und sich entfalten. Dies spiegelt sich in der Beschreibung Kinder sind mehr Yang als Yin bzw. sind reines Yang wider. Diese Aussage ist nicht ganz korrekt, da Kinder, physiologisch betrachtet, niemals mehr Yang als Yin sind. Vielmehr ist beides im Mangel, und die Kinder müssen es entwickeln und sie müssen das Yang in das Yin einpflanzen.
Eine Yin-Stimmung ist nicht der normale Zustand bei Kindern. Sie haben eher eine Yang-Stimmung, d.h., sie sind von Natur aus aktiv und lebhaft. Dies führt zu einem schnellen, dynamischen Verbrauch. Die Gemütslage, die Stimmung eines Kindes sagt dem Therapeuten daher auch etwas über sein Yin-/Yang-Gleichgewicht, die Yin/Yang-Stimmung. Wegen ihrer überwiegenden Yang-Stimmung nehmen Kinder auch schnell die Emotionen ihrer Umgebung auf (z.B. Stress in der Paarbeziehung der Eltern).
Schnelle Entwicklung
Aufgrund ihrer körperlichen Konstitution und ihrer Instabilität sind Kinder leichter dafür anfällig, dass äußere krankheitsauslösende Faktoren eindringen bzw. emotionale Entgleisungen Schädigungen herbeiführen. Die pathologischen Veränderungen entwickeln sich häufig sehr rasch. Ist ein Pathogen eingedrungen, entwickelt sich eine Störung mit energetischer Fülle (Shi), gleichzeitig kommt es jedoch zu einer energetischen Schwächung (Xu) des Aufrechten-Zheng-Qi. Da das Qi der FK noch durchlässig und klar (rein) ist, handelt es sich bei Kinderkrankheiten meist um einfache, unkomplizierte Störungen. Bei korrekter Diagnostik und rechtzeitiger, angemessener Therapie werden Kinder deshalb auch wieder rasch gesund.
Die Entwicklung in der Kindheit ist sehr dynamisch, da Kinder der Wandlungsphase des Holzes unterstehen. Das überaktive Yang der Leber führt dabei schnell zu Hitzeerkrankungen, z.B. zu hohem Fieber oder zu Krampfneigung. Diese Dynamik hat zwei Seiten: Eine Erkrankung kann sich sehr schnell ins Negative entwickeln, andererseits können Kinder dank ihres noch reinen und klaren Qi auch schneller wieder genesen.
Geistige Reifung und Entwicklung bei Kindern
Der Geist-Shen eines Kindes muss frei fließen können, d.h., Kinder sollten möglichst in einem sorgen- und angstfreien Umfeld aufwachsen können. Das bedeutet besonders in den ersten Lebensjahren das Kind nicht zu vielen (Sinnes-)Eindrücken auszusetzen, die vom kindlichen Organismus noch nicht ausreichend verarbeitet werden können. Der Rhythmus von Schlafen und Wachen gilt als ein sichtbarer Bereich des Shen, Schlafstörungen sollten daher unbedingt beachtet und behandelt werden. Den Geist-Shen zu regulieren, bedeutet immer eine Regulierung der Grundsubstanzen (Qi und Blut, Flüssigkeiten, Yin und Yang). Nach chinesischer Medizin liegen letztlich alle Erkrankungen im Shen begründet. Wird das Herz verletzt (Trauma, Aufwachsen in angstbesetzter Umgebung, Verlust einer wichtigen Bezugsperson), wird die Essenz (Jing) und letztlich das Leben verletzt.
Besonders Kinder unter sieben Jahren erhalten ihre Energie und nähren ihren Shen v.a. von den sie umgebenden Personen, d.h., es besteht ein wechselseitiger, enger Energieaustausch. Daher ist es in der Therapie eines Kindes oft zielführend, eine erschöpfte Mutter oder einen allzu dogmatischen Vater mitzubehandeln. Ebenso kann eine belastende Paarbeziehung der Eltern in einer Störung ihres Kindes seinen familiendynamischen Ausdruck finden. Auch diese Themen sollten behutsam angesprochen werden.
Die moralische Instanz in einem Kind und sein geistiges Vermögen, die erst eingepflanzt und anerzogen werden müssen, sind immer an eine bestimmte körperliche und geistige Entwicklung und Reifung gebunden. Ist ein Kind in seiner körperlichen Entwicklung beeinträchtigt z.B. durch eine Schwäche oder Stagnation der Mitte, durch fötale Toxine der Mutter, durch eingeschlossene pathogene Faktoren (Fu Qi) oder durch dauernde Schmerzen, kann es sich auch auf der moralischen und geistigen Ebene nicht ausreichend und altersgerecht entwickeln.
Die Fähigkeiten des Denkens, Fühlens und Erfassens betreffen den Geist-Shen und beziehen sich auf altersgerecht vollzogene Entwicklungsstufen. Kinder müssen z.B. Empathie und eine moralische Verantwortung erst entwickeln. Ein Kind zu erziehen bedeutet daher, seine Selbstkultivierung zu fördern und schließt auch das Setzen von gewissen Regeln, das Erlernen von Disziplin und Ausdauer mit ein.
Kinder und die fünf Qualitäten des Shen
  • Herz und Shen: Der Shen (2.3.5) des Herzens zeigt sich in der Festigkeit des Blicks eines Kindes, ob es z.B. fokussieren kann. Antlitz und Augen sagen viel über den Zustand des Shen, der Puls zeigt das Herz-Qi an (Rhythmisierung). Pathologie: Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen, Merkfähigkeit- und Gedächtnisstörungen, Unruhe, Ein- und Durchschlafstörungen

  • Leber und Hun: Die Leber (2.4.9) beherbergt die Wanderseele (Hun) und bezieht sich auf das Unbewusste, Kosmische, auf Träume und Vorahnungen. Albträume sind bei Kindern ernst zu nehmen. Sie können einen Hinweis auf Probleme der Leber geben, die eigentliche Ursache kann aber auch in einer Schwächung von Qi, Blut, Milz und Herz liegen. Pathologie: Rastlosigkeit, Zerstreutheit, Schlafstörungen mit belastenden Träumen

  • Lunge und Po: Der Po (2.4.3) hat mit den angeborenen, triebhaften Körperfunktionen zu tun. Mit dem ersten Atemzug (Po muss in Gang gesetzt werden) beginnt der Po zu arbeiten. Pathologie: Körperliche Missempfindungen der Haut wie Jucken, Kribbeln oder Schmerzen, körperliches Unwohlsein

  • Milz und Yi: Die Milz (2.4.5) regelt u.a. den Verstand und ist auch für das Zentriertsein verantwortlich. Kinder mit geschwächter Milz haben Schwierigkeiten, Geistiges zu verdauen und werden schnell durch ein Zuviel an Eindrücken überfordert. Pathologie: Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen, Beeinträchtigung der Denkfähigkeit

  • Niere und Zhi: Die Niere (2.4.7) regiert über Willenskraft und Motivation und speichert die Erinnerung. Wie gut sich ein Kind motivieren lässt, wie beständig und versunken sich ein Kind z.B. in eine Bastelarbeit vertieft, sagt etwas über den Zustand der Niere aus. Der Wille (und die Ausdauer) muss auch geübt werden. Pathologie: Fehlen von Initiative und Durchhaltevermögen, lässt sich leicht entmutigen und (vom Ziel) ablenken.

Kinder und pathologisch übersteigerte Emotionen
Bei jeder pathologisch übersteigerten Emotion, die ein Kind zeigt, kann versucht werden, dies über die Wandlungsphasen bzw. eine andere Emotion auszugleichen. Wenn z.B. ein Kind oft wütend ist (Leber), dann sollte es auch immer etwas von seiner Trauer (Lunge) herauslassen dürfen, warum es z.B. ein Spielzeug jetzt nicht haben darf etc. So wird die Emotion Zorn über den Kontrollzyklus (Ke-Zyklus) durch die Tränen gelöst (13.18.6, Tab. 13.136), wodurch die Leber entlastet wird. In diesem Fall wird die Leber nicht über eine Medikation gedämpft und abgesenkt, sondern über das Ausleben einer anderen Emotion im Kontrollzyklus wird die pathologische Emotion reguliert und gemildert. In diesem Sinne kann z.B. starker Traurigkeit (Lunge) der Humor, das Lachen als emotionaler Ausdruck des Herzens entgegensetzt werden, was die Lungen-Qi-Stagnation lösen und befreien hilft, wie dies beispielsweise von Krankenhaus-Clowns auf onkologischen Kinderstationen genutzt wird. Kinder mit vielen Ängsten (Niere – Wasser) können auch über das Herz-Shen (Feuer) Heilung erfahren, indem es z.B. viel rote Farbe in seiner Umgebung angeboten bekommt.

Diagnostik bei Kindern

Befragen
Ein Therapeut, der Kinder und speziell kleine Kindern behandelt, ist auf die Information und Mitarbeit der Bezugspersonen des Kindes angewiesen. Daher stehen die Anamnese und die Beobachtungen während des Anamnesegesprächs im Vordergrund der Diagnostik. Die therapeutische Aufmerksamkeit gilt dabei zwar dem gesamten Familiensystem, es sollte aber v.a. das Kind in seinem Kranksein gesehen und behandelt werden. Daher ist es wichtig, das Kind zu beachten und ggf. in das Anamnesegespräch mit einzubeziehen. Zu Beginn der Anamnese steht der spontane Bericht mit den aktuellen Symptomen, wegen denen das Kind in der Praxis vorgestellt wird. Durch gezieltes Nachfragen, z.B. nach Auslösern der Erkrankung, nach Art und Modalitäten der Symptome, wird die Schilderung ergänzt (Tab. 14.2).
Betrachten und Beobachten
Das Betrachten und Beobachten spielt in der Pädiatrie eine wichtige Rolle. Im Anamnesegespräch mit den Eltern kann das Kind in seinen Reaktionen bereits aus dem Augenwinkel beobachtet werden.
Äußeres Erscheinungsbild
Beurteilung des Gesamteindrucks: Gesunde Kinder zeigen einen altersentsprechenden, gut ausgebildeten Knochen- und Sehnenapparat, kräftige, elastische Muskulatur, eine schimmernde, gut befeuchtete Haut und sind lebhaft – in der Aktivität zeigt sich das Yang des Kindes.
Achten auf Auffälligkeiten: Erkrankungen werden angezeigt durch weiche Knochen, verspannte Sehnen und Muskeln oder ohne Tonus (schlaff), durch schwach ausgebildetes Muskelfleisch und trockene Haut. Kranke Kinder bewegen sich kaum und verharren im Stupor.
Shen und geistige Verfassung (2.3.5)
  • Starker Shen: Glanz in den Augen; Shen muss leuchten; Kinder sind lebhaft, reagieren auf Umgebung und Ansprache; rosige, gut befeuchtete Gesichtsfarbe; gleichmäßige Atmung

  • Schwacher Shen: Glanzlose Augen; abgestumpft; Kinder bewegen sich kaum, reagieren kaum auf Umgebung und Ansprache, wirken häufig traurig, erschöpft oder im Gegenteil sehr unruhig.

Augen, Gesichtsfarbe und Haare
Die Augen reflektieren den Geist-Shen. Neben den Augen spiegelt die Gesichtsfarbe den aktuellen Gesundheitszustand des Kindes wider. Die Haare gelten als ein Indikator für die Niere (Tab. 14.3).
Nase, Ohren, Lippen und Mund
Diagnostische Hinweise durch die Beurteilung von Nase, Ohren, Lippen und Mund Tab. 14.4.
Zunge
Der Zungenkörper (ZK) ist ein Teil des Yin (Materie), der Zungenbelag (ZB) zeigt das Pathogen und die Natur des Pathogens an, bei Säuglingen auch den Zustand der Mitte. Über die Veränderungen der Zunge lassen sich gut Krankheitsentwicklung und -Verlauf beurteilen (Tab. 14.5).
Geschlechtsöffnungen und Ausscheidungen
Gesunde Neugeborene scheiden in den ersten 24Stunden nach der Geburt Mekonium (grünschwarzer, klebriger, geruchloser Kot) aus. Der Stuhlgang von Stillkindern ist goldgelb und weich, der von Kindern, die mit Ersatzmilch ernährt werden, meist blassgelb und etwas härter. Das Aussehen des Anus bei Diarrhö wird bis zum zehnten Lebensjahr beurteilt. Bei Diarrhö oder Obstipation kann der Anus Hinweise auf Ursachen wie Hitze oder Kälte geben (Tab. 14.6). Des Weiteren ist der Urin zu beurteilen (Menge, Färbung), bei Säuglingen wird z.B. die Windel betrachtet.
Venoleninspektion des Zeigefingers
Bei Kindern unter vier Jahren sind die Radialispulse noch nicht tast- und differenzierbar, und auch die Zunge ist schwierig zu beurteilen, daher hat sich in der Praxis bei Säuglingen und Kleinkindern die Fingerlinien-Diagnostik sehr bewährt. Dabei wird die Venolenfüllung (Fingerlinie [Zhi Wen Abb. 14.1]) entlang der gesamten Daumenseite des Zeigefingers nach Streichung beurteilt. Die Linie kann bis zum siebten oder achten Lebensjahr betrachtet und in die Diagnostik mit einbezogen werden (Tab. 14.7).
Vorgehen: Bevor die Inspektion durchgeführt wird, setzt der Behandler das Kind mit Blick zu einer hellen, möglichst natürlichen Lichtquelle, fixiert mit der linken Hand die Hand und den Zeigefinger des Kindes (bei kleinen Kindern ist es ratsam, dass sie auf dem Schoß der Mutter sitzen). Anschließend streicht er mehrmals mit der Fingerlinie vom End- zum Grundgelenk des Zeigefingers (von distal nach proximal), wodurch sich die Fingerlinie noch deutlicher darstellt. Bei der Beurteilung wird die Fingerlinie entsprechend den Fingergliedern in drei Abschnitte aufgeteilt:
  • Wind-Segment (Passtor des Windes[Feng Guan]): Vom Metakarpophalangeal- bis zum proximalen Interphalangealgelenk; zeigt Erkrankungen in der Wei-Qi-Ebene (Oberfläche), oft Zeichen eines äußeren Pathogens

  • Qi-Segment (Passtor des Qi [Qi Guan]): Vom proximalen zum distalen Interphalangealgelenk; zeigt Erkrankungen der Meridiane an und hat eine ernste Erkrankung ausgelöst

  • Lebens-Segment oder Tor des Lebensloses (Passtor des Lebensloses [Ming Guan]): Vom distalen Interphalangealgelenk bis zur Fingerspitze; wird diese sichtbar, ist dies ein Hinweis darauf, dass die inneren Organe erkrankt sind bzw. ein Pathogen sehr tief eingedrungen ist und zu einem bedrohlichen Zustand geführt hat.

Je länger (über das Wind-Segment hinaus) sich die Venole darstellt, desto ernsthafter ist eine Erkrankung (bei mildem Verlauf auch bis hin zum Wind-Segment); ein Verlauf vom Qi-Segment bis hin zum Lebens-Segment bedeutet zunehmende Lebensgefahr durch Beteiligung und Schädigung der inneren Organe.
Hören und Riechen
Diagnostische Hinweise durch die akustische und olfaktorische Beurteilung Tab. 14.8.
Betasten
Durch Betasten erschließt sich Hauttemperatur und -befeuchtung sowie das Schwitzverhalten des Kindes. Durch die Palpation des Abdomens kann die Transformationsleistung der Mitte beurteilt werden. Ein gespanntes, großes Abdomen kann auf Nahrungsblockaden in der Mitte hindeuten, während ein gespannter, kalter Bauch Kälte in Milz und Magen mit Schwäche aufzeigen kann. Getastet werden außerdem Lymphknoten, Muskeltonus, Schmerzpunkte und bei älteren Kindern auch der Puls (4.1.6).
Konstitutionstypen nach Julian Scott
Sieglinde Wilz, Ruthild Schulze
Die folgenden Ausführungen beziehen sich in erster Linie auf die Therapie mit Akupunktur (14.5). Julian Scott (2003) unterscheidet bei Säuglingen und Kindern zwei Grundtypen: Fülle- und Leere-Typ (Tab. 14.9, Tab. 14.10). Dabei beschreiben Fülle und Leere den Energiezustand des Kindes, seine grundlegende Lebenskraft, die bis zu einem gewissen Grad auch seine Verhaltensweisen, den Konstitutions- und den Charaktertyp mitbestimmt. Fülle-Typen präsentieren sich voller Leben und Vitalität, Leere-Typen dagegen sind eher ruhig, verhalten und vorsichtig. Beide Typen können gesund sein.
Nach Julian Scott brauchen die beiden verschiedenen Konstitutionstypen bei Erkrankungen unterschiedliche Therapiestrategien. Die Antwort auf die Frage, ob das Kind viel oder wenig Energie hat, ist in der Akupunktur mitbestimmend bei der Wahl der Nadeltechnik. So empfiehlt Scott, Kinder mit Leere mit tonisierender, Kinder mit Fülle mit bewegender, ableitender bzw. zerstreuender Nadeltechnik zu behandeln.

Die Unterscheidung in Fülle und Leere sollte bei einem Kind bei jeder Konsultation aufs Neue erfolgen, da sich der Energiezustand im Behandlungsverlauf oder während einer Erkrankung ändern kann. Kinder können auch tonisiert werden, wenn ein äußeres Pathogen vorliegt.

Diätetik bei Kindern

Sieglinde Wilz, Ruthild Schulze
Vor der Geburt werden die Feten im Mutterleib vom Qi und Blut-Xue sowie von der vor- und nachgeburtlichen Nieren-Essenz-Jing (2.3.4) der Mutter genährt. Nach der Geburt beginnen die Neugeborenen ihr eigenes Qi und ihre eigene nachgeburtliche Essenz zu bilden. Deshalb ist eine altersgerechte, Qi-reiche Ernährungsweise zur Aktivierung der Milz wichtig. Das Milz-Qi der Kinder lässt sich mit neutralen bis leicht warmen Nahrungsmitteln von süßem Geschmack am besten stärken.
Die Ernährung mit Beikost (14.2.1.c) sollte ähnlich wie die Muttermilch über einen langen Zeitraum neutral, leicht süßlich und wenig abwechslungsreich bleiben, um die Mitte zu unterstützen und nicht zu überlasten.
Die meisten Erkrankungen im Kindesalter haben ihre Wurzel in einer Schwäche der Mitte. Wohlbefinden und Gesundheit der Kinder sind im Wesentlichen von einem guten Qi der Milz abhängig. Eine passende Ernährung ist die beste Krankheitsprophylaxe und oft der erste Behandlungsansatz bereits manifester Erkrankungen.

Diätetik für den Säugling

Stillen (13.14.7)
Das Stillen ist die beste Art der Ernährung für einen Säugling, da es das Baby nicht nur emotional nährt, sondern auch das am besten passende Nahrungsmittel bietet. Die Muttermilch ist am leichtesten zu verdauen und hilft dem Baby, sein eigenes Qi aufzubauen. Ihre Zusammensetzung verändert sich im Verlauf der Stillzeit und passt sich den Bedürfnissen des Säuglings optimal an.
Nach den ersten Wochen und Monaten des Ankommens sollte (möglichst) in einem gewissen Rhythmus gestillt werden. Ab dem dritten Lebensmonat sind 3h Pause zwischen den Mahlzeiten erstrebenswert. Beim Stillen in kürzeren Abständen kann leicht eine Nahrungsstagnation (Gan Ji) mit Spucken, Koliken oder Obstipation entstehen.
Kinder sollten mindestens bis zum Ende des sechsten Lebensmonats voll gestillt werden, damit ihr noch unreifes Verdauungssystem nicht übermäßig belastet wird. Erst nach der Erdezeit im Nachhimmel (fünfter und sechster Lebensmonat) ist die Milz bereit und dazu fähig, feste Nahrung zu verarbeiten. Früheres Zufüttern kann die kindliche Mitte überfordern, was sich in Nahrungsstagnation, Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Allergien zeigen kann.
Während der stufenweisen Einführung der Beikost (14.2.1.c) sollte die Mutter dabei unterstützt werden, weiter zu stillen. Mindestens eine Milchmahlzeit pro Tag (Muttermilch oder andere Milch) braucht das Kind noch bis zum Ende des ersten Lebensjahres. Auch im zweiten Lebensjahr ist zusätzliches Stillen möglich und sinnvoll.

Praxistipp

Bei Trinkunregelmäßigkeiten, Schwäche der Mitte und Nahrungsstagnation ist der Einsatz der folgenden Rezeptur empfehlenswert: 1Beere Crataegi Fr. (Shan Zha) in 125ml Wasser 6min auskochen und den Sud für die Dauer von 1–2Tagen dem Säugling mit einer Pipette mehrmals tägl. in die Backentasche spritzen. Es ist auch möglich, dieses Heilmittel der stillenden Mutter zu geben.
Ersatzmilch
Wenn Stillen nicht möglich ist, muss auf künstlichen Muttermilchersatz zurückgegriffen werden. Pre-Nahrung (adaptierte Säuglingsmilchnahrung) ist in ihrer Zusammensetzung der Muttermilch am ähnlichsten und wird von verschiedenen Herstellern angeboten. Es ist zu beachten, dass diese wie auch die nachfolgend genannten hypoallergenen Produkte (HA-Nahrung) auf Kuhmilchbasis hergestellt werden.
Pre-Nahrung kann bis zum Ende des ersten Lebensjahres gegeben werden. Ein Umstieg von Typ1 auf Typ2 ist nicht notwendig. Die Produkte vom Typ2 sind reichhaltiger, schwerverdaulich und können Nahrungsstagnation (Gan Ji) verursachen.
Bestehen Allergien seitens der Eltern, sollte HA-Nahrung gegeben werden. Die Eiweiße dieses Milchersatzes sind hydrolysiert, um einer Allergisierung vorzubeugen.
Es gibt als Ersatz für Muttermilch auch Produkte auf Ziegenmilchbasis. Das Eiweiß der Ziegenmilch ist für Kinder leichter verdaulich. Sie ist energetisch wärmer als Kuhmilch, was für den mittleren Jiao günstig ist. Ist der Säugling bereits einige Monate alt, und kann die Mutter nicht mehr voll stillen, ist auch Reisschleim ein geeigneter Ersatz, der nahrhaft und leicht verdaulich ist (Rezept 14.2.1c).
Beikost
Beikost wird normalerweise ab dem 7.Monat zusätzlich zur Muttermilch gegeben. Die Menge der Muttermilch bleibt zunächst noch unverändert. Die Beikost deckt den steigenden zusätzlichen Nahrungsbedarf. Mit der Zeit ändert sich das Verhältnis, bis die Beikost die Muttermilch ersetzt. Dieser Prozess der Umstellung kann einige Wochen bis Monate dauern. Nach dem ersten Lebensjahr darf das Kleinkind am Familienessen teilnehmen.

Beikostempfehlungen für das Stillkind

Nahrungsmittel: Neutrale bis leicht wärmende Nahrungsmittel (Tab. 14.11) mit süßem Geschmack verwenden. Sie stärken die kindliche Mitte. Mit glutenfreien Getreidesorten und nitratarmem Gemüse beginnen.
Zubereitung: Die erste Beikost sollte gekocht, püriert und leicht verdaulich sein. Empfehlung an die Eltern, den Brei selbst zu kochen, (möglichst) wenige Fertigprodukte zu verwenden und vorwiegend Nahrungsmittel aus biologisch-dynamischem Anbau zu wählen.
Langsames Einführen von fester Nahrung:
  • Zunächst mit kleinen Mengen beginnen

  • Frühestens nach einer Woche ein neues Nahrungsmittel dazunehmen. Dies hat auch den Vorteil, Allergien bzw. Unverträglichkeiten auf ein bestimmtes Nahrungsmittel herauszufinden

  • Auf regelmäßige Essenszeiten achten

  • Zu Beginn nur die Mittagsmahlzeit ersetzen. Zusätzliches Stillen nach Bedarf ist anfangs möglich, bis die Beikost die Stillmahlzeit vollständig ersetzt. Erst dann beginnen, die nächste Mahlzeit zu ersetzen.

