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B978-3-437-56483-3.10012-6

10.1016/B978-3-437-56483-3.10012-6

978-3-437-56483-3

Sechs-Schichten-Theorie

Tab. 12.1
Syndrom Lokalisation der Erkrankung
Akute Yang-Fülle Taiyang Außen, öffnende Schicht (Kai)
Yangming Schließende Schicht (He)
Shaoyang Halb außen, halb innen, Angelpunktfunktion (Shu)
Chronischer Yin-Mangel Taiyin Außen (zu den Yang-Schichten hin), öffnende Schicht (Kai)
Shaoyin Halb außen, halb innen, Angelpunktfunktion (Shu)
Jueyin Innen, schließende Schicht (He)

Beziehung zwischen Schicht, pathogenem Faktor, Jahreszeit und Funktionskreis

Tab. 12.2
Shang Jiao
Oberer Erwärmer
Zhong Jiao
Mittlerer Erwärmer
Shang Jiao
Oberer Erwärmer
Xia Jiao
Unterer Erwärmer
Hitzetyp
Schicht
Wei-Schicht Qi-Schicht Ying-Schicht Xue-Schicht Schicht
Jahreszeit
Feng Wen
Wind-Hitze
Abwehr-Wei Qi
Lunge
Lunge
Magen
Dickdarm
Lunge
Perikard
Herz
Winter/Frühling
Chun Wen
Frühlings-Hitze
Gallenblase
Magen
Dickdarm
Perikard Leber
Niere
Frühling
Shu Wen
Sommer-Hitze
Magen
Lunge
Milz
Perikard Leber
Herz
Niere
Sommer
Shi Wen
Feuchte-Hitze
Abwehr-Wei Qi Milz
San Jiao
Magen
Blase
Dickdarm
Perikard
Dickdarm Spätsommer
Qiu Zao
Trockenheit-Hitze
Abwehr-Wei Qi
Lunge
Lunge
Magen
Dickdarm
Leber
Niere
Herbst

Shang Han Lun und Wen Bing Lun

Adrian Renfer

  • 12.1

    Differenzierung nach der Sechs-Schichten-Theorie 1042

    (Shang Han Lun)

    • 12.1.1

      Taiyang-Syndrome (Blasen-Dünndarm-Syndrome)1042

    • 12.1.2

      Yangming-Syndrome (Magen-Dickdarm-Syndrome)1043

    • 12.1.3

      Shaoyang-Syndrome (San-Jiao-Gallenblasen-Syndrome)1044

    • 12.1.4

      Taiyin-Syndrome (Milz-Lungen-Syndrome)1045

    • 12.1.5

      Shaoyin-Syndrome (Herz-Nieren-Syndrome)1046

    • 12.1.6

      Jueyin-Syndrome (Leber-Perikard-Syndrome)1047

  • 12.2

    Differenzierung nach der Vier-Schichten-Theorie (Wen Bing Lun)1048

    • 12.2.1

      Einführung1048

    • 12.2.2

      Allgemeine Charakteristika der vier Schichten1049

    • 12.2.3

      Merkmale unterschiedlicher Hitzetypen in Bezug zu den Jahreszeiten1050

    • 12.2.4

      Diagnostik von Wen-Bing-Syndromen1052

    • 12.2.5

      Akupunktur der Wen-Bing-Erkrankungen1053

    • 12.2.6

      Syndrome bei Wind-Hitze (Feng-Wen)1054

    • 12.2.7

      Syndrome bei Frühlings-Hitze (Chun-Wen)1057

    • 12.2.8

      Syndrome bei Sommer-Hitze (Shu-Wen)1059

    • 12.2.9

      Syndrome bei Feuchte-Wärme (Shi-Wen)1062

    • 12.2.10

      Syndrome bei inkubativer Sommer-Hitze (Fu-Shu)1065

    • 12.2.11

      Syndrome bei Herbst-Trockenheit (Qiu-Zao)1067

Differenzierung nach der Sechs-Schichten-Theorie (Shang Han Lun)

Diagnosemethode für durch Kälte induzierte fieberhafte Krankheiten (Shang-Han-Erkrankungen) nach den 6Schichten Taiyang, Shaoyang, Yangming, Taiyin, Shaoyin, Jueyin (Meridiantheorie 2.5.2) gemäß dem Buch Shang Han Lun (Han-Dynastie 1.2). These: Kälte (weiterführende Interpretation: Alle sechs klimatischen Exzesse/Liu Yin 2.6.1) als pathogener Faktor wird durch Wind in den Körper getragen und ruft je nach Intensität, Abwehrlage des Kranken und dem zeitlichem Verlauf der Krankheit ein bestimmtes Syndrom hervor. Westliches Äquivalent: Erkältungskrankheiten, Infektionskrankheiten und chronisch protrahierte Folgekrankheiten.
Pathogenese nach der Sechs-Schichten-Theorie
Unterscheidung in drei äußere Yang- und drei innere Yin-Schichten, Krankheitslokalisation Tab. 12.1.
Krankheitsverlauf: Zunächst akute Erkrankung mit noch nicht in die Tiefe gedrungenem pathogenem Faktor wird den Yang-Meridianen zugeordnet. Fülle-Syndrom mit wenig geschwächtem Zheng-Qi (2.3.1, Resistenzkraft) und starkem äußerem pathogenem Faktor (Xie Qi 2.6.1). Später: Falls die Krankheit nicht entsprechend behandelt wird, chronisch protrahiertes, den Yin-Meridianen zugeordnetes Mangel-Syndrom mit geschwächtem Zheng-Qi. Die eingedrungene Kälte wird dabei zunächst durch das entgegenwirkende Zheng-Qi in Hitze transformiert. Bei zunehmender Schwächung tritt Yang-Schwäche auf. Endstadium: Yin wird aufgezehrt und Yin-Mangel mit Mangel-Hitze (Tab. 4.56) entsteht. Beispiel: Erkältung bei einem geschwächten Individuum führt über Grippe zu einer Pneumonie und endet schließlich in einem kritischen Zustand, evtl. sogar mit dem Tod.

Taiyang-Syndrome (Blasen-Dünndarm-Syndrome)

Erkrankungen der äußersten Schicht. Leitsymptome: Fieber, Wind- und Kälteaversion. Zwei Formen: Biao Shi (Außen-Fülle) und Biao Xu (Außen-Mangel).
Biao Shi (Außen-Fülle)
Außen-Fülle-Syndrom (Tab. 4.55, Tab. 4.53Tab. 4.55Tab. 4.53) durch Kälteblockade der äußersten Schicht.
  • Symptome: Frösteln, Fieber, Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit, Gliederschmerzen, Schweißlosigkeit. Zunge: Normal. Puls: Oberflächlich, gespannt

  • Pathogenese: Blockierung der Oberfläche (Biao) durch Kälte, intaktes Zheng-Qi (Resistenzkraft), starke pathogene Faktoren Xie Qi (2.6.1)

  • Therapieprinzipien: Oberfläche befreien durch Induktion von Schwitzen, Lunge freimachen, Schmerzen stillen durch Harmonisierung von Qi und Blut.

Rezept: Ma Huang Tang (7.6.3.a).
Akupunktur: Du14 (Dazhui) öffnet die Oberfläche; Bl12 (Fengmen) leitet Wind aus; Bl11 (Dashu) leitet Kälte aus; Di4 (Hegu) öffnet die Oberfläche und fördert Schwitzen, reguliert das Qi im Kopfbereich, zusammen mit Le3N (Taichong) werden Qi und Blut harmonisiert und Kopfschmerzen gestoppt; SJ5 (Waiguan) entfernt äußere pathogene Faktoren.
Biao Xu (Außen-Mangel)
Außen-Mangel-Syndrom (Tab. 4.55, Tab. 4.53Tab. 4.55Tab. 4.53): Geschwächtes Zheng-Qi (Resistenzkraft) lässt Wind evtl. mit Kälte eindringen.
  • Symptome: Wie Biao Shi (siehe oben) zusätzlich Schwitzen. Puls: Oberflächlich

  • Pathogenese: Disharmonie zwischen Nähr-Ying-Qi und Abwehr-Wei-Qi (2.3.1)

  • Therapieprinzipien: Ying-Qi und Wei-Qi (2.3.1) harmonisieren durch gleichzeitige Gabe von warmen, scharfen und sauren Kräutern, Wind ausleiten.

Rezept: Gui Zhi Tang (7.6.3.a).
Akupunktur: Gb20 (Fengchi) und Du16 (Fengfu) leiten Wind aus; Lu9+ (Taiyuan) als Ursprungs-Yuan-Qi-Punkt und Erdpunkt (5.9.1, 5.8.65.9.15.8.6) stärkt Lunge und damit Wei-Qi; Di4+ (Hegu) und Bl40+ (Weizhong) hemmen Schwitzen.

Yangming-Syndrome (Magen-Dickdarm-Syndrome)

Leitsymptome sind die vier Großen (Si Da): Starkes Hitzegefühl (Da Re), starkes Schwitzen (Da Han), großer Puls (Da Mai), starker Durst (Da Ke).
Yangming Jing Bian Zheng (Meridian-Syndrom)
  • Symptome: Hohes Fieber, Hitze, übermäßiges Schwitzen, Durst, Unruhe. Zunge: Rot, dicker, gelber Belag. Puls: Groß

  • Pathogenese: Äußerer Faktor dringt in die Tiefe und trifft auf ein noch kräftiges Zheng-Qi (Resistenzkraft) mit kräftigem Puls; dadurch Transformation in Hitze; sie drängt die Körperflüssigkeiten nach außen und führt zu übermäßigem Schwitzen; Hitze und Schweiß zehren die Körpersäfte auf, wenn der Prozess nicht rechtzeitig aufgehalten wird

  • Therapieprinzipien: Hitze kühlen, Körpersäfte harmonisieren durch Punkte auf den Yangming-Meridianen (2.5.2).

Rezept: Bai Hu Tang (7.6.4.a).
Akupunktur: Ma44 (Neiting) und Di11 (Quchi) kühlen und klären Hitze; Pe5 (Jianshi) kühlt Hitze; Ma42+ (Chongyang) und Di4+ (Hegu) aktivieren als Ursprungs-Yuan-Qi-Punkte die konstitutionellen Reserven der Niere
Yangming Fu Bian Zheng (FK-Syndrom)
  • Symptome: Leitsymptome (siehe oben), zusätzlich Obstipation, gespanntes und druckschmerzhaftes Abdomen, Delirium und hohes Nachmittagsfieber. Zunge: Zusätzlich trocken mit grauen oder schwarzen Papillen. Puls: Tief, voll

  • Pathogenese: Hitze schädigt Körpersäfte, behindert Qi-Fluss im Magen und Dickdarm und führt zu trockener Obstipation

  • Therapieprinzipien: Hitze kühlen und mit dem Stuhl ausleiten durch befeuchtendes und reinigendes Abführen.

Rezept: Da Cheng Qi Tang (7.6.5.a).
Akupunktur: Therapie der Wurzel (Ben 10.1.2): Bl25N (Dachangshu), Ma25N (Tianshu); siehe auch Shu-Mu-Technik (5.9.4). Therapie der Symptome (Biao 10.1.2): Gb34N (Yanglingquan), SJ6N (Zhigou) lösen zusammen Blockierungen im Yangming; Ma37+ (Shangjuxu), Ma39+ (Xiajushu) generieren die Säfte im Darm; Bl57+ (Chengshan) befeuchtet die Därme.
Sonderform: Yangming-Ikterus
  • Symptome: Hellgelber Ikterus, Müdigkeit. Zunge: Gelber, klebriger Belag. Puls: Schlüpfrig, schnell

  • Pathogenese: Eingedrungene Feuchtigkeit verwandelt sich in Feuchte-Hitze

  • Therapieprinzipien: Hitze klären, Feuchtigkeit umwandeln und ausleiten.

