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B978-3-437-56483-3.10010-2

10.1016/B978-3-437-56483-3.10010-2

978-3-437-56483-3

Therapiegrundlagen

Claudia Focks

  • 10.1

    Allgemeine Behandlungsstrategien 910

    • 10.1.1

      Therapeutisches Handeln910

    • 10.1.2

      Wurzel (Ben) – Zweig (Biao)911

    • 10.1.3

      Regelkonforme und gegensätzliche Behandlung912

    • 10.1.4

      Differenzierung von Krankheiten (Bian Bing) und Mustern (Bian Zheng)914

    • 10.1.5

      Individuelle und Umgebungsfaktoren914

  • 10.2

    Therapiemethoden und -strategien 915

    • 10.2.1

      Schwitzen (Han Fa)915

    • 10.2.2

      Hitze und Feuer klären (Qing Fa)920

    • 10.2.3

      Erbrechen (Tu Fa)923

    • 10.2.4

      Nach unten Abführen (Xia Fa)923

    • 10.2.5

      Harmonisieren (He Fa)926

    • 10.2.6

      Erwärmen (Wen Fa)928

    • 10.2.7

      Zerstörtes Yang retten930

    • 10.2.8

      Stärken/Tonisieren (Bu Fa)930

    • 10.2.9

      Reduzieren/Zerstreuen (Xiao Fa)934

    • 10.2.10

      Weitere wichtige Therapieprinzipien938

Allgemeine Behandlungsstrategien

Therapeutisches Handeln

Der Ausdruck Li Fa Fang Yao hat folgende Bedeutung:
  • Li besagt, das tiefer liegende Muster bzw. die in der Symptomatik verborgene Krankheitsdynamik (Bing Ji) zu verstehen. Mit (Bing Ji) wird im Prinzip ein sich ständig verändernder Prozess beschrieben. Um einen Krankheitsverlauf adäquat nachvollziehen bzw. voraussehen zu können, ist ein tieferes Verständnis (Li) der zugrunde liegenden Muster und der in einem Krankheitsprozess enthaltenen Dynamik wichtig. Der Ausdruck (Li) beinhaltet daher die Kompetenz eines Therapeuten, adäquat zu diagnostizieren und zu differenzieren, um daraus entsprechende therapeutische Schlüsse ziehen zu können. Eine fundierte Ausbildung und therapeutische Erfahrung sind die Voraussetzungen, um dies verantwortungsbewusst gewährleisten zu können

  • Fa sind die Behandlungsmethoden und -strategien wie z.B. Hitze klären (Qing Fa) etc. Fa bezeichnet die spezifische Vorgehensweise, die ein Therapeut gegen eine Erkrankung strategisch einsetzen kann. Diese Vorstellung entstammt der Kriegsführung: Ein guter Therapeut kann mit einem Heerführer verglichen werden, der seine Strategien laufend den aktuellen Erfordernissen des Kampfes anpasst. So ändern sich die Bedingungen innerhalb eines Krieges ständig, weil sich der Feind immer wieder verändert zeigt und auf unterschiedlichste Weise angreift. Übertragen auf einen dynamischen Krankheitsprozess bedeutet dies für den Therapeuten, dass er im Behandlungsverlauf wiederholt prüfen muss, ob z.B. das zu Beginn diagnostizierte Muster noch besteht, oder ob er seine Vorgehensweise modifizieren muss. D.h., er muss flexibel auf Veränderungen reagieren und seine Therapie an die jeweils aktuellen Befunde und Erfordernisse anpassen können

  • Fang sind die Rezepturen, in denen sich die Therapiemethoden widerspiegeln. In Bezug auf die Kriegs-Metapher können gängige Rezepturen wie eine spezifische Truppenformation (z.B. eine Reiterformation oder ein Luftgeschwader) angesehen werden, die als Arzneikombination auf eine bestimmte Art gemeinsam angreifen. So beinhaltet z.B. die Rezeptur Gui Zhi Tang eine Truppenformation mit einer Arzneikombination, die eine Wind-Kälte-Erkrankung auf eine ganz spezifische Weise angeht. Die gängigen, meist klassischen Rezepturen stellen damit letztlich die Umsetzung der therapeutischen Strategien dar. Die Strategie wirkt über die Einnahme einer entsprechenden Rezeptur

  • Yao bezieht sich auf die Arzneien im Einzelnen, die in einer Rezeptur in ihrer Dosis verändert bzw. hinzugefügt oder weggelassen werden können. Damit wird die Rezept-Modifikation beschrieben, d.h. die Feinabstimmung auf den jeweiligen Patienten, seine Konstitution sowie auf den aktuellen Krankheitsprozess.

Der Ausdruck Li Fa Fang Yao gibt auch eine therapeutische Reihenfolge vor: Zunächst sollte durch die Diagnostik das Muster der Erkrankung des Patienten, also seine Pathologie verstanden und differenziert werden (Li). Aufgrund dieser Muster-Differenzierung werden spezifische Therapiestrategien (Fa) formuliert, die sich in einer Rezeptur (Fang) wiederspiegeln sollte. Nutzt man ein Rezept, das im Wesentlichen die erforderlichen Strategien beinhaltet, erfolgt dann noch ein Feintuning, die Adaption an die individuelle Situation durch einzelne Arzneien (Yao) mittels Änderung von Dosierungen bzw. Hinzufügen oder Weglassen von Arzneimitteln (Jia – Jian).
Die in diesem Kapitel vorgestellten Therapieprinzipien beziehen sich v.a. auf die Vorgehensweise in der chinesischen Arzneitherapie.
Es werden zunächst vier allgemeine Strategien der chinesischen Medizin unterschieden und beschrieben:
  • Differenzierung und Therapie nach Wurzel (Ben) und Manifestation/Zweig (Biao) (10.1.2)

  • Regelkonforme und gegensätzliche Therapie (10.1.3)

  • Differenzierung von Krankheiten (Bian Bing) und Mustern (Bian Zheng) (10.1.4)

  • Therapie der Erkrankung entsprechend der Jahreszeit, der Umwelt und der individuellen Konstitution und Umgebungsfaktoren (10.1.5).

