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B978-3-437-56483-3.10016-3

10.1016/B978-3-437-56483-3.10016-3

978-3-437-56483-3

Der Todeszyklus in Bezug zu den Wandlungsphasen

Yang-Wurzel/Yin-Wurzel

Die Schöpfung – das Zusammentreffen von Yin und Yang

Die fünf Stadien nach Ankündigung des Todes in Bezug zu den Wandlungsphasen

Empfehlungen für Therapeuten, die Sterbende begleiten

Tab. 16.1
Äußere und innere Haltung Bedeutung
Sei du selbst und sei ehrlich Der Prozess der Selbsterkenntnis hört nie auf. Für wachsende Selbsterkenntnis ist eine offene Einstellung von Vorteil. Wir müssen nicht versuchen, perfekt zu sein, oder uns einem Ideal entsprechend verhalten.
Sei mitfühlend Mitgefühl bedeutet, dass der Schmerz anderer Menschen Liebe und Verständnis in uns erweckt. Bedingungsloser Zuspruch, Liebe und positive Bestätigung beruhen auf Mitgefühl. Mitleid dagegen ist, wenn der Schmerz der Anderen Traurigkeit im Herzen hervorruft.
Sei empfänglich Ein friedvoller Tod ist möglich, wenn man mit dem eigenen Leben ausgesöhnt und im Frieden ist. Persönliche Glaubenssätze oder Meinungen der Sterbebegleiter können leicht zu Spannungen und Missverständnissen führen. Daher sollte allen Emotionen der sterbenden Person Raum gegeben werden.
Spreche mit sanfter Stimme Die Sinne von Sterbenden sind sehr empfindlich. Deshalb sollten wir in der Gegenwart der sterbenden oder verstorbenen Person achtsam mit unseren Worten umgehen.
Sorge für eine angemessene Atmosphäre Eine friedvolle Umgebung und das Beseitigen von Spannungen (auch bezüglich materieller Angelegenheiten wie dem letzten Willen! etc.) verhelfen zu einer angemessenen Atmosphäre.

Sterbebegleitung

Joan Duveen

Donald B. Halfkenny

Eva-Maria Ranzinger

  • 16.1

    Haltung des Therapeuten bei der Sterbebegleitung

    Donald B. Halfkenny 1798

  • 16.2

    Tod und Verlust

    Joan Duveen (Übersetzung: Dinah Marker) 1803

  • 16.3

    Die Symbolsprache Sterbender

    Eva-Maria Ranzinger 1817

Haltung des Therapeuten bei der Sterbebegleitung

Donald B. Halfkenny
Weitere Informationen zur Sterbebegleitung sind online verfügbar (Plus imWeb, vorderer Buchumschlag). Der Fokus ist im Folgenden auf die Haltung und die Grundeinstellung des Therapeuten gerichtet, die sich im Umgang mit sterbenden Patienten als wertvoll und notwendig erwiesen haben. Die klinischen Vorgehensweisen und/oder Behandlungsansätze und -vorschläge im Umgang mit sterbenden Patienten werden im Detail im Onlinebeitrag besprochen.
Das medizinische Paradigma – die klassische chinesische Medizin – bietet uns eine Sichtweise an, die es ermöglicht, diverse Zeichen und Symptome, die Patienten aufweisen, zu integrieren, d.h., pathophysiologische Prozesse auf eine kulturell neutrale, ungeprägte Weise zu verstehen. Wir gehen davon aus, dass diverse Formen des Qi, der Körpersubstanzen, der Zang und der Fu, der Meridiane, der außerordentlichen Organe und des Geist-Shen innerlich miteinander in Beziehung stehen und Einfluss auf alle Aspekte des Lebens des Patienten ausüben.
Oft wird vergessen oder ignoriert, dass die theoretische und praktische Basis der CM tief verwurzelt ist in klaren spirituellen Traditionen und Praktiken. Diese sind, historisch betrachtet, die Grundlage der Diagnostik- und Behandlungsmethoden, die die Therapeuten befähigen, die Grundursache der unterschiedlichen emotionalen und physischen Zustände, die ein Mensch durchläuft, einzuschätzen und zu unterscheiden.
Die Art und Weise, wie ein Mensch mit Konflikten umgeht und unterschiedliche Herausforderungen im Laufe seines Lebens bewältigt, liefert uns nützliche Informationen über seine Konstitution, über pathologische Prozesse, die sich möglicherweise entwickeln können sowie über seine Fähigkeit, solche Konflikte in einer für ihn gesunden Art zu lösen.

Der Gelbe Kaiser fragte: Kannst Du mir etwas über das Entstehen und Vergehen von Qi sagen?

Qi Bo antwortete: Im Alter von 10Jahren haben die Menschen gerade erst ihre fünf Zang ausgebildet, und ihr Blut und Qi fließen frei. Da ihr Qi unten angesiedelt ist, laufen sie gerne [...]. Im Alter von 50Jahren beginnt ihr Leber-Qi zu schwinden, die Leber wird dünner, die Produktion der Gallenflüssigkeit verringert sich und die Sicht der Augen wird undeutlich. Im Alter von 60Jahren beginnt das Qi des Herzens zu schwinden und sie werden anfällig für Sorgen und Traurigkeit. Weil ihr Blut und Qi schwunglos und träge wird, schlafen sie gern. Im Alter von 70Jahren entleert sich ihr Milz-Qi und ihre Haut wird trocken (ausgedörrt), aufgrund dessen ihre vier Gliedmaßen ihre Fähigkeit verlieren, sich zu heben. Im Alter von 80Jahren fängt ihr Lungen-Qi an zu schwinden und ihre Körperseele und ihre ätherische Seele haben sich getrennt. Infolgedessen ist ihre Sprache oft konfus. Im Alter von 90Jahren entleeren sich ihre Meridiane und die Gefäße. Wenn es auf das Alter von 100Jahren zugeht, werden sich alle fünf Zang entleeren, ihr Geist und ihr Qi sind beide gegangen, sie lassen die äußere Hülle zurück. Das Leben endet. (Huang-fu Mi)

Seit Mitte des 20.Jahrhunderts erleben die westlichen Industrienationen eine zunehmende Veralterung ihrer Bevölkerung. In vielen Arztpraxen ist die Anzahl der älteren Patienten und somit die Aufmerksamkeit auf altersbedingte Krankheiten ebenfalls angestiegen. Einige dieser Krankheiten und gesundheitlichen Störungen sind iatrogener Natur (Medikamentenunverträglichkeiten oder -nebenwirkungen, Nebenwirkungen von Chemo- oder Strahlentherapien, unkorrekte Diagnosen oder Behandlungen etc.).
Zusätzlich zur Zunahme des Alters unserer Patienten werden wir als Therapeuten mit einer steigenden Anzahl von Patienten konfrontiert, die angesichts ihres relativ nahen Todes hoffen, dass die chinesische Medizin ihnen eine Möglichkeit bieten kann, ihr Leben zu verlängern oder die Leiden, die sie aufgrund ihrer Erkrankung zu erwarten haben, zu verhindern oder zu mildern.
Gleichzeitig gibt es mehr Patienten, die es – ungeachtet ihres Alters – bevorzugen, ein Hospiz oder eine ähnliche Einrichtung für sich zu wählen, wo sie die letzten Tage, Wochen oder Monate ihres Lebens verbringen wollen und sich in dieser Zeit unkonventionellen, alternativen Behandlungsmethoden öffnen. Obwohl sich eine wachsende Zahl von Patienten für solche Alternativen öffnet, existiert bis heute kein geeignetes, differenziertes Lehrmaterial für Therapeuten der CM, weder was die klinische Herangehensweise betrifft, noch die Frage nach der Art und Weise, wie diverse Themen beim Behandler auftauchen, die im Zusammenhang mit dem Sterbeprozess des Patienten stehen.

Fragen, mit denen sich der Therapeut auseinander setzen sollte

  • Was würde ich tun, wenn man mir sagte, dass mein körperliches Leiden inoperabel ist, mein bereits unerträglicher Schmerz oder meine inakzeptable gesundheitliche Verfassung sich verschlimmern wird und ich wahrscheinlich weniger als ein Jahr oder einen Monat zu leben habe?

  • Wie wäre angesichts dieser Situation meine Geistesverfassung?

  • Wen wollte ich an meiner Seite haben?

  • Wie würde ich meine letzten Monate, Wochen, Tage oder Stunden verbringen wollen?

  • Wie und wo würde ich sterben wollen?

  • Wie will ich leben?

