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B978-3-437-56483-3.10013-8

10.1016/B978-3-437-56483-3.10013-8

978-3-437-56483-3

Zyklus mit Basaltemperaturkurve (BTK) aus Sicht der CM

Schwangerschaftsscheibe

(mit freundlicher Genehmigung von Ruthild Schulze)

Ohrakupunktur

Syndrom-Differenzierung bei funktionellen kardiovaskulären Störungen

Tab. 13.1
Syndrom Pathomechanismus Symptome Zunge Puls
Qi-Stagnation (4.2.3, 13.1.1.a) Emotionale Dauerbelastung führt zu Leber-Qi-Stauung und Qi-Stagnation im oberen Jiao Schmerzen im Hypochondrium, thorakales Beklemmungsgefühl, Gereiztheit, depressive Verstimmung; bei transformierender Hitze mit Wutausbrüchen Geschwollene Seitenränder; bei transformierender Hitze gerötet Saitenförmig
Qi- und Blut-Mangel (Milz-Qi und Herz-Blut-Mangel 11.11.5, 13.1.1.b) Milz-Qi-Mangel mit ungenügender Produktion von Herz-Blut Dyspnoe, Müdigkeit, Konzentrationsprobleme, Vergesslichkeit, spontanes Schwitzen, Palpitationen, Schlaflosigkeit, starkes Träumen, reduzierter Appetit, breiiger Stuhl Blass Dünn, schwach
Disharmonie von Herz und Niere (11.11.11, 13.1.1.c) Überarbeitung führt zur Erschöpfung des Nieren-Yin, welches das Herz-Feuer nicht mehr ausgleichen kann Palpitationen, innere Unruhe, Mund- und Halstrockenheit, Schlaflosigkeit, häufiges Träumen, Nachtschweiß Gerötet mit stark geröteter Spitze, belaglos Dünn, schnell; evtl. überflutend
Schleim-Ansammlung mit Qi-Stagnation (13.1.1.d) Fehlernährung oder Hitze führt zu Schleim; Schleim kombiniert mit Qi-Stagnation, die weiter begünstigt wird Palpitationen, Enge- und Druckgefühl auf der Brust, häufiges Seufzen, depressive Verstimmung, Schlaflosigkeit, häufiges Träumen Geschwollene Seitenränder.Belag: verdickt, weiß, schleimig Schlüpfrig und saitenförmig

Syndrom-Differenzierung bei Angina pectoris

Tab. 13.2
Syndrom Pathomechanismus Symptome Zunge Puls
Herz-Qi- und -Yang-Mangel mit Kälte-Invasion (11.1.1, 11.1.2, 13.1.2.a) Konstitutionelle Schwäche von Herz-Qi und/oder -Yang lassen pathogene Kälte eindringen Schmerz: verschlimmert sich bei Kälte, strahlt aus in den Rücken.
Allgemeinsymptome: Dyspnoe, Palpitationen, Kälteaversion, Frösteln
Blass oder blassbläulich.
Belag: weiß, evtl. dick
Tief, schwach; falls die äußere Kälte überwiegt evtl. gespannt
Schleim-Retention
(4.2.3, 13.1.2.b)
Milzschwäche mit Feuchtigkeit, die sich zu Schleim wandelt; Hitze von Leber (Emotionen) und Magen (Fehlernährung), welche die Säfte eindickt Schmerz: Völlegefühl, Druck, Einengung.
Allgemeinsymptome: Appetitlosigkeit, Adipositas, Schweregefühl des Körpers, übermäßiger Schleim, schleimiger Mundgeschmack, Schwindel
Geschwollen.
Belag: dick, schmierig-klebrig
Schlüpfrig und saitenförmig
Herz-Blut-Stase
(11.1.5, 13.1.2.c)
Schleim, Qi-Stagnation oder Herz-Yang-/-Qi-Mangel Schmerz: stechend, fixiert, Beklemmungsgefühl.
Allgemeinsymptome: Lippen- und Nagelzyanose, Dyspnoe
Dunkel, gestaute Zungenuntergrundvenen Rau, saitenförmig, evtl. unregelmäßig
Leber-Qi- und Blut-Stagnation (11.7.2, 11.7.3, 4.2.311.7.211.7.34.2.3, 13.1.2.d) Emotionale Dauerbelastung, übermäßiger Stress und unzureichende Erholung führen zu Leber-Qi-Stauung mit Qi-Blockade im Thorax Schmerz: Völlegefühl mit dumpfen Schmerzen, verschlimmert durch emotionalen Stress; Spannungsgefühl in den Flanken.
Allgemeinsymptome: Dyspnoe, emotionale Anspannung und Depression, häufiges Seufzen, kalte Hände in Stresssituationen
Leicht dunkel.
Belag: dünn, weiß
Saitenförmig
Qi- und Yin-Mangel (13.1.2.e) Hohes Lebensalter, chron. Erkrankung; Tendenz zu Yin-Mangel Schmerz: undefinierbarer Schmerz, Verschlechterung durch Anstrengung.
Allgemeinsymptome: Abgeschlagenheit, Kraftlosigkeit, innere Unruhe, blasses Gesicht, Mund- und Rachentrockenheit, Dyspnoe
Blassrötlich.
Belag: wenig
Dünn, evtl. schnell oder unregelmäßig

Syndrom-Differenzierung bei Herzinsuffizienz

Tab. 13.3
Syndrom Pathomechanismus Symptome Zunge Puls
Blut-Stase (4.2.3) und Herz-Blut-Stase (11.1.5) mit Wasseransammlung (13.1.3.a) Blut-Stase blockiert die Flüssigkeitszirkulation; Flüssigkeiten und Wasser sammeln sich an; häufig ist ein Qi-Mangel eine Teilursache für die Stase Palpitationen, Herzstolpern, Belastungsdyspnoe.Allgemeinsymptome: zyanotische Lippen und Nägel, Ödeme der unteren Extremitäten, Halsvenenstauung, dunkle Verfärbung der Regio zygomatica, evtl. Hepatomegalie Staseflecken, dunkelviolett, gestaute Zungengrundvenen.
Belag: weiß, schmierig
Rau, unregelmäßig
Herz-Qi- (11.1.1) und Herz-Yin-Mangel (11.1.4, 13.1.3.b) Höheres Lebensalter, andauernde Überlastung und starke Ängste schwächen das Herz-Qi, was mit der Zeit zu einem Herz-Yin-Mangel führt Dyspnoe und Palpitationen, Herzstolpern schlimmer unter Belastung.
Allgemeinsymptome: Müdigkeit, Spontanschweiß, Mundtrockenheit, Nachtschweiß, Hitzesensationen in Handflächen und Fußsohlen
Blass oder normalfarben, evtl. leicht geschwollen Unregel-mäßig, dünn, schnell
Nieren-, Milz- und Herz-Yang- Mangel (11.1.2) mit überflutendem Wasser (13.1.3.c) Chron. Qi-Schwäche beeinträchtigt Milz- und Nieren-Funktion, was zu einer Herz-Yang-Schwäche sowie zu Wasseransammlungen führt Dyspnoe, Palpitationen.
Allgemeinsymptome: Ödeme, blasses oder gräuliches Gesicht, abdominale Völlegefühle, weicher Stuhl, kalte Extremitäten, Frösteln, Oligurie
Geschwollen, blass-dunkel.
Belag: weiß
Schwach und tief, unregel-mäßig

Syndrom-Differenzierung bei Herzrhythmusstörungen

Tab. 13.4
Syndrom Pathomechanismus Symptome Zunge Puls
Schleim-Hitze blockiert das Herz (11.1.7, 13.1.4.a) Fehlernährung mit Schleim-Ansammlung; Hitze, welche die Flüssigkeiten eindickt Palpitationen, Herzrhythmusstörungen, Unruhe, Agitation, bitterer Mundgeschmack, Schwindel, Schlaflosigkeit, Wahrnehmungsstörungen Rot.
Belag: dick, schleimig, gelb
Saitenförmig, schlüpfrig, voll, evtl. schnell
Aufsteigendes Leber-Yang (11.7.5, 13.1.4.b) Yin- und Blut-Mangel führen zu aufsteigendem Leber-Yang Palpitationen, Herzrhythmusstörungen, Kopfschmerzen, Tinnitus und Schwindel bei Stress, Yin- oder Blut-Mangel-Zeichen Blass bei Blut-Mangel, rot bzw. belaglos bei Yin-Mangel Saitenförmig, überflutend
Disharmonie zwischen Herz und Niere (11.11.11, 13.1.4.c) Chron. Überanstrengung, fortgeschrittenes Alter oder Krankheiten Palpitationen, Herzrhythmusstörungen, Schlafstörungen, Unruhezustände, Durst, Lumbalgie, Mund- und Halstrockenheit, Nachtschweiß, Tinnitus, Vergesslichkeit Rot und belaglos Dünn und schnell, überflutend
Herz-Blut-Stase (11.1.5,13.1.4.d) Dauernde emotionale Anspannung, die zu Leber-Qi-Stauung und zu Blut-Stase führt, chron. Krankheitsverlauf Palpitationen, Herzrhythmusstörungen, chron. Krankheitsverlauf, stechende Schmerzen thorakal, Becklemmungsgefühl, dunkle, gestaute Gesichtsfarbe, Mund- und Halstrockenheit Blauviolett mit Staseflecken; gestaute Unterzungenvenen Rau, saitenförmig und unregelmäßig
Herz-Yang-Mangel (11.1.2,13.1.4.e) Chron. Erkrankungen, hohes Lebensalter, hoher Verbrauch des Qi Palpitationen, Bradykardie, thorakales Engegefühl, beides verschlimmert durch Anstrengung; Dyspnoe, Keuchatmung, Ödeme, kalte Extremitäten, Müdigkeit Blass oder blassdunkel, geschwollen.
Belag: weiß
Tief, schwach, evtl. langsam und unregelmäßig
Herz- und Gallenblasen-Qi-Mangel (11.11.8, 13.1.4.f) Konstitutionelle Veranlagung, Überforderung, Fehlernährung; diese Faktoren führen zu Herz- und Milz-Qi-Mangel, Leber-Qi-Stauung und Schleim-Ansammlung Palpitationen, Ängstlichkeit, Schreckhaftigkeit, Unruhezustände, Mutlosigkeit, schnelles Erwachen, schreckhaftes Erwachen, Entscheidungslosigkeit Blass.
Belag: weiß
Saitenförmig, schwach
Herz-Qi- und -Yin-Mangel (11.1.1, 11.1.411.1.111.1.4, 13.1.4.g) Chron. Erkrankungen oder Überanstrengung verbrauchen Qi und Yin Palpitationen, Tachykardie, Dyspnoe, Müdigkeit, Spontanschweiß, evtl. Nachtschweiß Rot.
Belag: verdünnt
Dünn und schnell oder dünn und unregelmäßig
Herz-Blut- und Milz-Qi-Mangel (11.11.4, 13.1.4.h) Schwache Körperkonstitution, zu häufiges Grübeln, falsche Ernährung Palpitationen, Dyspnoe, blasses Gesicht, blasse Nägel, Schwindel, Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Schlafstörungen, Zerstreutheit, Konzentrationsstörungen Blass, seitliche Zahneindrücke Kraftlos, dünn oder rau
Loderndes Herz-Feuer (11.1.6, 13.1.4.i) Hitze aufgrund von emotionaler Überlastung mit Leber-Qi-Stauung und transformierender Hitze; oder Hitze steigt aufgrund von Fehlernährung auf und führt zu Herz-Feuer; oft konstitutionelle Veranlagung Palpitationen, Herzrhythmusstörungen, Tachykardie, Hitzesensationen, schnelles und lautes Sprechen, bitterer Mundgeschmack, trockener Mund und Hals, Schlafstörungen, Hyperaktivität, manisches Verhalten Stark gerötet (v.a. Zungenspitze) Voll, kräftig, schnell

Syndrom-Differenzierung bei peripheren vaskulären Störungen

Tab. 13.7
Syndrom Symptome Zunge Puls
Qi-Stagnation (S. 1106) Kalte Hände und Füße, ziehende Schmerzen, Verschlimmerung der Symptome durch emotionale oder psychische Belastung, Schmerzen nicht an eine Lokalisation fixiert oder alternierend Geschwollene Seitenränder; bei Hitzeentwicklung gerötete Seitenränder Saitenförmig
Yang-Mangel mit (äußerer) Kälte in den Leitbahnen (S. 1106) Kalte Extremitäten, Taubheitsgefühl, dumpfe Schmerzen, generelles Kältegefühl, Kälte verschlimmert, Blässe und dunkelblasse Verfärbungen, evtl. Ödeme, Müdigkeit, generell Kälteaversion Blass und geschwollen Tief, gespannt, evtl. langsam
Feuchtigkeits-Ansammlung (S. 1106) Taubheitsgefühl, Schwellungen und Ödeme meist in den unteren Extremitäten, Schweregefühle, dumpfe, ziehende Schmerzen, Trägheit, Müdigkeit, bei innerer Feuchtigkeit evtl. weiche Stühle, Blähungen und epigastrische Völle Dicker weißer Zungenbelag Schlüpfrig, weich
Blut-Stase Blut-Stase generell (S. 1107) Zyanose, stechende, intensive Schmerzen, Taubheitsgefühl Evtl. zyanotisch mit Staseflecken, gestaute Unterzungen-Venen Saitenförmig
Blut-Stase mit Qi-Mangel (S. 1107) Zyanose, stechende, intensive Schmerzen, Taubheitsgefühl, Müdigkeit, Verschlimmerung der Symptome bei Anstrengung, Blässe Blass-dunkel, evtl. leicht zyanotisch und mit Staseflecken; gestaute Unterzungenvenen, mit Zahneindrücken.
Belag: weißer, evtl. etwas verdickter Belag
Tief, saitenförmig, schwach
Blut-Stase Blut-Stase mit Qi-Stagnation (S. 1107) Zyanose, stechende, intensive Schmerzen, Taubheitsgefühl, Verschlimmerung der Symptome durch psychische und emotionale Belastungen Geschwollene Seitenränder, dunkel, evtl. zyanotisch und mit Staseflecken, gestaute Unterzungenvenen Saitenförmig
Blut-Stase mit (äußerer) Kälte in den Leitbahnen (S. 1107) Zyanose, stechende, intensive Schmerzen, Taubheitsgefühl, Verschlimmerung der Symptome bei Kälte, kein generelles Kältegefühl im Körper Evtl. zyanotisch und mit Staseflecken, gestaute Unterzungenvenen Saitenförmig
Blut-Stase mit Yang-Mangel und (äußerer) Kälte in den Leitbahnen (S. 1108) Zyanose, stechende, intensive Schmerzen, Taubheitsgefühl, Verschlimmerung der Symptome bei Kälte, Blässe, kalte Extremitäten, generelles Kältegefühl, Müdigkeit Blass-dunkel, geschwollen, evtl. zyanotisch mit Staseflecken, gestaute Unterzungenvenen Tief, saitenförmig
Feuchte-Hitze mit Toxinen, Stase und Blut-Hitze (S. 1108) Ulzerationen, offene Wunden, Schwellungen, lokale Rötung bis hin zur Nekrose Evtl. zyanotisch mit Staseflecken, gestaute Unterzungenvenen.
Belag: gelb, schleimig
Saitenförmig; evtl. schlüpfrig und schnell

Die Syndrome sind modulartig aufgelistet, d.h., sie kommen in der Praxis häufig kombiniert vor, daher sollten Rezepturen entsprechend durch eine Kombination der Therapiemodule (siehe unten) individuell angepasst werden.

Differenzierung von Fülle- und Mangel- bzw. Leere-Dyspnoe

Tab. 13.9
Fülle-Dyspnoe Mangel- bzw. Leere-Dyspnoe
Tiefe und lange Atemzüge Flache und kurze Atemzüge
Gefühl der Besserung bei der Exspiration Erleichterung durch tiefe Inspiration
Raue Atmung, laute Stimme Tiefe Stimme
Schneller kraftvoller Puls Schwacher oder oberflächlicher und großer hohler Puls
  • Angriff äußerer pathogener Faktoren: schneller und akuter Beginn, kürzere Erkrankungsdauer, zusätzliche äußere Syndrome (z.B. Fieber/Frösteln gleichzeitig)

  • Durch innere Erkrankungen:

    • länger dauernde Erkrankung, rezid. Attacken

    • trüber Schleim oder Schleim-Hitze: thorakele Völle und Enge

    • Leber-Qi-Stauung (11.7.2) durch Ärger: Dyspnoe und Tachypnoe aufgrund von emotionaler Anspannung

  • Langsamer Erkrankungsbeginn, längere Erkrankungsdauer, leichtgradigere Beschwerden wechseln mit schwergradigeren ab, Verschlechterung bei Müdigkeit

  • Lungen-Schwäche: Kurzatmigkeit, spontanes Schwitzen und Windaversion, Verschlechterung durch Überarbeitung

  • Nieren-Schwäche: Tachypnoe in Ruhe mit sofortiger Verschlimmerung durch Bewegung (betrifft mehr die Exspiration als die Inspiration)

  • Herz-Qi-Schwäche: andauernde erschwerte Atmung

Differenzierung von Kälte- und Hitze-Dyspnoe

Tab. 13.10
Kälte-Dyspnoe Hitze-Dyspnoe
Klares, dünnes, wässriges oder weißes schaumiges Sputum Gelbes, dickes, klebriges, zähes oder weißes, klebriges Sputum, das sich nur erschwert abhusten lässt
Mattes livides Aussehen des Gesichts Gerötetes Gesicht
Kein Durst oder Verlangen nach warmen Getränken Durst mit Verlangen nach kühlen Getränken
Weißer schlüpfriger Zungenbelag Rote Zunge mit gelbem schmierigem Belag oder mit gelbem trockenem Belag
Oberflächlicher und gespannter oder saitenförmiger und langsamer Puls Schlüpfriger, schneller Puls

Differenzierung von Fülle- und Mangel-/Leere-Syndromen bei Erbrechen

Tab. 13.13
Fülle-Syndrome (Shi Zheng) (13.3.2.a) Mangel bzw. Leere-Syndrome (Xu Zheng) (13.3.2.b)
Beginn der Erkrankung Plötzlich Langsam
Erkrankungsdauer Kurz Lang anhaltend
Erbrechen Heftig und ununterbrochen Milde und nicht ständig schubweise verlaufend
Pathomechanismus und Syndrome
  • Von außen eingedrungene Pathogene greifen den Magen an

  • Leber-Qi-Stauung (11.7.2)

  • Fehlernährung

  • Störungen der Lungen-Qi-Absenkungs- und -Verteilungsfunktion

  • Milz- und Magen-Schwäche

  • Nieren-Yang-Mangel

Syndrom-Differenzierung bei Leitsymptom Diarrhö (泄 泻 [Xi Xi])

Tab. 13.15
Syndrom Hauptsymptome Begleitsymptome Zunge Puls
Akute Diarrhö ( 13.3.3.a )
Eindringen von Feuchte-Kälte oder Wind-Kälte Akuter und plötzlicher Beginn, klarer wässriger Stuhl, abwechselnd Bauchschmerz und Diarrhö, Gurgelgeräusche Oft äußere Syndrome von Wind-Kälte mit Feuchtigkeit wie Kälteaversion und Fieber, schwerer Kopf und Müdigkeit, Gliederschmerzen, epigastrales Völlegefühl, Appetitlosigkeit, kein Durst oder klebriges Gefühl im Mund Belag: dünn und weiß oder weiß-schmierig Sanft und langsam oder oberflächlich und gespannt
Feuchte-Hitze oder Sommerhitze und Feuchtigkeit Akute Diarrhö nach Bauchschmerzen, akute plötzliche Diarrhö oder Stuhlentleerungsstörungen, gelbbrauner und zäher, stinkender Stuhl Anusbrennen, Unruhe, Durst, wenig dunkler Urin Rot.
Belag: gelb, schmierig
Schlüpfrig und schnell oder sanft und schnell
Nahrungsstagnation Plötzliche Diarrhö nach Bauchschmerzen, nach verfaulten Eiern riechender Stuhl, Besserung des Schmerzes nach Durchfall Völlegefühl im Magen, Aufstoßen mit fauligem Geruch, Appetitverlust Belag: dick, schmierig Schlüpfrig
Chronische Diarrhö ( 13.3.3.b )
Milz-Mangel-Syndrome Weiche Stühle oder häufiger Stuhlgang, Stuhlgang v.a. nach einer kleinen fettreichen Mahlzeit oder nach Müdigkeit, manchmal Stuhl mit unverdauten Nahrungsresten Fahle Blässe, Müdigkeit und Schwäche der Extremitäten, dünner Körper, Appetitverlust, Völlegefühl im Magen, Borborygmen Blass, geschwollen.
Belag: dünn, weiß
Dünn und schwach
Leber-Qi-Stauung greift die Milz an (11.1.18) Bauschmerzen und Diarrhö nach Stress, Besserung der Bauchschmerzen nach Stuhlgang, erneute Diarrhö nach Bauchschmerzen Oft gestresst, thorakales und hypochondriales Völlegefühl, Aufstoßen, Appetitverlust, bitterer Mundgeschmack, Säurereflux, fahles Aussehen und Müdigkeit Leicht rot.
Belag: dünn und weiß oder dünn und gelb
Saitenförmig und dünn
Nieren-Yang-Mangel (11.9.2) Diarrhö am frühen Morgen, weiche Stühle mit unverdauten Nahrungsresten, Besserung nach dem Durchfall Schmerzen um den Bauchnabel herum, Borborygmen, Kälteaversion, kühler Körper und kalte Extremitäten, Kältegefühl und Müdigkeit in der Lendenregion und in den Knien; bei Männern: Impotenz, feuchtes und kühles Skrotum; bei Frauen: verspätete Menstruation mit schwacher Blutung Geschwollen und blass.
Belag: weiß, wässrig
Tief und langsam

Differenzierung der Mangel- und Fülle-Syndrome bei Leitsymptom Obstipation (Bian Mi)

Tab. 13.17
Fülle-Syndrom Mangel-Syndrom
Anfang Plötzlich Langsam
Dauer der Erkrankung Kurz Lang
Prognose Therapie trotz schwergradiger Symptome meist erfolgreich Therapie trotz milder Symptome meist langwierig und erschwert
Klinische Manifestationen
  • Trockenheits-Hitze-Typ: trockener Stuhl, längere Entleerungsintervalle, erschwerter Stuhlgang

  • Qi-Stagnations-Typ: Stuhl trocken oder normal, Stuhldrang, jedoch erschwerte Defäkation

  • Qi-Mangel-Typ: Stuhl trocken oder normal, Entleerungswunsch, aber erschwerte Defäkation

  • Blut-Mangel-Typ: normale Häufigkeit des Stuhlgangs, ballförmiger (bis tischtennisballgroßer) trockener Stuhl, erschwerte Defäkation

  • Yang-Mangel-Typ: kein trockener Stuhl, aber erschwerte Defäkation

Syndrom-Differenzierung bei Leitsymptom Obstipation (Bian Mi)

Tab. 13.18
Syndrom Hauptsymptome Begleitsymptome Zunge Puls
Obstipation durch Fülle-Syndrome (Shi Mi) ( 13.3.5.a )
Pathogene Hitze (Re Mi) (S. 1146) Trockener Stuhl, erschwerte Defäkation, längere Intervalle zwischen den Stuhlgängen (3–5 oder 7–8 Tage) Leichtes Fieber, fauliger Mundgeruch, bitterer Mundgeschmack, Aphthen, Gesichtsröte, rote Augen, Unruhe, Reizbarkeit, Blähungen, Appetitlosigkeit, wenig dunkler konzentrierter Urin Rot.
Belag: gelb oder gelb-trocken
Schlüpfrig und schnell
Qi-Stagnation (Qi Mi) (S. 1147) Entweder Stuhltrockenheit oder normale Konsistenz, erschwerte Defäkation, Verschlimmerung der Obstipation durch emotionale Anspannung Unaufhörliches Aufstoßen, thorakale und hypochondriale Völle, Meteorismus und abdominale Schmerzen, Besserung durch Seufzen und Abgang von Winden Rot.
Belag: dünn und weiß oder gelb und schmierig
Gespannt
Obstipation durch Mangel- bzw. Leere-Syndrome (Xu Mi) ( 13.3.5.b )
Qi-Mangel (Qi Xu Mi) (S. 1147) Stuhldrang vorhandeln, aber erschwerter Stuhlgang, Stuhl ist nicht trocken Betroffen sind oft ältere, schwache oder chron. kranke Patienten, gelb-matte Gesichtsfarbe, Abmagerung, Müdigkeit, Kurzatmigkeit, die sich v.a. nach dem Stuhlgang verschlimmert Blass.
Belag: dünn, weiß
Dünn und schwach
Blut-Mangel (Xue Xu Mi) (S. 1148) Ballförmiger trockener Stuhl, normale Entleerungszeiten mit erschwerter Defäkation Schwindel, Palpitationen, Schlaflosigkeit, viele Träume, Blässe, blasse Lippen und Nägel Blass.
Belag: dünn, weiß
Dünn und schwach
Kälte (Leng Mi) (S. 1148) Trockener oder normal feuchter Stuhl, erschwerte Defäkation Blasse Erscheinung, Kälteaversion, kalte Extremitäten, abdominale Schmerzen mit Kältegefühl, Borborygmen, Kältegefühl und Schmerzen in Lendenregion und Wirbelsäule, reichlicher klarer Urin Blass und geschwollen.
Belag: weiß, feucht
Tief, langsam und schwach

Syndrom-Differenzierung bei Leitsymptom Schmerzen im Hypochondrium (Xie Tong)

Tab. 13.19
Syndrom Hauptsymptome Begleitsymptome Zunge Puls
Leber-Qi-Stauung (11.7.2) (13.4.1.a) Ziehender Schmerz ohne fixe Lokalisation, Verbesserung oder Verschlechterung je nach emotionaler Anspannung Ziehen und Völlegefühl im Magen, thorakales Druckgefühl und häufiges Seufzen Belag: dünn Gespannt
Blut-Stase (13.4.1.b) Stechende Schmerzen im Hypochondrium mit fixer Lokalisation und nächtlicher Verschlimmerung Ansammlungen im Hypochondrium Livide oder mit blauen Punkten Tief und rau
Feuchtigkeit und Hitze in Leber und Gallenblase (13.4.1.c) Völlegefühl und Schmerz im Hypochondrium Thorakales und epigastrales Druckgefühl, Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen, gelbe Skleren (Ikterus), Kälte oder Fieber, Oligurie oder Erbrechen von Würmern Belag: gelb, schmierig Gespannt und schnell
Leber-Yin-Mangel (13.4.1.d) Leichter, alternierender Schmerz im Hypochondrium Mund- und Halstrockenheit, Reizbarkeit mit Hitzegefühl im Bereich von Thorax, Handflächen und Fußsohlen, Schwindel, Tidal-Fieber, Nachtschweiß, Müdigkeit im Bereich der Taille Rot.
Belag: wenig
Dünn, gespannt und schnell

Differenzierung zwischen Yang- und Yin-Ikterus

Tab. 13.20
Yang-Ikterus (13.4.2.a) Yin-Ikterus (13.4.2.b)
Ursachen und Pathogenese Angriff von Feuchte-Hitze-Pathogenen, mehr durch äußere Pathogene hervorgerufen Stagnation von Feuchte-Kälte oft in Begleitung eines Milz-Qi- und Magen-Qi-Mangels
Ikterus Frisches Gelb (orangefarben) Dunkeltrüb (wie geräuchert)
Syndrome Fülle-Syndrome, Hitze-Syndrome Mangel-Syndrome, Kälte-Syndrome oder komplexe Mangel-/Fülle-Syndrome
Erkrankungsdauer Kurz Lang
Erkrankungsstadium In den meisten Fällen mild, außer bei akutem Ikterus In den meisten Fällen schwer
Therapiestrategie Hitze klären und Feuchtigkeit ausleiten, Magen behandeln; bei akutem Ikterus: Hitze klären, Toxine ausleiten und Blut kühlen Milz stärken, Kälte-Feuchtigkeit erwärmen und ausleiten, Milz behandeln; bei Mangel-Ikterus: Milz-Qi stärken und Blut nähren

Syndrom-Differenzierung bei Leitsymptom Ikterus (Huang Dan)

Tab. 13.21
Syndrom Hauptsymptome Begleitsymptome Zunge Puls
Yang-Ikterus ( 13.4.2.a )
Im Verhältnis mehr Hitze als Feuchtigkeit (S. 1155) Ikterus und gelbe Skleren von gelboranger Farbe mit Glanz, trüber dunkler Urin Fieber, Durst, Unruhe, Völle im Abdomen, Übelkeit mit dem Wunsch zu erbrechen, Mundtrockenheit, bitterer Mundgeschmack, Obstipation Belag: gelb, schmierig Gespannt und schnell
Im Verhältnis mehr Feuchtigkeit als Hitze (S. 1155) Ikterus, gelbe Skleren (weniger intensive Färbung als bei Im Verhältnis mehr Hitze als Feuchtigkeit) Kein hohes Fieber, schwerer Kopf, fader Mundgeschmack ohne Durstgefühl, thorakale und epigastrale Völle, Appetitverlust, Meteorismus, Abneigung gegen fette Speisen, Übelkeit mit dem Wunsch zu erbrechen, weicher und klebriger Stuhl Belag: dick, schmierig, gelb Gespannt und schlüpfrig oder schwach und langsam
Exzessive toxische Hitze (akuter Ikterus) (S. 1156) Plötzlich einsetzender akuter Anfall von Ikterus, der sich schnell dunkel verfärbt (goldfarben) Hohes Fieber, starker Durst, Reizbarkeit, Schmerzen im Hypochondrium, abdominales Völlegefühl, evtl. Koma und Delirium, Nasenbluten, Blut im Stuhl, Ekchymosen auf der Haut Dunkel, rot.
Belag: gelb, trocken
Gespannt, schlüpfrig und schnell oder dünn und schnell
Yin-Ikterus ( 13.4.2.b )
Retention von Feuchte-Kälte (S. 1156) Ikterus von dunkelgelber Farbe (wie geräuchert) Geistige Müdigkeit, Kälteaversion, Appetitlosigkeit, epigastrales und abdominales Völlegefühl, weiche Stühle, Geschmacksverlust, kein Durst Blass.
Belag: weiß, schmierig
Sanft und langsam oder tief und langsam
Blockade durch Blut-Stase (S. 1156) Ikterus und Skleren von dunkelgelber Färbung Spider naevi, dunkle Gesichtsfarbe, Ansammlungen unter dem Hypochondrium mit fixierten Schmerzen, schwarzer Stuhl Livide, evtl. mit Ekchymosen Gespannt und rau oder dünn und rau
Milz-Schwäche und Blut-Mangel (Ikterus vom Mangel-Typ bzw. Mangel-Ikterus) (S. 1156) Ikterus und gelbe Skleren, blass-matter Teint, dunkler Urin(v.a. nachts) Erschöpfung, Müdigkeit in den Gliedern, Palpitationen, Kurzatmigkeit, Appetitlosigkeit, weiche Stühle, mag nicht sprechen, leise Stimme, nächtliche Unruhe Blass.
Belag: dünn und weiß
Dünn und schwach

Syndrom-Differenzierung bei Leitsymptom Dysurie (Lin-Syndrome)

Tab. 13.22
Syndrom Miktion Zusatzsymptome Zunge/Puls
Hitze-Lin (Re Lin) durch Feuchte-Hitze in der Blase (13.5.1.a) Dysurie, dringend, häufig, evtl. Ausstrahlung bis in Nabelgegend und Lumbalregion, evtl. Harntröpfeln.
Harn: wenig, tiefgelb, geruchsintensiv
Evtl. Fieber/Kälteaversion mit Übelkeit, Erbrechen, Durst, Obstipation, bitterer Mundgeschmack Zunge: evtl. rot mit roten Punkten; gelber, klebrig-schmieriger Belag.
Puls: schnell, schlüpfrig
Blut-Lin (Xue Lin), Fülle-Typ durch Feuchte-Hitze in der Blase oder Herz-Feuer (13.5.1.b) Dysurie, dringend, evtl. mit ziehendem Schmerz im Unterbauch, Harnverhalt.
Harn: wenig, heiß, rötlich mit Hämaturie, evtl. mit Blutklumpen
Unruhezustände Zunge: rot; dünner, gelber Belag.
Puls: schnell, schlüpfrig, voll
Blut-Lin (Xue Lin), Mangel-Typ durch Feuchte-Hitze oder Hitze mit Nieren-Yin-Schädigung mit Leere-Hitze (13.5.1.c) Leichte Dysurie während Miktion (und andauerndem leichtem Schmerz).
Harn: blassrot, schlimmer durch Überanstrengung
Schwäche in Knie/Lumbalgegend, Unruhezustände, Hitze der fünf Flächen, evtl. Nachtschweiß, Erschöpfung Zunge: leicht rot; wenig Belag.
Puls: dünn, schwach, schnell
Stein-Lin (Shi Lin), Fülle-Typ durch Feuchte-Hitze in der Blase (13.5.1.d) Dysurie, evtl. erschwert mit plötzlichem Stopp, z.T. kaum tolerable stechende bis krampfartige Schmerzen bis in Unterbauch und Sakralregion.
Harn: mit Steinen oder Harngrieß, dunkelgelb, evtl. blutig
Im Anfall Blässe, Kaltschweißigkeit (falsche Kälte), Übelkeit, Erbrechen Zunge: rot; dünner weißer oder dicker gelber Belag.
Puls: schnell, voll, saitenförmig
Stein-Lin (Shi Lin), Mangel-Typ durch Nieren-Schwäche (13.5.1.e) Leichte Dysurie während Miktion (mit leichtem andauerndem Schmerz), evtl. mit Harnflussunterbrechungen, Harnverhalt.Harn: dunkelgelb mit Harngrieß Dumpfer Schmerz in der Lumbalregion, Schmerz im unteren Abdomen, Hitze der fünf Flächen Zunge: rot; wenig Belag.
Puls: dünn, schwach
Trübes, wolkiges Lin (Gao Lin), Fülle-Typ durch Feuchte-Hitze in der Blase (13.5.1.f) Dysurie, häufig, wenig oder zögernder Harnfluss oder Harnverhalt.
Harn: wenig, trüb oder wolkig, evtl. mit Fettaugen, evtl. Blut/Sedimente
Völlegefühl in Thorax und Epigastrium, Durst ohne Trinkverlangen Zunge: rot; schmieriger, gelber Belag.
Puls: schlüpfrig, schnell
Trübes, wolkiges Lin (Gao Lin), Mangel-Typ durch Nieren-Schwäche (13.5.1.g) Leichte Dysurie, mal besser, mal schlechter.
Harn: trüb, schlechter durch Überanstrengung
Lumbale Schwäche, Schwindel, Erschöpfung Zunge: blass; schlüpfriger Belag.
Puls: dünn, schwach
Qi-Lin, Fülle-Typ durch Leber-Qi-Stauung (13.5.1.h) Dysurie mit stechenden Schmerzen oder Gefühl von Rauigkeit und Einschnürung bei der Harnentleerung, rezid. erschwerter, häufiger Harndrang, Harntröpfeln nach Miktion, evtl. initiiert durch Stress/Emotionen, Schmerzausstrahlung in Nabelgegend und unteres Abdomen.
Harn: blassgelb
Kopfschmerzen, Schwindel, Spannungsgefühl in Thorax und lateraler Rippenregion, evtl. Menstruationsstörungen Zunge: evtl. Seiten gerötet.
Puls: saitenförmig
Qi-Lin, Mangel-Typ durch Milz-Schwäche (13.5.1.i) Leichte Dysurie mit nach unten drängenden Unterbauchschmerzen, besser durch Druck oder Wärme, schlimmer durch Überanstrengung, Harntröpfeln.
Harn: klar, viel
Erschöpfung, Blässe Zunge: blass; dünner, weißer Belag.
Puls: schwach
Blut-Stase im unteren Jiao (13.5.1.j) Dysurie mit stechenden Schmerzen mit einem Gefühl von Rauigkeit oder Einschnürung.
Harn: wolkig-trüb, Hämaturie mit dunklem Harn, der Klümpchen enthalten kann
Stechende Schmerzen im unteren Abdomen, Lippenzyanose, trockene, raue Haut Zunge: purpurn bzw. purpurne Punkte.
Puls: tief, dünn, rau

Akuter Infekt, pathogener Faktor und Syndrome

Tab. 13.38
Pathogener Faktor Syndrom Symptome Zunge Puls
Äußere Wind-Kälte(Taiyang-Syndrom) Generell Starke Kälteaversion (Frösteln) mit wenig Temperaturerhöhung, Kopfschmerzen, kein Schwitzen (Ma Huang Tang), Schwitzen (Gui Zhi Tang), Kopfschmerzen, allgemeine Gliederschmerzen, kein Durst, evtl. klarer Fließschnupfen, evtl. Husten mit weißlichem Sputum (keine Halsschmerzen oder nur Halskratzen) Belag: dünn, weiß Oberflächlich, gespannt
Äußere Wind-Kälte(Taiyang-Syndrom) (Forts.) mit Leitbahn-Fülle im Außen (S. 1197) Frösteln und Fieber gleichzeitig, kein Schwitzen (!), Kopf- und Gliederschmerzen, Rückenschmerzen (können sehr stark sein), evtl. Husten Belag: dünn, weiß Oberflächlich, gespannt
mit Leitbahn-Leere im Außen und Ying-Wei-Disharmonie (S. 1198) Frösteln und Fieber gleichzeitig, (ungeordnetes) Schwitzen (!), evtl. dünner Fließschnupfen, Windaversion, Kopfschmerzen (weniger stark), Fieber meist nicht so hoch Belag: dünn, weiß Oberflächlich
mit Leitbahn-Fülle im Außen, Hitze im Inneren (Yangming-Konstitution) und evtl. zu viel Flüssigkeiten (S. 1198) Frösteln und (hohes) Fieber gleichzeitig, kein Schwitzen (!), Körper- und Muskelschmerzen, zusätzlich Durst und Rastlosigkeit (unterliegend Hitze), evtl. Störungen der Flüssigkeiten wie oberflächliche Ödeme, Keuchatmung und Schweregefühle Belag: dünn, weiß Flutend, gespannt
mit Blockade durch Feuchtigkeit/Kälte (S. 1198) Fieber und Frösteln gleichzeitig bei Feuchtigkeit und Kälte im Winter, leichtes Schwitzen, leichte Rachenrötung, dumpfe Kopf- und Gliederschmerzen mit Schweregefühlen Blass, Zunge schwillt mehr an (evtl. Zahneindrücke).Belag: dick, weiß Oberflächlich
und überflutender dünner Schleim (Yi Yin [4.2.3]) (S. 1199) Fieber und Frösteln gleichzeitig (Fieber < Frösteln), kein Schwitzen, Husten mit reichlich dünnem, wässrigem und blasenbildendem (wie Eiklar) Sputum mit Keuchatmung und Ödemen, evtl. generalisiertes Schweregefühl, Durstlosigkeit. In schwergradigen Fällen zeigen sich oberflächliche Ödeme und Atembeschwerden beim Hinlegen, evtl. anamnestisch Asthma, Infektanfälligkeit, Allergien Gedunsen. Belag: Dünn, weiß und feucht/nass Oberflächlich, gespannt, Puls kann auch tief sein, wenn aufgrund der pathologischen Flüssigkeiten die Oberfläche nicht erreicht erreicht werden kann.
Äußere Wind-Kälte(Taiyang-Syndrom) (Forts.) bei geschwächter Konstitution bzw. vier Jahreszeiten (S. 1199) Fieber und Frösteln gleichzeitig, kein Schwitzen, Kopfschmerzen mit Schwellungen, Nackensteifigkeit, evtl. Fließschnupfen oder Nasenobstruktion, thorakales und epigastrales Engegefühl, Appetitminderung, Aufstoßen Belag: dünn, weiß Oberflächlich
bei unterliegender Yangming-Konstitution (S. 1200) Betrifft starke Konstitutionstypen, d.h. Patienten mit einem starken Yang- und Wei-Qi; bei einem akuten Infekt wird der Kampf gegen das Pathogen sehr stark mobilisiert, was sich in starken Hitze-Zeichen mit Durst etc. zeigt Belag: dünn, weiß oder gelblich Evtl. schnell, evtl. oberflächlich, voll
Übergang Tai-yang- zum Yangming-Syndrom und Schulter-/Nackensteifigkeit (S. 1200) Symptome ähnlich wie bei Gui Zhi Tang-Muster (siehe oben), aber gleichzeitig massiver Muskelspasmus, schmerzhafte Muskelkrämpfe Belag: dünn, weiß Oberflächlich, gespannt
Äußere Wind-Hitze In der Wei-Schicht generell (S. 1200) Leichte Kälteaversion (Frösteln) mit (höherem) Fieberanstieg, Kopfschmerzen, etwas Schwitzen und Durst, gelblicher Fließschnupfen, evtl. Husten mit weißlich-gelblichem Sputum, Halsschmerzen (Entzündungen, Ulzerationen als Zeichen für die Toxizität) Belag: dünn, geblich. Oberflächlich, schnell
prädominant Husten (S. 1200) Leichtes Fieber, leichtes Frösteln, Husten, etwas Durst Belag: dünn, weiß bis gelblich Oberflächlich, schnell
prädominant Halsschmerzen (S. 1200) Fieber, leichtes Frösteln, Kopfschmerzen, Durst, Husten, mehr Halsschmerzen Zungenspitze evtl. rot.
Belag: dünn, weiß oder gelblich
Oberflächlich, schnell
Äußere Trockenheit Generell Allgemeine Zeichen von Trockenheit: nur milde Kälteaversion, mildes Fieber, kein Schwitzen, selten Schmerzen, durstig, Nasentrockenheit, trockener Husten oder sehr wenig Sputum, Halstrockenheit Belag: dünn, trocken Oberflächlich, dünn
und zusätzlich Wind (S. 1201) Neigung zu latentem, ständigem Hitzegefühl bzw. mildem Fieber, milde Kälteaversion (alternierend, fühlt sich mal besser oder schlechter, kann auch ein verschleppter Infekt sein), trockener Reizhusten und Halstrockenheit, kein Schleim, sondern trockene Schleimhäute Trocken oder normal, evtl. leicht rötlich.
Belag: dünn
Oberflächlich, evtl. schnell
und Wind mit Trockenheit in der Lunge (S. 1201) (Sehr) trockener (Reiz-)Husten, Halstrockenheit, bellender Husten, Keuchen, trockene Nasenwege, Kopfschmerzen, Völle im Thorax, leichte Obstipation, Schmerz in Hypochondrium, Reizbarkeit, Durst Trocken.
Belag: ohne oder nur wenig
Leer, groß, schnell
Äußere Wind-Kälte/(innere versteckte) Hitze Außen Taiyang-Syndrom bei verstecktem pathogenem Faktor (Fu Qi) (S. 1201) Fieber, Frösteln und Kälteaversion gleichzeitig, das Fieber kann rezidivieren und subfebril sein, kein Schwitzen, Kopf- und evtl. Gliederschmerzen, Durst, Reizbarkeit Evtl. roter Zungenkörper Leicht überflutend oder schnell

Akuter Infekt bei inneren Schwächezuständen

Tab. 13.39
Äußerer Faktor Symptome Pathogen Mangel-Zeichen (Beispiele)
+ Unterliegender Qi-Mangel (S. 1202) Infektanfällig (v.a. Wind-Kälte) Starke Kälteaversion, leichtgradiges oder hohes Fieber Wind-Kälte-Zeichen, Spontanschweiß Kurzatmigkeit, Erschöpfung, schwacher Puls
+ Unterliegender Yang-Mangel (S. 1202) Infektanfällig (v.a. Wind-Kälte) Starke Kälteaversion, wenig oder kein Fieber Wind-Kälte-Zeichen, kein Schwitzen Erschöpfung, kalte Extremitäten, blasse, feuchte Zunge mit Zungeneindrücken, Puls tief und verlangsamt
+ Unterliegender Blut-Mangel (S. 1203) V.a. Wind-Kälte oder -Hitze Starke oder leichte Kälteaversion, starkes oder leichtes Fieber, Kopfschmerzen Wind-Kälte- oder Wind-Hitze-Zeichen, kein Schwitzen Blasses Gesicht, blasse Lippen, Palpitationen, blasse Zunge, dünner Puls; nach längerer Erkrankung oder größerem Blutverlust
+ Unterliegender Yin-Mangel (S. 1203) Innere Leere-Hitze + anfällig für Wind-Hitze Leichte Kälteaversion und höhere Temperatur Wind-Hitze-Zeichen und Schwitzen Hitzegefühl der fünf Zentren, Stuhltrockenheit, rote Zunge, dünner, beschleunigter Puls
Sonderfall: + Zu wenig Yang an der Oberfläche (S. 1203) Zu wenig Yang an der Oberfläche + äußeres Pathogen, meist Wind-Kälte Extremes Kältegefühl und starkes Frösteln (besser durch wärmere Kleidung/Zudecken), leichtes Fieber ohne Schwitzen Eher Wind-Kälte-Zeichen ohne Schwitzen (Erschöpfung), weißer, schlüpfriger Zungenbelag, tiefer (schwacher) Puls

Syndrome bei Sinusitis (Bi You) und nasaler Obstruktion (Bi Se)

Tab. 13.45
Syndrom Pathomechanismus Symptome Zunge Puls
Wind-Kälte (mit Schleim) (S. 1288) Pathogene Wind-Kälte führt zur Blockierung des Abwehr-Wei-Qi und der Verteilung der klaren Säfte mit der Folge von Schleimentwicklung Anhaltende Nasenobstruktion mit trübem Sekret, Niesreiz, Nasenschleimhautschwellung, Hyposmie.
Allgemeinsymptome: Kopfschmerz, Kälteaversion, evtl. Fieber, Husten mit weißem wässrigem Auswurf, Benommenheit im Kopf oder Schwindel
Hellrot, evtl. gedunsen.
Belag: klar oder weiß
Oberflächlich, saitenförmig oder leer
Wind-Hitze (mit Schleim) (S. 1288) Pathogene Wind-Hitze dringt in die Oberfläche und die Lunge ein; unter der Einwirkung von Hitze entsteht aus den Säften Schleim-Hitze Anhaltende Nasenobstruktion mit viel dickem, gelblichem (oder grünlichem) Nasensekret, Nasenschleimhautschwellung, Kopfschmerzen oder Druckgefühl über Stirn und/oder Kieferhöhlen.
Allgemeinsymptome: Fieber, Hitzegefühl, Halsentzündung, Husten mit dickem gelbem Auswurf, Durst
Gerötet oder rot.
Belag: gelblich
Oberflächlich, beschleunigt, evtl. schlüpfrig
Feuchte-Hitze in Milz und Magen (11.5.6) (S. 982) Entstehung von Feuchte-Hitze entweder durch äußere Pathogene oder z.B. durch Fehlernährung; die Feuchte-Hitze steigt über die Yangming-Meridiane zur Nase auf Eher reichliches, trübes und gelbes Nasensekret, Nasenobstruktion, Hyposmie, Druckgefühl und Schmerz im Bereich der Nasennebenhöhlen.
Allgemeinsymptome: Schweregefühl/Benommenheit des Kopfs, Erschöpfung, thorakale und abdominale Spannung, Appetitverlust, Gliederschmerzen, Hitzegefühl nachmittags
Gerötet bis gelb.
Belag: gelblich, klebrig
Schlüpfrig, beschleunigt
Leber- und Gallenblasen-Hitze und -Feuer (11.7.4) (S. 998) Leber-Hitze durch eingestaute Emotionen, steigt in den Kopf und wirkt auf die Säfte im Bereich der Nasennebenhöhlen ein; dabei bildet sich Schleim Gelbes, eitriges, evtl. faulig riechendes Nasensekret, evtl. blutig tingiert, starkes Hitzegefühl im Kopf, heftige Kopfschmerzen in der Stirnregion oder in der Region hinter den Augen, Nasenobstruktion und -trockenheit.
Allgemeinsymptome: Augen- und Gesichtsrötung, Nervosität, Reizbarkeit, bitterer Mundgeschmack, Ohrenschmerzen oder Druckgefühl auf den Ohren, Tinnitus
Rot
Belag: gelb
Saitenförmig, beschleunigt
Eingeschnürte Hitze im Lungen-Meridian (S. 1230) Eingeschnürte Hitze entsteht v.a. durch (rezid.) Wind-Kälte- bzw. Wind-Hitze-Invasion, die die Nasenwege blockieren mit Entwicklung von Stauungs-Hitze und Nasenobstruktion Typischerweise chron., perstistierende oder intermittierende Nasenobstruktion mit einem zähflüssigen, gelben Schleimsekret, Kopfschmerzen (Druckgefühl v.a. in der Sinusregion), Hyposmie, Konzentrationsstörungen Rötlich.Belag: leicht gelb Saitenförmig, schnell
Lungen- und Milz-Qi-Mangel (11.11.12) (S. 1234) Qi-Mangel aufgrund von chron. Erkrankung, Überanstrengung, Diätfehlern etc.; ist das Lungen-Qi geschwächt, zieht dies eine Infektanfälligkeit nach sich, und die Lungen-Verteilungs- und -Absenkungsfunktion ist beeinträchtigt; das klare Yang kann aufgrund der Milz-Schwäche nicht aufsteigen, trübe Flüssigkeiten stagnieren in den Nasenwegen und blockieren nachfolgend die Luo-Gefäße der Nase Nasenobstruktion und Fließschnupfen mit klarem, wässrigem Sekret, in langwierigen Fällen auch weißlich und schlecht riechend, Nasenobstruktion und Fließschnupfen bei Kälte-Einfluss.
Allgemeinsymptome: Kurzatmigkeit, mag nicht sprechen, Erschöpfung, Schwäche, evtl. abdominale Völle, breiige Stühle
Blass, evtl. vergrößert mit Zahneindrücken.
Belag: weiß
Leer, schwach
Qi-Stagnation und Blut-Stase (S. 1231) Chron. Erkrankungen gehen in die Luo-Gefäße; bei rezid. Wind-Invasionen in der Nase wird zunehmend das Aufrechte-Zheng-Qi geschwächt; die Pathogene gehen in die Luo-Gefäße und blockieren die Nasenwege mit Behinderungen des Qi- und Blutflusses in der Nase; es entsteht eine chron. Nasenobstruktion Ständige Nasenobstruktion, Vasokonstriktor bessert die Symptomatik nicht, evtl. Fließschnupfen mit viel, evtl. dickflüssigem, gelbem Schleimsekret, Hyposmie, die Nasenschleimhaut ist hypertroph und dunkelrot bis livide, Husten mit viel Schleim, Schwindel, Ohrprobleme (Füllegefühl und Hypakusis); Hauptkriterium für eine starke Stase (auch Blut-Stase): alles andere hilft nicht, oft bei Erkältung Druck thorakal als Zeichen für Stasis Rot mit Blut-Stase-Flecken oder -Punkten Saitenförmig, rau

Zusätzlich zum Basisprogramm (Kasten) empfohlene Akupunkturpunkte mit Wirkung

Tab. 13.48
Punkt Wirkung
Bl 13 (Feishu) Rücken-Shu-Punkt der Lunge; stärkt besonders bei chron. Zuständen zusammen mit Lu 9 (Taiyuan)
Bl 15 (Xinshu) Rücken-Shu-Punkt des Herzens; stärkt Herz-Qi und -Yin zusammen mit He 7 (Shenmen)
Bl 17 (Geshu) Rücken-Shu-Punkt Zwerchfell; verbessert Zwerchfellatmung; Einflussreicher Hui-Punkt des Blutes, stärkt und bewegt Blut
Bl 20 (Pishu) Rücken-Shu-Punkt Milz; stärkt die Milz zusammen mit Ren 12 (Zhongwan) und Ma 36 (Zusanli); wandelt Schleim um
Bl 23 (Shenshu) Rücken-Shu-Punkt der Niere; stärkt Nieren-Qi, -Yang, -Yin und -Jing, besonders zusammen mit Ni 3 (Taixi)
Di 4 (Hegu) Yuan- und Meisterpunkt für Gesicht; reguliert Aufsteigen des klaren und Absteigen des trüben Qi zum/vom Kopf; bewegt Qi zusammen mit Le 3 (Taichong)
Di 11 (Quchi) Meer-He-Punkt, Tonisierungspunkt; wichtig bei Hitze, Fieber
Du 20 (Baihui) Kreuzungs-Jiaohui-Punkt aller divergenten Meridiane; hebt Milz-Qi und Aufmerksamkeit; Endpunkt des inneren Verlaufs des Le-Meridians
Du 24 (Shenting) Beruhigt den Geist, stellt Bewusstsein wieder her
Du 4 (Mingmen) Stärkt v.a. Nieren-Yang, aber auch Nieren-Yin, und festigt Jing; wichtig bei Sexualschwäche; Moxa nur bei blassem Zungenkörper
Gb 20 (Fengchi) Unterdrückt Leber-Yang, klärt Augen, unterstützt Ohren; entfernt Wind und Hitze
Gb 34 (Yanglingquan) He-Punkt und Einflussreicher Hui-Punkt der Sehnen, unterdrückt gegenläufiges Qi; glättet Leber-Qi-Fluss
Gb 39 (Xuanzhong) Einflussreicher Hui-Punkt des Marks, Gruppen-Luo-Punkt der Bein-Yang-Merdiane
Gb 43 (Xiaxi) Unterdrückt Leber-Yang
Gb 8 (Shuaigu) Entfernt Wind und Obstruktionen, unterdrückt Leber-Yang, unterstützt/beruhigt Ohr
He 5 (Tongli) Luo-Punkt des Herzens; stärkt und reguliert Herz-Qi
He 6 (Yinxi) Xi-Punkt des Herzens; wichtig bei Nachtschweiß. He 6 (Yinxi) und Ni 7 (Fuliu) harmonisieren Herz und Niere
He 7 (Shenmen) Yuan-, Bach-Shu-, Sedierungspunkt des Herzens; stärkt Herz-Blut, kühlt Hitze, Feuer und Ying, beruhigt den Geist, befriedet das Herz, befreit die Herzöffnungen, löst Qi-Stau des Herzens und der Brust auf; bessert Gedächtnis und Schlaf
Le 2 (Xingjian) Quell-Ying-, Sedierungspunkt der Leber; entfernt Leber-Feuer
Le 3 (Taichong) Bach-Shu-, Yuan-Punkt der Leber; unterdrückt Leber-Yang, entfernt inneren Wind, fördert glatten Qi-Fluss; wirkt spasmolytisch; besonders wirksam wenn zu Le 2 (Xingjian) durchgestochen
Lu 9 (Taiyuan) Bach-Shu-, Yuan-Punkt der Lunge; stärkt Lungen-Qi und -Yin, v.a. zusammen mit Bl 13 (Feishu) und Ren 17 (Danzhong)
Ma 36 (Zusanli) Meer-He-Punkt, Meisterpunkt der Hormone; stärkt Magen, Milz, Qi und Blut; beruhigt; regt zusammen mit Ren 12 (Zhongwan) Qi- und Blutbildung an
Ma 40 (Fenglong) Luo-Punkt; entfernt Schleim, Feuchtigkeit und Hitze
Ma 8 (Touwei) Erleichtert Kopfschmerzen, die durch Wind-Hitze verursacht werden; erleichtert dumpfen Kopfschmerz sowie Verdauungsprobleme und Schwindel durch Feuchtigkeit und Schleim
Mi 10 (Xuehai) Meer des Blutes; stärkt und kühlt Blut, bewegt Qi und Blut
Mi 6 (Sanyinjiao) Gruppen-Luo-Punkt der Milz; stärkt Milz, Leber, Nieren–Qi, Blut und Yin, nährt und bewegt Blut, entfernt Feuchtigkeit; zusammen mit Pe 6 (Neiguan) Blutdruck regulierend
Mi 9 (Yinlingquan) Meer-He-Punkt; entfernt Hitze, löst Feuchtigkeit/Schleim auf
Ni 3 (Taixi) Yuan-, Bach-Shu-Punkt der Niere; stärkt Nieren-Jing, -Yin und -Yang besonders zusammen mit Bl 23 (Shenshu)
Ni 7 (Fuliu) Stärkt Niere und Jing, harmonisiert zusammen mit He 6 (Yinxi) Niere und Herz
Pe 6 (Neiguan) Öffnungspunkt des Yin Wei Mai; Meisterpunkt für Nausea; harmonisiert Magen, reguliert Herz-Qi und -Blut, wirkt beruhigend, beruhigt Geist v.a. zusammen mit He 7 (Shenmen); zusammen mit Mi 6 (Sanyinjiao) Blutdruck regulierend
Ren 12 (Zhongwan) Mu-Punkt des Magens; stärkt Magen und Milz zusammen mit Ma 36 (Zusanli) und Bl 20 (Pishu); fördert Schleimtransformation
Ren 14 (Juque) Mu-Punkt des Herzens, gegenläufiges Magen-Qi, beruhigt Geist, klärt Herz
Ren 15 (Jiuwei) Beruhigt den Geist, unterstützt das Yuan-Qi
Ren 17 (Danzhong) Mu-Punkt des Perikards, senkt gegenläufiges Qi, befreit Thorax
Ren 4 (Guanyuan) Kreuzungs-Jiaohui-Punkt der Bein-Yin-Meridiane, Mu-Punkt des Dünndarms; stärkt Jing, Qi, Yang, Blut und Yin; verwurzelt Hun
Ren 6 (Qihai) Meer des Qi; stärkt Niere, Yuan-Qi und Yang-Qi, zieht Qi nach unten
Ren 9 (Shuifen) Entfernt Schleim, Feuchtigkeit, Eiter
SJ 16 (Tianyou) Hebt das klare Yang zum Kopf; speziell bei Hörsturz

Mangel-Syndrome bei Tinnitus/Schwerhörigkeit

Tab. 13.49
Syndrom Symptome Rezeptur Therapieprinzipien Akupunktur
Qi-Mangel im oberen Jiao (Lungen-Qi-Mangel 11.3.1) Tinnitus: leise, intermittierend; leuchtend blasser Teint, Spontanschweiß, Belastungsdyspnoe Yi Qi Cong Ming Tang enthält: Bu Zhong Yi Qi Tang (7.6.10.a) und zuätzlich Atractylodis macrocephalae Rz (Bai Zhu: stärkt Qi), Pinelliae Rz praep (Ban Xia: wandelt kalten Schleim um), bei Schwindel zusätzlich: Gastrodiae Rz (Tian Ma) und Uncariae Ra cum Uncis (Gou Teng): löschen Wind Qi des mittleren Jiao stärken und anheben, Hören und Sehen verbessern Moxa erlaubt!Tinnitus: Dü 19 + –Qi/Lungen-Qi: Ren 17 +, Bl 13 +, Lu 9 +, Ren 6 +Klares Qi zum Kopf: Du 20 +, SJ 16 +
Qi-Mangel im oberen/mittleren Jiao (Lungen- und Milz-Qi-Mangel 11.11.12) Zuerst Tinnitus, dann Schwerhörigkeit; leuchtend blasser Teint, müde, appetitlos, breiige Stühle Yi Qi Cong Ming Tang, Variation nach Yan De-Xin (2000): zusätzlich Dioscoreae Rz (Shan Yao), Chuanxiong Rz (Chuan Xiong), Cuscutae Sm (Tu Si Zi), Eucommiae Cx (Du Zhong), Acori tatarinowii Rz (Shi Chang Pu) Qi des mittleren Jiao anheben, Hören und Sehen verbessern Moxa erlaubt!Tinnitus: Dü 19 + –Qi/Lungen-Qi: Ren 17 +, Bl 13 +, Lu 9 +, Ren 6 +Klares Qi zum Kopf: Du 20 +, SJ 16 +
Niere unfähig, das Qi aufzunehmen (11.9.4) Tinnitus, Asthma, Dyspnoe, chron., Tachypnoe bei geringster Anstrengung, Emphysem, Schwindel, Müdigkeit, schwache Stimme; kalte Extremitäten, Lumbalgie und schwache Knie, blass;
Zunge: Zungenkörper blass;
Puls: schwach, verlangsamt
Shen Jie San (Maciocia 1997) Asthma beruhigen, Husten beenden, Lunge und Niere stärken.
Kontraindikation: Hitze-Zeichen
Dü 19 – oder + –, Lu 9 +, Bl 13 + –, Ni 3 +/Mi 6 +, Bl 23 +, Bl 20 +; Du 4 + M, Ren 6 +, Ren 9 + –
Nieren-Qi nicht fest (11.9.3) Tinnitus, Spermatorrhö, chron. Impotenz, Glieder schwach und schmerzend, Lumbalgie, Tinnitus;Zunge: blasser Zungenkörper, dünner weißer Zungenbelag;Puls: dünn, schwach Jin Suo Gu Jing Wan Niere stabilisieren, Sperma zurückhalten Gb 2 –; Ni 3 +/Mi 6 +, Bl 23 +, Ren 4 +/Ren 6 +, Ma 36 +
Herz-Blut-Mangel (11.1.3) Tinnitus, Cocktailtaubheit; vergesslich, unkonzentriert, versteht nichts, wenn mehrere Menschen sprechen; tagsüber schläfrig, nachts schlaflos Gui Pi Tang (7.6.10.c) und zusätzlich Viticis Fr (Man Jing Zi) Qi und Milz stärken, Blut und Herz nähren Dü 19 – oder + –; He 5 + –, Pe 6 +, Bl 15 +, Mi 10 +, Ma 36 +, Ren 14 +, Ren 6 +, Du 20 + –
Leber-Blut und -Yin-Mangel(11.7.1) Tinnitus, Kopfschmerz, Schwindel, trockene Augen, Photophobie, verschwommenes Sehen, Irritierbarkeit, schlechte Laune, dumpfes Gefühl, Muskelzuckungen; evtl. Wallungen;Zunge: roter, trockener Zungenkörper;Puls: saitenförmig, beschleunigt Bu Gan Tang (7.6.10.b) Blut stärken und regulieren, Leber nähren Gb 2 –, Dü 19 –; Ren 4 +, Le 8 +, Mi 6 +, Ma 36 +, Du 20 + –
Jing- und Blut-Mangel-Schaden Tinnitus, mutlos, glanzlose Blässe, brüchige Nägel, kalte Glieder, Impotenz, vorzeitige Ejakulation Huan Shao Dan, als Variation nach Yan De-Xin (2000): zusätzlich Blut bewegende und Yang-Tonika: Cuscutae Sm (Tu Si Zi), Cistanches Hb (Rou Cong Rong), Morindae officinalis Rx (Ba Ji Tian), Angelicae sinensis Rx (Dang Gui), Cervi Cornu ossificatum (Lu Jiao), Lycii Fr (Gou Qi Zi), Paeoniae Rx rubra (Chi Shao), Chuanxiong Rz (Chuan Xiong), Acori tatarinowii Rz (Shi Chang Pu), Clematidis Rx (et Rz) (Wei Ling Xian), Carthami Fl (Hong Hua) Herz, Magen, Milz und Nieren stärken Gb 2 – oder + –; Mi 6 +/Mi 10 +, Bl 17 +, Gb 39 +, Du 4 +
Ursprungs-Yuan-Qi- und Blut-Mangel, schwere Schädigung Tinnitus, Hörminderung, Schwindel (Morbus Menire), Rückenschwäche, ausgeprägtes Spannungsgefühl im Unterbauch, häufige Miktion, schlechter nachts;Zunge: blassroter Zungenkörper;Puls: tief, schwach Da Bu Yuan Jian (7.6.10.d) Yin und Blut nähren, Yang und Qi stärken Gb 2 –; Mi 6 +/Mi 10 +, Bl 17 +, Gb 39 +, Du 4 +, Bl 23, Ni 3 +
Jing-Mangel mit überwiegendem Yin-Mangel Langsam auftretender Tinnitus wie Wasserrauschen, intermittierend; Altersschwerhörigkeit, Schwindel, Leeregefühl im Kopf, schlechtes Gedächtnis, unkonzentriert, Lumbalgie und schwache Knie, Potenzstörung Er Long Zuo Ci Wan enthält: Liu Wei Di Huang Wan (7.6.10.d) und zusätzlich Magnetitum (Ci Shi), Acori tatarinowii Rz (Shi Chang Pu), Schisandrae Fr (Wu Wei Zi); bei ausgeprägten Yin-Mangel-Symptomen zusätzlich Ostreae Concha (Mu Li), Ligustri lucidi Fr (Nü Zhen Zi) (Maciocia 1997) Nieren-Yin nähren, Leber-Yang absenken, Öffner öffnen Gb 2 + –; Dü 19 + –; Ni 3 +/Mi 6 +, Bl 23 +, Ren 4+/Ren 6 +, He 6 + – (Nachtschweiß), Ma 36 +
Jing-Mangel mit überwiegendem Yin-Mangel und Mangel-Feuer Intermittierender Tinnitus wie Wasserrauschen, Altersschwerhörigkeit, Lumbalgie und schwache Knie, Nachtschweiß;Zunge: roter Zungenkörper, dünner oder fehlender Zungenbelag;Puls: dünn, beschleunigt Variation von Zhi Bai Di Huang Wan (7.6.10.d); nach Yan De-Xin (2000) zusätzlich Yin-Tonika, z.B. Asparagi Rx (Tian Men Dong), sowie Blut-Regulanzien wie z.B. Paeoniae Rx rubra (Chi Shao), Achyranthis bidentatae Rx (Niu Xi) Leber- und Nieren-Yin nähren, Feuer absenken, Stase zerstreuen Gb 2 –, Ni 3 +/Mi 6 +, Bl 23 +, Ren 4 +/Ren 6 +, He 6 – oder + – (Nachtschweiß), Ma 36 +
Nieren- und Leber-Yin-Mangel (11.11.20) Zikadenartiger Tinnitus, Altersschwerhörigkeit, Schwindel Er Long Zuo Ci Wan enthält: Liu Wei Di Huang Wan (7.6.10.d) und zusätzlich Magnetitum (Ci Shi), Acori tatarinowii Rz. (Shi Chang Pu), Schisandrae Fr. (Wu Wei Zi) Leber- und Nieren-Yin nähren, spezifischer Ohr-Tropismus Gb 2 –, Dü 19 –, Du 24 –; Ni 3 +/Mi 6 +, Bl 23 +, Ren 4 +/Ren 6 +, He 6 + – (Nachtschweiß), Ma 36 +
Leber- und Nieren-Yin-Mangel (11.11.20) Tinnitus, Amenorrhö, Schwindel, Hörverschlechterung, Lumbalgie und schwache Knie, Benommenheit, Nachtschweiß, spontane und nächtliche Emissionen; 5 heiße Herzen, Halstrockenheit und -schmerzen, Zahnschmerzen, Durst;
Zunge: hellroter Zungenkörper, wenig oder fehlender Zungenbelag;
Puls: beschleunigt, dünn
Liu Wei Di Huang Wan (7.6.10.d) Yin anreichern, Nieren-Yin, Blut und Jing nähren, Mangel-Hitze kühlen und vom Aufsteigen abhalten Gb 2 –; Ni 3 +/Mi 6 +, Bl 23 +, Ren 4 +/Ren 6 +, He 6 – (Nachtschweiß), Ma 36 +
Leber- und Nieren-Yin-Mangel bei Frauen, Blut-Mangel Tinnitus, Lumbalgie bei Frauen, Hypomenorrhö, schmerzende Füße und Fersen, Benommenheit;
Zunge: blasser Zungenkörper
Dang Gui Di Huang Wan enthält: Liu Wei Di Huang Wan (7.6.10.d) und zusätzlich Angelicae sinensis Rx (Dang Gui) Nieren- und Leber-Yin anreichern, Blut nähren, Menstruation regulieren Gb 2 –, Dü 19 –; Mi 6 +/Mi 10 +, Bl 17 +, Gb 39 +, Du 4 +
Yin- und Yang-Mangel Anfallsweise Schwindel und Tinnitus, Hypertonus, gleichzeitig Zeichen innerer Hitze und Kälte; Lumbalgie und schwache Knie; Palpitationen, Tachypnoe bei Anstrengung, Schlafstörung, exzessive Träume;
Zunge: roter oder blassroter Zungenkörper;
Puls: dünn
Er Xian Tang (7.6.10.e), Variation 1 nach Yan De-Xin (2000): Hitze klärend, Feuer ableitend und Schleim-Knoten zerstreuend (Arteriosklerose) und zusätzlich Prunellae Spica (Xia Ku Cao); Blut bewegend: Paeoniae Rx rubra (Chi Shao), Leonuri Hb (Yi Mu Cao) Yin und Yang unterstützen, Blut beleben, Stase transformieren Gb 2 –, Dü 19 –; Ni 3 +/Mi 6 +, Bl 23 +, Ren 4 +/Ren 6 +, Ma 36 +
Nieren-Yin- und Yang-Mangel (11.11.22) Tinnitus, Lumbalgie, kalt-heiß, männliches Klimakterium, Schwindel, schlaflos, Potenzschwäche, launisch, Hitzewallungen, Kälteaversion, Ödeme Er Xian Tang (7.6.10.e), Variation 2 nach Yan De-Xin (2000): Entfernen von Anemarrhenae Rz (Zhi Mu) und Phellodendri Cx (Huang Bai), dafür zusätzliche Yang-Tonika: Cuscutae Sm (Tu Si Zi), Cistanches Hb (Rou Cong Rong), Cervi Cornu Colla (Lu Jiao Jiao); Blut-Tonikum Lycii Fr (Gou Qi Zi) und Blutbeweger Salviae miltiorrhizae Rx (Dan Shen), Achyranthis bidentatae Rx (Niu Xi) Yin und Yang unterstützen, Blut beleben, Stase transformieren Gb 2 + –, Ni 3 +/Ni 7 +, Ren 4 +, Du 4 +, Mi 6 +; He 6 + –, Le 3 + –
Nieren-Jing- und -Yang-Mangel (11.9.1, 11.9.2) Tinnitus, Lumbalgie, kalt, Sexualschwäche You Gui Wan (7.6.10.e), ist stärker tonisierend, weniger entwässernd als Jin Gui Shen Qi Wan Nieren-Yang wärmen und tonisieren, Jing ergänzen, Blut und Yang im Yin stärken Gb 2 + –, Ni 3 +/Ni 7 +, Ren 4 + M, Du 4 + M, Mi 6 +; He 6 + –, Le 3 + –
Nieren-Yin- und -Jing-Mangel (11.9.1, 11.9.611.9.111.9.6), ausgeprägt Tinnitus, Schwindel, Benommenheit, Lumbalgie und schwache Knie; nächtliche und spontane Emissionen; ähnlich wie Yang-Mangel, aber sehr trocken, reduzierter AZ Zuo Gui Wan (7.6.10.d) Yin nähren, Niere, Jing und Mark unterstützen Gb 2 – oder + –; Ni 3 +/Mi 6 +, Bl 23 +, Ma 36 +, Du 4 +, Ren 4 +

Fülle-Syndrome bei Tinnitus/Schwerhörigkeit

Tab. 13.50
Syndrom Symptome Rezeptur Therapieprinzipien Akupunktur
Traumatische Blutung oder Yin-Mangel-Feuer (Tinnitus durch Blutung; Augenblutung) rote Lippen, rote Wangen, bitterer Mundgeschmack, trockener Hals, Schwindel, Lumbalgie, Spermatorrhö, Hitzegefühl in Handflächen und Fußsohlen;
Zunge: tiefroter Zungenkörper, spärlicher Zungenbelag;
Puls: saitenförmig, dünn, schnell
Ning Xue Tang Blut kühlen, Blutung beenden SJ 21 –, Dü 19 –, Gb 2 – oder an 5 Tagen streng s.c. von kranial nach kaudal nadeln, um trübes Qi vom Ohr absteigen zu lassen; anschließend 5 Tage von kaudal nach kranial nadeln, um klares Qi zum Ohr zu bringen
Schleim-Feuer; Disharmonie zwischen Gallenblase und Magen mit Schleim-Hitze Tinnitus, anfallsweise grillenähnlich, Thoraxdruck, bitterer Mundgeschmack, emotionale Komponente Wen Dan Tang (7.6.16.b) Qi regulieren, Schleim transformieren, Gallenblase klären, Magen harmonisieren SJ 21 –, Gb 20 –, SJ 5 + –, SJ 3 –, Di 4 –, Ma 40 –, Mi 9 +, Ren 9 –, Ren 12 +, Bl 20 +
Exzessive Hitze plus Schleim oder aufgehäuftes Schleim-Feuer Tinnitus, manisch-depressives Verhalten mit Ängstlichkeit oder heftige, ständige Palpitationen bis hin zum Koma oder fokussiertes Spannungsgefühl mit Erstickungsgefühl in Thorax und Epigastrium oder Schwindel Gun Tan Wan Feuer ableiten, Schleim austreiben SJ 21 –, Gb 20 –; SJ 5 –, SJ 3 –, Di 4 –, Ma 40 –, Mi 9 +, Ren 9, Ren 12 +, Bl 20 +
Leber- und Gallenblasen-Feuer Plötzlich auftretender lauter Tinnitus, Emotionen oder Ohrenschmerzen, reizbar, bitterer Mundgeschmack; emotionell oder durch Otitis ausgelöst Long Dan Xie Gan Tang (7.6.4.d), nach Yan De-Xin (2000) zusätzlich Blut bewegende Arzneien hinzufügen Fülle-Feuer von Leber und Gallenblase ableiten, Feuchte-Hitze vom unteren Jiao klären und ableiten SJ 17 –, SJ 21 –; Gb 8 + –, Gb 20 –; Le 2 –, Gb 43 –, SJ 3 –/SJ 5 –, Ren 9 –
Schleim-Hitze Ununterbrochener zikadenartiger Tinnitus, Gehörverlust mit gelegentlicher Taubheit, Schwindel, Schweregefühl im Kopf, Beklemmungsgefühl in Thorax und Abdomen, Husten mit reichlich Sputum, bitterer Mundgeschmack, Schwierigkeiten bei Wasserlassen und Stuhlgang;
Zunge: rot mit gelbem fettigem Belag;
Puls: saitenförmig, schlüpfrig
Jia Wei Er Chen Tang Hitze klären, Schleim transformieren, Magen harmonisieren, Trübes nach unten leiten SJ 17 –, SJ 21 –; Gb 8 + –, Gb 20 –; Le 2 –, Gb 43 –, SJ 3 –/SJ 5 –, Ren 9 –
Obstruktion des Ohr-Netzwerkes Plötzlicher kompletter Hörverlust: Kann nicht einmal den Donner hören, Tinnitus Tong Qi San Leber-Qi verteilen und regulieren, Öffner öffnen SJ 21 –, Dü 19 –, Gb 2 – bzw. streng s.c. von kranial nach kaudal nadeln; Gb 8 –; Ma 40; Gb 34 –, Di 4 – und Le 3; SJ 16 + –, SJ 17 –
Blut-Stase und -Ansammlung in der oberen Körperpartie; bei Frauen zusätzlich Erschöpfung des Blutes Chronischer Tinnitus, Kopfschmerz, Schwindel, Haarausfall, dunkle Augenringe, zyanotische Gesichtsfarbe, Schnapsnase Tong Qiao Huo Xue Tang (Variation von Xue Fu Zhu Yu Tang [7.6.12.a]) Blut beleben, Blut-Stase zerstreuen, Öffner öffnen SJ 21 –; Di 4 –, Le 3 –, Gb 34 –, SJ 16 + –, SJ 17 –
Schleim- und Blut-Stase in den Netzgefäßen Tinnitus, dumpfe Schwerhörigkeit, Zerumen mit altem Blut, (westlich: Restzustand nach Otitis haemorrhagica) Tao Hong Si Wu Tang (7.6.10.b), als Variation nach Yan De-Xin (2000): zusätzlich Salviae miltiorrhizae Rx (Dan Shen) 9 g, Allii fistulosi Bb (Cong Bai) 3 Stämme, Sargassum (Hai Zao) 9 g, Eckloniae Thallus (Kun Bu) 9 g, Jujubae Fr (Da Zao) 5 St. Blut stärken und beleben, Menstruation regulieren Ma 8 –, SJ 21 –, Dü 19 –, Gb 2 – bzw. von oben nach unten nadeln; Gb 8 –; Ren 9 –, Ma 40; Gb 34 –, Di 4–, Le 3 –
Feuer-Toxin-Anhäufung Starke Kopfschmerzen, Tinnitus, Vertigo (Morbus Menire, hypertone Krise westlich), Hörverschlechterung, rote Wangen, Halitosis, Irritierbarkeit, Schlaflosigkeit; Husten mit zähem Auswurf; dunkler Urin;
Zunge: roter Zungenkörper;
Puls: saitenförmig, schnell
Chai Hu Qing Gan Tang (Variation von Long Dan Xie Gan Tang [7.6.4.d]) Feuer ausleiten, Toxizität mildern, Leber-Qi verteilen, Milz stärken SJ 21 –, Gb 20 –; Di 11 –, Gb 34 –, Le 2 – oder Le 3 – und Di 4–; Du 24 –
Wind-Hitze oder Transformationshitze bei Infekt Plötzlicher Tinnitus, Hörstörung (bei Erkältung), Kopfschmerz, Windaversion, Fieber Yin Qiao San (7.6.3.b), Variation nach Yan De-Xin (2000): zusätzlich Blut bewegende und antitoxische Zusätze Wind-Hitze zerstreuen, Hitze klären, Toxizität mildern SJ 21 –, Gb 20; Di 4 –, SJ 5 + –, SJ 17 –; Du 14 schröpfen

Als Erstes daran denken, Blutreste und Zerumen mechanisch zu entfernen

Kombinations-Syndrome bei Tinnitus/Schwerhörigkeit

Tab. 13.51
Syndrome Symptome Rezeptur Therapieprinzipien Akupunktur
Yin-Mangel mit aufsteigendem Yang Tinnitus, Schwindel, Kopfschmerz, Hypertonus, Lumbalgie und schwache Knie Qi Ju Di Huang Wan (7.6.10.d), als Variation nach Yan De-Xin (2000): zusätzlich Yin-Tonikum und Blut-Regulanzien: Paeoniae Rx rubra (Chi Shao), Chuanxiong Rz (Chuan Xiong); Geist verankernd: Margaritiferae Concha usta (Zhen Zhu Mu) Yin stärken, Yang unterdrücken, Blut beleben, Stase transformieren Gb 2 –, Mi 6 +, Pe 6 + –, Bl 23 +; Du 4 +, Ren 4 +
Leber-Yin- und Nieren-Yin-Mangel mit aufsteigendem Leber-Yang und -Wind (11.11.20, 11.7.5, 11.7.611.11.2011.7.511.7.6) Tinnitus, (Burnout-Syndrom, Hypertonie), Vergesslichkeit, Ruhelosigkeit, Reizbarkeit, Schlaflosigkeit mit Albträumen, Schwindel, Tinnitus, verschlagene Ohren;
Puls: saitenförmig, verlängert (mehr als 3 Positionen)
Jian Ling Tang (Variation von Zhen Gan Xi Feng Tang [7.6.15]): sehr gut zur Beruhigung von Geist und Herz geeignet Leber-Wind eliminieren Yin anreichern, Geist beruhigen Gb 2 –, SJ 21 –, Gb 20 –; Ni 3 +/Mi 6 +, Bl 23 +, Ren 4 +/Ren 6 +, He 6 – (Nachtschweiß), Ma 36 +
Yin-Mangel mit aufsteigendem Yang durch innere Ursache oder Folge einer Wen-Bing-Erkrankung (12.2) mit Verbrauch von Blut und Yin 1. Krämpfe, Bewusstlosigkeit, zittrige Finger, Hitze der fünf Flächen
2. Schwindel, Tinnitus, Palpitationen, trockener Hals, Blutungen;
Zunge: trockener, glänzender, geschälter Zungenkörper;
Puls: dünn, fadenförmig
San Jia Fu Mai Tang Yin nähren, Puls wiederherstellen, Hitze klären, den Geist verankern Gb 2 –, SJ 21 –, Gb 20 –, Du 20 + –; Ren 6 +, Ma 36 +, Mi 10 +, Ni 3 +/Mi 6 +, Bl 23 + –, Bl 20 + –
Leber-Yin- und Nieren-Yin-Mangel mit aufsteigendem Leber-Yang (11.11.20, 11.7.511.11.2011.7.5), in schweren Fällen mit Leber-Wind (11.7.6), rebellierendem Qi und Blutandrang im Kopf Tinnitus, Schwindel, Druckgefühl in den Augen, fiebriges Gefühl im Kopf, rotes Gesicht, irritiert;
Puls: lang, gespannt, kräftig;
Schwere Fälle: Aufstoßen, akute Fazialisparese, Verwirrtheit abwechselnd mit Klarheit; wenn Bewusstlosigkeit, dann Dauerschaden (westlich: TIA, Aphasie – Zerebralsklerose, Enzephalopathie mit fokalem Geschehen)
Zhen Gan Xi Feng Tang (7.6.15) Leber beruhigen, Wind löschen, Yin nähren, Yang verankern Le 3 –/Le 2 –, Du 20 + –, Du 16 + –, Du 24 + –; Gb 20 –, Ma 36 +, Bl 40 –
Disharmonie zwischen Herz und Niere (11.11.11) Tinnitus, Reizbarkeit, Nachtschweiß, Lumbalgie, Schwindel, Flush Tian Wang Bu Xin Dan (7.6.14.b) Yin nähren, das Blut stärken und nähren, den Geist-Shen beruhigen SJ 21 –, Dü 19 –; Gb 2 – bzw. streng s.c. von kranial nach kaudal nadeln; He 6 – abwechselnd mit H 7 –, Bl 15 + –, Bl 23 + –, Ni 3 +, Ren 15 + –, Du 20 + –
Disharmonie zwischen Herz und Niere (11.11.11) mit zusätzlichem Nieren-Yang-Mangel (11.9.2) Tinnitus, Unruhezustände, Spermatorrhö, chron., feuchte Träume, Impotenz, chron. Müdigkeit und Erschöpfung, schmerzende und schwache Knie und Lumbalgie;
Zunge: blasser Zungenkörper, weißer Zungenbelag;
Puls: schwach, dünn
Gui Zhi Jia Long Gu Mu Li Tang Jing zurückhalten, Rebellion unterdrücken, Yin und Yang bzw. Abwehr-Wei-Qi und Nähr-Ying-Qi harmonisieren und regulieren Gb 2 –; Du 20 –; He 6 – abwechselnd mit He 7 –, Bl 15 + – und Bl 23 + –; Ni 3 +, Ren 15 + –, Du 20 + –

Einteilung der Zyklusstörungen

Tab. 13.84
Vermehrte Blutung Zu häufige Blutung (Polymenorrhö) (13.12.2.a)
Zu starke (Hypermenorrhö) und/oder zu lange (Menorrhagie) Blutung (13.12.2.b)
Außerhalb des Rhythmus zusätzliche Blutung mit erkennbarem Rhythmus (Zwischen- bzw. Mittelblutung, Schmierblutungen) (13.12.2.c)
Außerhalb des Rhythmus zusätzliche Blutung ohne erkennbaren Rhythmus (Überfluten und Sickern [Beng Lou]) (13.12.2.d)
Verminderte Blutung Zu seltene Blutungen (Oligomenorrhö) (13.12.2.e)
Zu kurze (Brachymenorrhö) oder zu schwach (Hypomenorrhö) Blutung (13.12.2.f)
Ausbleibende Blutung (sekundäre Amenorrhö) (13.12.2.g)
Unregelmässige Zyklen (zu früh eintretende Blutung im Wechsel mit zu spät eintretender Blutung) (13.12.2.h)
Schmerzhafte Blutung (Dysmenorrhö [Tong Jing]) (13.12.2.i)

Schema (Akupunktur 25 min vor und unmittelbar nach dem Embryotransfer [ET], in liegender Position)

Tab. 13.86
Vor ET Pe 6 (Neiguan), Mi 8 (Diji), Le 3 (Taichong), Du 20 (Baihui), Ma 29 (Guilai)
Rechtes Ohr OP 55 (Shenmen), OP 58 (Zigong)
Linkes Ohr OP 22 (Neifenmi), OP 34 (Naodian)
Nach ET Ma 36 (Zusanli), Mi 6 (Sanyinjiao), Mi10 (Xuehai), Di 4 (Hegu)
Linkes Ohr OP 55 (Shenmen), OP 58 (Zigong)
Rechtes Ohr OP 22 (Neifenmi), OP 34 (Naodian)

Haupt-Meridiane und Schwangerschaftswoche

Tab. 13.87
Holz 1. und 2. Monat 3. bis Mitte 10. SSW Leber- und Gallenblasen-Meridian
Feuer 3. und 4. Monat 10. bis Anfang 18. SSW Herz- und Dünndarm-Meridian
Erde 5. und 6. Monat 18. bis Ende 25. SSW Milz- und Magen-Meridian
Metall 7. und 8. Monat Ende 25. bis Anfang 33. SSW Lungen- und Dickdarm-Meridian
Wasser 9. und 10. Monat 33. bis vollendete 40. SSW Nieren- und Blasen-Meridian

Verbotene Punkte in der Schwangerschaft

Tab. 13.88
Punkte und Zonen Begründung
Alle Finger- und Fuß-Punkte (die Brunnen-Jing- und Quell-Ying-Punkte (5.9.6) Die Brunnen-Jing-Punkte sind Anfangs- bzw. Endpunkte der Haupt-Meridiane und entfalten deshalb viel Dynamik; Wandlungsphasenzuordnungen sind Metall oder Holz; die Quell-Ying-Punkte entsprechen ebenfalls noch einflussreichen und bewegenden Kräften
Punkte im Sakral-, Lumbal- und Bauchbereich Wegen der anatomischen Nähe und der Wirkung von Yin und Yang: Rückenbehandlungen wirken auf den Bauch; der Lumbalbereich wird von dem Yang-Meridian der Blase versorgt, dieser verläuft nach abwärts
Sonstige Körperpunkte: Di 4, Mi 6, Ma 36, Le 3, Gb 21, Bl 60, Bl 67, mit Ausnahme von Moxa auf Bl 67 Gegen Ende der Schwangerschaft zur Lagekorrektur
Weitere Punktkategorien und akupunkturrelevante Verfahren
Weitere Punktkategorien:
  • Xi-Punkte der Haupt-Meridiane (5.9.3)

  • Öffnungs- und Ankopplungspunkte (5.4.11) der außerordentlichen Gefäße (Ji Jing Ba Mai)

Moxibustion kann als bewegender Reiz wirken und somit eine Schwangerschaft stören; lediglich beim Befund des kalten Uterus kann das Moxen in der Frühschwangerschaft bzw. zum Einnisten der befruchteten Eizelle als Maßnahme sinnvoll sein
Ohrpunkte: OP 23 (Ovar), OP 58 (Uterus), OP 26a (Hirnanhang), OP 79 (Äußere Genitalien)

Konstitutionelle Akupunktur in der Schwangerschaft (nach Weber-Blum 1985)

Tab. 13.89
1. und 2. Monat 3. Monat 4. Monat 5. Monat 6. Monat 7. und 8. Monat 9. und 10. Monat
Gb 34 und Gb 40 He 3 und He 7 SJ 4 und SJ 6 Mi 4 und Mi 8 Ma 36 und Ma 44 Lu 5 und Lu 9 Ni 3

Sind zwei Punkte genannt, sollten diese zusammen genadelt werden.

Häufige Probleme und mögliche Punkte

Tab. 13.90
Milz-Qi-Mangel Mi 6 (Sanyinjiao), Ma 36 (Zusanli), Bl 20 (Pishu)
Leber-Qi-Stauung Le 3 (Taichong), Le 2 (Xingjian), Pe 6 (Neiguan)
Nieren-Qi-und Jing-Mangel Bl 23 (Shenshu), Bl 67 (Zhiyin), Ni 1 (Yongquan), Du 20 (Baihui)
Emotionale Ursachen Pe 6 (Neiguan), He 7 (Shenmen), Ex-HN 3 (Yintang), Du 20 (Baihui)
Bewährte Lokalpunkte Bl 32 (Ciliao), Bl 31 (Shangliao)

Jeweils einen Punkt auswählen.

