© 2019 by Elsevier GmbH

Bitte nutzen Sie das untenstehende Formular um uns Kritik, Fragen oder Anregungen zukommen zu lassen.

Willkommen

Mehr Informationen

B978-3-437-56483-3.10011-4

10.1016/B978-3-437-56483-3.10011-4

978-3-437-56483-3

Leitsymptome der Herz- und Dünndarm-Syndrome

Tab. 11.1
Syndrome Leitsymptome Zunge Puls
Herz-Qi-Mangel (11.1.1) Palpitationen, Blässe, Müdigkeit, Spontanschweiß, Belastungsdyspnoe Blass Leer, schwach, evtl. unregel-mäßig
Herz-Yang-Mangel (11.1.2) Palpitationen, Blässe, Kälteaversion, kalte Extremitäten Blass, feucht, evtl. zyanotisch Tief, schwach, evtl. unregel-mäßig
Herz-Yang-Kollaps Palpitationen, Lippenzyanose, extremes Schwitzen, kalte, blauviolette Extremitäten Blauviolett Schwach, verschwindend
Herz-Blut-Mangel (11.1.3) Palpitationen, fahle Blässe, Schlaflosigkeit, Vergesslichkeit Blass Dünn, schwach, rau
Herz-Yin-Mangel (11.1.4) mit Leere-Hitze Palpitationen, Wangenrötung, Hitzegefühle, Nachtschweiß, Ruhelosigkeit Rot.
Belag: wenig oder belaglos
Dünn, schnell, evtl. überflutend
Herz-Blut-Stase (11.1.5) Palpitationen, Gesichts- und Lippenzyanose, stechender präkordialer Schmerz Blauviolett, gestaute Zungengrundvenen Saitenförmig, unregelmäßig, rau
Loderndes Herz-Feuer (11.1.6) Palpitationen, insgesamt gerötetes Gesicht, extreme Ruhelosigkeit, Zungen- und Mundgeschwüre Rot, rissig.
Belag: gelb, dünn
Voll, schnell
Schleim-Feuer erregt das Herz (11.1.7) Starke Agitiertheit mit aggressivem Charakter, Manie, Fantasieren Rot.
Belag: gelb, klebrig-schmierig
Schlüpfrig, langsam
Schleim-Kälte benebelt das Herz (11.1.8) Verwirrtheit, mentale Depression, Aphasie, Rasselgeräusche in der Kehle Belag: dick, weiß, klebrig-schmierig Schlüpfrig, langsam
Dünndarm-Schwäche mit Kälte (11.2.1) Blähungsgeräusche, Diarrhö, Schmerzen im Abdomen, Druck/Wärme auf Bauch besser Blass.
Belag: weiß
Schwach, langsam, evtl. tief
Fülle-Hitze im Dünndarm (11.2.2) Bauchschmerzen, Zungen- und Mundgeschwüre; wenig, dunkler Urin mit Dysurie Rot.
Belag: gelb
Schnell, schlüpfrig
Dünndarm-Qi-Schmerzen (11.2.3) Krampfartiger Schmerz im unteren Abdomen, Borborygmen Weißer Belag Saitenförmig, tief
Qi-Blockade des Dünndarms (11.2.4) Heftiger, akuter und ausstrahlender Bauchschmerz, Obstipation bis fehlende Stuhl- und Gaspassage Weißer oder fettig-gelber Belag Voll, saitenförmig

Leitsymptome der Lungen-Syndrome

Tab. 11.3
Syndrome Leitsymptome Zunge Puls
Lungen-Qi-Mangel (11.3.1) Hüsteln, Belastungsdyspnoe, schwache Stimme, Spontanschweiß, Blässe Blass, zart.
Belag: dünn, weiß
Leer, schwach
Lungen-Yin-Mangel (11.3.2) mit Leere-Hitze Trockener, unproduktiver Husten, Wangenrötung, Nachtschweiß, Anorexie Rot, belaglos Dünn, schnell
Lungen-Trockenheit (11.3.3) Trockener Husten, Nasen-, Mund- und Rachentrockenheit, evtl. Heiserkeit Trocken, evtl. rötlich Schnell, evtl. oberflächlich
Wind-Kälte-Invasion in die Lunge (11.3.4) Akuter Husten mit reichlich wässrigem Sputum, Kratzen im Hals, Kopf- und Gliederschmerzen, Kälte- und Windaversion Belag: dünn, weiß Oberflächlich, straff gespannt
Wind-Hitze-Invasion in die Lunge (11.3.5) Akuter Husten mit dickem, gelbem Auswurf, Halsschmerzen (rot, wund), Fieber, Durst Belag: dünn, gelb Oberflächlich, schnell
Schleim-Feuchtigkeit in der Lunge (11.3.6) Chronischer Husten mit viel weißem Auswurf, thorakales Völlegefühl Belag: dick, weiß, schmierig-klebrig Schlüpfrig
Schleim-Hitze in der Lunge(11.3.7) Husten mit reichlich gelbem, zähflüssigem Auswurf, Mundtrockenheit Belag: Gelb, schmierig-klebrig Schlüpfrig, schnell
Schleim-Flüssigkeit blockiert die Lunge (11.3.8) Husten; Abhusten von weißem, flüssigem, schaumigem Sputum, thorakale Rasselgeräusche Blass.
Belag: dick, weiß, schmierig-klebrig
Dünn, schlüpfrig
Fülle-Hitze in der Lunge (Lungen-Hitze)(12.2.6) Husten, Dyspnoe, hohes Fieber, Schwitzen, Durst, Unruhezustände Belag: gelb Voll, schnell, schlüpfrig

Leitsymptome der Dickdarm-Syndrome

Tab. 11.4
Syndrome Leitsymptome Zunge Puls
Trockenheit im Dickdarm (11.4.1) Trockener Stuhl mit erschwertem Stuhlgang, Obstipation, dünne Statur Blass oder rot.
Belag: wenig, trocken
Dünn, evtl. rau
Dickdarmschwäche mit Kälte (11.4.2) Obstipation mit weichen Stühlen oder chron. Diarrhö, dumpfer Bauchschmerz (Druck auf Bauch bessert), kalte Extremitäten Blass Tief, schwach, langsam
Feuchte-Hitze im Dickdarm (11.4.3) Akute Bauchschmerzen, Diarrhö mit Schleim- und Blutauflagerungen, heftiger Stuhldrang Evtl. rot.
Belag: gelb, schmierig
Schnell, schlüpfrig
Kälte im Dickdarm (11.4.4) Obstipation mit dumpfem, tief empfundenem Bauchschmerz, besser durch Wärme Weiß.
Belag: dick
Saitenförmig, langsam, tief
Feuchte-Kälte im Dickdarm (11.4.4) Akute schmerzhafte Diarrhö, plötzlicher Bauchschmerz, Kältegefühl Weiß.
Belag: dick
Evtl. schlüpfrig
Hitze im Dickdarm (11.4.5, 12.2.6) Undulierendes Fieber, trockene Stuhlmassen im Dickdarm mit stinkender, wässriger Entleerung, schmerzhaft aufgetriebener Bauch Belag: gelb, trocken Tief, voll

Leitsymptome der Milz-Syndrome

Tab. 11.5
Syndrome Leitsymptome Zunge Puls
Milz-Qi-Mangel (11.5.1) Appetitmangel, Erschöpfungszustand, Muskelschwäche, weiche Stühle bis hin zu Diarrhö, Blässe Blass, evtl. geschwollen (Zahneindrücke) Leer, schwach
Milz-Yang-Mangel (11.5.2) Wie Milz-Qi-Mangel, zusätzlich Kältegefühle, kalte Extremitäten, evtl. Ödeme Blass, geschwollen (Zahneindrücke) Tief, schwach, langsam
Milz kontrolliert Blut nicht (11.5.3) Wie bei Milz-Qi/Yang-Mangel, zusätzlich Blutungen, v.a. in der unteren Körperhälfte Blass Dünn, schwach, leer
Sinkendes Milz-Qi (11.5.4) Wie bei Milz-Qi/Yang-Mangel, zusätzlich nach unten drängende Empfindungen im Unterbauch und Organsenkungen Blass Schwach, leer
Feuchte-Kälte in der Milz (11.5.5) Appetitmangel, körperliche Schwere, trübe Sekretionen, Völlegefühl in Thorax und Abdomen Belag: dick, weiß, klebrig-schmierig Schlüpfrig, langsam
Feuchte-Hitze in Milz und Magen (11.5.6) Weiche, übel riechende Stühle, Übelkeit, subfebrile Temperaturen, körperliche Schwere, evtl. Ikterus Evtl. rot.
Belag: gelb, klebrig-schmierig
Schlüpfrig, schnell
Trüber Schleim blockiert den Kopf (11.5.7) Schwindel, Benommenheit, Schweregefühl im Kopf, Völlegefühl in Thorax und Abdomen Belag: dick, klebrig-schmierig Schlüpfrig, saitenförmig
Milz-Yin-Mangel (11.5.8) Appetitverlust, weiche Stühle, Müdigkeit, trockene Lippen, Geschmacksverlust, Völlegefühl nach dem Essen, Abmagerung Rot, charakteristische Querrisse an Zungenrändern.
Belag: evtl. wenig
Dünn, schnell, schwach

Leitsymptome der Magen-Syndrome

Tab. 11.6
Syndrome Leitsymptome Zunge Puls
Magen-Qi-Mangel (11.6.1) Appetit- und Geschmacksverlust, Oberbauchbeschwerden, Müdigkeit morgens Blass, evtl. geschwollen Schwach, leer
Magen-Qi-Mangel mit Kälte (11.6.2) Epigastrisches Unbehagen, Besserung bei Essen/Druck/Wärme auf Oberbauch, Aufstoßen, Erbrechen klarer Flüssigkeit, kalte Extremitäten Blass, geschwollen Tief, schwach, langsam
Magen-Yin-Mangel (11.6.3) Epigastrischer Schmerz, Appetitmangel, Mundtrockenheit, Trinken nur in kleinen Schlucken Rot; zentral belaglos Dünn, schnell
Loderndes Magen-Feuer (11.6.4) Epigastrisches Brennen, ständiges Hungergefühl, Säurereflux, fauliger Mundgeruch, Stomatitis Rot.
Belag: wenig, dick, gelb, trocken, evtl. klebrig-schmierig
Schnell, voll, evtl. schlüpfrig
Nahrungsstagnation im Magen (11.6.5) Epigastrisches Druck- und Völlegefühl, Säurereflux, postprandiales Erbrechen, übel riechender Mundgeruch und Aufstoßen Belag: dick, quarkig, weiß oder gelb Schlüpfrig, voll
Blut-Stase im Magen(11.6.6) Stechender, bohrender epigastrischer Schmerz, Hämatemesis, Teerstuhl Blauviolett, Venenstauung Zungenunterseite Saitenförmig oder rau
Kälte-Invasion im Magen (11.6.7) Akuter epigastrischer Schmerz, Erbrechen klarer Flüssigkeit, Singultus, Kältegefühle Belag: dick, weiß, stark feucht Saitenförmig, tief, langsam
Gegenläufiges Magen-Qi (11.6.8) Übelkeit, Erbrechen, Aufstoßen Meist normal Saitenförmig

Leitsymptome der Leber- und Gallenblasen-Syndrome

Tab. 11.7
Syndrome Leitsymptome Zunge Puls
Leber-Blut-Mangel (11.7.1) Schwindel, Muskelschwäche und -spasmen, Menstruationsstörungen (unregelmäßig, Hypo-/Amenorrhö), fahle Blässe Blass, trocken; kein oder wenig Belag Dünn, rau, saitenförmig
Leber-Qi-Stauung (11.7.2) Depression wechselt mit Reizbarkeit, Gemütsschwankungen, schmerzhaftes Spannungsgefühl in Hypochondrium/Thorax/Brüsten v.a. prämenstruell, Menstruationsstörungen, evtl. Struma Meist normal Saitenförmig
Leber-Blut-Stase (11.7.3) Abdominalschmerz, evtl. lokalisiert/stechend im Hypochondrium, Knoten im Bauch, dunkle Menstruationsblutung mit Blutklumpen, Dysmenorrhö Blauviolett Saitenförmig, rau
Loderndes Leber-Feuer (11.7.4) Intensiv pochender Kopfschmerz (v.a. temporal, Augenbereich), Gesichts- und Augenrötung, Tinnitus, Schwindel, Hitzegefühle, ausgeprägte Unruhezustände, Wut Rot.
Belag: gelb, trocken
Saitenförmig, voll, schnell
Aufsteigendes Leber-Yang (11.7.5) Klopfender oder platzender Kopfschmerz im Scheitel-, Temporal- und Augenbereich, Tinnitus, Schwindel, Reizbarkeit, Wut Rot.
Belag: trocken, wenig
Saitenförmig, schnell
Leber-Wind (11.7.6) Tremor, Tics, Parästhesien, Schwindel
  • Durch Leber-Yang

Heftigste Kopfschmerzen und Schwindelattacken bis zum akuten Bewusstseinsverlust, Krampfanfälle, Hemiplegie Rot.
Belag: trocken
Saitenförmig, dünn, schnell
  • Durch extreme Hitze

Hohes Fieber, Krampfanfälle, Koma, Nackensteifigkeit Tiefrot, steif.
Belag: trocken
Saitenförmig, voll, schnell
  • Durch Leber-Feuer

Tremor, Reizbarkeit, Neigung zu Zornausbrüchen, Tinnitus/Taubheit, Schwindel Rot mit geröteten Rändern.
Belag: trocken, gelb
Saitenförmig, schnell
  • Durch Leber-Blut-Mangel

Parästhesien, Tremor oder Spasmen der Extremitäten, Tics, Blässe Blass.
Belag: trocken
Saitenförmig, rau, dünn
Feuchte-Hitze in Leber/Gallenblase (11.7.7) Völle- und Druckgefühl in Hypochondrium/Oberbauch, Ikterus, Übelkeit, bitterer Mundgeschmack, Feuchte-Hitze im Le-Meridian: Skrotalekzem, faulig riechender Fluor vaginalis Rot.
Belag: gelb, schmierig
Schlüpfrig, schnell, saitenförmig
Kälte im LeMeridian (11.7.8) Schmerzen im Unterbauch, der bis in Skrotum und Hoden ausstrahlt Blass.
Belag: feucht, weiß
Saitenförmig, langsam, tief
Gallenblasen-Qi-Mangel (11.8.1) Leichter Schwindel, Sehstörungen, Ängstlichkeit, Reizbarkeit, Entscheidungsschwierigkeiten Blass.
Belag: dünn, weiß
Saitenförmig, dünn
Feuchte-Hitze in der Gallenblase (11.8.2) Schmerz/Spannungsgefühl im Hypochondrium, Übelkeit, Fettverdauungsstörungen, Ikterus, Durst ohne Trinkverlangen, bitterer Mundgeschmack Belag: dick, gelb, klebrig-schmierig Saitenförmig, schnell, schlüpfrig
Gallenblasen-Schleim-Hitze (11.8.3) Palpitationen Unruhe, Spannung thorakal, Übelkeit Rot.
Belag: gelb, schleimig
Saitenförmig, schlüpfrig

Leitsymptome der Nieren- und Harnblasen-Syndrome

Tab. 11.8
Syndrome Leitsymptome Zunge Puls
Nieren-Jing-Mangel (11.9.1) Entwicklungsverzögerung bei Kindern; schwache Knie, vorzeitiger Haar- und Zahnausfall, Tinnitus, Libidomangel, Sterilität Evtl. dünn, schwach, zittrig Dünn, schwach, leer; evtl. Trommelpuls
Nieren-Yang-Mangel (11.9.2) Kältegefühl, Schwäche oder Schmerz im LWS- oder Kniebereich, Impotenz, Libidomangel, reichlich klarer Urin Blass, schlaff.
Belag: feucht, weiß
Schwach, tief, evtl. langsam
Nieren-Qi nicht fest (11.9.3) Wie bei Nieren-Yang-Mangel, zusätzlich Harninkontinenz, M: Spermatorrhö, Ejaculatio praecox, F: weißlicher Fluor vaginalis Blass, schlaff.
Belag: dünn, weiß
Schwach, tief, langsam
Niere unfähig, das Qi aufzunehmen (11.9.4) Wie bei Nieren-Yang-Mangel, zusätzlich Belastungsdyspnoe, Husten, Asthma bronchiale Blass, schlaff, evtl. geschwollen Schwach, tief, langsam
Wasserüberfluss (11.9.5, bei Nieren-Yang-Mangel) Ödeme, Kältegefühle, Kreuzschmerz, Palpitationen, verminderte Urinausscheidung, chronische Dyspnoe mit reichlich dünnem Sputum, evtl. Bauchbeschwerden Blass, geschwollen, evtl. blauviolett Schwach, tief, langsam, evtl. rau
Nieren-Yin-Mangel (11.9.6) mit Leere-Hitze Schwindel, Tinnitus, Vergesslichkeit, Nachtschweiß, Hitzegefühle, Mundtrockenheit, Spermatorrhö nachts Rot, rissig; belaglos Schnell, dünn
Nieren-Yin-Mangel mit stärkerer Leere-Hitze (11.9.6) Wie bei Nieren-Yin-Mangel mit stärkeren Hitzezeichen: innere Ruhelosigkeit, Angstzustände, stark übersteigerte Libido Rot, rissig; belaglos Schnell, dünn
Nieren-Qi-Mangel (11.9.7) Schwindel, Tinnitus, Haar- und Zahnausfall, Vergesslichkeit, Schmerz lumbal und Knie, Spermatorrhö, Fluor vaginalis Blass, evtl. geschwollen Tief, schwach
Feuchte-Hitze in der Blase (11.10.1) Harndrang, Dys- und Pollakisurie; trüber, dunkelgelber Urin Rot.
Belag: gelb, klebrig-schmierig
Schnell, schlüpfrig
Feuchte-Kälte in der Blase (11.10.2) Miktionsstörungen mit Schwereempfindungen, blasser, trüber Harn Belag: klebrig, weiß an der Zungenwurzel Schlüpfrig, langsam, leicht saitenförmig
Blasen-Schwäche und Kälte (11.10.3) Häufige Miktion mit reichlich blassem Urin Blass, feucht Tief, schwach

Leitsymptome der kombinierten Syndrome

Tab. 11.9
Syndrom Leitsymptome Zunge Puls
Herz- und Lungen-Qi-Mangel (11.11.1) Palpitationen mit Ängstlichkeit, Kurzatmigkeit, Keuchatmung bei Belastung, thorakales Engefühl, Spontanschweiß Blass (evtl. geschwollen).
Belag: dünn, weiß
Dünn und schwach, evtl. unregelmäßig
Herz-und Lungen-Yang-Mangel (11.11.2) Druckgefühl und Schmerz thorakal und kardial, Palpitationen, kraftloser Husten, Keuchatmung, Kälteaversion, kalte Hände und Füße, Lippenzyanose Blass oder blauviolett.
Belag: weiß und feucht
Tief, langsam, schwach
Herz- und Lungen-Yin-Mangel (11.11.3) mit Leere-Hitze Herz-Palpitationen, trockener Husten mit wenig, zähflüssigem, schwer abzuhustendem Schleim, Hitzewallungen, Hitze der fünf Flächen, Schlafstörungen Rot, trocken.
Belag: wenig
Dünn, schnell
Herz-Blut- und Milz-Qi-Mangel (11.11.4) Palpitationen, Schreckhaftigkeit, Schlafstörungen, Panikattacken, Vergesslichkeit; Appetitverlust und weiche, breiige Stühle Blass.
Belag: dünn, weiß
Dünn, schwach, evtl. rau
Herz- und Milz-Qi-Mangel (11.11.5) Palpitationen, Appetitverlust, abdominelles Spannungsgefühl, Spontanschweiß, Erschöpfung Blass.
Belag: dünn, weiß
Schwach und leer
Herz- und Milz-Yang-Mangel (11.11.6) Völlegefühl und Schmerz thorakal und kardial, breiige Stühle, Herz-Palpitationen, Konzentrationsstörungen, Kälteaversion und kalte Extremitäten Blass oder dunkel und livide.
Belag: weiß
Schwach
Herz- und Leber-Blut-Mangel (11.11.7) Herz-Palpitationen und starkes Herzklopfen, Vergesslichkeit, Schlafstörungen, Schwindel, Taubheitsgefühle der Extremitäten, Ängstlichkeit Blass Dünn und schwach
Herz- und Gallenblasen-Qi-Mangel (11.11.8) Furchtsamkeit, Schüchternheit und Ängstlichkeit mit Palpitationen und Panikattacken, Schlafstörungen, evtl. Depression Normal oder blass, evtl. Riss an Zungenspitze.
Belag: dünn, weiß
Schwach, dünn und schnell oder dünn und saitenförmig
Herz- und Nieren-Qi-Mangel (11.11.9) Palpitationen, Spermatorrhö und Ejaculatio praecox, Kurzatmigkeit und Spontanschweiß, Harninkontinenz Blass, geschwollen.
Belag: weiß
Schwach und leer
Herz- und Nieren-Yang-Mangel (11.11.10) Palpitationen, Harnretention mit Ödemen oder viel klarer Urin, Lippenzyanose, Kälteaversion und kalte Extremitäten Blass.
Belag: feucht, weiß
Tief und evtl. verlangsamt
Disharmonie zwischen Herz und Niere (11.11.11) Palpitationen, Schlafstörungen, Rastlosigkeit, Schwäche und Schmerz lumbal und Beine, nächtliche Samenergüsse, Nachtschweiß Rot.
Belag: wenig oder belaglos
Dünn, schnell
Lungen- und Milz-Qi-Mangel (11.11.12) Schwacher Husten mit viel wässrigem, weißlichem Auswurf, Keuchatmung und Kurzatmigkeit, Appetitverlust, weiche, breiige Stühle Blass, evtl. geschwollen.
Belag: weiß, dünn oder dick
Schwach, leer
Lungen-Qi- und Nieren-Yang-Mangel (11.11.13) Keuchatmung (v.a. Einatmung schlecht), Kurzatmigkeit, Kältegefühl v.a. der Extremitäten, entweder häufiges Wasserlassen oder Harnretention mit Ödemen Blass oder blauviolett, schlaff, geschwollen, feucht.
Belag: weiß, dünn
Tief, schwach, evtl. langsam
Lungen- und Nieren-Yin-Mangel (11.11.14) mit Leere-Hitze Trockener Husten, abendliche Hitzesensationen, Nachtschweiß, Wangenröte, nächtliche Samenergüsse Rot; belaglos Dünn, schnell
Leber-Feuer verletzt die Lunge (11.11.15) Attackenartiger Husten mit gelblich-zähem oder blutig tingiertem Sputum, evtl. Bluthusten, Reizbarkeit, Zorn, Hitze oben, rote, gereizte Augen Rot oder rötlich v.a. an den Rändern.
Belag: dünn, trocken
Schnell, saitenförmig
Milz- und Leber-Blut-Mangel (11.11.16) Schwindel, verschwommenes Sehen, Taubheitsgefühle und Kribbelparästhesien, Appetitverlust, weiche, breiige Stühle Blass, evtl. orangefarbene Ränder Schwach, dünn, evtl. rau
Milz- und Nieren-Yang-Mangel (11.11.17) Chronische Diarrhö v.a. gegen Morgen, Blässe, Kälteaversion, v.a. lumbal und kalte Extremitäten Geschwollen, blass.
Belag: dünn, weiß
Tief, schwach, langsam
Leber-Qi attackiert die Milz (11.11.18) Wechsel von Obstipation und Diarrhö, Spannung und Schmerz im Abdomen und Hypochondrium, Appetitverlust, Gemütsschwankungen, Reizbarkeit Blass mit geröteten Rändern Links saitenförmig, rechts schwach
Leber-Qi attackiert den Magen (11.11.19) Reizbarkeit, Spannung und Schmerz in Epigastrium und Hypochondrium, Säurereflux, Übelkeit Blass, evtl. gerötete Ränder Schwach rechts, links saitenförmig
Leber- und Nieren-Yin-Mangel (11.11.20) mit Leere-Hitze Augen-/Halstrockenheit, Nachtschweiß, verspätete Menstruation, Schwindel, Kopfschmerzen, nächtliche Samenergüsse Rot; belaglos Schnell, dünn, evtl. rau, oberflächlich
Feuchtigkeit in der Milz und Leber-Qi-Stauung (11.11.21) Appetitverlust, Völlegefühl und Schmerz abdominal, körperliches Schweregefühl, Spannungsgefühl thorakal und hypochondrial, bitterer Mundgeschmack Belag: dick, schmierig-klebrig, evtl. gelb Saitenförmig, schlüpfrig
Nieren-Yin- und Nieren-Yang-Mangel (11.11.22) Wundheitsgefühl und Schwäche lumbal und Beine, Tinnitus, Schwindel, Mangel-Kälte- und Mangel-Hitze-Zeichen: z.B. Kälteaversion und Hitzewallungen Geschwollen und leicht rot.
Belag: dünn
Dünn und schwach, v.a. an der Nierenposition

Therapie nach Zang-Fu-Syndromen

Claudia Focks

  • 11.1

    Syndrome des Herzens (Xin)946

    • 11.1.1

      Herz-Qi-Mangel (Xin Qi Xu)948

    • 11.1.2

      Herz-Yang-Mangel (Xin Yang Xu)949

    • 11.1.3

      Herz-Blut-Mangel (Xin Xue Xu)950

    • 11.1.4

      Herz-Yin-Mangel (Xin Yin Xu)951

    • 11.1.5

      Herz-Blut-Stase (Xin Xue Yu Zu)953

    • 11.1.6

      Loderndes Herz-Feuer (Xin Huo Shang Yan)954

    • 11.1.7

      Schleim-Feuer erregt das Herz (Tan Huo Rao Xin)956

    • 11.1.8

      Schleim-Kälte benebelt das Herz (Han Tan Mi Xin Qiao)957

  • 11.2

    Syndrome des Dünndarms (Xiao Chang)958

    • 11.2.1

      Dünndarm-Schwäche mit Kälte (Xiao Chang Xu Han)958

    • 11.2.2

      Fülle-Hitze im Dünndarm (Xiao Chang Shi Re)959

    • 11.2.3

      Dünndarm-Qi-Schmerzen959

    • 11.2.4

      Qi-Blockade des Dünndarms960

  • 11.3

    Syndrome der Lunge (Fei)961

    • 11.3.1

      Lungen-Qi-Mangel (Fei Qi Xu)962

    • 11.3.2

      Lungen-Yin-Mangel (Fei Yin Xu)963

    • 11.3.3

      Lungen-Trockenheit (Zao Re Shang Fei)964

    • 11.3.4

      Wind-Kälte-Invasion in die Lunge (Feng Han Shu Fei)965

    • 11.3.5

      Wind-Hitze-Invasion in die Lunge (Feng Re Fan Fei)967

    • 11.3.6

      Schleim-Feuchtigkeit in der Lunge (Tan Shi Zu Fei)968

    • 11.3.7

      Schleim-Hitze in der Lunge (Tan Re Zu Fei)969

    • 11.3.8

      Schleim-Flüssigkeit blockiert die Lunge970

  • 11.4

    Syndrome des Dickdarms (Da Chang)971

    • 11.4.1

      Trockenheit im Dickdarm (Da Chang Ye Kui)971

    • 11.4.2

      Dickdarmschwäche mit Mangel-Kälte (Da Chang Xu Han)972

    • 11.4.3

      Feuchte-Hitze im Dickdarm (Da Chang Shi Re)973

    • 11.4.4

      Kälte im Dickdarm mit Qi-Stagnation (Da Chang Han Jie)974

    • 11.4.5

      Hitze und Qi-Stagnationen im Dickdarm975

  • 11.5

    Syndrome der Milz (Pi)976

    • 11.5.1

      Milz-Qi-Mangel (Pi Qi Xu)977

    • 11.5.2

      Milz-Yang-Mangel (Pi Yang Xu)979

    • 11.5.3

      Milz kontrolliert das Blut nicht (Pi Bu Tong Xue)980

    • 11.5.4

      Sinkendes Milz-Qi (Pi Xu Xia Xian)981

    • 11.5.5

      Feuchte-Kälte in der Milz (Han Shi Kun Pi)981

    • 11.5.6

      Feuchte-Hitze in Milz und Magen (Pi Wei Shi Re)982

    • 11.5.7

      Trüber Schleim blockiert den Kopf (Tan Zhuo Shang Rao)983

    • 11.5.8

      Milz-Yin-Mangel (Pi Yin Xu)984

  • 11.6

    Syndrome des Magens (Wei)985

    • 11.6.1

      Magen-Qi-Mangel (Wei Qi Xu)986

    • 11.6.2

      Magen-Qi-Mangel mit Kälte (Wei Qi Xu Han)987

    • 11.6.3

      Magen-Yin-Mangel (Wei Yin Xu)987

    • 11.6.4

      Loderndes Magen-Feuer (Wei Huo Shang Sheng)988

    • 11.6.5

      Nahrungsstagnation im Magen (Shi Zhi Wei Wan)989

    • 11.6.6

      Blut-Stase im Magen991

    • 11.6.7

      Kälte-Invasion im Magen (Wei Shi Han)991

    • 11.6.8

      Gegenläufiges Magen-Qi992

  • 11.7

    Syndrome der Leber (Gan)992

    • 11.7.1

      Leber-Blut-Mangel (Gan Xue Xu)994

    • 11.7.2

      Leber-Qi-Stauung (Gan Qi Yu Jie)996

    • 11.7.3

      Leber-Blut-Stase (Gan Xue Yu Ju)998

    • 11.7.4

      Loderndes Leber-Feuer (Gan Huo Shang Yan)998

    • 11.7.5

      Aufsteigendes Leber-Yang (Gan Yang Shang Kang)1000

    • 11.7.6

      Aufkommender Leber-Wind (Gan Feng Nei Dong)1001

    • 11.7.7

      Feuchte-Hitze in Leber und Gallenblase (Gan Dan Shi Re)1004

    • 11.7.8

      Kälte im Leber-Meridian1005

  • 11.8

    Syndrome der Gallenblase (Dan)1006

    • 11.8.1

      Gallenblasen-Qi-Mangel (Dan Qi Xu)1006

    • 11.8.2

      Feuchte-Hitze in der Gallenblase (Dan Shi Re)1007

    • 11.8.3

      Gallenblasen-Qi-Stagnation mit Schleim-Hitze1008

  • 11.9

    Syndrome der Niere (Shen)1008

    • 11.9.1

      Nieren-Jing-Mangel (Shen Jing Xu)1010

    • 11.9.2

      Nieren-Yang-Mangel (Shen Yang Xu)1011

    • 11.9.3

      Nieren-Qi nicht fest (Shen Qi Bu Gu)1012

    • 11.9.4

      Niere unfähig, das Qi aufzunehmen (Shen Bu Na Qi)1013

    • 11.9.5

      Wasserüberfluss (Shen Xu Shui Fan)1014

    • 11.9.6

      Nieren-Yin-Mangel (Shen Yin Xu)1015

    • 11.9.7

      Nieren-Qi-Mangel (Shen Qi Xu)1017

  • 11.10

    Syndrome der Harnblase (Pang Guang)1018

    • 11.10.1

      Feuchte-Hitze in der Blase (Pang Guang Shi Re)1018

    • 11.10.2

      Feuchte-Kälte in der Blase (Pang Guang Shi Han)1019

    • 11.10.3

      Blasen-Schwäche und Kälte (Pang Guang Xu Han)1019

  • 11.11

    Kombinierte Krankheitssyndrome 1020

    • 11.11.1

      Herz- und Lungen-Qi-Mangel (Xin Fei Qi Xu)1022

    • 11.11.2

      Herz- und Lungen-Yang-Mangel (Xin Fei Yang Xu)1023

    • 11.11.3

      Herz- und Lungen-Yin-Mangel (Xin Fei Yin Xu)1024

    • 11.11.4

      Herz-Blut- und Milz-Qi-Mangel (Xin Pi Liang Xu)1024

    • 11.11.5

      Herz- und Milz-Qi-Mangel (Xin Pi Qi Xu)1026

    • 11.11.6

      Herz- und Milz-Yang-Mangel (Xin Pi Yang Xu)1026

    • 11.11.7

      Herz- und Leber-Blut-Mangel (Xin Gan Xue Xu)1027

    • 11.11.8

      Herz- und Gallenblasen-Qi-Mangel (Xin Dan Qi Xu)1027

    • 11.11.9

      Herz- und Nieren-Qi-Mangel (Xin Shen Qi Xu)1028

    • 11.11.10

      Herz- und Nieren-Yang-Mangel (Xin Shen Yang Xu)1029

    • 11.11.11

      Disharmonie zwischen Herz und Niere (Xin Shen Bu Jiao)1029

    • 11.11.12

      Lungen- und Milz-Qi-Mangel (Fei Pi Qi Xu)1031

    • 11.11.13

      Lungen-Qi- und Nieren-Yang-Mangel (Fei Qi Shen Yang Xu)1032

    • 11.11.14

      Lungen- und Nieren-Yin-Mangel (Fei Shen Yin Xu)1033

    • 11.11.15

      Leber-Feuer verletzt die Lunge (Gan Huo Fan Fei)1033

    • 11.11.16

      Milz- und Leber-Blut-Mangel (Pi Gan Xue Xu)1034

    • 11.11.17

      Milz- und Nieren-Yang-Mangel (Pi Shen Yang Xu)1035

    • 11.11.18

      Leber-Qi attackiert die Milz (Gan Qi Fan Pi)1036

    • 11.11.19

      Leber-Qi attackiert den Magen (Gan Qi Fan Wei)1037

    • 11.11.20

      Leber- und Nieren-Yin-Mangel (Gan Shen Yin Xu)1038

    • 11.11.21

      Feuchtigkeit in der Milz und Leber-Qi-Stauung (Pi Shi Gan Yu)1039

    • 11.11.22

      Nieren-Yin- und Nieren-Yang-Mangel (Shen Yin Yang Liang Xu)1039

Die Konzepte der chinesischen Medizin sind heterogen und setzen sich aus den Erkenntnissen vieler Schulen und Traditionen zusammen, die in verschiedenen Epochen bzw. auch an unterschiedlichen Orten innerhalb Chinas entstanden sind (1.2), z.B. Schule der Kühlung (Liu Wan-su), Schule der Erde (Mitte) (Li Dong-yuan), Schule der Yin-Nährung (Zhu Dan-xi), Schule der Purgierung (Zhang Chong-zheng) etc. Die Diagnostik und Therapie nach Zang-Fu (2.4) in der TCM hat Ende der 1960er, Anfang der 1970er Jahre in der VR China wie auch im Westen einen großen Aufschwung erlebt. In diese Theorie eingebunden wurden verschiedene Ansätze der chinesischen Medizin in eine zeitgemäße Form, die an Hochschulen und Universitäten für eine größere Anzahl an Studierenden lehrbar war. Verschiedene Autoren sehen die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) daher eher als ein Kunstprodukt wie ein zeitgenössisches Markenprodukt an, das von der VR unter dem Handelsnamen TCM exportiert wird (vgl. Frühauf in Noll/Kirschbaum 2006). In diesem Zusammenhang wird auch von einer Herbalisierung der Akupunktur gesprochen, da die Konzepte der chinesischen Arzneitherapie auf die Akupunktur und deren Punkte übertragen wurden, die sich ursprünglich aus eher leitbahnbezogenen Konzepten entwickelt hatte. Alle Begrifflichkeiten wie z.B. Ma 36 stärkt das Magen-Qi etc. entstammen dieser neuzeitlichen Terminologie (Näheres siehe Bedienungsanleitung S. VI).

Prinzipiell unterscheidet die CM zwischen einer Erkrankung (Bian Bing) und dem einer Erkrankung zugrunde liegenden Disharmonie-Muster (Bian Zheng). Die Differenzierung nach Zang-Fu-Syndromen, die in diesem Kapitel abgehandelt wird, gehört wie die Differenzierung nach den acht Leitkriterien (Ba Gang, 4.2.1) sowie nach Qi, Blut und Körperflüssigkeiten (4.2.3) zur Differenzierung nach Syndrom-Mustern (Bian Zheng) (10).

Syndrome des Herzens (Xin)

  • Physiologie (2.4.1): Regiert das Blut, kontrolliert die Blutgefäße, zeigt sich in der Gesichtsfarbe, beherbergt den Geist-Shen (2.3.5), öffnet sich in die Zunge, kontrolliert das Schwitzen

  • Ätiologie bei Störungen:

    • Äußere pathogene Faktoren (klimatische) Faktoren indirekt über das Perikard

    • Emotionen: Freude verlangsamt das Herz-Qi, Zorn lässt das Herz-Qi aufsteigen, Traurigkeit und Kummer erschöpfen das Herz-Qi, Sorge verknotet das Herz-Qi

    • Diätfehler und Überarbeitung

  • Pathologie: Zeigt sich z.B. in Störungen der Blutzirkulation (Palpitationen, Herzrhythmusstörungen); Störungen des Geist-Shen (2.3.5) wie abnorme geistige Aktivitäten, Schlaflosigkeit, Agitiertheit, Konzentrationsstörungen; Erkrankungen der Zunge wie Entzündung und Ulzeration, aber auch der Zungenbeweglichkeit, Sprachstörungen etc.

Palpitationen
Ein Schlüsselsymptom für Herz-Syndrome sind Palpitationen (Herzklopfen, Herzrasen, Herzzucken). Palpitationen sind unangenehm und können auch ein Alarmzeichen für eine organische Herzerkrankung sein. Die chinesische Medizin unterscheidet zwei Typen von Palpitationen, einmal mit und einmal ohne organische Dysfunktion:
  • Zheng Chong: (nach Wiseman et. al. [1998] fearful throbbing; furchtbares [ernstes] Pochen): entsteht durch Dysfunktion des Herzens oder eines anderen Organsystems. Kennzeichen der Palpitationen: Chronisch und kontinuierlich, können durch jede leichte Anstrengung, Stress oder Erschöpfung provoziert werden, die Palpitationen beinhalten auch Arrhythmien, Tachykardien, Bradykardien etc. und evtl. Zeichen von Zirkulationsstörungen. Häufig assoziierte Syndrome: Herz-Qi-Mangel (11.1.1); Herz-Yang-Mangel (11.1.2), Herz- und Nieren-Yang-Mangel (11.11.10), Herz-Blut-Stase (11.1.5)

  • Jing Ji (nach Wiseman et. al. [1998] fright palpitations: Angst [-induzierte] Palpitationen): Bedeuten v.a. eine Störung des Geist-Shen (2.3.5, 2.4.12.3.52.4.1). Kennzeichen der Palpitationen: Können durch Ängstlichkeit, Furcht oder andere Emotionen provoziert werden, sind paroxysmal, meist subjektiv empfundene Palpitationen oder Arrhythmien, die oft keine objektiv fassbare Störung anzeigen; ansonsten ist der Patient meist in guter gesundheitlicher Verfassung und die Herzstörung ist relativ benigne. Häufig assoziierte Syndrome: Herz-Yin-Mangel (11.1.4), (Leber- und Nieren-Yin-Mangel [11.11.20] können zu einem Mangel an Herz-Yin führen), Herz-Blut-Mangel (11.1.3), Herz-Blut- und Milz-Qi-Mangel (11.11.4), Loderndes Herz-Feuer (11.1.6) und Schleim-Hitze, Herz- und Gallenblasen-Qi-Mangel (11.11.8).

Anmerkung: Da nach der chinesischen Medizin Herz und Geist-Shen eng miteinander verbunden sind, kann eine Pathologie des einen auch eine Störung des anderen nach sich ziehen, und die Unterscheidung zwischen diesen beiden Typen von Palpitationen kann sich klinisch verwischen.

Herz-Qi-Mangel (Xin Qi Xu)

Synonym: Herz-Qi-Leere oder -Schwäche. Ba Gang: Innen-Mangel. Leitsymptome Tab. 11.1.
Pathomechanismus
Ätiologische Faktoren sind chronische Erkrankungen; starkes Schwitzen (z.B. kann ein Lungen-Qi-Mangel (11.3.1) auch einen Herz-Qi-Mangel bedingen), hohes Lebensalter oder kongenitales Defizit; starker Verbrauch des Qi (v.a. des Yang-Qi) durch eine akute, schwergradige Erkrankung; ein akuter oder chronischer Blutverlust (z.B. bei Menorrhagien); chronische psychische Belastungen v.a. in Verbindung mit Kummer und Traurigkeit. In der Praxis findet sich selten ein isolierter Herz-Qi-Mangel, sondern oft zeigt sich ein damit kombinierter Herz-Blut-Mangel (11.1.3). Ebenso ist der Herz-Qi-Mangel oft eng vergesellschaftet mit einem Milz-Qi-Mangel (Milz-Qi als Quelle des nachgeburtlichen Qi)(11.5.1) oder in Steigerung kombiniert mit einem Herz-Yang-Mangel (11.1.2).
Symptome
Palpitationen und Kurzatmigkeit; Herzrasen oder -stolpern (meist tagsüber), das belastungsabhängig ist und sich in in Ruhe bessert. In einigen Fällen: Schlaflosigkeit, Ängstlichkeit, Spontanschweiß, Blässe, Erschöpfungszustände, Müdigkeit, Kraftlosigkeit, schwache Stimme, Belastungsdyspnoe (Belastungsabhängigkeit als Leitsymptom).
Zunge: Blass, evtl. leicht geschwollen oder schlaff; dünner, weißer Belag.
Puls: Schwach (Ruo), leer (Xu), dünn (Xi), evtl. unregelmäßig (Jie) oder unregelmäßig intermittierend (Dai).
Therapie
Vor Beginn einer Behandlung mit chinesischer Medizin eine behandlungsbedürftige Linksherzinsuffizienz oder organisch bedingte Herzrhythmusstörungen ausschließen!
Therapieprinzipien Herz-Qi stärken
Rezept: Arzneien, die das Qi, v.a. das Herz-Qi, stärken wie Ginseng Rx. (Ren Shen), Codonopsis Rx. (Dang Shen), Astragali Rx. (Huang Qi), Glycyrrhizae Rx. praep. (Zhi Gan Cao). Rezeptur: Zhi Gan Cao Tang (7.6.10.c). Sheng Mai San (7.6.10.a). Modifiziertes Wu Wei Zi Tang enthält: Schisandrae Fr. (Wu Wei Zi) 6 g, Ophiopogonis Rx. (Mai Dong) 9 g, Astragali Rx. (Huang Qi) 12 g, Ginseng Rx. (Ren Shen) 9 g, Ziziphi spinosae Sm. (Suan Zao Ren) 12 g, Platycladi Sm. (Bai Zi Ren) 9 g, Albiziae Cx. (He Huan Pi) 9 g, Glycyrrhizae Rx. (Gan Cao) 3 g. Si Jun Zi Tang (7.6.10.a) bei allgemeinem Qi-Mangel. Bao Yuan Tang. Gui Pi Tang (7.6.10.c) bei Herz-Blut- und Milz-Qi-Mangel (11.11.4). Yang Xin Tang (7.6.14.b) bei Herz-Qi- und -Yang-Mangel. Si Jun Zi Tang (7.6.10.a) in Kombination mit Mu Li San (7.6.13) bei starkem Schwitzen. Ding Zhi Wan (13.18.2.j)bei schwerem emotionalem Schock.
Akupunktur: Evtl. Einsatz von Moxibustion. Ren 17 + (Danzhong) stärkt das Sammel-Zong-Qi, reguliert und stärkt allgemein Qi, entspannt den Thorax; Pe 6 + (Neiguan) reguliert und stärkt das Herz, fördert den Qi-Fluss, gut bei psychischer Belastung; He 5 + (Tongli) reguliert und stärkt v.a. Herz- Qi- und Yang; Bl 15 + (Xinshu) stärkt Herz-Qi; Ren 6 + M (Qihai) stärkt Qi und Yang allgemein; Ma 36 + M (Zusanli) stärkt Qi allgemein; Pe 5 + (Jianshi) stärkt das Herz-Qi; Lu 9 + (Taiyuan) stärkt indirekt Qi und Herz-Blut und deren Zirkulation; Ren 14 + (Juque) stärkt und reguliert das Herz.