Die meisten haben aus sich selbst heraus noch nicht viel über den Tod nachgedacht – auch nicht über den eigenen. Wir tendieren dazu, dieses Thema zu meiden, bis jemand, der uns nahe steht, unheilbar krank ist oder sterben muss. Aber sogar dann ist das Nachdenken über den Tod oft nur von kurzer Dauer. Ab einem gewissen Alter zieht man vielleicht in Erwägung, ein Testament oder eine Patientenverfügung zu verfassen, in der ein nahestehender Verwandter oder guter Freund als Bevollmächtigter für kritische gesundheitliche Situationen benannt wird. Aber an diesem Punkt endet meist die Auseinandersetzung mit dem eigenen Tod.
Wie und wo wir die letzten Momente (Wochen oder Monate) unseres Lebens verbringen wollen, ist etwas, worüber wir uns selten ernsthafte Gedanken machen (möchten). Ist etwas, das wir gern beiseite schieben. Meist denken wir nur an das Sterben und den Tod als notwendige Konsequenz infolge eines hohen Lebensalters oder an den Tod anderer Menschen.
Tatsächlich ist es jedoch so, dass man nicht alt sein muss um zu sterben. Der Tod ist nicht nur die logische Konsequenz eines hohen Lebensalters, sondern ein normaler Bestandteil unseres täglichen Lebens, der in jedem Alter, jederzeit jedem widerfahren kann.
Daher ist es sinnvoll, Sterben und hohes Lebensalter in unseren Köpfen voneinander zu trennen, was bedeutet, die Tatsache zu akzeptieren, dass sich das Sterben bzw. der Prozess des Sterbens unabhängig vom Alter ereignen kann.
Therapeutischer Fokus
Viele gesundheitliche Probleme todkranker Mensch ähneln jenen Themen, mit denen auch alte Menschen in ihren letzten Lebensjahren konfrontiert sind: Der Kontrollverlust über das eigene Leben, teils unerträgliche Schmerzen, Blasenschwäche oder -inkontinenz, Obstipation, Abhängigkeit von Medikamenten, das Erdulden von Medikamentennebenwirkungen sowie generell eine Zunahme neurologischer Ausfälle (z.B. Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus, Bewusstseinsstörungen oder Migräne).
Wiederherstellung der Gesundheit
Im Umgang mit schwerkranken Krebspatienten, die sich in Chemo- oder Strahlentherapie befinden, ist der therapeutische Fokus in erster Linie auf die Absicht des Heilens gerichtet oder zumindest auf das Aufhalten des pathologischen und degenerativen Prozesses. Es geht darum, die allgemeine (körperliche und geistige) Verfassung zu stärken, Nebenwirkungen zu verhindern oder abzumildern, und – wo immer es möglich ist – die Wiederherstellung der Gesundheit zu unterstützen und einen Rückfall zu verhindern.
Auch wenn es vorkommt, dass Patienten in der Hoffnung zu uns kommen, die chinesische Medizin könne sie vom Krebs heilen, sucht doch die Mehrzahl der Patienten die chinesische Medizin auf, um von ihr Linderung der Nebenwirkungen zu erfahren, die aus konventionellen, schulmedizinischen Behandlungen entstehen.
Bei der Behandlung von Patienten, die eine oder alle beide der zuvor erwähnten Behandlungen (Chemo- bzw. Strahlentherapie) durchlaufen, ist zu bedenken, dass sowohl vonseiten der involvierten Schulmediziner als auch vonseiten des Patienten und deren Familienangehörigen die Erwartung besteht, dass die Behandlung erfolgreich sein wird, dass die Nebenwirkungen nur kurzfristig sein und dass – in Abhängigkeit von der jeweiligen Behandlung – eine Lebensverlängerung von einigen Jahren, wenn nicht sogar eine baldige Rückkehr zu einem normalen Leben möglich sein wird.
Palliativbehandlung
Anders liegt der Fall bei einem todkranken Patienten, der die letzten Stunden, Tage, Wochen, Monate seines Lebens durchlebt. Der Behandlungsprozess ist dabei in erster Linie auf den Patienten selbst ausgerichtet und nur begleitend (nicht in erster Linie) auf seine Erkrankung fokussiert.
Während die Therapie in beiden Fällen ähnlich oder gleich sein kann, sind die psychosozialen Themen sowie die Langzeit- und evtl. die Kurzzeit-Behandlungsziele möglicherweise nicht dieselben.
Dies bedeutet nicht, dass bei todkranken Patienten dem pathologischen Prozess keine Aufmerksamkeit gegeben oder dieser gering geschätzt würde. Vielmehr bedeutet es, dass eine gesteigerte Sensibilität des Therapeuten gefordert ist, die Realität und Erlebniswelt des Patienten in seinem gegenwärtigen Kontext wahrzunehmen und ihn als jemanden anzunehmen, der mit einer radikalen Lebensveränderung und mit einem lebensbedrohlichen Prozess mit vorhersehbarem Ende konfrontiert ist.
Das Behandlungsziel in den letzten Lebenstagen eines Patienten ist daher nicht in erster Linie kurativer Natur, sondern primär darauf ausgerichtet, eine optimale oder zumindest verbesserte Lebensqualität für die verbleibenden Stunden, Tage, Wochen oder Monate des Patienten zu ermöglichen. Das bedeutet, die Wünsche und Bedürfnisse des Sterbenden als zentrale Themen zu sehen, die möglicherweise wichtiger sind als das Kurieren seiner Leiden. Dieser Gesichtspunkt mag, oberflächlich betrachtet, zynisch erscheinen und den Eindruck erwecken, dass der Patient aufgegeben würde. Es ist jedoch das Gegenteil der Fall.
Behandlungsziele in der Sterbebegleitung
Die Lebensthemen und die Verfassung eines todkranken Krebspatienten können es erforderlich machen, ungewöhnlich erscheinende Behandlungsziele in Betracht zu ziehen.
Veränderung der Perspektiven
Durch die Diagnose einer lebensbedrohlichen Erkrankung ändert sich bei der Mehrzahl der Patienten schlagartig die Sicht auf ihr eigenes Leben und ihre Lebenserwartungen. Ungeachtet des emotionalen Zustandes, in dem ein Patient in die Behandlung kommt, ist es wichtig für einen Therapeuten, die verschiedenen emotionalen Stadien, die ein Patient in seinem Sterbeprozess durchlaufen kann und wird (Verneinung, Ärger, Trauer, Verhandeln und Annehmen), zu verstehen. Die meisten Patienten, die mit einer tödlichen Diagnose konfrontiert werden, gehen durch dieselben Phasen, wenn auch nicht notwendigerweise in derselben Reihenfolge und/oder auch nicht notwendigerweise immer in der Gegenwart des Therapeuten. Es ist wichtig zu verstehen, dass diese Phasen keinen pathologischen Prozess darstellen, sondern vielmehr einen gesunden und normalen Teil des Sterbens, der für den Patienten wünschenswert ist.
Das bedeutet beispielsweise, dass es bei der Behandlung einer Obstipation notwendig ist zu verstehen, dass begleitende Emotionen wie ausgeprägte Trauer, Wut, Ärger, Hoffnungslosigkeit oder Selbstmitleid einen wichtigen Bezug zu der Heilungsphase haben, die der Patient durchläuft. Man geht also – obwohl die Obstipation möglicherweise unter anderem auch durch diese Emotionen hervorgerufen oder begünstigt wurde – mit diesen Emotionen (als pathologische Indikatoren) nicht unbedingt so um, wie man es ansonsten bei einer Behandlung nach den Regeln der CM tun würde.
Es gilt zu akzeptieren, dass der Patient einerseits nicht ohne Schmerzmedikation leben möchte, jedoch gleichzeitig ein ungetrübtes Bewusstsein haben und so lange wie möglich in der Lage sein möchte, mit seinen Lebensthemen umzugehen.

Die Bedrohung, Ernsthaftigkeit sowie die kurz- und langfristigen Konsequenzen und Auswirkungen einer tödlichen Diagnose auf den Patienten, seine Familie und seine unmittelbare Umgebung sollte ein Therapeut unbedingt beachten und wertschätzen.

Wenngleich dies normalerweise bei Diskussionen über Behandlungsansätze und klinische Techniken bei der Sterbebegleitung nicht ausreichend berücksichtigt wird, spielen diese Aspekte doch eine herausragende Rolle bei der Behandlung eines sterbenden Patienten. Die Erkenntnisse über die Begleitung von Sterbenden von Elisabeth Kübler Ross (1990, 2001, 1989, 2008) sollte für jeden Therapeuten, der Sterbende begleitet, Pflichtlektüre sein, da die Themen Sterben und Tod die Qualität und das Wesen des Lebens und damit die Arbeit des Therapeuten beeinflussen.
Beziehung zwischen Therapeut und Patient
Eine Beziehung zwischen Therapeut und Patient muss auf Ehrlichkeit und Offenheit aufbauen, denn der Patient sucht sowohl therapeutische als auch emotionale Unterstützung und braucht ehrliche Antworten auf seine Fragen, aber auch den Raum und die Möglichkeit, seine Bedenken, Ängste und Hoffnungen auszudrücken. Dies erfordert Klarheit, Ehrlichkeit und Sensibilität auf Seiten des Therapeuten – kein Mitleid.
Ebenso wichtig ist es, dass vom Patienten gesetzte Grenzen vom Behandler respektiert werden. Nur so kann jenes Vertrauensverhältnis aufgebaut werden, das erforderlich ist, um die Kooperation bzw. Mitarbeit des Patienten, seiner Familie und anderer begleitend behandelnder Therapeuten und Mediziner in dieser wichtigen Lebensphase des Patienten zu gewährleisten.
Bei der Behandlung eines Patienten im Terminalstadium seiner Krankheit – unabhängig davon, ob der Patient zuhause ist, ambulant oder stationär behandelt wird – übernimmt der Therapeut automatisch eine hohe Verantwortung in Bezug auf das emotionale, psychische und soziale Wohlbefinden des Patienten.
Wählt der Therapeut bei einem Patienten, der eine Operation, eine Strahlenbehandlung oder Chemotherapie vor sich hat, einen Behandlungsansatz, der starke und/oder alte emotionale Blockaden berührt (was bei der Mehrzahl der klinischen Behandlungsmethoden in der chinesischen Medizin der Fall ist), muss sich der Therapeut darüber im Klaren sein, dass sein therapeutisches Vorgehen Ängste, Wut oder Depression kurzfristig verstärken kann. Es ist deshalb wichtig, dass er eine klare Strategie hat, wie er im Behandlungsverlauf mit diesen Emotionen umzugehen hat, ohne sich unverhältnismäßig einzumischen. Die größte Schwierigkeit einer Sterbebegleitung besteht nicht darin, einen passenden Behandlungsansatz zu finden, sondern in den persönlichen, menschlichen und spirituellen Auswirkungen auf jeden, der an diesem Prozess beteiligt ist.
Konfrontation mit dem eigenen Leben und Sterben
Einer der wichtigsten – wenn nicht der wichtigste – Moment in der Begleitung eines todkranken Menschen ist also nicht der Anfangskontakt in der Praxis. Es ist der Augenblick der Konfrontation des Therapeuten mit seinen persönlichen und intimen Vorstellungen und Gefühlen bezüglich Tod und Sterben, bezüglich seines eigenen Todes oder dem Tode der nächsten Angehörigen. An diesem Punkt trifft er auf die Möglichkeit, aber auch auf die Notwendigkeit zu überprüfen, ob er in der Lage ist anzuerkennen, dass die spirituelle Natur des Sterbeprozesses ebenso wichtig ist, wie die spirituelle Natur des Lebens selbst. Lässt sich der Therapeut auf diesen Prozess der spirituellen Auseinandersetzung mit Sterben und Tod ein, verändert sich der Weg, auf dem er dem Patienten begegnet. Wenn der Therapeut Klarheit gewonnen hat bezüglich seines eigenen Verständnisses von Tod und Sterben und im Reinen ist mit seinen persönlichen, sozialen, religiösen, ethischen und spirituellen Werten und Überzeugungen, hat er die besten Voraussetzungen geschaffen, sensibel und mit offenem Herzen den Bedürfnissen, Hoffnungen, Ängsten seines Patienten und den klinischen Notwendigkeiten im Rahmen der Behandlung zu begegnen. Er wird in der Lage sein, seinem Patienten nicht nur als verantwortungsvoller Therapeut zu begegnen und ihn zu begleiten, sondern auch auf der Ebene des Herzens, des Shen.
Unter diesen Voraussetzungen kann er nötigenfalls – ohne seine eigenen Ideen über den Tod zu sehr in den Vordergrund zu rücken – mit dem Patienten Gedanken über den Tod austauschen. Dann findet in dem Moment, in dem der Patient die Praxis betritt, eine Begegnung der feinstofflichen Aspekte von Therapeut und Patient in einer heilsamen Atmosphäre der Unterstützung statt – eine Begegnung, die es dem Therapeuten erlaubt, den Patienten auf dem nächsten Teil seiner Reise zu begleiten.
Eine Reise, die wir Leben nennen.