Rezept 1: Möhrensud
Eine kleine Möhre in Scheiben schneiden und in 125ml Wasser für 20min köcheln. Absieben. Wirkung: Der Sud ist süß und nahrhaft, stärkt die Milz und das nachgeburtliche Qi, reguliert die Mitte und hält sie frei von Feuchtigkeit. In China wird der Möhrensud als erste Beikost gegeben, bevor die Möhre als Gemüse gegeben wird.
Möglicher Plan für die Einführung der Beikost
Es empfiehlt sich, als erste Beikostmahlzeit das Mittagessen einzuführen, da die Verdauungskräfte von Milz und Magen bis mittags ausreichend vorhanden sind. Am Abend lassen diese nach und die noch ungewohnte Kost kann leicht zu einer Überforderung der Mitte mit Nahrungsstagnation führen, was nächtliche Unruhe hervorrufen kann.
Anfangs immer nur ein neues Nahrungsmittel mindestens 1Woche lang geben. Bei Kindern mit Milz-Qi-Mangel oder Allergieneigung 2–3Wochen warten, bis ein neues Nahrungsmittel eingeführt wird.
Mittagsmahlzeit ab ca. siebten Lebensmonat (Brei)
Getreidebrei
Als erste Beikost eignet sich Reisschleim (Rezept2), der sehr nahrhaft und leicht zu verdauen ist. Er kann als alleinige Zusatznahrung mindestens 1Woche lang gegeben werden, bei Kindern mit einer Mitte-Schwäche auch über 3–4Wochen.
Alternativ weißen Reis mit einer Getreidemühle zu Mehl mahlen und mit Wasser zu einem Brei kochen. (Rezept4)
Rezept 2: Reisschleim (Reissuppe, Congee, Shi Fan)
1Teil Reis mit 10Teilen Wasser für 4–6 Stunden auf kleiner Flamme köcheln. Geeigneter ist weißer Rundkornreis. Vollkornreis wegen der schwer verdaulichen Hüllen nach dem Kochen durch ein Sieb streichen. Der Reisschleim kann mit 1TL weißem Mandelmus abgeschmeckt werden. Wirkung: Stärkt das Qi des mittleren Jiao.
Gemüsebrei
Im nächsten Schritt kann ein gedünstetes und püriertes Gemüse dazugegeben werden, z.B. Möhren, Pastinaken oder Kürbis (Rezept3). Dabei ist darauf zu achten, die Gemüsesorten noch nicht zu mischen, sondern einzeln zu geben. Für die Aufnahme der fettlöslichen Vitamine etwas Fett zufügen (Tab. 14.11). Sollte Möhrenbrei verstopfend wirken, kann zu Pastinake gewechselt werden. Jedes neu eingeführte Gemüse wieder mindestens 1Woche lang geben. Weitere Gemüse, die den Reis später gut ergänzen: Kartoffeln, Fenchel und Süßkartoffel.
Rezept 3: Püriertes Gemüse
Gemüse waschen, ggf. schälen und in kleine Stücke schneiden. In etwas Wasser weich dünsten und mit dem Kochwasser fein pürieren. 1TL hochwertiges Öl oder Butter unterrühren. Wirkung: Stärkt das Qi des mittleren Jiao.
Weitere Grundrezepte
Rezept 4: Grundrezept Getreidebrei
20g Mehl (aus Reis, Hirse oder Maisgries) werden mit 200ml Wasser für einige min aufgekocht. Im Anschluss ca. 20min nachquellen lassen. Man kann auch die ganzen Körner kochen und fein pürieren. Wirkung: Stärkt das Qi des mittleren Jiao.
Rezept 5: Grundrezept Getreide-Gemüsebrei
20g gemahlenes Getreide (Tab. 14.11) in ca. 200ml Wasser aufkochen und ca. 2–3min auf kleiner Flamme köcheln. Anschließend noch 20min nachquellen lassen. 100g Gemüse (Tab. 14.11) in etwas Wasser weich dünsten. Pürieren oder zerdrücken und mit dem fertigen Getreidebrei mischen. Wirkung: Stärkt das Qi des mittleren Jiao.
Zwischenmahlzeit
Obstmus
Als Mahlzeit zwischendurch eignet sich ein Obstmus aus heimischen Früchten, z.B. aus Äpfeln oder Birnen (Rezept6).
Rezept 6: Grundrezept Obstmus
Einen Apfel oder eine Birne waschen, schälen und klein schneiden. Das Obst in etwas Wasser weich dünsten und anschließend pürieren. Wirkung: Nährt die Körperflüssigkeiten Jin-Ye.
Morgenmahlzeit ab ca. achten Lebensmonat (Brei)
Milchfreier Getreide-Obstbrei
Hirsebrei (Rezept4) ist ein geeigneter Frühstücksbrei. Zunächst wird er nur mit etwas Mandelmus abgeschmeckt, später fügt man Apfel- oder Birnenmus hinzu (Rezept6).
Hirse ist ein hochwertiger pflanzlicher Eisenlieferant, enthält viel Kieselsäure und andere wichtige Mineralien, wie z.B. Kalzium. Das VitaminC des Apfels bzw. der Birne fördert die Eisenresorption aus der Hirse. Cave: Hirse nicht mit Milch kochen, diese hemmt die Eisenresorption.
Abendmahlzeit ab ca. neunten Lebensmonat (Brei)
Getreidebrei
Als Abendmahlzeit eignet sich ein Getreidebrei. Wenn noch gestillt wird, empfiehlt sich ein milchfreier Getreidebrei (Rezept4). Geeignete Getreidesorten sind Reis, Hirse oder Maisgries. Er kann auch mit Reismilch oder abgepumpter Muttermilch gekocht werden. Wenn nicht mehr gestillt wird, kommt auch ein Getreide-Milchbrei infrage (Rezept7).
Rezept 7: Getreide-Milchbrei
20–30g gemahlenes Getreide in 200ml kalte Milch, Reismilch, Muttermilch oder Milchwassergemisch im Verhältnis 1:1 einrieseln lassen und auf kleiner Flamme unter ständigem Rühren 2–3min köcheln lassen. Anschließend 20min ausquellen lassen. Mit 1TL weißem Mandelmus abschmecken. Wirkung: Stärkt das Qi des mittleren Jiao, befeuchtet und fördert die Produktion der Körpersäfte
Hinweis: Muttermilch flockt beim Kochen aus, deshalb sollte sie erst nach dem Kochen untergerührt werden.
Fleisch
Fleisch wird wegen seines Eisengehalts häufig ab dem siebten bzw. achten Lebensmonat in pürierter Form empfohlen (Rezept8, Rezept9). Als Richtwerte werden 20–30g pro Mahlzeit und 2–3Mahlzeiten pro Woche angegeben. Als Fleischsorten eignen sich Kalb, Rind und Pute.
Fleisch ist jedoch für Babys relativ schwer verdaulich. Wird das Kind noch gestillt oder isst es regelmäßig Hirsebrei, kann mit der Fleischbeikost bis zum zweiten Lebensjahr gewartet werden.
Die Verdaulichkeit des Fleisches wird gefördert, wenn man beim Kochen 1–2Beeren Crataegi Fr. (Shan Zha) mitkocht. Sie machen das Fleisch weicher und unterstützen die Fleischverdauung.
Rezept 8: Püriertes Fleisch
Eine kleine Menge Fleisch (20–30g Rind oder Pute) in 1EL Öl andünsten, mit Wasser aufgießen, 2St. Crataegi Fr. (Shan Zha) dazugeben und weichkochen. Pürieren und dem Gemüsebrei (Rezept3) zusetzen. Wirkung: Stärkt Qi und Blut-Xue.
Rezept 9: Chinesisches Rezept für die 1.Fleischmahlzeit (nach A. Körfers)
Hühnermagen in Streifen schneiden und mit ein wenig Butter und klein geschnittenen Frühlingszwiebeln in einer Pfanne leicht anbraten. Etwas Salz und Pfeffer dazugeben. Weißen Reis oder klein geschnittene Kartoffeln hinzufügen, mit Wasser auffüllen und gar kochen. Wirkung: Stärkt das Qi des mittleren Jiao, fördert den Appetit.
Trinken
Sobald größere Mengen fester Nahrung zugefüttert werden, sollte dem Kleinkind mit Abstand zur Mahlzeit zusätzlich geeignete Flüssigkeit zum Trinken angeboten werden. Fencheltee ist wegen seiner die Mitte wärmenden und verdauungsfördernden Wirkung besonders gut geeignet. Auch Möhrensud oder warmes Wasser kann gegeben werden. Getränke können von Anfang an im Glas angeboten werden.
Begleitung der Kostumstellung mit chinesischer Arzneitherapie
Mit wenig Aufwand kann die Einführung der Beikost mit Dekokten aus chinesischen Arzneien begleitet und unterstützt werden.
Zubereitung: Die Arzneien werden in ca. 100ml Wasser 10min auf kleiner Flamme geköchelt und danach abgesiebt. Der Sud wird 4-mal tägl. mit einer Pipette in die Backentasche des Säuglings gespritzt.
Als Prophylaxe zu Unterstützung der Kostumstellung
Atractylodis macrocephalae Rz. (Bai Zhu) 1g, Amomi Fr. (Sha Ren) 1g. Wirkung: Aromatisch, tonisiert die Mitte, macht das Milz-Yang wieder frei.
Verdauungsförderung und Ausleitung von Schleim
Lablab Sm. album (Bai Bian Dou) 2g, Dioscoreae Rz. (Shan Yao) 2g. Wirkung: Reguliert die Verdauung, tonisiert die Mitte und leitet Schleim aus. Gut für Säuglinge geeignet.
Bei Appetitlosigkeit als Reaktion auf die Kostumstellung
Crataegi Fr. (Shan Zha) 1–2g. Wirkung: Reguliert und stärkt die Mitte, fördert den Appetit und stärkt dadurch das Milz-Qi, erleichtert die Verdauung.
Bei leichter Schwäche der Milz mit Stagnation von Qi und Feuchtigkeit
Citri reticulatae Pericarpium (Chen Pi) 1g, Poria (Fu Ling) 1g. Wirkung: Bewegt das Qi und reguliert die Mitte, stärkt die Milz.
Bei Nahrungsstagnation
Crataegi Fr. (Shan Zha) 2–3g, Raphani Sm. (Lai Fu Zi) 2–3g. Wirkung: Löst die Nahrungsstagnation. Oder: Massa medicata fermentata (Shen Qu) 1g. Wirkung: Löst die Nahrungsstagnation.
Bei Obstipation
Raphani Sm. (Lai Fu Zi) 1–2g, Crataegi Fr. (Shan Zha) 1–2g, Poria (Fu Ling) 1–2g. Auch als Einlauf geeignet. Wirkung: Die Kräuter lösen Stagnation, regulieren das Qi nach unten. Oder: Massa medicata fermentata (Shen Qu) 1g. Wirkung: Löst die Nahrungsstagnation.
Ungeeignete Nahrungsmittel für Kinder im ersten Lebensjahr
Alle schwerverdaulichen, das Qi schwächenden oder die Mitte kühlenden Nahrungsmittel sollten vermieden werden.

Nahrungsmittel, die sich nicht für die Beikost eignen

  • Kaltes und Rohes: Das Verdauungsfeuer wird gekühlt und geschwächt

  • Vollkorn: Die Schalen sind für kleine Kinder zu schwer verdaulich

  • Fruchtsäfte: Sind zu süß, schwächen und kühlen die Mitte

  • Kalte Getränke: Kühlen und schwächen die Mitte

  • Kuhmilch: Wirkt befeuchtend, was die Milzfunktion schwächen kann

  • Sojaprodukte: Kühlen die Mitte

  • Süßigkeiten: Die Süße des Zuckers schwächt die Milzfunktionen und führt zur Bildung von Feuchtigkeit, was die Mitte weiter belastet

  • Scharfe Nahrungsmittel und Gewürze: Zerstreuen das Qi zu sehr

  • Nitratreiche Gemüsesorten wie z.B. rote Bete

  • Nachtschattengewächse wie Tomate, Paprika, Aubergine.

Die Ernährung ab dem zweiten Lebensjahr

Allgemeine Empfehlungen
  • Das Essen muss i.d.R. nicht mehr püriert werden, Zerkleinern und Zerdrücken reicht aus

  • Weitere Nahrungsmittel können nach und nach dazugenommen werden, bis das Kind mit der Familie mitisst (Tab. 14.12)

  • Rohkost darf in kleinen Mengen gegeben werden: Ein Apfel oder eine Möhre pro Tag (evtl. gerieben) reicht aus

  • Möglichst wenig Brot geben. Weiterhin kein Vollkornbrot geben: Nahrungsmittel aus Vollkorn sind wegen der schwer verdaulichen Getreidehüllen erst ab dem Schulalter geeignet

  • Getränke sollten immer in Abstand zu den Mahlzeiten angeboten werden, damit die Verdauungssäfte nicht verflüssigt werden

  • Die Abendmahlzeit sollte nach Möglichkeit nicht nach 18Uhr stattfinden. Diese Empfehlung sollte v.a. bei Kindern mit Neigung zu Nahrungsstagnation beachtet werden

  • Müsli oder Cornflakes sollten nicht mit kalter Milch zubereitet werden. Die Kinder möglichst daran gewöhnen, dass die Milch zumindest vorher erwärmt wird

  • Wenn energetisch kühlende Lebensmittel gegessen werden, sollte das Kühlende mit wärmenden Gewürzen, Kräutern und Zubereitungsmethoden kompensiert werden. Folgende Gewürze sind hierfür geeignet: Ingwer, Zimt, Kardamom, Muskat, Galgant, Gewürznelke, Piment, Fenchel, Anis. Beispiel: Kartoffelbrei, der mit Milch zubereitet wird, sollte zum Ausgleich mit Muskat gewürzt werden

  • Nach dem Verzehr von zu viel Kaltem, rohem Obst oder Eis, kann man ein Dekokt aus Lablab Sm. album (Bai Bian Dou) oder Amomi Fr. (Sha Ren) geben, um die Mitte zu stützen

  • Nach zu viel Süßigkeiten hilft ein Dekokt aus Amomi Fr. rotundus (Bai Dou Kou), die Feuchtigkeit zu transformieren

  • Appetitlosen Kindern gibt man Erbsen zu essen, die den Appetit anregen und die Milz stärken.

Getreide-Frühstücksrezept
Ein warmes Getreidefrühstück ist für die ganze Familie ein guter Start in den Tag. Mit gedünstetem Obst, Trockenfrüchten und Nüssen kann das Rezept je nach Vorliebe variiert werden.
Zutaten:
  • Getreide: Hirse (Verhältnis Hirse/Wasser max. 1:2)

  • Frisches Obst (saisonal), v.a. zerkleinerte Äpfel oder Birnen

  • Nüsse: Walnüsse, Mandeln, Haselnüsse, Cashewnüsse (zerkleinert oder als Mus)

  • Ölsaaten: Sesammus, Sonnenblumenkerne

  • Trockenobst: Aprikosen, Rosinen (klein geschnitten)

  • Gewürze: Zimt, Kardamom, Ingwer

  • Fett: Butter oder ein Schuss Sahne.

Zubereitung: Hirsekörner in kochendes Wasser geben und auf kleiner Flamme köcheln, bis das Wasser verkocht ist. Nachquellen lassen. In der Zwischenzeit Obst und Trockenfrüchte klein schneiden und entweder für die Hälfte der Zeit mitkochen oder am Ende der Kochzeit dazugeben. Kurz mitziehen lassen. Alle weiteren Zutaten ebenfalls hinzufügen (Ölsaaten, Nüsse, Gewürze etc.) und mit etwas Butter abschmecken.
Anmerkung: Die Hirse kann auch für 2–3Tage vorgekocht und im Kühlschrank aufbewahrt werden. Vorgekochte Hirse sollte vor dem Verzehr kurz aufgewärmt werden, z.B. mit Reismilch oder einem Schuss rotem Traubensaft.
Rezept-Variationen:
  • Während die Hirse kocht, Obst, Trockenfrüchte, Sonnenblumenkerne und Nüsse in einer Pfanne mit Butter anbraten und anschließend unter die Hirse rühren

  • Hirse pur, nur mit Butter oder hochwertigem Öl wie z.B. Olivenöl zubereiten

  • Statt Hirse können auch andere Getreidesorten als Basis verwendet werden. Besonders geeignet sind Rundkornreis, Dinkel und Hafer, die gemahlen und zu einem Brei gekocht werden. Anschließend die weiteren Zutaten untermischen. Mit einem Getreideflocker kann das Getreide auch frisch zu Flocken verarbeitet und ebenfalls mit Wasser aufgekocht werden. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die ganzen Körner von Dinkel oder Hafer erst ab dem Schulalter geeignet sind. Gekochter weißer Reis kann ab dem zweiten Lebensjahr auch ungemahlen gegeben werden

  • Muss es einmal schnell gehen, können auch gekaufte Getreideflocken oder Müsli mit Wasser oder Reismilch aufgekocht werden.

Vorsicht mit Nahrungsmitteln und Zubereitungsarten, die den mittleren Jiao schwächen
Nahrungsmittel und Zubereitungsarten, die den mittleren Jiao schwächen, sollten möglichst gemieden oder nur vereinzelt eingesetzt werden

Nahrungsmittel und Zubereitungsarten, die den mittleren Jiao schwächen

  • Kühlende und kalte Nahrungsmittel:

    • Rohkost, Tiefkühlkost, Eis, kalte Getränke, Südfrüchte, Milchprodukte im Übermaß

    • Qi-lose Nahrung, z.B. Fertiggerichte

    • Fettes Essen: Pommes frites, Chips, Erdnussbutter

    • Süßigkeiten, gezuckerte Getränke, Süßstoffe

  • Pestizidbelastetes Obst und Gemüse

  • Nahrungszusatzstoffe:

    • Konservierungsstoffe: Schwächen das Qi

    • Geschmacksverstärker: Reizen die Nerven

    • Farb- und Aromastoffe: Yangige Substanzen, die unruhig machen können

    • Phosphate: Fördern Hyperaktivität.

Ernährung nach den Jahreszeiten

Bei einer gesunden Ernährung ist v.a. der Jahreszeitenbezug zu beachten. Die Nahrungsmittel der jeweiligen Jahreszeit behandeln Erkrankungen, die in dieser Zeit auftreten können. So schützt z.B. die Birne mit ihrer befeuchtenden Wirkung die Lunge vor der Trockenheit des Herbstes.
Schmackhafte Herbst-Tonika (nach A. Körfers) – nicht nur für Kinder
Rezept: Apfelsaft
1kg frische Äpfel zerkleinern und in der Küchenmaschine klein raspeln. In einen Topf füllen und unter ständigem Rühren schmoren. Die Äpfel lassen dabei Wasser. Das Einkochen dauert ca. 20–30min, danach durch ein Sieb oder eine Winde drücken und den Saft auffangen. Anschließend mit Honig süßen. Hält sich ca. 4–5Tage im Kühlschrank. Täglich 3-mal einen TL mit abgekochtem warmem Wasser mischen und einnehmen.
Die Apfelreste können für einen Kuchen genutzt oder mit Haferflocken, Rosinen und Nüssen zu Keksen gebacken werden.
Wirkung: Stärkendes Rezept für die kindliche Entwicklung. Magen kräftigend und Körpersäfte bildend. Gut bei Magen-Yin-Mangel (der Honig im Rezept nährt das Magen-Yin). 2-mal im Jahr eine Kur für 3Wochen durchführen, gut im Herbst und Frühling.
Rezept: Birnensaft
Zubereitung wie Apfelgetränk (siehe oben).
Wirkung: Flüssigkeit bildend, Trockenheit befeuchtend und Schleim lösend. Gut v.a. für Kinder mit Schleim-Hitze, chronischem Husten mit Hitze.
Rezept: Nussgetränk
Walnüsse und Mandeln (oder rohe Erdnüsse, Haselnüsse oder Pinienkerne) klein mahlen und kurz anbraten. Davon 1TL mit 1TL Honig vermischen und mit abgekochtem warmem Wasser auffüllen. 3-mal tägl. 1Glas trinken.
Wirkung: Tonisierend, Nieren stärkend, befeuchtend. Gut z.B. bei chronischem trockenem Husten, Asthma durch Nieren-Schwäche.

Allgemeine Ernährungsratschläge bei Krankheit

Durch eine akute Erkrankung wird das Milz-Qi der Kinder schnell geschwächt. Deswegen ist es im Erkrankungsfall wichtig, ihre Mitte zu entlasten und sanft zu stützen.

Ernährungstipps bei Krankheiten

  • Bei akuten Erkrankungen, v.a. wenn sie mit vermehrter Schleimsekretion einhergehen, auf Milchprodukte und Süßigkeiten verzichten, die die Milz zu sehr befeuchten und den Schleim vermehren

  • Keine kalten Getränke geben, wenn das Kind Husten hat

  • Bei Fieber dürfen befeuchtende Nahrungsmittel gegeben werden, um die Hitze zu kühlen und Austrocknung zu vermeiden, z.B. Birnensaft

  • Zur Rekonvaleszenz nach Erkrankungen ist eine lang gekochte Hühnersuppe ein geeignetes Stärkungsmittel (8).

Ernährungsratschläge für Jugendliche

Die Einflussnahme auf die Ernährungsweise und Nahrungsmittelauswahl von Pubertierenden ist für Eltern wie Therapeuten eine Herausforderung (allgemeine Diätetik 8). Bei jugendlichen Patienten kommt es v.a. darauf an, den Zusammenhang zwischen den körperlichen und seelischen Beschwerden des jungen Patienten und seiner Ernährung herauszuarbeiten. Verschlechtern sich die Beschwerden oder werden sie durch Nahrungsmittel direkt ausgelöst, ist es unabdingbar, auf eine Ernährungsumstellung hinzuwirken.
Wenn der Therapeut z.B. den Zusammenhang zwischen fett- und milchreicher Nahrung und der alterstypischen Hauterscheinung Pubertätsakne plausibel erklären kann, öffnet sich der Jugendliche auch für Tipps zum Ausgleich seiner Ernährungsgewohnheiten. Die Ratschläge sollten klar und einfach zu praktizieren sein. Ergänzungen sind stets hilfreicher als Verbote.
  • Minifrühstück: Ein kleines Schälchen warmes Getreide am Morgen, auch Getreideflocken und warmes Müsli sind tolerabel

  • Kann auf die Cornflakes mit kalter Milch nicht verzichtet werden, sollte zusätzlich eine Tasse warmer Kräutertee getrunken werden

  • Heilerde oder Kuzu 1-mal täglich zum Balancieren ungesunder Ernährungsgewohnheiten: So neutralisiert Heilerde Säuren, reinigt und entgiftet den Darm, Kuzu stärkt das Milz-Qi und schützt die Schleimhäute im Verdauungstrakt

  • Nach einer Cola- und Chips-Party oder Ähnlichem: Ein aromatischer Tee zur Nacht oder Amaratropfen unterstützen die Verdauung, indem sie einerseits die Produktion der Verdauungssäfte anregen und andererseits Hitze im Magen gekühlt wird

  • Ausgewählte Schüssler-Salze zur regelmäßigen Einnahme haben sich bei Jugendlichen als Ergänzung zur Akupunktur bewährt.

Chinesische Arzneitherapie

Claudia Focks

Allgemeine Hinweise zur Anwendung chinesischer Arzneien bei Kindern

Chinesische Arzneien werden durch bestimmte Arzneimitteleigenschaften charakterisiert (7.1): Geschmacksrichtung, Temperaturverhalten, Wirkort, Wirkrichtung und Toxizität.

  • Kinder in Geschmack und Geruch nicht überfordern. Der Geschmack stärkt das Yin, der Geruch stärkt das Yang. Kinder akzeptieren beides nicht im Übermaß

  • Starke Extreme vermeiden, z.B. nicht zu heiß oder zu kalt (eher kühl, warm oder neutral), nicht zu scharf (zerstreut und verletzt das Yin) oder zu bitter (senkt stark ab, oft kalt)

  • Arzneien mit neutraler Temperaturqualität wirken mild und ausgleichend und passen sich der vorgegebenen Temperatur an

  • Einfache Rezepte oder evtl. nur eine einzige Arznei oder ein einziges Arznei-Paar einsetzen

  • Cave: Keine ätherischen Öle bei (kleinen) Kindern (Atemstörungen!), bis zu einem Alter von vier Monaten möglichst kein scharfer Geschmack (z.B. Ingwer)

  • Cave: Der Einsatz von Arzneien mit Toxizität ist, wenn überhaupt, nur sehr erfahrenen Therapeuten vorbehalten.

Dosierung bei Kindern

Die Dosierung von Arzneien ist abhängig vom Alter (Entwicklungsreife, Gewicht), dem Zustand des Patienten, der Jahreszeit, den energetischen Eigenschaften der Arznei und der Erkrankung (Schwere, Verlauf). Grundsätzlich empfiehlt es sich, bei chronischen Erkrankungen mit einer eher niedrigen Dosis, bei akuten Erkrankungen mit einer höheren Dosis zu beginnen.
Anmerkung: Die Jahreszeit, in der bestimmte Erkrankungen (immer wieder) auftreten, ist ein wichtiger Faktor bei Kindern und zeigt zusätzlich eine bestimmte Disposition an. In der Zeit des sich entfaltenden Leber-Yang ist es z.B. wichtig, Kinder auf keinen Fall zu stark zu kühlen, da sie die Kraft der Leber über den Zeitraum des ganzen Jahres für ihre Entwicklung benötigen.
Grundsätzlich werden Arzneien bei kleineren Kindern oft einzeln oder als Kombinationspaar (Dui Yao [7.4) verschrieben, bei älteren Kindern auch mehrere Arzneien bzw. Rezepturen. In der Kinderheilkunde werden außerdem oft wässrige Auszüge (Hydrolysate) eingesetzt: Dosierung nach Empfehlungen des jeweiligen Herstellers (Bezugsquellen (Plus im Web [vorderer Buchumschlag]). Sie sind meist teurer, aber besonders bei Säuglingen und Kleinkindern praktisch in der Handhabung.
Kochbeispiel für eine Rezeptur nach Angela Körfers (2008): Für ein Kleinkind werden z.B. 5g Crataegi Fr. (Shan Zha) in 40ml Wasser gekocht; davon werden 4-mal tägl. 8ml verabreicht (der Rest verkocht). Älteren Kindern werden in Rezepturen auch mehrere Arzneien verschrieben, die nach dem beschriebenen Muster gekocht werden.