Rezept: Yin Chen Hao Tang (7.6.8.b)
Akupunktur: Bl18 (Ganshu), Bl19 (Danshu) und Bl48N (Yanggang) gegen Ikterus; Ma36+ (Zusanli) und Mi9 (Yinlingquan) zur Umwandlung und Ausleitung der Feuchtigkeit; Di11 (Quchi) und Ma44 (Neiting) klären Hitze.

Shaoyang-Syndrome (San-Jiao-Gallenblasen-Syndrome)

Erkrankung halb außen (Biao) und halb innen (Li). Leitsymptome: Wechsel zwischen Hitze und Frösteln, Spannungsgefühl im Hypochondrium (Vorhandensein eines Leitsymptoms ist pathognomisch). Unterteilung in verschiedene Syndrome (Bian Zheng).
Shaoyang Bian Zheng
  • Symptome: Wechsel zwischen Kälte und Hitze, Spannungsgefühl im Hypochondrium und im Brustkorb, trockene Kehle, bitterer Mundgeschmack, Reizbarkeit. Zunge: Belag trocken, weiß oder gelblich. Puls: Saitenförmig

  • Pathogenese: Pathogene Faktoren pendeln zwischen Innen und Außen

  • Therapieprinzipien: Angelpunktfunktion des Shaoyang harmonisieren durch gleichzeitige Gabe von emporhebenden und absenkenden Kräutern sowie Stärkung des Zheng-Qi (2.3.1, Resistenzkraft).

Rezept: Xiao Chai Hu Tang (7.6.6).
Akupunktur: Bl40 (Weizhong) kombiniert mit Gb34 (Yanglingquan) weisen äußere pathogene Faktoren nach außen; Gb41N (Zulinqi) und SJ5N (Waiguan) harmonisieren das Shaoyang.
Übergangsform Taiyang – Shaoyang Bian Zheng
Symptome: Kombination von Taiyang-Symptomen wie Kopfschmerzen und diffuse Körper- und/oder Gliederschmerzen mit Shaoyang-Symptomen (siehe oben).
Rezept: Xiao Chai Hu Tang (7.6.6) mit Gui Zhi Tang (7.6.3.a) kombinieren.
Akupunktur: Bl40 (Weizhong), Gb34+ (Yanglingquan), Gb41N (Zulinqi), SJ5N (Waiguan), Gb20 (Fengchi), Lu9+ (Taiyuan); Di4+ (Hegu) bei Schweißlosigkeit oder Di4 bei Schwitzen.
Übergangsform Shaoyang – Yangming Bian Zheng
Symptome: Shaoyang-Symptome (siehe oben) kombiniert mit Yangming-Symptomen: Geblähtes Abdomen, Obstipation. Zunge: Rot, gelber dicker Belag. Puls: Tief, saitenförmig.
Rezept: Da Chai Hu Tang (7.6.6).
Akupunktur:
  • Bei Shaoyang-Symptomen: Bl40 (Weizhong), Gb34 (Yanglingquan), Gb41N (Zulinqi), SJ5N (Waiguan)

  • Bei Yangming-Symptomen: Ma44 (Neiting), Di4 (Hegu), Di11+N (Quchi), Bl25N (Dachangshu), Ma25N (Tianshu); weitere Punkte 12.1.2 (Yangming-Syndrom).

Taiyin-Syndrome (Milz-Lungen-Syndrome)

Erkrankungen der äußersten Yin-Schicht durch die eingedrungene Kälte mit Schädigung des Milz-Qi und Anhäufung von Feuchtigkeit.
Taiyin Bing (Taiyin-Krankheit)
  • Symptome: Völlegefühl, Schmerzen im Epigastrium (auf Druck besser), Erbrechen, Durchfall, Müdigkeit, Schlafbedürfnis, Frieren, kein Durst. Zunge: Blass, Zahneindrücke, weißer, feuchter, dicker Belag. Puls: Schlüpfrig, schwach, träge

  • Pathogenese: Schwaches Zheng-Qi (Resistenzkraft); falsch behandeltes oder unbehandeltes Yangming-Syndrom und eingedrungene Kälte schädigen das Milz-Yang mit Anhäufung von pathologischer Feuchtigkeit

  • Therapieprinzipien: Mitte (Zhong Jiao) wärmen, Milz und Magen stärken.

Rezept: Li Zhong Wan (7.6.9).
Akupunktur:
  • Therapie der Wurzel (Ben 10.1.2): Bl20N (Pishu), Le13N (Zhangmen); auch Shu-Mu-Technik (5.9.4)

  • Therapie der Symptome: Mit der Methode Ba Mai Jiao Hui Xue (Verwendung der acht außerordentlichen Gefäße 5.4.11) zur Regulierung des mittleren Jiao mit Mi4N (Gongsun) und Pe6N (Neiguan) gegen Übelkeit und Erbrechen, mit Ma25N (Tianshu), Ren12N (Zhongwan) gegen Durchfall.

Sonderform: Taiyin-Ikterus
  • Symptome: Zusätzlich dunkelgelber Ikterus, dunkelgelber Urin

  • Pathogenese: Schwäche der Milz mit Feuchtigkeitsansammlung und Hitze-Stagnation in der Gallenblase

  • Therapieprinzipien: Die Mitte wärmen, Feuchtigkeit umwandeln und ausleiten, Hitze-Stagnation der Gallenblase lösen.

Rezept: Yin Chen Wu Ling San.
Akupunktur: Mi4N (Gongsun), Le13N (Zhangmen), Bl18N (Ganshu, Bl19N (Danshu) regulieren Milz und Gallenblase.

Shaoyin-Syndrome (Herz-Nieren-Syndrome)

Eindringende Kälte schädigt v.a. den Herz- und den Nieren-Meridian.
Wandlung zum Kältetyp (Yang-Mangel von Herz und Niere)
  • Symptome: Müdigkeit, Apathie, Kälteaversion, kalte Glieder, Schlafbedürfnis, Diarrhö frühmorgens mit unverdauter Nahrung, kein Durst oder Verlangen nach warmen Getränken. Zunge: Blass; weißer, schmieriger Belag. Puls: Tief, verschwindend

  • Pathogenese: Zerfall des Zheng-Qi, Schwächung des Yang, das Mingmen (2.4.14) kann die Erdphase nicht erwärmen

  • Therapieprinzipien: Yang wärmen, Yin kontrollieren.

Rezept: Si Ni Tang.
Akupunktur: Ren4M (Guanyuan) immer mit Moxa; Ren6M (Qihai), Ren8 (Shenque) durch Moxa mit Salz und Ingwer wärmen (Technik 5.1.8): Zur Stärkung des Nieren-Yang; Ma36+ (Zusanli) stärkt die Mitte; Ni3+ (Taixi) und Bl23N (Shenshu) unterstützen die Niere; Shu-Mu-Technik zur Harmonisierung des Herzens: Bl15N (Xinshu), Ren14N (Juque).
Wandlung zum Hitzetyp (Yin-Mangel-Hitze)
  • Symptome: Reizbarkeit, Schlaflosigkeit, trockene Kehle, Durst. Zunge: Rot und trocken, wenig Belag. Puls: Tief, fein und dünn, schnell

  • Pathogenese: Chronische Schädigung des Yin durch pathogene Faktoren (Xie Qi 2.6.1), Yang überwiegt und Mangel-Hitze entsteht

  • Therapieprinzipien: Yin befeuchten und stärken, Hitze kühlen

Rezept: Huang Lian E Jiao Tang.
Akupunktur: Pe6N (Neiguan) aktiviert das außerordentliche Gefäß Yin Wei Mai (5.4.9); He7+ (Shenmen) und Ni3+ (Taixi) stützen als Ursprungs-Yuan-Qi-Punkte die konstitutionellen Reserven der Niere; alternativ He9 (Shaochong) und Ni1 (Yongquan) zur Kühlung der Hitze; Ren14N (Juque) stützt als Alarm-Mu-Punkt des Herzens das Qi; Ren4M (Guanyuan) und Ren6M (Qihai) – vorsichtig gemoxt – stützen das Ursprungs-Yuan-Qi (2.3.1) und beseitigen so Hitze (cave: Zunächst nur zwei bis drei reiskorngroße Moxakegel verwenden, langsam und vorsichtig tägl. steigern)
Yang-Mangel mit fehlender Kontrolle des Wassers
  • Symptome: Generalisierte Ödeme, häufig kleine Urinmengen, Kälteaversion und kalte Extremitäten, Schweregefühl und Schmerzempfindung in den vier Extremitäten, Energiemangel. Zunge: Blass, feucht, weißer Belag. Puls: Dünn, fein

  • Pathogenese: Schwaches Yang kann das Wasser nicht kontrollieren

  • Therapieprinzipien: Yang wärmen, Wasser lösen.

Rezept: Zhen Wu Tang (7.6.8.d).
Akupunktur: Analog zu Wandlung zum Hitzetyp (siehe oben); zusätzlich Mi9 (Yinlingquan) und Mi6+ (Sanyinjiao) zur Wasserausleitung.

Jueyin-Syndrome (Leber-Perikard-Syndrome)

Blockade und Funktionsstörung des Qi führt zu raschem Wechsel von Kälte- und Hitzesyndromen; kräftiges Zheng-Qi bewirkt Fieber; starker pathogener Faktor verursacht Schüttelfrost.
Komplexe Kälte und Hitze
  • Symptome: Komplexe Kälte und Hitze, Durst, Schmerzen im Epigastrium, Hunger (aufgenommene Nahrung wird aber sofort wieder erbrochen), Gliederschmerzen. Zunge: Blass, weißer oder gelblicher Belag. Puls: Dünn und fein, saitenförmig, evtl. schnell

  • Pathogenese: Ungleichgewicht zwischen Yin und Yang, Yang steigt auf, Yin sinkt ab; Energiemangel in der unteren Körperhälfte

  • Therapieprinzipien: Gleichzeitig kühlen und wärmen, Leber regulieren.

Rezept: Wu Mei Wan (7.6.18).
Akupunktur: Mi4N (Gongsun) und Pe6N (Neiguan) aktivieren nach der Methode Ba Mai Jiao Hui Xue (Verwendung der acht außerordentlichen Meridiane 5.4.11) zur Regulierung der Mitte; Ren12N (Zhongwan) unterstützt den Magen; Le14N (Qimen) und Gb34N (Yanglingquan) regulieren das Leber-Qi; Ex-LE6 (Dannang) hilft gegen starke Koliken.
Kälte-Symptomatik der vier Extremitäten
  • Symptome: Kalte Hände und Füße, Kälteschmerz am Scheitel (innerer Verlauf des Leber-Meridians), Speichelfluss, erfolgloses Erbrechen. Zunge: Blasser Körper, weißer Belag, viel Speichel. Puls: Dünn und fein, verschwindend

  • Pathogenese: Ungleichgewicht zwischen Yin und Yang, Mangel an Qi und Blut

  • Therapieprinzipien: Meridiane wärmen, Kälte zerstreuen, Erbrechen stillen.