Syndrom-Differenzierung bei Plazentalösungsstörungen

Tab. 13.91
Syndrom Ätiologie Symptome Zunge Puls
Mangel-Syndrome (4.2.3, 13.14.6.a)
Qi-und Blut-Mangel (S. 1457) Lange, schwere Geburt, evtl. mit hohem Blutverlust Blässe, Schwäche; Uterus: weich, nicht druckdolent Blassrot.Belag: dünn Schwach
Jing-Mangel (S. 1457) Schwache Konstitution; Mehrgebärende Stark ausgeprägte, existentielle Schwäche Blassrot Schwach, tief, leer
Stau-Syndrome (4.2.3, 13.14.6.b)
Qi-und Blut-Stase (S. 1458) Oft bei emotionalem Stress unter der Geburt Spannungsgefühl im unteren Jiao, punktueller Schmerz Rot, evtl. mit bläulichen Punkten Gespannt
Kälte-Stase (S. 1458) Vermehrt bei Eingriffen und Vaginaluntersuchungen, die Kälte in den unteren Jiao gebracht haben Kalte Extremitäten, bläulich blasse Haut (Gesicht); krampfartige Schmerzen mit Kältegefühl, Uterus: verhärtet, druckdolent Blauviolett Langsam, tief, rau

Syndrom-Differenzierung bei psychischen Störungen

Tab. 13.92
Syndrom Symptome Zunge Puls
Qi- bzw. Yang-Mangel (4.2.3) Psyche: Interesselosigkeit, Schwäche, Apathie bis zur Depression; bei Ängsten ist auch die Essenz-Jing betroffen.Sonstiges: Schwäche, Blässe, Kältegefühl, Appetitlosigkeit Blass, geschwollen Leer, schwach
Blut- bzw. Yin-Mangel (4.2.3) Psyche: Unruhe, Nervosität, Schlafstörungen, evtl. Euphorie, wechselnde Stimmungen, evtl. gestörter Kontakt zu sich und zum Kind (Shen), nicht bei sich Sein, chron. MüdigkeitSonstiges: Hitzegefühle, bei Yin-Mangel auch Schweiß, Trockenheitssymptome Je nach vorherrschendem Bild blass und dünn oder rötlich.Belag: evtl. vermindert, trocken Fein und unruhig
Qi- und Blut-Stagnation (4.2.3) Psyche: Depression mit unterdrückten Gefühlen (Wut, Trauer, evtl. Abwehrhaltung gegenüber dem Baby); bei einer Schleimproblematik kann es zu Realitätsverlust kommen (Psychosen, Wahnzustände).Sonstiges: Völlegefühl im Thorax, Epigastrium oder Bauch, evtl. Erbrechen Normal oder blauviolett Saitenförmig, evtl. schlüpfrig

Syndrom-Differenzierung bei Laktationsstörungen

Tab. 13.93
Syndrom Milch und Brüste Zusatzsymptome Zunge Puls
Qi-Mangel (4.2.3) Wenig oder keine Milch; weiche Brüste, evtl. nach dem Stillen Brustschmerz als Schwächezeichen; Schwäche kann sich auch im Auslaufen der Brüste zeigen: Milz-Qi kann die Milch nicht halten Ausgemergelte oder ödematöse Frau: müde, schlapp, weiche Stühle, kälteempfindlich, spontane Schweißausbrüche; antriebslos, kraftlos Gedunsen, evtl. Zahnmarken Schwach, evtl. rau
Blut-Mangel (4.2.3) Später Milcheinschuss, Milchmangel, wässrige Milch; evtl. auch spärliche Lochien Trockenheit (Augen, Stuhl, dicker Urin), Blässe; viele Träume, chron. Müdigkeit, schlechte Erholung, eher aufgewühlt und weinerlich, weil Shen keine Wurzel hat; Schlafstörungen Blass Leer
Leber-Qi-Stauung (11.7.2) Druckempfindliche, gespannte Brüste, Einschuss oder Fluss sind problematisch; evtl. Milchstau, Schmerz, Rötung, Mastitis Ungelöste emotionale Probleme, Wut, Zorn; Spannungsgefühl in Thorax/Hypochondrium, evtl. gespannter, geblähter Bauch; Depression; evtl. subfebrile Temperaturen Evtl. abgesetzte Zungenränder, Unterzungenvenen gestaut Saitenförmig, voll, evtl. schnell

Differenzialdiagnostik der Gelenk-Bi-Syndrome

Tab. 13.94
Syndrom Symptome Zunge Puls
Wind-Bi oder wanderndes Bi, prädominant Wind (zusätzliche Faktoren mitbeteiligt) (Therapie CM-Syndrom S. 1488) Meist anfallsartiger Schmerz in Gelenken und Muskulatur mit wechselnder Lokalisation sowie alternierender Schmerzqualität und -intensität, Lokalisation eher im oberen Körperbereich; Bewegungseinschränkung und Parästhesien, Verschlimmerung durch Wind, emotionale Faktoren und im Frühjahr Belag: dünn, evtl. schmierig Saitenförmig, evtl. schnell, oberflächlich
Kälte-Bi oder schmerzhaftes Bi, prädominant Kälte (zusätzliche Faktoren mitbeteiligt) (Therapie CM-Syndrom S. 1491) Oft stark stechender, bohrender, fixierter Schmerz mit Besserung durch Wärme, tagsüber und Bewegung sowie Verschlechterung durch Kälte, nachts und Bewegung; Steifheit, Bewegungseinschränkung, oft lokales Kältegefühl, Wind-Kälte-Aversion Blass.
Belag: dünn, weiß
Gespannt, oberflächlich, langsam, bei starken Schmerzen auch saitenförmig
Feuchtigkeits-Bi oder fixiertes (haftendes) Bi, prädominant Feuchtigkeit (zusätzliche Faktoren mitbeteiligt) (Therapie CM-Syndrom S. 1492) Mäßig dumpfer, fixierter Schmerz in Muskeln und Gelenken mit Besserung durch Wärmeapplikation (Moxa), Verschlechterung durch feuchtes Wetter, Muskel- und Gelenkschwellungen mit teigigem feuchtem Gewebe, Schwere- und Taubheitsgefühle, oft allgemein körperliches Schweregefühl, Anlaufschmerzen Belag: weiß, oft schmierig, dick, feucht Weich, evtl. schlüpfrig
Hitze-Bi oder fiebriges Bi, prädominant Hitze (Weiterentwicklung) (Therapie CM-Syndrom S. 1493) Oft intensiv pochender Schmerz mit überwärmter, geröteter und geschwollener Haut, Muskulatur und Gelenk, Bewegungseinschränkung, evtl. Fieber oder Hitzegefühle, Mundtrockenheit, Unruhe, Durst Rot.
Belag: gelb
Schlüpfrig, schnell

Punktauswahl nach regionaler Gelenkbeteiligung bei Gelenk-Bi-Syndrom

Tab. 13.95
Gelenke Lokalpunkte Regionalpunkte Regionbezogene Fernpunkte
Kiefer Ma 7, Dü 19 SJ 17 Di 4
HWS Ex-B 2 (Huatuojiaji), Gb 20, Bl 10 Du 14, Bl 11, Gb 21 Ex-UE 8 (Wailaogong), Dü 3, SJ 5, SJ 8, Gb 39, Bl 60, evtl. Ma 40, Ni 4, SJ 19
Schulter SJ 14, Di 15, Ex-UE (Jianqian) Dü 9–Dü 15, SJ 15, Gb 21, Di 14, SJ 13 Di 4, Lu 7, SJ 1, SJ 5, Ma 38, Ma 36, Bl 58
Ellenbogen SJ 10, Dü 8, Di 11, Lu 5 Di 10, Di 13, Di 14 SJ 5, Di 1, Di 4
Hand Di 4, Di 5, Dü 5, Pe 7, Dü 4, SJ 4 Lu 7, SJ 5 Mi 5, Di 1, Di 4
Finger Steifheit: Dü 5, Di 4, Dü 3; Taubheit und Schmerz: Dü 3, Di 3, SJ 3, Ex-UE 9 (Baxie) SJ 5, Dü 5 Di 4
BWS Ex-B 2 (Huatuojiaji) BWS, Bl 17–Bl 23 Bl 38–Bl 47 Dü 3, Dü 6, Bl 60, Bl 40, Bl 57
LWS Ex-B 2 (Huatuojiaji), Du 3, Bl 23, Bl 24, Bl 25, Bl 26, Ex-B 8 (Shiqizhui) Du 4, Bl 52, Bl 54 Bl 60, Bl 40, Bl 59, Bl 62, Du 26, Du 12, Ex-UE 7 (Yaotongdian)
Sakroiliakalgelenk Bl 27, Bl 28, Bl 32, Ex-B 8 (Shiqizhui) Bl 23 Bl 58, Bl 40
Hüfte Gb 29, Gb 30, Bl 54, Bl 49, Bl 50 Gb 31 Bl 62, Gb 41, Gb 39
Knie Ma 36, Mi 9, Le 7, Le 8, Ni 10, Gb 34, Bl 40, Ex-LE 5 (Xiyan), Ex-LE 2 (Heding), Gb 35 Ma 34, Mi 10, Gb 33 Di 5, Mi 5
Fuß Gb 40, Ma 41, Bl 60, Mi 5, Bl 62, Le 4, Ni 6 Gb 34, Ma 36, Ni 7 Di 5, Di 2, Di 3, Lu 10, Pe 7
Zehen Mi 3, Ex-LE 10 (Bafeng) Mi 4, Ma 41, Mi 9, Mi 5, Ni 6, Bl 60, Bl 62, Bl 65, Gb 38 Di 4

Punktauswahl bei akutem Torticollis

Tab. 13.97
Schmerzlokalisation Bewegungsstörung Fernpunkte Lokal-/Regionalpunkte
Medialer Nacken (Taiyang-Achse: Dü/Bl) Bei Ante- und Retroflexion Ex-UE 8 (Wailaogong), Dü 3, Bl 60, Dü 6, Dü 7, Lu 7 Ashi-Punkte, Ex-B 2 (Huatuojiaji), Du 20, Gb 20, Bl 10, Bl 11, Bl 12, Du 14, Du 16, Dü 11
Lateraler Nacken (Shaoyang-Achse: Gb/SJ) Bei der Rotation Ex-UE 8 (Wailaogong), Gb 39, SJ 5, Gb 34 Ashi-Punkte, Gb 20, Gb 21, SJ 14, SJ 16, Dü 14
Vorderer lateraler Nacken (Yangming-Achse: Ma/Di) Bei der Seitneigung Ex-UE 8 (Wailaogong), Di 4, Lu 7, Di 7, Ma 36 Ashi-Punkte, Ma 11, Ma 12, Ma 13, Di 17

Punktauswahl auch bei chron. HWS-Beschwerden geeignet

Punktauswahl bei Schulterbeschwerden

Tab. 13.98
Schulter-bereich Bewegungseinschränkung (v.a. bei ) Fernpunkte (fett akut, grau chronisch) Lokalpunkte (fett häufig druckdolent) Ohrakupunktur (OP)
Anterior (Lu-Meridian) Innenrotation Mi 9, Ma 38, Ex-UE 8 (Wailaogong); Meridianpunkt: Lu 7 Ashi-Punkte Di 15, Ex-UE (Jianqian), Di 14, Lu 1, Lu 2, Lu 5, Lu 9, Di 4, SJ 14 34, 13, 55, 98, 101, 64, 65
Schulter-höhe anterior (Di-Meridian) Innenrotation und Anteversion Ma 38, Ma 36; Ex-UE 8 (Wailaogong), HP 5; Meridianpunkte: Di 1, Di 4, Lu 7 Ashi-Punkte Di 15, Di 14, Di 12, Di 11, SJ 14, SJ 13, SJ 5, Ex-UE (Yuqian) 34, 13, 55, 64, 65, 87, 91, 101, evtl. 66
Schulterhöhe posterior (SJ-Meridian) Abduktion Ma 38, Gb 34, Ma 36; Meridianpunkte: SJ 1, SJ 5 Ashi-Punkte, SJ 15, SJ 14, SJ 13, SJ 12, SJ 5, SJ 3, Gb 20, Gb 21, Dü 11 34, 13, 55, 64, 65, 96 rechts, 104
Posterior (Dü-Meridian) Außenrotation Bl 60, Bl 58, Bl 40; Meridianpunkte: Dü 3, Dü 6 Ashi-Punkte Dü 9, Dü 10, Dü 11, Dü 12, Dü 13, Dü 14, Dü 15 34, 13, 55, 95, 92, 89, 64, 65

Lokalisation: Etwa 1 Cun kranial von Di 15 auf gleicher Höhe in einer Vertiefung lateral und proximal des Processus coracoideus

Punktauswahl bei Epicondylitis humeri

Tab. 13.99
Schmerzlokalisation Fernpunkte Lokal- und Meridianpunkte
Epicondylus humeri radialis Gb 34 Ashi-Punkte, Ex-UE (Zhouyu), Di 11, Di 10, Di 4, SJ 5, Lu 5, SJ 12, Ex-UE (Qujangwei)
Lateraler Ellenbogenbereich bei Di 10/11 (Di-Meridian) Ma 36, Ma 35 Ashi-Punkte, Di 10, Di 11, Di 12, Di 4, SJ 5, Ex-UE (Zhouyu), Ex-UE (Qujangwei)
Fossa olecrani (SJ-Meridian) Gb 34 Ashi-Punkte, SJ 5, SJ 10, SJ 12, Di 10, Ex-UE (Qujangwei)
Epicondylus humeri medialis (He-Meridian) Ni 12 Ashi-Punkte, He 2, He 3, He 7, Dü 8, Pe 3

Lokalisation: Rückseite des Ellenbogens zwischen Olecranon und Epicondylus humeri radialis bei gebeugtem Ellenbogengelenk

Lokalisation: Radial vom Ende der Beugefalte bei gebeugtem Ellenbogengelenk in einer Vertiefung

Punktauswahl bei radikulärem und pseudoradikulärem LWS-Syndrom

Tab. 13.101
Wurzelsyndrom Fernpunkte Lokal-/Ischialgieverlaufspunkte
L4/vorn (Ma-Meridian Oberschenkel; Mi-Meridian Unterschenkel) Di 4, Ma 36, Ex-UE 7 (Yaotongdian) Ashi, Ex-B 2 (Huatuojiaji) L2–L5, Mi 3, Mi 4, Mi 6, Mi 9, Mi 12, Ma 34, Ma 36, Ma 38, Ma 42
L5/seitlich (Gb-Meridian) Ex-UE 7 (Yaotongdian), Gb 40 oder Gb 41 Ashi, Ex-B 2 (Huatuojiaji) L3–S1, Bl 23, Bl 31, Du 4, Gb 29, Gb 30, Gb 31, Gb 32, Gb 34, evtl. Ma 36
S1/hinten (Bl-Meridian) Dü 3, Dü 6, Du 20, Du 26, Ex-UE 7 (Yaotongdian), Bl 40 (akut), Bl 60 (chron.) oder Bl 57; Bl 58 (bei Ausstrahlung zwischen Gb- und Bl-Meridian) Ashi, Ex-B 2 (Huatuojiaji) L4–S1, Bl23, Bl 31, Du 4, Bl 54, Bl 36, Bl 37, Bl 62, Bl 65

Kniebeschwerden: Punktauswahl nach Meridianbezug

Tab. 13.102
Knieregion Meridian Fernpunkte Lokal-/Regionalpunkte
Oberhalb Ma Mi 5 Ma 34, Ex-LE 2 (Heding)
Lateral Ma Ma 41, Di 10, Di 15 Ma 34, Ma 35, Ma 36
Gb Gb 40, SJ 14 Gb 33, Gb 34
Medial Mi Lu 5, Mi 5 Mi 9, Mi 10, Ex-LE 4 (Neixiyan), Mi 6
Ni He 3 Ni 10, Le 7, Le 8, Le 9
Le Pe 3 Le 8, Le 9
Kniekehle Bl Dü 8, Dü 10 Bl 40, Bl 39
Intraartikulär Mi 5 Ex-LE 5 (Xiyan), Ex-LE 4 (Neixiyan),Ma 36

Punktempfehlung nach Kopfschmerzlokalisation und Meridianbezug

Tab. 13.116
Lokalisation (Meridianbezug) Fernpunkte Lokal-/Regionalpunkte
Scheitel (Vertex) (Le, Jueyin) Le 3 (Hauptpunkt) Du 20 (Hauptpunkt), Bl 7, evtl. Bl 10, Du 19, Ex-HN 1, Du 21, Gb 19
Schläfen (Temporalregion) seitlich oder einseitig (Gb, SJ, Shaoyang) SJ 5, SJ 3, Gb 41, evtl. Gb 38, Gb 34, Gb 44 Gb 8, Ex-HN 5, Gb 20
Stirn (Ma, Di, Yangming) Di 4, Ma 44 Du 23, Gb 14, Bl 2, Ma 8, Ex-HN 3, (Bl 2)
Hinterkopf (Okzipital) (Dü, Bl, Taiyang) Bl 60, Dü 3 Gb 20, Bl 10, Du 19, Gb 9, Bl 9

Fülle-Syndrome bei Kopfschmerzen (Tou Tong)

Tab. 13.117
Syndrom Symptome Zunge/Puls
Invasion pathogener Faktoren oder verbliebene Rest-Pathogene ( 13.17.2.a )
Wind-Kälte Meist (mit Infekt) akut einsetzender, dumpfer Nacken- und Hinterkopfschmerz oder im ganzen Kopf, oft Nackensteifigkeit, der Nacken fühlt sich wie eingebunden an.
Allgemeinsymptome: Wind- und Kälteaversion, Fieber/Frösteln gleichzeitig, kein Durst
Zungenbelag: dünn, weiß.
Puls: oberflächlich, straff gespannt
Wind-Hitze Meist (mit Infekt) akut einsetzender Kopfschmerz, der durch ein Spannungsgefühl bis hin zu einem berstenden Gefühl oder durch Stechen charakterisiert ist (v.a. in der Stirnregion).
Allgemeinsymptome: Fieber > Frösteln/Kälteaversion gleichzeitig, Gesichts- und Augenrötung, nasale Obstruktion mit gelblichem Sekret, Durst mit Wunsch zu trinken, je nach Hitzeeinwirkung Obstipation, konzentrierter Urin
Zunge: evtl. gerötet; gelblicher Belag.
Puls: oberflächlich, schnell
Wind-Feuchtigkeit Kopfschmerzen, die durch ein Bandagegefühl um den Kopf charakterisiert sind mit Schweregefühl und Schwindel, Verschlechterung durch feuchtes Wetter.
Allgemeinsymptome: thorakales und abdominales Völle- und Engegefühl, Appetitmangel, körperliches Schweregefühl (v.a. der Extremitäten) mit Schwäche, wenig Urin, breiige Stühle
Zungenbelag: schmierig-klebrig, weiß.
Puls: sanft, schlüpfrig
Fülle-Syndrome durch innere Faktoren ( 13.17.2.b )
Aufsteigendes Leber-Yang (11.7.5) (gemischtes Fülle-/Mangel-Syndrom) Starke und häufige Kopfschmerzen (oder Migräneanfälle), oft plötzlich auftretend von intensiv pulsierendem Charakter, oft Druckgefühl im Kopf, meist seitlich (und einseitig), Augen- oder Temporalregion (oft Druck hinter den Augen), peri-/retroaurikulär oder um Gb 14, besser durch aufrechte Lage; evtl. mit Schwindel oder Vertigo, oft begleitet von hypochondrischem Schmerz oder von Spannung.
Allgemeinsymptome: häufig Übelkeit, Erbrechen, Augen- und Gesichtsrötung, Augenflimmern, Reizbarkeit, Schlafstörungen, Mundtrockenheit, evtl. Tinnitus, Schwerhörigkeit, Reizbarkeit, Schlaflosigkeit
Zunge: gerötet, bei Leber-Blut-Mangel auch blass; trockener, dünner Belag.
Puls: saitenförmig
Loderndes Leber-Feuer (11.7.4) Kopfschmerzen (oder Migräneanfälle) von berstendem Charakter (Gefühl, als ob der Kopf sich von innen ausweitet und platzt), oft Vertexkopfschmerzen (als ob es von innen hochdrückt), Augen- und Gesichtsrötung und Hitzegefühle im Kopf.
Allgemeinsymptome: Reizbarkeit und Unruhezustände, Tinnitus, evtl. Spannung und Hitzegefühl in den Flanken, Mundtrockenheit, bitterer (oder saurer) Mundgeschmack, evtl. Übelkeit und Erbrechen, je nach Hitzekomponente dunkler konzentrierter Urin, Obstipation
Zunge: rot; gelber Belag.
Puls: schnell, saitenförmig, voll
Leber-Qi-Stauung(11.7.2) Kopfschmerzen mit einem Gefühl von Druck und Spannung, die durch emotionalen Stress induziert oder verschlimmert werden.
Allgemeinsymptome: häufig Magen-Disharmonie, Reizbarkeit, Depression und Frustrationsgefühle, Aufstoßen, Meteorismus, abdominales Spannungsgefühl, bei Frauen Menstruationsstörungen
Zunge: meist normal, evtl. Seiten gerötet und aufgerollt.
Puls: saitenförmig
Schleim-Feuchtigkeit Meist dumpfe Kopfschmerzen mit Schwindel, Benommenheit und Schweregefühl, entweder v.a. im Stirnbereich oder auch im ganzen Kopf lokalisiert, manchmal auch seitlich, oft morgens stärker.
Allgemeinsymptome: körperliches Schweregefühl, epigastrische und thorakale Fülle und Enge, Appetitmangel, Erbrechen oder Ausspucken von Schleim, Konzentrationsstörungen
Zungenbelag: schmierig, dick, weiß.
Puls: schlüpfrig, saitenförmig
Nahrungs-stagnation (11.6.5) Kopfschmerzen v.a. in der Stirnregion, die intensiv und nach Nahrungsaufnahme stärker werden können.
Allgemeinsymptome: Völlegefühl thorakal und epigastral, Säurereflux, Aufstoßen, fauliger Mundgeruch
Zungenbelag: dick, klebrig bis quarkig.
Puls: saitenförmig, rau
Blut-Stase (4.2.3) Hartnäckiger, therapieresistenter, intensiver, stechender oder bohrender Kopfschmerz (wie ein Nagel im Kopf) mit fixer Lokalisation, bei Blut-Stase oft Verschlimmerung der Symptomatik nachts, oft anamnestisch Z.n. nach Trauma oder Auftreten während lang dauernder Erkrankung.
Anmerkung: Der Zungen- und Pulsbefund kann auch normal sein, wenn die Blut-Stase nur lokalisiert ist
Zunge: blauviolett oder Blut-Stasezeichen, gestaute Unterzungenvenen.
Puls: saitenförmig, rau (siehe auch Anmerkung unter Symptome)
Loderndes Magen-Feuer (11.6.4), Rest-Hitze im Magen-Meridian Oft intensiver Kopfschmerz v.a. im Stirnbereich (kann mit Leber-Feuer kombiniert sein), Kopfschmerz kann auch nach einer nicht auskurierten Erkältung auftreten, bei der Hitze im Magen-Meridian verblieben ist, die rezid. Kopfschmerzen hervorruft.
Allgemeinsymptome: Unruhe, evtl. Durst mit Verlangen nach Kaltem, Gesichtsrötung, je nach Hitze Obstipation und dunkler konzentrierter Urin.
Anmerkung: in der klinischen Praxis zeigt sich möglicherweise ein normaler Zungen- und Pulsbefund (außer evtl. Hitze-Punkte an der Zunge); die Hitze hat sich nur im Bereich des Kopfschmerzes abgekapselt (z.B. Rest-Hitze im Ma-Meridian), was nicht unbedingt eine Schwäche des Zheng-Qi (2.3.1) anzeigt, sondern dass das Zheng-Qi in der Lage war, das Pathogen im Außen in Schach zu halten
Zunge: rot; dicker, gelber Belag.
Puls: voll, schnell.(siehe auch Anmerkung unter Symptome)
Kälte in der Leber (bzw. Leber-Meridian) Kopfschmerzen, oft begleitet von (galligem) Erbrechen und Übelkeit.
Allgemeinsymptome: Unruhe und Druckgefühl thorakal, paroxysmaler abdominaler Schmerz
Puls: saitenförmig und schlüpfrig

Mangel-Syndrome bei Kopfschmerzen (Tou Tong) (13.17.2.c)

Tab. 13.118
Syndrom Symptome Zunge/Puls
Qi-Mangel, Milz-Qi-Mangel (4.2.3, 11.5.14.2.311.5.1), sinkendes Milz-Qi Milder, dumpfer und oft chron. Kopfschmerz im ganzen Kopf oder nur in der Stirnregion mit einem Leeregefühl im Kopf, Ruhe/Liegen bessert, Anstrengung verschlechtert.
Allgemeinsymptome: schnelles Schwitzen nach Anstrengung oder Spontanschweiß, Infektanfälligkeit, Appetitverlust, Erschöpfung, weiche Stühle, Kurzatmigkeit bei geringer Anstrengung
Zunge: blass; dünner, weißer Belag.
Puls: leer, schwach
Blut-Mangel (4.2.3) Dumpfer Kopfschmerz mit Schwindel oft im Scheitelbereich sowie mit verschwommenem Sehen, nachmittags/abends stärker, kontinuierlich, Liegen/Ruhe bessert; bei Frauen gegen Menstruationsende stärker.
Allgemeinsymptome: Blässe, Vergesslichkeit, Schwäche, Konzentrationsstörungen, Palpitationen, Schlafstörungen
Zunge: blass.
Puls: schwach, dünn
Nieren-Yin-Mangel (11.9.6) Milde Kopfschmerzen, die durch ein Leeregefühl im Kopf charakterisiert sind, Lokalisation oft am Kopf oder Hinterkopf (Blasen-Meridian).
Allgemeinsymptome: Schwindel, Tinnitus, Mundtrockenheit, Unruhe, Schwäche/Schmerzen lumbal oder in den Extremitäten, Hitze der fünf Zentren, Schlafstörungen
Zunge: rot; wenig Belag oder belaglos.
Puls: dünn, schnell
Nieren-Yang-Mangel (11.9.2) Milde Kopfschmerzen, manchmal mit einem Kältegefühl oder auch Leeregefühl im Kopf (evtl. Auftreten nach sexueller Aktivität), Verschlechterung durch Kälte, Lokalisation am Kopf oder Hinterkopf (Blasen-Meridian).
Allgemeinsymptome: kalte Extremitäten, Kälteaversion, Schwindel, Tinnitus, Blässe
Zunge: blass.
Puls: tief, dünn oder tief, langsam
Nieren-Jing-Mangel (11.9.1) Kopfschmerzen mit einem Leeregefühl im Kopf, Schwindel.
Allgemeinsymptome: Apathie, Schmerzen und Wundsein im unteren Rücken, Tinnitus, Hörminderung, Vergesslichkeit
Zungenbelag: wenig.
Puls: schwach, dünn (v.a. an Nieren- und Leber-Position)

Mangel-Syndrome durch innere Faktoren.

Sun Peilin (2002) beschreibt als weiteres Syndrom Invasion von toxischem Feuer, das in die Richtung einer Wen-Bing-Erkrankung mit intensiver toxischer Hitze (12.2) weist. Dies muss, wenn sich Bewusstseinsstörungen zeigen, intensivmedizinisch therapiert werden.

Punktauswahl bei Trigeminusneuralgie nach Schmerzlokalisation

Tab. 13.119
Schmerzlokalisation Lokal-/Regionalpunkte Fernpunkte
1. Trigeminusast (supraorbital) Von Bl 2 oder Gb 14 bis Ex-HN 4 (Yuyao) durchstechen, Ex-HN 5 (Taiyang), Ma 7, Gb 8, SJ 23, Ashi-Punkte (5.8.1) SJ 5, Di 4, Ma 44, Le 3, SJ 1
2. Trigeminusast(maxillär) Ma 2, Di 20 (evtl. bis Ma 3 durchstechen), Ma 7 tief stechen oder von Ma 3 bis Ma 7 durchstechen, Ex-HN 5 (Taiyang), Di 20, Du 26, Dü 18, Ashi-Punkte (5.8.1) Di 4, Di 2, Di 3, Di 1, Ma 44, SJ 5, Le 3
3. Trigeminusast (mandibulär) Ma 4, Ma 5 (evtl. bis Ma 6 durchstechen), Ren 24 (evtl. bis Ex-HN [Jiachengjiang] durchstechen), Ashi-Punkte (5.8.1) Ma 44, Di 4, Di 2, Di 1, Di 3, SJ 5

Entweder Punkte einzeln stechen oder Penetrationsmethode (s.c. von einem zum anderen Punkt durchstechen) wie angegeben; Punkt in grauer Schriftfarbe: Hauptfernpunkt

Syndrom-Differenzierung bei Trigeminusneuralgie

Tab. 13.120
Syndrom Symptome Zunge/Puls
Wind-Kälte und Schleim obstruieren die Netzgefäße (13.17.3.a) Meist in Attacken blitzartig einschießender, kaum tolerabler Schmerz, typischerweise durch Kälteeinfluss getriggert und besser durch Wärmeanwendung; bei Kälte-Schleim, der die Netzgefäße obstruiert, oft Gesichtsschwellung, Gefühl des Einbandagiertseins um den Kopf Zunge blass, mit dünnem weißem Belag, Puls saitenförmig; bei Schleim vergrößerte Zunge mit dickem, klebrigem Belag und sanftem, schlüpfrigem Puls
Wind-Hitze und Schleim obstruieren die Netzgefäße (13.17.3.b) Meist in Attacken blitzartig einschießender, kaum tolerabler, messerstichartiger Schmerz, oft ein auslösender Triggerpunkt im Nasen- oder Lippenbereich, meist 2. und/oder 3. Trigeminusast, Schmerz ist begleitet von Gesichtsrötung und Schwitzen, verschlimmert sich bzw. wird getriggert durch Hitze und bessert sich durch Kälteanwendung, evtl. Fieber, Mundtrockenheit, konzentrierter Urin Rote Zunge mit trockenem, gelbem Belag und einem saitenförmigen, schnellen Puls
Loderndes Magen- und Leber-Feuer (11.6.4, 11.7.4,13.17.3.c) In Attacken blitzartig einschießender Schmerz mit brennendem Charakter, oft getriggert durch emotionalen Ärger oder Hitze (auch heiße Nahrungsmittel), bitterer Mundgeschmack, Unruhezustände, Reizbarkeit, Schlafstörungen, Durst mit Verlangen nach kalten Getränken, Völle thorakal und Spannung in den Flanken, häufiges Seufzen, Hitzegefühle, Gesichtsrötung, Schlafstörungen, trockene Stühle bis Obstipation Rote Zunge mit trockenem, gelbem Belag und einem schnellen, saitenförmigen Puls
Blut-Stase (13.17.3.d) Chron. Schmerz mit Attacken, die lange Zeit anhalten, messerstichartiger Schmerzcharakter mit fixer Lokalisation, manchmal von Spasmen begleitet; blasse Gesichtsfarbe, Windaversion, Kurzatmigkeit, Spontanschweiß, schwache Stimme, mag nicht sprechen Blasse Zunge mit evtl. Blut-Staseflecken oder -punkten; tiefer, rauer, schwacher Puls

Syndrom-Differenzierung bei Lähmungen und Muskelatrophie (Wei Zheng)

Tab. 13.124
Syndrom Pathomechanismus Symptome Zunge Puls
Lungen-Hitze mit Verletzung der Körperflüssigkeiten (13.17.7.a) Wen-Bing-Erkrankung (12.2) mit Lungen-Hitze, die die Flüssigkeiten geschädigt hat mit Mangelernährung der Sehnen und Muskulatur Beginnt oft mit einer muskulären Schwäche, die sich dann zu einer Lähmung/Atrophie v.a. der Beine steigern kann.
Allgemeinsymptome: Fieber, Husten, Unruhe, Durst, trockene Nase und trockener Hals, wenig dunkler Urin, Obstipation
Rot.
Belag: wenig, gelb, trocken
Dünn, schnell
Akkumulation von Feuchtigkeit und Feuchte-Hitze (13.17.7.b) Durch äußere Invasion von Feuchtigkeit mit Bildung von Feuchte-Hitze und/oder Diätfehler mit Zuviel an hitze- und schleimbildenden Nahrungsmitteln; die Feuchte-Hitze verschlackt in Sehnen und Muskulatur und führt zu Lähmungen etc. Im Frühstadium Missempfindungen, Parästhesien und Schwergefühle der Extremitäten, später gefolgt von Schwäche, Atrophie und Paresen.
Allgemeinsymptome: subfebrile Temperaturen, körperliches Schweregefühl, Völlegefühl in Thorax/Epigastrum, trüber Urin, Hitzesensationen
Evtl. Rot.
Belag: gelb, schmierig
Schlüpfrig, schnell
Milz- und Magen-Qi-Mangel (11.5.1, 11.5.2, 13.17.7.c) Aufgrund konstitutioneller Schwäche, durch Diätfehler mit Milz-Schädigung oder nach langwierigen Erkrankungen; die Mitte als Nachhimmels-Quelle von Qi und Blut kann diese nicht mehr ausreichend bereitstellen, Sehnen und Muskeln werden nicht mehr ausreichend ernährt, was zu Lähmungen etc. führt Schwäche der Extremitäten, die sich graduell weiterentwickeln kann, die Muskeln atrophieren.
Allgemeinsymptome: Müdigkeit, Erschöpfung, Appetitverlust, weiche Stühle oder persistierende Diarrhö, Blässe
Blass.
Belag: dünn, weiß
Schwach, dünn
Nieren- und Leber-Yin-Mangel (11.11.20) mit Leere-Hitze (13.17.7.d) Aufgrund konstitutioneller Schwäche, ausschweifendem Lebenswandel und altersbedingt; die Nieren herrschen über die Knochen, Leber und Nieren haben eine gemeinsame Wurzel; Schwäche führt zu Lähmungen etc. Oft langsamer Beginn über längere Zeit, im Frühstadium Sensibilitätsstörungen in einem oder beiden Beinen, dann graduelle Entwicklung von Schwäche/Atrophie und Paresen.
Allgemeinsymptome: Schwindel, verschwommenes Sehen, trockene Augen, Erschöpfung, Tinnitus, Harntröpfeln, lumbale Schwäche
Rot, belaglos Dünn, tief, evtl. schnell
Blut-Stase in den Meridianen (13.17.7.e) Entweder durch Trauma oder Qi-Mangel, wodurch das Blut zu wenig bewegt wird; eine Blut-Stase in den Meridianen und Netzgefäßen führt zu Mangelernährung (zu wenig Blut), Schwäche und Lähmungen Schwäche und/oder Parästhesien der Extremitäten, Spasmen und Faszilliationen der Sehnen und Muskulatur, prominente Gefäß- und Venenzeichnung, in schwergradigen Fällen auch schuppige und verkrustete Haut über den betroffenen Arealen.
Allgemeinsymptome: Beine bläulich marmoriert, Schmerzen beim Beugen im Kniegelenk; nach Trauma evtl. Stuhl- oder/und Harninkontinenz
Blauviolett mit Blut-Stasezeichen Langsam, rau

Zusammenfassung der wichtigsten energetischen Auswirkungen der sieben Emotionen (Qi Qing) (modifiziert nach Hertzer 2006, Rochat de la Valle 2007, Maimon 2006)

Tab. 13.129
Emotion FK Qi-Bewegung Wirkung auf Zang Weitere Wirkungen
Ärger (Nu) Leber Lässt Qi nach oben steigen Läßt Leber-Yang emporsteigen Bringt die Hun-Seele aus der Verankerung
Freude (Xi) Herz Entspannt Qi Zerstreut Herz-Qi und den Geist (Qi schwindet) Führt zu Hitze im Herzen
(Übermäßiges) Grübeln (Si) Milz Verknotet das Qi Schleim entsteht, beeinträchtigt die Verdauungsfunktionen Bewirkt Vergesslichkeit, beeinträchtigt v.a. die Milz
Sorge (You) Milz und Lunge Stagniert das Qi (hier Bedeutung nicht explizit nach Hertzer, sondern nach Rochat de la Valle (2007): Qi wird eingeschlossen und blockiert; daher gibt es keine Zirkulation) Schädigt die Po-Seele, beeinträchtigt die Atmung Schädigt die rhythmische Energieverteilung der Lunge (nach Hertzer 2006), nach Maimon (2006) kann You zu einer Stagnation in allen Zang Fu führen, eher ein Unruhemuster, das ständig im Hintergrund ist und den freien Qi-Fluss behindert (Angst, Schlaflosigkeit, Konzentrationsstörungen)
Trauer (Bei) Lunge Zerstreut Qi, (nach Maimon [2006]: erschöpft das Qi) Schädigt Atmung und Rhythmusverteilung durch die Lunge Wirkt mittelbar auf das Herz, bewirkt Apathie
Furcht (Kong) Niere Lässt Qi nach unten sinken Führt zu Verzagtheit und Entschlusslosigkeit Wirkt mittelbar auf das Herz, bewirkt generelle Ängstlichkeit, Furchtsamkeit (Schlafstöungen, Palpitationen etc.)
Schreck, Schock (Jing) Primär Herz, aber auch alle anderen FK Bringt das Qi durcheinander Zerstreut Herz-Qi Führt zu wirrem Reden, zu Handlungen, die zusammenhanglos und widersprüchlich sind, Panik

Einteilung des Burnout-Syndroms mit Verhaltensauffälligkeiten und entsprechenden CM-Syndromen (nach Freudenberger und North 1974)

Tab. 13.130
Stadium Verhalten Syndrome
1. Der Zwang, sich zu beweisen Gier: Ich will Aufsteigendes Yang, Herz-Feuer
2. Verstärktes Zwangsgefühl Ich will noch mehr, innere Rastlosigkeit Nieren-Angst/Herz-Feuer
3. Subtile Vernachlässigung der eigenen Gefühle Psychische Flaute, Schlafstörungen beginnende Qi-Stagnation, Auftreten von Leberwind
4. Verdrängung von Konflikten und Bedürfnissen Erstes Auftreten von Fehlleistungen Qi-Mangel
5. Umdeutung von Werten Abgestumpfte Wahrnehmung Trüber, müder Geist-Shen
6. Verleugnung auftretender Probleme Erstes Auftreten von Leistungseinbußen Qi- und Blut-Mangel
7. Endgültiger Rückzug Ersatzbefriedigungen wie z.B.Drogen, Sexualität etc. Deutliche Zeichen eines Yin-Mangels
8. Verhaltensveränderungen Auftreten paranoider Züge Leere-Hitze/Schleim
9. Verlust des Gefühls für die eigene Persönlichkeit Abschottung nach außen Geist-Shen-Dissoziation
10. Innere Leere Z.T. Panikattacken und Phobien Zunehmendes Kältegefühl (psychisch/physisch) Yang-Mangel bzw.: oben warm/unten kalt; Herz-Feuer/Nieren-Yang-Mangel
11. Vollbild der Depression, Erschöpfung Auftreten von Suizidgedanken Kombinationen pathologischer Syndrome
12. Völlige Burnout-Erschöpfung Manifestation physischer Erkrankung Komplette Yin/Yang-Disharmonie

Veränderungen der Seelenaspekte im Verlauf einer Burnout-Erkrankung

Tab. 13.131
Seelenaspekt Funktion Veränderung im Burnout
Hun (2.4.9) Das, was immer schon da war und nach dem Ableben energetisch bleibt; den karmischen Gesetzen folgend; der Überlebensstratege Hun wird unruhig, überaktives Herz-Yang beeinträchtigt die Leber Schlafstörungen, Gereiztheit, Depression
Po (2.4.3) Der gefühlsmäßige Zugang zum Körper; tritt nach der Geburt in den Körper und verlässt ihn beim Tod endgültig Lunge-Dickdarm-Haut sind oft die ersten Indikatoren einer ernsten Disharmonie unterdrücktes oder akzeptiertes Krankheitsgefühl
Shen (2.4.1, 2.3.52.4.12.3.5) Der Spirit, das Charisma eines Menschen; integriert Himmel und Erde im Menschen; strahlt durch die Augen; im Dao höchstes Gut, das es zu kultivieren gilt Egomanie führt zur Abkapselung von der Himmels- wie von der Erdverbindung; dadurch verbraucht sich Shen trüber Blick Shen-Dissoziation (kein Spirit mehr)

Psychosomatische Reaktionsziele (Funktionssysteme) und Zang-Fu-Funktionskreise im Vergleich

Tab. 13.132
Westliche Funktionssysteme Chinesische Zang-Fu-FK
Herz-Kreislauf Herz, Dünndarm, Niere, Blase
Magen-Darm Milz, Magen, Dickdarm, Lunge
Muskulatur Milz, Leber
Wirbelsäule Niere, Du Mai, Mark
Immunsystem Lunge, Abwehr-Wei-Qi

Häufige Pulsbilder bei Burnout-Patienten

Tab. 13.133
Puls Bedeutung
Wei Mai, verschwindender Puls, manchmal spürbar, manchmal nicht, sehr dünn (wie Eierfäden in der Suppe), oft nur in der tiefsten Schicht wahrnehmbar Qi-, Yang-, Xue-, Yin-Mangel, langwierige, ernste Erkrankungen, bereits in den tiefen Energieschichten
Xi Mai, fadenförmiger Puls, dem obigen (Wei Mai) sehr ähnlich, jedoch konstant tastbar auf allen 3 Ebenen Allgemeine Erschöpfung bei vorwiegendem Yin-Mangel
Dong Mai, beweglicher Puls, zumeist auf der 2. Ebene, wie eine rollende Bohne Einerseits bei akuten Schmerzen, andererseits bei Angstzuständen
Shuo Mai, schneller Puls, > 5 Schläge/Atemzug Entweder Hitze oder sogar Feuer, oder Leere-Symptomatik (Yin, Xue, Qi)

Rezepturen für die häufigsten in der Praxis anzutreffenden Disharmonie-Muster

Tab. 13.134
Muster Rezeptur Wirkung
Manie im Anfangsstadium des Burnout Gan Mai Da Zao Tang (Glycyrrhiza-, Tritici-Fr- und Jujuba-Dekokt [7.6.14.b]) Bei allen emotionalen Störungen (Zang Zao), die über innere Unruhe und Rastlosigkeit zu einem Herz-Yin-Mangel führen
Einschnürung innerer Hitze, Feuer-Toxine verwirren den Geist (verwaschene Sprache, Mundtrockenheit) Huang Lian Jie Du Tang (Coptis-Dekokt, das toxische Wirkungen lindert [7.6.4.c]) Stark bitter; klärt Feuer und leitet Toxine aus
Yin-Mangel mit Mangel-Hitze Zhi Bai Di Huang Wan (Anemarrhena-, Phellodendrum- und Rehmannia-Pille [7.6.10.d]) Füllt Nieren- und Leber-Yin auf, kühlt das Herz und das Blut (Sheng Di Huang statt Shu Di Huang); gut bei Nachtschweiß und Schlaflosigkeit sowie Feuchte-Hitze im unteren Jiao
Aufsteigendes Leber-Yang transformiert zu Wind; Reizbarkeit, Kopfschmerzen, Tinnitus; cave: Schlaganfall Zhen Gan Xi Feng Tang (Dekokt zur Beruhigung der Leber und Beseitigung von Wind [7.6.15]) Sediert Leber, eliminiert Wind, nährt Yin
Leber-Yin- und Blut-Mangel; das Herz kann nicht mehr ernährt werden, innere Rastlosigkeit, Schlaflosigkeit Suan Zao Ren Tang (Ziziphi-Sm-Dekokt [7.6.14.b]) Nährt Leber-Blut und -Yin, befriedet das Herz und verhilft zu friedvollem Schlaf

Akupunkturpunkte, die bei der Therapie des Burnout-Syndroms häufig zum Einsatz kommen

Tab. 13.135
Punkt Wirkung
Ex-HN 5 (Taiyang), Leuchtendes Yang Klärt Hitze, kühlt den Kopf, zerstreut pathogenen Wind
Du 24 (Shenting), Hof des Geistes Beruhigt den Geist-Shen, beseitigt inneren Wind, unterdrückt aufsteigendes Leber-Yang
Bl 4 (Qucha), Gekrümmte Abweichung 1,5 Cun neben Shenting, entfernt Wind/Hitze, befreit die Sinne
Du 20 (Baihui), Zusammenkunft aller Leitbahnen Kreuzungspunkt aller Yang-Meridiane und des Leber-Meridians, unterdrückt aufsteigendes Leber-Yang, beruhigt Shen, erhellt das Bewusstsein
Pe 6 (Neiguan), Innere Grenze Reguliert und stärkt Herz, reguliert den Qi-Fluss sowohl im Herz als auch in der Leber, klärt Hitze und Feuer, beruhigt Geist-Shen
He 7 (Shenmen), Tor des Geistes Stärkt Herz-Blut und -Yin, klärt Herz-Feuer und beruhigt Shen
Mi 6 (Sanyinjiao), Treffpunkt der 3 Yin Stärkt die Milz und damit die Mitte, entfernt Wind/Feuchtigkeit aus den Meridianen und Luo-Gefäßen, nährt Yin und Blut beruhigt Geist-Shen
Le 3 (Taichong), Höchster Angriffspunkt Reguliert Leber-Qi, vertreibt Leber-Wind, nährt Leber-Blut und -Yin, beruhigt Geist-Shen, öffnet die Augen

Gesprächsinterventionen bei Burnout-Patienten nach der Lehre der CM

Tab. 13.136
Patient zeigt sich Therapeut zeigt Therapeutische Maßnahme aus dem Kontrollzyklus
Still und grüblerisch Einen Hauch von Agression, lässt den Patienten wütend werden Holz kontrolliert Erde
Exaltiert und redet viel Erzählt etwas Angsterregendes Wasser löscht Feuer
Traurig Lässt seinen Shen blitzen, erzählt etwas Lustiges, bringt zum Lachen (Humor) Feuer schmilzt Metall
Ängstlich In einer logischen Analyse, ob Angst berechtigt ist oder irreal (beruhigt) Wasser versiegt in Erde
Zornig Erzählt eine traurige Geschichte Metall schneidet Holz

Empfohlene Akupunkturpunkte

Tab. 13.137
Akupunkturpunkte Wirkung/Einsatz bei
Du 20 (Baihui), Ex-HN 3 (Yintang) Wirken regulativ auf Wachheit, Konzentration und Schlaf, Einsatz auch bei Kopfschmerzen, die oft bei Kindern und Jugendlichen auftreten
Du 20 (Baihui) Wirkt beim agitierten Patienten (Kokain, Amphetamine, Opiatentzug) beruhigend und macht den sedierten (Alkohol, Benzodiazepine) Patienten wach und besser konzentriert
Du 20 (Baihui) z.B. als ersten Zugang beim prädeliranten Patienten stechen (praktisch und effektiv)
Ex-HN 1 (Sishencong) Verstärkt die Wirkung von Du 20 (Baihui); Einsatz meist bei Schlafstörungen; Du 26 (Renzhong) bei Ohnmacht oder bei Krampfanfall nadeln oder mit dem Fingernagel akupressieren
Di 4 (Hegu) Oft zusätzlich im Zigarettenentzug, Wirkung auf Schleimhäute und obere Körperhälfte, schmerzlindernd
Le 3 (Taichong) Prophylaxe von Krampfanfällen, v.a. im Benzodiazepinentzug
Bl 62 (Shenma), Gb 34 (Yanglingquan) Prophylaxe von Krampfanfällen, v.a. im Benzodiazepinentzug
Ma 25 (Tianshu), Ma 36 (Zusanli) Einsatz bei Diarrhö (Heroin-, Codein-, Alkoholentzug); Ren 12 (Zhongwan) bei begleitenden Magenbeschwerden
Pe 6 (Neiguan) Einsatz bei Übelkeit und Erbrechen
Pe 9 (Zhongchong) Einsatz bei Alpträumen
Mi 6 (Yinlingquan) (und Ma 36 [Zusanli]) Einsatz bei sämtlichen Störungen im Unterbauch, bei Schmerzen, Blutungsstörungen, Ermüdung, Appetitlosigkeit
He 7 (Shenmen) Einsatz bei innerer Unruhe
Ren 17 (Danzhong) (in Kombination mit Lu 7 [Lieque]) Einsatz bei begleitender spastischer Bronchitis, Husten

Hauptrezeptur zur Begleitung der Chemotherapie, modifiziert nach Prof. Li Peiwen (Li Peiwen 2003)

Tab. 13.140
Arzneien Dosis (g) Rezeptanalyse
Astragali Rx (Huang Qi) 24 Stützt das Milz-Qi, kann antiproliferativ wirken (dann muss es allerdings höher dosiert werden: 40–60 g/Tag), verbessert die Immunität und unterstützt die Blutbildung und Geweberegeneration
Codonopsis Rx (Dang Shen) 15 Stützen das Milz-Qi; Atractylodis macrocephalae Rz (Bai Zhu) und Citri reticulatae Pericarpium (Chen Pi) reduzieren Ödeme um Tumoren und Metastasen, sodass die Chemotherapie dort besser wirken kann
Atractylodis macrocephalae Rz (Bai Zhu) 15
Poria (Fu Ling) 15
Pinelliae Rz praep (Ban Xia) 12 Sollte in Ingwersaft präpariert werden, denn es soll in diesem Fall besonders Übelkeit lindern, indem es Milz und Magen harmonisiert
Citri reticulatae Pericarpium (Chen Pi) 12 Harmonisiert Milz und Magen
Gigeriae galli Endothelium corneum (Ji Nei Jing) 12 Löst Tumoren auf und fördert zusammen mit Massa medicata fermentata (Shen Qu) den Appetit und lindert Nahrungsmittelstau
Massa medicata fermentata (Shen Qu) 12 Fördert zusammen mit Gigeriae galli Endothelium corneum (Ji Nei Jing) den Appetit und lindert Nahrungsmittelstau
Ligustri lucidi Fr (Nü Zhen Zi) 10 Stützen die Niere und fördern die Blutbildung
Lycii Fr (Gou Qi Zi) 10
Cuscutae Sm (Tu Si Zi) 15
Salviae miltiorrhizae Rx (Dan Shen) 18 Wirkt blutbildend (wie Si Wu Tang [7.6.10.b] in einer Arznei), gleichzeitig Blut bewegend, Hitze kühlend und v.a. Geist beruhigend. Da bösartige Tumoren durch schnelles Wachstum häufig hypoxische, schlecht perfundierte Bezirke aufweisen und von den Chemotherapeutika zumindest teilweise gar nicht erreicht werden, kann durch Hinzugabe des perfusionsfördernden Salviae miltiorrhizae Rx (Dan Shen) die Wirkung der Chemotherapie erheblich verbessert werden
Taraxaci Hb (Pu Gong Ying) 10 Fördert die Ausscheidung toxischer Metabolite über die Leber
Glycyrrhizae Rx (et Rz) (Gan Cao) 6 Harmonisiert und macht den Geschmack der Rezeptur erträglicher (die Rezeptur ist einigermaßen wohlschmeckend und kann von den Patienten i.d.R unmittelbar nach der Chemotherapie eingenommen werden)

Bewährte Variationen der Hauptrezeptur zur Begleitung der Chemotherapie

Tab. 13.141
Übelkeit und Erbrechen (GR )
HR + zusätzlich: Zingiberis Rz recens (Sheng Jiang) 15 g, Bambusae Caulis in taeniam (Zhu Ru) 8–12 g, Inulae Fl (Xuan Fu Hua) 8–12 g
Die Dosierung von Pinelliae Rz praep (Ban Xia) erhöhen und die Dosierung von Ligustri lucidi Fr (Nü Zhen Zi), Lycii Fr (Gou Qi Zi), Salviae miltiorrhizae Rx (Dan Shen) und Cuscutae Sm (Tu Si Zi) verringern
durch Magen-Yin-Mangel HR + GR + zusätzlich: Ophiopogonis Rx (Mai Men Dong), Glehniae Rx oder Adenophorae Rx (Sha Shen) je 15 g
Ohne Bambusae Caulis in taeniam (Zhu Ru), Inulae Fl (Xuan Fu Hua)
mit Qi-Stagnation HR + GR + zusätzlich: Cyperi Rz (Xiang Fu) 6 g, Citri sarcodactylis Fr (Fo Shou) 6 g, Aucklandiae Rx (Mu Xiang) 6 g
Ohne Bambusae Caulis in taeniam (Zhu Ru), Inulae Fl (Xuan Fu Hua)
Mundulzera (GR )
HR + zusätzlich: Scrophulariae Rx (Xuan Shen), Lonicerae Fl (Jin Yin Hua), Belamcandae Rz (She Gan) je 10 g
durch toxische Hitze HR + GR + zusätzlich: Isatidis Rx (Ban Lan Gen), Sophorae tonkinensis Rx (Shan Dou Gen), Phragmitis Rz (Lu Gen) je 8 g
durch Yin- und Qi-Mangel HR + von GR nur Scrophulariae Rx (Xuan Shen) 10 g + zusätzlich Pseudostellariae Rx (Tai Zi Shen) 10 g, Trichosanthis Rx (Tian Hua Fen) 8 g, Ophiopogonis Rx (Mai Men Dong), Glehniae Rx (Bei Sha Shen) und Adenophorae Rx (Nan Sha Shen) je 10 g
durch Blut-Xue-Stase mit Hitze HR + GR + zusätzlich: Moutan Cx (Mu Dan Pi) und Paeoniae Rx rubra (Chi Shao) je 8 g
Blutbildungsstörungen
Rote Blutbildung HR + zusätzlich: Asini Corii Colla (E Jiao) 10 g, Spatholobi Caulis (Ji Xue Teng) 15 g
Lycii Fr (Gou Qi Zi) erhöhen auf 12 g, Astragali Rx (Huang Qi) erhöhen auf 30 g
Weiße Blutbildung HR + zusätzlich: Epimedii Hb (Yin Yang Huo) 12 g, Spatholobi Caulis (Ji Xue Teng) 15 g, Psoraleae Fr (Bu Gu Zhi) 8 g, Polygoni multiflori Rx praep (Zhi He Shou Wu) 10 g
Salviae miltiorrhizae Rx (Dan Shen) erhöhen auf 15 g und Astragali Rx (Huang Qi) auf 30 g
Thrombozyten HR + zusätzlich: Glycyrrhizae Rx (et Rz) praep (Zhi Gan Cao), Typhae Pollen (Pu Huang) im Verhältnis 3 : 1 (z.B. 24/8 g)
Polyneuropathie (GR )
HR + zusätzlich: Chaenomelis Fr (Mu Gua), Clematidis Rx (et Rz) (Wei Ling Xian) je 12 g, Acanthopanacis senticosi Rx et Caulis (Ci Wu Jia), Spatholobi Caulis (Ji Xue Teng) je 15 g
durch Blut-Xue-Stase durch Mangel HR + GR + zusätzlich: Achyranthis bidentatae Rx (Niu Xi) 8 g, Angelicae sinensis radicis Cauda (Dang Gui Wei) 12 g
durch Feuchtigkeit HR + GR + zusätzlich Si Miao Wan enthält: Phellodendri Cx. (Huang Bai), Coicis Sm. (Yi Yi Ren), Atractylodis Rz. (Cang Zhu), Achyranthis bidentatae Rx. (Niu Xi)
mit starken Beschwerden HR + GR + zusätzlich: Scorpio (Quan Xie) 6 g, Scolopendra (Wu Gong) 4 g, Bombyx batryticatus (Bai Jiang Can) 8 g
Leberenzymerhöhung (GR )
HR + zusätzlich: Artemisiae scopariae Hb (Yin Chen Hao), Schisandrae Fr (Wu Wei Zi) je 12 g, Schisandrae Fr dann nur 10 min im fertigen Dekokt ziehen lassen
Durchfall (GR )
HR + zusätzlich: Atractylodis macrocephalae Rz (Bai Zhu) trocken geröstet
Dosierung von Astragali Rx (Huang Qi) erhöhen auf 36–48 g
durch Feuchte-Hitze HR + Tong Xie Yao Fang (7.6.6)
mit Blut HR + GR + zusätzlich: Sanguisorbae Rx (Di Yu), Sophorae Fl (Huai Hua) je 12 g
mit toxischer Hitze HR + GR + zusätzlich: Pulsatillae Rx (Bai Tou Weng) 9 g, Patriniae Hb (Bai Jiang Cao), Portulacae Hb (Ma Chi Xian) je 15 g
bei profusem Durchfall HR + GR + zusätzlich: Chebulae Fr (He Zi) 9 g, Schisandrae Fr (Wu Wei Zi) 12 g, Mume Fr (Wu Mei) 9 g
durch Nieren-Yang-Mangel HR + GR + zusätzlich: Psoraleae Fr (Bu Gu Zhi), Schisandrae Fr (Wu Wei Zi), Myristicae Sm (Rou Dou Kou) je 9 g
durch Milz-Qi-Mangel HR + GR + zusätzlich: Dioscoreae Rz (Shan Yao) 12 g, Nelumbinis Sm (Lian Zi) 9 g, Lablab Sm album (Bian Dou) 9 g, Coicis Sm (Yi Yi Ren) 18 g

GR: Generelle Rezeptur bei jeweils beschriebenem Symptom: Besteht immer aus Hauptrezeptur (HR, Tab. 13.140) und zusätzlichen Arzneien für das jeweilige Symptom.

HR: Hauptrezeptur zur Begleitung der Chemotherapie (Tab. 13.140)

Hauptrezeptur zur Begleitung der Strahlentherapie, modifiziert nach Prof. Li Peiwen (Li Peiwen 2003)

Tab. 13.142
Arzneien Dosis (g) Rezeptanalyse
Astragali Rx (Huang Qi) 24 Stützt das Milz-Qi, kann antiproliferativ wirken (dann muss es allerdings höher dosiert werden: 40–60 g/Tag), verbessert die Immunität und unterstützt Blutbildung und Geweberegeneration
Rehmanniae Rx (Sheng Di) 24 Kühlt das Blut und bringt Säfte hervor
Lonicerae Fl (Jin Yin Hua) 12 Eliminiert Hitze-Toxine von der Oberfläche
Taraxaci Hb (Pu Gong Ying) 12 Fördert die Ausscheidung toxischer Metabolite über die Leber
Ophiopogonis Rx (Mai Men Dong) 18 Bringen Säfte hervor, befeuchten und tonisieren Yin, Dendrobi Hb (Shi Hu) und Ligustri lucidi Fr (Nü Zhen Zi) können auch Blut tonisieren
Dendrobi Hb (Shi Hu) 12
Ligustri lucidi Fr (Nü Zhen Zi) 12
Salviae miltiorrhizae Rx (Dan Shen) 15 Wirkt blutbildend (wie Si Wu Tang [7.6.10.b] in einem Kraut), gleichzeitig Blut bewegend und Hitze kühlend und v.a. Geist beruhigend. Da bösartige Tumoren durch schnelles Wachstum häufig hypoxische, schlecht perfundierte Bezirke aufweisen und von den Chemotherapeutika zumindest teilweise gar nicht erreicht werden, kann durch Hinzugabe des perfusionsfördernden Salviae miltiorrhizae Rx (Dan Shen) die Wirkung einer Chemotherapie erheblich verbessert werden
Citri reticularae Pericarpium (Chen Pi) 12 Stützen das Milz-Qi und erleichtern die Verdauung der säftefördernden klebrigen Arzneien (Pinelliae Rz praep [Ban Xia] am besten in Ingwersaft präpariert), Atractylodis macrocephalae Rz (Bai Zhu) und Poria (Fu Ling) reduzieren auch Ödeme um Tumoren und Metastasen, sodass die Bestrahlung dort besser wirken kann
Pinelliae Rz praep (Ban Xia) 12
Atractylodis macrocephalae Rz (Bai Zhu) 12
Poria (Fu Ling) 12
Bambusae Caulis in taeniam (Zhu Ru) 10 Wirkt der Bildung heißen Schleims aufgrund der Verkochung der Säfte durch die Strahlen entgegen und wirkt antiemetisch
Gigeriae galli Endothelium corneum (Ji Nei Jing) 10 Löst Tumoren auf, beseitigt Nahrungsstagnation und wirkt appetitfördernd

Cave: Artenschutz

Bewährte Variationen der Hauptrezeptur zur Begleitung der Strahlentherapie

Tab. 13.143
Mundtrockenheit (siehe Mundulzera Tab. 13.141)
Strahlen-Pneumonie (GR )
HR + zusätzlich: Glehniae Rx oder Adenophorae Rx (Sha Shen) 10 g, Mori Cx (Sang Bai Pi), Trichosanthis Fr (Gua Lou) je 12 g, Lilii Bb (Bai He) 24 g
mit blutigem Sputum HR + GR + zusätzlich: Agrimoniae Hb (Xian He Cao), Imperatae Rz (Bai Mao Gen) je 12 g
mit Hitze und Yin-Mangel HR + GR + zusätzlich: Eriobotryae Fo (Pi Pa Ye) 12 g, Gypsum fibrosum (Shi Gao) 30–40 g
mit Yin- und Blut-Xue-Mangel HR + GR + zusätzlich: Asini Corii Colla (E Jiao) 12 , Moutan Cx (Mu Dan Pi) 15 g, Paeoniae Rx alba (Bai Shao) 18 g
mit Hitze-Toxinen HR + GR + zusätzlich: Gypsum fibrosum (Shi Gao) 30–40 g, Houttuyniae Hb (Yu Xing Cao) 24 g, Stemonae Rx (Bai Bu) 15 g, Phragmitis Rx (Lu Gen) 12 g
mit Schleim-Hitze HR + GR + zusätzlich: Scutellariae Rx (Huang Qin) 15 g, Arisaema cum Bile (Dan Nan Xing) 9 g, Fritillariae thunbergii Bb (Zhe Bei Mu) 12 g
mit Lungen- und Nieren-Yin-Mangel HR + GR + zusätzlich: Rehmanniae Rx praep (Shu Di) 24 g, Stemonae Rx (Bai Bu) 15 g, Eriobotryae Fo (Pi Pa Ye), Schisandrae Fr (Wu Wei Zi) je 12 g
Strahlen-Zystitis (GR )
HR + zusätzlich: Moutan Cx (Mu Dan Pi), Paeoniae Rx rubra (Chi Shao) je 12 , Imperatae Rz (Bai Mao Gen) 9 , Plantaginis Sm (Che Qian Zi) 12 , Dianthi Hb (Qu Mai), Junci Medulla (Deng Xin Cao) je 9 g
mit Feuchte-Hitze HR + GR + zusätzlich: Talcum (Hua Shi) 9 , Rhei Rx et Rz (Da Huang), Gardeniae Fr (Zhi Zi) je 6 g
mit Hitze-Toxinen HR + GR + zusätzlich: Gypsum fibrosum (Shi Gao) 24–30 g, Anemarrhenae Rz (Zhi Mu) 9 g, Gardeniae Fr (Zhi Zi) 6 g, Lophatheri Hb (Dan Zhu Ye) 12 g
mit Blut-Hitze HR + GR + zusätzlich: Cirsii Hb (Xiao Ji) 15 g, Nelumbinis Nodus (Ou Jie) 12 g, Gardeniae Fr (Zhi Zi) 9 g
Strahlen-Proktitis (GR )
HR + zusätzlich: Sanguisorbae Rx (Di Yu), Sophorae Fl (Huai Hua), Pulsatillae Rx (Bai Tou Weng) je 12 g, Portulacae Hb (Ma Chi Xian), Patriniae Hb (Bai Jiang Cao) je 15 g
mit Dickdarm- und Magen-Hitze HR + GR + zusätzlich: Coptidis Rz (Huang Lian) 9 g, Moutan Cx (Mu Dan Pi) 15 g
mit profuser Hitze-Blutung HR + GR + zusätzlich: Schizonepetae Hb (Jing Jie) verkohlt 15 g, Asini Corii Colla (E Jiao) 12 g
mit profuser Diarrhö HR + GR + zusätzlich: Chebulae Fr (He Zi) 9 g, Schisandrae Fr (Wu Wei Zi) 12 g, Mume Fr (Wu Mei) 9 g
mit Milz-Qi-Mangel HR + GR + zusätzlich: Codonopsis Rx (Dang Shen) 15 g, Dioscoreae Rz (Shan Yao) 12 g, Nelumbinis Sm (Lian Zi) 9 g, Lablab Sm album (Bian Dou) 9 g, Coicis Sm (Yi Yi Ren) 18 g

GR: Generelle Rezeptur bei jeweils beschriebenem Symptom: Besteht immer aus Hauptrezeptur (HR, Tab. 13.142) und zusätzlichen Arzneien für das jeweilige Symptom.

HR: Hauptrezeptur zur Begleitung der Strahlentherapie (Tab. 13.142)

Klassische Differenzierung von Ödemen (Fu Zhong)

Tab. 13.144
Ödeme Pathomechanismus Symptome Therapieprinzipien
Yang-Ödeme (S. 1675) Generell Siehe unten Wind-Ödeme und Haut-Ödeme Meist akuter Beginn und rasche Entwicklung, Ödementwicklung von oben nach unten, d.h. zuerst Befall des Gesichts und der oberen Extremitäten, oft glänzende Hautfarbe, Oligurie (dunkler Urin), oft trockene Obstipation, Zungenfarbe blassrot oder rot mit weißem oder gelbem, evtl. fettigem Belag, evtl. saitenförmiger oder schneller Puls Äußere pathogene Faktoren vertreiben, Wasserwege öffnen und Hautödeme beseitigen, Absteigen des Lungen-Qi fördern
Wind-Ödeme (Feng Shui) Äußeres Pathogen Wind dringt in die Lunge ein Ödeme v.a. in der Gesichts- und Kopfregion, leichtes Schwitzen und Windaversion, schmerzendes Schweregefühl im Körper oder Gelenkschmerzen, kein Durst und geringes Fieber, oberflächlicher Puls Das Äußere durch Schwitzen entlasten
Haut-Ödeme (Pi Shui) Kombinierte Pathologie von Lunge und Milz mit Störungen der Lungen-Qi- und Flüssigkeitsverteilungsfunktion und der Milz in der Transformationsfunktion Subkutane Extremitätenödeme v.a. am Unterschenkel (nicht durch äußere Pathogene verursacht: keine Windaversion), sitzen in der Oberfläche, deutliche abdominale Schwellung und Spannung, oberflächlicher Puls Das Äußere durch Schwitzen entlasten
Yin-Ödeme (S. 1676) Generell Siehe unten Aufrechte Ödeme, Stein-Ödeme und Gelber Schweiß Meist schleichender Beginn an den Beinen, oft chron., oft fahle, glanzlose Hautfarbe, Oligurie (wenig, eher heller Urin), weiche Stühle, blasse und schlaffe Zunge mit weißem und feuchtem, evtl. fettigem Belag, tiefer, evtl. langsamer Puls Die Milz in ihrer Transport- und Transformationsfunktion stärken, Lungen-Qi absenken, Nieren-Yang wärmen
Aufrechte Ödeme (Zheng Shui) Nieren-Yang-Mangel führt zu Wasseransammlungen im Körper und behindert das Lungen-Qi am Absteigen Ödeme, Dyspnoe und tiefer, langsamer Puls Das Yang-Qi wärmen, um das physiologische Absteigen und die Transformation der Flüssigkeiten zu unterstützen
Stein-Ödeme (Shi Shui) Nieren-Yang-Mangel mit Ansammlungen von Wasser in den unteren Körperregionen Ödeme v.a. in den unteren Körperregionen, abdominale Spannung und Verhärtung Yang wärmen und pathologisches Wasser ausleiten
Gelber Schweiß (Huang Han) Pathogene Kälte-Feuchtigkeit dringt in die Poren mit Einstauung und Behinderung des Yang-Qi-Flusses in den Oberflächengeweben und nachfolgend Mangelernährung sowie Stauungshitze Ödematöse Schwellungen an Gesicht, Kopf und Extremitäten, gelber Schweiß (kann als eine Art Ikterus angesehen werden), Fieber, tiefer und langsamer Puls, bei chron. Störung auch Ulzera und Furunkel Ying-Qi und Wei-Qi harmonisieren und die Oberfläche befreien, Qi stärken und an die Oberfläche bringen, um Ödeme zu beseitigen
Besondere Kategorien der Ödemdifferenzierung in den Klassikern (nach Clavey 2004)
Qi-Ödeme (oder Qi Fen, Qi-Trennung) (S. 1677) Qi-Fülle: Qi-Fluss wird behindert, Stauung der Flüssigkeiten führt zu Ödembildung
Qi-Mangel, v.a. Yuan-Qi-Mangel: führt zu mangelnder Qi- und Flüssigkeitstransformation und in der Folge zur Entwicklung von Ödemen
Qi-Fülle: Ödeme, Taubheitsgefühle der Extremitäten, kalte Hände und Füße, Borborygmen, Aufstoßen und Flatulenz (oft emotional bedingt)
Qi-Mangel: Ödeme, Harninkontinenz
Qi stärken, Stauungen zerstreuen und Qi bewegen
Xue Fen (Blut-Trennung) (S. 1677) Kälte-Feuchtigkeit schädigt Ren und Chong Mai mit Amenorrhö, Qi häuft sich an, breitet sich zur Haut aus und wird zu pathologischem Qi Zunächst Amenorrhö, und in der Folge Ödeme Menstruation regulieren
Shui Fen (Wasser-Trennung) (S. 1677) Geschwächte Milz kann Feuchtigkeit nicht mehr ausreichend umwandeln mit innerer Anhäufung; auch die Blase kann der Qi-Transformation nicht mehr nachkommen, das überschüssige Wasser verteilt sich über die Oberflächengewebe mit Entwicklung von Ödemen und einer Amenorrhö Zuerst treten Ödeme auf, dann kommt es zu Amenorrhö Milz stärken, die Blasen-Qi-Transformation stärken, um pathologisches Wasser umzuwandeln und auszuleiten

CM-Syndrome bei Ödemen (Fu Zhong)

Tab. 13.145
Syndrom Pathomechanismus Symptome Zunge Puls
Äußere Pathogene
(Pathogene Faktoren, die in Haut und Oberflächengewebe eindringen, können den Metabolismus der Flüssigkeiten auf drei Arten beeinflussen: über die Lungenfunktionen [Haut], über die Harnblase [Eindringen in die Taiyang-Meridiane] und über die Milz [äußere Feuchtigkeit kann sich im Fleisch ansammeln]; sie können zu einer Beeinträchtigung der Zirkulation des warmen Abwehr-Wei-Qi in der Oberfläche mit nachfolgender Behinderung der Zirkulation und Beeinträchtigung des Porenmechanismus mit Ödembildung führen)
Wind-Kälte (S. 1680) Eindringen von äußerem pathogenen Wind (Wind-Kälte oder Wind-Hitze), die die Funktion der Lunge in Bezug auf den Wassermetabolismus stört, Beeinträchtigung des Porenmechanismus, überschüssiges Wasser kann nicht über die Haut eliminiert werden; ebenso ist die Ausscheidung über die Blase gestört Akutes Auftreten zunächst von Lid- und Gesichtsödemen, dann evtl. generalisierte Ödeme (der Extremitäten und evtl. des ganzen Körpers).
Allgemeinsymptome: Wind- und Kälteaversion, evtl. Fieber, Gliederschmerzen, wenig Urin (Anzeichen für Beeinträchtigung der Blase)
Belag: dünn, weiß Oberflächlich, gespannt bzw. langsam (verzögert)
Wind-Hitze (S. 1681) Akutes Auftreten zunächst von Lid- und Gesichtsödemen, dann evtl. Entwicklung von Ödemen der Extremitäten oder auch generalisiert.
Allgemeinsymptome: Fieber, Wind- und Kälteaversion, Schwitzen, Durst, Husten, Halsschmerzen und -schwellung, wenig Urin als Anzeichen einer Beeinträchtigung der Blase, Urin durch Wind-Hitze dunkler als bei Wind-Kälte
Evtl. leicht gerötet (v.a. Seiten und Spitze).
Belag: dünn, gelblich
Schnell, oberflächlich
(Eher) innere Faktoren
Feuchte-Hitze (S. 1681) Pathogene Feuchte-Hitze von außen oder durch Diätfehler bedingt; wenn sich pathogene Feuchtigkeit mit (z.B. Stauungs-)Hitze zu Feuchte-Hitze verbindet, führt dies schnell zur Blockade innerhalb der Wasserwege des San Jiao, die Flüssigkeiten trennende Funktion der Blase wird beeinträchtigt und Flüssigkeiten sammeln sich an (Ödeme) Gesichts- und Fußödeme oder in schwergradigen Fällen generalisiert.
Allgemeinsymptome: Völle, Appetitmangel, Mundtrockenheit, aber wenig Durst, wenig dunkler Urin (evtl. mit Trübung oder Brennen bei der Miktion)
Rot.
Belag: gelb, fettig, klebrig
Schnell, schlüpfrig, schwach oder schnell, oberflächlich, schwach
Wasser und Feuchtigkeit bedrängen die Milz (S. 1682) Oft Entstehung auf Grundlage eines Milz-Qi-Mangels mit Expositon von Feuchtigkeit (feuchte Umgebung etc.), die Milz kann nicht mehr ausreichend transformieren/transportieren, sodass Ödeme entstehen Schleichend einsetzende Ödeme, meist an den Extremitäten beginnend, v.a. in der Abdominalregion und an den Beinen mit körperlichem Schweregefühl.
Allgemeinsymptome: Erschöpfung, thorakale Fülle und Enge, Übelkeit, pappiger Mundgeschmack, wenig klarer Urin
Belag: schlüpfrig, weiß Tief, sanft oder tief, langsam
Lungen-Qi-Mangel mit Kälte (S. 1682) Aufgrund von lang dauerndem Husten oder Asthma, konstitutioneller Schwäche oder aufgrund eines Milz-Qi-Mangels wird die Lunge nicht ausreichend genährt; die Lunge als obere Wasserquelle kann die Flüssigkeiten nicht mehr verteilen mit der Folge von Ödem-Entwicklung Gesichtsödeme oder Ödeme der 4 Extremitäten in schwergradigen Fällen.
Allgemeinsymptome: Erschöpfung, Schwäche, schwache Stimme, Kälteaversion, Husten mit schwachem Geräusch, dünnes, klares Sputum, Blässe
Blass.
Belag: weiß
Dünn, schwach
Milz-/Magen-Qi-Mangel (S. 1682) 11.5.1, 11.6.111.5.111.6.1 Gesichtsödeme oder Ödeme der 4 Extremitäten (mit On-off--Symptomatik).
Allgemeinsymptome: Appetitverlust, Kurzatmigkeit, Erschöpfung, Schwäche der Extremitäten, Blässe, breiige Stühle, abdominales Spannungsgefühl
Blass. Belag: weiß Schwach, dünn
Milz-Yang-Mangel (S. 1683) 11.5.2 Verweilende, eindrückbare Ödeme mit Betonung der unteren Extremitäten und der Taille.
Allgemeinsymptome: Erschöpfung, Kälteaversion, kalte Extremitäten, Appetitmangel, kein Durst, breiige Stühle, wenig klarer Urin
Blass.
Belag: dünn, weiß, wässrig, glänzend
Tief, langsam
Nieren-Yang-Mangel (S. 1683) 11.9.2 Ödeme am ganzen Körper, die meist in der Taillengegend bzw. an den Füßen beginnen mit Betonung der unteren Extremitäten (v.a. in der Fußknöchelregion).
Allgemeinsymptome: Schmerz und Schwäche in der LWS-Region bzw. in den Beinen, kalte Extremitäten, Kälteaversion, wenig klarer Urin oder häufiges Wasserlassen, Nykturie
Blass, vergrößert.
Belag: dünn, weiß
Tief, dünn, schwach, evtl. langsam
Qi- und Blut-Mangel (S. 1684) Chron. Erkrankungen, Überanstrengung etc. Beginn der Ödeme v.a. im Gesicht, dann graduell auch Extremitätenödeme.
Allgemeinsymptome: fahler oder blasser Teint, blasse Lippen und Nägel, Schwindel, Palpitationen, Kurzatmigkeit, Appetitmangel, Erschöpfung, Konzentrationsstörungen
Blass.
Belag: wenig, weiß
Leer, dünn, schwach
Qi-Stagnation mit Wasseransammlungen (S. 1683) Durch Leber-Qi-Stauung (z.B. emotional ausgelöst) wird das Wasser nicht mehr ausreichend bewegt, sodass Ödeme entstehen Extremitätenödeme oder generalisierte Ödeme.
Allgemeinsymptome: Völle und Schmerz in den Flanken und abdominal, Appetitmangel, Aufstoßen, häufig Singultus, Reizbarkeit, Nägel und Teint blass und stumpf, Harnverhalt
Blass Saitenförmig

Praktische Therapie nach westlich orientierter Diagnose

Mazin Al-Khafaji

Simon Becker

Karin Bervoets

Claudia Focks

Heiner Frühauf

Thomas Gefaell

Walter Geiger

Stefan Hiller

Andreas Kalg

Barbara Kirschbaum

Gudrun Kotte

Gertrude Kubiena

Ralph Raben

Ruthild Schulze

Julian Scott

TIAN Delu

TIAN Li

WU Weiping

Michael Wullinger

Karl Zippelius

  • 13.1

    Herz und Kreislauf 1076

    Simon Becker

    • 13.1.1

      Funktionelle kardio-vaskuläre Störungen1076

    • 13.1.2

      Angina pectoris1080

    • 13.1.3

      Herzinsuffizienz1084

    • 13.1.4

      Herzrhythmusstörungen1088

    • 13.1.5

      Hypertonus1094

    • 13.1.6

      Hypotonus1099

    • 13.1.7

      Periphere vaskuläre Störungen1103

  • 13.2

    Atemwege 1111

    WU Weiping,TIAN Li

    • 13.2.1

      Leitsymptom: Husten (Ke Sou)1111

    • 13.2.2

      Leitsymptom: Dyspnoe (Chuan Zheng)1117

  • 13.3

    Magen-Darm-Trakt 1125

    TIAN Delu, TIAN Li

    • 13.3.1

      Leitsymptom: Magenschmerzen (Wei Tong)1125

    • 13.3.2

      Leitsymptom: Erbrechen (Ou Tu)1130

    • 13.3.3

      Leitsymptom: Diarrhö (泄 泻 [Xi Xi])1135

    • 13.3.4

      Leitsymptom: Dysenterie (Li Ji)1140

    • 13.3.5

      Leitsymptom: Obstipation (Bian Mi)1144

  • 13.4

    Leber und Gallenblase 1149

    TIAN Delu, TIAN Li

    • 13.4.1

      Leitsymptom: Schmerzen im Hypochondrium (Xie Tong)1149

    • 13.4.2

      Leitsymptom: Ikterus (Huang Dan)1152

  • 13.5

    Harnsystem 1157

    Claudia Focks

    • 13.5.1

      Leitsymptom: Dysurie (Lin Zheng)1157

    • 13.5.2

      Leitsymptom: Häufige Miktion1164

    • 13.5.3

      Leitsymptom: Nachtröpfeln von Harn1167

    • 13.5.4

      Leitsymptom: Harninkontinenz1169

    • 13.5.5

      Enuresis (Yi Nao)1171

    • 13.5.6

      Behinderte Miktion (Xiao Bian Bu Li)1173

    • 13.5.7

      Blockierte Miktion (Xiao Bian Bu Tong)1177

  • 13.6

    Augenerkrankungen 1181

    Julian Scott (Übersetzung: Ulrich L. Waechter)

    • 13.6.1

      Einführung1181

    • 13.6.2

      Tränende Augen (Epiphora)1182

    • 13.6.3

      Hordeolum (Gerstenkorn)1183

    • 13.6.4

      Konjunktivitis1184

    • 13.6.5

      Chronisches Offenwinkelglaukom (erhöhter Augeninnendruck)1185

    • 13.6.6

      Akuter Glaukomanfall1186

    • 13.6.7

      Hornhauterosion, Hornhautgeschwür1187

    • 13.6.8

      Katarakt (grauer Star)1188

    • 13.6.9

      Optikusatrophie, Makuladegeneration, Retinitis pigmentosa, Sehnerventzündung1189

    • 13.6.10

      Schielen1190

    • 13.6.11

      Kurzsichtigkeit bei Kindern1191

    • 13.6.12

      Augentrost-Methode1192

  • 13.7

    Hals, Nase und Ohren 1193

    Claudia Focks mit einem Beitrag von Gertrude Kubiena ( 13.7.8 )

    • 13.7.1

      Akuter Infekt (Gan Mao)1193

    • 13.7.2

      Halsschmerzen und -entzündungen1203

    • 13.7.3

      Heiserkeit (Sheng Yin Si Ya)1210

    • 13.7.4

      Leitsymptom: Globusgefühl (Hou Zhong Geng Zu)1216

    • 13.7.5

      Leitsymptom: Nasen-bluten (Bi Nü)1220

    • 13.7.6

      Rhinitis und Sinusitis1223

    • 13.7.7

      Otitis media1233

    • 13.7.8

      Tinnitus und Schwerhörigkeit1237

      Gertrude Kubiena

  • 13.8

    Mundhöhle und Zähne 1253

    Claudia Focks

    • 13.8.1

      Leitsymptom: Zahnfleischbluten (Ya Yin Chu Xue)1253

    • 13.8.2

      Leitsymptom: Zahn- und Kieferschmerzen (Ya Tong)1256

    • 13.8.3

      Mundentzündungen (Kou Chang)1260

  • 13.9

    Allergien 1262

    Michael Wullinger

    • 13.9.1

      Saisonale allergische Rhinitis (SAR)1263

    • 13.9.2

      Perenniale allergische Rhinitis (PAR)1266

    • 13.9.3

      Allergische Konjunktivitis1269

    • 13.9.4

      Asthma bronchiale1272

    • 13.9.5

      Atopisches Ekzem1276

    • 13.9.6

      Urtikaria1279

    • 13.9.7

      Nahrungsmittelallergien1282

    • 13.9.8

      Sinusitis1285

    • 13.9.9

      Infektanfälligkeit1288

  • 13.10

    Endokrinium 1291

    Anna Langer

    • 13.10.1

      Struma1291

    • 13.10.2

      Hypothyreose1293

    • 13.10.3

      Hyperthyreose1294

    • 13.10.4

      Thyreoiditis1299

  • 13.11

    Andrologie 1299

    Andreas Kalg

    • 13.11.1

      Erektile Dysfunktion1300

    • 13.11.2

      Vorzeitiger Samenerguss (Ejaculatio praecox)1309

    • 13.11.3

      Unwillkürlicher Samenerguss (Pollutionen)1313

    • 13.11.4

      Ausbleibender Samenerguss1316

    • 13.11.5

      Dauererektion (Priapismus)1318

    • 13.11.6

      Spermaanomalien1320

    • 13.11.7

      Erkrankungen der Hoden und Nebenhoden1334

    • 13.11.8

      Erkrankungen der Prostata1343

    • 13.11.9

      Infertilität des Mannes1355

  • 13.12

    Gynäkologie 1359

    Karin Bervoets, Claudia Focks mit einem Beitrag von Anna Langer ( 13.12.6 )

    • 13.12.1

      Weibliche Physiologie und gynäkologische Diagnostik1359

      Claudia Focks

    • 13.12.2

      Zyklusstörungen (Yue Jing Bing)1365

      Karin Bervoets

    • 13.12.3

      Zyklusassoziierte Beschwerden1394

      Claudia Focks

    • 13.12.4

      Fluor vaginalis (Dai Xia)1406

      Claudia Focks

    • 13.12.5

      Descensus uteri et vaginae1411

      Claudia Focks

    • 13.12.6

      Menopausen-Syndrom1413

      Claudia Focks, Anna Langer

  • 13.13

    Infertilität der Frau (Bu Yun Zheng)1426

    Karin Bervoets

    • 13.13.1

      Einführung1426

    • 13.13.2

      Grundlagen der weiblichen Fruchtbarkeit1427

    • 13.13.3

      Infertilitäts-Diagnostik1429

    • 13.13.4

      Allgemeine Behandlungsstrategien1431

    • 13.13.5

      Syndrom-Differenzierung1433

    • 13.13.6

      Auswahl wichtiger Akupunkturpunkte mit direktem Bezug zur Infertilität1442

    • 13.13.7

      Die Integration der Reproduktionsmedizin und der chinesischen Medizin1443

    • 13.13.8

      Das Kinderwunschpaar aus psychologischer Sicht1446

  • 13.14

    Schwangerschaft und Geburt 1447

    Ruthild Schulze, Gudrun Kotte

    • 13.14.1

      Einführung1447

    • 13.14.2

      Verbotene Punkte in der Schwangerschaft1450

    • 13.14.3

      Schwangerschaft und konstitutionelle Akupunktur1451

    • 13.14.4

      Schwangerschaft und fetale Toxine (Tai Du)1451

    • 13.14.5

      Geburtserleichternde Maßnahmen1453

    • 13.14.6

      Plazentalösungs-störungen1457

    • 13.14.7

      Diätetik und Lebensweise im Wochenbett1458

    • 13.14.8

      Beschwerden im Wochenbett (Chan Hou Bing)1459

    • 13.14.9

      Laktationsstörungen1463

  • 13.15

    Bewegungsapparat 1468

    Karl Zippelius, Claudia Focks

    • 13.15.1

      Einführung in die Traumatologie1468

      Karl Zippelius

    • 13.15.2

      Weichteilverletzungen1470

      Karl Zippelius

    • 13.15.3

      Knochenverletzungen1474

      Karl Zippelius

    • 13.15.4

      Komplikationen nach Trauma1477

      Karl Zippelius

    • 13.15.5

      Muskel- und Gelenkbeschwerden (Bi-Syndrome)1479

      Claudia Focks ( 13.15.5.b–c ), Karl Zippelius ( 13.15.5.a )

    • 13.15.6

      HWS-Syndrom1496

      Claudia Focks

    • 13.15.7

      Schulter-Syndrom1499

      Claudia Focks

    • 13.15.8

      Epicondylitis humeri1500

      Claudia Focks

    • 13.15.9

      Tendovaginitis1501

      Claudia Focks

    • 13.15.10

      Beschwerden im Handgelenksbereich1502

      Claudia Focks

    • 13.15.11

      Beschwerden in den Fingergelenken1503

      Claudia Focks

    • 13.15.12

      BWS-Syndrome1503

      Claudia Focks

    • 13.15.13

      LWS-Syndrome1505

      Claudia Focks

    • 13.15.14

      Hüftbeschwerden1513

      Claudia Focks

    • 13.15.15

      Kniebeschwerden1514

      Claudia Focks

    • 13.15.16

      Fußbeschwerden1515

      Claudia Focks

    • 13.15.17

      Chinastäbchen-Syndrom1516

      Claudia Focks

  • 13.16

    Haut und Hautanhangsgebilde 1517

    Mazin Al-Khafaji, Walter Geiger

    • 13.16.1

      Einführung1517

    • 13.16.2

      Psoriasis (Bai Bi)1519

    • 13.16.3

      Ekzem (Shi Zhen)1524

    • 13.16.4

      Seborrhoische Dermatitis (Bai Xie Feng)1534

    • 13.16.5

      Akne (Fei Feng Fen Ci)1535

    • 13.16.6

      Rosacea (Jiu Zha Bi)1538

    • 13.16.7

      Periorale Dermatitis (Kou Zhou Pi Yan)1539

    • 13.16.8

      Urtikaria (Feng Yin Zhen)1540

    • 13.16.9

      Herpes zoster (She Chuan Chuang)1544

    • 13.16.10

      Herpes simplex (Re Chuang)1546

    • 13.16.11

      Tinea pedis und manus (ungium) (Jiao Shi Qi)1547

    • 13.16.12

      Cremes, Salben und Tinkturen1550

  • 13.17

    Nervensystem1553

    Claudia Focks mit einem Beitrag von Barbara Kirschbaum ( 13.17.8 )

    • 13.17.1

      Leitsymptome: Schwindel und Vertigo (Xuan Yun)1553

    • 13.17.2

      Kopfschmerzen und Migräne1559

    • 13.17.3

      Trigeminusneuralgie1573

    • 13.17.4

      Leitsymptom: Fazialisparese (Kou Yan Wai Xie)1577

    • 13.17.5

      Fazialis-Tic (Yan Mian Chou Chu)1580

    • 13.17.6

      Interkostalneuralgie1582

    • 13.17.7

      Lähmungen und Muskelatrophie-Syndrome (Wei Zheng)1583

    • 13.17.8

      Multiple Sklerose (Wei-Syndrom)1588

      Barbara Kirschbaum

    • 13.17.9

      Polyneuropathie1592

    • 13.17.10

      Leitsymptom: Parästhesien der Finger (Shou Zhi Ma Mu)1596

    • 13.17.11

      Stumpf- und Phantomschmerzen1598

    • 13.17.12

      Epilepsie (Dian Xian)1599

  • 13.18

    Psychische Störungen 1603

    Claudia Focks mit einem Beitrag von Thomas Gefaell ( 13.18.6 )

    • 13.18.1

      Einführung1603

      Claudia Focks

    • 13.18.2

      Schlafstörungen1608

      Claudia Focks

    • 13.18.3

      Depressionen1617

      Claudia Focks

    • 13.18.4

      Angststörungen1621

      Claudia Focks

    • 13.18.5

      Psychiatrische Erkrankungen1626

      Claudia Focks

    • 13.18.6

      Burnout-Syndrom1627

      Thomas Gefaell

  • 13.19

    Suchtbehandlung 1633

    Ralph Raben

    • 13.19.1

      Sucht aus Sicht der westlichen Medizin1633

    • 13.19.2

      Sucht aus Sicht der chinesischen Medizin1634

    • 13.19.3

      Therapie von Suchterkrankungen nach chinesischer Medizin1636

  • 13.20

    Chronisch-entzündliche Erkrankungen und Gu-Syndrom 1642

    Heiner Frühauf (Übersetzung: Markus Goeke)

    • 13.20.1

      Einführung1642

    • 13.20.2

      Kulturelle und medizinische Konzepte von Gu1643

    • 13.20.3

      Therapie des Gu-Syndroms: Ein vergessener Ansatz1648

    • 13.20.4

      Das Gu-Syndrom in der modernen klinischen Praxis1652

    • 13.20.5

      Rezepturen beim Gu-Syndrom1655

    • 13.20.6

      Akupunktur und Moxibustion beim Gu-Syndrom1656

    • 13.20.7

      Diät und Lebensführung beim Gu-Syndrom1657

  • 13.21

    Begleitung bei malignen Erkrankungen 1657

    Stefan Hiller

    • 13.21.1

      Pathogenese maligner Erkrankungen nach chinesischer Medizin1658

    • 13.21.2

      Therapieprinzipien1658

    • 13.21.3

      Aufrechtes-Zheng-Qi stützen (Fu-Zheng-Therapie)1659

    • 13.21.4

      Pathogene eliminieren und Krebs bekämpfen1661

    • 13.21.5

      Fu-Zheng-Therapie am Beispiel des Kolonkarzinoms1664

    • 13.21.6

      Begleitung bei Operationen1666

    • 13.21.7

      Begleitung der Chemotherapie1666

    • 13.21.8

      Begleitung der Strahlentherapie1669

    • 13.21.9

      Behandlung häufiger Komplikationen einer Krebserkrankung1672

  • 13.22

    Leitsymptome: Ödeme und Störungen der Schweißsekretion 1672

    Claudia Focks

    • 13.22.1

      Leitsymptom: Ödeme (Fu Zhong)1672

    • 13.22.2

      Leitsymptom: Störungen der Schweißsekretion1684

Herz und Kreislauf

Simon Becker
Die chinesische Medizin bietet bei zahlreichen Herz-Kreislauf-Erkankungen wirksame Therapiemöglichkeiten an. Dies trifft v.a. bei chronischen Krankheiten mit i.d.R. langer Therapiedauer zu. In Notfallsituationen gilt die chinesische Medizin niemals als primäre Therapiemethode, sondern ihr Einsatz ist hier nur unterstützend möglich.
Grundsätzlich präsentieren sich bei zahlreichen Herz-Kreislauf-Erkrankungen ähnliche chinesische Syndrome bzw. Syndromkombinationen. Dies gilt v.a. bei allen chronischen Störungen. Selten zeigen sich einfache Muster von Fülle (Shi) und Mangel (Xu), sondern meistens Kombinationsmuster. Die häufigsten Fülle-Muster sind Stauungen von Qi und Blut oder Ansammlungen von Schleim und Feuchtigkeit. Dem gegenüber stehen Qi- und Yang-Mangel-Zustände als häufigste Mangel-Muster. Die Fülle- und Mangel-Muster verstärken sich gegenseitig.
Die Behandlung darf sich bei solchen Kombinationsmustern nicht auf einen einzelnen Aspekt konzentrieren. Die verschiedenen Muster müssen vielmehr geichzeitig behandelt werden, da sie in der Pathogenese voneinander abhängig sind. Deswegen ist es wenig zielführend, nur ein einzelnes Muster als wichtigste Pathologie herauszufiltern, um die Therapie darauf zu konzentrieren. Blut-Stase steht bei vielen Herz-Kreislauf-Patienten im Mittelpunkt. Unter diesem Fülle-Muster liegt aber häufig ein Mangel-Muster, nämlich ein Qi- oder Yang-Mangel. In diesem Fall reicht es nicht aus, nur einen der beiden Faktoren zu behandeln, sondern es müssen gleichzeitig Qi und Yang gestärkt und das Blut bewegt werden. Die komplexen Rezepturen, die im Folgenden unter der Überschrift Klinische Tipps aufgeführt sind, spiegeln die Muster-Komplexität in der Praxis wider. Das Augenmerk sollte bei der Therapie auf das Eliminieren des pathogenen Faktors, der Fülle (Shi), gelegt werden. Oft zeigen sich Herz-Kreislauf-Patienten geschwächt, bleich, müde und kurzatmig. Dies kann den Therapeuten dazu verleiten, den Schwerpunkt auf eine tonisierende Behandlungsstrategie zu legen. Häufig bestehen aber zusätzliche Fülle-Zeichen, die zwingend gleichzeitig therapiert werden müssen. Tonisieren allein ist oft nicht Erfolg versprechend, sondern es muss sowohl tonisiert als auch ausgeleitet bzw. bewegt werden.
Eine Auflistung der einzelnen Syndrome wie in einem Lehrbuch spiegelt bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen vielleicht mehr noch als bei anderen Krankheitsbildern kaum die klinische Realität wider. Dennoch sind die Einzelsyndrome für das Verständnis des Gesamtbildes eines Patienten wichtig, da sie sich in der Praxis kombinieren. Diese Kombination wird wiederum in den empfohlenen Rezepturen abgebildet, die eine Kombination der verschiedenen Einzelmuster-Arzneimitteltherapien darstellen. Im Folgenden finden sich unter der Rubrik Therapie Rezeptur- und Akupunkturempfehlungen für die einzelnen Syndrome, die in den Syndrom-Tabellen differentialdiagnostisch aufgeführt sind. Unter Klinische Präsentation und Klinische Tipps werden Musterkombinationen und Arzneitherapien erläutert, die dem klinischen Alltag entsprechen.