Wurzel (Ben) – Zweig (Biao)

Einführung
Ein grundlegendes Verständnis der Krankheitskonstellation Wurzel (Ben) und Manifestation (Biao) ist Vorrausetzung, um die Vorgehensweise der chinesischen Therapieprinzipien nachvollziehen zu können. Die chinesische Sicht unterscheidet sich vom westlichen Konzept, das – ausgehend von einem pathophysiologischen Korrelat – linear-kausal auf eine klinische Symptomatik schließt. Im Gegensatz dazu wird in der chinesischen Medizin der Zusammenhang von Wurzel (Ben) und Manifestation/Zweig (Biao) einer Erkrankung nicht linear-kausal betrachtet. Vielmehr handelt es sich um zwei (auch gleichzeitige) Aspekte eines Systems. So ist die Wurzel eines Baumes nicht die Ursache für die Zweige, sondern beide zusammen bilden mit anderen Anteilen ein System, den Baum. In der chinesischen Diagnostik und der sich daraus ergebenden Therapieplanung besteht die Kunst darin, aus den klinischen Manifestationen, den sichtbaren Zeichen, auf den Zustand der Wurzel zu schließen. Dabei können im Verlauf einer Erkrankung durchaus sich widersprechende Manifestationen wie Fülle oder Mangel, Kälte oder Hitze auftreten.
Die Wurzel (Ben) ist der innere, primäre Aspekt einer Erkrankung. Gestalt und Ausprägung sind konstitutionell abhängig vom Zheng-Qi, der Resistenzkraft des Körpers (2.3.1). Dabei beinhaltet die Manifestation (Biao) einer Erkrankung den sichtbaren, oberflächlichen, unter Umständen auch akuten Aspekt einer Störung und steht stärker in Zusammenhang mit der Art des pathogenen Faktors (Xie-Qi). Z.B. verursacht das Pathogen Wind-Kälte im Körper zunächst andere Symptome als das Pathogen Wind-Hitze.
Verschiedene Aspekte
Das Konzept von Wurzel – Zweig (Ben – Biao) beinhaltet folgende Aspekte:
  • Resistenzkraft (Zheng-Qi)/pathogener Faktor (Xie-Qi): Die Wurzel Ben als die Stärke des Zheng-Qi, der Zweig Biao (10.1.3) als die Stärke des pathogenen Faktors

  • Pathogenese: In Bezug auf die Pathogenese entspricht die Wurzel (Ben) der Ätiologie bzw. der zugrunde liegenden Ursache einer Erkrankung, der Zweig Biao entspricht der klinischen Manifestation bzw. den äußerlich erkennbaren Symptomen

  • Krankheitsmuster: Die einer Störung zugrunde liegende Erkrankung entspricht der Wurzel, die sekundären Komplikationen entsprechen dem Zweig

  • Lokalisation: Betrachtet man die Lokalisation einer Erkrankung, so ist der innere Aspekt die Wurzel, der äußere Aspekt der Zweig.

Therapie
In der chinesischen Medizin muss der Therapeut nach der Diagnostik eine Behandlungsstrategie entwerfen und sich vorab entscheiden, welcher Aspekt einer Erkrankung vordringlich zu behandeln ist, um den Behandlungserfolg zu optimieren bzw. um Nebenwirkungen möglichst zu vermeiden. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von der Behandlung von Wurzel-Ben und Zweig-Biao und meint folgende, grundlegende Therapie-Strategeme:
  • Therapie der Wurzel-Ben: Einsatz v.a. bei chronischen Erkrankungen. Ist eine solche erfolgreich behandelt, dann verschwinden auch die (äußeren) Symptome, die Manifestation (Biao). Beispiel: Rückenschmerzen durch Nieren-Yang-Mangel. Hier muss die Wurzel effektiv behandelt werden, um die Symptome langfristig zu bessern

  • Therapie des Zweigs (Biao): Damit ist gemeint, (nur) die klinische Manifestation, d.h. die Symptome bzw. auch die akute Störung zu therapieren. Danach kann, falls es noch nötig ist, die Wurzel (Ben), die zugrunde liegende Ursache bzw. auch chronische Störung behandelt werden. Beispiel: Akute Erkrankungen mit (schwergradiger) klinischer Manifestation, die zuerst eine Symptombehandlung erfordern wie z.B. akute starke Schmerzen, eine akute Blutung oder Erbrechen

  • Gleichzeitige Therapie von Wurzel-Ben und Zweig-Biao: Häufigste Behandlungsform in der klinischen Praxis. Meist wird sie in Fällen eingesetzt, bei denen die Konstitution eines Patienten geschwächt und gleichzeitig z.B. ein pathogener Faktor stark ist. Cave: Bei Vorhandensein eines äußeren pathogenen Faktors sollte zuerst der pathogene Faktor ausgeleitet werden bzw. sollten bei zusätzlichen Schwäche-Syndromen spezielle Rezepturen eingesetzt werden, die sowohl stärken, als auch das Pathogen vertreiben wie z.B. die Rezeptur Ren Shen Bai Du San (7.6.2.c). Diese öffnet einerseits die Oberfläche bei pathogenem Faktor, stärkt aber gleichzeitig den Mangel im Inneren. Dadurch wird spezifisch das Zheng-Qi dabei unterstützt, das Außen vom Pathogen zu entlasten, ohne dass dieser tiefer in den Körper eindringt. Diese Gefahr würde bei einer nur stärkenden Rezeptur in dieser Situation bestehen.