Rezept: Dang Gui Si Ni Jia Wu Zhu Yu Sheng Jiang Tang. Entspricht Dang Gui Si Ni Tang zusammen mit Evodiae Fr. (Wu Zhu Yu) und Zingiberis Rz. recens (Sheng Jiang).
Akupunktur: Mi4N (Gongsun) und Pe6N (Neiguan) aktivieren nach der Methode Ba Mai Jiao Hui Xue (5.4.11), regulieren den mittleren Jiao; Ren12N (Zhongwan) unterstützt den Magen; Ma36+ (Zusanli) und Mi6+ (Sanyinjiao) fördern Blutbildung.
Hitze-Problematik durch Stagnation
  • Symptome: Hitze-Syndrom, mäßig kalte Hände und Füße, Schmerzen an Rippenbogen und Abdomen. Puls: Dünn und fein, saitenförmig

  • Pathogenese: Stagnation des Yang-Qi führt zu innerer Hitze und ungenügender Erwärmung der Extremitäten

  • Therapieprinzipien: Qi-Fluss der Leber lösen und befreien.

Rezept: Si Ni San (7.6.6).
Akupunktur: Pe7 (Daling) und SJ5 (Waiguan) kühlen und stellen den freien Fluss des Qi und die Zirkulation im San Jiao (2.4.11) wieder her; Ren6+ (Qihai) reguliert die Qi-Aktivität im ganzen Körper; Mi6+ (Sanyinjiao) unterstützt die Produktion von Blut als Voraussetzung für die geschmeidige Qi-Zirkulation

Differenzierung nach der Vier-Schichten-Theorie (Wen Bing Lun)

Das folgende Kapitel ist eine Zusammenfassung des 1993 von Professor Liu Guo Hui in Zürich gehaltenen Seminars über das Wen Bing Lun.

Einführung

Synonyme
Wei Qi Ying Xue Bianzheng (Wei-Qi-Ying-Xue-Differenzierung), Si-Fen-Zheng (Syndrome der vier Schichten), Wen Re Bing (febrile Erkrankungen durch Wärmefaktoren).
Konzept
Differenzierung von Syndromen nach der Theorie von Wei, Qi, Ying und Xue zur Diagnose epidemischer febriler Erkrankungen durch Wärmefaktoren (Wen-Xie) in vier unterschiedlichen Stadien.
Geschichte
Die Energien Wei, Qi, Ying, Xue werden bereits im Huang Di Nei Jing (1.2) als physiologische Substanzen erwähnt. Das Konzept des Fortschreitens einer epidemischen febrilen (fieberhaften) Erkrankung von der Oberfläche in die Tiefe und von einem leichten zu einem schweren Stadium wurde im Shang Han Lun (Abhandlung der durch Kälte induzierten Erkrankungen 12.1) in der Han-Dynastie (1.2) entworfen. Die Schriften Wen Bing Tiao Bian sind von Wu Ju Tong (auch Wu Tang genannt) verfasst, zusätzlich gab es eine zweiseitige kurze Abhandlung von Ye Tianshi (1666–1745) zum Wen Bing Lun. Sie entwickelten in der Qing-Dynastie der damaligen Situation angepasste neue Thesen und Rezepturen. Diese werden heute unter dem Begriff Wen Bing Lun (Abhandlung der durch Wärmefaktoren bedingten Erkrankungen) zusammengefasst. Das Konzept des Wen Bing Lun wurde erst in jüngster Zeit möglicherweise als Antithese zur westlichen Bakteriologie wieder stärker propagiert.
Ätiologie und Pathogenese
Wen Bing sind febrile Erkrankungen, die durch äußere Faktoren (Bing Yin) mit Wärmeeigenschaften (2.6) verursacht werden. In den vier Jahreszeiten werden unterschiedliche Pathogene und demzufolge unterschiedliche Syndrome beobachtet. Das Pathogen gelangt durch Mund und Nase (Feng-Re/Wind-Hitze) oder über Haut und Muskulatur (Shu-Wen/Sommer-Hitze) in den Organismus und befällt zunächst die äußerste Schicht, in welcher das Abwehr-Wei-Qi (2.3.1) fließt. Die Krankheit tritt in der Regel plötzlich auf und zeigt vorwiegend Hitzesymptome. Je nach Stärke des Pathogens und des Zheng-Qi (2.3.1, Resistenzkraft) dringt sie in die Tiefe und schädigt leicht die Körpersäfte (Jin-Ye, Xue 2.3.3, 2.3.2). Sie befällt der Reihe nach die Schicht des Qi, des Ying und des Xue (lineare Entwicklung siehe Shun Chuan). Die Heilung erfolgt in umgekehrter Reihenfolge. Die Erkrankung kann eine Schicht überspringen oder einen unerwarteten Verlauf nehmen (Ni Chuan). Tritt die Krankheit in derselben Saison wie die Exposition auf, nennt man sie Neuerkrankung (Xin Gan Wen Bing). Tritt sie erst nach einer Inkubationszeit in der folgenden Saison auf, nennt man sie inkubative Erkrankung (Fu Qi Wen Bing). In den späten Krankheitsstadien werden sehr oft eine Erschöpfung der Körpersäfte und des Yin beobachtet.

Wichtige Begriffe bei Wen-Bing-Erkrankungen

  • Zheng-Qi (2.3.1): Gesundheitszustand, Resistenzkraft

  • Xie-Qi (2.6): Pathogener Faktor

  • Wen-Xie: Pathogener Faktor mit Wärmeeigenschaften

  • Shun Chuan: Lineare Entwicklung einer Wen-Bing-Erkrankung

  • Ni Chuan: Sprunghafte oder gegenläufige Entwicklung einer Wen-Bing-Erkrankung

  • Xin Gan Wen Bing: Neuerkrankung der Saison entsprechend

  • Fu Qi Wen Bing: Erkrankung nach Inkubation eines Pathogens in einer vorausgehenden Saison.

Verlauf und Transformation der Syndrome
Wen-Bing-Erkrankungen entwickeln sich in rasantem Tempo (Wandlung innerhalb von Stunden bis wenigen Tagen; Charakter von Feuer). Der Verlauf ist rasch fortschreitend. Daher bleibt für Diagnose und Therapie nur wenig Zeit. Im Gegensatz dazu entwickeln sich die Syndrome des Shang-Han-Lun (12.1) verhältnismäßig langsam (Wandlung im Verlauf von ein bis mehreren Tagen; Charakter von Wasser).

Faktoren, die eine Wen-Bing-Erkrankung begünstigen

  • Schwaches Zheng Qi (Resistenzkraft)

  • Starker pathogener Faktor (Xie Qi): Bezieht sich auf die Stärke des pathogenen Wärmefaktors: Wind-Hitze (Feng-Wen), Frühlings-Hitze (Chun-Wen) etc. (12.2.3)

  • Bing Yin/Liu Yin: Extreme oder nicht der Saison entsprechende Wettereinflüsse, Wetterwechsel

  • Soziale Faktoren: Schlechter Lebensstandard, Gesundheitszustand, Ernährungszustand, -gewohnheiten.

Allgemeine Charakteristika der vier Schichten

Wei Fen Zheng (Erkrankung in der Wei-[Äußere Abwehr-]Schicht)
Überwiegend Fülle-Krankheit. Syndrom zu Beginn der Erkrankung. Die äußere Schicht (Biao) ist betroffen, also die zerstreuende Funktion des Abwehr-Wei-Qi und die absenkende Funktion des Lungen-Qi.
  • Symptome: Fieber, leichte Kälteaversion (Frösteln), kein oder leichtes Schwitzen, Husten, etwas Durst, dünner weißer Zungenbelag, rote Zungenspitze

  • Therapieprinzipien: Oberfläche befreien mit kühlen, scharfen Kräutern (7.1.2.b) oder sinngemäße Akupunktur (10.2.1).

Qi Fen Zheng (Erkrankung in der Qi-Schicht)
Überwiegend Füllekrankheit. Syndrom bei geschwächtem Zheng-Qi oder starkem Xie-Qi (2.6) nach einer Wei-Schicht oder nach Inkubation einer nicht ausgeheilten Shang-Han- (12.1), Feng-Wen- (12.2.6) oder Shu-Wen-Erkrankung (12.2.8). Die Auseinandersetzung des Zheng-Qi mit dem Xie-Qi führt zu hohem Fieber. Meist sind die FK Lunge, Dickdarm, Milz, Magen und San Jiao in ihrer Funktion beeinträchtigt.
  • Kardinalsymptome: Hitzeaversion (hohes Fieber), profuses Schwitzen, großer Durst auf kalte Getränke, schlüpfriger, voller, großer Puls (Hua, Shi, Da), gelber und trockener Zungenbelag (Yangming-Schicht im Shang Han Lun 12.1.2)

  • Therapieprinzipien: Hitze im Qi-Stadium klären (Qing Qi Fa 10.2.2).

Ying Fen Zheng (Erkrankung in der Nähr-Ying-Schicht)
Überwiegend Mangelkrankheit. Syndrom mit Schädigung der Säfte und Bewusstseinstrübung.
  • Symptome: Gegen Abend ansteigendes Fieber, trockener Mund, jedoch kein großer Durst, Unruhe, Schlaflosigkeit, Delirium, diskrete Ausschläge, scharlachrote Zunge, dünner (fadenförmiger), beschleunigter Puls (Xi, Shuo)

  • Therapieprinzipien: Durch Klärung der Hitze in der Ying-Schicht gelangt sie zurück in die Qi-Schicht.

Xue Fen Zheng (Erkrankung in der Blut-Xue-Schicht)
Überwiegend Mangelkrankheit. Syndrom mit Erschöpfung der Blutsubstanz und gestörtem Blutfluss. Intensive, dynamische Hitze drängt das Blut aus den Gefäßen. Gestörter Blutfluss und Hitze begünstigen die Schleimbildung.
  • Symptome: Blutungen aus allen Körperöffnungen, Hautausschläge (Ban Zhen 12.2.4, Kasten), Unruhe, Delirium, Koma, tiefrote Zunge

  • Therapieprinzipien: Durch Kühlung und Belebung des Bluts (Liang Xue, Huo Xue) Hitze zurück- und nach außen leiten.

Merkmale unterschiedlicher Hitzetypen in Bezug zu den Jahreszeiten (Tab. 12.2)