Funktionelle kardiovaskuläre Störungen

Funktionelle kardiovaskuläre Störungen sind ein Sammelbegriff für nicht organisch, sondern eher psychisch bedingte Erkrankungen. Herzrhythmusstörungen und Hypertonus sind klinisch am häufigsten. Die chinesische Medizin unterscheidet nicht zwischen funktionellen und organischen Herzrhythmusstörungen. Daher werden die Herzrhythmusstörungen allgemein in einem Kapitel dargestellt (13.1.4). In diesem Abschnitt werden dagegen die Grundsätze der Behandlung funktioneller Störungen (wie auch funktioneller Herzrhythmusstörungen) aufgeführt, außerdem die Behandlungsgrundsätze bei Herzphobie, die ebenfalls zu den funktionellen kardiovaskulären Störungen gezählt wird. Die chinesische Medizin kann Patienten mit funktionellen kardiovaskulären Herzstörungen eine sinnvolle Unterstützung und Therapie bieten, die erheblich zur Verbesserung ihrer Lebensqualität beitragen kann.
Pathomechanismus: Leber und Herz sind die zentralen Zang-Organe in der Pathologie funktioneller kardiovaskulärer Störungen. Psychische Überbelastung, v.a. anhaltender Stress, führt zur Leber-Qi-Stauung und nachfolgend zu Blockaden des Qi-Flusses. Im oberen Jiao manifestieren sich die Stauungssymptome in Schmerzen, Engegefühlen und depressiven Verstimmungen. Zudem transformiert stagniertes Qi in Hitze, welche die Situation zusätzlich verkomplizieren kann.
Jede Art von Überbelastung mit zu wenig Ruhe- und Erholungsphasen oder einer chronischen Fehlernährung führen, je nach Konstitution, zu einem Mangel an Milz-Qi sowie an Nieren-Yin und -Yang. Dies bedingt u.a. einen Mangel an Blut und Yin im Herzen. Bei einem Blut-Mangel, der sich oft vor dem Hintergrund eines Milz-Qi-Mangels entwickelt hat, wird das Herz nicht ausreichend ernährt. Dadurch kommt es zu Herzrhythmusstörungen und Symptomen wie z.B. Konzentrations- und Schlafproblemen als Zeichen eines mangelhaft ernährten Geistes-Shen sowie weiteren typischen Zeichen eines Qi- und Blut-Mangels (4.2.3). Bei einer Erschöpfung des Sammel-Zong-Qi (2.3.1) stehen Qi-Mangel-Zeichen wie Dyspnoe, Müdigkeit und Spontanschweiß im Vordergrund. Bei einem Yin-Mangel wird das Herz zusätzlich durch die entstehende Mangel-Hitze gestört mit Symptomen wie Tachykardie, Unruhe und Nervosität. Durch eine Milz-Schwäche oder eine Verdickung der Säfte durch Hitze kann sich Schleim im Inneren ansammeln, der allgemein den Qi-Fluss sowie die Herz-Öffnungen blockieren kann.
Klinische Präsentation der funktionellen kardiovaskulären Störungen: Im Gegensatz zu den in den Abschnitten 13.1.2–13.1.7 aufgeführten Indikationen zeigen sich bei funktionellen Störungen oft relativ eindeutige Muster. Die in Tab. 13.1 aufgeführten Muster treten zwar selten isoliert auf, sind aber in der Klinik häufig klar voneinander unterscheidbar. Der Fokus liegt demnach auf der Differenzierung von Leber, Milz/Herz, Herz/Niere oder Schleim. Bei Leber-Pathologien steht emotionaler Stress und dessen Auswirkung auf das Leiden im Vordergrund, weitere Beschwerden zeigen sich meist nicht. Ein Herz-Milz-Mangel präsentiert sich primär mit Zeichen des Herz-Blut-Mangels (11.1.3). Eine Disharmonie zwischen Herz und Niere ist geprägt von Nieren-Yin-Mangel mit Mangel-Hitze im Herzen, die sich oft ab dem 45.–50. Lebensjahr und v.a. in den Wechseljahren zeigt. Bei Vorliegen von Schleim werden das Herz und die Sinnesöffnungen blockiert, und es zeigt sich neben einer typischerweise belegten Zunge und einem schlüpfrigen Puls oft auch Trübheit im Kopf. Es ist bei der Beurteilung wichtig zu realisieren, dass eine Leber-Qi-Stauung jedes Muster begleiten kann, ohne selbst das Hauptmuster zu sein. Wird die im Vordergrund stehende Disharmonie adäquat behandelt, löst sich auch der damit verbundene Stress – die Erkrankung bedeutet stets eine beachtliche Beeinträchtigung der Lebensqualität. Die Stagnation reguliert sich dann von selbst.
Qi-Stagnation (4.2.3)
Therapieprinzipien Qi bewegen, Leber regulieren und Thorax öffnen
Rezept: Inulae Fl. (Xuan Fu Hua) 10 g, Cyperi Rz. (Xiang Fu) 6 g, Bupleuri Rx. (Chai Hu) 6 g, Curcumae Rx. (Yu Jin) 6 g, Perillae Caulis (Zi Su Geng) 6 g, Trichosanthis Fr. (Gua Lou) 6 g, Polygalae Rx. (Yuan Zhi), 9 g, Jujubae Fr. (Da Zao) 3 g.
Akupunktur: Di 4 (Hegu) mit Le 3 (Taichong) bewegen die Leber und lösen Qi-Stagnation im ganzen Körper; Ren 17 N (Danzhong) bewegt das Qi im oberen Jiao und öffnet den Thorax; SJ 6 – (Zhigou) und Gb 34 – (Yanglingquan) bewegen das Qi im Hypochondrium; Pe 6 N (Neiguan) beruhigt den Geist-Shen und die innere Anspannung, öffnet den Thorax; Du 20 – N (Baihui) beruhigt den Geist und entspannt; Bl 15 N (Xinshu) und Bl 18 N (Ganshu) bewegen das Qi im Thorax und in der Leber.
Milz-Qi- und Herz-Blut-Mangel (11.11.4)
Therapieprinzipien Milz-Qi stärken und Herz-Blut nähren, den Geist-Shen beruhigen
Rezept: Gui Pi Tang (7.6.10.c).
Akupunktur: He 7 N (Shenmen) nährt Herz-Blut und beruhigt den Geist-Shen; Bl 15 N (Xinshu) und Ren 14 N (Juque) wirken ausgleichend auf das Herz und nähren das Herz; Ren 6 + (Qihai) tonisiert das Blut; Ren 17 N (Danzhong) und Pe 6 N (Neiguan) bewegen das Qi im Thorax und beenden Palpitationen; Ma 36 + (Zusanli) und Mi 6 + (Sanyinjiao) stärken und regulieren Qi und Blut; Bl 20 (Pishu) stärkt die Milz; Ren 12 (Zhongwan) stärkt die Mitte.
Disharmonie zwischen Herz und Nieren (11.11.11)
Therapieprinzipien Nieren-Yin nähren, Mangel-Hitze im Herzen klären, Geist beruhigen
Rezept: Jiao Tong Xin Shen Tang enthält: Rehmanniae Rx. (Sheng Di) 9 g, Scrophulariae Rx. (Xuan Shen) 6 g, Ophiopogonis Rx. (Mai Men Dong) 6 g, Schizandrae Fr. (Wu Wei Zi) 6 g, Ligustri lucidi Fr. (Nü Zhen Zi) 9 g, Angelicae sinensis Rx. (Dang Gui) 6 g, Phellodendri Cx. (Huang Bai) 6 g, Coptis Rz. (Huang Lian) 4 g, Platycodi Rx. (Jie Geng) 6 g, Salviae miltiorrhizae Rx. (Dan Shen) 15 g, Cinnamomi Cx. (Rou Gui) 2 g.
Akupunktur: Bl 15 N (Xinshu) und He 7 (Shenmen) nähren das Herz und beruhigen den Geist; Pe 6 N (Neiguan) öffnet den Thorax, entspannt und reguliert das Herz; Pe 7 N (Daling) beruhigt das Herz; Mi 6 + (Sanyinjiao) und Ni 3 + (Taixi) nähren Yin; He 6 N (Yinxi) klärt in Kombination mit Ni 3 Mangel-Hitze aus dem Herzen; Bl 23 (Shenshu) nährt die Nieren.
Schleim-Ansammlung mit Qi-Stagnation
Therapieprinzipien Schleim auflösen und beseitigen und den Qi-Fluss befreien, Geist beruhigen
Rezept: Variation von Gua Lou Xie Bai Ban Xia Tang enthält: Trichosanthes Fr. (Gua Lou) 12 g, Allii macrostemi Bb. (Xie Bai) 9 g, Pinelliae Rz. (Ban Xia) 9 g, Citri reticulatae Pericarpium (Chen Pi) 9 g, Cyperi Rz. (Xiang Fu) 9 g, Aurantii Fr. (Zhi Ke) 9 g, Jujubae Fr. (Da Zao) 4 Stücke, Glycyrrhizae Rx. praep. ([Zhi] Gan Cao) 4 g.
Akupunktur: Bl 15 N (Xinshu) und He 7 N (Shenmen) beruhigen den Geist; Pe 6 N (Neiguan) und Re 17 N (Danzhong) öffnen den Thorax; Di 4 (Hegu) mit Le 3 (Taichong) bewegen die Leber und lösen Qi-Stagnation im ganzen Körper; Bl 18 (Ganshu) entspannt die Leber und bewegt das Qi; Mi 9 (Yinlingquan) und Ma 40 (Fenglong) wandeln Feuchtigkeit und Schleim um; Pe 5 (Jianshi) befreit das Herz von Schleim.
Klinische Tipps bei funktionellen kardiovaskulären Störungen
Die Rezeptur Gui Pi Tang (7.6.10.c) kann bei Milz-Qi- und Herz-Blut-Mangel mit Leber-Qi-Stagnation mit nur einigen wenigen Zusätzen oft sehr wirkungsvoll eingesetzt werden. Bei den anderen Mustern muss die Therapie häufig weitere Sekundärmuster berücksichtigen und entsprechend angepasst werden.
Wichtige Arzneimittel bei funktionellen Herzrhythmusstörungen und Herzphobie:
  • Bupleuri Rx. (Chai Hu): Hauptsubstanz, um Leber-Qi zu bewegen; kann in die meisten Rezepturen für funktionelle Herzstörungen integriert werden, da häufig zumindest eine leichte Leber-Qi-Stauung vorliegt

  • Curcumae Rx. (Yu Jin): Bewegt Leber-Qi, beruhigt den Geist-Shen und beendet Palpitationen. Ideal bei Palpitationen mit Leber-Qi-Stauung. Oft kombiniert mit Albiziae Cx. (He Huan Pi) bei Leber-Qi-Stauung

  • Fossilia Ossis Mastodi (Long Gu) und Ostreae Concha (Mu Li): Sind schwere, absenkende und beruhigende Mittel. Einsatz v.a. bei Palpitationen mit Unruhe aufgrund von Hitze oder Leber-Qi-Stauung

  • Coptidis Rz. (Huang Lian): Wichtigste Arznei, um Herz-Hitze zu klären. Aufgrund ihres bitteren Geschmacks sollte sie jedoch mit Vorsicht angewendet werden. Einsatz auch gut bei Mangel-Hitze, wenn es adäquat kombiniert wird wie z.B. mit Rehmanniae Rx. (Sheng Di), Corii Asini Colla (E Jiao) oder Ophiopogonis Tb. (Mai Dong)

  • Bambusae Caulis in taeniam (Zhu Ru): Beste Arznei, um Schleim vom Herzen und den Sinnesöffnungen zu eliminieren. Wird oft mit Er Chen Tang (7.6.16.a) kombiniert.

Beachte: Stase umwandelnde Mittel stehen bei der Therapie der funktionellen kardiovaskulären Störungen im Gegensatz zur Therapie bei organischen Herzerkrankungen nicht im Vordergrund, da sich häufig eine Leber-Qi-Stauung und eine Herzproblematik im Sinne eines Blut- und Yin-Mangels zeigt.
Anmerkung: Bei funktionellen Herzproblemen eignet sich neben der chinesischen Arzneitherapie die Akupunktur besonders gut zur Behandlung. Oft sind jedoch regelmäßige Behandlungen über einen längeren Zeitraum erforderlich.
Weitere Therapiemöglichkeiten
  • Ohrakupunktur (5.7.1): OP 21 (Herzpunkt), OP 100 (Herz), OP 34 (Graue Substanz). Anwendung: Nadeln 20–30 min belassen, jeden 2. Tag über 10 Sitzungen. Samenkörner oder Dauernadeln applizierbar; dabei Seitenwechsel spätestens nach 5 Tagen

  • Entspannungstechniken wie Tajiquan (9.4), Qigong (9.2).

Angina pectoris

In der chinesischen Medizin gehört der Schmerz bei Angina pectoris zur Kategorie der Bi-Syndrome (Obstruktions-Syndrome). Da in diesem Fall eine Blockade im Thorax vorliegt, handelt es sich um ein Thorax-Bi (Xiong Bi). Der Schmerz variiert in seiner Ausprägung von leicht, dumpf und drückend bis hin zu intensiv stechend. Akupunktur und chinesische Arzneitherapie können v.a. unterstützend und bei chronischen Beschwerden eingesetzt werden. In Akutfällen ist eine entsprechende schulmedizinische Therapie erforderlich.
Pathomechanismus: Ein Bi-Syndrom entspricht immer einer Blockade. Dem Thorax-Bi liegen ursächlich eine Leber-Qi-Stauung, Blut-Stase, Schleim-Ansammlung oder ein stark geschwächtes Yang-Qi des Herzens zugrunde. Die drei Fülle-Pathogene blockieren den freien Fluss von Qi und Blut thorakal und führen zu einer Blockade mit Schmerzen. Zu beachten ist, dass Fülle-Muster wie Schleim und Qi-Stagnation und speziell die Blut-Stase auch auf der Basis von Mangel-Mustern entstehen können, was in der Praxis sogar häufig der Fall ist. Der Mangel an Qi und Yang führt dazu, dass das Blut im Thorax nicht ausreichend bewegt wird. Es staut sich an und führt zum Schmerzsyndrom. Ebenso wird ein Yang-Mangel häufig von äußerer pathogener Kälte begleitet, da diese bei einem Yang-Mangel leicht eindringen kann. Liegt eine Tendenz zu einem Yin-Mangel vor oder wird das Yin durch eine chronische Erkrankung geschädigt, kann sich ein Yin-Mangel auch mit einem Qi-Mangel des Herzens kombinieren, sodass ein Qi- und Yin-Mangel-Muster entsteht. Diese Kombination unterscheidet sich durch Zeichen der Mangel-Hitze eindeutig vom Qi- und Yang-Mangel-Muster.
Klinische Präsentation bei Angina pectoris: Die Angina pectoris kann in drei Phasen unterteilt werden: Akute Phase (akute Schmerzen), Regenerationsphase (Genesungsphase) und stabile Phase. Die Therapie mit chinesischer Medizin ist nur in der Regenerations- und in der stabilen Phase indiziert. In der Genesungsphase sowie in der stabilen Phase zeigt sich nahezu immer ein Kombinationsmuster aus Fülle (Shi) und Mangel (Xu). Der Mangel-Anteil entspricht dabei einem Qi- und evtl. einem Yang-Mangel des Herzens. Bei der Fülle handelt es sich immer um Blut-Stase sowie z.T. zusätzlich um Schleim. Die in Tab. 13.2 aufgeführten Symptome gelten als Schlüsselsymptome, die anzeigen, wie stark das jeweilige Muster beteiligt ist. Dagegen sind einzelne unkombinierte Musterpräsentationen in der Praxis eher unrealistisch.
Die Arzneitherapie scheint die bevorzugte Methode zu sein. Cave: Immer auch die Kombination mit schulmedizinischer Therapie berücksichtigen. DD Tab. 13.2.
Herz-Qi- oder Herz-Yang-Mangel mit Kälte-Invasion (11.1.1, 11.1.2)
Therapieprinzipien Yang stärken und wärmen, Kälte vertreiben, Obstruktion beseitigen
Rezept: Trichosanthis Fr. (Gua Lou) 12 g, Allii macrostemi Bb. (Xie Bai) 12 g, Cinnamomi Ra. (Gui Zhi) 6 g, Salviae miltiorrhizae Rx. (Dan Shen) 12 g, Carthami Fl. (Hong Hua) 9 g, Asari Rx. et Rz. (Xi Xin) 3 g. Bei ausgeprägtem Herz-Yang-Mangel zusätzlich Aconiti Rx. lateralis praep ([Zhi] Fu Zi).
Akupunktur: Bl 15 + M (Xinshu), Ren 14 + N (Juque) stärken als Shu/Mu-Punktkombination das Herz-Qi und wärmen das Herz-Yang; Ren 17 N (Danzhong) und Bl 14 N (Jueyinshu) fördern die thorakale Qi-Zirkulation und die Vertreibung pathogener Kälte; He 5 (Tongli) und Pe 6 N (Neiguan) als Durchgangs-Luo-Punktkombination beseitigen die Kälte, machen die Meridiane durchgängig und lindern so Schmerzen; Ren 6 + (Qihai) und Du 4 M (Mingmen) stärkt das Yang-Qi bei kalten Extremitäten; Ex-LE 11 (Duyin) beseitigt Obstruktion und Schmerzen.
Schleim-Retention (4.2.3)
Therapieprinzipien Schleim auflösen und beseitigen, Obstruktion beseitigen
Rezept: Gua Lou Xie Bai Ban Xia Tang (7.6.11.a) und zusätzlich Er Chen Tang (7.6.16.a). Bei Schleim-Hitze Variationen von Wen Dan Tang (7.6.16.b).
Akupunktur: Ren 14 – (Juque), Ren 17 – (Danzhong) und Pe 6 N (Neiguan) fördern die Qi-Zirkulation im Thorax und stärken somit indirekt die Umwandlung des Schleims; Ren 12 + N (Zhongwan) stärkt die Milz und beseitigt Feuchtigkeit; Ma 40 N (Fenglong) beseitigt Schleim. Mi 3 + (Taibai) kräftigt die Milz, besänftigt den Magen und unterstützt die Beseitigung von trübem Schleim; Bl 20 + N (Pishu) und Ma 36 + N (Zusanli) stärken die Milz und transformieren Schleim.
Herz-Blut-Stase (11.1.5)
Therapieprinzipien Stagnation auflösen und beseitigen, Blutzirkulation aktivieren
Rezept: Xue Fu Zhu Yu Tang (7.6.12.a).
Akupunktur: Pe 4 – (Ximen) aktiviert die Zirkulation in den Meridianen und Netzgefäßen; Ren 14 – N (Juque) und Bl 15 N (Xinshu) als Shu/Mu-Punktkombination und He 6 – N (Yinxi) als Spalten-Xi-Punkt regulieren gemeinsam Qi und Blut, beseitigen Stagnation und Schmerzen; Ren 17 N (Danzhong) und Bl 17 N (Geshu) fördern die Qi-Zirkulation thorakal und aktivieren Blut; Du 9 – N (Zhiyang) fördert die Zirkulation und lindert Schmerzen im Herzen; Mi 10 – (Xuehai) bewegt das Blut.
Mikroaderlass: Zusätzlich zur Körperakupunktur Pe 9 (Zhongchong) und He 9 (Shaochong) mit Dreikantnadel (5.1.6). Ebenfalls Besenreiser bluten lassen, z.B. mit Pflaumenblütenhämmerchen (Mikroaderlass), v.a. bei Lokalisation nahe der unter Akupunktur genannten Punkte wie z.B. Bl 15 oder Bl 17.
Leber-Qi- und Blut-Stagnation (11.7.2, 11.7.3)
Therapieprinzipien Leber befreien, Stagnation auflösen, Blutzirkulation aktivieren
Rezept: Si Ni San (7.6.6) und zusätzlich Salviae miltiorrhizae Rx. (Dan Shen), Curcumae Rx. (Yu Jin) und Chuanxiong Rz. (Chuan Xiong).
Akupunktur: Le 3 (Taichong) und Di 4 (Hegu) befreien die Leber und lösen Qi-Stagnation im ganzen Körper, Pe 6 – (Neiguan) bewegt Leber-Qi und öffnet die Brust; Ren 14 – N (Juque) und Bl 15 N (Xinshu) als Shu/Mu-Punktkombination und He 6 – N (Yinxi) als Spalten-Xi-Punkt regulieren gemeinsam Qi und Blut, beseitigen Stagnation und Schmerzen; Ren 17 N (Danzhong) und Bl 17 N (Geshu) fördern die Qi-Zirkulation thorakal und aktivieren Blut; Du 9 – N (Zhiyang) fördert die Zirkulation und lindert Schmerzen im Herzen; SJ 6 – (Zhigou) und Gb 34 – (Yanglingquan) beseitigen Spannungsgefühl im Flankenbereich.
Qi- und Yin-Mangel
Therapieprinzipien Qi stärken, Yin nähren
Rezept: Sheng Mai San (7.6.10.a) und zusätzlich Astragali Rx. (Huang Qi) und Salviae miltiorrhizae Rx. (Dan Shen).
Akupunktur: Lu 9 + (Taiyuan), Bl 13 + (Feishu), Bl 15 + (Xinshu) und He 5 + (Tongli) stärken Lungen und Herz; Ren 4 + (Guanyuan), Mi 6 + (Sanyinjiao) und Ma 36 + (Zusanli) stärken Qi und nähren Yin; Ni 6 + (Zhaohai) stärkt das Yin der Niere und unterstützt damit das Yin des ganzen Körpers.
Klinische Tipps bei Angina pectoris
Moderne Rezepturen für die Regenerationsphase und die stabile Phase bei Angina Pectoris bestehen aus verschiedenen Modulen, um das Qi zu stärken, Yang zu wärmen und zu aktivieren, Schleim umzuwandeln und den Thorax zu öffnen sowie Blut-Stase umzuwandeln und Blut zu aktivieren. In jedem Fall müssen diese Faktoren parallel behandelt werden. So sind Qi-Mangel und Blut-Stase immer vorhanden, während Yang-Mangel und Schleim als zusätzliche Komponenten bestehen können.
Wichtige Arzneimittel und Rezepte nach Therapieprinzipien geordnet:
  • Blut-Stase umwandeln und Blut aktivieren:

    • Salviae miltiorrhizae Rx. (Dan Shen): Wichtigstes Arzneimittel für jede Art und Phase der Angina pectoris, die in keinem Fall in einer Angina-Rezeptur fehlen darf

    • Chuanxiong Rz. (Chuan Xiong), Carthami Fl. (Hong Hua), Paeoniae Rx. rubra (Chi Shao), Angelicae sinensis Rx. (Dang Gui), Notoginseng Rx. (San Qi): Wichtigste Vertreter der Stase umwandelnden und Blut aktivierenden Arzneimittelkategorie und am häufigsten bei Angina angewendet

    • Xue Fu Zhu Yu Tang (7.6.12.a) ist die Standardrezeptur bei Stase im Thorax. Speziell an dieser Rezeptur ist die Wirkung auf stagniertes Qi und gestautes Blut

  • Qi stärken:

    • Astragali Rx. (Huang Qi): Hauptarznei, um durch Qi-Stärkung auch das Blut wieder zu beleben. Diese Eigenschaft ist wichtig bei gleichzeitigem Qi-Mangel mit Blut-Stase. Möglichst hohe Dosierung empfohlen

    • Codonopsis Rx. (Dang Shen), Ginseng Rx. (Ren Shen) und Pseudostellariae Rx. (Tai Zi Shen): Verstärken die Wirkung von Astragali Rx. (Huang Qi)

  • Yang aktivieren, Kälte zerstreuen: Aconiti Rx. lateralis praep. (Fu Zi) stärkt und aktiviert das Herz-Yang, zerstreut Kälte. Die Arznei wird häufig kombiniert mit Cinnamomi Ra. (Gui Zhi), Asari Rx. et Rz. (Xi Xin) und Allii macrostemi Bb. (Xie Bai), um seine Wirkung zu unterstützen

  • Bei Schleim-Ansammlung:

    • Trichosanthis Fr. (Gua Lou): Hauptarznei und am häufigsten verwendet, um den Thorax zu öffnen

    • Pinelliae Rz. praep. (Ban Xia), Citri reticulatae Pericarpium (Chen Pi) und Poria (Fu Ling), d.h. Er Chen Tang: Weitere wichtige Mittel zur Schleimlösung

    • Gua Lou Xie Bai Ban Xia Tang (7.6.11.a): Eine wichtige Grundrezeptur für dieses Muster. Kann als Schleim-Modul bezeichnet und eingesetzt werden.

Eine moderne Rezeptur berücksichtigt alle zugrunde liegenden Aspekte der Erkrankung und spiegelt diese gemäß ihrer graduellen Beteiligung am Gesamtmuster wider. Modernes Beispielrezept: Salviae miltiorrhizae Rx. (Dan Shen), Paeoniae Rx. rubra (Chi Shao), Angelicae sinensis Rx. (Dang Gui), Codonopsis Rx. (Dang Shen), Astragali Rx. (Huang Qi), Trichosanthis Fr. (Gua Lou), Allii macrostemi Bb. (Xie Bai), Cinnamomi Ra. (Gui Zhi), Asari Rx. et Rz. (Xi Xin), Aquilariae Lignum resinatum (Chen Xiang).
Weitere Therapiemöglichkeiten
  • Ohrakupunktur (5.7.1): OP 42 (Thorax), OP 101 (Lunge), OP 100 (Herz), bei Schleim-Retention OP 97 (Milz), bei Qi-Mangel (OP 95) (Niere). Anwendung: 3–4 druckdolente Punkte auswählen; Nadeln 30–60 min belassen jeden 2. Tag über 10 Sitzungen. Samenkörner oder Dauernadeln besonders zur Anfallsprophylaxe im freien Intervall; dabei Seitenwechsel des Ohrs spätestens nach 5 Tagen; Behandlungsdauer: 3 Wo

  • Sonstiges: Entspannungstechniken wie Taijiquan (9.4), Qigong (9.2).

Herzinsuffizienz

In der chinesischen Medizin wird die Herzinsuffizienz je nach vorherrschenden Symptomen unterschiedlichen Krankheitskategorien zugeordnet wie z.B. Herzpalpitationen (Xin Ji), asthmatisches Keuchen (Chuan Zheng), Wasserschwellung (Shui Zhong), Herzwasser (Xin Shui) sowie weiteren Kategorien. Dabei ist die Pathologie immer multifaktoriell und komplex. Eine Behandlung mit chinesischer Medizin lohnt sich in vielen Fällen und kann eine wertvolle Zusatztherapie darstellen, welche die Lebensqualität der Patienten stark verbessern hilft.
Pathomechanismus: Die verschiedenen Pathologien lassen sich nicht separat diskutieren, da sie voneinander abhängig sind und in der Klinik stets kombiniert auftreten. Die in Tab. 13.3 aufgeführten Einzelmuster sind daher immer als Teile des klinischen Gesamtmusters zu betrachten (siehe unten Klinische Präsentation).
Grundsätzlich sind bei einer Herzinsuffizienz drei pathologische Vorgänge beteiligt:
  • 1.

    Yang- und Qi-Mangel von Nieren, Milz und Herz

  • 2.

    Wasser- und Schleim-Ansammlungen

  • 3.

    Blut-Stase.

Yang und Qi von Milz, Nieren und Herz sind abhängig voneinander, d.h., die Schwäche eines Organs beeinflusst auf Dauer auch die anderen Organe. Häufig wird das Milz-Yang als erstes aufgrund chronischer Überanstrengung oder einer Fehlernährung geschwächt. Ist das Yang-Qi von Milz und Nieren geschwächt, können beide Organe die Flüssigkeiten nicht mehr umwandeln, die sich dann ansammeln und ins Gewebe überfluten. Die Wasseransammlungen beginnen im unteren Jiao, die Flüssigkeiten stauen sich jedoch bis in den oberen Jiao und überschwemmen dort das Herz.
Qi und Yang bewegen das Blut. Ist das Yang-Qi des Herzens geschwächt, kann Blut nicht mehr mit genügend Kraft bewegt werden, und es stagniert. Ebenso stauen die Flüssigkeiten das Blut und tragen so zur Blut-Stase bei. Alle drei pathologischen Vorgänge fördern und verstärken sich gegenseitig.
Klinische Präsentation bei Herzinsuffizienz: Bei der Herzinsuffizienz sind pathologische Zustände der drei Zang-Organe Herz, Milz und Niere in allen Fällen beteiligt. Es zeigt sich immer eine Kombination von Qi- und Yang-Mangel, Blut-Stase, Feuchtigkeits- und Wasseransammlung. Die Differenzierung muss darauf abzielen, die unterschiedlichen Gewichtungen der Musterzusammensetzung zu evaluieren. Diese Gewichtung sollte sich in der Therapie widerspiegeln.
Blut-Stase (4.2.3) und Herz-Blut-Stase (11.1.5) mit Wasseransammlung
Therapieprinzipien Qi stärken, Blut aktivieren und Blut-Stase beseitigen, Mitte stützen und Wasser lösen
Rezept: Bu Yang Huan Wu Tang (7.6.12.a) in Kombination mit Wu Ling San (7.6.12.a).
Akupunktur: Bl 17 – N M (Geshu) aktiviert die Blutzirkulation, gut in Kombination mit Mi 10 – (Xuehai); Pe 6 – N (Neiguan) öffnet den Thorax und reguliert das Herz; Pe 3 – N (Quze) und He 3 – N (Shaohai) beseitigen Schmerzen und Stagnation; Mi 10 – N (Xuehai) reguliert das Blut und beseitigt Blut-Stase; Ren 6 + N M (Qihai) stärkt das Yang-Qi; Ren 17 – N (Danzhong) verbessert die Qi- und Blutzirkulation thorakal; Ni 27 – N (Shufu) entspannt den Thorax.
Herz-Qi- (11.1.1) und Herz-Yin-Mangel (11.1.4)
Therapieprinzipien Qi stärken und Yin nähren
Rezept: Sheng Mai San (7.6.10.a) und zusätzlich Zhi Gan Cao Tang (7.6.10.c) mit der Zugabe von Astragali Rx. (Huang Qi).
Akupunktur: Bl 15 – N (Xinshu) und Ren 14 + N (Juque) stärken gemeinsam das Herz-Qi; Bl 17 + N (Geshu) nährt das Blut; Bl 23 + N (Shenshu) stärkt Nieren-Yin; Ma 36 + M (Zusanli) und Bl 20 + N (Pishu) stärken Milz und Magen; Ren 6 + M (Qihai) stärkt Qi und Yang; Pe 6 N (Neiguan) und He 7 N (Shenmen) beruhigen das Herz; Ren 4 + N (Guanyuan) nährt das Yin; Mi 6 + (Sanyinjiao) nährt das Yin.
Nieren-, Milz- und Herz-Yang- Mangel (11.11.6, 11.11.17) mit überflutendem Wasser (13.1.3.c)
Therapieprinzipien Yang wärmen, Nieren und Milz stärken, Wasser umwandeln und ausleiten und Ödeme entfernen
Rezept: Zhen Wu Tang (7.6.8.d) in Kombination mit Ling Gui Zhu Gan Tang (13.17.1.f).
Akupunktur: Du 4 + N M (Mingmen) stärkt das Yang; Ren 9 + N (Fuliu) stärkt die Yang-Funktion der Nieren; Ren 17 + N (Danzhong), Ren 4 + N M (Guanyuan) und Bl 23 + N M (Shenshu) kräftigen Nieren-Qi und Nieren-Yang und entfernen so Ödeme; Mi 9 + N (Yinlingquan) und Bl 20 + N M (Pishu) entfernen Ödeme; Bl 22 + N M (Sanjiaoshu) reguliert die Ausscheidung.
Bewährt hat sich bei Yang-Mangel die indirekte Moxibustion auf Ingwerscheiben (5.1.8) der Rücken-Shu-Punkte (5.9.4).
Klinische Tipps bei Herzinsuffizienz
Die Therapie muss in jedem Fall die vier Hauptpathologien Stase, Qi- und Yang-Mangel sowie Wasseransammlung gleichzeitig berücksichtigen.
Wichtige Arzneimittel nach Therapieprinzipien geordnet:
  • Blut-Stase umwandeln und Blut aktivieren: Salviae miltiorrhizae Rx. (Dan Shen), Paeoniae Rx. rubra (Chi Shao), Chuanxiong Rz. (Chuan Xiong), Notoginseng Rx. (San Qi), Carthami Fl. (Hong Hua) und Angelicae sinensis Rx. (Dang Gui)

  • Qi stärken: Wie bei allen kardiovaskulären Erkrankungen mit gemeinsam auftretendem Qi-Mangel und Blut-Stase ist Astragali Rx. (Huang Qi) in hoher Dosierung das wichtigste Qi stärkende Mittel. Weitere sind Ginseng Rx. (Ren Shen), Codonopsis Rx. (Dang Shen) und Pseudostellariae Rx. (Tai Zi Shen)

  • Yang wärmen und stärken bei Yang-Mangel: Der Yang-Mangel betrifft in diesem Fall v.a. die Nieren und die Milz. Das wichtigste Mittel (überhaupt bei Herzinsuffizienz) ist Aconiti Rx. lateralis praep. (Fu Zi). Weitere wichtige Mittel sind Cinnamomi Ra. (Gui Zhi) und Cinnamomi Cx. (Rou Gui)

  • Bei Wasseransammlungen: Diese sind eine Kombination aus Feuchtigkeit und dünnflüssigem Schleim und werden mit unterschiedlichen Strategien therapiert wie z.B. Ausleitung der Feuchtigkeit mit Arzneien wie Poria (Fu Ling), Alismatis Rz. (Ze Xie), Plantaginis Sm. (Che Qian Zi) und Stephaniae tetandrae Rx. (Han Fang Ji) oder Trocknung der Feuchtigkeit mit Atractylodis macrocephalae Rz. (Bai Zhu); bei ausgeprägten Schleim-Feuchtigkeits-Ansammlungen auch Einsatz der stark wirksamen Lepidii/Descurainiae Sm. (Ting Li Zi) zur Entfernung der Flüssigkeiten

  • Bei Schleim: Typische Symptome sind gelber oder weißer dicker Schleim, Engegefühl in der Brust, Völlegefühl im Abdomen und möglicher Brechreiz. Der Schleim wird umgewandelt und beseitigt mit Arzneien wie Platycodi Rx. (Jie Geng), Pinelliae Rz. praep (Ban Xia), Citri reticulatae Pericarpium (Chen Pi) und Aurantii Fr. (Zhi Ke).

Beispiel für eine moderne Rezeptur bei einem unkomplizierten Fall: Ginseng Rx. (Ren Shen) 15 g, Astragali Rx. (Huang Qi) 30 g, Ophiopogonis Rx. (Mai Men Dong) 15 g, Schisandrae Fr. (Wu Wei Zi) 10 g, Chuanxiong Rz. (Chuan Xiong) 12 g, Angelicae sinensis Rx. (Dang Gui) 20 g, Paeoniae Rx. rubra (Chi Shao) 15 g, Salviae miltiorrhizae Rx. (Dan Shen) 20 g, Notoginseng Rx. (San Qi) 3 g pulversiert und mit Dekokt eingenommen, Cinnamomi Ra. (Gui Zhi) 15 g, Aconiti Rx. lateralis praep. ([Zhi] Fu Zi) 10 g, Poria (Fu Ling) 24 g, Atractylodis macrocephalae Rz. (Bai Zhu) 24 g, Glycyrrhizae Rx. (Gan Cao) 10 g, Zingiberis Rz. recens (Sheng Jiang) 10 g.
Einschätzung der Herzinsuffizienz: Die Herzinsuffizienz ist eine bedrohliche, fortschreitende Erkrankung. Die Behandlung muss dem Grad der Krankheit angepasst werden. Im modernen China werden nur frühe Stadien (NYHA I, II) ausschließlich mit chinesischer Medizin therapiert, darüber hinaus werden beide Medizinsysteme (chinesisches und westliches) kombiniert angewendet. Die meisten in China publizierten Studien zur Herzinsuffizienz beschreiben eine solche Kombination. Einzelne Studien vergleichen die Wirksamkeit einer Behandlung mit alleiniger westlicher Therapie, alleiniger chinesischer Therapie oder mit einer Kombination der beiden, wobei eine Kombination beider Medthoden am wirksamsten zu sein scheint. Interaktionen zwischen westlichen und chinesischen Medikamenten werden nicht berichtet, sind aber möglich (Interaktionen 7.9). Die Praxis in China zeigt jedoch, dass die westliche und die chinesische Medizin häufig parallel eingesetzt werden und Interaktionen selten vorkommen. Daher scheint eine Kombination bei fortgeschrittener Herzinsuffizienz zwingend und eine praxiserprobte Option zu sein.
Weitere Therapiemöglichkeiten
Ohrakupunktur (5.7.1): OP 42 (Thorax), OP 101 (Lunge); OP 100 (Herz), OP 97 (Milz), OP 104 (San Jiao). Anwendung: 3–3 Punkte nach Differenzialdiagnose auswählen, Nadeln 30–60 min belassen jeden 2. Tag über 10 Sitzungen als unterstützende Akuttherapie. Samenkörner oder Dauernadeln zur Dauerbehandlung geeignet; dabei Seitenwechsel des Ohrs spätestens nach 5 Tagen; Behandlungsdauer: Mind. 3 Wo.

Herzrhythmusstörungen

Herzrhythmusstörungen fallen in der chinesischen Medizin unter die traditionellen Krankheitskategorien Palpitationen (Xin Ji), Furcht und Palpitationen (Jing Ji), beängstigendes Schlagen (Zheng Chong), Schwindel (Xuan Yun) oder, falls sie stark ausgeprägt und mit Bewusstseinsverlust verbunden sind, als eine Art Synkope (Yun Jue oder Han Jue). Es erscheint sinnvoll, generell von Palpitationen zu sprechen, wobei dazu bradykarde und tachykarde sowie weitere Arrhythmien gehören. Funktionelle Arrhythmien werden meist nicht von organischen Herzrhythmusstörungen unterschieden. Der folgende Abschnitt befasst sich v.a. mit der Differenzierung und Behandlung von Palpitationen, die sich als Hauptsymptom und vorrangiger Behandlungsgrund präsentieren. Palpitationen können aber als Nebensymptome bei zahlreichen anderen Mustern und Musterkombinationen auftreten. Eine differenzierte schulmedizinische Abklärung der Ursache der Rhythmusstörungen ist zwingend erforderlich. Die chinesische Medizin bietet jedoch in zahlreichen Fällen eine wertvolle und wirksame Therapie an.
Pathomechanismus: Palpitationen entstehen dann, wenn das Herz durch Hitze gestört, durch Schleim oder Stase blockiert oder ungenügend genährt wird. Grundsätzlich muss zwischen Mangel und Fülle unterschieden werden. Bei Mangel-Zuständen sind v.a. Milz und Niere beteiligt. Bei einem Mangel kann nicht genügend Qi, Yin und Yang für die Herzfunktionen zur Verfügung gestellt werden. Aufgrund der Mangelernährung entstehen dann Palpitationen und Herzrhythmusstörungen.
Bei ungenügender Ernährung der Leber aufgrund eines Blut- und Yin-Mangels, steigt Leber-Yang auf (11.7.5) und stört im oberen Körperbereich u.a. das Herz und kann Palpitationen, v.a. Hitze-Palpitationen, verschlimmern. Jede Hitze im Körper wie z.B. Leber-Hitze oder Magen-Hitze/Feuer steigt nach oben und kann Hitze und Feuer im Herzen entfachen. Diese Hitze dickt die Flüssigkeiten zu Schleim ein, sodass Schleim-Hitze entsteht, die nicht nur den Herzschlag stört, sondern auch die Sinnesöffnungen blockiert.
Bei einem Herz-Gallenblasen-Qi-Mangel (11.11.8) verbinden sich Leber-Qi-Stauung (11.7.2) mit Milz-Qi- und Herz-Blut-Mangel (11.11.6), wodurch der Geist-Shen nicht mehr ausreichend beherbergt wird. Der Patient ist schüchtern und zurückgezogen.
Blut-Stase tritt nie separat auf, sondern immer in Kombination mit anderen Mustern, v.a. mit Qi- und Yang-Mangel und bei Schleim-Ansammlungen. Bei lang andauernden Krankheitsverläufen ist Stase immer ein komplizierender Faktor.
Klinische Präsentation bei Herzrhythmusstörungen: Die Mangel-Muster Herz-Blut- und Milz-Qi-Mangel, Herz- und Gallenblasen-Qi-Mangel sowie die Disharmonie zwischen Herz und Niere zeigen sich in der Praxis häufig in dieser einfachen Form. Oft handelt es sich dabei um funktionelle Herzrhythmusstörungen, die außer auf die Arzneitherapie auch gut auf Akupunktur ansprechen.
Alle weiteren Muster präsentieren sich im Praxisalltag selten allein. Ein Herz-Yang-Mangel wird durch Blut-Stase und/oder Kälte und Schleim begleitet (Angina pectoris 13.1.2). Herz-Feuer und Schleim-Hitze treten oft kombiniert auf. Blut-Stase kann alle anderen Mustern begleiten, zeigt sich aber v.a. bei Qi- und Yang-Mangel und bei Schleim-Ansammlungen.
Das aufsteigende Leber-Yang (11.7.5) wird zwar als Muster aufgeführt, die Palpitationen sind jedoch meist nur Nebensymptome. Im Vordergrund stehen Kopfschmerzen, Hypertonus, Tinnitus, Schwindel oder jähzorniges Verhalten.
Eine Leber-Qi Stauung (11.7.2) kann jedes der genannten Muster (Tab. 13.4) begleiten und ist als Folge eines modernen hektischen und überfordernden Lebensstils klinisch ein häufig anzutreffendes Muster. Es steht jedoch meist nur bei funktionellen Palpitationen im Vordergrund. Ebenfalls tritt es bei klimakterischen Palpitationen oft in Zusammenhang mit einer Disharmonie zwischen Herz und Niere auf. Palpitationen und Herzrhythmusstörungen können durch das Tempo des Herzschlags in Bradykardie, Tachykardie und andere Herzrhythmusstörungen differenziert werden.
Bei einer Bradykardie steht ein Herz-Yang-Mangel im Mittelpunkt, oft begleitet von Kälte und Stase. Bei einer Tachykardie liegt immer eine Hitze vor, wobei es sich entweder um Mangel-Hitze aufgrund eines Yin-Mangels oder eine volle Herz-Hitze oder sogar Herz-Feuer handeln kann. Das schließt allerdings einen zusätzlichen Qi-Mangel nicht aus, denn ein kombinierter Yin- und Qi-Mangel zeigt sich häufig in der Praxis. Bei den anderen Herzrhythmusstörungen treten jene Muster auf, bei welchen weder die Hitze noch ein ausgeprägter Yang-Mangel im Vordergrund steht wie z.B. bei einem Herz-Blut- und Milz-Qi-Mangel (11.11.4)
Schleim-Hitze blockiert das Herz (11.1.7)
Therapieprinzipien Hitze klären, Schleim umwandeln, Herzöffnungen befreien und Geist beruhigen
Rezept: Variation von Wen Dan Tang (7.6.16.b) oder Huang Lian Wen Dan Tang.
Akupunktur: Ma 40 (Fenglong) transformiert Schleim; Pe 5 (Jianshi) beruhigt das Herz und Geist-Shen, beseitigt Schleim, der die Herzöffnungen verlegt; Bl 43 (Gaohuang) beruhigt den Geist-Shen und beseitigt Schleim bei Schleimstörungen; Pe 6 (Neiguan) beruhigt den Geist-Shen, entspannt den Thorax und reguliert das Herz; He 7 (Shenmen) und Pe 6 (Neiguan) beruhigen den Geist-Shen und regulieren das Herz.
Aufsteigendes Leber-Yang (11.7.5)
Therapieprinzipien Leber- und Nieren-Yin und/oder Blut nähren, Leber-Yang besänftigen, Herz regulieren
Rezept: Tian Ma Gou Teng Yin (7.4.15) oder Zhen Gan Xi Feng Tang (7.4.15) und zusätzlich Herzrhythmus regulierende Arzneien (siehe unten).
Akupunktur: Le 3 – (Taichong) besänftigt Leber-Yang; Le 8 + (Ququan) nährt Leber-Yin und -Blut; Ni 3 + (Taixi) nährt Yin; Gb 20 – (Fengchi) besänftigt Leber-Yang; Bl 23 (Shenshu) stärkt die Niere; He 7 (Shenmen) und Pe 6 (Neiguan) beruhigen den Geist-Shen und regulieren das Herz.
Disharmonie zwischen Herz und Niere (11.11.11)
Therapieprinzipien Nieren-Yin nähren, Mangel-Hitze aus dem Herz klären, Kommunikation zwischen Herz und Niere wiederherstellen, Geist-Shen beruhigen und das Herz regulieren
Rezept: Variation von Zhi Bai Di Huang Wan (7.6.10.d) mit Polygalae Rx. (Yuan Zhi), Acori tatarinowii Rx. (Shi Chang Pu) und Ziziphi spinosae Sm. (Suan Zao Ren); Tian Wang Bu Xin Dan (7.6.14.b).
Akupunktur: He 7 (Shenmen) beruhigt den Geist-Shen; Bl 15 + (Xinshu) und Bl 23 (Shenshu) stärken Herz und Niere; Ni 3 + (Taixi) stärkt die Niere.
Herz-Blut-Stase (11.1.5)
Therapieprinzipien Blut bewegen, Stase umwandeln, Luo-Gefäße befreien
Rezept: Xue Fu Zhu Yu Tang (7.6.12.a).
Akupunktur: Ren 14 N (Juque) und Pe 6 N (Neiguan) bewegen das Blut; Ren 17 N (Danzhong) bewegt Qi und befreit den Thorax; Bl 14 N (Jueyinshu), Bl 15 N (Xinshu) und Bl 17 N (Geshu) fördern die Zirkulation von Qi und Blut; Mi 6 N (Sanyinjiao) und Ma 36 N (Zusanli) stärken Qi- und Blutzirkulation; Pe 4 N (Ximen) reguliert Qi, öffnet den Thorax und beendet Schmerzen; Ex-B 2(Huatuojiaji) beidseits in Höhe von BWK 4–6 regulieren den Qi-Fluss in der Herzregion.
Herz-Yang-Mangel (11.1.2)
Therapieprinzipien Herz-Yang stärken und wärmen und den Herzrhythmus regulieren
Rezept: Zhi Gan Cao Tang (7.6.10.c) und zusätzlich Aconiti Rx. lateralis praep. ([Zhi] Fu Zi); bei überflutendem Wasser (Herzinsuffizienz 13.1.3) Kombination von Zhi Gan Cao Tang (7.6.10.c) und Zhen Wu Tang (7.6.8.d).
Akupunktur: Ren 17 + (Danzhong) stärkt das Sammel-Zong-Qi, Herz-Yin und -Yang; He 8 + M (Shaofu) stärkt das Yang; Du 20 + (Baihui) hebt Yang an; Ren 4 + M (Guanyuan) und Bl 23 + M (Shenshu) kräftigen Nieren-Qi und -Yang; Du 4 + M (Mingmen) und Bl 15 + M (Xinshu) stärken das Yang; He 5 + M (Tongli) und Pe 4 + M (Ximen) stärken Qi und öffnen den Thorax; Ren 9 (Shuifen) und Mi 9 (Yinlingquan) bei zusätzlichen Ödemen oder Mi 9 in Kombination mit Mi 6.
Herz- und Gallenblasen-Qi-Mangel (11.11.8)
Therapieprinzipien Schreckhaftigkeit und Geist-Shen beruhigen, Herz nähren, Leber-Qi-Stauung lösen
Rezept: An Shen Ding Zhi Wan (13.18.4.c) und zusätzlich Albiziae Cx. (He Huan Pi) und Succinum (Hu Po).
Akupunktur: Pe 6 N (Neiguan) harmonisiert das Herz- und Thorax-Qi; Pe 7 N (Daling), Du 20 N (Baihui) und Ex-HN 1 (Sishencong) zur Beruhigung des Geist-Shen; He 6 N (Xinxi) und He 7 N (Shenmen) beruhigen das Herz; Bl 15 N (Xinshu) und Ren 14 N (Juque) wirken ausgleichend auf das Herz.
Herz-Qi- und -Yin-Mangel (11.1.1, 11.1.4)
Therapieprinzipien Qi stärken, Yin nähren, Herzrhythmus regulieren
Rezept: Zhi Gan Cao Tang (7.6.10.c) und zusätzlich Sheng Mai San (7.6.10.a).
Akupunktur: He 6 N (Yinxi) stärkt das Yin und kühlt Leere-Hitze; He 8 – (Shaofu) beruhigt und klärt Herz-Feuer, nur bei starker leerer Hitze einsetzen; Ni 3 + N (Taixi) stärkt Nieren-Yin, Ni 10 N (Yingu) stärkt das Herz und vertreibt Hitze, Bl 23 + N (Shenshu) stärkt Nieren-Yin und Yin allgemein, Mi 6 + N (Sanyinjiao) stärkt Yin und beruhigt zusammen mit Pe 6 N den Geist-Shen; Bl 14 (Xinshu) reguliert das Herz und stärkt Herz-Qi und -Yin, Ma 36 + N (Zusanli) stärkt das Qi im Allgemeinen; He 5 N und He 7 N (Shenmen) stärken das Herz und beruhigen den Geist.
Herz-Blut- und Milz-Qi-Mangel (11.11.4)
Therapieprinzipien Milz stärken, Blut nähren, Geist-Shen beruhigen und Herzrhythmus regulieren
Rezept: Gui Pi Tang (7.6.10.c).
Akupunktur: Bl 15 + N (Xinshu) und Bl 44 + N (Shentang) stärken und regulieren gemeinsam das Herz; Ren 14 + N (Juque) und He 7 N (Shenmen) beruhigen das Herz; Pe 7 N (Daling) zur Beruhigung des Geist-Shen auch für den Notfall geeignet; Ren 4 + M (Guanyuan), Mi 6 + N (Sanyinjiao), Bl 20 + N (Pishu) und Ma 36 + M (Zusanli) nähren das Qi und das Blut; Bl 17 + (Geshu) nährt das Blut.
Loderndes Herz-Feuer (11.1.6)
Therapieprinzipien Das Feuer klären, den Geist-Shen beruhigen, das Herz regulieren
Rezept: Huang Lian Wen Dan Tang als Variation von Wen Dan Tang (7.6.16.b).
Akupunktur: He 8 – N (Shaofu), He 9 – N (Shaochong) und He 3 – N (Shaohai) klären Hitze und Feuer aus dem Herzen; Le 2 – N (Xingjian) klärt Hitze und Feuer aus der Leber; Bl 15 N (Xinshu), Ren 14 N (Juque) und Ren 17 N (Danzhong) regulieren das Herz; Ma 44 (Neiting) klärt Feuer und Hitze aus dem Magen; Du 20 (Baihui) beruhigt den Geist.
Klinische Tipps bei Herzrhythmusstörungen
Eines der wichtigsten Mittel bei organisch bedingten Herzrhythmusstörungen (abgesehen von einer Bradykardie) ist Sophorae flavescentis Rx. (Ku Shen). Obwohl dieses Mittel traditionellerweise keine Wirkung auf das Herz hat und in der Feuchte-Hitze klärenden Kategorie eingeordnet ist, sollte es in jeder Rezeptur für Herzrhythmusstörungen enthalten sein, unabhängig vom zugrunde liegenden Muster. Ausnahme: Dies trifft nicht bei den funktionellen Störungen zu, bei denen als Leber-Qi regulierende Mittel Albiziae Cx. (He Huan Pi), Bupleuri Rx. (Chai Hu) und v.a. Curcumae Rx. (Yu Jin) wichtig sind.
Weitere wichtige Arzneien:
  • Bei bradykarden Herzrhythmusstörungen: Aconiti Rx. lateralis praep. (Fu Zi), Ephedrae Hb. (Ma Huang), Asari Rx. et Rz. (Xi Xin), Astragali Rx. (Huang Qi), Ginseng Rx. (Ren Shen) und Salviae miltiorrhizae Rx. (Dan Shen): Sind die fünf wichtigsten Mittel, die in einer Rezeptur für Bradykardie berücksichtigt werden sollten. Sie spiegeln die Hauptpathologien Yang- und Qi-Mangel mit Kälte-Ansammlung sowie Stase wider. Die weiteren Teile einer Rezeptur sollten sich auf die Sekundärmuster konzentrieren oder diese Mittel unterstützen

  • Bei tachykarden Herzrhythmusstörungen: Coptidis Rz. (Huang Lian) klärt wirksam Hitze aus dem Herzen sowohl bei Fülle-Hitze als auch bei Mangel-Hitze. Wichtig ist die Kombination mit anderen Arzneien: Bei Yin-Mangel Kombination mit Ophiopogonis Rx. (Mai Men Dong), Schisandrae Fr. (Wu Wei Zi), Lilii Bb. (Bai He) und Polygonati odorati Rz. (Yu Zhu). Weitere wirksame Mittel bei Herz-Hitze sind Ostreae Concha (Mu Li), Fossilia Ossis Mastodi (Long Gu), Fossilia Dentis Mastodi (Long Chi), Succinum (Hu Po) und Margaritiferae Concha usta (Zhen Zhu Mu). Ebenfalls eignen sich Salviae miltiorrhizae Rx. (Dan Shen) und Paeoniae Rx. rubra (Chi Shao), die sanft Herz-Hitze klären und das Herz-Blut bewegen

  • Bei weiteren Herzrhythmusstörungen: Die wichtigsten und am häufigsten angewendeten Mittel bei anderen Musterpräsentationen sind neben den oben aufgeführten Arzneien:

    • Bei Qi-Mangel: Astragali Rx. (Huang Qi), Glycyrrhizae Rx. praep. (Zhi Gan Cao), Ginseng Rx. (Ren Shen) und Codonopsis Rx. (Dang Shen)

    • Bei Blut-Mangel: Paeoniae Rx. alba (Bai Shao), Ziziphi spinosae Sm. (Suan Zao Ren) und Angelicae sinensis Rx. (Dang Gui)

    • Bei Blut-Stase: Chuanxiong Rz. (Chuan Xiong), Paeoniae Rx. rubra (Chi Shao) und Salviae miltiorrhizae Rx. (Dan Shen)

    • Spezifisch Herz beruhigend: Polygalae Rx. (Yuan Zhi), Acori tatarinowii Rz. (Shi Chang Pu) und Curcumae Rx. (Yu Jin) sind weitere Arzneien, die den meisten Mustern beigefügt werden können.

Weitere Therapiemöglichkeiten
  • Ohrakupunktur (5.7.1): Adjuvant zur medikamentösen Therapie OP 55 (Shenmen), OP 100 (Herz), OP 21 (Herzpunkt), OP 34 (Graue Substanz). Anwendung: Nadeln 30–60 min belassen jeden 2. Tag über 10 Sitzungen. Samenkörner oder Dauernadeln applizierbar; dabei Seitenwechsel des Ohrs spätestens nach 5 Tagen; Behandlungsdauer: 3 Wo

  • Chinesische Schädelakupunktur (5.7.2): Alternierend zur Körperakupunktur (5.7.2): Thoraxzone beidseits nadeln, Nadeln für 30–40 min belassen, während dieser Zeit 2- bis 3-mal stimulieren

  • Handakupunktur (Plus im Web vorderer Buchumschlag): HP 32 (Herz). Anwendung: Stark ableitende Technik ca. 3–5 min, zusätzlich zur Körperakupunktur eher als akute Schmerztherapie geeignet

  • Schröpfen (5.1.9): Schröpfkopfmassage (5.1.9) hat sich im Rückenbereich entlang der Blasen-Meridianäste (absteigend) nach Körperakupunkturbehandlung bewährt.

Hypertonus

Die klassische chinesische Medizin kennt den Hypertonus als Krankheit nicht. Zwar werden aktuell bestimmte klassische Krankheitskategorien wie Kopfschmerzen (Tou Teng, Tou Zhang), Schwindel (Xuan Yun), Palpitationen (Xin Ji), Schlaflosigkeit (Bu Mian) und Taubheit und Kribbeln (Ma Mu) als Grundlage zur Differenzierung und Therapie verwendet, aber dieser Vergleich ist letztlich unbrauchbar, da es sich bei diesen Kategorien eigentlich nur um die Spätmanifestationen einer Hypertonie handelt.
In der Klinik ist der Hypertonus schwierig behandelbar, d.h., oft ist der Erfolg minimal bzw. nicht von Dauer. So kann während der Therapiephase der Blutdruck zwar oft gesenkt werden, dieser Erfolg hält jedoch nach Therapieende meist nicht an. (Anmerkung: Auch schulmedizinisch ist meist eine dauerhafte Medikation erforderlich und/oder der Hypertonus erweist sich oft als schwierig einstellbar.)
Die stressbedingte Form des Bluthochdrucks scheint die einzige zu sein, die wirklich gut und dauerhaft mit chinesischer Medizin therapiert werden kann. Auch ein zusätzliches Hinterfragen der eigenen Lebenssituation und -perspektive mit entsprechender Umstellung in Richtung mehr Lebenspflege (Yang Sheng 15) wirkt sich positiv auf die Therapie aus. Bei den meisten anderen Formen der Hypertonie sind die Erfolge oft spärlich oder nur von kurzer Dauer. Ebenfalls ist im Einzelfall der Therapieaufwand im Vergleich zu einer adäquaten schulmedizinischen Behandlung zu berücksichtigen und zu bewerten. Bei Patienten, die nicht oder nur unzureichend auf eine schulmedizinische Behandlung ansprechen, ist ein chinesischer Therapieversuch auf jeden Fall angezeigt.
Die Behandlung der Hypertonie wird im modernen China breit diskutiert. Die im folgenden Abschnitt dargestellten Grundmuster, Therapien und klinischen Tipps leiten sich aus dieser Diskussion ab. Die Präsentation der Musterdifferenzierung kann selbstverständlich nicht als abschließend angesehen werden. Vielmehr wird lediglich die aktuell am weitesten verbreitete Musterdifferenzierung bei Hypertonus dargestellt. Die Diskussion um Diagnose und Therapiemöglichkeiten mit chinesischer Medizin bei Hypertonus muss weitergeführt werden und deren Wirksamkeit, Anwendbarkeit und Sinnhaftigkeit für einen standard of care müssen evaluiert werden.
Pathomechanismus: Das am häufigsten identifizierte Muster bei Hypertonus (aber nicht das einzige Muster) ist aufsteigendes Leber-Yang (11.7.5) oder Leber-Feuer (11.7.4). Die Ursache für das Aufsteigen des Leber-Yang ist ein Yin- und Blut-Mangel von Leber und Niere. Leber-Feuer steigt auf, wenn sich Hitze in der Leber bildet, sekundär zu einer Leber-Qi-Stauung. Im Extremfall führt das aufsteigende Yang oder das auflodernde Feuer zu Wind (Leber-Wind 11.7.6).
Eine Leber-Qi-Stauung (11.7.2) führt zu einer Blockade der Blutzirkulation und daher zu Blut-Stase. Blut-Stase entwickelt sich aufgrund von anhaltenden, chronischen Erkrankungen, zu denen auch der Hypertonus zu zählen ist.
Schleim kann sich aufgrund von Milz-Mangel mit Feuchtigkeit oder durch die Eindickung der Flüssigkeiten durch Hitze und Feuer bilden. Schleim aufgrund eines Milz-Mangels sammelt sich in der Mitte an und blockiert das Auf- und Absteigen von Qi und Blut. Heißer Schleim steigt nach oben und tritt oft in Kombination mit Leber-Hitze auf.

Syndrom-Differenzierung bei Hypertonus

Tab. 13.5
SyndromPathomechanismusSymptomeZungePuls
Leber-Qi-Stauung (11.7.2, 13.1.5.a)Emotionale Anspannung, Stress, und hektischer Lebenswandel führen zu einer Einschnürung des Leber-Qi(Hypertonus), Reizbarkeit, diffuses Spannungsgefühl im Rippenbogen und thorakalNormal; evtl. rote Pünktchen seitlich bei Stauungs-Hitze-EntwicklungSaitenförmig (v.a. Leberposition)
Aufsteigendes Leber-Yang (11.7.5) bei Leber- und Nieren-Yin-Mangel (11.11.20, 13.1.5.b)Yin- und Blut-Mangel führen zu aufsteigendem Leber-Yang(Hypertonus), Kopfschmerzen, Tinnitus und Schwindel, Yin- oder Blut-Mangel-ZeichenBlass bei Blut-Mangel, rot bzw. mangelnder Belag bei Yin-MangelSaitenförmig, schnell
Loderndes Leber-Feuer (11.7.4, 13.1.5.c)Leber-Qi-Stauung führt zu Hitze-Entwicklung; Leber-Feuer steigt auf(Hypertonus), intensive Kopfschmerzen, Hitzegefühle, Schwindel, ausgeprägte Unruhezustände, Obstipation, gerötete AugenRot.
Belag: wenig, trocken
Saitenförmig, voll, schnell
Aufkommender Leber-Wind (11.7.6, 13.1.5.d)Leber-Yin- und Leber-Blut-Mangel, aufsteigendes Leber-Yang oder extreme Hitze führen zu Wind(Hypertonus) mit Tics, Tremor, heftigste KopfschmerzenJe nach ursächlichem FaktorSaitenförmig, bei Hitze schnell
Schleim-Hitze steigt nach oben (13.1.5.e)Fehlernährung mit Schleim-Ansammlung und Magenhitze, Stress mit Qi-Stagnation und Hitzetransformation(Hypertonus), Übelkeit, bitterer Mundgeschmack, Unruhezustände, exzessives Träumen, Palpitationen, Schlafstörungen, oft adipösRot.
Belag: oft gelb und klebrig-fettig
Saitenförmig, schlüpfrig
Trüber Schleim blockiert die Mitte (13.1.5.f)Fehlernährung führt zu Ansammlung von Trübheit und Schleim, welche die Qi-Dynamik der Mitte blockiert(Hypertonus), unklarer Kopf, Schwindel, Schweregefühl im Kopf, Engegefühl im Thorax, Appetitlosigkeit, Brechreiz, Adipositas, MüdigkeitDicker, weißer und schleimiger ZungenbelagSaitenförmiger und schlüpfriger Puls
Klinische Präsentation bei Hypertonus: Oft zeigt sich eine Kombination von Leber-Qi-Stauung, Leber- und Nieren-Yin-Mangel und aufsteigendem Yang. Des Weiteren wird die Leber-Pathologie meist entweder von Schleim-Ansammlungen und/oder Blut-Stase begleitet. In der Praxis zeigt sich also meist ein Kombinationsmuster von Fülle und Mangel aus Leber-Qi-Stauung, aufsteigendem Leber-Yang oder Leber-Feuer, Yin-Mangel und entweder Schleim oder Stase. Je jünger der Patient ist, desto stärker zeigen sich Fülle-Zeichen (Leber-Feuer, Leber-Qi-Stauung). Je älter der Patient ist, desto ausgeprägter sind die Mangel-Zeichen (Yin-Mangel). Stase begleitet meist jede Form der Hypertonie. Schleim ist dann vorhanden, wenn der Körper eine Schleim-Konstitution zeigt.
Da ein über längere Zeit andauernder Yin-Mangel auch das Yang schädigen kann, ist es möglich, dass sich in späten Phasen – meist bei relativ alten Patienten – auch ein Yang-Mangel präsentiert. Dieses Muster findet sich jedoch genauso wie das Qi-Mangel Muster eher selten bei Hypertonikern.
Leber-Qi-Stauung (11.7.2)
Therapieprinzipien Leber-Qi regulieren und harmonisieren
Rezept: Variation von Xiao Yao San (7.6.6), Chai Hu Shu Gan San (7.6.6).
Akupunktur: Le 3 (Taichong) und Di 4 (Hegu) regulieren das Leber-Qi; Bl 18 (Ganshu) reguliert die Leber; Le 2 – (Xingjiang) und Di 11 (Quchi) reduzieren sich entwickelnde Leber-Hitze und regulieren den Blutdruck; Pe 6 (Neiguan) beruhigt den Geist-Shen, reguliert die Leber und senkt den Blutdruck.
Ernährungstipp: Schleim bildende Nahrungsmittel meiden (8.3).
Aufsteigendes Leber-Yang (11.7.5) bei Leber- und Nieren-Yin-Mangel (11.11.20)
Therapieprinzipien Leber- und Nieren-Yin und/oder Blut nähren, Leber-Yang besänftigen
Rezept: Variation von Er Zhi Wan (7.6.10.d), Tian Ma Gou Teng Yin (7.6.15), Zhen Gan Xi Feng Tang (7.6.15). Erscheint dieses Muster bei Frauen im Klimakterium, wird es häufig als Disharmonie zwischen Ren und Chong identifiziert. Dieses Muster zeigt neben dem Yin-Mangel mit aufsteigendem Yang oft auch Zeichen eines Yang-Mangels und wird mit Er Xian Tang (7.6.10.e) therapiert.
Akupunktur: Le 3 – (Taichong) besänftigt Leber-Yang; Le 8 + (Ququan) nährt Leber-Yin und -Blut; Ni 3 + (Taixi) nährt Yin; Gb 20 – (Fengchi) besänftigt Leber-Yang; Bl 23 (Shenshu) stärkt die Niere; Bl 18 (Ganshu) stärkt die Leber, Lu 7 (Lieque) und Ni 6 (Zhaohai) öffnen den Ren Mai und regulieren Yin und Yang.
Loderndes Leber-Feuer (11.7.4)
Therapieprinzipien Leber besänftigen, Leber-Feuer klären
Rezept: Long Dan Xie Gan Tang (7.6.4.d) und zusätzlich Ostreae Concha (Mu Li), Margaritiferae Concha usta (Zhen Zhu Mu), Uncariae Ra. cum Uncis (Gou Teng), Chrysanthemi Fl. (Ju Hua), Tribuli Fr. (Bai Ji Li), Siegesbeckiae Hb. (Xi Xian Cao) und Gastrodiae Rz. (Tian Ma).
Akupunktur: Le 2 – (Xingjiang) reduziert Leber-Feuer; Le 3 – (Taichong) besänftigt Leber-Yang; Gb 20 – (Fengchi) besänftigt Leber-Yang und -Wind; Gb 38 (Yangfu) klärt Feuer in Leber und Gallenblase; Di 11 (Quchi) und Du 14 (Dazhui) klären Hitze aus dem Körper und speziell aus dem oberen Jiao.
Aufkommender Leber-Wind (11.7.6)
Therapieprinzipien Wind unterdrücken, bei Leber-Yang Blut und Yin nähren und Leber besänftigen
Rezept: Variation von Tian Ma Gou Teng Yin (7.6.15), Zhen Gan Xi Feng Tang (7.6.15).
Akupunktur: Le 3 – (Taichong) besänftigt Leber-Yang; Le 8 + (Ququan) nährt Leber-Yin und -Blut; Ni 3 + (Taixi) nährt Yin; Du 20 (Baihui) besänftigt Leber-Yang; Gb 20 – (Fengchi) besänftigt Leber-Yang und -Wind; Bl 23 (Shenshu) stärkt die Niere; Bl 18 besänftigt und beruhigt die Leber.
Schleim-Hitze steigt nach oben
Therapieprinzipien Hitze klären und Schleim umwandeln
Rezept: Variation von Huang Lian Wen Dan Tang (7.6.16.b).
Akupunktur: Le 3 (Taichong) reguliert Leber-Qi; Ma 40 (Fenglong) transformiert Schleim; Pe 5 (Jianshi) beruhigt das Herz und Geist-Shen, beseitigt Schleim, der die Herzöffnungen verlegt; Bl 43 (Gaohuang) beruhigt den Geist-Shen und beseitigt Schleim bei Schleimstörungen; Pe 6 (Neiguan) beruhigt den Geist-Shen, entspannt den Thorax; He 7 (Shenmen) beruhigt den Geist-Shen; Ma 44 (Neiting) und Di 11 (Quchi) klären Hitze und Feuer.
Trüber Schleim blockiert die Mitte (11.5.7)
Therapieprinzipien Feuchtigkeit trocknen, Schleim umwandeln, Qi-Mechanismus wieder herstellen
Rezept: Ban Xia Bai Zhu Tian Ma Tang (7.6.16.e).
Akupunktur: Ma 36 (Zusanli) stärkt die Mitte und senkt den Blutdruck ab; Ma 40 (Fenglong) transformiert Schleim; Pe 6 (Neiguan) öffnet den Thorax und senkt den Blutdruck; Mi 9 (Yinlingquan) eliminiert Feuchtigkeit; Ren 12 (Zhongwan) reguliert die Mitte, wandelt Schleim um und harmonisiert das Aufsteigen und Absenken von Qi.
Klinische Tipps bei Hypertonus
Der klinische Hauptfokus bei der Behandlung liegt auf dem Beruhigen, Nähren und Ausgleichen der Leber in Kombination mit Stase-Lösen und/oder Schleim-Umwandeln.
Wichtige Arzneimittel nach Therapieprinzipien geordnet:
  • Leber harmonisieren und beruhigen: Prunellae Spica (Xia Ku Cao), Haliotidis Concha (Shi Jue Ming), Chrysanthemi Fl. (Ju Hua), Uncariae Ra. cum Uncis (Gou Teng), Cassiae Sm. (Jue Ming Zi), Moutan Cx. (Mu Dan Pi), Gastrodiae Rz. (Tian Ma), Pheretima (Di Long)

  • Leber-Qi-Stauung lösen: Bupleuri Rx. (Chai Hu), Tribuli Fr. (Bai Ji Li), Chuanxiong Rz. (Chuan Xiong), Curcumae Rx. (Yu Jin), Citri sarcodactylis Fr. (Fo Shou)

  • Bei Yin- und Blut-Mangel: Rehmanniae Rx. (Sheng Di), Taxilli Hb. (Sang Ji Sheng), Paeoniae Rx. alba (Bai Shao), Angelicae sinensis Rx. (Dang Gui), Lycii Fr. (Gou Qi Zi)

  • Bei Blut-Stase: Pheretima (Di Long), Bombyx batryticatus (Jiang Can), Salviae miltiorrhizae Rx. (Dan Shen), Paeoniae Rx. rubra (Chi Shao), Chuanxiong Rz. (Chuan Xiong), Crataegi Fr. (Shan Zha), Moutan Cx. (Mu Dan Pi) und Leonuri Hb. (Yi Mu Cao)

  • Bei Schleim-Blockade: Pinelliae Rz. praep. (Ban Xia), Polygalae Rx. (Yuan Zhi), Acori tatarinowii Rz. (Shi Chang Pu), Arisaema cum Bile (Dan Nan Xing), Bambusae Caulis in taeniam (Zhu Ru).

Weitere wichtige Mittel:
  • Siegesbeckiae Hb. (Xi Xian Cao), Gentianae Rx. (et Rz) (Long Dan Cao) und Scutellariae Rx. (Huang Qin): Klären aufsteigende Leber-Hitze

  • Eucommiae Cx. (Du Zhong) in Kombination mit Taxilli Hb. (Sang Ji Sheng) senkt den Blutdruck. Diese Kombination kann bei jedem Muster beigefügt werden

  • Alismatis Rz. (Ze Xie) und Plantaginis Sm. (Che Qian Zi): Leiten Feuchtigkeit aus und senken den Blutdruck.

Cave: Kontraindizierte Arzneimittel bei Hypertonus

Da es sich bei der Hypertonusbehandlung immer um eine längerfristige Therapie handelt, sollte berücksichtigt werden, dass sich die nachfolgend genannten chinesischen Arzneien negativ auf einen erhöhten Blutdruck auswirken.
Glycyrrhizae Rx. (et Rz) (Gan Cao), falls hochdosiert, Ginseng Rx. (Ren Shen), Cervi pantotrichum Cornu (Lu Rong), Ephedrae Hb. (Ma Huang), Asari Rx. et Rz. (Xi Xin), Angelicae dahuricae Rx. (Bai Zhi), Artemisiae argyi Fo. (Ai Ye), Aurantii Fr. immaturus (Zhi Shi), Fraxini Cx. (Qin Pi) und Psoraleae Fr. (Bu Gu Zhi).
Anmerkung: Astragali Rx. (Huang Qi) ist bei Bluthochdruck entgegen der häufig anzutreffenden Meinung, dass es durch seine Yang-Qi anhebende Wirkung den Blutdruck erhöhen würde, nicht kontradindiziert. Im Gegenteil scheint es eine Blutdruck regulierende Wirkung zu haben.
Weitere Therapiemöglichkeiten
  • Ohrakupunktur (5.7.1): OP 105 (Blutdruck senkende Furche), OP 95 (Niere), OP 98 (Leber), OP 55 (Shenmen), OP 34 (Graue Substanz), OP 13 (Nebenniere), OP 19 (Hochdruckpunkt), OP 59 (Blutdruck regulierender Punkt). Anwendung: 3–4 druckdolente Punkte auswählen, Nadeln 30–60 min belassen jeden 2. Tag über 10 Sitzungen, Samenkörner oder Dauernadeln applizierbar; Seitenwechsel des Ohrs spätestens nach 5 Tagen; Behandlungsdauer: 3 Wo

  • Fußakupunktur (Plus im Web vorderer Buchumschlag): FP 19. Anwendung: Stark ableitende Technik ca. 3–5 min, zusätzlich zur Körperakupunktur, eher als Akuttherapie geeignet

  • Ernährungstipp: Salzige, scharf gewürzte, gebratene oder andere heiße Nahrungsmittel (Tab. 8.1, Tab. 8.2) meiden

  • Sonstiges: Entspannungstechniken wie Taijiquan (9.4), Qigong (9.2).

Notfall: hypertensive Krise

OP 105 (Blutdruck senkende Furche) und OP 19 (Hochdruckpunkt) blutig stechen. Falls keine sterile Nadel, Lanzette oder Ähnliches verfügbar ist, dann beide Punke mit spitzem Gegenstand (z.B. Kugelschreibermine, Streichholz) stark ableitend drücken und massieren!

Hypotonus

Ebenso wie den Hypertonus (13.1.5) kennt die klassische chinesische Medizin die Krankheit Hypotonus nicht. Die mit der Erkrankung assoziierten klassischen Krankheitskategorien sind Schwindel (Xuan Yuan), Palpitationen (Xin Ji) und Mangel-Erschöpfung (Xu Lao). Im Gegensatz zu den meisten anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen handelt es sich beim Hypotonus oft um eine einfache und eindeutige Mangel-Musterpräsentation. Die chinesische Medizin kann Patienten mit Hypotonus eine Therapie anbieten, welche die Lebensqualität häufig deutlich verbessert – v.a. in Anbetracht mangelnder Alternativen seitens der Schulmedizin. Allerdings handelt es sich meist um Langzeittherapien.
Pathomechanismus: Die Hypotonie entspricht in jedem Fall einem Mangel-Muster. Die zwei Schlüsselorgane im Krankheitsmechanismus sind die Milz und die Nieren. Ist die Milz schwach und leer, kann das klare Yang nicht nach oben transportiert werden, und es wird generell zu wenig Qi und Blut produziert. Eine Schwäche der Milz in der Blutproduktion führt zu einem Herz-Blut-Mangel. Andererseits kann sich aufgrund einer schwachen Milz auch Feuchtigkeit und Schleim ansammeln, welche die Mitte und den Kopf blockieren. Die Nieren sind die Wurzel der Milz. Eine lang andauernde Milzschwäche schädigt auch die Nieren. Umgekehrt wirkt sich eine Nierenschwäche immer auch auf die Milz aus. So erscheinen diese zwei Muster in fortgeschrittenen Krankheitsverläufen oft in Kombination. Ein anhaltender Blut-Mangel kann auch zu einem Yin-Mangel führen, wodurch ein Qi- und Yin-Mangel entsteht.

Syndrom-Differenzierung bei Hypotonus

Tab. 13.6
SyndromPathomechanismusSymptomeZungePuls
Milz-Qi-Mangel (11.5.1, 13.1.6.a)Konstitutionelle Milz-Schwäche oder chron. Fehlernährung(Hypotonus) Schwindel, Kurzatmigkeit, Spontanschweiß, Müdigkeit, ausgeprägter nach Mahlzeiten, Appetitlosigkeit, breiiger Stuhl, epigastrisches Völlegefühl, Tendenz zu blauen FleckenBlass mit Zahneindrücken.
Belag: weiß
Schwach und tief, evtl. dünn
Milz-Qi-Mangel mit Feuchtigkeit und Schleim (13.1.6.b)Eine schwache Milz führt zur Ansammlung von Feuchtigkeit mit Schleimbildung; beide blockieren das Yang-Qi(Hypotonus), Schwindel, Schweregefühl im Kopf, epigastrische Völle, thorakale Enge, Abhusten von reichlich schleimigem Sekret, Müdigkeit, Durst ohne Trinkverlangen, schleimiges Gefühl im MundBlass und geschwollen mit Zahneindrücken.
Belag: dick, weiß
Schlüpfrig, tief und schwach
Milz-Qi- und Herz-Blut-Mangel (11.11.4, 13.1.6.c)Konstitutionelle Milz-Schwäche oder Fehlernährung führt zu mangelnder Blutproduktion und Herz-Blut-Mangel(Hypotonus), Palpitationen, Schwindel, Vergesslichkeit, Konzentrations- und Schlafstörungen, viele Träume, Appetitlosigkeit, Müdigkeit, breiige StühleBlass.
Belag: weiß
Dünn und schwach
Qi- und Yin-Mangel (13.1.6.d)Konstitutionelle Schwäche, chron. Erkrankungen, akute febrile Erkrankung(Hypotonus), Schwindel und Sehtrübungen (durch Anstrengungen schlimmer), Müdigkeit, Palpitationen, schnelle Atmung, Schlaflosigkeit, Müdigkeit, Spontan- und Nachtschweiß, trockener Mund, epigastrisches VöllegefühlBlass und trocken.
Belag: verdünnt
Tief, dünn und schwach, evtl. schnell
Milz- und Nieren-Yang-Mangel (11.11.17, 13.1.6.e)Konstitutionelle Schwäche von Nieren und Milz; chron. Erkrankungen; fortgeschrittenes Alter(Hypotonus), Schwindel, der durch Anstrengung verschlimmert wird, blasse Gesichtsfarbe, kalte Extremitäten, inneres Kältegefühl, Ödeme der unteren Extremitäten, Impotenz, Libidoverlust, Müdigkeit, ErschöpfungBlass und geschwollen.
Belag: dick, weiß
Tief, dünn und schwach
Klinische Präsentation bei Hypotonus: Meist zeigen sich bei Patienten, die sich mit einem Hypotonus als Hauptproblem präsentieren, eher fortgeschrittene Kombinationsmuster. Es handelt sich jedoch immer um Mangel-Muster. Das häufigste Kombinationsmuster ist ein Milz-Qi-Mangel mit gleichzeitigem Blut-Mangel und Nieren-Mangel. Oft kommen noch Feuchtigkeit und Schleim dazu. In der Praxis ist es wichtig, bei diesem Kombinationsmuster die Hauptprobleme zu definieren und zu therapieren.
Milz-Qi-Mangel (11.5.1)
Therapieprinzipien Milz stärken und Qi anheben
Rezept: Bu Zhong Yi Qi Tang (7.6.10.a).
Akupunktur: Ma 36 + (Zusanli), Mi 3 + (Taibai), Ren 12 N (Zhongwan) und Bl 20 (Pishu) stärken gemeinsam Milz und Magen; Du 20 (Baihui) hebt das Yang-Qi und erhöht den Blutdruck.
Milz-Qi-Mangel mit Feuchtigkeit und Schleim (11.5.1, 4.2.3)
Therapieprinzipien Milz stärken und Qi anheben, Feuchtigkeit trocknen und Schleim umwandeln
Rezept: Bu Zhong Yi Qi Tang (7.6.10.a) in Kombination mit Ban Xia Bai Zhu Tian Ma Tang (7.6.16.e).
Akupunktur: Ma 36 + (Zusanli), Mi 3 + (Taibai), Ren 12 N (Zhongwan), Bl 20 (Pishu) und Bl 21 (Weishu) stärken gemeinsam Milz und Magen; Ma 40 (Fenglong) wandelt Schleim um; Mi 9 (Yinlingquan) leitet Feuchtigkeit aus; Du 20 (Baihui) hebt das Yang-Qi und erhöht den Blutdruck.
Milz-Qi- und Herz-Blut-Mangel (11.11.4)
Therapieprinzipien Milz stärken, Qi anheben, Herz-Blut-Xue nähren und den Geist-Shen beruhigen
Rezept: Gui Pi Tang (7.6.10.c) und zusätzlich Astragali Rx. (Huang Qi).
Akupunktur: Ma 36 + (Zusanli), Mi 3 + (Taibai) und Ren 12 N (Zhongwan) und Bl 20 (Pishu) stärken gemeinsam Milz und Magen; Ren 6 + N (Qihai), Mi 6 + N (Sanyinjiao), Mi 4 (Gongsun) und Bl 17 (Geshu) nähren das Blut; Du 20 (Baihui) hebt das Yang-Qi, erhöht den Blutdruck und beruhigt den Geist; He 7 (Shenmen) und Bl 15 (Xinshu) nähren das Herz-Blut und beruhigt den Geist.
Qi- und Yin-Mangel
Therapieprinzipien Milz stärken, Qi anheben und Yin nähren
Rezept: Zhi Gan Cao Tang (7.6.10.c) oder Bu Zhong Yi Qi Tang (7.6.10.a) und zusätzlich Sheng Mai San (7.6.10.a).
Akupunktur: Ma 36 + (Zusanli), Mi 3 + (Taibai), Ren 12 N (Zhongwan) und Bl 20 (Pishu) stärken gemeinsam Milz und Magen; Ni 3 + (Taixi), Ren 4 + N (Guanyuan) und Bl 23 (Shenshu) stärken das Yin der Nieren; Du 20 (Baihui) hebt das Yang-Qi und erhöht den Blutdruck.
Milz- und Nieren-Yang-Mangel (11.11.7)
Therapieprinzipien Milz stärken und Qi anheben, Nieren stärken und Yang wärmen
Rezept: Bu Zhong Yi Qi Tang (7.6.10.a) in Kombination mit Jin Gui Shen Qi Wan (7.6.10.e).
Akupunktur: Ma 36 + (Zusanli), Mi 3 + (Taibai), Ren 12 N (Zhongwan) und und Bl 20 (Pishu) stärken gemeinsam Milz und Magen; Ni 3 + (Taixi), Ni 7 + M (Fuliu), Ren 6 + M (Qihai), Ren 4 M (Guanyuan) und Bl 23 (Shenshu) stärken das Yang der Nieren.
Weitere Therapiemöglichkeiten
  • Ohrakupunktur (5.7.1): OP 55 (Shenmen), OP 34 (Graue Substanz), OP 100 (Herz), OP 29 (Polster), OP 59 (Blutdruck regulierender Punkt), OP 95 (Niere). Anwendung: 3–4 druckdolente Punkte auswählen, Nadeln 30–60 min belassen jeden 2. Tag über 10 Sitzungen, Samenkörner oder Dauernadeln applizierbar; Seitenwechsel des Ohrs spätestens nach 5 Tagen; Behandlungsdauer: 3 Wo

  • Hand- und Fußakupunktur (Plus im Web vorderer Buchumschlag): HP 0 (Blutdruck anheben), FP 1, Gesichtspunkt 1 (Herz). Anwendung: Zusätzlich zur Körperakupunktur ca. 3–5 min; eher als Akuttherapie geeignet.

Klinische Tipps bei Hypotonus
Die Tatsache, dass sich in der Praxis meist Kombinationsmuster zeigen, sollte sich auch in der Rezeptur widerspiegeln. Eine Praxisrezeptur setzt sich somit zusammen aus Qi stärkenden, Yang hebenden und Nieren kräftigenden Arzneien. Dazu kommen je nach Muster noch Yin und Blut nährende Substanzen oder Feuchtigkeit ausleitende und Schleim umwandelnde Mittel.
Wichtige Arzneimittel:
  • Astragali Rx. praep. (Zhi Huang Qi) in hohen Dosierungen und Ginseng Rx. (Ren Shen), um das Qi zu stärken

  • Bupleuri Rx. (Chai Hu) und Cimicifugae Rz. (Sheng Ma), um in Kombination mit Astragali Rx. (Huang Qi) das Yang anzuheben

  • Cinnamomi Cx. (Rou Gui), Aconiti Rx. lateralis praep. (Fu Zi), Cervi pantotrichum Cornu (Lu Rong) (oder assoziierte Produkte), um das Nieren-Yang zu stärken

  • Rehmannia Rx. praep. (Shu Di Huang), Corni Fr. (Shan Zhu Yu), Asini Corii Colla (E Jiao), um das Yin und Blut zu nähren

  • Bei einem Yin- und Qi-Mangel im oberen Jiao sind v.a. Ophiopogonis Rx. (Mai Men Dong) und Schisandrae Fr. (Wu Wei Zi) angezeigt (Sheng Mai San 7.6.10.a). Ophiopogonis Rx. (Mai Men Dong) reguliert den Blutdruck (wird auch bei Bluthochdruck angewendet); Schisandrae Fr. (Wu Wei Zi) erhöht den Blutdruck.

Akupunktur bei vasovagaler Synkope

Bei Kreislaufinsuffizienz infolge akuter Verminderung des venösen Rückstroms zum Herzen (vasovagale Synkope) als Maximalvariante einer Hypotonie wird eine stark ableitende Stimulation folgender Punkte empfohlen: Du 26 (Shuigou) und Ni 1 (Yongquan); evtl. noch zusätzlich Ma 36 (Zusanli) und Pe 6 (Neiguan). Die Stimulation ist ggf. auch mit einer Kugelschreibermine oder mit dem Fingernagel möglich.
Cave: Voraussetzung für diese Maßnahme ist der Ausschluss eines Kreislaufstillstandes; darüber hinaus sind kardiale oder zervikale Ursachen der Synkope zu berücksichtigen, die nach den gültigen Regeln der Notfallmedizin zu therapieren sind.

Periphere vaskuläre Störungen

Gemeinsames Kennzeichen der unter den peripheren vaskulären Störungen zusammengefassten Erkrankungen sind periphere Durchblutungsstörungen aufgrund unterschiedlicher Pathogenese. Da Differenzierung und Therapieansätze nach der chinesischen Medizin bei den meisten Störungen zwar nicht immer identisch, jedoch zumindest ähnlich sind, werden sie in diesem Kapitel zunächst allgemein abgehandelt. Im Folgenden werden die einzelnen Erkrankungen mit ihrer Schlüsselpathologie gesondert besprochen:
Periphere vaskuläre Störungen allgemein
Pathomechanismus: Die zentrale Pathologie der meisten peripheren Durchblutungsstörungen ist die Blut-Stase. Für die Stase kann es unterschiedliche Gründe geben. Grundsätzlich werden fünf Hauptpathologien für Blut-Stase verantwortlich gemacht: Qi-Stagnation, Qi-Mangel, Kälte, Hitze und Trauma. Qi bewegt das Blut. Nur wenn das Qi frei fließt, kann es Blut durch die Gefäße bewegen. Ist der Qi-Fluss dagegen blockiert, z.B. aufgrund einer Leber-Qi-Stauung (11.7.2) durch exzessiven Stress, so stagniert auch das Blut. Bei einem Qi-Mangel stagniert das Blut, weil zu wenig Qi für die Bewegung des Blutes vorhanden ist. Die Ursachen für den Qi-Mangel können vielfältig sein, meist ist jedoch die Milz als postnatale Produktionsstätte von Qi involviert.
Kälte wirkt verlangsamend, zusammenziehend und somit stagnierend. Tritt äußere Kälte ins Blut ein oder fehlt es dem Blut an warmem Yang-Qi, blockiert der Blutfluss, und es entsteht Stase. Ursächlich kann sowohl ein Fülle-Kälte- als auch ein Mangel-Kälte-Muster verantwortlich sein, häufig auch beides in Kombination, da sie sich gegenseitig bedingen können.
Hitze trocknet die Blutflüssigkeiten ein und das Blut stagniert. Ursächlich kann wieder ein Fülle-Hitze- oder ein Leere-Hitze-Muster vorliegen, wobei eine Kombination ebenfalls häufig vorkommt. Die Fülle-Hitze schädigt die Yin-Flüssigkeiten des Körpers und führt dabei zusätzlich zur Mangel-Hitze.
Stagniert Blut über eine längere Zeit, kann es zu sekundären pathologischen Veränderungen kommen. Bei peripheren Durchblutungsstörungen handelt es sich dabei meist um sekundär auftretende Komplikationen.
Durch die Blockade der Stase werden auch Qi und Flüssigkeiten gestaut. Dies kann bei einer Qi-Stagnation zu Hitze führen. Diese Hitze wird ins Blut übertragen, sodass unabhängig von der initialen Pathologie der Stase, eine lokale Blut-Stase mit Bluthitze entsteht. Häufig kommt die durch die Flüssigkeitsstagnation angesammelte Feuchtigkeit hinzu, sodass Feuchte-Hitze mit Stase und Blut-Hitze entstehen kann.
Verursacht die Stase vordergründig eine Blockade der Flüssigkeiten, zeigt sich eine Kombination von Stase und Feuchtigkeit. Diese kann, muss aber nicht zwingend von Hitze begleitet werden. Liegt ein zusätzlicher Qi-Mangel vor, so handelt es sich häufig um Feuchte-Kälte mit Stase.
Klinische Präsentation bei peripheren vaskulären Störungen: Obwohl die beiden Muster Qi-Stagnation und Yang-Mangel-Kälte in Tab. 13.7 getrennt aufgeführt sind, treten sie in der Praxis häufig kombiniert auf. Eine Blut-Stase bildet sich bei peripheren Durchblutungsstörungen immer rasch. Sie ist meist für die Pathologie von zentraler Bedeutung, auch wenn z.B. bei der sichtbaren klinischen Präsentation keine typischen Stasezeichen wie z.B. bläuliche Verfärbungen, stechende Schmerzen und Staseflecken auf der Zunge zu finden sein sollten. Wichtiger und klinisch häufiger sind jedoch gestaute Unterzungenvenen, Besenreiser und generell lang andauernde Erkrankungen. Der Zungenkörper zeigt selten Staseflecken, ist aber häufig etwas dunkel und wirkt gestaut. Da chronische Krankheiten in die Luo-Gefäße eindringen, ist bei chronischem Krankheitsgeschehen oft ein Element von Blut-Stase vorhanden, gleichgültig, ob sich die Krankheit mit eindeutigen Stase-Symptomen zeigt oder nicht.
Die beiden häufigsten Stase-Ursachen bei peripheren Durchblutungsstörungen sind Qi-Mangel und Kälte, gefolgt von Qi-Stagnation. Qi-Stagnation ist v.a. bei emotional bedingtem Morbus Raynaud (13.1.7.b) eine Hauptursache. Zu beachten ist auch, dass Qi-Stagnation als einzelne Ursache bei Stase auftreten kann, bei jeder Art von Blut-Stase jedoch immer als Zusatzmuster vorhanden ist, denn fließt das Blut nicht, so wird auch der Qi-Fluss blockiert.
Die Kälte-Muster können in Fülle-Kälte und Mangel-Kälte (Yang-Mangel) differenziert werden. In der Praxis handelt es sich jedoch meist um eine Kombination, wenn der Körper z.B. durch einen Yang-Mangel ungenügend geschützt ist, sodass äußere Fülle-Kälte eindringen kann. Ebenso schädigt äußere Fülle-Kälte das Yang-Qi.
Oft wird durch die Stase eine Stauung der Flüssigkeiten ausgelöst mit der Folge, dass Ödeme als eine Kombination von Stase und Feuchtigkeit entstehen. Dies ist z.B. bei einer Venenthrombose und bei Varikosen (13.1.7.c, 13.1.7.d) ein typisches Kombinationsmuster. Diese Kombination von Feuchtigkeit und Stase kann von Hitze begleitet sein. Das Ödem fühlt sich dann warm an.
Zeigt sich stärkere Hitze in Kombination mit Stase und/oder Feuchtigkeit, kann sich toxische Hitze entwickeln. Diese Präsentation tritt meist erst in fortgeschrittenen Krankheitsverläufen auf und präsentiert sich als Ulzerationen (13.1.7.g), die als ein prognostisch ungünstiges Zeichen zu bewerten ist, was die Therapie erschwert.
Qi-Stagnation
Therapieprinzipien Leber regulieren, Qi bewegen, Leitbahnen aktivieren und befreien
Rezept: Si Ni San (7.6.6) und zusätzlich Leitbahnen regulierende Arzneien wie z.B. Pheretima (Di Long), Spatholobi Caulis (Ji Xue Teng), Cinnamomi Ra. (Gui Zhi).
Akupunktur: Le 3 (Taichong) und Di 4 (Hegu) bewegen das Qi und befreien die Leber; Bl 18 (Ganshu) reguliert die Leber; Gb 34 (Yanglingquan) reguliert den Qi-Fluss in Leber und Gallenblase. Je nach Lokalisation der Durchblutungsstörungen weitere Punkte auswählen.
Yang-Mangel mit (äußerer) Kälte in den Leitbahnen
Therapieprinzipien Yang wärmen, Kälte zerstreuen, Leitbahnen aktivieren und befreien
Rezept: Yang He Tang und zusätzlich Aconiti Rx. lateralis praep. ([Zhi] Fu Zi), Asari Rx. et Rz. (Xi Xin), Cinnamomi Ra. (Gui Zhi), Pheretima (Di Long), Spatholobi Caulis (Ji Xue Teng), Salviae miltiorrhizae Rx. (Dan Shen), Astragali Rx. (Huang Qi). Alternative: Dang Gui Si Ni San.
Akupunktur: Alle Punkte mit Moxa stimulieren (cave: Verbrennungen unbedingt vermeiden!); Du 4 (Mingmen) und Du 14 (Dazhui) stärken das Yang-Qi im Allgemeinen und in den oberen und unteren Extremitäten; Ma 36 (Zusanli) und Di 10 (Shousanli) stärken das Qi und Blut in den oberen und unteren Extremitäten. Je nach Lokalisation der Durchblutungsstörungen weitere Punkte auswählen.
Feuchtigkeits-Ansammlung
Therapieprinzipien Feuchtigkeit ausleiten, Qi regulieren und Leitbahnen aktivieren und befreien
Rezept: Fang Ji Huang Qi Tang und zusätzlich Pheretima (Di Long), Spatholobi Caulis (Ji Xue Teng), Cinnamomi Ra. (Gui Zhi), Coicis Sm. (Yi Yi Ren).
Akupunktur: Ma 36 (Zusanli) stärkt die Mitte und aktiviert das Qi; Mi 9 (Yinlingquan) leitet Feuchtigkeit aus; Bl 20 (Pishu), Mi 3 (Taibai) und Ren 12 (Zhongwan) stärken die Milz und wandeln Feuchtigkeit um; Ma 40 (Fenglong) wandelt Schleim um und befreit die Qi-Zirkulation in den unteren Extremitäten; Moxa kann bei allen Punkten eingesetzt werden.
Blut-Stase generell
Therapieprinzipien und Therapie Blut-Stase ist eine verkomplizierende Komponente bei jedem Muster, kommt jedoch selten ohne Kombination vor, daher wird die Behandlung von Blut-Stase hier nicht weiter differenziert, sondern nachfolgend unter Klinische Tipps erläutert, wo unter Blut aktivieren und Stase umwandeln entsprechende Arzneien empfohlen werden
Blut-Stase mit Qi-Mangel
Therapieprinzipien Blut aktivieren, Stase umwandeln, Qi stärken und Leitbahnen aktivieren und befreien
Rezept: Bu Yang Huan Wu Tang (7.6.12.a) und zusätzlich Spatholobi Caulis (Ji Xue Teng) und Cinnamomi Ra. (Gui Zhi).
Akupunktur: Ma 36 (Zusanli) stärkt die Mitte und aktiviert das Qi; Mi 10 (Xuehai) und Bl 17 (Geshu) aktivieren das Blut; Le 3 (Taichong), Di 4 (Hegu) und Ren 17 (Danzhong) bewegen das Qi und unterstützen dadurch das Aktivieren von Blut. Bl 20 (Pishu), Mi 6 (Sanyinjiao) und Mi 3 (Taibai) stärken die Milz und das Qi. Je nach Lokalisation der Durchblutungsstörungen weitere Punkte auswählen.
Blut-Stase mit Qi-Stagnation
Therapieprinzipien und Therapie Dem individuellen Fall angepasste Kombination des Moduls Qi-Stagnation mit Mitteln, um Blut zu aktivieren und Stase umzuwandeln. Als Grundrezepturen können Tao Hong Si Wu Tang (7.6.10.b) oder Xue Fu Zhu Yu Tang (7.6.12.a) verwendet werden. Weitere Arzneien werden weiter unten unter Klinische Tipps (Blut aktivieren und Stase umwandeln) aufgeführt
Blut-Stase mit (äußerer) Kälte in den Leitbahnen
Therapieprinzipien Blut aktivieren, Stase umwandeln, Kälte zerstreuen und Leitbahnen aktivieren und befreien
Rezept: Dang Gui Si Ni San und zusätzlich Aconiti Rx. lateralis praep. ([Zhi] Fu Zi), Pheretima (Di Long), Spatholobi Caulis (Ji Xue Teng), Persicae Sm. (Tao Ren), Carthami Fl. (Hong Hua), Salviae miltiorrhizae Rx. (Dan Shen), Astragali Rx. (Huang Qi).
Akupunktur: Mi 10 (Xuehai) und Bl 17 (Geshu) aktivieren das Blut; Le 3 (Taichong) und Di 4 (Hegu) und Ren 17 (Danzhong) bewegen das Qi und unterstützen dadurch das Aktivieren von Blut. Ma 36 M (Zusanli) wärmt die Leitbahnen und stärkt das Qi. Je nach Lokalisation der Durchblutungsstörungen weitere Punkte auswählen. Lokale Punkte mit Moxibustion stimulieren.
Blut-Stase mit Yang-Mangel und (äußerer) Kälte in den Leitbahnen
Therapieprinzipien und Therapie Dem individuellen Fall angepasste Kombination der Module Yang-Mangel mit (äußerer) Kälte in den Leitbahnen und Blut-Stase mit (äußerer) Kälte in den Leitbahnen, d.h. einer Modifikation der beiden Rezepturen Yang He Tang und Dang Gui Si Ni San
Feuchte-Hitze mit Toxinen, Stase und Blut-Hitze
In diesem Fall ist die Therapie anspruchsvoll und muss immer mit schulmedizinischer Behandlung kombiniert werden. Der Einsatz der Akupunktur ist hier nur als Unterstützung zu den anderen Verfahren zu sehen.
Therapieprinzipien Blut aktivieren, Stase umwandeln, Hitze klären, Feuchtigkeit umwandeln und Leitbahnen aktivieren und befreien
Rezept: Modifiziertes Si Miao Yong An Tang enthält: Lonicerae Fl. (Jin Yin Hua), Scrophulariae Rx. (Xuan Shen), Angelicae sinensis Rx. (Dang Gui), Achyranthis Rx. (Niu Xi), Phellodendri Cx. (Huang Bai), Scutellariae Rx. (Huang Qin), Gardeniae Fr. (Zhi Zi), Forsythiae Fr. (Lian Qiao), Atractylodis Rz. (Cang Zhu), Paeoniae Rx. rubra (Chi Shao), Carthami Fl. (Hong Hua), Akebiae Caulis (Mu Tong), Glycyrrhizae Rx. (et Rz.) (Gan Cao).
Akupunktur: Mi 10 (Xuehai) und Bl 17 (Geshu) aktivieren das Blut; Mi 9 (Yinlingquan) leitet Feuchtigkeit aus; Di 11 (Quchi) klärt Hitze; Bl 40 (Weizhong) klärt Hitze aus dem Blut und befreit die Luo-Gefäße; lokale Punkte um die Ulzerationen können genadelt oder geblutet werden. Je nach Lokalisation der Durchblutungsstörungen weitere Punkte auswählen.
Klinische Tipps bei pheripheren vaskulären Störungen
Die in Tab. 13.7 zum Zweck der Übersicht getrennt aufgeführten Muster zeigen sich in der Praxis selten oder nie, sondern meist nur als Kombinationen. Die Muster in Tab. 13.7 sind deshalb eher als Module zu betrachten, aus denen sich ein klinisches Muster zusammensetzt.
Fast immer bestehen moderne Rezepturen für periphere Durchblutungsstörungen aus Arzneien der Blut aktivierenden, Leitbahnen wärmenden und Kälte zerstreuenden Kategorie. Dazu kommen – je nach zugrunde liegender Pathologie – Qi stärkende, Qi bewegende oder Feuchtigkeit eliminierende Mittel. Blut aktivieren und Stase umwandeln, ist also für die Therapie zentral. Dennoch müssen die zusätzlichen Muster in der Behandlung mit berücksichtigt werden.
Die oben bei Therapie aufgeführten Rezepturen und Akupunkturpunkte sind als Leitlinien zu verstehen, aus denen klinische Rezepturen zusammengesetzt werden können.
Wichtige Arzneimittel nach Therapieprinzipien geordnet:
  • Blut aktivieren und Stase umwandeln: Carthami Fl. (Hong Hua), Spatholobi Caulis (Ji Xue Teng), Salviae miltiorrhizae Rx. (Dan Shen), Chuanxiong Rz. (Chuan Xiong), Paeoniae Rx. rubra (Chi Shao), Angelicae sinensis Rx. (Dang Gui), Myrrha (Mo Yao), Olibanum (Ru Xiang), Hirudo (Shui Zhi), Achyranthis bidentatae Rx. (Niu Xi), Curcumae longae Rz. (Jiang Huang), Pheretima (Di Long)

  • Kälte zerstreuen, Leitbahnen wärmen und Yang aktivieren: Aconiti Rx. lateralis praep. ([Zhi] Fu Zi), Asari Rx. et Rz. (Xi Xin), Cinnamomi Ra. (Gui Zhi), Ephedrae Hb. (Ma Huang)

  • Qi stärken: Astragali Rx. (Huang Qi) als wichtigstes und bestes Mittel, um bei Blut-Stase Qi zu tonisieren, Codonopsis Rx. (Dang Shen), Ginseng Rx. (Ren Shen)

  • Qi bewegen: Bupleuri Rx. (Chai Hu), Curcumae Rx. (Yu Jin), Cyperi Rz. (Xiang Fu)

  • Feuchtigkeit umwandeln und ausleiten: Atractylodis Rz. (Cang Zhu), Atractylodis macrocephalae Rz. (Bai Zhu), Akebiae Caulis (Mu Tong), Stephaniae tetrandrae Rx. (Fen oder Han Fang Ji), Plantaginis Sm. (Che Qian Zi), Alismatis Rz. (Ze Xie), Leonuri Hb. (Yi Mu Cao), Lycopi Hb. (Ze Lan)

  • Hitze und Feuchtigkeit klären und Toxine lösen: Lonicerae Fl. (Jin Yin Hua), Forsythiae Fr. (Lian Qiao), Lonicerae Caulis (Ren Dong Teng), Phellodendri Cx. (Huang Bai), Paeoniae Rx. rubrae (Chi Shao), Taraxaci Hb. (Pu Gong Ying), Rhei Rx. et Rz. (Da Huang).