Herz-Yang-Mangel (Xin Yang Xu)

Synonym: Herz-Yang-Leere oder -Schwäche. Ba Gang: Innen-Mangel-Kälte. Leitsymptome Tab. 11.1.
Pathomechanismus
Ätiologische Faktoren sind ähnlich wie die bei einem Herz-Qi-Mangel (11.1.1) bzw. der Herz-Yang-Mangel entwickelt sich meist mit fließenden Übergängen aus einem Herz-Qi-Mangel. Daher sind ätiologisch beteiligt: Chronische Erkrankungen; hohes Lebensalter oder ein kongenitales Defizit; Qi-Verbrauch aufgrund einer akuten, schwergradigen Erkrankung, z.B. durch ein körperliches Trauma. Das Muster entwickelt sich eher bei bereits vorbestehendem Milz- und Nieren-Yang-Mangel (11.11.17). Steigerung dieses Syndroms wäre zum einen eine Herz-Blut-Stase (11.1.5) oder auch der lebensbedrohliche Herz-Yang-Kollaps (4.2.1, zerstörtes Yang retten 10.2.7), der notfallmedizinisch zu behandeln ist.
Symptome
Symptome wie bei einem Herz-Qi-Mangel (11.1.1), aber verstärkte Symptomatik mit Kältezeichen und stärkerer Beeinträchtigung der Blutzirkulation (bis Blut-Stase): Palpitationen, Herzrasen, Herzrhythmusstörungen, Müdigkeit, Erschöpfungszustände, Blässe, Spontanschweiß, Belastungsdyspnoe, thorakales Beklemmungsgefühl, evtl. Herzschmerzen (durch kältebedingte Qi- und Blut-Stagnation und -Stase, 4.2.3) und Ödeme. Zusätzlich Kältezeichen: Frösteln, Kälteaversion, kalte Extremitäten, Zyanose von Lippen, Fingernägeln und Zunge (zeigen kältebedingte Herz-Blut-Stase an).
Ein Herz-Yang-Mangel ist oft mit einem Nieren-Yang-Mangel (11.9.2) kombiniert als Herz-/Nieren-Yang-Mangel (11.11.10) mit stärkeren Kältesymptomen und Nieren-Yang-Mangelzeichen wie Ödemen.
Zunge: Blass, geschwollen oder blauviolett (zyanotisch), leicht nasser Belag.
Puls: Schwach (Ruo), tief (Chen), rau (Se), regelmäßig unregelmäßig (Dai) oder unregelmäßig intermittierend (Jie).
Therapie
Dahinter steckt oft eine organische Herzerkrankung, die therapiebedürftig ist (13.1); Behandlung mit chinesischer Medizin parallel zur westlichen Therapie möglich.
Therapieprinzipien Herz-Yang stärken und wärmen, evtl. zusätzlich Nieren-Yang stärken
Rezept: Herz-Qi-stärkende Arzneien (7.4.3) wie bei Herz-Qi-Mangel (11.1.1) und Herz-Yang-wärmende Arzneien wie Aconiti Rx. lateralis praep. ([Zhi] Fu Zi), Zingiberis Rz. (Gan Jiang), Cinnamomi Ra. (Gui Zhi), Polygalae Rx. (Yuan Zhi). Rezepturen: Yang Xin Tang (7.6.14.b). Gui Zhi Gan Cao Long Gu Mu Li Tang. Variationen von Bao Yuan Tang. Variationen von Zhen Wu Tang (7.6.8.d) bei Herz- und Nieren-Yang-Mangel (11.11.10).
Akupunktur: Punkte wie z.B. Ren 17 + M (Danzhong) stärkt das Sammel-Zong-Qi, Herz-Yin und -Yang, v.a. bei thorakalem Beklemmungsgefühl; Pe 6 + M (Neiguan), Pe 5 + M (Jianshi) harmonisieren Herz- und Sammel-Zong-Qi, bei thorakalen Missempfindungen durch Qi-Stagnation; Bl 15 + M (Xinshu) stärkt mit Moxa Herz-Yang; Du 14 + M (Dazhui) reguliert Qi, aktiviert die Qi-Zirkulation, stärkt v.a. Herz-Yang (gut mit direktem Moxa); Ren 4 + M (Guanyuan), Bl 23 + M (Shenshu) stärken Nieren-Qi und -Yang; Ren 6 + M (Qihai) stärkt Qi und Yang allgemein (mit Moxa), bei zugrunde liegendem Nieren-Yang-Mangel; Pe 4 + M (Ximen) gut bei Schmerzen durch Blut-Stase (hier kältebedingt); He 5 + M (Tongli) ein Hauptpunkt zur Herz-Qi-Stärkung. Bei Blut-Stase zusätzlich Bl 17 (Geshu), Mi 10 (Xuehai), Le 3 (Taichong) mit ableitender oder neutraler Technik.

Herz-Blut-Mangel (Xin Xue Xu)

Synonym: Herz-Blut-Leere oder -Schwäche. Ba Gang: Innen-Mangel. Leitsymptome Tab. 11.1.
Pathomechanismus
Ätiologische Faktoren sind z.B. eine schwache Körperkonstitution, die entweder kongenital bedingt ist oder die sich nach chronischer, konsumierender Erkrankung bzw. nach starkem Blutverlust (z.B. bei der Geburt) sowie febrilen Erkrankungen (12) entwickelt hat; durch Diätfehler wie z.B. eine nährstoffarme Ernährung, die zu Milz-Qi-Mangel (11.5.1) mit nicht ausreichender Blutbildung und nachfolgendem Herz-Blut-Mangel führt; psychische Dauer- und Überbelastungen wie chronische Angstzustände, Sorgen und Stress verbrauchen das Herz-Blut und -Yin. In der Praxis findet sich oft ein kombinierter Herz- und Leber-Blut-Mangel (11.11.7). Dieses Syndrom zeigt sich häufiger bei jungen Menschen und v.a. bei Frauen. Oft findet sich auch eine Kombination mit einem Milz-Qi-Mangel als Herz-Blut- und Milz-Qi-Mangel (11.11.4). Zudem kann ein Herz-Blut-Mangel zu einem Herz-Yin-Mangel (11.1.4) führen (Blut ist ein Teil des Yin).
Symptome
Herz-Blut-Mangel: Palpitationen teilweise bis in die Umbilikalregion meist nachmittags oder abends, auch in Ruhe mit Angstzuständen oder leichtgradiger thorakaler Missempfindung.
Herz-Blut unfähig, Geist-Shen zu beherbergen: Schlafstörungen mit vielen Träumen; Vergesslichkeit, Angstzustände, Schreckhaftigkeit, Ruhelosigkeit.
Blut-Mangel: Diffuser Schwindel, Müdigkeit, Erschöpfungszustände, Gesicht und Lippen mattblass oder fahlgelblich.
Zunge: Blass, evtl. dünner und verkleinerter Zungenkörper, eingedellte Herzspitze (als Zeichen beginnenden Substanzverlustes), weißer, dünner, evtl. trockener Belag.
Puls: Dünn (Xi), rau (Se), evtl. auch beschleunigt (Shuo).
Therapie
Vor der Behandlung mit chinesischer Medizin eine organische Herzerkrankung und schulmedizinisch behandlungsbedürftige Anämie ausschließen.
Therapieprinzipien Blut nähren, Herz und Milz stärken (Milz als Quelle der Blutbildung); den Geist-Shen beruhigen
Rezept: Arzneien, die das Herz-Blut nähren wie Angelicae sinensis Rx. (Dang Gui), Rehmanniae Rx. (Sheng Di Huang), Rehmanniae Rx. praep. (Shu Di Huang), Salviae miltiorrhizae Rx. (Dan Shen). Rezepturen: Unter (7.6.10.b und 7.6.107.6.107.6.10.c) wie Si Wu Tang (7.6.10.b) als Blut nährendes Basisrezept. Dang Gui Bu Xue Tang (7.6.10.c). Suan Zao Ren Tang 7.6.14.b) v.a. wenn der Blut-/Yin-Mangel zu Schlafstörungen und Unruhezuständen geführt hat, d.h., der Geist-Shen wird nicht mehr beherbergt. Gui Pi Tang (7.6.10.c) bei Herz- und Milz-Blut/Qi-Mangel (11.11.4).
Akupunktur: He 7 + M (Shenmen), Bl 15 + M (Xinshu) stärken Herz-Blut und -Yin, beruhigen den Geist-Shen; Pe 6 + M (Neiguan) beruhigt den Geist-Shen; Mi 6 + M (Sanyinjiao) nährt Yin; Ma 36 + M (Zusanli), Bl 20 + M (Pishu) stärken Milz-Qi, fördern die Blutbildung; Bl 17 + M (Geshu) reguliert und stärkt Milz und Blut, fördert Blutzirkulation und -bildung; Ren 14 + M (Juque), Ren 15 + M (Jiuwei) stärken das Herz-Blut, beruhigen den Geist-Shen, gut bei chronischen Angstzuständen; Ex-HN (Anmian), Schlafpunkt, Einschlafstörungen; Ex-HN 3 + (Yintang) spezieller Punkt bei traumgestörtem Schlaf.

Herz-Yin-Mangel (Xin Yin Xu)

Synonym: Herz-Yin-Leere oder -Schwäche. Ba Gang: Innen-Mangel. Leitsymptome Tab. 11.1.
Pathomechanismus
Ätiologische Faktoren sind ähnlich wie die bei einem Herz-Blut-Mangel (11.1.3): Z.B. durch lange bestehende Angstzustände und Sorgen; chronische Überarbeitung und Belastung sowie nach febrilen Erkrankungen mit Schädigung der Säfte und des Yin (12). Oft ist ein Herz-Yin-Mangel von einem Nieren-Yin-Mangel (11.9.6) begleitet oder wird durch einen Nieren-Yin-Mangel verursacht. Ebenso kann ein Leber-Yin-Mangel (11.7.1) zu einem Herz-Yin-Mangel führen. Ein Herz-Yin-Mangel beinhaltet das Muster des Herz-Blut-Mangels (11.1.3). Dieses Syndrom findet sich häufiger bei Menschen, v.a. Frauen mittleren oder höheren Alters.
Symptome
Palpitationen, (tachykarde) Herzrhythmusstörungen; Ein- und Durchschlafstörungen, evtl. mit Träumen oder Aufwachen mit Palpitationen oder Panikattacken und Ängstlichkeit; Vergesslichkeit, Reizbarkeit, Angst- und Erregungszustände, Schreckhaftigkeit.
Yin-Mangel mit Leere-Hitze: Subfebrile Temperaturen v.a. nachmittags, Nachtschweiß, Wangenröte, Hitzesensationen der fünf Flächen, v.a. thorakal sowie an Handflächen und Fußsohlen, Mund- und Rachentrockenheit, Durst, Anorexie, trockene Stühle.
Zunge: Normal oder rot (wenn Mangel-Hitze, v.a. an der Zungenspitze evtl. mit roten Punkten), tiefer, medianer Riss bis zur Spitze; wenig, trockener Belag oder belaglos.
Puls: Dünn (Xi), schnell (Shuo) (wenn Mangel-Hitze) oder oberflächlich überflutend an beiden vorderen Positionen (Yin ist zu schwach, um Yang zu halten, Yang steigt nach oben).
Therapie
Therapieprinzipien Das Herz-Yin nähren, den Geist-Shen beruhigen, eventuelle Mangel-Hitze klären, evtl. Nieren-Yin stärken und ernähren
Rezept: Arzneien, die Herz-Yin nähren wie Asini Corii Colla (E Jiao), Ophiopogonis Rx. (Mai Men Dong), Rehmanniae Rx. (Sheng Di Huang), und Arzneien, die das Herz nähren und den Geist-Shen beruhigen wie Lilii Bb. (Bai He), Platycladi Sm. (Bai Zi Ren), Ostreae Concha (Mu Li), Ziziphi spinosae Sm. (Suan Zao Ren), Polygoni multiflori Caulis (Ye Jiao Teng). Rezepturen: Gan Mai Da Zao Tang (7.6.14.b) bei Herz-Yin-Mangel, harmonisiert den mittleren Jiao, evtl. auch Sheng Mai San (7.6.10.a). Tian Wang Bu Xin Dan (7.6.14.b) bei zusätzlichem Nieren-Yin-Mangel (oft der Fall 11.11.11). Huang Lian E Jiao Tang (13.18.2.i) nach febriler Erkrankung mit Xu Fan (13.18.1) (Resthitze unter dem Diaphragma).
Akupunktur: He 7 + (Shenmen) stärkt Herz-Blut und -Yin, beruhigt den Geist-Shen; He 6 + (Yinxi) reguliert und stärkt Herz, nährt Yin, kühlt Mangel-Hitze, beruhigt den Geist-Shen, gut bei Nachtschweiß in Kombination mit Ni 7 + (Fuliu), der die Niere stärkt; Bl 15 + (Xinshu), Pe 6 + (Neiguan), Ren 14 + (Juque), Ren 15 + (Jiuwei) beruhigen den Geist-Shen, bei Angst- und Unruhezuständen; Ren 4 + (Guanyuan) nährt Yin und beruhigt den Geist-Shen bei Mangel-Hitze; Mi 6 + (Sanyinjiao) nährt Yin; Ni 3 + (Taixi) nährt Nieren-Yin; Bl 23 + (Shenshu) nährt Nieren-Yin und Yin allgemein; Ni 6 + (Zhaohai) nährt das Nieren-Yin, fördert den Schlaf; Ni 10 + (Yingu) nährt Nieren-Yin.

Herz-Blut-Stase (Xin Xue Yu Zu)

Synonym: Herz-Blut-Stagnation oder -Stauung. Ba Gang: Innen-Mangel und/oder Fülle. Leitsymptome Tab. 11.1.
Pathomechanismus
Eine Herz-Blut-Stase entwickelt sich immer aus anderen Herz-Syndromen wie oft aus einem Herz-Yang-Mangel (11.1.2), aber auch aus einem Herz-Blut-Mangel (11.1.3) oder Loderndem Herz-Feuer (11.1.6). Beteiligte ätiologische Faktoren sind psychische Belastungen, Erregungs- und Angstzustände oder unterdrückter Zorn, die zu einer Stagnation des Herz-Qi mit nachfolgender Herz-Blut-Stase führen können. Übermäßige körperliche Belastungen bedingen einen Qi-Mangel und damit einhergehend in Fortentwicklung eine Blut-Stase. Ebenso kann ein Mangel an körperlicher Aktivität eine Qi- und Blut-Stagnation (4.2.3) verursachen. Schleimretentionen (4.2.3) durch Diätfehler wie eine fettreiche Ernährung und Alkoholabusus (8.3) können eine Herz-Blut-Stase nach sich ziehen. Bei Kindern findet sich das Muster auch konstitutionell.
Symptome
Herz-Qi-Mangel: Palpitationen, evtl. Tachykardie. Herz-Yang-Mangel: Lippen- und Nagelzyanose, blauviolettes Gesicht (Zeichen der Qi- und Blut-Stagnation [4.2.3] durch Herz-Yang-Mangel).
Herz-Blut-Stagnation oder -Stase: Stechende Schmerzen in der Herzgegend oder retrosternal, starkes thorakales Beklemmungs- und/oder Druckgefühl evtl. mit Ausstrahlung in den Arm im Verlauf des Herz-Meridians; Druckgefühl v.a. bei zusätzlicher Schleimretention (4.2.3). Qi-Mangel: Dyspnoe, Müdigkeit, Erschöpfungszustände. Yang-Mangel: Kalte Extremitäten. Schwergradige Fälle: Dyspnoe, Zyanose, extrem kalte Extremitäten, kalter Spontanschweiß, Lippenzyanose, Nagelzyanose.
Zunge: Blauviolett, evtl. mit blauvioletten Punkten, zyanotisch gestaute Zungenuntergrundvenen. Bei zugrunde liegendem Herz-Feuer (11.1.6) auch rötlich-violetter Zungenkörper möglich; wenig Belag, evtl. schmierig klebrig bei zusätzlicher Schleimretention (4.2.3).
Puls: Oft saitenförmig (Xian: Schmerzzeichen), dünn (Xi), unregelmäßig (Jie), evtl. rau (Se).
Therapie
Bei neu aufgetretener Symptomatik vor einer Behandlung mit chinesischer Medizin schulmedizinische Diagnostik und ausreichende medikamentöse Behandlung, um eine akute Symptomatik (cave: Herzinfarkt) durch schmerzlindernde Wirkung z.B. durch eine Akupunktur nicht zu verschleiern (13.1, 13.1.213.113.1.2).
Therapieprinzipien Während des akuten Anfalls: Qi und Blut bewegen, um Blut-Stase, Schmerz und Schleim zu beseitigen. Im anfallsfreien Intervall: Bei zugrunde liegendem Herz-Yang-Mangel (11.1.2) Herz-Yang stärken und wärmen, den Geist-Shen beruhigen, Qi und Xue bewegen, Stase beseitigen, Niere und Milz erwärmen
Rezept: Arzneien, die das Herz-Blut bewegen wie Salviae miltiorrhizae Rx. (Dan Shen), Carthami Fl. (Hong Hua), Paeoniae Rx. rubra (Chi Shao), Chuanxiong Rz. (Chuan Xiong). Rezepturen: Xue Fu Zhu Yu Tang (7.6.12.a) und Variationen. Gua Lou Xie Bai Bai Jiu Tang, siehe auch Rezepturen bei Angina pectoris, 13.1.2).
Akupunktur: Während des Anfalls: Ableitende Nadeltechnik an Pe 4 (Ximen) spezifischer Punkt bei Thorax-Bi-Syndrom im Sinne einer Angina Pectoris, bewegt stark das Blut in den Meridianen und Netzgefäßen des Thorax, lindert Schmerz, Stagnation und Stase, beruhigt den Geist-Shen; Bl 17 (Geshu) Meisterpunkt des Blutes, aktiviert die Blutzirkulation, reduziert Schleim; Ren 17 (Danzhong) stärkt das Sammel-Zong-Qi, aktiviert die Qi- und Blutzirkulation, entfernt Schleim und Stase.
Zusätzlich im anfallsfreien Intervall: Stärkende oder neutrale Nadeltechnik, bei Yang-Mangel auch Moxa an Ren 6 (Qihai), Ma 36 (Zusanli), Pe 6 (Neiguan) und Ren 14 (Juque) reguliert das Herz, beseitigt Herz-Schleim, beruhigt den Geist-Shen; Pe 6, Bl 14 (Jueyinshu) regulieren Herz- und Perikard-Qi, kräftigen Yang, Pe 6 öffnet den Thorax; He 7 (Shenmen) beruhigt das Herz und den Geist-Shen; Bl 20 (Pishu), Ma 36 (Zusanli), Bl 23 (Shenshu), Ni 3 (Taixi) wärmen Milz- und Nieren-Yang, transformieren Schleim; Mi 6 (Sanyinjiao) nährt Yin und Blut; in Kombination mit Ma 36 (Zusanli) stärken Qi- und Blutzirkulation; Mi 10 (Xuehai) reguliert das Blut, beseitigt Blut-Stase; Ni 25 (Shencang) lokaler Thorax-Punkt, der Qi und Blut im Thorax bewegt, gut bei Herz-Yang- mit Nieren-Yang-Mangel (11.1.2, 11.9.2, 11.11.10); Ma 40 (Fenglong) bei Schleimretention, löst Schleim auf. Gegebenenfalls Öffnung des Chong Mai (5.4.5, 5.4.115.4.55.4.11), dann nach Öffnung des Chong Mai Pe 4 und Pe 6 in einer nächsten Sitzung nadeln, um Qi und Blut weiter zu bewegen. Nach Bypass-Operation zusätzlich Narbenbehandlung (5.4.11). Bei Leber-Qi-Stauung (11.7.2) auch Le 3 (Taichong) in Kombination mit Di 4 (Hegu) bilateral als Si Guan (Vier-Tore-Technik), um das Qi stark im Körper zu bewegen.

Loderndes Herz-Feuer (Xin Huo Shang Yan)

Ba Gang: Innen-Fülle-Hitze. Leitsymptome Tab. 11.1.
Pathomechanismus
Ätiologische Faktoren umfassen schwerwiegende psychische Probleme wie ständige Sorgen, aber auch Erregungszustände und Depressionen im Sinne einer langfristigen Leber-Qi-Stauung (11.7.2), die eine Störung des Geist-Shen und Qi-Stagnation mit Hitze-Entwicklung nach sich ziehen können. Das Herz-Feuer wird oft durch einen Übergriff von Loderndem Leber-Feuer (11.7.4) verursacht. Es kann daher indirekt durch Zorn, Frustration und Wut als Ursachen für ein Leber-Feuer mit nachfolgendem Herz-Feuer entstehen. Des Weiteren können Diätfehler wie ein Zuviel an stark gewürzter, fettiger Nahrung aber auch chronisches Überessen, Alkohol- und/oder Nikotinabusus oder ein Übermaß an erwärmenden Arzneien (7.1.12) für ein Herz-Feuer mitverantwortlich sein. Das Syndrom Herz-Feuer kann in der Weiterentwicklung Milz und Magen schädigen. Ebenso kann aus einem lange bestehenden Herz-Feuer durch die Schädigung der Säfte ein Herz-Yin-Mangel und damit ein komplexes Muster entstehen.
Symptome
Palpitationen, Erregungszustände wie Reizbarkeit, Schlafstörungen mit vielen Träumen, Angstzustände, in schwergradigen Fällen extreme Ruhelosigkeit bis hin zur Manie; Gesichtsrötung, Hitzewallungen, Mundtrockenheit, starker Durst, Zungen- und Mundgeschwüre mit rotem, erhabenem Rand (meist sehr schmerzhaft); (DD: Herz-Yin-Mangel: Ulzera weißer Rand), evtl. bitterer Mundgeschmack morgens nach schlafloser Nacht, dunkler, konzentrierter Urin.
Schwergradige Fälle: Schmerzen und Blutungen bei der Miktion (Fülle-Hitze im Dünndarm: Herz-Feuer greift auf Dünndarm [und Blase] über, 11.2.2).
Zunge: Rot, v.a. an der Zungenspitze gerötet und geschwollen, Risse in der Zungenmitte teilweise bis zur Spitze; trockener, gelber Belag.
Puls: Voll (Shi), schnell (Shuo), evtl. überflutend (Hong), v.a. li. vordere Position, auch jagend (schnell und unregelmäßig aussetzend [Cu]).
Therapie
Therapieprinzipien Das Herz-Feuer klären, das Feuer ausleiten, den Geist-Shen beruhigen
Rezept: Arzneien, die Herz-Hitze klären wie Lophatheri Hb. (Dan Zhu Ye), Coptidis Rz. (Huang Lian), Forsythiae Fr. (Lian Qiao), Nelumbinis Sm. (Lian Zi), Ophiopogonis Rx. (Mai Men Dong), Moutan Cx. (Mu Dan Pi), Rehmanniae Rx. (Sheng Di Huang), Scrophulariae Rx. (Xuan Shen), Gardeniae Fr. (Zhi Zi). Rezepturen: Variationen von Xie Xin Tang (7.6.4.c), auch in Kombination mit Dao Chi San (7.6.4.d), wenn die Hitze auf den Dünndarm übergegangen ist. Huang Lian Jie Du Tang (7.6.4.c). Pu Ji Xiao Du Yin. Xiao Ji Yin Zi (7.6.12.b). Siehe auch Kombinationen der Syndrome (11.11) und Rezeptempfehlungen dort. Ci Zhu Wan oder Zhu Sha An Shen Wan (13.18.5) bei unruhigem Geist-Shen.
Akupunktur: Pe 8 (Laogong) reduziert Feuer, gut bei Stomatitis, entzündeter oder sehr roter Zunge, cave: Schmerzhafte Punktion; He 8 (Shaofu) beseitigt Herz-Feuer und Mangel-Hitze des Herzens, wirkt intensiver als He 7; He 9 B (Shaochong) reduziert Herz-Feuer; He 7 (Shenmen) stärkt das Herz, klärt Herz-Feuer in Kombination mit He 9, beruhigt den Geist-Shen; Pe 6 (Neiguan) stärkt das Herz, beruhigt den Geist-Shen; Ren 15(Jiuwei) beruhigt den Geist-Shen v.a. bei Yin-Mangel; Mi 6 + (Sanyinjiao), Ni 6 + (Zhaohai), N 3 + (Taixi) nähren Yin; Bl 15 + (Xinshu) stärkt das Herz; Ren 3 (Zhongji), Bl 28 (Pangguangshu) leiten Feuchte-Hitze aus dem unteren Jiao aus (Herz-Hitze-Übergriff auf Dünndarm und Blase); Gb 20 (Fengchi), Le 2 (Xingjian), Gb 43 (Xiaxi) zusätzlich bei Loderndem Leber-Feuer (11.7.4); Bl 23 + (Shenshu), Ni 3 (Taixi) und Ni 6 (Zhaohai) bei Disharmonie zwischen Herz und Niere (11.11.11).

Vergleich Herz-Blut-Mangel, Herz-Yin-Mangel, Loderndes Herz-Feuer

Tab. 11.2
Gemeinsame Symptome: Palpitationen, Schlaflosigkeit mit Träumen, Vergesslichkeit, Schreckhaftigkeit
SyndromeUnterscheidungsmerkmaleZungePuls
Herz-Blut-Mangel (11.1.3)Schwindel, Vertigo, fahle Blässe, blasse LippenBlassDünn, schwach, rau
Herz-Yin-Mangel (11.1.4) mit Leere-HitzeWangenrötung, Nachtschweiß, Mund-/Rachentrockenheit, subfebrile Temperaturen, Hitzesensationen, RastlosigkeitRot, belaglosDünn, schnell, evtl. überflutend
Loderndes Herz-Feuer (11.1.6)Gesamtes Gesicht gerötet, Zungen- und Mundgeschwüre, extreme Schlaflosigkeit und Erregungszustände, evtl. Dysurie und HämaturieRot.
Belag: trocken, gelb
Voll, schnell, evtl. überflutend

Schleim-Feuer erregt das Herz (Tan Huo Rao Xin)

Ba Gang: Innen-Fülle-Hitze. Leitsymptome Tab. 11.1.
Pathomechanismus
Ätiologische Faktoren, die zu einem Schleim-Feuer im Herzen führen können, umfassen meist lang dauernde psychische Belastungen, die zu einer Qi-Stagnation (4.2.3) mit sich entwickelndem Feuer führen. Ebenso können Diätfehler wie ein Zuviel an scharf gewürzten, fettigen Speisen und/oder Alkohol-/Nikotinabusus durch die Überlastung der Transformationsfunktion der Milz zu einer endogenen Hitze- und Schleimretention führen, die auf das Herz übergreift. Entwicklung auch Im Verlauf einer febrilen Erkrankung, die das Perikard befällt (12.2).
Symptome
Erregungszustände mit aggressivem Charakter bis hin zu Manie und agitierter Psychose: Fantasieren und zusammenhangloses Sprechen, grundloses, unkontrolliertes Lachen und Weinen, Verwirrtheit, Schreien, Schlafstörungen mit Albträumen, Gesichtsrötung, bitterer Mundgeschmack, Obstipation, tiefgelber Urin, evtl. auch Depression/Abgestumpftheit, in schweren Fällen Aphasie, Koma (Schleim verlegt die Herzöffnungen).
Zunge: Rot, medianer Riss, evtl. mit erhabenen gelblichen Papillen im Riss (dornenähnlich), gerötete, geschwollene Zungenspitze; gelber, klebrig-schmieriger Belag.
Puls: Saitenförmig (Xian), schlüpfrig (Hua), schnell (Shuo), evtl. schnell, voll (Shi) oder schnell, überflutend (Hong).
Therapie
Konsultation eines psychiatrischen Facharztes.
Therapieprinzipien Herz-Feuer klären, Herzöffnungen durch Schleimbeseitigung wieder durchgängig machen (Schleim transformieren), Geist-Shen beruhigen
Rezept: Arzneien, die Herz-Feuer klären, Schleim transformieren und Sinne öffnen wie Curcumae Rx. (Yu Jin) und/oder Arzneien, die den Geist-Shen stark beruhigen wie Fossilia Ossis Mastodi (Long Gu), Ostreae Concha (Mu Li). Rezepturen: An Gong Niu Huang Wan. Huang Lian Wen Dan Tang. Sheng Tie Luo Yin (13.18.5.b). Gun Tan Wan. Ci Zhu Wan. Dao Tan Tang.
Akupunktur: Akuter Anfall: Brunnen-Jing-Punkte B (die Meridianendpunkte an Fingern/Zehen) beleben das Bewusstsein wieder, v.a. bewährt Pe 9 (Zhongchong) und He 9 (Shaochong); Pe 8 B (Laogong) (cave: Schmerzhafte Punktion) klärt Herz-Feuer; Du 26 (Shuigou) belebt das Bewusstsein wieder, beruhigt den Geist-Shen, klärt Hitze; He 8 (Shaofu) beseitigt Herz-Feuer, belebt das Bewusstsein wieder (Nadel nicht in situ belassen!).
Zusätzlich im Intervall: Pe 5 (Jianshi) löst Schleim auf, befreit die Herzöffnungen, reduziert Hitze in Perikard- und Herz-Meridian; Pe 8 (Laogong) klärt Hitze, z.B. im Verlauf einer febrilen Erkrankung bei Hitze im Perikard mit Bewusstseinsstörungen (12.2.6); Ren 15 (Jiuwei) beruhigt den Geist-Shen, nährt alle Zang-Organe bei starken Angstzuständen, emotionalem Schock oder Zwangsvorstellungen; Ma 8 (Touwei) beseitigt lokal Schleim vom Kopf; Ma 40 (Fenglong), Mi 6 (Sanyinjiao) lösen Schleim auf, stärken die Milz; Kombinationen von Le 3 (Taichong), evtl. Le 2 (Xingjian) mit Du 14 (Dazhui) und Gb 20 (Fengchi) beruhigen den Geist-Shen, machen die Sinnesöffnungen wieder durchgängig, leiten Feuer nach unten ab; Gb 15 (Toulinqi) reguliert den Geist-Shen, gleicht Stimmungsschwankungen aus, z.B. bei einem Pendeln zwischen manischen und depressiven Phasen; Ex-HN (Dingshen) Lokalisation im Philtrum, unterhalb von Du 26, Indikation bei Psychosen, Krampfanfällen; Gb 13 (Benshen) beruhigt den Geist-Shen, klärt das Gehirn, sammelt Essenz-Jing im Kopf; in China oft Einsatz bei psychischen Störungen, mit Du 24 (Shenting) sehr stark sedierend, bei thorakalem Völlegefühl auch Pe 6 (Neiguan) und Ren 17 (Danzhong); evtl. Ni 1 (Yongquan) beseitigt Fülle vom Kopf.

Schleim-Kälte benebelt das Herz (Han Tan Mi Xin Qiao)

Synonym: Schleim benebelt den Geist. Ba Gang: Innen-Fülle-Kälte. Leitsymptome Tab. 11.1.
Pathomechanismus
Ätiologische Faktoren, die zu einer Schleim-Kälte im Herzen führen können, sind eine chronische Einwirkung von Schleimretention (4.2.3), z.B. durch Diätfehler mit einem Zuviel an öligen und kalten bzw. rohen Nahrungsmitteln. Milz-Mangel-Syndrome und Schleimentwicklung mit Leber-Qi-Stauung. Psychische Belastungen mit Depressionen. Konstitutionell bedingt bei Kindern.
Symptome
Depression, Introvertiertheit, Selbstgespräche, Aphasie, Lethargie, Somnolenz bis zum Bewusstseinsverlust, Stupor, plötzlicher Kollaps, Koma mit gurgelnden Rasselgeräuschen im Rachen.
Zunge: Geschwollen, evtl. medianer Riss; dicker, weißer, klebrig-schmieriger Belag.
Puls: Schlüpfrig (Hua) und langsam (Chi).
Therapie
Ggf. Konsultation eines psychiatrischen Facharztes.
Therapieprinzipien Schleim transformieren, die Herzöffnungen und Meridiane durchgängig machen, ggf. das Bewusstsein wieder beleben
Rezept: Arzneien, die Schleim transformieren und die Herzöffnungen frei machen wie Acori tatarinowii Rz. (Shi Chang Pu), Curcumae Rx. (Yu Jin), Polygalae Rx. (Yuan Zhi). Rezepturen: Variationen von Wen Dan Tang (7.6.16.b) oder Dao Tan Tang.
Akupunktur: Du 26 (Shuigou) befreit die Sinne, beruhigt den Geist-Shen, bei Bewusstseinsverlust; Pe 5 (Jianshi) löst Schleim des Herzens, befreit die Herzöffnungen; He 9 B (Shaochong) befreit die Herzöffnungen, belebt das Bewusstsein wieder, bei Bewusstseinsverlust auch Mikroaderlass mit Dreikantnadel (5.1.6); Bl 15 (Xinshu) klärt das Herz, regt intellektuelle Fähigkeiten/Sprachentwicklung (bei Kindern) an; He 5 (Tongli) reguliert das Herz-Qi, befreit die Sinne, beruhigt den Geist-Shen, bei Aphasie; Du 15 (Yamen) befreit die Sinne, klärt das Bewusstsein, in Kombination mit Ex-HN 14 (Yiming) bei mangelnder Gehirnreife; Du 20 (Baihui) in Kombination mit Ex-HN 1 (Sishencong) befreien die Sinne, beruhigen den Geist-Shen, festigen das aufsteigende Yang; Ma 40 (Fenglong), Ren 12 + (Zhongwan), Bl 20 + (Pishu), Ma 36 + (Zusanli) stärken die Milz, um Schleim aufzulösen.

Syndrome des Dünndarms (Xiao Chang)

  • Physiologie (2.4.2): Kontrolliert das Empfangen und Umwandeln, trennt in klar und trüb (Flüssigkeitstrennung: Beziehung mit der Blase; Nahrungsumwandlung: Koordination mit der Milz; Flüssigkeitstransformation: Zusammenarbeit mit dem Nieren-Yang)

  • Ätiologie bei Störungen: Diätfehler, Emotionen mit Traurigkeit, Sorge und/oder Zorn, äußere pathogene Kälte oder Hitze oder Feuchte-Hitze

  • Pathologie: Bauchschmerzen, Meteorismus mit starken Blähungsgeräuschen, Borborygmen, psychisch-emotionale Störung in Bezug auf geistige Klarheit und Urteilsfähigkeit.

Dünndarm-Schwäche mit Kälte (Xiao Chang Xu Han)

Ba Gang: Innen-Mangel-Kälte, Syndrom meist in Milz-Yang-Mangel (11.5.2) enthalten, kaum von diesem zu trennen. Leitsymptome Tab. 11.1.
Pathomechanismus
Ätiologische Faktoren, die zu einer Dünndarm-Schwäche führen können, sind eine Unterfunktion des Dünndarms oder äußere pathogene Kälte (2.6.1), die den Dünndarm attackiert, z.B. durch Diätfehler mit einem Zuviel an kalten und rohen Nahrungsmitteln.
Symptome
Milder, intermittierender, dumpfer Abdominalschmerz, Besserung durch Druck und Wärme auf den Bauch; Verlangen nach warmen Getränken; Diarrhö (weiche bis breiigflüssige Stühle); viel, blassgelber Urin; evtl. häufiger Harndrang mit blassem, reichlichem Urin, Kälteobstruktion des Darms: Blähungsgeräusche, Abdominalschmerz.
Zunge: Blass, evtl. gedunsen; weißer Belag.
Puls: Schwach (Ruo), langsam (Chi), evtl. tief (Chen).
Therapie
Therapieprinzipien Milz-Yang und Dünndarm stärken und wärmen, die Kälte vertreiben
Rezept: Siehe auch Milz-Qi- und Milz-Yang-Mangel (11.5.1, 11.5.2). Rezepturen: Li Zhong Wan (7.6.9), Shen Ling Bai Zhu San (7.6.10.a). Xiao Jian Zhong Tang (7.6.9).
Akupunktur: Ma 36 + M (Zusanli) stärkt das Milz-Yang, vertreibt Kälte; Ma 39 + M (Xiajuxu) unterer Meer-He-Punkt (5.9.8) des Dünndarms, reguliert die Därme, lindert und beseitigt Schmerz im unteren Abdomen, bewährt bei Meteorismus und Flatulenz; Ma 25 + (Tianshu) fördert die Eingeweidefunktionen, stärkt und wärmt in Kombination mit Moxa Milz und Därme, reguliert Qi; Bl 20 + M (Pishu) stärkt die Milz; Bl 27 + M (Xiaochangshu) fördert die Dünndarmfunktion; Ren 6 + M (Qihai) stärkt Yang, beendet Diarrhö; Le 13 + M (Zhangmen) harmonisiert Leber und Milz; Mi 3 (Taibai), Mi 4 (Dicang) stärken die Milz.

Fülle-Hitze im Dünndarm (Xiao Chang Shi Re)

Eng verbunden mit dem Lodernden Herz-Feuer (11.1.6), das auf den Dünndarm (und die Blase) übergreift (Xin Yi Re Yu Xiao Chang). Ba Gang: Innen-Fülle-Hitze. Leitsymptome Tab. 11.1.
Pathomechanismus
Ätiologie und Entstehung einer Fülle-Hitze im Dünndarm entsprechen denen bei Loderndem Herz-Feuer (11.1.6), d.h. durch Diätfehler mit einem Zuviel an energetisch hitzebildenden Nahrungsmitteln; emotionale Anspannung mit Entwicklung von Hitze im Herzen, die dann auf den Dünndarm (als gekoppeltes Fu-Organ) übergreift.
Symptome
Fülle-Hitze im unteren Jiao: Völlegefühl und Schmerz im Unterbauch, Druck auf Unterbauch verschlimmert; häufiger, dringender Harndrang; Hämaturie, Dysurie; dunkelgelber, konzentrierter Urin, evtl. Hämaturie.
Herz-Feuer: Reizbarkeit, Unruhezustände, Mund- und Zungenulzerationen (roter Rand und schmerzhaft) und brennende Schmerzen im Mundbereich; Halsschmerzen, thorakale Hitzeempfindung, Durst mit Verlangen nach kühlen Getränken.
Zunge: Rot mit geröteter Spitze, Spitze evtl. geschwollen; gelber Belag.
Puls: Schnell (Shuo), schlüpfrig (Hua), überflutend (Hong).
Therapie
Therapieprinzipien Hitze aus Herz und dem unteren Jiao ausleiten
Rezept: Arzneien, die Fülle-Hitze aus dem Dünndarm ausleiten wie Benincasae Sm. (Dong Gua Zi). Rezepturen: Dao Chi San (7.6.4.d). Dao Chi Qing Xin Tang.
Akupunktur: He 5 (Tongli), He 8 (Shaofu) beseitigen Herz-Feuer, beruhigen den Geist-Shen; Dü 2 (Qiangu) beseitigt Hitze aus Dünndarm und Blase, guter Punkt bei Dysurie; Dü 5 (Yanggu) beseitigt Hitze des Dünndarms, beruhigt den Geist-Shen; Ma 39 (Xiajuxu) beseitigt Bauchschmerz; Mi 9 (Yinlingquan), Mi 6 (Sanyinjiao, Ren 3 (Zongji) leiten Feuchte-Hitze aus dem unteren Jiao aus, regulieren die Harnblase.

Dünndarm-Qi-Schmerzen

Ba Gang: Innen-Fülle-Hitze oder Kälte. Leitsymptome Tab. 11.1.
Pathomechanismus
Ätiologische Faktoren für Blockierungen des Qi-Flusses mit Schmerzen im Dünndarm sind Diätfehler mit einem Zuviel an kalter bzw. roher Nahrung sowie emotionale Anspannung mit Wutgefühlen und einer Leber-Qi-Stauung (11.7.2), die die Milz attackiert und das Qi im Dünndarm stagnieren lässt.
Symptome
Krampfartiger Schmerz im unteren Abdomen mit möglicher Ausstrahlung in den Rücken, abdominales Spannungsgefühl, durch Druck verstärkt; Borborygmen, Meteorismus, die Schmerzen werden durch Wind-Abgang gelindert, Hodenschmerzen.
Zunge: Weißer Belag.
Puls: Saitenförmig (Xian) und tief (Chen).
Therapie
Therapieprinzipien Das Qi des Dünndarms bewegen und den Leber-Qi-Fluss fördern
Rezept: Chai Hu Shu Gan San (7.6.6).
Akupunktur: Ableitende Nadeltechnik, bei Kältezeichen auch Moxa: Ma 39 (Xiajuxu) beendet Bauchschmerz und bewegt das Dünndarm-Qi; Ren 6 (Qihai) in Kombination mit Gb 34 (Yanglingquan) bewegt das Qi im unteren Jiao, lindert Schmerzen; Ma 27 (Daju) und Ma 29 (Guilai) bewegen das Qi im unteren Jiao; Ma 25 (Tianshu) in Kombination mit Ma 37 und Ma 39 machen die Därme durchgängig, beseitigen Blockaden; Le 13 (Zhangmen) harmonisiert als Mu-Punkt der Milz auf dem Leber-Meridian Leber und Milz, Le 3 (Taichong) fördert den harmonischen Leber-Qi-Fluss und beendet abdominalen Schmerz und Spasmen.

Qi-Blockade des Dünndarms

Synonym: Gebundenes Dünndarm-Qi, Qi-Stagnation des Dünndarms mit Obstruktion. Ba Gang: Innen-Fülle-Hitze oder Kälte. Leitsymptome Tab. 11.1.
Pathomechanismus
Ätiologische Faktoren für eine Qi-Blockade des Dünndarms sind Diätfehler mit einem Zuviel an kalter bzw. roher Nahrung sowie eine Ansammlung von Darmparasiten.
Symptome
Dünndarm-Qi-Blockade-Zeichen: Heftiger, akuter und ausstrahlender Schmerz, durch Druck verstärkt; Obstipation, Erbrechen, graduell verminderte oder fehlende Gas- und Stuhlpassage; in schwergradigen Fällen Entwicklung und Zeichen eines Ileus.
Zunge: Weißer oder fettig gelber Belag.
Puls: Voll (Shi), saitenförmig (Xian) oder auch tief (Chen).
Therapie
Cave: Westliche Notfallmedizin beachten, ggf. chirurgische Intervention.
Therapieprinzipien Die Blockade aus dem unteren Jiao beseitigen, das Qi des Dünndarms bewegen und ihn durchgängig machen
Rezept: Tian Tai Wu Yao San. Zhi Shi Dao Zhi Wan bei Feuchte-Hitze- und Nahrungsakkumulation.
Akupunktur: Kräftige, ableitende Nadeltechnik, evtl. auch Elektrostimulation: Ma 39 (Xiajuxu) beendet Bauchschmerz und bewegt das Dünndarm-Qi; Ex-LE 7 (Lanweixue): Anwendung bei Druckdolenz und Verdacht auf Appendizitis; Ren 6 (Qihai) in Kombination mit Gb 34 (Yanglingquan) bewegt das Qi im unteren Jiao und lindert Schmerzen; Ma 37 (Shangjuxu) reguliert als unterer Meer-Xiahe-Punkt des Dickdarms den Darm; Ma 25 (Tianshu) in Kombination mit Ma 37 und Ma 39 machen die Därme durchgängig und beseitigen Blockaden; Le 3 (Taichong) fördert den harmonischen Leber-Qi-Fluss und beendet abdominalen Schmerz und Spasmen.