Wind-Hitze (Feng-Wen)
Definition: Wind-Hitze gelangt über Nase und Mund in den Körper. Es handelt sich um eine akute fieberhafte Erkrankung im Winter oder Frühjahr (Xin Gan Wen Bing, 12.2.1, Kasten). Sie beginnt immer in der Wei-Schicht (12.2.2).
Frühlings-Hitze (Chun-Wen)
Definition: Transformation einer im Winter nicht ausgeheilten Shang-Han-Erkrankung (12.1), die (bei geschwächtem Zheng-Qi v.a. bei Yin-Mangel) nach Inkubation im Frühjahr ausbricht. Beginn in der Qi-Schicht, da sie bereits im Inneren sitzt (Fu Qi Wen Bing 12.2.1, Kasten). Der Ausbruch kann auch durch eine neue Shang-Han-Erkrankung (12.1) getriggert werden. Man findet dann Mischsyndrome mit äußerer Kälte und innerer Hitze.
Sommer-Hitze (Shu-Wen)
Definition: Im Sommer auftretendes Syndrom durch Eindringen von Sommer-Hitze und evtl. -Feuchtigkeit. Sommer-Hitze kann die Säfte schädigen und das Qi konsumieren. Begünstigt wird die Krankheit durch ein geschädigtes Zheng-Qi (z.B. durch Überarbeitung und übermäßigen Konsum von kalten Getränken). Sommer-Hitze hat Eigenschaften von Feuer, entwickelt sich rasant und dringt direkt in die Qi-Schicht unter Umgehung der Wei-Schicht (Ni-Chuan 12.2.1, Kasten). Sie kann sich mit Feuchtigkeit verbinden.
Feuchte-Hitze (Shi-Wen)
Definition: Im Spätsommer, aber auch in den vier Jahreszeiten auftretendes Syndrom. Diese Periode entspricht der Wandlungsphase Erde und damit auch den FK Milz und Magen, wozu eine besondere Affinität besteht. Die Krankheit entwickelt sich über die gleichen Stadien wie Wind-Hitze, bevorzugt aber die Qi-Schicht. Der pathogene Faktor dringt über Haut und Muskeln oder über die Nahrung in den Körper. Feuchte-Hitze ist im Gegensatz zur Sommer-Hitze durch eine eher langsame Entwicklung charakterisiert, da das Pathogen Feuchtigkeit die Dynamik bremst.
Inkubation von Sommer-Hitze (Fu-Shu)
Definition: Nach einer Inkubationsphase im Herbst oder Winter auftretendes Syndrom nach Exposition durch Sommer-Hitze (Fu Qi Wen Bing 12.2.1, Kasten). Auslöser ist meist ein zweiter pathogener Faktor. Der Beginn ist akut und der Verlauf protrahiert und schwer. Das Zheng-Qi (Resistenzkraft) ist bei dieser Erkrankung zu schwach, um den Faktor Sommer-Hitze zu eliminieren. Je nach Konstitution beginnt sie gleichzeitig in der Wei-Schicht und in der Qi-Schicht oder in der Wei-Schicht und in der Ying-Schicht. Mit dem Verschwinden der äußeren Symptome bleibt aber die innere Erkrankung weiterhin aktiv.
Herbst-Trockenheit (Qiu-Zao)
Definition: Syndrom durch Eindringen von Wärme-Trockenheit im Frühherbst, Kälte-Trockenheit im Spätherbst (Xin Gan Wen Bing 12.2.1, Kasten). Weniger zur Transformation neigende Erkrankung, die leichter zu behandeln ist. Zu Beginn trockene Kehle und Nase, trockener Husten, trockene Haut. Sie führt immer zu einem Säftemangel. Wärme-Trockenheit oder Kälte-Trockenheit unterscheidet sich nicht in der Behandlung. Wärme-Trockenheit gleicht der Wind-Hitze und ist eine schwerwiegendere Erkrankung als die Wind-Kälte, Kälte-Trockenheit gleicht der Wind-Kälte, ist aber eine schwerwiegendere Erkrankung als die Wind-Hitze.

Diagnostik von Wen-Bing-Syndromen

Die Diagnostik erfolgt nach den folgenden Kriterien:
  • Acht Leitkriterien (Ba Gang 4.2.1) zur Differenzierung von Hitze gegenüber Kälte, Fülle gegenüber Mangel und Außen gegenüber Innen

  • Äußere pathogene Faktoren (Liu Yin/Liu Xie 2.6) und die Jahreszeit

  • Syndromdifferenzierung der Zang-Fu-Organe (11) zur Lokalisierung der Krankheit

  • Besondere diagnostische Merkmale bei einer Wen-Bing-Erkrankung, um die Transformation von einer Schicht in die andere zu erkennen.

Besondere diagnostische Merkmale bei Wen-Bing-Erkrankungen

Neben den üblichen diagnostischen Merkmalen sind einige Symptome besonders zu beachten, da sie pathognomonisch oder von prognostischer Bedeutung sind.

Trockene Zähne

  • Glanz erhalten: Schädigung der Säfte und des Magen-Yin

  • Glanzlos: Schädigung der Säfte und des Nieren-Yin

Gingivablutung

  • Blutung mit Schwellung und Schmerz: Yangming-Fülle-Hitze

  • Blutung ohne Schwellung und Schmerz: Yin-Mangel-Hitze der Niere

Ban

Sind konfluierende, nicht tastbare, rote Maculae, die auf Spateldruck nicht verschwinden. Hinweis auf übergreifende, exzessive Hitze des Yangming in der Ying- und Xue-Schicht

Zhen

Sind hirsekorngroße, tastbare, rote Papulae. Hinweis auf übergreifende, stagnierende Hitze von der Hand-Taiyin (Lunge) auf die Ying-Schicht (Perikard)

Bai Pei (kleine Bläschen)

  • Gut gefüllte klare Bläschen, keine Benommenheit, sinkendes Fieber, Hinweis auf entweichende Feuchte-Hitze.

  • Schlecht gefüllte, trübe Bläschen, ansteigendes Fieber, Benommenheit bis Koma. Hinweis auf eindringende Feuchte-Hitze, Schädigung der Säfte

Delirium, Koma

Hinweis auf Hitze in der Ying- und Xue-Schicht

Scharlachrote Zunge

Hinweis auf Hitze in der Ying-Schicht

Tiefrote Zunge und Blutungen aus Körperöffnungen

Hinweis auf Hitze in der Xue-Schicht

Checkliste zur raschen Differenzierung der Symptome

  • 1.

    Frage: Akute Krankheit? Äußere Zeichen, wie Frösteln, Gliederschmerzen, Fieber oder andere Hitze-Zeichen? Hinweis auf eine fieberhafte Erkrankung (entweder Shang-Han- [12.1] oder Wen-Bing-Erkrankung [12.2]).

  • 2.

    Frage: Schon zu Beginn im äußeren Stadium Hitze-Zeichen vorhanden (z.B. Durst, Halsschmerzen, Halsrötung, rote Zungenspitze, leichtes Schwitzen und nur leichte Kälteaversion bzw. Frösteln? Hinweis eher auf eine Wen-Bing-Erkrankung.

  • 3.

    Frage: In welcher Jahreszeit tritt die Krankheit auf? Hinweis auf Wind-Hitze (Feng-Wen), Frühlings-Hitze (Chun-Wen) etc. als pathogenem Faktor (12.2.3); dadurch Grobdifferenzierung der Syndrome (12.2.6–12.2.11) möglich.

  • 4.

    Frage: In welche Schicht ist die Krankheit eingedrungen? In die Wei-, Qi-, Ying- oder Xue-Schicht (12.2.2)?

  • 5.

    Frage: Welche Zang-Fu-Organe sind betroffen?

Danach kann die Krankheit gemäß den Syndromen des Wen Bing Lun (12.2.6–12.2.11) eingeordnet werden.

Akupunktur der Wen-Bing-Erkrankungen

Das Wen-Bing-Lun wurde von Ärzten der Arzneimitteltherapie entwickelt. Anweisungen zur Akupunktur fehlen deshalb. Da die Akupunktur im Gegensatz zur Arzneimittelbehandlung eine äußere Methode ist, wird sie auch bevorzugt bei äußeren Erkrankungen (4.2.1, z.B. Meridianerkrankungen) verwendet. Die schwergradigen Syndrome des Wen-Bing-Lun sind aber ausnahmslos innere Erkrankungen und, falls die Prognose nicht infaust ist, eher den Arzneimitteln zugänglich. Adjuvanter Einsatz der Akupunktur ist jedoch möglich, so kann sie in Fällen, wo eine Verabreichung der Kräuter z.B. wegen Übelkeit und Erbrechen schwierig ist, die Voraussetzungen für die Therapie verbessern.
Leitlinien zur Akupunkturbehandlung von Wen-Bing-Erkrankungen:
  • Die Schicht berücksichtigen

  • Die betroffenen FK regulieren (11)

  • Die Symptome lindern.

Therapieprinzipien und Akupunktur in der Wei-Schicht
Die Oberfläche öffnen, das Pathogen ausleiten (10.2.1) durch Du14 (Dazhui), SJ5 (Waiguan), Di4 (Hegu), Di11 (Quchi), Lu9 (Shaoshang), Lu10 (Yuji).
Therapieprinzipien und Akupunktur in der Qi-Schicht
  • Die intensive Hitze kühlen und ausleiten: Quell-Ying-Punkte besonders der Yang-Meridiane (ableitend nadeln; Mikroaderlass)

  • Die FK regulieren: Rücken-Transport-Shu- (5.9.4) und Alarm-Mu-Punkte (5.9.5). Auswahl nach der Lokalisation des Problems. Die Ursprungs-Yuan-Qi-Punkte stimulieren. Die fünf Transport-Shu-Punkte (5.9.6) gemäß der Mutter-Sohn-Regel (2.2.2) auf die gestörten FK anwenden

  • Dem Säfteverlust vorbeugen durch Stärken der Magenfunktion und der Niere: Ma36 (Zusanli), Ni3 (Taixi), Ren4 (Guanyuan), Bl23 (Shenshu).

Therapieprinzipien und Akupunktur in der Ying-Schicht
Die Hitze kühlen, das Bewusstsein wiederherstellen: Ex-UE11 (Shixuan-Punkte 5.5.5), oder Brunnen-Jing-Punkte (5.9.6) mit Mikroaderlass; das Yin nähren: Ni3 (Taixi), Le3 (Taichong), Le8 (Ququan), Mi6 (Sanyinjiao).
Therapieprinzipien und Akupunktur in der Xue-Schicht
  • Das Blut kühlen und das Blut bewegen: Bl17 (Geshu), Mi10 (Xuehai), Mi6 (Sanyinjiao), Le3 (Taichong)

  • Die Blutung stillen a)durch Kühlung (siehe oben), b)durch Regulierung der Netzgefäße: Durchgangs-Luo- und Spalten-Xi-Punkte entsprechend der Blutungslokalisation verwenden

  • Das Yin nähren: Ni3 (Taixi), Le3 (Taichong), Le8 (Ququan), Mi6 (Sanyinjiao).

Syndrome bei Wind-Hitze (Feng-Wen)

In den nachfolgenden Abschnitten 12.2.6–12.2.11 (Syndrome des Wen Bing Lun) sind die Syndrome nach

  • Jahreszeit (1.Ordnung) und

  • Stadium bzw. Schicht (2.Ordnung) sowie nach

  • Zang-Fu-Organen (3.Ordnung) aufgelistet. Der Ordnung nach Zang Fu ist die Ordnung nach dem San Jiao gleichgestellt.

Entstehungsform: (Xin Gan Wen Bing 12.2.1, Faktoren).
Jahreszeit: Frühjahr oder Winter.
Wind-Hitze in der Wei-Schicht
  • Pathomechanismus: Wind-Hitze gelangt über Nase und Mund in den Körper und blockiert zuerst das Wei-Stadium (Windaversion, kein Schweiß) und später die zerstreuende Funktion des Lungen-Qi (Husten, Kälteaversion)

  • Symptome: Fieber, Windaversion, leichte Kälteaversion, kein oder leichtes Schwitzen, Kopfschmerzen, Halsschmerzen, evtl. Husten, leichter Durst. Zunge: Normal. Puls: Oberflächlich (Fu), beschleunigt (Shuo)

  • Therapieprinzipien: Oberfläche befreien mit kühlen scharfen und leichten Kräutern.

Rezept: Yin Qiao San (7.6.3.b), falls nur das Abwehr-Wei-Qi betroffen ist (kein Husten); Sang Ju Yin (7.6.3.b), falls auch das Lungen-Qi betroffen ist (Husten).
Wind-Hitze in der Qi-Schicht
Es werden Syndrome in den verschiedenen Regionen des San Jiao unterschieden:
Fülle-Hitze in der Lunge (Hauptsyndrom im oberen Jiao)
  • Pathomechanismus: Hitze blockiert die Funktion der Lunge, treibt den Schweiß aus

  • Symptome: Husten, Asthma, Spannung und Schmerz im Brustkorb, hohes Fieber, Schweiß, Durst, Unruhe. Zunge: Gelblicher Belag. Puls: Voll (Shi), beschleunigt (Shuo), schlüpfrig (Hua)

  • Therapieprinzipien: Hitze von der Lunge klären, die absenkende und verteilende Funktion der Lunge unterstützen, Asthma beruhigen.