Tod und Verlust

Joan Duveen (Übersetzung: Dinah Marker)

An dieser Stelle möchte der Autor seinem Lehrer Dr.J.D.van Buren (China) für seine Inspiration und das Geschenk danken, sein Schüler gewesen sein zu dürfen.

Einführung
Uns ist klar, dass wir geboren wurden und irgendwann sterben werden. Der Tod als unvermeidliches Ereignis ist jedem bewusst. Weniger bewusst ist uns der Prozess des Sterbens und noch weniger wissen wir darüber, was wohl nach dem Tod geschehen mag. Wir nehmen unsere Vorstellung von Leben und Tod meist dann wahr, sobald unser eigenes Leben oder das uns nahestehender Menschen vom Tod bedroht wird. Viele Fragen tauchen auf wie Was ist der Sinn meines Lebens?, Was will das Leben von uns?, Warum sterben wir?, Was geschieht nach dem Tod?. Dabei hängt unsere Einstellung zum Tod davon ab, welchen Sinn wir dem Leben zusprechen und welche Antworten wir auf solche Fragen haben.
Sichtweisen auf Leben und Tod
Generell lassen sich zwei Sichtweisen von Leben und Tod unterscheiden:
  • (Eher) äußere Sichtweise: Leben und Tod widerfahren uns. Wandlung wird von außen verursacht. Wir drücken uns selbst durch Ereignisse und Dialoge mit anderen und Gott (oder Göttern) aus, um ein längeres und glücklicheres Leben zu führen. Leiden und Schmerz können Verbitterung hervorrufen

  • (Eher) innere Sichtweise: Leben und Tod sind lebenslängliche Ereignisse, um das persönliche Ego und die Realität des Augenblicks zu verstehen, sodass wir mit der Essenz des Lebens verschmelzen können. Wandlung geschieht von innen heraus. Leiden und Schmerz sind Wachstumschancen. Die Konfrontation mit dem Tod oder einer schweren Erkrankung dient dem persönlichen Ego oder dem Selbst als Werkzeug zur Transformation.

Wenn uns der Tod begegnet, drängt es uns, nach innen zu schauen, um uns selbst besser zu verstehen und kennenzulernen. Spannungen werden freigesetzt, die bekannte (und unbekannte, unbewusste) emotionale und andere psychologische Themen an die Oberfläche holen. Die Begegnung mit Sterben und Tod kann uns auch befähigen, mithilfe der eigenen inneren Stimme eine (vielleicht neue) Richtung einzuschlagen, die zur Einheit mit der Essenz des Lebens führt.
Tod, Schmerz und Angst
Für Menschen, die kurz vor dem Tod stehen, aber auch für jene in ihrer unmittelbaren Nähe, ist der Tod fast immer mit Emotionen, Schmerz und Angst verbunden. Trotz aller emotionalen Turbulenzen ist es aber möglich, sich mit dem Tod auszusöhnen, sogar unmittelbar vor dem Sterben.
Manchmal bekommen selbst Menschen, die Frieden mit ihrem nahenden Tod geschlossen haben, dennoch Angst und sind kurz vor dem Sterben voller Emotionen. Solche Erfahrungen hängen möglicherweise von eigenen persönlichen Lebenserfahrungen ab und davon, wie sehr man mit seiner inneren Stimme verbunden ist. Vielleicht auch davon, wie bewusst man sich dieser Verbindung ist.
Tod und Sterbebegleitung
Für ein friedvolles Hinübergehen scheint es wichtig zu sein, sich selbst zu kennen. Diese Selbstkenntnis ist ebenso notwendig für Therapeuten, die Menschen in ihrem Sterbeprozess begleiten. Daher sollte jeder, der an dieser Art von Begleitung beteiligt ist, die in Tab. 16.1 genannten Empfehlungen beachten.

Die Empfehlungen für Therapeuten, die Menschen auf ihrem Sterbeprozess begleiten (Tab. 16.1) und die Ausführungen im nachfolgenden Kapitel basieren auf folgenden Grundannahmen:

  • Ein friedvoller Tod ist eines der menschlichen Grundrechte

  • Einen Menschen darin zu unterstützen und zu begleiten, in Frieden zu sterben, ist ein Akt der Liebe.

Todeszyklus
Der Weg eines gesunden Lebens bis zum Tod folgt einem bestimmten Verlauf innerhalb der fünf Wandlungsphasen (Wu Xing, 2.2).
Er kann in jedem der fünf Wandlungsphasen seinen Anfang nehmen. Beginnend beim ersten Element, manifestiert sich die Pathologie zuerst über den umgekehrten Sheng-Zyklus, dann zweimal über den Ke-Zyklus und schließlich wieder über den umgekehrten Sheng-Zyklus, worauf der Tod folgt.
Beispiel: Metall Erde Wasser Feuer Holz (Abb. 16.1). Dies kann sich im Krankheitsverlauf des Patienten in einer Reihe von Pathologien ausdrücken. So treten beispielsweise anfangs Beschwerden im Bereich von Haut, Lunge oder Dickdarm als eine Metall-Pathologie auf, gefolgt von Verdauungsbeschwerden und/oder Kopfschmerzen im Sinne eines Milz-Qi-Mangels als Hinweis auf eine Erde-Pathologie, mit anschließendem Blasen- oder Nieren- Qi-Ungleichgewicht in Form von Rückenschmerzen, Kniebeschwerden oder Blasenentzündung als Wasser-Pathologie, danach Schlaflosigkeit, Herzbeschwerden, Störungen der Blutgefäße und Lymphe sowie Störungen im Bereich des Dünndarms, Perikards oder San Jiao als Hinweis auf eine Feuer-Pathologie, worauf der Tod durch eine Holz-Pathologie folgt wie z.B. durch ein Leberkarzinom.
Dieser Zyklus (Abb. 16.1) kann in jeder der fünf Wandlungsphasen beginnen, wobei die Sequenz der vier Phasen immer dieselbe bleibt. Jede Phase des Zyklus kann sich im Laufe mehrerer Jahre manifestieren, aber ebenso innerhalb weniger Stunden. Ein Verständnis für die Krankheitsgeschichte eines Patienten ist dabei aus zwei Gründen wichtig:
  • 1.

    Die genaue Kenntnis des beschriebenen Zyklus (Abb. 16.1) ist für Therapeuten in der Praxis wichtig, um den Prozess in seinem Fortschreiten ggf. aufhalten zu können. D.h., wenn der Patient im oben genannten Beispiel Symptome aufweist, die nach der zweiten Phase auftreten, die also zum Wasser gehören, muss auch das Feuer gestärkt werden, um einem weiteren Fortschreiten vorzubeugen

  • 2.

    Des Weiteren ist festzuhalten, dass eine Heilung des Patienten nach Ablauf der dritten Phase (also dem zweiten Ke-Zyklus) nicht mehr möglich ist. Dann bleibt nur noch, ihn zum Tod hin zu begleiten.