Syndrome der Lunge (Fei)

  • Physiologie (2.4.3): Herrscht über Qi und Atmung, kontrolliert Meridiane und Blutgefäße, kontrolliert das Verteilen und Absenken des Qi und der Flüssigkeiten, reguliert die Wasserwege, kontrolliert Haut und die Körperoberfläche (z.B. Hautbefeuchtung, die Schweißdrüsenregulation, Hautporen, einen Teil der Funktion des Abwehr-Wei-Qi 2.3.1); manifestiert sich in der Körperbehaarung; Öffner: Nase, kontrolliert das Nasensekret, berherbergt die Körperseele (Po), Emotion: Kummer und Traurigkeit

  • Ätiologie bei Störungen: Äußere pathogene Faktoren wie Wind (in Kombination mit Kälte oder Hitze), Trockenheit, Feuchtigkeit; Diätfehler v.a. mit nachfolgender Feuchtigkeitsretention, Emotionen wie Kummer und Traurigkeit, Sorge; schädigende Lebensgewohnheiten wie Nikotinabusus, gebeugte Haltung, die das Lungen-Qi auf Dauer blockiert

  • Pathologie: Insuffizienz des Sammel-Zong-Qi (2.3.1) mit Dysfunktion der Atmung, der Lungen-Qi-Verteilungs- und Absenkungsfunktion; meist das erste Organ, das bei Invasion von äußeren pathogenen Faktoren verletzt wird (gilt als das zarte Organ, enge Beziehung zum Abwehr-Wei-Qi), Störungen in der Wasserregulation wie Ödeme und Harnretention (dieser Aspekt der Lunge wird in der Zang-Fu-Lehre eher vernachlässigt).

Lungen-Qi-Mangel (Fei Qi Xu)

Synonym: Lungen-Qi-Leere oder -Schwäche. Ba Gang: Innen-Mangel. Leitsymptome Tab. 11.3.
Pathomechanismus
Ätiologische Faktoren, die zu einem Lungen-Qi-Mangel führen, sind eine konstitutionelle Lungen-Schwäche, ständiges Sitzen in gebeugter Haltung, die den freien Fluss des Sammel-Zong-Qi (2.3.1) behindert, rezidivierende bzw. ungenügend austherapierte Erkältungskrankheiten oder ein chronischer Husten, der das Lungen-Qi schädigt; Erschöpfung im Alter; Dauerexposition von Rauch, Staub und Zigaretten; Allergien, Überanstrengung und Stress. Lange bestehende, emotional nicht verarbeitete Trauer bzw. Kummer können langfristig das Lungen-Qi schwächen. Ebenso wird die Lunge auch bei chronischen Erkrankungen anderer Organe in Mitleidenschaft gezogen. Mit einem Lungen-Qi-Mangel vergesellschaftet sind oft zusätzliche Schwächesyndrome anderer Organe wie z.B. ein Qi- und Yang-Mangel der Milz und Niere (Milz- und/oder Nieren-Qi/Yang-Mangel (11.11.12, 11.11.13). Die Symptomatik kann sich durch alles verschlechtern, was auch Milz oder Nieren belasten würde, v.a. durch Überanstrengung. Eine wichtige Empfehlung an die Patienten ist daher, Ruhephasen und eine leichte, bekömmliche, die Milz unterstützende Diät einzuhalten.
Symptome
(Chronischer) Husten ohne Kraft (Hüsteln), verschlechtert oder provoziert durch Belastung oder Windexposition, leichte, meist belastungsabhängige Kurzatmigkeit, flache Atmung, Keuchatmung mit reichlich klarem und dünnflüssigem Auswurf, Erkältungsanfälligkeit, schwache Stimme und Lustlosigkeit zu sprechen, Müdigkeit, Blässe, Erschöpfungszustand, Spontanschweiß, tagsüber leise, schwache Stimme (Symptome verschlechtern sich durch Anstrengung).
Zunge: Zart, blass, evtl. geschwollen im vorderen Drittel; dünner, weißer Belag.
Puls: Leer (Xu), schwach (Ruo), v.a. an der Lungen-Position.
Therapie
Therapieprinzipien Das Lungen-Qi stärken und das Yang wärmen; evtl. andere beteiligte Organe wie Milz, Magen und Niere stärken
Rezept: Arzneien, die Lungen-Qi stärken wie Astragali Rx. (Huang Qi), Codonopsis Rx. (Dang Shen), Glycyrrhizae Rx. (Gan Cao) und Schisandrae Fr. (Wu Wei Zi). Rezepturen: Bu Fei Tang (7.6.10.a); bei Erkältungsanfälligkeit in Kombination mit Yu Ping Feng San (7.6.13); bei Milz-Qi-/Milz-Yang-Mangelzeichen in Kombination mit Liu Jun Zi Tang (7.6.10.a); bei starker Schleimproduktion und übermäßigem Husten in Kombination mit Jiu Xian San, bei zusätzlichem Lungen-Yin-Mangel in Kombination mit Sheng Mai San (7.6.10.a), bei zusätzlichem Magen-Yang-Mangel in Kombination mit Gan Cao Gan Jiang Tang, bei zusätzlicher Schleim-Hitze in der Lunge in Kombination mit Ren Shen Ge Jie San (7.6.10.a), bei zusätzlichem Syndrom Niere unfähig, das Qi zu empfangen (11.9.4) in Kombination mit Ren Shen Hu Tao Tang; Ren Shen Ge Jie San (7.6.10.a).
Akupunktur: Lu 9 + M (Taiyuan), Bl 13 + M (Feishu), evtl. Bl 12 + M (Fengmen) und Bl 43 + M (Gaohuang) stärken das Lungen-Qi; Du 12 + M (Shenzhu) stärkt das Lungen-Qi, bewährt in chronischen Fällen; Lu 7 + M (Lieque) stärkt das Lungen-Qi und die Qi-Absenkungsfunktion, bei rezidivierendem Husten, vertreibt äußere pathogene Faktoren wie Wind-Kälte oder Wind-Hitze; Ren 6 + M (Qihai) stärkt Qi allgemein; Ma 36 + M (Zusanli) und Bl 20 + M (Pishu) stärken Magen- und Milz-Qi (Mutter-Sohn-Beziehung 2.2.2, Abb. 2.3, allgemein Qi-tonisierend); Ren 17 + M (Danzhong) reguliert das Lungen-Qi, stärkt das Sammel-Zong-Qi, stärkt Qi allgemein; Di 4 (Hegu) und Ni 7 + (Fuliu); als gute Kombination bei Spontanschweiß; Mi 3 + M (Taibai) bei chronischer Schleimretention in der Lunge, stärkt Milz und Lunge (durch Stärkung der Erde Nährung von Metall); Bl 23 + M (Shenshu) stärkt das Nieren-Qi in chronischen Fällen.

Lungen-Yin-Mangel (Fei Yin Xu)

Synonym: Lungen-Yin-Leere oder -Schwäche. Ba Gang: Innen-Mangel-Hitze. Leitsymptome Tab. 11.3.
Pathomechanismus
Lange bestehender Lungen-Qi-Mangel (11.3.1) wie bei einem chronischen Husten verbraucht das Lungen-Yin ebenso wie Überanstrengung mit emotionalem Stress durch Traurigkeit und Kummer; pathogene äußere und innere Hitze- und Trockenheitseinwirkung wie z.B. durch stark trocknend wirkenden Nikotinabusus oder durch febrile Erkrankungen (12). Ein Lungen-Yin-Mangel tritt oft in Kombination mit einem Magen-Yin-Mangel (11.6.3) durch Diätfehler und/oder Nieren-Yin-Mangel (11.9.6) durch chronische Überarbeitung auf.
Symptome
Trockener, unproduktiver und quälender Husten oder schwacher Husten mit spärlichem, zähflüssigem Auswurf (evtl. blutig tingiert: Lungengefäße werden durch Husten und Hitze verletzt), Halskratzen, schwache, heisere, raue Stimme, Redeunlust
Yin-Mangel mit Leere-Hitze: Mund- und Rachentrockenheit, subfebrile Temperaturen oder Hitzegefühle v.a. nachmittags, Nachtschweiß, Hitzesensationen in Thorax, Handflächen und Fußsohlen, Wangenrötung, Anorexie.
Zunge: Rot; wenig, trockener Belag, teilweise abgeschält (kein Belag).
Puls: Schnell (Shuo), dünn (Xi) oder auch oberflächlich (Fu: Yin kann Yang nicht halten und Yang steigt an die Oberfläche).
Therapie
Therapieprinzipien Das Lungen-Yin nähren, die Lunge befeuchten, Husten beenden, evtl. eine Mangel-Hitze beseitigen
Rezept: Arzneien, die das Lungen-Yin nähren wie Lilii Bb. (Bai He), Glehniae Rx. (Bei Sha Shen), Asini Corii Colla (E Jiao). Rezepturen: Sha Shen Mai Men Dong Tang. Mai Men Dong Tang (7.6.7). Mai Wei Di Huang Wan (7.6.10.d). Zeng Ye Tang (7.6.7). Bai He Gu Jin Tang (7.6.7) bei Lungen- und Nieren-Yin-Mangel (11.11.14). Bu Fei E Jiao Tang. Yang Yin Qing Fei Tang. Variationen von Sheng Mai San (7.6.10.a) bei Kombination von Lungen-Qi und Lungen-Yin-Mangel, der nach genereller physischer Überanstrengung oder nach rezidivierenden Infekten oft entsteht mit Zeichen von Erschöpfung, Husten und Dyspnoe, Spontan- und Nachtschweiß, Wangenrötung mit roter, blasser Zunge, trockenem, dünnem Belag, leerem und schnellem Puls. Yue Hua Wan bei chronischen, schwergradigen Zuständen mit Lungen- und Nieren-Yin-Mangel (11.11.14).
Akupunktur: Ren 17 + (Danzhong) stärkt Qi und Lungen-Yin; Lu 9 + (Taiyuan) nährt Lungen-Yin; Lu 6 (Kongzui) reguliert das Lungen-Qi, befeuchtet die Lunge, klärt Hitze; Bl 13 + (Feishu) reguliert und stärkt Lungen-Qi und -Yin, klärt endogene Hitze; Du 12 + (Shenzhu) stärkt Lungen-Qi, stärkt den Körper; bewährt nach erschöpfender Erkrankung zur Körper- und Lungenkräftigung; Bl 43 + (Gaohuang) nährt Lungen-Yin, gut bei chronischem Verlauf, stärkt das Qi des ganzen Körpers; Ni 6 + (Zhaohai) nährt Nieren-Yin, befeuchtet den Rachen, nährt die Flüssigkeiten, gut bei Halstrockenheit und Husten, v.a. in Kombination mit Lu 7 + (Lieque) stärken zusammen die Verbindung zwischen Lunge und Nieren (Ren Mai 5.4.4); Ren 4 + (Guanyuan) nährt Nieren-Yin, leitet Mangel-Hitze nach unten; bewährt bei zusätzlichem Nieren-Yin-Mangel (11.9.6); Lu 10 (Yuji) klärt Lungen-Hitze, Einsatz bei starker Hitze, bei Mangel-Hitze in Kombination mit Ni 6; Ren 12 + (Zhongwan) stärkt den Magen, nährt Flüssigkeiten; Mi 6 + (Sanyinjiao), Ni 3 + (Taixi) nähren das Yin allgemein; Kombination von He 6 (Yinxi) mit Ni 7 + (Fuliu) gegen Nachtschweiß durch Yin-Mangel.

Lungen-Trockenheit (Zao Re Shang Fei)

Wärme-Trockenheit oder Kälte-Trockenheit schädigt das Lungen-Qi auf Abwehr-Wei-Qi-Ebene (2.3.1, 12.1, 12.2.112.3.112.112.2.11), daher meist als Außen-Syndrom (4.2.1) angesehen. Ba Gang: Außen-Fülle (Kälte oder Hitze). Leitsymptome Tab. 11.3.
Pathomechanismus
Ätiologische Faktoren sind meist exogene, pathogene Trockenheit (2.6.1) wie z.B. klimatisch bedingt in trockenen Gegenden oder durch Schlafen in trockenen, überheizten Räumen (z.B. Nachtspeicherheizung) oder im Flugzeug bei Langstreckenflügen mit extrem reduzierter Luftfeuchtigkeit, endogen v.a. durch Magen-Yin-Mangel verursacht. Lungen-Trockenheit kann durch die Schädigung der Säfte zu einem Lungen-Yin-Mangel führen.
Symptome
Trockener rauer Husten ohne oder mit spärlichem Auswurf (zähflüssig, erschwert abzuhusten, evtl. blutig tingiert), Nasen-, Mund- und Rachentrockenheit, evtl. auch juckende Schleimhäute, evtl. Heiserkeit, Halskratzen und Aphonie, Durst, bei äußeren Zeichen: Im Wei-Aspekt nach der Vier-Schichten-Theorie (Wen Bing Lun) bzw. Taiyang-Syndrom nach der Sechs-Schichten-Theorie (Shang Han Lun) (12) mit gleichzeitigem Fieber und Frösteln, bei äußerer Kälte-Trockenheit auch Kälte-Zeichen, bei äußerer Wärme-Trockenheit mehr Hitze.
Zunge: Normal (oder rötlich bei Yin-Mangel); trockener Belag.
Puls: Leer (Xu), evtl. oberflächlich (Fu) bei äußerem pathogenem Faktor.
Therapie
Therapieprinzipien Das Außen befreien/entlasten: Bei pathogenem Faktor Kälte-Trockenheit Kälte vertreiben, bei pathogenem Faktor Wärme-Trockenheit Hitze vertreiben. Die Lunge befeuchten, Flüssigkeit ernähren, Husten beenden
Anmerkung: Die Erkrankung ist durch eine korrekte chinesische Therapie, v.a. Arzneitherapie (um Trockenheit zu befeuchten), gut beeinflussbar. Zusätzlich bei rezidivierender Erkrankung das Umfeld (Klimaanlage, Nachtspeicherheizungen etc.) abklären und verbessern.
Rezept: Arzneien, die äußere Trockenheit behandeln wie Glehniae Rx. (Bei Sha Shen), Polygonati odorati Rz. (Yu Zhu), Scrophulariae Rx. (Xuan Shen). Rezepturen: Xing Su San bei äußerer Kälte-Trockenheit, Sang Xing Tang (7.6.7) bei äußerer Wärme-Trockenheit. Yang Yin Qing Fei Tang. Bai He Gu Jin Tang (7.6.7) bei Trockenheit aufgrund von Lungen- und Nieren-Yin-Mangel. Variationen von Sha Shen Mai Men Dong Tang bei Magen-Hitze und Mangel an Körperflüssigkeiten. Weitere Rezepturen (13.7.1).
Akupunktur: Lu 9 + (Taiyuan) befeuchtet Trockenheit, stärkt die Lunge; Bl 13 + S (Feishu), Bl 12 S (Fengmen) beide Punkte mit Schröpfen vertreiben pathogene Faktoren, stärken die Lunge, klären Hitze von der Lunge, senken Lungen-Qi ab; Lu 6 (Kongzui) gut bei akutem Angriff von Wind-Hitze oder -Trockenheit mit Halsschmerzen etc.; Ren 4 + (Guanyuan) nährt Nieren-Yin und die Körperflüssigkeiten; Mi 6 + (Sanyinjiao) befeuchtet, nährt das Yin; Ren 12 + (Zhongwan) stärkt die Fu-Organe, befeuchtet. Lokalpunkte nach Symptomatik wie bei Wind-Kälte-Invasion in die Lunge (11.3.4), z.B. Di 20, Ren 22, Ma 2, Bl 2.

Wind-Kälte-Invasion in die Lunge (Feng Han Shu Fei)

Synonym: Eindringen von Wind-Kälte in die Lunge. Der pathogene Faktor Wind-Kälte dringt in die obere Körperschicht ein und blockiert die Poren, die Wind-Kälte wird so eingeschlossen und blockiert das Lungen-Qi mit nachfolgendem Husten als Zeichen des gegenläufigen Lungen-Qi. Ba Gang: Außen-Fülle-Kälte. Leitsymptome Tab. 11.3.
Pathomechanismus
Ätiologische Faktoren sind eine Invasion äußerer pathogener Kälte (2.6.1), wobei dem Geschehen meist eine vorbedingte Schwächung des Aufrechten-Zheng-Qi zugrunde liegt; oder das Abwehr-Wei-Qi zirkuliert nicht adäquat an der Oberfläche, um den Körper zu wärmen und zu schützen oder der pathogene Faktor selbst ist sehr stark und kann auch bei einem starken Zheng-Qi die Oberfläche angreifen. Das Fieber zeigt dann den Kampf des Aufrechten-Zheng-Qi mit dem pathogenen Faktor (Xie Qi) an.
Symptome
Fieber und Frösteln/Kälteaversion gleichzeitig mit evtl. starkem Schüttelfrost, akuter Husten, Kopf- und Gliederschmerzen, Halskratzen, leichte Dyspnoe, Husten mit weißlichem, wässrigem Auswurf, Nasenverstopfung wechselnd mit wässrigem Fließschnupfen.
Zunge: Dünner, weißer Belag.
Puls: Oberflächlich (Fu), v.a. an der vorderen Pulsposition, straff gespannt (Jin).
Anmerkung: Nach der Zang-Fu-Lehre werden die Wind-Kälte-Außen-Muster nicht spezifisch differenziert, daher nach Meinung der Autorin hier eindeutiger die Prinzipien der Sechs-Schichten-Theorie (Shang Han Lun) im Sinne des Taiyang-Syndroms zugrunde legen (12.1.1): Bei Wind-Kälte-Außen-Fülle (Biao Shi) zeigt sich ein Ma Huang-Tang-Muster mit den charakteristischen Symptomen von gleichzeitig bestehendem Fieber und Frösteln bzw. Kälteaversion aber ohne Schwitzen sowie oft eine stärkere Schmerzsymptomatik durch die Blockade des Wei- bzw. Yang-Qi. Bei Wind-Kälte-Außen-Mangel/Leere (Biao Xu) zeigt sich ein Gui Zhi Tang-Muster mit gleichzeitig bestehendem Fieber und Frösteln bzw. Kälteaversion, aber mit (unkoordiniertem) Schwitzen, d.h., das Schwitzen erleichtert die Symptomatik nicht. Bei einem Gui ZhiTang-Muster handelt es sich nicht um ein inneres Mangel-Muster, sondern um einen Mangel im Außen bzw. um eine Disharmonie zwischen dem Nähr-Ying-Qi und Abwehr-Wei-Qi, die durch Harmonisierung, in diesem Fall durch die Kombination von Cinnamomi Ra. (Gui Zhi) und Paoeniae Rx. alba (Bai Shao) in Gui Zhi Tang behandelt werden muss, damit durch ein kontrolliertes Schwitzen der pathogene Faktor wieder ausgestoßen werden kann. Eine auf ein zu starkes Öffnen und Schwitzen zielende Therapiemaßnahme wie bei einem Ma Huang Tang-Muster wäre in dieser Situation nicht angebracht und könnte sie ggf. sogar verschlimmern. Diese Situation des unkontrollierten Schwitzens kann sich bei einigen Patienten nach Infekten auch jahrelang (!) manifestieren (die Patienten bleiben sozusagen in diesem Stadium stecken) und bedarf der Lösung durch Harmonisierung des Nähr-Ying- und Abwehr-Wei-Qi (10.2.1, 12, 13.22.2.a10.2.11213.22.2.a).
Therapie
Therapieprinzipien Die Oberfläche befreien/entlasten durch Schwitzen (bei einem Ma Huang Tang-Muster), Ying und Wei harmonisieren (bei einem Gui Zhi Tang-Muster), die Lungen-Qi-Verteilungs- und Absenkungsfunktion stärken, Husten beenden
Anmerkung: Empfehlung an die Patienten, sich zum Schwitzen ins Bett zu legen und v.a. sich vor einer erneuten Wind-Kälte-Invasion zu schützen. Bei einer akuten Wind-Kälte-Invasion bei zugrunde liegenden Mangel-Syndromen spezielle Rezepturen einsetzen (10.2.1, 7.6.3.c10.2.17.6.3.c), die gleichzeitig das Außen befreien wie auch die entsprechende Mangel-Situation (Qi, Yin, Yang, Blut) stärken. In diesem Fall alleinig Rezepturen der stärkenden Kategorie (7.6.10) einzusetzen, ist kontraindiziert, da sie die Gefahr bergen, das Pathogen nicht wie gewünscht in diesem Stadium nach außen zu drücken und zu entlasten, sondern im Gegenteil nach innen zu ziehen.
Rezept: Arzneien, die das Außen von Wind-Kälte befreien/entlasten wie Ephedrae Hb. (Ma Huang), Cinnamomi Ra. (Gui Zhi), Schizonepetae Hb. (Jing Jie). Rezepturen: Ma Huang Tang (7.6.3.a) bei Wind-Kälte und Außen-Fülle ohne Schwitzen. Gui Zhi Tang (7.6.3.a) bei Wind-Kälte und Außen-Mangel mit (unkontrolliertem) Schwitzen. Hua Gai San. San Ao Tang. Xing Su San. Xiao Qing Long Tang (7.6.3.a) oft bei Patienten mit schwächerer Konstitution und Flüssigkeitsansammlungen, z.B. auch bei Allergieneigung.
Akupunktur: Fernpunkte: Lu 7 M (Lieque) v.a. bei Husten, verteilt das Lungen-Qi, fördert Schweiß, vertreibt Wind-Kälte; Bl 12 M S (Fengmen) reguliert die Lunge, verteilt das Lungen-Qi, vertreibt Wind-Kälte v.a. mit Moxa, bewährt Schröpfen oder Gua Sha, befreit die Nase; Di 4 (Hegu) vertreibt äußere pathogene Faktoren, stärkt Qi, v.a. Abwehr-Wei-Qi, reguliert die Lunge; SJ 5 (Waiguan) vertreibt äußere pathogene Faktoren; Du 14 S (Dazhui) vertreibt äußeren Wind, bewährt mit Schröpfen und Gua Sha; Bl 13 M S (Feishu) stärkt die Lungenfunktion, entfernt äußere pathogene Faktoren, v.a. Wind; Du 16 (Fengfu) vertreibt äußeren Wind, gut bei Hinterkopfschmerzen; Gb 20 (Fengchi) vertreibt äußere pathogene Faktoren, v.a. Wind, bessert Kopfschmerz und befreit die Nase; Ni 7 (Fuliu) in Kombination mit Di 4 induziert Schwitzen und lindert damit die Symptome; Di 11 (Quchi) vertreibt Wind, induziert Schwitzen, stärkt Qi, v.a. Abwehr-Wei-Qi.
Lokal-/Regionalpunkte nach Symptomatik: Di 20 (Yingxiang) befreit die Nase, vertreibt den Wind; Ren 22 (Tiantu) reguliert Lungen-Qi, befeuchtet den Rachen; Ma 2 (Sibai) klärt Augen und Nase, vertreibt Wind-Kälte; Bl 2 (Zanzhu) befreit Nase und Augen.

Wind-Hitze-Invasion in die Lunge (Feng Re Fan Fei)

Synonym: Eindringen von Wind-Hitze in die Lunge. Der pathogene Faktor Wind-Hitze dringt in die Körperoberfläche ein, der Kampf des Abwehr-Wei-Qi mit dem Pathogen befindet sich in der Wei-Schicht nach der Vier-Schichten-Theorie (Wen Bing Lun) (12.2) und blockiert das Lungen-Qi in seiner Absenkungsfunktion und Verteilung der Flüssigkeiten. Ba Gang: Außen-Fülle-Hitze. Leitsymptome Tab. 11.3.
Pathomechanismus
Eindringen von äußerer pathogener Wind-Hitze in die Wei-Schicht nach der Vier-Schichten-Theorie (Wen Bing Lun) (12.2).
Symptome
Gleichzeitig Frösteln/Kälteaversion und ein meist höhergradiges Fieber (Taiyang-Syndrom nach der Sechs-Schichten-Theorie [Shang Han Lun], 12.1), Halsschmerzen, Husten, Nasenverstopfung oder Fließschnupfen mit gelblichem Sekret, Kopf- und Körperschmerzen, evtl. leichter Durst. Die Halsentzündungen gehen meist mit einem starkem Wundheitsgefühl und Schluckbeschwerden einher.
Zunge: Normal oder leicht rötlich an den Rändern und im Lungen-Areal; evtl. dünner, weißer oder gelber Belag.
Puls: Schnell (Shuo), oberflächlich (Fu).
Therapie
Therapieprinzipien Das Außen befreien/entlasten, Wind-Hitze vertreiben, Lunge in der Qi-Verteilungs- und Absenkungsfunktion stärken, Husten beenden
Rezept: Arzneien, die das Außen von Wind-Hitze befreien wie Menthae haplocalycis Hb. (Bo He), Chrysanthemi Fl. (Ju Hua), Mori Fo. (Sang Ye). Rezepturen: Sang Ju Yin (7.6.3.b) bei Prädominanz von Husten. Yin Qiao San (7.6.3.b) bei Prädominanz von Halsschmerzen (cave: Ausreichend hochdosieren, um eine adäquate Wirkung zu erzielen. Wen-Bing-Erkrankungen entwickeln sich durch den Faktor Hitze sehr dynamisch und können schnell in die Tiefe gehen). Ma Xing Shi Gan Tang (7.6.3.b) bei starker Yang-Konstitution mit ausgeprägten Hitze-Zeichen (Übergang zur Qi-Schicht, 12.2).
Akupunktur: Fernpunkte: Lu 11 B (Shaoshang) vertreibt Wind-Hitze aus dem Lungen-Meridian, schnell effektiv bei Halsschmerzen, Pharyngitis, Laryngitis (mit B Mikroaderlass mit Dreikantnadel, 5.1.6); Du 14 B S (Dazhui) vertreibt Wind und Wind-Hitze, auch Gua Sha möglich; Di 11 (Quchi) und Di 4 (Hegu) vertreiben äußere pathogene Faktoren wie Wind-Hitze; Lu 5 (Chize) vertreibt Wind-Hitze, kühlt Hitze; Lu 7 (Lieque) stärkt die Qi-Absenkungs- und Verteilungsfunktion der Lunge, vertreibt Wind; SJ 5(Waiguan) vertreibt äußere pathogene Faktoren, v.a. Wind-Hitze, und entlastet das Außen.
Lokal-/Regionalpunkte nach Symptomatik: Gb 20 (Fengchi) vertreibt äußere pathogene Faktoren, lindert Kopfschmerzen, befreit die Nase; Di 20 (Yingxiang) befreit die Nase; Bl 2 (Zanzhu) bei Rhinitis, Sinusitis; Dü 19 (Tinggong) bei Ohrenentzündungen; Dü 17 (Tianrong) bei starken Halsentzündungen und Schluckbeschwerden, Ma 9 (Renying) befeuchtet den Rachen; bei Halsentzündungen und Schluckbeschwerden.

Schleim-Feuchtigkeit in der Lunge (Tan Shi Zu Fei)

Synonym: Nässe-Schleim verlegt die Lunge; Schleim-Kälte-Retention in der Lunge. Ba Gang: Innen-Fülle-Kälte. Leitsymptome Tab. 11.3.
Pathomechanismus
Ätiologische Faktoren für eine Schleim-Feuchtigkeits-Ansammlung in der Lunge sind rezidivierende Erkältungskrankheiten. Äußere pathogene Faktoren schwächen wiederholt die Lunge und die Milz mit nachfolgender Schleimretention (4.2.3) (Milz produziert Schleim, Lunge speichert Schleim). Ebenso kann eine endogene Schleimbildung und -retention bei Milz-Qi/Yang-Mangel (11.5.1, 11.5.2) z.B. durch Diätfehler durch ein Zuviel an fettiger und/oder roher und kalter Nahrung (8.3) mit nachfolgender Feuchtigkeits- und Schleimbelastung (4.2.3) zu dieser Störung führen.
Symptome
Chronischer, teilweise anfallsartiger, rasselnder Husten mit reichlich weißlichem Auswurf, der leicht abzuhusten ist; Keuchatmung und belastungsabhängige Kurzatmigkeit; Rasselgeräusche in Hals und Thorax, tendenzielle Verschlechterung der Symptomatik morgens und nach dem Essen; thorakales Beklemmungs- und Völlegefühl; weißlicher, teigiger Teint. Milzdysfunktionszeichen: Appetitmangel, Übelkeit, Erbrechen, Erschöpfungszustand.
Zunge: Blass, evtl. geschwollen mit Zahneindrücken; dicker weißer, stark feuchter, evtl. klebrig-schmieriger Belag.
Puls: Schlüpfrig (Hua), evtl. sanft (Ru), bei Kälte auch langsam (Chi).
Therapie
Therapieprinzipien Schleim transformieren, Feuchtigkeit trocknen, Lunge in der Qi-Verteilungs- und Absenkungsfunktion stärken, Milzfunktionen stärken, Husten beenden
Rezept: Arzneien, die Kälte-Schleim ausleiten wie Pinelliae Rz. praep. (Ban Xia), Sinapsis Sm. (Bai Jie Zi), Armeniacae Sm. (Xing Ren), Perillae Fr. (Zi Su Zi). Rezepturen: Ling Gan Wu Wei Jiang Xin Tang. San Zi Yang Qin Tang (7.6.16.c). Variationen von Xiao Qing Long Tang (7.6.3.a).
Akupunktur: Lu 1 N (Zhongfu) senkt gegenläufiges Lungen-Qi ab, wirkt daher antitussiv v.a. bei Schleimretention, transformiert Schleim (Lu 1 hat eine innere Verbindung zum mittleren Jiao); Lu 5 N (Chize) beseitigt Lungen-Schleim; Lu 7 N (Lieque) senkt Lungen-Qi-ab; Ren 17 N (Danzhong) stärkt die Lungenfunktion, erleichtert thorakales Beklemmungsgefühl; Ma 40 N (Fenglong) transformiert Schleim, kräftigt Milz und Lunge; Pe 6 N (Neiguan) öffnet den Thorax, entfernt Schleim aus dem Thorax, zusätzlich beruhigende Wirkung auf den Geist-Shen; Ren 12 + (Zhongwan), Bl 20 + (Pishu), Ma 36 (Zusanli) stärken die Milz, um Schleim zu transformieren; Bl 13 + M (Feishu) stärkt die Lunge, senkt Lungen-Qi ab; Ren 9 (Shuifen) leitet Flüssigkeiten aus; Ren 22 (Tiantu) entfernt Schleim vom Rachen, stärkt die Lungenfunktion, Ex-B 1 (Dingchuan) bei Keuchatmung; Mi 3 + (Taibai) stärkt die Milz und löst Feuchtigkeit auf.

Schleim-Hitze in der Lunge (Tan Re Zu Fei)

Ba Gang: Innen-Fülle-Hitze. Leitsymptome Tab. 11.3.
Pathomechanismus
Ätiologisch bedingt durch das Eindringen von äußerer pathogener Hitze oder Feuchte-Hitze. Eindringen von Wind-Kälte als pathogener Faktor, wobei sich der Abwehrkampf mit dem warmen Yang-Qi (Abwehr-Wei-Qi) in Hitze zeigt, die sich durch die Verköchelung der Säfte in endogene Schleim-Hitze transformiert. Milz-Qi-Mangel (11.5.1) mit Schleimbildung. Diätfehler durch ein Zuviel an fettigem und scharfem Essen sowie Nikotin- und/oder Alkoholabusus bei Patienten mit chronischer Schleim-Feuchtigkeitsretention in der Lunge (11.3.6).
Symptome
Starker, oft stakkatoartiger Husten mit Keuchatmung und reichlich gelbem oder gelblich-grünem, zähflüssigem, evtl. blutig tingiertem und oft faulig-riechendem Auswurf, der erschwert abzuhusten ist; thorakales und meist epigastrales Druck- und Völlegefühl; thorakale Schmerzen beim Husten, Keuchatmung mit tendenzieller Verschlechterung nachts; Mundtrockenheit; tiefgelber, konzentrierter Urin; Obstipation oder weiche Stühle (Milzdysfunktionszeichen), evtl. Appetitverlust, Übelkeit.
Zunge: Rot; gelber, klebrig-schmieriger Belag.
Puls: Schlüpfrig (Hua), schnell (Shuo).
Therapie
Therapieprinzipien Schleim transformieren, Hitze klären, Lungen-Qi-absenken
Anmerkung: In schwerwiegenden Fällen, v.a. bei älteren und geschwächten Patienten, ggf. zeitgleich Antibiotikagabe erwägen, um schnell die Hitze (im akuten Fall) zu kühlen. Arzneidrogen und Akupunktur unterstützen und vollenden dann die Antibiotikawirkung und vertreiben das Pathogen, klären den restlichen Schleim, nähren das verletzte Yin und stärken die Körperabwehr.
Rezept: Arzneien, die Schleim-Hitze aus der Lunge ausleiten wie Fritillariae Bb. (Bei Mu), Trichosanthis Fr. (Gua Lou). Rezepturen: Variationen von Bei Mu Gua Lou San (7.6.16.d). Qing Qi Hua Tan Wan oder Tang (7.6.16.b). Xiao Xian Xiong Tang (7.6.16.b). Ding Chuan Tang (7.6.11.b). Wei Jing Tang.
Akupunktur: Lu 7 (Lieque) stärkt die Lungen-Qi-Absenkungs- und Verteilungsfunktion; Lu 5 (Chize) klärt Lungen-Hitze, entfernt Schleim von der Lunge; Lu 10 (Yuji) klärt Lungen-Hitze; Di 11 (Quchi) klärt Hitze; Lu 1 (Zhongfu) stärkt die Lungenfunktion, klärt Hitze, wandelt Schleim der Lunge um; Bl 13 (Feishu) klärt Lungen-Hitze; Ex-B1 (Dingchuan) bei Keuchatmung; Ma 40 (Fenglong) transformiert Feuchtigkeit und Schleim; Lu 11 B (Shaoshang) klärt äußere pathogene Hitze; klärt und kühlt Lungen-Hitze; Di 11 (Quchi) beseitigt Hitze, Ren 12 + (Zhongwan) stärkt Milz und Magen, um Schleim zu entfernen, Ren 17 (Danzhong) entspannt den Thorax; Lu 6 (Kongzui) klärt Hitze von der Lunge, gut in akuten Fällen.

Schleim-Flüssigkeit blockiert die Lunge

Synonym: Schleim-Flüssigkeiten verlegen die Lunge. Ba Gang: Innen-Fülle-Kälte. Leitsymptome Tab. 11.3.
Pathomechanismus
Ätiologisch oft bedingt durch einen chronischen Milz-Yang-Mangel (11.5.2), der sich auf dem Boden einer chronischen Überanstrengung oder eines Diätfehlers durch nährstoffarme Ernährung oder durch übermäßigen Verzehr von fettiger, kalter und roher Nahrung oder auch altersbedingt entstanden ist. Anmerkung: Beschreibung hier folgt im Wesentlichen Maciocia (2008). Siehe DD dünner Schleim (4.2.3).
Symptome
Husten, Kurzatmigkeit und Keuchatmung, thorakale Rasselgeräusche, Frösteln, Abhusten von weißem, wässrigem, schaumigem Sputum.
Zunge: Blass; dicker, weißer, klebrig-schmieriger Belag.
Puls: Dünn (Xi), schlüpfrig (Hua) oder schwach (Xu), oberflächlich (Fu).
Therapie
Therapieprinzipien Flüssigkeiten transformieren, Lunge und Milz stärken
Rezept: Arzneien, die die Feuchtigkeit der Lunge transformieren wie Pinelliae Rz. praep. (Ban Xia), Sinapsis Sm. (Bai Jie Zi), Armeniacae Sm. (Xing Ren), Perillae Fr. (Zi Su Zi). Rezepturen: Ling Gui Zhu Gan Tang. Ling Gan Wu Wei Jiang Xin Tang. Variationen von Xiao Qing Long Tang (7.6.3.a), auch als eine gute Rezeptur und Strategie bei vielen Allergiepatienten.
Akupunktur: Lu 9 + M (Taiyuan) transformiert Schleim, klärt und senkt das Qi des oberen Jiao ab, gut bei chronischen Zuständen; Lu 5 (Chize) entfernt Schleim aus der Lunge; Bl 13 + M (Feishu) stärkt das Lungen-Qi; Ren 17 + M (Danzhong) stärkt Qi-Absenkungsfunktion und v.a. das Zong-Qi allgemein; Ren 9 (Shuifen), Ren 12 + M (Zhongwan), Ma 40 (Fenglong) lösen Schleim auf; Ma 36 + M (Zusanli), Bl 20 + (Pishu) stärken Milz-Qi; Bl 43 + M (Gaohuang) stärkt Qi, bewährt in chronischen Fällen.

Syndrome des Dickdarms (Da Chang)

  • Physiologie (2.4.4): Kontrolliert die Weitergabe und Ausleitung, wandelt den Stuhl um und resorbiert Flüssigkeiten

  • Ätiologie bei Störungen: Äußere pathogene Faktoren wie Kälte, Feuchtigkeit und Feuchte-Hitze, Emotionen wie Sorge und Zorn, Diätfehler

  • Pathologie: Dysfunktionen der Stuhlausscheidung wie Obstipation oder Diarrhö.

Trockenheit im Dickdarm (Da Chang Ye Kui)

Synonym: Flüssigkeitsmangel im Dickdarm. Ba Gang: Innen-Mangel. Leitsymptome Tab. 11.4.
Pathomechanismus
Ätiologische Faktoren sind Blut- und Yin-Mangel mit Trockenheit in Magen und Dickdarm bei alten Patienten; Patienten mit schlankem Körperbau mit Yin-Mangel (und ggf. auch Mangel-Hitze); Frauen postpartal nach starkem Blutverlust durch den Verbrauch der Körperflüssigkeiten; spätes Stadium einer febrilen Erkrankung (12); Diätfehler wie z.B. unregelmäßige Essenszeiten, die das Yin schädigen.
Symptome
Trockene, harte Stühle mit erschwerter Defäkation, Obstipation, Mund- und Rachentrockenheit, bei Blut-Mangel fahlblasses Gesicht, dünne Statur, schlaffe, trockene Haut und Schleimhäute; allgemein meist keine starken abdominalen Schmerzen oder Spannungsgefühle.
Zunge: Rot (bei Yin-Mangel) oder blass (bei Blut-Mangel); wenig, trockener Belag oder belaglos.
Puls: Dünn (Xi), evtl. rau (Se).
Therapie
Therapieprinzipien Den Darm befeuchten, Stuhlgang fördern, ggf. Blut und Yin nähren
Rezept: Arzneien, die den Darm befeuchten und laxierend wirken wie Cannabis Sm. (Huo Ma Ren), Armeniacae Sm. (Xing Ren); Arzneien, die Yin nähren und den Darm befeuchten wie Sesami Sm. nigrum (Hei Zhi Ma), Ophiopogonis Rx. (Mai Dong), Asparagi Rx. (Tian Men Dong); Arzneien, die Blut nähren und den Darm befeuchten wie Angelicae sinensis Rx. (Dang Gui), Polygoni multiflori Rx. (He Shou Wu); Arzneien, die Yang stärken und den Darm befeuchten wie Cistanchis Hb. (Rou Cong Rong). Rezepturen: Run Chang Wan (7.6.5.b). Wu Ren Wan. Ma Zi Ren Wan (7.6.5.b). Zeng Ye Tang (7.6.7).
Akupunktur: Bl 25(Dachangshu) reguliert und befeuchtet den Dickdarm; Mi 15 – E (Daheng) und Ma 25 E (Tianshu) mit Elektrostimulation symptomatische Kombination bei Obstipation, befeuchten die Därme, steigern die Darmmotilität; Ma 36 + (Zusanli), stärkt Milz und Magen, reguliert und befeuchtet den Darm; Mi 6 + (Sanyinjiao), Ren 4 + (Guanyuan) stärken Yin und Körperflüssigkeiten; Ni 6 + (Zhaohai) stärkt Yin, fördert Körperflüssigkeiten, befeuchtet den Stuhl; Ma 37 + (Shangjuxu) stärkt die Dickdarmfunktion; SJ 6 + (Zhigou) wichtiger Punkt bei Obstipation, bewegt den Stuhl, gegen Hitze und Trockenheit im unteren Jiao, befeuchtet Trockenheit und den Dickdarm; Bl 17 + (Geshu), Bl 20 + (Pishu) bei Trockenheit durch Blut-Mangel, nähren das Blut (bei starkem Blutverlust, z.B. bei der Geburt); Ni 3 + (Taixi) stärkt Yin, befeuchtet Trockenheit; zusätzlich Di 4 (Hegu), Di 11 (Quchi) und Du 14 (Dazhui) zur Hitze-Klärung bei febrilen Erkrankungen (12).

Dickdarmschwäche mit Mangel-Kälte (Da Chang Xu Han)

Synonym: Dickdarm-Leere und Kälte. Syndrom entspricht im Wesentlichen dem Milz-Yang-Mangel. Ba Gang: Innen-Mangel-Kälte. Leitsymptome Tab. 11.4.
Pathomechanismus
Auslöser für dieses Syndrom können sein: Klimatische Bedingungen (Kälte), Diätfehler wie ein Zuviel an kaltem und rohem Essen, allgemeiner Qi-Mangel (4.2.3); Qi-Mangel von Milz, Magen und Dickdarm mit evtl. sinkendem Milz-Qi (11.5.1, 11.6.1, 11.5.4) bei Hämorrhoiden oder Analprolaps; Milz-Yang-Mangel (11.5.2); evtl. zusätzlicher Nieren-Yang-Mangel (11.9.2).
Symptome
Chronische Diarrhö mit weichem Stuhl und Meteorismus (wenn Feuchtigkeit hinzukommt); Schwäche und Schweißneigung nach dem Stuhlgang; evtl. Hämorrhoiden und Analprolaps als Zeichen des sinkenden Milz-Qi; Kältegefühl, kalte Extremitäten, Appetitmangel, Erschöpfungszustände, Durst auf warme Getränke; dumpfer Bauchschmerz, Besserung durch Bauchmassage und lokale Wärmebehandlung; evtl. Ödeme.
Mit Nieren-Yang-Mangel: Zusätzlich chronische Diarrhö in den frühen Morgenstunden bzw. direkt nach dem Aufstehen morgens, viel klarer Urin.
Zunge: Blass, evtl. geschwollen; weißer, evtl. feuchter Belag.
Puls: Tief (Chen), schwach (Ruo), langsam (Chi).
Therapie
Therapieprinzipien Milz stärken und wärmen, Qi anheben, Dickdarmfunktion stärken und Diarrhö beenden
Rezept: Arzneien, die den Darm adstringieren und Diarrhö beenden wie Mume Fr. (Wu Mei), Chebulae Fr. (He Zi), Myristicae Sm. (Rou Dou Kou). Rezepturen: Variationen von Si Shen Wan (7.6.13).
Akupunktur: Ren 6 + M (Qihai) stärkt und hebt Qi an; Ma 36 + M (Zusanli) stärkt Milz- und Magen-Qi; Ma 25 + M (Tianshu) stärkt den Dickdarm, beseitigt Diarrhö; Bl 20 + M (Pishu), Bl 21 + M (Weishu) stärken Milz und Magen; Bl 23 + M (Shenshu) bei zusätzlichem Nieren-Yang-Mangel, Du 20 M (Baihui) hebt mit (direkter) Moxibustion das Qi an, z.B. auch bei Analprolaps, Hämorrhoiden; Bl 25 + (Dachangshu), Ma 37 + M (Shangjuxu) oder Ma 36 + M (Zusanli) stärken das Qi und die Dickdarmfunktion.