Dosierungsempfehlungen für chinesische Arzneien nach Alter des Kindes

(nach Körfers 2008)

Tab. 14.13
AlterDosierung und Verabreichung
Neugeborene bis 1Monat5ml, 4-mal tägl. mit Pipette
Kleinkinder von 1bis 6Monaten8ml, 4-mal tägl. mit Pipette
Kleinkinder von 6bis 14Monaten10ml, 5-mal tägl. mit Pipette
Kinder von 14Monaten bis 2Jahren30ml, 4-mal tägl. im Glas
Kinder von 2bis 6Jahren40ml, 3-mal tägl. im Glas
Kinder von 6bis 12Jahren60ml, 3-mal tägl. im Glas

Äußerliche Anwendungen

Äußerliche Anwendungen mit chinesischen Arzneien sind in der Therapie bei Kindern wichtig und beliebt. Aufgrund der Durchlässigkeit von Haut und Muskeln und des reinen Qi der Kinder dringen die Arzneien leicht ein und entfalten bei korrekter Anwendung sofort ihre Wirkung. Arzneien für die äußerliche Anwendung sind oft scharf, bewegend und aromatisch und werden als Inhalation, Nabeltherapie, Arzneiauflage, Klistier, Waschung, in Salben, Pasten etc. oder auch in Verbindung mit einer chinesischen Wärmflasche (Kasten) verwendet, z.B.:
  • Nabeltherapie: Bei Bauchschmerzen, Blähungen mit Koliken und Verdauungsproblemen die Arzneien Atractylodis macrocephalae Rz. (Bai Zhu), Amomi Fr. (Sha Ren), Aucklandiae Rx. (Mu Xiang), Aurantii Fr. immaturus (Zhi Shi) pulverisieren, dann das Pulver in eine Mullbinde wickeln und auf dem Bauchnabel befestigen, danach ein Wärmesäckchen darüberlegen

  • Arzneiauflage auf Akupunkturpunkt: Bei Appetitlosigkeit und Abmagerung bei einem Mitte-Qi-Mangel die Arzneien Alpiniae officinarum Rz. (Gao Liang Jiang), Citri reticulatae Pericarpium (Chen Pi), Piperis Fr. (HuJiao), Atractylodis Rz. (Cang Zhu), Menthae haplocalycis Hb. (Bo He), Zanthoxyli Pericarpium (Hua Jiao) pulverisieren, dann das Pulver in einen Baumwollbeutel geben und auf Ren12 (Zhongwan) oder auf dem Bauchnabel befestigen.

Chinesische Wärmflasche mit Salz und chinesischen Arzneien

Zubereitung: 2EL Meersalz in einer trockenen, sauberen Pfanne erwärmen. Cave: Pfanne nicht zu heiß werden lassen, da sich das Salz sehr stark erhitzen kann. Das warme Salz in ein Baumwolltuch geben und durch Fühlen testen, ob die Temperatur angenehm für die Haut ist. Diese Wärmflasche dann je nach Symptomatik auf Ren6 (Qihai), Ren12 (Zhongwan) oder den Thorax legen. Wirkung: Das Salz wärmt, öffnet und bringt ins Innere.
Zusammen mit dem Salz können in der Pfanne je nach Wirkung verschiedene gestoßene Arzneien verarbeitet werden (je 3EL zermörserte Arznei):
  • Caryophylli Fl. (Ding Xiang): Medizinische Nelke mit wärmender Wirkung

  • Cardamom: Hilft, Schleim zu lösen

  • Fenchel- und/oder Anissamen: Wirken krampflösend und wärmend bei Koliken und Blähungen

  • Thymian (auf Thorax): Bei Bronchitis, hilft Schleim zu lösen und erleichtert das Abhusten

  • Eucommiae Cx. (Du Zhong): Bei Rückenschmerzen, zur Yang-Stärkung

  • Psoraleae Sm. (Bu Gu Zhi): Stärkt das Yang, bewegt das Blut; gut bei Phimose auf Ren2 (Qugu).

Wichtige Arzneipaare in der Kinderheilkunde

Nachfolgend werden einige wichtige Arzneipaare und -kombinationen besprochen, die sich in der Kinderheilkunde bewährt haben (Tab. 14.14).

Tuina bei Kindern

HAN Chaling (Übersetzung: Gerlinde Wislsperger)

Einführung, Grundprinzipien der Bausteine

Im Laufe der Geschichte der CM haben Therapeuten viele Jahrhunderte hindurch reiche praktische Erfahrung gesammelt, ihre Erkenntnisse aufgezeichnet und der Nachwelt überliefert. Der Qing-zeitliche Kinderarzt Xiong Yingxiong hat in den 70er Jahren des 17.Jh. Die umfassende Bedeutung der Kinder-Tuina (Xiaoer tuina guangyi) veröffentlicht und damit ein bis heute hoch geschätztes und in der praktischen Arbeit häufig konsultiertes Werk zur pädiatrischen Therapie geschaffen.
Auf der Basis der theoretischen Überlegungen, wie sie aus den Aufzeichnungen des Xiong Yingxiong hervorgehen, hat die Verfasserin im Laufe vieler Jahre in ihrer klinischen Arbeit Therapiemethoden (Bausteine) formuliert und sie bei klinischen Störungen angewendet. In diesem Kapitel werden ihre Methode der Therapie ausgewählter häufiger pädiatrischer Erkrankungen vorgestellt und die dabei einzusetzenden Bausteine beschrieben.
Wirkrichtung der Bausteine
Mit den Bausteinen ist i.d.R. eine energetische Wirkrichtung beabsichtigt, so wird bei energetischer Schwäche bzw. Mangel-Zuständen (Xu) gestärkt (Bu) und bei energetischer Fülle (Shi) ausgeleitet (Xie).
Stützen, Stärken (Bu)
Die kreisenden Techniken Kneten (Rou), kreisend Schieben (Tui) und kreisend Reiben (Mo) werden
  • im Uhrzeigersinn ausgeführt, wenn ein einzelner Punkt behandelt wird ,

  • zum Körperzentrum des Patienten hin ausgeführt, wenn Punkte beidseitig ausgewählt werden – man stellt sich dabei vor, mit der Bewegung das Zentrum des Patienten zu umarmen

Ausleiten (Xie)
Die kreisenden Techniken Kneten (Rou), kreisend Schieben (Tui) und kreisend Reiben (Mo) werden
  • gegen den Uhrzeigersinn ausgeführt, wenn ein einzelner Akupunkturpunkt behandelt wird ,

  • vom Körperzentrum des Patienten weg gerichtet, wenn Akupunkturpunkte beidseitig ausgewählt werden – man stellt sich dabei vor, mit der Bewegung das Zentrum des Patienten wegzuschicken .

Bausteine am Kopf

Vorgehen: Abwechselnd mit beiden Daumen vom Punkt zwischen den Augenbrauen bis zur vorderen Haargrenze nach oben schieben (Tui). 30–50-mal.
Wirkung: Wind (Feng) austreibend, die Oberfläche (Biao) öffnend, die Sinnesöffnungen frei machend, den oberen Bereich klärend, Krämpfe beruhigend, Geist-Shen beruhigend.
Indikation: Wind-Hitze-Schädigung (Feng Re): Fieber, Kopfschmerzen, geistige Abgeschlagenheit, Schreckhaftigkeit, Unruhe.
Vorgehen: Gb20 beidseitig greifen und kneifen (Na Nie). 5–10-mal.
Wirkung: Schweiße herauslösend, die Oberfläche (Biao) öffnend, äußere pathogene Faktoren (Xie Qi) zerstreuend und beseitigend.
Indikation: Äußere Wind-Kälte-Schädigung (Feng Han) oder äußere Wind-Hitze-Schädigung (Feng Re): Kopfschmerzen, Fieber, Nackenverspannung und -schmerzen.

Baustein am Bauch

Vorgehen:
  • a) In der Bauchregion in Höhe von Ren12 bis Ren8 beidseitig mit dem Daumen entlang dem Rippenbogen nach unten schieben (Tui); auf der Region von der Mittellinie aus gleichzeitig nach beiden Seiten auseinanderstrebend schieben (Fen Tui). 100–200-mal

  • b) Mit Zeige-, Mittel- und Ringfinger oder mit der Handwurzel von Ren12 nach Ren8 schieben (Tui). 100–200-mal. 5min lang mit der Handwurzel oder Handfläche über dem Nabel kreisend reiben (Mo).

Wirkung: FKMilz kräftigend, FKMagen harmonisierend, Qi regulierend und Umsetzung fördernd.
Indikation: Einnahme von zu viel kalter oder roher Nahrung, wodurch die FKMilz und Magen geschädigt wurden: Spannungsgefühl und Schmerzen im Abdomen, Erbrechen und Verdauungsstörung.

Baustein am Rücken

Vorgehen:
  • a) Bl13 beidseitig mit dem Daumen oder Mittelfinger kneten (Rou); ausleitend (Xie). 50–100-mal

  • b) Bl13 kneten (Rou), dann beidseitig mit dem Daumen entlang dem inneren Schulterblattrand von oben nach unten schieben (Tui); stützend, stärkend (Bu). 20–30-mal.

Wirkung: Lungen-Qi regulierend, Husten beendend.
Indikation:
  • a) Hitze (Re) im FKLunge: Keuchatmung, Husten, Schleimrasseln und Druckgefühl auf der Brust

  • b) Energetische Schwäche bzw. Qi-Mangel (Qi Xu) des FKLunge: Lange bestehender Husten, raue Stimme, Erschöpfung.

Anmerkung zu b): Legt man vor der Behandlung erwärmtes Salz auf die Region, lässt sich das Behandlungsergebnis verbessern.

Bausteine an der oberen Extremität

Vorgehen:
  • a) Bereich der Milz-Leitbahn stützen (Bu): Auf der Innenseite des Daumenendgliedes kreisend schieben (Tui). 100–500-mal

  • b) Bereich der Milz-Leitbahn kühlen (Qing): Von der Daumenspitze bis zum handseitigen Ende des Daumenendgliedes gerade schieben (Tui). 100–500-mal

  • c) Bereich der Milz-Leitbahn schieben (Tui): Kombination aus erst a), dann b).

Wirkung:
  • a) FKMilz und FKMagen stärkend (Bu)

  • b) Hitze (Re) kühlend, Feuchtigkeit (Shi) ausleitend, Schleim (Tan) umwandelnd, Erbrechen beendend

  • c) Das Zheng-Qi unterstützend, Exantheme nach außen bringend.

Indikation:
  • a) Mangel (Xu) von Qi und Xue, die auf eine Schwäche (Xu) der FKMilz und Magen zurückgehen: Appetitstörung, Verdauungsstörung, Spannungsgefühl im Abdomen, Muskelatrophie

  • b) Feuchte-Hitze (Shi Re): Ikterus, Brechreiz, Erbrechen, Diarrhö, Dysenterie

  • c) Exanthem, das wegen allgemein schwacher Konstitution nicht an die Oberfläche dringt.

Anmerkung: Da bei Kindern die FKMilz und Magen noch nicht vollständig entwickelt sind, wird auf dem Bereich der Milz-Leitbahn hauptsächlich gestützt (Bu) bzw. im Falle von energetischer Fülle (Shi) meist nur gekühlt statt ausgeleitet (Xie).
Vorgehen:
  • a) Bereich der Leber-Leitbahn stützen (Bu): Auf der Innenseite des Zeigefingerendgliedes kreisend schieben (Tui): 100–500-mal

  • b) Bereich der Leber-Leitbahn kühlen (Qing): Von der Zeigefingerspitze bis zum handseitigen Ende des Zeigefingerendgliedes schieben (Tui): 100–500-mal

  • c) Bereich der Leber-Leitbahn schieben (Tui): Kombination aus erst a), dann b).

Wirkung: b) FKLeber beruhigend, Wind (Feng) löschend, Krämpfe des Kleinkindes (Jing Feng) (11.2) beruhigend, Unruhe beendend.
Indikation: b) Rötung der Augen, Unruhe, Hitzegefühl in den fünf Zentren (Wu Xin Re), bitterer Geschmack im Mund, Trockenheit des Rachens; innerer Wind (Nei Feng): Krämpfe und Zittern.
Anmerkung: Durch Vorgehen a) wird FKLeber gestützt (Bu), jedoch Gefahr der Entwicklung von Feuer (Huo) in diesem Bereich, daher sollte man z.B. bei Yin-Mangel (Yin Xu) im FKLeber immer gleichzeitig das Leber-Yang kühlen oder das Leber-Yin stützen (Bu), indem man das Nieren-Yin nährend befeuchtet.
Vorgehen:
  • a) Bereich der Herz-Leitbahn stützen (Bu): Auf der Innenseite des Mittelfingerendgliedes kreisend schieben (Tui). 100–500-mal

  • b) Bereich der Herz-Leitbahn kühlen (Qing): Von der Spitze des Mittelfingers bis zum handseitigen Ende des Mittelfingerendgliedes schieben (Tui). 100–500-mal

  • c) Bereich der Herz-Leitbahn schieben (Tui): Kombination aus erst a), dann b).

Wirkung: b) Hitze (Re) kühlend, Feuer (Huo) des FKHerz beseitigend.
Indikation: Hohes Fieber, Benommenheit, starke Rötung des Gesichts, Aphthen, dunkler und spärlich fließender Urin.
Anmerkung: Das Vorgehen a) ist stützend (Bu); dadurch induziert man jedoch leicht Feuer (Huo) im FKHerz, daher sollte man z.B. bei einer Schwäche (Xu) des Qi oder Xue im FKHerz immer gleichzeitig kühlen oder Qi und Xue des FKHerz stützen (Bu), indem man die FKMilz und Magen unterstützt.
Vorgehen:
  • a) Bereich der Nieren-Leitbahn stützen (Bu): Auf der Innenseite des Kleinfingerendgliedes mit dem Daumen nach distal schieben (Tui). 100–500-mal

  • b) Bereich der Nieren-Leitbahn kühlen (Qing): Mit dem Daumen auf der Strecke nach proximal schieben (Tui). 100–500-mal

  • c) Bereich der Nieren-Leitbahn schieben (Tui): Kombination aus erst a), dann b).

Wirkung:
  • a) Qi des FKNiere stützend (Bu), außerordentliches Fu Gehirn (Nao) stützend (Bu)

  • b) Hitze (Re) und Feuchtigkeit (Shi) im unteren Jiao (Xia Jiao) kühlend und ausleitend (Xie).

Indikation:
  • a) Angeborene oder durch lange Krankheit erworbene Schwäche (Xu) des FKNiere: Chronische Diarrhö, Enuresis, spontane Schweiße, Keuchatmung etc.

  • b) Hitze im FKBlase: Harnverhalt, dunkler Urin, schmerzhafte Miktion.

Anmerkung: Methode a) wird am häufigsten verwendet. Kühlung ist über den Bereich der Dünndarm-Leitbahn (Xiaochangjing) möglich: Der FKDünndarm hat die Funktion, Klares von Trübem zu trennen; mit dem FKDünndarm ist der FKHerz als Speicher-FK verbunden, daher lässt sich über eine Kühlung des FKDünndarm zugleich Feuer (Huo) aus dem FKHerz beseitigen sowie eine Befeuchtung des FKNiere und auf diese Weise auch eine Kühlung des FKBlase erreichen.
Vorgehen:
  • a) Bereich der Dünndarm-Leitbahn stützen (Bu): Auf der Strecke von distal nach proximal schieben (Tui). 100–300-mal

  • b) Bereich der Dünndarm-Leitbahn kühlen (Qing): Auf der Strecke von proximal nach distal schieben (Tui). 100–300-mal.

Wirkung:
  • a) Unteren Jiao (Xia Jiao) erwärmend

  • b) Hitze (Re) und Feuchtigkeit (Shi) aus dem unteren Jiao (Xia Jiao) entfernend, Klares von Trübem trennend.

Indikation:
  • a) Energetische Schwäche durch Kälte (Xu Han) im unteren Jiao (Xia Jiao): Polyurie, Enuresis

  • b) Harnverhalt, dunkler Urin, Diarrhö, wässrige Diarrhö aufgrund von Hitze (Re) im FKDünndarm, die aus dem FKHerz übertragen worden ist.

Vorgehen:
  • a) Den Punkt in der Vertiefung zwischen Daumen- und Kleinfingerballen mit dem Mittelfinger kneten (Rou). 100–300-mal

  • b) Den Punkt mit dem Daumennagel pressen (Qia). 5–20-mal.

Wirkung:
  • a) Hitze (Re) kühlend, Urin ausleitend, Augen klärend

  • b) Schrecken beruhigend, Shen beruhigend.

Indikation:
  • a) Hitze (Re) im FKHerz: Rötung, Schwellung und Schmerzen der Augen, Aphthen, Schreckhaftigkeit, Unruhe sowie Harnverhalt mit dunklem Urin, wenn die Hitze (Re) aus dem FKHerz schon auf den FKDünndarm übergegriffen hat

  • b) Hitze (Re): Krämpfe, Zittern, Schreck, nächtliches Weinen.

Vorgehen:
  • a) Querfalten jeweils mit dem Fingernagel pressen (Qia), am Daumen beginnen. 3–5-mal

  • b) Querfalten kneten (Rou), am Daumen beginnen. 30–50-mal.

Wirkung: Shen beruhigend, Schreck beendend, Schmerzen aufgrund von Wind (Feng) behebend, Sinnesöffnungen frei machend
Indikationen:
  • a) Unruhe, Schreckhaftigkeit, Schreck-Schock (Jing Feng)

  • b) Thorakales Druckgefühl, Keuchatmung, Husten, Schleimrasseln.

Vorgehen: Die Vertiefung zwischen Ring- und Kleinfingergrundgelenk mit dem Daumen oder Zeigefinger kneten (Rou). 100–500-mal.
Wirkung: Yin des FKNiere befeuchtend und stützend (Bu), Qi regulierend, Urin ausleitend.
Indikation: Yin-Mangel, weshalb das Yang übergreift (Yin Xu Yang Kang): Hohes Fieber, Unruhe, Schmerzen des Zahnfleisches, Miktionsstörungen, Harnverhalt, dunkler Urin.
Vorgehen: Pe8 mit dem Mittelfinger kneten (Rou). 100–500-mal.
Wirkung: Hitze (Re) kühlend, Unruhe beendend.
Indikation: Hitze (Re) im FKHerz: Aphthen, Fieber, Unruhe, Durst.

Bausteine am Bein

Vorgehen: Ma36 mit Daumen oder Mittelfinger pressen und kneten (An Rou). 50–100-mal.
Wirkung: FKMilz kräftigend, FKMagen harmonisierend, Qi bewegend, Blockaden lösend, Leitbahnen und Netzgefäße durchgängig machend.
Indikation: Energetische Schwäche (Xu) der FKMilz und Magen: Spannungsgefühl und Schmerzen im Abdomen, Diarrhö, Übelkeit und Erbrechen, Schwäche der unteren Extremität.
Vorgehen: Mi6 mit Daumen oder Mittelfinger leicht pressen (An), dann Mi6 kneten (Rou). 100–200-mal.
Wirkung: FKMilz kräftigend, FKMagen harmonisierend, Qi bewegend, Feuchtigkeit (Shi) beseitigend, Leitbahnen und Netzgefäße durchlässig machend.
Indikation:
  • Schwäche der FKMilz und Magen: Verdauungsstörungen, Spannungsgefühl im Abdomen, Enuresis, Harnverhalt, Polyurie

  • Lokale Therapie: Beinschmerzen.

Bausteine der Erwachsenen-Tuina, die auch bei Kindern eingesetzt werden können

Nachfolgend werden Bausteine beschrieben, die ursprünglich der Tuina-Behandlung für Erwachsene entstammen. Sie werden bei Kindern nur in speziellen Fällen eingesetzt.
Vorgehen:
  • Kind in Rückenlage

  • Von Ex-HN 3 (Yintang, Siegelhalle) abwechselnd nach beiden Seiten reiben (Mo)

  • Ex-HN 3 (Yintang) pressen und kneten (An Rou), schieben (Tui) nach Du24

  • Du24 pressen und kneten (An Rou). 4–6-mal.

Wirkung: Wind-Hitze (Feng Re) vertreibend, Shen beruhigend
Indikation:
  • Stirnkopfschmerz, verstopfte Nase mit gelblichem Sekret aufgrund von Wind-Hitze (Feng Re)

  • Schlaflosigkeit und Rastlosigkeit aufgrund von aufsteigendem Leber-Yang (11.7.5), das auf Yin-Mangel (Yin Xu) zurückgeht

  • Fieberkrämpfe.

Vorgehen:
  • Kind sitzt

  • Nacheinander Pe3, Pe6, Pe8 pressen und kneten (An Rou), dazwischen jeweils zum nächsten Punkt schieben (Tui). 4–6-mal

  • Abschließend Pe6 und He7 gleichzeitig 2–5min pressen und kneten (An Rou).

Wirkung: Schreck beendend, Leitbahnen durchlässig machend, Schmerzen stillend
Indikation:
  • Palpitationen, Schlaflosigkeit, viele Träume aufgrund von Qi- oder Xue-Mangel (Qi Xu oder Xue Xu) des FKHerz

  • Schmerzen der oberen Extremität aufgrund lokaler Qi-Blockaden und Xue-Stasen.

Vorgehen:
  • Kind in Rückenlage

  • Nacheinander Mi6, Ni5, Ni2 pressen und kneten (An Rou), dazwischen jeweils zum nächsten Punkt schieben (Tui). 4–6-mal

  • Abschließend Ni5 2–3min pressen (An).

Wirkung: Yin des FKNiere stützend und nährend befeuchtend (Bu Zi), Muskeln und Sehnen (Jin) lösend, Leitbahnen durchgängig machend.
Indikation:
  • Lokale Behandlung von Schmerzen der Ferse und der Fußinnenseite

  • Palpitationen, Schlafstörungen, Hitzegefühl in den fünf Zentren bzw. Flächen (Wu Xin Re), Auszehrung, Nachtschweiß aufgrund von Leber- und Nieren-Yin-Mangel (11.11.20).

Häufige Krankheitsbilder bei Kindern

Allergien
Allergie aufgrund von Leber- und Nieren-Yin-Mangel (11.11.20)
Therapieprinzipien Leber- und Nieren-Yin befeuchten und nähren
Pathomechanismus: Bei kleinen Kindern sind die Zangfu noch nicht vollständig ausgebildet, auch das Xue im FKLeber ist noch nicht vollständig aufgefüllt. In anderen Fällen geht eine schwache erworbene Konstitution mit einem Essenz-Jing-Mangel (2.3.4) einher, weshalb das Leber-Xue nicht ausreichend befeuchtet und genährt wird. Durch Mangel an Xue (Xue Xu) wird innerer Wind (Nei Feng) hervorgerufen, und als Folge treten Unruhe und Allergien auf.
Klinische Zeichen: Leicht rötliche Pusteln auf der Haut, die gegen Abend und bei Missstimmung auftreten oder sich verstärken, erträglicher Juckreiz, Trockenheit der Haut; rote bis bläuliche Fingerlinie (Zhi Wen). Zunge: Rot, weißlicher Belag; Puls: Saitenförmig, dünn und schnell (Mai Xian Xi Shu).
Bausteine:
A Bereich der Leber-Leitbahn (Ganjing) Abb. 14.7
B Bereich der Herz-Leitbahn (Xinjing) Abb. 14.8
C Bereich der Dünndarm-Leitbahn (Xiaochangjing) Abb. 14.10
D Gemeinsames Aufsitzen (Shangma) Abb. 14.13
E Bauch (Fu) Abb. 14.4
F Die Wasserquelle Ni5 pressen (An Shuiquan) Abb. 14.19
Wirkung der Bausteine:
  • A+ B+ C: Feuer (Huo) in den FKHerz und Leber kühlend und auf diese Weise den FKNiere nährend befeuchtend

  • D+ E+ F: FKMilz kräftigend, Xue nährend und auf diese Weise Yin und Xue der FKLeber und Niere nährend befeuchtend.

Allergie aufgrund von Qi-Mangel (Qi Xu) der FKMilz und Lunge
Therapieprinzipien FKMilz kräftigen, FKLunge stützen (Bu)
Pathomechanismus: Diätfehler oder Einnahme von zu viel rohen und kalten Nahrungsmitteln schädigen das Yang der FKMilz und Magen, die ihre Aufgabe der Umsetzung und Verfeinerung der festen und flüssigen Nahrung nicht mehr ausführen können. Dadurch wird die Hervorbringung von Qi und Xue beeinträchtigt. Im Gefolge des Xue-Mangels (Xue Xu) entsteht einerseits innerer Wind (Nei Feng), andererseits wird der FKLunge von den FKMilz und Magen nicht ausreichend mit Verfeinertem befeuchtet und genährt. Dadurch wird auch das Lungen-Qi geschwächt (Qi Xu), das ihm zugeordnete Abwehr-Wei-Qi wird instabil, weshalb von außen Wind (Feng) eindringen kann. Dann verweilen von außen eingedrungener Wind (Wai Feng) und innerer Wind (Nei Feng) im Bereich von Haut und Muskulatur, was sich in einer Allergie manifestiert.
Klinische Zeichen: Monate- bis jahrelang wiederholt auftretende weißliche Pusteln, die besonders bei unregelmäßiger Ernährung auftreten, kein übermäßiger Juckreiz, blasser Teint, Schwäche und Erschöpfung, Verdauungsstörungen, Appetitmangel, bisweilen breiige Stühle, Erkältungsneigung, Husten; blasse Fingerlinie (Zhi Wen). Zunge: Rot, weißlicher Belag; Puls: Fein (Mai Xi).
Bausteine:
A Bereich der Milz-Leitbahn stützen (Bu Pijing) Abb. 14.6
B Bereich der Nieren-Leitbahn stützen (Bu Shenjing) Abb. 14.9
C Teich des Windes Gb20 (Fengchi) Abb. 14.3
D Einflusspunkt des FKLunge Bl13 (Feishu) Abb. 14.5
E Bauch (Fu) Abb. 14.4
F Dritter Weiler am Fuß Ma36 (Zusanli) Abb. 14.15
G Zusammenkunft der drei Yin Mi6 (Sanyinjiao) Abb. 14.16
Wirkung der Bausteine:
  • A+ B: FKMilz und Niere ergänzend (Bu) und erwärmend

  • C+ D+ E+ F+ G: FKMilz kräftigend, FKLunge ergänzend (Bu), Xue nährend, Wind (Feng) austreibend.