Morbus Raynaud: Stase, Kälte, Qi-Mangel
Therapieprinzipien Stase, Kälte und Qi-Mangel. Daher Kombination von Qi stärkenden, Leitbahnen wärmenden und Kälte zerstreuenden, Blut aktivierenden und Stase umwandelnden Arzneien. Liegt dem Morbus Raynaud eine psychische Ursache zugrunde (ausgelöst durch Stress und psychische Belastung), werden auch Leber regulierende Arzneien und Rezepturen eingesetzt wie z.B. Si Ni San (7.6.6). Bei dem Krankheitsbild sind aus westlich-pathophysiologischer Sicht Gefäßspasmen beteiligt. Daher ist nach den Grundsätzen der chinesischen Medizin auch der Einsatz von Spasmen lösenden Arzneien sinnvoll (sogenannte Wind stoppende Arzneien). Die besten und am häufigsten verwendeten sind Scorpio (Quan Xie), Scolopendra (Wu Gong), Pheretima (Di Long) und Succinum (Hu Po).
Modernes Beispielrezept: Astragali Rx. (Huang Qi), Cinnamomi Ra. (Gui Zhi), Paeoniae Rx. rubra (Chi Shao), Chuanxiong Rz. (Chuan Xiong), Asari Rx. et Rz. (Xi Xin), Salviae miltiorrhizae Rx. (Dan Shen), Persicae Sm. (Tao Ren), Ephedrae Hb. (Ma Huang), Curcuma longae Rz. (Jiang Huang). Diese Beispielrezeptur kann jeweils individuell an den Einzelfall angepasst werden.
Chronische Venenthrombose: Stase, Feuchtigkeit, Qi-Mangel
Therapieprinzipien Stase, Feuchtigkeit und in der chronischen Phase immer auch Qi-Mangel. Daher Kombination von Blut aktivierenden und Stase umwandelnden sowie Feuchtigkeit ausleitenden und Leitbahnen befreienden Arzneien. In der frühen Phase, wenn sich zusätzlich Hitze zeigt (meist in Form von warmen, leicht geröteten Schwellungen), auch Einsatz von kühlen Arzneien wie z.B. Lonicerae Fl. (Jin Yin Hua), Lonicerae Caulis (Ren Dong Teng), Paeoniae Rx. rubra (Chi Shao) und Phellodendri Cx. (Huang Bai).
Modernes Beispielrezept: Astragali Rx. (Huang Qi), Codonopsis Rx. (Dang Shen), Angelicae sinensis Rx. (Dang Gui), Paeoniae Rx. rubra (Chi Shao), Persicae Sm. (Tao Ren), Carthami Fl. (Hong Hua), Hirudo (Shui Zhi), Sparganii Rz. (San Leng), Curcumae Rz. (E Zhu), Stephaniae tetrandrae Rx. (Fen oder Han Fang Ji), Akebiae Caulis (Mu Tong), Leonuri Hb. (Yi Mu Cao).
Varikosen: Milz-Qi-Mangel in Kombination mit Stase und Feuchtigkeit
Therapieprinzipien Milz-Qi-Mangel in Kombination mit Stase und Feuchtigkeit. Daher Kombination von Blut aktivierenden und Stase umwandelnden, Feuchtigkeit ausleitenden und trocknenden sowie das Milz-Qi stärkenden Arzneien. Im Unterschied zur Venenthrombose (13.1.7.c) sollten bei den Varikosen vermehrt Milz-Qi tonisierende und das Yang hebende sowie Feuchtigkeit trocknende Mittel eingesetzt werden wie z.B. die Rezeptur Bu Zhong Yi Qi Tang (7.6.10.a) oder die Einzelmittel Atractylodis Rz. (Cang Zhu), Atractylodis macrocephalae Rz. (Bai Zhu), Astragali Rx. (Huang Qi) und Cimicifugae Rz. (Sheng Ma).
Modernes Beispielrezept: Astragali Rx. (Huang Qi), Atractylodis macrocephalae Rz. (Bai Zhu), Citri reticulatae Pericarpium (Chen Pi), Spatholobi Caulis (Ji Xue Teng), Angelicae sinensis Rx. (Dang Gui), Ginseng Rx. (Ren Shen), Bupleuri Rx. (Chai Hu), Glycyrrhizae Rx. praep. ([Zhi] Gan Cao), Cimicifugae Rz. (Sheng Ma), Pheretima (Di Long). Diese Beispielrezeptur kann jeweils individuell an den Einzelfall angepasst werden.
Thrombangiitis obliterans: Kälte-Blockade mit Blut-Stase
Therapieprinzipien Kälte-Blockade mit Blut-Stase. Die Thrombangiitis obliterans wird fast ausschließlich mit Blut aktivierenden und Stase umwandelnden Arzneien therapiert. Kälte zerstreuende und Leitbahnen wärmende Arzneien wie Aconiti Rx. lateralis praep. ([Zhi] Fu Zi), Asari Rx. et Rz. (Xi Xin) und Cinnamomi Ra. (Gui Zhi) können bei ausgeprägter Kälte beigefügt werden. Zu beachten ist die Zugabe von hochdosiertem Astragali Rx. (Huang Qi), um das Qi zu aktivieren, damit das Blut bewegt wird.
Modernes Beispielrezept: Angelicae sinensis Rx. (Dang Gui), Astragali Rx. (Huang Qi), Codonopsis Rx. (Dang Shen), Paeoniae Rx. rubra (Chi Shao), Achyranthis bidentatae Rx. (Niu Xi), Persicae Sm. (Tao Ren), Pheretima (Di Long), Hirudo (Shui Zhi), Chuanxiong Rz. (Chuan Xiong), Carthami Fl. (Hong Hua). Diese Beispielrezeptur kann jeweils individuell an den Einzelfall angepasst werden.
Arteriosklerose (inkl. passagere zerebrale Ischämie): Kälte-Blockade mit Stase
Therapieprinzipien Kälte-Blockade mit Stase. In der Praxis vorwiegend therapiert mit einer Kombination von Blut aktivierenden und Stase umwandelnden Arzneimitteln. Speziell ist die Zugabe von Arzneien zur Senkung der Blutfettwerte wie z.B. Polygoni multiflori Rx. (He Shou Wu), Crataegi Fr. (Shan Zha) oder Notoginseng Rx. (San Qi). Zu beachten ist die Zugabe von hochdosiertem Astragali Rx. (Huang Qi), um das Qi zu aktivieren, damit das Blut bewegt wird.
Modernes Beispielrezept: Spatholobi Caulis (Ji Xue Teng), Astragali Rx. (Huang Qi), Paeoniae Rx. rubra (Chi Shao), Angelicae sinensis Rx. (Dang Gui), Chuanxiong Rz. (Chuan Xiong), Cinnamomi Ra. (Gui Zhi), Polygoni multiflori Rx. (He Shou Wu), Achyranthis bidentatae Rx. (Niu Xi), Carthami Fl. (Hong Hua). Diese Beispielrezeptur kann jeweils individuell an den Einzelfall angepasst werden.
Ulzerationen: Feuchte-Hitze, Blut-Hitze, Feuer-Toxine und Blut-Stase
Therapieprinzipien Allen peripheren Durchblutungsstörungen gemeinsam ist die Möglichkeit, dass sich bei anhaltender Krankheit Ulzerationen bilden können. Die Hauptpathologien dafür sind immer Feuchte-Hitze, Blut-Hitze, Feuer-Toxine und Blut-Stase. Feuchtigkeit, Hitze und Feuer-Toxine bilden sich aufgrund der Stase, die Feuchtigkeit staut und zur Hitzetransformation führt. Die Therapie mit chinesischer Medizin sollte immer mit westlich-schulmedizinischer Behandlung kombiniert werden.
Modernes Beispielrezept: Lonicerae Caulis (Ren Dong Teng), Violae Hb. (Zi Hua Di Ding), Taraxaci Hb. (Pu Gong Ying), Phaseoli Sm. (Chi Xiao Dou), Scrophulariae Rx. (Xuan Shen), Forsythiae Fr. (Lian Qiao), Angelicae sinensis Rx. (Dang Gui), Achyranthis bidentatae Rx. (Niu Xi), Paeoniae Rx. rubra (Chi Shao), Carthami Fl. (Hong Hua), Glycyrrhizae Rx. (et Rz.) (Gan Cao). Diese Beispielrezeptur kann jeweils individuell an den Einzelfall angepasst werden.
Chronische Ulzerationen: Chronischen, nicht heilenden Ulzerationen liegt ein Qi- und Blut-Mangel zugrunde. In diesem Fall konzentriert sich die Behandlung in erster Linie auf die Stärkung und das Nähren von Qi und Blut, dazu kommt das Aktivieren von Blut und das Zerstreuen von Toxinen. Modernes Beispielrezept: Astragali Rx. (Huang Qi), Pseudostellariae Rx. (Tai Zi Shen), Paeoniae Rx. alba (Bai Shao), Dioscoreae Rz. (Shan Yao), Lonicerae Fl. (Jin Yin Hua), Rehmanniae Rx. praep. (Shu Di Huang), Angelicae sinensis Rx. (Dang Gui), Cervi Cornu Colla (Lu Jiao Jiao), Citri reticulatae Pericarpium (Chen Pi), Glycyrrhizae Rx. praep. ([Zhi] Gan Cao). Diese Beispielrezeptur kann jeweils individuell an den Einzelfall angepasst werden.
Weitere Therapiemöglichkeiten
Ohrakupunktur (5.7.1): OP 55 (Shenmen), OP 25 (Hirnstamm), OP 34 (Graue Substanz), OP 98 (Leber), OP 97 (Milz); zusätzlich betroffene Körperregion, z.B. OP 4 (Zunge), OP 11 (Wange), OP 62 (Finger), OP 46 (Zehe). Anwendung: 3–4 druckdolente Punkte auswählen; Nadeln 30–60 min belassen jeden 2. Tag über 10 Sitzungen, Samenkörner oder Dauernadeln applizierbar; Seitenwechsel des Ohrs spätestens nach 5 Tagen; Behandlungsdauer: 3 Wo.

Atemwege

WU Weiping,TIAN Li

Leitsymptom: Husten (Ke Sou)

In der CM sind mit Husten (Ke Sou) zwei Symptome gemeint: Ke bedeutet Husten mit Geräusch, aber ohne Schleim. Sou ist Husten mit Schleim, aber ohne Geräusch. Da jedoch in der Praxis Husten mit Schleim und Husten mit Geräuschen oft gleichzeitig vorkommen, spricht man im Zusammenhang mit Husten allgemein von Ke Sou. Husten ist eine Erkrankung des FK Lunge, die sowohl Atemwege (Hals und Bronchien) als auch die Lungen betrifft und durch äußere und innere Pathogene verursacht wird. Diese beeinträchtigen die Lungenfunktionen in Bezug auf ihre Qi-Verbreitungsfunktion (Xuan) und Qi-Absenkungsfunktion (Jiang), was dazu führt, dass das Lungen-Qi gegenläufig wird und sich in Husten äußert. Husten ohne Sputum bezeichnet man als trockenen Husten.
Mögliche westliche Diagnosen: Husten ist ein Leitsymptom bei einer Vielzahl von Lungenerkrankungen. Unter die chinesische Diagnose Ke Sou können bei entsprechender Symptomatik z.B. folgende schulmedizinische Diagnosen eingeordnet werden: Entzündungen der oberen Luftwege, akute und chronische Bronchitis, Pneumonie, Bronchiektasen, Tuberkulose, Lungenemphysem, Lungenabszess. Für diese Erkrankungen – vorausgesetzt, Husten ist als Hauptsymptom vorhanden – können die im Folgenden beschriebenen Kriterien zur Syndrom-Differenzierung, Diagnose und Behandlung angewendet werden.
Pathomechanismus: Husten entsteht durch gegenläufiges Lungen-Qi (Qi-Mechanismus, Qi Ji 2.3.1). Die Pathologie, die beim Husten im Vordergrund steht, spielt sich zwar im FK Lunge ab, pathophysiologisch spielen jedoch auch die FK Leber, Milz und Niere eine große Rolle. Verursachende Faktoren sind äußere Pathogene wie Wind, Kälte und Trockenheit sowie innere Faktoren. Die Pathogenese kennzeichnet gleichzeitig eine sinnvolle diagnostische Einteilung.

Syndrom-Differenzierung bei Leitsymptom Husten (Ke Sou)

Tab. 13.8
SyndromHauptsymptomeBegleitsymptomeZungePuls
Husten durch äußere Pathogene (13.2.1.a)
Wind-Kälte (11.3.4) (S. 1113)Neu aufgetretener Husten, Hustengeräusch ist schwer, tiefweißes dünnes SputumKopfschmerzen, verstopfte Nase mit klarem Sekret, Gelenkschmerzen, Kälteabneigung, vermindertes SchwitzenBelag: weiß, dünnOberflächlich und gespannt
Wind-Hitze (11.3.5) (S. 1114)Akuter und lauter Husten, zähes gelbliches SputumFieber und Windabneigung (in den meisten Fällen), Kopfschmerzen, Schwitzen, Halsschmerzen, DurstBelag: dünn, gelbOberflächlich und schnell
Hitze-Trockenheit (S. 1114)Neu aufgetretener Husten mit heiserem Klang, trockener Husten ohne Sputum oder mit wenig zähem Sputum, das erschwert abzuhusten istTrockene Nasenschleimhaut und trockener Hals, Husten mit blutig tingiertem Sputum, Brustschmerzen durch Husten, Windaversion und FieberRote Zungenspitze.
Belag: dünn, gelb, trocken
Leicht schnell
Kälte-Trockenheit (S. 1114)Husten mit wenig oder keinem Auswurf, Halstrockenheit und -kratzen, trockene Nase und LippenLeichter Kopfschmerz, Frösteln, mildes Fieber, kein SchwitzenBelag: trockenGespannt und oberflächlich
Husten durch innere Verletzungen (13.2.1.b)
Schleim-Feuchtigkeit in der Lunge (11.3.6) (S. 1115)Chron. Husten; reichlich weißes und klebriges Sputum, das leicht abzuhusten istDruckgefühl in der Brust, wenig Appetit, Müdigkeit, häufiger dünner StuhlgangBelag: weiß und klebrigSanft und schlüpfrig
Ansammlung von Schleim-Hitze in der Lunge (11.3.7) (S. 1115)Husten mit gelbem, zähflüssigem, klebrigem Sputum, laute Atmung, KurzatmigkeitSpannung und Schmerz in Thorax und Hypochondrium, bitterer Mundgeschmack, Mundtrockenheit, Durst, Sputum oder Körpergeruch übel riechend, FieberBelag: gelb, schmierigSchlüpfrig oder saitenförmig und schnell
Leber-Feuer verletzt die Lunge (11.11.15) (S. 1116)Sporadisch auftretender Husten durch gegenläufiges Qi, trockner Husten ohne oder mit wenig Sputum, husteninduzierter Schmerz in Thorax und HypochondriumGesichtsröte, trockene Kehle, Mundtrockenheit; Symptome können ausgelöst oder verschlechtert werden durch emotionale Faktoren (Ärger, Wut, Frustration etc.)Rote Zungenränder.
Belag: gelb, dünn mit wenig Flüssigkeit
Saitenförmig und schnell
Lungen-Qi- und -Yin-Mangel mit Leere-Hitze (S. 1116)Chron., trockener Husten, mit wenig oder blutig tingiertem Sputum, Temperaturerhöhung bzw. Fieber nachmittagsWangenrötung, heiße Handflächen und Fußsohlen, Schlafstörungen, Nachtschweiß, Müdigkeit und UnruheRot.
Belag: wenig
Dünn und schnell
Rest-Husten nach Akutzustand (13.2.1.c)
Rest-Husten mit Wind-Schleim (S. 1117)Husten nach einer äußeren Erkrankung (wobei der pathogene Faktor zu 80–90 % gelöst ist, aber pathogen wird und innere Schleimretention bleibt)Keine Taiyang-Zeichen mehr (Frösteln, Fieber gleichzeitig), aber Kratzen im Hals, spontanes Abhusten schwierigNormal.
Belag: Leicht weißlich
Normal
Rest-Husten mit Trockenheit und Schleim (S. 1117)Trockener Schleim; trockener Husten mit tief sitzendem, schwer löslichem SchleimKeuchen, trockener und entzündeter RachenRot und trockenBeschleunigt, dünn, aber kraftvoll
Husten durch äußere Pathogene
Wind-Kälte (11.3.4)
Therapieprinzipien Wind-Kälte zerstreuen und Lungen-Qi bewegen
Rezept: San Ao Tang kombiniert mit Xing Su San enthält: Ephedrae Hb. (Ma Huang), Armeniacae Sm. (Xing Ren), Glycyrrhizae Rz. (et Rz.) praep. ([Zhi] Gan Cao), Perillae Fo. (Zi Su Ye), Zingiberis Rz. recens (Sheng Jiang), Peucedani Rx. (Qian Hu), Platycodi Rx. (Jie Geng), Citri reticulatae Pericarpium (Chen Pi), Pinelliae Rz. praep. (Ban Xia), Poria (Fu Ling), Aurantii Fr. (Zhi Qiao). Modifikationen: Bei Husten mit Halsschmerzen, trockenem Mund und vermehrtem Durst, dickem Sputum, das schwer abzuhusten ist, lautem Husten mit Fieber, weißem oder gelbem Zungenbelag, oberflächlichem und schnellem Puls (innere Lungen-Hitze mit Aversion gegen äußere Wind-Kälte) entweder Ma Xing Shi Gan Tang (7.6.3.b) einsetzen oder aus der obigen Rezeptkombination (San Ao Tang mit Xing Su San) Zingiberis Rz. recens (Sheng Jiang) entfernen und zusätzlich Mori Cx. (Sang Bai Pi), Arctii Fr. (Niu Bang Zi) und Scutellariae Rx. (Huang Qin) hinzufügen.
Akupunktur: Bl 11 (Dazhu), Bl 12 (Fengmen), Bl 13 (Feishu), SJ 5 (Waiguan) mit Schröpfen an Bl 11 (Dazhu) bis Bl 13 (Feishu): Zerstreuen Wind-Kälte; Lu 7 (Lieque), Di 4 (Hegu), Ren 17 (Danzhong) senken das Lungen-Qi ab und beenden Husten.
Wind-Hitze (11.3.5)
Therapieprinzipien Wind ausleiten, Hitze klären, Lunge zerstreuen und Schleim ausleiten
Rezept: Variation von Sang Ju Yin (7.6.3.b) enthält: Mori Fo. (Sang Ye), Chrysanthemi Fl. (Ju Hua), Menthae haplocalycis Hb. (Bo He), Platycodi Rx. (Jie Geng), Glycyrrhizae Rx. (Gan Cao), Phragmitis Rz. (Lu Gen). Modifikation: Bei Windaversion zusätzlich Schizonepetae Hb. (Jing Jie), Saposhnikoviae Rx. (Fang Feng). Bei starker Lungen-Hitze zusätzlich Scutellariae Rx. (Huang Qin), Gypsum fibrosum (Shi Gao). Bei starkem Husten zusätzlich Arctii Fr. (Niu Bang Zi), Peucedani Rx. (Qian Hu). Bei starken Halsschmerzen zusätzlich Arctii Fr. (Niu Bang Zi), Lasiosphaera/Calvatia (Ma Bo), Isatidis Rx. (Ban Lan Gen). Bei erschwert abzuhustendem Sputum zusätzlich Benincasae Sm. (Dong Gua Zi) und Trichosanthis Fr. (Gua Lou). Bei Wind-Hitze und Feuchtigkeit mit Symptomen wie reichlichem Sputum, thorakalem Druckgefühl, starkem Schwitzen sowie weißem oder gelbem klebrigem Zungenbelag und sanftem und schnellem Puls zusätzlich Coicis Sm. (Yi Yi Ren), Armeniacae Sm. (Xing Ren) und Magnoliae officinalis Cx. (Hou Po).
Akupunktur: Bl 13 (Feishu), Lu 7 (Lieque), Di 4 (Hegu), SJ 5 (Waiguan) leiten pathogene Faktoren aus; Lu 11 B (Shaoshang) und Di 1 B (Shangyang) lindern Halsschmerzen; Du 14 B (Dazhui), um Fieber zu senken.
Hitze-Trockenheit
Therapieprinzipien Hitze klären und Trockenheit nähren (leicht zerstreuen und nähren)
Rezept: Sang Xing Tang (7.6.7). Modifikationen: Bei mehr Trockenheit zusätzlich Trichosanthis Fr. (Gua Lou), Ophiopogonis Rx. (Mai Men Dong), Polygonati odorati Rz. (Yu Zhu). Bei Halskratzen bzw. -jucken zusätzlich Peucedani Rx. (Qian Hu), Cicadae Periostracum (Chan Tui), Platycodi Rx. (Jie Geng), Glycyrrhizae Rx. (et Rz.) (Gan Cao). Bei chronischem, trockenem Husten mit einer roten Zunge und wenig Zungenbelag sowie Gewichtsabnahme die Rezeptur wechseln zu der Rezeptur Qing Zao Jiu Fei Tang (13.7.1), bei mehr Hitze zusätzlich Gypsum fibrosum (Shi Gao) und Anemarrhenae Rz. (Zhi Mu).
Akupunktur: Bl 13 (Feishu), Lu 7 (Lieque), Di 4 (Hegu), SJ 5 (Waiguan) befreien die Oberfläche; Ren 17 (Danzhong) öffnet den Thorax; Ni 6 (Zhaohai) nährt Nieren und Lungen-Yin.
Kälte-Trockenheit
Therapieprinzipien Das Außen von Kälte-Trockenheit entlasten, das Lungen-Qi absenken
Rezept: Xing Su San enthält: Perillae Fo. (Zi Su Ye), Peucedani Rx. (Qian Hu), Armeniacae Sm. (Xing Ren), Platycodii Rx. (Jie Geng), Aurantii Fr. (Zhi Ke), Citri reticulatae Pericarpium (Chen Pi), Poria (Fu Ling), Pinelliae Rz. praep. (Ban Xia), Zingiberis Rz. recens (Sheng Jiang), Jujubae Fr. (Da Zao), Glycyrrhizae Rx. (et Rz.) (Gan Cao). Modifikationen: Um Wind-Kälte und -Trockenheit zu eliminieren, zusätzlich Schizonepetae Hb. (Jing Jie), Saposhnikoviae Rx. (Fang Feng), Asteris Rx. (Zi Wan).
Husten durch innere Verletzungen
Schleim-Feuchtigkeit in der Lunge (11.3.6)
Therapieprinzipien Milz stärken, Feuchtigkeit beseitigen, Schleim ausleiten und Husten beenden
Rezept: Er Chen Tang (7.6.16.a) mit Modifikationen. Bei starkem Milz-Qi-Mangel mit Müdigkeit, blasser Zunge und schwachem Puls zusätzlich Codonopsis Rx. (Dang Shen), Atractylodis macrocephalae Rz. (Bai Zhu) (ähnlich wie Liu Jun Zi Tang [7.6.10.a]). Bei starkem gegenläufigem Lungen-Qi zusätzlich San Zi Yang Qin Tang (7.6.16.c), um Feuchtigkeits-Schleim zu transformieren. Bei zu kaltem Schleim durch Milz-Yang-Mangel (11.5.2) oder durch Diätfehler mit einem Zuviel an kalten, rohen Nahrungsmitteln und mit Symptomen wie dünnem weißem Sputum, kalten Extremitäten, Diarrhö, blassem Gesicht, blasser Zunge mit klebrigem weißem Belag und saitenförmigem und langsamem Puls zusätzlich Asari Rx. et Rz. (Xi Xin), Zingiberis Rz. (Gan Jiang) und Schisandrae Fr. (Wu Wei Zi). Bei feuchtem Schleim, der zu heißem Schleim transformiert ist, und Husten mit gelbem, klebrigem Sputum, das erschwert abzuhusten ist, bitterem Mundgeschmack, Durst, gelbem, klebrigem Zungenbelag sowie schlüpfrigem und schnellem Puls zusätzlich Mori Cx. (Sang Bai Pi), Scutellariae Rx. (Huang Qin), Gardeniae Fr. (Zhi Zi), Fritillariae thunbergii Bb. (Zhe Bei Mu), Trichosanthis Fr. (Gua Lou).
Akupunktur: Bl 13 (Feishu), Ren 17 (Danzhong) befreien Lungen-Qi; Bl 20 (Pishu), Ren 12 (Zhongwan), Ma 36 (Zusanli) stärken Milz-Qi; Ma 40 (Fenglong) und Mi 9 (Yinlingquan) wandeln Feuchtigkeit und Schleim um.
Ansammlung von Schleim-Hitze in der Lunge (11.3.7)
Therapieprinzipien Lungen-Hitze klären, Schleim ausleiten und Lungen-Qi absenken
Rezept: Qing Jin Hua Tan Tang enthält: Mori Cx. (Sang Bai Pi), Scutellariae Rx. (Huang Qin), Gardeniae Fr. (Zhi Zi), Anemarrhenae Fr. (Zhi Mu), Fritillariae thunbergii Bb. (Zhe Bei Mu), Trichosanthis Fr. (Gua Lou), Platycodi Rx. (Jie Geng), Citri reticulatae Pericarpium (Chen Pi), Poria (Fu Ling), leitet Feuchtigkeit aus), Ophiopogonis Rx. (Mai Men Dong), Glycyrrhizae Rx. (et Rz.) (Gan Cao). Modifikationen: Bei dickem, gelbem, stärker riechendem Sputum zusätzlich Houttuyniae Hb. (Yu Xing Cao), Forsythiae Fr. (Lian Qiao), Benincasae Sm. (Dong Gua Ren) und Coicis Sm. (Yi Yi Ren). Bei thorakalem Druckgefühl und Unfähigkeit, flach zu liegen, zusätzlich Lepidii/Descurainiae Sm. (Ting Li Zi). Bei Schleim-Hitze verletzt die Körperflüssigkeit mit Symptomen wie Mundtrockenheit, Durst und roter Zunge zusätzlich Adenophorae Rx. (Nan Sha Shen), Trichosanthis Rx. (Tian Hua Fen), Indigo naturalis (Qing Dai) und Meretricis/Cyclinae Concha (Hai Ge Ke bzw. Hai Ge Qiao).
Akupunktur: Bl 13 (Feishu) (auch bluten lassen oder blutig schröpfen), Di 4 (Hegu), Ren 17 (Danzhong) klären in Kombination Lungen-Hitze und senken das Lungen-Qi ab; Lu 5 (Chize) klärt Schleim-Hitze in der Lunge; Ma 40 (Fenglong), Mi 6 (Sanyinjiao) wandeln Schleim um und klären Hitze.
Leber-Feuer verletzt die Lunge (11.11.15)
Therapieprinzipien Lungen-Hitze klären, die Leber beruhigen, das gegenläufige Qi harmonisieren und Feuer beseitigen
Rezept: Xie Bai San (7.6.4.d) in Kombination mit der Rezeptur Dai Ge San enthält: Mori Cx. (Sang Bai Pi), Lycii Cx. (Di Gu Pi), Oryzae Sm. (Geng Mi), Glycyrrhizae Rx. (et Rz.) (Gan Cao), Indigo naturalis (Qing Dai), Meretricis/Cyclinae Concha (Hai Ge Ke bzw. Hai Ge Qiao). Zusätzlich mit Citri reticulatae Pericarpium (Chen Pi), Citri reticulatae viride Pericarpium (Qing Pi), Scutellariae Rx. (Huang Qin), Gardeniae Fr. (Zhi Zi), Fritillariae thunbergii Bb. (Zhe Bei Mu), Trichosanthis Fr. (Gua Lou).
Akupunktur: Bl 13 (Feishu), Lu 5 (Chize), Di 4 (Hegu) klären Lungen-Hitze; Gb 34 (Yanglingquan), Le 2 (Xingjian), Le 14 (Qimen) befreien das Leber-Qi und klären Stagnations-Hitze; Ren 17 (Danzhong), Gb 22 (Yuanye) oder Gb 23 (Zhejin) befreien Hypochondrium und Thorax, lindern Husten.
Lungen-Qi- und -Yin-Mangel mit Leere-Hitze
Eine Schwäche des Lungen-Yin und -Qi kann zu Husten führen. Zudem werden bei Patienten mit Qi-Schwäche Husten und Dyspnoe (Chuan Zheng) oft gleichzeitig beobachtet (Kombination im Kapitel über Dyspnoe [Chuan Zheng] 13.2.2). Im folgenden Abschnitt wird der Husten durch Lungen-Yin-Mangel abgehandelt.
Therapieprinzipien Yin nähren, Lungen-Hitze klären, Sputum beseitigen und Husten beenden
Rezept: Variation von Sha Shen Mai Men Dong Tang enthält: Glehniae Rx. (Bei Sha Shen), Ophiopogonis Rx. (Mai Men Dong), Polygonati odorati Rz. (Yu Zhu), Trichosanthis Rx. (Tian Hua Fen), Lablab Sm. album (Bai Ban Dou), Glycyrrhizae Rx. (et Rz.) (Gan Cao). Modifikationen: Bei starkem Husten zusätzlich Armeniacae Sm. (Xing Ren), Fritillariae Bb. (Chuan Bei Mu). Bei blutigem Husten zusätzlich Platycladi Cacumen (Ce Bai Ye), Agrimoniae Hb. (Xian He Cao), Nelumbinis Nodus rhizomatis (Ou Jie), Bletillae Rz. (Bai Ji), Asini Corii Colla (E Jiao), Notoginseng Rx. (San Qi). Bei Fieber am Nachmittag und Wangenrötung zusätzlich Stellariae Rx. (Yin Chai Hu), Lycii Cx. (Di Gu Pi), Scutellariae Rx. (Huang Qin) und Cynanchi atrati Rx. (Bai Wei). Bei Husten mit gelbem Schleim zusätzlich Scutellariae Rx. (Huang Qin), Anemarrhenae Rz. (Zhi Mu) und Meretricis/Cyclinae Concha (Hai Ge Ke bzw. Hai Ge Qiao). Bei chronischem Husten mit Dyspnoe durch Lungen- und Nieren-Qi- und Yin-Mangel zusätzlich Rehmanniae Rx. praep. (Shu Di Huang), Corni Fr. (Shan Zhu Yu), Schisandrae Fr. (Wu Wei Zi) und Ginseng Rx. (Ren Shen). Bei chronischem Husten mit bereits bestehender Verletzung des Lungen-Qi zusätzlich Schisandrae Fr. (Wu Wei Zi), Chebulae Fr. (He Zi).
Akupunktur: Bl 13 (Feishu) und Bl 23 (Shenshu) nähren Lungen- und Nieren-Yin; Lu 7 (Lieque) und Ni 6 (Zhaohai) nähren Lungen- und Nieren-Yin, senken gegenläufiges Lungen-Qi ab; Du 20 (Baihui) und Ex-HN 3 (Yintang) beruhigen den Geist-Shen; Mi 6 (Sanyinjiao) klärt Leere-Hitze.
Rest-Husten nach Akutzustand
Rest-Husten mit Wind-Schleim
Therapieprinzipien: Wind eliminieren. Schleim umwandeln und Husten stoppen
Rezept: Zhi Sou San (7.6.16.e). Modifikationen: Bei sehr trockenem, zähem Husten zusätzlich Trichosanthis Fr. (Gua Lou), Fritillariae Bb. (Chuan Bei Mu). Bei mehr Hitze-Zeichen (gelber Schleim) zusätzlich Scutellariae Rx. (Huang Qin), Mori Cx. (Sang Bai Pi). Wenn die Patienten (unkontrolliert) schwitzen aufgrund einer Disharmonie zwischen Abwehr-Wei-Qi und Nähr-Ying-Qi zusätzlich Cinnamomi Ra. (Gui Zhi), Paeoniae Rx. alba (Bai Shao).
Rest-Husten mit Trockenheit und Schleim
Therapieprinzipien Lunge bzw. Trockenheit befeuchten, Lungen-Qi absenken, Schleim umwandeln und Hitze beseitigen
Rezept: Bei Mu Gua Lou San (7.6.16.d). Modifikationen: Bei spastischem Husten (z.B. in der Spätphase Keuchhusten) zusätzlich Glycyrrhizae Rx. (et Rz.) (Gan Cao) und Paeoniae Rx. alba (Bai Shao). Bei Qi- und Yin-Mangel zusätzlich Glehniae Rx. (Bei Sha Shen) (cave: Nicht Astragali Rx. [Huang Qi], das in diesem Fall zu heiß ist und zu sehr trocknet).
Weitere Therapiemöglichkeiten
Ernährungsrezept: Eine geschälte und entsteinte Birne, etwas Kristallzucker und eine kleine Menge Schachbrettblumenwurzelpulver ca. 15 min dämpfen und tägl. häufiger einnehmen. Das Rezept dient dazu, den Schleim zu lösen, Lungen-Yin zu nähren und den Husten zu stoppen.

Leitsymptom: Dyspnoe (Chuan Zheng)

Unter dem chinesischen Begriff Chuan Zheng (im Englischen oft mit panting übersetzt) wird anfallsartig auftretende Kurzatmigkeit und Keuchen ohne Schleimgeräusche im Hals verstanden. Chuan Zheng ist abzugrenzen von Xiao Zheng (im Englischen oft mit brachial wheezing übersetzt), der anfallsartig auftretenden Kurzatmigkeit und Keuchatmung mit rasselndem Schleimgeräusch im Hals. Chuan Zheng und Xiao Zheng werden in neueren Darstellungen oft als Xiao Chuan (panting and wheezing) zusammengefasst und als Asthma bronchiale diskutiert (13.9.4).
Chuan Zheng (Dyspnoe) ist nach CM eine Erkrankung des Respirationstrakts, die charakterisiert ist durch Kurzatmigkeit mit offenem Mund (nach Luft schnappen) und Zuhilfenahme der Atemhilfsmuskulatur (hochgezogene Schultern), Nasenflügelbeben, Atemnot, durch das Unvermögen, flach zu liegen sowie durch eine Verschlimmerung der Symptomatik bei Bewegung und Anstrengung. Das progrediente Fortschreiten der Symptomatik kann zu einem Kollaps führen. Ebenso zeigt sich die Symptomatik bei fortschreitenden Prozessen einer Vielzahl akuter und chronischer Erkrankungen. Die Dyspnoe (Chuan Zheng) wird nach CM von der Kurzatmigkeit (Qi Duan) und der Keuchatmung mit Rasselgeräuschen (Xiao Zheng) abgegrenzt, obwohl diese auch gemeinsam auftreten können.
Differenzierung zwischen Dyspnoe (Chuan Zheng) und Kurzatmigkeit (Qi Duan): Bei der Dyspnoe werden sowohl Fülle- als auch Mangel- bzw. Leere-Typen unterschieden. Bei Kurzatmigkeit (Qi Duan) gibt es keinen Fülle-Typ, vielmehr weist Kurzatmigkeit immer auf einen Qi-Mangel hin und findet sich häufig bei verschiedenen akuten und chronischen Erkrankungen. Sie ist charakterisiert durch eine schwache, flache Atmung und Kurzatmigkeit durch Verschlechterung durch/beim Sprechen oder bei leichter körperlicher Betätigung sowie Müdigkeit, Erschöpfung und Unlust zu sprechen. Zudem finden sich schwache Pulse aufgrund des Qi-Mangels im mittleren Jiao und/oder einer Schwäche von Lunge und Niere. Kurzatmigkeit kann sich zum Leere-Typ der Dyspnoe entwickeln. Die Kurzatmigkeit ist bei dem Syndrom Qi Duan häufig die einzige Beschwerde, d.h., der Patient empfindet diese eher subjektiv, während sich die Dyspnoe zusätzlich noch durch von Außen erkennbare Zeichen und Befunde objektivieren lässt.
Differenzierung zwischen Dyspnoe (Chuan Zheng) und Keuchatmung mit Schleimgeräuschen (Xiao Zheng): Sowohl Keuchatmung (13.9.4) als auch Dyspnoe sind gekennzeichnet durch eine Tachypnoe (schnelle Atemzüge), sie können jedoch anhand bestimmter Charakteristika voneinander abgegrenzt werden:
  • Unter Xiao Zheng versteht man eine anfallsartige Keuchatmung mit rasselnden Schleimgeräuschen im Hals, die zusammen mit Giemen (pfeifendem Atmen) auftritt. Die Keuchatmung zeigt sich also eher mit Geräuschen, was das Vorhandensein von latentem Schleim anzeigt (Anmerkung: Xiao Zheng wird auch gelegentlich mit Asthma übersetzt [Differenzierung des Asthma bronchiale 13.9.4])

  • Im Gegensatz dazu zeigt sich bei der Dyspnoe (Chuan Zheng) eine Kurzatmigkeit ohne Giemen und Pfeifen (ohne Geräusche), das Qi wird nicht durch Schleim blockiert

  • Xiao Zheng entwickelt sich über einen längeren Zeitraum und hat daher chronischere Wurzeln (Ben) und prädisponierende Faktoren. Eine Dyspnoe (Chuan Zheng) hat nicht unbedingt chronische Wurzeln. So kann der Fülle-Typ der Dyspnoe akut durch ein Eindringen von äußeren pathogenen Faktoren entstehen. Werden diese gelöst und beseitigt, verschwindet auch die Dyspnoe sofort. Der Leere-Typ der Dyspnoe entsteht im Zusammenhang mit chronischen Erkrankungen und ist gekennzeichnet durch Unterfunktionen der Zang-Organe

  • Die Keuchatmung mit Rasselgeräuschen (Xiao Zheng) ist charakterisiert durch plötzliche, wiederholte Angriffe und durch Hartnäckigkeit. Bei der Dyspnoe (Chuan Zheng) fehlt sowohl die Plötzlichkeit als auch die Hartnäckigkeit

  • Xiao Zheng wird als eine eigenständige Erkrankung betrachtet, während Chuan Zheng bei unterschiedlichen Erkrankungen beobachtet wird. Zudem wird die Keuchatmung mit Rasselgeräuschen (Xiao Zheng) immer von einer Dyspnoe (Chuang Zheng) begleitet, Dyspnoe jedoch nicht unbedingt von Keuchatmung

  • Besteht Keuchatmung mit Rasselgeräuschen (Xiao Zheng) über eine längere Zeit, wird es chronisch. Ebenso kann eine Dyspnoe (Chuan Zheng) chronifizieren.

Mögliche westliche Diagnosen: Das Bild der Dyspnoe (Chuan Zheng) kann sich bei unterschiedlichen Atemwegserkrankungen zeigen wie z.B. Asthma bronchiale (13.9.4), Pneumonie, Lungenemphysem, Lungentuberkulose, Pulmonarabszess, bei chronischen Herz-Lungen-Erkrankungen sowie bei kardial bedingten Atemwegserkrankungen. Darüber hinaus sind Dyspnoe und Kurzatmigkeit mit psychischer Komponente bzw. Genese zu beobachten.
Pathomechanismus: Dyspnoe (Chuan Zheng) lässt sich in zwei Hauptkategorien unterteilen: Durch Angriff von den sechs äußeren pathogenen Faktoren (2.6) bedingte Dyspnoe einerseits und durch innere Ursachen verursachte Dyspnoe andererseits, z.B. durch Diätfehler, Überarbeitung oder die sieben Emotionen (2.6.3). Die im Vordergrund stehende Pathophysiologie spielt sich in den FK Lungen und Nieren ab, hat aber auch einen Bezug zu den FK Leber, Milz und Herz. Es werden Fülle- und Mangel- bzw. Leere-Syndrome differenziert (Tab. 13.9). Der Fülle-Typ entsteht durch den Angriff äußerer pathogener Faktoren, die die Lunge in ihrer Verteilungs- und Herabsenkungsfunktion beeinträchtigen, sodass sich weitere pathogene Faktoren anhäufen können. Die Dyspnoe vom Leere-Typ wird durch die Unfähigkeit der Lunge hervorgerufen, das Qi zu beherbergen, sowie durch das Unvermögen der Niere, das Qi aufzunehmen, wenn ein pathogener Faktor angreift.
Differenzierung von Fülle und Mangel bzw. Leere: Die Differenzierung von Fülle- und Mangel-Syndromen (Tab. 13.9, 13.2.2.a, 13.2.2.b) ist maßgeblich für die Wahl der therapeutischen Maßnahmen. Wird die richtige Vorgehensweise bei Fülle- bzw. Leere-Syndromen nicht beachtet, kann die Erkrankung rasch progredieren.
Differenzierung von Kälte und Hitze: Typische Kälte- bzw. Hitze-Symptome wie z.B. eine rote Zunge, ein schneller Puls und Harnprobleme reichen nicht aus, um Kälte- und Hitze-Dyspnoe voneinander zu unterscheiden. Wegweisend ist v.a. die Unterscheidung der Farbe des Zungenbelags und des Sputums (Tab. 13.10).

Allgemeine Therapieprinzipien bei Dyspnoe (Chuan Zheng)

Bei der Dyspnoe werden Fülle-, Mangel- bzw. Leere-, Kälte- und Hitze-Typen unterschieden (Tab. 13.9, Tab. 13.10).
  • Bei der Dyspnoe vom Fülle-Typ (13.2.2.a) steht die Behandlung der Lunge im Vordergrund: Vertreibung und Ausleitung der äußeren pathogenen Faktoren und Regulation des Qi. Bei der weiteren Differenzierung in Kälte-, Hitze- oder Schleimkomponenten gilt: Bei Kälte erwärmen und Kälte zerstreuen, bei Hitze Lungen-Hitze klären und das Lungen-Qi absenken, bei Schleim den Schleim transformieren

  • Bei der Dyspnoe vom Mangel- bzw. Leere-Typ (13.2.2.b) zielt die Behandlung v.a. auf die Nieren und die Lunge. Dabei wird besonders das Nieren-Qi gestärkt, um die Inspirationsfähigkeit zu steigern. Nach Bestimmung der konkreten pathologischen Beteiligung der verschiedenen Zang-Organe bestehen die Behandlungsmethoden darin, die Lunge zu stärken, die Nieren zu kräftigen, das Qi wieder aufzufüllen oder das Yin zu nähren

  • Bei gleichzeitigem Auftreten von Fülle und Leere bzw. Mangel oder bei komplexen Mustern von Fülle oben und Leere unten (4.2.1) müssen die Aspekte von Wurzel (Ben) und Zweig (Biao) der Störung differenziert untersucht und entsprechend therapiert werden (10.1.2).

Syndrom-Differenzierung bei Leitsymptom Dyspnoe (Chuan Zheng)

Tab. 13.11
SyndromHauptsymptomeBegleitsymptomeZungePuls
Fülle-Dyspnoe (13.2.2.a)
Wind-Kälte greift die Lunge an (S. 1122)Luftschnappen, Husten, Kurzatmigkeit, thorakales Enge- und Erstickungsgefühl, viel dünnes weißes SputumKopfschmerzen, Kälteaversion und leichtgradiges Fieber, kein Schwitzen, kein DurstBelag: weiß, dünn und feuchtOberflächlich und gespannt
Wind-Hitze greift die Lunge an (S. 1122)Keuchen, Kurzatmigkeit, Rasselgeräusche, gelbes schaumiges und dickes Sputum, das erschwert abhustbar istThoraxschmerzen, Reizbarkeit, Kopfschmerz, Fieber, Schwitzen, Durst, Obstipation, wenig dunkler, konzentrierter UrinBelag: dünn und weiß oder gelblichOberflächlich oder schlüpfrig und schnell
Ansammlung von trübem Schleim in der Lunge (S. 1123)Dyspnoe, Husten, reichlich weißer und klebriger Schleim, Völle- und thorakales Enge- und ErstickungsgefühlWenig Appetit, klebriges Mundgefühl, kein Durst, in schweren Fällen Übelkeit oder ErbrechenBelag: dick, schmierig, weißSchlüpfrig
Anhäufung von Schleim-Hitze in der Lunge (11.3.7) (S. 1123)Husten, Dyspnoe, fiebriges und sich ausdehnendes Gefühl in der Brust, reichlich gelber klebriger dicker SchleimDurst, Vorliebe für kalte Getränke, gerötetes Gesicht, trockene Kehle, dunkler Urin, Obstipation, blutiges SputumBelag: gelb, schmierigSchlüpfrig und schnell
Leber-Qi-Stauung verletzt die Lunge (S. 1123)Kurzer schneller Atem, Dyspnoe, thorakales Erstickungsgefühl, Engegefühl in der Kehle, Exazerbation durch emotionalen StressHäufig Schlaflosigkeit, Palpitationen, thorakales Engegefühl und SchmerzenBelag: dünnSaitenförmig
Leere- bzw. Mangel-Dyspnoe (13.2.2.b)
Qi-Mangel (Lungen- und Milz-Qi-Mangel) (11.11.12) (S. 1124)Dyspnoe, Tachypnoe, Kurzatmigkeit, tiefe und schwache Stimme, tiefes Hustengeräusch, dünnflüssiges Sputum, spontanes Schwitzen und KälteaversionBlässe, Müdigkeit, epigastrisches Völlegefühl und weiche Stühle nach dem Essen oder Stuhlentleerung sofort nach dem EssenGeschwollene Zunge mit Zahneindrücken.
Belag: dünn und weiß oder dünn, weiß und schmierig
Dünn und schwach
Yin-Mangel, (Lungen- und Nieren-Yin-Mangel) (11.11.14) (S. 1124)Dyspnoe und Kurzatmigkeit v.a. nach Anstrengung, Trockenheit in Mund und Kehle, Hitze-Wallungen, Nachtschweiß, klebriges Sputum, das erschwert auszuhusten istGesichtsrötung, Ruhelosigkeit, fiebrige Empfindungen in Handflächen und Fußsohlen, Müdigkeit in der Lendenregion, TinnitusRot.
Belag: gelb
Dünn und schnell
Yang-Mangel, (Lungen- und Nieren-Yang-Mangel) (11.11.13) (S. 1124)Chron. Dyspnoe, Inspiration schwieriger als Exspiration, Keuchen verschlimmert sich bei Bewegung, Kurzatmigkeit, Schwitzen, kalte Extremitäten, Ödeme im Gesicht und an den Füßen, reichlich klares dünnflüssiges Sputum, Gesichts- und LippenzyanoseMüdigkeit in der Lendenregion, eingeschränkte Vitalität, blasses oder dunkles Erscheinungsbild, Nykturie, PolyurieBlass und vergrößertTief, dünn und schwach oder saitenförmig, lang und wurzellos
Fülle-Dyspnoe
Wind-Kälte greift die Lunge an
Therapieprinzipien Das Äußere befreien, Lungen-Qi zerstreuen und Kälte vertreiben
Rezept: Ma Huang Tang (7.6.3.a). Modifikationen: Bei Schleim-Kälte, die die Lunge blockiert, zusätzlich Pinelliae Rz. praep (Ban Xia), Citri reticulatae Pericarpium (Chen Pi), Perillae Fr. (Zi Su Zi) und Cynanchi stauntonii Rz. (Bai Qian). Wenn sich nach einer Therapie, die das Schwitzen induziert, die Dyspnoe nicht bessert, Wechsel auf die Rezeptur Gui Zhi Jia Hou Po Xing Ren Tang enthält: Cinnamomi Ra. (Gui Zhi), Paeoniae Rx. alba (Bai Shao), Glycyrrhizae Rx. (et Rz.) praep. ([Zhi] Gan Cao), Zingiberis Rz. recens (Sheng Jiang), Jujubae Fr. (Da Zao), Magnoliae officinalis Cx. (Hou Po), Armeniacae Sm. (Xing Ren). Bei äußerer Kälte und gleichzeitiger innerer Flüssigkeitsansammlung mit einer kalten schwarz-lividen Ausstrahlung und klarem, dünnem, schaumigem Sputum Einsatz von Xiao Qing Long Tang (7.6.3.a), um die äußere Kälte zu zerstreuen und das Innere zu wärmen.
Akupunktur: Bl 11 (Dazhu), Gb 20 (Fengchi), SJ 5 (Waiguan) zerstreuen Wind-Kälte und befreien die Oberfläche; Ren 17 (Danzhong), Bl 12 (Feishu), Lu 7 (Lieque) zerstreuen Lungen-Qi und senken es ab, lindern Husten und Dyspnoe.
Wind-Hitze greift die Lunge an
Therapieprinzipien Hitze klären, Oberfläche befreien, Lungen-Qi zerstreuen und absenken, Dyspnoe beenden
Rezept: Ma Xing Shi Gan Tang (7.6.3.b). Modifikationen: Bei starker Lungen-Hitze zusätzlich Scutellariae Rx. (Huang Qin), Anemarrhenae Rz. (Zhi Mu), Houttuyniae Hb. (Yu Xing Cao) oder die Dosierung von Gypsum fibrosum (Shi Gao) erhöhen. Bei starker Wind-Hitze zusätzlich Lonicerae Fl. (Jin Yin Hua) und Forsythiae Fr. (Lian Qiao). Bei Dyspnoe mit viel Sputum zusätzlich Lepidii/Descurainiae Sm. (Ting Li Zi) und Belamcandae Rz. (She Gan). Bei Husten mit gelbem klebrigem Sputum zusätzlich Trichosanthis Fr. (Gua Lou) und Fritillariae thunbergii Bb (Zhe Bei Mu). Bei Obstipation durch innere Fülle-Hitze zusätzlich entweder Liang Ge San (7.6.5.a) oder Xuan Bai Cheng Qi Tang enthält: Gypsum fibrosum (Shi Gao), Rhei Rx. et Rz. (Da Huang), Armeniacae Sm. (Xing Ren), Trichosanthis Pericarpium (Gua Lou Pi). Weitere Indikation für Ma Xing Shi Gan Tang (7.6.3.b): Bei einer Kombination von Hitze im Inneren und Kälte im Äußeren wie z.B. bei Lungen-Hitze und äußerer Wind-Kälte oder wenn sich außen noch das Kälte-Pathogen befindet, während im Inneren die Hitzetransformation weiter voranschreitet und diese in der Lunge akkumuliert. Dies führt dazu, dass das Lungen-Qi gegenläufig fließt mit den Symptomen von Dyspnoe, rauer Atmung und Atemgeräuschen, thorakaler Spannung und Schmerzen sowie mit gelbem, klebrigem und dünnem Sputum. Bei diesen Anzeichen kann Ma Xing Shi Gan Tang mit folgenden Modifikationen eingesetzt werden: Schwitzt der Patient, die Dosis von Gypsum fibrosum (Shi Gao) erhöhen; schwitzt der Patient nicht, die Dosis von Ephedrae Hb. (Ma Huang) erhöhen.
Akupunktur: Du 14 (Dazhui), Bl 11 (Dazhu), Bl 12 (Fengmen), Gb 20 (Fengchi) zerstreuen Wind-Hitze und befreien die Oberfläche; Ex-HN 3 (Yintang), Ren 17 (Danzhong), Lu 7 (Lieque) und Di 4 (Hegu) befreien die Nase, lindern Kopfschmerzen, beenden Husten und Dypnoe.
Ansammlung von trübem Schleim in der Lunge
Therapieprinzipien Schleim umwandeln und den gegenläufigen Qi-Fluss absenken
Rezept: Er Chen Tang (7.6.16.a) in Kombination mit San Zi Yang Qin Tang (7.6.16.c). Modifikationen: Bei vermehrter Schleim-Feuchtigkeit, thorakalem Druckgefühl und Appetitlosigkeit zusätzlich Atractylodis Rz. (Cang Zhu) und Magnoliae officinalis Cx. (Hou Po) (Ping Wei San [7.6.8.a]).
Akupunktur: Ex-B 1 (Dingchuan), Lu 1 (Zhognfu), Ren 17 (Danzhong), Pe 6 (Neiguan), Lu 5 (Chize) senken das Lungen-Qi ab, entspannen den Thorax und beenden Dyspnoe; Ren 12 (Zhongwan), Ma 40 (Fenglong), Mi 9 (Yinlingquan) wandeln Schleim um und leiten Feuchtigkeit aus.
Ernährungstipp: Fettige und süße Nahrungsmittel sowie Milchprodukte meiden.
Anhäufung von Schleim-Hitze in der Lunge
Therapieprinzipien Lungen-Hitze klären, Schleim umwandeln und ausleiten
Rezept: Sang Bai Pi Tang enthält: Mori Cx. (Sang Bai Pi), Scutellariae Rx. (Huang Qin), Coptidis Rz. (Huang Lian), Gardeniae Fr. (Zhi Zi), Fritillariae thunbergii Bb. (Zhe Bei Mu), Armeniacae Sm. (Xing Ren), Perillae Fr. (Zi Su Zi), Pinelliae Rz. praep. (Ban Xia). Modifikationen: Bei Fieber zusätzlich Gypsum fibrosum (Shi Gao) und Anemarrhenae Rz. (Zhi Mu). Bei reichlichem und sehr zähem Sputum zusätzlich Meretricis/Cycliniae Concha (Hai Ge Ke oder Hai Ge Qiao) oder Rezeptur Dai Ge San enthält: Meretricis/Cycliniae Concha (Hai Ge Ke oder Hai Ge Qiao) und Indigo naturalis (Qing Dai). Wenn der Patient unfähig ist, flach zu liegen mit Obstipation zusätzlich Lepidii/Descurainiae Sm. (Ting Li Zi), Rhei Rx. et Rz. (Da Huang) und Natrii Sulfas (Mang Xiao). Bei Sputum mit Fischgeruch zusätzlich Houttuyniae Hb. (Yu Xing Cao) Coicis Sm. (Yi Yi Ren), Benincasae Sm. (Dong Gua Ren) und Phragmitis Rz. (Lu Gen).
Akupunktur: Ex-B 1 (Dingchuan), Ex-HN 3 (Yintang), Ren 17 (Danzhong), Lu 1 (Zhongfu), Lu 5 (Chize) senken Lungen-Qi ab, öffnen den Thorax und beenden Dyspnoe; Ren 12 (Zhongwan), Ma 40 (Fenglong), Mi 9 (Yinlingquan), Mi 6 (Sanyinjiao), Ma 44 (Neiting) wandeln Schleim um, leiten Feuchtigkeit aus und klären Hitze.
Ernährungstipp: Scharfe Gewürze, Gegrilltes und fettige, ölige Nahrungsmittel sowie Milchprodukte und Süßigkeiten meiden.
Leber-Qi-Stauung verletzt die Lunge
Therapieprinzipien Leber-Qi regulieren, das gegenläufige Lungen-Qi absenken, Dyspnoe beenden
Rezept: Wu Mo Yin Zi enthält: Aquilariae Lignum resinatum (Chen Xiang), Aucklandiae Rx. (Mu Xiang), Arecae Sm. (Bing Lang), Linderae Rx. (Wu Yao), Aurantii Fr. (Zhi Ke). Modifikationen: Bei Schlafstörungen mit Palpitationen zusätzlich Lilii Bb. (Bai He), Albiziae Fl. (He Huan Hua), Ziziphi spinosae Sm. (Suan Zao Ren) und Polygalae Rx. (Yuan Zhi). Bei thorakalem Druckgefühl zusätzlich Inulae Fl. (Xuan Fu Hua) und Cyperi Rz. (Xiang Fu). Wenn die Qi-Stagnation zu (Stauungs-)Hitze führt, die die Lungen angreift mit Dyspnoe und Reizbarkeit Jia Wei (Dan Zhi) Xiao Yao San (7.6.6) einsetzen, dabei Atractylodis macrocephalae Rz. (Bai Zhu) aus der Rezeptur entfernen und Curcumae Rx. (Yu Jin) hinzufügen. Bei Qi-Stagnation mit Blut-Stase mit den Symptomen Dyspnoe, Husten und thorakales Druckgefühl sowie stechenden Schmerzen im Thorax, Knoten unter dem Hypochondrium, zyanotischer Farbe von Gesicht, Lippen und Nägeln, wenig Sputum, kein Durst sowie einer dunklen Zunge mit dunkelvioletten Stasepunkten und -flecken und mit einem saitenförmigen und rauen oder saitenförmigen und dünnen Puls Einsatz von Xue Fu Zhu Yu Tang (7.6.12.a)
Akupunktur: Ex-HN 3 (Yintang), Ren 17 (Danzhong), Ex-B 1 (Dingchuan) senken Lungen-Qi ab und benden Dyspnoe; Le 3 (Taichong), Pe 6 (Neiguan), Le 14 (Qimen) und Gb 22 (Yuanye) oder Gb 23 (Zhejin) bewegen das Leber-Qi und lindern Druckgefühl in Thorax und Hypochondrium.
Leere- bzw. Mangel-Dyspnoe
Qi-Mangel (Lungen- und Milz-Qi-Mangel)
Therapieprinzipien Milz stärken und Lunge unterstützen
Rezept: Yu Ping Feng San (7.6.13) in Kombination mit Liu Jun Zi Tang (7.6.10.a).
Modifikationen: Bei Lungen-Qi-Mangel mit Kälte (dünnflüssiges Sputum und Kälteaversion) zusätzlich Zingiberis Rz. (Gan Jiang). Bei weichen, breiigen Stühlen zusätzlich Shen Ling Bai Zhu San (7.6.10.a). Bei sinkendem Mitte-Qi mit Symptomen wie Stuhlentleerung unmittelbar nach dem Essen, weichen, breiigen Stühlen, nach unten drängenden Empfindungen in Kombination mit Bu Zhong Yi Qi Tang (7.6.10.a) einsetzen.
Akupunktur: Ex-B 1 (Dingchuan), Ren 17 (Danzhong), Lu 1 (Zhongfu) senken das Lungen-Qi ab, erweitern den Thorax und beenden Dyspnoe; Bl 13 (Feishu), Bl 20 (Pishu), Ren 6 (Qihai), Lu 9 (Taiyuan), Mi 3 (Taibai), Mi 9 (Yinlingquan) stärken das Lungen- und Milz-Qi.
Yin-Mangel (Lungen- und Nieren-Yin-Mangel) (11.11.14)
Therapieprinzipien Niere und Lunge nähren
Rezept: Sheng Mai San (7.6.10.a) in Kombination mit Liu Wei Di Huang Wan (7.6.10.d). Modifikationen: Zeigt sich mehr ein Lungen-Yin-Mangel mit Mund- und Halstrockenheit, Gesichtsrötung und Unruhe, zusätzlich Lilii Bb. (Bai He), Glehniae Rx. (Bei Sha Shen), Adenophorae Rx. (Nan Sha Shen), Polygonati odorati Rz. (Yu Zhu). Zeigt sich mehr ein Nieren-Yin-Mangel mit Hitzesensationen in Handflächen und Fußsohlen, Hitzewallungen und Nachtschweiß, zusätzlich Fossilia Ossis Mastodi, nicht kalziniert ([Sheng] Long Gu), Ostreae Concha, nicht kalziniert ([Sheng] Mu Li).
Akupunktur: Ex-B 1 (Dingchuan), Ren 17 (Danzhong), Ni 27 (Shufu) senken das Lungen-Qi ab und beenden Dyspnoe; Bl 13 (Feishu), Bl 23 (Shenshu), Ren 4 (Guanyuan), Lu 7 (Lieque), Ni 6 (Zhaohai) und Mi 6 (Sanyinjiao) nähren Nieren- und Lungen-Qi.
Yang-Mangel (Lungen- und Nieren-Yang-Mangel) (11.11.13)
Therapieprinzipien Yang erwärmen und Niere stärken, um das Qi zu emp-fangen
Rezept:
  • Jin Gui Shen Qi Wan (7.6.10.e) legt den Fokus mehr auf die Erwärmung des Yang und die Stärkung der Nieren. Wenn sich durch den Yang-Mangel Flüssigkeiten ansammeln, die Lunge und Herz attackieren mit den Symptomen Dyspnoe, Palpitationen, Ödemen mit wenig Urin, mit einer blassen und geschwollenen Zunge sowie mit tiefem und dünnem Puls, dann Zhen Wu Tang (7.6.8.d) einsetzen und zusätzlich Cinnamomi Ra. (Gui Zhi), Astragali Rx. (Huang Qi), Stephaniae tetandrae Rx. (Han Fang Ji), Lepidii/Descurainiae Sm. (Ting Li Zi) dazugeben, um die Nieren zu wärmen, Qi zu stärken und Feuchtigkeit zu beseitigen

  • Bei Fülle oben, Leere unten (4.2.1) mit einer Schleim-Blockade in den Lungen oben und einem Nieren-Qi- und -Yang-Mangel unten mit den Symptomen Dyspnoe und Husten mit reichlichem Sputum, thorakalem Druckgefühl, Verschlimmerung durch Bewegung, Müdigkeit in der Lendenregion, kalten Extremitäten, Spontanschweiß, Palpitationen, Polyurie sowie einem klebrigen Zungenbelag und einem tiefen und dünnen Puls oder einem sanften, schlüpfrigen und schwachen Puls Einsatz von Su Zi Jiang Qi Tang (7.6.11.b.)

Akupunktur: Ex-B 1 (Dingchuan), Ren 17 (Danzhong), Ni 27 (Shufu), Lu 1 (Zhongfu) senken das Lungen-Qi ab, öffnen den Thorax und beenden Dyspnoe; Bl 20 (Pishu), Bl 23 (Shenshu), Ren 4 (Guanyuan), Ren 6 (Qihai), Ni 3 (Taixi), Ma 36 (Zusanli), Ren 8 M (Shenque) und Du 4 (Mingmen) erwärmen Milz- und Nieren-Yang.

Dyspnoe-Krisen

In Fällen von schwergradiger Dyspnoe mit geöffnetem Mund und hochgezogenen Schultern, Rasselgeräuschen, Tachypnoe, sitzender Position und Unfähigkeit, flach zu liegen, mit Palpitationen, Unruhe, Zyanose, reichlichem Schwitzen, kalten Extremitäten und oberflächlichem, langem, wurzellosem Puls oder verknotetem, schwachem Puls als Zeichen einer progredienten Dyspnoe infolge der Auszehrung des Herz-Yang, Nieren-Yang und Lungen-Qi Einsatz der Rezeptur Shen Fu Tang (enthält: Ginseng Rx. [Ren Shen] und Aconiti Rx. lateralis praep. [(Zhi) Fu Zi]) in Kombination mit Gecko-Pulver (Ge Jie). Diese Kombination bewahrt das Yang vor einem Kollaps, senkt das Nieren-Qi ab und stärkt es. Bei trockener Hitze, wobei Gesichtsrötung und schmieriges Schwitzen die Auszehrung von Qi und Yin anzeigen, muss Aconiti Rx. lateralis praep. ([Zhi] Fu Zi) aus der Rezeptur entfernt werden; zusätzlich müssen folgende Arzneien hinzugefügt werden, um das Qi zu stärken und das Yin zu nähren: Panacis quinquefolii Rx. (Xi Yang Shen), Ophiopogonis Rx. (Mai Men Dong), Schisandrae Fr. (Wu Wei Zi). Bei vermehrtem Schwitzen sollte Ostreae Concha (Mu Li) hinzugefügt werden, um das Schwitzen zu beenden und die Oberfläche zu stabilisieren.

Magen-Darm-Trakt

TIAN Delu, TIAN Li

Leitsymptom: Magenschmerzen (Wei Tong)

Magenschmerzen (Wei Tong) bezeichnen in der CM Schmerzen im Epigastrium mit einer Beeinträchtigung von Milz und Magen, die durch eine Disharmonie von Qi und Blut verursacht werden. Hauptsymptome bei Magenschmerzen sind verschiedene Arten von epigastrischen Schmerzen, die oft begleitet sind von Völle- und Spannungsgefühl, Aufstoßen, Säurereflux und Regurgitation von Nahrung, Appetitverlust, Spannungsgefühl unter den Rippenbögen sowie Meteorismus.
Mögliche westliche Diagnosen: Magenschmerzen bei verschiedenen Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts wie z.B. Ulcus ventriculi und duodeni, Gastroneurose, Magenkarzinom, Leber-, Gallenblasen- und Pankreaserkrankungen.
Pathomechanismus: Die Hauptursache für Magenschmerzen ist eine Blockade des Qi- und Blutflusses durch von außen eingedrungene pathogene Faktoren, Diätfehler, emotionale Faktoren wie z.B. Stress sowie durch eine (unterliegende) Milz- und Magen-Schwäche. Akute Magenschmerzen sind immer Fülle-Syndrome. Die maßgebliche Pathophysiologie der Störung spielt sich i.d.R. im FK Magen ab, gelegentlich auch im FK Leber. Chronische Magenschmerzen gehören zum Leere- bzw. Mangel-Syndrom mit Lokalisation in der Milz. Allerdings werden Mangel-Syndrome manchmal durch zusätzliche Fülle-Syndrome verkompliziert.

Syndrom-Differenzierung bei Leitsymptom Magenschmerzen (Wei Tong)

Tab. 13.12
SyndromHauptsymptomeBegleitsymptomeZungePuls
Magen-Qi-Stagnation durch Eindringen äußerer pathogener Kälte (11.6.7, 13.3.1.a)Akuter Beginn, kolikartige Schmerzen, Schmerzreduktion nach Wärmeauflage oder heißem GetränkKälteaversion, Verschlechterung bei Kälte, kein Durst, Vorliebe für heiße GetränkeNormal.
Belag: dünn, weiß
Oberflächlich und gespannt oder gespannt
Magen-Qi-Stagnation durch Nahrungsstagnation (11.6.5, 13.3.1.b)Druckgefühl und Schmerzen in Magen und Epigastrium, Erleichterung nach Aufstoßen und Abgang von WindenAufstoßen mit übel riechendem Geruch, leichte Besserung bei leerem Magen, Verschlechterung nach dem Essen, Erbrechen unverdauter Nahrungsreste mit Besserung nach dem Erbrechen, erschwerte DefäkationBelag: weiß, dick oder schmierigSchlüpfrig
Leber- und Magen-Qi-Stagnation bzw. Leber attackiert den Magen (11.11.19, 13.3.1.c)Völle und Schmerzen in Magen und Hypochondrium, emotionale Faktoren wie Wut, Ärger, Frustration sind oft Auslöser der BeschwerdenHäufiges Seufzen und AppetitverlustBelag: dünn, weißSaitenförmig und schlüpfrig
Akkumulation von Hitze in Leber und Magen (13.3.1.d)Akute und plötzlich einsetzende Magenschmerzen mit brennenden EmpfindungenSäurereflux (Hitze-Typ), Mundtrockenheit, bitterer Mundgeschmack, Durst und Vorliebe für kalte Getränke, UnruheRot.
Belag: gelb
Gespannt, schlüpfrig und schnell
Blockade von Blut-Stase (13.3.1.e)Stechende oder schneidende Magenschmerzen mit fixer Lokalisation und Verschlimmerung durch DruckpalpationLang andauernde und rezid. Magenschmerzen, dunkle Gesichtsfarbe ohne Glanz; bei Frauen: verspätete Menstruation mit dunklem BlutLivide mit dunklen Punkten oder FleckenGespannt oder rau
Magen-Yin-Mangel (13.3.1.f)Leichter oder brennender Schmerz im MagenHungergefühl, mag aber nicht essen, Mundtrockenheit, mag aber nicht trinken, Lippen- und Halstrockenheit, trockene StühleDünner Zungenkörper, rot.
Belag: wenig oder fehlend
Dünn und schnell
Milz- und Magen-Mangel-Kälte (13.3.1.g)Magenschmerzen, die sich durch Kälte und Hunger verstärken, Schmerzlinderung durch warme Auflagen oder nach Nahrungszufuhr, Wärme und Druck bessernGlanzloses Gesicht, Müdigkeit, kalte Extremitäten, Appetitmangel, weiche Stühle, viel klares, dünnflüssiges SputumBlass und vergrößert mit Zahneindrücken.
Belag: dünn und weiß
Tief, dünn, schwach
Magen-Qi-Stagnation durch Eindringen äußerer pathogener Kälte (11.6.7)
Therapieprinzipien Mittleren Jiao erwärmen und Kälte zerstreuen, Magen harmonisieren und Schmerzen reduzieren
Rezept: Liang Fu Wan enthält: Alpiniae officinarum Rz. (Gao Liang Jiang), Cyperi Rz. (Xiang Fu) und zusätzlich Cinnamomi Ra. (Gui Zhi), Zingiberis Rz. recens (Sheng Jiang), Zanthoxyli Pericarpium (Hua Jiao). Modifikationen: Bei Infekt durch äußere Wind-Kälte zusätzlich Perillae Fo. (Zi Su Ye), Sojae Sm. praep. (Dan Dou Chi), Allii sativii Bb. (Cong Bai). Wenn im Sommer Magenschmerzen durch kaltes Klima oder kalte Nahrungsmittel auftreten, zusätzlich Moslae Hb. (Xiang Ru), Pogostemonis oder Agastache Hb. (Huo Xiang), Eupatorii Hb. (Pei Lan).
Akupunktur: Di 4 (Hegu): Meisterpunkt bei Magen- und Bauchbeschwerden; Ma 36 (Zusanli): Unterer-Meer-He-Punkt des Magens bei allen Magenbeschwerden; Ren 12 (Zhongwan): Alarm-Mu-Punkt des Magens; Ma 34 (Liangqiu): Spalten-Xi-Punkt des Magens, bewegt Qi und Blut, gut mit Moxa; die Kombination aller genannten Punkte zerstreut Kälte, erwärmt mit Moxa den mittleren Jiao, harmonisiert den Magen und beseitigt Schmerzen.
Ernährungstipp: Ingwertee mit braunem, kandiertem Zucker, der heiß getrunken werden sollte.
Magen-Qi-Stagnation durch Nahrungsstagnation (11.6.5)
Therapieprinzipien Verdauung unterstützen, Magen harmonisieren und Schmerz lindern
Rezept: Bao He Wan (7.6.17) in Kombination mit Xiang Su San. Xiang Su San enthält: Perillae Fo. (Zi Su Ye), Cyperi Rz. (Xiang Fu), Citri reticulatae Pericarpium (Chen Pi), Glycyrrhizae Rx. (et Rz.) praep. ([Zhi] Gan Cao). Modifikationen: Bei starken Schmerzen zusätzlich Aurantii Fr. immaturus (Zhi Shi), Magnoliae officinalis Cx. (Hou Po), Raphani Sm. (Lai Fu Zi), Arecae Pericarpium (Da Fu Pi), Arecae Sm. (Bing Lang). Bei Nahrungsstagnation, die zu (Stauungs-)Hitze führt, zusätzlich mit Xiao Cheng Qi Tang (7.6.5.a) oder Zhi Shi Dao Zhi Wan kombinieren. Zhi Si Dao Zhi Wan enthält: Aurantii Fr. immaturus (Zhi Shi), Rhei Rx. et Rz. (Da Huang), Massa medicata fermentata (Shen Qu), Poria (Fu Ling), Scutellariae Rx. (Huang Qin), Coptidis Rz. (Huang Lian), Atractylodis macrocephalae Rz. (Bai Zhu), Alimatis Rz. (Ze Xie).
Akupunktur: Di 4 (Hegu), Pe 6 (Neiguan), Ma 44 (Neiting) regulieren das Qi, harmonisieren den Magen und lindern Magenschmerzen; Ren 13 (Shangwan), Ren 12 (Zhongwan), Ren 10 (Xiawan) unterstützen die Verdauung und harmonisieren den Magen.
Ernährungstipp: Regelmäßig einen verdauungsfördernden Tee (Xiao Shi Cha) (z.B. von Prof. Tian [www.lian.ch]) trinken, besonders nach den Mahlzeiten.
Leber- und Magen-Qi-Stagnation bzw. Leber attackiert den Magen
Therapieprinzipien Leber besänftigen, Magen harmonisieren, Qi regulieren und Schmerz beseitigen
Rezept: Chai Hu Shu Gan San (7.6.6). Modifikationen: Bei starken Schmerzen zusätzlich Corydalis Rz. (Yan Hu Suo), Toosendan Fr. (Chuan Lian Zi). Bei Qi-Stagnation, die zu (Stagnations)-Hitze geführt hat, zusätzlich Anemarrhenae Rz. (Zhi Mu), Moutan Cx. (Mu Dan Pi), Taraxaci Hb. (Pu Gong Ying).
Akupunktur: Bl 18 (Ganshu), Bl 21 (Weishu): Als Rücken-Shu-Punkte von Leber und Magen bewegen sie das Leber-Qi und harmonisieren den Magen; Di 4 (Hegu), Le 3 (Taichong), Le 14 (Qimen), Ren 12 (Zhongwan), Gb 34 (Yanglingquan), Ma 36 (Zusanli) harmonisieren Magen und Leber, lindern Schmerzen.
Akkumulation von Hitze in Leber und Magen
Therapieprinzipien Leber- und Magen-Hitze ausleiten, Magen harmonisieren und Schmerz beenden
Rezept: Bei Leber-Hitze greift den Magen an Hua Gan Jian enthält: Citri reticulatae viride Pericarpium (Qing Pi), Citri reticulatae Pericarpium (Chen Pi), Paeoniae Rx. alba (Bai Shao), Moutan Cx. (Mu Dan Pi), Gardeniae Fr. (Zhi Zi), Alismatis Rz. (Ze Xie), Fritillariae cirrhosae Bb. (Chuan Bei Mu). Bei Magen-Hitze Schädigung der Körperflüssigkeiten und Yin: Bai Hu Tang (7.6.4.a). Bei Stagnations-Hitze in Magen und Dickdarm mit Obstipation: Xie Xin Tang (7.6.4.c). Modifikationen (für alle genannten Rezepte): Bei Säurereflux (Hitze-Typ) zusätzlich Coptidis Rz. (Huang Lian), Evodiae Fr. (Wu Zhu Yu), Sepiae Endoconcha (Hai Piao Xiao/Wu Zei Gu), Fritillariae cirrhosae Bb. (Chuan Bei Mu). Bei Magenulkus durch toxische Hitze zusätzlich Taraxaci Hb. (Pu Gong Ying), Forsythiae Fr. (Lian Qiao), Lonicerae Fl. (Jin Yin Hua), Polygoni cuspidati Rz. (Hu Zhang), Coicis Sm. (Yi Yi Ren).
Akupunktur: Di 4 (Hegu), Le 2 (Xingjian), Ma 44 (Neiting), Ren 17 (Danzhong), Le 14 (Qimen), Ren 12 (Zhongwan) klären Leber-Hitze, harmonisieren den Magen und lindern Schmerzen.
Ernährungstipp: Alkohol vermeiden (verursacht eher Feuchte-Hitze), Tabakkonsum vermeiden (verursacht eher Trockenheits-Hitze).
Blockade von Blut-Stase
Therapieprinzipien Qi und Blut regulieren, Blut-Stase beheben und Schmerz beenden
Rezept: Shi Xiao San enthält: Typhae Pollen (Pu Huang), Trogopterori Faeces (Wu Ling Zhi) und zusätzlich die Rezeptur Dan Shen Yin enthält: Salviae miltiorrhizae Rx. (Dan Shen) und Amomi Fr. (Sha Ren). Modifikationen: Bei Blut-Stase v.a. durch Leber-Qi-Stagnation zusätzlich Cyperi Rz. (Xiang Fu), Curcumae Rx. (Yu Jin). Bei Blut-Stase kombiniert mit Blut-Mangel zusätzlich die Rezeptur Si Wu Tang (7.6.10.b) einsetzen. Bei Blut-Stase kombiniert mit Milz-Qi-Mangel zusätzlich Astragali Rx. praep. ([Zhi] Huang Qi) und Codonopsis Rx. (Dang Shen).
Akupunktur: Bl 17 (Geshu), Bl 18 (Geshu), Mi 21 (Dabao), Di 11 (Quchi), Mi 10 (Xuehai), Di 4 (Hegu) und Le 3 (Taichong) bewegen Qi und Blut, lindern Schmerzen.
Magen-Yin-Mangel
Therapieprinzipien Magen-Yin nähren und Schmerzen lindern
Rezept: Yang Wei Tang enthält: Glehniae Rx. (Bei Sha Shen), Ophiopogonis Rx. (Mai Men Dong), Polygonati odorati Rz. (Yu Zhu), Lablab Sm. album (Bian Dou), Mori Fo. (Sang Ye), Glycyrrhizae Rx. (et Rz.) (Gan Cao) und zusätzlich Shao Yao Gan Cao Tang enthält: Paeoniae Rx. alba (Bai Shao), Glycyrrhizae Rz. (et Rz.) praep. ([Zhi] Gan Cao). Modifikationen: Bei gleichzeitiger Leber-Qi-Stagnation zusätzlich Citri sarcodactylis Fr. (Fo Shou), Citri Fr. (Xiang Yuan), Rosae rugosae Fl. (Mei Gui Hua). Bei starken Schmerzen zusätzlich Jin Ling Zi San enthält: Toosendan Fr. (Chuan Lian Zi), Corydalis Rz. (Yan Hu Suo). Bei starkem Verlust bzw. Mangel an Körperflüssigkeiten zusätzlich Phragmitis Rz. (Lu Gen), Trichosanthis Rx. (Tian Hua Fen), Mume Fr. (Wu Mei). Bei starker Obstipation mit trockenen Stühlen zusätzlich Cannabis Sm. (Huo Ma Ren), Trichosanthis Sm. (Gua Lou Ren). Bei gleichzeitigem Leber-Yin-Mangel, der sich auch in Schmerzen im Hypochondrium zeigt, zusätzlich die Rezeptur Yi Guan Jian (7.6.10.d) einsetzen.
Akupunktur: Akupunktur ist in diesem Fall weniger wirksam als die Arzneitherapie. Häufig verwendete Punkte sind: Ma 36 (Zusanli), Bl 20 (Pishu) und Bl 21 (Weishu) nähren Milz- und Magen-Yin und lindern Schmerzen.
Ernährungstipp: Nahrungsmittel in Saft- oder Suppenform bevorzugen, da auf diese Weise zubereitete Speisen vom Magen einfach und schnell aufgenommen und von der Milz leichter verdaut werden können. Zudem nähren Nahrungsmittel in flüssiger Form generell eher das Yin.
Milz- und Magen-Mangel-Kälte
Therapieprinzipien Mittleren Jiao erwärmen und Milz stärken
Rezept: Huang Qi Jian Zhong Tang (7.6.9). Modifikationen: Bei Säuereflux (Kälte-Typ) zusätzlich Evodiae Fr. (Wu Zhu Yu), Sepiae Endoconcha (Hai Piao Xiao/Wu Zei Gu). Bei überwiegendem Yang-Mangel zusätzlich Aconiti Rx. lateralis praep. ([Zhi] Fu Zi), Cinnamomi Cx. (Rou Gui). Bei gleichzeitigem Blut-Mangel zusätzlich Angelicae sinensis Rx. (Dang Gui) hinzufügen, die Rezeptur heißt dann Gui Qi Jian Zhong Tang. Bei überwiegendem Milz- und Magen-Qi-Mangel statt Huang Qi Jian Zhong Tang Einsatz der Rezeptur Xiang Sha Liu Jun Zi Tang (7.6.10.a); bei Magenprolaps stattdessen Einsatz der Rezeptur Bu Zhong Yi Qi Tang (7.6.10.a).
Akupunktur: Ma 36 M (Zusanli), Ren 6 M (Qihai), Ren 8 M (Shenque) erwärmen Milz und Magen und lindern Magenschmerzen; bei Magenprolaps Du 20 M (Baihui) hebt das Milz-Qi.
Ernährungstipp: Warme und gekochte Nahrungsmittel bevorzugen, kalte und rohe Speisen meiden.

Leitsymptom: Erbrechen (Ou Tu)

Erbrechen (Ou Tu) bedeutet nach CM, dass der Magen seine Funktion, das Qi nach unten abzusenken, nicht mehr erfüllt. Durch das gegenläufige bzw. rebellierende Magen-Qi kommt es zu Erbrechen von Nahrung und Flüssigkeiten. Ou bedeutet Erbrechen von Nahrung mit Würgen; Tu ist ein Erbrechen von Nahrung ohne Würgen. Unter Brechreiz (Gan Ou) oder trockenem Erbrechen wird Würgen ohne Erbrechen von Nahrung verstanden. Des Weiteren wird in der CM noch Übelkeit (E Xin) differenziert. Obwohl sich die drei Symptome Übelkeit (E Xin), Brechreiz (Gan Ou) und Erbrechen (Ou Tu) jeweils unterschiedlich äußern, liegt ihnen derselbe Pathomechanismus zugrunde, weshalb sie nachfolgend gemeinsam abgehandelt werden. Erbrechen (Ou Tu) ist gelegentlich auch eine physiologische Reaktion des Magens auf verdorbene Nahrung oder ungenießbare Substanzen.
Mögliche Westliche Diagnosen: Erbrechen als wichtiges Symptom kann bei einer Vielzahl von Erkrankungen auftreten, z.B. bei verschiedenen Störungen des Gastrointestinaltrakts wie akute und chronische Gastritis, Pylorusspasmus oder unvollständiger Pylorusverschluss, Cholezystitis, akute und chronische Pankreatitis, aber auch bei Nierenerkrankungen.
Pathomechanismus: Nach CM gilt Erbrechen als eine Erkrankung des Magens, wobei dem gegenläufigen Magen-Qi pathogenetisch die größte Bedeutung zukommt. Gegenläufiges Magen-Qi und damit Erbrechen kann durch eine Vielzahl von Ursachen hervorgerufen werden wie z.B. durch Invasion äußerer pathogener Faktoren (2.6.1, 2.6.2), durch die sieben Emotionen (2.6.3), Fehlernährung, Übermüdung und Überanstrengung, chronische Erkrankungen oder es kann alters- und schwächebedingt auftreten. Am häufigsten zeigt sich ein Fülle-Syndrom (Shi Zheng). Chronische Erkrankungen gehören eher zum Mangel-Syndrom (Xu Zheng), die jedoch auch oft eine Kombination von Fülle- und Mangel-, Kälte- und Hitze-Zuständen beinhalten (Tab. 13.13).

Syndrom-Differenzierung bei Leitsymptom Erbrechen (Ou Tu)

Tab. 13.14
SyndromHauptsymptomeBegleitsymptomeZungePuls
Fülle-Syndrome (Shi Zheng) (13.3.2.a)
Äußere pathogene Faktoren dringen in den Magen ein (S. 1132)Plötzliches und starkes Erbrechen (nach Eindringen äußerer pathogener Faktoren)
  • Angriff durch pathogenen Wind und Kälte mit Kälteabneigung: leichtes Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen

  • Angriff durch pathogenen Wind und Hitze (Wen Bing 12.2): hohes Fieber, Windaversion, Halsschmerzen, Mundtrockenheit

  • Angriff durch Sommer-Feuchtigkeit: Völlegefühl, Schwäche der Gliedmaßen, thorakales und epigastrales Völlegefühl, Appetitverlust, klebriger und pappiger Mundgeschmack, weicher Stuhl, niedriggradiges Fieber

Belag: dünn und weiß oder dünn und gelb oder weiß und klebrig-schmierigSchlüpfrig, schnell, schwach
Nahrungsstagnation im Magen (11.6.5) (S. 1133)Erbrechen von übel riechender und unverdauter Nahrung mit Verschlechterung durch Nahrungszufuhr und Verbesserung nach dem ErbrechenEpigastrales und abdominales Völlegefühl, Aufstoßen, Appetitverlust, Magenschmerzen, Druck verschlimmert, weiche Stühle oder ObstipationBelag: weiß und dick oder schmierigSchlüpfrig
Retention von Schleim und Flüssigkeit (S. 1133)Übelkeit, Erbrechen von Schleim und klarem Speichel, Husten mit Auswurf von Schleim und klarem SpeichelDicker oder dünner Körper, Vorlieben für fette und süße Speisen, Unwohlsein im Magen nach den Mahlzeiten, plätscherndes Geräusch im Magen bei Bewegung, Schwindel und PalpitationenBelag: weiß und klebrig oder feucht oder leicht gelblichDünn und schlüpfrig
Leber-Qi-Stauung attackiert den Magen(11.11.19)(S. 1134)Erbrechen mit saurem und bitterem Beigeschmack und häufigem Aufstoßen, Verbesserung nach AufstoßenVöllegefühl und Schmerz in Thorax und Hypochondrium, Unruhe, Völlegefühl im Magen, Appetitlosigkeit, Verschlimmerung durch emotionalen StressRote Zungenränder.
Belag: dünn und klebrig
Saitenförmig und schlüpfrig
Mangel bzw. Leere-Syndrome (Xu Zheng) (13.3.2.b)
Milz-Yang-Mangel (11.5.2) (S. 1134)Fortgesetztes oder rezid. Erbrechen, Übelkeit oder Erbrechen nach Übermüdung oder Fehlernährung, Erbrechen klarer FlüssigkeitMatt-blasse Gesichtsfarbe, Müdigkeit, Erschöpfung, weiche Stühle, kalte Extremitäten, Vorliebe für Wärme und Abneigung gegen KälteBelag: blass, weiß und dünnDünn und schwach
Magen-Yin-Mangel (11.6.3) (S. 1135)Wiederholtes Erbrechen oder häufiges Würgen und RegurgitationUnwohlsein im Magen, Hungergefühl, mag jedoch nicht essen, Mund- und Halstrockenheit ohne TrinkverlangenRot und trocken.
Belag: Landkartenbelag oder fehlend
Dünn und etwas schnell
Fülle-Syndrome
Äußere pathogene Faktoren dringen in den Magen ein
Therapieprinzipien Das Äußere befreien, Pathogene vertreiben, Feuchtigkeit transformieren und den Magen harmonisieren
Rezept:
  • Xiang Su San enthält: Perillae Fo. (Zi Su Ye), Cyperi Rz. (Xiang Fu), Citri reticulatae Pericarpium (Chen Pi), Glycyrrhizae Rx. (et Rz.) praep. ([Zhi] Gan Cao). Modifikationen: Bei Erbrechen, das durch Wind-Kälte verursacht wurde, zusätzlich Sojae Sm. praep. (Dan Dou Chi), Zingiberis Rz. recens (Sheng Jiang), Saposhnikoviae Rx. (Fang Feng). Durch Wind-Hitze verursacht, zusätzlich Schizonepetae Hb. (Jing Jie), Menthae haplocalycis Hb. (Bo He) und Phragmitis Rz. (Lu Gen). Durch Sommer-Feuchtigkeit verursacht, zusätzlich Agastaches Hb. (Huo Xiang), Eupatorii Hb. (Pei Lan), Nelumbinis Fo. (He Ye), Äußerste Schicht der Wassermelone (von Citrulli Fr.) (Xi Gua Cui Yi) und die Rezeptur Liu Yi San (enthält Indigo naturalis [Qing Dai] und Gypsum fibrosum [Shi Gao]). Bei Erbrechen durch Husten oder Dyspnoe als Zeichen von gegenläufigem Lungen- und Magen-Qi zusätzlich das Lungen- und Magen-Qi absenkende Arzneien wie z.B. Eriobotryae Fo. (Pi Pa Ye). Bei gleichzeitiger Nahrungsstagnation mit übel riechendem Erbrechen zusätzlich Setariae (Oryzae) Fr. germinatus (Gu Ya) und Crataegi Fr. (Shan Zha)

  • Wenn das Pathogen die Shaoyang-Schicht erreicht mit Symptomen von Reizbarkeit Xiang Su San kombinieren mit Rezepten wie Xiao Chai Hu Tang (7.6.6) und Chai Qin Wen Dan Tang enthält Wen Dan Tang (7.6.16) und zusätzlich Bupleuri Rx. (Chai Hu) und Scutellariae Rx. (Huang Qin)

  • Wenn das Pathogen die Yangming-Schicht erreicht mit Symptomen wie starker Durst und Verlangen nach kalten Getränken, Mundtrockenheit, Erbrechen sofort nach dem Essen, Reizbarkeit, Obstipation, wenig dunkelfarbiger und konzentrierter Urin, rote Zunge mit gelbem und trockenem Belag: Xiang Su San kombinieren mit Xie Xin Tang (7.6.4.c).