Feuchte-Hitze im Dickdarm (Da Chang Shi Re)

Synonym: Feuchte-Hitze fließt hinab zum Dickdarm, Nässe-Hitze im Dickdarm. Ba Gang: Innen-Fülle-Hitze. Leitsymptome Tab. 11.4.
Pathomechanismus
Ätiologische Faktoren können eine Lebensmittelvergiftung, eine Infektion oder ein Diätfehler durch ein Zuviel an Hitze bildender und fettiger Nahrung sein.
Symptome
Feuchte-Hitze im Dickdarm: Meist akute Bauchschmerzen und Tenesmen mit Diarrhö, kaum oder keine Besserung nach Stuhlentleerung; oft faulig riechender Stuhl, evtl. mit Blut und Schleimbeimischungen; häufiger, heftiger Stuhldrang, anhaltend auch nach Entleerung; evtl. hellrote Rektumblutungen vor oder nach dem Stuhlgang; brennende Schmerzen am Anus.
Feuchte-Hitze im Körper: Evtl. erhöhte Temperaturen; Durst ohne Wunsch zu trinken; wenig, dunkler, konzentrierter Urin; bitterer Mundgeschmack; Schweregefühl des Körpers und der Extremitäten; Völlegefühl in Thorax und Epigastrium.
Zunge: Normal oder gerötet, evtl. mit hervorragenden roten Papillen am Zungengrund; dicker, gelber, klebrig-schmieriger oder quarkiger Belag.
Puls: Schnell (Shuo), schlüpfrig (Hua), evtl. voll (Shi), saitenförmig (Xian).
Therapie
Therapieprinzipien Feuchtigkeit beseitigen; Hitze klären, Diarrhö beenden
Rezept: Arzneien, die Feuchte-Hitze aus dem Dickdarm ausleiten wie Pulsatillae Rx. (Bai Tou Weng), Sophorae Fl. immaturus (Huai (Hua) Mi), Phellodendri Cx. (Huang Bai). Rezepturen: Variationen von Huai Hua San (7.6.12.b). Bai Tou Weng Tang. Shao Yao Tang.
Akupunktur: Bl 25 E (Dachangshu), Ma 25 E (Tianshu) beseitigen Blockaden und Feuchte-Hitze aus dem Dickdarm; Ma 37 (Shangjuxu) unterer Meer-Xiahe-Punkt des Dickdarms; beseitigt zusammen mit Ma 25 Feuchte-Hitze aus dem Dickdarm; Ex-CA (Zhixie) bei Diarrhö. Di 11 (Quchi) klärt Hitze, gut bei Fieber; Ren 3 (Zhongji) und Bl 22 (Sanjiaoshu) entfernen Feuchtigkeit aus dem unteren Jiao; Ren 12 (Zhongwan) entfernt Feuchtigkeit; Bl 20 (Pishu), Mi 9 (Yinlingquan), Mi 6 (Sanyinjiao) stärken die Milz, transformieren Feuchtigkeit; Pe 6 (Neiguan) bei Übelkeit und Erbrechen; Ren 4 (Guanyuan) Lokalpunkt, um Qi im Abdomen zu bewegen, beseitigt Blockaden im Darm; evtl. Du 14 (Dazhui) beseitigt Hitze allgemein; Mi 10 (Xuehai) bei blutigem Stuhl; Ma 40 (Fenglong) bei Schleim-Auflagerungen des Stuhls.

Kälte im Dickdarm mit Qi-Stagnation (Da Chang Han Jie)

Synonym: Kälte dringt in den Dickdarm ein. Ba Gang: Innen-Fülle-Kälte. Leitsymptome Tab. 11.4.
Pathomechanismus
Ätiologische Faktoren können sein: Exposition und Eindringen von Kälte und/oder Feuchtigkeit und Kälte, z.B. auch von unten aufsteigend durch längeres Sitzen auf kalten und nassen Unterlagen oder durch Stehen in Kälte und Feuchtigkeit mit einer akuten Dickdarm-Qi-Stagnation; Diätfehler durch ein Zuviel an kalter Nahrung wie z.B. Rohkost.
Symptome
Bei Kälte mit Qi-Stagnation im Dickdarm: Obstipation mit tief empfundenem Bauchschmerz, lokale Wärme-Anwendung bessert.
Bei Feuchte-Kälte mit Qi-Stagnation im Dickdarm: Akut einsetzende, schmerzhafte und wässrige Diarrhö, plötzlicher Bauchschmerz nach Exposition von Kälte und Feuchtigkeit, allgemeines und abdominales Kältegefühl, Wärme bessert, Druck wird als unangenehm empfunden (Füllezeichen).
Zunge: Weißer, evtl. dicker Belag.
Puls: Langsam (Chi), saitenförmig (Xian), tief (Chen), bei Feuchte-Kälte evtl. schlüpfrig (Hua).
Therapie
Therapieprinzipien Qi im Dickdarm bewegen, Kälte vertreiben, den unteren Jiao wärmen
Rezept: Bei Feuchte-Kälte-Diarrhö: Huo Xiang Zheng Qi San (7.6.8.a). Bei Dickdarm-Kälte (von innen) Fu Zi Li Zhong Wan (7.6.9), zusätzlich in Kombination mit San Wu Bei Ji Wan bei zusätzlicher Magen-Kälte.
Akupunktur: Moxa verwenden. Bl 25 M (Dachangshu), Ma 25 M (Tianshu) und Ma 37 M (Shangjuxu) stärken und wärmen den Dickdarm; SJ 6 (Zhigou) bewegt den Stuhl, wichtiger Punkt v.a. wenn Qi-Stagnation als Ursache; Ma 36 M (Zusanli) vertreibt Kälte aus dem Dickdarm; Le 3 (Taichong) fördert den Qi-Fluss im unteren Jiao, löst Spasmen; Mi 6 (Sanyinjiao) und Mi 9 (Yinlingquan) transformieren Feuchtigkeit; Ren 4 + (Guanyuan) und Ren 6 + (Qihai) bewegen das Qi im Abdomen.

Hitze und Qi-Stagnationen im Dickdarm

Syndrom bei der Vier-Schichten-Theorie (Wen Bing Lun) (12.2). Ba Gang: Innen-Fülle-Hitze. Leitsymptome Tab. 11.4.
Pathomechanismus
Ätiologischer Faktor ist das Eindringen von Hitze im Rahmen febriler Erkrankungen als ein Syndrom bei der Vier-Schichten-Theorie (Wen Bing Lun) (12.2).
Symptome
Fieber, trockener Stuhl im Dickdarm mit stinkender, wässriger Entleerung, schmerzhaft aufgetriebener Bauch.
Zunge: Rot, Zungenbelag: trocken.
Puls: Tief (Chen) und voll (Shi).
Therapie
Therapieprinzipien Hitze klären und Dickdarm-Qi-Stagnation auflösen
Rezept: Arzneien, die Hitze klären und Qi-Stagnation des Dickdarms auflösen wie Rhei Rx. et Rz. (Da Huang), Natrii Sulfas (Mang Xiao). Rezepturen: Da Cheng Qi Tang. Xiao Cheng Qi Tang (7.6.5.a). Tiao Wei Cheng Qi Tang (7.6.5.a). Liang Ge San. (7.6.5.a, 12.2, 10.27.6.5.a12.210.2).
Akupunktur: Bl 25 E (Dachangshu), Ma 25 E (Tianshu) beseitigen Blockaden und Feuchte-Hitze aus dem Dickdarm; Ma 37 (Shangjuxu) unterer Meer-Xiahe-Punkt des Dickdarms; Di 11 (Quchi) klärt Hitze, gut bei Fieber; Ren 4 (Guanyuan) Lokalpunkt, um Qi im Abdomen zu bewegen, beseitigt Blockaden im Darm; evtl. Du 14 (Dazhui) beseitigt Hitze allgemein.

Syndrome der Milz (Pi)

  • Physiologie (2.4.5): Herrscht über Transport und Umwandlung von Nahrung und Flüssigkeiten; kontrolliert das Blut, kontrolliert Muskulatur und Extremitäten; (Nachhimmels-)Quelle von Qi und Blut, kontrolliert das Aufsteigen des Qi; hält das Blut in den Gefäßen und die Organe an ihrem Platz; öffnet sich in den Lippen und manifestiert sich im Mund; kontrolliert den Speichel; beherbergt Yi (den Intellekt); Emotion: Grübeln

  • Ätiologie bei Störungen: Äußere pathogene Faktoren wie v.a. Feuchtigkeit, z.B. in Verbindung mit Hitze oder Kälte; Emotionen wie Grübeln und Sorge; Diätfehler

  • Pathologie: Müdigkeit, Erschöpfung, Dysfunktionen von Nahrungstransformation und -transport; Neigung zu Adipositas; Verdauungsstörungen; aufgeblähtes Abdomen; Blutungskrankheiten, Organsenkungen (Viszeroptose).

Milz-Qi-Mangel (Pi Qi Xu)

Synonym: Milz-Qi-Leere oder -Schwäche. Meist Kombination mit Magen-Qi-Mangel (11.6.1) als Mitte-Qi-Mangel. Ba Gang: Innen-Mangel. Leitsymptome Tab. 11.5.
Pathomechanismus
Ätiologische Faktoren sind v.a. Diätfehler wie z.B. eine unregelmäßige Nahrungsaufnahme, Mangelernährung (zu wenig oder nährstoffarm), zuviel Kaltes bzw. Rohkost; physische und mentale Überarbeitung; konstitutionelle Schwäche der Verdauungsorgane; eine langfristige Feuchtigkeitsexposition sowie chronische Erkrankungen mit Schwächung der Milz. Ein Milz-Qi-Mangel verkompliziert viele andere Syndrome in der klinischen Praxis. Bei vielen westlichen Patienten wird dies häufig durch Diätfehler und chronische geistige wie auch körperliche Überarbeitung verursacht. Aufgrund der Milz-Funktionen, die in Transformation, Bewegung (in alle Richtungen) und Halten (das Blut in den Gefäßen, die Organe an ihrem Platz) bestehen, können sich in der Praxis viele Abstufungen und Übergangsformen zeigen (siehe unten). Zudem ist die Milz für das Nachhimmels-Qi, den Qi- und den Blutaufbau verantwortlich. Ein chronischer Milz-Qi-Mangel kann übergehen in die Syndrome Milz kontrolliert das Blut nicht (11.5.3) mit zusätzlichen Blutungszeichen wie z.B. Blut im Stuhl, Hypermenorrhö und Hämorrhagien oder Sinkendes Milz-Qi (11.5.4) mit Organsenkungen wie z.B. Descensus uteri et vaginae, Uterusprolaps, Analprolaps und Gastroptose sowie in weitere Muster wie z.B. Leber attackiert die Milz (11.11.18) oder in einen Milz- und Nieren-Yang-Mangel (11.11.17) etc. Aufgrund der zentralen Rolle von Milz und Magen kommt dem Bereich der Lebenspflege (Yang Sheng, 15), die v.a. die Diätetik (8) und Entspannungsverfahren wie Qi Gong und Tai Ji Quan (9) einschließt, bei der Behandlung und Plege der Mitte eine besondere Bedeutung zu.
Symptome
Appetitmangel, unvollständige Verdauung mit unverdauten Nahrungsresten im Stuhl, Diarrhö oder breiig-flüssige Stühle, Meteorismus, Bläh- und Druckgefühl im Bauch, v.a. nach dem Essen, besser durch Druck auf den Bauch oder Massage; evtl. Ödeme als Zeichen der Feuchtigkeitsretention, Muskelschwäche und -atrophie der Extremitäten. Körperliche Schwäche, allgemein Müdigkeit und Kraftlosigkeit und Bedürfnis, sich hinzulegen, blasse Gesichtsfarbe.
Zunge: Blass, geschwollen, schlaff (evtl. Zahneindrücke, Feuchtigkeitsretention); dünner, weißer Belag.
Puls: Leer (Xu), schwach (Ruo), evtl. langsam (Chi).
Therapie
Therapieprinzipien Das Milz-Qi stärken
Rezept: Arzneien, die das Milz-Qi stärken (7.4.5) wie Ginseng Rx. (Ren Shen), Atractylodis macrocephalae Rz. (Bai Zhu), Dioscoreae Rz. (Shan Yao). Rezepturen: Si Jun Zi Tang (7.6.10.a) als Basisrezept bei Qi-Mangel. Variationen wie Liu Jun Zi Tang (7.6.10.a) oder Shen Ling Bai Zhu San (7.6.10.a) (entfernt zusätzlich Feuchtigkeit, 7.6.10.a), Xiang Sha Liu Jun Zi Tang (7.6.10.a). Bu Zhong Yi Qi Tang (7.6.10.a).
Akupunktur: Evtl. Moxibustion einsetzen. Ma 36 + (Zusanli) stärkt Magen und Milz und damit die Qi- und Blutbildung; Ren 12 + (Zhongwan) stärkt und reguliert Milz- und Magen-Qi, transformiert Feuchtigkeit; Bl 20 + (Pishu) und Bl 21 + (Weishu) stärken Milz- und Magen-Qi; Mi 4 + (Gongsun) stärkt Milz und Magen; Ma 25 + (Tianshu) bei Diarrhö, harmonisiert Magen und Dickdarm; Mi 9 + (Yinlingquan) und Ren 9 + (Shuifen) regulieren und stärken die Milz, leiten Feuchtigkeit aus, bei Ödemen; Mi 3 + (Taibai) und Mi 6 + (Sanyinjiao) stärken Magen und Milz; Ren 6 + (Qihai) kräftigt generell Qi und Yang.
Variationen und Übergangsformen bei Milz/Mitte-Qi-Mangel
Mitte-Qi-Mangel mit Qi-Stagnation
Symptome
Appetitverlust, Unbehagen und Völlegefühl epigastral und thorakal, Erbrechen und Diarrhö.
Therapie
Rezept: Si Jun Zi Tang (7.6.10.a) und zusätzlich Citri reticulatae Pericarpium (Chen Pi) 9 g oder weitere Qi-Regulanzien oder Liu Jun Zi Tang (7.6.10.a) mit zusätzlicher Pinelliae Rz. praep. (Ban Xia) zur Schleim-Transformation.
Akupunktur: Pe 6 + (Neiguan) und Mi 4 + (Gongsun): Gegen Erbrechen und Völlegefühl epigastral und thorakal; Bl 20 + (Pishu) stärkt Milz-Yang, Bl 21 + (Weishu) und Ma 36 + (Zusanli) stärken den mittleren Jiao und harmonisieren den Magen; Ren 6 + (Qihai) stärkt Qi allgemein, Ma 25 + (Tianshu) reguliert Magen und Darm.
Mitte-Qi-Mangel mit Feuchtigkeits- und Schleimretention
Symptome
Appetitverlust, weiche Stühle, Übelkeit und Erbrechen, thorakales Völlegefühl, evtl. Husten mit weißlichem, wässrigem Schleim.
Therapie
Rezept: Modifikationen von Liu Jun Zi Tang (7.6.10.a), Shen Ling Bai Zhu San (7.6.10.a) bei Feuchtigkeitssymptomen. Bei einer stärkeren Schleim-Komponente auch Variationen von Er Chen Tang (7.6.16.a); diese Rezeptur kann z.B. in folgender Weise modifiziert werden: Bei Feuchtigkeit und Schleim zusätzlich Atractylodis Rz. (Cang Zhu) und Atractylodis macrocephalae Rz. (Bai Zhu); bei Entwicklung von Hitze-Schleim im mittleren Jiao zusätzlich Coptidis Rz. (Huang Lian), Pogostemonis oder Agastaches Hb. (Huo Xiang), Magnoliae officinalis Cx. (Hou Po), Coicis Sm. (Yi Yi Ren); bei Schleim und Nahrungsstagnation zusätzlich Crataegi Fr. (Shan Zha), Hordei Fr. germinatus (Mai Ya) und Massa medicata fermentata (Shen Qu).
Akupunktur: Bl 20 + (Pishu) stärkt Milz-Yang, Bl 21 + (Weishu) und Ma 36 + (Zusanli) stärken und harmonisieren den mittleren Jiao; Ma 25 + (Tianshu) reguliert Magen und Darm, Ren 6 + (Qihai) stärkt Qi allgemein, Ma 40 + (Fenglong) transformiert Schleim; Mi 9 (Yinlingquan) beseitigt Feuchtigkeit.
Mitte-Qi-Mangel mit Kälte- und Feuchtigkeitsretention im mittleren Jiao
Symptome
Appetitverlust, Aufstoßen, allgemeine Erschöpfung, Völlegefühl und/oder Schmerz abdominal und epigastral, Erbrechen, breiige Stühle.
Therapie
Rezept: Si Jun Zi Tang (7.6.10.a) zusätzlich mit Pinelliae Rz. praep. (Ban Xia) 12 g, Aucklandiae Rx. (Mu Xiang) 6 g, Amomi Fr. (Sha Ren) 6 g. Variationen von Xiang Sha Liu Jun Zi Tang (7.6.10.a) bei Feuchtigkeit. Xiang Sha Yang Wei Tang bei zusätzlicher Nahrungsstagnation. Wenn sich verstärkt ein Milz-Yang-Mangel zeigt, auch Variationen von Li Zhong Wan (7.6.9) oder Fu Zi Li Zhong Wan (7.6.9).
Akupunktur: Moxa verwenden. Ren 12 + M (Zhongwan) und Ren 6 + M (Qihai) bewegen das Qi im Abdomen, appetitsteigernd; Bl 20 + M (Pishu) stärkt Milz-Yang, Bl 21 + M (Weishu) und Ma 36 + M (Zusanli) stärken den mittleren Jiao, harmonisieren den Magen; Ma 25 + M (Tianshu) reguliert Magen und Darm.

Milz-Yang-Mangel (Pi Yang Xu)

Synonym: Milz-Yang-Leere oder -Schwäche. Ba Gang: Innen-Mangel-Kälte. Leitsymptome Tab. 11.5.
Pathomechanismus
Ein Milz-Yang-Mangel entsteht meist in der Weiterentwicklung eines Milz-Qi-Mangels (11.5.1). Daher sind ätiologisch folgende Faktoren an der Entstehung beteiligt: Diätfehler durch übermäßigen Verzehr von kalter, roher oder fettiger und süßer Nahrung mit nachfolgender Belastung der Milz; ein übermäßiger Gebrauch kühlender Arzneien (7.1.3); chronische Kälte- und Feuchtigkeitsexposition. Die graduelle Differenzierung zwischen einem Milz-Qi- und -Yang-Mangel kann meist nur willkürlich getroffen werden. In der Praxis findet sich dieses Muster häufiger bei Frauen ab dem vierten Lebensjahrzehnt und oft in Kombination mit Milz- und Nieren-Yang-Mangel (11.11.17), siehe auch Klimakterium (13.12.6).
Symptome
Wie bei Milz-Qi-Mangel (11.5.1); zusätzlich Kältezeichen: Allgemeines Kältegefühl und kalte Extremitäten, Frösteln, abdominales Völlegefühl mit Verbesserung der Symptomatik durch lokale Wärme und Druck als Zeichen für Kälte und Mangel, breiige Stühle mit unverdauter Nahrung, evtl. leuchtend weiße Blässe, evtl. zusätzlich Ödeme der Extremitäten als Zeichen von Feuchtigkeitsretention und Harnverhalt z.B. bei einem zusätzlichen Nieren-Yang-Mangel.
Zunge: Blass, geschwollen (Zahneindrücke am Rand); weißer, feuchter Belag.
Puls: Tief (Chen), langsam (Chi), schwach (Ruo).
Therapie
Therapieprinzipien Milz-Yang stärken und wärmen
Rezept: Arzneien, die das Milz-Yang wärmen wie Caryophylli Fl. (Ding Xiang), Foeniculi Fr. (Xiao Hui Xiang). Rezepturen: Li Zhong Wan (7.6.9), Fu Zi Li Zhong Tang (7.6.9) und Variationen. Bao Yuan Tang. Xiao Jian Zhong Tang (7.6.9).Huang Qi Jian Zhong Tang.
Akupunktur: Wie bei Milz-Qi-Mangel (11.5.1) mit stärkender Nadeltechnik und Moxibustion, v.a. Bl 20 + M (Pishu), Ren 12 + M (Zhongwan), Ma 36 + M (Zusanli), Mi 4 + M (Gongsun), Ren 4 + M (Guanyuan), Ren 6 + M (Qihai). Zusätzlich Ma 28 + M (Shuidao), Ren 9 + M (Shuifen), Bl 22 + M (Sanjiaoshu) fördern die Feuchtigkeitsumwandlung und beseitigen Ödeme; Mi 9 + M (Yinlingquan) leitet Feuchtigkeit aus dem unteren Jiao aus, gut auch in Kombination mit Mi 6 + (Sanyinjiao); evtl. Du 4 + (Mingmen), Ni 7 + M (Fuliu) stärken das Yang-Qi und die Nieren.

Milz kontrolliert das Blut nicht (Pi Bu Tong Xue)

Synonym: Milz hält das Blut nicht (in den Gefäßen). Ba Gang: Innen-Mangel. Leitsymptome Tab. 11.5.
Pathomechanismus
Ätiologische Faktoren und Pathomechanismen wie bei Milz-Qi/Yang-Mangel (11.5.1, 11.5.2).
Symptome
Zeichen des Milz-Qi- und Milz-Yang-Mangels (11.5.1, 11.5.2) wie Appetitmangel, geblähtes Abdomen nach Nahrungszufuhr, Müdigkeit, Erschöpfung, Schwäche der Extremitäten, breiige Stühle, Tendenz zu Übergewicht, zusätzlich Blutungszeichen, v.a. in der unteren Körperhälfte wie z.B. Purpura, Petechien, blutige Stühle, Hypermenorrhö, Meläna, dysfunktionelle (blassrote) Uterusblutungen sowie Hämaturie, aber auch z.B. Nasen-, Zahnfleischbluten etc., fahlgelbe Gesichtsfarbe.
Zunge: Blass.
Puls: Dünn (Xi), schwach(Ruo), leer (Xu).
Therapie
Therapieprinzipien Milz-Qi und -Yang stärken und evtl. erwärmen, Blutung beenden
Rezept: Arzneien wie Astragali Rx. (Huang Qi) und zusätzlich Blut nährende Arzneien (7.1.13.b), um wieder aufzufüllen. Rezepturen wie Gui Pi Tang (7.6.10.c).
Akupunktur: Wie bei Milz-Qi/Yang-Mangel (11.5.1, 11.5.2). Zusätzlich Mi 1 + M (Yinbai) mit Moxa beendet dieser Punkt Blutungen durch Milz-Stärkung oft in Kombination mit Le 1 (Dadun); Bl 17 + (Geshu) nährt das Blut, beendet Blutungen, hält das Blut in den Gefäßen; Mi 10 + M (Xuehai) stärkt die Milz in der Kontrolle über das Blut; Mi 6 + M (Sanyinjiao) reguliert und stärkt Qi, Blut und Milz, wichtiger Punkt bei gynäkologischen Problemen (Blutungen 13.12.2), Ren 6 + M (Qihai) stärkt Qi allgemein; Du 20 + M (Baihui) hebt Qi und Yang an. Cave: Keine Nadelung bei schwergradigen Blutgerinnungsstörungen, dann z.B. Therapie mit Moxa und Laser (10.2.10).

Sinkendes Milz-Qi (Pi Xu Xia Xian)

Synonym: Sinkendes Mitte-Qi (Milz und Magen) (Zhong Qi Xia Xian). Ba Gang: Innen-Mangel. Leitsymptome Tab. 11.5.
Pathomechanismus
Ätiologische Faktoren und Pathomechanismen wie bei Milz-Qi-/Yang-Mangel (11.5.1, 11.5.2). Oft beteiligt sind auch körperliche Belastungen durch stehende Arbeiten. Frauen sind häufiger betroffen wie z.B. mit Organsenkungen nach Geburten etc.
Symptome
Zeichen des Milz-Qi- und Milz-Yang-Mangels (11.5.1, 11.5.2) wie Appetitmangel, geblähtes Abdomen v.a. nach Nahrungszufuhr, Erschöpfung, Müdigkeit, Schwäche der Extremitäten, breiige Stühle, Tendenz zu Übergewicht; zusätzlich Zeichen des sinkenden Milz-Qi: Organsenkungen wie Analprolaps, Descensus uteri et vaginae, Uterusprolaps, Blasen- oder Magensenkung; nach unten drängende Empfindungen im Unterbauch; chronische Diarrhö; häufiger, drängender Harndrang bis hin zur Harninkontinenz; Menorrhagien; evtl. Beeinträchtigung des venösen Blutgefäßsystems (Haltefunktion) mit Hämorrhoiden und Varizen, aber auch des Augenlids, z.B. Ptosis.
Zunge: Blass, dünner und weißer Belag.
Puls: Schwach (Ruo), leer (Xu).
Therapie
Therapieprinzipien Milz-Qi und evtl. -Yang stärken, das Qi anheben, zusätzlich spezielle Punkte für die jeweilige Organsenkung (13)
Rezept: Arzneien, die das Milz-Qi heben wie Astragali Rx. (Huang Qi), Cimicifugae Rz. (Sheng Ma), Bupleuri Rx. (Chai Hu). Rezepturen: Bu Zhong Yi Qi Tang (7.6.10.a).
Akupunktur: Wie bei Milz-Qi/Yang-Mangel (11.5.1, 11.5.2, auch 5.8.4). Zusätzlich Ren 6 + M (Qihai) stärkt und hebt Qi, Einsatz bei allen Organsenkungen; Du 20 + M (Baihui) wärmt Yang und baut Yang auf, hebt allgemein kräftig das Qi an, gut bei allen Organsenkungen mit Moxa; Ren 4 + M (Guanyuan) stärkt das Yang und Yuan-Qi; Du 1 + M (Changjiang) bei Analprolaps, Lokalisation zwischen der Spitze des Steißbeins und dem Anus, Punktion schräg, leicht aufwärts gerichtet 1–1,5 Cun; Ma 21 + M (Liangmen) stärkt den Magen, bei Magensenkung; Mi 6 + M (Sanyinjiao) stärkt das Qi von Milz und Magen und allgemein Qi, hebt das Mitte-Qi.

Feuchte-Kälte in der Milz (Han Shi Kun Pi)

Synonym: Feuchte-Kälte befällt die Milz. Ba Gang: Innen-Fülle-Kälte. Leitsymptome Tab. 11.5.
Pathomechanismus
Ätiologische Faktoren sind chronische Kälte- und Feuchtigkeitsexposition z.B. durch ständigen Aufenthalt in feucht-kalten Räumen sowie durch Tragen nasser Schuhe und Kleidung sowie Leben in einem feuchtem Klima. Ebenso können Diätfehler wie z.B. übermäßiger Verzehr von kalter und roher Nahrung zu einer Belastung der Milz mit Feuchtigkeit und Kälte führen. Das Syndrom zeigt ein Übermaß an exogener Feuchtigkeit (4.2.3) mit nachfolgender Belastung der Milz an, die dadurch die Transformation der Flüssigkeiten nicht mehr ausreichend bewältigen kann. Umgekehrt kann aber auch eine schon zuvor bestehende eingeschränkte Milz-Funktion wie z.B. ein Milz-Qi-/Yang-Mangel (11.5.1, 11.5.2) das Eindringen von äußerer Feuchtigkeit begünstigen.
Symptome
Völle- und Druckgefühl in Thorax und Abdomen, körperliches Schweregefühl, Appetitmangel, Geschmacksverlust oder fader, süßlicher, schleimiger Mundgeschmack, kein Durst, Ödeme, dickflüssiger Speichel, lockere, weiche Stühle oder Diarrhö, ggf. Übelkeit und Erbrechen, trübe Sekretionen wie weißlicher Fluor vaginalis, flockiger Urin, verklebte Augen und flüssigkeitsgefüllte Hautausschläge, evtl. Harnverhalt, Harntröpfeln, Müdigkeit; allgemeiner Erschöpfungszustand.
Zunge: Blass, dicker, weißer, stark feuchter oder klebrig-schmieriger Belag.
Puls: Schlüpfrig (Hua), langsam (Chi).
Therapie
Therapieprinzipien Feuchtigkeit beseitigen, Milz und Magen stärken, Kälte vertreiben
Rezept: Arzneien, die Feuchtigkeit in der Milz eliminieren wie Atractylodis Rz. (Cang Zhu), Amomi Fr. (Sha Ren), Eupatorii Hb. (Pei Lan). Rezepturen: Huo Xiang Zheng Qi San (7.6.8.a). Ping Wei San (7.6.8.a) in Kombination mit Wu Ling San (7.6.8.c). Xiang Sha Liu Jun Zi Tang (7.6.10.a) und Modifikationen. Variationen von Er Chen Tang (7.6.16.a).
Akupunktur: Moxibustion empfehlenswert, um Feuchtigkeit zu trocknen und Kälte zu vertreiben. Ren 12 + N (Zhongwan) stärkt Milz-Qi und -Yang, beseitigt Feuchtigkeit; Ma 36 + N (Zusanli) stärkt Magen und Milz, transformiert Feuchtigkeit; Mi 9 + N (Yinlingquan) stärkt die Milz, v.a. Yang, transformiert Feuchtigkeit, reguliert die Wasserwege und fördert die Diurese; Mi 6 + N (Sanyinjiao) entfernt Feuchtigkeit; gute Kombination dafür mit Mi 9; Ren 6 + N (Qihai) stärkt und bewegt Qi, entfernt so Feuchtigkeit; Ma 8 + N (Touwei) entfernt Feuchtigkeit aus dem Kopfbereich, bei Schweregefühl und feuchtigkeitsbedingten Kopfschmerzen; Ma 25 + (Tianshu) reguliert Qi, Magen- und Darmfunktionen, stärkt mit Ren 12 die Milz; Ma 37 N (Shangjuxu) reguliert Qi, Magen/Milz und Darm, leitet Feuchtigkeit aus.

Feuchte-Hitze in Milz und Magen (Pi Wei Shi Re)

Ba Gang: Innen-Fülle-Hitze. Leitsymptome Tab. 11.5.
Pathomechanismus
Ätiologische Faktoren sind das Eindringen von äußerer Hitze und Feuchtigkeit, Diätfehler durch ein Zuviel an fettiger und süßer Nahrung oder Alkohol bzw. auch eine Lebensmittelvergiftung durch kontaminierte Nahrung.
Symptome
Abdominales Völlegefühl und Schmerzen, Appetitmangel, Abneigung gegen fettige Speisen, Übelkeit, Erbrechen, weiche Stühle mit intensivem stinkendem Geruch oder Obstipation, Anusbrennen, bitterer Mundgeschmack, Durst ohne Trinkverlangen oder nur in kleinen Schlucken, konstante subfebrile Temperaturen (DD zu Yin-Mangel, dort v.a. nachmittags), Müdigkeit, Kraftlosigkeit, körperliches Schweregefühl, Kopfschmerzen, wenig, tiefgelber konzentrierter Urin, in schweren Fällen Ikterus als Zeichen der Stauung von Galle (dann eher Feuchte-Hitze in Leber und Gallenblase [11.7.7]) und bitterer Mundgeschmack, ggf. Urtikaria.
Zunge: Rot oder leicht gerötet; gelber, klebrig-schmieriger Belag.
Puls: Schnell (Shuo), schlüpfrig (Hua).
Therapie
Therapieprinzipien Hitze klären und Feuchtigkeit ausleiten
Rezept: Arzneien wie Scutellariae Rx. (Huang Qin), Coicis Sm. (Yi Yi Ren), Artemisiae scopariae Hb. (Yin Chen Hao), Gardeniae Fr. (Zhi Zi). Rezepturen: San Ren Tang (7.6.8.b) Wen Dan Tang (7.6.16.b). Yin Chen Wu Ling San: Kombination von Yin Chen Hao Tang (7.6.8.b) und Wu Ling San (7.6.8.c) im Verhältnis 2:1. Lian Po Yin.
Akupunktur: Mi 6 (Sanyinjiao) stärkt Milz-Qi, transformiert Feuchtigkeit in Kombination mit Mi 9; Mi 10 (Xuehai) reguliert die Milz, klärt Hitze bei Ikterus, Urtikaria, Ekzemen; Du 9 (Zhiyang) beseitigt Feuchte-Hitze; Mi 9 (Yinlingquan) stärkt die Milz, transformiert Feuchtigkeit und Feuchte-Hitze, gut in Kombination mit Mi 6; Ren 12 + (Zhongwan), Ma 36 + (Zusanli) stärken Milz, Magen und Qi, transformieren Feuchtigkeit und Feuchte-Hitze; Bl 20 + (Pishu) und Bl 21 + (Wei-Shu) stärken Milz und Magen; Di 11 (Quchi) klärt Hitze; Gb 34 (Yanglingquan) entfernt Feuchte-Hitze; Ma 44 (Neiting) klärt Hitze vom Magen; bei Ikterus Le 3 (Taichong) und Gb 34 (Yanglingquan); bei Juckreiz Mi 10 Xuehai); bei starker Hitze Du 14 (Dazhui) oder B (Mikroaderlass) an Di 1 (Shangyang).

Trüber Schleim blockiert den Kopf (Tan Zhuo Shang Rao)

Synonym: Schleimretention im mittleren Jiao; Schleim-Feuchtigkeit blockiert den Kopf. Ba Gang: Innen-Fülle-Kälte. Leitsymptome Tab. 11.5.
Pathomechanismus
Das Syndrom ist eine Weiterentwicklung der Feuchtigkeitssyndrome der Milz (11.5.5, 11.5.6), die Blockade oder Schwäche der Milz verläuft chronisch. Der Qi-Mechanismus (Qi Ji 2.3.1) ist gestört, das klare Yang kann nicht mehr aufsteigen und trübes Yin belastet den Kopf.
Symptome
Schwindel; starke Benommenheit im Kopf mit Schweregefühl und Gefühl des Einbandagiertseins; Konzentrationsstörungen; Verwirrtheits- und Unruhezustände; Schwere-, Steifheits- und Taubheitsgefühle der Extremitäten; thorakales und abdominales Druck- und Völlegefühl; Palpitationen; Übelkeit, Erbrechen; weiche Stühle oder Diarrhö.
Zunge: Blass und gedunsen (bei unterliegendem Milz-Qi-Mangel) mit Feuchtigkeitsretention, weißer, klebrig-schmieriger, dicker Belag.
Puls: Schlüpfrig (Hua), saitenförmig (Xian), evtl. langsam (Chi).
Therapie
Therapieprinzipien Schleim transformieren, Feuchtigkeit entfernen, Milz stärken, Magen harmonisieren
Rezept: Ping Wei San (7.6.8.a) in Kombination mit Wu Ling San (7.6.8.c). Ban Xia Bai Zhu Tian Ma Tang (7.6.16.e) bei Schwindel durch Schleim z.B. auch bei entsprechender Hypertonusform.
Akupunktur: Ma 40 (Fenglong) transformiert Schleim, Mi 9 (Yinlingquan) reguliert Milz und Magen, transformiert Feuchtigkeit; Ren 12 + (Zhongwan) stärkt Milz und Magen; Pe 6 (Neiguan) öffnet den Thorax, beruhigt Herz und Geist-Shen, reguliert den Magen; Ma 8 (Touwei) als Lokalpunkt bei Kopfschmerz; Gb 20 (Fengchi), Le 3 (Taichong) klären den Kopf, besänftigen aufsteigendes Leber-Yang, vertreiben Leber-Wind und beruhigen den Geist-Shen (Schleim verbindet sich oft mit Wind und steigt mit ihm zusammen nach oben).

Milz-Yin-Mangel (Pi Yin Xu)

Ba Gang: Innen-Mangel-Hitze. Leitsymptome Tab. 11.5.
Pathomechanismus
Der Milz-Yin-Mangel entsteht meist nach chronischen, lang andauernden Erkrankungen oder durch Schädigung der Yin-Körpersäfte bei einer sich hinschleppenden febrilen Erkrankung (12.1, 12.2). Dieses Syndrom ist oft vergesellschaftet mit einem Magen-Yin-Mangel (11.6.3); Wiseman et. al. (1998) beschreiben den Milz- und Magen-Yin-Mangel auch als Synonym für einen Milz-Yin-Mangel.
Symptome
Spezifische Milz-Yin-Mangel-Zeichen: Körperliche Auszehrung und Abmagerung; Unfähigkeit zur Gewichtssteigerung; Völlegefühl nach dem Essen, trockene Lippen, Geschmacksverlust.
Typische Zeichen des Milz-Qi-Mangels: Appetitverlust, weiche bis breiige Stühle, Müdigkeit, Erschöpfung, Kraftlosigkeit, Extremitätenschwäche.
Bei gleichzeitig bestehendem Magen-Yin-Mangel: Übelkeit, evtl. Erbrechen, auch trockener Würgereiz oder Schluckauf, Hunger ohne Ess- und Trinkverlangen.
Zunge: Charakteristisch sind Querrisse an den Zungenrändern, die einen Substanzverlust anzeigen v.a. in Verbindung mit einem roten, weichen Zungenkörper, evtl. mit wenig Belag als Yin-Mangel-Zeichen.
Puls: Dünn (Xi), schnell (Shuo), schwach (Ruo).
Anmerkung: Nach Steven Clavey (2003) besteht neben vielen symptomatischen Gemeinsamkeiten ein wichtiger Unterschied zwischen Milz-Yin- und Magen-Yin-Mangel (11.6.3). Der Milz-Yin-Mangel entsteht langsam, d.h., er entwickelt sich oft über viele Jahre hinweg und/oder im Verlauf von schweren, chronischen Erkrankungen. Der Magen-Yin-Mangel entsteht viel schneller (Ursachen 11.6.3).
Therapie
Therapieprinzipien Qi und die Milz stärken, Blut und Yin nähren
Rezept: Yi Pi Tang, enthält: Pseudostellariae Rx. (Tai Zi Shen), Poria (Fu Ling), Atractylodis macrocephalae Rz. (Bai Zhu), Platycodi Rx. (Jie Geng), Dioscoreae Rz. (Shan Yao), Nelumbinis Sm. (Lian Zi), Coicis Sm. (Yi Yi Ren), Euryales Sm. (Qian Shi); Lablab Sm. album (Bai Bian Dou), Dendrobii Hb. (Shi Hu): Cave Artenschutz, deswegen ersetzen z.B. durch Setariae (Oryzae) Fr. germiniatus (Gu Ya), Glycyrrhizae Rx. (et Rz.) (Gan Cao). Nach E. Wiseman auch Shen Ling Bai Zhu San (7.6.10.a) und zusätzlich Dendrobii Hb. (Shi Hu): Cave Artenschutz, deswegen ersetzen durch z.B. Setariae (Oryzae) Fr. germiniatus (Gu Ya), Ophiopogonis Rx. (Mai Men Dong), Glehniae Rx. oder Adenophorae Rx. (Sha Shen). Variationen von Gui Pi Tang (7.6.10.c).
Akupunktur: Mi 6 (Sanyinjiao) nährt Milz-Yin; Bl 20 (Pishu) stärkt das Milz-Qi; Mi 9 (Yinlingquan) stärkt die Milz, Bl 20 + (Pishu), Bl 21 (Weishu, Ren 12 + (Zhongwan) stärken das Milz- und Magen-Qi; Le 13 + (Zhangmen) harmonisiert Leber und Milz, gut bei Beschwerden hypochondrial; Ma 36 (Zusanli) stärkt das Qi; Mi 6 + (Sanyinjiao) nährt Milz-Yin; Ni 6 + (Zhaohai) nährt Nieren-Yin und Yin allgemein.

Syndrome des Magens (Wei)

  • Physiologie (2.4.6): Kontrolliert die Aufnahme und Verarbeitung (Fermentieren und Reifen) der Nahrung; gilt als Ursprung der Flüssigkeiten; kontrolliert den Weitertransport der Nahrung und das Absteigen des Qi (in Zusammenarbeit mit der Lunge). Mit der Milz/Leber (aufsteigende Funktion) und Magen/Lunge (absteigende Funktion) wird die Qi-Dynamik der Mitte gewährleistet (2.3.1)

  • Äiologie bei Störungen: Diätfehler, v.a. durch trockene, energetisch heiße Nahrung, aber auch kalte Nahrung und Rohkost, unregelmäßiges Essen, Essen unter Stress (im Stehen etc.); Emotionen wie Sorge, Zorn, Frustration und Groll, übermäßige geistige Arbeit, äußere pathogene Faktoren wie z.B. Kälte

  • Pathologie: Störungen der Verdauung, Störungen des absteigenden Qi, d.h. gegenläufiges Magen-Qi (Wei Qi Shang Ni), z.B. Übelkeit, Erbrechen, Aufstoßen oder Singultus; schlechte Nahrungsverarbeitung.

Magen-Qi-Mangel (Wei Qi Xu)

Synonym: Magen-Qi-Leere oder -Schwäche. Ba Gang: Innen-Mangel. Leitsymptome Tab. 11.6.
Pathomechanismus
Ätiologische Faktoren für einen Magen-Qi-Mangel sind am häufigsten Diätfehler wie z.B. nährstoffarme Kost und unregelmäßige Essgewohnheiten: Jede schlecht verdauliche und schlecht verdaute Nahrung überbeansprucht das Magen-Qi. Eine Schwäche des Magen-Qi entsteht auch durch eine chronische, schwächende Erkrankung. Der Magen-Qi-Mangel tritt durch die Nähe zur Milz meist in Kombination mit einem Milz-Qi-Mangel (11.5.1) auf.
Symptome
Appetit- und Geschmacksverlust, Oberbauchbeschwerden (der Magen-Qi-Mangel beeinträchtigt auch den normalen Qi-Fluss des Magen-Qi), Übelkeit, Erbrechen, Aufstoßen, als Zeichen eines zusätzlichen Milz-Qi-Mangels auch weiche Stühle, ständige Müdigkeit, v.a. morgens, Extremitätenschwäche.
Zunge: Blass, evtl. geschwollen.
Puls: Leer (Xu), schwach (Ruo), v.a. rechte mittlere Position.
Therapie
Therapieprinzipien Magen-Qi stärken
Rezept: Liu Jun Zi Tang (7.6.10.a) und Variationen wie Xiang Sha Liu Jun Zi Tang (7.6.10.a). Huang Qi Jian Zhong Tang (7.6.9).
Akupunktur: Ma 36 + M (Zusanli), Ren 12 + M (Zhongwan) stärken Milz- und Magen-Qi; Bl 21 + M (Weishu) stärkt Magen-Qi; Ren 6 + M (Qihai) zur allgemeinen Qi-Stärkung.

Magen-Qi-Mangel mit Kälte (Wei Qi Xu Han)

Synonym: Magen-Schwäche und -Kälte, kältebedingte Flüssigkeitsretention im Magen (Wei). Ba Gang: Innen-Mangel-Kälte. Leitsymptome Tab. 11.6.
Pathomechanismus
Dieses Syndrom kann sich aus einem Milz- und Magen-Qi/Yang-Mangel (11.5.1, 11.5.2, 11.6.1) weiterentwickeln. Ebenso können das Eindringen äußerer, pathogener Kälte bei zugrunde liegendem Magen-Qi-Mangel mit nachfolgender weiterer Schwächung von Milz und Magen sowie Diätfehler wie z.B. nährstoffarmes Essen oder ein Zuviel an kalter, roher Nahrung und Getränken zu diesem Syndrom führen. Es kann auch infolge einer längeren Erkrankung mit Beeinträchtigung des Milz- und Nieren-Yang auftreten. Der Magen-Qi-Mangel mit Kälte geht meist mit einem Milz-Yang-Mangel (11.5.2) einher.
Symptome
Kältegefühl und dumpfer, diffuser Schmerz im Epigastrium, der sich durch Kälte und nach dem Stuhlgang verschlimmert und durch lokale Wärme und Druck, Massage oder Nahrungsaufnahme verbessert; Vorliebe für warme Getränke und Essen; Aufstoßen und Erbrechen klarer Flüssigkeit; Säurereflux, gurgelnde Geräusche im Epigastrium, Appetitmangel, weiche Stühle, kalte Extremitäten, Müdigkeit, Erschöpfungszustand.
Zunge: Blass, evtl. Zahneindrücke; weißer, feuchter Belag.
Puls: Schwach (Ruo), langsam (Chi), tief (Chen), evtl. saitenförmig (Xian).
Therapie
Therapieprinzipien Magen- und Milz-Qi stärken und wärmen
Rezept: Wu Zhu Yu Tang (7.6.9) bei kalter Leber und gegenläufigen Magen-Qi oder Nahrungsstau. Xiao Jian Zhong Tang (7.6.9) stärkt die Mitte, wärmt den Magen, beendet Schmerzen. Huang Qi Jian Zhong Tang (7.6.9) bei stärkerem Qi-Mangel mit Spontanschweiß, Kurzatmigkeit, gelegentlichem Fieber, enthält: Xiao Jian Zhong Tang (7.6.9) und zusätzlich Astragali Rx. (Huang Qi), dieses Rezept ist sehr populär, v.a. in der Pädiatrie (14).
Akupunktur: Bewährt ist Moxa auf einer Ingwerscheibe an Ren 6 + M (Qihai) oder Ren 8 (Shenque) zur Beseitigung von Mangel-Kälte; Ren 12 + M (Zhongwan), Bl 21 + M (Weishu) regulieren Magen-Qi, erwärmen den mittleren Jiao, vertreiben Kälte; Ma 36 + M (Zusanli), Pe 6 + (Neiguan), Mi 4 + M (Gongsun) regulieren das Magen-Qi, lindern Erbrechen und Magenschmerzen, Bl 20 + M (Pishu) stärkt die Milz.