Unruhezustände
Therapieprinzipien FK Herz kühlen, Feuer (Huo) ausleiten, Geist-Shen beruhigen
Pathomechanismus: Kleine Kinder gelten als reines Yang, daher nimmt das Feuer des FKHerz leicht überhand.
Dann kann der FKHerz Shen nicht mehr beherbergen und das Kind findet keine Ruhe.
Klinische Zeichen: Unruhe, Rastlosigkeit, steter Bewegungsdrang, Konzentrationsschwäche, Albträume, häufiges Aufschrecken aus dem Schlaf, gefolgt von lang anhaltendem Weinen, Aphthen, spärliche, gelbliche Miktion. Zunge: Gerötete Zungenspitze, gelblicher Belag; Puls: Schnell (Mai Shu).
Bausteine:
A Zusammengelegter Bambus (Cuanzhu) Abb. 14.2
B Die Siegelhalle ausstreichen (Mo Yintang) Abb. 14.17
C Bereich der Herz-Leitbahn (Xinjing) Abb. 14.8
D Bereich der Dünndarm-Leitbahn (Xiaochangjing) Abb. 14.10
E Kleiner Himmelsmittelpunkt (Xiaotianxin) Abb. 14.11
F Palast der inneren Strapazen Pe8 (Neilaogong) Abb. 14.14
Wirkung der Bausteine:
  • A+ B+ E: Geist-Shen beruhigend

  • C+ D+ F: FK Herz kühlend, Feuer (Huo) ausleitend.

Stimmungsschwankungen
Stimmungsschwankungen aufgrund von Instabilität des FKHerz
Therapieprinzipien Schreckhaftigkeit beenden, Shen beruhigen
Pathomechanismus: Kleine Kinder neigen zu einer Schwäche des Shen, der FKHerz ist noch instabil. Wird er durch plötzliche starke, optische oder akustische Reize erschreckt, wird Shen weiter geschwächt (Xu), was sich in Stimmungsschwankungen manifestieren kann.
Klinische Zeichen: Stimmungsschwankungen, stetes Bedürfnis nach enger Nähe zur Mutter, unruhiger Schlaf, leichtes Aufschrecken aus dem Schlaf; rote Fingerlinie (Zhi Wen). Zunge: Rot, weißer Belag.
Bausteine:
A Zusammengelegter Bambus (Cuanzhu) Abb. 14.2
B Bereich der Leber-Leitbahn (Ganjing) Abb. 14.7
C Kleiner Himmelsmittelpunkt (Xiaotianxin) Abb. 14.11
D Gelenke der fünf Finger (Wuzhi Jie) Abb. 14.12
E Die Pforte des Shen He7 pressen (An Shenmen) Abb. 14.18
Wirkung der Bausteine:
  • A+ B+ C: Schreckhaftigkeit beendend

  • D+ E: Geist-Shen beruhigend.

Stimmungsschwankungen aufgrund von Disharmonie der FKLeber und Magen
Therapieprinzipien FKLeber lösen, FKMagen harmonisieren, FKMilz kräftigen
Pathomechanismus: Eine durch Diätfehler induzierte Schädigung der FKMilz und Magen kann dazu führen, dass der FKLeber seine Aufgabe des Lösens und Durchlässigmachens nicht mehr wahrnimmt, sodass die Gefühlsregungen, die diesem FK zugeordnet sind, aus dem Gleichgewicht geraten. In anderen Fällen wird dieses Gleichgewicht durch Veränderungen der Umgebung oder durch zu starke Einschränkungen gestört, was ebenfalls die FKMilz und Magen beeinträchtigt. Eine auf diese Weise hervorgerufene Disharmonie der FKLeber und Magen (Leber attackiert den Magen 11.11.19) äußert sich in Stimmungsschwankungen.
Klinische Zeichen: Stimmungsschwankungen, Zornesneigung, Schreien, träge Verdauung, Blähungen und Spannungsgefühl im Abdomen, breiige Stühle oder Obstipation; dunkelrote bis bläuliche Fingerlinie (Zhi Wen). Zunge: Rot, dicker weißer Belag.
Bausteine:
A Zusammengelegter Bambus (Cuanzhu) Abb. 14.2
B Die Siegelhalle ausstreichen (Mo Yintang) Abb. 14.17
C Bereich der Leber-Leitbahn (Ganjing) kühlen Abb. 14.7
D Kleiner Himmelsmittelpunkt (Xiaotianxin) Abb. 14.11
E Bauch (Fu) Abb. 14.4
F Dritter Weiler am Fuß Ma36 kneten (Rou Zusanli) Abb. 14.15
Wirkung der Bausteine:
  • A+ B+ C+ D: Qi regulierend, FKLeber lösend, Shen beruhigend

  • E+ F: FKMilz und Magen kräftigend.

Aufmerksamkeitsstörungen
Aufmerksamkeitsstörungen aufgrund von Feuer (Huo) im FKHerz
Therapieprinzipien FKHerz kühlen, Feuer (Huo) ausleiten, Geist-Shen beruhigen.
Pathomechanismus: Kleine Kinder gelten als reines Yang, daher nimmt das Yang des FKHerz leicht überhand, und es entsteht Feuer (Huo). Dann kann der FKHerz den Geist-Shen nicht mehr beherbergen, und das Kind findet keine Ruhe.
Klinische Zeichen: Konzentrationsstörungen, Rastlosigkeit, steter Bewegungsdrang, Albträume, häufiges Aufschrecken aus dem Schlaf, gefolgt von lang anhaltendem Weinen, Aphthen, spärliche gelbliche Miktion: Zunge: Gerötete Zungenspitze, gelblicher Belag; Puls: Schnell (Mai Shu).
Bausteine:
A Zusammengelegter Bambus (Cuanzhu) Abb. 14.2
B Die Siegelhalle ausstreichen (Mo Yintang) Abb. 14.17
C Bereich der Herz-Leitbahn (Xinjing) Abb. 14.8
D Bereich der Dünndarm-Leitbahn (Xiaochangjing) Abb. 14.10
E Kleiner Himmelsmittelpunkt (Xiaotianxin) Abb. 14.11
F Palast der inneren Strapazen Pe 8 (Neilaogong) Abb. 14.14
Wirkung der Bausteine:
  • A+ B+ E: Shen beruhigend

  • C+ D+ F: FKHerz kühlend, Feuer (Huo) ausleitend.

Aufmerksamkeitsstörungen aufgrund von Schwäche des Xue der FKHerz und Milz
Therapieprinzipien FK Milz kräftigen, Qi und Xue stützen (Bu) und mehren
Pathomechanismus: Wenn Diätfehler zu Milz-Qi-Mangel (Pi Qi Xu) führen und die Transformationsfunktion des FKMilz geschwächt wird, werden nicht mehr ausreichend Qi und Xue bereitgestellt. Dies führt zu einem Xue-Mangel im FKHerz (Xin Xue Xu), der den Geist-Shen nicht mehr beherbergen kann, weshalb das Kind Schwierigkeiten hat, sich zu konzentrieren.
Klinische Zeichen: Aufmerksamkeitsdefizit, gelblich weißer Teint, Schreckhaftigkeit, nächtliche Rastlosigkeit, Spannungsgefühl im Abdomen und Blähungen, breiige Stühle, Neigung zur Müdigkeit; blassrote Fingerlinie (Zhi Wen). Zunge: Blassrot, mit seitlichen Zahneindrücken, weißer Belag; Puls: Fein (Mai Xi).
Bausteine:
A Zusammengelegter Bambus (Cuanzhu) Abb. 14.2
B Bereich der Milz-Leitbahn (Pijing) Abb. 14.6
C Kleiner Himmelsmittelpunkt (Xiaotianxin) Abb. 14.11
D Bauch (Fu) Abb. 14.4
E Zusammenkunft der drei Yin Mi6 (Sanyinjiao) Abb. 14.16
F Dritter Weiler am Fuß Ma36 (Zusanli) Abb. 14.15
Wirkung der Bausteine:
  • A+ C: Geist-Shen beruhigend

  • B+ D+ E+ F: FKMilz und Magen kräftigend, Xue des FKHerz nährend.

Akupunktur und relevante Verfahren

Sieglinde Wilz, Ruthild Schulze
In diesem Abschnitt wird v.a. die Akupunktur bei Kindern abgehandelt. Dabei geht es insbesondere um die Nadelung kleiner Kinder auf eine kindgerechte Weise. Noch in den 1980er Jahren hielt man Akupunktur im deutschsprachigen Raum für eine Methode, die für die Therapie von Kindern eher ungeeignet ist. Unser besonderer Dank gilt Julian Scott und Teresa Barlow aus Großbritannien sowie Alex Tiberi aus den USA, die seit 1998 ihre breite Praxiserfahrung in der Behandlung von Kindern mit Akupunktur in Seminaren und Büchern auch im deutschsprachigen Raum verbreiten und die Therapeuten dazu ermutigt haben, die Kinderakupunktur in den Praxen als festen Bestandteil zu etablieren.

Die überraschende Erfahrung ist: Bei guter Technik reagieren Kinder nicht nur sehr schnell und gut auf die Akupunktur, sie mögen sie auch!

Neben der Einführung in die Akupunkturtechnik und Modalitäten der Nadelung bei Kindern (14.5.1) beinhaltet dieser Abschnitt eine knappe Darstellung weiterer akupunkturrelevanter Verfahren (14.5.2), die sich bei Kindern gut eignen.

Kinderakupunktur

Vorraussetzungen
Die innere und äußere Haltung des Akupunktierenden
Wie eigentlich in jedem Fall sollte die innere und äußere Haltung des Akupunktierenden klar, ehrlich und konzentriert sein. Der Umgang mit Kindern in der Praxis erfordert ein flexibles und spontanes Reagieren. Jede Unsicherheit oder Unklarheit des Therapeuten überträgt sich unmittelbar auf die Kinder und stört die Situation sowie die therapeutische Beziehung. Unabdingbare Vorrausetzung der Kinderakupunktur sind daher Erfahrung und Beherrschung der Nadeltechnik, die schmerzfreies Nadeln ermöglichen (14.5.1.f). Nur dann kann der Therapeut die nötige Sicherheit in sich spüren und ausstrahlen, sodass sie sich auf Kind und Eltern überträgt und diese sich gut aufgehoben fühlen können. Unter dieser Voraussetzung kann der erste Stich für das Kind auch eine angenehme Erfahrung darstellen: Es geht schnell, es tut nicht weh und danach geht es mir gut.
Praxisvoraussetzungen
Die Praxis sollte so eingerichtet sein, dass es möglich ist, auf die Bedürfnisse der Kinder einzugehen. Wiederkehrende Abläufe und Gegenstände (Pulskissen, der Spiegel bei der Zungendiagnose, Tupferspender, Nadelabwurf) ordnen und ritualisieren den Ablauf der Behandlung und erinnern daran, worum es geht: Um die Akupunktur. Die Wiederholungen geben dem Kind (wie auch den Eltern) Sicherheit und erleichtern die Zusammenarbeit.
Umgang mit den Eltern
Die Eltern, die das Kind in die Praxis begleiten, sind eine große Hilfe und Unterstützung, da sie die wichtigsten Vertrauenspersonen und Zeugen ihres Kindes sind. Zeigen und dokumentieren sie ihr Einverständnis mit der Nadelung, so unterstützt dies Kind und Akupunkteur. Darüber hinaus halten sie ihr Kind bei der Akupunktur im Arm oder auf dem Schoß, sodass diese sich gut beschützt fühlen können.
Bei kleineren Kindern, die auf dem Schoß der Eltern genadelt werden, unterstützen diese die Behandlung durch Umkleiden des Kindes und entspanntes Festhalten der Extremität, die nicht genadelt wird. So kann sichergestellt werden, dass das Kind nicht durch schnelle Bewegungen die Nadelung stört bzw. gefährdet. In der Praxis ist Interessanterweise zu beobachten, dass bei entsprechender Vorbereitung ein wirkliches Festhalten meist nicht nötig wird.
Ältere Kindern sollten selbst bestimmen können, welche Rolle die Eltern in der Praxis bzw. in der Akupunkturbehandlung spielen sollen. Denn auch die Aussage allein zur Akupunktur gehen zu wollen, spielt unter Umständen eine wichtige Rolle im therapeutischen Prozess. Auch die Erwachsenen-Behandlungsliege (cave: Beim Klettern die Unfallgefahr beachten) ist für viele Kinder ein interessanter Ort.
Umgang mit den Kindern, Heranführung an die Nadelung
Die Zusammenarbeit mit dem Kind bei Diagnostik und Anamnese, beginnend mit der Wertschätzung durch eine kindgerechte Begrüßung und direkte Ansprache, ermöglicht einen leichten Übergang zur Nadelung. Bei der Erstanamnese ist viel Zeit dafür einzuplanen, ein Vertrauensverhältnis zu dem Kind aufzubauen und es langsam an die Nadeln heranzuführen. Ist Akupunktur angezeigt, das Kind aber scheu, kann nur die überzeugende Haltung des Akupunkteurs das Kind zu einem ersten Versuch bringen. Manche Kinder mögen es, die Nadelung bei einem Kuscheltier oder einer Puppe zu sehen, bevor sie selbst genadelt werden. Der Behandler sollte flexibel und kompromissbereit sein, dabei aber nachhaltige Ausweichmanöver erkennen. Eine Ankündigung, wie die Sitzung ablaufen soll und Wiederholungen bezüglich der Diagnostik (Zungendiagnose, Pulsdiagnose, Tastung der Lymphknoten und des Bauches) und der Handgriffe bei der Akupunktur selbst (Tupfer, Nadel, Nadelabwurf) erleichtern es dem Kind, mit dem Akupunktieren vertraut zu werden.
Kinder, die dem Nadeln stark abgeneigt gegenüberstehen und sehr ängstlich sind, sollten beim ersten Mal eine andere Methode als Alternative angeboten bekommen. Bei den nachfolgenden Terminen können sie dann langsam mit der Akupunkturnadel vertraut gemacht werden, z.B. durch Anfassen und Berühren einer Akupunkturnadel oder indem sie diese mit der Lupe untersuchen, einen eigenen Tupfer bekommen etc. Der Behandler sollte dabei allerdings weiterhin die Nadelung im Fokus haben und als Ziel anvisieren. Vorsichtige Streichungen mit der Nadelrückseite und Nadelspitze helfen dem Kind, Zutrauen zu dem Instrument und dem Behandler zu bekommen.
Bei der eigentlichen Nadelung muss der Akupunkteur die Akupunkturstelle schnell und sicher lokalisieren und die entsprechende Extremität bzw. Stichstelle für die Dauer der Nadelung fixieren. Das Kind bereitet er auf den eigentlichen Einstich vor, indem er den Zeitpunkt angibt, wann er wirklich einstechen wird, z.B. durch einen Abzählreim, durch die Angabe Auf die Plätze – fertig – los oder durch Pusten beim Einstich. Die Nadelung selbst ist von relativ kurzer Dauer (14.5.1.f). Sollte das Kind dennoch weinen, könnte es an der Technik des Akupunkteurs liegen. Das Weinen kann jedoch auch der Ausdruck für das De-Qi-Gefühl sein (kein Schmerz), das für das Kind ungewohnt ist. Es ist wichtig, dass Behandler und Eltern zulassen, dass sich das Kind ausdrücken kann, anstatt schnell darüber hinwegzugehen. Die Eltern sollten das Kind in dieser Situation weder vom Behandler wegdrehen, noch zu schnell trösten oder ablenken. Dieses Vorgehen bewahrt eine freie und klare Haltung und Beziehung zwischen Akupunkteur und Kind.
Modalitäten der Akupunktur
Alter des Kindes
Bei Kindern unter drei Monaten ist Akupunktur unüblich. Die Therapie über die Mutter (z.B. unterstützende Arzneitherapie oder Diätetik bei stillenden Müttern), Akupressur und das Halten von Punkten, Leitbahn-Massagen (14.5.2.d), Kinder-Tuina (14.4) und Shnishin-Massagen (14.5.2.a) erzielen bereits tiefgreifende Wirkungen.
Rückblickend auf die Schwangerschaft ist immer zu erwägen, ob die Symptome des Kindes (im Alter ab Geburt bis normalerweise zehn Monate) als Balancierung von körperlichen Erscheinungen und Beschwerden oder des seelischen Befindens der Mutter während der Schwangerschaft zu verstehen sind (Vorhimmels-Nachhimmels-Parallele 13.14). In diesem Fall ist nach Abwägung der Sorgfaltspflicht häufig ein beobachtendes Abwarten angezeigt bzw. die Anregung der Eltern, das in der Schwangerschaft Erlebte weiter bzw. auch tief greifender zu verarbeiten.
Eine Akupunkturbehandlung von Kleinkindern empfiehlt sich ab dem fünften bzw. sechsten Lebensmonat, wenn nach der Physiologie der Wandlungsphasen in der Nachhimmelszeit (13.14) die Erdezeit durchlaufen ist. Dann ist der Säugling in seiner Mitte stabiler, und es ist zu erwarten, dass er die Akupunkturreize gut integrieren kann.
Nadel-Verweildauer (Tab. 14.15)
Auch bei der Kinderakupunktur geht es um die Auslösung des De-Qi (Ankommen des Qi 2.3.1). Es liegt in der Natur von Kindern, dass sich das De-Qi i.d.R. sehr schnell einstellt. Die Nadel kann dann entweder sofort oder nach einer kurzen, gezielten Stimulation mithilfe der entsprechenden Techniken (14.5.1.f) entfernt werden. Die Einstichstelle wird mit einem Tupfer verschlossen.
Das De-Qi von Kindern zeigt sich je nach Diagnose, Kind, Punkt und Behandlungsziel in einer Entspannung des Körpers, einer Tonuserhöhung der genadelten Extremität, in einem Stimmungswechsel, in seinem Blick oder auch in einer kurzen Trance von ca. 1–2sec Dauer.
Bis zum Alter von sieben Jahren muss die Nadel nicht unbedingt im Punkt verbleiben. Bei Kindern, die Akupunktur mögen, kann die Verweildauer von einigen Minuten zum Tonisieren des Qi genutzt werden.
Punktauswahl
Das Repertoire der bei Kindern eingesetzten Akupunkturpunkte ist relativ klein. Es werden Qi-reiche Punkte mit breitem Wirkspektrum, mit Vorliebe an den Extremitäten, verwendet wie z.B. Ma36, Di4, Lu9 und7, Mi6 etc.
Nach Julian Scott (Scott/Barlow 2003) ist bei Kindern unter drei Jahren die Auswahl der Punkte weniger wichtig als die richtige Punktstimulation, die vom Qi-Zustand des Kindes abhängig ist.
Punktlokalisation
Die Punkte sind auch am kindlichen Körper nach den Regeln der Definition von Cun-Maßen aufzufinden. Die Punktlokalisation muss sehr schnell erfolgen, weil kleine Kinder nicht gern stillhalten. Ihr Qi ist normalerweise rund um den Punkt im Sinne einer Zone gut ansprechbar.
Punktanzahl
Da Kinder sehr reaktiv sind, reichen i.d.R. ein bis zwei Punkte pro Sitzung aus. In manchen Fällen überfordern bereits drei Punkte das Kind, selbst bei einseitiger Nadelung. Ausnahme: Nur bei kindlichen Lähmungen ist aus Praxis und Literatur bekannt, dass viele Nadeln eingesetzt werden und helfen.

Zeichen einer Überstimulation durch Akupunktur sind:

  • Torkeln (das Kind ist wackelig auf den Beinen)

  • Das Kind befindet sich mehr als drei Sekunden lang in einer Art Trance.

Faustregel

Ein bis zwei Punkte pro Sitzung.
Sowohl bei stärkenden (tonisierenden) als auch ableitenden (sedierenden) Behandlungen kann einseitig und/oder bilateral genadelt werden. Viele Kinder halten einem Behandler sogar von sich aus die zweite Extremität zur Weiterbehandlung hin, nachdem die erste genadelt wurde.
Therapiefrequenz
Bei akuten Beschwerden empfiehlt sich eine Therapiefrequenz von zweimal täglich bis zweimal wöchentlich. In sehr akuten Situationen wie z.B. bei akutem Fieber oder Krampfleiden, ist sogar eine stündliche Nadelung angezeigt. Bei chronischen Erkrankungen und zur Konstitutionsbehandlung genügen wöchentliche Akupunktursitzungen.
Therapieverläufe/prophylaktische Terminierung
Eine Therapie bei Kindern führt häufig überraschend schnell zum gewünschten Ziel. Ein Kontrolltermin ist trotzdem empfehlenswert, um mittels Puls-, Zungen-, Zeigefingervenendiagnose (4.1.6, 4.1.7) wie auch ggf. Lymphknotenkontrolle die Nachhaltigkeit der Behandlung zu überprüfen. Bei chronischen Beschwerden und unter Berücksichtigung der kindlichen Entwicklungsstufen empfiehlt sich unter Umständen das Einbestellen zur Weiterbehandlung in einem bestimmten Alter, z.B. mit sechs Jahren (also im siebten Lebensjahr) zur Vorbereitung des Wechsels in das zweite Lebensjahrsiebt.
In der Praxis hat sich zudem eine Terminvereinbarung im Abstand von ca. drei Monaten zur Prophylaxe von Rückfällen schwergradiger Erkrankungen bewährt. Zu diesem Zweck werden Eltern und Kinder zu einem Zeitpunkt, der etwa 90Tage nach dem Vorfall (Unfall oder heftige Erkrankung) liegt (noch besser eine Woche früher), in die Praxis gebeten. Eine einfache, oft stärkende Behandlung hilft, Rückfälle zu vermeiden.

Praxistipp

Prophylaxe-Tipp aus der Kindersprechstunde: Infektanfälligkeit und allgemeine Lungenschwäche können effektiv zu Beginn der Metallzeit (ab Mitte August) behandelt werden.
Nadelmaterial
Empfehlenswert ist die Verwendung feiner Nadeln, z.B. auch von Ohr-Akupunkturnadeln.
Empfehlung für Nadelgrößen:
  • Für die Nadelung ohne Führungsrohr: 0,20–0,22mm Dicke, 13–15mm Länge, bei älteren Kindern evtl. auch länger

  • Für die Nadelung mit Führungsrohr: 0,16–0,20mm Dicke, 13–15mm Länge.

Der Vorteil dieser relativ kurzen Nadeln ist, dass sie zwischen den Fingern der Behandler fast verschwinden können und bei ängstlichen Kindern nicht so sehr in den Blickpunkt geraten. Wird eine Nadel mit Führungsrohr benutzt, bedeutet dies, dass ein weiterer Gegenstand (das Rohr) hinzugenommen und ein zusätzlicher Handlungsschritt (Aufsetzen des Röhrchens und Eintippen der Nadel durch das Röhrchen) durchgeführt wird. Das kann als Nachteil, aber auch als Vorteil gesehen werden. Bei manchen Kindern wirkt das Hantieren mit dem Röhrchen störend, bei anderen hilfreich. Strategisch geschickt kann es sein, wenn das Kind das Röhrchen übernimmt, wodurch es noch mehr in seine Nadelung eingebunden wird.

Nicht die Nadeldicke oder das Einführröhrchen gewährleisten die Schmerzfreiheit, sondern die qualifizierte und adäquate Nadeltechnik (14.5.1.f) des Akupunkteurs.

Nadeltechniken
Die Nadelung sollte schnell und schmerzfrei sein. Vorraussetzungen dafür ist eine qualifizierte Nadeltechnik mit lockerem Handgelenk der Hand, die die Nadel führt. Sollte es möglich sein, ohne Unterbrechung einen Punkt nach dem anderen zu stechen, genügt es, eine einzige Nadel für alle Punkte einer Sitzung zu verwenden.
Einstich: Bei Verwendung von Einführröhrchen (14.5.1.e) ist eine schnelle und sichere Handhabung der Abfolge wichtig. Nach der Nadelung sollte das Röhrchen sofort entfernt werden, um die Nadel greifen, bewegen und das De-Qi auslösen zu können. Vorteil einer Nadelung ohne Röhrchen: Zwischen dem Nadeleinstich und der eigentlichen Stimulation bestehen keine Zwischenschritte wie das Entfernen des Führungsröhrchens. Ziel ist es, schnell durch die Haut und flüssig in den Kontakt mit dem Qi des Punktes zu kommen.
Stimulation: Die Diagnose nach Fülle oder Leere (4.2.1) bestimmt vor jeder Behandlung eines Kindes neu die anzuwendende Stimulationstechnik.
Tonisieren und Sedieren: Die Vorstellung und Konzentration des Behandlers ist die maßgebliche Kraft, wenn tonisiert oder sediert wird:
  • Tonisieren (Qi stärken, zuführen): Senkrecht einstechen, im Uhrzeigersinn (<180) rotieren, dabei das Qi ein wenig heben, danach konzentriert und betont die Nadel senkend zum De-Qi hin arbeiten, ca. 10–15sec lang. Die Bewegungen sind sanft und langsam. Die Nadel langsam und umsichtig entfernen, die Einstichstelle mit einem Tupfer abdecken

  • Sedieren/Zerstreuen (Ausleiten bzw. Ableiten): Die Intention ist von der Fülle weggewandt. Es handelt sich um eine etwas stärkere Nadelstimulation mit Drehungen gegen den Uhrzeigersinn, wobei das De-Qi konzentriert nach außen hochgehoben oder -gezogen wird. Die Nadel danach schnell entfernen

  • Bewegen (Qi in der Leitbahn bewegen): Diese Methode wird verwendet, um das Qi in der Leitbahn zu einem bestimmten Organ zu bewegen. Dabei ist es besonders wichtig, eine genaue Vorstellung von dem Ort und den Wegen zu dem Ort zu haben, zu dem das Qi bewegt werden soll. Leichte Nadelbewegungen, Heben und Senken gleichermaßen mit der Vorstellung des Weges zum Wirkort (z.B. die Leitbahnen dorthin). Der Tupfer beendet die Behandlung.