Tod

Wer nach oben schaut, um die kosmischen Phänomene zu beobachten,und nach unten, um die Natur der Erde zu erforschen,versteht die Ursache von Licht und Dunkel.Wer nachvollziehen kann, warum ein Anfang ein Ende haben muss,versteht die Ursache von Leben und Tod. (Yi Jing)

Der Tod, die Separation von Yin und Yang, beginnt Schritt für Schritt vom Moment unserer Geburt an. Verstehen wir die Muster, die der Empfängnis zugrunde liegen, gewährt uns das einen tieferen Einblick in das Phänomen des Todes.
Die Empfängnis geschieht durch die Zusammenkunft von Yin und Yang. Die chinesische Philosophie unterscheidet dabei eine spirituelle und eine körperliche Empfängnis. Demnach findet die spirituelle Empfängnis statt, wenn die Kraft des Himmels (Tugend, De) und die Kraft der Erde (Qi) im Gleichgewicht zueinander stehen. Dies geschieht, sobald Mann und Frau sich mit dem Gedanken tragen, ein Kind zu bekommen. Die körperliche Empfängnis ist das Verschmelzen vom Yang (Qi) des Mannes (Sperma) mit dem Yin (Blut-Xue) der Frau (Eizelle).
Das Zusammentreffen von Yin und Yang lässt innerhalb eines Raums, der von diesen beiden Wurzeln erschaffen wurde, ein Universum und auch menschliches Leben entstehen (Abb. 16.2, Abb. 16.3):
  • Die Yang-Wurzel erzeugt Himmel und Geist, die Yin-Wurzel Erde und Form

  • Yang (Himmel/Geist) und Yin (Erde/Form) kommen zusammen, um Leben (Hun, spirituelle, Hauch- oder Wander-Seele) und Substanz (Po, körperliche oder Körper-Seele) zu erschaffen

  • Geist und Leben erzeugen zusammen Feuer

  • Form und Substanz erzeugen zusammen Wasser

  • Feuer und Wasser bilden die Grundlage des menschlichen Lebens.

Der Tod tritt ein, wenn Yin und Yang sich trennen:
  • Das Wasser (pränatales Qi) wird zu schwach. Wasser, Form und Substanz können Feuer, Leben und Geist nicht halten

  • Man stirbt an einem relativen Yang-Überschuss

  • Shen (der Geist) und Hun (die spirituelle Seele oder Wander-Seele) kehren zu ihrem Ursprung zurück, dem Himmel, der Yang-Wurzel

  • Po (die Körper-Seele) kehrt zu ihrem Ursprung, der Erde, der Yin-Wurzel, zurück.

Nach der Empfängnis betritt der Geist-Shen den Körper:
  • Im mittleren Dantian: Im Bereich zwischen Ren12 (Zhongwan) und Du6 (Jizhong), Ren17 (Shanzhong) und Du11 (Shendao) und einem Punkt zwischen Ren22 (Tiantu) und Du14 (Dazhui). Das mittlere Dantian wandelt Qi zu Shen, der im Herzen beherbergt ist

  • Im unteren Dantian: Bei Ren4 (Guanyuan), Pass zum Ursprung

  • Yuan Qi und Jing Qi sind im unteren Dantian gespeichert. Sie bestimmen die konstitutionelle Stärke und Vitalität

  • Auf der Rückseite: Bei Du4 (Mingmen), Lebenstor. An diesem Punkt ist das Yuan Qi verwurzelt, das über Leben und Tod entscheidet

  • Auf der Vorderseite: Bei Ni21 (Youmen), dunkles oder verborgenes Tor. Hier beeinflusst der Geist die Nieren bei der Entscheidung über Form und Kraft des Blutes.

Nach dem Tod verlässt der Geist-Shen den Körper über Du20 (Baihui). Zwar kann er auch durch andere Körperöffnungen austreten, idealerweise aber über Du20.
Pulse im Todesprozess
Klassische Beschreibungen
  • Sprudelnd: Sprudelnde Qualität, palpierbar in den ersten zwei Ebenen (Hinweis auf nahenden Tod)

  • Fischgleiten: Arrhythmisch, wie im Wasser klapsender Fischschwanz in den oberen zwei Ebenen (Hinweis auf Nieren-Leere)

  • Garnele: Arrhythmisch, oberflächlich und schwach (Hinweis auf Magen- und Milz-Leere)

  • Leckendes Dach: Arrhythmisch, wie tropfendes Wasser in der mittleren Ebene (Hinweis auf Herz- und Lungen-Leere)

  • Vogelpicken: Arrhythmischer Puls, schnell, eilig, wie ein pickender Vogel in der mittleren Ebene (Hinweis auf Herz-Leere)

  • Sich lösender Knoten: Arrhythmisch, schnell, springend (d.h. ohne Rhythmus) in der Chi-Position (Hinweis auf Leere in den fünf Zang)

  • Kieselsteinschläge: Langsam ansteigende und schnell abfallende Pulswelle, mit der Kraft eines an den Finger schlagenden Kieselsteins in den oberen zwei Ebenen (Hinweis auf Lungen-Leere).

Puls-Zeichen ernstlicher Schwäche:
  • Die Yang- und Yin-Pulse sowie linke und rechte Pulse weichen stark voneinander ab

  • Die mittlere Ebene ist harmonisch, die obere und untere sind im Ungleichgewicht

  • Die mittlere Ebene weist einen Mangel-Puls auf, die anderen zwei Ebenen stimmen nicht überein.

Die körperlichen Symptome korrespondieren nicht mit dem Pulsbild:
  • Die Symptome entsprechen einem Fülle-Syndrom, der Puls ist jedoch dünn

  • Der Patient ist sehr geschwächt mit Symptomen vom Mangel-Typus, der Puls ist aber voll und groß

  • Die Haut ist rau, der Puls schlüpfrig, oder die Haut ist geschmeidig, der Puls rau

  • Der Körperbau ist klein oder dünn, der Puls groß, oder der Körperbau ist groß, der Puls kurz.

Puls-Zeichen des bevorstehenden Todes:
  • Die Pulswelle fällt ab und entfaltet sich nicht weiter

  • Abrupt unterbrochener oder plötzlich beschleunigter Puls

  • Der Puls gleicht einem hin- und herflitzenden Fisch im Wasser

  • Auf eine Ausatmung kommen vier Pulsschläge (nur in Kombination mit weiteren Anzeichen relevant).

Todespulse in den Zang-Fu
  • Herz-Todespuls: Klein und unregelmäßig (Hinweis auf schwere Erkrankung). Die Gesichtsfarbe wird rot und schwarz und verliert ihren Glanz. Unregelmäßiger Puls am vorderen Teil der Fingerkuppe, kraftlos am hinteren Teil (Hinweis auf nahenden Tod)

  • Lungen-Todespuls: Kein Ansteigen oder Abfallen der Pulswelle. Die Gesichtsfarbe wird aschgrau und rot (Hinweis auf schwere Erkrankung). Federleichter Puls (Hinweis auf nahenden Tod)

  • Leber-Todespuls: Groß, lang, etwas gespannt und schlüpfrig. Die Gesichtsfarbe wird grün und aschgrau und verliert ihren Glanz (Hinweis auf schwere Erkrankung). Zunehmende Pulsgeschwindigkeit und -stärke (Hinweis auf nahenden Tod). Saitenförmige Qualität gleich einer Schwertschneide (Hinweis auf nahenden Tod)

  • Milz-Todespuls: Arrhythmisch, voll, groß, lang und etwas gespannt mit Extraschlägen. Die Gesichtsfarbe wird gelb und grün (Hinweis auf schwere Erkrankung). Spitzer, kraftvoller Puls (Hinweis auf nahenden Tod). Vogelpicken oder Leckendes Dach (Hinweis auf nahenden Tod)

  • Nieren-Todespuls: Saitenförmig mit zunehmender Stärke. Die Gesichtsfarbe wird schwarz und gelb (Hinweis auf schwere Erkrankung). Puls in der Tiefe der Nieren-Position wie abgerissen, gleich dem Reißen eines Seils oder einem Fingerschnippen (Hinweis auf nahenden Tod)

  • Magen-Todespuls: Eintönigkeit des Pulses bei zunehmender Funktionsunfähigkeit des Magens (Hinweis auf nahenden Tod).

Zhen Yang
Unter Zhen Yang versteht man einen Yin-Puls ohne Magen-Qi (Abwesenheit von Yang, der Lebensaktivität). Er weist auf den nahenden Tod hin.
  • In der Leber: Tod durch Geng- oder Xin-Tag. Die Metall-Qualität dieser Tage zerstört das geschwächte Holz

  • Im Herzen: Tod durch Jen- oder Gui-Tag. Die Wasser-Qualität dieser Tage zerstört das geschwächte Feuer

  • In der Milz: Tod durch Jia- oder Yi-Tag. Die Holz-Qualität dieser Tage zerstört die geschwächte Erde

  • In der Lunge: Tod durch Bing- oder Ting-Tag. Die Feuer-Qualität dieser Tage zerstört das geschwächte Metall

  • In der Niere: Tod durch Wu- oder Ji-Tag. Die Erde-Qualität dieser Tage zerstört das geschwächte Wasser.