Therapie komplexer Fälle
In der Praxis finden sich oft komplexe Fälle, wobei sowohl mehrere Wurzeln als auch mehrere Manifestationen nebeneinander bestehen können.
Beispiele:
  • Es finden sich mehrere verschiedene Wurzeln mit unterschiedlichen Manifestationen. Diese können auch interagieren und das klinische Bild weiter verkomplizieren. Therapie: Bei mehr als einer Wurzel muss auch jede einzelne gesondert behandelt werden

  • Eine Wurzel verursacht unterschiedliche Manifestationen. Therapie: Die gemeinsame Wurzel behandeln

  • Bei einem Trauma können Wurzel und Manifestation zusammenfallen (z.B. Knieunfall).

Regelkonforme und gegensätzliche Behandlung

Regelkonforme oder normale Behandlung (Zheng Zhi)
In der chinesischen Medizin versteht man unter einer regelkonformen oder normalen Behandlung (Zheng Zhi) die Therapie einer Erkrankung mit antagonistisch wirkenden Maßnahmen, d.h., sie nutzt Strategien und Arzneien, die ihrer Natur nach das Gegenteil der Erkrankung darstellen. Beispiele:
  • Yang-Überschuss mit Yin (z.B. Kälte) therapieren

  • Yin-Überschuss mit Yang (z.B. Wärme) therapieren

  • Bei Yang-Überschuss durch Yin-Mangel das Yin nähren, damit Yang wieder kontrolliert werden kann

  • Bei Yin-Überschuss durch Yang-Mangel das Yang stärken, damit Yin wieder kontrolliert werden kann (z.B. durch Moxibustion)

  • Bei Yin- und Yang-Mangel beide gleichzeitig stärken

  • Bei einem Leck oder Auslaufen z.B. die Strategie Stabilisieren und Binden verwenden.

Es geht sozusagen um die Regulation von Yin und Yang, da nach den Vorstellungen der chinesischen Medizin jede Erkrankung letztlich auf ein Ungleichgewicht zwischen Yin und Yang (2.1.1) zurückzuführen ist. Dabei ist zu beachten, dass es sich nicht um ein statisches, sondern um ein relatives, dynamisches Gleichgewicht bzw. Ungleichgewicht handelt, d.h. um eine prozesshafte Transformation. In dem oft verwendeten Begriff Hömöostase findet sich das Wort Stase und kann in diesem Zusammenhang leicht missverständlich interpretiert werden. Denn in der chinesischen Medizin geht es nie um etwas Statisches, Fixiertes, sondern immer um etwas, das sich in Relation zu etwas befindet, um Wandlungen bzw. Transformations-Prozesse. Alles verändert und wandelt sich zyklisch, so geht der Tag in die Nacht über, der Sommer in den Herbst etc. Dabei entsteht oft genau dann eine Pathologie, wenn ein zeitlich anstehender Transformationsprozess nicht zeitgerecht bzw. nur mangelhaft abläuft.
Gegensätzliche Behandlung (Fan Zhi)
Die gegensätzliche Behandlung (Fan Zhi) kennzeichnet in der chinesischen Medizin eine Therapie, die von der generellen Regel der direkten regelkonformen Behandlung (Zheng Zhi) abzuweichen scheint. Es werden zwei Formen gegensätzlicher Behandlung unterschieden:
  • Scheinbare Abweichung von der normalen Behandlung: Bei Erkrankungen mit falschen Zeichen wie z.B. Pseudo-Fülle-Symptomen bei einem Mangel-Syndrom oder Pseudo-Hitze-Zeichen bei einem zugrunde liegenden Kälte-Syndrom (4.1.1 [Fieber], 4.2.1). In diesen Fällen muss das der Störung zugrunde liegende Muster behandelt werden. Dabei sieht es dann nur scheinbar so aus, als ob therapeutische Methoden eingesetzt werden, die der Krankheitssymptomatik ähnlich sind. Beispiel: Bei einem Pseudo-Hitze-Syndrom (4.2.2) sieht man zwar Hitze-Zeichen, der Erkrankung liegt aber ursächlich ein Kälte-Syndrom zugrunde. Es werden daher wärmende Arzneien verwendet, die zwar den äußeren Symptomen, den Hitze-Zeichen, ähnlich sind, aber der Ursache der Erkrankung, der unterliegenden Kälte, entgegengesetzt wirken

  • Beispiele für eine Abweichung von der normalen Behandlung:

    • Üblicherweise nutzt man bei einer Blockade der Menstruation ein der Blockade entgegengesetztes Verfahren, nämlich das zerstreuende, bewegende Prinzip. Ist die Blockade aber auf der Grundlage eines Blut-Mangels entstanden, nutzt man die Tonisierung, d.h. die Nährung des Blutes. Durch die Auffüllung des Blutes, die dem Auffüllen eines Flussbettes mit Wasser ähnlich ist, kommt das Blut erst wieder ins Fließen und die Blockade löst sich. In diesem Fall eine nur auf Zerstreuung und Bewegung ausgerichtete Behandlung einzusetzen, wäre kontraindiziert und würde im Gegenteil die Blockade sogar verschlimmern.

    • Bei einer Diarrhö oder einem Blutverlust sollte eigentlich stabilisiert und gebunden werden. Wenn diese Art von Leckage aber durch das Zurückhalten eines pathogenen Faktors entstanden ist, wird die Diarrhö durch Abführen und der Blutverlust durch Blutbewegung therapiert, damit das Pathogen bzw. im Falle der Blut-Blockade das tote, unphysiologische Blut vollständig eliminiert werden kann. Dies wird verstanden als: Den Fluss ermöglichen, wenn zu viel Fluss ist (Tang Yin Tong Yong).