Rezept: Ma Xing Shi Gan Tang (7.6.3.b).
Hitzestau im Thorax und Zwerchfell (assoziiertes Syndrom im oberen Jiao)
  • Symptome: Unruhe, Schlaflosigkeit, Brennen im Epigastrium.

Rezept: Zhi Zi (Dou) Chi Tang (13.18.2.n).
Schleim und Hitze im Thorax und im Epigastrium (assoziiertes Syndrom im oberen Jiao)
  • Symptome: Gesichtsrötung, Hitze der Oberfläche, Durst auf kalte Getränke, die sofort erbrochen werden, Spannung und Schmerz im Thorax und Epigastrium schlimmer auf Druck, Obstipation. Zunge: Gelber schlüpfriger Belag.

Rezept: Xiao Xian Xiong Tang (7.6.16.b)
Blockierung der Lunge, Hitzeschleim und Obstipation durch Hitze im Dickdarm (assoziiertes Syndrom im oberen Jiao)
  • Symptome: Husten und Atemnot mit viel Auswurf, undulierendes Fieber (tidal), Obstipation. Zunge: Gelblicher klebriger Belag.

Rezept: Xian Bai Cheng Qi Tang (nach Prof. Liu, Kursskript S.47): Gypsum fibrosum (Shi Gao) 5g, Rhei Rx. et Rz. (Da Huang) 9g, Armeniacae Sm. (amarum) (Xing Ren) 6g, Trichosanthis Sm. (Gua Lou Ren) 4,5g.
Schädigung des Yin von Lunge und Magen (assoziiertes Syndrom im oberen Jiao)
  • Symptome: Leicht fieberhafter Körper, trockener Husten mit wenig klebrigem Schleimauswurf, trockener Mund und Durst. Zunge: Rot mit wenig Belag. Puls: Dünn, fadenförmig (Xi).

Rezept: Sha Shen Mai Men Dong Tang.
Übertragung der Hitze von der Lunge auf den Dickdarm (assoziiertes Syndrom im mittleren Jiao)
  • Pathomechanismus: Übertragung der Hitze von der Lunge auf den Dickdarm

  • Symptome: Fieberhafter Körper, Husten, Diarrhö mit gelbem, heißem, fauligem Stuhl und Brennen am After. Zunge: Gelblicher Belag. Puls: Beschleunigt (Shuo)

  • Therapieprinzipien: Hitze klären und Diarrhö stoppen durch bittere und kalte Kräuter.

Rezept: Ge Gen Huang Lian Huang Qin Tang.
Fülle-Hitze im Yangming (assoziiertes Syndrom im mittleren Jiao)
Shang Han Lun (12.1.2, Yangming-Jing-[Meridian]-Syndrom).
Rezept: Bai Hu Tang (7.6.4.a).
Ansammlung von trockenen Stuhlmassen im Dickdarm (assoziiertes Syndrom im mittleren Jiao)
Shang Han Lun (12.1.2, Yangming-Fu-Syndrom).
Rezept: Da Cheng Qi Tang (7.6.5.a).
Wind-Hitze in der Ying-Schicht
Schädigung des Yin durch Hitze (Hauptsyndrom)
  • Pathomechanismus: Störung des Geist-Shen, Schädigung des Yin, gestörte Kontrolle der Netzgefäße über den darin erfolgenden Blutfluss

  • Symptome: Unruhe, gelegentlich Delirium, Nachmittagsfieber, trockene Lippen und Mund, wenig Durst, blasse Hautausschläge. Zunge: Tiefrote Zunge ohne oder mit dünnem Belag. Puls: Dünn, fadenförmig (Xi), beschleunigt (Shuo)

  • Therapieprinzipien: Hitze vom Ying-Stadium ins Qi-Stadium leiten, Yin nähren, Hitze im FK Herz klären.

Rezept: Qing Ying Tang (7.6.4.b). In diesem Rezept Rhinocerotis Cornu (Xi Qiao) ersetzen durch Bubali Cornu (Shui Niu Qiao).
Sonderform mit Hautausschlägen infolge Lungen-Hitze
  • Pathomechanismus: Eintritt der Lungen-Hitze über die Netzgefäße in die Ying-Schicht

  • Symptome: Husten, Spannung im Brustkorb, papulöse Hautausschläge (chinesisch Ban, 12.2.4). Zunge: Rot, dünner gelber Belag. Puls: Beschleunigt (Shuo)

  • Therapieprinzipien: Hitze klären und ausleiten durch Unterstützen der Lungenverteilungsfunktion, das Ying kühlen, die Ausschläge ausleiten.

Rezept: Yin Qiao San (7.6.3.b) und zusätzlich folgende Arzneien: Rehmanniae Rx. (Sheng Di Huang), Moutan Cx. (Mu Dan Pi), Isatidis Fo. (Da Qing Ye), Scrophulariae Rx. (Xuan Shen).
Sonderform mit Invasion des Perikards durch Hitze
  • Pathomechanismus: Blockade des Perikards durch Übergreifen von Hitze.

  • Symptome: Fieber und kalte Extremitäten, Bewusstlosigkeit, Delirium. Zunge: Tiefrot

  • Therapieprinzipien: Hitze im Perikard eliminieren, Bewusstsein wiederherstellen.

Rezept: An Gong Niu Huang Wan.
Sonderform mit Obstipation
Rezept: Niu Huang Cheng Qi Tang.
Sonderform mit Kollaps
Rezept: Sheng Mai San (7.6.10.a) oder Shen Fu Tang.

Syndrome bei Frühlings-Hitze (Chun-Wen) (12.2.3)

Entstehungsform: Bei Yin-Mangel kann sich eine Shang-Han-Erkrankung (12.1) durch Inkubation im Frühjahr in eine Chun-Wen-Erkrankung transformieren (Fu Xi Wen Bing 12.2.1, Kasten). Es handelt sich um eine akute schwere Erkrankung, die direkt die Qi-Schicht attackiert.
Akupunktur: 12.2.5.
Frühlings-Hitze in der Qi-Schicht
Stagnierende Hitze in der Gallenblase
  • Pathomechnismus: Hitzestauung in der Gallenblase

  • Symptome: Fieber, bitterer Mundgeschmack, Übelkeit, Unruhe, Durst. Zunge: Seitlich gerötet. Puls: Saitenförmig (Xian), beschleunigt (Shuo)

  • Therapieprinzipien: Hitze klären und zerteilen.

Rezept: Huang Qin Tang zusätzlich mit Sojae praep Sm. (Jia Dan Dou Chi) und Scrophulariae Rx. (Xuan Shen).
Stagnierende Hitze in der Brust und im Zwerchfell
  • Pathomechanismus: Beginnende Invasion in der Qi-Schicht, Stauungshitze

  • Symptome: Verschwinden der Oberflächensymptome und beginnende Symptome des Qi-Stadiums: Leichtes Fieber, keine Kälteaversion, Durst, Brennen im Epigastrium, Unruhe, Schlaflosigkeit. Zunge: Gelblicher Belag

  • Therapieprinzipien: Hitze klären durch leichte (nicht absenkende) Arzneien.

Rezept: Zhi Zi (Dou) Chi Tang (13.18.2.n), Syndrome bei Wind-Hitze (Feng-Wen).
Brennen im Brustkorb und Zwerchfell mit leichter Obstipation
  • Pathomechanismus: Hitze überträgt sich vom Brustkorb auf den Dickdarm

  • Symptome: Fieber, brennendes Gefühl im Brustkorb und Zwerchfell, Unruhe, Obstipation, Durst, trockene Lippen und Kehle. Zunge: Rot, gelber Belag. Puls: Schlüpfrig (Hua), beschleunigt (Shuo).

  • Therapieprinzipien: Hitze klären, nach unten abführen.

Rezept: Liang Ge San (7.6.5.a).
Hitze im Yangming (12.1.2, Shang Han Lun)
Obstipation infolge Hitze im Dickdarm
Rezept: Zeng Ye Cheng Qi Tang.
Hitzeexzess im Dünndarm
  • Symptome: Spärliches Harnträufeln von dunkelgelbem oder rotem Urin.

Rezept: Dao Chi Cheng Qi Tang (nach Prof. Liu: S.66) enthält: Rehmanniae Rx. (Sheng Di Huang) 15g, Rhei Rx. et Rz. (Da Huang) 9g, Natrii Sulfas (Mang Xiao) 3g, Paeoniae Rx. rubra (Chi Shao Yao) 9g, Coptidis Rz. (Huang Lian) 6g, Phellodendri Cx. (Huang Bai) 6g.
Frühlings-Hitze in der Ying- und Xue-Schicht
Hitze in der Qi- und Ying-Schicht
  • Pathomechanismus: Intensive Hitze dringt von der Qi- in die Ying-(Xue)-Schicht

  • Symptome der Qi-Schicht: Analog zum Yangming-Syndrom (12.1.2, Shang Han Lun)

  • Symptome der Ying- und Xue-Schichten: Ban und Zhen (12.2.4), Hämatemesis, Epistaxis. Zunge und Puls: Zunge rot und Puls groß und voll wie beim Yangming-Syndrom

  • Therapieprinzipien: Hitze aus den Qi- und Ying-(Xue)-Schichten ausleiten.

Rezept: Yu Nü Jian(7.6.4.d) oder Qing Wen Bai Du Yin oder Hua Ban Tang.
Schädigung des Yin (12.2.6 Wind-Hitze)
Fülle-Hitze und Toxine
  • Pathomechanismus: (Dynamische) Hitze drängt das Blut-Xue aus den Gefäßen

  • Symptome: Blutungen aus allen Körperöffnungen, großflächige Hautausschläge, Bewusstseinsverlust, Delirium; livide Fingernägel, Lippen und Gesicht als Ausdruck der Blut-Stase. Zunge: Tiefdunkelrot

  • Therapieprinzipien: Blut kühlen und bewegen, Hitze aus den Ying- und Xue-Schichten klären.

Rezept: Xi Jiao Di Huang Tang (7.6.4.b).
Verbindung von Hitze im Blut und Blut-Stase
  • Pathomechanismus: Hitze und Blut-Stase im unteren Jiao

  • Symptome: Schwarzer Stuhl, harte Spannung der Bauchdecke im Unterbauch, trockener Mund, normale Miktion, manisches Zustandsbild. Zunge: Purpur oder mit Purpurflecken. Puls: Tief (Chen), behäbig, zögernd (Huan)

  • Therapieprinzipien: Hitze nach unten abführen (10.2.4), Blut bewegen.

Rezept: Tao Ren Cheng Qi Tang.
Eindringen der Hitze ins Perikard (12.2.6, Syndrome bei Wind-Hitze)
Innerer Wind infolge Leber-Feuer
  • Pathomechanismus: Eindringen von Hitze in die Leber, dadurch wird innerer Wind erzeugt

  • Symptome: Unwillkürliche Bewegungen der Extremitäten, Krämpfe, Steifigkeit von Nacken und Rumpf, hohes Fieber, Schwindel, berstender Kopfschmerz, Bewusstseinsverlust, manisches Zustandsbild, kalte Extremitäten. Puls: Saitenförmig (Xian), beschleunigt (Shuo)

  • Therapieprinzipien: Die Leber kühlen, den Wind besänftigen.