    Puls-Positionen

    Tab. 16.2
    LinksRechts
    Oberflächlich – YangTief – YinTief – YinOberflächlich – Yang
    DünndarmHerzLunge rechts (medial)Lunge links
    (lateral)
    Dickdarm
    GallenblaseLeberMilzMagen
    BlaseNieren-Yin (lateral)Nieren-Yang (medial)PerikardSan Jiao

    Puls-Positionen nach dem Neijing (alte Neijing-Pulse, stärker organbezogen)

    Tab. 16.3
    LinksRechts
    OberflächlichTiefTiefOberflächlich
    PerikardHerzLunge rechtsLunge links
    GallenblaseLeberMilzMagen
    DünndarmNieren-YinNieren-YangDickdarm

    Blase und San Jiao in diesem System keine feststehende Position

Emotionen, die mit dem Sterbeprozess einhergehen
Leiden, Angst, Entsetzen (Niere)
Angst lässt das Qi absinken und schwächt es, mit resultierendem eingesunkenem Puls, manchmal kombiniert mit saitenförmigem Puls in der linken Nieren-Position (Nieren-Yin) durch Stagnation. Entsetzen erzeugt chaotisches Qi und bewirkt einen hüpfenden Puls in der rechten Nieren-Position (Nieren-Yang).
Leiden, Angst und Entsetzen bringen den natürlichen Qi-Fluss durcheinander. Das Qi wird schließlich durch die Schwächung der Wurzel und das chaotische Qi zerstreut. Dies führt zu Verbitterung (Gallenblasen-Fülle) durch Leber-Yin-Mangel mit aufsteigendem Leber-Yang.
Therapieprinzipien: Die Wurzel stärken, das Qi kräftigen und beruhigen. Die Nieren über das Metall oder die Erde nähren.

Essenz-Jing in Beziehung zu Qi und Shen

Jing ist der Ursprung des Lebens. Qi ist die Fähigkeit zu aktivieren und zu bewegen. Shen ist die Vitalität, die Jing und Qi zugrunde liegt.
Eine Reizung der Nieren geschieht durch kalte und feuchte Umgebung, übermäßige sexuelle Aktivität und übermäßigen Konsum von Kaffee oder Alkohol.
Ein längeres Fortbestehen dieser Faktoren führt zu Nieren-Qi-Mangel (Xu), das Feuer steigt hoch und trocknet das Mark und Jing aus. Ist Yang im Fülle-Zustand, ist es auch der Shen, und Yin wie auch Jing werden dabei konsumiert. Der Shen sollte in einem ruhigen Yin verankert sein. Die Separation von Yang und Yin beinhaltet daher immer auch die Separation von Shen und Jing aufgrund von Qi-Mangel.
Wut (Leber)
Wut lässt das Qi nach oben steigen, mit resultierendem aufwallendem Leber-Puls. Dies führt letztlich zu gespannter oder saitenförmiger Pulsqualität in allen Positionen außer der Leber-Position. Auch ein straffer oder gespannter Puls (Stagnation) infolge von Leber-Yin-Mangel kann auftreten. Wut verursacht eine vorübergehende Qi-Bewegung und schafft so kurzzeitige Erleichterung. Häufig ist sie die Folge eines Mangels an Zuwendung und Mitgefühl seitens der Mitmenschen, aber auch sich selbst gegenüber. Dieses mangelnde Mitgefühl basiert auf einem Qi-Mangel des Dünndarms.
Therapieprinzipien: Die Leber beruhigen und über die Nieren nähren. Falls nötig, den Dünndarm ausgleichen.
Übermaß an Freude oder Lachen (Herz)
Freude entspannt, verlangsamt kurzzeitig den Qi-Fluss und löst innere Angespanntheit. Übererregung schwächt die Wurzel und zerstreut das Qi, was zunächst einen zerfließenden Herz-Puls bewirkt. Diese Emotion tritt durch die Unfähigkeit auf (und verstärkt sie zudem), sich in die Situation einzufinden oder darin fokussiert und zentriert zu bleiben. Übererregung wird oft verursacht durch eine Schwäche im Wasser-Element, dem Jing-Qi oder Yuan-Qi, und durch einen Mangel (Xu) des Perikards, dem Beschützer des Herzens. Ebenso kann sie aufgrund mangelnder Zuversicht entstehen, was in hohem Maße Begierden und Sorgen hervorruft.
Therapieprinzipien: Das Qi absenken und einsammeln. Die Wurzel, das Wasser, stärken. Das Perikard nähren.
Übermäßiges Denken und zu starke Begierde (Milz)
Übermäßiges Denken und zu starke Begierde führen zu Qi-Stau, mit resultierendem stagniertem Milz-Puls. Der Stau erzeugt vorübergehend ein stärkeres Identitätsgefühl, bewirkt aber letztlich Qi-Stagnation und eingeschränkte Transformations- und Transportfunktion. Auf Dauer führen das Gefühl der starken Identität und die übermäßige Zentriertheit zu Egozentrik und Egoismus.
Therapieprinzipien: Den Stau auflösen und Qi bewegen.
Sorge und Trauer (Lunge)
Sorge schwächt das Blut (Xue), mit resultierendem rauem und tröpfelndem Puls in der rechten Lungen-Position (Yin). Trauer führt zu Qi-Stagnation mit gespanntem Puls in der linken Lungen-Position (Yang). Durch Sorge und Trauer wird eine Übererregung vorübergehend gemildert. Das Weinen als Ausdruck von Trauer und Traurigkeit schafft Erleichterung, solange nur einige Tränen fließen. Fortwährende Sorge und Trauer mit länger anhaltendem Weinen konsumieren jedoch letzten Endes das Qi und schwächen das Blut (Xue) mit nachfolgender Stagnation der Qi-Zirkulation und Blut-Mangel. Eine Depression mit Schwermut infolge unterdrückter Trauer, da man sich der Trauerursache nicht ausreichend bewusst war, führt zu Nieren-Yin-Mangel (Xu). Seelische Qual entsteht durch schwere unterdrückte Trauer, deren Ursache man sich bewusst ist. Sie führt zu noch stärkerem Nieren-Yin-Mangel (Xu) oder zu Stagnation der Körperflüssigkeiten durch Trockenheit und Hitze.
Therapieprinzipien: Das Blut und Qi aufbauen, die Qi-Zirkulation fördern, Nieren-Yin nähren; bei seelischer Qual zusätzlich die Flüssigkeiten bewegen. Sorge und Trauer können auf verschiedenen Ebenen ein Ungleichgewicht in den drei Hun und sieben Po (Kasten) verursachen, in diesen Fällen gilt als generelles Behandlungsprinzip: Hun und Po ausgleichen.

Die drei Wander- oder Hauchseelen (Hun)

Die drei Wander- oder Hauchseelen sind verantwortlich für die Sammlung und Übermittlung himmlischer Inspiration und spiritueller Einsichten, für das Geben und Empfangen bedingungsloser Liebe, für die Motivation zu spirituellem Wachstum durch Gebet und für Hingabe und Verbindlichkeit. Sie befinden sich:
  • im oberen Dantian: Von hier aus strebt der Hun nach Reinheit, wacht über intuitive Kommunikation, die durch spirituelle Intuition und himmlische Einsicht genährt wird, und lenkt die spirituellen Wachstums- und Reifeprozesse

  • Im mittleren Dantian: Von hier aus strebt der Hun nach ausgeglichenem Sozialleben und nach Kommunikation voll Einfühlungsvermögen und Mitgefühl, genährt durch spirituelle Geisteshaltung und Tugenden

  • Im unteren Dantian: Von hier aus strebt der Hun nach Genuss und Leidenschaft in Verbindung mit Bewegung, genährt und ausgeglichen durch innere Ruhe und heitere Gelassenheit.

Akupunktur zur Stärkung des Hun

  • Bl 47 (Hunmen, Hun-Tor, Tor der Seele): Einsatz bei Depression, Frustration oder lang anhaltendem Groll. Verwurzelt den Hun und hilft bei der Planung des eigenen Lebens sowie bei Sinnfindung und Ausrichtung in diesem. Bei unbestimmter nächtlicher Angst durch Yin-Mangel

  • Le4 (Zhongfeng, Mitten auf dem Siegel): Bringt Hun und Po ins Gleichgewicht

  • Le5 (Ligou, Holzwurm-Graben): Bei Angst, Nervosität oder Depression.

Cave: Le5 nur in Kombination mit Gb37 (Guangming) oder Gb40 (Qiuxu) stechen.

Die sieben Körperseelen (Po)

Die sieben Körperseelen sind verantwortlich für das Wachstum des Bewusstseins durch Hindernisse und tief greifende Erlebnisse. Fünf Po stehen in Zusammenhang mit den fünf Wandlungsphasen (Wu Xing), zwei mit Himmel und Erde.
  • Der Erde-Po erzeugt Sorge und Reue

  • der Metall-Po Trauer, Traurigkeit und Scham

  • der Wasser-Po Angst und Einsamkeit

  • der Holz-Po Wut, Groll und Schuldzuweisung

  • der Feuer-Po Nervosität und Aufregung

  • Der Himmels-Po Albträume

  • der Erd-Po Neid und Verbitterung.