Akupunktur: Pe 6 (Neiguan): Öffnungspunkt des Yin Wei Mai, beruhigt den Magen; Di 4 (Hegu): Meisterpunkt des Abdomens; Ren 17 (Danzhong): Flach s.c. in Richtung Magen nadeln, entspannt den Thorax; Ren 12 (Zhongwan), Bl 21 (Weishu): Alarm-Mu-Punkt und Rücken-Shu-Punkt des Magens; alle Punkte in Kombination senken das Magen-Qi ab, harmonisieren den Magen und beenden Erbrechen.
Ernährungstipp: Kleine Schlucke von verdünntem frischem Ingwersaft oder Ingwertee über den Tag verteilt trinken.
Nahrungsstagnation im Magen (11.6.5)
Therapieprinzipien Verdauung unterstützen, Nahrungsstagnation lösen, Magen harmonisieren und Erbrechen beenden
Rezept: Bao He Wan (7.6.17). Modifikationen: Bei Nahrungsstagnation v.a. durch Fleisch die Dosis von Crataegi Fr. (Shan Zha) erhöhen. Bei Nahrungsstagnation v.a. durch Reis die Dosis von Setariae (Oryzae) Fr. germinatus (Gu Ya) erhöhen. Bei Nahrungsstagnation v.a. durch Mehl (Stärke) die Dosis von Hordei Fr. germinatus (Mai Ya) und Raphani Sm. (Lai Fu Zi) erhöhen. Bei Nahrungsstagnation v.a. durch Alkohol die Dosis von Massa medicata fermentata (Shen Qu) erhöhen. Bei gelbem Zungenbelag als Zeichen von (Stauungs-)Hitze durch Nahrungsstagnation zusätzlich Scutellariae Rx. (Huang Qin), Coptidis Rz. (Huang Lian) und Gardeniae Fr. (Zhi Zi). Bei Obstipation oder weichen Stühlen mit erschwerter Defäkation zusätzlich Arecae Sm. (Bing Lang) und Rhei Rx. et Rz. (Da Huang).
Akupunktur: Ren 17 (Danzhong): In Richtung Magen flach s.c. nadeln, entspannt den Thorax; Pe 6 (Neiguan), Ma 44 (Neiting) senken das Magen-Qi ab und harmonisieren den Magen, beenden Erbrechen; Ma 25 (Tianshu), Ren 11 (Shangwan), Ren 12 (Zhongwan), Ren 10 (Xiawan), Ma 37 (Shangjuxu) lösen Nahrungsstagnation; bei Kindern: EX-UE 10 (Sifeng).
Retention von Schleim und Flüssigkeit
Therapieprinzipien Schleim- und Flüssigkeitsretention erwärmen und transformieren, den Magen harmonisieren und das Magen-Qi absenken
Rezept: Xiao Ban Xia Tang enthält: Pinelliae Rz. praep. (Ban Xia) und Zingiberis Rz. recens (Sheng Jiang), in Kombination mit Ling Gui Zhu Gan Tang enthält: Poria (Fu Ling), Cinnamomi Ra. (Gui Zhi), Atractylodis macrocephalae Rz. (Bai Zhu) und Glycyrrhizae Rx. (et Rz.) (Gan Cao). Modifikationen: Bei thorakalem und epigastralem Druckgefühl mit profusem Sputum zusätzlich Citri reticulatae Pericarpium (Chen Pi), Aurantii Fr. (Zhi Qiao). Bei Husten und Dyspnoe mit Erbrechen zusätzlich Perillae Fr. (Zi Su Zi), Raphani Sm. (Lai Fu Zi), Inulae Fl. (Xuan Fu Hua) und Eriobotryae Fo. (Pi Pa Ye).
Akupunktur: Du 20 (Baihui), Ex-HN 3 (Yintang), Ren 17 (Danzhong), Ren 12 (Zhongwan) senken das Magen-Qi ab, harmonisieren den Magen und beenden Erbrechen; Ma 40 (Fenglong), Mi 9 (Yinlingquan) wandeln Schleim um, leiten Feuchtigkeit aus.
Ernährungstipp: Fettige und ölige Nahrungsmittel sowie Zucker und Milchprodukte meiden.
Leber-Qi-Stauung attackiert den Magen (11.11.19)
Therapieprinzipien Leber-Qi regulieren, Magen harmonisieren und gegenläufiges Qi absenken
Rezept: Si Qi Tang enthält: Perillae Fo. (Zi Su Ye), Magnoliae officinalis Cx. (Hou Po), Pinelliae Rz. in Ingwer geröstet. ([Jian Zhi] Ban Xia), Poria (Fu Ling), Zingiberis Rz. recens (Sheng Jiang), in Kombination mit der Rezeptur Zuo Jin Wan enthält: Coptidis Rz. (Huang Lian) und Evodiae Fr. (Wu Zhu Yu). Modifikationen: Bei stärkeren Hitze-Zeichen (z.B. rote Zunge und gelber Belag) zusätzlich Scutellariae Rx. (Huang Qin), Bambusae Caulis in taeniam (Zhu Ru) und Gardeniae Fr. (Zhi Zi). Bei Obstipation zusätzlich Rhei Rx. et Rz. (Da Huang) und Aurantii Fr. immaturus (Zhi Shi). Bei Blut-Stase durch Qi-Stagnation zusätzlich Paeoniae Rx. rubra (Chi Shao) und Typhae Pollen (Pu Huang).
Akupunktur: Du 20 (Baihui), Ex-HN 3 (Yintang), Ren 17 (Danzhong), Pe 6 (Neiguan) senken das Magen-Qi ab, harmonisieren den Magen und beenden Erbrechen; Le 3 (Taichong), Le 14 (Qimen) und Gb 34 (Yanglingquan) befreien das Leber-Qi.
Ernährungstipp: Fettige und ölige Nahrungsmittel meiden, verstärkt Nahrungsmittel mit bitterem Geschmack wie z.B. Rucola und Chicore einsetzen.
Mangel- bzw. Leere-Syndrome (Xu Zheng)
Milz-Yang-Mangel (11.5.2)
Therapieprinzipien Den mittleren Jiao erwärmen, die Milz stärken, den Magen harmonisieren und gegenläufiges Qi absenken
Rezept: Li Zhong Wan (7.6.9) und zusätzlich Amomi Fr. (Sha Ren) und Pinelliae Rz. in Ingwer geröstet ([Jiang Zhi] Ban Xia). Modifikationen: Bei starkem Erbrechen von klarer Flüssigkeit zusätzlich Zingiberis Rz. recens (Sheng Jiang) und Evodiae Fr. (Wu Zhu Yu). Bei starkem Aufstoßen zusätzlich Inulae Fl. (Xuan Fu Hua) und Haematitum (Dai Zhe Shi). Bei wiederholtem Erbrechen mit Zeichen eines Milz- und Nieren-Yang-Mangels (11.11.17) wie Kältegefühl in Rücken und Knien und tiefem, dünnem und langsamem Puls zusätzlich Aconiti Rx. lateralis praep. ([Zhi] Fu Zi), Cinnamomi Cx. (Rou Gui), Caryophylli Fl. (Ding Xiang). Bei Zeichen einer Disharmonie zwischen Milz und Magen bzw. einem Komplex von oben Hitze (im Magen) unten Kälte (in der Milz) mit gelbem Zungenbelag (als Zeichen für Hitze im Magen), leichten Bauchschmerzen und weichen Stühlen (als Zeichen für Kälte in der Milz) Ban Xia Xie Xin Tang (7.6.6) einsetzen, um Milz und Magen zu harmonisieren und gleichzeitig Kälte und Hitze zu behandeln.
Akupunktur: Ren 8 (Shenque), Ren 12 (Zhongwan), Ma 36 (Zusanli): Gut mit Moxa; erwärmen das Milz- und Magen-Yang, senken das Magen-Qi ab und beenden Erbrechen.
Ernährungstipp: Nahrungsmittel verstärkt gekocht und warm verzehren, kalte und rohe Nahrungsmittel und Zubereitungsformen meiden.
Magen-Yin-Mangel (11.6.3)
Therapieprinzipien Magen-Yin nähren, gegenläufiges Magen-Qi absenken und Erbrechen beenden
Rezept: Mai Men Dong Tang (7.6.7). Modifikationen: Bei verbleibender Rest-Hitze nach fiebrigen Erkrankungen zusätzlich Hitze klärende Arzneien einsetzen wie Phragmitis Rz. (Lu Gen), Forsythiae Fr. (Lian Qiao) und Menthae Hb. (Bo He). Bei starkem Magen-Yin-Mangel mit roter Zunge zusätzlich Dendrobii Hb. (Shi Hu, cave: Artenschutz beachten), Rehmanniae Rx. (Sheng Di) und Glehniae Rx. (Bei Sha Shen). Bei Husten oder Dyspnoe mit Erbrechen zusätzlich Eriobotryae Fo. (Pi Pa Ye), Inulae Fl. (Xuan Fu Hua). Bei hartem, trockenem Stuhl durch Trockenheit im Dickdarm (11.4.1) zusätzlich Cannabis Sm. (Huo Ma Ren) und Trichosanthis Fr. (Gua Lou).
Akupunktur: Um Yin zu nähren, ist Akupunktur weniger wirkungsvoll als Arzneitherapie, daher sollte Akupunktur nur unterstützend eingesetzt werden: Du 20 (Baihui), Ex-HN 3 (Yintang), Ren 17 (Danzhong), Pe 6 (Neiguan) senken das Magen-Qi ab und beenden Erbrechen; Ma 36 (Zusanli), Bl 20 (Pishu), Bl 21 (Weishu), Bl 23 (Shenshu) nähren Milz-, Magen- und Nieren-Yin.
Ernährungstipp: Nahrungsmittel bevorzugt als Saft oder Suppe zubereiten.

Leitsymptom: Diarrhö (泄 泻 [Xi Xi])

Unter Diarrhö (Xi Xi) versteht man mehrere Stuhlentleerungen pro Tag eines weichen bzw. breiigen oder hellen wässrigen Stuhls, evtl. mit unverdauten Nahrungsresten. Zwischen den beiden zusammengesetzten Begriffen 泄 (Xie) und 泻 (Xie) besteht folgender Unterschied: 泄 (Xie) bedeutet weicher Stuhl mit nur leichter Diarrhö, 泻 (Xie) meint einen hellen wässrigen Stuhl, der akut und stark einsetzt. Diarrhö kann zu jeder Jahreszeit auftreten, zeigt sich jedoch besonders im Sommer und Herbst.
Mögliche westliche Diagnosen: Gemäß den Vorstellungen der westlichen Medizin wird Diarrhö durch funktionelle oder pathologische Veränderungen im Magen-Darm-Trakt sowie von Leber, Gallenblase und Pankreas verursacht und ist ein Symptom bei akuter und chronischer Kolitis, Reizdarmsyndrom, Darmtuberkulose, Nahrungsintoleranzen und weiteren Magen-Darm-Erkrankungen.
Pathomechanismus: Die Störung wird nach CM primär in der Milz, aber auch im Magen sowie im Dick- und Dünndarm lokalisiert. Ursächlich beteiligt sind Angriffe von äußeren pathogenen Faktoren, Fehlernährung, eine Leber-Qi-Stauung mit Übergriff auf die Milz sowie Milz- und Magen-Schwäche-Syndrome und ein Nieren-Yang-Mangel. Alle genannten Faktoren verursachen eine Funktionsstörung in der Mitte, die daher als wichtigste Pathologie bei der Entwicklung einer Diarrhö einzustufen ist. Das wichtigste Pathogen ist die Feuchtigkeit, wobei zwischen Feuchte-Kälte und Feuchte-Hitze unterschieden wird. Diese Feuchtigkeit tritt oft in Kombination mit Wind, Sommerhitze und Nahrungsstagnation auf.
Differenzierung der Syndrome: Es wird sowohl zwischen akut auftretender und länger anhaltender (chronischer) Diarrhö unterschieden (13.3.3.a, 13.3.3.b) als auch zwischen Fülle- oder Mangel-Typ einerseits sowie Kälte- oder Hitze-Typ andererseits (Tab. 13.15). Bei den Fülle-Syndromen werden folgende Muster differenziert: Feuchte-Kälte, Feuchte-Hitze und Nahrungsstagnation. Bei den Mangel-Syndromen unterscheidet man Muster von geschwächter Milz und Niere. Bei dem Syndrom Leber-Qi-Stauung greift die Milz an zeigt sich ein komplexes Bild von Mangel (Xu) und Fülle (Shi).

Allgemeine Therapieprinzipien bei Diarrhö (泄 泻[Xi Xi])

  • Bei akut einsetzender Diarrhö mit exzessiven Pathogenen: Zunächst äußere Pathogene eliminieren und danach die Feuchtigkeit ausleiten und die Milz trocknen

  • Bei Patienten mit gleichzeitig auftretenden äußeren Symptomen wie z.B. Fieber bzw. Frösteln und Kälteaversion: Die äußeren Pathogene zerstreuen

  • Bei gleichzeitiger Hitze: Hitze klären

  • Bei Nahrungsstagnation: Die Verdauung unterstützen

  • Bei anhaltender Diarrhö, die sich oft bei Qi-Mangel zeigt: Zuerst das Qi stärken, d.h., die Milz unterstützen, Yang erwärmen sowie Leber und Niere stärken

  • Bei Mangel-Fülle- bzw. Hitze-Kälte-Komplex: Wurzel (Ben) und Zweig (Biao) wie auch Kälte und Hitze gleichzeitig therapieren.

Cave: Bei akuter Diarrhö gilt: Nicht die Milz stärkende und Dickdarm adstringierende Methode einsetzen, da dies chronischen Durchfall verursachen würde. Bei chronischer Diarrhö nicht eine zu stark klärende und beseitigende Methode anwenden, da dies das Aufrechte-Zheng-Qi und Yin verletzen und schwer behandelbare Folgen nach sich ziehen würde.
Akute Diarrhö (Bao Xie)
Eindringen von Feuchte-Kälte oder Wind-Kälte
Therapieprinzipien Oberfläche befreien, um Kälte zu zerstreuen, Trübes umwandeln und Feuchtigkeit ausleiten
Rezept: Wei Ling Tang (entspricht Kombination von Wu Ling San [7.6.8.c] mit Ping Wei San [7.6.8.a]) in Kombination mit Huo Xiang Zheng Qi San (7.6.8.a). Modifikationen: Bei mehr Feuchte-Kälte zusätzlich Cinnamomi Ra. (Gui Zhi), bei mehr äußerer Wind-Kälte zusätzlich Sojae Sm. praep. (Dan Dou Chi), Saposhnikoviae Rx. (Fang Feng). Bei gleichzeitiger Nahrungsstagnation zusätzlich Massa medicata fermentata (Shen Qu), Hordei Fr. germinatus (Mai Ya), Crataegi Fr. (Shan Zha).
Akupunktur: Ma 25 (Tianshu): Mu-Punkt des Dickdarms, reguliert die Dickdarm-Funktionen; Ma 37 (Shangjuxu): Unterer-Meer-He-Punkt des Dickdarms, lindert Bauchschmerzen und beendet Diarrhö; Ren 9 (Shuifen), Mi 9 (Yinlingquan) leiten Feuchtigkeit aus und drainieren den Stuhl.
Ernährungstipp: Kalte und rohe Nahrungsmittel meiden. Besonders empfehlenswert ist warmer Reisbrei.
Feuchte-Hitze oder Sommerhitze und Feuchtigkeit
Therapieprinzipien Hitze klären und Feuchtigkeit ausleiten
Rezept: Ge Gen Qin Lian Tang enthält: Puerariae Rx. (Ge Gen), Scutellariae Rx. (Huang Qin), Coptidis Rz. (Huang Lian) und Glycyrrhizae Rx. praep. ([Zhi] Gan Cao). Modifikationen: Häufige Kombination mit Liu Yi San enthält: Talcum (Hua Shi) und Glycyrrhizae Rx. (et Rz.) (Gan Cao) im Verhältnis 6 : 1. Bei mehr Feuchtigkeit zusätzlich Armeniacae Sm. (Xing Ren), Poria (Fu Ling) und Clematidis armandii Caulis (Chuan Mu Tong). Bei mehr Hitze zusätzlich Lonicerae Fl. (Jin Yin Hua), Forsythiae Fr. (Lian Qiao) und Rhei Rx. et Rz. (Da Huang). Bei Nahrungsstagnation zusätzlich Massa medicata fermentata (Shen Qu), Hordei Fr. germinatus (Mai Ya) und Crataegi Fr. (Shan Zha). Bei mehr Sommerhitze zusätzlich Pogostemonis oder Agastache Hb. (Huo Xiang), Eupatorii Hb. (Pei Lan) und Nelumbinis Fo. (He Ye). Bei Durchfall durch Sommerhitze mit starkem Durst, dunklem konzentriertem Urin, starkem Schwitzen, dünnem gelbem Zungenbelag sowie sanftem und schnellem Puls Xin Jia Xiang Ru Yin einsetzen, enthält: Moslae Hb. (Xiang Ru), Lablab Sm. album (Bai Bian Dou), Magnoliae officinalis Cx. (Hou Po), Lonicerae Fl. (Jin Yin Hua), Forsythiae Fr. (Lian Qiao), in Kombination mit der Rezeptur Liu Yi San enthält: Talcum (Hua Shi) und Glycyrrhizae Rx. (Gan Cao).
Akupunktur: Ma 25 (Tianshu), Ma 37 (Shangjuxu), Di 4 (Hegu) unterstützen den Darm, leiten Feuchte-Hitze aus, lindern Bauchschmerzen und beenden Diarrhö.
Ernährungstipp: Fette und süße Nahrungsmittel meiden. Besonders empfehlenswert ist lauwarmer Reisbrei.
Nahrungsstagnation
Therapieprinzipien Nahrungsstagnation lösen und Verdauung unterstützen
Rezept: Bao He Wan (7.6.17). Modifikationen: Bei Nahrungsstagnation durch scharfe, süße und gegrillte Nahrungsmittel mit gelbem Zungenbelag und schlüpfrigem Puls zusätzlich Scutellariae Rx. (Huang Qin), Coptidis Rz. (Huang Lian). Bei Nahrungsstagnation durch kalte und rohe Nahrungsmittel mit weißem Zungenbelag und langsamem Puls zusätzlich Atractylodis Rz. (Cang Zhu), Magnoliae officinalis Cx. (Hou Po) oder die Rezeptur Ping Wei San (7.6.8.a) einsetzen. Bei durch Nahrungsstagnation verursachtem Meteorismus und klebrigem Stuhlgang zusätzlich Zhi Shi Dao Zhi Wan enthält: Rhei Rx. et Rz. (Da Huang) und Aurantii Fr. immaturus (Zhi Shi).
Akupunktur: Ma 25 (Tianshu), Ma 37 (Shangjuxu) unterstützen den Darm, regulieren Qi und beenden abdominale Schmerzen und Diarrhö; Ren 10 (Xiawan) löst Nahrungsmittelstagnation.
Ernährungstipp: Fettige und süße Nahrungsmittel meiden. Es ist empfehlenswert, für ein bis zwei Tage Nahrungsmittelkarenz einzuhalten, und an diesen beiden Tagen nur abgekochtes, warmes Wasser zu trinken und warmen Reisbrei einzunehmen.
Chronische Diarrhö
Milz-Mangel-Syndrome
Therapieprinzipien Milz-Qi stärken, Feuchtigkeit beseitigen und Diarrhö beenden
Rezept: Shen Ling Bai Zhu San (7.6.10.a). Modifikationen: Bei chronischer Diarrhö mit nicht ausreichend ausgeleiteter Feuchtigkeit, dünnem, gelbem und klebrigem Zungenbelag und bereits bestehender Qi- und Yin-Verletzung, die sich in einem verkleinerten und roten Zungenkörper darstellt, zusätzlich Crataegi Fr. (Shan Zha), Granati Pericarpium (Shi Liu Pi). Wenn sich bei chronischer Diarrhö die Feuchtigkeit bereits zu Feuchte-Hitze transformiert hat, zusätzlich Sophorae flavescentis Rx. (Ku Shen), Phellodendri Cx. (Huang Bai). Wenn die chronische Diarrhö zu sinkendem Milz-Qi (11.5.1) führt, Wechsel zu der Rezeptur Bu Zhong Yi Qi Tang (7.6.10.a). Wenn das Milz-Yang bereits geschwächt ist (11.5.2), mit kalten Extremitäten, kaltem Abdomen und Schmerzen mit starkem Borborygmus Wechsel zu Fu Zi Li Zhong Wan (7.6.9) und zusätzlich Evodiae Fr. (Wu Zhu Yu) und Cinnamomi Cx. (Rou Gui).
Akupunktur: Mi 20 (Pishu), Ma 36 (Zusanli), Mi 3 (Taibai), Mi 4 (Gongsun), Mi 9 (Yinlingquan) stärken das Milz-Qi, leiten Feuchtigkeit aus und beenden Diarrhö.
Ernährungstipp: Kalte und rohe Nahrungsmittel meiden. Empfehlenswert ist die Zubereitung der Speisen als Suppe oder Brei.
Leber-Qi-Stauung greift die Milz an (11.11.18)
Therapieprinzipien Leber-Qi regulieren und Milz stärken
Rezept: Tong Xie Yao Fang (7.6.6). Modifikationen: Bei starkem Leber-Blut/Yin-Mangel zusätzlich Schisandrae Fr. (Wu Wei Zi), Chaenomelis Fr. (Mu Gua). Bei starkem Milz-Qi-Mangel zusätzlich Poria (Fu Ling), Lablab Sm. album (Bai Bian Dou), Dioscoreae Rz. (Shan Yao). Bei starken Stimmungsschwankungen zusätzlich Curcumae Rx. (Yu Jin), Albiziae Fl. (He Huan Hua), Ostreae Concha (Mu Li).
Akupunktur: Gb 34 (Yanglingquan), Ma 36 (Zusanli), Bl 18 (Ganshu), Bl 20 (Pishu), Mi 4 (Gongsun), Le 3 (Taichong) bewegen das Leber-Qi, stärken das Milz-Qi, lindern abdominale Schmerzen und Diarrhö.
Nieren-Yang-Mangel (11.9.2)
Therapieprinzipien Nieren erwärmen und Milz stärken
Rezept: Si Shen Wan (7.6.13). Modifikationen: Bei gleichzeitigem Milz-Yang-Mangel Kombination mit der Rezeptur Fu Zi Li Zhong Tang (7.6.9). Bei stark geschwächtem Mingmen-Feuer zusätzlich Morindae officinalis Rx. (Ba Ji Tian), Alpiniae oxyphyllae Fr. (Yi Zhi Ren), Cinnamomi Cx. (Rou Gui). Bei alten Patienten mit Zeichen von sinkendem Milz-Qi (11.5.4) zusätzlich Kombination mit Bu Zhong Yi Qi Tang (7.6.10.a). Bei chronischer Diarrhö mit Stuhlinkontinenz zusätzlich Kombination mit Tao Hua Tang enthält: Hallyositum rubrum (Chi Shi Zhi) 30 g, Zingiberis Rz. (Gan Jiang) 9 g, nicht glutinierter Reis (Jing Mi) 30 g. Bei chronischer Diarrhö mit Yang-Mangel und Blut-Stase zusätzlich Kombination mit Shao Fu Zhu Yu Tang (7.6.12.a).
Akupunktur: Ren 8 (Shenque, Bauchnabel, nur Moxa, keine Nadelung), Du 4 M (Mingmen): Gut mit Moxa, erwärmen Milz- und Nieren-Yang und beenden Diarrhö.
Ernährungstipp: Empfehlenswert sind gekochte Speisen und Nahrungsmittel mit warmen Eigenschaften wie z.B. Lammfleisch, Rindfleisch, Felchen, Lauch.

Leitsymptom: Dysenterie (Li Ji)

Dysenterie (Li Ji) ist charakterisiert durch abdominale Schmerzen, rektale Tenesmen, Stuhl mit Beimengungen von weißlichem Schleim und Blut sowie durch eine jahreszeitliche Häufung im Sommer und Herbst.
Mögliche westliche Diagnosen: Das chinesische Bild der Dysenterie (Li Ji) fällt in der westlichen Medizin unter folgende Diagnosen: Akute und chronische bakterielle Dysenterie, durch Amöben hervorgerufene Dysenterie, aber auch entzündliche Darmerkrankungen, die durch Schleim- und Blutbeimengungen im Stuhl gekennzeichnet sind wie z.B. Colitis ulcerosa.
Pathomechanismus: Die Erkrankung tritt meist nach einem Angriff äußerer pathogener Faktoren (Feuchte-Hitze) und nach Diätfehlern (z.B. nach einem Zuviel an roher kalter Nahrung, die Milz, Magen und Därme verletzt) auf und ist v.a. im Darm lokalisiert. Feuchte-Hitze, epidemische pathogene Faktoren, Feuchte-Kälte und stagnierende Nahrung führen zu einer Stagnation in den Därmen mit Einschränkung der Zirkulation von Qi und Blut und damit zu einer Dysfunktion im Darm. Die Leitbahnen und Netz-Luo-Gefäße werden verletzt, Qi und Blut stagnieren mit nachfolgender Entwicklung von Eiter (weiß) und Blut (rot) (daher Differenzierung in weiße und rote Dysenterie). Das Aufrechte-Zheng-Qi (2.3.1) wird geschädigt, und Qi-Stagnation der Fu-Organe führt zu abdominalen Schmerzen mit rektalen Tenesmen.
Differenzierung der Syndrome: Im Frühstadium ist die Dysenterie immer eine Fülle-Erkrankung. Chronifiziert sie, zeigen sich meist Mangel-Syndrome oder komplexe Mangel- und Fülle-Zustände. Eine Dysenterie mit blutigem Stuhl zeigt nach CM an, dass sich u.a. die Pathologie in der Blut-Schicht (12.2) abspielt. Eine Dysenterie mit Schleim- und Eiterbeimengungen dagegen zeigt nach CM an, dass sich die Pathologie in der Qi-Schicht (12.2) befindet.

Allgemeine Therapieprinzipien bei Dysenterie (Li Ji)

Die CM geht von folgenden Vorstellungen aus: Ohne Nahrungsstagnation entsteht keine Dysenterie. Um den Stuhlgang von Eiter und Blut zu befreien, muss das Blut harmonisiert werden. Um die Tenesmen zu regulieren, muss das Qi reguliert werden. Aus diesen Gründen werden bei der Therapie der verschiedenen Dysenterie-Muster Arzneien eingesetzt, die die Nahrungsstagnation beseitigen, das Qi regulieren und das Blut
harmonisieren. Im ersten Stadium der Dysenterie herrscht Feuchte-Hitze vor, im chronischen Stadium ist jedoch v.a. das Milz-Qi verletzt, sodass Leere-Kälte vorherrscht. In der Therapie ist daher immer das Mitte-Qi zu unterstützen und zu schützen.
  • Frühstadium: Die Verdauung unterstützen und die Nahrungsstagnation beseitigen

  • Chronifizierung: Stärkende und adstringierende Behandlungsmethode oder gleichzeitige Stärkung und Ausleitung

  • Dysenterie mit blutigem Stuhl: Blutkühlung und -harmonisierung

  • Dysenterie mit Schleim- und Eiterbeimengungen: Regulierung des Qi-Flusses und Ausleitung von Feuchtigkeit.

Syndrom-Differenzierung bei Leitsymptom Dysenterie (Li Ji)

Tab. 13.16
SyndromHauptsymptomeBegleitsymptomeZungePuls
Feuchte-Hitze-Dysenterie (Shi Re Li) (13.3.4.a)Dysenterie mit Blut- und Schleimbeimengungen (mehr Blut als Schleim), Anusbrennen, abdominale Schmerzen, rektale TenesmenVöllegefühl im Magen, Appetitverlust, klebriges Mundgefühl, Aufstoßen, Übelkeit, wenig dunkler konzentrierter UrinRot.
Belag: gelblich schmierig
Schlüpfrig und schnell
Epidemische Dysenterie (Yi Du Li) (13.3.4.b)Akuter und plötzlicher Beginn, hohes Fieber und Unruhe, Dysenterie mit frischem, purpurfarbenem Schleim und blutigem Stuhl, abdominale Koliken, rektale TenesmenDurst auf kalte Getränke, Kopfschmerzen, Koma und KonvulsionenDunkelrot.
Belag: gelb, trocken
Schlüpfrig und schnell
Feuchte-Kälte-Dysenterie (Han Shi Li) (13.3.4.c)Dysenterie mit mehr Schleim- als Blutbeimengungen oder nur Schleimauflagerungen, abdominale Schmerzen und rektale TenesmenSchweregefühl in Kopf und Körper, Völlegefühl im Magen, Geschmacksverlust und AppetitlosigkeitNormal oder leicht blass.
Belag: weiß, klebrig
Schwach und langsam
Mangel- bzw. Leere-Kälte-Dysenterie (Xu Han Li) (13.3.4.d)Chron. Dysenterie, die manchmal stark und manchmal weniger stark ausgeprägt ist, dünnflüssiger Stuhl mit weißlichen Schleimbeimengungen, nach dem Stuhlgang das Gefühl, nicht ganz entleert zu haben; in schwergradigen Fällen Steigerung bis zum Darmprolaps; nur leichtgradige abdominale SchmerzenMüdigkeit, Kälteaversion, kalte Extremitäten, Appetitlosigkeit, Geschmacksverlust, kein DurstBlass.
Belag: dünn, weiß
Dünn und schwach
Rezid. Dysenterie (Xiu Xi Li) (13.3.4.e)Rezid. Dysenterie, verlängerte chron. Dysenterie; bei Anfall Dysenterie mit Schleim und Blut, Bauchschmerzen und rektale TenesmenAppetitlosigkeit, Müdigkeit und Schwäche, dünner KörperBlass.
Belag: schmierig
Schwach
Yin-Mangel-Dysenterie (Yin Xu Li) (13.3.4.f)Dysenterie mit Blut und Schleim, klebriger Schleim, der erschwert zu entleeren ist, akuter BauchnabelschmerzUnruhe, trockener Mund, leicht erhöhte Körpertemperatur nachmittags, mentale Müdigkeit und SchwächeRot und trocken.
Belag: wenig Belag oder Landkartenzunge
Dünn und schnell
Feuchte-Hitze-Dysenterie (Shi Re Li)
Therapieprinzipien Hitze klären, Feuchtigkeit ausleiten und sowohl Toxine eliminieren als auch Qi regulieren, Blut bewegen und Nahrungsstagnation beseitigen
Rezept: Shao Yao Tang enthält: Scutellariae Rx. (Huang Qin), Coptidis Rz. (Huang Lian), Paeoniae Rx. rubra (Chi Shao), Angelicae sinensis Rx. (Dang Gui), Glycyrrhizae Rx. (et Rz.) (Gan Cao), Aucklandiae Rx. (Mu Xiang), Arecae Sm. (Bing Lang), Cinnamomi Cx. (Rou Gui), Rhei Rx. et Rz. (Da Huang). Modifikationen: Bei gleichzeitiger Nahrungsstagnation zusätzlich Crataegi Fr. (Shan Zha), Massa medicata fermentata (Shen Qu) und Aurantii Fr. immaturus (Zhi Shi). Bei gleichzeitigen äußeren Zeichen (z.B. Fieber/Frösteln bzw. Kälteaversion gleichzeitig) zusätzlich Schizonepetae Hb. (Jing Jie), Menthae Hb. (Bo He), Perillae Fo. (Zi Su Ye), Sojae Sm. praep. (Dan Dou Chi), Pogostemonis oder Agastache Hb. (Huo Xiang), Eupatorii Hb. (Pei Lan). Liegen Zeichen starker innerer Hitze vor wie z.B. ein Stuhl, dem nur Blut beigemengt ist, hohes Fieber, Durst auf kalte Getränke, eine rote Zunge mit gelbem Belag sowie ein schlüpfriger und schneller Puls, Einsatz von Bai Tou Weng Tang enthält: Pulsatillae Rx. (Bai Tou Weng), Coptidis Rz. (Huang Lian), Phellodendri Cx. (Huang Bai), Fraxini Cx. (Qin Pi) und zusätzlich Lonicerae Fl. (Jin Yin Hua), Taraxaci Hb. (Pu Gong Ying), Portulacae Hb. (Ma Chi Xian), Paeoniae Rx. rubra (Chi Shao), Glycyrrhizae Rx. (et Rz.) (Gan Cao).
Epidemische Dysenterie (Yi Du Li)
Die epidemische Dysenterie wird durch einen Angriff äußerer epidemischer pathogener Faktoren mit sehr starken Toxinen verursacht. Die Symptomatik weist auf eine streng schulmedizinische Indikation hin, die aber in der VR China zusätzlich mit chinesischer Medizin behandelt wird. Die Autoren verfügen über eine große therapeutische Erfahrung, weshalb die epidemische Dysenterie in dieses Kapitel mit aufgenommen wurde.
Therapieprinzipien Hitze klären, Blut kühlen, Toxine eliminieren
Rezept: Bai Tou Weng Tang (13.3.4.a). Modifikationen: Um die Hitze-Toxine klärende Wirkung zu stärken, zusätzlich Lonicerae Fl. (Jin Yin Hua), Forsythiae Fr. (Lian Qiao), Paeoniae Rx. rubra (Chi Shao), Moutan Cx. (Mu Dan Pi), Sanguisorbae Rx. (Di Yu). Bei hohem Fieber und Zeichen von Hitze-Toxinen in der Ying- und Blut-Schicht (12.2) Bubali Cornu (Shui Niu Jiao) hinzufügen oder auf das Rezept An Gong Niu Huang Wan wechseln, jedoch ohne Moschus (She Xiang), Cinnabaris (Zhu Sha) und Realgar (Xiong Huang). Bei Konvulsionen zusätzlich Uncariae Ra. cum Uncis (Gou Teng). Bei Zeichen eines Yang-Kollaps mit blassem Gesicht, kalten Extremitäten, starkem Schwitzen, Dyspnoe und dünnem und schwachem Puls entweder Akupunktur an Du 26 (Shuigou/Renzhong) oder Ni 1 (Yongquan) oder die Rezeptur Shen Fu Tang einsetzen, enthält: Ginseng Rx. (Ren Shen), Aconiti Rx. lateralis praep. ([Zhi] Fu Zi).
Feuchte-Kälte-Dysenterie (Han Shi Li)
Therapieprinzipien Kälte und Feuchtigkeit erwärmen und umwandeln und Qi bewegen
Rezept: Kombination von Ping Wei San (7.6.8.a) mit Wu Ling San (7.6.8.c) als Wei Ling Tang. Modifikationen: Oft zusätzlich mit Angelicae sinensis Rx. (Dang Gui), um das Blut zu harmonieren; mit Aucklandiae Rx. (Mu Xiang) und Arecae Sm (Bing Lang), um das Qi zu regulieren, Kälte zu zerstreuen und Schmerzen zu lindern. Bei Kopfschwere und Müdigkeit durch äußere Feuchtigkeit zusätzlich Notopterygii Rz. seu Rx. (Qiang Huo), Saposhnikoviae Rx. (Fang Feng). Bei schwerer Feuchte-Kälte zusätzlich Zingiberis Rz. praep. (Pao Jiang) oder Poria (Fu Ling), Plantaginis Sm. (Che Qian Zi), um noch mehr Feuchtigkeit auszuleiten. Bei chronischer Dysenterie, die bereits das Milz-Yang geschädigt hat, Einsatz von Li Zhong Wan (7.6.9) und Variationen.
Mangel- bzw. Leere-Kälte-Dysenterie (Xu Han Li)
Therapieprinzipien Milz und Nieren wärmen und stärken, Dickdarm stabilisieren, Prolaps verhindern
Rezept: Zhen Ren Yang Zang Tang enthält: Codonopsis Rx. (Dang Shen), Myristicae Sm. (Rou Dou Kou), Zingiberis Rz. (Gan Jiang), Cinnamomi Cx. (Rou Gui), Chebulae Fr. (He Zi), Aucklandiae Rx. (Mu Xiang), Paeoniae Rx. alba (Bai Shao), Glycyrrhizae Rx. (et Rz.) (Gan Cao). Modifikationen: Bei Stuhlinkontinenz und Darmprolaps durch sinkendes Milz-Qi Aucklandiae Rx. (Mu Xiang) aus der Rezeptur entfernen und Astragali Rx. (Huang Qi) und Cimicifugae Rz. (Sheng Ma) hinzufügen. Bei Kälteaversion und kalten Extremitäten zusätzlich Evodiae Fr. (Wu Zhu Yu), Aconiti Rx. lateralis praep ([Zhi] Fu Zi). Bei gleichzeitiger Nahrungsstagnation Chebulae Fr. (He Zi) aus der Rezeptur entfernen und Crataegi Fr. (Shan Zha) und Arecae Sm. (Bing Lan) hinzufügen.
Rezidivierende Dysenterie (Xiu Xi Li)
Therapieprinzipien Milz stärken und Qi unterstützen, alternierend je nach aktueller Phase (akute Phase oder Anfallsfreiheit) Hitze klären und Feuchtigkeit ausleiten
Rezept: Während der akuten Phase Einsatz von Lian Li Tang enthält Li Zhong Wan (7.6.9) und zusätzlich Coptidis Rz. (Huang Lian); im anfallsfreien Intervall (Ruhephase): Liu Jun Zi Tang (7.6.10.a) und zusätzlich Coptidis Rz. (Huang Lian) um die Rest-Hitze zu klären. Modifikationen: Zusätzlich Angelicae sinensis Rx. (Dang Gui), Paeoniae Rx. rubra (Chi Shao), Sanguisorbae Rx. (Di Yu), um das Blut zu harmonisieren und Aucklandiae Rx. (Mu Xiang), um das Qi zu regulieren. Zeigt sich mehr Feuchte-Hitze, kann auch das Basisrezept bei Feuchte-Hitze-Dysenterie Shao Yao Tang (13.3.4.a) eingesetzt werden. Bei Milz-Yang-Mangel mit kalter Nahrungsstagnation im Darm, wobei der Anfall durch Kälte ausgelöst wird, mit mehr schleimiger Dysenterie, Müdigkeit und Appetitverlust, blasser Zunge mit weißem Zungenbelag und mit tiefem Puls Einsatz von Wen Pi Tang enthält: Aconiti Rx. lateralis praep ([Zhi] Fu Zi), Ginseng Rx. (Ren Shen), Rhei Rx. et Rz. (Da Huang), Glycyrrhizae Rx. (et Rz.) (Gan Cao), Zingiberis Rz. (Gan Jiang).
Yin-Mangel-Dysenterie (Yin Xu Li)
Therapieprinzipien Yin nähren, Hitze klären und Dysenterie beenden
Rezept: Variation von Zhu Che Wan enthält: Coptidis Rz. (Huang Lian), Angelicae sinensis Rx. (Dang Gui), Ecliptae Hb. (Han Lian Cao). Modifikationen: Bei starker Yin-Verletzung zusätzlich Paeoniae Rx. alba (Bai Shao), Glycyrrhizae Rx. (et Rz.) (Gan Cao) und Mume Fr., verkohlt (Wu Mei [Tan]) oder zusätzlich Rehmanniae Rx. praep. (Shu Di Huang) und Ophiopogonis Rx. (Mai Men Dong). Bei Dysenterie mit starken Blutungen zusätzlich Moutan Cx., verkohlt (Wu Mei [Tan]), Mu Dan Pi), Sanguisorbae Rx. (Di Yu). Bei chronischer Dysenterie mit Stuhlinkontinenz zusätzlich Granati Pericarpium (Shi Liu Pi), Chebulae Fr. (He Zi). Bei Yin-Mangel in Kombination mit Feuchte-Hitze-Retention bittere, kalte, Feuchte-Hitze klärende und ausleitende Arzneien wie Phellodendri Cx. (Huang Bai) nur mit sauren und adstringierenden Arzneien wie Granati Pericarpium (Shi Liu Pi) und Crataegi Fr. (Shan Zha) verwenden, da diese – im Unterschied zu anderen sauren, adstringierenden Arzneien – nicht die Feuchte-Hitze ausleitende Wirkung von Phellodendri Cx. (Huang Bai) verhindern.

Leitsymptom: Obstipation (Bian Mi)

Das Störungsbild der Obstipation (Bian Mi) umfasst drei Aspekte: Einen trockenem Stuhl, ein verlängertes Entleerungsintervall von 3–5 oder 7–8 Tagen sowie die Schwierigkeit einer vollständigen Entleerung. Eine länger andauernde Obstipation kann weitere Symptome wie Blähungen, abdominale Schmerzen, Übelkeit, Aufstoßen, Appetitverlust, Schwindel, Druckgefühl im Kopf, Schlafstörungen sowie Unruhe und Reizbarkeit nach sich ziehen.
Mögliche westliche Diagnosen: In der Schulmedizin gibt es beim Leitsymptom Obstipation folgende Unterscheidungen: Gewohnheitsmäßige Obstipation, Obstipation im Rahmen von neurotischen Störungen, Obstipation bei entzündlichen Darmerkrankungen im Bereich des Colons, Rektums oder Anus, bei älteren Patienten Darmentleerungsstörungen aufgrund von Schwäche, medikamenteninduzierte Obstipation sowie Obstipation als Begleiterscheinung bei verschiedenen akuten und chronischen Erkrankungen.
Pathomechanismus: Eine Obstipation wird i.d.R. durch eine Dysfunktion des Dickdarms verursacht, die in einer fehlenden bzw. nicht ausreichenden Weiterleitung des Stuhls besteht. Dabei wird dem Stuhl Wasser entzogen, sodass er hart, fest und trocken wird. Pathogenetisch beteiligt sind nach den Vorstellungen der CM v.a. Ansammlungen von Hitze und Trockenheit, Mangel an Körperflüssigkeiten (Jin Ye), emotionale Labilität, Qi-Stagnation, außerdem innere Verletzungen durch Müdigkeit, Qi- und Blut-Mangel, bei älteren Patienten Schwächezustände oder auch eine Kälte-Akkumulation im Inneren. Jeder dieser Faktoren kann die Funktionen von Magen, Milz und Darm beeinträchtigen und den Weitertransport des Stuhls blockieren und so eine Obstipation hervorrufen.
Zur Differenzierung der zugrunde liegenden Mangel- und Fülle-Syndrome und der damit einhergehenden Symptome und Befunde Tab. 13.17, Tab. 13.18.

Allgemeine Therapieprinzipien bei Obstipation (Bian Mi)

  • Fu-Organe durchgängig machen

  • Bei Fülle-Syndromen: Hitze klären und abführen oder Qi regulieren und Stagnation lösen

  • Bei Mangel-Syndromen: Qi stärken, Blut nähren, Körperflüssigkeiten erzeugen und Darm befeuchten oder Kälte erwärmen und Darm durchgängig zu machen.

Obstipation durch Fülle-Syndrome (Shi Mi)
Pathogene Hitze (Re Mi)
Therapieprinzipien Bei prädominanter Hitze: Hitze eliminieren und Darm durchgängig machen, bei prädominanter Trockenheit: Hitze klären und Darm befeuchten
Rezept:
  • Tiao Wei Cheng Qi Tang (7.6.5.a), um den Hitze-Komplex aus dem Darm zu eliminieren und den Darm wieder durchgängig zu machen; Ma Zi Ren Wan (7.6.5.b), um Hitze zu klären und den Darm zu befeuchten (in diesem Fall ist die Hitze bereits systemischer geworden und zeigt sich aufgrund der Trockenheit in einer Schädigung der Säfte). Die folgenden Modifikationen gelten für beide Rezepte: Bei Zeichen einer Schädigung der Körperflüssigkeiten (Jin Ye) mit Mund- und Zungentrockenheit zusätzlich Scrophulariae Rx. (Xuan Shen), Dendrobii Hb. (Shi Hu, Artenschutz beachten!), Ophiopogonis Rx. (Mai Men Dong) und Rehmanniae Rx. (Sheng Di Huang). Bei Stuhltrockenheit und Blutungen durch (Trockenheits-)Risse am Anus zusätzlich Sanguisorbae Rx. (Di Yu) und Sophorae Fl. (Huai Hua). Bei Blähungen und Appetitverlust zusätzlich Arecae Pericarpium (Da Fu Pi), Crataegi Fr. (Shan Zha), Hordei Fr. germinatus (Mai Ya), Massa medicata fermentata (Shen Qu) und Arecae Sm. (Bing Lang)

  • Zeigt sich Leber-Feuer bzw. -Hitze, die Magen und Darm attackiert mit den Symptomen Obstipation mit Augenrötung und bitterem Mundgeschmack sowie schlüpfrigem und saitenförmigem Puls, zusätzlich Aloe (Lu Hui) zum obigen Rezept zugeben oder dieses ersetzen durch das Rezept Dang Gui Lu Hui Wan enthält: Angelicae sinensis Rx. (Dang Gui), Gentianae Rx. (et Rz.) (Long Dan Cao), Gardeniae Fr. (Zhi Zi), Coptidis Rz. (Huang Lian), Scutellariae Rx. (Huang Qin), Phellodendri Cx. (Huang Bai), Rhei Rx. et Rz. (Da Huang), Indigo naturalis (Qing Dai), Aloe (Lu Hui), Aucklandiae Rx. (Mu Xiang)

  • Bei Lungen-Hitze, die sich nach unten zum Dickdarm absenkt, mit den Symptomen Obstipation mit Mund- und Nasentrockenheit, trockener Husten mit wenig Sputum und erschwertem Abhusten zusätzlich Trichosanthis Fr. (Gua Lou) und Gardeniae Fr. (Zhi Zi)

  • Cave: Viele der genannten Arzneien haben eine bittere und kalte Natur und können daher leicht Milz und Magen schädigen. Daher sollten die Rezepturen nicht zu lange verwendet und nicht zu hoch dosiert werden. Bessert sich die Obstipation, sollten die oben aufgeführten Therapiestrategien und Rezepte beendet und die Behandlung mit Yin nährenden und Darm befeuchtenden Methoden fortgeführt werden.

Akupunktur: Bl 25 (Dachangshu, Rücken-Shu-Punkt), Ma 25 (Tianshu, Alarm-Mu-Punkt), Ma 37 (Shangjuxu, Unterer-Meer-He-Punkt des Dickdarms): Leiten Hitze aus dem Dickdarm aus und fördern den Stuhlgang; Ma 44 (Neiting), Di 11 (Quchi), Le 2 (Xingjian), Di 4 (Hegu), SJ 6 (Zhigou) eliminieren Hitze aus Dickdarm und Magen, bewegen das Qi und machen den Darm durchgängig.
Ernährungstipp: Scharfe und warme Nahrungsmittel meiden. Auf eine regelmäßige Flüssigkeitszufuhr achten.
Qi-Stagnation (Qi Mi)
Therapieprinzipien Qi regulieren und Stagnation lösen
Rezept: Liu Mo Yin Zi enthält: Aurantii Fr. immaturus (Zhi Shi), Aucklandiae Rx. (Mu Xiang), Linderae Rx. (Wu Yao), Aquilariae Lignum resinatum (Chen Xiang), Arecae Sm. (Bing Lang), Rhei Rx. et Rz. (Da Huang). Modifikationen: Zeigt sich die Stagnation mehr auf der Lungenseite (Lungen-Qi-Stagnation) zusätzlich Armeniacae Sm. (Xing Ren), Trichosanthis Pericarpium (Gua Lou Pi), Lepidii/Descurainiae Sm. (Ting Li Zi). Bei Anzeichen, dass sich die Leber-Qi-Stauung zu Stauungshitze entwickelt hat, mit den Symptomen Halstrockenheit, bitterer bzw. saurer Mundgeschmack sowie gelber Zungenbelag zusätzlich Aloe (Lu Hui), Scutellariae Rx. (Huang Qin) und Gardeniae Fr. (Zhi Zi). Tritt die Obstipation durch einen bzw. nach einem operativen Eingriff und/oder Trauma auf, zusätzlich Blut bewegende Arzneien wie Persicae Sm. (Tao Ren), Carthami Fl. (Hong Hua), Paeoniae Rx. rubra (Chi Shao) und Notoginseng Rx. (San Qi) einsetzen. Wenn sich die Obstipation gebessert hat, sich aber weiterhin eine Leber-Qi-Stauung zeigt, Wechsel zu Chai Hu Shu Gan San (7.6.6).
Akupunktur: Bl 25 (Dachangshu), Ma 25 (Tianshu), Di 4 (Hegu) regulieren den Dickdarm und machen den Darm durchgängig; Gb 34 (Yanglingquan), Le 14 (Qimen), Le 3 (Taichong), SJ 6 (Zhigou) regulieren das Leber-Qi.
Tipp: Regelmäßig abends vor dem Schlafen Bauchmassagen im Uhrzeigersinn durchführen (Tuina 6). Darüber hinaus sind Bewegung und regelmäßige sportliche Betätigung wichtig.
Obstipation durch Mangel- bzw. Leere-Syndrome (Xu Mi)
Qi-Mangel (Qi Xu Mi)
Therapieprinzipien Milz- und Lungen-Qi stärken
Rezept: Huang Qi Tang enthält: Astragali Rx. (Huang Qi), Glycyrrhizae Rx. (et Rz.) praep. (Zhi Gan Cao), Citri reticulatae Pericarpium (Chen Pi), Cannabis Sm. (Huo Ma Ren) und Honig (Feng Mi). Modifikationen: Bei Qi-Mangel zusätzlich Codonopsis Rx. (Dang Shen) und Polygonati Rz. (Huang Jing). Bei absinkendem Milz-Qi mit Zeichen von Hämorrhoiden bzw. Anusprolaps zusätzlich Cimicifugae Rz. (Sheng Ma) und Bupleuri Rx. (Chai Hu). Bei starkem Lungen-Qi-Mangel mit Symptomen wie chronischer Husten und Dyspnoe zusätzlich Sheng Mai San (7.6.10.a) oder Shen Ge San enthält: Ginseng Rx. (Ren Shen) und Gecko (Ge Jie). Bei Nieren-Qi-Mangel Einsatz von Bu Yuan Jian enthält: Ginseng Rx. (Ren Shen), Angelicae sinensis Rx. (Dang Gui), Dioscoreae Rz. (Shan Yao), Rehmanniae Rx. praep. (Shu Di Huang), Corni Fr. (Shan Zhu Yu), Eucommiae Cx. (Du Zhong), Lycii Fr. (Gou Qi Zi), Glycyrrhizae Rx. (et Rz.) praep. (Zhi Gan Cao).
Akupunktur: Ma 25 (Tianshu), Ren 6 (Qihai), Ma 36 (Zusanli), Bl 20 (Pishu) stärken das Milz-Qi und regulieren den Darm.
Blut-Mangel (Xue Xu Mi)
Therapieprinzipien Blut nähren und Trockenheit befeuchten
Rezept: Run Chang Wan (7.6.5.b). Modifikationen: Bei Yin-Mangel mit Leere-Hitze mit Symptomen wie Hitze der fünf Flächen (thorakal, Handinnenflächen und Fußsohlen), Mundtrockenheit, rote Zunge mit wenig abgeschältem oder ohne Zungenbelag zusätzlich Scrophulariae Rx. (Xuan Shen), Ophiopogonis Rx. (Mai Men Dong), Polygoni multiflori Rx. praep. (He Shou Wu). Bei Nieren-Yin-Mangel mit Müdigkeit und Schmerzen in der Lendenregion sowie bei Frauen mit Hypomenorrhö zusätzlich Polygoni multiflori Rx. praep. (He Shou Wu), Cistanches Hb. (Rou Cong Rong), Juglandis Sm. (Hu Tao Ren). Bei Blut-Mangel mit Zeichen von Blut-Stase wie blasse Zunge mit dunkelvioletten Stasepunkten bzw. -flecken das Blut nährende, Blut bewegende und Darm befeuchtende Rezept Tong You Tang einsetzen, enthält: Rehmanniae Rx. (Sheng Di Huang), Rehmanniae Rx. praep. (Shu Di Huang), Persicae Sm. (Tao Ren), Carthami Fl. (Hong Hua), Angelicae sinensis Rx. (Dang Gui), Glycyrrhizae Rx. (et Rz.) praep. (Zhi Gan Cao) und Cimicifugae Rz. (Sheng Ma). Bei gewohnheitsmäßiger Obstipation regelmäßig das den Darm befeuchtende Rezept Wu Ren Wan verschreiben, enthält: Persicae Sm. (Tao Ren), Armeniacae Sm. (Xing Ren), Biotae Sm. (Bai Zi Ren), Pinienkerne (Song Zi Ren), Pruni Sm. (Yu Li Ren) und Citri reticulatae Pericarpium (Chen Pi).
Akupunktur: Ma 25 (Tianshu), Ren 4 (Guanyuan), Bl 17 (Geshu), Bl 18 (Ganshu), Bl 20 (Pishu), Le 8 (Ququan), Le 3 (Taichong), Di 4 (Hegu), Ni 6 (Zhaohai) und SJ 6 (Zhigou) nähren Blut und befeuchten den Dickdarm.
Ernährungstipp: Empfehlenswert ist der regelmäßige Verzehr von Nüssen, Mandeln, Erdnüssen, schwarzem Sesam, Pinienkernen etc., die eine befeuchtende und dadurch laxierende Wirkung auf den Darm haben. Um das Blut zu nähren, wird die regelmäßige Zufuhr von Nahrungsmitteln mit roter Farbe empfohlen, z.B. gekochte Tomaten, rote Beete und rotes Fleisch.
Kälte (Leng Mi)
Therapieprinzipien Erwärmen und den Darm durchgängig machen
Rezept: Ji Chuan Jian enthält: Angelicae sinensis Rx. (Dang Gui), Achyranthis bidentatae Rx. (Niu Xi), Cistanches Hb. (Rou Cong Rong), Alismatis Rz. (Ze Xie), Cimicifugae Rz. (Sheng Ma) und Aurantii Fr. (Zhi Qiao). Zu diesem Rezept wird häufig noch Juglandis Sm. (Hu Tao Ren) und Polygoni multiflori Rx. (He Shou Wu) hinzugefügt. Um das Nieren-Yang noch mehr zu stärken, empfiehlt es sich, in regelmäßigen Abständen zusätzlich You Gui Wan (7.6.10.e) oder Jin Gui Shen Qi Wan (7.6.10.e) einzunehmen.
Akupunktur: Ma 25 (Tianshu) und Ren 8 M (Shenque, Bauchnabel), Ren 6 (Qihai), Ren 4 (Guanyuan), Du 4 (Mingmen) und Bl 23 (Shenshu) stärken das Milz- und Nieren-Yang und machen den Darm durchgängig.

Leber und Gallenblase

TIAN Delu, TIAN Li

Leitsymptom: Schmerzen im Hypochondrium (Xie Tong)

Alle Erkrankungen und Syndrome, die ihre Ursache in einer Leber- oder Gallenblasen-Schädigung haben und mit einer Disharmonie zwischen Qi und Blut einhergehen, werden als Schmerzen im Hypochondrium bezeichnet. Dabei ist der Schmerz in der Region des Hypochondriums auf einer oder auf beiden Seiten lokalisiert. Oft wird er begleitet von ziehenden Schmerzen im Magen und harten Knoten über dem Hypochondrium.
Mögliche westliche Diagnosen: In der westlichen Medizin sind Erkrankungen der Leber und Gallenblase wie akute und chronische Hepatitis, Leberzirrhose, Infektion der Leberlappen, Cholezystitis, Gallensteine, trockene oder feuchte Pleuritis, Interkostalneuralgie und kostale Perichondritis durch Schmerzen im Hypochondrium gekennzeichnet. Die Behandlung richtet sich nach den Symptomen und der Differenzierung der Syndrome (Tab. 13.19).
Pathomechanismus: Die Störung ist in den FK Leber und Gallenblase lokalisiert, bei der Entstehung können auch die FK Milz, Magen, Lunge und Niere beteiligt sein. Ursächlich beteiligt sind sowohl äußere pathogene Faktoren wie auch innere Faktoren. Wenn der freie Fluss des Leber- und Gallenblasen-Qi gestört ist, sind nicht nur Milz und Magen mit betroffen, sondern auch Lunge und Leber, die ihre Funktion des Auf- und Absteigens des Qi (Qi-Dynamik, Qi Ji 2.3.1) nicht mehr adäquat gewährleisten können. Leber und Niere haben eine gemeinsame Wurzel (für Essenz-Jing und Blut), sodass bei einem Nieren-Yin-Mangel die Leber nicht mehr ernährt werden kann, was Schmerzen im Hypochondrium aufgrund von Leber-Yin-Mangel verursacht.
Syndrom-Differenzierung: Es werden Fülle- und Mangel-Syndrome unterschieden, wobei sich Fülle-Syndrome klinisch häufiger zeigen. Bei den Fülle-Syndromen ist die Leber-Qi-Stauung am häufigsten anzutreffen, gefolgt von Blut-Stase und Feuchte-Hitze-Syndromen (Tab. 13.19). Bei den Mangel-Syndromen unterscheidet man Qi-Mangel und Blut-Mangel. Bestehen Fülle-Syndrome über eine lange Zeit, entsteht Hitze, die wiederum das Yin konsumiert mit nachfolgendem Leber- und Nieren-Yin-Mangel und Entwicklung komplexer Fülle-/Mangel-Syndrome.

Schmerzen im Hypochondrium sind differenzialdiagnostisch von epigastralen und thorakalen Schmerzen abzugrenzen.

Leber-Qi-Stauung (11.7.2)
Therapieprinzipien Leber-Qi regulieren
Rezept: Chai Hu Shu Gan San (7.6.6). Modifikationen: Bei starken Spannungsschmerzen Qi regulierende und Schmerzen lindernde Arzneien einsetzen wie Citri reticulatae viride Pericarpium (Qing Pi), Toosendan Fr. (Chuan Lian Zi), Curcumae Rx. (Yu Jin), Corydalis Rz. (Yan Hu Suo). Bei (Staungs-)Hitze durch Leber-Qi-Stauung mit Symptomen wie brennende Schmerzen, Reizbarkeit, Mundtrockenheit, bitterer Mundgeschmack, gelber konzentrierter Urin, Obstipation, rote Zunge mit gelbem Zungenbelag sowie saitenförmiger und schneller Puls Chuanxiong Rz. (Chuan Xiong) aus der Rezeptur entfernen und zusätzlich Leber-Hitze klärende, Qi regulierende, Blut bewegende und Schmerzen lindernde Arzneien einsetzen wie Moutan Cx. (Mu Dan Pi), Gardeniae Fr. (Zhi Zi), Coptidis Rz. (Huang Lian), Toosendan Fr. (Chuan Lian Zi), Corydalis Rz. (Yan Hu Suo). Bei Leber Hitze verletzt Leber-Yin mit milderen Schmerzen, die sich durch Überarbeitung verschlimmern, mit Schwindel, Reizbarkeit, Schlafstörungen, roter Zunge mit gelbem trockenem Zungenbelag und dünnem und saitenförmigem Puls Chuanxiong Rz. (Chuan Xiong) entfernen und zusätzlich Yin nährende und Hitze klärende Arzneien einsetzen wie Salviae miltiorrhizae Rx. (Dan Shen), Polygoni multiflori Rx. (He Shou Wu), Lycii Fr. (Gou Qi Zi), Moutan Cx. (Mu Dan Pi), Gardeniae Fr. (Zhi Zi), Chrysanthemi Fl. (Ju Hua). Bei Leber greift die Milz an (11.11.18) mit abdominalen Schmerzen und Diarrhö zusätzlich Milz-Qi stärkende und Diarrhö beendende Arzneien wie Atractylodis macrocephalae Rz. (Bai Zhu), Poria (Fu Ling), Coicis Sm. (Yi Yi Ren), Lablab Sm. album (Bai Bian Dou). Bei Leber greift den Magen an (11.11.19) mit Übelkeit und Erbrechen zusätzlich den Magen harmonisierende und Erbrechen beendende Arzneien wie Inulae Fl. (Xuan Fu Hua), Haematitum (Dai Zhe Shi), Pinelliae Rz. praep. ([Zhi] Ban Xia) und Zingiberis Rz. recens (Sheng Jiang).
Akupunktur: Le 14 (Qimen), Gb 34 (Yanglingquan), SJ 6 (Zhigou), Le 3 (Taichong) befreien die Meridiane von Leber und Gallenblase, regulieren Qi und lindern Schmerzen.
Blut-Stase
Therapieprinzipien Stase beheben und Netzgefäße frei machen
Rezept: Xue Fu Zhu Yu Tang (7.6.12.a) oder Fu Yuan Huo Xue Tang (bei zugrunde liegendem Trauma) enthält: Angelicae sinensis Rx. (Dang Gui) 9 g, Persicae Sm. (Tao Ren) 6–9 g, Carthami Fl. (Hong Hua) 6 g, Rhei Rx. et Rz., in Wein präpariert ([Jiu Zhi] Da Huang) bis 30 g, Trichosanthis Rx. (Tian Hua Fen) 9 g, Bupleuri Rx. (Chai Hu) 6–9 g, Glycyrrhizae Rx. (et Rz.) (Gan Cao) 6 g, Anmerkung: In der Originalrezeptur ist Manitis Squama praep. ([Pao] Chuan Shan Jia) enthalten (cave: Artenschutz). Modifikationen: Bei harten Knoten unter dem Hypochondrium zusätzlich Blut-Stase brechende und Knoten auflösende Arzneien wie Sparganii Rz. (San Leng), Curcumae Rz. (E Zhu).
Akupunktur: Le 14 (Qimen), Mi 21 (Dabao), Bl 17 (Geshu), Mi 10 (Xuehai), Di 4 (Hegu) und Le 3 (Taichong) bewegen Blut-Stase, machen die Netz-Luo-Gefäße frei und lindern Schmerzen.
Feuchtigkeit und Hitze in Leber und Gallenblase
Therapieprinzipien Hitze klären und Feuchtigkeit ausleiten
Rezept: Long Dan Xie Gan Tang (7.6.4.d). Modifikationen: Bei starken Schmerzen im Hypochondrium zusätzlich Leber-Qi regulierende und Schmerzen lindernde Arzneien wie Toosendan Fr. (Chuan Lian Zi), Corydalis Rz. (Yan Hu Suo), Citri reticulatae viride Pericarpium (Qing Pi), Curcumae Rx. (Yu Jin) und Pinelliae Rz. praep. ([Zhi] Ban Xia). Bei Ikterus mit Fieber zusätzlich Feuchte-Hitze ausleitende und Ikterus behandelnde Arzneien wie Artemisiae scopariae Hb. (Yin Chen Hao) und Phellodendri Cx. (Huang Bai). Bei Erbrechen von Würmern zunächst Wu Mei Wan (7.6.18) einsetzen. Bei Koliken aufgrund von Cholelithiasis zusätzlich Stein ausleitende Arzneien wie Lysimachiae/Desmodii Hb. (Jin Qian Cao), Lygodii Spora (Hai Jin Sha) und Curcumae Rx. (Yu Jin). Bei Hitze, die das Yin geschädigt hat, mit Obstipation, Stuhltrockenheit und abdominaler Abwehrspannung zusätzlich abführende und Hitze ausleitende Arzneien wie Rhei Rx. et Rz. (Da Huang) und Natrii sulfas (Mang Xiao).
Akupunktur: Gb 34 (Yanglingquan), Mi 9 (Yinlingquan), Mi 6 (Sanyinjiao), Bl 18 (Ganshu) und Bl 19 (Danshu) klären Hitze und leiten Feuchtigkeit aus den Leber- und Gallenblasen-Meridianen aus.
Leber-Yin-Mangel
Therapieprinzipien Leber-Yin nähren
Rezept: Yi Guan Jian (7.6.10.d). Modifikationen: Bei stärker ausgeprägter Leber-Qi-Stauung (11.7.2) zusätzlich Leber-Qi bewegende Arzneien, die jedoch das Yin nicht verletzen wie Albiziae Fl. (He Huan Hua), Rosae rugosae Fl. (Mei Gui Hua) und Tribuli Fr. (Bai Ji Li). Bei Reizbarkeit zusätzlich Hitze klärende und Geist beruhigende Arzneien wie Ziziphi spinosae Sm. (Suan Zao Ren) und Gardeniae Fr. (Zhi Zi). Bei Schwindel zusätzlich Nieren stärkende und Leber klärende Arzneien wie Polygonati Rz. (Huang Jing), Ligustri lucidi Fr. (Nü Zhen Zi) und Chrysanthemi Fl. (Ju Hua).
Akupunktur: Bl 18 (Ganshu), Bl 23 (Shenshu), Le 14 (Qimen), Gb 34 (Yanglingquan), Le 8 (Ququan) und Mi 6 (Sanyinjiao) nähren Leber- und Nieren-Yin und klären Leere-Hitze.

Leitsymptom: Ikterus (Huang Dan)

Ikterus (Huang Dan) äußert sich in gelben Skleren, gelber Hautfarbe und gelbem Urin. Nach CM wird er in Yang-Ikterus, Yin-Ikterus und akuten Ikterus unterteilt. Der Yang-Ikterus ist klinisch am häufigsten anzutreffen und entspricht der infektiösen Form.
Mögliche westliche Diagnosen: Ikterus hat in der traditionellen chinesischen Medizin und in der westlichen Medizin dieselbe Bedeutung. Er kommt z.B. vor bei infektiöser Hepatitis, Cholezystitis, Cholezystolithiasis, Leberzirrhose, Hämolyse, akuter oder subakuter gelber Leberatrophie und Leptospirose.
Pathomechanismus: Nach CM gilt Feuchtigkeit als der hauptsächliche pathogene Faktor bei der Entstehung eines Ikterus, wobei Feuchte-Hitze und Feuchte-Kälte unterschieden werden. Auf der Zang-Fu-Ebene sind hauptsächlich Milz, Magen, Leber und Gallenblase beteiligt, wobei Milz und Magen zuerst betroffen sind und nachfolgend die FK Leber und Gallenblase. Die Milz kann in ihrer Transport- und Transformationsfunktion der Nährstoffe leicht durch Feuchtigkeit beeinträchtigt werden wie z.B. durch einen äußeren Angriff von Feuchtigkeit, durch Fehlernährung mit einem Zuviel an Feuchtigkeit bildenden Nahrungsmitteln oder durch Feuchtigkeitsansammlungen, die im Inneren entstehen. Dies führt zu einer Stagnation von Feuchtigkeit im mittleren Jiao und dadurch zu einer Behinderung der Qi-Dynamik (Qi Ji, 2.3.1). Das Milz-Qi (bzw. das klare Yang) kann nicht mehr (adäquat) aufsteigen, was zu einer Leber-Qi-Stauung (11.7.2) führt. Das Magen-Qi (bzw. das trübe Yin) kann nicht mehr (adäquat) absteigen, was zu Störungen im Gallenfluss führt. Eine Stagnation von Feuchtigkeit führt zu einer Stockung der Galle in den Gallengängen. Die Galle sickert in die Blutgefäße und von dort in Muskeln und Haut mit der Folge der Ausbildung eines Ikterus.
Differenzierung zwischen Yang- und Yin-Ikterus (Tab. 13.20, Tab. 13.21):
  • Patienten, die eher einen Yang-Ikterus entwickeln, haben konstitutionell meist ein exzessives Yang mit mehr Hitze und exzessivem Magen-Feuer. Aufgrund der Hitze wird die Feuchtigkeit zu Feuchte-Hitze ungewandelt und führt zu einer Stagnation von Feuchte-Hitze. Die Pathogenese eines Yang-Ikterus wird maßgeblich dadurch bestimmt, ob im Verhältnis mehr Feuchtigkeit oder mehr Hitze vorliegt. Exzessive Feuer-Hitze wird als Toxin bezeichnet. Liegt eine Fülle an Hitze-Toxinen vor, besteht die Gefahr, dass der pathogene Faktor das Blut angreift und in das Perikard eindringt, was zu einem akuten Ikterus führt

  • Patienten, die eher einen Yin-Ikterus entwickeln, haben konstitutionell ein exzessives Yin mit Kälte und Milz-Yang-Mangel. Die Feuchtigkeit wird durch Kälte umgewandelt zu Feuchte-Kälte. Ein länger bestehender Yang-Ikterus oder ein Zuviel an kalten Arzneien schädigt das Milz-Yang. Aufgrund der Kälte wird Feuchtigkeit zu Feuchte-Kälte transformiert, die zu einem Yin-Ikterus führt, d.h., auch ein Yang-Ikterus kann sich verändern und sich zu einem Yin-Ikterus entwickeln

  • Wird der Ikterus durch eine Verlegung der Gallengänge aufgrund von Gallensteinen oder Würmern verursacht, zeigen sich Symptome der Leber und Gallenblase mit Hitzezeichen, die zum Yang-Ikterus gehören

  • Entsteht der Ikterus durch lang bestehende abdominale Ansammlungen wie eine Blut-Stase in der Leberregion, kann sich je nach Kälte- oder Hitze-Konstitution ein Yin- oder ein Yang-Ikterus entwickeln.

Allgemeine Therapieprinzipien bei Ikterus (Huang Dan)

  • Feuchtigkeit ist der prominente pathogene Faktor, daher ist es zunächst wichtig, Feuchtigkeit auszuleiten und die Diurese anzuregen

  • Yang-Ikterus: Hitze klären und Feuchtigkeit ausleiten als wichtigste Therapiestrategie. Falls nötig, abführende Arzneien hinzufügen

  • Yin-Ikterus: Das Yang erwärmen und Feuchtigkeit ausleiten; zusätzlich Qi und Blut stärken oder Leber-Blut bewegen

  • Akuter Ikterus, der zum Yang-Ikterus gehört und durch exzessive Hitze gekennzeichnet ist, die in die Nähr-Ying- bzw. Blut-Xue-Schicht eingedrungen ist: Hitze klären, Toxine ausleiten, Hitze aus der Ying-Schicht ableiten, die Sinne wieder öffnen

  • Anmerkung: Ikterus ist eine Domäne der chinesischen Arzneitherapie, Akupunktur wird daher bei den folgenden Therapieempfehlungen (13.4.2.a, 13.4.2.b) nicht besprochen.

Yang-Ikterus
Jeder der drei Typen des Yang-Ikterus entsteht durch Feuchte-Hitze.
Im Verhältnis mehr Hitze als Feuchtigkeit
Therapieprinzipien Hitze klären, Feuchtigkeit ausleiten und Stuhlgang abführen
Rezept:
  • Yin Chen Hao Tang (7.6.8.b). Modifikationen: Um noch mehr Feuchtigkeit auszuleiten, zusätzlich Feuchtigkeit ausleitende Arzneien wie z.B. Polyporus (Zhu Ling), Poria (Fu Ling), Plantaginis Sm. (Che Qian Zi), Talcum (Hua Shi). Bei Übelkeit zusätzlich Coptidis Rz. (Huang Lian), Bambusae Caulis in taeniam (Zhu Ru) und Citri reticulatae Pericarpium (Chen Pi). Bei Schmerzen im rechten Hypochondrium zusätzlich Bupleuri Rx. (Chai Hu), Curcumae Rx. (Yu Jin), Toosendan Fr. (Chuan Lian Zi) und Corydalis Rz. (Yan Hu Suo). Bei epigastralem und abdominalem Völlegefühl zusätzlich Aurantii Fr. immaturus (Zhi Shi), Magnoliae officinalis Cx. (Hou Po)

  • Bei Koliken durch Cholezystolithiasis Einsatz von Da Chai Hu Tang (7.6.6) und zusätzlich Artemisiae scopariae Hb. (Yin Chen Hao), Curcumae Rx. (Yu Jin), Lygodii Spora (Hai Jin Sha), Lysimachiae Hb. (Jin Qian Cao)

  • Bei einer Blockade der Gallengänge durch Würmer Einsatz von Wu Mei Wan (7.6.18) und zusätzlich Artemisiae scopariae Hb. (Yin Chen Hao) und Gardeniae Fr. (Zhi Zi). Modifikationen: Zeigt sich durch die Blockade mehr Hitze, Aconiti Rx. lateralis praep. ([Zhi] Fu Zi) und Cinnamomi Ra. (Gui Zhi) entfernen, Zanthoxyli Pericarpium (Chuan Jiao) und Zingiberis Rz. (Gan Jiang) in der Dosis reduzieren und die Dosierung von Coptidis Rz. (Huang Lian) und Phellodendri Cx. (Huang Bai) erhöhen. Zeigen sich bei einer Blockade durch Würmer nur wenige Zeichen von Qi- und Blut-Mangel, Codonopsis Rx. (Dang Shen) und Angelicae sinensis Rx. (Dang Gui) aus der Rezeptur entfernen und folgende Arzneien hinzufügen: Toosendan Fr. (Chuan Lian Zi), Arecae Sm. (Bing Lang) und Quisqualis Fr. (Shi Jun Zi).

Im Verhältnis mehr Feuchtigkeit als Hitze
Therapieprinzipien Feuchtigkeit ausleiten und Trübes umwandeln, Hitze klären
Rezept:
  • Yin Chen Wu Ling San gilt als Basisrezept für einen Yang-Ikterus, wenn Feuchtigkeit die Hitze dominiert. Es enthält Wu Ling San (7.6.8.c) und zusätzlich Artemisiae scopariae Hb. (Yin Chen Hao)

  • Wenn Feuchtigkeit und Hitze in gleichem Verhältnis vorhanden sind, Einsatz von Gan Lu Xiao Du Dan enthält: Scutellariae Rx. (Huang Qin), Clematidis armandii Caulis (Chuan Mu Tong), Talcum (Hua Shi), Pogostemonis oder Agastache Hb. (Huo Xiang), Myristicae Sm. (Rou Dou Kou). Modifikationen: Bei Erbrechen zusätzlich Pinelliae Rz. praep. (Ban Xia), Citri reticulatae Pericarpium (Chen Pi). Bei Blähungen zusätzlich Aucklandiae Rx. (Mu Xiang) und Arecae Pericarpium (Da Fu Pi)

  • In der Anfangsphase eines Yang-Ikterus mit äußeren Symptomen (gleichzeitiges Fieber/Frösteln bzw. Kälteaversion) Ma Huang Lian Qiao Chi Xiao Dou Tang einsetzen, enthält: Ephedrae Hb. (Ma Huang), Armeniacae Sm. (Xing Ren), Mori Cx. (Sang Bai Pi), Forsythiae Fr. (Lian Qiao), Phaseoli Sm. (Chi Xiao Dou), Glycyrrhizae Rx. (et Rz.) (Gan Cao), Zingiberis Rz. recens (Sheng Jiang), Jujubae Fr. (Da Zao)

  • Bleibt das Fieber nach der Anfangsphase eines Yang-Ikterus bestehen, Einsatz von Zhi Zi Bai Pi Tang enthält: Gardeniae Fr. (Zhi Zi), Glycyrrhizae Rx. (et Rz.) (Gan Cao), Phellodendri Cx. (Huang Bai)

  • Zeigt sich während der Entwicklung eines Yang-Ikterus eine Obstipation durch Fülle-Hitze in der Yangming-Schicht (12.1) Einsatz von Da Huang Xiao Shi Tang enthält: Rhei Rx. et Rz. (Da Huang), Phellodendri Cx. (Huang Bai), Natrii sulfas (Mang Xiao), Gardeniae Fr. (Zhi Zi).

Exzessive toxische Hitze (akuter Ikterus)
Therapieprinzipien Hitze und Toxine ausleiten, Blut kühlen und Sinnesöffnungen freimachen
Rezept: Xi Jiao San enthält: Bubali Cornu (Shui Niu Jiao) (als Ersatz für Rhinocerotisi Cornu [Xi Jiao]), Coptidis Rz. (Huang Lian), Gardeniae Fr. (Zhi Zi), Cimicifugae Rz. (Sheng Ma). Modifikationen: Um mehr Toxine zu eliminieren und Hitze zu klären, zusätzlich Isatidis Fo. (Da Qing Ye), Lonicerae Fl. (Jin Yin Hua), Forsythiae Fr. (Lian Qiao). Um in erster Linie das Blut zu kühlen, zusätzlich Rehmanniae Rx. (Sheng Di), Moutan Cx. (Mu Dan Pi), Scrophulariae Rx. (Xuan Shen), Dendrobi Hb. (Shi Hu). Bei Koma und Delirium wird in der VR China zusätzlich die Rezeptur An Gong Niu Huang Wan eingesetzt (Rezeptur siehe Scheid/Bensky [2009]: In der Ursprungsrezeptur sind Cinnabaris [Zhu Sha], Realgar [Xiong Huang] enthalten, deren Verwendung verboten ist, Rhinocerotisi Cornu [Xi Jiao] wird ersetzt durch Bubali Cornu [Shui Niu Jiao]). Cave: Westliche Notfallmedizin beachten! Bei Blutung in Stuhl und unter die Haut zusätzlich Sanguisorbae Rx., verkohlt (Di Yu Tan), Platycladi Cacumen, verkohlt (Ce Bai Ye Tan). Bei Ödemen durch Oligurie zusätzlich Clematidis armandii Caulis (Chuan Mu Tong), Imperatae Rz. (Bai Mao Gen), Plantaginis Hb. (Che Qian Cao), Arecae Pericarpium (Da Fu Pi).
Yin-Ikterus
Retention von Feuchte-Kälte
Therapieprinzipien Milz stärken, Magen harmonisieren, Kälte und Feuchtigkeit erwärmen und umwandeln
Rezept: Yin Chen Zhu Fu Tang enthält: Artemisiae scopariae Hb. (Yin Chen Hao), Aconiti Rx. lateralis praep. ([Zhi] Fu Zi), Atractylodis macrocephalae Rz. (Bai Zhu), Zingiberis Rz. (Gan Jiang), Glycyrrhizae Rx. (et Rz.) (Gan Cao). Modifikationen: Um noch mehr Qi zu bewegen und Feuchtigkeit auszuleiten, zusätzlich Curcumae Rx. (Yu Jin), Magnoliae officinalis Cx. (Hou Po), Poria (Fu Ling), Alismatis Rz. (Ze Xie). Bei Meteorismus Atractylodis macrocephalae Rz. (Bai Zhu) und Glycyrrhizae Rx. (et Rz.) (Gan Cao) aus der Rezeptur entfernen und folgende Arzneien hinzufügen: Atractylodis Rz. (Cang Zhu), Magnoliae officinalis Cx. (Hou Po).
Blockade durch Blut-Stase
Therapieprinzipien Blut bewegen, Blut-Stase lösen und Ikterus beseitigen
Rezept: Ge Xia Zhu Yu Tang enthält: Angelicae sinensis Rx. (Dang Gui), Chuanxiong Rz. (Chuan Xiong), Persicae Sm. (Tao Ren), Moutan Cx. (Mu Dan Pi), Paeoniae Rx. rubra (Chi Shao), Linderae Rx. (Wu Yao), Corydalis Rz. (Yan Hu Suo), Glycyrrhizae Rx. (et Rz.) (Gan Cao), Cyperi Rz. (Xiang Fu), Carthami Fl. (Hong Hua), Aurantii Fr. (Zhi Ke), Anmerkung: In der Ursprungsrezeptur ist zusätzlich noch Trogopterori Faeces, trocken geröstet ([Chao] Wu Ling Zhi) enthalten. Modifikationen: Oft kombiniert mit Artemisiae scopariae Hb. (Yin Chen Hao). Bei Leber-Qi-Stauung und Blut-Mangel oft kombiniert mit Xiao Yao San (7.6.6). Bei starker Milz-Schwäche zusätzlich Xiang Sha Liu Jun Zi Tang (7.6.10.a) einsetzen.
Milz-Schwäche und Blut-Mangel (Ikterus vom Mangel-Typ bzw. Mangel-Ikterus)
Therapieprinzipien Milz stärken, mittleren Jiao erwärmen, Qi stärken und Blut nähren
Rezept: Xiao Jian Zhong Tang (7.6.9). Modifikationen: Bei starkem Qi-Mangel zusätzlich Astragali Rx. (Huang Qi) und Codonopsis Rx. (Dang Shen). Bei starkem Blut-Mangel zusätzlich Angelicae sinensis Rx. (Dang Gui), Rehmanniae Rx. praep. (Shu Di Huang), Ecliptae Hb. (Han Lian Cao). Bei starkem Yang-Mangel Cinnamomi Ra. (Gui Zhi) austauschen mit Cinnamomi Cx. (Rou Gui) und Zingiberis Rz. (Gan Jiang) hinzufügen.
Ernährungstipp: Fettige, ölige und scharfe Nahrungsmittel sowie Meeresfrüchte und Alkohol meiden.

Harnsystem

Claudia Focks
Die Harnausscheidung steht unmittelbar unter der Kontrolle der Harnblase und ist in Bezug auf die Qi-Transformation eng mit der Niere verbunden. Eine wichtige Rolle spielen ebenso die Transport- und Transformationsfunktion der Milz, die Verteilungs- und Herabführungsfunktion von Qi und Flüssigkeiten der Lunge sowie die Funktionen des San Jiao (2.4.11) wie z.B. das Durchgängighalten der Wasserwege. Die Harnausscheidung zeigt damit auch den Gesamtzustand der Flüssigkeiten im Körper an. Bei gesunden Personen unter normalen Bedingungen ändern sich Miktionsfrequenz und -menge des ausgeschiedenen Urins in Abhängigkeit von Flüssigkeitsaufnahme, Transpirationsmenge, Temperatur, Einnahme diuretisch wirkender Flüssigkeiten bzw. Nahrungsmittel und Lebensalter. Pathologien äußern sich in Abweichungen der Harnmenge (erhöht: Pollakisurie, vermindert: Oligurie), in Abweichungen der Miktionsfrequenz (erhöht oder verringert) sowie in Abweichungen der Empfindungen beim Wasserlassen wie z.B. Brennen, schmerzhafte oder behinderte Miktion.

Leitsymptom: Dysurie (Lin Zheng)

Unter der schmerzhaften Miktion (Dysurie bzw. Lin-Syndrom (Lin Zheng, DD Tab. 13.22) versteht man in der CM stechende, brennende, einschnürende oder reibende Empfindungen in der Harnröhre während der Miktion. Das Lin-Syndrom wird in der CM von behinderter oder blockierter Miktion abgegrenzt:
  • Eine behinderte Miktion (13.5.6) bedeutet auch eine verringerte Harnmenge, kann, muss aber nicht unbedingt (wie das Lin-Syndrom) eine Schmerzsymptomatik aufweisen

  • Eine blockierte Miktion (13.5.7) ist eine Störung des Harnflusses ohne oder mit nur wenig Schmerzen.

Besteht neben der Dysurie auch eine Hämaturie, wird dieses Mischbild meist unter dem Lin-Syndrom eingeordnet als Blut-Lin, wohingegen Blut im Harn ohne Schmerzen unter die Kategorie Hämaturie gehört. Ebenso wird wolkiger Harn mit Schmerzen unter Lin-Syndrom (Gao Lin) eingeordnet, wolkiger Harn ohne Schmerzen unter wolkiger Harn.
Hitze-Lin (Re Lin) durch Feuchte-Hitze in der Blase
Therapieprinzipien Hitze klären, Feuchtigkeit beseitigen und Schmerz beenden
Rezept: Bei akuter Feuchte-Hitze in der Blase Leitrezeptur Ba Zheng San (7.6.8.b). Modifikationen: Bei gleichzeitigen Zeichen einer Shaoyang-Beteiligung (alternierend Fieber/Frösteln, bitterer [saurer] Mundgeschmack, Halstrockenheit und Übelkeit) zusätzlich mit Xiao Chai Hu Tang (7.6.6) kombinieren. Wenn die Feuchte-Hitze bereits das Yin geschädigt hat mit Zeichen von Durst und einem trockenen, gelben Zungenbelag folgende Arzneien entfernen: Rhei Rx. et Rz. (Da Huang), Akebiae Caulis (Mu Tong) und Gardeniae Fr. (Zhi Zi), dann Anemarrhenae Rz. (Zhi Mu), Imperatae Rz. (Bai Mao Gen) und Rehmanniae Rx. (Sheng Di Huang) hinzufügen.
Akupunktur: Ren 3 (Zhongji), Bl 28 (Pangguangshu) regulieren den Qi-Mechanismus der Harnblase; Mi 9 (Yinlingquan) beseitigt Feuchtigkeit; Di 11 (Quchi) bei Fieber; Bl 27 (Xiaochangshu) bei krampfartiger Schmerzausstrahlung in Abdomen und Lumbalregion; Ni 6 (Zhaohai) und SJ 6 (Zhigou) bei Obstipation.
Blut-Lin (Xue Lin), Fülle-Typ durch Feuchte-Hitze in der Blase oder Herz-Feuer
Therapieprinzipien Hitze klären und den Harnfluss befreien, das Blut kühlen und Blutungen beenden
Rezept: Dao Chi San (7.6.4.d) in Kombination mit Huang Lian Jie Du Tang (7.6.4.c). Variation von Xiao Ji Yin Zi (7.6.12.b) enthält: Cirsii Hb. (Xiao Ji), Rehmanniae Rx. (Sheng Di Huang), Talcum (Hua Shi), Typhae Pollen (Pu Huang), Lophateri Hb. (Dan Zhu Ye), Nelumbinis Nodus rhizomatis (Ou Jie), Gardeniae Fr. (Zhi Zi), Dianthi Hb. (Qu Mai), Pyrrosiae Fo. (Shi Wei), Glycyrrhizae Rx. (et Rz.) (Gan Cao). Modifikation: Bei starker Hämaturie zusätzlich Notoginseng Rx. (San Qi) und Succinum (Hu Po). Bei Blutklümpchen im Urin zusätzlich Cyathulae Rx. (Chuan Niu Xi) und Paeoniae Rx. rubra (Chi Shao). Bei sehr schmerzhafter Dysurie zusätzlich Olibanum (Ru Xiang), Myrrha (Mo Yao) und Corydalis Rz. (Yan Hu Suo). Wenn die Hitze das Yin geschädigt hat, zusätzlich Asini Corii Colla (E Jiao), Ecliptae Hb. (Han Lian Cao), Ligustri Lucidi Fr. (Nü Zhen Zi). Bei Herz-Feuer mit Unruhe, Schlafstörungen und Zungenulzerationen zusätzlich Lophateri Hb. (Dan Zhu Ye), Junci Medulla (Deng Xin Cao), Akebiae Caulis (Mu Tong) und Succinum (Hu Po).
Akupunktur: Ren 3 (Zhongji), Bl 28 (Pangguangshu) regulieren den Qi-Mechanismus der Harnblase; Mi 9 (Yinlingquan), Le 5 (Ligou) beseitigen Feuchtigkeit vom unteren Jiao; Mi 10 (Xuehai), Mi 6 (Sanyinjiao) klären Blut-Hitze, beenden Blutungen; Le 3 (Taichong), Ni 2 (Rangu) kühlen das Blut, öffnen die Wasserwege; Bl 63 (Jinmen) beendet Blutungen; Bl 17 (Geshu) kühlt das Blut; Bl 22 – (Sanjiaoshu) beseitigt Feuchte-Hitze vom unteren Jiao; Bl 66 – (Zutonggu), Bl 63 – (Jinmen) klären Blasen-Hitze und beseitigen Schmerzen im Blasen-Meridian; Di 11 – (Quchi) bei Hitzesymptomen; He 8 – (Shaofu) klärt Hitze von Herz und Dünndarm (bei Loderndem Herz-Feuer verletzt Dünndarm).
Blut-Lin (Xue Lin), Mangel-Typ durch Feuchte-Hitze oder Hitze mit Nieren-Yin-Schädigung mit Leere-Hitze
Therapieprinzipien Yin nähren, Hitze klären und Blutungen beenden
Rezept: Zhi Bai Di Huang Wan (7.6.10.d) oder Variation enthält: Rehmanniae Rx. praep. (Shu Di Huang), Corni Fr. (Shan Zhu Yu), Dioscoreae Rz. (Shan Yao), Poria (Fu Ling), Moutan Cx. (Mu Dan Pi), Alismatis Rz. (Ze Xie), Asini Corii Colla (E Jiao), Cirsii Hb. (Xiao Ji), Ecliptae Hb. (Han Lian Cao), Phellodendri Cx. (Huang Bai). Modifikationen: Bei gleichzeitigem Qi-Mangel zusätzlich Codonopsis Rx. (Dang Shen) und Astragali Rx. (Huang Qi). Bei gleichzeitigem Nieren-Yang-Mangel mit Kälte-Zeichen zusätzlich Aconiti Rx. lateralis praep. ([Zhi] Fu Zi), Cinnnamomi Cx. (Rou Gui) und Morindae Rx. (Ba Ji Tian).
Akupunktur: Ren 3 (Zhongji), Bl 28 (Pangguangshu) regulieren den Qi-Mechanismus der Harnblase; Mi 9 (Yinlingquan) beseitigt Feuchtigkeit vom unteren Jiao; Mi 10 (Xuehai), Mi 6 (Sanyinjiao) klären Blut-Hitze, beenden Blutungen; Ren 4 + (Guanyuan) und Ni 6 + (Zhaohai), um Yin zu nähren. Bei Schwäche im Rücken zusätzlich Bl 23 (Shenshu), bei Schlafstörungen zusätzlich He 6 (Yinxi); bei sehr starkem Yin-Mangel mit Leere-Feuer zusätzlich Ni 10 (Yingu), Ni 2 (Rangu).
Stein-Lin (Shi Lin), Fülle-Typ durch Feuchte-Hitze in der Blase
Therapieprinzipien Hitze klären, Feuchtigkeit transformieren, Wasserwege öffnen, Harnsteine beseitigen und Schmerzen beenden
Rezept: Varation von Shi Wei San enthält: Pyrrosiae Fo. (Shi Wei), Malvae Fr./Sm. (Dong Kui Guo/Zi), Dianthi Hb. (Qu Mai), Belmacandae Rz. (She Gan), Talcum (Hua Shi), Plantaginis Sm. (Che Qian Zi), Gigeriae galli Endothelium corneum (Ji Nei Jin), Desmodii sen Lysimachiae Hb. (Jin Qian Cao), Lygodii Spora (Hai Jin Sha). Modifikationen: Bei starkem, krampfartigem Schmerz zusätzlich Paeoniae Rx. alba (Bai Shao), Glycyrrhizae Rx. (et Rz.) (Gan Cao). Bei Hämaturie zusätzlich Cirsii Hb. (Xiao Ji), Imperatae Rz. (Bai Mao Gen). Bei brennenden Schmerzen zusätzlich Gardeniae Fr. (Zhi Zi), Akebiae Caulis (Mu Tong). Bei Fieber zusätzlich Taraxaci Hb. (Pu Gong Ying), Phellodendri Cx. (Huang Bai), Rhei Rx. et Rz. (Da Huang).
Akupunktur: Ren 3 (Zhongji), Bl 28 (Pangguangshu) regulieren den Qi-Mechanismus der Harnblase; Mi 9 (Yinlingquan) beseitigt Feuchtigkeit vom unteren Jiao; Bl 39 – (Weiyang) in Kombination mit Ni 2 – (Rangu) und Le 4 (Zhongfeng) beseitigen Steine und beenden Schmerzen; Bl 23 – (Shenshu) reguliert die Nieren-Qi-Zirkulation, in Kombination mit Bl 28 (Pangguangshu) werden die Harnwege von Obstruktionen befreit; Ma 28 – (Shuidao) bei Steinen im mittleren und unteren Harntrakt; Ma 25 (Tianshu) bei Steinen im oberen Harntrakt; Bl 63 – (Jinmen) entfernt Obstruktionen des Blasen-Meridians.
Stein-Lin (Shi Lin), Mangel-Typ durch Nieren-Schwäche
Therapieprinzipien Die Nieren nähren, Feuer nach unten ableiten und Steine beseitigen
Rezept: Zhi Bai Di Huang Wan (7.6.10.d) und zusätzlich Phellodendri Cx. (Huang Bai), Talcum (Hua Shi), Lygodii Spora (Hai Jin Sha).
Akupunktur: Ren 3 (Zhongji), Ni 2 (Rangu), Bl 28 (Pangguangshu) unterstützen die Diurese und den freien Urinfluss, beseitigen Steine und beenden Schmerz; Ni 7 (Fuliu), Bl 23 (Shenshu) unterstützen die Niere und nähren Nieren-Yin; Ni 2 (Rangu), Ni 6 (Zhaohai), Ni 8 (Jiaoxin) bei starkem Nieren-Yin-Mangel mit Leere-Hitze, um das Yin zu nähren und das Feuer abzuleiten und den Harnfluss zu befreien, bei Steinen im oberen Harntrakt zusätzlich Ma 25 (Tianshu), bei Steinen im mittleren bis oberen Harntrakt zusätzlich Ma 28 (Shuidao), bei Hämaturie zusätzlich Mi 10 (Xuehai). Bei Schlafstörungen, Hitze der fünf Flächen und Nachtschweiß zusätzlich He 6 (Yinxi).
Trübes wolkiges Lin (Gao Lin), Fülle-Typ durch Feuchte-Hitze in der Blase
Therapieprinzipien Feuchtigkeit transformieren, das Klare vom Trüben trennen, die Wasserwege öffnen, Hitze klären
Rezept: Variation von Bi Xie Fen Qing Yin enthält: Dioscoreae hypoglaucae Rz. (Bi Xie), Phellodendri Cx. (Huang Bai), Poria (Fu Ling), Nelumbinis Sm. (Lian Zi), Atractylodis macrocephalae Rz. (Bai Zhu), Salviae miltiorrhizae Rx. (Dan Shen), Plantaginis Sm. (Che Qian Zi), Typhae Pollen (Pu Huang). Modifikationen: Bei starker Trübheit zusätzlich Acori tatarinowii Rz. (Shi Chang Pu), Lygodii Spora (Hai Jin Sha, auch bei Hämaturie).
Akupunktur: Ren 3 (Zhongji), Bl 28 (Pangguangshu) regulieren den Qi-Mechanismus der Harnblase; Mi 9 (Yinlingquan) beseitigt Feuchtigkeit vom unteren Jiao; Bl 23 (Shenshu), Ni 6 (Zhaohai) stärken die Niere; Bl 23 (Shenshu), Ni 7 (Fuliu) bei Mangel-Syndrom, um Nieren- und Blasenfunktion in der Qi-Transformation zu stärken; Bl 22 (Sanjiaoshu) fördert die Flüssigkeitsumwandlung und die Trennung des Klaren vom Trüben im unteren Jiao; Mi 9 (Yinlingquan) und Mi 6 (Sanyinjiao) beseitigen Feuchtigkeit vom unteren Jiao.
Trübeswolkiges Lin (Gao Lin), Mangel-Typ durch Nieren-Schwäche
Mangel-Typ (Qi-Mangel 4.2.3, Nieren-Qi-Mangel mit Feuchtigkeitsretention 4.2.3).
Therapieprinzipien Die Niere unterstützen, sichern und adstringieren
Rezept: Bei Nieren-Qi-Mangel (nicht fest) Variation von Jin Suo Gu Jing Wan enthält: Astragali complanati Sm. (Sha Yuan Zi), Euryales Sm. (Qian Shi), Rosae laevigatae Fr. (Jin Ying Zi), Nelumbinis Stamen (Lian Xu), Ostreae Concha (Mu Li), Rubi Fr. (Fu Pen Zi), Schisandrae Fr. (Wu Wei Zi), Alpiniae oxyphyllae Fr. (Yi Zhi Ren), Acori tatarinowii Rz. (Shi Chang Pu). Bei Nieren-Yin-Mangel Zhi Bai Di Huang Wan (7.6.10.d) und zusätzlich Phellodendri Cx. (Huang Bai), Acori tatarinowii Rz. (Shi Chang Pu), Dioscoreae hypoglaucae Rz. (Bi Xie). Modifikationen: Bei Rückenschmerzen zusätzlich Eucommiae Cx. (Du Zhong). Bei gleichzeitigem Milz-Qi-Mangel zusätzlich Codonopsis Rx. (Dang Shen), Astragali Rx. (Huang Qi), Atractylodis macrocephalae Rz. (Bai Zhu). Bei starkem Yin-Mangel zusätzlich Er Zhi Wan (7.6.10.d). Bei Durst, Mund- und Halstrockenheit nachts zusätzlich Scrophulariae Rx. (Xuan Shen), Ophiopogonis Rx. (Mai Men Dong) und Anemarrhenae Rz. (Zhi Mu) erhöhen. Bei Nachtschweiß zusätzlich Schisandrae Fr. (Wu Wei Zi), Ziziphi spinosae Sm. (Suan Zao Ren).
Akupunktur: Ren 4 (Guanyuan), Ren 6 (Qihai) unterstützen und festigen das Nieren-Qi, v.a. mit Moxa; Ren 3 (Zhongji), Bl 28 (Pangguangshu) regulieren den Qi-Mechanismus der Harnblase; Bl 23 (Shenshu), Du 20 (Baihui) unterstützen und heben das Nieren-Qi an, v.a. mit Moxa; Ren 6 (Qihai) stärkt Qi; Ni 3 (Taixi) nährt das Nieren-Yin.
Qi-Lin, Fülle-Typ durch Leber-Qi-Stauung
Pathomechanismus Blockiertes Leber-Qi verlegt den Qi-Fluss im Leber-Meridian mit Entwicklung von Stauungs-Hitze mit nachfolgender Qi-Blockade und Behinderung der Harnblasenfunktionen. Häufig bei Patienten in jüngerem bzw. mittlerem Alter und bei Stress
Therapieprinzipien Leber-Qi bewegen und die schmerzhafte Stauung lösen, evtl. Stauungshitze kühlen und die schmerzhafte Obstruktion öffnen
Rezept: Jia Wei Xiao Yao San (7.6.6) und zusätzlich Malvae Fr./Sm. (Dong Kui Guo/Zi), Plantaginis Sm. (Che Qian Zi) und Lygodii Spora (Hai Jin Sha). Chen Xiang San enthält: Aquilariae Lignum resinatum (Chen Xiang), Pyrrosiae Fo. (Shi Wei) Talcum (Hua Shi), Angelicae sinensis Rx. (Dang Gui), Vaccariae Sm. (Wang Bu Liu Xing), Paeoniae Rx. alba (Bai Shao), Citri reticulatae Pericarpium (Chen Pi), Glycyrrhizae Rx. (et Rz.) (Gan Cao).
Akupunktur: Ren 3 (Zhongji), Bl 28 (Pangguangshu) regulieren den Qi-Mechanismus der Harnblase; Mi 9 (Yinlingquan) beseitigt Feuchtigkeit vom unteren Jiao; Ren 5 (Shimen) beseitigt Stagnation im unteren Jiao; Le 3 (Taichong), Le 8 (Ququan), Le 4 (Zhongfeng) bewegen das Leber-Qi und beenden Schmerz; Ma 29 (Guilai) hebt Qi in der Blase an und beendet Schmerz im unteren Abdomen; Le 5 (Ligou) bewegt das Leber-Qi im Leber-Netzgefäß; Le 8 (Ququan) bewegt das Leber-Qi im Unterbauch; Ma 30 (Qichong) reguliert Qi im unteren Jiao.
Qi-Lin, Mangel-Typ durch Milz-Schwäche
Pathomechanismus Milz-Qi-Mangel, sinkendes Milz-Qi (11.5.1, 11.5.4). Mangel-Syndrom folgt oft nach rezidivierenden Blaseninfekten (Hitze-Lin), die nicht richtig ausgeheilt oder mit Antibiotika und extrem kalten Arzneien behandelt wurden
Therapieprinzipien Qi stärken, Wasserwege öffnen, evtl. Nieren-Yang stärken
Rezept: Variation von Bu Zhong Yi Qi Tang (7.6.10.a).
Akupunktur: Ren 3 (Zhongji), Bl 28 (Pangguangshu) regulieren den Qi-Mechanismus der Harnblase; Du 20 (Baihui) hebt Qi an; Mi 6 (Sanyinjiao) reguliert Qi, besänftigt die Leber, öffnet die Wasserwege, beseitigt Schmerz; Bl 64 (Jinggu) stärkt die Blasenfunktion; Ma 36 (Zusanli) stärkt Qi, Ren 6 (Qihai) bewegt und stärkt das Qi im unteren Jiao; Du 20 (Baihui) hebt das Qi; Ren 4 + M (Guanyuan) und Ni 3 + M (Taixi) stärken die Nieren.
Blut-Stase im unteren Jiao
Pathomechanismus Dieses Syndrom gehört zur Kategorie Blut-Lin. Es wird oft durch Traumata verursacht oder durch Qi-Mangel mit nachfolgender Qi- und Blut-Stagnation oder durch Eindringen pathogener Kälte, die das Blut gefriert. Durch die Stagnation stoppt der Blutfluss und tritt aus den Gefäßen mit Hämaturie
Therapieprinzipien Das Yang wärmen, um die Stagnation aufzulösen und zu bewegen und die schmerzhafte Obstruktion zu öffnen
Rezept: Shao Fu Zhu Yu Tang (7.6.12.a) und zusätzlich Lysimachiae Hb. (Jin Qian Cao) und Dianthi Hb. (Qu Mai).
Akupunktur: Ren 3 (Zhongji), Bl 28 (Pangguangshu) regulieren den Qi-Mechanismus der Harnblase; Mi 10 (Xuehai) bewegt das Blut.
Weitere Therapiemöglichkeiten
  • Ohrakupunktur (5.7.1): OP 92 (Harnblase), OP 95 (Niere), OP 51 (Vegetativum), OP 29 (Okziput), OP 22 (Endokrinium), OP 13 (Nebenniere). Anwendung: Pro Sitzung 3–4 Punkte mit starker Stimulation, 20 min belassen

  • Elektroakupunktur-Management bei akutem Schmerz bei Harnsteinen (nach McLean/Lyttleton 2002)

    • Kontraindikation: Bei asymptomatischen Patienten

    • Vorgehen: Elektrostimulation mit hoher Frequenz (ca. 20–100 Hz nach Patiententoleranz), negative Elektrode ( ve) am proximalen Punkt. Zusatzpunkte nur Handstimulation

      • Nierensteine: Bl 23 ( ve) und Mi 9 (+ ve) auf derselben Körperseite; Zusatzpunkte: Bl 28 –, Mi 6 –, Ma 25 –, Gb 25 –

      • Uretersteine: Oberer Ureter: Bl 23 ( ve) und Bl 28 (+ ve) auf derselben Körperseite; Zusatzpunkte: Ren 6 –, Bl 22 –; unterer Ureter: Bl 23 ( ve) und Ma 28 (+ ve) auf derselben Körperseite; Zusatzpunkte: Ren 3 –, Bl 32 –

      • Blasen- oder Urethrasteine: Ren 4 ( ve) oder Ren 3 ( ve) und Ma 28 (+ ve) oder Mi 6 (+ ve); Zusatzpunkte: Ni 8 –, Mi 14 –, Pe 6 –.