Differenzierung von Krankheiten (Bian Bing) und Mustern (Bian Zheng)

Unterschiedliche Therapie für die gleiche Krankheit
Die chinesische Medizin unterscheidet zwischen der Differenzierung von Erkrankungen (Bian Bing) und zwischen der Differenzierung von Disharmonie-Mustern bzw. -Syndromen (Bian Zheng). Die Therapie orientiert sich dabei nicht (nur) an der Erkrankung (Bian Bing), sondern vielmehr an dem ihr zugrunde liegenden Disharmonie- bzw. Syndrom-Muster (Bian Zheng). So kann eine Erkrankung (Bian Bing) mit einem bestimmten Symptom-Komplex durch sehr unterschiedliche Agenzien bzw. Muster bedingt sein. Beispiel: Kopfschmerzen als Oberbegriff einer Erkrankung (Bian Bing) können eine Vielzahl von Disharmonie-Mustern (Bian Zheng) zugrunde liegen wie z.B. der Angriff von äußerer pathogener Wind-Kälte, ein Qi- und Blut-Mangel, ein aufsteigendes Leber-Yang etc. Diese verschiedenen Disharmonien (Bian Zheng) benötigen unterschiedliche, auf das jeweilige Muster zielende Behandlungsstrategien, obwohl der Oberbegriff Kopfschmerzen für die Erkrankung (Bian Bing) die gleiche ist.
Gleiche Therapie für unterschiedliche Krankheiten
Umgekehrt werden die Therapiestrategien und die Behandlung unterschiedlicher Erkrankungen (Bian Bing) ähnlich sein, wenn ihnen jeweils das gleiche Disharmonie- bzw. Syndrom-Muster (Bian Zheng) zugrunde liegen. Beispiel: Eine Leber-Qi-Stauung (11.7.2) kann so unterschiedliche Erkrankungen hervorrufen wie ein prämenstruelles Syndrom, Kopfschmerzen oder ein Reizdarm-Syndrom. Die grundsätzliche Therapiestrategie besteht aber bei allen Erkrankungen aufgrund der gleichen Bian Zheng-Diagnose darin, die Einschnürung des Leber-Qi zu lösen und das Leber-Qi zu bewegen.

Individuelle und Umgebungsfaktoren

Ein guter Therapeut der chinesischen Medizin berücksichtigt in seiner Behandlungsstrategie nicht nur die Indikationen der entsprechenden Rezepturen, sondern auch die individuelle Konstitution eines Patienten sowie zusätzliche Umgebungs-Parameter wie die Jahreszeit und die (psychische und physische) Umwelt, in der der Patient lebt und in der seine Störung entstanden ist.
Beispiele:
  • Klimatische/saisonale Faktoren: Im Frühling/Sommer greifen pathogene Faktoren den Körper eher oberflächlich (Hautschicht) an, dann z.B. eher oberflächlicher nadeln und oberflächlichere Arzneien verwenden. Im Herbst/Winter werden eher tiefere Schichten (Muskel-, Sehnen- und Knochenschichten) angegriffen, dann eher tiefer nadeln, um das Niveau der Erkrankung zu erreichen

  • Geographische Faktoren: In Berggegenden zeigen sich häufiger Erkrankungen durch die pathogenen Faktoren Wind und Kälte, dann eher auch Moxa in der Therapie einsetzen. In tropischen Gegenden entstehen Störungen häufiger durch die pathogenen Faktoren Feuchtigkeit und Hitze. In diesen Fällen eher auch mit Mikroaderlass arbeiten, um die Hitze auszuleiten

  • Psychosoziale Faktoren: Zu den Umgebungsfaktoren sind in einem erweiterten Sinn auch psychosoziale Faktoren zu zählen, mit und in denen ein Patient lebt wie z.B. eine problematische Paar- bzw. Familien-Dynamik, die im Rahmen einer systemischen (psychotherapeutischen) Therapie angesprochen und bearbeitet werden kann.

Therapiemethoden und -strategien

In der chinesischen Medizin hat sich eine Vielzahl von Therapiemethoden und -Strategien entwickelt. Die Kategorisierung der Therapiestrategien dient dabei auch als Grundlage für die Kategorisierung der Rezepturen (7.6). Dies gilt ebenso in Bezug auf die chinesische Diätetik (8). Cheng Zhong-Ling (ein einflussreicher Arzt der Qing-Dynastie, 1.2) ordnete sie als Oberbegriffe acht Methoden (Ba Fa) zu, die als Grundlage für die arzneilichen Therapiestrategien gelten.
Die acht Methoden sind: Schwitzen, das Außen Entlasten bzw. befreien (Han Fa), Klären (Qing Fa), Erbrechen (Tu Fa), nach unten Abfließen bzw. Abführen, Purgieren (Xia Fa), Harmonisieren (He Fa), Wärmen (Wen Fa), Ableiten/Sedieren/Reduzieren/Beseitigen (Xiao Fa), Tonisieren/Stärken (Bu Fa).
In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), die seit den 1960er Jahren in gewisser Weise wie ein Konstrukt und in Anpassung an den Westen aus den verschiedenen Schulen der chinesischen Medizin entstanden ist, wurden diese Strategien, die ursprünglich der chinesischen Arzneitherapie entstammen, auch auf die Akupunktur übertragen (11). Dies spiegelt sich in den Punktfunktionen und -wirkungen wider, die an die chinesische Arzneimittelwirkung adaptiert wurden. Diese Vorgehensweise ist nicht unproblematisch, da sich der Einsatz der Akupunkturpunkte ursprünglich v.a. aus dem Bezug zur Leitbahnenergetik ergab. Im Folgenden werden die einzelnen Strategien mit Untergruppen besprochen, die sich v.a. auf die Herangehensweise in der Arzneitherapie beziehen. Als Kompromiss an die gängige Vorgehensweise in der Zang-Fu-Lehre (2.4, 112.411) werden, sofern es angebracht ist, auch jeweils Punktempfehlungen genannt (10.2.1–10.2.8).