Magen-Yin-Mangel (Wei Yin Xu)

Synonym: Magen-Yin-Leere und -Schwäche. Ba Gang: Innen-Mangel-Hitze. Leitsymptome Tab. 11.6.
Pathomechanismus
Ätiologisch sind Diätfehler wie v.a. unregelmäßige Essgewohnheiten, spätabendliches Essen, Auslassen von Mahlzeiten, schnelles Herunterschlingen von kleinen Mahlzeiten etc. beteiligt. Ebenso kann eine chronische Hitzeerkrankung des Magens oder der Verbrauch der Yin-Flüssigkeiten durch persistierende, pathogene Hitze im späten Stadium einer febrilen Erkrankung (12) zu einem Magen-Yin-Mangel führen.
Symptome
Appetitmangel oder nur wenig Hunger, dumpfer Schmerz und/oder ein Leere- und Unbehaglichkeitsgefühl oder ein leicht brennender Schmerz im Epigastrium, leichte Übelkeit, evtl. trockenes Erbrechen und Singultus, Völlegefühl nach dem Essen, Anorexie; Mund- und Rachentrockenheit besonders gegen Nachmittag, Durst ohne Trinkverlangen oder nur wenige, kleine Schlucke, Völlegefühl nach dem Essen, Obstipation mit trockenen Stühlen.
Zunge: Normal oder gerötet, evtl. geschrumpft als Zeichen des Substanzverlusts, oft zeigt sich ein breiter, flacher Riss in der Mitte des mittleren Zungendrittels und/oder kurze, unregelmäßige Risse; Zungenoberfläche ist belaglos, glatt und glänzend oder zeigt nur wenig Belag, der in der Mitte abgeschält (belaglos) ist.
Puls: Schnell (Shuo), dünn (Xi), oder oberflächlich (Fu).
Therapie
Therapieprinzipien Magen-Yin nähren
Rezept: Arzneien wie Ophiopogonis Rx. (Mai Dong), Polygonati odorati Rz. (Yu Zhu), Glehniae Rx. oder Adenophorae Rx. (Sha Shen). Rezepturen: Yu Nü Jian (7.6.4.d). Variationen von Mai Men Dong Tang (7.6.7), z.B. Sha Shen Mai Men Dong Tang, Yi Wei Tang.
Akupunktur: Bl 20 + (Pishu), Bl 21 + (Weishu) stärken Magen und Milz; Ren 12 + (Zhongwan) reguliert und stärkt Magen (v.a. Qi und Yin) und Milz; Ma 36 + (Zusanli) stärkt Magen-Qi und -Yin; Mi 6 + (Sanyinjiao) stärkt Magen-Yin und Yin allgemein, nährt Flüssigkeiten; Mi 3 + (Taibai) nährt die Körperflüssigkeiten; Ni 3 + (Taixi), Ni 6 (Zhaohai) stärken v.a. Nieren-Yin.

Loderndes Magen-Feuer (Wei Huo Shang Sheng)

Synonym: Magen-Hitze. Ba Gang: Innen-Fülle-Hitze. Leitsymptome Tab. 11.6.
Pathomechanismus
Ätiologische Faktoren können Diätfehler wie v.a. ein Zuviel an scharfen, fettigen Speisen und Nikotin- und Alkoholabusus sein, aber auch psychisch-emotionale Dauerbelastungen im Sinne von lang andauernden Wut- und Frustrationsgefühlen mit Leber-Qi-Stauung und Entwicklung des Syndroms Leber attackiert den Magen (11.11.19).
Symptome
Fauliger Mundgeruch, Zahnfleischschwellung, -schmerzen, oder -blutungen bis hin zur Stomatitis, evtl. Kopfschmerzen im Stirnbereich als Zeichen der aufsteigenden Hitze im Magen-Meridian; brennende Schmerzen im Epigastrium, Magensäurereflux evtl. mit Hämatemesis, ständiges epigastrales Leere- und Hungergefühl, Mundtrockenheit, starker Durst auf kalte Getränke, Singultus, bitterer Mundgeschmack; Obstipation; starke Reizbarkeit, wenig, tiefgelber, konzentrierter Urin.
Bei zusätzlichem Schleim-Feuer: Völlegefühl im Epigastrium, Mundtrockenheit und Durst aber ohne Trinkverlangen, körperliches Schweregefühl, Stuhl mit Schleimauflagerungen, Schlafstörungen, psychische Dysbalance.
Zunge: Rot; gelber, trockener Belag, bei Schleim-Feuer zusätzlich klebrig-schmierig oder auch großer medianer Riss möglich (nicht bis zur Zungenspitze reichend), der mit einem steifen (dornenartigen) gelben Belag angefüllt ist.
Puls: Voll (Shi), schnell (Shuo), bei Schleim-Feuer auch schlüpfrig (Hua).
Therapie
Therapieprinzipien Magen-Feuer klären, das Magen-Qi absenken
Rezept: Arzneien, die Magen-Feuer klären wie Coptidis Rz. (Huang Lian), Arzneien, die die Säureproduktion im Magen hemmen wie Ostreae Concha (Mu Li), Sepia Endoconcha (Wu Zei Gu). Rezepturen: Qing Wei San (7.6.4.d). Variationen von Yu Nü Jian (7.6.4.d). Liang Ge San (7.6.5.a). Tiao Wei Cheng Qi Tang (7.6.5.a).
Akupunktur: Ma 44 (Neiting) beseitigt Hitze und Fülle aus Magen und Magen-Meridian; Ma 34 (Liangqiu) v.a. bei akuter Symptomatik; Ren 12 N (Zhongwan) reguliert das Magen-Qi; klärt Magen-Hitze; Ma 21 (Liangmen) harmonisiert Magen-Qi, klärt Magen-Hitze, gut bei eher seitlichen Schmerzen; Ma 45 B (Lidui) bei intensivem Feuer, auch Mikroaderlass mit Dreikantnadel (5.1.6) klärt Hitze und leitet sie nach unten ab, beruhigt den Geist-Shen; Pe 6 (Neiguan) harmonisiert den mittleren Jiao; Mi 6 N (Sanyinjiao) nährt die Körperflüssigkeiten, besänftigt den Geist-Shen; Ma 40 (Fenglong) bei Schleim-Feuer, löst Schleim auf; Pe 5 (Jianshi) transformiert Schleim, senkt gegenläufiges Qi ab, beruhigt den Geist-Shen; Le 3 (Taichong) bei zusätzlichem Leber- und Gallenblasen-Feuer; Ma 4 (Dicang), Ma 6 (Jiache) als Lokalpunkte bei Zahnschmerzen.

Nahrungsstagnation im Magen (Shi Zhi Wei Wan)

Synonym: Nahrungsansammlung im Magen. Ba Gang: Innen-Fülle, kann mit Kälte oder Hitze einhergehen. Leitsymptome Tab. 11.6.
Pathomechanismus
Dieses Syndrom ist hauptsächlich durch Diätfehler bedingt wie v.a. durch unregelmäßige, wahllose Nahrungsaufnahme; zu schweres und/oder zu reichliches, v.a. auch spätabendliches Essen. Oft geht diesem Muster aber auch eine schon bestehende Schwäche des mittleren Jiao (Milz/Magen) voraus. Ebenso kann eine lang bestehende Nahrungsstagnation zu einem Magen-/Milz-Qi-Mangel (11.6.1, 11.5.1) führen. Durch die Nahrungsstauung kann sich auch Hitze und Schleim-Hitze bilden, ebenso wird das Absteigen des Magen-Qi blockiert.
Symptome
Druck-, Spannungs- und Völlegefühl in Epigastrium und Abdomen, verstärkt durch Druck auf den Oberbauch; Appetitmangel, übel riechender Mundgeruch, Übelkeit, Aufstoßen und Magensäurereflux; evtl. Erbrechen nach dem Essen von unverdauten Nahrungsresten mit Linderung der Schmerzen nach dem Erbrechen, weiche, faulig riechende Stühle oder Obstipation mit verzögerter Darmpassage; Schlafstörungen, evtl. Kopfschmerzen.
Zunge: Dicker, quarkiger, evtl. klebrig-schmieriger Belag (gelb oder weiß), v.a. im Zentrum und an der Wurzel.
Puls: Voll (Shi), schlüpfrig (Hua).
Therapie
Therapieprinzipien Nahrungsstagnation beseitigen, das Magen-Qi absenken
Rezept: Arzneien, die Nahrungsstagnation auflösen wie Raphani Sm. (Lai Fu Zi), Hordei Fr. germinatus (Mai Ya), Massa medicata fermentata (Shen Qu), Crataegi Fr. (Shan Zha). Die wichtigste Rezeptur für einen akuten Fülle-Zustand ist Bao He Wan (7.6.17), der man bei einem starken abdominalen Spannungsgefühl Aurantii Fr. immaturus (Zhi Shi) und Magnoliae officinalis Cx. (Hou Po) zufügen kann. Ist unterliegend eine Qi-Schwäche vorhanden mit chronischer Nahrungsstagnation auch Variationen von Zhi Zhu Wan und Jian Pi Wan (enthält Module von Liu Jun Zi Tang und Bao He Wan). Bei einer chronischen Nahrungsstagnation durch Qi-Mangel mit vorbestehender Feuchtigkeitsretention auch Zhi Shi Xiao Pi Wan. Weitere Rezepturen: Xiang Sha Ping Wei San. Variation von Ping Wei San (7.6.8.a) mit Entfernung von Jujubae Fr. (Da Zao) und Magnoliae officinalis Cx. (Hou Po) sowie Hinzufügung von Cyperi Rz. (Xiang Fu), Amomi Fr. (Sha Ren), Aurantii Fr. (Zhi Ke), Paeoniae Rz. alba (Bai Shao), Crataegi Fr. (Shan Zha) und Hordei Fr. germinatus (Mai Ya). Zhi Shi Dao Zhi Wan. Pai Qi Yin bei starker Gasbildung. Mu Xiang Bing Lang Wan bei Nahrungsstagnation durch Feuchte-Hitze in der Milz (11.5.6).
Akupunktur: Ren 13 (Shangwan): Wichtig bei Singultus, Aufstoßen etc., reguliert gegenläufiges Magen-Qi; Ma 21 (Liangmen) stärkt Milz und Magen, fördert die Magenmotilität, beendet Erbrechen; Ma 34 (Liangqiu) reguliert den Magen und lindert starken, akuten Bauchschmerz; Ren 10 (Xiawan) fördert das Absteigen des Magen-Qi; Ma 36 (Zusanli) reguliert und stärkt Milz und Magen, fördert die Magenmotilität; Ma 37 (Shangjuxu) reguliert Magen- und Darmfunktion, beseitigt Nahrungsstagnation; Pe 6 (Neiguan) bei starker Übelkeit; harmonisiert den mittleren Jiao, senkt Magen-Qi ab; Mi 4 (Gongsun) entfernt Nahrungsstagnation, guter Akutpunkt; Ma 44 (Neiting) beseitigt Nahrungsstagnation und Hitze; Ma 45 (Lidui) beseitigt Nahrungsstagnation, gut bei Schlafstörungen durch Magenbeschwerden, beruhigt den Geist-Shen; Le 13 (Zhangmen) hilft der Milz bei der Verdauung, harmonisiert Leber und Milz (11.11.18, 11.11.19); Le 3 (Taichong) bewegt das Leber-Qi; Ma 25 N (Tianshu), Mu-Punkt des Dickdarms, beseitigt Nahrungsstagnation durch Förderung der Dickdarmperistaltik; Mi 4 (Gongsun) in Kombination mit Pe 6 (Neiguan) öffnet den Chong Mai (5.4.5), v.a. bei Fülle-Syndromen des Magens mit Obstruktionen, gegenläufigem Magen-Qi.

Blut-Stase im Magen

Ba Gang: Innen-Fülle. Leitsymptome Tab. 11.6.
Pathomechanismus
Ätiologisch beteiligt an einer Blut-Stase im Magen sind chronische Zustände von Loderndem Magen-Feuer (11.6.4), Nahrungsstagnation im Magen (11.6.5), Leber attackiert den Magen (11.11.19); oft auch Folge von chronischer Leber-Qi-Stauung (11.7.2).
Symptome
Starker stechender, bohrender, meist epigastral lokalisierter Schmerz mit Verschlimmerung durch lokalen Druck, Nahrungsaufnahme und Wärme, Hämatemesis mit dunklem Blut als Zeichen der Blut-Stase, Teerstuhl.
Zunge: Teilweise in der Mitte oder insgesamt blauviolett, mit blauvioletten Punkten, gestaute Venen an der Zungenunterseite.
Puls: Saitenförmig (Xian) und/oder rau (Se).
Therapie
Westliche internistische Diagnostik!
Therapieprinzipien Das Blut beleben und die Stase beseitigen, das Magen-Qi absenken
Rezept: Dan Shen Yin. Shi Xiao San. Ge Xia Zhu Yu Tang.
Akupunktur: Ma 21 (Liangmen) entfernt Blockaden im Bereich des Magens; Ma 34 (Liangqiu) fördert den Qi- und Blut-Fluss im Magen-Meridian, beendet Schmerz; Ren 10 (Xiawan) senkt das Magen-Qi ab; Mi 10 (Xuehai) beseitigt Blut-Stase; Bl 17 (Geshu) bewegt Blut, beseitigt Blut-Stase; Bl 18 (Ganshu) bewegt stagniertes Qi und Leber-Blut. Ggf. Öffnung des Chong Mai (5.4.5) mit Mi 4 (Gongsun) und Pe 6 (Neiguan).

Kälte-Invasion im Magen (Wei Shi Han)

Synonym: Kälte dringt in den Magen ein. Ba Gang: Innen-Fülle-Kälte. Leitsymptome Tab. 11.6.
Pathomechanismus
Ätiologische Faktoren sind Exposition und Eindringen von äußerer Kälte z.B. auch durch nasse Badekleidung mit Wind-Exposition oder Diätfehler mit einem Übermaß an kalten Speisen und Getränken.
Symptome
Akuter starker Schmerz epigastral mit Schmerzlinderung durch Wärmeapplikation oder Zufuhr von warmen Getränken und Verschlechterung durch Kälte; Erbrechen klarer Flüssigkeit; kalte Flüssigkeitszufuhr wird sofort wieder erbrochen; Singultus, Kältegefühle.
Zunge: Dicker, weißer und evtl. stark feuchter Belag.
Puls: Saitenförmig (Xian), langsam (Chi), tief (Chen).
Therapie
Therapieprinzipien Kälte vertreiben, den Magen wärmen, das Magen-Qi absenken
Rezept: Liang Fu Wan enthält: Alpiniae officinarum Rz. (Gao Liang Jiang) und Cyperi Rz. (Xiang Fu). Fu Zi Li Zhong Tang (7.6.9). Xiang Sha Liu Jun Zi Tang (7.6.10.a) und zusätzlich in Kombination mit Liang Fu Wan in schwergradigen Fällen. Ju Pi Tang enthält: Citri reticulatae Pericarpium (Chen Pi) und Zingiberis Rz. recens (Sheng Jiang) bei zusätzlichem gegenläufigen Magen-Qi. Bei Kindern: Ding Yu Li Zhong Wan enthält Li Zhong Wan (7.6.9) und zusätzlich Caryophylli Fl. (Ding Xiang) und Evodiae Fr. (Wu Zhu Yu). Variationen von Huo Xiang Zheng Qi San (7.6.8.a) bei zusätzlicher Kombination mit Feuchtigkeit.
Akupunktur: Moxa anwenden. Mi 4 M (Gongsun) entfernt Kälte aus dem Magen, senkt Magen-Qi ab, befreit den Magen von Blockaden; Ren 13 M (Shangwan) fördert das Absenken des Magen-Qi; Ma 34 M (Liangqiu) v.a. bei akutem Schmerz, entfernt Magenblockaden; Ma 21 M (Liangmen) entfernt mit Moxa Kälte aus dem Magen; Pe 6 (Neiguan) senkt gegenläufiges Magen-Qi ab.

Gegenläufiges Magen-Qi

Synonym: Nach oben rebellierendes Magen-Qi. Ba Gang: Innen-Fülle. Leitsymptome Tab. 11.6. Dieses Muster ist in vielen Magen-Mustern enthalten.
Pathomechanismus
Ätiologische Faktoren sind oft Diätfehler wie Essen in Eile und unter Stress und mit emotionaler Anspannung durch Ärger und Frustrationsgefühle.
Symptome
Übelkeit, Schluckbeschwerden, Erbrechen, Aufstoßen, Singultus.
Zunge: Normal.
Puls: Saitenförmig (Xian) an der rechten mittleren Position.
Therapie
Therapieprinzipien Gegenläufiges Magen-Qi absenken
Rezept: Arzneien, die das Magen-Qi absenken wie Pinelliae Rz. praep. (Ban Xia), Caryophylli Fl. (Ding Xiang), Evodiae Fr. (Wu Zhu Yu). Rezepturen: Xuan Fu Dai Zhe Tang. Huo Xiang Zheng Qi San (7.6.8.a) bei gegenläufigem Magen-Qi durch Äußere Feuchte-Kälte.
Akupunktur: Ma 21 (Liangmen) entfernt Blockaden; Ma 34 (Liangqiu) fördert den Qi- und Blut-Fluss im Magen-Meridian, beendet Schmerz; Ren 10 (Xiawan) senkt das Magen-Qi ab; Mi 10 (Xuehai); Bl 17 (Geshu) bewegen Blut, beseitigen Blut-Stase; Bl 18 (Ganshu) bewegt stagniertes Qi, entfernt Leber-Blut-Stase.

Syndrome der Leber (Gan)

  • Physiologie (2.4.9): Speichert das Blut, reguliert den harmonischen Qi-Fluss, kontrolliert die Sehnen, manifestiert sich in den Nägeln; öffnet sich in die Augen, kontrolliert die Tränen; beherbergt die Wander- oder Hauchseele (Hun), Emotion: Wut, Zorn

  • Ätiologie bei Störungen: Emotionen wie Zorn, Wut, Sorge und Traurigkeit; Diätfehler wie ein übermäßiger Verzehr an Hitze und auch Schleim bildenden Nahrungsmitteln, zu wenig Blut bildende Nahrungsmittel bzw. auch Blutverlust (akut oder chronisch) mit nachfolgendem Leber-Blut-Mangel

  • Pathologie: Dysfunktionen des freien Qi-Flusses, Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit; gynäkologische Probleme, Sehnenerkrankungen, Augenerkrankungen.

Leber-Blut-Mangel (Gan Xue Xu)

Synonym: Leber-Blut-Leere oder -Schwäche. Ba Gang: Innen-Mangel. Leitsymptome Tab. 11.7.
Pathomechanismus
Ätiologische Faktoren sind eine insuffiziente Blutproduktion aufgrund von Milz-Qi- und Milz-Yang-Mangel (11.5.1, 11.5.2) durch Diätfehler wie z.B. bei nährstoff- und proteinarmer Ernährung oder durch exzessiven Blutverlust z.B. bei einer Geburt oder Trauma oder durch chronische Blutverluste wie bei einer chronischen Hypermenorrhö, Neigung zu Nasenbluten etc. Verbrauch des Leber-Blutes durch übermäßige körperliche Belastung mit einer Schwächung des Milz- und Nieren-Yang und nachfolgendem Blut-Mangel sowie durch chronische Erkrankungen mit einem Nieren-Essenz-Jing-Mangel (11.9.1) oder Nieren-Yin-Mangel (11.9.6). In der klinischen Praxis findet sich ein Leber-Blut-Mangel selten als isoliertes Syndrom, sondern es tritt meist in Kombination mit anderen Syndromen auf wie z.B.:
  • Kombination mit einem Leber-Yin-Mangel, teilweise werden Leber-Blut- und -Yin-Mangel auch synonym verwendet. So bezeichnet z.B. Wiseman et. al. (1998) den Leber-Yin-Mangel (Gan Yin Xu) als die Manifestation des Leber-Blut-Mangels. Zusätzlich sind Mangel-Hitze-Zeichen (Tab. 4.56) möglich wie z.B. eine rote Zunge mit wenig Belag und ein beschleunigter, dünner Puls etc.

  • Kombination des Leber-Blut/Yin-Mangels mit einem Nieren-Yin-Mangel. Dies tritt oft auf, da Leber und Niere funktionell eng zusammenhängen bzw. eine gemeinsame Wurzel haben (11.11.20). Diese Situation kann auch durch ein aufsteigendes Leber-Yang (11.7.5) verkompliziert werden. In schwergradigen Fällen Kombination eines Leber-Blut-Mangels mit einem Nieren-Jing-Mangel (11.9.1) mit Schmerz lumbal, Spermatorrhö, Infertilität, Amenorrhö, Auszehrung und Yin-Mangel-Hitze-Zeichen

  • Kombination mit einem generellen Blut-Mangel (4.2.3), z.B. auch in Steigerung mit einem zusätzlichen Herz-Blut-Mangel als Syndrom eines Herz- und Leber-Blut-Mangels (11.11.7)

  • Bei einem Leber-Blut/Yin-Mangel kommt es zu einem relativen Übermaß an Qi, der zu einer Qi-Stagnation (4.2.3) auch mit Leber-Qi-Stauung (11.7.2), z.B. bei prämenstruellem Syndrom, führen kann.

Symptome
Trockene Augen; verschwommenes Sehen; Nachtblindheit; Schwindel; evtl. Gleichgewichtsstörungen; (chronische) Müdigkeit (häufige Müdigkeitsursache bei Frauen), Vergesslichkeit; Schlafstörungen (Einschlafstörungen oder häufiges Aufwachen, viele Träume, unruhiger Schlaf, Reden im Schlaf, in schweren Fällen auch Schlafwandeln; mattblasse oder fahlgelbe Gesichtsfarbe; blasse Lippen; verschwommenes Sehen; Anorexie, auch Schmerzen im Hypochondrium, milder, dumpfer, meist rechtsseitiger Schmerz, der sich auf lokalen Druck hin bessert, bei zusätzlicher Qi-Stagnation (auch Leber-Qi-Stauung 11.7.2) kann der Schmerz durch (emotionalen) Stress verschlimmert werden.
Mangelernährung der Muskeln, Sehnen, Nägel: Muskelschwäche, -spasmen, zittern; Parästhesien in den Extremitäten; evtl. Sehnenverkürzungen; Schwäche; stumpfe, blasse und brüchige Nägel, oft trockene Haut und Haare.
Mangel im Blut-See (Ren und Chong Mai 5.4.4, 5.4.5): Unregelmäßige, spärliche, schmerzhafte Menstruation, evtl. mit Zwischenblutungen oder Amenorrhö, auch dumpfer Scheitelkopfschmerz gegen Ende der Menstruationsblutung möglich; durch relatives Übermaß des Qi (da Yin und Blut im Mangel) auch Qi-Stagnation (4.2.3) mit prämenstruellen Beschwerden möglich.
Zunge: Blass, v.a. die Ränder, in schwergradigen Fällen können diese auch orangefarben werden, dünn, trocken; kein oder wenig Belag. Wenn der Yin-Mangel dominiert, auch rot mit wenig Belag oder belaglos.
Puls: Dünn (Xi), rau (Se), saitenförmig (Xian). Wenn der Yin-Mangel dominiert, auch schnell (Shuo).
Therapie
Therapieprinzipien Das Leber-Blut nähren, Leber stärken
Rezept: Arzneien, die Leber-Blut nähren (7.1.13.b) wie z.B. Angelicae sinensis Rx. (Dang Gui), Paeoniae Rx. alba (Bai Shao), Asini Corii Colla (E Jiao), Polygoni multiflori Rx. (He Shou Wu). Rezepturen: Si Wu Tang (7.6.10.b), Bu Gan Tang (7.6.10.b) und Modifikationen. Variationen von Ba Zhen Tang (7.6.10.c) und zusätzlich bei trockener Haut Polygoni multiflori Rx. (He Shou Wu), bei unscharfem Sehen Lycii Fr. (Gou Qi Zi). Bei Leber-Blut-Mangel mit Leber-Qi-Stauung (11.7.2) Variationen von Xiao Yao San (7.6.6). Bei Leber-Blut-Mangel mit Menstruationsstörungen wie z.B. Krämpfe vor der Menstruation oder Hypermenorrhöe: Hei Xiao Yao San ist Xiao Yao San (7.6.6) ohne Atractylodes macrocephalae Rz. (Bai Zhu). Bei Leber-Blut-/Yin-Mangel und Mangel-Hitze, die sich z.B. in starken Schlafstörungen zeigen: Suan Zao Ren Tang (7.6.14.b). Bei Leber- und Nieren-Yin-Mangel mit nur wenig/keiner Qi-Stagnation sowie Kopf-/Augensymptomen: Qi Ju Di Huang Wan (7.6.10.d). Bei zusätzlicher innerer Hitze: Qin Lian Si Wu Tang enthält Si Wu Tang (7.6.14.b) und zusätzlich: Scutellariae Rx. (Huang Qin), Coptidis Rz. (Huang Lian), Ophiopogonis Rx. (Mai Men Dong). Bei Leber-Blut/Yin-Mangel mit Nieren-Yin-Mangel und Qi-Stagnation, Leber-Qi-Stauung (11.7.2): Yi Guan Jian (7.6.10.d). Bei Leber-Blut-Mangel mit zusätzlicher Leber-Blut-Stase (11.7.3): Guo Qi Yin, Tao Hong Si Wu Tang (7.6.14.b), bei zusätzlicher innerer Hitze auch Yu Zhu San enthält: Si Wu Tang (7.6.14.b) und Rhei Rx. et Rz. (Da Huang), Natrii Sulfas (Mang Xiao), Glycyrrhizae Rx. (et Rz.) (Gan Cao). Bei Leber-Blut-Mangel mit Leber-Yin-Mangel mit Spasmen und Krämpfen: Shao Yao Gan Cao Tang enthält: Paeoniae Rx. alba (Bai Shao) und Glycyrrhizae Rx. (et Rz.) (Gan Cao).
Akupunktur: Mi 10 + (Xuehai), Mi 6 + (Sanyinjiao) und Bl 17 (Geshu). Bl 18 + M (Ganshu) stärkt das Leber-Qi und -Blut; Bl 20 + M (Pishu), Ma 36 + M (Zusanli) fördern Blutbildung durch Stärkung der Milz; Le 3 + M (Taichong) und Gb 34 + M (Yanglingquan) stärken die Leber, fördern den Leber-Qi-Fluss, gut bei Sehnenproblemen und Spasmen; Le 8 + M (Ququan) stärkt Blut, harmonisiert die Leber; Bl 17 + M (Geshu) Meisterpunkt des Blutes, stärkt das Blut; Gb 37 + M (Guangming) reguliert die Leber, verbessert das Sehvermögen; Ren 4 + M (Guanyuan) stärkt das Blut (Moxa!); Bl 23 + M (Shenshu) stärkt die Niere, bei Nieren-Mangel-Syndromen einsetzen. Zusätzlich Ni 3 + (Taixi) stärkt die Nieren, nährt die Essenz-Jing, stärkt den Uterus; Ni 6 + (Zhaohai) stärkt Yin allgemein, unterstützt die Augen; Mi 6 + (Sanyinjiao) stärkt die Milz, nährt Blut und Yin. Cave: Bei Hitze-Zeichen (Tab. 4.56) ist Moxa kontraindiziert.

Leber-Qi-Stauung (Gan Qi Yu Jie)

Synonym: Depression und Verknotung des Leber-Qi, eingezwängtes oder eingeschnürtes Leber-Qi, Leber-Qi-Stagnation, Leber-Qi-Depression, Unterdrückung des Gan-Qi. Ba Gang: Innen-Fülle: Je nach Stärke der Einschnürung bzw. Blockade des warmen Yang-Qi können sich graduell Hitze-Symptome als Folge der Einschnürung zunächst lokal zeigen, die sich jedoch in der Fortentwicklung des Musters auch z.B. bis hin zu einem auflodernden Leber-Feuer (11.7.4) entwickeln können. Leitsymptome Tab. 11.7.
Pathomechanismus
Ätiologischer Faktor ist oft die Unterdrückung von Emotionen wie Zorn, Ärger und Wut, die die Qi-Zirkulation behindern. Meist attackiert die Leber-Qi-Stauung zusätzlich Milz und Magen (11.11.18, 11.11.19). In chronischen Fällen Übergang in eine Leber-Blut-Stase (11.7.3) oder graduelle Hitzeentwicklung bis hin zum Syndrom Leber-Feuer (11.7.4) möglich.
Symptome
  • Depression, Frustrationsgefühle, Reizbarkeit; Patient ist aufgebracht und redet viel; plötzliche Emotionsausbrüche mit Zorn und Wut, dabei schwanken die Emotionen von depressiven bis hin zu aggressiven Tendenzen, diese Stimmungslabilität im Sinne eines Himmelhoch jauchzend – zu Tode betrübt ist typisch

  • Hypochondriales oder thorakales Spannungsgefühl oder Völlegefühl mit einem Gefühl des Aufgeblähtsein (Zhang) mit wechselnden Lokalisationen, Singultus als Zeichen einer diaphragmalen Qi-Stagnation, häufiges Seufzen als spontane Methode zur Befreiung einer thorakalen Qi-Stagnation

  • Prämenstruelle Beschwerden wie Spannungsgefühle in der Brust und im unteren Abdomen sowie prämenstruelle psychische Reizbarkeit, Menstruationsstörungen wie Dysmenorrhö, unregelmäßige Menstruation, Hypomenorrhö, Amenorrhö als Zeichen disharmonischen Qi- und Blutflusses in Ren und Chong Mai

  • Globusgefühl, Knoten im Bereich der Meridiane und Netzgefäße (Jing Luo, z.B. Strumabildung 13.10.1), Schluckbeschwerden.

Leber attackiert Milz und Magen: Appetitmangel, Übelkeit, saures Aufstoßen, Erbrechen, abdominales Schmerz-und Spannungsgefühl, Verdauungsstörungen, Meteorismus, Diarrhö.
Allgemein: Alle Symptome verschlechtern sich tendenziell bei stärkerem (emotionalem) Stress.
Zunge: Normal oder leicht blauviolett; dünner, weißer Belag. Bei einer Leber-Qi-Stauung mit Hitzeentwicklung zeigen sich rote Zungenränder, die oft aufgerollt sind.
Puls: Saitenförmig (Xian), v.a. links.
Therapie
Therapieprinzipien Das Leber-Qi bewegen, die Leber besänftigen
Rezept: Arzneien, die Leber-Qi-Stauung lösen wie Bupleuri Rx. (Chai Hu), Toosendan Fr. (Chuan Lian Zi), Cyperi Rz. (Xiang Fu). Rezepturen: Chai Hu Shu Gan San (7.6.6) oder bei zusätzlich beginnendem Leber-Feuer: Da Huang Si Ni San oder Variationen von Yue Ju Wan (7.6.11.a). Ban Xia Hou Po Tang (7.6.11.a) bei zusätzlichem Kloßgefühl in der Halsregion. Tong Qi San bei akut stark vermindertem Hörvermögen. Xiao Yao San (7.6.6) bei Leber-Qi attackiert die Milz (11.11.18) und Variationen, Tong Xie Yao Fang (7.6.6) bei Leber-Qi attackiert Darm. Jia Wei (Dan Zhi) Xiao Yao San (7.6.6) bei zusätzlich erschwerter Miktion; Yi Gan San oder Ge Xia Zhu Yu Tang bei zusätzlicher Leber-Blut-Stase.
Akupunktur: Le 3 (Taichong) stärkt die Leber, reguliert Qi und Blut, lindert Schmerz, entfernt Stauung aus dem Leber-Meridian; Le 3 in Kombination mit Di 4 (Hegu) häufig angewendete Kombination, um Qi und Blut im Körper zu bewegen (Si Guan – Four Gates, dann bilateral stechen); Gb 34 (Yanglingquan) stärkt die Leber, fördert den Qi-Fluss, v.a. in Kombination mit Le 3, entfernt Stagnation, lindert Schmerz, v.a. im Hypochondrium, Le 14 (Qimen) stärkt die Leber, reguliert das Leber-Qi im mittleren Jiao, bei Spannungsgefühl in Thorax/Hypochondrium; Le 13 (Zhangmen) reguliert Leber, Qi und Blut, unterstützt die Milz, bei Milzbeteiligung; Mi 6 (Sanyinjiao) reguliert und stärkt Milz und Qi allgemein, beseitigt Blut-Stase, reguliert die Leber; gut bei mangelnder Verdauung und Menstruationsstörungen; SJ 6 (Zhigou) reguliert Qi und beseitigt Obstruktionen, v.a. in seitlichen Körperregionen; Pe 6 (Neiguan) reguliert das Leber-Qi (Jueyin-Achsen-Beziehung 2.5.2), gut bei psychischen Problemen als Ursache, entspannt den Thorax.
Spezielle Punkte: Gb 41 (Zulinqi) löst Leber-Qi-Stauung (gut bei prämenstruellen Brustspannungen); Ma 18 (Rugen) als Lokalpunkt bewährt bei Brustproblemen; Mi 8 (Diji), Di 4 (Hegu) bewährt bei Dysmenorrhö; Mi 4 (Gongsun) bei Magen- und Verdauungsbeschwerden, lindert Schmerzen; Ex-B 2 (Huatuojiaji), HWK 4–6 und Ren 22 (Tiantu) und Di 17 (Tianding) bei Struma (Stagnation von Qi und Schleim im Halsbereich); Di 4 (Hegu), Di 10 (Shousanli) bewegen Qi im Dickdarm- und Magen-Meridian.

Leber-Blut-Stase (Gan Xue Yu Ju)

Ba Gang: Innen-Fülle. Leitsymptome Tab. 11.7.
Pathomechanismus
Die Leber-Blut-Stase entsteht immer aus anderen Krankheitsmustern, v.a. aus Qi-Stagnation, Hitze oder Kälte, aber auch aus Schleim, Blut- und/oder Qi-Mangel.
Symptome
Nasenbluten, Abdominalschmerzen, evtl. Bluterbrechen; evtl. lokalisierter, stechender Schmerz im Hypochondrium, der sich durch lokalen Druck verstärkt; Empfindung eines Knotens oder Klumpens im Abdomen; starke Dysmenorrhö mit fixiert lokalisiertem, stechendem Schmerzcharakter, unregelmäßige Menstruation, dunkle Menstruationsblutung mit Blutklumpen.
Zunge: Blauviolett dunkel, v.a. an den Zungenrändern mit blauvioletten Punkten, Zungengrundvenen gestaut.
Puls: Saitenförmig (Xian), evtl. rau (Se).
Therapie
Therapieprinzipien Die Leber besänftigen, Stagnation beseitigen, das Leber-Qi und das Blut bewegen, Schmerz beenden
Rezept: Arzneien, die Leber-Blut-Stase auflösen wie Paeoniae Rx. rubra (Chi Shao), Salviae miltiorrhizae Rx. (Dan Shen), Corydalis Rz. (Yan Hu Suo). Rezepturen: Variationen von Shao Fu Zhu Yu Tang (7.6.12.a) oder Ge Xia Zhu Yu Tang bei Dysmenorrhö; Xue Fu Zhu Yu Tang (7.6.12.a) bei thorakaler Blut-Stase. Shi Xiao San enthält Trogopterori Faeces (Wu Ling Zhi) und Typhae Pollen (Pu Huang) oder Variation davon. Yan Hu Suo Tang. Gui Zhi Fu Ling Wan (7.6.12.a) bei Blut-Stase v.a. im Uterus, enthält: Cinnamomi Ra. (Gui Zhi), Poria (Fu Ling) Paeoniae Rx. rubra (Chi Shao), Moutan Cx. (Mu Dan Pi) und Persicae Sm. (Tao Ren). Sheng Hua Tang (7.6.12.a) oder Wen Jing Tang (7.6.12.a) bei zusätzlicher Kälte im Uterus. Tao Hong Si Wu Tang (7.6.10.b) und Variationen.
Akupunktur: Bl 17 (Geshu) reguliert und bewegt das Blut; Bl 18 (Ganshu) reguliert Leber-Blut; Gb 34 (Yanglingquan) und Le 3 (Taichong) bewegen Leber-Qi; Mi 10 (Xuehai) reguliert und bewegt das Blut; Ren 6 (Qihai) stärkt und harmonisiert Qi, bewegt Qi und Blut im Bauch, gut bei Bauchschmerzen; Ma 29 (Guilai) bewegt das Blut im unteren Jiao und im Uterus; Ni 14 (Siman) als Punkt des Chong Mai bewegt das Blut; Le 5 (Ligou) und Le 6 (Zhongdu) bewegen Leber-Qi und -Blut; ggf. Öffnung des Chong Mai durch Mi 4 (Gongsun) und Pe 6 (Neiguan).

Loderndes Leber-Feuer (Gan Huo Shang Yan)

Ba Gang: Innen-Fülle-Hitze. Leitsymptome Tab. 11.7.
Pathomechanismus
Loderndes Leber-Feuer entsteht meist aufgrund chronischer Leber-Qi-Stauung (11.7.2) durch psychische Faktoren wie unterdrückte Wut und Frustrationsgefühle sowie eine stressige Lebensweise ohne adäquate Ruhe- und Erholungsphasen. So können lang anhaltende Stagnationen zu Hitze und Feuer führen. Ebenso können ätiologisch Diätfehler wie z.B. fettiges Essen, chronischer Alkohol- und Tabakabusus mit nachfolgender Hitzeentwicklung in Leber und Gallenblase an der Entwicklung des Musters beteiligt sein. Yang-Konstitutionstypen mit Neigung zu innerer Hitze neigen aufgrund ihrer oft stressigen Lebensweise zur Entwicklung eines Leber-Feuers. Das Leber-Feuer kann die Säfte schädigen und zu einem Yin-Mangel führen, ebenso kann es durch die emporlodernde Qualität leicht auf das Herz übergehen (Herz-Feuer 11.1.6), v.a. wenn ursächlich großer Stress beteiligt ist, der auch das Herz in Mitleidenschaft zieht.
Symptome
Starke, intensiv pochende Kopfschmerzen und -druck (meist temporal, in Scheitel- oder Augenregion); ausgeprägter Schwindel; Tinnitus (plötzlicher Beginn, keine Besserung durch Handdruck auf das Ohr, wellenartiges, hochfrequentes Geräusch); akute Schwerhörigkeit, Hörsturz oder Taubheit; Konjunktivitis, Augenrötung; Augenflimmern; Mundtrockenheit mit bitterem Mundgeschmack (den ganzen Tag als Abgrenzung zum Lodernden Herz-Feuer [11.1.6]: Hier nur morgens nach schlechtem Schlaf); Hitzegefühl im Kopf; Gesichtsrötung (ganzes Gesicht); ausgeprägte Unruhezustände, Wutausbrüche, Schlaflosigkeit, unruhige Träume, Obstipation, wenig, dunkelgelber, konzentrierter Urin; im Bereich des Leber-Meridians brennender Schmerz in Rippengegend und Hypochondrium; evtl. Blutungen wie Hypermenorrhö, Hämatemesis, Hämoptysis, Nasenbluten (Hitze verletzt die Blutgefäße).
Zunge: Rot, eher tiefrot, v.a. an den Rändern, Ränder oft geschwollen, wobei sich Rötung und Schwellung über die gesamte Länge des Zungenkörpers erstrecken; gelegentlich zeigen sich auch nur rote Punkte, die seitlich in einer schmalen Linie verlaufen; gelber, trockener Belag.
Puls: Schnell (Shuo), saitenförmig (Xian), evtl. voll (Shi), überflutend (Hong).
Therapie
Therapieprinzipien Die Leber klären, das Feuer ausleiten
Rezept: Arzneien, die Leber-Feuer klären wie Gentianae Rx. (Long Dan Cao). Rezepturen: Long Dan Xie Gan Tang (7.6.4.d), cave: Bei Patienten, die gemischte Fülle-/Mangel-Syndrome aufweisen und v.a. zusätzlich Milz-Mangel-Symptome zeigen (was viele westliche Patienten kennzeichnet), Rezeptur modifizieren, da sie sonst zu kühl und bitter ist und Milz/Magen (weiter) schädigt. Dang Gui Long Hui Wan z.B. als Steigerung von Long Dan Xie Gan Tang ist indiziert bei stärkeren Zuständen, bei denen toxische Wirkungen und Feuer-Fülle abgeführt werden müssen. Qing Dan Xie Huo Tang z.B. bei akuter Cholezystitis. Xie Qing Wan bei zusätzlichem, sich durch Leber-Feuer entwickelndem Leber-Wind mit Zeichen von Krämpfen und Tremor (11.7.6). Gu Jing Wan (7.6.13) z.B. bei Menstruationsstörungen durch Leber-Feuer mit Hypermenorrhö, dysfunktioneller Uterusblutung mit dunklem, klumpigem Blut.
Akupunktur: Le 2 (Xingjiang) klärt Leber-Feuer; Le 3 (Taichong) besänftigt die Leber, bewegt Leber-Qi; Gb 20 (Fengchi) besänftigt Leber-Yang, aufsteigendes Leber-Feuer und Hitze im Kopf; gut bei Augenproblemen/Kopfschmerzen durch Leber-Feuer; Gb 34 (Yanglingquan) reguliert Leber und Gallenblase, besänftigt Leber-Yang und -Wind, klärt Hitze, in Kombination mit Le 3 Förderung des harmonischen Leber-Qi-Flusses; Ex-HN 5 (Taiyang) beseitigt Leber-Feuer und lokal Hitze, bei Schläfenkopfschmerz, Gb 13 (Benshen) beruhigt den Geist-Shen, klärt das Gehirn, wichtig bei psychischen Störungen, wirkt stark sedierend und besänftigt aufsteigendes Leber-Yang; Bl 2 B (Zanzhu) klärt lokale Hitze, beruhigt den Geist-Shen; Gb 41 (Zulinqi) bei Augenrötung und -reizung, löst Leber-Qi-Stau v.a. in der Augenregion; evtl. Ni 1 N (Yongquan) bei Scheitelkopfschmerz und starkem Erregungszustand, senkt gegenläufiges Qi stark nach unten ab (holt den Patienten wieder auf die Erde), klärt den Geist-Shen.
Lokalpunkte: bei Ohrenbeteiligung: Z.B. Dü 19, SJ 21, Gb 2, SJ 17; bei Augenbeteiligung: Gb 1, SJ 23, Bl 2 etc.
Um Blut-Hitze (Blutungen) zu kühlen, Einsatz von Punkten wie Mi 10 (Xuehai), Bl 40 B (Weizhong), Bl 17 (Geshu), evtl. Di 11 (Quchi).