Leitsymptom: Häufige Miktion

Unter dem Leitsymptom häufige Miktion (Xiao Bian Pin Shuo) versteht man nach CM eine deutliche Zunahme der Miktionsfrequenz, unterscheidet diese Störung jedoch auch von der Nykturie (dem nächtlichen Wasserlassen) und dem klaren, profusen Harnfluss, denn häufige Miktion kann sowohl mit klarem oder dunklem, reichlichem oder spärlichem Urin einhergehen.

Syndrom-Differenzierung bei Leitsymptom häufige Miktion

Tab. 13.23
SyndromPathomechanismusSymptomeZunge/Puls
Qi-Mangel von Lunge und Milz (13.5.2.a)Häufig durch Überanstrengung, Diätfehler mit Übermaß an kalten, rohen Nahrungsmitteln oder Eindringen äußerer Kälte mit Schädigung des Yang-Qi, das nicht mehr ausreichend emporheben kann, dadurch kann die Harnblase die Flüssigkeiten nicht mehr zurückhaltenMiktion: häufiger Harndrang (unfähig, Urin zu speichern, evtl. Inkontinenz), verschlimmert sich durch Anstrengung, langes Stehen, Husten etc.; Harn: viel, klar.
Zusatzsymptome: Expektoration von übermäßig viel Speichel oder dünnem, klarem Schleim, Müdigkeit, Kurzatmigkeit, Kälteaversion, Appetitmangel, weiche Stühle, Blässe
Zunge: blass; weißer Belag.
Puls: groß, oberflächlich, aber schwach, kraftlos
Nieren-Qi nicht fest, Nieren-Yang-Mangel (13.5.2.b)Schwache Konstitution, Alter, viele GeburtenMiktion: häufig; Harn: blass, evtl. Inkontinenz. Zusatzsymptome: Erschöpfung, Anorexie, Schwindel, Tinnitus, Schmerz und Schwäche lumbal bzw. in den Knien, GesichtsblässeZunge: blass, feucht.
Puls: tief, dünn, schwach (v.a. an der Chi-Position)
Nieren-Yin-Mangel (11.9.6) mit Leere-Hitze (13.5.2.b)Wie bei Nieren-Yang-Mangel, chron., es kommt zu einem Verlust der Festigkeit durch die Niere und zur Bildung von Leere-Hitze, die beide zu Pollakisurie führenMiktion: häufiger Harndrang; Harn: wenig, dunkelgelb.
Zusatzsymptome: Halstrockenheit, Schwindel, Wangenrötung, Hitzesensationen v.a. nachmittags und abends in Thorax, Handflächen, Fußsohlen, Schmerz lumbal bzw. in den Knien, Spermatorrhö bei Männern
Zunge: rot; wenig Belag oder belaglos.
Puls: dünn, schnell
Feuchte-Hitze in der Blase (11.10.1, 13.5.2.d)Fülle-Störung, pathogene Feuchte-Hitze ergießt sich in die Harnblase, die Feuchtigkeit blockiert die normale Qi-Transformation, die Hitze verdampft die Flüssigkeiten und führt zu häufigem HarndrangMiktion: häufiger Harndrang mit Brennen und Schmerzen bei der Miktion; Harn: wenig, gelb und wolkig. Zusatzsymptome: subfebrile Temperaturen; evtl. Durst mit wenig Trinkverlangen, Mundtrockenheit, Völle und Spannung im Unterbauch, Obstipation, aber kein trockener Stuhl (oder wechselnd weich/trocken)Zunge: evtl. rot; gelber, fettiger Belag.
Puls: schnell, schlüpfrig oder schnell, sanft (Ru)
Leber-Qi-Stauung (11.7.2, 13.5.2.e)Unterdrückter Ärger, Wut, Stress behindern das freie Fließen des Qi in der Leber-Leitbahn; dadurch wird die Qi-Zirkulation im unteren Jiao eingeschränkt. (oft Mitbeteiligung anderer Muster)Miktion: häufig mit Verschlechterung durch Stress, typisch ist ein Gefühl von inkompletter Blasenentleerung. Zusatzsymptome: Missempfindungen in Subkostal- und Flankenregion, Reizbarkeit oder emotionale Anspannung, Stress, Zorn, Rülpsen, Flatulenz, alternierend Obstipation oder Diarrhö, aufgetriebenes Abdomen, bei Frauen evtl. prämenstruelles SyndromZunge: normal, evtl. rötliche Seiten.
Puls: saitenförmig
Qi-Mangel von Lunge und Milz (11.3.1, 11.5.1)
Therapieprinzipien Lunge und Milz erwärmend stärken, das Aufsteigen des Qi unterstützen
Rezept: Bu Zhong Yi Qi Tang (7.6.10.a) und zusätzlich Arzneien, die das Yang wärmen und den Transport der Flüssigkeiten von Lunge und Milz stärken wie Alpiniae oxyphyllae Fr. (Yi Zhi Ren, festigt zudem die Harnblase) sowie Zingiberis Rz. (Gan Jiang). Kombination von Variationen von Bu Fei Tang (7.6.10.a) mit Bu Zhong Yi Qi Tang (7.6.10.a) enthält: Astragali Rx. (Huang Qi), Codonopsis Rx. (Dang Shen), Atractylodis macrocephalae Rz. (Bai Zhu), Angelicae sinensis Rx. (Dang Gui), Citri reticulatae Pericarpium (Chen Pi), Poria (Fu Ling), Asteris Rx. (Zi Wan), Mori Cx. (Sang Bai Pi), Rehmaniae Rx. praep. (Shu Di Huang), Schisandrae Fr. (Wu Wei Zi), Glycyrrhizae Rx. (et Rz.) (Gan Cao). Modifikationen: Bei Infektanfälligkeit zusätzlich Saposhnikoviae Rx. (Fang Feng) und evt. Dosis von Astragali Rx. (Huang Qi) erhöhen. Bei Schleim-Feuchtigkeit, die die Lunge obstruiert mit Husten und profusem weißlichem Sputum zusätzlich Pinelliae Rz. praep. (Ban Xia) und Platycodi Rx. (Jie Geng). Zeigen sich keine Lungenzeichen Mori Cx. (Sang Bai Pi) und Rehmanniae Rx. praep. (Shu Di Huang) sowie Asteris Rx. (Zi Wan) aus der Rezeptur entfernen und stattdessen Euryales Sm. (Qian Shi), Rosae laevigatae Fr. (Jin Ying Zi) und Cuscutae Sm. (Tu Si Zi) hinzufügen. Bei starkem Husten zusätzlich Magnoliae officinalis Cx. (Hou Po). Bei Nahrungsstagnation mit Appetitstörung und abdominaler Spannung zusätzlich Hordei Fr. germinatus (Mai Ya), Raphani Sm. (Lai Fu Zi) und Crataegi Fr. (Shan Zha).
Akupunktur: Du 20 + M (Baihui) hebt Qi an, hält daher Urin zurück; Ren 6 + M (Qihai) stärkt Qi allgemein, v.a. im Unterbauch; Bl 23 + M (Shenshu) stärkt Nieren- Yang, mildert Harninkontinenz; Bl 28 + M (Pangguangshu) und Bl 53 + M (Bao-huang) stärken die Blasenfunktion.
  • Zusatzpunkte bei Lungen-Qi-Mangel: Bl 13 + M (Feishu) und Du 12 + M (Shenzhu) stärken Lungen-Qi, mit Moxa v.a. auch Yang; Lu 7 + (Lieque) reguliert die Wasserwege (bester Punkt dafür auf dem Lungen-Meridian)

  • Zusatzpunkte bei Milz-Qi-Mangel: Bl 20 + M (Pishu), Ma 36 + M (Zusanli) und Ren 12 + M (Zhongwan) stärken das Milz-Qi

  • Spezielle Akupunkturtechnik: S.c. Nadelung einer 3-Cun-Nadel von Ren 6 bis Ren 3; die Nadel wird zunächst gedreht und dann angehoben in Richtung Sternum und damit ein hebendes Gefühl im unteren Abdomen ausgelöst. Dort kann die Nadel einige Zeit belassen werden.

Nieren-Qi nicht fest, Nieren-Yang-Mangel (11.9.3, 11.9.2)
Therapieprinzipien Nieren-Yang stärken und wärmen, Harnblase festigen
Rezept: Suo Quan Wan (7.6.13) in Kombination mit Jin Gui Shen Qi Wan (7.6.10.e), You Gui Wan (7.6.10.e) und zusätzlich Alpiniae oxyphyllae Fr. (Yi Zhi Ren), Mantidis Oötheca (Sang Piao Xiao) und Psoralae Fr. (Bu Gu Zhi). Bei sehr häufigem Harndrang, Enuresis und Harninkontinenz oder Nykturie zusätzlich Rubi Fr. (Fu Pen Zi) und Rosae laevigatae Fr. (Jin Ying Zi).
Akupunktur: Bl 23 + M (Shenshu), Du 4 + M (Mingmen); Ni 7 + (Fuliu) und Ren 4 + M (Guanyuan) stärken Nieren-Yang; Ren 6 + M (Qihai) stärkt Qi allgemein; Du 20 + M (Baihui) hebt das Qi; Bl 28 + M (Pangguangshu), Bl 53 + M (Baohuang) und Bl 32 + M (Ciliao) stärken die Blasenfunktion; He 7 (Shenmen), Ex-HN 3 (Yintang) bei Enuresis im Kindesalter, beruhigen den Geist-Shen. Alternative: Jeweils Mi 6, Ren 4, Bl 23 oder Ren 4, Ren 3, Bl 23, Bl 28, Ni 3 bei jeder Sitzung alternierend mit stärkender Nadeltechnik und Moxa
Nieren-Yin-Mangel (11.9.6) mit Leere-Hitze
Therapieprinzipien Nieren stärken und Yin nähren und befeuchten
Rezept: Variationen von Zhi Bai Di Huang Wan (7.6.10.d) mit zusätzlichen Arzneien, die die Festigung der Niere stärken wie z.B. Schisandrae Fr. (Wu Wei Zi), Rosae laevigatae Fr. (Jin Ying Zi) und Erhöhen von Dioscoreae Rz. (Shan Yao) und Corni Fr. (Shan Zhu Yu). Modifikationen: Bei sehr starkem Nieren-Yin-Mangel zusätzlich Er Zhi Wan (7.6.10.d).
Akupunktur: Ren 4 + (Guanyuan), Ni 3 + (Taixi) und Mi 6 + (Sanyinjiao) nähren das Nieren-Yin; Bl 23 + (Shenshu), Bl 28 + (Pangguangshu) und Ren 3 + (Zhongji) stärken die Blasenfunktion.
Feuchte-Hitze in der Blase (11.10.1)
Therapieprinzipien Hitze kühlen und Feuchtigkeit vom unteren Jiao entfernen
Rezept: Ba Zheng San (7.6.8.b) und Variationen.
Akupunktur: Bl 28 – (Pangguangshu) und Ren 3 – (Zhongji) beseitigen Feuchte-Hitze aus dem unteren Jiao, fördern die Blasenfunktion; Mi 9 – (Yinlingquan) und Mi 6 – (Sanyinjiao) stärken die Milz, beseitigen Feuchte-Hitze; Bl 39 – (Weiyang), Bl 66 – (Zutonggu) entfernen Hitze-Retention vom Blasen-Meridian.
Leber-Qi-Stauung (11.7.2)
Diese Störung ist relativ häufig und durch die damit einhergehende ängstliche Erregung sowie weitere Leber-Symptome leicht zu diagnostizieren, ist aber auch oft mit anderen Mustern kombiniert.
Therapieprinzipien Leber-Qi bewegen, evtl. Stauungshitze ausleiten und den Geist-Shen beruhigen
Rezept: Variationen von Xiao Yao San (7.6.6) und z.B. zusätzlich Linderae Rx. (Wu Yao).
Akupunktur: Bl 28 (Pangguangshu) stärkt die Blasenfunktion; Le 2 – (Xingjian) leitet Leber-Feuer aus, bei Leber-Feuer; Le 3 – (Taichong) reguliert das Leber-Qi; Pe 6 (Neiguan) beruhigt den Geist; Bl 18 (Ganshu) reguliert das Leber-Qi.
Weitere Therapiemöglichkeiten
  • Ohrakupunktur (5.7.1): OP 95 (Niere), OP 92 (Harnblase), OP 80 (Urethra); zusätzlich OP 34 (Graue Substanz), OP 51 (Vegetativum), OP 97 (Leber), OP 98 (Milz), OP 104 (San Jiao). Französische Ohrakupunktur: Zusätzlich OP 82 (Nullpunkt: Zwerchfell), OP 26a (Thalamus: Hirnanhang). Anwendung: 3–4 druckdolente Punkte auswählen, mit ableitender Nadeltechnik setzen, 20 min belassen. Dauernadeln oder Samenkörner applizierbar

  • Elektrostimulation (5.1.2): Punktgruppe Mi 6, Bl 28, Bl 53, Ex-B (Xiajiaoshu), Lokalisation: Mitte der Verbindungslinie zwischen Anus und Du 1, der in der Mitte zwischen Anus und Os coccygis liegt; Punktion vom Anus in Richtung Du 1 (Changqiang) und Ma 28 (Shuidao) alternierend bei jeder Sitzung nadeln und jeweils mit niedriger Frequenz (2–7 Hz) stimulieren

  • Pflaumenblütenhämmerchen: Lumbal- und Iliakalregion auf positive Reaktionszonen (5.1.6) untersuchen und diese beklopfen; zusätzlich Lumbal- und Unterbauchregion, Ren 4, Mi 6, Du 14, Du 20, Ren 12 behandeln; leichte bis mittlere Klopfstärke

  • Moxibustion (5.1.8): Du 4, Ren 4, Bl 33, Du 20, 2–3 Punkte/Tag mit Moxazigarre behandeln.

Leitsymptom: Nachtröpfeln von Harn

Unter Nachtröpfeln von Harn versteht man Harnträufeln bei bereits abgeschlossener Harnentleerung. Dieses Leitsymptom ist verschieden zu Harninkontinenz, bei der der Harnabgang unkontrolliert ist und ein größeres Volumen beinhaltet.

Syndrom-Differenzierung bei Leitsymtpom Nachtröpfeln von Harn

Tab. 13.24
SyndromPathomechanismusSymptomeZunge/Puls
Schwäche des mittleren Jiao, sinkendes Milz-Qi (11.5.4, 13.5.3.a)Milz-Qi-Mangel (11.5.1), die Schwäche der Milz führt v.a. bei Erschöpfung zu mangelnder Hebung der Blase, wodurch es zu Urin-Nachtröpfeln kommt (meist überarbeitete Menschen mittleren Lebensalters)Miktion: intermittierendes Nachtröpfeln, Verschlechterung bei Müdigkeit.
Zusatzsymptome: weiche Stühle, Müdigkeit, Appetitmangel, Erschöpfung
Zunge: blass; weißer Belag.
Puls: schwach, dünn oder verzögert und sanft
Nieren-Yang-Mangel (11.9.2) mit Kälte in der Harnblase (13.5.3.b)Schwache Konstitution, Alter, viele Geburten führen zu Nieren-Yang-Mangel, dadurch wird die Harnblase nicht gefestigt und nicht ausreichend bei ihrer Qi-Transformation unterstützt (meist ältere Patienten)Miktion: häufiger, profuser und klarer Harnfluss mit längerem Nachtröpfeln.
Zusatzsymptome: Erschöpfung, Schwindel, Tinnitus, Schwäche und Schmerz lumbal bzw. in den Knien, Kältegefühl, kalte Extremitäten, sexuelle Dysfunktionen
Puls: blass, feucht; weißer Belag.
Puls: tief, dünn (v.a. an der Chi-Position)
Feuchte-Hitze in der Blase (11.10.1, 13.5.3.c)Feuchte-Hitze-Retention, die eine normale Qi-Transformation der Blase verhindert; die Hitze treibt die Flüssigkeitenbewegung an, und beides führt zum NachtröpfelnMiktion: häufiger Harndrang von dunklem oder wolkigem Harn mit Brennschmerz oder Schmerzen in der Harnröhre während der Miktion.
Zusatzsymptome: Völle- und Spannungsgefühl im Unterbauch
Zunge: evtl. rot; gelber, fettiger bzw. schmierig-klebriger Belag.
Puls: schnell, schlüpfrig oder sanft
Schwäche des mittleren Jiao, sinkendes Milz-Qi (11.5.4)
Therapieprinzipien Milz-Qi stärken und anheben
Rezept: Bu Zhong Yi Qi Tang (7.6.10.a) und Variationen.
Akupunktur: Du 20 + M (Baihui) hebt Qi an, hält daher Urin zurück; Bl 20 + M (Pishu), Ma 36 + M (Zusanli) und Ren 12 + M (Zhongwan) stärken das Milz-Qi; Ren 6 + M (Qihai) stärkt Qi allgemein, v.a. im Unterbauch; Bl 28 + M (Pangguangshu) und Bl 53 + M (Baohuang) stärken die Blasenfunktion. Spezielle Akupunkturtechnik: S.c. Nadelung einer 3-Cun-Nadel von Ren 6 bis Ren 3; die Nadel wird zunächst gedreht und dann angehoben in Richtung Sternum und damit ein hebendes Gefühl im unteren Abdomen ausgelöst. Dort kann die Nadel einige Zeit belassen werden.
Nieren-Yang-Mangel (11.9.2) mit Kälte in der Harnblase
Therapieprinzipien Nieren-Yang stärken und erwärmen, die festigende Funktion der Niere unterstützen
Rezept: Kombination von Jin Gui Shen Qi Wan (7.6.10.e) mit Sang Piao Xiao San enthält: Rehmanniae Rx. (Shu Di Huang), Corni Fr. (Shan Zhu Yu), Dioscoreae Rz. (Shan Yao), Aconiti Rx. lateralis praep. ([Zhi] Fu Zi), Cinnamomi Ra. (Gui Zhi), Alismatis Rz. (Ze Xie), Poria (Fu Ling), Moutan Cx. (Mu Dan Pi), Mantidis Oötheca (Sang Piao Xiao), Codonopsis Rx. (Dang Shen), Angelicae sinensis Rx. (Dang Gui), Rosae laevigatae Fr. (Jin Ying Zi). Tu Si Zi Wan enthält: Cuscutae Sm. (Tu Si Zi), Cervi Cornu pantotrichum (Lu Rong), Cistanches Hb. (Rou Cong Rong), Dioscoreae Rz. (Shan Yao), Aconiti Rx. lateralis praep. ([Zhi] Fu Zi), Linderae Rx. (Wu Yao), Schisandrae Fr. (Wu Wei Zi), Mantidis Oötheca (Sang Piao Xiao), Alpiniae oxyphyllae Fr. (Yi Zhi Ren), Ostreae Concha, kalziniert ([Duan] Mu Li), Gigeriae Galli Endothelium corneum (Ji Nei Jin).
Akupunktur: Bl 23 + M (Shenshu), Du 4 + (Mingmen; bei Patienten > 20 Jahre auch Moxa möglich); Ni 7 + (Fuliu) und Ren 4 + M (Guanyuan) stärken Nieren-Yang; Ren 6 + M (Qihai) stärkt Qi allgemein; Du 20 + M (Baihui) hebt das Qi; Bl 28 + M (Pangguangshu), Bl 53 + M (Baohuang) und Bl 32 + M (Ciliao) stärken die Blasenfunktion.
Feuchte-Hitze in der Blase (11.10.1)
Therapieprinzipien Hitze kühlen und Feuchtigkeit vom unteren Jiao entfernen
Rezept: Ba Zheng San (7.6.8.b) und Variationen.
Akupunktur: Bl 28 – (Pangguangshu) und Ren 3 – (Zhongji) beseitigen Feuchte-Hitze aus dem unteren Jiao, fördern die Blasenfunktion; Mi 9 – (Yinlingquan) und Mi 6 – (Sanyinjiao) stärken die Milz, beseitigen Feuchte-Hitze; Bl 39 – (Weiyang), Bl 66 – (Zutonggu) entfernen Hitze-Retention vom Blasen-Meridian.

Leitsymptom: Harninkontinenz

Unter Harninkontinenz versteht man den Verlust der Kontrolle über den Vorgang der Miktion mit einem Harnverlust ohne Vorankündigung. Stressinkontinenz 13.5.2.e.

Syndrom-Differenzierung bei Leitsymptom Harninkontinenz

Tab. 13.25
SyndromPathomechanismusSymptomeZunge/Puls
Qi-Mangel von Lunge und Milz (11.3.1), sinkendes Milz-Qi (11.5.4) (13.5.4.a)Chron. Husten mit Verletzung des Lungen-Qi, weshalb die Lunge die Bewegungen der Flüssigkeiten nicht mehr kontrollieren kann; oder mit einem konstitutionellen Milz-Qi-Mangel (11.5.1), das Qi kann nicht mehr emporsteigen und zieht eine Schwäche der Lunge nach sich; oft zusätzliche Beeinträchtigung durch Müdigkeit oder Eindringen eines pathogenen Faktors in die LungeInkontinenz: leichtgradig meist beim Husten und Niesen; Miktion: häufiger Harndrang, klarer Harn, aber nicht profus.
Zusatzsymptome: Husten, Kurzatmigkeit, Dyspnoe, Appetitmangel mit postprandialem Spannungsgefühl, Müdigkeit, weiche Stühle
Zunge: blass.
Puls: schwach
Nieren-Yang-Mangel (11.9.2, 13.5.4.b)Schwache Konstitution, Alter, viele Geburten führen zu Nieren-Yang-Mangel mit mangelnder Festigung und Unterstützung der Blasen-Qi-Transformation durch die Niere mit Inkontinenz, meist bei älteren PatientenInkontinenz: oft; Miktion: häufig, klar und reichlicher Harn, Nykturie.
Zusatzsymptome: Erschöpfung, Müdigkeit, blasser Teint, sexuelle Störungen wie Impotenz oder Infertilität, Schwindel, Tinnitus, Schwäche und Schmerz lumbal bzw. in den Knien, Kältegefühl
Zunge: blass, feucht.
Puls: tief, schwach
Yin-Mangel von Leber und Niere (11.11.14) mit Leere-Hitze (13.5.4.c)Durch den Mangel an Yin (durch Alter, Erschöpfung etc.) wird das Yang nicht mehr ausreichend kontrolliert, flammt auf und führt zu Feuer, das den Harn herausdrücktInkontinenz: entwickelt sich allmählich, auch Tröpfeln nach der Miktion, meist bei Frauen ab 45 Jahren; Miktion: wenig Harn, dunkelgelb.
Zusatzsymptome: Mundtrockenheit, Schwindel, Tinnitus, Hitzesensationen in Thorax, Handflächen, Fußsohlen, Nachtschweiß, Obstipation mit trockenem Stuhl
Zunge: rot; wenig Belag oder belaglos.
Puls: dünn, schnell, evtl. etwas saitenförmig
Feuchte-Hitze in der Blase (11.10.1, 13.5.4.d)Eindringen von Feuchtigkeit und Hitze entweder von außen durch die Harnöffnung oder durch Diätfehler, die Feuchtigkeit blockiert das Qi und schädigt die Blasen-Qi-Transformation, die Hitze drückt den Harn heraus, und es kommt zu InkontinenzInkontinenz: relativ akut mit nur träufelndem Harn; Miktion: häufiger Harndrang mit Brennschmerz in der Urethra bei der Entleerung, wenig, dunkler Urin.
Zusatzsymptome: Spannungsgefühl und Unbehagen im unteren Abdomen, bitterer Mundgeschmack, Mundtrockenheit
Zunge: evtl. rot; gelber, schmierig-klebriger Belag.
Puls: schnell, schlüpfrig oder saitenförmig
Qi-Mangel von Lunge und Milz (11.11.12), sinkendes Milz-Qi (11.5.4)
Therapieprinzipien Lunge und Milz wärmen, das Aufsteigen des Qi stärken
Rezept: Bu Zhong Yi Qi Tang (7.6.10.a) in Kombination mit Gan Cao Gan Jiang Tang, enthält: Zingiberis Rz. (Gan Jiang), Glycyrrhizae Rz. (et Rz.) praep. ([Zhi] Gan Cao).
Akupunktur: Du 20 + M (Baihui) hebt Qi an, hält daher Urin zurück; Ren 6 + M (Qihai) stärkt Qi allgemein, v.a. im Unterbauch; Bl 23 + M (Shenshu) stärkt Nieren-Yang, mildert Harninkontinenz; Bl 28 + M (Pangguangshu) und Bl 53 + M (Baohuang) stärken die Blasenfunktion.
  • Zusatzpunkte bei Lungen-Qi-Mangel: Bl 13 + M (Feishu) und Du 12 + M (Shenzhu) stärken Lungen-Qi, mit Moxa v.a. auch Yang; Lu 7 + (Lieque) reguliert die Wasserwege (bester Punkt dafür auf dem Lungen-Meridian)

  • Zusatzpunkte bei Milz-Qi-Mangel: Bl 20 + M (Pishu), Ma 36 + M (Zusanli) und Ren 12 + M (Zhongwan) stärken das Milz-Qi

  • Spezielle Akupunkturtechnik: S.c. Nadelung einer 3-Cun-Nadel von Ren 6 bis Ren 3; die Nadel wird zunächst gedreht und dann angehoben in Richtung Sternum und damit ein hebendes Gefühl im unteren Abdomen ausgelöst. Dort kann die Nadel einige Zeit belassen werden.

Nieren-Yang-Mangel (11.9.2)
Therapieprinzipien Nieren-Yang stärken und erwärmen, Harnblase festigen
Rezept: Gong Ti Wan (Pille zum Konsolidieren und Anheben), enthält: Rehmanniae Rx. praep. (Shu Di Huang), Cuscutae Sm. (Tu Si Zi), Atractylodis macrocephalae Rz. (Bai Zhu), Schisandrae Fr. (Wu Wei Zi), Alpiniae oxyphyllae Fr. (Yi Zhi Ren), Psoraleae Fr. (Bu Gu Zhi), Aconiti Rx. lateralis praep. ([Zhi] Fu Zi), Poria (Fu Ling), Allii Sm. tuberosis (Jiu Cia Zi) oder Sang Piao Xiao San.
Akupunktur: Bl 23 + M (Shenshu), Du 4 + (Mingmen); bei Patienten > 20 Jahre auch Moxa möglich); Ni 7 + (Fuliu) und Ren 4 + M (Guanyuan) stärken Nieren-Yang; Ren 6 + M (Qihai) stärkt Qi allgemein; Du 20 + M (Baihui) hebt das Qi; Bl 28 + M (Pangguangshu), Bl 53 + M (Baohuang) und Bl 32 + M (Ciliao) stärken die Blasenfunktion; Mi 6 + (Sanyinjiao) stärkt die Nieren; He 7 (Shenmen), Ex-HN 3 (Yintang) bei Enuresis im Kindesalter, beruhigen den Geist-Shen. Alternative: Jeweils Mi 6, Ren 4, Bl 23 oder Ren 4, Ren 3, Bl 23, Bl 28, Ni 3 bei jeder Sitzung alternierend mit stärkender Nadeltechnik und Moxa.
Yin-Mangel von Leber und Niere (11.11.14) mit Leere-Hitze
Therapieprinzipien Yin von Leber und Niere nähren, um das Yang wieder zu kontrollieren
Rezept: Da Bu Yin Wan (7.2.10.d) und zusätzlich Corni Fr. (Shan Zhu Yu), Rosae laevigatae Fr. (Jin Ying Zi), Schisandrae Fr. (Wu Wei Zi).
Akupunktur: Ren 4 + (Guanyuan), Ni 3 + (Taixi) und Mi 6 + (Sanyinjiao) nähren das Nieren-Yin; Bl 23 + (Shenshu), Bl 28 + (Pangguangshu) und Ren 3 + (Zhongji) stärken die Blasenfunktion.
Feuchte-Hitze in der Blase (11.10.1)
Therapieprinzipien Feuchtigkeit und Hitze vom unteren Jiao entfernen
Rezept: Ba Zheng San (7.6.8.b).
Akupunktur: Bl 28 – (Pangguangshu) und Ren 3 – (Zhongji) beseitigen Feuchte-Hitze aus dem unteren Jiao, fördern die Blasenfunktion; Mi 9 – (Yinlingquan) und Mi 6 – (Sanyinjiao) stärken die Milz, beseitigen Feuchte-Hitze; Bl 39 – (Weiyang), Bl 66 – (Zutonggu) entfernen Hitze-Retention vom Blasen-Meridian.

Enuresis (Yi Nao)

Harninkontinenz während des Schlafes; meist eine Störung des Kindesalters (14.7.12) oder des höheren Lebensalters. Durch emotionale Bedingungen auch: 13.5.2.e.

Syndrom-Differenzierung bei Enuresis (Yi Nao)

Tab. 13.26
SyndromPathomechanismusSymptomeZunge/Puls
Nieren-Yang-Mangel (11.9.2, 13.5.5.a)Häufig schwache Konstitution, aber auch übermäßige sexuelle Betätigung, Alter, viele Geburten, wiederholte Kälteexposition Fußsohlen. Die Qi-Transformation der Blase wird nicht mehr ausreichend unterstützt und die Blase nicht mehr gefestigtEnuresis und häufige Harnentleerung mit reichlich, klarem Harn und zusätzlich Symptomen des Nieren-Yang-MangelsZunge: blass, feucht.
Puls: tief, langsam, schwach (v.a. an der Chi-Position)
Nieren-Yin-Mangel (11.9.6) und Leere-Hitze (13.5.5.b)Wie bei Nieren-Yang-Mangel, chron.; durch den Yin-Mangel wird das Yang nicht mehr kontrolliert; die Hitze trocknet zudem die Säfte, und der Harn wird dunkel und fließt spärlich; außerdem drückt die Hitze die Flüssigkeiten aus der Blase und führt zu EnuresisEnuresis und häufiger Harndrang mit wenig, dunklem und leicht heißem Harn mit typischen Zeichen des Nieren-Yin-MangelsZunge: rot; belaglos.
Puls: dünn, schnell
Lungen-Qi-Mangel (11.3.1, 13.5.5.c)Chron. HustenEnuresis bei Übermüdung, häufig von chron. Husten begleitet mit viel dünnflüssigem, weißem SputumZunge: blass.
Puls: schwach
Milz-Qi-Mangel und sinkendes Milz-Qi (11.5.4, 13.5.5.d)Geistige und körperliche Überanstrengung führen zu Milz-Qi-Mangel (11.5.1)Enuresis bei Übermüdung mit weiteren Zeichen des Milz-Qi-Mangels wie z.B. weiche Stühle, Müdigkeit, Appetitverlust, ErschöpfungZunge: blass.
Puls: schwach
Nieren-Yang-Mangel (11.9.2)
Therapieprinzipien Nieren-Yang stärken, erwärmen und Harnblase festigen
Rezept: Gong Ti Wan: Die Angaben der Rezeptur sind unter Nieren-Yang-Mangel bei Harninkontinenz zu finden (13.5.4.b).
Akupunktur: Siehe Nieren-Yang-Mangel bei Harninkontinenz (13.5.4.b); bei Kindern (14.7.12) evtl. nur He 7 (Shenmen) und Bl 40 (Weizhong), harmonisieren Herz und Nieren, regulieren den unteren Jiao, beruhigen den Geist-Shen, evtl. nur Laserakupunktur (5.1.5).
Nieren-Yin-Mangel (11.9.6) und Leere-Hitze
Therapieprinzipien Nieren stärken und Yin nähren, Leere-Hitze klären
Rezept: Variationen von Zhi Bai Di Huang Wan (7.2.10.d), dabei die Dosis von Corni Fr. (Shan Zhu Yu) und Dioscoreae Rz. (Shan Yao) erhöhen und zusätzlich saure, adstringierende Arzneien wie Rosae laevigatae Fr. (Jin Ying Zi) und Schisandrae Fr. (Wu Wei Zi) hinzufügen.
Akupunktur: Ren 4+ (Guanyuan), Ni 3+ (Taixi) und Mi 6+ (Sanyinjiao) nähren das Nieren-Yin; Bl 23+ (Shenshu), Bl 28+ (Pangguangshu) und Ren 3+ (Zhongji) stärken die Blasenfunktion.
Lungen-Qi-Mangel (11.3.1)
Therapieprinzipien Lungen-Qi erwärmen und stärken
Rezept: Gan Cao Gan Jiang Tang enthält: Glycyrrhizae Rz. praep. ([Zhi] Gan Cao), Zingiberis Rz. praep. (Gan Jiang) und zusätzlich Ginseng Rx. (Ren Shen). Da oft ein Lungen-Qi-Mangel mit einem Milz-Qi-Mangel einhergeht, siehe auch bei den Rezepturen bei sinkendem Milz-Qi (13.5.2.a, 13.5.3.a, 13.5.4.a,13.5.5.d).
Akupunktur: Du 20 + M (Baihui) hebt Qi an, hält daher Urin zurück; Ren 6 + M (Qihai) stärkt Qi allgemein, v.a. im Unterbauch; Bl 23 + M (Shenshu) stärkt Nieren-Yang, mildert Harninkontinenz; Bl 28 + M (Pangguangshu) und Bl 53 + M (Baohuang) stärken die Blasenfunktion.
  • Zusatzpunkte bei Lungen-Qi-Mangel: Bl 13 + M (Feishu) und Du 12 + M (Shenzhu) stärken Lungen-Qi, mit Moxa v.a. auch Yang; Lu 7 + (Lieque) reguliert die Wasserwege (bester Punkt dafür auf dem Lungen-Meridian)

  • Zusatzpunkte bei Milz-Qi-Mangel: Bl 20 + M (Pishu), Ma 36 + M (Zusanli) und Ren 12 + M (Zhongwan) stärken das Milz-Qi.

Milz-Qi-Mangel und sinkendes Milz-Qi (11.5.1, 11.5.4)
Therapieprinzipien Milz-Qi stärken und anheben
Rezept: Bu Zhong Yi Qi Tang (7.6.10.a). Variation von Gu Pao Tang (Dekokt zum Konsolidieren der Blase) enthält: Astragali Rx. (Huang Qi), Astragali Sm. (Tong Ji Li), Corni Fr. (Shan Zhu Yu), Angelicae sinensis Rx. (Dang Gui), Poriae Sclerotium paradicis (Fu Shen), Leonuri Fr. (Chong Wei Zi), Paeoniae Rx. alba (Bai Shao), Cimicifugae Rz. (Sheng Ma).
Akupunktur: Du 20 + M (Baihui) hebt Qi an, hält daher Urin zurück; Ren 6 + M (Qihai) stärkt Qi allgemein, v.a. im Unterbauch; Bl 23 + M (Shenshu) stärkt Nieren-Yang, mildert Harninkontinenz; Bl 28 + M (Pangguangshu) und Bl 53 + M (Baohuang) stärken die Blasenfunktion. Zusatzpunkte bei Milz-Qi-Mangel: Bl 20 + M (Pishu), Ma 36 + M (Zusanli) und Ren 12 + M (Zhongwan) stärken das Milz-Qi.

Behinderte Miktion (Xiao Bian Bu Li)

Unter behinderter Miktion (Xiao Bian Bu Li oder auch Long) versteht man eine reduzierte Harnmenge mit gleichzeitiger erschwerter Harnausscheidung. Häufig bestehen auch Ödeme. Eine blockierte Miktion oder Harnverhalt (Xiao Bian Bu Tong [13.5.7] oder auch Bi) bedeutet dagegen, dass die Harnblase zwar voll ist, d.h., dass der Urin die Blase erreicht hat, aber nicht entleert werden kann. Obwohl beide Störungen oft gemeinsam abgehandelt werden (vgl. Clavey 2004) ist es diagnostisch und therapeutisch sinnvoll, beide voneinander abzugrenzen.

Syndrom-Differenzierung bei behinderter Miktion (Xiao Bian Bu Li)

Tab. 13.27
SyndromPathomechanismusSymptomeZunge/Puls
Störungen der Lungen-Qi-Verteilungs- und Absenkungs- funktion (nach Clavey [2004]: gefesseltes Lungen-Qi) (13.5.6.a)Meist als Folge eines akuten Eindringens von pathogenem Wind mit Einschnürung und Beeinträchtigung der Lungenfunktionen; meist akut und plötzlich, zunächst mit Ödemen am Oberkörper, die sich nach unten ausweitenBehinderte Miktion, oft zunächst Gesichtsödeme (v.a. Augenlider), nachfolgend auch der Extremitäten und mit generalisierten Flüssigkeitsretentionen mit schmerzendem Schweregefühl, Frösteln und Fieber, Husten, Dyspnoe, evtl. Halsschmerzen und -schwellungZunge: dünner, weißlicher Belag.
Puls: oberflächlich und gespannt oder oberflächlich und schnell
Milz-Yang-Mangel (11.5.2, 13.5.6.b)Durch äußere Invasion von Kälte-Feuchtigkeit, die das Milz-Yang schädigt oder innere Schädigung z.B. durch Überarbeitung, DiätfehlerBehinderte Miktion oder spärlicher Harnfluss, generalisierte Ödeme (v.a. untere Körperregion wie untere Extremitäten), zusätzlich Zeichen eines Milz-Yang-MangelsZunge: blass, schlaff, feucht; weißer, schlüpfriger Belag.
Puls: schwach, kraftlos, tief, langsam
Nieren-Yang-Mangel (11.9.2, 13.5.6.c)Konstitutioneller Yang-Mangel, chron. Erkrankungen, ausschweifendes Sexualleben, altersbedingtBehinderte Miktion, Ödeme v.a. unterhalb der Taillenregion, Dyspnoe, Keuchatmung und Husten mit Geräuschen dünnen Schleims, Palpitationen, Zeichen eines Nieren-Yang-Mangels wie kalte Extremitäten etc.Zunge: blass, schlaff; weißer, schlüpfriger Belag.
Puls: Tief, sehr schwach (v.a. an der Chi-Position)
Leber- und Nieren-Yin-Mangel bzw. Nieren-Yin-Mangel mit Leere-Hitze (11.11.20, 13.5.6.d)Das Yin aufzehrende Erkrankungen, alters- oder konstitutionell bedingt; aufgrund des Yin-Mangels mit Leere-Hitze, die weiter Flüssigkeiten verköchelt, fehlen die Flüssigkeiten im Körper, und es kommt zu behinderter MiktionBehinderte Miktion, spärlicher, dunkelgelber (konzentrierter) Harn, evtl. leicht schmerzhaft, evtl. rezid. Ödeme, zusätzliche Zeichen von Nieren- und Leber-Yin-Mangel mit Leere-HitzeZunge: rot; wenig oder abgeschälter Belag.
Puls: dünn, schnell
Innere Obstruktion durch Feuchte-Hitze (Feuchte-Hitze im unteren Jiao) (13.5.6.e)Diätfehler, Alkoholabusus, mangelnde Hygiene, äußere Invasion pathogener Feuchtigkeit und Hitze, die im San Jiao akkumuliert und die Wasserpassagen blockiertBehinderte Miktion mit spärlichem, dunklem Harn, Rastlosigkeit im Brustkorb (Xin Fan), Übelkeit, bitterer, klebriger Mundgeschmack, Durst ohne Trinkverlangen, Appetitmangel, abdominelle Spannung, erschwerte Defäkation eines klebrigen Stuhls (je nach Hitzeanteil auch trocken)Zunge: rot; fettiger, gelber Belag.
Puls: Schnell, schlüpfrig oder schnell, sanft
(Leber-)Qi-Stauung, Qi-Stagnation (11.7.2, 13.5.6.f)Häufig emotional bedingt mit Qi-Stagnation, die dazu führt, dass auch die Flüssigkeiten stagnieren mit Feuchtigkeitsansammlungen und dann den Harnfluss stagnieren lassenBehinderte Miktion, evtl. ziehende Spannung oder Schmerzen in der Urethra während der Miktion, Spannung des unteren Abdomens, das aber bei Palpation weich ist, bitterer Mundgeschmack, Halstrockenheit, Unbehagen im Thorax und in den Flanken, Appetitmangel, Rülpsen, abdominale Spannung postprandial, evtl. SäurerefluxZunge: rot; dünner, gelber Belag.
Puls: saitenförmig
Blut-Stase (13.5.6.g)Äußere Traumata, Schwangerschaft, Qi-Mangel oder Kälte-Koagulation, die alle zu einer Behinderung des Blutflusses führen können mit Blut-Stase-Entwicklung, die die Netzgefäße der Harnblase blockierenBehinderte Miktion, meist begleitet von Dysurie mit evtl. Harnstopp oder Hämaturie, dunkler, purpurner, trüber Harn, Spannung im unteren Abdomen und Schmerz, der sich auf Druck verschlechtertZunge: purpurn, dunkel oder evtl. Stasepunkte.
Puls: rau
Störungen der Lungen-Qi-Verteilungs- und Absenkungsfunktion
Therapieprinzipien Die Lungenfunktionen unterstützen, pathologisches Wasser entfernen
Rezept: Variation von Yue Bi Jia Zhu Tang enthält: Ephedrae Hb. (Ma Huang), Atractylodis macrocephalae Rz. (Bai Zhu), Gypsum fibrosum (Shi Gao), Polyporus (Zhu Ling), Plantaginis Sm. (Che Qian Zi), Alismatis Rz. (Ze Xie), Jujubae Fr. (Da Zao), Zingiberis Rz. recens (Sheng Jiang), Glycyrrhizae Rx. (et Rz.) (Gan Cao). Modifikationen: Bei sehr starker erschwerter Miktion zusätzlich Arecae Pericarpium (Da Fu Pi), Talcum (Hua Shi). Bei Invasion von Wind-Hitze zusätzlich Arctii Fr. (Niu Bang Zi), Platycodi Rx. (Jie Geng). Bei Wind-Hitze mit Halsschmerzen und -schwellungen zusätzlich Isatidis Rx. (Ban Lan Gen), Forsythiae Fr. (Lian Qiao), Platycodi Rx. (Jie Geng). Wenn sich keine Hitze im Außen zeigt, sondern nur Kälte, dann Gypsum fibrosum (Shi Gao) aus der Rezeptur entfernen und zusätzlich Saposhnikoviae Rx. (Fang Feng), Notopterygii Rz. seu Rx. (Qiang Huo), Cinnamomi Ra. (Gui Zhi). Bei Husten oder Keuchatmung zusätzlich Peucedani Rx. (Qian Hu), Armeniacae Sm. (Xing Ren). Bei Hitze evtl. Qing Fei Yin (13.5.7.c).
Akupunktur: SJ 6 (Zhigou), Bl 12 (Fengmen) unterstützen die Lungen-Verteilungsfunktion und vertreiben äußere Pathogene, ableitende Nadeltechnik; Bl 13 (Feishu), Bl 22 (Sanjiaoshu), Mi 9 (Yinlingquan) bewegen Flüssigkeiten und unterstützen die Diurese mit ableitender Nadeltechnik; bei Halsschmerzen und -schwellung mit roter Zunge Lu 11 (Shaoshang) bluten lassen; bei Wind-Aversion mit profusem Schwitzen zusätzlich SJ 5 (Waiguan) und Ma 36 (Zusanli), um Wind zu vertreiben und das Qi zu stärken.
Milz-Yang-Mangel (11.5.2)
Therapieprinzipien Milz-Yang wärmen und bewegen, Qi transformieren, Flüssigkeiten bewegen
Rezept: Variation von Shi Pi Yin enthält: Atractylodis macrocephalae Rz. (Bai Zhu), Poriae Cutis (Fu Ling Pi), Arecae Pericarpium (Da Fu Pi), Alpiniae kadsumadai Sm. (Cao Dou Kou), Magnoliae officinalis Cx. (Hou Po), Aconiti Rx. lateralis praep. ([Zhi] Fu Zi), Zingiberis Rz. (Gan Jiang), Polyporus (Zhu Ling), Glycyrrhizae Rx. (et Rz.) (Gan Cao). Modifikationen: Bei stark erschwerter Miktion zusätzlich Alismatis Rz. (Ze Xie). Bei sinkendem Milz-Qi Variation von Bu Zhong Yi Qi Tang (7.6.10.a) einsetzen, enthält: Bu Zhong Yi Qi Tang ohne Bupleuri Rx. (Chai Hu) und zusätzlich Poria (Fu Ling) und Polyporus (Zhu Ling).
Akupunktur: Ren 4 (Qihai), Ren 9 (Shuifen), Ma 28 (Shuidao) wärmen Yang, tranformieren Qi und bewegen das Wasser v.a. mit Moxa; Ma 36 (Zusanli), Mi 9 (Yinlingquan) stärken die Milz, transformieren Feuchtigkeit und unterstützen die Diurese; Mi 4 (Gongsun) zusätzlich bei breiigem Stuhl; Pe 6 (Neiguan), Ren 12 (Zhongwan) bei Übelkeit.
Nieren-Yang-Mangel (11.9.2)
Therapieprinzipien Die Niere wärmen und Yang stärken, das Qi bewegen und Feuchtigkeit transformieren
Rezept: Zhen Wu Tang (7.6.8.d) und zusätzlich Cinnamomi Ra. (Gui Zhi), Acanthopanacis Cx. (Wu Jia Pi), Alismatis Rz. (Ze Xie). Bei starken Ödemen und Harnretention zusätzlich Polyporus (Zhu Ling), Plantaginis Sm. (Che Qian Zi). Bei starkem Yang-Mangel zusätzlich Cinnamomi Cx. (Rou Gui). Bei Durchfall Paeoniae Rx. alba (Bai Shao) entfernen und zusätzlich Zingiberis Rz. (Gan Jiang).
Akupunktur: Bl 23 (Shenshu), Du 4 (Mingmen) wärmen die Nieren und stärken Yang mit Moxibustion; Ren 9 (Shuifen), Mi 9 (Yinlingquan), Bl 28 (Pangguangshu) bewegen das Qi und transformieren Feuchtigkeit und unterstützen die Diurese.
Leber- und Nieren-Yin-Mangel bzw. Nieren-Yin-Mangel mit Leere-Hitze (11.11.20)
Therapieprinzipien Nieren- und Leber-Yin nähren, Leere-Hitze nach unten leiten, die Diurese unterstützen
Rezept: Zhi Bai Di Huang Wan (7.6.10.d) und zusätzlich Achyranthis bidentatae Rx. (Niu Xi), Plantaginis Sm. (Che Qian Zi), Acanthopanacis Cx. (Wu Jia Pi). Modifikationen: Bei starkem Nieren-Yin-Mangel zusätzlich Ecliptae Hb. (Han Lian Cao), Ligustri lucidi Fr. (Nü Zhen Zi). Bei starker Leere-Hitze mit dampfenden Knochen zusätzlich Scrophulariae Rx. (Xuan Shen), Lycii Cx. (Di Gu Pi), Cynanchi atrati Hb. (Bai Wei).
Akupunktur: Ren 3 (Zhongji), Mi 6 (Sanyinjiao), Bl 28 (Pangguangshu) nähren Yin, leiten Leere-Hitze nach unten ab, unterstützt die Diurese; Bl 23 (Shenshu), Ni 7 (Fuliu) unterstützen das Wasser und nähren Nieren-Yin.
Innere Obstruktion durch Feuchte-Hitze (Feuchte-Hitze im unteren Jiao)
Therapieprinzipien Hitze klären und Feuchtigkeit beseitigen, Diurese anregen
Rezept: Ba Zheng San (7.6.8.b). Modifikation: Bei bereits erfolgter Yin-Schädigung Rhei Rx. et Rz. (Da Huang) entfernen und zusätzlich Rehmaniae Rx. (Sheng Di Huang), Anemarrhenae Rz. (Zhi Mu), Imperatae Rz. (Bai Mao Gen).
Akupunktur: Ren 3 (Zhongji), Ma 28 (Shuidao), Bl 28 (Pangguangshu) klären Hitze, unterstützen die Diurese; Mi 6 (Sanyinjiao), Mi 9 (Yanglingquan) beseitigen Feuchtigkeit; Ma 37 (Shangjuxu) bei Obstipation; Mi 4 (Gongsun) bei breiigen Stühlen; Bl 32 (Ciliao), Mi 10 (Xuehai) bei Dysurie und Hämaturie.
(Leber-)Qi-Stauung, Qi-Stagnation (11.7.2)
Therapieprinzipien Leber-Qi bewegen und Stau lösen, Diurese unter-stützen
Rezept: Variation von Chen Xiang San enthält: Aquilariae Lignum resinatum (Chen Xiang), Citri reticulatae viride Pericarpium (Qing Pi), Vaccariae Sm. (Wang Bu Liu Xing), Linderae Rx. (Wu Yao), Citri reticulatae Pericarpium (Chen Pi), Paeoniae Rx. alba (Bai Shao), Bupleuri Rx. (Chai Hu), Malvae Fr./Sm. (Dong Kui Guo/Zi), Glycyrrhizae Rx. (et Rz.) (Gan Cao). Modifikationen: Bei erschwerter Miktion mit Verschlechterung durch Emotionen wie Ärger, Frustration oder Depression zusätzlich Ziziphi spinosae Sm. (Suan Zao Ren), Albiziae Cx. (He Huan Pi), Polygoni multiflori Cx. (Ye Jiao Teng).
Akupunktur: Ren 3 (Zhongji), Ma 28 (Shuidao) unterstützen die Diurese; Le 3 (Taichong), SJ 6 (Zhigou), Le 14 (Qimen) bewegen das Leber-Qi, förderen den freien Qi-Fluss, unterstützen die Diurese; Ren 17 (Danzhong) bei thorakalem Engegefühl.
Blut-Stase
Therapieprinzipien Blut bewegen, Stase transformieren, Diurese unterstützen
Rezept: Shao Fu Zhu Yu Tang (7.6.12.a) und zusätzlich Plantaginis Sm. (Che Qian Zi), Desmodii sen Lysimachiae Hb. (Jin Qian Cao), Pyrrosiae Fo. (Shi Wei). Modifikationen: Bei Blutklümpchen im Urin zusätzlich Notoginseng Rx. (San Qi), Cirsii Hb. (Xiao Ji). Bei Krämpfen und Schmerzen im unteren Abdomen zusätzlich Paeoniae Rx. alba (Bai Shao), Glycyrrhizae Rx. (et Rz.) (Gan Cao). Wenn sich Hitze und keine Kälte zeigt, folgende Arzneien entfernen: Foeniculi Fr. (Xiao Hui Xiang), Zingiberis Rz. (Gan Jiang), Cinnamomi Cx. (Rou Gui) und hinzufügen: Moutan Cx. (Mu Dan Pi), Salviae miltiorrhizae Rx. (Dan Shen).
Akupunktur: Ren 3 (Zhongji), Bl 28 (Pangguangshu) befreien den Fluss in den Netzgefäßen der Blase; Mi 10 (Xuehai), Mi 6 (Sanyinjiao) bewegen das Blut, transformieren Stasis und beenden Schmerzen.

Blockierte Miktion (Xiao Bian Bu Tong)

Eine blockierte Miktion bzw. Harnverhalt (Xiao Bian Bu Tong oder Niao Bi) bedeutet, dass die Harnblase zwar voll ist, d.h. der Urin die Blase erreicht hat, aber nicht entleert werden kann. Es ist sinnvoll, sie von der behinderten Miktion (Xiao Bian Bu Li 13.5.6) abzugrenzen. Blockierte und behinderte Miktion werden in klassischen und in einigen modernden Texten jedoch oft gemeinsam abgehandelt (vgl. Clavey 2004) unter der Bezeichnung Long Bi, die zwei Störungen umfasst: Long bezeichnet einen eher chronischen Krankheitsverlauf mit eingeschränkter, aber erhaltener Harnausscheidung (erschwerte Miktion 13.5.6). Unter Bi ist der Verschluss bzw. die Blockade gemeint. Die Störung kann von ziehenden Beschwerden in der Blase oder im unteren Abdomen begleitet sein.

Syndrom-Differenzierung bei blockierter Miktion (Xiao Bian Bu Tong)

Tab. 13.28
SyndromPathomechanismusSymptomeZunge/Puls
Feuchte-Hitze im unteren Jiao (13.5.7.a)Entweder durch Eindringen äußerer Hitze und Feuchtigkeit oder durch Entwicklung innerer Feuchte-Hitze, z.B. Diätfehler etc.Harnverhalt, schmerzhaftes, häufiges und dringendes Wasserlassen von wenig Urin (evtl. heiß), Völle und Spannung im unteren Abdomen, Durst ohne Trinkverlangen, bitterer Mundgeschmack, evtl. Obstipation (je nach Hitzeanteil)Zunge: gerötet; gelber, schlüpfriger Belag.
Puls: tief, schnell, schlüpfrig
Wind-Kälte blockiert die Lungen-Qi-Verteilungs- und Absenkungsfunktion (13.5.7.b)Meist als Folge eines akuten Eindringens von pathogenem Wind mit Einschnürung und Beeinträchtigung der Lungenfunktionen; meist akut und plötzlich, zunächst mit Ödemen am Oberkörper, die sich nach unten ausweitenAkuter Harnverhalt, Ödeme im Gesicht und generalisiert, leichtes oder kein Fieber, Kälteaversion, auch generalisierte Flüssigkeitsretentionen mit schmerzendem Schweregefühl in den Extremitäten, thorakales Engegefühl, HustenZunge: dünner, weißlicher Belag.
Puls: oberflächlich
Akkumulation von Lungen-Hitze (13.5.7.c)Wen Bing-Erkrankung (12.2), die zu Hitze in der Lunge führt; diese akkumuliert und stagniert dort und schädigt die Lungen-Qi-Absenkungs- und Verteilungsfunktion mit nachfolgendem HarnverhaltHarnverhalt, thorakales Enge- und Völlegefühl, Husten und Keuchatmung, Kurzatmigkeit, Rachentrockenheit, Durst mit Trinkverlangen, Unruhe, ObstipationZunge: rot; weißer oder gelblicher, dünner Belag.
Puls: sanft, schnell
Milz-Qi-Mangel, sinkendes Milz-Qi (11.5.1, 11.5.4,13.5.7.d)Geistige und körperliche Überanstrengung führt zu Milz-Qi-Mangel (11.5.1), das Klare kann nicht aufsteigen, das Trübe nicht absteigenWunsch zu urinieren, ist aber nicht möglich, oder nur stockendes Wasserlassen mit wenig Urin, nach unten drängende Empfindung im unteren Abdomen, Erschöpfung, Appetitmangel, abdominale Spannung und Völlegefühl, breiige StühleZunge: blass; dünner, weißer Belag.
Puls: tief, schwach
Nieren-Qi-Mangel (11.9.7, 13.5.7.e)Häufig schwache Konstitution, aber auch übermäßige sexuelle Betätigung, Alter, viele Geburten, wiederholte KälteexpositionHarnverhalt oder kraftloses Wasserlassen, obwohl der Wunsch besteht, häufig zu urinieren, Schwäche und evtl. Kälte in Rücken/Knie, kalte ExtremitätenZunge: blass mit Zahneindrücken; dünner, weißer Belag.
Puls: Schwach, evtl. langsam, tief (v.a. in der Chi-Position)
Nieren-Yin-Mangel mit Leere-Hitze (11.9.6,13.5.7.f)Das Yin aufzehrende Erkrankungen, alters- oder konstituionell bedingt; aufgrund von Yin-Mangel und Leere-Hitze, die weiterhin Flüssigkeiten verköchelt, fehlen die Flüssigkeiten zur HarnausscheidungWunsch, aber Unfähigkeit zu urinieren, Harnverhalt, dumpfer Schmerz im unteren Abdomen, Halstrockenheit, Durst, Unruhe, Schlafstörungen, Hitze der fünf Flächen, Wangenrötung, NachtschweißZunge: rot; wenig Belag oder belaglos.
Puls: dünn, schnell
Leber-Qi-Stauung und -Einzwängung (13.5.7.g)Häufig emotional bedingt mit nachfolgender Qi-Stagnation und Stau von Flüssigkeiten mit Ansammlungen von Feuchtigkeit, die den Harnfluss stagnieren lassenHarnverhalt oder unterbrochene Miktion mit Verschlimmerung durch Emotionen, Spannung im Abdomen und in den Flanken, prämenstruelle Brustspannung, leicht ärgerlich, Seufzen, AufstoßenZunge: normal oder gerötete Seiten.
Puls: saitenförmig
Blockade der Urethra (13.5.7.h)Äußere Traumata, durch Qi-Stagnation oder Blut-Hitze mit Steinbildung, die den freien Qi- und Harnfluss behindertHarnverhalt bzw. Beginn und Stopp des Harnflusses oder Harntröpfeln, evtl. mit dünnen Filamenten im Urin, Spannung im unteren Abdomen, Schmerzen und VölleZunge: dunkel, violett evtl. mit Stauungsflecken; weißer oder leicht gelblicher Belag.
Puls: rau
Feuchte Hitze im unteren Jiao
Therapieprinzipien Hitze klären, Feuchtigkeit beseitigen, den freien Harnfluss fördern
Rezept: Ba Zheng San (7.6.8.b).
Akupunktur: Ren 3 (Zhongji), Ma 28 (Shuidao) regulieren den Qi-Mechanismus der Harnblase und befreien den Harnfluss; Le 2 (Xingjian), Mi 9 (Yinlingquan) klären Hitze, beseitigen Feuchtigkeit und befreien den Harnfluss; Bl 28 (Pangguangshu), Bl 34 (Xialiao), Bl 35 (Huiyang), Bl 39 (Weiyang) befreien den Harnfluss.
Wind-Kälte blockiert die Lungen-Qi-Verteilungs- und Absenkungsfunktion
Therapieprinzipien Lungen-Qi verteilen, äußere Pathogene vertreiben, die Wasserwege regulieren, den Harnfluss befreien
Rezept: Variation von Huai Gua San enthält: Ephedrae Hb. (Ma Huang), Perillae Fo. (Zi Su Ye), Perillae Fr. (Su Zi), Armeniacae Sm. (Xing Ren), Poria (Fu Ling), Saposhnikoviae Rx. (Fang Feng), Cinnamomi Ra. (Gui Zhi), Mori Cx. (Sang Bai Pi), Glycyrrhizae Rx. (et Rz.) (Gan Cao).
Akupunktur: Bl 12 (Fengmen), Bl 13 (Feishu), Lu 7 (Lieque) beseitigen pathogene Faktoren, verteilen das Lungen-Qi, unterstützen die Lunge; Ren 3 (Zhongji), Bl 28 (Pangguangshu) unterstützen die Diurese.
Akkumulation von Lungen-Hitze
Therapieprinzipien Hitze klären, Lungen-Qi verteilen, Wasserwege unterstützen, den Harnfluss befreien
Rezept: Qing Fei Yin enthält: Mori Cx. (Sang Bai Pi), Scutellariae Rx. (Huang Qin), Gardeniae Fr. (Zhi Zi), Ophiopogonis Rx. (Mai Men Dong), Poria (Fu Ling), Akebiae Caulis (Mu Tong), Plantaginis Sm. (Che Qian Zi). Modifikationen: Bei Unruhe und roter Zungenspitze zusätzlich Coptidis Rz. (Huang Lian), Lophatheri Hb. (Dan Zhu Ye). Bei starker Harnretention zusätzlich Polyporus (Zhu Ling), Alismatis Rz. (Ze Xie). Bei beginnendem Yin-Mangel zusätzlich Glehniae Rx. (Bei Sha Shen), Imperatae Rz. (Bai Mao Gen). Bei Obstipation zusätzlich Armeniacae Sm. (Xing Ren), Rhei Rx. et Rz. (Da Huang).
Akupunktur: Lu 1 (Zhongfu), Lu 7 (Lieque) klären Lungen-Hitze; Ren 17 (Danzhong), Di 6 (Pianli) verteilen das Lungen-Qi, unterstützen die Wasserwege; He 5 (Tongli) bei Zeichen von Hitze im Herzen mit Unruhe, roter Zungenspitze, evtl. Mund- und Zungenulzerationen; Di 4 (Hegu), SJ 5 (Waiguan) bei Kopfschmerzen, nasaler Kongestion und oberflächlichem Puls; Di 11 (Quchi) bei Fieber; Mi 6 (Sanyinjiao) bei beginnendem Flüssigkeits- bzw. Yin-Mangel.
Milz-Qi-Mangel, sinkendes Milz-Qi (11.5.1, 11.5.4)
Therapieprinzipien Das Klare anheben, das Trübe absenken, Qi transformieren, Harnfluss fördern
Rezept: Bu Zhong Yi Qi Tang (7.6.10.a) und zusätzlich Poria (Fu Ling), Plantaginis Sm. (Che Qian Zi), Coicis Sm. (Yi Yi Ren). Modifikationen: Bei starker Harnretention zusätzlich Polyporus (Zhu Ling), Alismatis Rz. (Ze Xie). Bei kalten Extremitäten, Kälteaversion und Durchfall zusätzlich Aconiti Rx. lateralis praep. ([Zhi] Fu Zi), Zingiberis Rz. (Gan Jiang).
Akupunktur: Moxa einsetzen, Du 20 (Baihui) hebt Qi an (Moxa), Ma 36 (Zusanli), Ren 6 (Qihai), Bl 20 (Pishu) stärken Qi und helfen der Milz in ihrer Transport- und Transformationsfunktion; Mi 9 (Yinlingquan), Ma 28 (Shuidao) beseitigen Feuchtigkeit und unterstützen und öffnen die Wasserwege.
Nieren-Qi-Mangel (11.9.7)
Therapieprinzipien Nieren stärken, Diurese unterstützen
Rezept: Ji Sheng Shen Qi Wan (7.6.10.e). Modifikationen: Bei starker Harnretention zusätzlich Polyporus (Zhu Ling), Acanthopanacis Cx. (Wu Jia Pi).
Akupunktur: Ren 6 (Qihai), Ren 4 (Guanyuan) wärmen Yang und stärken das Qi v.a. mit Moxa; Mi 6 (Sanyinjiao), Ni 7 (Fuliu) stärken die Nieren, unterstützen den Harnfluss; Bl 23 (Shenshu), Bl 30 (Baihuanshu), Ni 3 (Taixi) stärken die Nieren.
Nieren-Yin-Mangel mit Leere-Hitze (11.9.6)
Therapieprinzipien Nieren-Yin nähren und stärken, Leere-Hitze klären
Rezept: Liu Wei Di Huang Wan (7.6.10.d) und zusätzlich Polyporus (Zhu Ling), Asini Corii Colla (E Jiao), Talcum (Hua Shi). Modifikationen: Bei stärkerer Leere-Hitze zusätzlich Phellodendri Cx. (Huang Bai), Anemarrhenae Rz. (Zhi Mu). Bei gleichzeitigem Qi-Mangel zusätzlich Codonopsis Rx. (Dang Shen), Astragali Rx. (Huang Qi).
Akupunktur: Ren 3 (Zhongji), Mi 6 (Sanyinjiao), Bl 28 (Pangguangshu) nähren das Yin, leiten Leere-Hitze nach unten, unterstützen den Harnfluss; Bl 23 (Shen-shu), Ni 7 (Fuliu) unterstützen die Nieren, nähren Yin.
Leber-Qi-Stauung und -Einzwängung (11.7.2)
Therapieprinzipien Leber-Qi und Qi bewegen, Feuchtigkeit beseitigen, den freien Harnfluss unterstützen
Rezept: Variation von Chen Xiang San (13.5.6.f). Modifikationen: Bei starker Leber-Qi-Stauung Angelicae sinensis Rx. (Dang Gui) entfernen und Cyperi Rz. (Xiang Fu), Curcumae Rx. (Yu Jin) hinzufügen. Bei Harntröpfeln, das sich durch Emotionen verschlimmert zusätzlich Ziziphi spinosae Sm. (Suan Zao Ren), Albiziae Cx. (He Huan Pi), Polygoni multiflori Caulis (Ye Jiao Teng). Bei Zeichen von Blut-Stase Citri reticulatae viride Pericarpium (Qing Pi) entfernen und Vaccariae Sm. (Wang Bu Liu Xing), Leonuri Hb. (Yi Mu Cao), Sparganii Rz. (San Leng) hinzufügen. Entwickelt sich Stauungshitze Aquilariae Lignum resinatum (Chen Xiang) entfernen und Gardeniae Fr. (Zhi Zi), Moutan Cx. (Mu Dan Pi) hinzufügen. Bei starkem Schmerz im unteren Abdomen zusätzlich Toosendan Fr. (Chuan Lian Zi).
Akupunktur: Ren 2 (Qugu), Ren 3 (Zhongji) bewegen und stärken den Qi-Mechanismus der Blase; Le 3 (Taichong), Le 5 (Ligou) bewegen das Leber-Qi, befreien den freien Qi- und Harnfluss; He 7 (Shenmen) bei Schlafstörungen; Mi 6 (Sanyinjiao), Mi 10 (Xuehai) bei zusätzlichen Blut-Stase-Zeichen.
Blockade der Urethra
Therapieprinzipien Stasis bewegen oder Steine entfernen, den freien Fluss in den Wasserwegen fördern
Rezept: Tong Niao Lu Tang enthält: Rhei Rx. et Rz. (Da Huang), Vaccariae Sm. (Wang Bu Liu Xing), Natrii Sulfas (Mang Xiao), Typhae Pollen (Pu Huang), Angelicae sinensis radicis Cauda (Dang Gui Wei), Cinnamomi Ra. (Gui Zhi), Cyathulae Rx. (Chuan Niu Xi), Carthami Fl. (Hong Hua), Persicae Sm. (Tao Ren). Modifikationen: Bei Dysurie zusätzlich Corydalis Rz. (Yan Hu Suo), Toosendan Fr. (Chuan Lian Zi). Bei Harngrieß oder -steinen zusätzlich Pyrrosiae (Shi Wei), Malvae Fr./Sm. (Dong Kui Guo/Zi), Lysimachiae Hb. (Jin Qian Cao), Lygodii Spora (Hai Jin Sha), Gigeriae galli Endothelium corneum (Ji Nei Jin). Bei Hämaturie zusätzlich Cirsii Hb. (Xiao Ji), Dianthi Hb. (Qu Mai), Succinum (Hu Po), Notoginseng Rx. (San Qi).
Akupunktur: Ren 3 (Zhongji), Bl 28 (Pangguangshu) bewegen den Qi-Fluss und befreien den Qi-Mechanismus der Blase; Mi 9 (Yinlingquan), Bl 39 (Weiyang), Bl 67 (Zhiyin) bewegen Stase und befreien den Qi-Fluss in den Wasserwegen.

Augenerkrankungen

Julian Scott (Übersetzung: Ulrich L. Waechter)

Einführung

Ätiologie
Die Leber öffnet sich in den Augen, heißt es in der chinesischen Medizin, und so sollte bei der Behandlung von Augenkrankheiten grundsätzlich zuerst die Leber reguliert werden. Andererseits ist das Auge auch ein Teil des Gesamtorganismus, daher kann ein Ungleichgewicht in einem der anderen Zang-Fu-Organe die Augen ebenso betreffen wie jeden anderen Körperbereich. Die Gründe, warum ein Ungleichgewicht dabei eher zu einer Erkrankung der Augen führt, sind vielfältig: Übermäßiges Denken (Qi-Konzentration im Kopf); lokale Stagnation aufgrund von Kopfverletzungen; Belastung durch die Arbeit vor dem Computerbildschirm; mangelhafte Beleuchtung; schlechte Sehgewohnheiten; aufsteigendes Qi durch unterdrückten Ärger.
Wichtige Syndrome
Die Syndrom-Muster bezüglich der Augen sind i.d.R. dieselben, die auch bei anderen Erkrankungen anzutreffen sind. Allerdings gibt es zwei Syndrome, die bei Augenerkrankungen im Gegensatz zu anderen Störungen häufiger bestehen und daher selten in den allgemeinen Fachbüchern beschrieben werden:
  • Leber- und Nierenschwäche (Xu-Ruo): Dieses Muster unterscheidet sich von dem Leber-und Nieren-Yin-Mangel (11.9.6) durch das Fehlen von speziellen Zeichen von Leere-Hitze. Zudem zeigen sich auch keine besonderen Yang-Mangel-Zeichen. Dieses Muster tritt im Alter auf, wenn die konstitutionelle Kraft nachlässt. Charakteristisch ist ein Mangel an Anpassungsfähigkeit, Angst vor Veränderungen sowie Willensschwäche. Die Zunge kann Risse zeigen oder blass und feucht sein. Der Puls ist möglicherweise schwach oder lang und hart – ein Charakteristikum verhärteter Arterien

  • Dicker Schleim: Dieser ist bei westlichen Patienten bei vielen Störungen immer häufiger zu beobachten, besonders findet er sich jedoch bei Augenkrankheiten aufgrund der wichtigen Rolle der Körperflüssigkeiten für eine störungsfreie Sehfähigkeit. In diesem Muster sind die Flüssigkeiten verdickt, was am Speichel erkennbar ist, der Fäden im Mund zieht oder aber von milchiger Konsistenz ist. Zudem zeigt sich eine Tendenz zu trockener Haut, Ekzemen und Nahrungsmittelintoleranzen.

Diagnostik
Zur Diagnostik der Augenregion 4.1.8, Abb. 4.22–4.24Abb. 4.22Abb. 4.23Abb. 4.24.
Besonderer Lungenpuls: Die A. radialis verläuft distal der Cun-Position normalerweise so tief, dass sie jenseits des Handgelenkspaltes nicht mehr palpiert werden kann. Bei manchen Patienten kann sie trotzdem deutlich getastet werden, was eine Lungenschädigung anzeigt. Tritt dieser besondere Lungenpuls an der rechten Hand auf, ist der rechte Lungenflügel betroffen, bei der linken Hand ist es die linke Lunge. In der Vergangenheit bedeutete dies meist eine zurückliegende Tuberkuloseerkrankung des Patienten.
Akupunktur allgemein
Rund um das Auge befinden sich neben den klassischen Punkten eine Vielzahl weiterer Punkte, wovon zwei besonders häufig eingesetzt werden:
  • Bl 1 (Jingming)

  • Ex-HN 7 (Qiuhou): Lage: Lateral zu Ma 1 (Chengqi), wird diesem aufgrund seiner anatomisch günstigeren Lage vorgezogen: Die Orbita ist elliptisch geformt, während der Augapfel rund ist. Dadurch ergibt sich in der Position Qiuhou etwas mehr Platz zwischen Augapfel und Augenhöhle, was ein tiefes Nadeln erleichtert.

Stichtiefe
  • Bei Erkrankungen im vorderen Augenbereich (z.B. Konjunktivitis, Hordeolum, Hornhauterosion): Lokalpunkte grundsätzlich oberflächlich nadeln

  • Bei Erkrankungen im mittleren oder hinteren Augenbereich (z.B. Makuladegeneration, Choroiditis, Retinitis pigmentosa): Deutlich tieferes Stechen (bis zu 2 Cun, 50 mm), wodurch das De-Qi-Gefühl im hinteren Augenbereich erzielt werden kann. Allerdings ist besonders bei Füllezuständen (Shi) das De-Qi schon bei flacher Nadelung zu erreichen, bei Leerezuständen (Xu) kann es nötig sein, die volle Tiefe zu nadeln.

Cave: Tiefe Nadelung der Punkte rund um die Augen ist gefährlich, daher sollte sie geübten Akupunkteuren vorbehalten sein.

Tränende Augen (Epiphora)

Tränende Augen sind ein sehr allgemeines Symptom, daher ist eine präzise Ätiologie und Diagnose schwierig. Neben den drei Zang-Organen (Lunge, Milz und Niere) mit besonderem Bezug zu den Flüssigkeiten unterscheidet man noch die Wind-Syndrome wie z.B. Wind-Kälte, Wind-Hitze. Auch ein Leber-Feuer (11.7.4) verursacht tränende Augen (heiße Tränen). Ebenso kann auch ein Blut-Mangel ursächlich beteiligt sein, bei dem die Augen aufgrund der mangelhaften Befeuchtung tränen.
Therapieprinzipien Qi bewegen und zu den Augen bringen, ggf. nach Syndrom-Diagnose behandeln: Bei Kälte durch Leber-/Nieren-Mangel Leber stützen, Nieren wärmen und die Tränenwege festigen, bei Leber-Blut-Mangel mit äußerem Wind-Einfluss Wind vertreiben und Blut nähren
Rezept: Bei Kälte durch Leber-/Nieren-Mangel: Chrysanthemi Fl. (Ju Hua), Morindae officinalis Rx. (Ba Ji Tian), Cistanches Hb. (Rou Cong Rong), Lycii Fr. (Gou Qi Zi), Cynanchi atrati Rx. (Bai Wei), Granati Pericarpium (Shi Liu Pi), Saposhnikoviae Rx. (Fang Feng), Tribuli Fr. (Bai Ji Li). Bei Leber-Blut-Mangel mit äußerem Wind-Einfluss: Si Wu Tang (7.6.10.b) und zusätzlich Angelicae dahuricae Rx. (Bai Zhi) und Saposhnikoviae Rx. (Fang Feng).
Akupunktur: Den meisten Patienten kann (abseits einer differenzierten Syndrom-Diagnose) allein dadurch geholfen werden, indem man das Qi in den Leitbahnen bewegt und zu den Augen bringt. Dafür eignen sich v.a. folgende Punkte: Ma 2 (Chengqi): Lokaler Augenpunkt; Bl 1 (Jingming): Lokaler Augenpunkt; Gb 20 (Fengchi): Regionalpunkt, stärkt die Augen; Di 4 (Hegu): Kräftigt die Qi-Zirkulation im Gesicht und um die Augen; Ni 6 (Zhaohai): Vertreibt Feuchtigkeit, stärkt die Nieren.

Hordeolum (Gerstenkorn)

Chinesische Texte nennen auch Wind-Hitze als Syndrom, was im Westen jedoch selten ist und daher nicht gesondert aufgeführt wird. Fatrai/Uhrig (2005) unterscheiden folgende Syndrome: Wind-Hitze, Toxische Hitze, die nach oben steigt und die Augen angreift, Latente Hitze in Milz und Magen und energetische Schwäche der FK Milz und Magen. In der Praxis des Autors zeigt sich am häufigsten das Bild von Feuchte-Hitze in Leber und Gallenblase, das daher im Folgenden dargestellt wird.
Feuchte-Hitze in Leber und Gallenblase
Pathomechanismus: Übermäßig fettes Essen, junk food (minderwertiges Brot, viele chemische Zusätze), v.a. Alkoholabusus, Mangel an Schlaf und Bewegung. Feuchte-Hitze steigt über die Ma-Leitbahn nach oben und sammelt sich im Augenlid.
Symptome und Befunde: Reizbarkeit, rotes Gesicht. Zunge: Rot; schmieriger Belag; Puls: Schnell, schlüpfrig.
Therapieprinzipien Qi im Gesicht bzw. in den Augen bewegen, Feuchte-Hitze klären
Rezept: Bei Wind-Hitze Modifikationen von Yin Qiao San (7.6.3.b). Bei Feuchte-Hitze in Leber und Gallenblase bzw. über die Mitte nach oben steigende toxische Hitze Variationen von Long Dan Xie Gan Tang (7.6.4.d) oder modifiziertes Huang Lian Jie Du Tang (7.6.4.c) enthält: Coptidis Rz. (Huang Lian), Scutellariae Rx. (Huang Qin), Rhei Rx. et Rz. (Da Huang), Gardeniae Fr. (Zhi Zi), Forsythiae Fr. (Lian Qiao), Angelicae sinensis Rx. (Dang Gui), Paeoniae Rx. rubra (Chi Shao), Aucklandiae Rx. (Mu Xiang), Arecae Sm. (Bing Lang), Menthae Hb. (Bo He), Platycodi Rx. (Jie Geng), Glycyrrhizae Rx. (et Rz.) (Gan Cao).
Akupunktur: Di 4 (Hegu) kräftigt die Qi-Zirkulation im Gesicht und um die Augen; Gb 34 (Yanglingquan) klärt Feuchte-Hitze; Ma 1 (Chengqi): Lokaler Augenpunkt.
Ernährungstipp: Meiden von rotem Fleisch, würzigem Essen, Alkohol. Empfehlenswert ist frisches Obst, Gemüse sowie Rohkost.
Anmerkung: Das Hordeolum heilt gewöhnlich von selbst. Ist es jedoch sehr schmerzhaft, persistierend oder chronifizierend, ist eine Kombination aus Akupunktur, Arzneitherapie und Ernährungsumstellung sehr effektiv.

Konjunktivitis

Akute Konjunktivitis

Syndrom-Differenzierung bei akuter Konjunktivitis

Tab. 13.29
Syndrom Pathomechanismus Symptome Zunge Puls
Wind-Hitze Erschöpfung, heißes Wetter Rote Augen Rote Spitze Schnell, überflutend
Feuchte-Hitze in Leber und Gallenblase Fettes Essen Eitrige Absonderung aus den Augen Belag: schmierig Schnell, schlüpfrig

Siehe auch Ausführungen zur allergischen Konjunktivitis (13.9.3).

Therapieprinzipien Bei Wind-Hitze Wind-Hitze vertreiben, bei Feuchte-Hitze in Leber und Gallenblase Feuchte-Hitze ausleiten, bei beiden Syndromen die Augen klären
Rezept: Bei akuter Wind-Hitze Modifikationen von Yin Qiao San (7.6.3.b) z.B. mit Chuanxiong Rz. (Chuan Xiong), bei Feuchte-Hitze in Leber und Gallenblase Modifikationen von Long Dan Xie Gan Tang (7.6.4.d).
Akupunktur: SJ 3 (Zhongzhu) klärt Hitze in den Augen; Ex-HN 5 (Taiyang) klärt Hitze im Kopf; Di 4 (Hegu) vertreibt Wind, versorgt das Gesicht; Gb 37 (Guangming) vertreibt Feuchte-Hitze, hellt die Augen auf. Hinzufügen: Lu 7 (Ligou) bei Wind-Hitze, vertreibt Wind; Gb 34 (Yanglingquan) bei Feuchte Hitze in Leber/ Gallenblase, beseitigt Feuchte Hitze in Le/Gb.
Chronische Konjunktivitis

Syndrom-Differenzierung bei chronischer Konjunktivitis

Tab. 13.30
Syndrome Pathomechanismus Symptome Zunge Puls
Hitze in Leber und Gallenblase Frustration über einen langen Zeitraum, fettiges Essen, zu viele Milchprodukte, Weizenintoleranz Fettige Haut, Übergewicht, Verdauungsstörungen Rot.
Belag: dick, schmierig oder dicker Speichel
Voll, schlüpfrig
Leber- und Nieren-Mangel Überarbeitung, Schlafmangel, Alter Blasses Gesicht, teigige oder runzelige Haut, Müdigkeit, dunkle Augenringe Dünn, rote Punkte, Risse in der Oberfläche Dünn, gespannt; evtl. lang
Milz- und Nierenschwäche Überarbeitung, übermäßiges Denken, Sorgen, schwere Entbindung ungeeignete Nahrung, Mangel an Bewegung Blasses Gesicht, Flüssigkeitsretention, Tränensäcke Blass, schmierig, Zahnmarken Schwach, weich

Siehe auch Ausführungen zur allergischen Konjunktivitis (13.9.3).

Therapieprinzipien Bei Hitze in Leber und Gallenblase Hitze kühlen und Augen klären, bei Leber- und Nieren-Mangel Leber und Nieren stärken, bei Milz- und Nierenschwäche Milz und Niere stärken und jeweils Qi zu den Augen bringen
Rezept: Bei (chronischer) Hitze in Leber und Gallenblase: Variationen von Long Dan Xie Gan Tang (7.6.4.d) oder Wen Dan Tang (7.6.16). Bei Nieren- und Leber-Mangel (v.a. Yin): Modifiziertes Qi Ju Di Huang Wan (7.6.10.d) und zusätzlich Angelicae sinensis Rx. (Dang Gui) und Paeoniae Rx. alba (Bai Shao). Bei Milz- und Nierenschwäche: Kombinationen aus Milz stärkenden und Nieren stärkenden Arzneien.
Akupunktur: Bei Leber- und Gallenblasen-Hitze: Gb 20 (Fengchi) versorgt die Augen, senkt Leber-Feuer ab; Gb 34 (Yanglingquan) klärt Hitze in Leber und Gallenblase; Gb 37 (Guangming) hellt die Augen auf, versorgt die Gallenblase; Le 3 (Taichong) reguliert die Leber. Bei Leber- und Nieren-Mangel: Gb 20 (Fengchi) versorgt die Augen; Bl 18 (Ganshu) stärkt die Leber; Bl 23 (Shenshu) stärkt die Niere; Mi 6 (Sanyinjiao) stärkt Leber und Niere. Bei Milz- und Nierenschwäche: Gb 20 (Fengchi) versorgt die Augen; Ren 12 (Zhongwan): Mu-Punkt der Milz, stärkt die Milz; Ma 36 (Zusanli) stärkt Milz und Niere; Mi 6 (Sanyinjiao) stärkt Milz und Niere.
Ernährungstipp: Sowohl bei akuter als auch bei chronischer Konjunktivitis sollten Knoblauch, Eier, Hühnerfleisch und würziges Essen vermieden werden. Patienten mit feuchter Hitze in Leber und Gallenblase sollten Wein und hochprozentige Alkoholika vermeiden und Bier nur in moderaten Mengen trinken.

Chronisches Offenwinkelglaukom (erhöhter Augeninnendruck)

Syndrom-Differenzierung bei chronischem Offenwinkelglaukom

Tab. 13.31
Syndrome Pathomechanismus Symptome Zunge Puls
Aufsteigendes Leber-Yang Unterdrückte Emotionen Spannungskopfschmerz, purpurnes Gesicht Bläulich.
Belag: rau oder schmutzig
Drahtig, kräftig
Leber- und Nierenschwäche Erschöpfung, Alter Blasses Gesicht, Furchtsamkeit, schwache Stimme Blass oder matt Schwach; gelegentlich lang, aufgrund verhärteter Arterien
Schleim blockiert die Flüssigkeiten Falsche (Langzeit-)Diät; Mangel an Bewegung Graues Gesicht, raue Haut, Ekzeme, Tendenz zur Steinbildung, NahrungsmittelIntoleranz Dicker Speichel oder fadenziehend Schlüpfrig oder schwach
Lungen-Qi-Mangel Folge von Kinderkrankheiten, Langzeiterkrankungen, vererbte Tbc-Disposition Blasses Gesicht, leise Stimme, trauriger oder verträumter Ausdruck, Infektanfälligkeit im Brustraum Risse im Lungenbereich Schwach in der Lungenposition, besonderer Lungenpuls (13.6.1)
Therapieprinzipien Bei aufsteigendem Leber-Yang Leber-Yang absenken, Qi in Augen und Gesicht bewegen. Bei Leber- und Nieren-Mangel Qi der Augen bewegen, Leber und Niere stärken. Bei Schleim blockiert die Flüssigkeiten Schleim umwandeln und die Milz stärken zur Schleim-Transformation. Bei Lungen-Qi-Mangel Lunge, Niere und Milz und Qi allgemein stärken
Rezept: Bei aufsteigendem Leber-Yang (bzw. -Wind): Modifikationen von Liu Wei Di Huang Wan (7.6.10.d) und zusätzlich Phellodendri Cx. (Huang Bai), Anemarrhenae Rz. (Zhi Mu), Scrophularia Rx. (Xuan Shen), Magnetitum (Ci Shi), Achyranthis Rx. (Niu Xi). Bei Leber- und Nieren-Mangel: Modifiziertes Qi Ju Di Huang Wan (7.6.10.d) und zusätzlich Mori Fr. (Sang Shen), Schisandrae Fr. (Wu Wei Zi), Polygoni multiflori Rx. (He Shou Wu), Ligustri lucidi Fr. (Nü Zhen Zi). Bei Schleim blockiert die Flüssigkeiten: Modifiziertes Ban Xia Bai Zhu Tian Ma Tang (7.6.16.e) und zusätzlich Viticis Fr. (Man Jing Zi), Chrysanthemi Fl. (Ju Hua), Acori tatarinowii Rz. (Shi Chang Pu). Bei Lungen-Qi-Mangel entsprechende Modifikationen Lungen-Qi-tonisierender Rezepturen (11.3.1).
Akupunktur: Bei aufsteigendem Leber-Yang: Ex-HN 7 (Qiuhou): Lokaler Augenpunkt, Le 3 (Taichong) senkt Leber-Yang; Le 2 (Xingjian) senkt Leber-Yang; Di 4 (Hegu) beruhigt die Leber (in Kombination mit Le 3), bewegt Qi im Gesicht und um die Augen; Gb 20 (Fengchi) beruhigt Leber-Yang, Regionalpunkt der Augen. Bei Leber- und Nieren-Mangel: Ex-HN 7 (Qiuhou): Lokaler Augenpunkt; Gb 20 (Fengchi) versorgt die Leber, Regionalpunkt der Augen; Bl 18 (Ganshu) stärkt die Leber; Bl 23 (Shenshu) stärkt die Niere; Mi 6 (Sanyinjiao) stärkt Leber, Niere und Milz. Bei Schleim blockiert die Flüssigkeiten: Gb 20 (Fengchi): Regionalpunkt für die Augen, Bailao (Extrapunkt, Lokalisation im Nacken, 1 Cun lateral der Medianlinie und 2 Cun über Du 14 [Dazhui]), wird eingesetzt, um geschwollene Lymphknoten zu behandeln, wirkt schleimaufweichend und bewegend; Bl 18 (Ganshu) löst dicken Schleim, unterstützt freien Qi-Fluss; Bl 20 (Pishu) löst dicken Schleim; Mi 6 (Sanyinjiao) stärkt die Milz. Bei Lungen-Qi-Mangel: Ex-HN 7 (Qiuhou): Lokalpunkt für das Auge; Bl 13 (Feishu) stärkt die Lunge; Bl 23 (Shenshu) stärkt die Niere; Lu 9 (Taiyuan) stärkt die Lunge; Ma 36 (Zusanli) stärkt Qi allgemein.
Anmerkung: Die Therapie fortführen bis zum Besserungsnachweis. Dies kann ein Jahr oder länger dauern. Um weitere Schäden während dieser Zeit zu vermeiden, müssen konventionelle Augentropfen zur Senkung des Innendrucks verwendet werden.

Akuter Glaukomanfall

Syndrom-Differenzierung bei akutem Glaukomanfall

Tab. 13.32
Syndrom Pathomechanismus Symptome Zunge Puls
Aufsteigendes Leber-Yang Wut, Frustration, Überarbeitung mit Bewegungsmangel Kopfschmerzen, Augenschmerzen Violett Saitenförmig, schnell
Nierenschwäche Alter, exzessiver Sex, körperliche Erschöpfung Schwacher Geist, schwacher Rücken, schwache oder schmerzende Knie Blass, Risse Dünn, schwach; evtl zu stark in der 3. Position (Chi)
Panik Angst, Schock, Angst vor Erblindung Blasses Gesicht, Herzrasen Blass, evtl violett Schnell, wechselnde Geschwindigkeit, dünn

Der Augendruck kann sehr schnell steigen und irreversible Schäden verursachen. Daher unverzüglicher Therapiebeginn, Akupunktur (wenn möglich, ist schnell und effektiv) zusätzlich zur konventionellen Behandlung.

Therapieprinzipien Leber regulieren, aufsteigendes Leber-Yang absenken, Geist-Shen beruhigen.
Akupunktur: Allgemein (passend zu allen drei Syndromen): Le 3 (Taichong) reguliert die Leber, beruhigt Panik; Bl 23 (Shenshu) stärkt die Niere, senkt aufsteigendes Qi ab; Bl 18 (Ganshu) reguliert die Leber; Gb 20 (Fengchi) reguliert die Leber, Regionalpunkt der Augen; Ex-HN 7 (Qiuhou): Lokalpunkt für das Auge. Nadelung: Stärkend (+) bei Schwäche (Xu), ableitend () bei Fülle (Shi). Zusatzpunkte: Bei aufsteigendem Leber-Yang: Le 2 (Xingjian) senkt Leber-Yang. Bei Nierenschwäche: Ni 3 (Taixi) nährt Nieren-Yin. Bei Angst und Panik: He 7 (Shenmen) beruhigt Panik.