Kinder mit Fülle müssen mit bewegenden oder zerstreuenden Reizen behandelt werden, Kinder mit Leere müssen tonisierend behandelt werden, dies gilt auch, wenn pathogene Faktoren im System vorhanden sind!

Akupunktur-relevante Verfahren

Geeignete nicht invasive Verfahren zur Ergänzung oder als Alternative zur Akupunktur: Kinder-Tuina (14.4), Shnishin (14.5.2.a), Moxibustion (14.5.2.b), Gua Sha (14.5.2.c), Meridian-Massagen (14.5.2.d), Akupressur (14.5.2.e), Samenkornpflaster und Metallkügelchen (14.5.2.f).
Shnishin
Shnishin (shni Kleinkind, shin Nadel) kommt aus der japanischen Akupunktur und wird oft als Kinderakupunktur bezeichnet. Dabei werden Körperregionen und Leitbahnen mit verschiedenen Instrumenten geklopft und gestrichen. Shnishin ist eine Therapie zur Stärkung und Regulation des Qi mit schnellem Wirkungseintritt. Das Qi wird angeregt und in Zirkulation gebracht. Shnishin ist eine gute Vorbehandlung für die Akupunktur. Es ist aber auch als alleinige Methode zur Gesunderhaltung und Behandlung von Krankheiten geeignet.
Hilfsmittel: Löffelähnliche Instrumente aus Glas, Horn, Jade und Metall. Variationen mit Metallkugelschreiber, Perlmutt- oder Hornbesteck.
Techniken des Shnishin: Mit den Instrumenten wird in bestimmten Körperregionen oder an Meridianen entlang geklopft, gestrichen, gerieben und gedrückt:
  • Klopfen: Schnelles rhythmisches Klopfen, ca. 100–200-mal/min

  • Streichen: Streichen der Haut – beim Säugling 13-mal, beim älteren Kind 4–5-mal – max. 30sec pro Region, bis die Haut glänzt oder sich leicht rötet

  • Reiben: Stärkere Stimulation mit der Kante des Instruments

  • Drücken: Leichte Stimulation mit Druck

  • Akupunktieren: Zum Abschluss der Behandlung kann die Nadelung wichtiger Punkte erfolgen.

Alter: Geeignet für Kinder bis zum ersten Entwicklungstor (7oder 8Jahre), bei Nadelangst auch länger.
Behandlungsdauer und -Frequenz: Einzelne Sitzung 5–10min, entweder vor jeder Akupunkturbehandlung oder als alleinige Behandlung wie folgt: An 5aufeinanderfolgenden Tagen tägl. 1-mal, Wiederholung nach 4Wo möglich, bis zu 3-mal/Jahr als Kur.
Kontraindikationen: Erhöhte Temperatur ab 37,8C (nie bei Fieber anwenden!).
Mögliche Nebenwirkungen: Temperaturanstieg und Durchfall.
Überdosierung: Schweißausbruch. Wenn das Qi zu stark gesenkt wurde, ist das Kind hinterher müde und erschöpft. In diesem Fall müssen Technik und Dosis der Behandlung angepasst werden.

Shnishin-Behandlungsbeispiel (modifiziert nach Tiberi 2008)

  • 1.

    Unterarm: Erst leichtes Klopfen, auf der ganzen Innenseite, danach die Leitbahnen entlang streichen:

    • Lunge: Gegen den Leitbahnverlauf, nach oben; klärt Pathogene

    • Perikard: Gegen den Leitbahnverlauf, nach oben; klärt Fülle-Hitze und beruhigt den Geist-Shen; fördert den Schlaf

    • Dünndarm: Gegen den Leitbahnverlauf, nach unten; reguliert die Verdauung, beseitigt Stagnationen

  • 2.

    Brust (bringt Luft in die Lunge, senkt das Magen-Qi):

    • Lu1 (Zhongfu): Klopfen

    • Sternum: Abwärts Streichen

  • 3.

    Abdomen: Im Uhrzeigersinn klopfen, dann Magen-Meridian nach unten streichen

  • 4.

    Oberschenkel:

    • Milz-Meridian: Streichen gegen den Verlauf, abwärts; reduziert Feuchtigkeit und Schleim, unterstützt die Milz

    • (Bei Enuresis (13.5.5 aufwärts streichen!)

  • 5.

    Unterschenkel:

    • Magen-Meridian: Streichen mit der Leitbahn-Richtung abwärts; tonisiert Milz und Magen

    • Mi3 (Taibai): Klopfen

  • 6.

    Rücken

    • Du Mai abwärts streichen

    • Zwischen den Schulterblättern von innen nach außen streichen

    • Rücken-Shu-Punkte (5.9.4) klopfen (stärkere Stimulation, hebt das Qi, entspricht einer allgemeinen Tonisierung)

  • 7.

    Kopf:

    • Klopfen am Hinterkopf, bei Du16 (Fengfu), Gb20 (Fengchi), Bl10 (Tianzhu), Ex-HN (Anmian) (Du16 reguliert die Gehirnfunktion, Anmian reguliert den Geist-Shen)

    • Du20 klopfen

    • Region um die Ohren klopfen

    • Vorderer Haaransatz, Ma8 (Touwei), Du23 (Shangxing), Gb15 (Toulinqi): Stimulieren Augen, Ohren und Nebenhöhlen.

Moxibustion (5.1.8)
Moxibustion wird bei Kindern häufig eingesetzt. Bei der Moxibustion von Kleinkindern ist zur Sicherheit eine assistierende Bezugsperson (z.B. ein Elternteil) erforderlich, da der Behandler bei der Durchführung der Moxibustion mit beiden Händen agieren muss.
Technik: Empfehlenswert und in der Praxis bewährt ist das indirekte Moxen mit der Moxazigarre (5.1.8; Abb. 5.9). Dabei werden Zeige- und Mittelfinger einer Hand zu einemV gespreizt und so auf die Haut des Kindes gelegt, dass der zu erwärmende Punkt zwischen beiden Fingern zu liegen kommt. Mit der anderen Hand wird die Moxazigarre/-rolle/-stange mit der Vogelpickmethode auf den Punkt zu bzw. wieder weggeführt. Die beiden V-förmig gespreizten Finger dienen dabei der Kontrolle der Erwärmung der Haut: Hält die erreichte Wärme an dem Punkt an und lässt die Intensität der Hauttemperatur über 10sec nicht nach, ist die Anwendung zu beenden. Während der Moxibustion ist es möglich, die Wärme durch die testenden Finger sanft in die Haut und zu dem Punkt zu streichen. Bei größeren Kindern ist auch das indirekte Moxen auf einer Ingwerscheibe praktikabel. Julian Scott und Teresa Barlow beschreiben die Anwendung von Knoblauch als Moxibustion ohne Hitze, z.B. bei Tonsillitis für 2h auf Di4 (Hegu) als Pflaster appliziert (Scott/Barlow 2003).
Indikationen: Bei Kälte- und Schwäche-Zuständen, Yang-Mangel, Milz-Qi-Mangel, Nieren-Schwäche.
Kontraindikationen: Fülle-Hitze-Zustände, Nahrungsstagnation, Schwitzen des Kindes bei der Behandlung, anhaltendes Hitzegefühl am gemoxten Punkt.
Dauer der Moxibustion mit der indirekten Technik (Moxazigarre, -rolle oder -stäbchen):
  • 1min pro Punkt bei Babys

  • 2–3min pro Punkt bei 2–5-Jährigen

  • 2–5min pro Punkt bei Kindern ab fünf Jahren.

Wichtige Punkte, die bei Kindern oft gemoxt werden:
  • Ren12 (Zhongwan) bei Milz-Qi-Mangel und Kälte im mittleren Jiao

  • Rücken-Shu-Punkte (5.9.4), v.a. Bl13, 20, 23 bei Schwäche oder Kälte des jeweiligen FK

  • Ni1 (Yongquan) bei Nieren-Mangel-Syndromen wie Nieren-Qi-, -Yin- und -Jing-Mangel

  • Bl23 (Shenshu) bei Nieren-Qi-, -Yang- und -Jing-Mangel.

Gua Sha (5.1.7)
(Gua Kratzen, Schaben, Sha rötlicher, erhabener Hautausschlag, Stockung von Blut, bevor oder nachdem ein Hautausschlag entsteht. Sha ist auch ein Synonym für schädigende, krank machende Energie (Pathogen); es bedeutet auch Sich nicht bewegen können, steif (Beschreibung der Technik 5.1.7).

Gua Sha sollte bei Kindern nur sehr sanft angewendet werden. Bei dem ersten Auftreten von Petechien ist die Anwendung zu beenden.

Ausübung des Schabe-Reizes bis zum Erscheinen flächiger Hämatome nur bei relativ stabilen Kindern ab fünf Jahren und Befunden mit viel Schleim, z.B. bei Bronchitis.

Gu Sha eignet sich einerseits zur Diagnostik der Reaktionsweise des Kindes. Diese wird nach dem Schaben erfragt und die Hautreaktion bewertet, bevor Akupunktur angewendet wird. Darüber hinaus wird Gu Sha auch therapeutisch eingesetzt (Tab. 14.17).
Hilfsmittel: Hautöl zum Schutz der Haut vor Abschürfungen (traditionell Erdnussöl, empfehlenswert und in der Praxis bewährt haben sich jedoch v.a. Calendula- und Lavendel-Pflegeöl). Wichtig: Ein ätherisches Öl nie allein, sondern immer in Kombination mit einer öligen Trägersubstanz verwenden. Zum Schaben werden abgerundete Instrumente aus Horn, Metall oder Porzellan genutzt, z.B. Suppenlöffel oder Münzen. In der Kindersprechstunde eignen sich besonders chinesische Suppenlöffel mit bunten Ornamenten und Bildern, die man den Kindern zur Auswahl anbieten kann.
Technik: Das Schabeinstrument im 30-Winkel zur Haut auf die Haut über der entsprechenden Region ansetzen und mit stabilisiertem Handgelenk auf und ab bewegen. Dabei die Betonung des Schabens am Rumpf immer nach kaudal, an den Extremitäten immer nach distal richten. Die Rückführung des Instruments ohne Druck vollziehen, dabei aber weiter den Hautkontakt behalten.
Wirkung: Das Blut tritt bei der Anwendung von Gua Sha aus dem Gewebe und bildet petechiale Blutungen, wodurch die Blutstagnation, die sich im Gewebe befindet, sichtbar wird. Sollten beim Gua Sha keine Petechien, sondern nur Rötungen entstehen, ist davon auszugehen, dass in der Tiefe keine Blutstagnation besteht. Treten im Verlauf eines Behandlungszyklus keine Petechien beim Schaben mehr auf, ist das Ziel der Behandlung erreicht worden, die Blutstagnationen wurden gelöst (Tab. 14.16). Gua Sha befreit die Oberfläche und löst Schmerzen auf. Es wirkt sofort in die Tiefe, die Zirkulation wird direkt normalisiert, und metabolische Prozesse werden angeregt. Es können akute und chronische Prozesse beeinflusst und behandelt werden (Tab. 14.17). Da Pathogene und pathogene Restfaktoren auf die Leitbahnebene transportiert werden, können sie besser bewegt und ausgeleitet werden.
Kontraindikationen: Kein Gua Sha über frischen Wunden, Abschürfungen, Sonnenbrand, Hautausschlägen, Ekzemen, Leberflecken und Pickeln. (Bei Leberflecken/Pickeln ist eine Gua-Sha-Behandlung möglich, wenn die betreffenden Stellen durch Abdecken z.B. mit einer Hand geschützt werden). Vorsicht ist geboten bei Kindern mit Mangel-Mustern. Cave: Wiederholung der Gua-Sha-Behandlung über der gleichen Region erst nach vollständigem Verschwinden der Petechien.
Meridian- und Leitbahn-Massagen
Die Massage entlang ganzer Leitbahnen und einzelner Punkte ist hilfreich bei der Behandlung von Kindern. Dies kann durch leichten Fingerdruck, ohne Instrumente, mit und ohne Körperöl geschehen. Die passende Auswahl des Körperöls kann das Erreichen des Behandlungsziels unterstützen. Z.B. harmonisiert Fenchelöl die Mitte, wärmt und entspannt, ebenso kann Kümmelöl eingesetzt werden bei starken Blähungen im Abdominalbereich.
Akupressur
Als Ersatz oder Ergänzung zur Akupunktur (14.5.1) werden ausgewählte Punkte mit tonisierenden, sedierenden oder bewegenden Berührungen gehalten bzw. durch (Finger-)Druck gereizt. Jede Stimulation hat dabei das Auslösen des De-Qi zum Ziel.
Samenkornpflaster und Metallkugeln
Durchführung: Verwendet werden können z.B. selbst gebastelte Hirsekorn-Pflaster (ein Hirsekorn unter quadratischem Heftpflaster mit abgerundeten Ecken) oder im Handel erhältliche Metallkugel-Pflaster (Tab. 14.18). Diese werden auf die ausgewählten Akupunkturpunkte appliziert. Die Applikation von Samenkornpflastern bzw. Metallkugeln dient der Wirkungsverlängerung der Akupunktur und ermöglicht größere zeitliche Abstände zwischen den Akupunktursitzungen. Die Anwendungen wirken i.d.R. sanft und können unter Umständen sogar bei sehr ängstlichen Kindern oder aber bei einer unklaren Symptomlage die Akupunktur ersetzen. Bei Säuglingen verbleiben die Pflaster für 30–60min, bei älteren Kindern bis zu 2Tagen.
Kontraindikationen für den Einsatz von Plastern im Allgemeinen sind Fieber und andere hochakute Zustände, Hautirritationen, Hauterkrankungen im entsprechenden Areal und Pflaster- bzw. Materialunverträglichkeiten. Cave: Eine Applikation, die länger als zwei Tage dauert, kann zu Hautverletzungen und Entzündungen führen. Deshalb unbedingt die Bezugspersonen darauf hinweisen, die Pflaster entsprechend rechtzeitig zu entfernen.

Qigong bei Kindern

Claudia Focks
In der chinesischen Tradition sind keine spezifischen Qigong-Übungen für Kinder beschrieben. Im Westen gibt es jedoch mehrere Berichte über Qigong mit Kindern, die zeigen, wie kindgerechtes Qigong den Kindern zu innerer Stabilität und Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten verhelfen und ihnen ein Gefühl für ihre Ganzheit vermitteln kann (vgl. Bohlayer 2008). Die Kombination aus Konzentration, bewusstem Atmen und Bewegung beim Qigong führt bei Kindern zu innerer Ruhe und Ausgeglichenheit.
Es gibt jedoch spezifische Besonderheiten bei Kindern und Heranwachsenden, die bei der Vermittlung, Auswahl und Anpassung der Qigong-Übungen berücksichtigt werden müssen.
Altersgerechte Qigong-Übungen
  • Bei Kindern im Vorschulalter (vier bis fünf Jahre) sollte die Vermittlung der Übungen der kindlichen Natürlichkeit und Auffassungsgabe angepasst werden. Dabei ist es wichtig, den Kindern einen spielerischer Zugang zu ermöglichen und die Übungen in phantasievolle Geschichten einzubetten. In dieser Altersgruppe finden sich oft Störungen im Magen-Darm-Trakt durch Milz-Schwäche oder Infektanfälligkeit aufgrund einer Schwäche in FK Lunge und Milz. Daher sind v.a. öffnende und schließende Bewegungen und eine Zentrierung zur Mitte angezeigt

  • Bei Qigong-Übungen mit Kindern zwischen sechs und zehn bzw. zwölf Jahren können bereits differenziertere Vorstellungsbilder in die Übungen mit einfließen wie die Verwurzelung eines Baums oder verschiedene Tiere. Diese Altersgruppe hat v.a. Probleme mit Lernstörungen, Hyperaktivität, Konzentrationsstörungen und im Sozialverhalten. Daher sind für diese Kinder besonders Übungen geeignet, die zu einer inneren Stabilität beitragen. Dies kann über zentrierende Bewegungen und Haltungen gefördert werden sowie über Übungen, sich zu verwurzeln

  • Die Pubertät (ab ca. 12Jahren bis ca. 15Jahre) ist eine Zeit großer körperlicher und seelischer Veränderungen und oft durch eine größere seelische Empfindlichkeit und durch Stimmungsschwankungen charakterisiert. Qigong bietet den Heranwachsenden in dieser labilen Phase eine geeignete Möglichkeit, sich mithilfe von geistiger und körperlicher Ruhe und Entspannung selbst zu regulieren.

Spezielle Übungen und Erfahrungen
  • Durch die Grundbewegungen des Steigens und Sinkens im Qigong erfahren Kinder, dass es kein Steigen ohne Sinken gibt und umgekehrt. Alle Bewegungen kehren in die Mitte als Zentrum jeder Bewegung zurück. Das Öffnen und Schließen betont den Prozess von Entfaltung und Zusammenziehen. So wird einerseits die eigene Entfaltung, die Fähigkeit, sich auszudehnen und sich im Raum wahrzunehmen erfahrbar gemacht, andererseits aber auch die Grenzen der Entfaltung, das Sich-(wieder)-Zurücknehmen, das Einsammeln und das Zentrieren zur Mitte

  • Körperhaltungen in paralleler und diagonaler Ausrichtung können ebenfalls dazu beitragen, die eigene Lage im Raum bewusster wahrzunehmen

  • Die Vorgabe des richtigen Maßes als Übungsprinzip schult die Kinder und Heranwachsenden einerseits darin, ihre eigenen Fähigkeiten zu erkennen, und andererseits die eigenen Grenzen zu respektieren. Durch den Wechsel von Anspannung und Entspannung wird die Konzentration gefördert. Dieses Gefühl der Konzentrationsfähigkeit kann langfristig in den Alltag übernommen werden

  • Das Stehen zwischen Himmel und Erde sowie das Sitzen in Stille regulieren sowohl die körperliche Haltung als auch die innere Haltung und richten innerlich auf

  • Es hat sich bewährt, wenn Eltern mit ihren Kindern gemeinsam Qigong praktizieren. Durch das miteinander Üben und das Atmen im Gleichklang können die Beteiligten einen entspannten Gleichklang auf der Bewusstseinsebene erreichen, was zu einem harmonischen Familienleben beitragen kann.

Häufige Störungen bei Kindern

Claudia Focks

Therapeutische Grundsätze

Kinder wollen und können ihr System meist selbst regulieren.
  • Leitfrage: Ist das Kind in seinem aktuellen Zustand fähig zur Eigenregulation und wie kann es unterstützt werden?

  • Akute Erkrankungen können sich bei Kindern schnell verschlimmern (z.B. schnelle Entwicklung von Hitze), daher regulierende therapeutische Maßnahmen möglichst früh einsetzen

  • Bei Kindern ist meist keine starke, therapeutische Information nötig, da sie noch ein reines Qi haben: Bereits kleine Reize sind oft ausreichend, um die kindliche Regulationsfähigkeit in die gesunde Richtung sanft anzustoßen und zu unterstützen

  • Nachdem Besserung eintritt, Therapiemaßnahmen frühzeitig wieder beenden

  • Kinder stets über die Regulierung des Qi behandeln: Immer die Mitte (Qi-Dynamik [2.3.1], Schwäche) beachten und unterstützen, z.B. nur kurzfristiger Einsatz einfacher Rezepte (oder nur eine Arznei oder ein Kräuter-Paar [14.3]) bis zur Richtungsumkehr; flankierende, unterstützende Maßnahmen wie z.B. Kinder-Tuina (14.4), Diätetik (14.2), äußere Anwendungen

  • Die Pathomechanismen des Kindes erzeugen oft Hitze, die geklärt werden muss

  • Kinder benötigen Zeit und Ruhe für die Gesundung und Regulation (ggf. Bettruhe, Stimulanzien wie Fernsehen etc. meiden)

  • Extreme vermeiden, z.B. nicht zu heiße, zu kalte, zu bittere oder zu scharfe Arzneien verschreiben, bei (kleinen) Kindern keine ätherischen Öle (gefährlich), möglichst kein scharfer Geschmack bis zum Alter von vier Monaten (z.B. Ingwer)

  • Lebensumstände beachten und ggf. korrigierende Maßnahmen ergreifen: Lebenspflege, Regelmäßigkeit in Bezug auf Mahlzeiten, Schlaf, Bewegung, Ruhe, Grenzen setzen, ggf. Fernseh- und Computerkonsum reduzieren.

Die Unterstützung von Kindern in ihrer Entwicklung und Entfaltung ist ein ständiger Prozess, der durch eine sanfte, angemessene Begleitung des Kindes durch die verschiedenen (Kinder-)Krankheiten und Wachstumsstadien gekennzeichnet ist, die es während seines Heranreifens durchläuft. Dabei müssen ggf. eine fetale Hitze ausgeleitet, versteckte Faktoren (Fu Qi) entfernt oder Stagnationen, Feuchtigkeits- und Schleimbelastungen gelöst werden. Die therapeutische Begleitung ist des Weiteren durch Stärkung und den Ausgleich von angeborenen und/oder erworbenen Schwächen des Kindes charakterisiert. Dies beinhaltet Aufklärung und Anleitung der Bezugspersonen in Ernährungsfragen (14.2) sowie flankierende Maßnahmen der Lebenspflege (Yang Sheng [15.1], Tuina [14.4] und Qigong [14.6] bei Kindern).