Aufsteigendes Leber-Yang (Gan Yang Shang Kang)

Ba Gang: Innen-Fülle-Mangel-Hitze. Leitsymptome Tab. 11.7.
Pathomechanismus
Dies ist ein gemischtes Mangel/Fülle-Syndrom mit einer Fülle in der oberen Körperregion sowie den Zeichen eines Yin-/Blut-Mangels. Ursächlich beteiligt sind meist emotionale Probleme wie lang andauernde, nicht verarbeitete bzw. unterdrückte Wut und Frustrationsgefühle und/oder eine chronische Depressivität mit einer Leber-Qi-Stauung (11.7.2). Durch die Einschnürung/Blockade kommt es aufgrund der Flussbehinderung des warmen Yang-Qi zunächst zu einer lokalen Hitze-Entwicklung, die das Yin-Blut im Inneren verbraucht und dann auch nach oben geht. Folge ist ein überaktives Yang, da die Kontrolle durch das geschwächte Yin entfällt. Ebenso kann ein Yin-Mangel, z.B. Leber-Yin-/Blut-Mangel (11.7.1) oder am häufigsten ein konstitutionell bedingtes Defizit von Leber- und Nieren-Yin (z.B. im Alter), als Leber- und Nieren-Yin-Mangel (11.11.20) vorliegen, die zu dieser Konstellation führen. Ebenso kann eine stark Yin- und Jing-verbrauchende Lebensweise wie z.B. ein chronischer Alkoholabusus zu diesem Muster führen.
Symptome
Aufsteigendes Leber-Yang: Kopfschmerzen (pulsierender Spannungskopfschmerz; meist seitlich und einseitig oder supraorbital um Gb 14, in Augen- und Scheitelregion); zyklusabhängige Migräne bei Frauen, Tinnitus und Schwerhörigkeit (oft akut einsetzend wie beim Hörsturz); innere Unruhezustände; Neigung zu Wutausbrüchen; Reizbarkeit; trockene, gerötete Augen sowie Augenerkrankungen; evtl. Palpitationen; Schlafstörungen mit vielen Träumen; Vergesslichkeit.
Leber-Yin-/Blut-Mangel: Sehstörungen; Gesichtsfeldausfälle; Mouches voulantes, verschwommenes Sehen; Schwindel; Benommenheit; Schlafstörungen.
Yin-Mangel: Mund- und Rachentrockenheit, v.a. abends; Hitzesensationen an Thorax, Handflächen und Fußsohlen; Hitzewallungen, Wangenrötung.
Bei zusätzlichem Nieren-Yin-Mangel (11.9.6): Schwäche und Schmerz im LWS- und Kniebereich.
Zunge: Rot, v.a. an den Rändern, rissig; bei zugrunde liegendem Leber-Blut-Mangel kann die Zunge auch blass mit geröteten Rändern sein, gelegentlich geschwollen an den Rändern, trocken; dünner oder fehlender Belag.
Puls: Saitenförmig (Xian), schnell (Shuo); evtl. dünn (Xi).
Therapie
Therapieprinzipien Leber-Yin-/Blut und evtl. Nieren-Yin nähren, Leber-Yang unterdrücken
Rezept: Arzneien wie Uncariae Ra. cum Uncis (Gou Teng), Gastrodiae Rz. (Tian Ma). Rezepturen: Tian Ma Gou Teng Yin (7.6.15). Qi Ju Di Huang Wan (7.6.10.d), wenn ein kombinierter Leber- und Nieren-Yin-Mangel im Vordergrund steht. Zhen Gan Xi Feng Tang (7.6.15) bei Leber-Yin- und/oder Nieren-Yin-Mangel mit aufsteigendem Leber-Yang oder -Wind.
Akupunktur: Fernpunkte: Le 3 (Taichong) besänftigt Leber-Yang; Le 2 (Xingjian) eher in akuten Fällen, besänftigt Leber-Yang; Le 8 + (Ququan) nährt Leber-Yin und -Blut; Mi 6 + (Sanyinjiao), Ni 3 + (Taixi) nähren v.a. Nieren-Yin; Gb 34(Yanglingquan) besänftigt Leber-Yang; Gb 43(Xiaxi) besänftigt Leber-Yang, gut bei Kopfschmerz im Bereich des Gb-Meridians und bei Tinnitus durch aufsteigendes Leber-Yang; SJ 5 (Waiguan) guter Fernpunkt bei Kopfschmerz entlang des Gb-Meridians, besänftigt Leber-Yang; Gb 37 (Guangming) bei Augenproblemen; Gb 38 (Yangfu) besänftigt Leber-Yang und -Feuer, wichtig bei chronischer, therapieresistenter Migräne; Pe 6 (Neiguan) zusätzlich bei Reizbarkeit und Unruhe; Ex-HN 5 (Taiyang) und Di 4 (Hegu) bei Spannungsgefühl und Schmerz im Kopf; He 7 (Shenmen), Pe 6 (Neiguan) und Ex-HN 1 (Sishencong) bei Schlafstörungen.
Lokal-/Regionalpunkte: Gb 20 (Fengchi) beruhigt das Kopf-Yang, stärkt das Sehvermögen, gut bei Schwindel; Du 20 (Baihui) beruhigt die Leber, Yang und den Geist-Shen; Dü 19 (Tinggong), Gb 2 (Tinghui); SJ 17 (Yifeng) bei Tinnitus; Ex-HN 5 (Taiyang) bei Augenproblemen, auch gut bei Schläfenkopfschmerz; Bl 2 (Zanzhu) besänftigt Leber-Yang lokal, bei periorbitalem Kopfschmerz; Gb 9 (Tianchong), Gb 8 (Shuaigu), Gb 6 (Xuanli) besänftigt Leber-Yang lokal, gut bei Seitenkopfschmerz; Gb 6 und Gb 8 gut bei Ohrproblemen.

Aufkommender Leber-Wind (Gan Feng Nei Dong)

Synonym: Endogener Wind; Ba Gang: Innen-Fülle. Leitsymptome Tab. 11.7.
Allgemeine Zeichen nach TCM: Leber-Disharmonie mit akuter schwerer Symptomatik wie Schwindel, plötzlicher Bewusstseinsverlust, Tremor, Krämpfe; Paresen und Parästhesien v.a. in der oberen Körperhälfte. Pathogenese: Leber-Wind kann v.a. entstehen durch aufsteigendes Leber-Yang, Leber-Blut-Mangel, Leber-Feuer und durch extreme Hitze (z.B. im Verlauf febriler Erkrankungen). Diese Formen eines Leber-Windes werden im Folgenden nacheinander abgehandelt.
Anmerkung: Arzneien, die Leber-Wind eliminieren sind z.B. Tribuli Fr. (Bai Ji Li), Pheretima (Di Long), Haliotidis Concha (Shi Jue Ming), Gastrodiae Rz (Tian Ma).
Leber-Wind durch Leber-Yang (Gan Yang Hua Feng)
Ba Gang: Innen-Fülle, wenig oder keine Hitze-Symptome. Leitsymptome 11.7.
Pathomechanismus
Mögliche Weiterentwicklung von aufsteigendem Leber-Yang (11.7.5); konstitutionelles Defizit von Yin und Exzess von Yang durch Adipositas; dramatische emotionale Wechsel, Überanstrengung und Stress, exzessiver Alkoholabusus.
Symptome
Heftigste Kopfschmerzen und Schwindelattacken, Zittern, Krämpfe, Parästhesien in den Extremitäten, Sprachstörungen.
In schwerwiegenden Fällen: Plötzliche Desorientiertheit, plötzlicher Kollaps, Synkope, Koma, Halbseitenlähmung, Aphasie, Zungensteifigkeit und -deviation, Krampfanfälle.
Zunge: Rot, trocken; Zugenbeweglichkeit evtl. eingeschränkt oder zittrig; Zungendeviation beim Herausstrecken; fehlender oder wechselnder Belag (auch weiß und schlüpfrig-klebrig).
Puls: Saitenförmig (Xian), evtl. dünn (Xi), schnell (Shuo).
Therapie
Therapieprinzipien Wind unterdrücken, Leber-Yin nähren, Leber-Yang besänftigen und nach unten leiten
Rezept: Zhen Gan Xi Feng Tang (7.6.15) bei zusätzlichem Leber-Yin/Blut-Mangel oder Tian Ma Gou Teng Yin (7.6.15) bei zusätzlichem Leber-Feuer.
Akupunktur: Apoplex, Epilepsie (13.17.12). Le 3 (Taichong) besänftigt Leber-Yang- und -Wind; Gb 20 (Fengchi), Du 16 (Fengfu), Du 14 (Dazhui) zerstreuen Wind und beruhigen den Geist-Shen; Du 20 (Baihui) belebt das Bewusstsein, besänftigt Leber-Yang, zerstreut Leber-Wind. Du 26 (Shuigou) harmonisiert Yin und Yang, befreit den Kopf, stellt das Bewusstsein wieder her (bei Bewusstseinsverlust); Mi 6 + (Sanyinjiao), Ni 3 + (Taixi) nähren Yin; Le 8 + (Ququan) nährt Leber-Yin; Bl 18 N (Ganshu) stärkt Leber-Yin, unterdrückt Leber-Yang; evtl. Ni 1 N (Yongquan) beruhigt den Geist-Shen, befreit die Sinne.
Leber-Wind durch Blut-Mangel (Xue Xu Sheng Feng)
Ba Gang: Innen-Mangel-Fülle. Leitsymptome Tab. 11.7.
Pathomechanismus
Leber-Blut-Mangel (11.7.1) führt in der Weiterentwicklung zu Mangelernährung der Muskeln und Sehnen und aufkommendem Wind mit der Entwicklung von Spasmen, Tremor etc.
Symptome
Tics im Augenbereich, Parästhesien und Tremor der Extremitäten, Muskelzuckungen und Spasmen der Gesichts- und Extremitätenmuskeln, plötzlicher, starker Schwindel, akut auftretende Sehstörungen wie z.B. Augenflimmern, Sprachstörungen, Stottern, gestörte motorische Zungenbeweglichkeit, fahle Blässe.
Zunge: Blass, Zunge zittrig oder Deviation beim Herausstrecken, trocken; kein oder nur wenig Belag.
Puls: Saitenförmig (Xian), dünn (Xi), rau (Se).
Therapie
Therapieprinzipien Leber-Yang unterdrücken, Wind beseitigen, das Leber-Blut nähren
Rezept: E Jiao Ji Zhi Huang Tang. Variationen von Bu Gan Tang (7.6.10.b). Si Wu Tang Jia Wei enthält: Si Wu Tang (7.6.14.b) mit Gentianae macrophyllae Rx. (Qin Jiao) und Notopterygii Rx. seu Rz. (Qiang Huo).
Akupunktur: Le 3(Taichong), Gb 20 (Fengchi), Du 20 (Baihui) harmonisieren die Leber, zerstreuen Wind, v.a. vom Kopf; Du 19 (Houding) beseitigt Wind; Di 4 (Hegu) beseitigt Wind (in Kombination mit Le 3, v.a. im Gesichtsbereich, hier gut bei Tics), macht die Meridiane durchgängig; Mi 6 + (Sanyinjiao), Ni 3 + (Taixi) stärken Yin, Ma 36 + (Zusanli), Bl 20 + (Pishu) stärken Blut durch Milzstärkung; Bl 18 + (Ganshu) fördert die Leberfunktion und Leber-Blut in Kombination mit Bl 17; Le 8 + (Ququan) nährt Leber-Blut; Bl 17 + M (Geshu) Meisterpunkt des Blutes, fördert das Blut, (direkte) Moxibustion günstig.
Leber-Wind durch Leber-Feuer
Ba Gang: Innen-Fülle-Hitze. Leitsymptome 11.7.
Pathomechanismus
Wie bei Leber-Feuer (11.7.4) in Steigerung des Musters mit der Entwicklung von Leber-Wind (11.7.6).
Symptome
Reizbarkeit, Neigung zu Wutausbrüchen, Tinnitus und/oder akute Schwerhörigkeit bis Taubheit, Kopfschmerzen temporal, Schwindel, Augen- und Gesichtsrötung, Durst, bitterer Mundgeschmack, traumgestörter Schlaf, trockene Stühle und Obstipation, konzentrierter, tiefgelber Urin, evtl. Blutungszeichen wie Epistaxis, Hämatemesis etc.
Zunge: Rot mit geröteten Rändern; trockener, gelber Belag.
Puls: Saitenförmig (Xian), schnell (Shuo).
Therapie
Therapieprinzipien Die Leber klären, Feuer ausleiten und den Wind beseitigen
Rezept: Ling Jiao Gou Teng Tang und zusätzlich Gentianae Rx. (et Rz.) (Long Dan Cao).
Akupunktur: Le 2 (Xingjian) leitet Leber-Feuer aus; Le 3 (Taichong) besänftigt Leber-Yang- und -Wind; Gb 20 (Fengchi), Du 16 (Fengfu), Du 14 (Dazhui) zerstreuen Wind und beruhigen den Geist-Shen; Du 20 (Baihui) belebt das Bewusstsein, besänftigt Leber-Yang, zerstreut Leber-Wind; Du 8 (Jin Suo) löst Spasmen, um Krämpfe zu beenden; Le 1 (Dadun) beseitigt Leber-Wind.
Leber-Wind durch extreme Hitze
Ba Gang: Innen-Fülle-Hitze. Leitsymptome 11.7. Cave: Der Leber-Wind durch extreme Hitze wird hier nur bedingt abgehandelt, da dieser westlich notfalltherapeutisch zu therapieren ist.
Pathomechanismus
Weiterentwicklung einer febrilen Erkrankung (Vier-Schichten-Theorie [Wen Bing Lun] 12.2), die Hitze erreicht die Blut-Xue-Schicht und verletzt das Yin, was zur Entstehung von innerem Wind führen kann.
Symptome
Hohes Fieber, Krämpfe, Nackensteifigkeit, Tremor der Extremitäten, Opisthotonus, in schwergradigen Fällen Koma.
Zunge: Tiefrot, Zugenbeweglichkeit eingeschränkt oder zittrig; gelber, trockener Zungenbelag.
Puls: Saitenförmig (Xian), schnell (Shuo).
Therapie
Therapieprinzipien Das Blut kühlen, das Yin nähren, den Wind beseitigen
Notfalltherapie beachten!
Rezept: Ling Jiao Gou Teng Tang, Da Ding Feng Zhu, An Gong Niu Huang Wan.
Akupunktur: Du 26 (Shuigou) harmonisiert Yin und Yang, befreit den Kopf, stellt das Bewusstsein wieder her (bei Bewusstseinsverlust); die Brunnen-Jing-Punkte bluten lassen, um schnell die pathogene Hitze auszuleiten und das Bewusstsein wiederherzustellen; Extrapunkte Ex-UE 11 (Shixuan) bluten lassen, um Wind zu beseitigen und das Blut zu kühlen; Gb 20 (Fengchi), Du 16 (Fengfu, Du 14 (Dazhui) zerstreuen Wind und beruhigen den Geist-Shen; Du 20 (Baihui) belebt das Bewusstsein, besänftigt Leber-Yang, zerstreut Leber-Wind. Le 3 (Taichong) besänftigt Leber-Yang- und -Wind; Du 8 (Jinsuo) löst Spasmen, um Krämpfe zu beenden. Mi 6 + (Sanyinjiao), Ni 3 + (Taixi) nähren Yin; Le 8 + (Ququan) nährt Leber-Yin; Bl 18 N (Ganshu) stärkt Leber-Yin, unterdrückt Leber-Yang; evtl. Ni 1 N (Yongquan) beruhigt den Geist-Shen, befreit die Sinne (holt den Patienten wieder auf die Erde zurück).

Feuchte-Hitze in Leber und Gallenblase (Gan Dan Shi Re)

Ba Gang: Innen-Fülle-Hitze. Leitsymptome Tab. 11.7.
Pathomechanismus
Ätiologische Faktoren sind äußere klimatische Feuchte-Hitze (z.B. im Sommer, in den Tropen: Infektionserkrankungen 12.2) oder die Zufuhr von Hitze und Feuchtigkeit über das Essen z.B. durch Hitze und Feuchtigkeit bildende Nahrung, chronischer Alkoholabusus etc. sowie ein unregelmäßiger, hitzebildender Lebensstil, die über die Überlastung der Transformationskapazitäten der Milz zur Feuchtigkeits-/Schleimbildung und -retention (4.2.3) führen. Aufgrund einer chronischen Leber-Qi-Stauung kann Hitze und Leber-Feuer (11.7.2, 11.7.4) entstehen und sich mit der Feuchtigkeit verbinden.
Symptome
Völle- und Druckgefühl oder Koliken in Hypochondrium und Oberbauch (Verstärkung durch lokalen Druck und Wärme), Ikterus, bitterer, klebriger Mundgeschmack, Appetitmangel, Übelkeit, Brechreiz, körperliches Schweregefühl, ständig subfebrile Temperaturen, Dysurie mit wenig, tiefgelbem, konzentriertem Urin; klebriger Stuhl.
Feuchte-Hitze im Leber-Meridian (fließt nach unten): Ekzem und Hitzegefühl am Skrotum, Schwellung und Brennschmerz in den Hoden; gelber, faulig riechender Fluor vaginalis, begleitet von juckender Vulva, Hautjuckreiz im Bereich der unteren Körperhälfte.
Zunge: Rot mit geröteten Rändern; gelber, klebriger Belag.
Puls: Schnell (Shuo), schlüpfrig (Hua), saitenförmig (Xian).
Therapie
Therapieprinzipien Feuchtigkeit beseitigen; Hitze klären
Rezept: Arzneien, die Feuchte-Hitze in Leber und Gallenblase klären wie Gentianae Rx. (et Rz.) (Long Dan Cao), Plantaginis Sm (Che Qian Zi), Artemisiae scopariae Hb. (Yin Chen Hao). Rezepturen: Yin Chen Hao Tang (7.6.8.b). Variationen von Long Dan Xie Gan Tang (7.6.4.d). Yin Chen Wu Ling San bei zusätzlichen Miktionsstörungen. Variationen von Da Chai Hu Tang (7.6.6).
Akupunktur: Hauptpunkte: Le 14 (Qimen), Di 11 (Quchi) beseitigen Feuchte-Hitze; Bl 18 (Ganshu), Bl 19 (Danshu) harmonisieren Leber und Gallenblase, klären Feuchte-Hitze; Gb 34 (Yanglingquan), Gb 24 (Riyue) eliminieren Feuchte-Hitze, verteilen Qi; Le 2 (Xingjian) klärt Leber-Hitze; Ren 12 + (Zhongwan), Ma 36 + (Zusanli), Mi 6 (Sanyinjiao), Mi 9 (Yinglingquan) stärken die Milz, um Feuchtigkeit zu beseitigen; SJ 6 (Zhigou) reguliert den San Jiao, klärt Feuer und Hitze, wandelt Schleim um; Ren 3 (Zhongji), Le 5 (Ligou) beseitigen in Kombination Feuchte-Hitze, regulieren den Leber-Meridian und Ren Mai.
Spezielle Punkte: Du 9 (Zhiyang) eliminiert Feuchte-Hitze aus dem Gallenblasen-Meridian; Ex-LE 6 (Dannang) gut bei Cholezystitis, v.a. bei Schmerzen; Gb 26 (Daimai), Ren 6 Qihai) stärken den Dai Mai, entfernen Feuchte-Hitze aus dem Dai Mai, bewährt bei Fluor vaginalis durch Feuchte-Hitze; Pe 6 (Neiguan) reguliert den mittleren Jiao, bei Übelkeit.

Kälte im Leber-Meridian

Ba Gang: Fülle-Kälte. Leitsymptome Tab. 11.7.
Pathomechanismus
Ätiologischer Faktor ist das Eindringen von Kälte in den Leber-Meridian, der um die äußeren Genitalien verläuft. Eine vorbestehende Leber-Qi-Stauung (11.7.2) wie auch Sportarten mit Gefahr der Nässe- und Kälte-Invasion wie z.B. Surfen, Skifahren etc. begünstigen das Eindringen von Kälte in den Leber-Meridian.
Symptome
Spannungs- und Völlegefühl im Hypogastrium mit Schmerzen, die nach unten in Richtung Skrotum und zu den Hoden sowie nach oben in Richtung Hypochondrium ziehen, wobei lokale Wärme die Symptomatik bessert; Hodenzerrung oder Kontraktion des Skrotums, Vertex-Kopfschmerz, Kältegefühle und v.a. kalte Hände und Füße, Erbrechen von klaren, wässrigen Flüssigkeiten oder trockenes Erbrechen.
Zunge: Blass, feucht, weißer Belag.
Puls: Tief (Chen), saitenförmig (Xian), langsam (Chi).
Therapie
Therapieprinzipien Die Leber klären, Kälte vertreiben.
Rezept: Arzneien, die Kälte im Leber-Meridian zerstreuen wie Linderae Rx. (Wu Yao), Cinnamomi Cx. (Rou Gui), Foeniculi Fr. (Xiao Hui Xiang). Rezepturen: Nuan Gan Jian, Tian Tai Wu Yao San.
Akupunktur: Moxa verwenden! Ren 3 (Zhongji) vertreibt Kälte aus dem unteren Jiao; Le 5 (Ligou) ist der Luo-Punkt des Leber-Meridians und hat einen Ast, der um die Genitalien herumfließt; Le 1 (Dadun) klärt den Leber-Meridian, beseitigt die Kälte aus dem unteren Jiao; Le 3 (Taichong) beseitigt Spasmen und vermindert die Kontraktionen.

Syndrome der Gallenblase (Dan)

  • Physiologie (2.4.10): Speichert und sezerniert Galle; kontrolliert die Entscheidungskraft

  • Ätiologie bei Störungen: Diätfehler wie ein Übermaß an fetten Speisen, emotionale Anspannung wie lang aufgestauter Zorn und unterdrückte Frustrationsgefühle mit Leber-Qi-Stauung, äußere pathogene Faktoren wie v.a. Feuchtigkeit und Feuchte-Hitze

  • Pathologie: Erkrankungen der Leber und Gallenblase, Verdauungsbeschwerden, Schmerzen im Hypochondrium, Neigung zu Adipositas; Entscheidungsunfähigkeit, Wankelmütigkeit, Mutlosigkeit.

Gallenblasen-Qi-Mangel (Dan Qi Xu)

Synonym: Gallenblasen-Schwäche. Ba Gang: Innen-Mangel. Leitsymptome Tab. 11.7.
Pathomechanismus
Ätiologisch beteiligt sind chronische psychische Belastungen wie auch ein Leber-Blut-Mangel (11.7.1), der einen Leber-Qi- und Gallenblasen-Qi-Mangel nach sich ziehen kann. Umgekehrt kann ein Gallenblasen-Qi-Mangel auch zu einem Leber-Blut-Mangel führen. Die Symptome dieses Musters kennzeichnen eigentlich mehr einen Charakter- bzw. Persönlichkeitstypus. Sie zeigen sich daher eher konstitutionell, aber auch infolge einer chronischen Erkrankung bzw. psychischen Belastung. Das Syndrom tritt oft in Kombination mit einem Herz-Qi-Mangel auf (Herz- und Gallenblasen-Qi-Mangel 11.11.8).
Symptome
Leichter Schwindel, leichte Sehstörungen wie verschwommenes Sehen und Mouches volantes, Unruhezustände, Reizbarkeit, Depression; Patient ist furchtsam gehemmt mit Entscheidungsschwierigkeiten, mangelndes Selbstvertrauen, Ängstlichkeit, Schreckhaftigkeit, Seufzen, Blässe, Erschöpfungszustand.
Zunge: Eher blass, v.a. an den Rändern oder normal, dünner, weißer Belag.
Puls: Schwach (Ruo).
Therapie
Therapieprinzipien Leber- und Gallenblasen-Qi stärken
Rezept: Ding Zhi Wan (13.18.2.j) bei Gallenblasen-Qi-Mangel mit Herz-Qi-Mangel (11.11.8).
Akupunktur: Gb 40 + (Qiuxu) unterstützt den harmonischen Leber-Qi-Fluss, bewährt zur Stärkung der Psyche bei Entscheidungsschwierigkeiten; Bl 19 + (Dan-shu) harmonisiert die Gallenblase; Le 8 + (Ququan), Ma 36 + (Zusanli), Mi 6 + (Sanyinjiao) stärken das Leber-Blut und Leber-Qi; Bl 47 + (Hunmen) beeinflusst v.a. den psychischen Aspekt der Leber und reguliert die Wanderseele-Hun; Le 3 + (Taichong) stärkt Leber- und Gallenblasen-Qi.

Feuchte-Hitze in der Gallenblase (Dan Shi Re)

Syndrom ähnelt dem Syndrom Feuchte-Hitze in Leber und Gallenblase (11.7.7). Ba Gang: Innen-Fülle-Hitze. Leitsymptome Tab. 11.7.
Pathomechanismus
Ätiologisch beteiligt ist oft eine Leber-Qi-Stauung (11.7.2) mit Hitze-Entwicklung, meist auf dem Boden lang angestauter und unterdrückter Zorn- und Wutgefühle. Die Hitze verbindet sich mit der Feuchtigkeit, die durch Diätfehler wie ein Zuviel an schleimbildender Nahrung entsteht und führt zum Feuchte-Hitze-Syndrom. Ebenso können klimabedingte Invasion von Feuchtigkeit und Hitze (z.B. in den Tropen), zu einer Feuchte-Hitze in der Gallenblase führen.
Symptome
Übelkeit, Erbrechen, Schmerz und Spannungsgefühl oder auch kolikartiger Schmerz im Hypochondrium, v.a. rechtsseitig, Fettverdauungsstörungen, gelbe Skleren und Ikterus, wenig, dunkelgelber Urin, Hitzegefühle, Durst ohne Trinkverlangen, bitterer Mundgeschmack; Schwindelgefühle, Reizbarkeit, weiche Stühle oder Obstipation, körperliches Schweregefühl.
Zunge: Klebrig-schmieriger, dicker, gelber Belag, evtl. nur auf der rechten Seite.
Puls: Saitenförmig (Xian), schlüpfrig (Hua), schnell (Shuo).
Therapie
Therapieprinzipien Feuchtigkeit beseitigen, Hitze in der Gallenblase klären, den freien Leber-Qi-Fluss fördern
Rezept: Long Dan Xie Gan Tang (7.6.4.d) und Variationen. Xiao Chai Hu Tang (7.6.6) bei Shaoyang-Syndrom (12.1). Yin Chen Hao Tang (7.6.8.b) bei Ikterus, wenn Hitze der dominante Faktor ist (Yang-Ikterus). San Ren Tang (7.6.8.b) und zusätzlich Artemisiae scopariae Hb. (Yin Chen Hao), wenn Feuchtigkeit dominant ist bei nur wenig Zeichen von Hitze.
Akupunktur: Gb 24 (Riyue), Le 14 (Qimen) klären Gallenblasen-Hitze; Ren 12 + (Zhongwan), Bl 20 + (Pishu) transformieren Feuchtigkeit durch Stärkung der Milz; Ex-LE 6 (Dannang), Gb 34 (Yanglingquan) bewegen das Leber-Qi, transformieren Feuchtigkeit, klären Hitze; Du 9 (Zhiyang) klärt Gallenblasen- Hitze, bewegt Leber-Qi, löst Feuchtigkeit; Di 11 (Quchi) entfernt Feuchte-Hitze; SJ 6 (Zhigou) bewegt Leber-Qi, entfernt Hitze aus den Shaoyang-Meridianen.

Gallenblasen-Qi-Stagnation mit Schleim-Hitze

Synonym: Schleim-Hitze blockiert Gallenblase. Ba Gang: Innen-Fülle-Hitze. Leitsymptome Tab. 11.7.
Pathomechanismus
Ätiologisch beteiligt sind oft Stress und unterdrückte Wut und Frustrationsgefühle, Leber-Qi-Stagnation und Diätfehler mit Schleimbildung.
Symptome
Schwindel, bitterer Mundgeschmack, Übelkeit, Erbrechen, Unruhe und Schlaflosigkeit, plötzliche Wutausbrüche, Palpitationen, Ängstlichkeit, thorakales Druck-, Spannungs- und Engegefühl, Seufzen, Tinnitus, in schwergradigen Fällen Manie.
Zunge: Rot. Zungenbelag: Gelb, klebrig.
Puls: Saitenförmig (Xian), schlüpfrig (Hua).
Therapie
Therapieprinzipien Schleim-Hitze der Gallenblase auflösen
Rezept: Arzneien, die Hitze-Schleim auflösen und klären wie Bambusae Caulis in taeniam (Zhu Ru), Scutellariae Rx. (Huang Qin). Rezeptur: Wen Dan Tang (7.6.16.b) und Variationen, z.B. zusätzlich mit Coptidis Rz. (Huang Lian).
Akupunktur: Gb 34 (Yanglingquan) beseitigt Feuchte-Hitze, bewegt stark das Gallenblasen/Leber-Qi; Ma 40 (Fenglong) transformiert Schleim; Pe 6 (Neiguan) beruhigt den Geist-Shen, entspannt den Thorax (innere Verbindung zur Leber über die Jueyin-Schicht); Le 2 (Xingjian) reduziert Leber-Feuer.

Syndrome der Niere (Shen)

  • Physiologie (2.4.7): Speichert Essenz-Jing (2.3.4); reguliert die Reproduktions-, Wachstums- und Entwicklungsvorgänge, erzeugt Mark, füllt das Gehirn und kontrolliert die Knochen (und Zähne), beherrscht den Wasserhaushalt; regiert die Aufnahme des Qi, manifestiert sich in den (Kopf-)Haaren, öffnet sich in die Ohren; kontrolliert die beiden unteren Öffnungen, beherbergt die Willenskraft-Zhi; Emotion: Angst

  • Ätiologie bei Störungen: Konstitutionelle, ererbte Schwäche (Jing-Mangel); Emotionen wie Angst und Ängstlichkeit; übermäßige sexuelle Aktivität, chronische Erkrankungen und Überlastungen, Überarbeitung, Alter

  • Pathologie: Rückenschmerzen, Dysfunktionen in der Speicherung der vererbten Essenz-Jing (2.3.4); Störungen im Wasserhaushalt; Reproduktions- und Wachstumsstörungen, Atmungsbeschwerden, tiefe Erschöpfung; bei langstehenden, chronischen Erkrankungen immer eine Mitbeteiligung der Niere.

Nieren-Jing-Mangel (Shen Jing Xu)

Synonym: Nieren-(Essenz)-Mangel, -Leere oder -Schwäche. Ba Gang: Innen-Mangel. Leitsymptome Tab. 11.8.
Pathomechanismus
Im Kindesalter: Erblich bedingter Nieren-Jing-Mangel z.B. bei Embryopathien; Frühgeburten; kann auch durch ein zu hohes Alter der Eltern oder deren schlechten Gesundheitszustand zum Zeitpunkt der Empfängnis bedingt sein. Im Erwachsenenalter verbrauchen chronische Erkrankungen und Überanstrengung, Geburten (viele v.a. kurz aufeinanderfolgende), auch Fehlgeburten und wiederholte IVF-/ICSI-Behandlungen im Rahmen einer Kinderwunschbehandlung (13.13), aber auch ein ausschweifendes Sexualleben sowie der natürliche Alterungsprozess Nieren-Essenz (Jing). Sowohl ein Nieren-Yin- als auch ein Nieren-Yang-Mangel kann zu einem Nieren-Jing-Mangel führen und umgekehrt.
Symptome
Im Kindesalter: Angeborene Fehlbildungen und Anomalien sowie angeborene Demenz; geistige und körperliche Entwicklungsverzögerung wie z.B. später und unvollständiger Fontanellenschluss, spätes Laufen- und Sprechenlernen, verzögertes Trockenwerden (Niere kontrolliert die unteren Öffnungen), Entwicklungsverzögerungen bei der Zahnbildung (verzögerter Zahndurchbruch oder frühe Karies) und des Skelettsystems (Deformitäten wie z.B. Trichterbrust, schwache Knochen), Rachitis, späte Sexualreife, auch geistige Schwerfälligkeit oder bestimmte Formen von Konzentrationsstörungen.
Im Erwachsenenalter: Frühzeitig abnehmende intellektuelle Leistungskraft; Vergesslichkeit und frühzeitige Senilität; abgestumpfte Emotionen; Schwerhörigkeit; Tinnitus; Osteoporose; Taubheit; lockere, kariesanfällige Zähne; frühes Ergrauen der Haare und Haarausfall; Schmerzen und Schwäche in LWS- und Knieregion; Libidomangel; Amenorrhö; Infertilität.
Zunge: Evtl. dünn, schwach, zittrig.
Puls: Schwach (Ruo), dünn (Xi) oder leer (Xu), v.a. in der Nierenposition oder Trommelpuls (Ge).
Anmerkung: Bei den hier aufgeführten Symptomen ist der Yin- und Yang-Aspekt der Essenz-Jing (2.3.4) in gleichem Verhältnis im Mangel, d.h., es zeigen sich weder Hitze- noch Kältezeichen. In der Praxis überwiegt meist ein Aspekt, sodass Zunge/Puls und Symptomatik sich je nach Überwiegen von Nieren-Yin-Mangel (11.9.6: Mit Hitzezeichen Tab. 4.56) oder Nieren-Yang-Mangel (11.9.2: Mit Kältezeichen Tab. 4.56) verändern.
Therapie
Therapieprinzipien Nieren-Essenz-Jing nähren
Rezept: Arzneien, die Nieren-Jing stärken wie Ecliptae Hb. (Han Lian Cao), Ligustri lucidi Fr. (Nü Zhen Zi), Psoralae Fr. (Bu Gu Zhi). Variationen von Zuo Gui Wan (7.6.10.d) besonders bei Mangel-Hitze-Zeichen und stärkerem Nieren-Yin-Mangel. You Gui Wan (7.6.10.e) bei Kälte-Zeichen (und stärkerem Nieren-Yang-Mangel). Jin Suo Gu Jing Wan tonisiert die Nieren-Essenz-Jing und verhindert ein Auslaufen wie z.B. bei Spermatorrhö und Harninkontinenz.
Akupunktur: Stärkende Nadeltechnik; wenn kein ausgeprägter Yin-Mangel mit Mangel-Hitze-Zeichen vorliegt, auch Moxa anwenden! Ni 3 + (Taixi), Bl 23 + (Shenshu) stärken die Niere, Ni 3 v.a. Nieren-Yin und Essenz-Jing; Ni 6 + (Zhaohai) stärkt Nieren-Yin; Ren 4 + (Guanyuan) stärkt die Niere und Essenz-Jing; Du 4 + (Mingmen) stärkt v.a. den Yang-Aspekt der Essenz-Jing, Einsatz bei ausgeprägtem Yang-Mangel; Du 20 + (Baihui) stärkt das Mark und Gehirn; Bl 11 + (Dazhu) einflussreicher-Hui-Punkt (5.9.7) der Knochen, fördert die Knochenentwicklung; Gb 39 + (Xuanzhong) einflussreicher-Hui-Punkt (5.9.7) des Mark, fördert das Knochenmark; Du 14 + M (Dazhui) stimuliert das Mark, kann das Gehirn klären und nähren; Bl 15 + (Xinshu) stärkt Herz und Geist-Shen; Ma 36 + (Zusanli) stärkt die Milz als Organ für die nachgeburtliche Essenz-Jing. Zusätzlich SJ 17 + (Yifeng) bei Tinnitus; Ni 10 + (Yingu) bei Knieproblemen; Du 3 + (Yaoyangguang) bei Rückenproblemen.

Nieren-Yang-Mangel (Shen Yang Xu)

Synonym: Nieren-Yang-Leere oder -Schwäche; Versiegen des Mingmen (2.4.14). Ba Gang: Innen-Mangel-Kälte. Leitsymptome Tab. 11.8.
Pathomechanismus
Ätiologische Faktoren können sein: Ein konstitutioneller Yang-Mangel (Tab. 4.56); chronische Kälteexposition; Feuchtigkeitsansammlungen, die durch eine mangelnde Transformation bei Milz-Qi-/Yang-Mangel (11.5.1, 11.5.2) bedingt sind; körperliche Erschöpfung, z.B. nach chronischer, das Nieren-Yang aufzehrender Erkrankung; lang anhaltender psychischer Stress, Angst- und Panikzustände; ein ausschweifendes Sexualverhalten, viele Geburten, Alter. Das Nieren-Yang ist eng mit dem Yang von Milz, Herz und Lunge verbunden, daher kann ein Nieren-Yang-Mangel zum Yang-Mangel dieser Organe führen und umgekehrt.
Symptome
Helle Blässe, Kälteaversion, Fröstelgefühle, kalte Extremitäten, Schwäche-, Kältegefühl und Schmerz (wie Wundgefühl) der LWS- und Knieregion mit einer Besserung durch Wärme; Lockerung der Zähne; Antriebsmangel, Müdigkeit, schnelle Erschöpfung, Schwindel, Leeregefühl im Kopf, mangelnde Willenskraft; Tinnitus eher wie Wasserrauschen, Schwerhörigkeit, Taubheit; Nykturie, klarer und reichlicher Urin, Harninkontinenz oder auch Harnträufeln; Gedunsenheit bis Ödeme, z.B. Bein- und Knöchelödeme; Hahnenschrei-Diarrhö bzw. Diarrhö direkt nach dem Aufstehen gilt als charakteristisch v.a. mit Milz-Yang-Mangel, treibt aus dem Bett; M: Evtl. Impotenz, Ejaculatio praecox; Spermatorrhö; F: Evtl. Libidomangel, Amenorrhö, Infertilität.
Zunge: Blass, schlaff; evtl. dünner, weißer, feuchter Belag.
Puls: Tief (Chen), schwach (Ruo), evtl. langsam (Chi).
Therapie
Therapieprinzipien Nieren-Yang und Mingmen (2.4.14) stärken und wärmen.
Rezept: Arzneien, die Nieren-Yang stärken wie Morindae Rx. (Bai Ji Tian), Psoraleae Fr. (Bu Gu Zhi), Cistanches Hb. (Rou Cong Rong). Rezepturen: Jin Gui Shen Qi Wan (7.6.10.e) bzw. Shen Qi Wan. You Gui Wan (7.6.10.e). Qing E Wan. Shi Bu Wan. Zan Yu Dan. Zhen Wu Tang (7.6.8.d) bei Ödemen v.a. bei Milz- und Nieren-Yang-Mangel (11.11.17). You Gui Yin bei zusätzlichem Nieren-Jing-Mangel (11.9.1). Er Xian Tang (7.6.10.e) bei Nieren-Yang- und -Yin-Mangel (11.9.6) mit emporloderndem Mangel-Feuer. Si Shen Wan (7.6.13) bei Nieren-Yang-Mangel mit Diarrhö. Suo Quan Wan (7.6.13) bei Harninkonti-nenz.
Akupunktur: Ren 4 + M (Guanyuan) stärkt mit Moxa v.a. Nieren-Yang und Essenz-Jing; Du 4 + M (Mingmen) stärkt das Mingmen (2.4.14), gut mit Moxa; Ren 6 + M (Qihai) bewegt und stärkt Qi, vertreibt mit Moxa Kälte, stärkt das Nieren-Yang, empfehlenswert mit Moxabox auf unterem Abdomen; Ni 3 + M (Taixi); B 23 + M (Shenshu) stärkt die Nieren, mit Moxa v.a. Nieren-Yang; Ni 7 + M (Fuliu) stärkt v.a. Nieren-Yang; Bl 52 + M (Zhishi) stärkt v.a. die geistige Komponente der Nieren, die Willenskraft (Zhi); Ex-B + M (Jinggong), Lokalisation 0,5 Cun lateral von Bl 52, stärkt Nieren-Yang, wärmt die Essenz-Jing; Mi 9 (Yinlingquan) und Ren 9 (Shuifen) mit Moxa bei starken Ödemen, Bl 32 + M (Ciliao) bei Impotenz, LWS-Beschwerden mit Schwäche; SJ 17 + (Yifeng), Dü 19 + (Tinggong) Lokalpunkte bei Hörstörungen und Tinnitus; Ni 13 + (Qixue) bei Infertilität, reguliert Ren und Chong Mai, stärkt Nieren-Qi.

Nieren-Qi nicht fest (Shen Qi Bu Gu)

Synonym: Mangelnde Festigkeit des Nieren-Qi. Ba Gang: Innen-Mangel. Syndrom lässt sich aus einem Nieren-Yang-Mangel (11.9.2) ableiten. Leitsymptome Tab. 11.8.
Pathomechanismus
Ätiologische Faktoren können sein: Ein erblich bedinger Nieren-Jing-Mangel (11.9.1) im Kindesalter sowie die natürliche Abnahme des Nierenessenz-Jing im Alter bzw. eine vorschnell das Nieren-Qi verbrauchende Lebensweise wie z.B. ein ausschweifendes Sexualverhalten, viele kurz aufeinanderfolgende (Fehl-)Geburten; körperliche und seelische Erschöpfung durch Überanstrengung, Stress, chronische Erkrankungen.
Symptome
Wie bei Nieren-Yang-Mangel (11.9.2), jedoch keine oder nur milde Kältezeichen; Schwäche und Schmerz lumbal und in der Knieregion; zusätzlich Zeichen der Unfähigkeit, die Körperflüssigkeiten zu halten wie z.B. entsprechende Beschwerden in der Harnwegs- und Genitalregion; häufige Miktion von viel, klarem Urin; Harntröpfeln nach der Miktion oder Harninkontinenz; kalter Schweiß, M: Spermatorrhö und Ejaculatio praecox; F: Klarer, dünnflüssiger Fluor vaginalis, unruhiger Fetus mit Abortgefahr kann auch eine Manifestation dieses Syndroms sein.
Zunge: Blass, evtl. schlaff; weißer, dünner Belag.
Puls: Schwach (Ruo), v.a. an der Nierenposition (4.1.6), tief (Chen).
Therapie
Therapieprinzipien Nieren-Qi stärken und festigen.
Rezept: Arzneien, die Nieren-Qi stärken und halten bzw. adstringieren wie Nelumbinis Sm. (Lian Zi), Mantidis Oötheca (Sang Piao Xiao), Corni Fr. (Shan Zhu Yu). Rezepturen: Jin Suo Gu Jing Wan z.B. auch bei vorzeitiger Ejakulation oder Spermatorrhö. Tu Si Zi Wan bei zusätzlichem Nieren-Jing-Mangel (11.9.1). Ji Sheng Shen Qi Wan (7.6.10.e) bei zusätzlichem Nieren-Yang-Mangel (11.9.2). Si Shen Wan (7.6.13) bei zusätzlicher Diarrhö. Suo Quan Wan (7.6.13) bei Harninkontinenz im Erwachsenenalter, enthält: Alpiniae oxyphyllae Fr. (Yi Zhi Ren) 9–12 g, Linderae Rx. (Wu Yao) 9–12 g, Dioscoreae Rx. (Shan Yao) 9–12 g. Sang Piao Xiao San bei Harninkontinenz.
Akupunktur: Wie bei Nieren-Yang-Mangel (11.9.2) Ni 3 + M (Taixi), Bl 23 + M (Shenshu), Ren 4 + M (Guanyuan), Du 4 + M (Mingmen), Ren 6 + M (Qihai), Bl 52 + M (Zhishi). Ex-B + M (Jinggong), Lokalisation 0,5 Cun lateral von Bl 52, stärkt Nieren-Yang und stabilisiert das Spermientor; Ni 7 (Fuliu) unterstützt die Nieren, reguliert die Wasserpassagen und behandelt Ödeme, reguliert Schweiß; Du 20 + M (Baihui) hebt und stärkt das Yang mit Moxa, um Körperflüssigkeiten und Organe an ihrem Platz zu halten; Ni 5 (Shuiquan) zur Festigung des Nieren-Qi. Mi 6 + M (Sanyinjiao) stärkt das Yin und Qi von Milz, Leber und Niere, um Flüssigkeit zurückzuhalten, gut in Kombination mit Ma 36 + M (Zusanli).
Zusatzpunkte nach Symptomatik: Bei Enuresis Ren 3 (Zhongji) und Bl 28 (Pangguangshu); bei Harntröpfeln Bl 20 (Pishu), Bl 28 (Pangguangshu), Ren 3 (Zhongji) und Mi 9 (Yinlingquan); bei Spermatorrhö Bl 15 (Xinshu), Pe 6 (Neiguan, He 7 (Shenmen).