Hornhauterosion, Hornhautgeschwür

Syndrom-Differenzierung bei Hornhauterosion und -geschwür

Tab. 13.33
Syndrome Pathomechanismus Symptome Zunge Puls
Leber- und Nierenschwäche Überarbeitung, Schlafmangel, Alter Blasses Gesicht, teigige oder runzelige Haut, Müdigkeit, dunkle Augenringe Dünn, rote Punkte, Risse in der Oberfläche Dünn, gespannt; evtl. lang
Feuchte-Hitze in Leber und Gallenblase Frustration über einen langen Zeitraum, fettiges Essen, zu viele Milchprodukte, Weizenintoleranz Fettige Haut, Übergewicht, Verdauungsstörungen Rot.
Belag: dick, schmierig, oder dicker Speichel
Voll, schlüpfrig
Lungen-Yin-Mangel (Trockenheit) Lang andauernde Trauer, lang andauerndes Asthma, tuberkulines Miasma Weißes Gesicht, trockene Haut, frühere Lungenerkrankungen Im Lungenareal: Risse, eine Vertiefung oder zwei Linien, die das chin. Schriftzeichen für 8 bilden Besonderer Lungenpuls (13.6.1)

Die Oberflächlichkeit der Hornhauterkrankung ist irreführend, denn dieser Störung liegt immer ein tief greifendes Ungleichgewicht eines der Organsysteme zugrunde, das behoben werden muss, bevor eine Symptombesserung eintritt. In der Zwischenzeit ist eine konventionelle Behandlung mit entsprechenden Augentropfen sinnvoll.

Therapieprinzipien Bei Leber- und Nierenschwäche Leber und Niere stärken, lokal Qi bewegen. Bei Leber- und Gallenblasen-Hitze lokal Qi bewegen, Feuchte-Hitze aus Leber und Gallenblase klären. Bei Lungen-Yin-Mangel und -Trockenheit lokal Qi bewegen, die Lunge stärken und befeuchten
Rezept: Bei Leber- und Nieren-Yin-Mangel modifiziertes Qi Ju Di Huang Wan (7.6.10.d). Bei Feuchte-Hitze in Leber und Gallenblasen Variationen von Long Dan Xie Gan Tang (7.6.4.d). Bei Lungen-Yin-Mangel und -Trockenheit (11.3.2 und 11.3.311.3.211.3.3).
Akupunktur: Bei Leber- und Nierenschwäche: Bl 1 (Jingming): Lokalpunkt für die Augen; Gb 20 (Fengchi): Regionalpunkt der Augen, reguliert die Leber; Bl 18 (Ganshu) stärkt die Leber; Bl 23 (Shenshu) stärkt die Niere; Mi 6 (Sanyinjiao) stärkt und reguliert Leber und Niere. Bei Feuchte-Hitze in Leber und Gallenblase: Bl 1 (Jingming): Lokalpunkt für die Augen; Gb 20 (Fengchi): Regionalpunkt der Augen, reguliert die Leber; Gb 34 (Yanglingquan) klärt Feuchte-Hitze in der Gallenblase; Gb 37 (Guangming) klärt Feuchte-Hitze in der Gallenblase, erhellt die Augen; Le 3 (Taichong) klärt Feuchte-Hitze in Leber und Gallenblase. Bei Lungen-Yin-Mangel und -Trockenheit: Bl 1 (Jingming): Lokalpunkt für die Augen; Bl 13 (Feishu) stärkt und reguliert die Lunge; Bl 23 (Shenshu) nährt Yin, reguliert die Körperflüssigkeiten; Lu 9 (Taiyuan) stärkt die Lunge; Ni 6 (Zhaohai) nährt Yin, reguliert die Körperflüssigkeiten. Zusätzlich zu Bl 1 können auch Ma 1 (Chengqi) und Ex-HN 7 (Qiuhou) eingesetzt werden.

Katarakt (grauer Star)

Katarakte entstehen aufgrund von Hitze im System. Evtl. auftretende Kältegefühle als Symptome sind irreführend. Die Patienten frieren oft, weil sie schwach oder müde sind oder die Hitze im Inneren die Oberfläche nicht erreicht. Die Tatsache einer Linsentrübung weist aber immer auf ein (unterliegendes) Hitze-Geschehen hin.

Syndrom-Differenzierung bei Katarakt (grauem Star)

Tab. 13.34
SyndromePathomechanismusSymptomeZungePuls
Leber- und Nierenschwäche mit HitzeAlter, Erschöpfung, ÜberarbeitungBlasses Gesicht, teigige oder runzelige Haut, Müdigkeit, dunkle AugenringeDünn, rote Punkte, Risse in der OberflächeDünn, gespannt, evtl. lang
Trockenheit in der Lunge oder Lungen-Yin-MangelChron. Lungenzustand, frühe Lungenerkrankungen, Überarbeitung, ErschöpfungWeißes Gesicht, Lungenprobleme in der Vergangenheit, verträumter AusdruckNormalerweise blass, evtl. rot zur Spitze hinSchwach, evtl. schnell; oft ist der besondere Lungenpuls anzutreffen (13.6.1)

Der Begriff Hitze-Schwäche ist treffender als der Begriff Yin-Mangel, da bei westlichen Patienten häufig die typischen Yin-Mangel-Hitze-Symptome wie Nachtschweiß und Hitze der fünf Flächen fehlen. Am ehesten zeigt sie noch das Symptom, dass die Patienten auch im Winter mit unbedeckten Füßen schlafen.

Therapieprinzipien Bei Leber- und Nierenschwäche mit Leere-Hitze Leber, besonders Yin und Blut nähren und die Nieren befeuchten. Bei Trockenheit in der Lunge oder Lungen-Yin-Mangel Lunge stärken und befeuchten
Rezept: Bei Leber- und Nierenschwäche Variationen von Qi Ju Di Huang Wan (7.6.10.d) und zusätzlich Scrophulariae Rx. (Xuan Shen), Polygonati Rz. (Huang Jing). Bei Lungen-Yin-Mangel und Trockenheit Variationen von Bai He Gu Jin Tang (7.6.7), Sha Shen Mai Men Dong Tang oder Bu Fei E Jiao Tang.
Akupunktur: Akupunktur ist nicht die Therapie der Wahl, nicht weil sie keinen Erfolg verspricht, sondern weil der Patient bereit sein muss, über einen längeren Zeitraum 3-mal pro Woche zur Akupunktursitzung zu kommen. Unter diesen Umständen sind nach Ansicht des Autors andere Behandlungsformen vorzuziehen wie chinesische Arzneitherapie, Diätetik (8) und Qigong (9.2), wobei Diätetik und Qigong als Prävention zu verstehen sind. Handelt es sich um eine schwache Trübung in Entfernung zur Linsenachse, ist eine Änderung der Lebensgewohnheiten vielversprechend.
Ernährungstipp: Trotz schwacher Konstitution sollte rotes Fleisch ganz vermieden werden, auch helles Fleisch, Hühnerfleisch und Fisch sollten sparsam verwendet werden. Die Diät sollte rohes Gemüse, Früchte und keinen Alkohol enthalten. Die Verwendung biologisch angebauter Lebensmittel ist wesentlich, künstliche Geschmacksverstärker und Lebensmittelfarben sind zu vermeiden.

Optikusatrophie, Makuladegeneration, Retinitis pigmentosa, Sehnerventzündung

Der Begriff Optikusatrophie ist keine präzise Diagnose, wird aber hier vom Autor verwendet, um einen bestimmten Schwächezustand der Augen zu charakterisieren. In der Praxis ähneln sich die energetischen Disharmoniemuster der Makuladegeneration und der Retinitis pigmentosa, und obwohl sich die Veränderungen der Netzhaut selbst bei beiden Krankheiten unterscheiden, ist die Behandlung mit Akupunktur und Arzneitherapie dieselbe und wird daher gemeinsam aufgeführt.

Syndrom-Differenzierung bei Optikusatrophie, Makuladegeneration, Retinitis pigmentosa, Sehnerventzündung

Tab. 13.35
SyndromePathomechanismusSymptomeZungePuls
Leber- und Nierenschwäche (Xu-Ruo)Alter, Erschöpfung, ÜberarbeitungBlasses Gesicht, teigige oder runzelige Haut, Müdigkeit, dunkle AugenringeDünn, rote Punkte, Risse in der OberflächeDünn, gespannt; evtl. lang
Milz- und Nieren-Yang-MangelÜberarbeitung, übermäßiges Denken, Sorgen, schwere Entbindung, ungeeignete Nahrung, Mangel an BewegungBlasses Gesicht, Flüssigkeitsretention mit Lidödemen, v.a. unter den AugenBlasses Gesicht, Flüssigkeitsretention, TränensäckeSchwach, sanft/weich
Herz-SchwächeExzessive körperliche Arbeit oder exzessiver Sport, emotionaler Stress über lange ZeitErweiterung oder Deformation der choriodialen Blutgefäße oder leichter Blutmangel in der Makula; Durchblutungsstörungen, Zeichen der HerzschwächeBlass, evtl. violette Zunge, evtl. zentraler Riss in der SpitzeEtwas schwach (in Cun-Position schwächer)
Dicker SchleimPathogener Restfaktor, evtl. in Kindheit oder Jugend erworbenTrockene Haut, Ekzemneigung, vergrößerte Lymphknoten (in der Leistengegend), NahrungsmittelallergieSpeichel zieht FädenSchlüpfrig oder schwach
Therapieprinzipien Die Therapie erfolgt unter zwei Aspekten, zum einen die zugrunde liegende Disharmonie zu behandeln und zum anderen Qi zu den Augen bringen. Die Disharmonie kann mit Akupunktur, Arzneitherapie, Diätetik etc. therapiert werden. Für die Qi-Bewegung zu den Augen ist auch die lokale Stimulation durch Akupunktur, Augenmassage oder auch Elektrostimulation (5.1.2) angezeigt
Rezept: Bei Leber- und Nieren-Schwäche: Modifiziertes Ming Mu Di Huang Wan enthält: Liu Wei Di Huang Wan (7.6.10.d) und zusätzlich Salviae miltiorrhizae Rx. (Dan Shen), Angelicae sinensis Rx. (Dang Gui), Lycii Fr. (Gou Qi Zi), Corni Fr. (Shan Zhu Yu), Schisandrae Fr. (Wu Wei Zi), Chrysanthemi Fl. (Ju Hua), Plantaginis Sm. (Che Qian Zi), Cuscutae Sm. (Tu Si Zi). Bei Milz- und Nieren-Yang-Mangel: Bu Zhong Yi Qi Tang (7.6.10.a) und zusätzlich Dioscoreae Rx. (Shan Yao), Salviae miltiorrhizae Rx. (Dan Shen), Puerariae Rx. (labatae) (Ge Gen), Pheretima (Di Long), Tribuli Fr. (Bai Ji Li). Bei Herz-Schwäche siehe entsprechende Rezepturen bei Herz-Blut-Mangel (11.1.3) und Herz-Qi-Mangel (11.1.1). Bei dickem Schleim Variationen von Er Chen Tang (7.6.16a).
Akupunktur: Wichtige Lokalpunkte: Ex-HN 7 (Qiuhou), Bl 1 (Jingming), dabei nur einen Punkt auswählen und tief nadeln (bis zu 2 Cun, 50 mm), um das De-Qi in den hinteren Augenbereich zu bewegen. Regionalpunkte: Gb 20 (Fengchi), SJ 17 (Yifeng). Syndrombezogene Punkte: Bei Leber- und Nierenschwäche: Bl 1 (Jingming) als Lokalpunkt für die Augen; Gb 20 (Fengchi) als Regionalpunkt der Augen, reguliert die Leber; Bl 18 (Ganshu) stärkt die Leber; Bl 23 (Shenshu) stärkt die Niere; Mi 6 (Sanyinjiao) stärkt und reguliert Leber und Niere. Bei Herz- Schwäche: Bl 15 (Xinshu) stärkt das Herz; Bl 23 (Shenshu) stärkt die Niere, um das Herz zu stützen; Mi 6 (Sanyinjiao) stärkt die drei (Bein-)Yin-Meridiane und Organe (Le/Mi/Ni); He 7 (Shenmen) stärkt als Yuan-Punkt des Herzens das Herz; Pe 6 (Neiguan) stärkt das Herz. Die lokale Stimulation kann das Fortschreiten der Krankheit beträchtlich verlangsamen, während eine zusätzliche konstitutionelle Therapie des jeweiligen Disharmoniemusters gerade bei jüngeren Patienten die Möglichkeit eines reversiblen Verlaufs eröffnet. Eine komplette Wiederherstellung der geschädigten Nerven ist nicht zu erwarten.
Ernährungstipp: Abhängig vom Syndrom: Bei Leber- und Nierenschwäche sowie bei Milz- und Nieren-Yang-Schwäche wird der Patient von rotem Fleisch profitieren. Bei Herzschwäche sollte dies vermieden werden, ebenso Sahne. Eine Schleimbelastung erfordert einen strikten Verzicht auf alle Milch- und Weizenprodukte. Die meisten Patienten bewegen sich nicht genug. In diesem Fall ist Trennkost angezeigt: Kohlenhydrate und Proteine sollten nicht in derselben Mahlzeit eingenommen werden; z.B. kann eine Mahlzeit Kohlenhydrate und Gemüse enthalten, die nächste Proteine und Gemüse.

Schielen

Schielen betrifft hauptsächlich Kinder und wird in schwergradigen Fällen operiert. In einigen Fällen ist eine Operation nicht zu vermeiden, oft ist jedoch Akupunktur hilfreich, v.a. wenn sich das Schielen erst später, z.B. im Alter von fünf oder sechs Jahren entwickelt.

Syndrom-Differenzierung bei Schielen

Tab. 13.36
SyndromePathomechanismusSymptomeZungePuls
HitzeNachwirkungen fiebriger Erkrankungen oder von ImpfungenRotes Gesicht und/oder rote LippenRotSchnell, voll
ÜberreizungSchock, übermäßige mentale Stimulation und AufregungKeine speziellen Symptome; evtl. ruhig, aber leicht erregbarEvtl. blass, wobei die Spitze oft rot istAbhängig von den Gedanken des Kindes variable Geschwindigkeit
Qi-Stagnation im KopfKopfverletzung, schwierige GeburtBlaue Verfärbungen an den Schläfen oder auf dem Schädel, vorangegangene VerletzungBlass, evtl. mit blauen PunktenNormal
Therapieprinzipien Bei Hitze-Syndrom Hitze klären, Qi lokal bewegen. Bei Überreizung den Geist-Shen beruhigen und die Nieren stärken, um das Qi unten halten zu können. Bei Qi-Stagnation im Kopf Qi in Kopf und Augen bewegen
Akupunktur: Bei Hitze-Syndrom: Pe 7 (Daling) klärt Hitze in den Augen; Di 4 (Hegu) klärt Hitze in den Augen, bewegt Qi in Gesicht und Augen; Le 2 (Xingjian) klärt Hitze. Bei Überreizung: Bl 23 M (Shenshu) und Ni 1 M (Yongquan) stärken die Nieren, um das Qi unten zu halten. Bei Qi-Stagnation im Kopf: Gb 20 (Fengchi) bewegt Qi im Kopf, Regionalpunkt der Augen; Di 4 (Hegu). bewegt Qi in Gesicht und Augen; Le 3 (Taichong) bewegt Qi im Kopf; außerdem Einsatz von Punkten der betroffenen Meridiane.
Anmerkung: Bei Überreizung muss die Ursache der Stimulation (z.B. Fernsehen, Computerspiele) beseitigt werden, andernfalls wird die Akupunktur nicht helfen können. Die genannten Behandlungen dienen dem Ziel, die Nieren zu stärken, um die Anfälligkeit zu senken.

Kurzsichtigkeit bei Kindern

Pathomechanismus: Es gibt zwei unterliegende Ursachen für Kurzsichtigkeit bei Kindern: Stress und energetisches Ungleichgewicht. Stress findet häufig in der Schule statt, sei es durch Mobbing, Schulschwierigkeiten oder Leistungsdruck. Energetische Disharmonien sind zahlreich, jedoch treten zwei Arten besonders häufig auf: Milz-Qi-Mangel und pathogene Restfaktoren. In Kombination führen beide Disharmoniemuster bei einem Kind zu der Tendenz, sich in seine eigene Welt zurückziehen zu wollen und eine Kurzsichtigkeit zu entwickeln.

Syndrom-Differenzierung bei Kurzsichtigkeit

Tab. 13.37
SyndromePathomechanismusSymptomeZungePuls
Milz-Qi-MangelBewegungsmangel, Schlafmangel, übermäßiges DenkenAppetitmangel, schmale Schenkel, blasses GesichtBlass, evtl. rote SpitzeSchwach
Pathogener RestfaktorWiederholte Infektionen, häufige Antibiotika-EinnahmeGläserner Blick, Ekzeme, wechselnder Appetit, chron. HustenSchleimiger SpeichelSchwach oder schlüpfrig
Die Therapie der Kurzsichtigkeit verläuft dreistufig: Zunächst muss die Stressursache herausgefunden werden, was schwierig sein kann. Im nächsten Schritt kann das energetische Ungleichgewicht mit Akupunktur erfolgreich behandelt werden. Zuletzt kann die Kurzsichtigkeit rückgängig gemacht werden. Im nächsten Abschnitt (13.6.12) wird die Augentrost-Massage detailliert beschrieben, mit der gezielt Qi zu den Augen bewegt wird. Die Anwendung dieser Methode allein ist oft schon erfolgreich, evtl. müssen zusätzlich Augenübungen praktiziert werden.
Therapieprinzipien Lokal das Qi bewegen. Bei Milz-Qi-Mangel Milz-Qi stärken. Einen pathogenen Restfaktor ausleiten und Schleim umwandeln und bewegen
Akupunktur: Lokalbehandlung: Akupunktur muss über zwei bis drei Monate täglich stattfinden (Alternative: Tägliche Augentrost-Massage [13.6.12]). Akupunktur nach Syndromen: Bei Milz-Qi-Mangel: Ren 12 (Zhongwan) (Nadeln und M): Mu-Punkt der Milz, stärkt die Milz; Ma 36 (Zusanli) stärkt Milz und Nieren; Mi 6 (Sanyinjiao) stärkt die Milz; die Therapie sollte so lange fortgeführt werden, bis sich der Appetit bessert. Bei einem pathogenen Restfaktor: Bailao (Extrapunkt, Lokalisation im Nacken, 1 Cun lateral der Medianlinie und 2 Cun über Du 14 [Dazhui]), Einsatz bei Lymphknotenschwellung, wirkt Schleim aufweichend und bewegend, befreit pathogene Restfaktoren; Bl 18 (Ganshu) und Bl 20 (Pishau) weichen Schleim auf, um pathogene Restfaktoren zu befreien.

Augentrost-Methode

Die Augentrost-Methode ist eine wirkungsvolle Möglichkeit zur Stärkung der Sehkraft, indem durch die Massage Energie zu den Augen transportiert wird. Der Name Augentrost (engl.: eyebright) bezieht sich auf einen Akupunkturpunkt in Augennähe, der in China seit Jahrhunderten zur Augenstärkung genutzt wird, im Westen aber eher unbekannt ist. Die Methode empfiehlt sich z.B. bei Kurzsichtigkeit (13.6.11) und ähnlichen Fehlsichtigkeiten bei Kindern, aber auch bei Erwachsenen. Nach der Anwendung fühlen sich die Augen entspannt und frisch an. Untersuchungen haben ergeben, dass über 70 % der behandelten Kinder eine nachhaltige Verbesserung ihrer Sehkraft erlangten.
Stress fördert Kurzsichtigkeit: Die Linse des Auges ist flexibel und rundum an feinen Muskeln aufgehängt, die durch Kontraktion und Entspannung eine Fokussierung ermöglichen. Wenn ein Kind unter Stress steht (z.B. in der Schule oder während der verschiedenen Wachstumsphasen), entstehen Muskelanspannungen im Körper. Dabei kommt es manchmal zu Spannungskopfschmerz, manchmal betrifft die Anspannung aber auch die Ziliarmuskeln rund um die Linsen. Stehen diese unter Dauerspannung, verliert das Auge seinen Fokus mit der Folge einer Fehlsichtigkeit. In diesem Fall ist eine Sehhilfe eigentlich nicht nötig. Es ist sogar eher besser, ihren Einsatz zu vermeiden, da eine spätere Entwöhnung schwieriger ist als die Ursache (der Ziliarmuskel-Anspannung) umgehend zu behandeln. Die Augentrost-Methode kann das Kind dabei unterstützen, gut durch schwierige Entwicklungsphasen zu kommen und die Augen zu entspannen. Sie wirkt sich positiv bei Brillenträgern aus und kann auch nutzbringend bei Erwachsenen eingesetzt werden.
Allgemeine Methoden zur Verbesserung der Sehkraft: Die Balance wieder herzustellen, kann bei einigen Kindern einfach nur früheres Zubettgehen bedeuten, andere brauchen eine zusätzliche Unterstützung z.B. eine Umstellung der Ernährung, eine Kräutertherapie etc. Für die Gesundheit der Augen ist außerdem gutes Licht (nicht zu hell oder zu dunkel) beim Lesen und Schreiben wichtig, ebenso eine entspannte Sitzhaltung. Das Starren auf einen Bildschirm (TV, Computer, Display von Spielkonsolen) belastet die Augen sehr und verbraucht viel Qi. Die Kinder sollten davon so oft wie möglich ferngehalten werden.
Anwendungsdauer:
  • Bei einer vorübergehenden Sehschwäche sollte die Methode jeden Morgen 5 min lang anwendet werden

  • Zur Behandlung einer bereits bestehenden Kurzsichtigkeit sollte die Massagen 2- oder besser 3-mal tägl. über einen längeren Zeitraum durchgeführt werden

  • Nach 2 Wochen sollte eine dauerhafte Verbesserung eintreten. Normalerweise ist es notwendig, über einen Zeitraum von 6–8 Wochen zu massieren. Zur regelmäßigen Überprüfung der Sehfähigkeit sollte ein Test mithilfe einer Augentafel durchgeführt werden. Dieses Vorgehen erhöht die Motivation der Kinder.

Durchführung der Augentrost-Methode:
  • Augentrost-Methode über den Augen: Zwei Fäuste ballen und die Daumen in den Endgelenken beugen. Dann mit den gebeugten Daumen über den oberen Augenhöhlenrand unterhalb der Brauen streichen, von innen nach außen. 30 -mal wiederholen

  • Bl 1 (Jingming): Die Nasenwurzel mit Daumen und Zeigefinger greifen und den Augenwinkel mit leichten Vibrationen ca. 1 min lang massieren

  • Ex-HN 5 (Taiyang): Mit den Fingerspitzen 1 min oder so lange massieren, bis die Empfindlichkeit des Punktes nachlässt

  • Gb 20 (Fengchi): Ist oft schmerzhaft, sollte etwas fester und so lange massiert werden, bis der Schmerz nachlässt

  • Di 4 (Hegu): Mit einem Finger der einen Hand (Daumen oder Zeigefinger) ca. 1 min Di 4 mit Druck rotieren, dann mit einem Finger der anderen Hand wiederholen.

Eine Beschreibung der Augentrost-Methode als Anweisung für Patienten (sowohl für Erwachsene als auch für Kinder) gibt es online zu diesem Buch (Plus im Web vorderer Buchumschlag).

Hals, Nase und Ohren

Claudia Focks mit einem Beitrag von Gertrude Kubiena ( 13.7.8 )

Akuter Infekt (Gan Mao)

Klassische Konzepte für akute Infekte sind v.a. die Theorie nach dem Shang Han Lun (12.1) sowie die in einer späteren Dynastie entstandene Theorie nach dem Wen Bing Lun (12.2). Kälte ist ein Yin-Pathogen, geht eher nach unten, betrifft v.a. die Blasen-Leitbahn bzw. den Taiyang und schädigt besonders das Abwehr-Wei-Qi bzw. das körpereigene Yang (2.6.1). Hitze ist ein Yang-Pathogen, geht nach oben, betrifft v.a. die Lunge bzw. den Taiyin und schädigt und verbraucht die Flüssigkeiten (Jin). Wenn (Wind-)Hitze in den Körper eindringt, entsteht ein Ungleichgewicht zwischen Yin und Yang, das Yin wird weniger und Yang wird in Relation dazu mehr. Das Yang ist jedoch in seiner physiologischen Ausbreitung behindert, sodass ein pathologisches Yang entsteht. Die Hitze befindet sich (zunächst) in der Wei-Schicht mit einer Blockade an der Oberfläche. Der Patient bekommt im ersten Stadium Fieber, fühlt sich aber trotzdem kalt an, weil sich das Yang an der Oberfläche nicht ausbreiten kann. Bei Shang-Han-Erkrankungen ist die Kälte graduell stärker ausgeprägt, entsprechend zeigt sich bei Wen-Bing-Erkrankungen die Hitze stärker. Beide Erkrankungen, gleichgültig, ob es sich primär um ein Kälte- oder ein Hitze-Pathogen handelt, zeigen demnach Fieber und Kälte-Zeichen bzw. Frösteln im Anfangsstadium. Ebenso entsteht bei beiden Erkrankungen Trockenheit: Bei Wind-Kälte können sich die Flüssigkeiten durch das Gefrieren nicht richtig verteilen, bei Wind-Hitze werden die Flüssigkeiten getrocknet. Bei Wen-Bing-Erkrankungen werden die Flüssigkeiten allerdings sehr schnell verbraucht. Dadurch verändern sich Wen-Bing-Erkrankungen schnell, d.h., das Ungleichgewicht zugunsten des Yang-Übergewichts entsteht schneller.

Differenzialdiagnostische Überlegungen bei akuten Infekten

  • Fieber und Frösteln/Kälteaversion gleichzeitig? Zeichen Taiyang-Syndrom (12.1) zeigt ein äußeres Muster an als DD zu einem innerem Muster

  • Welche hauptsächlichen pathogenen Faktoren sind an der Pathologie (der äußeren Erkrankung) beteiligt, z.B. Wind-Kälte, Wind-Hitze, Feuchtigkeit, Trockenheit? (DD: Tab. 13.38, Tab. 13.7.1.a)

  • Welche Begleitsymptome, z.B. Schwitzen, kein Schwitzen, Muskelschmerzen, Schweregefühle, Keuchatmung etc.?

  • Unterliegend bzw. vorbestehend Zeichen von Schwäche? Wenn eine Kombination von äußeren pathogenen Faktoren mit unterliegender Schwäche (Yin-, Yang-, Qi- und/oder Blut-Mangel) vorliegt, erfordert dies eine spezielle therapeutische Vorgehensweise bzw. entsprechend angepaßte Rezepturen und Kombinationen (DD Tab. 13.39, Tab. 13.7.1.b)

  • Milder/schwerer Verlauf der Erkrankung?

Der Angriff eines pathogenen Faktors kann einerseits eine bereits vorbestehende Schwäche des Aufrechten-Zheng-Qi (2.3.1) anzeigen. Ebenso können länger andauernde bzw. rezidivierende äußere Erkrankungen das Zheng-Qi schwächen und in eine Erkrankung mit unterliegender Schwäche übergehen.

Akuter Infekt (äußere Erkrankung) und pathogene Faktoren
Wind-Kälte (Taiyang-Syndrom mit Leitbahn-Fülle im Außen)
Therapieprinzipien Das Außen von Wind-Kälte entlasten, evtl. Keuchatmung beenden
Rezept: Leitrezeptur Ma Huang Tang (7.6.3.a). Modifikationen: Bei Keuchatmung und thorakalem Spannungsgefühl zusätzlich Citri reticulatae Pericarpium (Chen Pi), Perillae Fr. (Su Zi). Bei gleichzeitig bestehender innerer Hitze das Rezept Da Qing Long Tang (siehe unten Wind-Kälte mit evtl. zu viel Flüssigkeiten) mit zusätzlich Gypsum fibrosum (Shi Gao). Bei gleichzeitigem Yang-Qi-Mangel zusätzlich Astragali Rx. (Huang Qi). Bestehen zusätzlich Halsschmerzen, dann Cinnamomi Ra. (Gui Zhi) auf die Hälfte reduzieren und Trichosanthis Rx. (Tian Hua Fen) und Belamcandae Rx. (She Gan) hinzufügen.
Wind-Kälte (Taiyang-Syndrom mit Leitbahn-Leere im Außen und Ying-/Wei-Disharmonie)
Therapieprinzipien Pathogene Faktoren aus der Muskelschicht entlasten, Ying- und Wei-Qi harmonisieren
Rezept: Gui Zhi Tang (7.6.3.a), ist an der Oberfläche relativ leer im Vergleich zum Muster bei Ma Huang Tang. Modifikationen: Wenn Patienten mit folgender Symptomatik später in die Therapie kommen (z.B. eine Woche nach einem akutem Infekt) und sie frieren noch, husten noch, dazu leichtes Schwitzen, das aber keine Erleichterung bringt, dann zusätzlich Menthae haplocalycis Hb. (Bo He), Schizonepetae Hb. (Jing Jie), bei Halssymptomatik zusätzlich Arctii Fr. (Niu Bang Zi). Bei Nasenobstruktion zusätzlich Angelicae dahuricae Rx. (Bai Zhi), Magnoliae Fl. (Xin Yi Hua), Saposhnikoviae Rx. (Fang Feng). Bei Husten und Schleim zusätzlich Citri reticulatae Pericarpium (Chen Pi), Armeniacae Sm. (Xing Ren). Bei Atemnot/Behinderung Armeniacae Sm. (Xing Ren), Magnoliae Cx. (Hou Po). Bei energetischer Leere zusätzlich Yu Ping Feng San (7.6.13). Bei Gelenkschmerzen zusätzlich Saposhnikoviae Rx. (Fang Feng), Notopterygii Rz. seu Rx. (Qiang Huo). Bei profusem Schwitzen Paeoniae Rx. alba (Bai Shao) erhöhen, Cinnamomi Ra. (Gui Zhi) reduzieren und zusätzlich Astragali Rx. (Huang Qi) und Saposhnikoviae Rx. (Fang Feng).
Wind-Kälte (Taiyang-Syndrom mit Leitbahn-Fülle im Außen, Hitze im Inneren [Yangming-Konstitution] und evtl. zu viel Flüssigkeiten
Therapieprinzipien Das Außen entlasten, Schwitzen induzieren und innere Hitze klären
Rezept: Da Qing Long Tang enthält: Ephedrae Hb. (Ma Huang) 18 g, Armeniacae Sm. (Xing Ren) 6–9 g, Cinnamomi Ra. (Gui Zhi) 6 g, Glycyrrhizae Rx. (et Rz.) praep. ([Zhi] Gan Cao) 3 g, Gypsum fibrosum (Shi Gao) 12–30 g, Zingiberis Rz. recens (Sheng Jiang) 9 g, Jujubae Fr. (Da Zao) 12 St. (Originalangaben, heute Dosisreduktion bei Ma Huang und Da Zao). Die Blockade im Außen ist noch stärker als bei Ma Huang Tang (7.6.3.a), daher (doppelte) Dosiserhöhung von Ephedrae Hb. (Ma Huang) und es bestehen Hitze-Zeichen (daher Gypsum fibrosum (Shi Gao), d.h., es besteht eine starke Konstitution (viel Yang) mit akutem äußerem Kälte-Angriff. Das Rezept kann auch eingesetzt werden bei Muster mit überflutendem dünnem Mucus (Yi Yin, 4.2.3.d) mit Schweregefühl und Schmerzen des Körpers oder bei oberflächlichen Ödemen in den Extremitäten zusätzlich zu den anderen, oben genannten Symptomen. Modifikationen: Um noch mehr Hitze (und Flüssigkeiten) über den Urin auszuleiten, zusätzlich für 2–3 Tage Atractylodis Rz. (Cang Zhu) geben.
Wind-Kälte (Taiyang-Syndrom und Blockade durch Feuchtigkeit/Kälte)
Therapieprinzipien Das Außen von Wind-Feuchtigkeit entlasten
Rezept:
  • Leitrezeptur Qiang Huo Sheng Shi Tang (7.6.8.e): Einsatz mehr bei systemischer Wind-Feuchtigkeit, kann daher als erste Basisrezeptur für ein Bi-Syndrom (13.15.5) mit Beteiligung von Wind-Feuchtigkeit angesehen werden. Modifikationen: Bei noch mehr Feuchtigkeit z.B. Atractylodis Rz. (Cang Zhu) zusätzlich für 2–3 Tage geben

  • Bei äußerer Feuchte-Kälte-Invasion mit innerer (Stauungs-)Hitze und folgender Symptomatik: Fieber und Frösteln gleichzeitig, wobei Frösteln bzw. Kälteaversion überwiegt, kein Schwitzen, Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit, Körperschmerzen, etwas Durst, bitterer Mundgeschmack, weißlicher Zungenbelag und oberflächlicher Puls. In diesem Fall muss sowohl das Außen entlastet als auch die innere (Stauungs-)Hitze beseitigt werden, z.B. mit Jiu Wei Qiang Huo Tang enthält: Notopterygii Rz. seu Rx. (Qiang Huo), Saposhniskoviae Rx. (Fang Feng), Atractylodis Rz. (Cang Zhu), Asari Rx. et Rz. (Xi Xin), Chuanxiong Rz. (Chuan Xiong), Angelicae dahuricae Rx. (Bai Zhi), Scutellariae Rx. (Huang Qin), Rehmanniae Rx. (Sheng Di Huang), Glycyrrhizae Rx. (et Rz.) (Gan Cao). Diese Rezeptur legt im Gegensatz zur Hauptrezeptur Qiang Huo Sheng Shi Tang die Betonung mehr auf das Äußere, d.h. auf die zusätzliche Beseitigung von pathogenen Faktoren, kann aber auch als Rezept für ein Bi-Syndrom im Kopfbereich oder bei (akuter bzw. chronifizierender) Sinusitis eingesetzt werden.

Wind-Kälte (Taiyang-Syndrom im Außen und überflutender dünner Schleim (Yi Yin [4.2.3.d])
Therapieprinzipien Das Äußere entlasten, Flüssigkeitsansammlungen transformieren, die Lunge wärmen und das gegenläufige Qi absenken
Rezept: Xiao Qing Long Tang (7.6.3.a) als wichtige Basisrezeptur bei Asthmatikern (mit Feuchtigkeitsansammlungen), die eine Verschlimmerung durch den äußeren pathogenen Faktor Wind-Kälte erleiden. Ebenso bewährt bei Infektanfälligkeit mit erneutem akuten Infekt. Patienten, die diese Rezeptur benötigen, haben keine Mittenschwäche, zeigen also keine Verdauungssymptome (falls doch, dann zusätzliche Arzneien dafür verschreiben bzw. andere Rezeptur), sondern sind vom Konstitutionstyp her zu kalt, d.h., sie haben zu wenig eigenes Yang- bzw. Wei-Qi, um die Flüssigkeiten (adäquat) umzuwandeln. Modifikationen: Bei Durst Pinelliae Rz. praep. (Ban Xia) entfernen und zusätzlich Trichosanthis Rx. (Tian Hua Fen) zur Befeuchtung. Wenn der Urin nicht fließt und die Blase voll ist, dann Ephedrae Rx. (Ma Huang) reduzieren und zusätzlich Poria (Fu Ling) einsetzen.
Anmerkung: Sobald sich die akute Symptomatik gebessert hat (keine äußeren Zeichen mehr), sollte eine mildere Rezeptur um die Kombination von Cinnamomi Ra. (Gui Zhi) und Poria (Fu Ling) eingesetzt werden, um die Transformation von Qi und Wasser zu fördern und die Grundkonstitution zu behandeln.
Wind-Kälte (bei geschwächter Konstitution bzw. vier Jahreszeiten)
Therapieprinzipien Qi regulieren und das Äußere von Pathogenen befreien
Rezept: Xiang Su San enthält: Perillae Fr. (Zi Su Ye), Cyperi Rz. (Xiang Fu), Citri reticulatae Pericarpium (Chen Pi), Glycyrrhizae Rx. (et Rz.) in Honig geröstet ([Zhi] Gan Cao). Gilt auch als ein gutes Rezept bei Kindern bzw. schwächeren Patienten, da es einen akuten Infekt auf eine indirekte Art behandeln kann, d.h., es reguliert v.a. die Qi-Bewegung (von Lunge und Magen), senkt deren Qi ab. Es ist daher milder als z.B. Ma HuangTang (7.6.3.a) und kann bei akuten Infekten zu allen vier Jahreszeiten verwendet werden, da es v.a. auf die Wiederherstellung der Qi-Dynamik (Qi Ji [2.3.1]) abzielt. Modifikationen: Bei starken Kopfschmerzen zusätzlich Viticis Fr. (Man Jing Zi). Bei Husten mit reichlich Sputum zusätzlich Pinelliae Rz. (Ban Xia). Weitere Modifikation: Jia Wei Xiang Su San enthält: Xiang Su San und zusätzlich Schizonepetae Hb. (Jing Jie), Saposhnikoviae Rx. (Fang Feng), Gentianae macrophyllae Rx. (Qin Jiao), Viticis Fr. (Man Jing Zi), Chuanxiong Rz. (Chuan Xiong), Zingiberis Rz. recens (Sheng Jiang).
Wind-Kälte (bei unterliegender Yangming-Konstitution)
Therapieprinzipien Pathogene Faktoren beseitigen und Hitze klären
Rezept: Ma Xing Shi Gan Tang (7.6.3.b) enthält Ma Huang Tang (7.6.3.a) mit Ersatz von Cinnamomi Ra. (Gui Zhi) durch Gypsum fibrosum (Shi Gao). Wichtige Rzeptur für die Qi-Schicht nach dem Wen Bing (12.2) bzw. bei Hitze in der Lunge (12.2). Modifikationen: Bei starkem Husten zusätzlich Peucedani Rx. (Qian Hu), Belamcandae Rz. (She Gan). Bei starker Hitze zusätzlich Scutellariae Rx. (Huang Qin).
Wind-Kälte (Übergang Taiyang- zum Yangming-Syndrom und Schulter-/Nackensteifigkeit)
Therapieprinzipien Das Äußere und die Muskelschicht von pathogenen Faktoren entlasten und Körpersäfte erzeugen
Rezept: Leitrezeptur Ge Gen Tang enthält Gui Zhi Tang (7.6.3.a) und Puerariae Rx. (labatae) (Ge Gen, hier Meldearznei) und Ephedrae Hb. (Ma Huang).
Wind-Hitze (Wei-Schicht und prädominant Husten)
Therapieprinzipien Das Außen von Wind-Hitze entlasten, Husten beenden, Qi absenken
Rezept: Sang Yu Jin enthält: Mori Fo. (Sang Ye), Chrysanthemi Fl. (Ju Hua), Forsythiae Fr. (Lian Qiao), Menthae haplocalycis Hb. (Bo He), Platycodi Rx. (Jie Geng), Armeniacae Sm. (Xing Ren), Phragmitis Rz. (Lu Gen), Glycyrrhizae Rx. (et Rz.) (Gan Cao). Modifikationen: Bei erschwerter Atmung/Keuchatmung (zeigt bereits mehr die Qi-Schicht an) zusätzlich Gypsum fibrosum (Shi Gao), Anemarrhenae Rz. (Zhi Mu). Bei Halswundheit zusätzlich Arctii Fr. (Niu Bang Zi), Lasiossphaera (Ma Bo). Bei Wind-Hitze mit Augenbeteiligung Tribuli Fr. (Bai Ji Li), Cassiae Sm. (Jue Ming Zi), Prunellae Spica (Xia Ku Cao). Bei starker Lungen-Hitze zusätzlich Scrophulariae Rx. (Xuan Shen). Bei stärkerem Durst zusätzlich Trichosanthis Rx. (Tian Hua Fen). Bei zähem, gelbem Sputum, das schwierig abzuhusten ist, zusätzlich Fritillariae thunbergii Bb. (Zhe Bei Mu), Trichosanthis Sm. (Gua Lou Ren).
Wind-Hitze (Wei-Schicht und prädominant Halsschmerzen)
Therapieprinzipien Wind-Hitze zerstreuen, Hitze und Hitze-Toxine beseitigen
Rezept: Yin Qiao San (7.6.3.b) Modifikationen: Bei Eiter zusätzlich Scutellariae Rx. (Huang Qin), Isatidis Fo. (Da Qing Ye), Fritillariae thunbergii Bb. (Zhe Bei Mu). Bei Halschwellungen zusätzlich Scrophulariae Rx. (Xuan Shen), Lasiosphaera (Ma Bo). Wenn sich die Erkrankung in die Qi-Schicht hin entwickelt (mit Durst und Fieber [12.2]), zusätzlich Gypsum fibrosum (Shi Gao), Anemarrhenae Rz. (Zhi Mu). Bei stärkerem Husten Platycodi Rx. (Jie Geng), Armeniacae Sm. (Xing Ren). (Hier wäre Mori Cx. [Sang Bai Pi] kontraindiziert, da die Hitze ausgeleitet werden muss).
Äußere Trockenheit und Wind
Therapieprinzipien Wind vertreiben, Trockenheit befeuchten, Yin nähren, Lunge besänftigen
Rezept: Variation von Sang Xing Tang (7.6.7) enthält zusätzlich Phragmitis Rz. (Lu Gen), Menthae haplocalycis Hb. (Bo He), Platycodi Rx. (Jie Geng). Modifikationen: Bei starkem Durst zusätzlich Gypsum fibrosum (Shi Gao), Trichosanthis Rx. (Tian Hua Fen). Bei stark entzündetem Rachen zusätzlich Scrophulariae Rx. (Xuan Shen) und Arctii Fr. (Niu Bang Zi).
Äußere Trockenheit und Wind mit Trockenheit in der Lunge
Therapieprinzipien Trockenheit beseitigen und die Lunge befeuchten
Rezept: Variation von Qing Zao Jiu Fei Tang enthält: Ophiopogonis Rx. (Mai Men Dong), Asini Corii Colla (E Jiao), Armeniacae Sm. (Xing Ren), Cannabis Sm. (Huo Ma Ren), Ginseng Rx. (Ren Shen), Gypsum fibrosum (Shi Gao), Mori Fo. (Sang Ye), Eriobotryae Fo. (Pi Pa Ye), Glycyrrhizae Rx. (et Rz.) (Gan Cao), Sesami Sm. nigrum (Hei Zhi Ma). Cave: Diese Rezeptur ist reichhaltig und übersättigend, daher ist unbedingt auf die Mitte zu achten, d.h. evtl. zusätzliche Verdauungsarzneien dazugeben oder bei Mitteschwäche eine andere Rezeptur auswählen. Modifikationen: Bei profusem, dickflüssigem Sputum zusätzlich Fritillariae cirrhosae Bb. (Chuan Bei Mu), Trichosanthis Sm. (Gua Lou Ren). Bei starker Obstipation zusätzlich Persicae Sm. (Tao Ren) und die Dosierung von Cannabis Sm. (Huo Ma Ren) erhöhen.
Anmerkung: Bei einem trockenem Reizhusten bzw. Husten durch Wind-Trockenheit funktioniert eine (Husten-)Standardrezeptur wie z.B. Zhi Sou San (7.6.16.e) nicht.
Wind-Kälte/Hitze (Außen-Taiyang-Syndrom bei verstecktem pathogenem Faktor (Fu Qi)
Therapieprinzipien Pathogene Faktoren aus der Muskelschicht entlasten und innere Hitze beseitigen
Rezept: Die Symptomatik kann sich z.B. bei einem akuten Wind-Kälte-Angriff zeigen, der als sekundärer Angriff als Trigger für verborgene innere Hitze wirkt. Leitrezeptur ist Chai Ge Jie Ji Tang (Jie Ji bedeutet lösen, nicht ausleiten) als eine Rezeptur, die zur Behandlung von verborgenen pathogenen Faktoren (Fu Qi) unter der Haut-/Muskelschicht eingesetzt werden kann. Enthält: Bupleuri Rx. (Chai Hu), Puerariae Rx. (labatae) (Ge Gen), Notopterygii Rz. seu Rx. (Qiang Huo), Angelicae dahuricae Rx. (Bai Zhi), Scutellariae Rx. (Huang Qin), Gypsum fibrosum (Shi Gao), Platycodi Rx. (Jie Geng), Paeoniae Rx. alba (Bai Shao), Glycyrrhizae Rz. (et Rz.) (Gan Cao), Zingiberis Rz. recens (Sheng Jiang), Jujubae Fr. (Da Zao). Modifikationen: Wenn gleichzeitig eine Abwehr-Wei-Qi-Schwäche vorliegt, zusätzlich Yu Ping Feng San (7.6.13). Zeigt sich mehr eine äußere Wind-Hitze (mehr Zeichen des Wei-Qi-Aspektes), Arzneien aus der Rezeptur Yin Qiao San (7.6.3.b) hinzufügen, z.B. Lonicerae Fl. (Jin Yin Hua), Forsythiae Fr. (Lian Qiao).
Akuter Infekt (äußere Erkrankung) bei vorbestehenden inneren Schwächezuständen
Äußerer Pathogener Faktor (Wind-Kälte und Feuchtigkeit) bei unterliegendem Qi-Mangel
Therapieprinzipien Das Außen entlasten und von Wind und Feuchtigkeit befreien, das Qi stärken
Rezept: Ren Shen Bai Du San (7.6.3.c).
Äußerer Pathogener Faktor bei unterliegendem Yang-Mangel
Therapieprinzipien Das Außen entlasten und gleichzeitig Qi und Yang stärken
Rezept: Zai Zao San enthält: Astragali Rx. (Huang Qi), Ginseng Rx. (Ren Shen), Aconiti Rx. lateralis praep. ([Zhi] Fu Zi), Cinnamomi Ra. (Gui Zhi), Asari Rx. et Rz. (Xi Xin), Notopterygii Rz. seu Rx. (Qiang Huo), Chuanxiong Rz. (Chuan Xiong), Saposhnikoviae Rx. (Fang Feng), Paeoniae Rx. rubra, trocken geröstet ([Chao] Chi Shao), Glycyrrhizae Rx. (et Rz.) (Gan Cao), Zingiberis Rz. recens (Sheng Jiang), Jujubae Fr. (Da Zao).
Äußerer Pathogener Faktor bei unterliegendem Blut-Mangel
Therapieprinzipien Das Außen entlasten und das Blut nähren
Rezept: Leitrezeptur Cong Bai Qi Wei Yin enthält: Allii sativii Bb. (Cong Bai), Puerariae Rx. (labatae) (Ge Gen), Sojae Sm. praep. (Dan Dou Chi), Zingiberis Rz. recens (Sheng Jiang), Ophiopogonis Rx. (Mai Men Dong), Rehmanniae Rx. (Sheng Di Huang). Modifikationen: Bei stärkerer Kälteaversion und Frösteln zusätzlich Perillae Fo. (Zi Su Ye), Saposhnikoviae Rx. (Fang Feng). Bei zusätzlichen Hitze-Zeichen (höheres Fieber, Halsschmerzen, beschleunigter Puls) zusätzlich Lonicerae Fl. (Jin Yin Hua), Forsythiae Fr. (Lian Qiao). Bei Appetitstörungen zusätzlich Citri reticulatae Pericarpium (Chen Pi), Hordei Fr. germinatus (Mai Ya). Zeigen sich noch mehr Blut-Mangel-Zeichen auch Rezept-Kombination von Si Wu Tang (7.6.10.b) mit zusätzlichen Oberflächenbefreiern z.B. Schizonepetae Hb. (Jing Jie), Saposhnikoviae Rx. (Fang Feng), Glycyrrhizae Rx. (et Rz.) (Gan Cao), Armeniacae Sm. (Xing Ren), Puerariae Rx. (labatae) (Ge Gen) und Bupleuri Rx. (Chai Hu) als Arznei für den Shaoyang.
Äußerer Pathogener Faktor bei unterliegendem Yin-Mangel
Therapieprinzipien Das Außen entlasten, Yin nähren, Hitze beseitigen
Rezept: Jia Jian Wei Rui Tang enthält: Polygonati odorati Rz. (Yu Zhu), Allii sativii Bb. (Cong Bai), Platycodi Rx. (Jie Geng), Sojae Sm. praep. (Dan Dou Chi), Menthae haplocalycis Hb. (Bo He), Cynanchi atrati Rx. (Bai Wei), Glycyrrhizae Rx. (et Rz.), in Honig geröstet ([Zhi] Gan Cao), Jujubae Fr. (Da Zao). Modifikationen: Bei starkem Frösteln zusätzlich Saposhnikoviae Rx. (Fang Feng), Puerariae Rx. (labatae) (Ge Gen). Bei stärkeren Hitzezeichen mit Unruhe und mehr Durst zusätzlich Trichosanthis Rx. (Tian Hua Fen), Lophatheri Hb. (Dan Zhu Ye). Bei Husten, Halstrockenheit und schwer abzuhustendem zähem Sputum zusätzlich Arctii Fr. (Niu Bang Zi), Trichosanthis Pericarpium (Gua Lou Pi).
Äußerer Pathogener Faktor bei unterliegend zu wenig (zirkulierendem) Yang an der Oberfläche
Therapieprinzipien Das Außen entlasten und Yang unterstützen (dynamisieren, verteilen) (10.2.1., Kombinierte Strategien)
Rezept: Ma Huang Xi Xin Fu Zi Tang enthält: Ephedrae Hb. (Ma Huang), Aconiti Rx. lateralis praep. ([Zhi] Fu Zi), Asari Rx. et Rz. (Xi Xin).

Halsschmerzen und -entzündungen

Häufigste Ursache für Halsschmerzen ist der Faktor Hitze. Unterschieden werden eine akute (meist Fülle-Syndrom) und eine chronische Form (meist Mangel-Syndrom). Da sich der Pathomechanismus und die Syndrome teilweise überschneiden, werden in diesem Abschnitt Halsschmerzen und Tonsillitis gemeinsam abgehandelt; Halsschmerzen und Tonsillitis bei Kindern 14.7.6.

Syndrom-Differenzierung bei Halsschmerzen und -entzündungen

Tab. 13.40
Akut/chronischSyndromPathomechanismusSymptomeZungePuls
Akute Halsschmerzen und -entzündungen bzw. TonsillitisWind-Hitze (13.7.2.a)Wind-Hitze dringt oft über Mund und Nase in den Körper ein (Wen Bing 12.2); der Hals ist der Ort, wo Mund und Nase sich treffen; sammelt sich dort der pathogene Faktor Wind-Hitze an, verursacht dies zunächst lokal eine Qi- und Blut-Stagnation, was sich in Halsschmerzen und -wundheit zeigt; dringt die Wind-Hitze in die Lunge ein und sammelt sich dort an, steigern sich Hitze und SymptomatikHals: akute Rachenrötung, -schwellung und -schmerz, Schluckbeschwerden, Heiserkeit, Mund-/Rachentrockenheit, evtl. Husten mit dickem gelblichem Auswurf.
Bei Tonsillitis: Tonsillen gerötet, geschwollen, evtl. mit gelblichweißen Belägen.
Zusatzsymptome: Frösteln, Fieber, Durst, Obstipation, dunkelgelber Urin
Evtl. gerötet.
Belag: dünn, gelb
Oberflächlich, schnell
Lungen- und Magen-Hitze mit Wind-Invasion (und Entwicklung toxischer Hitze) (13.7.2.b)Akute Wind-Hitze, die eine latent bestehende Lungen- und Magen-Hitze (z.B. durch Diätfehler, Alkoholabusus) triggert, welche dann entlang der Yangming-Meridiane im Hals aufflammt, sich dort anstaut und brennt, was eine Stagnation von Qi und Blut im Hals verursacht und zu Halschmerzen und -schwellung führtHals: starke Rachenrötung, -schwellung, -schmerz, Schluckbeschwerden, evtl. fauliger Mundgeruch, Zahnfleischschwellungen; dicker, gelber, klebriger Schleim.
Bei Tonsillitis: Tonsillen hochakut, gerötet und geschwollen mit gelblichweißen eitrigen Belägen (toxische Hitze).
Zusatzsymptome: Fieber, submaxilläre Lymphknotenschwellungen, Obstipation, dunkelgelber Urin
Rot, Belag: evtl. gelb, trocken oder schmierigVoll, schnell, evtl. saitenförmig
Chronifizierte bzw. chron. Halsschmerzen und -entzündungen bzw. TonsillitisLeber-Qi-Stauung mit eingeschnürtem Leber-Feuer (13.7.2.c)Syndrom, das sich auf dem Weg zur Chronifizierung von Halsschmerzen finden kann; innere Ursache (Leber-Qi-Stauung) mit eingeschnürtem Feuer, das aufflammt und sich im Hals anstauen und zu Halsentzündungen führen kannHalsschmerzen, die durch emotionale Belastungssituationen getriggert werden, Reizbarkeit, Gesichtsflush, roter KopfSeiten gerötet, evtl. rote PunkteSaitenförmig, schnell
Lungen-Yin-Mangel mit Leere-Hitze (13.7.2.d)Entwicklung aus einer Hitze-Erkrankung (Wen Bing [12.2]) und/oder Erkrankung mit pathogenem Faktor Trockenheit, die die Flüssigkeiten geschädigt hat oder aus einer chron. Lungenerkrankung mit Verbrauch und Schädigung der Flüssigkeiten; bei einem Lungen-Yin-Mangel wird der Hals nicht mehr ausreichend befeuchtet, und durch aufflammendes Leere-Feuer kommt es zusätzlich zu Brennen im Hals mit Halsschmerzen und -schwellungHals: Unbehagen im Hals oder leichte rezid. Halsschmerzen und -schwellungen; der Patient hat oft ein Fremdkörpergefühl im Rachen beim Husten, Rachentrockenheit, Heiserkeit (allmählicher Beginn) oder auch trockener Reizhusten, Schluckbeschwerden, Symptomatik morgens besser, milde abends und starke Verschlechterung nachts.
Bei chron. Tonsillitis: Symptome wie oben; vergrößerte Tonsillen mit evtl. gelblich-weißlichen Eiterstippchen, Symptomverschlechterung abends und nachts; evtl. abends Wangenrötung, trockener Husten mit keinem oder wenig, zähem Sputum.
Zusatzsymptome: Zeichen von Leere-Hitze wie z.B. Hitze der fünf Zentren
Rot; belaglosSchnell, dünn
Chronifizierte bzw. chron. Halsschmerzen und -entzündungen bzw. Tonsillitis (Forts.)Nieren-Yin-Mangel mit Leere-Hitze (13.7.2.e)Schwache Konstitution, chron. Erkrankungen, erschöpfender Lebensstil (z.B. ausschweifendes Sexualleben) oder altersbedingt; durch die Verbindung der Niere zum Hals wird der Hals nicht mehr ausreichend ernährt, bei zusätzlichem Leere-Feuer, das aufsteigt und sich im Hals anstaut, kommt es zu Halsschmerzen und -schwellungHals: Symptome wie bei Lungen-Yin-Mangel mit zusätzlichen Nieren-Yin-Mangel-Zeichen wie z.B. Schwäche und Schmerz in Knien oder LWS, Erschöpfung und Schlafstörungen.
Bei Tonsillitis: trockene, brennende Reizzustände im Hals, die der Patient wiederholt versucht, abzuhusten, flushartige Rötung von Tonsillen und umliegendem Areal, evtl. mit gelblichweißen Eiterstippchen auf den Tonsillen, bei Druck auf die Tonsillen mit dem Spatel evtl. Absonderung einer weißlichen eitrigen Substanz; Mundtrockenheit ohne Trinkverlangen, Schwindel und weitere Nieren-Yin-Mangel-Zeichen
Rot.
Belag: wenig oder belaglos
Dünn, schnell
Wind-Hitze (11.3.5, 12.2)
Therapieprinzipien Wind vertreiben und Hitze klären, bei Tonsillitis Schwellungen zerstreuen und den Hals unterstützen
Rezept:
  • Leitrezeptur bei akuten Halsschmerzen ist modifiziertes Yin Qiao San (7.6.3.b), enthält: Lonicerae Fl. (Jin Yin Hua), Forsythiae Fr. (Lian Qiao), Menthae Hb. (Bo He), Platycodi Rx. (Jie Geng), Schizonepetae Hb. (Jing Jie), Lophateri Hb. (Dan Zhu Ye) mit Arzneien mit Bezug zum Hals wie z.B. Arctii Fr. (Niu Bang Zi), Cicadae Periostracum (Chan Tui), Scrophulariae Rx. (Xuan Shen). Wenn mehr Schleim und eine Lungen-Qi-Stagnation beteiligt sind, zusätzlich Fritillariae thunbergii Bb. (Zhe Bei Mu). Wichtig ist es, zu Beginn einer akuten Wind-Hitze-Erkrankung hochdosiert einzusteigen, um ein weiteres Eindringen und Schädigen der Wind-Hitze zu verhindern

  • Shu Feng Qing Re Tang enthält: Lonicerae Fl. (Jin Yin Hua), Forsythiae Fr. (Lian Qiao), Schizonepetae Hb. (Jing Jie), Saposhnikoviae Rx. (Fang Feng), Arctii Fr. (Niu Bang Zi), Mori Cx. (Sang Bai Pi), Scutellariae Rx. (Huang Qin), Paeoniae Rx. rubra (Chi Shao), Scrophulariae Rx. (Xuan Shen), Fritillariae thunbergii Bb. (Zhe Bei Mu), Trichosanthis Rx. (Tian Hua Fen), Glycyrrhizae Rx. (et Rz.) (Gan Cao). Diese Rezeptur zielt darauf ab, einerseits Hitze zu klären und (Hitze-) Schleim aufzulösen, stellt aber bereits durch die Zugabe von Trichosanthis Rx. (Tian Hua Fen), die zugleich Hitze kühlt, Toxizität mildert, Schwellungen reduziert, eine Arznei dar, die (physiologische) Flüssigkeiten generiert, ebenso ist ein Blut bewegender Aspekt sowohl bei Trichosanthis Rx. (Tian Hua Fen) als auch bei Paeoniae Rx. rubra (Chi Shao) enthalten

  • Bei akuter Tonsillitis: Bei akutem Beginn evtl. Einstieg mit Variation von Yin Qiao San (wie oben, 7.6.3.b), ansonsten sind bei entsprechender Symptomatik (Toxinbildung) folgende Rezepturen möglich:

    • Rezeptur 1 mit Arctii Fr. (Niu Bang Zi), Platycodi Rx. (Jie Geng), Menthae Hb. (Bo He), Lonicerae Fl. (Jin Yin Hua), Belamcandae Rz. (She Gan), Phragmitis Rz. (Lu Gen), Trichosanthis Rx. (Tian Hua Fen, entgiftend, kühlend, Toxine beseitigend). Modifikationen: Bei (drohendem) Säfteverlust z.B. durch zunehmende rötliche Zunge zusätzlich Scrophulariae Rx. (Xuan Shen). Bei stärkerer Eiterbildung und Toxinen zusätzlich Scutellariae Rx. (Huang Qin), Coptidis Rz. (Huang Lian). Bei sich rasch entwickelnder Halsschwellung (der Hals geht zu) zusätzlich das wichtige Arzneipaar, um die Schwellung zu beheben: Isatidis Rx. (Ban Lan Gen) und Arctii Fr. (Niu Bang Zi) in der Dosierung erhöhen.

    • Rezeptur 2 mit noch stärkerem Halsbezug und um Hitze über den Darm auszuleiten: Taraxaci Hb. (Pu Gong Ying), Isatidis Rx. (Ban Lang Gen), Rhei Rx. et Rz. praep. ([Zhi] Da Huang), Lasiosphaera/Calvatia (Ma Bo, in Beutel mitkochen lassen), Glycyrrizhae Rx. (et Rz.) (Gan Cao)

  • Wenn die Hitze bereits die Säfte stark verletzt hat, auch folgende Leitrezeptur: Yang Yin Qing Fei Tang enthält: Rehmanniae Rx. (Sheng Di Huang), Scrophulariae Rx. (Xuan Shen), Ophiopogonis Rx. (Mai Men Dong), Paeoniae Rx. alba, trocken geröstet ([Chao] Bai Shao), Moutan Cx. (Mu Dan Pi, gut, wenn die Hitze schon die Blut-Schicht erreicht hat), Menthae haplocalycis Hb. (Bo He), Fritillariae thunbergii Bb. (Zhe Bei Mu), Glycyrrhizae Rx. (et Rz.) (Gan Cao).

Akupunktur:
  • Fernpunkte: Lu 11 – B (Shaoshang) und/oder Lu 5 – B (Chize): Sehr effektive Punkte bei Mikroaderlass mit Dreikantnadel (5.1.6), Schmerzerleichterung in sec; Gb 20 – (Fengchi); Di 11 – (Quchi); Di 4 – (Hegu); Du 14 – B (Dazhui); Lu 7 – (Lieque); Ma 44 – (Neiting) entfernt Hitze vom Yangming-Meridian; Ex-HN 5 (Taiyang) und Du 14 (Dazhui) bei Kopfschmerz; SJ 5 – (Waiguan) in Kombination mit Ren 22 – (Tiantu): Entfernen Wind-Hitze, unterstützen den Rachen und beseitigen Schleim

  • Lokal-/Regionalpunkte: Ma 9 – (Renying) befeuchtet den Rachen; Dü 17 – (Tianrong), SJ 17 (Yifeng), Ex-HN (Biantao) (Lokalisation: Am unteren Rand des Kieferwinkels unmittelbar vor der A. carotis) bei Tonsillitis, leiten lokale Qi-/Blut-Stagnation ab; Ren 22 – (Tiantu) klärt Lungen-Hitze.

Lungen- und Magen-Hitze mit Wind-Invasion (und Entwicklung toxischer Hitze)
Therapieprinzipien Hitze von Lunge und Magen klären, toxische Hitze klären und ausleiten, Schwellungen reduzieren und den Hals unterstützen
Rezept:
  • Variation von Qing Yang Li Ge Tang enthält: Lonicerae Fl. (Jin Yin Hua), Forsythiae Fr. (Lian Qiao), Scutellariae Rx. (Huang Qin), Gardeniae Fr. (Zhi Zi), Platycodi Rx. (Jie Geng), Saposhnikoviae Rx. (Fang Feng), Arctii Fr. (Niu Bang Zi), Cimicifugae Rz. (Sheng Ma), Coptidis Rz. (Huang Lian), Scrophulariae Rx. (Xuan Shen), Menthae haplocalycis Hb. (Bo He), Rhei Rx. et Rz. (Da Huang), Natrii Sulfas (Mang Xiao), Glycyrrhizae Rx. (et Rz.) (Gan Cao)

  • Bei Entwicklung von toxischer Hitze mit eitrigen Belägen, hochroter Entzündung etc.: Dann auch modifiziertes Pu Ji Xiao Du Yin (universell nützliches Dekokt zur Eliminierung von Toxinen) enthält: Isatidis Rx. (Ban Lan Gen), Forsythiae Fr. (Lian Qiao), Scrophulariae Rx. (Xuan Shen), Scutellariae Rx., in Wein gebraten ([Jiu] Huang Qin), Coptidis Rz. (Huang Lian), Bombyx batryticatus (Jiang Can), Lasiosphaera (Ma Bo), Arctii Fr. (Niu Bang Zi), Paeoniae Rx. rubra (Chi Shao, Blut bewegend und Blut kühlend), Citri reticulatae Pericarpium (Chen Pi), Platycodi Rx. (Jie Geng), Menthae haplocalycis Hb. (Bo He), Glycyrrhizae Rx. (et Rz.) (Gan Cao). Modifikationen: Bei sehr hohem, anhaltendem Fieber zusätzlich Gypsum fibrosum (Shi Gao), Lonicerae Fl. (Jin Yin Hua). Bei starkem Durst zusätzlich Trichosanthis Rx. (Tian Hua Fen), Ophiopogonis Rx. (Mai Men Dong). Bei Husten mit viel dickem Schleim zusätzlich Trichosanthis Fr. (Gua Lou), Belamcandae Rz. (She Gan), Fritillariae thunbergii Bb. (Zhe Bei Mu). Zeigt sich eine Obstipation zur Hitzeausleitung über den Darm, zusätzlich kurzfristig Rhei Rx. et Rz. (Da Huang) und Natrii Sulfas (Mang Xiao, zur Stuhlerweichung) einsetzen. Bei Schwindel, verschwommener Sicht und geröteten und gereizten Augen zusätzlich Mori Fo. (Sang Ye), Chrysanthemi Fl. (Ju Hua), Prunellae Spica (Xia Ku Cao). Zeigen sich Hitze und Säfteverlust bereits in wenig konzentriertem Urin, zusätzlich die Hitze über Dünndarm und Blase ausleiten mit Lophatheri Hb. (Dan Zhu Ye) und Phragmitis Rz. (Lu Gen).

Akupunktur: Lu 11 – B (Shaoshang) und/oder Di 1 – B (Shangyang): Hauptpunkte, klären Lungen-Hitze und Hitze vom Yangming, sehr effektiv bei Mikroaderlass mit Dreikantnadel (5.1.6); Lu 5 – (Chize) klärt exzessive Lungen-Hitze; Di 4(Hegu) und Ma 43 – (Xiangu) beseitigen in Kombination Hitze von den Yangming-Meridianen; Ma 44 – (Neiting), Ma 45 – (Lidui) klären Magen-Hitze; SJ 1 – B (Guanchong) klärt pathogene Hitze von Lunge und Magen; Ren 23 (Lianquan) klärt Hitze und unterstützt den Hals. Zusätzlich bei Schleimretention (4.2.3): Ren 22 – (Tiantu) klärt Lungen-Hitze, entfernt Schleim von Hals und Lunge; Ma 40 – (Fenglong) transformiert Schleim; bei hohem Fieber zusätzlich Du 14 (Dazhui), Di 11 – (Quchi); bei starker Hitze im Yangming und Hals sollte auch auf die Stuhlentleerung geachtet werden, unterstützt werden kann diese durch Di 3 (Sanjian), Ma 25 (Tianshu), SJ 6 (Zhigou).
Leber-Qi-Stauung mit eingeschnürtem Leber-Feuer
Therapieprinzipien Feuer abfließen lassen
Rezept: Variation von Xie Qing Wan enthält: Gentianae Rx. (et Rz) (Long Dan Cao), Gardeniae Fr. (Zhi Zi), Rhei Rx. et Rz. (Da Huang), Notopterygii Rz. seu Rx. (Qiang Huo), Saposhnikoviae Rx. (Fang Feng), Chuanxiong Rz. (Chuan Xiong), Angelicae sinensis Rx. (Dang Gui), Lophateri Hb. (Dan Zhu Ye).
Lungen-Yin-Mangel (11.3.2) mit Leere-Hitze
Therapieprinzipien Yin nähren und die Lunge klären, Flüssigkeiten auffüllen und Trockenheit befeuchten
Rezept: Yang Yin Qing Fei Tang enthält: Rehmanniae Rx. (Sheng Di Huang), Ophiogonis Rx. (Mai Men Dong), Scrophulariae Rx. (Xuan Shen), Fritillariae Bb. (Bei Mu), Moutan Cx. (Mu Dan Pi), Menthae haplocalycis Hb. (Bo He), Paeoniae Rx. alba (Bai Shao), Glycyrrhizae Rx. (et Rz.) (Gan Cao).
Akupunktur: Dü 17 (Tianrong), Lu 10 (Yuji) und Di 4 (Hegu) klären Hitze von der Lunge und unterstützen den Hals; Lu 7 (Lieque) und Ni 6 (Zhaohai) nähren Yin und leiten Feuer nach unten, schalten den Ren Mai ein.
Nieren-Yin-Mangel mit Leere-Hitze
Therapieprinzipien Yin nähren und Feuer ableiten, Hals klären und unterstützen
Rezept: Variation von Zhi Bai Di Huang Wan (7.6.10.d) enthält: Rehmanniae Rx. (Sheng Di Huang), Anemarrhenae Rz. (Zhi Mu), Phellodendri Cx. (Huang Bai), Poria (Fu Ling), Corni Fr. (Shan Zhu Yu), Scrophulariae Rx. (Xuan Shen), Moutan Cx. (Mu Dan Pi), Alismatis Rz. (Ze Xie), Ophiopogonis Rx. (Mai Men Dong).
Akupunktur: Dü 17 (Tianrong), Lu 10 (Yuji) und Di 4 (Hegu) klären Hitze von der Lunge und unterstützen den Hals; Lu 7 (Lieque) und Ni 6 (Zhaohai) nähren Yin und leiten Feuer nach unten, schalten den Ren Mai ein.
Weitere Therapiemöglichkeiten
  • Ohrakupunktur (5.7.1): Bei Heiserkeit: OP 101 (Lunge), OP 41 (Hals), OP 13 (Nebenniere), OP 95 (Niere), OP 100 (Herz), OP 15 (Larynx, Pharynx), Mikroaderlass an OP 78 (Ohrspitze). Bei Tonsillitis: OP 15 (Larynx, Pharynx), OP 30 (Parotitis), OP 73 (Tonsille 1), OP 74 (Tonsille 2), OP 75 (Tonsille 3), OP 101 (Lunge), in akuten Fällen Mikroaderlass an OP 78 (Ohrspitze). Anwendung: Jeweils 4 der drucksensibelsten Punkte auswählen und nadeln (in akuten Fällen ableitend). Dauernadeln oder Samenkörner applizierbar

  • Pflaumenblütenhämmerchen: Akute Tonsillitis: Nackenregion, Unterkieferwinkel, unter dem Ohrlobulus, SJ 17, Di 4, Du 14, positive Reaktionszonen (5.1.6) beidseits von HWK 4–7 mit mittlerem bis starkem Reiz beklopfen. Bei Fieber zusätzlich: Ellenbeuge, Daumenballen, Sakralregion. Bei Husten zusätzlich Lu 9 und beidseits der Trachea beklopfen

  • Diätetische Unterstützung bei Tonsillitis: Dekokt (7.6.2) aus 60 g Arctii Fr. (Niu Bang Zi [7.1.2.b]) und Wasser, mehrmals tägl. trinken

  • Gurgellösungen bei akuten Halsschmerzen: Variante 1: Gleiche Teile von Lonicerae Fl. (Jin Yin Hua) und Forsythiae Fr. (Lian Qiao) kochen und mehrmals tägl. mit dieser Lösung gurgeln. Variante 2: Das Innere von 1–2 frischen Granatäpfeln für eine h in kochendem Wasser einweichen, dann abseihen und mit dem Saft mehrmals tägl. gurgeln

  • Bei akuter Pharyngitis: Dekokt (7.6.2) aus Schizonepetae Hb. (Jing Jie) mit Platycodi Rx. (Jie Geng) 12 g und Glycyrrhizae Rx. (et Rz.) (Gan Cao) 6 g, Pflanzenteile abseihen, 60 g polierten runden Reis dazugeben und eine Schleimsuppe (Congee 8) herstellen, eine Dosis tägl. über mehrere Tage

  • Bei rezidivierender chronischer Pharyngitis (v.a. im Sommer): 50 g Mungbohnen waschen, 1 l Wasser hinzufügen und über kleiner Flamme zum Kochen bringen, 20 g weißen Zucker hinzufügen, im Topf mit Deckel ca. 20 min weiterkochen, bis sich die Bohnen öffnen, aber noch eine grüne Farbe haben; Flüssigkeit mehrmals tägl. trinken

  • Zur Prophylaxe bzw. schneller Akutbehandlung bei rezidivierender Tonsillitis: Mit Honig hergestellte große Pillen, die man langsam im Mund zergehen lässt und langsam herunterschluckt, sodass die Inhaltsstoffe die Tonsillen passieren und benetzen. Patienten, die zu rezidivierenden Halschmerzen bzw. Tonsillitiden neigen, können die Pillen stets mit sich führen und bei Bedarf schnell einsetzen. Tie Di Wan (modifiziert nach McLean/Lyttleton 1998) enthält: Platycodi Rx. (Jie Geng), Fritillariae thunbergii Bb. (Zhe Bei Mu), Ophiopogonis Rx. (Mai Men Dong), Scrophulariae Rx. (Xuan Shen), Glycyrrhizae Rx. (et Rz.) (Gan Cao), Chebulae Fr. (He Zi), Trichosanthis Pericarpium (Gua Lou Pi), Poria (Fu Ling). Die Arzneien zu einem Pulver verarbeiten und 3-Gramm-Pillen mit Honig herstellen.

Heiserkeit (Sheng Yin Si Ya)

Syndrom-Differenzierung bei Heiserkeit (Sheng Yin Si Ya)

Tab. 13.41
Syndrom Pathomechanismus Symptome Zunge Puls
Wind-Kälte (meist akut) (13.7.3.a) Wenn sich bei einem äußeren Angriff durch Wind-Kälte das Pathogen (durch die Lungen-Qi-Blockade) im Hals festsetzt, werden die Stimmbänder blockiert, sind unflexibel und es entsteht Halskratzen und Heiserkeit Akute Heiserkeit, Kratzen im Rachen, evtl. Husten mit wässrigem Auswurf.
Zusatzsymptome: Wind- und Kälteaversion, Rhinitis
Belag: dünn, weiß Oberflächlich, gespannt
Wind-Hitze (meist akut) (13.7.3.b) Bei einem äußeren Angriff durch Wind-Hitze wird die Lungen-Qi-Verteilungsfunktion beeinträchtigt; die Hitze steigt in den Hals auf, köchelt und verknotet sich mit lokaler Stagnation von Qi und Blut, die die Stimmbänder blockiert und zu Heiserkeit führt Akute Heiserkeit (oder Stimmverlust), die oft mit einem Unbehagen im Hals beginnt mit einem trockenen, schmerzhaften und geröteten Hals; in der Folge dann roter, wunder und geschwollener Hals, Trockenheit im Rachen, evtl. Husten mit dickem gelbem Auswurf, Fieber Evtl. rötlich.
Belag: gelb
Oberflächlich, schnell
Lungen-Trockenheit (13.7.3.c) Äußere Trockenheit verletzt die Säfte der Schleimhäute und führt zu einem trockenen und wunden Rachen mit Heiserkeit Akute oder chron. Heiserkeit mit trockenem und wundem Rachen, meist durch trockene Umgebung, z.B. Heizungsluft Evtl. rötlich, trocken Schnell, evtl. oberflächlich
Schleim-Hitze (13.7.3.d) Akute Schleim-Hitze bei vorbestehender Schleim-Akkumulation, die durch eine akute Wind-Hitze-Invasion getriggert wird; dabei verklumpen Schleim und Hitze miteinander und blockieren die Hals-Leitbahnen, das Lungen-Qi und den Rachen; eine zweite Entwicklung aus innerlich entstehender Schleim-Hitze, die über eine längere Dauer bestehen bleibt (z.B. bei starken Rauchern) Heiserkeit und raue Stimme, Versuch, den Rachen zu klären und dickflüssigen, zähen (gelblichen) Auswurf zu expektorieren, evtl. schlimmer morgens und durch Nikotinabusus; geröteter, trockener, wunder Hals, evtl. Mundtrockenheit mit bitterem Mundgeschmack, evtl. subfebrile Temperaturen, Husten mit gelbem Schleim Belag: gelb, klebrig Schlüpfrig, evtl. beschleunigt
Leber-Qi-Stauung (13.7.3.e) Leber-Qi-Stauung präsentiert Aphonie bzw. Heiserkeit, die v.a. durch Emotionen bzw. Stress ausgelöst werden; dadurch staut sich das Leber-Qi so stark, dass es zu Obstruktionen im Hals mit Heiserkeit führt Plötzlicher Stimmverlust, der durch Emotionen ausgelöst wurde (z.B. Wut, Ärger, Stress), Pflaumenkern-Gefühl im Hals (13.18.3.b), die Halsinspektion zeigt jedoch weder Rötung noch Schwellung, thorakales Engegefühl, Reizbarkeit und weitere Zeichen der Leber-Qi-Stauung (11.7.2); evtl. Stauungshitze-Zeichen wie Hitzegefühle, Augenrötung Evtl. normal oder dunkelfarbig; bei Hitze auch gerötete Zungenränder.
Belag: dünn
Leicht saitenförmig oder rau, bei Hitze-Symptomatik auch beschleunigt
Qi-Stagnation, Blut-Stase und Schleim-Akkumulation (13.7.3.f) Verweilende pathogene Faktoren im Inneren, die sich im Hals festsetzen und dort blockieren, entweder nach einem akuten, nicht austherapierten Infekt oder durch Erschöpfung und Überanstrengung der Stimme, z.B. durch Singen oder Sprechen, was die Luo-Gefäße im Hals schädigt; oder durch eine hartnäckige Schleim-Ansammlung (z.B. bei chron. Nikotinabusus), die den freien Qi- und Blutfluss behindert und blockiert; evtl. Knötchen und Heiserkeit Chron. heisere Stimme, Sprechen strengt an, Fremdkörpergefühl und Unbehagen im Hals, Patient versucht, abzuhusten; Stimmbänder oft von dunkler Farbe, gestaut evtl. mit Knötchen oder Polypen; evtl. thorakales Völle- und Engegefühl Gestaut Rau
Lungen- und Nieren-Yin-Mangel (13.7.3.g) mit Leere-Hitze Yin-Mangel aufgrund von konstitutioneller Schwäche, Erschöpfung, chron. Erkrankung etc.; geschwächtes Lungen-Yin führt zu einem gestörten Lungen-Qi; bei Nieren-Yin-Mangel wird der Hals nicht ausreichend befeuchtet und genährt; beides kann zusätzlich zu einem aufwärtsflammendem Leere-Feuer nach oben in den Hals führen, dort die Säfte schädigen und Heiserkeit hervorrufen Chron. Heiserkeit und schwache Stimme, Sprechen strengt an; Verschlechterung durch Anstrengung und während des Sprechens; evtl. leichte Halsschmerzen oder chron. Reizzustand im Rachen, Patient versucht abzuhusten, evtl. Kitzelhusten, geröteter Rachen, trockener Husten mit wenig Schleim, Schwindel, Tinnitus, Erschöpfung, Schlafstörungen, Schmerz und Schwäche lumbal bzw. im Knie, Hitze der fünf Zentren Rot.
Belag: wenig
Dünn, beschleunigt
Lungen- und Milz-Qi-Mangel (13.7.3.h) Chron. Überbeanspruchung der Stimme, z.B. bei Sängern oder Rednern; die Stimme ist der Laut der Lunge (2.4.3), hat aber ihre Wurzel in der Niere und wird unterstützt durch (das Qi) der Milz (Erde ist die Mutter des Metalls). Bei Lungen- und Milz-Qi-Mangel ist der Qi-Fluss nicht stark genug für die Stimme Chron. Heiserkeit, die sich abends und durch Überanstrengung verstärkt, leise kraftlose Stimme, Sprechen strengt an, längerdauerndes Reden ist nicht möglich; evtl. Kurzatmigkeit, mag nicht sprechen, Erschöpfung, weiche Stühle, gerötete Schleimhautmembranen im Rachen, blassrote Lippen Blassrot geschwollen mit Zahneindrücken.
Belag: dünn, weiß
Leer, schwach
Wind-Kälte
Therapieprinzipien Das Äußere von Wind-Kälte befreien, die Lunge unterstützen und die Stimme wieder herstellen
Rezept:
  • San Ao Tang enthält: Ephedrae Hb. (Ma Huang), Armeniacae Sm. (Xing Ren), Glycyrrhizae Rx. (et Rz.) (Gan Cao). Liu Wei Tang enthält: Platycodi Rx. (Jie Geng), Glycyrrhizae Rx. (et Rz.) (Gan Cao), Schizonepetae Hb. (Jing Jie), Bombyx batryticatus (Jiang Can), Cicadae Periostracum (Chan Tui), Perillae Fo. (Zi Su Ye), Peucedani Rx. (Qian Hu), Armeniacae Sm. (Xing Ren), Zingiberis Rz. recens (Sheng Jiang), Menthae haplocalycis Hb. (Bo He). Modifikationen: Bei produktivem Husten zusätzlich Pinelliae Rz. praep. (Ban Xia) und Cynanchi stauntonii Rz. (Bai Qian)

  • Bei einer akuten Wind-Kälte-Invasion bei zuvor bestehender innerer Hitze zeigen sich Symptome akuter Wind-Kälte (wie oben) und zusätzliche Hitze-Zeichen wie Durst, Halsschmerzen, Reizbarkeit, Obstipation und evtl. ein gelblicher Zungenbelag. In diesem Fall müssen zeitgleich die Wind-Kälte vertrieben und die innere Hitze geklärt werden. Empfohlene Rezeptur Da Qing Long Tang (13.7.1.a) und Variationen

  • Gurgellösung: Agastaches Hb. (Tu Huo Xiang), Eupatorii Hb. (Pei Lan), Perillae Fo. (Zi Su Ye), Allii sativii Bb. (Cong Bai). Zu gleichen Teilen kochen und so oft wie möglich warm gurgeln.

Akupunktur: Di 18 (Futu): Guter Lokalpunkt, um den Qi- und Blutfluss im Hals zu befreien; Lu 7 – (Lieque), Di 4 – (Hegu) vertreiben äußere Faktoren; oder Kombination von Di 4 (Hegu) und SJ 5 (Waiguan) befreien pathogene Faktoren, zerstreuen Kälte und unterstützen den Hals; Bl 13 (Feishu) unterstützt die Lungenfunktion, verhindert, dass Wind-Kälte weiter in die Lunge eindringt (auch gut mit Gua Sha [5.1.7]).
Wind-Hitze
Therapieprinzipien Wind vertreiben und Hitze im Hals klären
Rezept: Sang Ju Yin (7.6.3.b). Variationen von Shu Fen Qing Re Tang (13.7.2.a). Dringt die Wind-Hitze tiefer und erreicht in Übergängen (zusätzlich) die Qi-Schicht (bzw. Yangming-Syndrom, 12) mit Magen-Hitze, was sich einerseits lokal in stärkerer Halsschwellung und -rötung zeigt mit stärkeren Schluckbeschwerden, aber auch zunehmend höherem Fieber, Durst und Obstipation und weiteren Zeichen von Hitze und zunehmender Säfteschädigung. In diesem Fall müssen therapeutisch die Hitze geklärt und die Toxine beseitigt und der Hals unterstützt werden. Rezeptempfehlung Variation von Qing Yan Li Ge Tang enthält: Forsythiae Fr. (Lian Qiao), Gardeniae Fr. (Zhi Zi), Scutellariae Rx. (Huang Qin), Menthae haplocalycis Hb. (Bo He), Natrii Sulfas (Mang Xiao), Rhei Rx. et Rz. (Da Huang), Glycyrrhizae Rx. (et Rz.) (Gan Cao), Platycodi Rx. (Jie Geng), Coptidis Rz. (Huang Lian), Schizonepetae Hb. (Jing Jie), Saposhnikoviae Rx. (Fang Feng). Modifikationen: Bei vorbestehender Schleim-Hitze zusätzlich Trichosanthis Fr. (Gua Lou), Fritillariae thunbergii Bb. (Zhe Bei Mu), Bambusae Caulis in taeniam (Zhu Ru). Wenn die äußeren Symptome vorbei sind, aber weiterhin Heiserkeit besteht, Schizonepetae Hb. (Jing Jie) und Saposhnikoviae Rx. (Fang Feng) entfernen.
Gurgellösung: Lonicerae Fl. (Jin Yin Hua), Platycodi Rx. (Jie Geng), Forsythiae Fr. (Lian Qiao).
Akupunktur: Di 4 (Hegu), Lu 7 (Lieque) zerstreuen Wind und klären Hitze, um den Hals zu unterstützen; Ren 23 (Lianquan) befreit den Qi-Fluss und klärt Hitze im Hals.
Lungen-Trockenheit (11.3.3)
Therapieprinzipien Lunge und Rachen befeuchten, Lungen-Qi stärken
Rezept: Bei akuter Wind-Trockenheit Variation von Sang Xing Tang (7.6.7) enthält: Mori Fo. (Sang Ye), Armeniacae Sm., trocken geröstet ([Chao] Xing Ren), Adenophorae Rx. (Nan Sha Shen), Eriobotryae Fo., in Honig geröstet ([Zhi] Pi Pa Ye), Ophiopogonis Rx. (Mai Men Dong), Fritillariae thunbergii Bb. (Zhe Bei Mu), Gardeniae Fr. (Zhi Zi), Platycodi Rx. (Jie Geng). Modifikationen: Bei Hitze-Zeichen zusätzlich Anemarrhenae Rz. (Zhi Mu), Gypsum fibrosum (Shi Gao). Bei Kopfschmerzen und Fieber zusätzlich Menthae haplocalycis Hb. (Bo He), Forsythiae Fr. (Lian Qiao), Cicadae Periostracum (Chan Tui). Bei gleichzeitiger äußerer Taiyang-Symptomatik Oberflächenbefreier hinzufügen wie Schizonepetae Hb. (Jing Jie), Menthae haplocalycis Hb. (Bo He). Bei sehr starken Trockenheitszeichen zusätzlich Asparagi Rx. (Tian Dong), Trichosanthis Rx. (Tian Hua Fen). Bei starken Halsschmerzen und -wundheitsgefühl zusätzlich Scrophulariae Rx. (Xuan Shen).
Akupunktur: Lu 7 (Lieque), Di 4 (Hegu) vertreiben äußere Faktoren; Ni 6 + (Zhaohai) nährt Nieren-Yin und Körperflüssigkeiten; Lu 9 + (Taiyuan) befeuchtet Trockenheit, stärkt die Lunge und ggf. Lokalpunkte..
Schleim-Hitze
Therapieprinzipien Die Lunge klären und Schleim transformieren, Hitze klären und den Hals unterstützen
Rezept: Variation von Qing Yan Ning Fei Tang enthält: Mori Cx. (Sang Bai Pi), Peucedani Rx. (Qian Hu), Glycyrrhizae Rz. (et Rz.) (Gan Cao), Platycodi Rx. (Jie Geng), Anemarrhenae Rz. (Zhi Mu), Fritillariae thunbergii Bb. (Zhe Bei Mu), Scutellariae Rx. (Huang Qin), Gardeniae Fr. (Zhi Zi), Trichosanthis Pericarpium (Gua Lou Pi), Cicadae Periostracum (Chan Tui). Modifikationen: Bei starkem Wundheitsgefühl mit Obstruktion im Hals zusätzlich Belamcandae Rz. (She Gan). Bei sehr starker Hitze zusätzlich Gypsum fibrosum (Shi Gao). Bei Schädigung der Säfte zusätzlich Scrophulariae Rx. (Xuan Shen), Trichosanthis Rx. (Tian Hua Fen).
Akupunktur: Ren 22 (Tiantu) und Di 18 (Futu): Gute Lokalpunkte; Lu 7 (Lieque), Ma 40 (Fenglong), Lu 5 (Chize) beseitigen Hitze in der Lunge; Lu 1 (Zhongfu) beseitigt Schleim aus der Lunge; Ren 17 (Danzhong) unterstützt die Lunge, entspannt den Thorax; Pe 5 (Jianshi) bei zusätzlicher Fülle im Thorax und ggf. Lokalpunkte.
Leber-Qi-Stauung
Therapieprinzipien Die Leber besänftigen, Qi bewegen und regulieren, den Hals unterstützen, evtl. Hitze klären
Rezept: Bei einer Leber-Qi-Stauung ohne Entwicklung von Stauungs-Hitze Variation von Xiao Jiang Qi Tang enthält: Paeoniae Rx. alba (Bai Shao), Perillae Fo. (Zi Su Ye), Oroxyli Sm. (Mu Hu Die), Linderae Rx. (Wu Yao), Citri reticulatae Pericarpium (Chen Pi), Platycodi Rx. (Jie Geng), Zingiberis Rz. recens (Sheng Jiang), Jujubae Fr. (Da Zao). Bei einer Leber-Qi-Stauung mit Zeichen der Stauungs-Hitze Chai Hu Qing Gan Tang enthält: Bupleuri Rx. (Chai Hu), Scutellariae Rx. (Huang Qin), Gardeniae Fr. (Zhi Zi), Forsythiae Fr. (Lian Qiao), Chuanxiong Rz. (Chuan Xiong), Ginseng Rx. (Ren Shen), Oroxyli Sm. (Mu Hu Die), Glycyrrhizae Rz. (et Rz.) (Gan Cao). Modifikationen: Um die Stagnation zu zerstreuen und das Herz zu nähren, zusätzlich Lilii Bb. (Bai He), Salviae miltiorrhizae Rx. (Dan Shen). Um noch stärker die Leber zu besänftigen und das Qi zu zerstreuen, ein oder zwei der folgenden Arzneien hinzufügen: Magnoliae officinalis Cx. (Hou Po), Rosae rugosae Fl. (Mei Gui Hua), Tribuli Fr. (Bai Ji Li). Um das Qi wieder nach unten zu korrigieren, zusätzlich Toosendan Fr. (Chuan Lian Zi). Wenn das Lungen-Qi stagniert mit Schleim thorakal, zusätzlich Perillae Fr. (Su Zi) und Trichosanthis Pericarpium (Gua Lou Pi).
Akupunktur: Le 3 (Taichong) und Di 4 (Hegu): Starke Kombination, um das Leber-Qi zu bewegen; Pe 6 (Neiguan) beruhigt den Geist-Shen (Jueyin-Schicht) und ggf. Lokalpunkte.
Qi-Stagnation, Blut-Stase und Schleim-Akkumulation
Therapieprinzipien Qi bewegen und das Blut aktivieren, Schleim transformieren und die Stimme wiederherstellen
Rezept: Li Yan Zhu Yu Tang enthält: Paeoniae Rx. rubra (Chi Shao), Carthami Fl. (Hong Hua), Cyathulae Rx. (Chuan Niu Xi), Pinelliae Rz. praep (Ban Xia), Poria (Fu Ling), Citri reticulatae Pericarpium (Chen Pi), Chebulae Fr. (He Zi), Oroxyli Sm. (Mu Hu Die), Acori tatarinowii Rz. (Shi Chang Pu), Glycyrrhizae Rx. praep. ([Zhi] Gan Cao).
Akupunktur: Di 18 (Futu), Dü 17 (Tianrong), Ma 9 (Renying), Ren 22 (Tiantu): Gute Lokalpunkte bei Heiserkeit, bewegen Qi und Blut lokal; Di 4 (Hegu), Mi 6 (Sanyinjiao) und Mi 10 (Xuehai) bewegen das Qi und aktivieren das Blut, um Stasis zu transformieren.
Lungen- und Nieren-Yin-Mangel mit Leere-Hitze
Therapieprinzipien Lunge und Niere nähren und befeuchten, Leere-Feuer absenken, den Hals unterstützen und die Stimme wiederherstellen
Rezept: Variation von Bai He Gu Jin Tang (7.6.7) enthält zusätzlich: Cicadae Periostracum (Chan Tui), Chebulae Fr. (He Zi), Oroxyli Sm. (Mu Hu Die). Modifikationen: Bei starker Hitze zusätzlich Anemarrhenae Rz. (Zhi Mu), Phellodendri Cx. (Huang Bai). Bei Qi-Mangel Scrophulariae Rx. (Xuan Shen) und Rehmanniae Rx. (Sheng Di Huang) aus der Rezeptur entfernen und Astragali Rx. (Huang Qi), Pseudostellariae Rx. (Tai Zi Shen) hinzufügen. Wenn der Nieren-Yin-Mangel prädominant ist, auch Variationen von Liu Wei Di Huang Wan (7.6.10.d) auswählen.
Akupunktur: Lu 7 (Lieque), Ni 6 (Zhaohai), Mi 6 (Sanyinjiao) und Ni 3 (Taixi); bei sehr starker, schmerzhafter Halsschwellung auch Lu 10 (Yuji) und ggf. Lokalpunkte.
Lungen- und Milz-Qi-Mangel (11.11.12)
Therapieprinzipien Lunge und Milz stärken, Qi stärken und ergänzen und die Stimme wiederherstellen
Rezept: Si Jun Zi Tang (7.6.10.a) und zusätzlich Astragali Rx. (Huang Qi), Chebulae Fr. (He Zi), Acori tatarinowii Rz. (Shi Chang Pu). Bu Zhong Yi Qi Tang (7.6.10.a) und zusätzlich Chebulae Fr. (He Zi) und Acori tatarinowii Rz. (Shi Chang Pu). Modifikationen: Mit Feuchtigkeit oder Schleim: Pinelliae Rz. praep. (Ban Xia), Poria (Fu Ling), Lablab Sm. album (Bian Dou).
Akupunktur: Lu 9 +, Ma 36 +, Mi 6 +, Bl 20 +, Bl 13 +, Ren 23, Di 17, Dü 17, Di 18, Ren 6 + M; bei zusätzlicher Schleimretention (4.2.3) mit Fremdkörper- oder Obstruktionsgefühl im Rachen, dadurch Hustenreiz, schlüpfriger Puls: Zusätzlich Ma 40, Bl 20 einsetzen.
Weitere Therapiemöglichkeiten
  • Ohrakupunktur (5.7.1): Bei Heiserkeit: OP 101 (Lunge), OP 41 (Hals), OP 13 (Nebenniere), OP 95 (Niere), OP 100 (Herz), OP 15 (Larynx, Pharynx), Mikroaderlass an OP 78 (Ohrspitze). Bei Tonsillitis: OP 15 (Larynx, Pharynx), OP 30 (Parotitis), OP 73 (Tonsille 1), OP 74 (Tonsille 2), OP 75 (Tonsille 3), OP 101 (Lunge); in akuten Fällen Mikroaderlass an OP 78 (Ohrspitze). Anwendung: Jeweils 4 der drucksensibelsten Punkte auswählen und nadeln (in akuten Fällen ableitend). Dauernadeln oder Samenkörner applizierbar

  • Pflaumenblütenhämmerchen: Akute Tonsillitis: Nackenregion, Unterkieferwinkel, unter dem Ohrlobulus, SJ 17, Di 4, Du 14, positive Reaktionszonen (5.1.6) beidseits von HWK 4–7 mit mittlerem bis starkem Reiz beklopfen. Bei Fieber zusätzlich: Ellenbeuge, Daumenballen, Sakralregion. Bei Husten zusätzlich: Lu 9 und beidseits der Trachea beklopfen

  • Bei akuter Heiserkeit: Mikroaderlass an geschwollener Vene an der Ohrrückseite (vorherige kurze Ohrmassage erhöht den Blutfluss) oder eine Paste aus zerstoßenem Knoblauch herstellen, die für ca. 1–2 h auf Di 4 aufgetragen und geklebt wird. Akupressur an Dü 17 (Tianrong) (oft schmerzhaft). In chronischen Fällen mit Yin-Mangel (Tab. 4.56) auf ausreichende Ruhe- und Entspannungszeiten achten

  • Prophylaxe bei Patienten, die viel sprechen müssen: Prophylaxe mit Momordicae Fr. (Luo Han Guo) 10–15 g mit grünem Tee (Cha Ye) 1 g in kochendem Wasser ziehen lassen, tägl. trinken. Bei Heiserkeit: 3–5 Birnen waschen, in Stücke schneiden und Saft auspressen, den ausgepressten Saft mit 50 g poliertem rundkörnigem Reis und Kristallzucker nach Bedarf in einen Tontopf geben und mit 400 ml Wasser eine Schleimsuppe (Congee 8) herstellen; diese 2–3-mal tägl. leicht erwärmt einnehmen.