Syndrom des GanJi

Zu Beginn des Lebens besteht bei Kindern eine deutliche Labilität und Schwäche des mittleren Jiao bzw. ihres Verdauungssystems. In China diagnostiziert man v.a. in der Kinderheilkunde ein spezielles Syndrom, das GanJi (vgl. Cao 1990). Im ältesten Sprachgebrauch weist der Begriff GanJi auf einen Parasiten hin, heute steht er für Malnutrition (und Fehlernährung) aufgrund einer länger dauernden Dysfunktion von Milz und Magen und wird in der Kinderheilkunde sehr umfassend gebraucht. Durch GanJi wird das Kind in seiner Entwicklung behindert und gedeiht nicht recht. Nach Körfers (2007, 2008) entwickelt jedes Kind ein Gan, das jedoch v.a. bei allen rezidivierenden und chronischen Erkrankungen (z.B. Entwicklungsverzögerungen, Allergien, Hauterkrankungen) immer vorhanden ist. Gan gilt darüber hinaus als Ursache dafür, dass pathogene Faktoren im Körper verbleiben (Fu Qi). Die Syndrome des GanJi beinhalten Kombinationen aus Nahrungsmittelstagnation, Feuchtigkeit, Schleim, Trockenheit und Hitze. Liegen gebliebene Nahrung, Feuchtigkeit und Schleim führen zu Blockaden des Qi und zu Magen-Darm-Störungen mit Klumpengefühl im Bauch, Aufstoßen, Schluckauf, Koliken, Erbrechen, Diarrhö oder Obstipation. Feuchtigkeit und Schleim werden zudem mit der Qi- und Blut-Zirkulation im ganzen Körper verteilt und können sich z.B. bei Säuglingen in einer chronischen Laufnase bzw. Nasenobstruktion, in verklebten Augen, Husten oder in verschiedenen Hautausschlägen ausdrücken. Verstopft die Nase bei gesunden Kindern, können sie dies schnell wieder über ihren Qi-Fluss regulieren, an GanJi leidende Kindern vermögen dies nicht. Die Basis der Störung besteht also letztlich in einer Veränderung der Qi-Zirkulation bzw. Qi-Dynamik (Qi Ji [2.3.1]), die verlangsamt, blockiert, behindert oder auch (lokal oder generell) beschleunigt wird (z.B. durch Hitze-Prozesse).
Gan Ji des mittleren Jiao
Pathomechanismus: Bei gestillten Säuglingen unregelmäßige Stillzeiten, zu frühes Zufüttern, Diätfehler (unregelmäßig, zu viel, zu fett, zu schwer verdaulich, zu süß, zu kalt oder zu heiß, Rohkost).
Symptome: Bauchschmerzen, fauliges Aufstoßen, Appetitmangel, Übelkeit und Erbrechen.
Therapieprinzipien: Nahrungsstagnation beseitigen, die Mitte harmonisieren und die Verdauung regulieren.
Rezept: Bao He Wan (7.6.17), kontraindiziert bei Mangel-Mustern. Yue Ju Wan (7.6.11.a). Bei Säuglingen mit Obstipation und Blähungen Einsatz des Arzneipaars Raphani Sm. (Lai Fu Zi) 1g und Crataegi Fr. (Shan Zha) 1g. Zeigt sich bereits Hitze, zusätzlich Anemarrhenae Rz. (Zhi Mu). Oder Massa medicata fermentata (Shen Qu) auskochen und 3-mal tägl. mithilfe einer Pipette verabreichen. Weitere wichtige Arzneikombination: Crataegi Fr. (Shan Zha), Lablab Sm. album (Bian Dou), Jujubae Fr. (Da Zao) (14.3).
Cao (1990) unterscheidet im Wesentlichen drei (graduelle) Entwicklungsstufen des Gan Ji im mittleren Jiao:
Stadium: Disharmonie der Milz
Symptome und Befunde: Leichte Abmagerung, gelber Teint, Appetitmangel oder auch gieriger Appetit, alternierend Diarrhö und Obstipation, erschöpft, reizbar. Zungenbelag: Klebrig; Puls: Voll.
Therapieprinzipien: Nahrungsstagnation beseitigen, die Milz regulieren
Rezept: Zi Sheng Jiang Pi Wan enthält: Dioscoreae Rz. (Shan Yao), Crataegi Fr. praep. ([Jiao] Shan Zha), Coicis Sm., geröstet ([Chao] Yi Yi Ren), Atractylodis macrocephalae Rz., geröstet ([Chao] Bai Zhu), Poria (Fu Ling), Agastaches Hb. (Tu Huo Xiang), Aurantii Fr. immaturus, geröstet ([Chao]) Zhi Shi), Hordei Fr. germinatus, geröstet ([Chao] Mai Ya).
Stadium: Milz-Schwäche und Nahrungsstagnation oder Parasiten
Symptome und Befunde: Stärkere Abmagerung, fahler Teint, erschöpft, unruhig, Appetitverlust oder Neigung, sich zu überessen mit viel Stuhl, evtl. Nägelbeißen, Zähneknirschen etc. Zunge: Blass, Belag: Gelb, klebrig; Puls: Schwach.
Therapieprinzipien: Stagnation beseitigen und die Milz regulieren.
Rezept: Gan Ji San enthält: Gigeriae galli Endothelium corneum (JiNeiJin), Massa medicata fermentata, geröstet ([Chao] Shen Qu), Hordei Fr. germinatus, geröstet ([Chao] Mai Ya), Atractylodis Rz. (Cang Zhu), Amomi Fr. (Sha Ren), Picrorhizae Rz. (Hu Huang Lian).
Stadium: Milz-Schwäche mit Qi- und Blut-Mangel
Symptome und Befunde: Extreme Auszehrung, bleicher Teint, trockene, verknitterte, oft schuppende Haut, trockene, brüchige Haare, Muskelschwund, Weinen ohne Tränen, weiche Stühle oder Obstipation, Mund- und Lippentrockenheit, evtl. in schwergradigen Fällen Ekchymosen. Zunge: Blass oder auch rot; Puls: Schwach.
Therapieprinzipien: Qi supplementieren, Blut nähren und die Milz stärken.
Rezept: Shen Ling Bai Zhu San (7.6.10.a), die meisten Arzneien werden trocken geröstet (Chao). Xu et. al. (1989) geben für dieses Syndrom auch Variationen von Ren Shen Yang Rong Tang an.
Weiterentwicklung des Gan Ji
Gan Ji ensteht im mittleren Jiao. Der Schleim-Komplex kann sich aber von dort auch in FK Lunge oder FK Leber (und damit zu Augentrockenheit mit verschiedenen Augenerkrankungen führen) bzw. in andere FK verteilen und dort Störungen verursachen. Ein wichtiges Syndrom ist nach Xu et. al (1989) und Cao (1990) das Gan-Ödem, das aufgrund der Schwäche der Mitte durch einen Überfluss an pathologischem Wasser und Feuchtigkeit entsteht und mit der Rezeptur Wu Ling San (7.6.8.c) bzw. in Kombination mit Wu Pi Yin behandelt wird:
Lunge
Ein GanJi in der Lunge kann nach Körfers (2008) Asthma verursachen, wobei auch in diesem Fall das Gan der Mitte behandelt werden muss (siehe oben) und zusätzlichen Arzneien mit Lungenbezug wie Raphani Sm. (Lai Fu Zi) und Stemonae Rx. (Bai Bu). Körfers unterscheidet dabei einen Fülle- und einen Leere-Typ:
Fülle-Typ
Es besteht verborgener zäher Schleim, der zu Blockaden führt. Ursächlich liegt meist eine Mitte-Schwäche mit Schleimbildung zugrunde, die oft von Stauungs-Hitze begleitet ist. Die Therapie erfolgt über die Regulation der Mitte, die Beseitigung des Schleims und die Beendigung des Hustens.
Rezept: Qing Jin Hua Tan Wan bei Asthma (13.9.4) mit dickem, gelbem Sputum mit Hitze oder thorakalem Engegefühl, enthält: Scutellariae Rx. (Huang Qin), Gardeniae Fr. (Zhi Zi), Anemarrhenae Rz. (Zhi Mu), Trichosanthis Sm. (Gua Lou Ren), Fritillariae cirrhosae Bb. (Chuan Bei Mu) oder bei stärkerer Hitze Einsatz von Fritillariae thunbergii Bb. (Zhe Bei Mu), Ophiopogonis Rx. (Mai Men Dong), Citri reticulatae Pericarpium (Chen Pi), Poria (Fu Ling), Platycodi Rx. (Jie Geng), Mori Cx. (Sang Bai Pi). Wirkung: Klärt Hitze der Lunge, transformiert und beseitigt Schleim, und beendet Husten.
Leere-Typ
Beim Leere-Typ zeigen die Patienten eine Schwäche oder einen Mangel des Nieren-Qi und oft ein Zuviel an Flüssigkeiten und Infektanfälligkeit.
Rezept: Xiao Qing Long Tang (7.6.3.a) und Variationen bei akuten Infekten.

Fieber durch akuten Infekt oder innere Ursachen

Fieber bei akuten Infekten und Fieber mit unklarer Ursache muss differenzialdiagnostisch abgeklärt werden.
Mögliche westliche Diagnosen: Chronische Infektionen, hämatologische Erkrankungen, Bindegewebeerkrankungen, Tumoren, Tbc, endokrinologische Störungen.
Nach Ansicht von Körfers (2007) sollten Fieber und subfebrile Temperaturen bei Kindern besonders beachtet werden. Sie empfiehlt bei einem Kind, 4-mal jährlich in den unterschiedlichen Jahreszeiten jeweils über einen Zeitraum von einer Woche 2-mal tägl. eine Temperaturkontrolle, denn nahezu jede chronische Erkrankung geht mit erhöhter Temperatur einher. Dieses Fieber bedeutet zugleich einen enormen Verlust an Qi und Blut-Xue und kostet die Kinder viel Kraft, die sie eigentlich für ihre Entwicklung benötigen. Unterschieden wird Fieber durch äußere Pathogene oder durch innere Störungen und Erkrankungen.
Fieber durch äußere Pathogene (akuter Infekt)
Pathomechanismus: Aufgrund der noch schwachen Ausbildung der FK, der Durchlässigkeit und Zartheit von Muskeln und Haut (Cou Li) (14.1) können (Klein-)Kinder ihre Körpertemperatur nur bedingt selbst regulieren und sind daher anfällig für das Eindringen von äußeren pathogenen Faktoren. Dies führt zu einer Blockade des Lungen-Qi, das Abwehr-Wei-Qi schützt nicht mehr die Oberfläche. Durch den Kampf der körperlichen Abwehr mit dem pathogenen Faktor (jeder Art [2.6]) erhöht sich die Körpertemperatur, und es entsteht Fieber. Die Symptomatik äußert sich in einem schnellen Beginn, einer kurzen Dauer, mit Kälte-/Hitzeaversion, kontinuierlichem Fieber (nicht alternierend), Nasenobstruktion, Kopfschmerzen und oberflächlichem Puls. Zudem kann jedes der sechs äußeren Pathogene (2.6) bei entsprechend langem Verweilen im Körper als versteckter Faktor (Fu Qi) wirken, die Grundsubstanzen schädigen und zur Entstehung von inneren Mangel-Mustern beitragen.
Bewährte fiebersenkende Arzneien sind z.B. Artemisiae annuae Hb. (Qing Hao), Bupleuri Rx. (Chai Hu), Cimicifugae Rz. (Sheng Ma).
Muster-Differenzierung:
Fieber durch Wind-Kälte (S.1761)
Fieber durch Wind-Hitze (S.1761)
Fieber durch Wind-Kälte
Symptome und Befunde: Fieber ohne Schwitzen (bei Fülle-Kälte außen) bzw. mit Schwitzen (bei Leere-Kälte außen), Nasenobstruktion oder Fließschnupfen mit hellem, klarem Sekret, Niesen, Husten, Halskratzen. Fingerlinie: Rötlich; Zungenbelag: Weiß und dünn; Puls: Oberflächlich.
Therapieprinzipien: Schwitzen induzieren bzw. Abwehr-Wei-Qi und Nähr-Ying-Qi regulieren, Oberfläche entlasten, Kälte zerstreuen und vertreiben
Rezept: Jing Fang Bai Du San (7.6.3.c) oder Teile davon. Modifikationen: Bei Halsschmerzen, aber wenig Hitze-, sondern mehr Kälte-Zeichen, jedoch mit Lymphknotenschwellungen zusätzlich Isatidis Fo. (Da Qing Ye), Scrophulariae Rx. (Xuan Shen).
Fieber durch Wind-Hitze
Symptome und Befunde: Fieber, leichte Windaversion, Halsschmerzen, Nasenobstruktion mit eher gelbem, trübem Sekret, Niesen, lauter und tiefer Husten mit gelblichem Auswurf, Durst, Verlangen nach kalten Getränken, geröteter Rachen evtl. mit Schmerzen und Schwellung. Fingerlinie: Rot bis dunkelrot; Zungenbelag: Evtl. leicht gelblich; Puls: Oberflächlich, beschleunigt.
Therapieprinzipien: Oberfläche entlasten, Hitze (vorsichtig) kühlen, evtl. Toxine beseitigen.
Rezept: Sang Ju Yin (7.6.3.b) bei prädominantem Husten, Yin Qiao San (7.6.3.b) bei prädominanten Halsschmerzen, beseitigt zusätzlich mehr Toxine. Zusätzliche Arzneien: Bei Halsschmerzen und -schwellung und beginnender Tonsillitis Isatidis Fo. (Da Qing Ye) und Prunellae Spica (Xia Ku Cao).
Fieber durch innere Störungen
Fieber durch einen im Inneren verursachten Faktor beginnt meist langsam, hält lange an, tritt entweder intermittierend oder zu festen (Tages-/Jahres-)Zeiten auf und wird oft von Spontanschweiß, Müdigkeit, Benommenheit und schwachen Pulsen begleitet.
Körfers (2007) unterscheidet zwei Fieber-Kategorien, die durch innere Störungen verursacht werden: Mangel-Muster und Fülle-/Mangel in Kombination.

Bei Fieber aufgrund innerer Ursachen dürfen keine kühlen und kalten Drogen eingesetzt werden, da die Gefahr einer weiteren Schwächung und Mitte-Schädigung besteht.

Muster-Differenzierung:
Fieber durch Blut-Xue- und Yin-Mangel (S.1762)
Fieber durch Qi-Mangel (S.1763)
Fieber durch Qi-Stagnation (S.1763)
Fieber durch Blut-Stase (S.1763)
Fieber durch Feuchte-Hitze oder Schleimbelastung (S.1764)
Fieber durch Blut-Xue- und Yin-Mangel
Pathomechanismus: Durch angeborene konstitutionelle Schwäche, Diätfehler oder Mangelernährung kommt es zu einem Mangel an Säften und zu einer Schwächung des Yin von FK Lunge und Niere, wodurch Hitze durch Leere mit Fieber entstehen kann.
Symptome und Befunde: Fieber oder subfebrile Temperatur eher nachmittags bzw. abends, Mundtrockenheit, Schlafstörungen mit vielen Träumen, Schweiße im Schlaf, die Kinder sind kraftlos und erschöpft, nervös und unruhig, Hitze in der Tiefe (Knochen brennen), Hitzegefühl der fünf Zentren (eher selten). Fingerlinie: Blasspurpurn; Zunge: Gerötet, ohne Belag, oft nur rötlich (bei Kindern nicht so ausgeprägt); Puls: Zart oder schwach oder beschleunigt.
Therapieprinzipien: Yin nähren und befeuchten, Leere-Hitze klären.
Rezept: Qing Gu San, das die Leere-Hitze klärt, Yin nährt und dadurch entstehendes Fieber absenkt; es geht mehr um eine Disharmonie im Yin (um die Essenz) als um den Aufbau von Flüssigkeiten. Vorsichtig dosieren, um das Rezept leichter verdaulich zu machen.
Fieber durch Qi-Mangel
Symptome und Befunde: Meist subfebrile Temperatur, die entweder nach Anstrengung auftritt oder sich dadurch verstärkt, die Kinder sind kraftlos und oft kurzatmig, Appetitverlust, Spontanschweiß, Infektanfälligkeit (Erkältungen und ein meist unbemerktes Fieber schwelen, brechen aber nicht richtig aus). Zunge: Blass; Puls: Schwach.
Therapieprinzipien: Qi stärken und anheben.
Rezept: Zunächst Versuch mit Yu Ping Feng San (7.6.13). Wenn dies nicht hilft bzw. bei älteren Kindern mit wiederkehrenden Infekten Einsatz der Rezeptur Bu Zhong Yi Qi Tang (7.6.10.a), die die Mitte und die Lunge stärkt und das Yang hebt. Nach Körfers (2007) hilft die Qi anhebende Wirkung von Cimicifugae Rz. (Sheng Ma) und Bupleuri Rx. (Chai Hu) in dieser Rezeptur, versteckte Pathogene (Fu Qi) zu vertreiben. Modifikationen: Bei Feuchte-Hitze zusätzlich Coicis Sm. (Yi Yi Ren), um Feuchtigkeit zu trocknen (die Arznei leitet aber nicht zu stark aus). Bei starker Schwäche des Abwehr-Wei-Qi Citri reticulatae Pericarpium (Chen Pi) aus der Rezeptur entfernen (wirkt zu zerstreuend).
Fieber durch Qi-Stagnation
Symptome und Befunde: Subfebrile Temperatur, oft vormittags ein meist nicht bemerkter Temperaturanstieg, Stimmungsschwankungen: Depressive Verstimmung mit Niedergeschlagenheit, aber auch reizbar, unruhig und nervös; Druck und Schmerzen unter den Rippenbögen, bitterer Mundgeschmack. Gerät das Kind unter (emotionalen) Druck (z.B. Schulstress), klagt es oft über Bauchschmerzen, beim Spielen fällt ihm das Verlieren schwer.
Zunge: Rot, Belag: Dünn, gelblich; Puls: Gespannt, saitenförmig, beschleunigt.
Therapieprinzipien: Stagnation lösen, Qi und Blut regulieren, Milz stärken und ggf. (Stauungs-)Hitze beseitigen.
Rezept: Die Symptomatik geht in Richtung Leber-Qi-Stauung, als Rezept empfiehlt sich Dan Zhi Xiao Yao San (7.6.6), wobei Folgendes zu beachten ist: Üblicherweise wird Moutan Cx. (Mu Dan Pi) eingesetzt, das evtl. ersetzt werden kann durch Salviae miltiorrhizae Rx. (Dan Shen), Persicae Sm. (Tao Ren: Mehr Blut bewegende Wirkung); cave: Bupleuri Rx. (Chai Hu) nicht zu lang einsetzen: Wenn der Stau gelöst ist, Rezeptur beenden (bzw. pausieren) und dann zunächst nur Blutaufbau fördern.
Fieber durch Blut-Stase
Symptome und Befunde: Subfebrile Temperatur, die nachmittags oder nachts beginnt, ohne Schwitzen, fixe Schmerzen oder Verhärtungen an den Extremitäten, Mund- und Rachentrockenheit ohne Trinkverlangen. Zunge: Evtl. bläulich und Staseflecken (nicht obligat); Puls: Rau, saitenförmig (nicht obligat, die Stase kann sich auch nur lokal manifestieren).
Therapieprinzipien: Blut bewegen und Stase beseitigen, Qi regulieren.
Rezept: Individuell angepasste Modifikationen auf der Grundlage von Xue Fu Zhu Yu Tang (7.6.12.a). Bei Stase durch Blut-Mangel auch Tao Hong Si Wu Tang (7.6.10.b).
Anmerkung: Bei Kleinkindern als Ersatz für Chuanxiong Rz. (Chuan Xiong) Angelicae sinensis Rx. (Dang Gui) und Angelicae sinensis Rx. Cauda (Dang Gui Wei) im Verhältnis 1:4.
Fieber durch Feuchte-Hitze oder Schleimbelastung
Symptome und Befunde: Weiterbestehende Residualzustände von Fieber trotz Therapie weisen auf Feuchtigkeit und Schleim-Belastung hin, oft Feuchte-Hitze, die mit folgenden Zeichen einhergeht: Persistierendes Fieber, Halsschmerzen, -schwellungen und -rötungen sowie Tonsillenvergrößerung mit Eiterstippchen (Toxine), Völlegefühl im Oberbauch, schwerer Kopf. Zungenbelag: Gelb.
Therapieprinzipien: Feuchtigkeit beseitigen, Trübes transformieren, Hitze klären und Toxine beseitigen.
Rezept: Gan Lu Xiao Du Dan, dabei Akebiae Caulis (Mu Tong) durch Liquidambaris Fr. (Lu Lu Tong) ersetzen. San Ren Tang (7.6.8.b).

Rhinitis und Sinusitis

Akute Sinusitis durch äußere Pathogene
Symptome: Fließschnupfen und Nasenobstruktion, bei Wind-Kälte eher wässriges und weißliches Sekret, oft mit Kopfschmerzen, Kind fröstelt mit Kälteaversion, bei Wind-Hitze oder Hitze-Entwicklung (durch Kampf mit Pathogen) gelbliches Sekret.
Therapieprinzipien: Das Äußere von Wind-Kälte oder Wind-Hitze befreien und die Nasenwege öffnen.
Rezept:
  • Bei Säuglingen Magnoliae Fl. (Xin Yi Hua) eine Blüte 2min kochen und den Sud mit einer Pipette in die Wangentasche träufeln

  • Bei prädominanter Wind-Kälte: Bei älteren Kindern mit akuter Wind-Kälte Cang Er Zi San (7.6.3.a) als aromatische Rezeptur, die die Nase öffnet, dabei Xanthii Fr. (Cang Er Zi) entfernen, da es aufgrund seiner Toxizität bei Kindern zu zerstreuend in der Tiefe wirkt. Modifikationen: Mögen die Kinder Menthae haplocalycis Hb. (Bo He) nicht (abgesehen davon ist bei kleinen Kindern mit ätherischen Ölen Vorsicht geboten), dieses aus der Rezeptur entfernen und ggf. Dosiserhöhung von Magnoliae Fl. (Xin Yi Hua). Die Rezeptur ist auch für Inhalationen (14.7.3) geeignet (dann evtl. mit Xanthii Fr. [Cang Er Zi] geben): Öffnet wirksam die Nase. Bei kleinen Kindern entsteht schnell Hitze, die das Yin verbraucht, dann zusätzlich Lycii Cx. (Di Gu Pi). Um die Nase noch schneller zu öffnen zusätzlich Centipedae Hb. (EBu Shi Cao). Cave: Schleimbrecher wirken zu stark zerstreuend auf das Qi des Kindes, deshalb zunächst mit anderen Arzneien die Öffnung versuchen

  • Bei Wind-Hitze: Basisrezept: Sang Ju Yin (7.6.3.b), vertreibt Wind, kühlt (sanft) Hitze und senkt das Lungen-Qi ab, evtl. Menthae haplocalycis Hb. (Bo He) aus der Rezeptur entfernen. Gut zur Inhalation geeignet, wenn es die Kinder nicht trinken mögen. Die Rezeptur ist auch wirksam bei chronischem Auswurf von heißem, gelbem Schleim (durch die Schleimstrassen im Rachen kommt es oft zu Husten). Modifikationen: Bei starkem Husten zusätzlich Trichosanthis Pericarpium (Gua Lou Pi). Im Frühling oft eine Beteiligung von Leber-Hitze mit roten, entzündeten Augen, dann zusätzlich zur Kühlung von Augen und Hitze Prunellae Spica (Xia Ku Cao) oder bei älteren Kindern zusätzlich Cassiae Sm. (Jue Ming Zi).

Chronische Sinusitis
Symptome und Befunde: Eine chronische Sinusitis zeigt eine Stase im Bereich der Nase und des FK Lunge an. Dies zeigt sich in Nasenobstruktion und persistierendem, profusem Nasensekret, Geruchsminderung und oft Kopfschmerzen (Stirnregion).
Therapieprinzipien: (Chronische) Wind-Kälte zerstreuen, die Nasenwege befreien und öffnen.
Rezept: Leitrezeptur bei chronischer Sinusitis ist eine Variation von Xin Yi San, enthält: Magnoliae Fl. (Xin Yi Hua), Asari Rx. et Rz. (Xi Xin), Ligustici Rz. (et Rx.) (Gao Ben), Saposhnikoviae Rx. (Fang Feng), Cimicifugae Rz. (Sheng Ma). Modifikationen: Ab dem fünften Lebensjahr kann Ligustici Rz. (et Rx.) (Gao Ben) aus der Rezeptur entfernt werden und zusätzlich Chuanxiong Rz. (Chuan Xiong) gegeben werden. Modifikationen: Armeniacae Sm. (Xing Ren), um die Qi-Dynamik anzukurbeln. Bei starken Stirnkopfschmerzen zusätzlich Angelicae dahuricae Rx. (Bai Zhi). Bessert sich die Symptomatik nach ca. zwei Wochen Einnahme der obigen Rezeptmodifikation immer noch nicht, muss an die Beteiligung von Blut-Stase gedacht werden. Oft klagen die Kinder bei Infekten, aber auch bei körperlicher Anstrengung über einen thorakalen Druck (als Zeichen der Blut-Stase). In diesem Fall hat die Sinusitis schon zu einer Stase mit einer Abwehr-Wei-Qi-Blockade geführt und die Lunge ist bereits als Organ geschädigt worden. Dann sollte versucht werden, zunächst nur auf der Blut-Ebene zu mobilisieren, d.h. bei Blut-Stase Xue Fu Zhu Yu Tang (7.6.12.a) oder Teile davon einsetzen. Modifikationen: Bei sehr gelbem Schleim zusätzlich Phragmitis Rz. (Lu Gen). Weitere Möglichkeiten bei chronischer Sinusitis: Wei Ling Tang als Kombination von Wu Ling San (7.6.8.c) und Ping Wei San (7.6.8.a). Xing Su San enthält: Perillae Fr. (Zi Su Zi), Cyperi Rz. (Xiang Fu), Citri reticulatae Pericarpium (Chen Pi), Glycyrrhizae Rx. (et Rz.), in Honig geröstet ([Zhi] Gan Cao); diese Rezeptur reguliert v.a. über die Qi-Bewegung (von Lunge und Magen), senkt deren Qi ab.
Anmerkung: Als Rezidivprophylaxe kann nach ausgeheilter Sinusitis die Schwäche im FK Lunge und Milz über die Rezeptur Yu Ping Feng San (7.6.13) oder über andere Rezepte, die die Mitte stützen, behandelt werden.

Husten

Husten tritt auf, wenn die Lunge in ihrer Entfaltungsfunktion eingeschränkt ist. Das gegenläufige Lungen-Qi erzeugt Husten. Husten kann zu jeder Jahreszeit auftreten, häuft sich aber im Winter und Frühjahr, wobei Kinder unter drei Jahren besonders gefährdet sind. Bekommen die Kinder einen Infekt, neigen sie meist zu einem Husten, der sich auch zu einer akuten Bronchitis entwickeln kann.

Hilfreiche diagnostische Fragen bei Husten

  • Beginn: Seit wann (auch Begleitumstände), akut oder chronisch, in welcher Jahreszeit (als Hinweis auf ein mögliches Pathogen)?

  • Hustencharakter: Rau, bellend, kruppartig (mögliches Pathogen Kälte), hart, schmerzhaft, krampfartig (mögliches Pathogen Hitze); Reizhusten ohne Schmerz (mögliches Pathogen Trockenheit); feucht, schleimig, produktiv (mögliches Pathogen Feuchtigkeit)?

  • Beschaffenheit des Hustensekrets (Farbe, Menge, Konsistenz): Weißlich, klar (eher Pathogen Kälte), gelblich (eher Pathogen Hitze), kein Sekret (Pathogen Trockenheit), profus (Pathogen Feuchtigkeit), zähflüssig (Kälte, Hitze oder pathogener Restfaktor), viel und wässrig (Pathogen Feuchtigkeit)?

  • Tageszeit des Auftretens: V.a. nachts (evtl. Hinweis auf Kälte), v.a. morgens (Hinweis auf Schleim)?

  • Frage nach möglichen Auslösern des Hustens:

    • Kälte (Kälteexposition, Antibiotika, Kaltes wie z.B. Eis)

    • Hitze (Hitzeexposition, warme Räume, scharfes oder auch zuviel Essen, ggf. Hitze-Entwicklung durch Impfungen, z.B. Masern-, Mumps-, Rötelnimpfung)

    • Trockenheit (Klimaanlage z.B. während einer Zugfahrt oder eines Flugs, trockene Luft, Klima)

    • Feuchtigkeit (feuchtes Wetter, kalte, feuchtigkeitsbildende Nahrungsmittel wie z.B. Milchprodukte)

    • Bei chronischem Husten mit Lungen-Qi-Mangel ist der Auslöser oft körperliche Anstrengung

    • Differenzierung des Hustens: Durch äußere Pathogene oder durch innere Störungen verursacht.

Anmerkung: Zu den genannten Ursachen des Hustens können auch chronische Schleimbelastungen (z.B. Gan Ji [14.7.2]), die z.B. zu einem Asthma bronchiale führen können, einen chronischen Husten verursachen und sollten entsprechend therapiert werden (siehe Beispiel-Rezept für Schleim-Hitze in der Lunge/ Fülle-Typ [14.7.2]). Ebenso müssen evtl. bestehende pathogene Restfaktoren (Fu Qi) oder verbliebene fetale Toxine ausgeleitet werden.