Schwitzen (Han Fa)

  • Wirkung: Öffnung der Hautporen durch scharf-warme oder scharf-kühle Arzneien, um pathogene Faktoren (Xie-Qi) mit dem Schweiß über die Haut auszutreiben und so das Außen (die Körperoberfläche) zu entlasten

  • Nach dem Huang Di Nei Jing Su Wen (Kap. 5): Wenn es in (der Ebene) der Haut ist, verwende Schwitzen, um es herausfliessen zu lassen

  • Zugehörige Strategien: Scharf und Warm zur Entlastung des Außen bei Wind-Kälte, Scharf und Kühl zur Entlastung des Außen bei Wind-Hitze

  • Kombinierte Strategien:

    • Bei pathogenem Faktor und inneren Mangel-Zuständen: Das Außen entlasten und das Qi stärken, das Außen entlasten und das Yang wärmen, das Außen entlasten und das Yin nähren, das Außen entlasten und das Blut nähren

    • Bei pathogenem Faktor und innerer Hitze: Das Außen entlasten und das Innere kühlen

  • Indikation: Bei Außen-Fülle-Syndromen (Tab. 4.55, Tab. 4.57Tab. 4.55Tab. 4.57) durch die pathogenen Faktoren Wind-Kälte und Wind-Hitze. Bei akuten Ödemen oberhalb der Taille. Bei Frühstadien von Wind-Feuchtigkeits-Angriffen mit Schmerzen und Schwellungen (Bi-Syndromen 13.15.5). Bei juckenden Hauterkrankungen durch den pathogenen Faktor Wind. Bei Erkrankungen, die von innen nach außen voranschreiten. Beispiele: Anfangsstadium einer febrilen Erkrankung (11.3.4, 11.3.5, 12.1, 12.211.3.411.3.512.112.2), in Frühstadien bei Masern oder ähnlichen Exanthemen (Entlastung der Haut nach außen), Schmerzen und Schwellungen von Wind-Feuchtigkeit wie z.B. akute, oberflächliche Ödeme, durch Wind verursachte Hauterkrankungen (mit Juckreiz)

  • Therapeutisches Ziel: Entlastung der äußeren Schicht durch Ausleitung der äußeren pathogenen Faktoren (Xie-Qi). Harmonisierung der Nähr-Ying- und der Abwehr-Wei-Schicht

  • Anmerkung: Das Schwitzen selbst ist nicht das eigentliche Ziel der Strategie (Han Fa), sondern ein (reguläres) Schwitzen zeigt dem Therapeuten vielmehr Folgendes an:

    • Die Poren haben sich (wieder) geöffnet und erfüllen ihre Funktion

    • Das Abwehr-Wei-Qi und das Nähr-Ying-Qi sind wieder in Harmonie (so zeigt ein Schwitzen bei akuter Wind-Kälte ohne Entlastung des pathogenen Faktors eine Wei-Qi-/Ying-Qi-Disharmonie an [7.6.3.a])

    • Die Entlastung des Außen von pathogenen Faktoren. Dies kann nicht nur ein Wind-Kälte- oder Wind-Hitze-Pathogen sein, sondern z.B. auch Wind-Feuchtigkeit.