Rezept: Ling Jiao Gou Teng Tang.
Hitzeschädigung des Nieren-Yin
Überaktivität des Feuers durch Schädigung des Yin.
  • Pathomechanismus: Überaktivität des Herz-Feuers infolge Schädigung des Nieren-Yin (Disharmonie zwischen Herz und Niere 11.11.11)

  • Symptome: Fieber, Einschlafstörungen. Zunge: Rot. Puls: Dünn, fadenförmig (Xi), beschleunigt (Shuo)

  • Therapieprinzipien: Das Yin ergänzen, das Feuer reduzieren.

Rezept: Huang Lian E Jiao Tang.
Erschöpfung des Yin von Niere und Leber
  • Pathomechanismus: Yin-Erschöpfung durch Hitze führt zu Überaktivität des Yang

  • Symptome: Taubheit, Schwerhörigkeit, trockene Kehle, trockene Zähne, Lustlosigkeit, heiße Fußsohlen und Handflächen, leichtes persistierendes Fieber. Zunge: Trocken und tiefrot

  • Therapieprinzipien: Yin von Niere und Leber nähren.

Rezept: Jia Jian Fu Mai Tang.
Chronische Hitze in Niere und Leber (Ying-Schicht)
  • Pathomechanismus: Persistierende Hitze in Leber und Niere mit Yin-Schädigung

  • Symptome: Protrahierter Krankheitsverlauf mit Auszehrung, Fieber (gegen Abend ansteigend, am Morgen verschwindend), kein Schwitzen beim Entfiebern. Zunge: Rot mit wenig Belag. Puls: Fadenförmig (Xi), etwas beschleunigt (Shuo)

  • Therapieprinzip: Hitze zerstreuen, Yin ernähren.

Rezept: Qing Hao Bie Jia Tang.

Syndrome bei Sommer-Hitze (Shu-Wen)

Entstehungsform: Eindringen von Sommer-Hitze über Haut und Muskulatur bei geschwächtem Zheng-Qi. Akuter Verlauf. Dringt direkt in die Qi-Schicht.
Sommer-Hitze ohne Feuchtigkeit in der Qi-Schicht
Attackierung des Yangming durch Sommer-Hitze
  • Dieses Syndrom wurde bereits im Shang Han Lun (12.1.2) abgehandelt. Sind die Säfte und das Qi angegriffen, dann entwickeln sich zusätzliche Symptome wie leichte Kälteaversion am Rücken, hohler, Zwiebel-/Lauchstängelförmiger Puls (Kou Mai). In diesem Fall muss eine etwas abweichende Behandlung erfolgen mit:

Rezept: Ren Shen Jia Bai Hu Tang enthält: Bai Hu Tang (7.6.4.a) mit Ginseng Rx. (Ren Shen).
Das Syndrom kann nahtlos übergehen in das folgende:
Säfte und Qi-Schädigung durch Sommer-Hitze
  • Pathomechanismus: Schädigung der Säfte und des Qi durch Stagnation von Sommer-Hitze

  • Symptome: Fieber, Unruhe, gelber Urin, Durst, Schwäche, Apathie, Spontanschweiß, oberflächliche Atmung. Puls: Schwach, leer (Ruo, Xu)

  • Therapieprinzipien: Hitze klären, Qi und Säfte ergänzen.

Rezept: Wang Shi Qing Zhu Yi Qi Tang (nach Prof. Liu, Kursskript S.81) enthält: Panacis quinquefolii Rx. (Xi Yang Shen) 9g, Dendrobii Hb (Shi Hu) 9g (cave: Steht unter Artenschutz), Ophiopogonis Rx. (Mai Men Dong) 6g, Coptidis Rz. (Huang Lian) 3g, Lophateri Hb. (Dan Zhu Ye) 9g, Nelumbinis Caulis (He Geng) 9g, Anemarrhenae Rz. (Zhi Mu) 9g, Glycyrrhizae Rx. (et Rz.) (Gan Cao) 3g, Oryzae Fr. (Geng Mi glutenfreier Reis!) 9g, Citrulli Exocarpium (Xi Gua Pi) 12g.
Drohende Erschöpfung von Qi und Säften
  • Pathomechanismus: Kollaps von Qi und Säften durch Hitze

  • Symptome: Persistierendes Schwitzen nach dem Sinken des Fiebers, kurze, oberflächliche, erschwerte Atmung, Durst, trockene Kehle, rote Lippen. Zunge: Rot. Puls: Zerfließend (San)

  • Therapieprinzipien: Qi tonisieren und den Säfteverlust (beim Schwitzen) stoppen.

Rezept: Sheng Mai San (7.6.10.a).
Sommer-Hitze ohne Feuchtigkeit in der Ying- und Xue-Schicht
Eindringen der Sommer-Hitze ins Perikard (Syndrome bei Wind-Hitze 12.2.6)
  • Therapieprinzipen: Den bewusstlosen Patienten an einen kühlen Ort bringen, ansonsten gelten die Maßnahmen wie bei Wind-Hitze (12.2.6).

Innerer Wind durch Leber-Hitze (Syndrome bei Frühlings-Hitze [Chun Wen, 12.2.7])
Eindringen der Sommer-Hitze in die Xue-Schicht
  • Pathomechanismus: Transformierung von Hitze in Feuer und Toxin

  • Symptome: Ausschläge (Ban), Hämatemesis, Epistaxis (purpurfarbenes oder dunkelrotes Blut), Fieber, Unruhe, Koma und Delirium (12.2.4, Kasten). (Anmerkung: Blutungen, die purpur oder dunkel sind, zeigen die Transformierung von Hitze in Feuer oder in Toxin)

  • Therapieprinzipien: Blut kühlen, Toxin klären, Sommer-Hitze ausleiten, Bewusstsein wiederherstellen.

Rezept: An Gong Niu Huang Wan.
Schädigung von Herz und Niere durch Sommer-Hitze
  • Pathomechanismus: Disharmonie zwischen Herz und Niere infolge von Schädigung des Yin von Leber und Niere

  • Symptome: Hitzegefühl in der Brust, Unruhe, starker Durst, Taubheit der Extremitäten. Zunge: Hellrot, trocken mit gelbem Belag

  • Therapieprinzipien: Überaktives Feuer des Herzens klären, Yin von Niere und Leber nähren.

Rezept: Lian Mei Tang (nach Prof. Liu, Kursskript S.84) enthält: Coptidis Rz. (Huang Lian) 6g, Mume Fr. (Wu Mei) 9g, Ophiopogonis Rx. (Mai Men Dong) 9g, Rehmanniae Rx. (Sheng Di Huang) 9g, Asini Corii Colla (E Jiao) 6g.
Persistierende Hitze und Obstruktion der Netzgefäße durch Schleim und Blut-Stagnation
  • Pathomechanismus: Persistierende Hitze und Obstruktion von Netzgefäßen und Herz durch Schleim und Blut-Stase

  • Symptome: Chronisches leichtes Fieber, Zittern, Spasmen und Steifigkeit von Händen und Füßen, verlangsamte Reaktion, Demenz

  • Therapieprinzipien: Hitze eliminieren, Schleim auflösen, Zirkulation in den Netzgefäßen anregen, die Stase beheben.

Rezept: San Jia San (nach Prof. Liu, Kursskript S.85) enthält: Eupolyphaga/Stelophaga (Tu Bie Chong) 9g, Trionycis Carapax (Bie Jia) 12g, Manitis Squama (Chuan Shan Jia) 9g, Bupleuri Rx. (Chai Hu) 6g, Persicae Sm. (Tao Ren) 12g, Bombyx (Bai Jiang Can) 6g.
Sommer-Hitze mit Feuchtigkeit in der Wei- und Qi-Schicht
  • Pathomechanismus: Im Inneren stagnierende Sommer-Hitze mit äußerem Kältefaktor

  • Symptome: Fieber, Spannungsgefühl im Epigastrium, Unruhe, Unbehagen, Kälteaversion, kein Schwitzen. Zunge: Klebriger Belag

  • Therapieprinzipien: Äußere Kälte eliminieren, innere Hitze klären, Feuchtigkeit auflösen.

Rezept: Xin Jia Xiang Ru Yin.
Sommer-Hitze und Feuchtigkeit attackieren die Lunge und die Wei-Schicht
  • Pathomechanismus: Attackierung von Lunge und Wei-Schicht durch Sommer-Hitze und Feuchtigkeit

  • Symptome: Fieber, Durst, Husten ohne Auswurf, Spannung im Brustkorb, Kälteaversion, Schwindel, schwerer Kopf. Zunge: Weißer, klebriger Belag. Puls: Beschleunigt (Shuo), weich (Ruan)

  • Therapieprinzipien: Sommer-Hitze klären, Feuchtigkeit auflösen, ausbreitende Funktion der Lunge unterstützen.

Rezept:
  • Falls vorwiegend die Lunge betroffen: Sang Ju Yin (7.6.3.b) zusätzlich Artemisiae annuae Hb. (Qing Hao) und Aristolochiae Fr. (Ma Dou Ling, [cave: Aristolochia ist in Europa verboten; ersetzen durch Mori Cx. (Sang Bai Pi)]

  • Falls vorwiegend die Wei-Schicht betroffen: Lei Shi Qing Liang Di Shu Tang.

Schädigung der Netzgefäße der Lunge durch Sommer-Hitze
  • Pathomechanismus: Mangelhafte Kontrolle des Blutes durch die Netzgefäße infolge Schädigung durch Sommer-Hitze

  • Symptome: Hämoptoe, Hämoptysis, Dyspnoe, Nasenflügelatmung, livide Gesichtsfarbe, Fieber, Durst, Bewusstlosigkeit oder Palpitationen, schwerer Kopf, verschwommenes Sehen

  • Therapieprinzipien: Hitze klären, Blut kühlen und bewegen.

Cave: Tonisieren und Blutstillen sind hier verbotene Therapieverfahren!
Rezept: Qing Luo Yin.
Anhäufung von Hitze und Feuchtigkeit im mittleren Jiao
  • Pathomechanismus: Anhäufung von Sommer-Hitze im mittleren Jiao mit Überwiegen von Hitze

  • Symptome: Hohes Fieber, Unruhe, Durst, profuses Schwitzen, Spannung im Oberbauch, Schweregefühl am ganzen Körper. Puls: Voll (Shi)

  • Therapieprinzipien: Hitze im Magen klären und Feuchtigkeit in der Milz auflösen.

Rezept: Bai Hu Jia Cang Zhu Tang (enthält: Bai Hu Tang [7.6.4.a] zusätzlich Atractylodis Rz. [Cang Zhu]).
Ausdehnung der Sommer-Hitze in alle drei Jiao
  • Symptome: Hämoptoe, Spannung im Brustkorb, Taubheit, Spannung im Epigastrium, wässrige Diarrhö, etwas Durst, spärlicher dunkelgelber Urin, Fieber, Gesichtsrötung. Zunge: Rot, gelber Belag

  • Therapieprinzipien: Hitze klären, Feuchtigkeit eliminieren durch Aktivierung des Qi und des Säfteflusses in allen Jiao.

Rezept: San Shi Tang (nach Prof. Liu, Kursskript S.99) enthält: Talcum (Hua Shi) 9g, Gypsum fibrosum (Shi Gao) 15g, Glauberitum (Han Shui Shi) 9g, Armeniacae Sm. (amarum) (Xing Ren) 9g, Bambusae Caulis in taeniam (Zhu Ru) 9g, Lonicerae Fl. (Jin Yin Hua) 9g, Tetrapanacis Papyriferi Medulla (Tong Cao) 6g.