Akupunktur zum Ausgleichen der Po

  • Lu1 (Zhongfu, Residenz der Mitte): Wirkt auf den Po, lenkt wie dieser den Qi- und Blutfluss im Meridian

  • Lu2 (Yunmen, Wolkentor): Kreuzungs-Jiaohui-Punkt von Dickdarm und Lunge. Gilt in einigen Lehrbüchern wie Lu1 als Anfangspunkt des Lungen-Meridians, ist auch Kreuzungs-Jiaohui-Punkt von Lunge und Milz. Tor, aus dem das Qi des oberen Jiao hinausfließt, um im Körper zu zirkulieren. Verteilt sanft Qi im ganzen Körper

  • Lu3 (Tianfu, Residenz des Himmels): Wirkt unmittelbar auf den Po. Beruhigt ihn. Bei Traurigkeit, Depression, Weinen, Desorientiertheit, Vergesslichkeit und Schläfrigkeit oder Schlaflosigkeit aufgrund eines Lungen-Ungleichgewichts. Erleuchtende, belebende Wirkung. Erlaubt die freie Kommunikation mit dem universellen Geist, wenn man in sich selbst gefangen war. In Kombination mit Gb41 zum Ausgleichen von Hun und Po

  • Lu7 (Lieque, Lückenspalte): Lenkt Qi von innen nach außen, bringt emotionalen Auftrieb. Stärkt den Po. Bei emotionaler Anspannung durch unruhigen Hun, die sich körperlich manifestiert (angespannte Schultern, flache Atmung und Brustbeklemmung). Beruhigt den Geist und besänftigt den Hun

  • Lu9 (Taiyuan, Großer Wasserschlund): Bei abgrundtiefer Trauer und Verzweiflung. Erde-Punkt auf dem Lungen-Meridian, vernetzt die Erde mit Qi, was Nahrung, Sicherheit und Liebe spendet. Cave: Nur bei ausreichend starker Erde stechen, wirkt andernfalls schwächend und destabilisierend für Milz und Magen. Lenkt das Qi von außen nach innen. Nährende Wirkung

  • Bl13 (Feishu, Transportpunkt zur Lunge): Nach dem Neijing: Liegt eine Energiestörung mit geschwollenem Abdomen vor, geschwollener Brust und Atembeschwerden, sollten Lu1 und Lu2 gestochen werden. Drückt man mit dem Finger auf diese beiden Punkte und auf Bl13, fühlt der Patient Energie ansteigen. Bei sehr starker Druckausübung erfährt er Erleichterung. Auf diese Weise lässt sich eine nervöse Depression diagnostizieren

  • Bl42 (Pohu, Tür der Körperseele, Tor der Vitalflüssigkeit): Fördert die Erzeugung von Qi, Blut-Xue und Yin. Schafft einen sehr tiefen Zugang zu Po, stellt eine Rückverbindung zum inneren Wesenskern her und lässt die Kostbarkeit und Qualität des Lebens wiederentdecken. Besänftigt den Geist

  • Bl43 (Gaohuang, Sitz der Vitalzentren): Nährt Lunge, Herz, Nieren, Milz und Magen. Stärkt den Menschen in seiner Autonomie, unabhängig von der Mutter(-figur). Nährt Yin und klärt Hitze. Bei nervöser Depression, Gedächtnisschwund, Kälte oder Schwäche. Nährt Ursprungs-Yuan Qi. Tonisiert jegliche Mangel-Syndrome.

Sorge und Trauer und die drei Dantian
Unteres Dantian: Beeinträchtigen Sorge und Trauer das untere Dantian, entsteht eine Depression aufgrund von Nieren-Yin-Mangel (Xu) mit Symptomen wie Schwermut, Einsamkeit und Unsicherheit. Dies führt zur emotionalen Reaktion Lasst mich allein um zu sterben und steht in Bezug zum Wasser-Po. Empfohlene Affirmation: Mögen Weisheit und Verständnis mich leiten.
Therapieprinzipien: Das Nieren-Yin und die Lunge nähren.
Mittleres Dantian: Beeinträchtigen Sorge und Trauer das mittlere Dantian, kommt es durch Lungen-Qi-Mangel (Xu) zu unterdrückter Trauer mit entgleitendem Kontakt zur Ursache der Sorge und Trauer und zu Symptomen wie Ängstlichkeit, Traurigkeit, Scham und Schuld. Dies bewirkt die emotionale Reaktion Ich möchte einfach nur sterben und steht in Bezug zum Metall-Po. Empfohlene Affirmation: Möge Integrität mir Führung und Antwort sein.
Therapieprinzipien: Die Lunge nähren und ausgleichen.
Oberes Dantian: Beeinträchtigen Sorge und Trauer das obere Dantian, entstehen Seelenqual und starke, aber unterdrückte Trauer, deren Ursache man sich bewusst ist, durch schweren Nieren-Yin-Mangel oder Stagnation von Körperflüssigkeiten. Durch die Trockenheit und Hitze folgen Symptome wie Albträume und rastloser Schlaf. Es besteht Bezug zum Himmels-Po. Empfohlene Affirmation: Alle Manifestationen sind Ausdrucksformen der Einheit.
Therapieprinzipien: Die Lunge zur Stärkung des Nieren-Yin nähren, zu Atemübungen anleiten.
Hass (Dickdarm) und Liebesschmerz (Gallenblase)
Hass schwächt das Qi und Blut (Xue) mit resultierendem dünnem Puls, kombiniert mit Saitenförmigkeit durch Frustration und schneller Pulsgeschwindigkeit durch Gereiztheit und Nervosität. Dies zeigt sich vorwiegend im Yangming-Puls, der normalerweise voll Qi und Blut (Xue) ist. Wie Liebe gibt Hass dem Leben eine Richtung, jedoch mit negativem Vorzeichen. Letztlich führt er zu Erschöpfung und Stagnation mit Trockenheit und Hitze.
Therapieprinzipien: Qi und Blut (Xue) aufbauen, die Qi-Zirkulation fördern und den Shen beruhigen.
Akupunktur: Di15 (Jianyu) bringt geistige Klarheit, führt dem Gehirn Energie zu. Bei mentaler und allgemeiner Erschöpfung. Tonisierend und stärkend für Brust und Herz, füllt den Feuer-Puls auf. Cave: Nur bei Mangel-Puls in der Herz-Position nadeln.
Liebesschmerz staut das Qi, wodurch es zu eingeschnürtem Gallenblasen-Puls kommt. Liebesschmerz löst das Gefühl aus, wie gelähmt zu sein und jeder Orientierung oder inneren Ausrichtung zu entbehren. Häufig sucht man nach ungesunden Auswegen: Manchmal wird Liebe durch Hass ersetzt, um den Liebesschmerz (Gallenblase) über den Ke-Zyklus zu kontrollieren, mit resultierender Verdickung des Blutes (Xue). Anstatt in Liebe in Gleichgültigkeit zu verfallen, führt letztlich zu mehr Stagnation und Konstriktion. Die gesunde Lösung besteht darin, zum Ausgleichen der Gallenblase das Herz und den Geist-Shen zu nähren.
Therapieprinzipien: Die Gallenblase entstauen und den Shen nähren.
Akupunktur: Anstatt Gb 44 (Zuqiaoyin) zu sedieren, sollte Gb 41 (Zulinqi) tonisiert werden.
Fünf Stadien, nachdem der Tod angekündigt wurde

Der Tod ist die letzte Stufe des Wachstums. (Elisabeth Kübler Ross)

Die fünf Stadien nach Ankündigung des Todes in Bezug zu den Wandlungsphasen sind (Abb. 16.4):
  • Verleugnung – Erde

  • Verhandeln und Aggression – Wasser

  • Depression – Feuer

  • Annehmen und Hingabe – Metall

  • Wachstum – Holz.