Diese Strategie muss bei geschwächten Patienten z.B. mit einem Mangel an Qi oder Blut mit einer Stärkung verbunden werden, wofür es spezielle Rezepturen gibt (z.B. 7.6.3.c). Die Therapiemethode Han Fa wird in der Praxis häufig unterschätzt. Sie ist aber wichtig, um zu verhindern, dass ein pathogener Faktor weiter in das Innere eindringt und dort den Organismus (auf Dauer) schädigt. Leider werden in diesem Erkrankungsstadium (einem reinen Außen-Syndrom) oft Antibiotika eingesetzt, die durch ihre kühle Eigenschaft eher wie Arzneien der Kategorie Hitze klären (Qing Fa) wirken und das eigentlich nach außen zu entlastende Pathogen dann nach innen ziehen können. Im Qi-Stadium (12.2) wäre dies eine adäquat eingesetzte Strategie. Ebenso wirken Heilmittel aus der Volksheilkunde wie Zitrusfrüchte etc. dem Schwitzen bzw. Öffnen der Oberfläche entgegen, das nach chinesischer Auffassung in diesem Stadium erforderlich ist. Denn sie bewirken durch ihre sauren Eigenschaften ein Zusammenziehen der Poren und verhindern damit eine Entlastung des Pathogens nach außen. Sinnvoller wäre in dieser Situation der Einsatz von westlichen Kräutern, die ebenfalls Schwitzen induzieren wie z.B. heißer Lindenblütentee oder Holunderbeersaft oder bei Wind-Kälte auch ein Yogi-Tee. Wichtig ist eine sorgfältige Diagnose und entsprechend angepasste Therapiestrategie, v.a. wenn sich ohne ausreichende Entlastung des Äußeren eine innere Störung entwickelt. Diese Situation stellt sich klinisch z.B. so dar, dass noch äußere Zeichen eines Tai-Yang-Syndroms (gleichzeitig Fieber und Frösteln/Kälteaversion) bei zeitgleicher innerer Symptomatik (v.a. innerer Hitze) bestehen. In diesem Stadium können Patienten, bei denen die Oberfläche nicht adäquat und ausreichend von einem Pathogen entlastet wurde, mitunter jahrelang hängen bleiben. Daher muss der Therapeut klar entscheiden, ob er in einem solchen Fall nur bzw. zuerst eine Entlastung des Äußeren durchführt oder ob die äußere und innere Symptomatik gleichzeitig therapiert werden muss (spezielle Rezepturen 7.6.3.c).
Zugehörige Arzneien/Rezepturen: Die Oberfläche befreiende (öffnende) Arzneien (7.1.2), die Oberfläche öffnende (befreiende) Rezepte (7.6.3) (bei Bensky: Das Äußere entlasten).
Schwitzen (Oberfläche öffnen) und das Äußere von Wind-Kälte befreien
Indikation: Außen-Syndrom mit Wind-Kälte (Tab. 4.57, 11.3.4, 12.1.111.3.412.1.1).
Rezept: Arzneien warmer-scharfer Natur (7.1.2.a) zur Vertreibung äußerer Wind-Kälte. Z.B. Chong Chi Tang im Frühstadium, Ma Huang Tang (7.6.3.a) bei Tai-Yang-Außen-Fülle-Syndrom (12.1.1) ohne Schwitzen, Gui Zhi Tang (7.6.3.a) bei Tai-Yang-Außen-Mangel-Syndrom (12.1.1) mit Schwitzen, Xiao Qing Long Tang (7.6.3.a) bei Patienten mit schwächerer Konstitution und Flüssigkeitsansammlungen, z.B. auch bei Allergieneigung.
Akupunktur: Ni 7 (Fuliu) und Di 4 + (Hegu) fördern das Schwitzen, zusätzlich Du 14 (Dazhui), Du 16(Fengfu), Gb 20 (Fengchi), Bl 12 (Fengmen), Bl 13 (Feishu).
Schwitzen und das Äußere von Wind-Hitze befreien
Indikation: Außen-Syndrom mit Wind-Hitze (Tab. 4.57; 12.2, 11.3.512.211.3.5).
Rezept: Arzneien kalter-scharfer Natur (7.1.2.b) zur Vertreibung äußerer Wind-Hitze. Z.B. Sang Ju Yin (7.6.3.b) bei prädominant Husten, Yin Qiao San (7.6.3.b) bei prädominant Halsschmerzen.
Akupunktur: Ni 7 (Fuliu), Di 4 + (Hegu) fördern das Schwitzen; zusätzlich: Dü 3 (Houxi), SJ 5 (Waiguan), Lu 10 (Yuji), Du 14 (Dazhui), Di 11(Quchi) und Lu 5 (Chize) leiten äußere Hitze aus.
Kombinierte Strategien: Das Außen befreien und stärken (bei inneren Mangel-Zuständen)
Schwitzen (das Außen befreien) und Qi stärken
Indikation: Außen-Syndrom mit pathogenem Faktor (Xie Qi) (Tab. 4.55) bei unterliegendem Qi-Mangel (4.2.3).
Anmerkung: Dies ist ein komplexes Muster. Um die Oberfläche von den äußeren pathogenen Faktoren zu entlasten, benötigt und verbraucht der Körper Qi. Bei einem Qi-Mangel besitzt ein Patient jedoch nicht genügend (eigene) Kraft, um das Pathogen adäquat wieder nach außen zu drücken, auch wenn durch schweißtreibende Methoden die Oberfläche geöffnet wird. Bedingt durch den Qi-Mangel, funktioniert der Porenmechanismus oft nur ungenügend, was zu einem unkontrollierten, jedoch nicht entlastenden Schwitzen führt. Im Gegenteil können weitere Pathogene sozusagen ungehindert eindringen. Es besteht ebenso die Gefahr, dass durch die mangelnde Abwehr der Faktor schnell tiefer ins Innere des Körpers gelangen kann. In einem solchen Fall werden spezielle Rezepturen mit zweifacher Wirkkomponente genutzt, d.h., es müssen sowohl Arzneien zur Entlastung der Oberfläche als auch Qi-Tonika zeitgleich eingesetzt werden. Tonisiert man nur das Qi, bestünde die Gefahr, dass der pathogene Faktor nach innen dringt, da die Oberfläche nicht entsprechend entlastet wurde. Evtl. ist die Oberfläche dann auch zu offen, da der Porenmechanismus durch den Qi-Mangel nicht adäquat funktioniert und so das Eindringen zusätzlicher Pathogene begünstigt. Nur die Oberfläche zu entlasten, birgt auf der anderen Seite die Gefahr, den Qi-Mangel durch den Qi-Verlust nach außen noch zu verstärken und die Rekonvaleszenz zu verlängern.
Rezept: Qi-stärkende Arzneien (7.1.13.a) z.B. Ginseng Rx. (Ren Shen) und Astragali Rx. (Huang Qi) in Kombination mit Arzneien, die die Oberfläche befreien (7.1.2) wie z.B. Notopterygii Rz. seu Rx. (Qiang Huo) oder mit Rezepten zur Elimination pathogener Faktoren (7.6.3). Z.B. Jing Fang Bai Du San (7.6.3.c), Shen Su Yin.
Akupunktur: Zusätzlich zu oben genannten Punkten bei Außen-Syndromen Einsatz von Punkten zur Qi-Tonisierung wie Ma 36 + M (Zusanli), Mi 6 + M (Sanyinjiao), Ren 6 + (Qihai), Ren 4 + M (Guanyuan), Moxibustion auf Salz auf Ren 8 (Shenque).
Schwitzen (das Außen befreien) und Yang stärken