Niere unfähig, das Qi aufzunehmen (Shen Bu Na Qi)

Synonym: Unfähigkeit der Niere, das Qi zu empfangen. Ba Gang: Innen-Mangel-Kälte. Leitsymptome Tab. 11.8, siehe auch Lungen-Qi- und Nieren-Yang-Mangel (11.11.13).
Pathomechanismus
Ätiologisch beteiligt sind eine kongenitale Lungen- und Nierenschwäche; extreme sportliche Betätigung, v.a. während der Adoleszenz, übermäßiges Heben und Stehen; chronische Erkrankungen.
Symptome
Wie bei Nieren-Yang-Mangel (11.9.2); zusätzlich Lungen-Symptome wie Dyspnoe mit erschwerter Inspiration (Niere kontrolliert v.a. die Einatmung), besonders bei Belastung; Husten; evtl. Harninkontinenz mit klarem Urin bei Hustenattacken; evtl. schnelle, flache Atmung; Gesichtsödeme; Asthenie; Lethargie, zusätzlich evtl. Ödeme der Extremitäten oder Spontanschweiß.
Zunge: Blass, schlaff, evtl. geschwollen; stark feuchter, dünner, weißer Belag.
Puls: Tief (Chen), schwach (Ruo), evtl. langsam (Chi).
Therapie
Therapieprinzipien Niere stärken und wärmen, Nieren-Qi-Aufnahmefunktion und Lungen-Qi-Absenkungsfunktion stärken, Atmungsfunktion unterstützen
Rezept: Arzneien, die die Nieren tonisieren, um das Qi aufzunehmen wie z.B. Psoraleae Sm. (Bu Gu Zhi), Cordiceps (Dong Chong Xia Cao). Rezepturen: Variationen von Shen Qi Wan (7.6.10.e). Variationen von Su Zi Jiang Qi Tang (7.6.11.b) mit zusätzlichen Nieren-Yang-Tonika. Weiteres 11.11.13, 13.2.2.
Akupunktur: Wie bei Nieren-Yang-Mangel (11.9.2) Ni 3 + M (Taixi), Bl 23 + M (Shenshu), Ren 4 + M (Guanyuan), Du 4 + M (Mingmen), Ren 6 + M (Qihai); zusätzlich Ren 17 + M (Danzhong), Ren 22 + M (Tiantu) senken Lungen-Qi ab, bei Keuchatmung; Ex-B1 (Dingchuan), Bl 13 (Feishu) bei Keuchtatmung, Lu 7 + M (Lieque), Ni 6 + M (Zhaohai) Kombination öffnet Ren Mai, stärkt die Lungen-Qi-Absenkungsfunktion und die Nieren-Qi-Aufnahmefunktion, unterstützt die Kehle; Ni 7 + M (Fuliu) stärkt Nieren-Yang, gut bei Atembeschwerden; Ni 25 + (Shencang) wichtiger thorakaler Lokalpunkt, öffnet den Thorax, gut bei Dyspnoe, fördert die Nieren-Qi-Aufnahmefunktion; Du 12 + (Shenzhu) stärkt das Lungen-Qi bei chronischem Verlauf.

Wasserüberfluss (Shen Xu Shui Fan)

Ba Gang: Innen-Mangel-Fülle-Kälte, beinhaltet im Prinzip Yang-Mangel-Zustände von vier Zang-Organen: Yang-Mangel von Niere, Lunge, Milz und Herz mit Zeichen der Stagnation im Wasserkreislauf. Leitsymptome Tab. 11.8.
Pathomechanismus
Ätiologisch beteiligt sind eine chronische Feuchtigkeitsretention (4.2.3) mit Schädigung der Niere und Beeinträchtigung ihrer Funktionen; Diätfehler wie eine übermäßige Zufuhr an kaltem, rohem Essen mit nachfolgendem Milz-Yang-Mangel (11.5.2) sowie eine Herz-Beteiligung durch Herz-Yang-Mangel (11.1.2) bei schwacher Konstitution oder starken psychischen Problemen. Ebenso kann ein Lungen-Qi-Mangel (11.3.1) durch äußere Kälte-Invasion und rezidivierende Infekte mitverursachend sein.
Symptome
Nieren-Yang-Mangel: Verminderte Urinausscheidung von klarem Urin; Ödeme, v.a. der Beine und Knöchel; Schmerz-/Kälte- und Schwächegefühl im LWS- und Kniebereich.
Wasserüberfluss in der Lunge: Belastungsdyspnoe; Husten; Keuchatmung; reichlich wässriges, evtl. schaumiges Sputum.
Wasserüberfluss im Herzen: Palpitationen; kalte Hände, bei Blut-Stase auch Lippen- und Gesichtszyanose.
Milz-Yang-Mangel: Evtl. Oberbauchbeschwerden; Meteorismus und Völlegefühl oder anhaltende wässrige Diarrhö.
Zunge: Blass, feucht, geschwollen, evtl. blauviolett (Herz-Blut-Stase); weißer, evtl. dicker und zäher Belag.
Puls: Tief (Chen), schwach (Ruo), langsam (Chi), evtl. rau (Se) als Zeichen der Blut-Stagnation.
Therapie
Therapieprinzipien Nieren- und Milz-Yang stärken und wärmen. Feuchtigkeit ausleiten, evtl. Herz-Yang stärken und erwärmen, evtl. Lungen-Qi stärken
Rezept: Basisrezeptur bei Nieren-Yang-Mangel: Jin Gui Shen Qi Wan (7.6.10.e) bzw. Shen Qi Wan, bewährte Variante: Ji Sheng Shen Qi Wan (7.6.10.e). (13).
Akupunktur: Bl 23 + M (Shenshu) stärkt Nieren-Yang; Du 4 + M (Mingmen) stärkt das Mingmen (2.4.14) und fördert damit die Wassertransformation; Bl 20 + M (Pishu) stärkt Milz-Yang (mit Moxa); Mi 6 (Sanyinjiao), Mi 9 (Yinglingquan), Ren 9 (Shuifen) stärken Qi, beseitigen Feuchtigkeit, bei Ödemen; Bl 22 (Sanjiaoshu), Ma 28 (Shuidao) stärken die Flüssigkeitstransformation im unteren Jiao; Ni 7 + M (Fuliu) stärkt Nieren-Yang; bei Überfluss im Herzen zusätzlich Bl 15 + M (Xinshu) und Du 14 + M (Dazhui) stärken mit Moxa Herz-Yang; bei Überfluss in der Lunge zusätzlich Bl 13 + M (Feishu) und Du 12 + M (Shenzhu) stärken Lungen-Qi; Lu 7 + M (Lieque) stärkt die Lunge in der Kontrolle über die Wasserwege, beseitigt Ödeme; Bl 53 (Baohuang) löst die Stagnation im Wasserkreislauf.

Nieren-Yin-Mangel (Shen Yin Xu)

Synonym: Nieren-Yin-Leere oder -Schwäche. Ba Gang: Innen-Mangel. Bei zusätzlichem Mangel-Feuer auch Hitzezeichen. Leitsymptome Tab. 11.8.
Pathomechanismus
Ein Nieren-Yin-Mangel kann entstehen nach langer, schwerer Erkrankung, Blutverlusten, Drogen- und/oder Alkoholabusus. Er kann auch konstitutionell bedingt sein oder aufgrund einer Mangelernährung in der Kindheit (auch Magersucht in der Adoleszenz) auftreten. Eine chronische Depression ebenso wie hoch febrile Erkrankungen, chronische Überarbeitung; ein exzessives Sexualleben sowie die Überdosierung von heißen Arzneien können das Nieren-Yin aufzehren. Bei Mangel-Feuer können sich zusätzlich psychische Probleme mit chronischen Angstzuständen zeigen. Das Nieren-Yin ist die Wurzel von allem Yin des Körpers und damit eng verbunden mit dem Yin von Herz, Leber und Lunge. Jeder Nieren-Yin-Mangel kann zu einem Yin-Mangel dieser Organe führen und umgekehrt. In der klinischen Praxis tritt ein Nieren-Yin-Mangel meist in Kombination mit anderen Pathologien auf (siehe auch kombinierte Syndrome 11.11).
Symptome
Allgemeiner Yin-Mangel mit Leere-Hitze: Wangenrötung; Hitzesensation in Thorax, Handflächen und Fußsohlen; Hitzeunverträglichkeit; subfebrile Temperaturen v.a. nachmittags; Nachtschweiß; Mund- und Rachentrockenheit; Durst, wenig, konzentrierter, dunkelgelber Urin; Obstipation.
Nieren-Yin-Mangel (Unterernährung von Gehirn, Knochen und Reproduktionsorganen): Vergesslichkeit; schwacher Schwindel; Tinnitus (z.B. Rauschen, langsamer Beginn) und Schwerhörigkeit; Schlafstörungen mit vielen Träumen; nächtliche Spermatorrhö; Ejaculatio praecox; Schwächegefühl und Schmerzen in der LWS-Region und in den Knien.
Stärkere Leere-Hitze: Stärkere Hitzezeichen; geistige und sexuelle Übererregbarkeit; erotische Träume; psychische Rastlosigkeit; vage, nicht fassbare, aber deutlich wahrnehmbare Ängste; evtl. Hämaturie.
Zunge: Rot, evtl. Risse und Einfurchungen; trocken, wenig Belag oder belaglos.
Puls: Dünn (Xi), schnell (Shuo).
Therapie
Therapieprinzipien Nieren-Yin nähren, ggf. Mangel-Hitze klären und den Geist-Shen beruhigen
Rezept: Arzneien, die Nieren-Yin nähren wie Lycii Fr. (Gou Qi Zi), Ecliptae Hb. (Han Lian Cao), Ligustri lucidi Fr. (Nü Zhen Zi) und bei Mangel-Hitze zusätzlich Arzneien, die Mangel-Hitze klären. Rezepturen: Rezepte, die v.a. Nieren-Yin nähren wie Liu Wei Di Huang Wan (7.6.10.d), in milden Fällen auch Er Zhi Wan (7.6.10.d) und bei zusätzlichem Nieren-Essenz-Jing-Mangel (11.9.1) auch Zuo Gui Wan (7.6.10.d). Qi Ju Di Huang Wan (7.6.10.d) bei Leber- und Nieren-Yin-Mangel (11.11.20). Yi Guan Jian (7.6.10.d) bei Leber-/Nieren-Yin-Mangel mit Leber-Qi-Stauung. Bei Mangel-Hitze-Zeichen Zhi Bai Di Huang Wan (7.6.10.d). Tiang Wang Bu Xin Dan (7.6.14.b) bei Herz- und Nieren-Yin-Mangel (Disharmonie zwischen Herz und Niere 11.11.11). Bai He Gu Jin Tang (7.6.7) bei Lungen- und Nieren-Yin-Mangel. Zhi Bai Di Huang Wan (7.6.10.d) bei zusätzlicher Feuchte-Hitze in der Blase. Er Long Zuo Ci Wan bei zusätzlichem Tinnitus.
Akupunktur: Moxa kontraindiziert, v.a. bei Mangel-Hitze-Zeichen! Bl 23 + (Shenshu) und Ni 3 + (Taixi) stärken die Nieren und das Yin; Ni 7 + (Fuliu) stärkt die Nieren und Yin; gut bei Nachtschweiß durch Nieren-Yin-Mangel in Kombination mit He 6 (Yinxi); Ni 6 + (Zhaohai) nährt v.a. Nieren-Yin, befeuchtet den Rachen (innerer Ast, daher gut bei Mundtrockenheit); Ni 10 + (Yingu) stärkt die Niere, v.a. Yin (Ni 6 und Ni 9 wirken intensiver in der Yin-Nährung), klärt Hitze; Ni 9 + (Zhubin) nährt Nieren-Yin, beruhigt den Geist-Shen, gut bei Rastlosigkeit, öffnet den Thorax, bei thorakalem Beklemmungsgefühl und Palpitationen; Ren 4 + (Guanyuan) nährt Nieren-Yin und Essenz-Jing; Ren 1 + (Huiyin) nährt Nieren-Yin und Essenz-Jing, bei Kombination mit Ni 3 und He 7 bei nächtlicher Spermatorrhö durch Nieren-Yin-Mangel; Mi 6 + (Sanyinjiao) stärkt Nieren- und Leber-Yin, beruhigt den Geist-Shen; Ni 2 (Rangu) beseitigt Mangel-Hitze aus der Niere (Hauptpunkt!); Ni 1 (Yongquan) lässt Exzess (z.B. auch Mangel-Hitze) vom Kopf absteigen; bei zusätzlichem aufsteigendem Leber-Yang Gb 20 (Fengchi) und Le 3 (Taichong); bei Mangel-Feuer zusätzlich He 5 (Tongli) und Lu 7 (Lieque) als bewährte Kombination, um Hitze nach unten zu leiten; Lu 10 (Yuji) klärt Lungen-Hitze, befreit den Rachen und leitet Hitze vom Kopf ab (bei trockenem, evtl. blutig tingiertem Husten).
Zusatzpunkte nach Symptomatik (nach Wiseman et. al. (1998): Bei Schwindel Du 20 (Baihui), Du 16 (Fengfu) und Gb 39 (Xuanzhong); bei Tinnitus SJ 17 (Yifeng), Gb 2 (Tinghui), SJ 3 (Zhongzhu); bei Mund- und Rachentrockenheit Ni 2 (Rangu), SJ 2 (Yemen) und evtl. Ex-HN 12 (Jinjin) B und Ex-HN 13 (Yuye) B; bei Hitzewallungen Ni 2 + (Rangu), He 8 + (Shaofu), Lu 10 + (Yuji) und Pe 5 + (Jianshi); bei Lumbalschmerz Du 3 + (Yaoyangguan), Bl 40 + (Weizhong), Bl 60 + (Kunlun); bei Spermatorrhö Ni 12 + (Dahe), Ren 6 + (Qihai), He 7 + (Shenmen), Ma 36 + (Zusanli); bei Nachtschweiß Dü 3 + (Houxi), He 6 + (Yinxi); bei Leber- und Nieren-Yin-Mangel Bl 18 + (Ganshu) und Le 3 + (Taichong); bei Herz- und Nieren-Yin-Mangel Bl 15 + (Xinshu), Bl 17 + (Geshu), Pe 6 (Neiguan), He 7 + (Shenmen); bei Lungen- und Nieren-Yin-Mangel Bl 13 + (Feishu), Bl 43 + (Gaohuang), Lu 5 + (Chize).

Nieren-Qi-Mangel (Shen Qi Xu)

Synonym: Nieren-Qi-Leere oder -Schwäche. Ba Gang: Innen-Mangel. Leitsymptome Tab. 11.8.
Pathomechanismus
Ein Nieren-Qi-Mangel kann konstitutionell bedingt sein als Schwäche des Vorhimmels-Qi (2.3.1). Ebenso kann eine Schädigung des Nieren-Qi durch extreme Überanstrengung (auch Extremsportarten) oder nach lang dauernder schwerer Erkrankung verursacht sein.
Symptome
Wundheitsgefühl, Schmerz und Schwäche lumbal und der Beine, verstärkt durch Überanstrengung, Zahnlockerung, Haarverlust, Schwindel, Kraftlosigkeit, Tinnitus, Schwerhörigkeit bis Taubheit, Fersenschmerzen, Fluor vaginalis bei Frauen, Impotenz und Ejaculatio praecox, Spermatorrhö bei Männern.
Zunge: Blass, evtl. geschwollen.
Puls: Tief (Chen) und schwach (Ruo), v.a. an der Nierenposition.
Therapie
Therapieprinzipien Nieren-Qi unterstützen und tonisieren
Rezept: Da Bu Yuan Jian (7.6.10.d); Zuo Gui Wan (7.6.10.d). Tu Si Zi Wan bei Nieren-Qi-Mangel in Kombination mit Nieren-Essenz-Jing-Mangel (11.9.1). Ji Sheng Shen Qi Wan (7.6.10.e) bzw. Shen Qi Wan bei zusätzlichem Nieren-Yang-Mangel (11.9.2). Si Shen Wan (7.6.13) bei zusätzlicher Diarrhö. Kombination von Zuo Gui Wan (7.6.10.d) mit Codonopsis Rx. (Dang Shen) und Astragali Rx. (Huang Qi), wenn als Hauptsymptom kontinuierliche lumbale Schmerzen und Schwäche in den Beinen besteht, die sich bei Bewegung verschlimmern und durch Ruhe bessern. Kombination von Zuo Gui Wan (7.6.10.d) mit Er Long Zuo Ci Wan hauptsächlich bei folgender Symptomatik: Tinnitus, Schwerhörigkeit/Taubheit, Geist-Shen-Störungen im Sinne von Vergesslichkeit, Benommenheit und Schwindel sowie Kraftlosigkeit und eine schwache, schmerzhafte Lumbalgegend.
Akupunktur: Bl 23 + (Shenshu) stärkt die Nieren; Ren 4 + (Guanyuan) stärkt die Nieren und Yuan-Qi; Du 4 + (Mingmen) stärkt die Nieren; Ren 6 + (Qihai) stärkt das Yuan-Qi und das Qi allgemein; Ma 36 + (Zusanli) stärkt die Milz (Nachhimmels-Qi) und das Qi; Ni 3 + (Taixi) stärkt die Niere; Bl 52 (Zhishi) stärkt die Niere und die Willenskraft.
Nach Symptomatik zusätzlich: Bei Schwindel: Du 20 + (Baihui), Du 16 + (Fengfu) und Gb 39 (Xuanzhong); bei Tinnitus, Schwerhörigkeit: SJ 17 + (Yifeng), Gb 2 (Tinghui), Dü 19 (Tinggong) und SJ 3 (Zhongzhu); bei Schmerz und Schwäche lumbal und Beine: Du 3 (Yaoyangguan), Bl 40 (Weizhong), Gb 34 (Yanglingquan), Gb 39 (Xuanzhong) und Bl 60 (Kunlun); bei Spermatorrhö: Ni 12 (Dahe) und He 7 (Shenmen); bei Fersenschmerz: Pe 7 (Daling), Bl 62 (Shenmai) und Bl 60 (Kunlun), bei Fluor vaginalis: Gb 26 (Daimai), Bl 30 (Baihuanshu), Bl 32 (Ciliao) und Mi 6 (Sanyinjiao).

Syndrome der Harnblase (Pang Guang)

  • Physiologie (2.4.8): Beseitigt Wasser durch Qi-Transformation, ist beteiligt an der Wasserausscheidung

  • Ätiologie bei Störungen: Äußere pathogene Faktoren, die das Nieren-Yang schwächen und die Blase in Mitleidenschaft ziehen, können sein: Übermäßige Exposition von kaltem und feuchtem Wetter, nasse Kleidung, Sitzen oder Stehen auf kaltem Untergrund (direkter Angriff); Wohnen in feuchter Umgebung, Exposition von Feuchte-Hitze in den Tropen; Emotionen wie Angst, zeigt sich aber auch in Misstrauen und Eifersucht; übermäßige sexuelle Aktivität und übermäßige körperliche Anstrengung, v.a. auch körperlich schwer zu heben

  • Pathologie: Harnwegs- und Blasenprobleme; Feuchtigkeit im unteren Jiao.

Feuchte-Hitze in der Blase (Pang Guang Shi Re)

Synonym: Nässe-Hitze in der Blase. Ba Gang: Innen-Fülle-Hitze. Leitsymptome Tab. 11.8.
Pathomechanismus
Ätiologisch beteiligt sind eine Invasion äußerer pathogener Feuchte-Hitze oder Feuchte-Kälte in die Harnblase; Überlastung der Transformationskapazitäten der Milz durch einen übermäßigen Verzehr von scharfen, fettigen und süßen Speisen mit nachfolgender Feuchtigkeitsretention, die in den unteren Jiao absinkt; lang bestehende unterdrückte Misstrauens- und Eifersuchtsgefühle führen zu Leber-Qi-Stauung (11.7.2), die das Syndrom begünstigt.
Symptome
Harndrang, Dys- und Pollakisurie; Harntröpfeln oder evtl. Harnverhalt; trüber, dunkelgelber Urin. Schleim-Hitze: Evtl. Hämaturie oder Harnsteine; evtl. Völle- und Druckgefühl im Unterbauch; Schmerzen im LWS-Bereich, Durst, evtl. Fieber.
Zunge: Rot; dicker, gelber, klebrig-schmieriger Belag, v.a. an der Wurzel.
Puls: Schnell (Shuo), schlüpfrig (Hua), evtl. saitenförmig (Xian).
Therapie
Therapieprinzipien Feuchte-Hitze im unteren Jiao klären und ausleiten
Rezept: Arzneien, die Feuchte-Hitze in der Blase ausleiten wie Plantaginis Sm. (Che Qian Zi), Phellodendri Cx. (Huang Bai), Alismatis Rz. (Ze Xie). Rezepturen: Ba Zheng San (7.6.8.b). Er Miao San (7.6.8.b). San Miao Wan. Si Miao Wan. Bi Xie Feng Qing Yin. Zhu Ling Tang. Bei zusätzlicher Steinbildung: San Jin Tang, Wu Ling San (7.6.8.c); mit Hämaturie: Xiao Ji Yin Zi.
Akupunktur: Bl 28 (Pangguangshu), Ren 3 N (Zhongji), Bl 66 (Zutonggu) entfernen Hitze aus der Blase; Mi 6 (Sanyinjiao) und Mi 9 (Yinlingquan) stärken die Milz, helfen, Stagnationen von Feuchtigkeit und Schleim aufzulösen, entfernen Hitze aus dem unteren Jiao; Bl 22 (Sanjiaoshu) stimuliert die Wassertransformation im unteren Jiao; Le 8 (Ququan) entfernt Feuchte-Hitze vom unteren Jiao; Bl 63 (Jinmen) v.a. bei akuter Dysurie; Bl 23 + (Shenshu) stärkt die Niere und harmonisiert den Wasserfluss v.a. im unteren Jiao.

Feuchte-Kälte in der Blase (Pang Guang Shi Han)

Ba Gang: Innen-Fülle-(Mangel)-Kälte. Leitsymptome Tab. 11.8.
Pathomechanismus
Ätiologisch beteiligt ist eine übermäßige Exposition von Feuchtigkeit und Kälte, oft ist eine Milz-Qi-Schwäche mit mangelnder Transformationsfunktion eine Vorbedingung für dieses Muster wie auch ein Nieren-Yang-Mangel. Die Feuchte-Kälte blockiert die Wasserwege des unteren Jiao und stört die Blasen-Qi-Transformation.
Symptome
Häufige, drängende und erschwerte Miktion mit Unterbrechungen während des Harnflusses; Schweregefühl in Hypogastrium und Urethra, blasser und trüber Harn.
Zunge Weißer, klebriger Belag an der Zungenwurzel.
Puls: Schlüpfrig (Hua), langsam (Chi), leicht saitenförmig (Xian) an der linken hinteren Position.
Therapie
Therapieprinzipien Feuchte-Kälte aus dem unteren Jiao beseitigen, die Blockade der Wasserwege lösen, evtl. Nieren-Yang stärken
Rezept: Arzneien, die Feuchtigkeit aus dem unteren Jiao ausleiten wie Plantaginis Sm. (Che Qian Zi), Alismatis Rz. (Ze Xie). Rezepturen: Ba Zheng San (7.6.8.b). Shi Wei San. Wu Ling San (7.6.8.c), bei Nieren-Yang-Mangel auch Variationen von Shen Qi Wan.
Akupunktur: Zusätzlich Moxibustion. Bl 22 (Sanjiaoshu) stimuliert die Wassertransformation im unteren Jiao; Bl 28 (Pangguangshu), Ren 3 (Zhongji) stärken die Qi-Transformation der Blase und beseitigen Feuchtigkeit aus der Blase; Mi 6 (Sanyinjiao) und Mi 9 (Yinlingquan) stärken die Milz, beseitigen Feuchtigkeit aus dem unteren Jiao; Bl 23 (Shenshu) stärkt die Niere und harmonisiert den Wasserfluss v.a. im unteren Jiao; Ren 9 (Shuifen) beseitigt allgemein Feuchtigkeit.

Blasen-Schwäche und Kälte (Pang Guang Xu Han)

Synonym: Blasen-Leere-Kälte. Ba Gang: Innen-Mangel-Kälte. Leitsymptome Tab. 11.8.
Pathomechanismus
Ätiologisch beteiligt sind übermäßige sexuelle Aktivität, äußere pathogene Faktoren wie eine übermäßige Kälte-Exposition z.B. durch Wohnen in einer kalten und feuchten Umgebung; Eindringen von Kälte während der Menstruation z.B. durch Schwimmen, bauchfreie Mode etc., übermäßige körperliche Betätigung. Das Muster ähnelt der mangelnden Festigkeit des Nieren-Qi bzw. auch des Nieren-Yang-Mangels. Es kommt zu einem Verlust der Haltefunktion der Blase sowie zu einer Insuffizienz ihrer Qi-Transformationsfunktion.
Symptome
Häufige Miktion; reichlicher, blasser Urin; Enuresis, Harninkontinenz, Schmerzen in der Lumbalregion, Schwindel, Nykturie, weiße Absonderungen aus der Urethra, Kälteempfindungen.
Zunge: Blass und feucht.
Puls: Tief (Chen), schwach (Ruo).
Therapie
Therapieprinzipien Blasen- und Nieren-Yang stärken und wärmen
Rezept: Variationen von Suo Quan Wan (7.6.13); Tu Si Zi Wan.
Akupunktur: Zusätzlich Moxibustion. Bl 28 (Pangguangshu), Ren 3 + (Zhongji), Ren 4 (Guanyuan) stärken die Blase; Bl 23 + (Shenshu) stärkt die Niere und harmonisiert den Wasserfluss v.a. im unteren Jiao; Ren 6 (Qihai) und Ren 4 (Guanyuan) bei stärker Kälte mit viel Moxa behandeln; bei Nieren-Yang-Mangel auch Du 4 (Mingmen).

Kombinierte Krankheitssyndrome

Herz- und Lungen-Qi-Mangel (Xin Fei Qi Xu)

Ba Gang: Innen-Mangel. Leitsymptome Tab. 11.9.
Pathomechanismus
Das Herz- und das Lungen-Qi stehen beide in einer engen Beziehung zum Sammel-Zong-Qi (2.3.1). Chronische Überarbeitung kann das Herz- und Lungen-Qi verbrauchen. Ein übermäßiger Gebrauch der Stimme wie z.B. bei einem Redner- oder Sängerberuf kann das Zong-Qi und damit Herz- und Lungen-Qi schwächen. Zwischen Herz und Lunge findet oft eine wechselseitige Beeinträchtigung statt. So kann ein Herz-Qi-Mangel (11.1.1) mit unzureichender Blutbewegung einen Lungen-Qi-Mangel (11.3.1) nach sich ziehen, das Qi stagniert im Thorax, anstatt abzusteigen. Umgekehrt kann Husten und Keuchatmung mit Lungen-Qi-Mangel nachfolgend das Herz in Mitleidenschaft ziehen. Emotionale und Stressfaktoren spielen oft eine pathogenetische Rolle. Bei Thoraxschmerzen findet sich dieses Syndrom oft in Kombination mit Qi-Stagnation, Blut-Stase oder Schleimretention. Die Symptome des Mangels werden dann oft zwischen den Schmerzattacken (als Fülle-Symptom) deutlich (13.1). Ein Herz- und Lungen-Qi-Mangel kann sich zu einem Herz-Blut-Mangel (11.1.3) weiterentwickeln.
Symptome
Palpitationen mit Ängstlichkeit; Kurzatmigkeit, Husten und Keuchatmung bei Belastung mit dünnflüssigem, klarem Sputum, thorakales Engegefühl, helle Blässe, Erschöpfung, Müdigkeit und Kraftlosigkeit, Konzentrationsstörungen, schwache Stimme, mag nicht sprechen, Spontanschweiß; alle Symptome können durch Belastung ausgelöst oder verschlimmert werden.
Bei zusätzlicher Milz-Beteiligung (Milz-Qi-Mangel 11.5.1): Appetitverlust, abdominales Völlegefühl, weiche breiige Stühle.
Zunge: Blass mit dünnem weißem Belag (auch geschwollen mit Zahneindrücken).
Puls: Schwach (Ruo), leer (Xu), evtl. auch unregelmäßig.
Therapie
Therapieprinzipien Herz- und Lungen-Qi stärken, evtl. Milz-Qi stärken
Rezept: Bao Yuan Tang. Variationen von Si Jun Zi Tang (7.6.10.a) mit z.B. Astragali Rx. (Huang Qi) und Dioscoreae Rz. (Shan Yao). Yang Xin Tang (7.6.14.b) bei gleichzeitig bestehendem Herz- und Milz-Qi-Mangel (11.11.5). Variationen von Bu Fei Tang (7.6.10.a) und Sheng Mai San (7.6.10.a).
Akupunktur: Ren 17 (Danzhong) reguliert Qi, stärkt das Sammel-Zong-Qi, entspannt den Thorax; Lu 9 + (Taiyuan) stärkt die Lunge und reguliert deren Qi-Fluss; Bl 13 + M (Feishu), Bl 15 + M (Xinshu) stärken Herz- und Lungen-Qi; Ren 14 + M (Juque) reguliert das Herz und beseitigt Schmerz, senkt gegenläufiges Lungen-Qi ab; Bl 43 + M (Gaohuang) stärkt und nährt Lunge, Herz, Nieren, Milz und Magen, unterstützt das Yuan-Qi; Ren 4 + M (Guanyuan) stärkt die Nieren, Yuan-Qi und Essenz-Jing; Ren 6 + M (Qihai) stärkt Qi allgemein; Lu 7 + (Lieque) senkt gegenläufiges Lungen-Qi ab; Pe 6 + (Neiguan) entspannt den Thorax, beruhigt den Geist-Shen; Bl 17 + (Geshu) belebt das Blut und beseitigt Blut-Stase; Ma 36 + M (Zusanli) stärkt das Qi allgemein, bei Schlafstörungen zusätzlich Ex-HN (Anmian).

Herz- und Lungen-Yang-Mangel (Xin Fei Yang Xu)

Ba Gang: Innen-Mangel-Kälte. Leitsymptome Tab. 11.9.
Pathomechanismus
Ätiologie und Pathomechanismus ist wie bei den Einzel-Syndromen Herz-Yang-Mangel (11.1.2) und Lungen-Yang-Mangel (entsteht meist bei Patienten mit Lungen-Qi-Mangel [11.3.1] mit bestehendem Yang-Mangel). Durch die enge Beziehung zwischen Herz und Lunge sowie zum Zong-Qi (2.3.1) können beide in ihrer Yang-Kraft geschwächt werden.
Symptome
Druckgefühl und Schmerzen thorakal und kardial, Palpitationen, kraftloser Husten und Keuchatmung, Kälteaversion, kalte Hände und Füße, Lippenzyanose.
Zunge: Blass oder blauviolett. Weißer, feuchter Belag.
Puls: Tief (Chen), langsam (Chi) und schwach (Ruo).
Therapie
Therapieprinzipien (Herz- und Lungen-)Qi stärken, Yang wärmen, Thorax entspannen und Schmerz beenden
Rezept: Bao Yuan Tang.
Akupunktur: Moxibustion einsetzen. Bl 15 + M (Xinshu), Bl 13 + M (Feishu) stärken die Lunge und das Herz; Ren 14 + M (Juque) reguliert das Herz und beseitigt Schmerz, senkt gegenläufiges Lungen-Qi ab und entspannt den Thorax; Lu 9 + M (Taiyuan) stärkt die Lunge und reguliert deren Qi-Fluss, reguliert die Blutgefäße; Ren 6 + M (Qihai), Ren 4 + M (Guanyuan) stärken das Yuan-Qi; Du 4 + M (Mingmen) stärkt die Nieren und das Yang; Ma 36 + M (Zusanli) stärkt das Qi.

Herz- und Lungen-Yin-Mangel (Xin Fei Yin Xu)

Ba Gang: Innen-Mangel-Hitze. Leitsymptome Tab. 11.9.
Pathomechanismus
Ätiologie und Pathomechanismus wie bei den Einzelsyndromen Herz-Yin-Mangel (11.1.4) und Lungen-Yin-Mangel (11.3.2). Durch die enge Beziehung zwischen Herz und Lunge können sich beide wechselseitig pathologisch beeinflussen.
Symptome
Trockener Husten oder Husten mit wenig, zähflüssigem, erschwert abzuhustendem Schleim, Palpitationen. Mit Zeichen der Leere-Hitze: Hitzewallungen v.a. nachmittags, Schlafstörungen bzw. Schlaflosigkeit mit vielen Träumen, trockene Lippen, Halstrockenheit, wenig konzentrierter Urin, Hitze der fünf Flächen (Handflächen, Fußsohlen und thorakal), Nachtschweiß.
Zunge: Rot und trocken mit wenig Belag.
Puls: Dünn (Xi) und schnell (Shuo).
Therapie
Therapieprinzipien Yin nähren, (Mangel-)Hitze beseitigen, Lunge befeuchten und den Geist-Shen beruhigen
Rezept: Variationen von z.B. Bai He Gu Jin Tang (7.6.7).
Akupunktur: Bl 15 + (Xinshu), Bl 13 + (Feishu) stärken das Herz und die Lunge; Bl 17 + (Geshu) gut mit Bl 19 (Danshu) bei Yin-Mangel und Nachtschweiß; Bl 43 + (Gaohuangshu) nährt Yin und klärt Hitze, beruhigt den Geist-Shen; Lu 5 + (Chize) klärt Hitze von der Lunge, reguliert Lunge und Herz, bei Schmerz und Unruhe des Herzens; Mi 6 + (Sanyinjiao) nährt Yin; He 7 + (Shenmen), Pe 6 + (Neiguan) beruhigen den Geist-Shen; Pe 6 klärt auch Hitze, Ni 3 + (Taixi), Ni 6 + (Zhaohai) nähren (Nieren-)Yin.

Herz-Blut- und Milz-Qi-Mangel (Xin Pi Liang Xu)

Synonym und korrekte Übersetzung: Herz und Milz beide im Mangel. Ba Gang: Innen-Mangel. Leitsymptome Tab. 11.9.
Pathomechanismus
Ätiologische Faktoren können sein: Rekonvaleszenz nach schwergradiger Erkrankung. Blutverlust, entweder akut oder durch chronische Blutungen; lang dauernde emotionale Stresszustände mit Kummer, Sorgen und Ärger; chronische Überanstrengung; ein Milz-Qi-Mangel (11.5.1) als mangelhafte Quelle für die Blut- und Qi-Produktion. Weiterentwicklung z.B. zu zusätzlichem Leber-Blut-Mangel (11.7.1) und Nieren-Mangel-Syndromen möglich.
Symptome
Palpitationen mit oder ohne Ängstlichkeit (meist schlechter nachts); Ruhelosigkeit; Schreckhaftigkeit, Phobien bis Panikattacken; Vergesslichkeit; oft geistig abwesend, Konzentrationsstörungen, Schlafstörungen (kann schlecht abschalten mit Einschlafstörungen und traumgestörtem Schlaf); orthostatischer Schwindel, bekommt leicht blaue Flecken, verschwommenes Sehen, Appetitverlust; Druck- und Völlegefühl abdominal; Meteorismus; weiche, breiige Stühle; Blässe; Erschöpfung und Kraftlosigkeit.
Menstruation: Qi-Mangel verstärkt: Viel, hellrot, dünnflüssig, evtl. verkürzter Zyklus; Blut-Mangel verstärkt: Wenig, hellrot, dünnflüssig, evtl. verlängerter Zyklus.
Zunge: Blass; dünner, weißer Belag.
Puls: Dünn (Xi), schwach (Ruo), evtl. rau (Se).
Therapie
Therapieprinzipien Blut, Herz und Milz tonisieren, den Geist-Shen beruhigen
Rezept: Gui Pi Tang (7.6.10.c). Zhi Gan Cao Tang (7.6.10.c). Bei zusätzlichem Lungen-Qi-Mangel Variationen von Ba Zhen Tang (7.6.10.c).
Akupunktur: Bl 17 + (Geshu) nährt das Blut, fördert mit Bl 20 die Blutproduktion; Ma 36 + (Zusanli), Bl 20 + (Pishu) stärken die Milz als Blutbildungsquelle; Bl 15 + M (Xinshu) stärkt das Herz; Pe 6 + (Neiguan) beruhigt den Geist-Shen, fördert den Schlaf; Ren 6 + M (Qihai) stärkt das Qi generell; Mi 10 + (Xuehai) stärkt das Blut bei stärkender Nadeltechnik; Du 20 + M (Baihui) hebt das Qi an, bei Vergesslichkeit und Konzentrationsstörungen; Mi 4 + (Gongsun) tonisiert die Milz, reguliert die Menstruation und den Chong Mai (5.4.5); Ex-HN 3 (Yintang) bei Konzentrationsstörungen, Vergesslichkeit; bei vielen Träumen auch Bl 42 (Pohu); bei starken Perioden zusätzlich Mi 10 (Xuehai) und Mi 1 + M (Yinbai). Anmerkung: Akupunktur kann sehr effektiv bei Milz-Qi-Mangel sein, um das Milz-Qi zu tonisieren, besser Blut zu bilden; cave: Wenn das Blut zu sehr im Mangel-Zustand ist, kann eine Akupunktur (die eher zerstreuend wirkt) die Situation aber sogar verschlimmern. Es müssen unbedingt Blut tonisierende Arzneien verabreicht und eine entsprechende, blutnährende Diät (8.5.2) empfohlen werden, damit daraus wieder ausreichend Blut gebildet werden kann.
Weitere Therapiemöglichkeiten
Empfehlenswert sind Entspannungsverfahren wie Taijiquan (9.4), Yoga oder Qigong (9.2) sowie regelmäßiges Spazierengehen, um den Geist-Shen zu beruhigen und das Qi wieder aufzubauen. Konzentrationsstörungen können gut durch Meditationstechniken, aber auch z.B. durch autogenes Training beeinflusst werden. Auf regelmäßige Schlafenszeiten achten.

Herz- und Milz-Qi-Mangel (Xin Pi Qi Xu)

Ba Gang: Innen-Mangel. Leitsymptome Tab. 11.9.
Pathomechanismus
Ätiologie wie bei Herz-Qi-Mangel (11.1.1) und Milz-Qi-Mangel (11.5.1).
Symptome
Palpitationen, Appetitverlust, abdominelles Spannungsgefühl, helle Blässe, Spontanschweiß, Erschöpfung, Kraftlosigkeit, Kurzatmigkeit bei Anstrengung.
Zunge: Blass mit weißlichem Belag.
Puls: Schwach (Ruo) und leer (Xu).
Therapie
Therapieprinzipien Herz und Milz stärken
Rezept: Variationen von Gui Pi Tang (7.6.10.c).
Akupunktur: Bl 20 + M (Pishu), Bl 15 + M (Xinshu) stärken Herz und Milz; Ren 14 + M (Juque) reguliert das Herz; Ren 6 + M (Qihai), Ren 4 + M (Guanyuan) stärken das Yuan-Qi; Pe 6 + M (Neiguan) entspannt den Thorax und reguliert Qi, reguliert das Herz und beruhigt den Geist-Shen; He 7 + M (Shenmen) reguliert und stärkt das Herz; Ma 36 + M (Zusanli), Mi 3 + M (Taibai) stärken Milz und Magen und das Qi; Le 13 + M (Zhangmen) reguliert den mittleren Jiao, stärkt die Milz und verbreitet das Leber-Qi.

Herz- und Milz-Yang-Mangel (Xin Pi Yang Xu)

Ba Gang: Innen-Mangel-Kälte. Leitsymptome Tab. 11.9.
Pathomechanismus
Ätiologie wie bei Herz-Yang-Mangel (11.1.2) und Milz-Yang-Mangel (11.5.2).
Symptome
Völlegefühl und Schmerz kardial und thorakal, breiige Stühle, Herz-Palpitationen, Appetitverlust, Meteorismus, fahle Blässe, mag nicht sprechen, Spontanschweiß, Konzentrationsstörungen, Kälteaversion und kalte Extremitäten.
Zunge: Blass oder dunkel und livide, weißlicher Belag.
Puls: Schwach (Ruo).
Therapie
Therapieprinzipien Qi stärken und Yang stärken, Milz stärken und Herz nähren
Rezept: Bao Yuan Tang und zusätzlich Angelicae sinensis Rx. (Dang Gui), Atractylodis macrocephalae Rz. (Bai Zhu), Citri reticulatae Pericarpium (Chen Pi), Schisandrae Fr. (Wu Wei Zi).
Akupunktur: Bl 15 + (Xinshu), Bl 20 + (Pishu) stärken Herz und Milz; Bl 17 + M (Geshu) nährt und harmonisiert das Blut, bewegt das Blut; Ren 4 + M (Guanyuan), Ren 6 + M (Qihai) stärken Yuan-Qi; Pe 6 + M (Neiguan) entspannt den Thorax und reguliert Qi, reguliert das Herz, He 7 + (Shenmen) reguliert und stärkt das Herz; Ren 12 + M (Zhongwan) stärkt Magen und Milz; Ma 36 + M (Zusanli) stärkt die Milz und Yuan-Qi; Le 13 + M (Zhangmen) stärkt den mittleren Jiao, reguliert den Leber-Qi-Fluss.

Herz- und Leber-Blut-Mangel (Xin Gan Xue Xu)

Ba Gang: Innen-Mangel. Leitsymptome Tab. 11.9.
Pathomechanismus
Ätiologische Faktoren sind eine insuffiziente Blutproduktion (z.B. auch durch eine Milz-Schwäche), Blutverlust, chronische Erkrankungen, Yin-Schädigung bei Wen Bing Lun-Erkrankungen (12.2) durch Hitze.
Symptome
Herz-Palpitationen, Vergesslichkeit, Schlaflosigkeit evtl. mit vielen Träumen, Schwindel und verschwommenes Sehen, Taubheitsgefühle der Extremitäten; stumpf-blasse weiße Gesichtsfarbe, Ängstlichkeit, hypertone Sehnen und Muskeln (evtl. Krämpfe), Nachtblindheit, fahlstumpfe Finger- und Fußnägel.
Zunge: Blass.
Puls: Dünn (Xi) und schwach (Ruo).
Therapie
Therapieprinzipien Herz-Blut und Leber-Blut nähren
Rezept: Variationen von Si Wu Tang (7.6.14.b) und Bu Gan Tang (7.6.10.b).
Akupunktur: Evtl. zusätzlich Moxa (wenn keine Hitzezeichen). Bl 15 + (Xinshu), Bl 18 + (Ganshu) stärken Herz und Leber; Bl 17 + (Geshu) nährt das Blut; Le 8 + (Ququan) nährt (Leber-)Blut und Yin; Mi 10 (Xuehai) nährt Blut, sollte v.a. eingesetzt werden, wenn zusätzlich Zeichen der Blut-Stagnation oder -Stase vorliegen; Le 3 + (Taichong) reguliert den freien Leber-Qi-Fluss, stärkt die Leber; Mi 6 + (Sanyinjiao) nährt das Yin und Blut; Ma 36 + (Zusanli) stärkt das Yuan-Qi, nährt Blut und Yin; He 7 + (Shenmen) stärkt das Herz; Pe 6 + (Neiguan) reguliert das Herz, entspannt den Thorax.