Syndrome bei Feuchte-Wärme (Shi-Wen)

Entstehungsform: Eindringen von Feuchte-Wärme über Haut, Muskulatur und Nahrung. Direkte Schädigung in der Wei- und Qi-Schicht.
Akupunktur: 12.2.5.
Feuchte-Wärme in der Wei- und Qi-Schicht mit Überwiegen der Feuchtigkeit
Stagnation von Qi und Wei durch Feuchtigkeit
  • Pathomechanismus: Blockierung des Abwehr-Wei-Qi, Dysfunktion der Milz mit Überwiegen von Feuchtigkeit

  • Symptome: Intermittierendes Fieber, speziell am Nachmittag, Kälteaversion, Schweregefühl und Schmerzen am Körper und am Kopf, leichtes Schwitzen, Spannungsgefühl im Thorax und Epigastrium. Zunge: Weißer, klebriger Zungenbelag. Puls: Weich (Ruo)Cave: Bei oberflächlicher Betrachtung sind Verwechslungen mit dem Taiyang-Syndrom (12.1.1, Shang Han Lun) und dem Syndrom Nahrungsstagnation im Magen (11.6.5) möglich!

  • Therapieprinzipien: Feuchtigkeit zerteilen und auflösen.

Rezept: Huo Po Xia Ling Tang, wenn vorwiegend die Wei-Schicht betroffen ist. San Ren Tang (7.6.8.b), wenn vorwiegend die Qi-Schicht betroffen ist.
Anhäufung von trüber Feuchtigkeit im pleurodiaphragmatischen Zwischenraum (Mo Yuan)
  • Pathomechanismus: Auseinandersetzung des Zheng-Qi (Resistenzkraft) mit Feuchtigkeit im Mo Yuan, welches zu gegenläufigem Magen-Qi führt. Die Hitze ist in der Feuchtigkeit eingeschlossen, aber nur schwach manifest

  • Symptome: Wechsel von Fieber und Frösteln mit Zittern, Übelkeit, Erbrechen, Spannungsgefühl im Epigastrium, körperliches Schweregefühl. Zunge: Weißer, dicker, klebriger, trockener Belag, wie gepudert

  • Therapieprinzipien: Trübe Feuchtigkeit aus dem Mo Yuan zerstreuen und austreiben.

Rezept: Lei Shi Xuan Tou Mo Yuan Fa (nach Prof. Liu, Kursskript S.98) enthält: Magnoliae officinalis Cx. (Hou Po) 3g, Arecae Sm. (Bing Lang) 4.5g, Tsaoko Fr. (Cao Guo) 2.4g, Scutellariae Rx. (Huang Qin) 3g, Glycyrrhizae Rx. (et Rz.) (Gan Cao) 1.5g, Agastaches/Pogostemonis Hb. (Huo Xiang) 3g, Pinelliae Rz. praep. (Zhi Ban Xia) 4.5g, Zingiberis Rz. recens (Sheng Jiang) zwei Stück.
Anhäufung von Feuchtigkeit im Shaoyang San Jiao
Cave: Verwechslung mit Shaoyang-Syndrom im Shang Han Lun (12.1.2) möglich.
  • Pathomechanismus: Dysfunktion des Shaoyang San Jiao durch Anhäufung von Feuchtigkeit

  • Symptome: Wechsel von Frösteln und Fieber, Spannung im Thorax und Epigastrium, spärlicher dunkelgelber Urin. Zunge: Weißer, schmieriger Belag

  • Therapieprinzipien: Hitze aus der Feuchtigkeit lösen, Feuchtigkeit eliminieren durch Aktivierung der Funktion des San Jiao.

Rezept: Hao Qin Qing Dan Tang und Wen Dan Tang Jia Qing Hao/Huang Qin/Huang Lian/Hua Shi enthält: Wen Dan Tang (7.6.16.b), zusätzlich Artemisiae Hb. (Qing Hao), Scutellariae Rx. (Huang Qin), Coptidis Rz. (Huang Lian), Talcum (Hua Shi).
Störung der Funktion von Milz und Magen im mittleren Jiao durch Feuchtigkeit
  • Pathomechanismus: Ungenügende Transport- und Transformationsfunktion der Milz infolge Anhäufung von Feuchtigkeit im mittleren Jiao

  • Symptome: Spannung im Thorax und Epigastrium, Übelkeit, Brechreiz, lockere Stühle, intermittierendes Fieber, kein Durst oder wenig Durst mit Lust auf wenig warme Getränke, trüber Urin. Zunge: Weißer, klebriger Belag

  • Therapieprinzipien: Trocknung und Auflösung der Feuchtigkeit.

Rezept: Lei Shi Fan Xiang Huan Zhuo Fa (Maciocia [1994, 1997], S.864).
Anhäufung von Feuchtigkeit in der Blase
  • Pathomechanismus: Störung der Blasenfunktion im Wassermetabolismus durch Feuchtigkeitsretention

  • Symptome: Dysurie oder erschwerte Miktion, Spannung und Hitze im Kopf, Übelkeit und Erbrechen, Durst, kann aber nur kleine Mengen Flüssigkeit trinken. Zunge: Weißer, klebriger Zungenbelag

  • Therapieprinzipien: Feuchtigkeit ausleiten.

Rezept: Fu Ling Pi Tang (Maciocia [1994, 1997], S.859).
Störung der Transportfunktion des Dickdarms infolge Feuchtigkeitsretention
  • Pathomechanismus: Störung der Transportfunktion des Dickdarms durch Qi-Stagnation infolge von Feuchtigkeitsretention

  • Symptome: Bretthartes Abdomen, Obstipation. Zunge: Dicker, klebriger Belag

  • Therapieprinzipien: Qi-Zirkulation im Dickdarm unterstützen, Feuchtigkeit über die Blase eliminieren.

Rezept: Xuan Qing Dao Zhu Tang (nach Prof. Liu, Kursskript S.101) enthält: Polyporus (Zhu Ling) 15g, Poria (Fu Ling) 15g, Glauberitum (Han Shui Shi) 18g, Bombycis Faeces (Can Sha) 12g, Glediciae Spina (Zao Jiao Zi) 9g.
Feuchtigkeit und Hitze in der Qi-Schicht zu gleichen Anteilen
Qi-Stagnation durch Feuchte-Hitze
  • Pathomechanismus: Qi-Stagnation, Transformation von Feuchte-Hitze in Toxine

  • Symptome: Schmerzen und Schlappheit im Körper, Halsschmerzen, Spannung in der Brust und Abdomen, Übelkeit, Erbrechen, Gelbsucht, Durst, spärlicher, gelber Urin. Zunge: Gelblicher, klebriger Belag

  • Therapieprinzipien: Hitze klären, Toxine eliminieren, Feuchtigkeit auflösen.

Rezept: Gan Lu Xiao Du Dan.
Anhäufung von Feuchtigkeit im mittleren Jiao
  • Pathomechanismus: Obstruktion der Qi-Zirkulation durch Feuchtigkeit im mittleren Jiao infolge Feuchte-Hitze

  • Symptome: Spannung im Thorax und Abdomen, Übelkeit und Erbrechen, Fieber wird nicht reduziert durch Schwitzen, Durst, Unruhe, spärlicher Urin. Zunge: Gelblicher, klebriger Belag

  • Theapieprinzipien: Hitze klären, Feuchtigkeit auflösen.

Rezept: Wang Shi Lian Po Yin (nach Prof. Liu, Kursskript S.103) enthält: Coptidis Rz. (Huang Lian) 3g, Magnoliae officinalis Cx. (Hou Po) 3g, Acori tatarinowii Rz. (Shi Chang Pu) 3g, Pinelliae Rz. praep (Ban Xia) 3g, Sojae Sm. praep. (Dan Dou Chi) 9g, Gardeniae Fr. (Zhi Zi) 9g.
Trübung des Perikards durch Schleim infolge Feuchte-Hitze
  • Pathomechanismus: Schleim infolge Feuchte-Hitze trübt das Perikard

  • Symptome: Bewusstseinstrübung, Bewusstlosigkeit, Delirium, Fieber. Zunge: Gelber, klebriger Belag. Puls: Weich (Rou), beschleunigt (Shuo)

  • Therapieprinzipien: Hitze klären, Feuchtigkeit auflösen, Schleim eliminieren, Bewusstsein wiederherstellen.

Rezept: Chang Pu Yu Jin Tang (nach Prof. Liu, Kursskript S.104) enthält: Acori tatarinowii Rz. (Shi Chang Pu) 9g, Curcumae Rx. (Yu Jin) 6g, Forsythiae Fr. (Lian Qiao) 6g, Gardeniae Fr. (Zhi Zi) 9g, Akebiae Caulis (Mu Tong) 4.5g, Lophateri Hb. (Dan Zhu Ye) 9g, Moutan Cx. (Mu Dan Pi) 9g, Bambusae Succus (Zhu Li) 15g, Junci Medulla (Deng Xin Cao) 6g, Pivot Pille (Patentmedizin zur Wiederbelebung) (Yu Shu Dan) 1.5g.
Feuchte-Hitze in der Qi-Schicht mit Überwiegen von Hitze
Entspricht Sommer-Hitze und Feuchtigkeit in der Wei- und Qi-Schicht (12.2.8).
Anhäufung von Hitze und Feuchtigkeit im mittleren Jiao
Rezept: Bai Hu Jia Cang Zhu Tang.
Persistierende Feuchtigkeit und Hitze
Persistierende Feuchte-Hitze
  • Pathomechanismus: Unvollständige Erholung von Milz und Magen infolge Feuchte-Hitze

  • Symptome: Leichte Spannung im Epigastrium, Hunger, aber appetitlos. Zunge: Leicht klebriger Zungenbelag

  • Therapieprinzipien: Feuchtigkeit eliminieren.

Rezept: Wu Ye Lu Gen Tang (nach Prof. Liu, Kursskript S. 105) enthält: Agastache/Pogostemonis Hb (Huo Xiang [Ye]) 9g, Menthae haplocalycis Hb. (Bo He [Ye]) 3g, Agrimoniae Hb. (Xian He [Ye]) 9g, Eriobotryae Fo. (Pi Pa Ye) 6g, Eupatorii Hb. (Pei Lan [Ye]) 9g, Phragmitis Rz. (Lu Gen) 6g, Benincasae Sm. (Dong Gua Zi) 6g.
Feuchte-Hitze in der Ying- und Xue-Schicht
Darmblutung
  • Pathomechanismus: Schädigung der Netzgefäße des Dickdarms durch Feuer-Toxin

  • Symptome: Hohes Fieber, Unruhe, hellrote Blutung mit Stuhl vermengt. Zunge: Tief hellroter Zungenkörper

  • Therapieprinzipien: Blut kühlen, Toxine eliminieren, Blutung stoppen.

Rezept: Xi Jiao Di Huang Tang.
Kollaps des Yang-Qi mit massiver Blutung
  • Pathomechanismus: Blutung infolge Kollaps des Yang-Qi

  • Symptome: Persistierende Blutung, blasses glanzloses Gesicht, profuses Schwitzen, kalte Extremitäten. Zunge: Blass. Puls: Fadenförmig, dünn (Xi)

  • Therapieprinzipien: Qi tonisieren, Kollaps beheben.

Rezept: Du Shen Tang.

Syndrome bei inkubativer Sommer-Hitze (Fu-Shu)

Entstehungsform: Erkrankung im Herbst nach Inkubation von Sommer-Hitze und durch einen zusätzlichen Faktor (Trigger) (Fu Xi Wen Bing 12.2.1, Kasten).
Akupunktur: 12.2.5.
Inkubative Sommer-Hitze in der Wei- und Qi-Schicht (Ying-Schicht)
Koexistenz von Wei-Schicht und Qi-Schicht
  • Pathomechanismus: Sommer-Hitze wird induziert durch Wind-Kälte

  • Symptome: Fieber, Kälteaversion, Kopfschmerzen, Zerschlagenheit, kein Schweiß, Unruhe, Durst, spärlicher dunkler, gelber Urin, Spannung im Thorax. Zunge: Klebriger Belag. Puls: Weich (Ruo), beschleunigt (Shuo)

  • Therapieprinzipien: Elimination des äußeren Krankheitsbildes durch warme scharfe Kräuter, Klärung der Sommer-Hitze durch bittere kalte Kräuter, Feuchtigkeit auflösen durch bittere, warme Kräuter.