Indikation: Außen-Syndrom mit pathogenem Faktor (Xie-Qi) bei unterliegendem Yang-Mangel (Tab. 4.56, Tab. 4.57).
Anmerkung: Ist der Qi- und Yang-Mangel stark, wäre die alleinige Entlastung der Oberfläche durch die Methode Schwitzen (Han Fa) aufgrund des dadurch verursachten stärkeren Yang-Verlustes nach außen als gefährlich einzustufen und würde den Patienten stark schwächen.
Rezept: Arzneien zur Öffnung der Oberfläche (7.1.2) wie Notopterygii Rz. seu Rx. (Qiang Huo), Saposhnikoviae Rx. (Fang Feng) in Kombination mit Yang-dynamisierenden Arzneien (7.1.13.c) wie Aconiti Rx. lateralis praep. (Zhi Fu Zi) und auch Qi-Tonika wie z.B. Ginseng Rx. (Ren Shen), Astragali Rx. (Huang Qi). Z.B. Zai Zao San enthält: Astragali Rx. (Huang Qi), Ginseng Rx. (Ren Shen), Aconiti Rx. lateralis praep. (Zhi Fu Zi), Cinnamomi Ra. (Gui Zhi), Asari Rx. et Rz. (Xi Xin), Notopterygii Rz. seu Rx. (Qiang Huo), Chuanxiong Rz. (Chuan Xiong), Saposhnikoviae Rx. (Fang Feng), Paeoniae Rx. rubra (Chi Shao), Glycyrrhizae Rx. (et Rz) (Gan Cao), Zingiberis Rz. recens, geröstet (Wei Sheng Jiang), Jujubae Fr. (Da Zao).
Oft wird für die Behandlung von Außen-Syndromen bei unterliegendem Yang-Mangel auch die Rezeptur Ma Huang Xi Xin Fu Zi Tang aus dem SHL (Shang Han Lun 12.1) erwähnt. Diese enthält: Ephedrae Hb. (Ma Huang), Aconiti Rx. lateralis praep. (Zhi Fu Zi) sowie Asari Rx. et Rz. (Xi Xin). Diese Rezeptur ist nur in den Fällen angezeigt, bei denen der Yang-Mangel nicht ausgeprägt ist. Denn dieses Rezept ist nach einigen Kommentatoren eher in einer Situation angezeigt, bei der ein Patient zwar generell über (genügend) Yang verfügt, aber nicht ausreichend Yang bzw. Abwehr-Wei-Qi an seiner Körperoberfläche zirkuliert. Durch die Gabe v.a. von Aconiti Rx. lateralis praep. (Zhi Fu Zi) erfolgt eine Dynamisierung des Yang im Sinne eines Blasebalgs, der das Mingmen-Feuer (2.4.14) besser im Körper verteilt und damit auch ausreichend an die Oberfläche gelangt, um dort zur Befreiung von Pathogenen zur Verfügung zu stehen. Ist der Yang-Mangel jedoch stärker ausgeprägt, wäre Ma Huang Xi Xin Fu Zi Tang kontraindiziert und würde das Yang eher schädigen.
Akupunktur: Zusätzlich zu oben genannten Punkten bei Außen-Syndromen organbezogene Yang-stärkende Punkte wie Bl 23 (Shenshu), Du 4 (Mingmen) (auch mit Moxa).
Schwitzen (das Außen befreien) und Blut nähren
Indikation: Außen-Syndrom (Tab. 4.55, Tab. 4.57Tab. 4.55Tab. 4.57) bei unterliegendem Blut-Mangel (4.2.3.b).
Rezept: Arzneien zur Eliminierung pathogener Faktoren (7.1.2) wie Puerariae Rx. (labatae) (Ge Gen) in Kombination mit Blut-nährenden Arzneien (7.1.13.b) wie Rehmanniae Rx. (Sheng Di Huang). Z.B. Cong Bai Qi Wei Yin enthält: Allii sativii Bb. (Cong Bai), Puerariae (Pabatae) Rx. (Ge Gen), Sojae Sm. praep. (Dan Dou Chi), Zingiberis Rz. recens (Sheng Jiang), Ophiopogonis Rx. (Mai Men Dong), Rehmanniae Rx. (Sheng Di Huang).
Akupunktur: Zusätzlich zu oben genannten Punkten bei Außen-Syndromen organbezogene Yin-nährende Punkte wie Ni 3 + (Taixi), Mi 6 + (Sanyinjiao), Le 5 + (Ligou), Lu 9 + (Taiyuan).
Schwitzen (das Außen befreien) und Yin nähren
Indikation: Außen-Syndrom (Tab. 4.55, Tab. 4.57Tab. 4.55Tab. 4.57) bei unterliegendem Yin-Mangel (Tab. 4.56).
Rezept: Arzneien zur Eliminierung pathogener Faktoren (7.1.2) wie Puerariae Rx. (labatae) (Ge Gen), in Kombination mit Yin-nährenden Arzneien (7.1.13.d) wie Polygonati odorati Rz. (Yu Zhu). Z.B. Jia Jian Wei Rui Tang enthält: Polygonati odorati Rz. (Yu Zhu), Allii sativi Bb. (Cong Bai), Platycodi Rx. (Jie Geng), Sojae Sm. praep. (Dan Dou Chi), Menthae haplocalycis Hb. (Bo He), Cynanchi atrati Rx. (Bai Wei), Glycyrrhizae Rx. praep. (Zhi Gan Cao), Jujubae Fr (Da Zao).
Akupunktur: Zusätzlich zu oben genannten Punkten bei Außen-Syndromen Yin-nährende Punkte wie z.B. Ni 3 + (Taixi), M 6 + (Sanyinjiao).
Schwitzen (das Außen befreien) und das Innere kühlen
Dies ist ebenso eine kombinierte Strategie.
Indikation: Außen-Syndrom (Tab. 4.55) und innere Fülle-Hitze (Tab. 4.56).
Anmerkung: Im Verlauf einer durch pathogene Faktoren bedingten febrilen Erkrankung (12) gibt es oft eine Phase, wo der pathogene Faktor (Xie Qi) zwar (zum Teil) im Äußeren verbleibt, aber auch bereits auf das Innere einwirkt. Eine solche Erkrankung ist meist relativ akut. In diesem Fall muss zeitgleich sowohl das Äußere wie auch das Innere behandelt werden, da folgende Gefahren bei der therapeutischen Intervention bestehen: Bei einer alleinigen Entlastung des Außen ohne Behandlung des inneren Zustands kann sich die Symptomatik verschlechtern. Ebenso darf nicht nur die innere Hitze behandelt werden, ohne nach Außen zu entlasten, denn dann kann das Pathogen im Körper verweilen und dort zunehmend die Organe schädigen. Wichtig ist eine differenzierte Diagnostik im Hinblick auf die Lokalisation des pathogenen Faktors sowie die fortschreitende Dynamik der Erkrankung.
Rezept: Arzneien zur Eliminierung pathogener Faktoren (7.1.2) in Kombination mit Hitze klärenden Arzneien (7.1.3) wie Scutellariae Rx. (Huang Qin). Z.B. Fang Feng Tong Shen San (7.6.3.b) entlastet das Äußere, lässt Hitze nach unten abfließen und löst durch die Hitze verursachte Stuhlgangblockaden auf. Ge Gen Huang Lian Huang Qin Tang entlastet das Äußere, beseitigt Hitze und behandelt so gleichzeitig Taiyang- und Yangming-Syndrom (12.1) einer febrilen Erkrankung. Shi Gao Tang enthält Huang Lian Jie Du Tang (7.6.4.c) und Arzneien, die das Äußere entlasten wie Ephedrae Hb. (Ma Huang), Sojae Sm. praep. (Dan Dou Chi) sowie zusätzlich Gypsum fibrosum (Shi Gao) als eine weitere Hitze-kühlende Arznei. Die Rezeptur beseitigt Hitze und lindert toxische Wirkungen bei gleichzeitiger Entlastung des Äußeren.
Akupunktur: Zusätzlich zu oben genannten Punkten bei Außen-Syndromen Hitze-ableitende Punkte wie z.B. Ma 44 - (Neiting), Di 11 (Quchi).