Leitsymptom: Globusgefühl (Hou Zhong Geng Zu)

Globusgefühl wird nach CM unter Blockade und Obstruktion im Hals (Hou Zhong Geng Zu) eingeordnet. Es beschreibt ein subjektives Fremdkörpergefühl (wie ein Pflaumenstein) im Rachen (13.18.3.b). Der Patient räuspert sich oft und versucht, etwas abzuhusten (ständiger unproduktiver Reizhusten). Es bestehen keine Schmerzen, keine Behinderung der Nahrungsaufnahme, als Symptome können jedoch Spannungsgefühl im Thorax bzw. Hypochondrium, depressive Verstimmung oder Stimmungsschwankungen, Anorexie und evtl. unregelmäßige Menstruation auftreten. Der Zungenkörper ist entweder normal oder bauviolett mit einem weißen, feuchten oder schmierigen Belag, der Puls ist saitenförmig. Nach westlicher Medizin tritt Globusgefühl oft im Rahmen von Neurosen auf, wobei Frauen häufiger betroffen sind als Männer. Alle nachfolgend aufgeführten Syndrome werden mitverursacht durch eine Leber-Qi-Stauung (11.7.2) mit gegenläufigem Qi. Aufgrund von unterschiedlichem Lebensstil bzw. individueller Konstitution kommt es zu zusätzlichen Syndromen.

Syndrom-Differenzierung bei Globusgefühl (Hou Zhong Geng Zu)

Tab. 13.42
SyndromPathomechanismusSymptomeZungePuls
Leber-Qi-Stauung mit gegenläufigem Qi (13.7.4.a)Leber-Qi-Stauung mit gegenläufigem Qi durch emotionale Faktoren wie z.B. Wut und Frustrationgefühle; wenn das gestaute Leber-Qi entlang der Leitbahn gegenläufig nach oben geht, kommt es zu einem Einschnürungsgefühl im HalsbereichPflaumenkern- bzw. Globusgefühl im Hals, das nicht durch Herunterschlucken oder Aushusten gelöst werden kann, verschlimmert sich durch emotionale Faktoren, evtl. mit einer On- und Off-Symptomatik, kein Obstruktionsgefühl beim Essen, evtl. Schwindel, Reizbarkeit, Spannungsgefühl hypochondrial und thorakal, AufstoßenMeist normal.
Belag: dünn
Saitenförmig
Schleim-Akkumulation und Qi-Stauung (13.7.4.b)Wenn es zu einer Einschnürung des Leber-Qi-Flusses und damit zu einer Fülle im FK Leber kommt, führt dies zu einem Übergriff auf die Milz (Holz überwältigt die Erde); diese wird geschwächt und in ihrer Transport- und Transformationsfunktion der Flüssigkeiten beeinträchtigt, pathologische Feuchtigkeitsansammlungen resultieren mit Schleimakkumulation; wird das eingezwängte Leber-Qi gegenläufig, nimmt es den Schleim mit sich nach oben in den HalsbereichGlobusgefühl kommt und geht, viel klebriger Schleim, der nur erschwert abzuhusten ist, Völle in Magen und Abdomen, evtl. Übelkeit und Erbrechen, thorakales EngegefühlBelag: schleimig-klebrigSanft, schlüpfrig oder schlüpfrig, saitenförmig
Yin-Mangel und Leber-Qi-Stauung (13.7.4.c)Leber-Qi-Stauung (11.7.2) aufgrund emotionaler Ursachen über lange Zeit und Entwicklung von Stauungs-Hitze, die die Körperflüssigkeiten verbraucht, wodurch ein zusätzlicher Yin-Mangel entstehen kann; weil Blut und Essenz-Jing ebenso wie Leber und Niere dieselbe Wurzel teilen, entstehen Yin- und Blut-Mangel; entwickelt sich ein Blut-Mangel, verschärft dies die Leber-Qi-Stauung, zusätzlich kommt es bei Yin-Mangel zur Entwicklung von Leere-Feuer, das nach oben flammt und dort die Qi-Stagnation im Halsbereich verschlimmertGlobusgefühl im Rachen, das weder ausgehustet, noch heruntergeschluckt werden kann, Mund- und Rachentrockenheit, Hitze der fünf Zentren, Schmerz im HypochondriumRot.
Belag: wenig
Saitenförmig, dünn, beschleunigt
Blut-Stase obstruiert die Luo-Gefäße (13.7.4.d)Bei einer lange andauernden Leber-Qi-Stauung entwickelt sich auch eine Blut-Stase (Qi bewegt das Blut); Chron. Erkrankungen gehen in die Luo-Gefäße, die im Hals obstruierenGlobusgefühl im Hals, das weder ausgehustet noch heruntergeschluckt werden kann, Schwierigkeiten beim Essen, aber nicht beim Trinken, evtl. scharfer Schmerz thorakal und in seitlicher Rippenregion, der bis zum Rücken hin ausstrahlen kann, chron. ErkrankungDunkler Zungenkörper evtl. mit Blut-Stase-Flecken oder -PunktenSaitenförmig, dünn, rau
Leber-Qi-Stauung mit gegenläufigem Qi
Therapieprinzipien Leber-Qi-Stauung lösen, gegenläufiges Qi absenken
Rezept: Variation von Shu Li Tang enthält: Bupleuri Rx. (Chai Hu), Aurantii Fr. (Zhi Ke), Mume Fr. (Wu Mei), Rosae rugosae Fl. (Mei Gui Hua), Perillae Caulis (Zi Su Geng), Scrophulariae Rx. (Xuan Shen), Glycyrrhizae Rx. (et Rz.) (Gan Cao). Modifikationen: Bei Entwicklung von Stauungshitze zusätzlich Moutan Cx. (Mu Dan Pi), Gardeniae Fr. (Zhi Zi) und Prunellae Spica (Xia Ku Cao). Bei Schlafstörungen, Palpitationen oder starken Unruhezuständen zusätzlich Albiziae Cx. (He Huan Pi), Polygalae Rx. (Yuan Zhi) und Schisandrae Fr. (Wu Wei Zi). Zeigen sich Symptome des aufsteigenden Leber-Qi mit z.B. Schwindel, zusätzlich Uncariae Ra. cum Uncis (Gou Teng), Tribuli Fr. (Bai Ji Li). Bei zusätzlichem dickem Schleim, der nicht abgehustet werden kann, Arctii Fr. (Niu Bang Zi), Fritillariae thunbergii Bb. (Zhe Bei Mu).
Akupunktur: Ren 22 N (Tiantu) befreit den Rachen, beseitigt die Missempfindung; Le 3 – (Taichong) reguliert Leber-Qi; Ren 17 N (Danzhong) fördert die Qi-Zirkulation thorakal; Pe 6 N (Neiguan) reguliert die Qi-Zirkulation im Thorax; Le 2 – (Xingjian) reguliert das gestaute Leber-Qi bei Leber-Feuer; Ma 40 N (Fenglong) transformiert Schleim und reguliert die Qi-Zirkulation; Le 14 – (Qimen) reguliert Leber-Qi.
Schleim-Akkumulation und Qi-Stauung
Therapieprinzipien Qi bewegen und Schleim transformieren, bei Schleim-Hitze-Zeichen auch Schleim-Hitze klären
Rezept: Bei Qi-Stagnation mit Schleim-Akkumulation Variation von Ban Xia Hou Po Tang (7.6.11.a) enthält: Pinelliae Rz. praep. (Ban Xia), Magnoliae officinalis Cx. (Hou Po), Poria (Fu Ling), Perillae Caulis (Zi Su Geng), Bupleuri Rx. (Chai Hu), Aurantii Fr. (Zhi Ke), Citri reticulatae Pericarpium (Chen Pi), Clematidis Rx. (et Rz.) (Wei Ling Xian), Glycyrrhizae Rx. (et Rz.) (Gan Cao). Bei prädominanter Schleim-Hitze: Variation von Wen Dan Tang (7.6.16.b) enthält: Bambusae Caulis in taeniam (Zhu Ru), Pinelliae Rz. praep. (Ban Xia), Citri reticulatae Pericarpium (Chen Pi), Poria (Fu Ling), Aurantii Fr. immaturus (Zhi Shi), Trichosanthis Rx. (Tian Hua Fen), Fritillariae thunbergii Bb. (Zhe Bei Mu), Curcumae Rx. (Yu Jin), Prunellae Spica (Xia Ku Cao), Scutellariae Rx. (Huang Qin), Belamcandae Rz. (She Gan). Modifikationen: Bei Appetitstörungen und Fülle in Magen und Epigastrium zusätzlich Massa medicata fermentata (Shen Qu) und Hordei Fr. germinatus (Mai Ya). Bei einer Infektion im oberen Respirationstrakt zusätzlich Lonicerae Fl. (Jin Yin Hua), Isatidis Rx. (Ban Lan Gen) und Taraxaci Hb. (Pu Gong Ying).
Akupunktur: Ren 22 N (Tiantu) befreit den Rachen, beseitigt die Missempfindung; Le 3 (Taichong) reguliert Leber-Qi; Ren 17 (Danzhong) fördert die Qi-Zirkulation thorakal; Pe 6 (Neiguan) reguliert die Qi-Zirkulation im Thorax; Le 2 (Xingjian) reguliert das gestaute Leber-Qi bei Leber-Feuer; Ma 40 (Fenglong) transformiert Schleim und reguliert die Qi-Zirkulation; Le 14 – (Qimen) reguliert Leber-Qi. Zusätzlich bei Qi- und Blut-Mangel: Ren 4 (Guanyuan), Ma 36 (Zusanli), Bl 17 (Geshu).
Yin-Mangel und Leber-Qi-Stauung
Therapieprinzipien Nieren unterstützen und Yin nähren, die Leber harmonisieren und gegenläufiges Qi absenken
Rezept: Yi Guan Jian (7.6.10.d) und Austausch von Rehmanniae Rx. praep. (Shu Di Huang) durch Rehmanniae Rx. (Sheng Di Huang) und zusätzlich Scrophulariae Rx. (Xuan Shen), Curcumae Tb. (Yu Jin), Platycodi Rx. (Jie Geng), Paeoniae Rx. alba (Bai Shao). Modifikationen: Bei Schlafstörungen und Unruhezuständen zusätzlich Platycladi Sm. (Bai Zi Ren), Ziziphi spinosae Sm. (Suan Zao Ren).
Akupunktur: Ren 22 (Tiantu) als guter Lokalpunkt; Lu 7 (Lieque) und Ni 6 (Zhaohai) schalten den Ren Mai ein, nähren Yin und leiten Leere-Hitze nach unten, unterstützen und befeuchten den Hals; Ni 3 (Taixi) und Mi 6 (Sanyinjiao) unterstützen die Nieren und nähren Yin; Le 3 (Taichong) und Le 8 (Ququan) harmonisieren die Leber und unterstützen das Leber-Blut.
Blut-Stase obstruiert die Luo-Gefäße
Therapieprinzipien Stasis transformieren und die Luo-Gefäße durchgängig machen, das Qi bewegen und den Hals unterstützen
Rezept: Xue Fu Zhu Yu Tang (7.6.12.a) und zusätzlich Curcumae Rx. (Yu Jin), Salviae miltiorrhizae Rx. (Dan Shen), Prunellae Spica (Xia Ku Cao). Modifikationen: Bei Halsschmerzen und -trockenheit zusätzlich Scrophulariae Rx. (Xuan Shen), Trichosanthis Rx. (Tian Hua Fen), Eriobotryae Fo. (Pi Pa Ye). Bei Halskratzen und -jucken zusätzlich Belamcandae Rz. (She Gan) und Menthae haplocalycis Hb. (Bo He). Bei einem Gefühl, als ob etwas im Hals steckengeblieben sei, zusätzlich Perillae Caulis (Zi Su Geng) und Pinelliae Rz. praep. (Ban Xia).
Akupunktur: Ren 22 (Tiantu) guter Lokalpunkt; Mi 10 (Xuehai) und Bl 17 (Geshu) bewegen das Blut und lösen Stase auf; Di 4 (Hegu) und Le 3 (Taichong) bewegen in Kombination stark das Qi und Blut und ggf. weitere Lokalpunkte.
Weitere Therapiemöglichkeiten
  • Gua Sha (5.1.7) oder Pflaumenblütenhämmerchen in der Nackenregion und an gestauten Venen

  • Ohrakupunktur (5.7.1): OP 55 (Shenmen), OP 51 (Vegetativum), OP 15 (Rachen), OP 98 (Leber), OP 97 (Milz), OP 15 (Larynx, Pharynx). Anwendung: 4 der drucksensibelsten Punkte auswählen, jeden 2. oder 3. Tag über 10 Sitzungen nadeln. Dauernadeln oder Samenkörner applizierbar.

Leitsymptom: Nasenbluten (Bi Nü)

Bei rezidivierendem Nasenbluten ist eine HNO-ärztliche Abklärung bzw. auch internistische Ursachenabklärung erforderlich.

Syndrom-Differenzierung bei Nasenbluten (Bi Nü)

Tab. 13.43
SyndromPathomechanismusSymptomeZungePuls
Wind-Hitze (und Trockenheit) (13.7.5.a)Äußere Wind-Hitze oder Hitze-Trockenheit dringt in den Körper ein und attackiert zunächst die Lunge (Öffner der Lunge ist die Nase); wenn die Hitze nach oben geht und sich in der Nase festsetzt, kann dies die Luo-Gefäße der Nase schädigen mit NasenblutenNasenbluten mit wenigen frischroten Blutstropfen, eine trockene, oft schmerzhaft geschwollene Nasenschleimhaut, zusätzlich Infektzeichen wie Fieber und Frösteln gleichzeitig, Schwitzen, Halsschmerzen, Durst, evtl. Husten mit wenig Sputum, MundtrockenheitBelag: dünn, weiß, trockenOberflächlich, evtl. beschleunigt
Loderndes Magen-Feuer (11.6.4, 13.7.5.b)Konstitutionelle Akkumulation von Hitze im Magen-Meridian, Verschärfung bzw. Verursachung durch scharf gewürzte Kost oder Alkoholabusus; der Magen-Meridian verläuft an der Nasenwurzel, hier werden die Luo-Gefäße durch das Feuer geschädigt, und es entsteht NasenblutenStarkes, frischrotes oder tiefrotes Nasenbluten, trockene und schmerzhafte Nase und Nasenschleimhäute, Durst mit Verlangen nach kalten Getränken, fauliger Mundgeruch, Mundulzerationen, ständiges Hungergefühl, Obstipation, wenig Urin, UnruheRot.
Belag: dick, trocken, gelb
Voll, beschleunigt
Leber-Feuer (11.7.4) verletzt die Lunge (11.11.15, 13.7.5.c)Chron. Leber-Qi-Stauung (11.7.2) aufgrund von emotionalen Faktoren mit Entwicklung von Stauungs-Hitze und Leber-Feuer, das nach oben aufflammt und das Metall (die Lunge) angreift; die Lunge öffnet sich in der Nase, und es kommt aufgrund der Schädigung der Luo-Gefäße der Nase zu NasenblutenNasenbluten, das oft durch emotionale Faktoren wie Wut und Ärger ausgelöst wird, viel frisches, rotes Blut; evtl. gerötete Skleren, Reizbarkeit, Kopfschmerz etc.Rot.
Belag: dick, gelb
Saitenförmig, voll und schnell
Milz-Qi-Mangel, Milz kontrolliert Blut nicht (11.5.1, 11.5.3, 13.7.5.d)Milz-Qi ist für die Kontrolle des Blutes und für die Bildung von Qi und Blut verantwortlich; kommt es aufgrund von Diätfehlern, Überanstrengung etc. zu einem geschwächten Milz-Qi, wird auch die Kontrolle über das Blut geschwächt, und es kann Nasenbluten entstehen(Langsameres) und rezid. Nasenbluten, das schnell gestoppt werden kann, aber auch schnell wieder auftritt, blassrotes Blut, weitere Milz-Qi-Mangel-Zeichen wie Blässe, Appetitverlust und ErschöpfungBlass.
Belag: dünn
Dünn, schwach
Leber- und Nieren-Yin-Mangel (11.11.20) mit Leere-Hitze (13.7.5.e)Schwache Konstitution, altersbedingt oder erschöpfender Lebenswandel, gleichzeitig wird das Leber-Blut (gemeinsame Wurzel mit Nieren-Yin) geschwächt; ist Leber- und Nieren-Yin geschwächt, kommt es zu Leere-Hitze durch die mangelnde Kontrolle über das Yang; diese steigt hoch und verletzt die Luo-Gefäße der Nase mit NasenblutenSpärliches frisches, intermittierendes Nasenbluten, Mundtrockenheit, Schwindel, Tinnitus, Unruhe, Schlaflosigkeit, NachtschweißRot.
Belag: wenig
Dünn, schnell

Akupunktur bei Nasenbluten

  • Hauptpunkte: Di 4(Hegu) wirkt hämostyptisch im gesamten Bereich der Yangming-Meridiane; Du 23(Shangxing) entfernt Hitze aus dem Schädel- und Gesichtsbereich

  • Bl 7 (Tongtian): Besonders empfohlen bei Nasenbluten (vgl. Deadman 2000)

  • Weitere Punkte nach CM-Syndrom (siehe unten).

Wind-Hitze (und Trockenheit)
Therapieprinzipien Bei Wind-Hitze Wind und Hitze vertreiben, Blutung beenden, das Blut kühlen
Rezept: Sang Ju Yin (7.6.3.b) und zusätzlich Imperatae Rz. (Bai Mao Gen) und Moutan Cx. (Mu Dan Pi). Bei starker innerer Hitze evtl. auch Ma Xing Shi Gan Tang (7.6.3.b) und Variationen.
Akupunktur: Hauptpunkte: Di 4 (Hegu) und Du 23 (Shangxing); Lu 11 – B (Shaoshang) Mikroaderlass mit Dreikantnadel (5.1.6), um die Hitze aus dem Lungen-Meridian zu entfernen, sehr effektiv; Di 20 – (Yingxiang) klärt das Feuer des zugehörigen Meridians; Gb 20 – (Fengchi) vertreibt Wind; zusätzlich Du 14 – B (Dazhui) bei extremer Hitze Mikroaderlass; Bl 40 B (Weizhong) bei starkem Nasenbluten, klärt Blut-Hitze; SJ 5(Waiguan) vertreibt äußere pathogene Faktoren; bei hohem Fieber zusätzlich Di 11(Quchi); bei starkem Husten zusätzlich Lu 5(Chize).
Loderndes Magen-Feuer (11.6.4)
Therapieprinzipien Magen-Feuer klären, das Blut kühlen, Blutung beenden
Rezept: Qing Wei San (7.6.4.d) und Variationen. Yu Nü Jian (7.6.4.d) mit Austausch von Rehmanniae Rx. praep. (Shu Di Huang) durch Rehmanniae Rx. (Sheng Di Huang) und zusätzlich Rhei Rx. et Rz. (Da Huang), Gardeniae Fr. (Zhi Zi), Imperatae Rz. (Bai Mao Gen), Platycladi Cacumen (Ce Bai Ye).
Akupunktur: Hauptpunkte: Di 4 (Hegu) und Du 23 (Shangxing); Di 20 – (Yingxiang) klären Hitze vom Yangming-Meridian; Ma 45 – (Lidui), Ma 44(Neiting) klären Magen-Hitze, senken gegenläufiges Magen-Qi ab; Di 2 – (Erjian) klärt Hitze im Yangming-Meridian; zusätzlich Mi 1 – M (Yinbai) bei massivem Nasenbluten, beendet Blutungen.
Leber-Feuer (11.7.4) verletzt die Lunge (11.11.15)
Therapieprinzipien Leber-Feuer klären, das Blut kühlen, Blutung beenden
Rezept: Long Dan Xie Gan Tang (7.6.4.d) und zusätzlich Rubiae Rx. (Qian Cao Gen), Sophorae Fl. Immaturus (Huai Mi).
Akupunktur: Hauptpunkte: Di 4 (Hegu) und Du 23 (Shangxing); Le 2 – (Xingjian), Gb 20 – (Fengchi), Lu 5 – (Quize), Bl 40 – B (Weizhong), Gb 34 – (Yanglingquan), Le 1 (Dadun) beenden Blutungen.
Milz-Qi-Mangel (11.5.1), Milz kontrolliert Blut nicht (11.5.3)
Therapieprinzipien Milz stärken, Qi stärken, Blutungen beenden
Rezept: Variation von Gui Pi Tang (7.6.10.c) enthält: Atractylodis macrocephalae Rz. (Bai Zhu), Codonopsis Rx. (Dang Shen), Poria (Fu Ling), Astragali Rx. (Huang Qi), Glycyrrhizae Rx. (et Rz.), in Honig geröstet ([Zhi] Gan Cao), Angelicae sinensis Rx. (Dang Gui), Aucklandiae Rx. (Mu Xiang), Agrimoniae Hb. (Xian He Cao).
Akupunktur: Hauptpunkte: Di 4 (Hegu) und Du 23 (Shangxing); Bl 20 + M (Pishu), Ma 36 + M (Zusanli), Du 20 M (Baihui), Ren 6 + M (Qihai) stärken Milz-Qi, Mi 1 M (Yinbai) beendet Blutungen.
Leber- und Nieren-Yin-Mangel (11.11.20) mit Leere-Hitze
Therapieprinzipien Leber- und Nieren-Yin nähren, Leere-Hitze klären, Blutung beenden
Rezept: Variation von Zhi Bai Di Huang Wan (7.6.10.d) enthält: Phellodendri Cx. (Huang Bai), Anemarrhenae Rz. (Zhi Mu), Rehmanniae Rx. praep. (Shu Di Huang), Corni Fr. (Shan Zhu Yu), Dioscoreae Rz. (Shan Yao), Poria (Fu Ling), Alismatis Rz. (Ze Xie), Moutan Cx. (Mu Dan Pi), Ecliptae Hb. (Han Lian Cao), Asini Corii Colla (E Jiao).
Akupunktur: Hauptpunkte: Di 4 (Hegu) und Du 23 (Shangxing); Bl 58 N (Feiyang), Ni 3 + N (Taixi), Le 3 – (Taichong) stärken Nieren-Yin und besänftigen Leber-Feuer, beide in Kombination mit Bl 7 – (Tongtian) bewährt bei Nasenbluten; Ni 1 M (Yongquan) zusätzlich bei schwerem Verlauf.
Weitere Therapiemöglichkeiten
  • Ohrakupunktur (5.7.1): OP 16 (Innere Nase), OP 101 (Lunge), OP 87 (Magen), OP 13 (Nebenniere), OP 33 (Stirn). Anwendung: Nadeln mit mäßiger Stimulation setzen, 20–30 min belassen, 1-mal tägl.

  • Handakupunktur (Plus im Web vorderer Buchumschlag): Nasenbluten HP 18, in Akutfällen stark ableitend 3–5 min

  • Pflaumenblütenhämmerchen: Bei chronischem Nasenbluten Nase und seitliche Nacken- und Sakralregion alternierend mit seitlicher BWS- und Nackenregion beklopfen (auf positive Reaktionszonen [5.1.6] achten); zum Beenden der akuten Blutungen: Du 20, Gb 20, Di 20, Pe 6 mit starkem Reiz beklopfen

  • Hämostatischer Puder: Wattebausch mit Puder aus Notoginseng Rx. (San Qi [7.1.11.b]) bestäuben und in die Nase einführen, dann vorsichtig mit Zeigefinger und Daumen die Nasenweichteile komprimieren

  • Sonstiges: Äußerliche Behandlung mit kalten Kompressen (z.B. Eisbeutel) an der Nase, Stirn oder Du 15 (Yamen, bester Punkt). Bei rezidivierendem Nasenbluten mit nur wenig Blut (meist Verletzung der Blutgefäße durch Mangel-Hitze): Puder von Evodiae Fr. (Wu Zhu Yu [7.1.12]) auf Ni 1 (Yongquan) oder zerstoßene Knoblauchpaste auf Ni 1 (cave: Nicht länger als 1–2 h belassen) oder Waschen der Füße mit sehr heißem Wasser.

Rhinitis und Sinusitis

In diesem Abschnitt werden folgende Erkrankungen besprochen: Akuter oder chronischer Fließschnupfen, nach CM unter laufender Nase (Bi Liu Ti) (13.7.6.a), Sinusitis (Bi You) und/oder nasale Obstruktion (Bi Se) (13.7.6.b) sowie Nasentrockenheit (z.B. atrophische Rhinitis), nach CM unter trockene Nase (Bi Gan) (13.7.6.c). Die allergische Rhinitis, d.h. die saisonale und perenniale Form (SAR und PAR), sowie die wichtigsten Syndrombilder der Sinusitis werden im Allergiekapitel abgehandelt (13.9.1, 13.9.2, 13.9.8).
Leitsymptom: Fließschnupfen (Bi Liu Ti)

Syndrom-Differenzierung bei Fließschnupfen (Bi Liu Ti)

Tab. 13.44
Syndrom Pathomechanismus Symptome Zunge Puls
Wind-Kälte (11.3.4) (S. 1224) In den Körper eindringende Wind-Kälte beeinträchtigt die Lungen-Absenkungs- und Verteilungsfunktion von Qi und Körperflüssigkeiten, v.a. die Nase als Öffner der Lunge ist betroffen mit Folgen von Nasenobstruktion und Fließschnupfen Akuter Fließschnupfen mit weißem, wässrigem Sekret (oder abwechselnd Nasenobstruktion), Niesreiz, Nasenschleimhautschwellung, Kopfschmerz, Kälteaversion, evtl. Fieber, Husten mit weißem wässrigem Auswurf, Gliederschmerzen Belag: dünn, weiß Oberflächlich, straff gespannt
Wind-Hitze (11.3.5) (S. 1225) V.a. über Mund/Nase eindringende Wind-Hitze beeinträchtigt die Lungen-Funktionen (Absenken und Verteilen), wodurch Wind-Hitze in der Nase verbleibt; der Qi- und Blutfluss wird behindert mit Nasenobstruktion und Fließschnupfen Akuter Fließschnupfen mit viel dickem, gelblichem Nasensekret (oder abwechselnd Nasenobstruktion), Nasenschleimhautschwellung, Kopfschmerz, Fieber, Halsentzündung, Husten mit dickem gelbem Auswurf, Durst Belag: dünn, gelb Oberflächlich, schnell
Feuchte-Hitze in Milz und Magen (S. 1225) Diätfehler mit Alkoholabusus, fettigen, schleimbildenden Nahrungsmitteln etc. mit nachfolgender Schädigung der Mitte und Ansammlungen von Feuchter-Hitze, die entlang der Yangming-Meridiane nach oben steigt und sich in der Nasenregion festsetzt Chron. Fließschnupfen mit viel gelblichem, trübem Sekret (oft fischig riechend), evtl. mit Nasensekret im Rachen, starke Nasenobstruktion und Geruchsminderung, Kopfschmerzen mit Schweregefühl, abdominale Völle, bitterer und klebriger Mundgeschmack, mag nicht trinken, konzentrierter Urin Rot.
Belag: klebrig, gelb
Schlüpfrig, schnell oder sanft, schnell
Qi-Mangel (S. 1225) Diätfehler, aufzehrende Lebensweise etc. schwächen die Milz und führen zu einem Qi-Mangel Chron. Fließschnupfen mit klarem, wässrigem Sekret, in langwierigen Fällen auch weißlich und schlecht riechend, Nasenobstruktion bzw. verstärkter Fließschnupfen bei Kälte-Einfluss, Kurzatmigkeit, mag nicht sprechen, Erschöpfung, Schwäche, evtl. abdominale Völle, breiige Stühle Blass, evtl. vergrößert mit Zahneindrücken.
Belag: weiß
Langsam, schwach
Wind-Kälte (11.3.4)
Therapieprinzipien Das Äußere befreien, Wind vertreiben und Kälte zerstreuen
Rezept: Variation von Xin Yi San enthält: Magnoliae Fl. (Xin Yi Hua), Asari Rx. et Rz. (Xi Xin), Ligustici Rz. (et Rx.) (Gao Ben), Cimicifugae Rz. (Sheng Ma), Chuanxiong Rz. (Chuan Xiong), Saposhnikoviae Rx. (Fang Feng), Notopterygii Rz. seu Rx. (Qiang Huo), Angelicae dahuricae Rx. (Bai Zhi), Glycyrrhizae Rx. (et Rz.), in Honig geröstet ([Zhi] Gan Cao). Variation von Cang Er Zi San (7.6.3.a) enthält: Ephedrae Hb. (Ma Huang), Schizonepetae Hb. (Jing Jie), Xanthii Fr. (Cang Er Zi), Magnoliae Fl. (Xin Yi Hua), Pogostemonis Hb. (Guang Huo Xiang), Angelicae dahuricae Rx. (Bai Zhi), Asari Rx. et Rz. (Xi Xin).
Akupunktur: Lokalpunkte v.a. Di 20 (Yingxiang), Ex-HN 8 (Shangyingxiang), Ex-HN 3 (Yintang), Bl 2 (Zanzhu) befreien Nase und Nebenhöhlen; zusätzlich Gb 20 – N (Fengchi, Du 23 – N (Shangxing) vertreiben Wind vom Kopf; Du 23 (Shangxing) v.a. von der Nase, beendet Fließschnupfen; Di 4 (Hegu), Bl 12 – N S (Fengmen), Bl 13 – N S (Feishu), Lu 7 – N (Lieque) vertreiben äußere Patogene.
Wind-Hitze (11.3.5)
Therapieprinzipien Wind vertreiben, Hitze klären und die Nasenwege öffnen
Rezept: Cang Er Zi San (7.6.3.a) und zusätzlich Scutellariae Rx. (Huang Qin), Chrysanthemi Fl. (Ju Hua), Forsythiae Fr. (Lian Qiao) und Puerariae Rx. (labatae) (Ge Gen). Modifikationen: Bei schwergradigen Kopfschmerzen im Bereich von Sinus frontalis/maxillaris Dosis von Angelicae dahuricae Rx. (Bai Zhi) erhöhen und zusätzlich Viticis Rx. (Man Jing Zi) hinzufügen. Bei seitlichen Kopfschmerzen (im Shaoyang-Bereich) zusätzlich Bupleuri Rx. (Chai Hu,), dies ggf. durch Toosendan Fr. (Chuan Lian Zi) ersetzen. Bei Husten mit viel Schleimsekret zusätzlich Armeniacae Sm. (Xing Ren), Platycodi Rx. (Jie Geng), Trichosanthis Sm. (Gua Lou Ren), Benincasae Sm. (Dong Gua Ren). Bei Entwicklung von eitrigem nasalem Sekret zusätzlich Lonicerae Fl. (Jin Yin Hua), Houttuyniae Hb. (Yu Xing Cao). Bei bereits vorbestehender Schleim-Feuchtigkeit zusätzlich Pinelliae Rz. praep. (Ban Xia), Poria (Fu Ling), Citri reticulatae Pericarpium (Chen Pi).
Akupunktur: Lokalpunkte wie Di 20 (Yingxiang), Ex-HN 8 (Shangyingxiang), Ex-HN 3 (Yintang), Bl 2 (Zanzhu) befreien Nase und Nebenhöhlen, zusätzlich: Di 4 – (Hegu), Di 11 – (Quchi); Lu 7 (Lieque), SJ 5 (Waiguan) vertreiben Wind und klären Hitze; Lu 5 (Chize), Lu 10 (Yuji) klären Hitze.
Feuchte-Hitze in Milz und Magen
Therapieprinzipien Hitze klären, Feuchtigkeit beseitigen und die Nasenwege öffnen
Rezept: Bei Überwiegen der Feuchtigkeit: Variation von Jia Wei Si Ling San enthält: Poria (Fu Ling), Polyporus (Zhu Ling), Alismatis Rz. (Ze Xie), Atractylodis macrocephalae Rz. (Bai Zhu), Magnoliae officinalis Cx. (Hou Po), Citri reticulatae Pericarpium (Chen Pi), Pogostemonis Hb. (Guang Huo Xiang), Xanthii Fr. (Cang Er Zi). Bei Überwiegen der Hitze: Variation von Huang Qin Hua Shi Tang enthält: Scutellariae Rx. (Huang Qin), Talcum (Hua Shi), Amomi Fr. rotundus (Bai Dou Kou), Arecae Pericarpium (Da Fu Pi), Polyporus (Zhu Ling), Poria (Fu Ling), Houttuyniae Hb. (Yu Xing Cao), Pogostemonis Hb. (Guang Huo Xiang), Xanthii Fr. (Cang Er Zi).
Akupunktur: Lokalpunkte wie Di 20 (Yingxiang), Ex-HN 8 (Shangyingxiang), Ex-HN 3 (Yintang), Bl 2 (Zanzhu), Di 19 (Kouheliao) befreien die Nase, zusätzlich: Mi 9 (Yinlingquan), Ma 41 (Jiexi), Ma 44 (Neiting) klären und beseitigen Feuchte-Hitze in Magen und Milz.
Qi-Mangel
Therapieprinzipien Lunge stärken und das Äußere konsolidieren, Milz und Qi stärken
Rezept: Bei prädominantem Lungen-Qi-Mangel: Yu Ping Feng San (7.6.13) in Kombination mit Cang Er Zi San (7.6.3.a). Bei prädominantem Milz-Qi-Mangel: Bu Zhong Yi Qi Tang (7.6.10.a) und zusätzlich Xanthii Fr. (Cang Er Zi), Magnoliae Fl. (Xin Yi Hua).
Akupunktur: Lokalpunkte wie Di 20 (Yingxiang), Ex-HN 8 (Shangyingxiang), Ex-HN 3 (Yintang), Bl 2 (Zanzhu) befreien Nase und Nebenhöhlen, zusätzlich: Du 20 (Baihui), Du 23 (Shangxing) mit starker Moxibustion wärmen, heben Qi an und öffnen die Nasenwege; Ma 36 (Zusanli), Lu 9 (Taiyuan), Di 4 (Hegu) stärken das Qi und sichern das Äußere.
Sinusitis (Bi You) und nasale Obstruktion (Bi Se)
Das Krankheitsbild der Sinusitis entspricht in der CM der Beschreibung von tiefer Teich in der Nase (Bi Yuan). Leitsymptom dieses Krankheitsbildes ist das eitrige und faulig riechende Nasensekret, daneben die nasale Obstruktion (Bi Se), Kopfschmerzen und Niesreiz. Aus Sicht der CM handelt es sich um eine Einstauung von Säften im Bereich der Nasennebenhöhlen, die zur Bildung von Schleim führt. Das Krankheitsbild der Sinusitis wird zusätzlich im Allergiekapitel abgehandelt (13.9.9), in dem die wichtigsten chinesischen Syndrome dargestellt werden: Wind-Kälte mit Schleim, Wind-Hitze mit Schleim, Leber- und Gallenblasen-Hitze und -Feuer und Feuchte-Hitze in Milz und Magen. Die nachfolgende differenzialdiagnostische Tabelle (Tab. 13.45) gibt einen Überblick über zusätzliche Syndrome bei akuter bzw. chronischer Sinusitis (Bi You) und nasaler Obstruktion (Bi Se).

Arzneitherapie (Basisrezepturen bei nasalen Stauungen, Obstruktionen, Sinusitis)

  • Cang Er Zi San (7.6.3.a). Modifikationen: Bei Zeichen von starker Hitze zusätzlich Mori Cx. (Sang Bai Pi), Scutellariae Rx. (Huang Qin). Bei viel eitrigem Nasensekret (mit Zeichen von Toxinbildung) zusätzlich Lonicerae Fl. (Jin Yin Hua). Zur Behandlung von Schleim zusätzlich Er Chen Tang (7.6.16.a)

  • Die äußere Symptomatik ist abgeklungen, es besteht aber weiterhin eine Schleimsymptomatik: mit Er Chen Tang (7.6.16.a) allein weiterbehandeln, um Restschleim zu beseitigen

  • Häufig verwendete Arzneimittel: Angelicae dahuricae Rx. (Bai Zhi), Magnoliae Fl. (Xin Yi Hua), Xanthii Fr. (Cang Er Zi), Pinelliae Rz. praep. (Ban Xia), Platycodi Rx. (Jie Geng), Plantaginis Sm. (Che Qian Zi), Coicis Sm. (Yi Yi Ren), Scutellariae Rx. (Huang Qin), Gypsum fibrosum (Shi Gao), Houttuyniae Hb. (Yu Xing Cao), Asari Rx. et Rz. (Xi Xin), Chuanxiong Rz. (Chuan Xiong)

  • Bei langwierigen Krankheitsverläufen muss nach Abklingen der akuten Symptome die Konstitution gestärkt werden (13.9.10)

  • Pulver zum (äußerlichen) Schnupfen: Bing Lian San enthält: Coptidis Rz. (Huang Lian), Magnoliae Fl. (Xin Yi Hua), Borneolum (Bing Pian).

Akupunktur

  • Lokalpunkte: Hauptpunkte: Di 20 (Kouheliao), Ex-HN 8 (Shangyingxiang), Ex-HN 3 (Yintang), Bl 2 (Zanzhu) befreien Nase und Nebenhöhlen. Zusatzpunkt nach Druckdolenz: Du 25 (Sulioao, Lokalisation: An der Nasenspitze); Sinusitis maxillaris: Ex-HN 4 (Yuyao), Ma 2 (Sibai), Ma 3 (Juliao), Dü 18 (Quanliao); Sinusitis frontalis: Gb 14 (Yangbai), Ex-HN 4 (Yuyao), Bl 2 (Zanzhu)

  • Regionalpunkte: Wenn druckdolent: Du 23, Du 24, Bl 7, Bl 10, Gb 20

  • Fernpunkte: Di 4 (Hegu) zerstreut Wind, stabilisiert Abwehr-Wei-Qi; Di 11 (Quchi) leitet Wind, Hitze und Feuchtigkeit aus; Gb 20 (Fengchi) zerstreut Wind, kühlt Hitze; Lu 7 (Lieque) zerstreut Wind, verteilt Abwehr-Wei-Qi; Ma 40 (Fenglong) wandelt Schleim um; Ex-HN 8 (Bitong) öffnet die Nase; Gb 14 (Yangbai) zerstreut Wind; Le 2 (Xingjian) leitet Feuer aus; Ma 44 (Neiting) leitet Feuchte-Hitze aus; Ma 44 (Neiting) leitet Magen-Feuer ab

  • Bei Therapieresistenz: Elektrostimulation (5.1.2) einsetzen, z.B. an Di 4, Di 20, Bl 2

  • Bei starker Kopfschmerzsymptomatik (v.a. bei Sinusitis frontalis und maxillaris) zusätzlich Punkte nach Meridianbezug (Kopfschmerzen 13.11.3; Tab. 13.116) nadeln.

Wind-Kälte (mit Schleim) (Therapie 13.9.9)
Wind-Hitze (mit Schleim) (Therapie 13.9.9)
Feuchte-Hitze in Milz und Magen (Therapie 11.5.6, 13.9.9)
Leber- und Gallenblasen-Hitze und -Feuer
Therapieprinzipien Leber- und Gallenblasen-Hitze und -Feuer klären und ausleiten, Feuchte-Hitze aus Leber und Gallenblase beseitigen, Toxine beseitigen und die Nasenwege öffnen
Rezept: Long Dan Bi Yuan Fang enthält: Gentianae Rx. (et Rz.) (Long Dan Cao), Scutellariae Rx. (Huang Qin), Prunella Spica (Xia Ku Cao), Houttuyniae Hb. (Yu Xing Cao), Chrysanthemi Fl. (Ju Hua), Angelicae dahuricae Rx. (Bai Zhi), Xanthii Fr. (Cang Er Zi), Agastaches Hb. (Tu Huo Xiang), Coicis Sm. (Yi Yi Ren), Plantaginis Sm. (Che Qian Zi), Platycodi Rx. (Jie Geng). Variation von Long Dan Xie Gan Tang (7.6.4.d) enthält: Gentianae scabrae Rx. (et Rz.) (Long Dan Cao), Scutellariae Rx. (Huang Qin), Gardeniae Fr. (Zhi Zi), Alismatis Rz. (Ze Xie), Rehmanniae Rx. (Sheng Di Huang), Plantaginis Sm. (Che Qian Zi), Lonicerae Fl. (Jin Yin Hua), Magnoliae Fl. (Xin Yi Hua), Taraxaci Hb. (Pu Gong Ying), Houttuyniae Hb. (Yu Xing Cao). Bei einer chronischen Leber-Qi-Stauung mit Entwicklung von Stagnations-Hitze auch Varation von Dan Zhi Xiao Yao San, um das Leber-Qi zu bewegen, Hitze zu klären und die Nasenwege zu öffnen, enthält: Bupleuri Rx. (Chai Hu), Paeoniae Rx. alba (Bai Shao), Poria (Fu Ling), Gardeniae Fr. (Zhi Zi), Angelicae sinensis Rx. (Dang Gui), Angelicae dahuricae Rx. (Bai Zhi), Viticis Fr. (Man Jing Zi), Chrysanthemi Fl. (Ju Hua), Moutan Cx. (Mu Dan Pi), Chuanxiong Rz. (Chuan Xiong), Menthae haplocalycis Hb. (Bo He). Modifikationen: Bei schwergradiger Nasenobstruktion zusätzlich Xanthii Fr. (Cang Er Zi), Magnoliae Fl. (Xin Yi Hua).
Akupunktur: Lokal-/Regionalpunkte v.a. Ex-HN 8 (Shangyingxiang), Di 20 (Yingxiang) sowie Gb 15 – (Toulinqi) klären lokal den Gallenblasen-Meridian, beeinflussen Augen und Nebenhöhlen; Du 23 (Shangxing) leitet Wind-Hitze aus, macht die Nase durchgängig; evtl. Ex-HN 3 (Yintang) mit Mikroaderlass mit Dreikantnadel (5.1.6), v.a. bei Sinusitis frontalis. Fernpunkte: Gb 43 – (Xiaxi), Le 2 – (Xingjian) klären Leber- und Gallenblasenfeuer; Di 4 – (Hegu), Lu 7 – (Lieque) fördern Lungen-Qi-Absenkungsfunktion.
Eingeschnürte Hitze im Lungen-Meridian
Therapieprinzipien Wind vertreiben, Hitze klären, Eiter drainieren und abfließen lassen und die Nasenwege öffnen
Rezept: Cang Er Zi San (7.6.3.a) und zusätzlich Houttuyniae Hb. (Yu Xing Cao), Scutellariae Rx. (Huang Qin), Platycodi Rx. (Jie Geng).
Akupunktur: Di 20 (Yingxiang), Ex-HN 8 (Shangyingxiang), Ex-HN 3 (Yintang), Bl 2 (Zanzhu) befreien Nase und Nebenhöhlen; Lu 1 (Zhongfu), Bl 13 (Feishu), Lu 5 (Chize) leiten Hitze (und Schleim) von der Lunge ab; Di 4 (Hegu) und Lu 7 (Lieque) vertreiben Wind und klären Hitze.
Lungen- und Milz-Qi-Mangel (11.11.12)
Therapieprinzipien Lungen- und Milz-Qi stärken und die Nasenwege öffnen
Rezept:
  • Bei überwiegendem Lungen-Qi-Mangel: Variation von Wen Fei Zhi Liu Dan enthält: Astragali Rx. (Huang Qi), Atractylodis macrocephalae Rz. (Bai Zhu), Ginseng Rx. (Ren Shen) oder Codonopsis Rx. (Dang Shen), Schizonepetae Hb. (Jing Jie), Platycodi Rx. (Jie Geng), Chebulae Fr. (He Zi), Schizandrae Fr. (Wu Wei Zi), Asari Rx. et Rz. (Xi Xin), Glycyrrhizae Rx. (et Rz.) (Gan Cao). Modifikationen: Bei Erkältungsanfälligkeit und Spontanschweiß die Dosis von Astragali Hb. (Huang Qi) verdoppeln. Bei Kopfschmerzen und Schwindel zusätzlich Chuanxiong Rz. (Chuan Xiong), Ligustici Rz. (et Rx.) (Gao Ben). Bei starker nasaler Obstruktion Chebulae Fr. (He Zi) und Schizandrae Fr. (Wu Wei Zi) entfernen und zwei oder drei der folgenden Arzneien hinzufügen: Acori tatarinowii Rz. (Shi Chang Pu), Magnoliae Fl. (Xin Yi Hua), Xanthii Fr. (Cang Er Zi), Angelicae dahuricae Rx. (Bai Zhi), Cinnamomi Ra. (Gui Zhi). Bei kontinuierlichem, wässrigem Nasensekret zusätzlich ein oder zwei der folgenden Arzneien: Fossilia Ossis Mastodi (Long Gu), Rosae laevigatae Fr. (Jin Ying Zi), Tritici Fr. levis (Fu Xiao Mai). Bei Zeichen von Hitze oder Feuchte-Hitze zusätzlich Coptidis Rz. (Huang Lian), Plantaginis Sm. (Che Qian Zi)

  • Bei Patienten mit Lungen-Qi-Mangel mit akuter Verschlimmerung der Symptomatik oder wenn die obige Rezeptur nicht greift, sollte man für kurze Zeit eine mehr zerstreuende Rezeptur einsetzen wie z.B. Wen Fei Tang enthält: Astragali Rx. (Huang Qi), Puerariae Rx. (labatae) (Ge Gen), Notopterygii Rz. seu Rx. (Qiang Huo), Saposhnikoviae Rx. (Fang Feng), Ephedrae Hb. (Ma Huang), Cimicifugae Rz. (Sheng Ma), Allii sativii Bb. (Cong Bai), Caryophylli Fl. (Ding Xiang), Glycyrrhizae Rx. (et Rz.) (Gan Cao)

  • Bei überwiegendem Milz-Qi-Mangel mit Milz-Schwächezeichen (weiche Stühle etc.) auch Shen Ling Bai Zhu San (7.6.10.a) und zusätzlich Acori tatarinowii Rz. (Shi Chang Pu). Modifikationen: Bei sehr viel klebrigem, weißem und persistierendem Schleim zusätzlich Pinelliae Rz. praep. (Ban Xia), Citri reticulatae Pericarpium (Chen Pi); oder Rezeptur Liu Jun Zi Tang (7.6.10.a). Bei Schleim-Hitze bzw. bei sehr starker Nasenobstruktion oder wenn Provokation durch Nahrungsmittel zusätzlich zwei oder drei der folgenden Arzneien: Agastaches Hb. (Tu Huo Xiang), Prunellae Spica (Xia Ku Cao), Xanthii Fr. (Cang Er Zi), Magnoliae Fl. (Xin Yi Hua). Einsatz von Bu Zhong Yi Qi Tang (7.6.10.a) und zusätzlich Atractylodis Rz. (Cang Zhu), Alismatis Rz. (Ze Xie), Bupleuri Rx. (Chai Hu), Puerariae Rx. (labatae) (Ge Gen), Acori tatarinowii Rz. (Shi Chang Pu), Polygalae Rx. (Yuan Zhi).

Akupunktur: Lokalpunkte wie Ex-HN 3 (Yintang), Ex-HN 8 (Shangyingxiang), Di 20 (Yingxiang). Fernpunkte: Lu 9 + (Taiyuan), Bl 13 + (Feishu) stärken Lungen-Qi; Ma 36 + (Zusanli), Mi 3 + (Taibai), Bl 20 + (Pishu) stärken Milz-Qi; Du 12 + (Shenzhu) stärkt Lungen-Qi, bewährt in chronischen Fällen; Ren 6 + M (Qihai) stärkt Qi allgemein.
Qi-Stagnation und Blut-Stase
Therapieprinzipien Qi- und Blut-Zirkulation fördern, Stagnation beseitigen, Stase transformieren und die Nasenwege öffnen
Rezept: Variation von Tong Qiao Huo Xue Tang enthält: Paeoniae Rx. rubra (Chi Shao), Chuanxiong Rz. (Chuan Xiong), Persicae Sm. (Tao Ren), Carthami Fl. (Hong Hua), Asari Rx. et Rz. (Xi Xin), Magnoliae Fl. (Xin Yi Hua), Xanthii Fr. (Cang Er Zi), Acori tatarinowii Rz. (Shi Chang Pu). Xue Fu Zhu Yu Tang (7.6.12.a) und zusätzlich je nach Symptomatik (z.B. sehr gelber Schleim bzw. Eiter) Phragmitis Rz. (Lu Gen). Bei gleichzeitiger Hitze, Schleim und Blut-Stase auch Wei Jing Tang enthält: Phragmitis Caulis (Wei Jing), Coicis Sm. (Yi Yi Ren), Benincasae Sm. (Dong Gua Zi), Persicae Sm. (Tao Ren).
Akupunktur: Lokalpunkte v.a. Ex-HN 3 (Yintang), Di 20 (Yingxiang), Ex-HN 8 (Shangyingxiang). Fernpunkte: Di 4 – (Hegu) befreit die Nase; Mi 10 – (Xuehai), Bl 17 – (Geshu), Bl 18 – (Ganshu), Le 3 – (Taichong), Gb 34 – (Yanglingquan) bewegen Qi und Blut.
Nasentrockenheit (Bi Gan)
Das chinesische Bild der trockenen Nase (Bi Gan) entspricht am ehesten Erkrankungsbildern wie z.B. atrophische Rhinitis.

Syndrom-Differenzierung bei Nasentrockenheit (Bi Gan)

Tab. 13.46
SyndromSymptomeZungePuls
Aufflammende Hitze im Lungen-Meridian (S. 1233)Nasentrockenheit, brennender Wundschmerz, leichtes Nasenjucken mit Schleimhautschwellungen und -erosionen, Mund- und Rachentrockenheit, Husten mit wenig Schleim; in schweren Fällen Fieber, Kopfschmerzen, Krankheitsgefühl, trockene Stühle, konzentrierter UrinRot.
Belag: dünn, gelb
Oberflächlich und schnell, saitenförmig und schnell
Pathogen Trockenheit schädigt die Lunge (S. 1233)Nasentrockenheit, nasale Obstruktion, juckende Nase, evtl. Hyposmie, trockener Husten ohne oder mit wenig zähem Sekret, Durst und Lippentrockenheit, Fieber, KopfschmerzenEvtl. rot.
Belag: dünn, trocken
Oberflächlich, dünn, schnell
Loderndes Magen-Feuer (S. 1234)Nasentrockenheit mit brennenden Schmerzen in der Nase, evtl. Nasenbluten, Mund- und Rachentrockenheit, Durst mit Verlangen nach kalten Getränken, nagender, unstillbarer Hunger, Mundgeruch, Obstipation mit trockenen Stühlen, wenig konzentrierter UrinRot.
Belag: gelb
Schlüpfrig, schnell
Lungen-Yin-Mangel (11.3.2) (S. 1234)Nasen- und Rachentrockenheit, trockene gerötete Nasenschleimhaut mit Borken, reduziertes Nasensekret, evtl. Hyposmie, Husten mit zähem Sekret, Halskratzen, abendliche Temperaturerhöhung, Nachtschweiß, Hitze der fünf ZentrenRot, belaglosDünn, schnell
Lungen- und Milz-Qi-Mangel (S. 1234)Nasentrockenheit und -jucken, schorfige Schleimhaut, Blässe, Erschöpfung, Kurzatmigkeit, Spontanschweiß, abdominale Völle, breiige StühleBlass.
Belag: dünn
Dünn, schwach
Aufflammende Hitze im Lungen-Meridian
Therapieprinzipien Hitze klären und die Lunge in ihrer Verteilungsfunktion unterstützen
Rezept: Variation von Qing Zao Jiu Fei Tang enthält: Mori Fo. (Sang Ye), Asini Corii Colla (E Jiao), Ophiopogonis Rx. (Mai Men Dong), Armeniacae Sm. (Xing Ren), Eriobotryae Fo. (Pi Pa Ye), Anemarrhenae Rz. (Zhi Mu), Glehniae Rx. (Bei Sha Shen).
Akupunktur: Lokalpunkte Di 20 (Yingxiang) und Di 19 (Kouheliao) befreien die Yangming-Meridiane von Hitze-Toxinen sowie Ex-HN 8 (Shangyingxiang), Ex-HN 3 (Yintang), Bl 2 (Zunzhu), Di 19 (Kouheliao) befreien Nase und Nebenhöhlen, zusätzlich: Lu 1 (Zhongfu), Lu 5 (Chize), Bl 13 (Feishu) klären Lungen-Hitze; Di 4 (Hegu) klärt Hitze und befreit mit Di 20 (Yingxiang) die Nase.
Pathogen Trockenheit schädigt die Lunge
Therapieprinzipien Lunge klären und Trockenheit befeuchten
Rezept: Sang Xing Tang (7.6.7).
Akupunktur: Lokalpunkte Di 20 und Di 19 klären Hitze und befeuchten Trockenheit sowie Ex-HN 8 (Shangyingxiang), Ex-HN 3 (Yintang), Bl 2 befreien Nase, zusätzlich: Lu 5 (Chize), Bl 13 (Feishu) klären von Lungen-Hitze; Mi 6 (Yinlingquan) nährt Yin.
Loderndes Magen-Feuer
Therapieprinzipien Magen-Feuer klären und ableiten
Rezept: Qing Wei San (7.6.4.d) und zusätzlich Rhei Rx. et Rz. (Da Huang), um die Hitze aus dem Verdauungstrakt abzuleiten.
Akupunktur: Lokalpunkte Di 20 (Yingxiang) und Di 19 (Kouheliao) klären Hitze; Ex-HN 8 (Shangyingxiang), Ex-HN 3 (Yintang), Bl 2 (Zanzhu) befreien Nase, zusätzlich: Ma 44 (Neiting), Ren 12 (Zhongwan) klären Magen-Hitze, Ma 25 (Tianshu), Ma 37 (Shangjuxu) fördern die Stuhlentleerung, um Hitze abzuleiten.
Lungen-Yin-Mangel (11.3.2)
Die Steigerung dieses Syndroms wäre ein Lungen- und Nieren-Yin-Mangel (Lunge als obere Quelle des Wassers, Niere als untere Quelle des Wassers) (11.11.3) mit zusätzlichen Zeichen eines Nieren-Yin-Mangels.
Therapieprinzipien Lungen- und evtl. Nieren-Yin stärken, Trockenheit befeuchten
Rezept: Bai He Gu Jin Tang (7.6.7)
Akupunktur: Lokalpunkte v.a. Ex-HN 3 (Yintang), Ex-HN 8 (Shangyingxiang), Di 20 (Yingxiang), Bl 2 (Zanzhu), zusätzlich: Lu 7 (Lieque), Bl 13 (Feishu) nähren das Lungen-Yin, unterstützen die Verteilungsfunktion und befeuchten Trockenheit; Mi 9 (Yinlingquan) bei stärkender Nadeltechnik unterstützt als Wasserpunkt des Erd-Meridians das Yin des Metalls (Lunge, Mutter-Sohn-Beziehung); bei Nieren-Yin-Mangel zusätzlich Ni 6 (Zhaohai) nährt Nieren-Yin.
Lungen- und Milz-Qi-Mangel
Therapieprinzipien Qi und die Mitte stärken, Lunge stärken
Rezept: Bu Zhong Yi Qi Tang (7.6.10.a)
Akupunktur: Lokalpunkte v.a. Di 20 (Yingxiang), Du 23 (Shangxing) bewegen Qi und Blut lokal, um Trockenheit zu befeuchten, Moxa an Du 23 (Shangxing), zusätzlich: Lu 9 (Taiyuan), Ma 36 (Zusanli), Mi 3 (Taibai) stärken Lunge und Milz.

Otitis media

Otitis media wird nach CM unter Ohrenschmerzen (Er Tong) und eitriger Otorrhö (Er Nei Liu Tong) eingeordnet. Eitrige Otorrhö bedeutet eine dünn- oder dickflüssige (eitrige, gelbliche oder auch grünliche) Absonderung aus dem Ohr. V.a. sind die Leber-, Gallenblasen- und Nieren-Meridiane beteiligt. Nach CM Einteilung in akut (Fülle-Typ: Seröse oder eitrige Form) oder chronisch (Mangel-Typ). Akupunktur adjuvant zu westlicher Behandlung (z.B. Antibiotikatherapie) möglich (v.a. Schmerzerleichterung, schnellere Heilung) durch lokale Qi- und Blut-Stagnation. Ohrenschmerzen und eitrige Otorrhö werden nachfolgend gemeinsam abgehandelt.

Syndrom-Differenzierung bei Ohrschmerzen und eitriger Otorrhö

Tab. 13.47
SyndromPathomechanismusSymptomeZungePuls
Aufsteigende Wind-Hitze, Wind-Hitze-Toxine (13.7.7.a)Äußere Wind-Hitze-Toxine dringen über Haut/Muskulatur ein und führen zu einer Blockade der (Ohr-)Luo-Gefäße mit Qi- und Blut-Stagnation; zusätzlich zur Stagnation kommt es durch die Hitze zu Gefäßverletzungen mit Ohrschmerzen und eitriger SekretionAkute Erkältungskrankheit mit verstopften Ohren und akuter Hörminderung, starke Ohrenschmerzen, das betroffene Ohr ist oft rot, heiß und schmerzhaft; eitriger, gelber Ausfluss bei Trommelfellperforation; evtl. Fieber, Kopfschmerzen, Halsschmerzen, DurstBelag: gelbSchnell
Leber- und Gallenblasen-Hitze-Toxine, Feuchte-Hitze in Leber- und Gallenblase (13.7.7.b)Äußere Hitze-Toxine und innere Feuchte-Hitze in Leber und Gallenblase führen zur Bildung von Hitze-Toxinen; Diätfehler mit einem Zuviel an hitzebildenden Nahrungsmitteln, die die Milz schädigen und zu Feuchte-Hitze führen sowie starke Emotionen können mitbeteiligt oder verursachend sein; über die Shaoyang-Meridiane (Gb und SJ) gelangen die Hitze-Toxine ins Ohr, blockieren und verletzen dort die Luo-Gefäße mit nachfolgend Ohrenschmerzen und eitriger OtorrhöIntensive, kaum tolerable Ohrenschmerzen, Rötung und Schwellung der Schleimhaut des Ohres, gerötetes Trommelfell, Hörminderung, Fieber, bitterer Mundgeschmack, Halstrockenheit, trockene Stühle oder Obstipation, dunkelgelber konzentrierter UrinRot.
Belag: gelb, klebrig
Saitenförmig, schnell
Qi- und Blut-Stase und -Blockade (13.7.7.c)Meist durch Leber- und Gallenblasen-Feuer, das nach oben aufflammt oder durch ein Ohrtrauma verursacht; wenn die Qi- und Blut-Stagnation die Luo-Gefäße im Ohr blockieren, kommt es zu SchmerzenOhrenschmerzen strahlen aus und sind kaum tolerabel; Zusatzsymptome wie z.B. Schwindel, TinnitusDunkelviolett bzw. gestaute UnterzungenvenenDünn, rau
Leber- und Nieren-Yin-Mangel mit aufflammender Leere-Hitze (13.7.7.d)Nieren-Yin-Mangel kann konstitutionell oder altersbedingt oder aufgrund eines erschöpfenden Lebensstils verursacht werden; Leere-Hitze flammt entlang des Nieren-Meridians nach oben und schädigt das Ohr; gleichzeitig können pathogene Faktoren leichter in das Ohr eindringen; das Ohrnetzgefäßwerk wird durch die (Leere-)Hitze verletzt mit schmutzig-eitriger OtorrhöKeine oder kaum Ohrenschmerzen, aber ständige, dickflüssige, schmutzig-stinkende Ohr-Sekretion in geringen Mengen; Hörminderung und zusätzliche Zeichen eines Leber- und Nieren-Yin-Mangels mit Leere-Hitze wie Tinnitus, Schwindel, HitzesensationenRot.
Belag: wenig
Dünn, schnell
Qi-Mangel (Milz-Qi-Mangel [11.5.1]) nicht fest (13.7.7.e)Nach Eindringen von äußeren pathogenen Faktoren oder einer inneren Verletzung durch Feuchte-Hitze kommt es zu Hitze-Toxinen, die eine Ruptur des Trommelfells verursachen und als Restzustand einen Schwächezustand bedingen; dieses Syndrom findet sich oft bei kleineren, bereits konstitutionell geschwächten KindernChron. bzw. ständige Sekretion einer dünnen, weißlichen bzw. grauweißlichen, geruchlosen Flüssigkeit, die aus dem Hörkanal läuft ohne Schmerzen oder Entzündungszeichen; zeigt sich typischerweise bei Kindern nach einer akuten Otitis media, die zu einer Trommelfellperforation geführt hat; mögliche Zusatzsymptome: blasse Gesichtsfarbe, Erschöpfung, weiche Stühle, AppetitmangelBelag: feucht, dünn, weißlichTief, schwach

Z.n. Antibiotikatherapie

Bei wiederholter Antibiotikatherapie bei rezidivierenden Infekten Schleim-Akkumulationen beachten. Deshalb nach antibiotischer Otitistherapie zurückbleibende Schleimbelastungen behandeln, z.B. mit Ma 40 (Fenglong) bzw. entsprechender Arzneitherapie wie Variationen von Er Chen Tang (7.6.16.a).

Hauptpunkte der Akupunktur

  • Lokalpunkte: Gb 2(Tinghui), SJ 21(Ermen) und Dü 19(Tinggong) alternierend: Fördern lokal die Ohrfunktionen, zusätzlich Punkte nach Syndrom (siehe unten)

  • Fernpunkte: SJ 3(Zhongzhu), SJ 5(Waiguan) vertreiben Wind, regulieren den San-Jiao-Meridian, SJ 17 (Yifeng), Gb 20(Fengchi) vertreiben Wind, unterstützen das Ohr

  • Ergänzung der Punktauswahl nach jeweiligem Syndrom (siehe unten).

Aufsteigende Wind-Hitze, Wind-Hitze-Toxine
Therapieprinzipien Wind beseitigen und Hitze klären, bei starken Ohrenschmerzen Toxine beseitigen und Schwellungen zerstreuen
Rezept: Bei akut beginnender Otitis (Anfangsstadium) in der Wei-Schicht (Wind-Hitze [12.2]) Variation von Yin Qiao San (7.6.3.b) enthält: Yin Qiao San (7.6.3.b) und zusätzlich Isatidis Rx. (Ban Lan Gen). Bei Otitis media mit starken Ohrenschmerzen auch sofort mit Pu Ji Xiao Du Yin einsteigen, enthält: Arctii Fr. (Niu Bang Zi), Lasiosphaera (Ma Bo), Isatidis Rx. (Ban Lan Gen), Scutellariae Rx. (Huang Qin), Coptidis Rz. (Huang Lian), Forsythiae Fr. (Lian Qiao), Menthae haplocalycis Hb. (Bo He), Scrophulariae Rx. (Xuan Shen), Bombyx batryticatus (Jiang Can), Platycodi Rx. (Jie Geng), Cimicifugae Rz. (Sheng Ma), Bupleuri Rx. (Chai Hu), Citri reticulatae Pericarpium (Chen Pi), Glycyrrhizae Rz. (et Rz.) (Gan Cao).
Akupunktur: Hauptpunkte Kasten oben, v.a. SJ 21 (Ermen), Dü 19 (Tinggong), Gb 20 (Fenchi), zusätzlich Di 4 (Hegu), SJ 5 (Waiguan), um Wind zu vertreiben und Hitze zu klären; bei starken Hitzezeichen auch Lu 11 (Shaoshang) bluten lassen, um Hitze zu klären und Toxine zu beseitigen; wenn bei Hitze-Zeichen die Hauptpunkte nicht ausreichen: Gb 40 – (Qiuxu), SJ 3 (Zhongzhu), SJ 1 – (Guanchong), Le 2 – (Xingjian) vertreiben Hitze vom Leber-, Gallenblasen- und San-Jiao-Meridian; bei Fieber Di 11 (Quchi), Du 14 (Dazhui); bei Kopfschmerz Ex-HN 5 (Taiyang) und Du 23 (Shangxing).
Leber- und Gallenblasen-Hitze-Toxine, Feuchte-Hitze in Leber und Gallenblase
Therapieprinzipien Hitze in Leber und Gallenblase klären und Feuer reduzieren, Feuchte-Hitze in Leber und Gallenblase klären
Rezept: Long Dan Xie Gan Tang (7.6.4.d) und zusätzlich Isatidis Rx. (Ban Lan Gen).
Akupunktur: V.a. zur Schmerzerleichterung Hauptpunkte Kasten oben, v.a. SJ 17 (Yifeng), SJ 21 (Ermen), zusätzlich Le 2 (Xingjian), Le 8 (Ququan), Gb 41 (Zulinqi) klären und beseitigen Feuchte-Hitze von Leber und Gallenblase; Gb 42 (Diwuhui) beseitigt Gallenblasen-Hitze. Zusatzpunkte: Di 4 – (Hegu), Du 14 – B (Dazhui), Di 11 – (Quchi) und Gb 12 – (Wangu) vertreiben Wind-Hitze und Hitze vom Gallenblasen-Meridian im Ohrbereich. Zusätzliche Feuchte-Hitze klärende Punkte wie Gb 34 – (Yanglingquan) beseitigt Feuchte-Hitze von Leber und Gallenblase; Le 13 – (Zhangmen) transformiert Feuchtigkeit; Mi 9 – (Yinlingquan) klärt Feuchte-Hitze, Ex-HN 5 (Taiyang) und Du 23 (Shangxing) bei Kopfschmerzen.
Qi- und Blut-Stase und -Blockade
Therapieprinzipien Hitze klären und Feuer ableiten, die Luo-Gefäße durchgängig machen und die Sinne befreien
Rezept: Long Dan Xie Gan Tang (7.6.4.d) und zusätzlich Qi- und Blutbeweger wie Toosendan Fr. (Chuan Lian Zi) und Corydalis Rz. (Yan Hu Suo).
Akupunktur: Hauptpunkte Kasten oben, v.a SJ 17 (Yifeng), Gb 2 (Tinghui) bewegen Qi und Blut im Ohrbereich; zusätzlich Gb 20 (Fengchi), Le 2 (Xingjan) klären Hitze in Leber und Gallenblase; Di 4 (Hegu), Mi 10 (Xuehai) bewegen Qi und Blut.
Leber- und Nieren-Yin-Mangel (11.11.20) mit aufflammender Leere-Hitze
Therapieprinzipien Leber- und Nieren-Yin stärken, Feuer ableiten, um Eiter zu eliminieren
Rezept: Zhi Bai Di Huang Wan (7.6.10.d) und zusätzlich Prunellae Spica (Xia Ku Cao) und Dioscoreae hypoglaucae Rz. (Bi Xie).
Akupunktur: Hauptpunkte Kasten oben, v.a. Dü 19 (Tinggong) und zusätzlich SJ 19 (Luxi) machen die Netzgefäße durchgängig und leiten Eiter ab; Fernpunkte Ni 3 (Taixi), Ren 4 (Guanyuan) nähren Nieren-Yin und leiten Leere-Hitze nach unten ab; Ni 7 (Fuliu) bei Durst und Unruhezuständen; Bl 23 + (Shenshu), Bl 18 + (Ganshu) stärken Leber- und Nieren-Yin.
Qi-Mangel (Milz-Qi-Mangel [11.5.1]) nicht fest
Mangel-Syndrom bei eitriger Otorrhö.
Therapieprinzipien Milz und Qi stärken, Qi festigen und sichern, die Bewegung im Ohr fördern, evtl. Feuchtigkeit und Schleim beseitigen
Rezept: Huang Qi Jian Zhong Tang (7.6.9) und Variationen, bei Milz-Qi-Mangel auch Variation von Sheng Ling Bai Zhu San (7.6.10.a), bei Schleimretention Variation von Er Chen Tang (7.6.16.a).
Akupunktur: Moxibustion an Fernpunkten anwenden; Hauptpunkte Kasten oben, v.a. SJ 17 (Yifeng), SJ 21 (Ermen) harmonisieren den Qi- und Blutfluss im Ohr und heben Qi an, um zu adstringieren; Ma 36 (Zusanli), Ren 6 (Qihai) unterstützen das prä- und postnatale Qi; Bl 20 (Pishu) und Bl 21 (Weishu) stärken die Mitte, um Qi und Blut zu produzieren.

Tinnitus und Schwerhörigkeit

Gertrude Kubiena
Tinnitus und Schwerhörigkeit sind die Crux jedes HNO-Arztes und Akupunkteurs. Jedoch hat sich nach den Erfahrungen der Verfasserin in vielen Jahren HNO-Praxis die chinesische Arzneitherapie als eine Domäne in der Therapie dieser Krankheitsbilder herausgestellt. Die Dokumentation von Patientenfällen zeigt, dass die meist multimorbide Erkrankten nach einiger Zeit einfach vergessen, dass sie jemals an Tinnitus gelitten haben. Daher die dringende Empfehlung an jeden akupunktierenden HNO-Arzt – v.a. im Hinblick auf die Tinnitus-/Schwerhörigkeitstherapie –, die chinesische Arzneitherapie zu erlernen, zu nutzen und – ganz wichtig: Zu dokumentieren.

Begriffsbestimmung Tinnitus

Als Tinnitus oder Ohrgeräusche werden alle ton- und geräuschartigen Schallempfindungen bezeichnet, die im Ohr wahrzunehmen sind. Wie für jedes Sinnesorgan gilt auch für das Ohr, dass jeder adäquate aber auch inadäquate Reiz nur Empfindungen auslösen kann, die der jeweiligen Sinnesmodalität entsprechen. Wie das Auge stets mit optischen, so reagiert das Ohr stets mit akustischen Sensationen auf jeden adäquaten und auch inadäquaten Reiz bzw. auf alle Schädigungen.
Tinnitus ist ein Symptom für eine Irritation des Sinnesorgans Ohr; die Ursachen dafür können neben allen Ohrerkrankungen auch außerhalb des Ohres gefunden werden.
Tinnitus und Schwerhörigkeit können sowohl isoliert als auch kombiniert auftreten. Die mannigfachen Ursachen in chinesischer und westlicher Medizin sind für beide Störungen gleich und werden sowohl in westlicher wie auch chinesischer Medizin nach der Ursache behandelt.
Pathogenese nach westlicher Medizin
  • Störungen des Hörsystems:

    • Gehörgang: Z.B. Fremdkörper, Zerumen, Otitis externa, Exostosen

    • Mittelohr: Z.B. Trommelfellriss, Tubenkatarrh, Otitis media

    • Innenohr: Z.B. Otosklerose, Labyrinthitis, Hydrops der Schnecke, Morbus Menire (13.7.9.e)

    • Hörnerv: Z.B. Akustikusneurinom, Neuritis, Migräne

    • Großhirn: Z.B. Tumoren, Meningitis, Enzephalitis

  • Störungen außerhalb des Ohrbereichs: Vegetative Dystonie, physisches Trauma und Schalltrauma, Hypotonie, Hypertonie, Intoxikation, Gefäßanomalien, Senium etc.

Die meisten Ohrgeräusche sind von Schwerhörigkeit – mit stärkster Ausprägung im gleichen Frequenzbereich wie der Tinnitus – begleitet. Dabei gilt:
  • Niedrigfrequente Ohrgeräusche (tiefere Töne) entstehen meist durch Störungen im Bereich des Gehörgangs oder des Mittelohrs und sind durch Beseitigung der Ursache zu bessern oder zu heilen

  • Hochfrequente Ohrgeräusche (hohe Töne) entstehen meist durch Störungen des Innenohres, der Hörnerven oder durch zentrale Störungen. Die konventionelle Behandlung besteht aus Gefäßerweiterung, der Gabe von Cortison, Vitaminen und Psychopharmaka; auch die akustische Vertäubung wird angewendet. Der Erfolg der Therapien ist mäßig

  • Ist Tinnitus von Schwindel begleitet, liegt die Ursache entweder im Innenohr oder zentral (Schnecke, Hörnerv, Hörzentren).

Pathogenese nach chinesischer Medizin
Primäre Unterscheidung zwischen akutem und chronischem Tinnitus sowie zwischen Fülle- und Mangel-Muster. Je nach individuellem Muster wird eine geeignete Behandlungsstrategie gewählt. Vorausgesetzt, der Therapeut verfügt über eine langjährige klinische Erfahrung, lässt sich ein Tinnitus aufgrund von Tubenkatarrh oder Otitis media gut mit Akupunktur behandeln. Chronifizierte Zustände bedürfen jedoch der chinesischen Arzneitherapie, um erfolgreich therapiert werden zu können.
Bis vor Kurzem galten Alterserscheinungen generell als mehr oder weniger physiologischer Mangel an Essenz-Jing mit den entsprechenden Mangel-Zeichen, insbesondere charakterisiert durch Lecken/Verlust an Haaren, Zähnen, Kalzium, Schlüsseln, Harn, Stuhl, Sperma etc.
Yan De-Xin (2000) brachte revolutionäre neue Aspekte in die Geriatrie ein: Geburt, Wachstum, jugendliche Säfte und Kräfte hängen – ebenso wie der Alterungsprozess – von Qi und Blut ab. Hauptursache für das Altern sind Fehlregulation und Disharmonie von Qi und Blut. Die Hauptursachen für die Qi- und Blut-Disharmonie sind Blut-Stase und Schleim.
Die Voraussetzung für die einwandfreie Funktion des Hörorgans besteht darin, dass das Nieren-Qi frei fließend die Ohren erreichen kann (Huang Di Nei Jing, Ling Shu [1.2]). Yan De-Xin kommt zu dem Schluss, dass die erste Ursache für Hörstörungen und Tinnitus stets Stase oder Stagnation im Versorgungsnetzwerk des Ohres ist. Zu einer plötzlichen Blockade des Ohr-Netzwerks mit akuten Symptomen kann es aufgrund einer substantiellen Verstopfung von außen, z.B. durch äußere Pathogene, oder von innen, z.B. durch emporloderndes Schleim-Feuer oder Aufsteigen von Leber- und Gallenblasen-Feuer durch heftige Emotionen kommen.
Dauert der Kampf zwischen dem Aufrechten-Zheng-Qi und äußeren Pathogenen an, bleiben Hörstörung und Tinnitus bestehen: Einerseits blockieren die Pathogene das Netzwerk des Ohres, anderseits verbraucht der Kampf Qi, das nachfolgend für die ausreichende Ohr-Versorgung fehlt.
Der gleiche Pathomechanismus ist auch bei der schleichenden Entwicklung von Hörstörungen und Tinnitus zu finden: Blut-, Jing- und Yin-Mangel führen zu einer substantiellen Minderfüllung der Meridiane, bei Yang-Qi-Mangel fehlt es an der bewegenden Kraft, die Säfte zum Ohr bringt.
Therapie
Üblicherweise werden die den Hörstörungen oder Tinnitus zugrunde liegenden Syndrome festgestellt und die entsprechende Standardrezeptur mit Botendrogen verschrieben, die zum Ohr leiten. Eine typische Beispielrezeptur ist Er Long Zuo Ci Wan als Variante von Liu Wei Di Huang Wan (7.6.10.d) mit den Botendrogen Bupleuri Rx. (Chai Hu) und Magnetitum (Ci Shi). Die Therapierfolge bei älteren Menschen sind nach allen Autoren oft nicht befriedigend. Wenn man jedoch Yan De-Xin folgt, und das Senium Stase in den Gefäßen bedeutet, kann eine richtig ausgewählte Rezeptur trotz entsprechender Botendrogen das Ohr gar nicht erst erreichen, weil das Ohr-Netzwerk bereits primär verstopft ist. Daher müssen bei jeglicher zugrunde liegender Ursache primär die Stagnationen/Stasen behandelt werden. Dies findet sich bei Yan De-Xin in ohrspezifisch modifizierten klassischen Rezepturen wieder, die zusätzlich mit Blut bewegenden, Blut-Stase aufbrechenden und oft auch Schleim transformierenden Arzneidrogen ergänzt werden.
Therapiestrategie
Äußere pathogene Faktoren (z.B. Wind-Hitze) oder innere Fülle-Syndrome (z.B. Leber- und Gallenblasen-Feuer oder Schleim-Feuer) müssen primär behandelt werden.
Bei inneren Kombinations- oder Mangel-Syndromen Behandlung des Mangels und Reduktion der Fülle.
Schleim als häufige Therapieblockade der Akupunktur muss vor der Akupunkturtherapie durch Arzneitherapie transformiert und ausgeleitet werden.
Im Senium können zwar alle unten angeführten Syndrome auftreten, jedoch sind Jing-Mangel und Stase vorrangig zu behandeln.
Akupunktur

Basisprogramm

Lokalpunkte:
  • SJ 17 (Yifeng): Wichtigster Lokalpunkt bei aufsteigendem Leber- und Gallenblasen-Feuer; macht die Nase sofort frei; entfernt Wind-Obstruktion aus Meridianen und Netzgefäßen; unterstützt die Ohren, Bischko (1983): Meisterpunkt des Ohres

  • Drei Punkte zur Förderung des Aufsteigens des klaren Qi zum Ohr und Absteigen des trüben Qi vom Ohr:

    • Gb 2 (Tinghui): Entfernt Meridian-Obstruktion, unterstützt Ohren, vertreibt äußeren Wind; wichtigster Lokalpunkt bei Tinnitus durch Nieren-Jing-Mangel

    • Dü 19 (Tinggong): Wichtigster Lokalpunkt bei Tinnitus durch Qi-Mangel im oberen Jiao; unterstützt Ohren

    • SJ 21 (Ermen): Meisterpunkt des Ohres, wichtigster Lokalpunkt bei Tinnitus durch Schleim-Feuer

  • Maciocia (1997) empfiehlt: Jeweils an fünf aufeinander folgenden Tagen SJ 21Dü 19Gb 2 von oben nach unten nadeln, um das trübe Qi vom Ohr absteigen zu lassen, anschließend an fünf Tagen Gb 2Dü 19SJ 21 streng s.c. von unten nach oben nadeln, um das klare Qi zum Ohr emporzubringen. Anmerkung: Diese Vorgehensweise wird kontrovers diskutiert, so warnen Peuker und Mitarbeiter (2005) vor dieser Vorgehensweise, da es zu Schlitzverletzungen des N. auricotemporalis und der A. temporalis kommen könne. Nach Ansicht der Autorin besteht diese Gefahr nicht, wenn man vorsichtig eine Falte anhebt und streng s.c. nadelt

Fernpunkte:
  • SJ 3 (Zhongzhu): Tonisierungspunkt, Bach-Shu-Punkt; unterstützt Ohr, entfernt Wind-Hitze bei Augen- und Ohrenkrankheiten, bewegt Qi-Stagnation, unterdrückt Leber-Yang

  • SJ 5 (Waiguan): Luo-Punkt, Öffnungspunkt Yang Wei Mai; entfernt Wind-Hitze und Meridian-Obstruktion, befreit Oberfläche, unterstützt Ohr (Verlauf!), unterdrückt Leber-Yang; bei Erkältung mit Wind-Hitze-Symptomatik besonders wirksam mit Di 4.

Individuelle Punkt-Kombinationen (Tab. 13.48–13.51):
  • Mangel- und Fülle-Syndrome bei Tinnitus und Schwerhörigkeit (Tab.13.49, Tab. 13.50)

  • Kombinations-Syndrome bei Tinnitus und Schwerhörigkeit (Tab.13.51)

  • Auflistung der Wirkprinzipien der jeweiligen Punkte Kasten Basisprogramm

  • Weitere empfohlene Akupunkturpunkte mit Wirkung Tab. 13.48.

Anwendung: Bei jeder Sitzung sollten nicht mehr als sieben Punkte ausgewählt werden.
Syndrome bei Tinnitus/Schwerhörigkeit
Morbus Menire
Unter Morbus Menire versteht man die klassische Trias von anfallsweise auftretendem Tinnitus, Hörstörung und Schwindel. Als verifizierte Ursache gilt ein Hydrops der Schnecke.
Für eine Behandlung mit chinesischer Medizin muss man die zugrunde liegenden Syndrome diagnostizieren, den Anfall symptomatisch und die Grundproblematik im Intervall behandeln.
Folgende Rezepte kommen infrage (Bensky/Barolet 1990):
  • Hao Qin Qing Dan Tang: Harmonisiert Shao Yang

  • Wu Ling San (7.6.8.c): Leitet Feuchtigkeit über den Urin aus

  • Zhen Wu Tang (7.6.8.d): Entfernt Feuchtigkeit, wärmt Wasser, transformiert Feuchtigkeit

  • Wu Zhu Yu Tang (7.6.9): Wärmt Inneres und die Mitte, zerstreut Kälte

  • Xuan Fu Dai Zhe Tang (7.6.11.b): Reguliert Qi, senkt ab

  • Chai Hu Jia Long Gu Mu Li Tang (7.6.14.a): Wirkt Geist beruhigend und sedierend

  • Gun Tan Wan: Entfernt Schleim, öffnet Öffner

  • Jin Shui Liu Jun Jian: Behandelt Schleim und Schleim-Feuchtigkeit

  • Wen Dan Tang (7.6.16.b): Behandelt Schleim, klärt Schleim-Hitze

  • Ling Gui Zhu Gan Tang in Kombination mit Zhen Wu Tang (7.6.8.d): Behandelt Schleim, wärmt und transformiert

  • Ban Xia Bai Zhu Tian Ma Tang (7.6.16.e): Transformiert Schleim, löscht Wind.

Mundhöhle und Zähne

Claudia Focks

Leitsymptom: Zahnfleischbluten (Ya Yin Chu Xue)

Syndrom-Differenzierung bei Leitsymptom Zahnfleischbluten (Ya Yin Chu Xue)

Tab. 13.52
Syndrom Pathomechanismus Zahnfleisch Zusatzsymptome Zunge Puls
Loderndes Magen-Feuer (11.6.4) (13.8.1.a) Diätfehler mit einem Zuviel an hitzebildenden, scharf-heißen Nahrungsmitteln Rot, schmerzhaft geschwollen, starke, hellrote Blutung, die auch dunkler und zähflüssiger sein kann, wenn die Hitze bereits die Säfte geschädigt hat Stirnkopfschmerzen, Durst auf Kaltes, Obstipation Rot.
Belag: gelb, trocken, dick
Schnell, voll, evtl. schlüpfrig
Magen-Yin-Mangel mit Leere-Hitze (11.6.3, 13.8.1.b) Konstitutioneller oder erworbener Magen-Yin-Mangel mit Leere-Hitze, die über die Yangming-Leitbahnen das Zahnfleisch schädigt Leicht schmerzhaft, geschwollen evtl. mit Schleimhautdefekten, leichte, blassrote Blutung Hungergefühl mit Appetitverlust, Unruhe Rot.
Belag: dünn, trocken oder in der Mitte belaglos
Dünn, schnell
Leber- und Nieren-Yin-Mangel (11.11.20) mit Leere-Hitze (13.8.1.c) Alter, erschöpfende Lebensweise und chron. Erkrankungen schwächen Leber und Niere Geschwollen, spärliche, blassrote Blutung bei wackelnden Zähnen Schwindel, Tinnitus, Schmerz und Schwäche lumbal und in den Beinen Rot.
Belag: wenig oder belaglos
Dünn, schnell
Milz kontrolliert Blut nicht (11.5.3, 13.8.1.d) Diätfehler und Überanstrengung mit nachfolgender Schwächung der Milz Blass (auch Lippen), Blutung chron., leicht oder evtl. profus oder schnell blutend bei leichter Stimulation, schlechter bei Erschöpfung Erschöpfung, weiche Stühle, Appetitverlust Blass, geschwollen.
Belag: dünn, weiß
Schwach, leer
Klinische Tipps: Das Symptom Zahnfleischbluten findet sich relativ häufig, bei Frauen oft in Abhängigkeit von ihrem Menstruationszyklus verstärkt oder schwächer. Wichtig sind Zahn- und Mundhygiene bzw. -prophylaxe und z.B. auch Selbstmassage des Zahnfleisches. Oft zeigen sich Kombinationen von Magen-Hitze, die das Blut aus den Gefäßen drückt, sowie eine Schwäche des Milz-Qi, das unfähig ist, das Blut in den Gefäßen zu halten. Bei Patienten im jüngeren bis mittleren Lebensalter entsteht die Magen-Hitze häufig durch ein stressbedingt eingezwängtes Leber-Qi (Leber-Qi-Stauung) mit Entwicklung von Stagnations-Hitze, die durch Alkoholkonsum, Stress und Diätfehler mit stark hitzebildenden Nahrungsmitteln verschärft wird. Durch die Fülle im FK Leber kann sich eine bestehende Milz-Schwäche verstärken oder sich durch den Übergriff Holz überwältigt Erde erst entwickeln und zu einem komplexen Bild beitragen, das Zahnfleischbluten verursacht. Wichtig ist bei allen Szenarien, zusätzliche Empfehlungen zu Ernährung und Lebenspflege zu geben (8, 15).
Loderndes Magen-Feuer (11.6.4)
Therapieprinzipien Magen-Feuer klären, Blut kühlen, Blutung beenden
Rezept: Variation von Qing Wei San (7.6.4.d) enthält: Gypsum fibrosum (Shi Gao), Scutellariae Rx. (Huang Qin), Coptidis Rz. (Huang Lian), Rehmanniae Rx. (Sheng Di Huang), Moutan Cx. (Mu Dan Pi), Cimicifugae Rz. (Sheng Ma), Gardeniae Fr. (Zhi Zi). Modifikationen: Bei starker Obstipation zusätzlich Rhei Rx. et Rz. (Da Huang) und Natrii Sulfas (Mang Xiao); bei zusätzlichen Zeichen von Nieren-Yin-Mangel Rehmanniae Rx. (Sheng Di Huang) und Gardeniae Fr. (Zhi Zi) entfernen und folgende Arzneien hinzufügen: Rehmannniae Rx. praep. (Shu Di Huang), Anemarrhenae Rz. (Zhi Mu), Achyranthis bidentatae Rx. (Niu Xi) und Ophiopogonis Rx. (Mai Men Dong). Variationen von Liang Ge San (7.6.5.a).
Akupunktur: Di 4 – (Hegu) klärt Magen-Hitze; besser noch Di 1 (Shangyang) und Di 3 B (Sanjian) (mit Mikroaderlass), klären Hitze von den Yangming-Meridianen; Di 11 – (Quchi) klärt Hitze, kühlt Blut; Di 7 – (Wenliu) klärt Yangming-Feuer, hilft Toxine zu eliminieren; Ma 21 – (Liangmen) klärt Magen-Hitze; Ma 34 – (Liangqiu) beseitigt Blutungen vom Magen-Meridian; Ma 44 – (Neiting) klärt Magen-Hitze, v.a. im Verlauf des Magen-Meridians in der Gesichtsregion; Bl 40 – B (Weizhong) kühlt das Blut, der Huatuojiaji-Punkt (Ex-B 2) neben BWK 4 wirkt gegen schmerzhaft geschwollenes Zahnfleisch, klärt Hitze, vertreibt Wind; Ex-HN (Keliao) klärt Hitze, vertreibt Wind, gut bei Pulpitis, Zahnfleischbluten, Parodontose, Bl 40 B (Weizhong) kühlt Hitze, um Blutungen zu beenden, Ma 25 (Tianshu) bei Obstipation.
Magen-Yin-Mangel (11.6.3) mit Leere-Hitze
Therapieprinzipien Yin nähren und Leere-Hitze im Magen klären
Rezept: Variationen von Yu Nü Jian (7.6.4.d) und zusätzlich: Phellodendri Cx. (Huang Bai). Variationen von Mai Men Dong Tang (7.6.7).
Akupunktur: Ma 44 N (Neiting), Di 4 N (Hegu) klären Magen-Hitze oder Mangel-Hitze v.a. im Magen-Meridianverlauf im Gesicht, Ni 7 (Fuliu) in Kombination mit Ma 44 (Neiting) nähren das Yin und klären den Magen, um Blutungen zu beenden; Bl 17 (Geshu), Bl 20 (Pishu), Bl 21 (Weishu) nähren Blut und Yin und klären den Magen; Ma 36 N (Zusanli), Mi 6 + (Sanyinjiao), Ren 12 + (Zhongwan) nähren das Magen-Yin; Ma 34 N (Liangqiu) beendet Blutung im Magen-Meridian; Di 11 N (Quchi), Mi 10 N (Xuehai) kühlen das Blut, beenden Blutungen.
Leber- und Nieren-Yin-Mangel (11.11.20) mit Leere-Hitze
Therapieprinzipien Yin nähren, Leere-Hitze nach unten ableiten und Blutungen beenden
Rezept: Zhi Bai Di Huang Wan (7.6.10.d) und zusätzlich: Lycii Cx. (Di Gu Pi), Achyranthis bidentatae Rx. (Niu Xi), Drynariae Rz. (Gu Sui Bu).
Akupunktur: Ni 3 + (Taixi) nährt Nieren-Yin, klärt Leere-Feuer; Bl 17 (Geshu), Bl 20 (Pishu), Bl 21 (Weishu) nähren Blut und Yin; Bl 23 (Shenshu), Ni 3 (Taixi), Mi 6 (Sanyinjiao) nähren zusammen Yin, leiten Leere-Hitze nach unten und beenden Blutungen; Ex-HN (Keliao) klärt Hitze, vertreibt Wind, guter Lokalpunkt bei Pulpitis, Zahnfleischbluten, Parodontose.
Milz kontrolliert Blut nicht (11.5.3)
Therapieprinzipien Milz und Qi stärken, um Blut in den Gefäßen zu halten
Rezept: Gui Pi Tang (7.6.10.c) und zusätzlich: Agrimoniae Hb. (Xian He Cao), Bletillae Rz. (Bai Ji), Platycladi Cacumen (Ce Bai Ye).
Akupunktur: Bl 17 (Geshu), Bl 20 (Pishu), Bl 21 (Weishu) stärken Milz und Magen und unterstützend die Qi- und Blutbildung, Ma 36 + (Zusanli), Mi 6 + (Sanyinjiao), Ren 12 + (Zhongwan) stärken Milz und Magen; Di 4 + (Hegu) unterstützt den Magen-Meridian im Gesicht.
Weitere Therapiemöglichkeiten
Ohrakupunktur (5.7.1): OP 84 (Mund), OP 5 (Oberkiefer), OP 6 (Unterkiefer), OP 87 (Magen), OP 55 (Shenmen) bei starken Schmerzen. Punkte ableitend nadeln und 20 min belassen. Dauernadeln oder Samenkörner applizierbar.

Leitsymptom: Zahn- und Kieferschmerzen (Ya Tong)

Oft sind Zahnschmerzen begleitet von schmerzhaft geschwollenem Zahnfleisch. Wichtig sind eine zahnärztliche Kontrolle, Zahn- und Mundhygiene bzw. -prophylaxe und ggf. eine Zahnsanierung. Schmerzen bedeuten nach CM immer, dass Qi und Blut nicht frei fließen können. Der folgende Abschnitt beinhaltet auch Behandlungsansätze bei Kieferschmerzen.

Syndrom-Differenzierung bei Leitsymptom Zahn- und Kieferschmerzen (Ya Tong) (Forts.)

Tab. 13.53
SyndromPathomechanismusSymptomeZungePuls
Wind-Hitze (13.8.2.a)Meist äußere Wind-Hitze, die die Luo-Gefäße im Zahn- und Mundbereich blockiertZiehende Zahn- und/oder Kieferschmerzen, verschlimmert durch Hitze oder scharf gewürzte Speisen, besser durch Kälte, schmerzhaft geschwollenes Zahnfleisch, Unfähigkeit zu kauen, evtl. geschwollene, heiße Wangen, DurstRote Zungenspitze.
Belag: dünn, weiß oder leicht gelblich, trocken
Oberflächlich, schnell
Wind-Kälte (13.8.2.b)Meist äußere Wind-Kälte, die die Luo-Gefäße im Zahn- und Mundbereich blockiertParoxysmale Zahn- und/oder Kieferschmerzen, die sich durch Einatmen von kalter Luft verschlimmern und durch Wärme bessern, Wind- und Kälteaversion, kein DurstBlassrot.
Belag: dünn, weiß
Oberflächlich, saitenförmig oder langsam
Loderndes Magen-Feuer (11.6.4, 13.8.2.c)Yang-Konstitution und Diätfehler mit scharf gewürztem, hitzebildendem Essen und Alkohol führen zu Hitze im Magen, die über die Yangming-Leitbahnen aufflammt und die Luo-Gefäße im Zahnbereich schädigtSpannungsgefühl und starke Zahn- und/oder Kieferschmerzen mit Ausdehnung bis in den oberen Kopfbereich, evtl. rotes, geschwollenes Zahnfleisch, evtl. Abzesse, heißer, übelriechender, fauliger Mundgeruch, rotes Gesicht, Durst mit Wunsch, Kaltes zu trinken, Vorliebe für Kälte, Hitzeaversion, evtl. schmerzhaft geschwollene Lippen, Zunge und Wangen, Obstipation, konzentrierter UrinRo