(Fragenkatalog erstellt mit Unterstützung von Sieglinde Wilz und Ruthild Schulze)

Muster-Differenzierung:
Husten durch Wind-Kälte (14.7.5.a)
Husten durch Wind-Hitze (in der Lunge) (14.7.5.b)
Husten durch Schleim-Feuchtigkeit (14.7.5.c)
Husten durch Yin-Schwäche (14.7.5.d)
Husten durch Lungen- und Milz-Qi-Mangel (14.7.5.e)
Husten durch Wind-Kälte
Symptome und Befunde: (Akuter) Husten, Halsjucken bzw. leichtes Halskratzen, dünnflüssiges, weißes, schleimiges Sputum, evtl. Kälteaversion, kein Schwitzen, Nasenobstruktion mit klarem Sekret. Fingerlinie: Rot; Zungenbelag: Dünn, weißlich; Puls: Oberflächlich, gespannt.
Therapieprinzipien: Wind vertreiben, Kälte zerstreuen, Lungen-Qi entfalten, Husten beenden.
Rezept: Wichtiges Arzneipaar: Armeniacae Sm. (Xing Ren) und Peucedani Rx. (Qian Hu). Hustenrezeptur bei äußeren Pathogenen: Perillae Fr. (Zi Su Zi), Asteris Rx. (Zi Wan), Stemonae Rx. (Bai Bu), Platycodi Rx. (Jie Geng), Citri reticulatae Pericarpium (Chen Pi), Glycyrrhizae Rx. (et Rz.) (Gan Cao). Anmerkung: Bei größeren Kindern mit Tendenz zu Feuchtigkeitsansammlungen und Infektanfälligkeit mit erneutem akutem Infekt auch Xiao Qing Long Tang (7.6.3.a, akuter Infekt 13.2.1), bei viel Schleim zusätzlich Perillae Fr. (Zi Su Zi), Sinapis Sm. (Bai Jie Zi), Raphani Sm. (Lai Fu Zi). Xing Su San (14.7.4.b), wirkt v.a. über die Qi-Regulation. Besteht der Husten nach Beseitigung äußerer Faktoren weiterhin, zusätzlich Stemonae Rx. (Bai Bu) und Asteris Rx. (Zi Wan).
Husten durch Wind-Hitze (in der Lunge)
Symptome und Befunde: (Akuter) tiefer, lauter Husten, dickes, gelbes (oder weißlich gelbes), zähes bzw. klebriges, erschwert auszuhustendes Sputum, Durst, Halsschmerzen, Nasenlaufen mit trübem Sekret, evtl. Fieber, Windaversion, leichtes Schwitzen. Fingerlinie: Rot bis tiefrot; Zunge: Evtl. rote Zungenspitze, Belag: Dünn, weißgelb oder gelblich; Puls: Oberflächlich, beschleunigt.
Therapieprinzipien: Wind vertreiben und Hitze klären, Schleim transformieren und Husten beenden.
Rezept: Wichtiges Arzneipaar: Mori Fo. (Sang Ye) und Armeniacae Sm. (Xing Ren). Variationen von Sang Ju Yin (7.6.3.b). Bei Hitze in der Lunge evtl. Ma Xing Shi Gan Tang (7.6.3.b). Bei Husten durch Lungen-Hitze mit wenig Schleim auch folgendes Rezept: Perillae Fr. (Zi Su Zi), Asteris Rx. (Zi Wan), Stemonae Rx. (Bai Bu), Platycodi Rx. (Jie Geng), Citri reticulatae Pericarpium (Chen Pi), Phragmitis Rz. (Lu Gen), Trichosanthis Fr. (Gua Lou), Armeniacae Sm. (Xing Ren), Glycyrrhizae Rx. (Rz.) (Gan Cao).
Husten durch Schleim-Feuchtigkeit
Symptome und Befunde: Husten mit weißem, dünnem, profusem Schleim, Husten klingt feucht und gurgelnd, Appetitverlust, Erschöpfung, Blässe, in der Anamnese oft rezidivierende Infekte und wiederholte Antibiotikagaben. Zungenbelag: Weiß, schleimig; Puls: Schlüpfrig.
Therapieprinzipien: Milz stärken und Feuchtigkeit trocknen, Schleim transformieren und Husten beenden.
Rezept: Variation von Su Zi Jiang Qi Tang (7.6.11.b) enthält: Perillae Fr. (Zi Su Zi), Pinelliae Rz. praep. (Ban Xia), Peucedani Rx. (Qian Hu), Magnoliae officinalis Cx. (Hou Po), Citri reticulatae Pericarpium (Chen Pi), Angelicae sinensis Rx. (Dang Gui), Atractylodis macrocephalae Rz. (Bai Zhu).
Husten durch Yin-Schwäche
Pathomechanismus: Nach Erkrankungen wie z.B. schwerem Durchfall, Erbrechen oder länger dauernder Erkrankung sind häufig die Körpersäfte und das Yin (auch der Lunge) geschwächt. Die Lunge wird nicht mehr ausreichend genährt und befeuchtet, das Lungen-Qi wird gegenläufig und Husten entsteht.
Symptome und Befunde: Trockener Husten; wenig, erschwert auszuhustendes, klebriges, evtl. blutig tingiertes Sputum, Rachentrockenheit und -juckreiz, Heiserkeit, evtl. Hitze der fünf Zentren (selten), subfebrile Temperaturen bzw. leichtes Fieber nachmittags bzw. abends. Fingerlinie: Blassrot; Zunge: Rot mit wenig Belag; Puls: Dünn.
Therapieprinzipien: Das Yin nähren und befeuchten, Trockenheit befeuchten und Husten beenden.
Rezept: Sha Shen Mai Men Dong Tang.
Husten durch Lungen- und Milz-Qi-Mangel
Pathomechanismus: Wenn durch lange Erkrankung das Milz- und das Lungen-Qi geschwächt wurden, können die FK Lunge und Milz die Verteilung der Säfte nicht mehr bewältigen. Es bilden sich Blockaden durch pathologisches Wasser und Feuchtigkeit, die sich zu einem zähflüssigen Schleim verdichten, der die Lunge in ihrer Entfaltung behindert, sodass das Lungen-Qi gegenläufig wird und sich ein Husten entwickelt.
Symptome und Befunde: Kraftloser, schwacher Husten, dünnflüssiges, weißliches Sputum, leise Stimme, starke Kälteaversion, starke Schweiße. Fingerlinie: Blassrot; Zunge: Blass und zart.
Therapieprinzipien: Milz-Qi stärken, Lungen-Qi stärken und supplementieren.
Rezept: Liu Jun Zi Tang (7.6.10.a), bei prädominantem Lungen-Qi-Mangel auch Bu Fei Tang (7.6.10.a). Zeigt sich die Schwäche v.a. in einem Nieren-Yang-Mangel, auch Variationen von Jin Gui Shen Qi Wan (7.6.10.e).

Tonsillitis

Symptome und Befunde: Halsschmerzen, Schluckbeschwerden, Tonsillen rot und geschwollen, plötzliches Fieber mit Frösteln, starkes Krankheitsgefühl; Puls: Oberflächlich, beschleunigt. Bei zunehmender Lungen- und Magen-Hitze (und Hitze im Yangming) hochrote und geschwollene Tonsillen mit gelben oder weißen Eiterstippchen, schwitzt viel, Durst mit Verlangen nach kalten Getränken, Obstipation, dunkler Urin; bei Hitze im Yangming auch hohes Fieber. Zunge: Rot mit gelbem Belag; Puls: Schnell überflutend.
Therapieprinzipien: Hitze kühlen und Toxine beseitigen, ggf. Yin auffüllen. Bei einer Tonsillitis muss sowohl der FK Lunge als auch der Yangming (Magen/Dickdarm) diagnostisch und therapeutisch mit einbezogen werden.
Rezept: Zeigt sich der Beginn einer Tonsillitis zunächst noch ohne Eiterstippchen auf den Tonsillen (ohne Eiter-Toxine) mit Rötung und Schmerzen, bei kleinen Kindern evtl. zu Beginn nur mit Arctii Fr. (Niu Bang Zi) und Scrophulariae Rx. (Xuan Shen) zur lokalen Kühlung arbeiten. Zeigen sich bereits Stippchen als Zeichen für das Vorhandensein von Feuer-Toxinen reicht die lokale Kühlung nicht (mehr) aus. Dann folgende Leitrezeptur: Arctii Fr. (Niu Bang Zi), Platycodi Rx. (Jie Geng), Menthae haplocalycis Hb. (Bo He), Magnoliae Fl. (Xin Yi Hua), Belamcandae Rz. (She Gan), Phragmitis Rz. (Lu Gen), Trichosanthis Rx. (Tian Hua Fen). Modifikationen: Bei Säfteverbrauch (Zunge wird rot und trocken) zusätzlich Scrophulariae Rx. (Xuan Shen). Bei starken Toxinen mit Eiter zusätzlich Scutellariae Rx. (Huang Qin) und/oder Coptidis Rz. (Huang Lian). Bei rasch sich entwickelnder Schwellung (der Hals geht mir zu) wichtiges zusätzliches Arzneipaar: Isatidis Rx. (Ban Lan Gen) und Arctii Fr. (Niu Bang Zi) evtl. in der Dosis erhöhen. Hat die Hitze bereits die Flüssigkeiten verbraucht, ist eine Yin-Supplementierung indiziert, z.B. mit Yang Yin Qing Fei Tang und Variationen (enthält Zeng Ye Tang [7.6.7]), v.a.: Rehmanniae Rx. praep. (Shu Di Huang), Scrophulariae Rx. (Xuan Shen), Ophiopogonis Rx. (Mai Men Dong), Paeoniae Rx. alba (Bai Shao). Modifikationen: Bei Hitze in der Blut-Schicht (12.2) zusätzlich Moutan Cx. (Mu Dan Pi).

Otitis

Die Milz hebt das klare Yang empor. Bei Feuchtigkeitsprozessen im Ohr muss immer auch die Milz beachtet werden. Nicht Klares, sondern Trübes geht dann aus der Milz nach oben und kann rezidivierende Infekte mit verursachen. Das Ohr befindet sich bereits mehr im Innen, und die Behandlung der Stagnation sollte sich deshalb mehr auf das Innere beziehen. Eine Ohrbeteiligung im Rahmen von Infekten zeigt sich demnach meist erst bei bereits vorbehandelten Kindern mit zuvor bestehender Schleimbelastung im Ohr (z.B. nach wiederholten Antibiotikagaben). Obwohl sich das Ohr im Shaoyang-Bereich befindet, behandelt man v.a. bei kleineren Kindern noch nicht auf der Ebene des Shaoyang: Es erfolgt keine Entlüftung und starke Bewegung, sondern es wird eher tendenziell reguliert und lokal bewegt.
Muster-Differenzierung:
Akute Otitis (14.7.7.a) Wind-Kälte (Vor-Stadium von Ohrenschmerzen) (S.1769)
Ohrenschmerzen durch Wind-Hitze (S.1769)
Ohrenschmerzen durch Feuchte-Hitze (S.1770)
Chronische Otitis (14.7.7.b)
Akute Otitis
Wind-Kälte (Vor-Stadium von Ohrenschmerzen)
Symptome und Befunde: Wind-Kälte steht bei Ohrerkrankungen nur ganz zu Beginn im Vordergrund, sozusagen im Vorstadium, d.h., die Kinder greifen zum Ohr, noch keine Schmerzen, aber leichte Blockierung
Therapieprinzipien: Wind-Kälte vertreiben, das Ohr befreien.
Rezept: Im akuten Vor-Stadium der Wind-Kälte ist folgendes Arzneipaar wichtig: Schizonepetae Hb. (Jing Jie), Saposhnikoviae Rx. (Fang Feng), evtl. zusätzlich Notopterygii Rz. seu Rx. (Qiang Huo), um Feuchtigkeit schon etwas tiefer zu entfernen. Wichtiges Rezept bei Wind-Kälte allgemein ist Jing Fang Bai Du San (7.6.3.c), das v.a. ganz zu Beginn einer Störung durch Wind-Kälte zur Verhinderung der Entwicklung einer Otitis hilft. Modifikationen: Acori tatarinowii Rz. (Shi Chang Pu), um durch Aromatika (auch den Shen) zu öffnen, löst Feuchtigkeit und Blockade in den Ohren oder Agastaches Hb. (Tu Huo Xiang).
Ohrenschmerzen durch Wind-Hitze
Symptome und Befunde: Ohr fühlt sich geblockt an, Ohrschmerzen, Hörminderung, Fieber, Kälteaversion, Halsschmerzen, nasale Obstruktion und Fließschnupfen. Zungenbelag: Gelblich; Puls: Oberflächlich, beschleunigt.
Therapieprinzipien: Wind vertreiben, Hitze klären und Toxine beseitigen, das Ohr befreien.
Rezept: Auf der Basis von Yin Qiao San (7.6.3.b) zunächst die Abwehr-Wei-Qi-Schicht befreien. Wenn der pathogene Faktor bereits tiefer eingedrungen ist, ist eine andere Rezeptur zu wählen.
Anmerkung: Bei der Behandlung des Ohrs ist die Rezeptur Wu Ling San (7.6.8.c) wichtig, die auf den Taiyang bzw. diuretisch über die Blase wirkt. Ebenso die Rezeptur Ling Gui Zhu Gan Tang, die Schleim und dünnen Schleim (Tan Yin) transformiert, die Milz stärkt und Feuchtigkeit beseitigt, enthält: Poria (Fu Ling), Cinnamomi Ra. (Gui Zhi), Atractylodis macrocephalae Rz. (Bai Zhu), Glycyrrhizae Rx. (et Rz.) praep. ([Zhi] Gan Cao). Beide Rezepturen enthalten die Arznei Alismatis Rz. (Ze Xie) in Kombination mit Poria (Fu Ling). Dieses Arzneipaar kann auch als Kur über einen längeren Zeitraum (z.B. vier Wochen) eingesetzt werden, zusätzlich mit dem wärmenden Cinnamomi Ra. (Gui Zhi) bei chronifizierter Otitis mit Antibiotikatherapie in der Anamnese (Körfers 2006).
Ohrenschmerzen durch Feuchte-Hitze (in der Leber-Leitbahn)
Pathomechanismus: Über die Gb-Leitbahn steigt Hitze auf (aus Feuchte-Hitze in Leber und Gallenblase).
Symptome und Befunde: Schmerzen im Ohr, Schreien und Unruhe, Appetitminderung, evtl. hohes Fieber, mag keinen Druck auf dem betroffenen Ohr, Mundtrockenheit, evtl. bitterer Mundgeschmack, dunkler Urin, Obstipation. Zunge: Rot, Belag: Gelb, schlüpfrig; Puls: Saitenförmig, beschleunigt.
Rezept: Bei Kindern ist die Rezeptur Long Dan Xie Gan Tang (7.6.4.d) v.a. in den Wintermonaten zwischen November und Februar nicht angezeigt (zu kalt). Bis zum zehnten Lebensjahr ist daher v.a. folgendes Arzneipaar empfehlenswert: Gentianae Rx. (et Rz.) (Long Dan Cao) und Alismatis Rz. (Ze Xie). Modifikationen: Evtl. zusätzlich Artemisiae scopariae Hb. (Yin Chen Hao) und/oder Plantaginis Sm. (Che Qian Zi), um Feuchtigkeit und Hitze auszuleiten.
Tipp: Bei Kindern mit Ohrenschmerzen zeigt sich oft eine prall gefüllte Venenzeichnung im Ohr, die man etwas blutenlassen kann: Auf der schmerzhafteren Ohrseite durchführen, vorher vorsichtig das Ohr reiben, dann mit Lanzette stechen, gute Wirkung.
Chronische Otitis
Therapieprinzipien: Bei einer chronischen bzw. rezidivierenden Otitis ist es wichtig, die Wurzel (Ben [10.1.2) zu behandeln, da die chronische Störung die Grundsubstanzen verbraucht und die Kinder in ihrer Entwicklung beeinträchtigt. Ein hoher Prozentsatz der Kinder hat eine Hitze in Lunge (und Magen), die ständig zehrt und therapiert werden muss. Außerdem ist auf pathogene Restfaktoren (Fu Qi) zu achten, die entsprechend ausgeleitet werden müssen. Ebenso sind Belastungen durch Schleim von der Mitte her mitzubehandeln (Gan Ji [14.7.2]), da sonst nicht das Klare, sondern das Trübe nach oben steigt und sich in den Ohren festsetzt.
Rezept: Geeignete Kombination, um im symptomfreien Intervall mehr über die Niere zu behandeln (Niere stärken) und so weitere Infektionen zu verhindern: Astragali Rx. (Huang Qi) als Mittel, das Qi zu stärken, Lycii Fr. (Gou Qi Zi) als Mittel, um das Yin zu nähren, Epimedii Hb. (Yin Yang Huo), um das Yang zu stärken. Entweder zusätzlich oder stattdessen auch Yu Ping Feng San (7.6.13) zur Stärkung von Lunge und Milz sowie zur Stabilisierung der Oberfläche.

Asthma bronchiale bei Kindern

Das Asthma bronchiale (13.9.4) wird heute im akuten Anfall meist in ein Kälte-bedingtes und Hitze-bedingtes Asthma unterschieden. Im Intervall ist die Therapie der zugrunde liegenden Wurzel (Ben) angezeigt.
Muster-Differenzierung:
Akuter Asthmaanfall (14.7.8.a)
Im Intervall: Therapie der Wurzel (Ben) (14.7.8.b) Lungen-Qi-Mangel (S.1772)
Milz-Qi-Mangel (S.1772)
Nieren-Qi-Mangel (S.1772)
Akuter Asthmaanfall (akuter Wind-Einfluss)
Symptome und Befunde: Kälte-bedingtes Asthma: Kurzatmigkeit, Keuchatmung, Husten mit weißlichem oder klarem, zähflüssigem Sekret, Druck auf der Brust. Zungenbelag: Weißlich; Puls: Oberflächlich, evtl. schlüpfrig, saitenförmig. Hitze-bedingtes Asthma: Kurzatmigkeit, Keuchatmung, Husten mit dickem, gelbem oder auch grünlichem Sekret, Hitzegefühl in der Brust, Gesichtsrötung, Mundtrockenheit, Schwitzen, Durst, evtl. Obstipation. Zungenbelag: Gelblich, dick; Puls: Schlüpfrig oder saitenförmig, beschleunigt.
Therapieprinzipien: Bei Kälte-bedingtem Asthma: Lungen-Qi absenken, Kälte zerstreuen, Schleim umwandeln und Keuchatmung beruhigen. Bei Hitze-bedingtem Asthma: Hitze kühlen, Lungen-Qi lösen, entfalten und absenken, Schleim-Hitze transformieren und Keuchatmung beruhigen.
Rezept:
  • Basisrezept bei Kindern: Armeniacae Sm. (Xing Ren), Stemonae Rx. (Bai Bu), evtl. Ephedrae Rx. (et Rz.) (Ma Huang Gen, sofern in guter Qualität erhältlich, ansonsten Dosiserhöhung von Xing Ren)

  • Bei Kälte-bedingtem Asthma zusätzlich Asari Rx. et Rz. (Xi Xin), Perillae Fr. (Zi Su Zi) oder Sinapis Sm. (Bai Jie Zi), bei vorbestehender Feuchtigkeitsbelastung und Infektanfälligkeit auch Xiao Qing Long Tang (7.6.3.a). Bei Hitze-bedingtem Asthma zusätzlich Scutellariae Rx. (Huang Qin), evtl. in Kombination mit Perillae Fr. (Zi Su Zi). Modifikationen: Bei Verbrauch der Flüssigkeiten und drohender Leere-Hitze zusätzlich Mori Cx. (Sang Bai Pi) oder Lycii Cx. (Di Gu Pi). Bei älteren Kindern evtl. Variationen von Ding Chuan Tang (7.6.11.b). Bei Asthma mit Schleim-Hitze (Fülle-Typ) auch Therapie und Variationen der Rezeptur wie bei Gan Ji (14.7.2). Modifikationen für beide Asthmatypen:

    • Um den Schleim zu lösen, zusätzlich Peucedani Rx. (Qian Hu)

    • Gegen die Spastik Bombyx batryticatus (Jiang Can)

    • Bei profusem Sputum zusätzlich Raphani Sm. (Lai Fu Zi), um die Mitte zu regulieren und die Verdauung zu unterstützen

    • Bei Sputum und stärkerer Obstruktion zusätzlich Perillae Fr. (Zi Su Zi)

  • Bei Asthma und Wind-Komponente mit starker Spastik Ma Huang Tang (7.6.3.a) bzw. obige Rezeptur und zusätzlich Bombyx batryticatus (Jiang Can), Cyperi Rz. (Xiang Fu) und Uncariae Ra. cum Uncis (Gou Teng), das auch antispastisch wirkt.

Im Intervall: Therapie der Wurzel (Ben)
Im Intervall gilt es, die Wurzel (Ben) zu behandeln, meist eine Schwäche von Milz und Niere. Zudem sollte immer die Schleim-Behandlung (bei Asthma eine wesentliche Komponente) in der Therapie beachtet werden (Gan Ji [14.7.2]) bzw. sollten vorhandene Rest-Pathogene (Fu Qi) ausgeleitet werden.
Lungen-Qi-Mangel
Symptome und Befunde: Blässe, Kurzatmigkeit, mag nicht sprechen, spontanes Schwitzen oder Schwitzen bei leichter Anstrengung, Kälteaversion, Infektanfällig. Zunge: Blass; Puls: Schwach.
Rezept: Auf der Basis von Yu Ping Feng San (7.6.13) in Kombination mit Gui Zhi Tang (7.6.3.a).
Milz-Qi-Mangel
Symptome: Zeichen von Mitte-Qi-Mangel wie Appetitverlust, breiige Stühle, Erschöpfung etc.
Rezept: Auf der Basis von Liu Jun Zi Tang (7.6.10.a); bei Kindern Ginseng Rx. (Ren Shen) durch Pseudostellariae Rx. (Tai Zi Shen) austauschen. Bei Feuchtigkeitsretention auch Shen Ling Bai Zhu San (7.6.10.a).
Nieren-Qi-Mangel
Symptome und Befunde: Sehr kalte Extremitäten, gedeiht nicht richtig, ist lustlos, etwas gedunsenes Aussehen, evtl. Enuresis, kann den Harn nicht halten (oft viel und hell). Zunge: Blass, manchmal zu groß für den Mund.
Rezept: Auf der Basis von Su Zi Jiang Qi Tang (7.6.11.b) oder Jin Gui Shen Qi Wan (7.6.10.e)

Leitsymptom: (Funktionelle) Bauchschmerzen

Cave

Immer schwere (lebensbedrohliche) Erkrankungen wie z.B. Appendizitis oder Invagination vor Einleitung einer Therapie ausschließen.
Muster-Differenzierung:
Bauchschmerzen durch äußere Kälte (14.7.9.a)
Bauchschmerzen durch Mangel-Kälte (14.7.9.b)
Bauchschmerzen durch Diätfehler und Nahrungsstagnation (14.7.9.c)
Abdominales Spannungsgefühl durch Milz-Schwäche (14.7.9.d)
Bauchschmerzen durch äußere Kälte
Pathomechanismus: Kälte kann entweder direkt oder über Diätfehler eindringen (kalte Speisen, zu viel Rohkost), wodurch die Mitte nicht mehr ausreichend umwandeln kann, sodass der Qi-Mechanismus blockiert mit der Folge von Bauchschmerzen. Häufigste Ursache bei (akuten) Bauchschmerzen.
Symptome und Befunde: Oft akute, krampfartige Bauchschmerzen (häufig in Zusammenhang mit Kälte), Kälte verschlimmert, Wärme bessert, der Bauch fühlt sich oft kalt an, kalte Extremitäten, Blässe, Weinen und Unruhe, evtl. grünliche dünne Stühle, Zyanose, blaue Lippen. Fingerlinie: Blassrot; Zungenbelag: Blass, weiß; Puls: Saitenförmig.
Therapieprinzipien: Die Mitte erwärmen, Kälte zerstreuen, Qi regulieren und Schmerzen beenden.
Rezept: Wichtiges Arzneipaar: Aucklandiae Rx. (Mu Xiang) und Amomi Fr. (Sha Ren). Bei älteren Kindern evtl. auch Variationen von (Fu Zi) Li Zhong Wan (7.6.9).
Bauchschmerzen durch Mangel-Kälte
Pathomechanismus: Angeborene oder durch lang dauernde Erkrankung erworbene Schwäche der Milz mit Yang-Mangel, wodurch sich in der Mitte leicht Kälte und Feuchtigkeit ansammeln und die Qi-Dynamik beeinträchtigt werden kann mit der Folge von Bauchschmerzen.
Symptome und Befunde: Starke Bauchschmerzen (können auch akut einsetzen), besser durch Wärme und Druck, schmutzig gelblicher Teint, Verdauungsstörungen, Abmagerung, Neigung zu Diarrhö. Fingerlinie: Sehr blass. Zunge: Blass mit weißem Belag.
Therapieprinzipien: Milz und Niere stärken und erwärmen, Qi supplementieren und Schmerzen beenden.
Rezept: Wichtiges Arzneipaar bei Yang-Mangel (oft in Weiterentwicklung einer äußeren Kälte, die das Yang angreift): Atractylodis macrocephalae Rx. (Bai Zhu) und Cinnamomi Ra. (Gui Zhi); Bai Zhu sollte 15–20min gekocht werden, Gui Zhi dagegen nur kurz die letzten 5min mitkochen.
Bauchschmerzen durch Diätfehler und Nahrungsstagnation
Pathomechanismus: Häufiges, unregelmäßiges Stillen oder ein Zuviel an Nahrung führt zu Nahrungsstagnation im Verdauungstrakt und schädigt den Qi-Mechanismus der Mitte mit der Folge von Bauchschmerzen (Gan Ji [14.7.2])
Symptome und Befunde: Abdominale Spannung und Schmerzen, Blähungen mit Windabgang, Schreien und Unruhe, unruhiger Schlaf, säuerliches Aufstoßen, Erbrechen von angedauter Milch und Nahrung, gelber Urin, übel riechende Stühle mit unverdauten Nahrungsresten. Fingerlinie: Bläulich, schwer sichtbar; Zunge: Evtl. rot mit weißem oder gelblichem Belag.
Therapieprinzipien: Transformationsfunktion der Milz stärken, Qi regulieren und Nahrungsstagnation beseitigen, Milz und Magen harmonisieren.
Rezept: Bao He Wan (7.6.17) (Gan Ji [14.7.2]).
Abdominales Spannungsgefühl durch Milz-Schwäche
Pathomechanismus: Bei angeborener oder durch lange Erkrankung erworbener Schwäche des Nieren-Yang kann die Milz nicht ausreichend gewärmt werden, sodass die Mitte in ihrer Transformationsfunktion beeinträchtigt wird. Es kommt zu einer Stagnation der Nahrung mit abdominalem Spannungsgefühl.
Symptome und Befunde: Abdominales Spannungsgefühl mit Appetitmangel, breiige Stühle, Erschöpfung, matte Gesichtsfarbe, Kältegefühl in den Extremitäten, Unruhe und unruhiger Schlaf, leises, schwaches Weinen und Wimmern. Fingerlinie: Blass; Zunge: Blass mit weißlichem Belag.
Therapieprinzipien: Mitte erwärmen, Milz stärken, Qi supplementieren
Rezept: Huang Qi Jian Zhong Tang (7.6.9).
Tipp: Bei Zeichen von Blut-Stase zusätzliches Arzneipaar: Citri reticulatae Pericarpium (Chen Pi) und Psoaralae Sm. (Bu Gu Zhi). Chinesische Wärmflasche (14.3.3) oder Moxa bei Kälte und Yang-Mangel.