Herz- und Gallenblasen-Qi-Mangel (Xin Dan Qi Xu)

Ba Gang: Innen-Mangel. Leitsymptome Tab. 11.9.
Pathomechanismus
Ursache ist meist eine tief sitzende oder konstitutionelle Instabilität des Geist-Shen in Kombination mit einem Herz-Qi-Mangel (11.1.1); das Syndrom kann z.B. auch ausgelöst werden durch schweren Schock oder Trauma; unregelmäßige Diät, chronische Erkrankungen, geistige Überarbeitung oder Überanstrengung, die die Milz in ihrer Funktion beeinträchtigen und durch die insuffiziente Blutproduktion zu einem Herz-Qi- und -Blut-Mangel (11.1.1, 11.1.3) führen. Dies führt dazu, dass der Geist-Shen nicht mehr ausreichend beherbergt wird. Da ein vorrangiges Merkmal dieses Syndroms die Ängstlichkeit ist (Mut und Entscheidungsfreude werden in der CM der Gallenblase zugeordnet, 2.4.10), ist auch ein Gallenblasen-Qi-Mangel (11.8.1) an diesem Syndrom beteiligt.
Symptome
Tendenz zur Furchtsamkeit und Ängstlichkeit, die Herz-Palpitationen provozieren können, akute Ängstlichkeit und häufige Panikattacken; Schlafstörungen mit vielen Träumen; Albträume, unangemessene Sorgen, Schüchternheit und Phobien; Unruhezustände, Vergesslichkeit, auch Lethargie, Müdigkeit, Depression, evtl. Spontanschweiß.
Zunge: Normal oder blass, dünner weißlicher Belag; bei kongenitaler oder lange bestehender Erkrankung evtl. ein tiefer, enger Riss an der Zungenspitze.
Puls: Schwach (Ruo), dünn (Xi) und schnell (Shuo) oder dünn (Xi) und saitenförmig (Xian).
Therapie
Therapieprinzipien Qi stärken und Ängstlichkeit beseitigen, den Geist-Shen beruhigen, das Herz nähren
Rezept: Ding Zhi Wan (13.18.2.j). Shi Wei Wen Dan Tang. Variationen von Gua Zhi Jia Long Gu Mu Li Tang, wenn nach einem schweren Trauma oder Schock (z.B. nach einem Unfall) Symptome im Sinne eines posttraumatischen Belastungssyndroms auftreten wie z.B. Ängstlichkeit, Schlafstörungen, Schwindel, Palpitationen, Motivationsverlust mit leicht blasser Zunge und hohlem, langsamem Puls.
Akupunktur: He 7 + (Shenmen), Pe 6 + (Neiguan) beruhigen den Geist-Shen; Bl 15 + (Xinshu), Bl 19 + (Danshu) stärken Herz und Gallenblase; Gb 34 + (Yanglingquan), Gb 39 (Xuanzhong) bewegen das Leber-Qi; Du 19 (Houding) beruhigt den Geist-Shen; He 9 (Shaochong) reguliert das Herz-Qi, beruhigt den Geist-Shen; Du 24 (Shenting) unterstützt das Gehirn, beruhigt den Geist-Shen; Ma 36 + (Zusanli), Ren 6 + (Qihai) stärken das Qi, Du 20 (Baihui) beruhigt den Geist-Shen; Bl 7 (Tongtian) klärt den Kopf; Gb 40 (Qiuxu) bewegt das Leber-Qi, beseitigt Qi-Stagnation vom Gallenblasen-Meridian, bei Schlafstörungen: Ex-HN (Anmian), Ex-HN 3 (Yintang).

Herz- und Nieren-Qi-Mangel (Xin Shen Qi Xu)

Ba Gang: Innen-Mangel. Leitsymptome Tab. 11.9.
Pathomechanismus
Ätiologie und Pathomechanismus wie bei einem Herz-Qi-Mangel (11.1.1) und einem Nieren-Qi-Mangel (11.9.7).
Symptome
Palpitationen, Spermatorrhö und Ejaculatio praecox; Kurzatmigkeit, Spontanschweiß, Wundheitsgefühl und Schwäche lumbal und in den Beinen, reduziertes Hörvermögen, leuchtende Blässe, Erschöpfung und Kraftlosigkeit, Harninkontinenz, Nachtröpfeln nach dem Wasserlassen oder häufiges Wasserlassen von viel klarem Urin.
Zunge: Blass, geschwollen mit weißem Belag.
Puls: Schwach (Ruo) und leer (Xu).
Therapie
Therapieprinzipien Qi stärken, Herz nähren, Niere stärken und Essenz-Jing stabilisieren
Rezept: Variationen von Jin Gui Shen Qi Wan (7.6.10.e).
Akupunktur: Bl 15 + M (Xinshu), Bl 23 + M (Shenshu) stärken Herz und Nieren; Ren 14 + M (Juque) stärkt und reguliert das Herz; Ren 4 + M (Guanyuan) stärkt die Nieren und das Yuan-Qi und Essenz-Jing; Ni 3 + (Taixi) stärkt die Niere; Bl 52 + (Zhishi) stärkt die Niere und unterstützt die Essenz-Jing; Pe 6 + (Neiguan) reguliert das Herz und entspannt den Thorax; He 7 + (Shenmen) reguliert und stärkt das Herz.

Herz- und Nieren-Yang-Mangel (Xin Shen Yang Xu)

Ba Gang: Innen-Mangel-Kälte. Leitsymptome Tab. 11.9.
Pathomechanismus
Ätiologie und Pathomechanismus wie bei einem Herz-Yang-Mangel (11.1.2) und einem Nieren-Yang-Mangel (11.9.2).
Symptome
Palpitationen und wenig Urin; Völlegefühl thorakal und kardial, Lippenzyanose, Kälteaversion und kalte Extremitäten, Harnretention mit Ödemen oder viel klarer Urin, gedunsene Extremitäten.
Zunge: Blass mit feuchtem weißlichem Belag.
Puls: Tief (Chen) und evtl. verlangsamt (Chi).
Therapie
Therapieprinzipien Yang erwärmen und Kälte vertreiben
Rezept: Variationen von Zhen Wu Tang (7.6.8.d).
Akupunktur: Bl 15 + M (Xinshu), Bl 23 + M (Shenshu) stärken Herz und Nieren; Ren 14 + M (Juque) reguliert und stärkt das Herz; Ren 17 + M (Danzhong) reguliert Qi und entspannt den Thorax, unterstützt das Sammel-Zong-Qi; Ren 4 + M (Guanyuan) stärkt die Nieren, Yuan-Qi und Essenz-Jing, belebt das Yang wieder; Du 4 + M (Mingmen) stärkt die Nieren, mit Moxa v.a. Nieren-Yang; Pe 6 + (Neiguan) reguliert das Herz und entspannt den Thorax, He 7 + (Shenmen) reguliert und stärkt das Herz; Ni 3 + (Taixi) stärkt die Nieren (Yin, Yang oder Qi), Ni 7 (Fuliu) unterstützt die Nieren, reguliert die Wasserpassagen und behandelt Ödeme.

Disharmonie zwischen Herz und Niere (Xin Shen Bu Jiao)

Synonym: Herz und Niere verbinden sich nicht. Ba Gang: Innen-Mangel-Hitze. Leitsymptome Tab. 11.9.
Pathomechanismus
Ätiologische Faktoren sind chronisch konsumierende Erkrankungen; chronische Überanstrengung und Stress; über längere Zeit andauernde emotionale Belastungen wie z.B. starke Ängstlichkeit, Traurigkeit und Depressionen; ein Nieren-Yin-Mangel (11.9.6) oder Loderndes Herz-Feuer (11.1.6). Diesem Syndrom liegt der Zusammenbruch der Beziehung zwischen Herz und Niere zugrunde. Das geschwächte Nieren-Yin bzw. -Wasser (Nieren-Yin-Mangel 11.9.6) kann das Herz-Yin nicht mehr ausreichend ernähren. Dadurch kann das Herz-Feuer nicht mehr gebändigt werden, und es lodert empor. Das Syndrom kann auch nach einem großem Trauma und/oder Schock auftreten. Es kann mit einem Herz- und Nieren-Yin-Mangel (11.1.4, 11.9.6) mit Mangel-Hitze oder aufsteigendem Herz-Feuer gleichgesetzt werden, sodass oben Hitze-Zeichen mit unten Mangel-Zeichen (der Niere) auftreten. Wiseman et. al. (1998) differenzieren jedoch zwei Syndrome, ein Syndrom unter Disharmonie zwischen Herz und Niere sowie ein Syndrom unter Herz- und Nieren-Yin-Mangel.
Symptome
Herz-Feuer: Unruhezustände; Herz-Palpitationen oder ängstliches Herzklopfen; Schlafstörungen mit häufigem Aufwachen oder mit Aufwachen mit Hitzegefühlen und Nachtschweiß.
Nieren-Yin-Mangel: Vergesslichkeit, Schwindel; Tinnitus; Schwäche und Schmerz in der Lumbalregion und den Beinen; nächtliche Samenergüsse mit erotischen Träumen.
Yin-Mangel mit Leere-Hitze: Mund- und Rachentrockenheit, Hitzewallungen v.a. nachmittags; Nachtschweiß; Wangenröte; wenig dunkler Harn; trockene Stühle oder Obstipation.
Zunge: Rot, v.a. an der Spitze; wenig, trockener Belag, evtl. belaglos.
Puls: Dünn (Xi), schnell (Shuo).
Therapie
Therapieprinzipien Nieren-und Herz-Yin nähren, Mangel-Hitze klären, den Geist-Shen beruhigen
Rezept: Tian Wang Bu Xin Dan (7.6.14.b) nährt Herz- und Nieren-Yin, klärt das Mangel-Feuer. Variationen von Liu Wei Di Huang Wan (7.6.10.d) und Jiao Tai Wan. Dang Gui Liu Huang Tang bei Mangel im Außen und übermäßigem Schwitzen.
Akupunktur: Ni 3 + (Taixi), Ni 10 + (Yingu) nähren Nieren-Yin; Ni 9 + (Zhubin) stärkt Nieren-Yin, beruhigt den Geist-Shen und Palpitationen (hier wichtiger Punkt!); Mi 6 + (Sanyinjiao) nährt Yin, beruhigt den Geist-Shen; Ren 4 + (Guanyuan) nährt Nieren-Yin und -Essenz-Jing, leitet Hitze nach unten ab; Ex-HN 3 N (Yintang), Gb 13 N (Benshen), Du 24 N (Shenting), He 7 N (Shenmen) beruhigen den Geist-Shen; He 5 (Tongli) klärt Mangel-Hitze, leitet Hitze vom Kopf ab; He 6 (Yinxi) klärt Mangel-Hitze, nährt Herz-Yin, in Kombination mit Ni 7 + (Fuliu) gut bei Nachtschweiß durch Yin-Mangel; Ren 15 N (Jiuwei) beruhigt den Geist-Shen, nährt Herz-Yin, v.a. bei starken Angstzuständen und emotionalem Schock; Bl 15 + (Xinshu) stärkt das Herz; Bl 23 + (Shenshu) stärkt die Niere, Bl 52 + (Zhishi) tonisiert die Niere und Lumbalregion, stärkt die Willenskraft (geistige Stärke zur Gesundung); Pe 8 (Laogong) reduziert Herz-Feuer.
Zusätzlich bei folgenden Symptomen: Ex-HN 1 (Sichencong): Bei Schlafstörungen; bei vielen Träumen: Gb 44 (Zuqiaoyin) und Ma 45 (Lidui); bei Herz-Palpitationen: Pe 6 (Neiguan); bei nächtlichen Samenergüssen: Pe 7 (Daling) klärt Hitze vom Herzen und beruhigt den Geist-Shen; Du 20 (Baihui): Bei Schwindel, behandelt das Gehirn, das Herz und den Geist-Shen; Dü 19 (Tinggong) und SJ 3 (Zhongzhu): Bei Tinnitus; He 8 (Shaofu): Bei Herz-Feuer, Ex-HN 3 (Yintang) beruhigt den Geist-Shen; Bl 52 + (Zhishi) stärkt die Nieren und die Lumbalregion; Mi 6 + (Sanyinjiao) nährt das Yin; bei Arrhythmien zusätzlich He 5 (Tongli).
Weitere Therapiemöglichkeiten
Empfehlenswert sind ausreichend Ruhepausen und regelmäßige Schlafzeiten (z.B. strikte Schlafroutine) sowie Entspannungsverfahren wie Taijiquan und Qigong (9.4, 9.29.49.2).

Lungen- und Milz-Qi-Mangel (Fei Pi Qi Xu)

Ba Gang: Innen-Mangel. Leitsymptome Tab. 11.9.
Pathomechanismus
Oft ist ätiologisch ein lang dauernder Husten mit einer Schwächung des Lungen-Qi (11.3.1) und nachfolgender Beeinträchtigung der Milz beteiligt. Anamnestisch finden sich häufig rezidivierende grippale Infekte, die mit kühlen Arzneien wie z.B. Antibiotika behandelt wurden. Durch die Kälte der Antibiotika wurde zwar einerseits die Hitze reduziert, aber nicht der Schleim beseitigt, sondern die Milz in ihren Funktionen geschädigt. Auch eine konstitutionell oder durch Diätfehler bedingte Schwäche der Milz als Milz-Qi/Yang-Mangel (11.5.1, 11.5.2) und damit geschwächte Quelle des Lungen-Qi kann einen Lungen-Qi-Mangel nach sich ziehen.
Symptome
Lungen-Qi-Mangel: (Chronischer) schwacher Husten mit viel wässrigem, weißlichem Auswurf; Keuchatmung und Kurzatmigkeit, v.a. durch Anstrengung provoziert oder während Erkältungskrankheiten, Erkältungsanfälligkeit.
Milz-Qi-Mangel: Appetitverlust; weiche, breiige Stühle; Völlegefühl im Epigastrium nach dem Essen, Nahrungsmittelallergien.
Qi-Mangel: Energiemangel; Müdigkeit; Kraftlosigkeit, Blässe, Spontanschweiß; schwache Stimme, mag nicht sprechen, in schwerwiegenden Fällen: Gedunsenes Gesicht, Ödeme der Füße und des Gesichts (Quincke-Ödem).
Zunge: Blass, evtl. geschwollen mit Zahneindrücken; dünner oder dicker weißer Belag.
Puls: Schwach (Ruo), leer (Xu).
Therapie
Therapieprinzipien Lungen- und Milz-Qi stärken
Rezept: Variationen von Liu Jun Zi Tang (7.6.10.a) und Bu Zhong Yi Qi Tang (7.6.10.a).
Akupunktur: Lu 9 + (Taiyuan) stärkt die Lunge; Bl 13 + M (Feishu), Bl 43 + M (Gaohuang) tonisieren Lungen-Qi; Ma 36 + (Zusanli), Mi 3 + (Taibai), Bl 20 + (Pishu), Bl 21 + (Weishu), Ma 36 + M (Zusanli) tonisieren Milz-Qi; Du 12 + (Shenzhu) stärkt das Lungen-Qi, gut in chronischen Fällen; Ren 6 + M (Qihai) stärkt Qi allgemein; evtl. Mi 9 + (Yinlingquan) leitet Feuchtigkeit aus, bei Ödemen.
Weitere Therapiemöglichkeiten
Bei Asthma bronchiale können v.a. bei Kindern die Punkte am Rücken auch vorsichtig geschröpft oder mit der Gua Sha-Methode (5.1.7) behandelt werden: Zwischen den Asthmaanfällen ein Pflaster, das mit einer kleinen Menge eines irritierenden Krautes bestrichen wurde; bewährt z.B. Asari Rx. et Rz. (Xi Xin) oder Allii sativi Bb. (Da Suan) auf Du 14 (Dazhui) oder Bl 43 (Gaohuang) für ein bis zwei Tage aufkleben: Stärkt die Lunge und das Abwehr-Wei-Qi.

Lungen-Qi- und Nieren-Yang-Mangel (Fei Qi Shen Yang Xu)

Synonym: Niere unfähig, das Qi aufzunehmen (11.9.4). Ba Gang: Innen-Mangel-Kälte. Leitsymptome Tab. 11.9.
Pathomechanismus
Ätiologisch beteiligt ist häufig ein lang andauernder Husten z.B. nach rezidivierenden Infekten, der zunächst die Lunge und dann die Niere angreift, sowie Überanstrengung und Stress.
Symptome
Keuchatmung; Inspiration mehr eingeschränkt als Exspiration (Zeichen des Nieren-Yang-Mangels, behinderte Expiration eher Zeichen des Lungen-Qi-Mangels); Kurzatmigkeit mit Verschlimmerung durch Anstrengung; schwache, leise Stimme; kalte Extremitäten; starker Spontanschweiß mit Kältegefühl; Teilnahmslosigkeit; Schwäche und Kraftlosigkeit; Schwäche und Wundheitsgefühl lumbal und in den Beinen, Harninkontinenz bei starkem Husten; entweder Nykturie und häufiges Wasserlassen oder Ödeme mit wenig Urin.
Zunge: Blass oder auch blauviolett, schlaff, geschwollen, feucht; dünner, weißer Belag.
Puls: Tief (Chen), schwach (Ruo), evtl. langsam (Chi).
Therapie
Therapieprinzipien Nieren-Yang stärken, um das Qi aufzunehmen, Lungen-Qi stärken
Rezept: Variationen von Jin Gui Shen Qi Wan (7.6.10.e) bzw. Shen Qi Wan. Variationen von Ren Shen Ge Jie San (7.6.10.a).
Akupunktur: Wie 11.9.4; Bl 23 + M (Shenshu) stärkt die Niere und Nieren-Yang; Du 4 + M (Mingmen) stärkt mit Moxa v.a. Nieren-Yang (cave: Kein Moxa < 20 Jahre); Ren 6 + M (Qihai) stärkt Qi und Yang, tonisiert Ursprungs-Yuan-Qi und Nieren-Yang; Ren 4 + M (Guanyuan) stärkt das Qi generell; Bl 13 + M (Feishu) reguliert und stärkt das Lungen-Qi, hier gut in Kombination mit Du 12 + M (Shenzhu), beide mit (direkter) Moxibustion; Ren 17 + M (Danzhong) stärkt das Lungen- Qi, gut bei Dyspnoe; bei Ödemen zusätzlich Mi 9 (Yinlingquan), Ren 9 (Shuifen), Ni 7 (Fuliu), Ma 28 (Shuidao).

Lungen- und Nieren-Yin-Mangel (Fei Shen Yin Xu)

Ba Gang: Innen-Mangel-Hitze. Leitsymptome Tab. 11.9.
Pathomechanismus
Ätiologisch findet sich häufig ein lang andauernder Husten, der die Lunge verletzt und die Yin-Flüssigkeiten verbraucht. In der Folge kommt es zu einer Schwächung der Niere. Umgekehrt wird das Nieren-Yin durch Überanstrengung und Stress aufgezehrt und die Lunge nachfolgend in Mitleidenschaft gezogen. Altersbedingt.
Symptome
Lungen-Yin-Mangel: Chronischer, trockener Husten mit wenig, zähflüssigem, blutig tingiertem Auswurf; Belastungsdyspnoe (Verschlechterung abends).
Nieren-Yin-Mangel: Schwächegefühl und Schmerzen in der Lumbalregion und den Knien; nächtliche Ejakulationen; Schlaflosigkeit.
Yin-Mangel mit Leere-Hitze: Hitzewallungen; leichtgradige Fieberschübe v.a. nachmittags; Hitzesensationen von Thorax, Handflächen und Fußsohlen; Wangenrötung; Nachtschweiß; Trockenheit von Mund und Hals.
Zunge: Rot, evtl. rissig; wenig, trockener Belag oder belaglos.
Puls: Dünn (Xi), schnell (Shuo).
Therapie
Therapieprinzipien Lungen- und Nieren-Yin ernähren; Körperflüssigkeiten auffüllen, Husten beenden
Rezept: Bai He Gu Jin Tang (7.6.7). Yue Hua Wan. Ba Xian Chang Shou Wan.
Akupunktur: Mi 6 + (Sanyinjiao) nährt Yin, befeuchtet; Ni 3 + (Taixi) nährt Nieren-Yin; Ren 4 + (Guanyuan) nährt Nieren-Yin und -Essenz-Jing; Lu 9 + (Taiyuan) nährt Lungen-Yin; Bl 13 + (Feishu) stärkt Lungen-Qi, nährt Lungen-Yin; Lu 1 + (Zhongfu) nährt Lungen-Yin, beendet Husten; Lu 7 + (Lieque) senkt Lungen-Qi ab, in Kombination mit Ni 6 + (Zhaohai) wird der Ren Mai geöffnet, Lungen- und Nieren-Yin und die Qi-Aufnahmefunktion der Niere tonisiert; Bl 43 + (Gaohuang) nährt Lungen-Yin, wichtiger Punkt in chronischen Fällen; Ni 6 + (Zhaohai) gut bei chronischen Halsschmerzen und Heiserkeit durch Yin-Mangel.

Leber-Feuer verletzt die Lunge (Gan Huo Fan Fei)

Ba Gang: Innen-Fülle. Leitsymptome Tab. 11.9.
Pathomechanismus
Ätiologisch spielen am häufigsten unterdrückte Zorn- und Wutgefühle eine Rolle, die eine Leber-Qi-Stauung (11.7.2) verursachen. Das so eingezwängte Leber- bzw. Yang-Qi entwickelt sich auf Dauer (im chronifizierten Stadium) zu einem nach oben lodernden Leber-Feuer (11.7.4), das im umgekehrten Ke-Zyklus die Lunge attackiert und in sie eindringt. Bei vorbestehendem Lungen-Qi- oder auch -Yin-Mangel ist die Lunge für das Leber-Feuer angreifbarer.
Symptome
Lungen-Qi-Fluss wird durch Leber-Feuer gestört: Attackenartiger, intensiver Husten mit gelblich-zähflüssigem oder blutig tingiertem Auswurf, evtl. Bluthusten (Lungengefäße werden durch das Leber-Feuer verletzt); brennende Schmerzen in der Brust und in den Flanken; Kurzatmigkeit und Keuchatmung.
Leber-Qi-Stauung: Reizbarkeit, Zorn, Unruhezustände. Aufsteigendes Leber-Feuer: Mund- und Rachentrockenheit; bitterer Mundgeschmack; Schwindel; Hitzegefühle im Thoraxbereich; rote, gereizte Augen; evtl. Kopfschmerzen v.a. temporal.
Hitzezeichen: Dunkelgelber, spärlicher, konzentrierter Urin; Obstipation.
Zunge: Rot, rötlich, v.a. an den Rändern, oft vorderes Zungendrittel geschwollen (Qi-Stagnation im Thorax); dünner, trockener, gelblicher Belag.
Puls: Schnell (Shuo), saitenförmig (Xian).
Therapie
Therapieprinzipien Leber-Feuer reduzieren, Lungen-Qi absenken, das Blut kühlen und Blutung beenden
Rezept: Xie Bai San (7.6.4.d) und Variationen. Sang Dan Xie Bai Tang bei chronischer und rekurrenter Hämoptysis durch Leber-Feuer. Ke Xue Fang enthält: Indigo naturalis (Qing Dai), Gardeniae Fr. (Zhi Zi), Costaziae Os/Pumex (Fu Hai Shi), Trichosanthis Sm. (Gua Lou Ren), Chebulae Fr. (He Zi).
Akupunktur: Le 2 (Xingjian) entfernt Leber-Feuer, gut in Kombination mit Gb 34 (Yanglingquan); Bl 13 (Feishu) reguliert den Lungen-Qi-Fluss; Di 11 (Quchi) leitet Hitze aus; Le 14 (Qimen), Pe 6 (Neiguan) harmonisieren den Leber-Qi-Fluss v.a. im Thoraxbereich; Lu 7 (Lieque), Ren 17 (Danzhong), Ren 22 (Tiantu) senken das Lungen-Qi ab; Lu 5 (Chize) klärt Hitze von der Lunge; Lu 6 (Kongzui) bei Hämoptysis, klärt Lungen-Hitze und senkt das Lungen-Qi ab, kühlt das Blut und beendet Blutungen; Lu 10 (Yuji) klärt Lungen-Hitze; Mi 10 (Xuehai) kühlt das Blut und beendet Blutungen; Le 3 (Taichong) und Bl 18 (Ganshu) regulieren den freien Leber-Qi-Fluss.

Milz- und Leber-Blut-Mangel (Pi Gan Xue Xu)

Synonym: Milz-Mangel und Leber-Blut-Mangel (Gan Pi Liang Xu). Ba Gang: Innen-Mangel. Leitsymptome Tab. 11.9.
Pathomechanismus
Wichtigste ätiologische Faktoren sind Diätfehler wie v.a. Mangelernährung oder übermäßiger Genuss kalter und/oder roher Speisen mit Schädigung der Milz. Diese wird dadurch in ihrer Funktion als Nachhimmels-Quelle des Blutes geschwächt, sodass es zu einem Blut-Mangel kommt, der auch die Leber in ihrer Aufgabe, das Blut zu speichern, in Mitleidenschaft zieht.
Symptome
Milz-Qi-Mangel: Müdigkeit; blassgelbe, stumpfe Gesichtsfarbe; breiige, weiche Stühle; Appetitverlust, abdominales Spannungsgefühl v.a. nach dem Essen.
Leber-Blut-Mangel: Verschwommenes Sehen; Schwindelgefühle; Taubheitsgefühle und Kribbelparästhesien der Extremitäten, stumpfe, evtl. brüchige Nägel, Augentrockenheit.
Zunge: Blass, besonders an den Rändern (Ränder evtl. auch orangefarben)
Puls: Schwach (Ruo), dünn (Xi), evtl. rau (Se).
Therapie
Therapieprinzipien Milz-Qi tonisieren, Blut und Leber-Blut stärken
Rezept: Dang Gui Bu Xue Tang (7.6.10.c); Sheng Yu Tang. Variationen von Ba Zhen Tang (7.6.10.c). Ba Zhen Yi Mu Wan bei zusätzlicher Blut-Stase. Gu Ben Zhi Beng Tang bei Hypermenorrhö.
Akupunktur: Bl 17 + M (Geshu), Bl 18 + M (Ganshu) fördern Blut und Leber-Blut; Mi 6 + M (Sanyinjiao) stärkt Milz-Qi und das Blut; Le 8 + M (Ququan) tonisiert Leber-Blut, bei Schwindel; Ren 6 + M (Qihai) stärkt das Qi generell; Mi 3 + M (Taibai), Bl 20 + M (Pishu, Bl 21 + M (Weishu), Ma 36 + M (Zusanli) stärken Milz-Qi (Milz als Quelle des Blutes); Le 3 + M (Taichong) nährt Leber-Blut und -Yin mit stärkender Nadeltechnik; Le 1 + M (Zhangmen) unterstützt die Milz und verteilt das Leber-Qi, Gb 41 + M (Zulinqi) verteilt Leber-Qi, unterstützt die Augen.

Milz- und Nieren-Yang-Mangel (Pi Shen Yang Xu)

Ba Gang: Innen-Mangel-Kälte. Leitsymptome Tab. 11.9.
Pathomechanismus
Ätiologisch sind oft chronische Erkrankungen beteiligt, die Qi und Yang verbrauchen und dadurch die Milz und nachfolgend die Niere schwächen. Das Milz-Yang kann auch durch Diätfehler im Sinne von einem Zuviel an Kaltem bzw. Rohkost geschwächt werden und einen Nieren-Yang-Mangel nach sich ziehen. Umgekehrt wird bei einem Nieren-Yang-Mangel (11.9.2) das Milz-Yang nicht mehr ausreichend erwärmt und geschwächt. Dieser kann durch eine lang einwirkende Kälteexposition entstehen.
Symptome
Blässe; Kälteaversion; kalte Extremitäten; Kälte, Schwächegefühl und Schmerzen lumbal und in den Beinen; Mangel an körperlicher Belastbarkeit; Erschöpfungszustände; Kurzatmigkeit; mag nicht sprechen; weiche Stühle; chronische Diarrhö mit unverdauten Nahrungsresten v.a. gegen 5 Uhr morgens; Blähungsgeräusche; evtl. Miktionsstörungen oder auch reichlicher klarer Urinfluss; evtl. klarer, wässriger Fluor vaginalis; gedunsenes (ödematöses) Gesicht; Ödeme (Beine und Abdomen), evtl. auch Aszites, schlechter gegen Abend.
Zunge: Blass oder bläulich, schlaff, geschwollen mit Zahneindrücken; dünner, weißer Belag.
Puls: Tief (Chen), schwach (Ruo), langsam (Chi).
Therapie
Therapieprinzipien Nieren- und Milz-Yang tonisieren und erwärmen
Rezept: Tao Hua Tang bei übermäßiger Diarrhö. Fu Zi Li Zhong Wan (7.6.9). Si Shen Wan (7.6.13). Bei Ödemen: Zhen Wu Tang (7.6.8.d) in Kombination mit Wu Ling San (7.6.8.c) oder Shi Pi Yin. Ji Sheng Shen Qi Wan (7.6.10.e), wenn Nieren-Yang-Mangel dominant.
Akupunktur: Du 4 + M (Mingmen) tonisiert das Mingmen (2.4.14) und Nieren-Yang (cave: Kein Moxa bei Patienten < 20 Jahren); Ni 3 + (Taixi) stärkt die Niere; Bl 20 + M (Pishu), Bl 21 + M (Weishu) stärken Milz-Yang; Ma 36 + M (Zusanli) tonisiert Milz und Qi; Ni 7 + M (Fuliu), Bl 23 + M (Shenshu) stärken Nieren-Yang; Ren 6 + M (Qihai) tonisiert Qi allgemein, bei Moxa Yang; gut bei chronischer Diarrhö; Ma 25 + M (Tianshu), Bl 25 + M (Dachangshu) beenden Diarrhö; Ma 37 + M (Shangjuxu) wichtig bei chronischer Diarrhö; Ren 4 + M (Guanyuan) stärkt die Niere, Yang und Ursprungs-Yuan-Qi.

Leber-Qi attackiert die Milz (Gan Qi Fan Pi)

Synonym: Leber-Milz-Disharmonie (Gan Pi Bu He) oder Leber-Qi-Stauung und Milz-Mangel (Gan Yu Pi Xu), Leber-Qi-Stauung (11.7.2) attackiert die Milz. Ba Gang: Innen-Mangel-Fülle-Syndrom. Leitsymptome Tab. 11.9.
Pathomechanismus
Wichtigste ätiologische Faktoren sind Emotionen wie unterdrückte Wut und Depression, die die Leber verletzen. Das Leber-Qi staut sich, dadurch wird die Wandlungsphase Holz übermächtig und die Wandlungsphase Erde überkontrolliert (Cheng-Zyklus 2.2.2). Umgekehrt kann eine z.B. durch unregelmäßige Nahrungsaufnahme, Überanstrengung und Stress geschwächte Milz dazu führen, dass die Leber sie leichter angreifen kann.
Symptome
Leber-Qi-Stauung: Völle-, Spannungs- und Druckgefühl in der Rippenregion und im Hypochondrium; mentale Depression oder Unruhe, Reizbarkeit und Rastlosigkeit; bitterer Mundgeschmack, evtl. Kopfschmerzen, muss oft seufzen; bei Frauen prämenstruelles Syndrom und/oder Dysmenorrhö.
Milz-Qi-Mangel: Appetitverlust; Völlegefühl im Abdomen; Obstipation oder weiche Stühle bis zur Diarrhö (wechseln ab); Meteorismus; viel Abgang von Winden; Erschöpfung.
Zunge: Normal oder blass, an den Rändern evtl. gerötet; dünner, weißer Belag.
Puls: Saitenförmig (Xian), schlüpfrig (Hua) oder saitenförmig, schwach (Ruo).
Therapie
Therapieprinzipien Leber harmonisieren, Milz stärken
Rezept: Xiao Yao San (7.6.6). Tong Xie Yao Fang (7.6.6) bei zusätzlicher Diarrhö und abdominalen Schmerzen und zusätzlich Corydalis Rz. (Yan Hu Suo) und Aucklandiae Rx. (Mu Xiang).
Akupunktur: Le 5 (Ligou), Le 3 (Taichong) und Gb 34 (Yanglingquan) bewegen das Leber-Qi; Ren 6 (Qihai) beendet Bauchschmerz; Le 13 (Zhangmen) harmonisiert Leber und Milz; Le 14 (Qimen) harmonisiert die Leber, fördert den Leber-Qi-Fluss; Ren 12 + (Zhongwan), Ma 36 + (Zusanli) tonisieren die Milz; Mi 6 + (Sanyinjiao) stärkt die Milz, harmonisiert Leber und Milz, beendet Bauchschmerz; Bl 20 + (Pishu) stärkt die Milz.

Leber-Qi attackiert den Magen (Gan Qi Fan Wei)

Leber-Qi-Stauung (11.7.2) attackiert die Magenfunktionen, Syndrom kann übergehen in Leber-Magen-Disharmonie (Gan Wei Bu He) oder auch in Leber-Milz-Disharmonie (11.11.18). Ba Gang: Innen-Fülle. Leitsymptome Tab. 11.9.
Pathomechanismus
Wichtigste ätiologische Faktoren sind Emotionen wie unterdrückte Wut und Depression, die die Leber verletzen. Das Leber-Qi staut sich, dadurch wird die Wandlungsphase Holz übermächtig und die Wandlungsphase Erde überkontrolliert (Cheng-Zyklus 2.2.2). Die Leber attackiert den Magen. Umgekehrt kann bei einer Schwächung des Magens durch z.B. Überanstrengung und Stress sowie Diätfehler wie z.B. unregelmäßige Nahrungsaufnahme die Leber leichter angreifen. Es zeigt sich also eine Hyperaktivität der Leber und ein geschwächter Magen.
Symptome
Leber-Qi-Stauung: Druck- und Spannungsgefühl und Schmerzen in der Rippenregion, Hypochondrium und Epigastrium; mentale Depression oder Unruhezustände.
Leber-Qi attackiert Magenfunktion: Appetitverlust; saures Aufstoßen; Übelkeit; Erbrechen; Sodbrennen; Leere- und Unwohlseingefühl im Magen.
Zunge: Normal oder blass oder gerötet an den Rändern; weißer, dünner Belag.
Puls: Links saitenförmig (Xian), rechts schwach (Ruo).
Therapie
Therapieprinzipien Leber harmonisieren, den Magen stärken
Rezept: Chai Hu Shu Gan San (7.6.6). Xiao Yao San (7.6.6). Si Ni San (7.6.6).
Akupunktur: Gb 34 (Yanglingquan) fördert den freien Leber-Qi-Fluss, gut bei Schmerz im Hypochondrium; Le 3 (Taichong) fördert den Leber-Qi-Fluss; Le 13 (Zhangmen), Le 14 (Qimen) harmonisieren den mittleren Jiao und die Leber; Ren 13 + (Shangwan) senkt gegenläufiges Magen-Qi ab; Ma 36 + (Zusanli) stärkt den Magen; Bl 21 + (Weishu) stärkt den Magen, gut bei Chronizität; Ren 10 + (Xiawan) senkt das Magen-Qi ab; Ma 34 (Liangqiu) senkt gegenläufiges Magen-Qi ab, v.a. Akutpunkt; Pe 6 (Neiguan) senkt gegenläufiges Magen-Qi ab, bei Erbrechen und Übelkeit, entspannt den Thorax.

Leber- und Nieren-Yin-Mangel (Gan Shen Yin Xu)

Synonym: Leber-Nieren-Mangel. Ba Gang: Innen-Mangel-Hitze. Syndrom verursacht oft ein aufsteigendes Leber-Yang (11.7.5), dann gemischt Mangel-Fülle. Leitsymptome Tab. 11.9.
Pathomechanismus
Ätiologische Faktoren und Pathomechanismus wie bei einem Nieren-Yin-Mangel (11.9.2) und einem Leber-Blut-Mangel (11.7.1). Leber und Niere haben eine gemeinsame Wurzel. Oft sind extreme emotionale Belastungen; Überanstrengung und Stress und lang andauernde Erkrankungen, aber auch eine altersbedingte Schwäche des Leber- und Nieren-Yin beteiligt.
Symptome
Leber-Yin- und -Blut-Mangel: Schwindel; verschwommenes Sehen; Tinnitus (hochfrequent); Taubheitsgefühle der Extremitäten; blassgelbe Gesichtsfarbe; dumpfer Hinter- oder Seitenkopfschmerz; Augentrockenheit, Sehstörungen.
Yin-Mangel mit Leere-Hitze: Trockenheit von Mund und Hals; Hitzesensationen der fünf Flächen (Thorax, Handflächen und Fußsohlen); Hitzewallungen; Wangenröte; Nachtschweiß; trockene Stühle oder Obstipation.
Nieren-Yin-Mangel: Schlafstörungen; Vergesslichkeit; nächtliche Ejakulationen; Schwächegefühl und Schmerzen in der Lumbal- und Knieregion.
Leber-Blut- und Nieren-Jing-Mangel: Hypomenorrhö; Amenorrhö; verspätete Menstruation; Sterilität bei der Frau.
Zunge: Rot, trocken, rissig; wenig oder kein Belag.
Puls: Dünn (Xi), schnell (Shuo) oder rau (Se), evtl. Trommelpuls (Ge), bei aufsteigendem Leber-Yang auch saitenförmig (Xian), evtl. oberflächlich (wenn Yang nicht mehr gehalten werden kann).
Therapie
Therapieprinzipien Leber- und Nieren-Yin stärken; evtl. aufsteigendes Leber-Yang besänftigen
Rezept: Liu Wei Di Huang Wan (7.6.10.d). Zuo Gui Wan (7.6.10.d). Qi Ju Di Huang Wan (7.6.10.d). Er Zhi Wan (7.6.10.d). Da Bu Yin Wan (7.6.10.d). Zhen Gan Xi Feng Tang (7.6.15) mit aufsteigendem Leber-Yang oder -Wind.
Akupunktur: Ren 4 + (Guanyuan) nährt Nieren-Yin und -Essenz-Jing; Ni 3 + (Taixi), Ni 6 + (Zhaohai) nähren Nieren-Yin; Bl 20 + (Pishu), Bl 23 + (Shenshu) stärken das Blut und die Niere; Le 8 + (Ququan) tonisiert Leber-Yin und -Blut; Bl 17 + (Geshu), Bl 18 + (Ganshu) stärken Leber-Blut; Bl 10 + (Tianzhu) gegen Hinterkopfschmerz; Gb 20 + (Fengchi) klärt die Augen und das Gehirn, tonisiert das Mark, zerstreut Leber-Yang; Du 20 + (Baihui) gegen Scheitelkopfschmerz, allgemein beruhigende Wirkung; Le 3 + (Taichong) zerstreut aufsteigendes Leber-Yang; Bl 52 (Zhishi) stärkt die Niere und unterstützt die Essenz-Jing und den Willen zur Gesundung, Mi 6 + (Sanyinjiao) nährt das Yin.

Feuchtigkeit in der Milz und Leber-Qi-Stauung (Pi Shi Gan Yu)

Ba Gang: Innen-Fülle-Hitze. Leitsymptome Tab. 11.9.
Pathomechanismus
Ätiologische Faktoren sind oft Diätfehler mit einem Übermaß an fettigem Essen. Dieses Syndrom entsteht, wenn die Feuchtigkeitsretention in der Milz den freien Qi-Fluss der Leber behindert.
Symptome
Feuchtigkeit in der Milz: Appetitverlust; Völlegefühl und Schmerz im Abdomen; weiche Stühle; körperliches Schweregefühl; Übelkeit und evtl. Erbrechen; Durst ohne Trinkwunsch oder Trinkverlangen in kleinen Schlucken.
Leber-Qi-Stauung: Schmerzen und Spannungsgefühl thorakal, hypochondrial und abdominal, bitterer Mundgeschmack; Ikterus; fahlgelbe Gesichtsfarbe.
Zunge: Dicker, schmieriger, evtl. gelber Belag.
Puls: Saitenförmig (Xian), schlüpfrig (Hua).
Therapie
Therapieprinzipien Feuchtigkeit auflösen durch Milz-Stärkung, das Leber-Qi bewegen, evtl. Hitze beseitigen
Rezept: Xiang Sha Liu Jun Zi Tang (7.6.10.a) in Kombination mit Chai Hu Shu Gan San (7.6.6).
Akupunktur: Ma 40 (Fenglong) löst Schleim und Feuchtigkeit; Mi 3 (Taibai), Mi 6 (Sanyinjiao) lösen Feuchtigkeit auf; Ren 12 + (Zhongwan), Bl 20 + (Pi-shu) stärken die Milz zur Feuchtigkeitstransformation; Le 13 (Zhangmen) fördert den harmonischen Leber-Qi-Fluss; Le 14 (Qimen) harmonisiert den freien Leber-Qi-Fluss, gut bei Übelkeit und Spannungsgefühl im Epigastrium; Gb 24 (Riyue), Gb 34 (Yanglingquan) stärken die Leber- und Gallenblasen-Funktion, entfernen Feuchte-Hitze, unterstützen den Leber-Qi-Fluss; Pe 6 (Neiguan) bei Übelkeit und Erbrechen sowie thorakalem Spannungsgefühl.

Nieren-Yin- und Nieren-Yang-Mangel (Shen Yin Yang Liang Xu)

Synonym und korrekte Übersetzung: Nieren-Yin und -Yang beide im Mangel. Ba Gang: Innen-Mangel. Leitsymptome Tab. 11.9.
Pathomechanismus
Ätiologische Faktoren und Pathomechanismus wie bei einem Nieren-Yin- und einem Nieren-Yang-Mangel (11.9.6 und 11.9.2), im Alter.
Symptome
Wundheitsgefühl und Schwäche lumbal und Beine, Schwindel, Mangel-Kälte und Mangel-Hitzezeichen wie z.B. Kälteaversion und Hitzewallungen; Kraftlosigkeit, Tinnitus, Mund- und Rachentrockenheit, liebt warme Getränke, viel klarer Urin, unregelmäßige Menstruation, Fluor vaginalis und Sterilität bei Frauen; Spermatorrhö, Impotenz und Sterilität bei Männern.
Zunge: Geschwollen und leicht rot mit dünnem Belag.
Puls: Dünn (Xi) und schwach (Ruo), v.a. an der Nierenposition.
Therapie
Therapieprinzipien Nieren-Yang wärmen und stärken, Nieren-Yin nähren und ergänzen
Rezept: Zuo Gui Wan (7.6.10.d) in Kombination mit You Gui Wan (7.6.10.e).
Akupunktur: Du 4 + (Mingmen), Bl 23 + (Shenshu), Ren 4 + (Guanyuan) stärken die Nieren; Ni 3 + (Taixi) stärkt Nieren-Yin, -Yang und -Qi; Bl 52 + (Zhishi) stärkt die Nieren und die Lumbalregion; Ni 6 + (Zhaohai) stärkt die Nieren; Mi 6 + (Sanyinjiao) nährt das Yin, Ni 1 + (Yongquan) lässt Fülle vom Kopf absteigen (Qi, Yang, Mangel-Hitze oder Wind).
Nach Symptomen zusätzlich: Bei Schwindel: Du 20 (Baihui), Du 16 (Fengfu) und Gb 39 (Xuanzhong); bei Tinnitus: SJ 17 (Yifeng), Gb 2 (Tinghui) und SJ 3 (Zhong-zhu); bei Rachen- und Mundtrockenheit: Ni 2 (Rangu), SJ 2 (Yemen) und Ex-HN 12 und Ex-HN 13 (Jinyin und Yuye); bei Lumbalschmerz: Bl 40 (Weizhong) und Bl 60 (Kunlun); bei Spermatorrhö: Ni 12 (Dahe), Ren 6 (Qihai), He 7 (Shenmen) und Ma 36 (Zusanli); bei unregelmäßiger Menstruation: Ni 5 (Shuiquan) und Ren 6 (Qihai); bei Fluor vaginalis: Gb 26 (Daimai), Bl 30 (Baihuanshu) und Bl 32 (Ciliao).

Holen Sie sich die neue Medizinwelten-App!

Schließen