Rezept: Huang Lian Xiang Ru Yin (nach Prof. Liu, Kursskript S.109) enthält: Coptidis Rz. (Huang Lian) 1.5g, Moslae/ Elsholtziae Hb. (Xiang Ru) 6g, Lablab Sm. album (Bai Bian Dou) 6g, Magnoliae officinalis Cx. (Hou Po) 6g.
Koexistenz von Wei- und Ying-Schicht
  • Pathomechanismus: Wind-Hitze induziert die inkubierte Sommer-Hitze und schädigt das Ying

  • Symptome: Unruhe, trockener Mund, Fieber, Kälteaversion, Kopfschmerzen, leichtes Schwitzen. Zunge: Rot, wenig Belag

  • Therapieprinzipien: Die Oberfläche befreien durch kühle scharfe Kräuter, Sommer-Hitze vom Ying klären.

Rezept: Yin Qiao San (7.6.3.b) und zusätzlich Rehmanniae Rx. (Sheng Di Huang), Paeoniae Rx. rubra (Chi Shao Yao), Ophiopogonis Rx. (Mai Men Dong), Moutan Cx. (Mu Dan Pi).
Inkubative Sommer-Hitze in der Qi-Schicht
Sommer-Hitze und Feuchtigkeit im Shaoyang-San-Jiao
  • Pathomechanismus: Anhäufung von Sommer-Hitze und Feuchtigkeit im Shaoyang-San-Jiao führt zu Qi-Blockade.

  • Symptome: Irreguläres wechselndes Fieber und Frösteln, Fieber überwiegt, Spannung im Brustkorb, Durst, Unruhe, Nachmittagsfieber mit Verschlimmerung am Abend, besser nach leichtem Schwitzen. Zunge: Klebriger, gelblicher Zungenbelag

  • Therapieprinzipien: Sommer-Hitze klären, Feuchtigkeit auflösen.

Rezept: Hao Qin Qing Dan Tang (12.2.9), Syndrom bei Feuchte-Hitze: Anhäufung von Feuchtigkeit im Shaoyang-San-Jiao.
Cave: Differenzierung zu Malaria wichtig.
Feuchte-Hitze kombiniert mit Nahrungsstau im Magen und Dickdarm
  • Pathomechanismus: Feuchtigkeitsretention im Magen und Dickdarm führt zu Störung des Transportmechanismus im Dickdarm und zu gegenläufigem Magen-Qi

  • Symptome: Hitzegefühl in Brust und Abdomen, Übelkeit, Erbrechen, weiche Stühle, Stuhlfarbe in hellgelb, unangenehmes Gefühl nach Stuhlgang. Zunge: Gelblicher, klebriger Belag

  • Therapieprinzipien: Feuchtigkeit durch leichtes Abführen entfernen, Hitze klären und Feuchtigkeit auflösen.

Rezept: Zhi Shi Dao Zhi Wan
Inkubative Sommer-Hitze in der Ying- und Xue-Schicht
Verlagerung der Sommer-Hitze von der Herz und Ying-Schicht in den Dünndarm
  • Pathomechanismus: Verlagerung der Sommer-Hitze von der Herz und Ying-Schicht in den Dünndarm

  • Symptome: Fieber am Tag niedrig, am Abend hoch, Unruhe und Schlaflosigkeit, trockener Mund ohne Durst, spärlicher, dunkler, gelber Urin, Hitze und Schmerzen bei der Miktion

  • Therapieprinzipien: Sommer-Hitze im Herz klären, Ying-Schicht kühlen, Hitze im Dünndarm reduzieren durch Diurese.

Rezept: Dao Chi Qing Xin Tang (nach Prof. Liu, Kursskript S. 112) enthält: Rehmanniae Rx. (Sheng Di Huang) 18g, Poriae Sclerotium pararadicis (Fu Shen) 6g, Akebiae Caulis (Mu Tong) 1.5g, Ophiopogonis Rx. (Mai Men Dong) 3g, Moutan Cx. (Mu Dan Pi) 6g, Lophateri Hb. (Dan Zhu Ye) 4.5g, Nelumbinis Plumula (Lian Zi Xin) 30 Stück, Medulla Junci Effusi (Deng Xin Cao).
Blockade des Perikards durch Sommer-Hitze mit Obstruktion der Netzgefäße
  • Pathomechanismus: Blockade des Perikards durch Sommer-Hitze mit Obstruktion der Netzgefäße

  • Symptome: Fieber schlimmer am Abend, Bewusstseinsverlust, Delirium, Patient wünscht mit Wasser zu gurgeln, kann es aber nicht trinken. Zunge: Rot oder purpurrot, belaglos, wirkt trocken, fühlt sich feucht an

  • Therapieprinzipien: Sommer-Hitze in der Ying- und Xue-Schicht klären, Bewusstsein wiederherstellen, Obstruktion lösen.

Rezept: Xi Di Qing Luo Yin (nach Prof. Liu, Kursskript S. 113) enthält: Cornu Rhinoceri liquidus (Xi Jiao Zhi) vier Löffel (Cave: Artenschutz), Moutan Cx. (Mu Dan Pi) 6g, Forsythiae Fr. (Lian Qiao) 4.5g, Succus Bambusae (Zhu Li) zwei Holzlöffel, Rehmanniae Rx. (Sheng Di Huang) 24g, Persicae Sm. (Tao Ren) neun Stück, Paeoniae Rx rubra (Chi Shao Yao) 4.5g, Imperatae Rz. (Bai Mao Gen) 30g, Junci Medulla (Deng Xin Cao) fünf Stück, Succus Acori Graminei Rz. (Xian Shi Chang Pu) zwei Löffel, Succus Zingiberis Rz. recens (Sheng Jiang Zi) zwei Tropfen.

Syndrome bei Herbst-Trockenheit (Qiu-Zao)

Entstehungsform: Eindringen von Wärme- oder Kälte-Trockenheit im Herbst (Xin Gan Wen Bing 12.2.1, Kasten)
Trockenheit in der Wei-Schicht
Wärme-Trockenheit der Wei-Schicht
  • Pathomechanismus: Trockene Hitze attackiert die Wei-Schicht und die Lunge mit Eintrocknung der Säfte

  • Symptome: Fieber, leichte Kälteaversion, Kopfschmerzen, leichtes Schwitzen, Husten mit wenig Auswurf, trockene Kehle, trockene Nase, Durst. Zunge: Rot, weißer Belag, verminderter Speichel

  • Therapieprinzipien: Trockene Hitze aus der Wei-Schicht und der Lunge ausleiten.

Rezept: Sang Xing Tang (7.6.7).
Kälte-Trockenheit in der Wei-Schicht
  • Pathomechanismus: Unfähigkeit der Lunge, die Körperflüssigkeit zu verteilen, Schädigung der Wei-Schicht durch Kälte-Trockenheit

  • Symptome: Fieber, Kälteaversion, Kopfschmerz, kein Schweiß, trockene Kehle und Lippen, verstopfte Nase, Husten mit dünnem Auswurf

  • Therapieprinzipien: Verteilungsfunktion der Lunge unterstützen, die Oberfläche befreien.

Rezept: Xing Su San.
Trockenheit in der Qi-Schicht
Mangelhafte Versorgung der oberen Körperöffnungen wegen Hitze-Trockenheit
  • Pathomechanismus: Hitze-Trockenheit wandelt sich in Feuer um und attackiert die oberen Körperöffnungen

  • Symptome: Tinnitus, trockene Augen, Halsschmerzen, Gingivaschwellung

  • Therapieprinzipien: Feuer ableiten im oberen Jiao, Hitze-Trockenheit zerstreuen.

Rezept: Qiao He Tang (nach Prof. Liu, Kursskript S. 118) enthält: Menthae haplocalycis Hb. (Bo He) 4.5g, Forsythiae Fr. (Lian Qiao) 4.5g, Cutis Gardeniae Fr. (Zhi Zi Pi) 4.5g, Platycodi Rx. (Jie Geng) 9g, Cutis Phaseoli Sm. (Lu Dou Pi) 6g, Glycyrrhizae Rx. (Gan Cao) 3g.
Schädigung der Lunge durch Hitze-Trockenheit
  • Pathogenese: Trockenheit verwandelt sich in Hitze und schädigt das Yin und die Säfte der Lunge

  • Symptome: Fieber, trockene Nase und Kehle, Durst, Unruhe, trockener Husten, Dyspnoe, Thoraxschmerz. Zunge: Dünner, trockener Belag

  • Therapieprinzipien: Hitze-Trockenheit der Lunge klären, das Yin der Lunge nähren.

Rezept: Qing Zao Jiu Fei Tang.
Schädigung des Lungen- und Magen-Yin
  • Pathomechanismus: Übertragung von trockener Hitze ins Körperinnere mit Schädigung der Säfte von Lunge und Magen

  • Symptome: Leichtes Fieber, starker trockener Husten, trockener Mund und trockene Zunge, Durst

  • Therapieprinzipien: Yin nähren, die Säfte von Lunge und Magen unterstützen.

Rezept: Sha Shen Mai Dong Tang und Wu Zhi Yin (nach Prof. Liu, Kursskript S. 119); enthält Saft von Ophiopogonis Rx. (Mai Men Dong), Phragmitis Rz. (Lu Gen), Birnen, Wasserkastanien, Nelumbinis Sm. (Lian Zi) (Lotus).
Schädigung der Netzgefäße der Lunge und Verlagerung der Hitze in den Dickdarm
  • Pathomechanismus: Hämoptyse wegen Schädigung der Netzgefäße der Lunge durch Hitze, Trockenheit mit Diarrhö wegen Verlagerung der Hitze von der Lunge in den Dickdarm

  • Symptome: Jucken in der Kehle, dickflüssiger Auswurf mit etwas Blut, Thoraxschmerzen, Hitzegefühl im Abdomen, Diarrhö

  • Therapieprinzipien: Yin nähren, Trockenheit befeuchten, Hitze klären, Feuer reduzieren, um die Blutung zu stoppen.

Rezept: E Jiao Huang Qin Tang (nach Prof. Liu, Kursskript S. 120) enthält: Aisini Corii Colla (E Jiao) 9g, Scutellariae Rx. (Huang Qin) 9g, Armeniacae Sm. (Xing Ren) 6g, Mori Cx. (Sang Bai Pi) 6g, Paeoniae Rx. alba (Bai Shao Yao) 3g, Plantaginis Hb. (Che Qian Cao) 15g, Glycyrrhizae Rx. (Gan Cao) 2.4g, Kandiszucker (Gan Zhi Shao) 15g.
Trockenheit der Lunge und Blockade des Dickdarms
  • Pathomechanismus: Säftemangel im Dickdarm aufgrund der Unfähigkeit der Lunge, die Flüssigkeiten zu verteilen

  • Symptome: Schwierigkeiten beim Abhusten, viel Sputum, Spannung im Abdomen und Obstipation

  • Theapieprinzipien: Verteilende und absenkende Funktion der Lunge unterstützen, Schleim lösen, den Dickdarm befeuchten und die Darmtätigkeit anregen.

Rezept: Wu Ren Ju Pi Tang Wu Ren Wan

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