Leitsymptom: Diarrhö

Eine Diarrhö entsteht bei Kindern meist durch äußere pathogene Faktoren, Ernährungsfehler und Nahrungsstagnation (Gan Ji [14.7.2]) sowie durch Schwäche-Muster der Mitte. Cave: Durchfallerkrankungen werden für Kinder aufgrund des Flüssigkeitsverlustes wesentlich schneller als für Erwachsene zu einer ernsten Gefährdung. Daher ggf. frühzeitig z.B. durch angepasste Elektrolytmischungen einer Dehydratation entgegenwirken.
Muster-Differenzierung:
Diarrhö durch Feuchte-Hitze (14.7.10.a)
Diarrhö durch (äußere) Kälte (14.7.10.b)
Diarrhö durch Schwäche-Muster (14.7.10.c)
Diarrhö durch Feuchte-Hitze
Symptome und Befunde: Wässrige, dünne, gelbbraun gefärbte (evtl. übel riechende) Diarrhö und dunkler Urin (Hitze-Fülle färbt schnell Stuhl und Urin), evtl. Ruhelosigkeit (zeigt sich bei Kleinkindern schnell), Durst (Hitze überwiegt), weniger Durst (Feuchtigkeit überwiegt), manchmal von Fieber begleitet, eher Gesichts- und Wangenrötung, evtl. Hitzegefühl am Anus und Anusrötung (Kinder weinen während des Stuhlgangs). Zunge: Rot mit gelbem Belag; Puls: Evtl. schnell.
Therapieprinzipien: Hitze klären, Feuchtigkeit beseitigen, Mitte harmonisieren und Diarrhö beenden.
Rezept: Volksheilkundliches, mit Reis gekochtes Mittel: Coicis Sm. (Yi Yi Ren) 6g. Zusätzlich Arecae Sm. (Bing Lang) 3–6g, Puerariae Rx. (labatae) (Ge Gen) 3–6g, Scutellariae Rx. (Huang Qin) 2g (Dosisangabe für Kinder im Alter von vier Jahren), dieses Rezept leitet gut aus. Modifikationen: Bei Schmerzen und Krämpfen (Kinder krümmen sich vor Schmerz) zusätzlich Aucklandiae Rx. (Mu Xiang), das bei Kindern für die Krampflösung besser geeignet ist als z.B. Paeoniae Rx. alba (Bai Shao). Ist die Hitze sehr stark (Kind dampft) zusätzlich Phellodendri Cx. (Huang Bai). Zeigt sich Blut im Stuhl, zusätzlich Imperatae Rz. (Bai Mao Gen). Bei gleichzeitigem Fieber zusätzlich Lonicerae Fl. (Jin Yin Hua), das auch gut für die Ausleitung von Rest-Hitze ist.
Diarrhö durch (äußere) Kälte
Symptome und Befunde: Meist wässrige Diarrhö, ganz heller (entfärbter), fast geruchloser Stuhl mit unverdauten Nahrungsresten, Borborygmen als Leitsymptom für die Kälte, Kind schwitzt nicht, ist eher blass, kalt und fröstelig und hat keinen Durst. Zunge: Feucht mit weißem Belag.
Therapieprinzipien: Kälte zerstreuen, Mitte wärmen und harmonisieren, Diarrhö beenden.
Rezept: Folgende Kombination ist gut geeignet: Zingiberis Rz. recens, heiß geröstet ([Pao] Sheng Jiang), Amomi Fr. (Sha Ren), Massa medicata fermentata (Shen Qu), Crataegi Fr. (Shan Zha). Modifikationen: Bei Schmerzen (oft bei Kälte-Diarrhö) zusätzlich Aucklandiae Rx. (Mu Xiang) oder Linderae Rx. (Wu Yao).
Diarrhö durch Schwäche-Muster
Symptome und Befunde: Breiige, hellfarbene, geruchlose Stühle mit unverdauten Nahrungsresten bzw. Diarrhö, die häufig unmittelbar nach dem Essen auftritt, Kälteempfindungen, sehr starke Blässe, erschöpft. Kinder wirken oft ausgezehrt, v.a. bei kleinen Kindern meist blaue Venenzeichnung zwischen den Augenbrauen. Bei der Diarrhö durch Schwäche spielt ein chronischer Milz-Yang-Mangel eine wichtige Rolle. Die Kinder sind oft schon von früher Kindheit an kalt und fröstelig. Zunge: Blass mit weißem Belag; Puls: Schwach.
Therapieprinzipien: Mitte stärken, Milz-Yang stärken und anheben, Feuchtigkeit trocknen, Diarrhö beenden.
Rezept: Ling Gui Zhu Gan Tang: Transformiert Schleim und dünnen Schleim (Tan Yin), stärkt die Milz und beseitigt Feuchtigkeit, enthält: Poria (Fu Ling), Cinnamomi Ra. (Gui Zhi), Atractylodis macrocephalae Rz. (Bai Zhu), Glycyrrhizae Rx. praep. ([Zhi] Gan Cao). Modifikationen: Zeigen die Kinder im Winter Erbrechen und Diarrhö zusätzlich Pinelliae Rz. praep. (Ban Xia) und/oder nur Citri reticulatae Pericarpium (Chen Pi) geben. Die Mitte wird durch diese Rezeptur v.a. über Atractylodis macrocephalae Rz. (Bai Zhu) supplementiert, die Säfte werden aufgefüllt. Bessert sich die Symptomatik nach ca. zwei Wochen Rezeptgabe nicht, zusätzlich wärmende Arzneien hinzufügen. Weitere mögliche Rezeptur: Variationen von Shen Ling Bai Zhu San (7.6.10.a).
Anmerkung: Wenn Kinder zwar keine Diarrhö zeigen, aber Schwierigkeiten haben, bei Stuhldrang schnell genug auf die Toilette zu kommen, kann dies bereits ein Hinweis darauf sein, dass der Einsatz der Arzneikombination Cinnamomi Cx. (Rou Gui) und Alpiniae oxyphyllae Fr. (Yi Zhi Ren) indiziert ist.

Leitsymptom: Obstipation

In der kinderheilkundlichen Literatur der CM findet man keine spezifische Erwähnung der Obstipation. Es lassen sich aber einige, in der Praxis bewährte CM-Muster herleiten, die zur Obstipation führen.
Muster-Differenzierung:
Obstipation durch Hitze (14.7.11.a)
Obstipation durch Blut- und Yin-Mangel (14.7.11.b)
Obstipation durch Qi-Mangel (14.7.11.c)
Obstipation durch Yang-Mangel (14.7.11.d)
Obstipation durch Hitze
Symptome und Befunde: Obstipation, Stuhl ist trocken, hart, manchmal stark dunkelbraun, evtl. stark riechend, Durst, Mundgeruch, Appetitminderung. Zunge: Rot mit trockenem Belag; Puls: Oft beschleunigt.
Therapieprinzipien: Hitze beseitigen, ggf. kühlen und Flüssigkeiten auffüllen, Stuhlentleerung fördern.
Rezept: Bei Kindern reicht oft die Kombination von Magnoliae Cx. (Hou Po) und Paeoniae Rx. alba (Bai Shao: Befeuchtet die Darmwand), evtl. zusätzlich Glycyrrhizae Rx. (et Rz.) (Gan Cao) und Citri reticulatae Pericarpium (Chen Pi). Modifikationen: Bei sehr großer Hitze kurzfristig ein kleine Menge Rhei Rx. et Rz. (Da Huang: Je nach Alter 2–4g) hinzufügen, die länger (10–15min) gekocht werden sollte (besser verträglich) und ggf. Klistier. Droht die Hitze in eine Leere-Hitze überzugehen, dann kühlen und Yin auffüllen mit Anemarrhenae Rz. (Zhi Mu). Wenn der Stuhl immer noch trocken ist, kann entweder Rehmanniae Rx. praep. (Shu Di Huang) oder Adenophorae Rx. (Nan Sha Shen) hinzugefügt werden.
Obstipation durch Blut- und Yin-Mangel
Symptome und Befunde: Sehr köteliger Stuhl (wie Hasenkötel), z.B. nach langer, aufzehrender Erkrankung etc. Zunge: Blass oder gerötet, evtl. trockener Belag.
Therapieprinzipien: Blut und Yin nähren, Trockenheit befeuchten und Stuhlentleerung fördern.
Rezept: Zeng Ye Tang (7.6.7) und Variationen oder folgende Kombination: Angelicae sinensis Rx. (Dang Gui), evtl. Cannabis Sm. (Huo Ma Ren), Rehmanniae Rx. praep. (Shu Di Huang), Citri reticulatae Pericarpium (Chen Pi). Rezeptur kann mit einem Löffel Honig (befeuchtet) gegessen werden. Modifikationen: Zusätzlich Polygoni multiflori Rx. (Shou Wu), um stärker zu befeuchten.
Obstipation durch Qi-Mangel
Symptome und Befunde: Schwierigkeiten, den Stuhl zu entleeren (lange Sitzungen auf der Toilette), der Stuhl selbst ist nicht sehr trocken, die Kinder haben das Gefühl, nicht richtig entleeren zu können, d.h., sie haben nicht die Kraft zur Absenkung und zeigen die Anstrengung bei der Stuhlentleerung z.B. durch Wangenrötung.
Therapieprinzipien: Das Qi stärken, damit es absenken kann, Stuhlentleerung fördern.
Rezept: Astragali Rx. (Huang Qi), Atractylodis macrocephalae Rz. (Bai Zhu), Citri reticulatae Pericarpium (Chen Pi), evtl. Cannabis Sm. (Huo Ma Ren) mit einem Löffel Honig (befeuchtet) geben.
Obstipation durch Yang-Mangel
Symptome und Befunde: Erschöpfte, müde Kinder, kälteempfindlich, frieren leicht und ziehen sich daher oft viele Kleidungsstücke an. Diese Form der Obstipation ist eher selten zu beobachten.
Therapieprinzipien: Yang stärken und wärmen, Stuhlentleerung fördern.
Rezept: Cinnamomi Cx. (Rou Gui), Cistanches Hb. (Rou Cong Rong), evtl. Citri reticulatae Pericarpium (Chen Pi), evtl. Achyranthis bidentatae Rx. (Niu Xi).

Enuresis nocturna

Die Enuresis nocturna ist ein häufiges Thema in der kinderärztlichen Praxis. Neben einer Begleitung der Familie kann CM unterstützend und hilfreich wirken.
Muster-Differenzierung:
Enuresis durch Schwäche von Lunge und Milz (14.7.12.a)
Enuresis durch Nieren-Yang-Mangel (14.7.12.b)
Enuresis durch Stagnation von Feuchte-Hitze in der Leber-Leitbahn (14.7.12.c)
Enuresis durch Schwäche von Lunge und Milz (11.11.12)
Pathomechanismus: Betroffen sind die FK Lunge und Milz, die sich meist von Geburt an nicht richtig entfalten konnten, evtl. aufgrund früher Erkältungskrankheiten oder Nahrungsstagnationen etc.
Symptome und Befunde: Enuresis nocturna eher in kleinen, aber häufigen Mengen, tritt oft während oder nach Infekten auf, tagsüber meist kein Einnässen sondern Wasserlassen in normaler Menge und Häufigkeit, Lustlosigkeit, Schwäche (auch muskuläre Schwäche, z.B. spätes Laufenlernen), oft Appetitmangel, breiiger Stuhl, mehrere Erkältungen oder andere Erkrankungen des FK Lunge in der Anamnese, evtl. auch familiäre Probleme, die mit Verlust, Trennung oder Trauer vergesellschaftet sind, Kinder koten evtl. auch ein. Zunge: Blass mit dünnem, weißem Belag; Puls: Tief, langsam und schwach.
Therapieprinzipien: Lungen- und Milz-Qi stärken, das Qi anheben und Enuresis beenden.
Rezept: Variation von Bu Zhong Yi Qi Tang (7.6.10.a), enthält: Astragali Rx. (Huang Qi), Atractylodis macrocephalae Rz. (Bai Zhu), Citri reticulatae Pericarpium (Chen Pi), Bupleuri Rx. (Chai Hu), Cimicifugae Rz. (Sheng Ma), Angelicae sinensis Rx. (Dang Gui), Dioscoreae Rz. (Shan Yao), Alpiniae oxyphyllae Fr. (Yi Zhi Ren).
Enuresis durch Nieren-Yang-Mangel (11.9.2)
Pathomechanismus: Die Niere ist kalt und wird nicht genügend gewärmt, was zu Störungen in der Haltefunktion der Niere führt (nicht genug Kraft für die Blase) mit häufigem Wasserlassen und Enuresis.
Symptome und Befunde: Enuresis nocturna mit großen, hellen Urinmengen, Blässe, Wundheitsgefühl im Kniebereich, Kälte der Extremitäten, häufiges Wasserlassen mit hellem Urin (auch tagsüber Zeichen von Inkontinenz, oft hält die Mutter aufgrund des ständigen Einnässens zu Hause die Windeln bei dem Kind an). Zunge: Blass, evtl. feuchter Belag; Puls: Tief, schwach.
Therapieprinzipien: Nieren-Yang wärmen und stärken, die Miktion kontrollieren, den unteren Jiao regulieren, im Zusammenhang mit chronischen Erkrankungen auch Milz(-Yang) stärken (11.11.17).
Rezept: Cuscutae Sm. (Tu Si Zi: Bewährte Arznei), Linderae Rx. (Wu Yao), Atractylodis macrocephalae Rz. (Bai Zhu), Rubi Fr. (Fu Pen Zi: Wirkt besonders adstringierend auf die Blase), Schisandrae Fr. (Wu Wei Zi), Astragali Rx. (Huang Qi, mit Beziehung zum Milz-Yang), bei älteren Kindern evtl. zusätzlich Epimedii Hb. (Yin Yang Huo). Bei Disharmonie zwischen Herz und Niere auch Variation von Sang Piao Xiao San.
Enuresis durch Stagnation von Feuchte-Hitze in der Leber-Leitbahn
Pathomechanismus: Entwicklung von Feuchte-Hitze z.B. über Diätfehler, oft Mitbeteiligung von Emotionen. Die Feuchte-Hitze stagniert, sinkt nach unten und beeinträchtigt die Funktionen des unteren Jiao.
Symptome und Befunde: Einnässen zu jeder Uhrzeit möglich oder verstärkt um die Leber-Zeit zwischen 1 Uhr und 4 Uhr nachts, eher bei Kindern ab dem sechsten oder siebten Lebensjahr, Reizbarkeit, meist nächtliches Zähneknirschen (als Zeichen einer Leber-Qi-Stauung), oft rote, stark abgegrenzte Lippen, rote Wangen, riechender Urin, riechender Achselschweiß. Zunge: Rot, Belag: Gelblich oder gelb, evtl. klebrig.
Therapieprinzipien: Leber-Qi bewegen, Feuchte-Hitze beseitigen.
Rezept: Gentianae Rx. (et Rz.) (Long Dan Cao), Scutellariae Rx. (Huang Qin), Bupleuri Rx. (Chai Hu), Alismatis Rz. (Ze Xie), Massa medicata fermentata (Shen Qu). Cave: Wird ein Kind im Winter wegen Enuresis vorgestellt, sollten die kalten Mittel unbedingt niedriger dosiert werden.

Psycho-mentale Störungen

Im Folgenden werden Disharmonien des Geist-Shen bei Kindern besprochen, die sich in Richtung eines Aufmerksamkeitsdefizit-Syndroms bzw. Hyperaktivität entwickelt haben. Diese Kinder zeigen v.a. folgende Auffälligkeiten: Lern-, Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen, sind zerstreut, schnell ablenkbar oder nicht bei der Sache, sind hyperaktiv, eigensinnig und verhalten sich nicht altersentsprechend. Sie zeigen zudem meist eine mangelnde Affektkontrolle, was Beeinträchtigungen ihres Sozialverhaltens nach sich zieht. Die Intelligenz ist jedoch meist normal. Die Störung äußert sich um den Zeitpunkt der Einschulung zum ersten Mal und erreicht einen Höhepunkt im Alter von acht bis zehn Jahren. Meist erholen sich die Kinder in der Pubertät.
Pathomechanismus: Nach CM werden bei Hyperaktivität sowohl ein kongenitaler Faktor als auch erworbene Faktoren diskutiert (vgl. Xu et. al 1989). Der Geist-Shen und der Körper (Xing) gehören im chinesischen Denken im Sinne eines Kontinuums untrennbar zusammen (13.18.1). Eine Balance von Yin und Yang ist dabei essentiell, um gesund zu sein und auch mental zu funktionieren. Der Geist wie der Körper benötigen aber gewisse Vorraussetzungen, um ihre Funktionen optimal erfüllen zu können. Kann der Geist-Shen z.B. durch einen körperlich bedingten Blut-Mangel nicht ausreichend beherbergt werden, kann sich dies in Unruhe, Störungen der Aufmerksamkeit und in Hyperaktivität äußern. Übergeordnet führen v.a. drei Ursachen zu Shen-Disharmonien: Schwäche-Muster (mit nachfolgender Mangel-Ernährung des Geist-Shen), Hitze-Prozesse im Körper (durch Leere oder Fülle) und Stagnation. Diagnostik und Therapie nach CM nehmen daher einerseits die materielle Grundlage des Shen besonders in den Fokus, andererseits aber auch die besondere Schulung von Körper und Geist wie z.B. das Erlernen von Ausdauer und Konzentration, Kontrolle über die eigenen Affekte durch körperliche (und meditative) Übungen. So haben sich zusätzlich zur Arzneitherapie (und Akupunktur) bei Kindern Entspannungstechniken wie Qigong und Taijiquan (14.6, 9) sowie Tuina-Massage (14.4), aber auch körperliche Betätigung wie z.B. das Erlernen bestimmter asiatischer Kampfsportarten wie Judo bewährt. Ebenso sollte ein familiendynamischer Hintergrund, der seinen Ausdruck möglicherweise im Verhalten der Kinder findet, einfühlsam angesprochen werden und aufklärende, beratende und pädagogische Maßnahmen mit in das Behandlungskonzept einfließen.
Unruhe durch Aufsteigendes Leber-Yang aufgrund von Nieren-Yin-Mangel
Pathomechanismus: Durch aufsteigendes Leber-Yang aufgrund von Nieren-Yin-Mangel entsteht ein Qi-Mangel des Herzens und der Milz mit der Folge einer Unterversorgung des Geistes. Die Behandlung sollte sich zunächst v.a. auf die Niere konzentrieren, gefolgt von einer Behandlung von Herz bzw. Geist-Shen.
Symptome: Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen teilweise mit Abwesenheit, Unruhe, Hitzegefühl in der Brust, Hyperventilation, Mundtrockenheit, nächtliches Schwitzen.
Therapieprinzipien: Niere stärken, damit Yang gehalten werden kann, Geist-Shen beruhigen.
Rezept: Aus der Rezeptur Zuo Gui Wan (7.6.10.d) werden folgende Arzneien verwendet: Rehmanniae Rx. praep. (Shu Di Huang), Corni Fr. (Shan Zhu Yu), Dioscoreae Rz. (Shan Yao), Lycii Fr. (Gou Qi Zi), Poria (Fu Ling), Glycyrrhizae Rx. (et Rz.) praep. ([Zhi] Gan Cao). Erfahrungsgemäß ist diese Rezeptur für die kindliche Mitte besser verträglicher als Liu Wei Di Huang Wan (7.6.10.d). Modifikationen: Bei Obstipation zusätzlich Ophiopogonis Rx. (Mai Men Dong), Scrophulariae Rx. (Xuan Shen) oder Polygoni multiflori Rx. (He Shou Wu). Bei Schlafstörungen mit unruhigem Schlaf zusätzlich Ligustri lucidi Fr. (Nü Zhen Zi) oder Anemarrhenae Rz. (Zhi Mu). Bei Lernschwierigkeiten zusätzlich Acori tatarinowii Rz. (Shi Chang Pu), Salviae miltiorrhizae Rx. (Dan Shen) oder Polygalae Rx. (Yuan Zhi).
Unruhe durch Schwäche in Herz und Milz
Pathomechanismus: Bei einer Schwäche von Milz und Herz wird der Geist-Shen nicht ausreichend ernährt.
Symptome und Befunde: Störungen in der Aufmerksamkeit, Zerstreutheit und Gedächtnisstörungen, unruhiger Schlaf, nächtliche Rastlosigkeit, oft Albträume
Therapieprinzipien: Milz stärken, Qi und Blut nähren, Geist-Shen beruhigen.
Rezept: Ein wichtiges Rezept bei Unruhe durch Herz- und Milz-Schwäche ist Gan Mai Da Zao Tang (7.6.14.b, 13.18.2.l). Modifikationen: Bei starker Unruhe zusätzlich Uncariae Ra. cum Uncis (Gou Teng), Cicadae Periostracum (Chan Tui). Bei abdominalem Völlegefühl zusätzlich Citri reticulatae Pericarpium (Chen Pi), Magnoliae officinalis Cx. (Hou Po). Bei häufiger Erkältung zusätzlich Saposhnikoviae Rx. (Fang Feng). Bei Hitzezeichen zusätzlich Coptidis Rz. (Huang Lian) oder evtl. Picrorhizae Rz. (Hu Huang Lian), Artemisiae annuae Hb. (Qing Hao).
Unruhe durch Schleim-Feuer im Herzen
Symptome und Befunde: Betroffen sind meist ältere Kinder bzw. Jugendliche. Agitierte Hyperaktivität, Konzentrationsstörungen, oft thorakale Enge, viel Sputum, Appetitverlust, je nach Hitzegrad Durst, gerötete Lippen, Obstipation oder stinkende Diarrhö. Zunge: Je nach Hitzegrad gerötet, v.a. die Zungenspitze, Belag: Gelb, klebrig; Puls: Schlüpfrig und beschleunigt.
Therapieprinzipien: Schleim lösen und beseitigen, Schleim-Hitze klären und Geist-Shen beruhigen.
Rezept: Wen Dan Tang (7.6.16.b), Aurantii Fr. immaturus (Zhi Shi) entfernen und evtl. Acori tatarinowii Rz. (Shi Chang Pu) hinzufügen. Modifikationen: Bei Nahrungsstagnation zusätzlich Raphani Sm. (Lai Fu Zi) und Gigeriae galli Endothelium corneum (Ji Nei Jin). Bei Obstipation zusätzlich Rhei Rx. et Rz. (Da Huang) 1–3g (lange kochen), um die Wirkungsrichtung nach unten zu stärken. Bei Zeichen von Feuchte-Hitze im unteren Jiao (gelber Zungenbelag, gelber Urin, Juckreiz und evtl. Ekzeme in der Genitalregion) zusätzlich Gentianae Rx. (et Rz.) (Long Dan Cao) und Gardeniae Fr. (Zhi Zi).

Akupunktur bei speziellen Erkrankungen im Kindesalter

Die nachfolgende Übersicht über wichtige Akupunkturpunkte bei speziellen Erkrankungen im Kindesalter (Tab. 14.19) wurde mit Unterstützung von Sieglinde Wilz und Ruthild Schulze erstellt.

Nadelung bei Kindern

Voraussetzung ist die Beherrschung der Nadeltechnik. Immer nur wenige Nadeln auswählen (ggf. nur eine oder zwei), kurzfristige Verweildauer, Stimulationstechnik an Erkrankung und Konstitutionstyp (14.1.3) anpassen.
Mögen die Kinder die Nadelung nicht, ist auch eine Akupressur der Punkte möglich und empfehlenswert bzw. v.a. Tuina (14.4) einzusetzen. Zusätzlich Einsatz weiterer relevanter Verfahren wie z.B. Gua Sha, Schröpfen, Moxibustion (14.5.2) entsprechend dem vorliegenden Muster.
Details zu Akupunktur und relevanten Verfahren 14.5.

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