Die fünf Stadien (Abb. 16.4) zeigen den Grad des eigenen Trauerprozesses an. Sie sind notwendig für allmähliches Wachstum und Annehmen und für das emotionale Überleben ein natürlicher Prozess. Die Entwicklung von einem Stadium zum nächsten verläuft stufenweise und im Ke-Zyklus (Abb. 16.1). Oft kommt es zu Rückfällen in ein vorangegangenes Stadium oder zwei Stadien werden abwechselnd durchlaufen. Für die letzten Stadien gibt es keine direkte Indikation für eine heilkräftige Akupunktur – hier sollte sich der Fokus nur noch auf die Sterbebegleitung richten.
Erde: Verleugnung
Die Verleugnung steht in Bezug zum Erd-Element. Verleugnung ist notwendig, um die Qualitäten der Erde auszugleichen und wiederherzustellen, und ist daher bei der ersten Konfrontation mit dem Tod eine normale Reaktion.
Qualitäten der Erde: Die Fähigkeit zur Integration und Transformation und zur Geduld. Sie ist das innere Fundament und Nähr(Ying)-Qi.
Ein Ungleichgewicht der Erde, das durch eine zu starke Konfrontation (mit dem Sterben und Tod) hervorgerufen wurde, zeigt sich durch ein Ungleichgewicht der Milz mit eingeschränkter Transformations- und Transportfunktion, Wirbelsäulenbeschwerden, Verantwortungslosigkeit, Ausbleiben von Wachstum und Entwicklung bei Milz-Mangel (Xu) und durch Anhäufung in körperlicher, emotionaler und mentaler Hinsicht bei Milz-Fülle (Shi).
Therapieprinzipien: Die Verleugnung anerkennen. Durch Behandlung der Milz die Erde ausgleichen und nötigenfalls die Milz über das Feuer nähren.
Auflösung der Erde: In den Endstadien des Sterbeprozesses löst sich die Erde auf. Das Yin und die körperliche Form als sichtbar gemachte Individualität schwinden und weichen zurück. Die Auflösung der Erde zeigt sich in folgenden Symptomen: Fehlendes Qi, Schweregefühl, weiße Gesichtsfarbe, Augen schwer zu öffnen oder zu schließen, dunkle Flecken auf den Zähnen, eingesunkene Wangen, Schwinden der körperlichen Form und übererregter, gestörter oder dumpfer Shen.
Wasser: Verhandeln und Aggression
Verhandeln unterstützt das Wasser-Element und ist notwendig, um das durch Angst aus dem Gleichgewicht geratene Wasser zu nähren.
Qualitäten des Wassers: Die Fähigkeit, Willenskraft verbunden mit Weisheit einzusetzen, das Loslassen von Begierden, stilles sich Fügen, Entschlossenheit und Unterscheidungsvermögen sowie das Sammel-Zong-Qi, Ursprungs-Yuan-Qi und Meridian-Jing-Qi.
Ein Ungleichgewicht des Wassers aufgrund übermäßiger Angst zeigt sich durch Nieren-Problematiken, die die Essenz-Jing, das innerste Wesen, betrifft, durch Abhängigkeit von Gewohnheiten, durch Beschwerden in Lenden, Oberschenkeln und unterem Rücken, durch Aggression, die entsteht, wenn Wasser Holz nicht nährt, Austrocknung und Erhitzung bei Nieren-Mangel (Xu) und durch Überfließen des Wassers mit Inkontinenz bei Nieren-Fülle (Shi).
Therapieprinzipien: Die Niere ausgleichen und nötigenfalls über das Metall nähren.
Auflösung des Wassers: In den letzten Stadien des Sterbeprozesses löst sich das Wasser auf. Zhi, die Willenskraft, und der emotionale Aspekt der Individualität schwinden und weichen zurück. Dies zeigt sich in folgenden Symptomen: Verlust der Kontrolle über die Körperflüssigkeiten, Nasentröpfeln, vermehrte Bildung von Tränenflüssigkeit, Inkontinenz, übermäßiger Speichelfluss, die Zunge lässt sich nicht bewegen, Augentrockenheit, schmale Lippen, Blutmangel, Blockade im Mund- und Rachenbereich, Durst, Schwinden von Gefühlsempfindungen, und ein unglücklicher, nervöser Geist-Shen.
Feuer: Depression
Manche kommen über das Stadium der Depression aufgrund ihrer Existenzängste nicht hinaus. Das Leid, der Schmerz und die Angst können jedoch auch Wachstum, Hingabe und ein Annehmen ermöglichen. Die Qualitäten des Feuers unterstützen die innere Vision vom Leben. Durch diese Qualitäten kann die Wandlung zum nächsten Stadium vollzogen werden, dem Annehmen.
Qualitäten des Feuers: Das Bewahren eines friedvollen Geistes frei von Angst, die Fähigkeit, den Fokus auf Bewusstsein und Gewahrsein zu richten, Mitgefühl, Liebe und Wärme, und die aufsteigende, leuchtende Energie des Shen.
Ein länger bestehendes Ungleichgewicht im Feuer zeigt sich in folgenden Symptomen: Ausbruch des Feuers, hauptsächlich im Metall-Element, mit Druckschmerzhaftigkeit von Lu1 (Zhongfu) und Lu2 (Yunmen), Depression, Schlaflosigkeit, Herzinsuffizienz.
Therapieprinzipien: Das Wasser zur Beruhigung des Feuers tonisieren und das Feuer ausgleichen. Das Metall stark halten, um dem Ausbruch des Feuers vorzubeugen. Die Erde zur Zentrierung des Selbst nähren.
Auflösung des Feuers: In den Endstadien des Sterbeprozesses löst sich das Feuer auf. Der Geist-Shen und die höheren mentalen Aspekte der Individualität schwinden und weichen zurück. Dies zeigt sich in folgenden Symptomen: Nasen- und Mundtrockenheit, Absinken der Körperwärme, zum Stillstand gekommene Verdauung, der Blick kann nicht nach außen gerichtet werden, Schwinden des Gewahrseins, gestörtes Gewahrsein (Shen) mit der Folge, dass Familienmitglieder weder erkannt noch erinnert werden können, verdecktes Leuchten des Shen bei Mangel (Xu), zu starkes Leuchten des Shen bei Fülle (Shi).
Metall: Annehmen und Hingabe
Annehmen und Hingabe sind für ein friedvolles Hinübergehen entscheidend. Das Metall, insbesondere die Lunge, sorgt für friedvolles Qi und das natürliche Gleichgewicht zwischen Yang und Yin, dem Außen und Innen, und wahrt dabei immer die Verbindung zu Himmel und Erde. Idealerweise erfährt das Ego sowohl die Einheit mit der äußeren, objektiven Welt als auch mit der inneren, subjektiven Welt der Emotionen und Gedanken und mit der Essenz der Existenz. Diese Erfahrung geht mit Annehmen und Hingabe einher.
Qualitäten des Metalls: Die Befriedigung jedes Bedürfnisses zu sichern (das gesunde Metall verlangt nie mehr als nötig), körperliche Stärke, die auf spiritueller Kraft basiert, das Bestreben zu lernen und aufzunehmen, friedvolles Qi in Kontakt mit Himmel und Erde.
Ein Ungleichgewicht im Metall zeigt sich durch vorgetäuschtes Annehmen, dem oft unterdrückte Depression oder Aggression zugrunde liegt, Lungenpathologie, Beschwerden in Schultern und oberem Rücken, Feuer, das im Zuge der Depression die Lunge angreift, Lungenentzündung, Mangel an Freude, Selbstrechtfertigung.
Therapieprinzipien: Das Metall ausgleichen, die Feuer-Wasser-Achse ausgleichen und über die Erde nähren.
Auflösung des Metalls: In den Endstadien des Sterbeprozesses löst sich das Metall auf. Der Po und die niederen mentalen Aspekte der Individualität schwinden und weichen zurück. Dies zeigt sich in folgenden Symptomen: Atembeschwerden, Bewegungslosigkeit, Halluzinationen, schwindender Intellekt, verwirrter Geist (Shen), der sich nicht länger der Außenwelt bewusst ist, Anfälligkeit gegenüber übermäßigem Feuer bei Mangel (Xu) und harte Beschaffenheit der Gesichtshaut bei Fülle (Shi).
Holz: Wachstum
Tiefe Sehnsüchte und Ideale, die eigene Selbstwahrnehmung, das innere Wachstum und die Entwicklung im Laufe eines Lebens sind kreative Kräfte. Sie bilden die Grundlage für den nächsten wesentlichen Schritt. Das Holz befähigt uns, den Sinn des eigenen Lebens zu erfassen. Dieser Wachstumsprozess geschieht in Stille, nachdem Annehmen und Hingabe eingetreten sind und nachdem sich alle Wünsche aufgelöst haben, die besitzergreifender oder habgieriger Natur waren. Die Essenzen der gemachten Erfahrungen bilden die Saat für das folgende Stadium.
Qualitäten des Holzes: Die Erhaltung einer gleichmäßigen Energiezirkulation, was nur durch inneren Frieden möglich ist, Sanftmut, Kreativität und Entschlusskraft, die Fähigkeit zu neuen Entwicklungen.
Ein Ungleichgewicht im Holz zeigt sich in folgenden Symptomen: Leberpathologie, Muskelbeschwerden, in diesem Stadium häufig im Nackenbereich, Unvermögen, Subjekt und Objekt zu unterscheiden, fehlender Lebenswille, jedoch ohne Suizidanfälligkeit (letztere ist ein Aspekt des Metalls), schwindender Friede bei Mangel (Xu), Verstreuen der Lebensenergie bei Fülle (Shi).
Therapieprinzipien: Das Holz ausgleichen.
Auflösung des Holzes: In den Endstadien des Sterbeprozesses löst sich das Holz auf. Der Hun schwindet und weicht zurück. Dies zeigt sich in folgenden Symptomen: Alles löst sich im Bewusstsein auf, die Essenzen aller Erfahrungen, Gedanken und Emotionen werden im Herzen gesammelt, der Tod des physischen Körpers tritt ein, Shen und Hun kehren zurück zum Himmel, Po kehrt zurück zur Erde.

Die Symbolsprache Sterbender

Eva-Maria Ranzinger

Wir wissen ja so wenig über die Grenzen menschlicher Mitteilung. Läg es am Wort, wie aussichtslos getrennt wären wir einer vom anderen. Rainer Maria Rilke (Briefe an einen jungen Dichter, 1929)

Wichtig und notwendig für eine hilfreiche Sterbebegleitung ist das einfühlsame Verstehen dessen, was uns der sterbende Mensch mitteilen will. In der Nähe des Todes verdichtet sich die Sprache häufig zu Bildern und Symbolen, die wir erst in tiefer Berührung mit dem anderen verstehen lernen. Es liegt an uns, ob wir so in die innere Welt eines anderen Menschen eintreten können. Der Tod tritt ein, wenn Yin und Yang sich trennen, der Geist-Shen und Hun (die spirituellen oder Wander-Seelen) kehren zu ihrem Ursprung, dem Himmel zurück. Die Po (die Körperseelen) werden mit der körperlichen Hülle verbrannt oder begraben und kehren so zu ihrem Ursprung, der Erde, zurück. Der Sterbeprozess ist eine Zeit des Übergangs, in der sich diese Trennung in Etappen vollzieht und sich auch in den Sprachmustern der Sterbenden widerspiegelt.
Hospizarbeit als Reisebegleitung
Die Wurzeln der heutigen Hospizarbeit reichen bis ins Mittelalter: Hospize waren Orte, an denen Wanderer, oft Pilger, auf ihrem Weg – einem mühsamen, gefährlichen Weg in ein fernes Land – Aufnahme und Fürsorge fanden. Auch Sterbende können wir als Wanderer auf einem mühsamen Weg, als Pilger in ein unbekanntes heiliges Land betrachten.
Es hängt von unserem Menschenbild ab, ob wir Sterbende so begleiten können, dass neben der körperlichen Pflege auch die sozialen, die psychischen und die spirituellen Dimensionen dieser Lebensphase einbezogen werden. Dies können wir dann, wenn wir in unserem Glauben und Verstehen davon ausgehen, dass der Mensch ein geistiges Wesen ist und der Tod an dieser Tatsache nichts ändert. Wir sind Lebewesen mit einem doppelten Heimatrecht: Hier auf der Erde und in einer geistigen Welt. Dieses Heimatrecht im Geistigen, im Spirituellen gibt dem Menschen seine Würde, auch wenn sein Wert als wachbewusstes rationales Mitglied der Gesellschaft (im Sterbeprozess) vielleicht nicht mehr messbar ist. Wenn jemand argumentiert, er wolle nicht unwürdig, als sabbernder Greis sein Leben beenden und darum an aktive Sterbehilfe denkt, macht er die Würde des Menschen ausschließlich am Funktionieren seiner körperlichen und rationalen Fähigkeiten fest.
Begleitet man Sterbende, begegnen einem natürlich Menschen, die ihre Nahrung nicht bei sich behalten können, deren Wunden trotz guter Pflege riechen oder die Windeln tragen müssen. Die Verfasserin hatte jedoch in den vielen Jahren, die sie Sterbende begleitet, nie das Empfinden, dass dabei die Würde bzw. das, was den Menschen als Menschen ausmacht, verloren gegangen sei. So ist vielleicht das, was man zuerst bei einem sterbenden Menschen wahrnimmt, möglicherweise eine Vielzahl von Nichtfunktionen, etwas, das manchmal als Defekt-Syndrom bezeichnet wird. Ist man aber offen und begibt sich womöglich auf die Suche nach dem geistigen Wesenskern, dem Shen dieses Menschen, kann es – gerade in dieser Grenzsituation – zu ganz tiefen und wesentlichen Begegnungen kommen. In der Hospizarbeit geht es nicht darum, den sterbenden Menschen mit allen zur Verfügung stehenden medizinischen Maßnahmen am Leben zu halten, sondern alle Kraft und Phantasie wird zu dem Zweck eingesetzt, ihn im Leben zu halten bis zur Stunde seines Todes.
Die Koffer sind gepackt – Sprachbilder sterbender Menschen
Leben bedeutet Kommunikation in einem sehr weiten Sinn. Communio bedeutet das Verbundensein in der Menschengemeinschaft. In allen Lebensübergängen wie Geburt, Schuleintritt, Ehebund etc. vergewissern wir uns dieser Gemeinschaft, die zugleich Sinnbild und Erfahrung einer größeren, über das irdische Menschsein hinausgehenden Geborgenheit ist. Diese Erfahrung und Geborgenheit sollte auch dem Menschen gewährt werden, der vor dem Tod, dem unbekannten und geheimnisvollsten aller Übergänge steht.
Kommunikation ist auch dann noch möglich, wenn Sprechen nicht mehr möglich ist – über die Augen, die Haut, den Atem, aber auch durch unser bloßes Dasein, unser Anwesendsein, denn das Geheimnis der Liebe ist Anwesenheit. Es bedeutet das Dabeibleiben, auch wenn es schwierig wird, auch wenn wir, äußerlich gesehen, nicht mehr tun können als die Hilflosigkeit aus zu halten.
Dieses Geschenk können wir uns einander am Ende des Lebens machen. Nicht die Windel und der Speichel, der aus dem Mund rinnt, machen das Sterben unwürdig. Allein gelassen zu sein in der Angst, das ist unwürdiges Sterben und das ist auch der Lebenden unwürdig. In der Begleitung von Sterbenden begleiten wir auch die Wege der Ratlosigkeit, das Sinken in die Abgründe von Schmerz und Angst. Dabei bleiben wir selbst aufgrund der Intensität dieses Prozesses nicht mit unseren eigenen Ängsten und Befürchtungen ungeschoren.
Aber es gibt auch die andere Erfahrung. Manchmal fällt in diese letzte Lebensphase schon ein Lichtschimmer aus dem noch Unbekannten, Jenseitigen. Dann kann es zu einem Annehmen des Sterbens kommen und damit zu einer tiefen Erfahrung des eigenen unsterblichen Wesenskerns. Denn so wie uns Begleitenden in der Angst und Hilflosigkeit des sterbenden Menschen unsere eigene Sterblichkeit bewusst wird, so wächst durch seinen Sterbeprozess auch unser Vertrauen in die Unsterblichkeit unseres innersten Wesenskerns, unserem unsterblichen göttlichen Shen. Denn dies ist die Lebensverkündigung der Sterbenden (Pera 2004), ihr Geschenk an die Menschen, die ihrem Sterben nicht ausweichen. In diesem Moment wird deutlich, dass nicht nur unser Menschenbild sich auf die Begleitung auswirkt, sondern auch, wie Erfahrungen der Sterbebegleitung unser Menschenbild verändern.
Ein besonderes Geschenk oder aber eine besondere Zumutung – je nach unserer inneren Einstellung – sind die Sprachbilder, in denen Sterbende oft kommunizieren. Setzen wir jedoch voraus, dass ein Mensch – so krank und elend er auch sein mag – als Mensch ein geistiges Wesen mit einer weisheitsvollen Seele ist, kann uns das helfen, auf behutsame Weise die oft so sonderbaren Sprachbilder sterbender Menschen zu entschlüsseln. Dies ist z.B. die Erfahrung eines Krankenhausseelsorgers, für den der Hinweis, dass jemand verwirrt sei, ein Anlass ist, besonders genau hinzuhören. Symbolsprache heißt immer, dass der sterbende Mensch auf die Grenze seines Lebens zugeht, die auch die Grenze seines Todes ist. Dieser Mensch gebraucht zwar noch unsere Sprache, diese weist aber doch schon auf anderes hin (siehe dazu die Patienten-Beispiele, die online verfügbar sind PlusimWeb [vorderer Buchumschlag]).
Beispiele für Metaphern
Sterbende sprechen oft in Reise- oder Heimat-Metaphern oder in Bildern, die die Zeit verkörpern. Auffallend ist an der Symbolsprache Sterbender, dass viele Bilder aus dem Bereich von Zeit und Raum kommen, viele Bilder sprechen auch von einem Prozess, einer Wanderschaft.
Zeit
Zeit, die Uhr, die alte Uhr, mit der sich die neue Zeit nicht messen lässt. Die Zeit einteilen – an der Schwelle zur Zeitlosigkeit, zur Ewigkeit.
Reise
Bilder, die von einer bevorstehenden Reise sprechen, von einem langen Weg. Aussage eines Sterbenden an seinem Todestag: Die Koffer sind gepackt! Reisen bedeutet immer eine Ortsveränderung: Bewegung im Raum.
Heimat
Wie die Bilder von Zeit und Raum vom Loslösen der Seele von der Erde und ihren Gesetzmäßigkeiten zu sprechen scheinen, so weisen die Bilder der Heimat oder des Zuhauses ins Transzendente. Die Angst vor dem unbekannten Land und die Sehnsucht nach der inneren Heimat können mehrfach wechseln. Manchmal, am Ende einer langen Krankheit, kann die Sehnsucht den Abschied erleichtern.
Das Haus kann eine Metapher für den Körper sein. Es ist zu beobachten, dass gerade Menschen mit Knochenmetastasen davon sprechen, dass sie ihr Haus auflösen.
Vom Umgang mit der Verwirrung
Dass Angehörige in Verzweiflung geraten können wegen unsinniger Wünsche im Angesicht des nahen Todes, ist verständlich. Auf der Realitätsebene haben diese Aussagen keinen Sinn. Wenn wir sie jedoch auf der Symbolebene deuten können, hilft es uns zu verstehen, dass der Sterbende seinen Abschied vorbereitet. Denn die Symbolebene weist uns auf die Trennung von Shen, Hun und Po und ihre Transformation hin.
Als Angehöriger oder Begleitender ist es jedoch schwierig zu wissen, auf welcher Ebene jemand spricht, der sagt, er müsse sein Haus hergeben, er wolle eine Reise machen, eine gute Uhr müsse her. Die Angehörigen oder Begleitenden sind meist auf der Realitätsebene, und auf dieser Ebene kann im Gespräch mit dem Sterben keine Begegnung stattfinden. Diese Ohnmacht kann ärgerlich, hilflos, einsam oder auch Angst machen.
Wir haben uns in der gewohnten Sprache eingerichtet, die überwiegend Informationen auf der Sachebene vermittelt und oft wenig aussagt über die Befindlichkeit oder gar die Erfahrungen unserer Seele und unseres Herzens. Besonders im Gespräch mit Therapeuten kann die ganze Not des Nicht-Kommunizieren-Könnens aufbrechen, wenn z.B. Diagnosen im Stil eines Tatsachenberichts nur auf der Sachebene mitgeteilt werden, und die Ebene des Shen nicht beachtet wird.
Wenn die Worte ausbleiben
Schließlich kommt die Zeit, in der der sterbende Mensch überhaupt keiner Worte mehr mächtig ist, vielleicht auch die Augen geschlossen hat, kaum oder gar nicht auf unsere Anwesenheit reagiert.
Es ist wichtig, uns immer wieder ganz tief bewusst zu sein: Der sterbende Mensch hört uns. Das bedeutet einerseits, dass wir in seinem Zimmer ebenso achtungsvoll sprechen, wie wir es täten, wenn dieser Mensch wach und gesund im Sessel säße. Die Tatsache, dass er uns hört, legt unserem Sprechen eine zusätzliche Verantwortung auf. Andererseits heißt das aber auch, dass wir dem Sterbenden auch jetzt noch etwas mitteilen können: Unsere Liebe, ein klärendes Wort, eine Bitte um Verzeihung, Dank, ein Gebet.
Dieses Wissen um das Hören während des Sterbeprozesses macht es dem Begleitenden manchmal schwerer, aber es ist zugleich eine kostbare Möglichkeit für einen liebevollen, klärenden Abschied und für ein geistliches Begleiten. Der sterbende Mensch hört uns – wir hören ihn, zunächst mit unseren Ohren, dann immer mehr auf der Ebene des Herzens, des Shen.
Gespräche mit Sterbenden bedeutet Einüben ins Hören, in die Botschaften, die aus dem Grenzbereich kommen.
Hören heißt ganz offen, anwesend – heißt, ganz nah zu sein.

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