Hitze und Feuer klären (Qing Fa)

  • Wirkung: Beseitigt Hitze und leitet Feuer ab (klärt und kühlt Hitze), eliminiert Hitze-Toxine

  • Nach dem Huang Di Nei Jing, Su Wen (Kap. 74): Beseitige das, was warm ist. Behandle heiße Krankheiten mit Kälte

  • Zugehörige Strategien: Hitze der Qi-Schicht klären, Hitze der Ying-Schicht klären und das Blut kühlen, Hitze klären und entgiften (toxische Wirkungen lindern), Hitze aus den Organen beseitigen

  • Kombinierte Strategien: Hitze beseitigen und befeuchten, Hitze beseitigen und Qi stärken, Hitze beseitigen und Yin nähren

  • Indikation: Hitze bei febrilen Erkrankungen in der Qi- und Xue-Schicht nach der Vier-Schichten-Theorie (Wen Bing 12.2), Blut-Hitze, Hitze in den Organen, die Yin und Körperflüssigkeiten verbrauchen und schädigen

  • Therapeutisches Ziel: Die innere Hitze kühlen und ableiten

  • Anmerkung: Die Methode Qing Fa, das Klären/Kühlen von Hitze, beinhaltet sowohl eine Reinigung/Beseitigung als auch eine Transformation. Dadurch wird sie von anderen Methoden, die Hitze behandeln wie z.B. die Abführmethode (Xia Fa) oder die Entlastung des Äußeren von Wind-Hitze (Han Fa), abgegrenzt. Die Methode (Qing Fa) nur anwenden bei innerer Hitze ohne Anzeichen einer Verklumpung oder Anhäufung, d.h. bei einer Hitze ohne Form (Wu Xing Zhi Re). Viele Arzneien in diesen Rezepten haben eine kalte Natur und können daher leicht das Yang-Qi verletzen und Kälte verursachen. Deswegen ist eine engmaschige Verlaufskontrolle angezeigt, um solche Arzneien bei ausreichender Kühlung wieder aus der Rezeptur zu entfernen und das Therapieregime zeitnah adaptieren zu können. Wichtig kann es außerdem sein, Hitze-klärende Arzneien mit den Magen schützenden Arzneien zu kombinieren. Qing Fa ist v.a. eine Strategie des Wen Bing (12.2), bei dem es übergeordnet darauf ankommt, die normale Physiologie des Körpers wiederherzustellen, d.h., das Qi und die Flüssigkeiten (wieder) zirkulieren zu lassen und v.a. den Qi-Mechanismus (2.3.1) wieder zu normalisieren.

Hitze aus der Qi-Schicht klären (12.2.2)
Indikation: Hitze-Erkrankung in der Qi-Schicht nach der Vier-Schichten-Theorie (Wen Bing 12.2.2) bzw. Yangming-Syndrom nach der Sechs-Schichten-Theorie (Shang Han 12.1.2) mit den Leitsymptomen hohes Fieber, starker Durst, starkes Schwitzen, großer Puls.
Rezept: Arzneien, die Hitze klären und Feuer ableiten (7.1.3.a) wie Gypsum fibrosum (Shi Gao), Gardeniae Fr. (Zhi Zi). Z.B. Rezepte der Kategorie Hitze aus der Qi-Schicht klären (7.6.4.a) wie Bai Hu Tang (7.6.4.a), Zhu Ye Shi Gao Tang. Zhi Zi Dou Chi Tang: Einsatz bei Hitze ohne Form bzw. Resthitze zwischen dem oberen und mittleren Jiao, dabei wird die Rest-Hitze über den Urin ausgeleitet, der pathogene Faktor aber durch Sojae Sm. praep. (Dan Dou Chi) nach oben ausgeleitet.
Akupunktur: 12.1.2, 12.2.512.1.212.2.5.
Hitze aus der Ying-Schicht klären und das Blut kühlen
Indikation: Febrile (Hitze-)Erkrankung in der Ying- und/oder Xue-Schicht nach der Vier-Schichten-Theorie (Wen Bing 12.2.2). Mit dem Eindringen der Hitze in die Ying-Schicht zeigt sich Fieber, das sich nachts verschlimmert, Reizbarkeit und Schlaflosigkeit bis hin zu delirantem Reden, was eine zunehmende Hitzeschädigung der Säfte und des Geist-Shen anzeigt. Dringt die Hitze bis in die tiefste Schicht, in die Xue-Schicht, präsentieren sich Hämorrhagien und makulopapuläre Eruptionen durch Blut-Hitze (4.2.3, 12.2.24.2.312.2.2). Der Feind, der pathogene Faktor, ist bereits so tief in den Körper eingedrungen, dass man ihn in solch einer Situation nicht mehr direkt behandeln kann, ohne nicht zusätzlich auch den Körper weiter zu schädigen. Befindet sich der pathogene Faktor in diesen Schichten, wird zunächst über die Stärkung der Flüssigkeiten die Physiologie wieder hergestellt. In den Rezepturen ist daher oft Zeng Ye Tang (7.6.7) oder Teile davon enthalten. Durch die Wiederherstellung der normalen fließenden Physiologie wird das Pathogen wieder zurück in die Qi-Schicht gedrückt, von wo es wieder über Strategien, die in der Qi- und Wei-Schicht angezeigt sind, ausgeleitet werden kann.
Rezept: Arzneien, die Hitze klären und Blut kühlen wie Bubali Cornu (Shui Niu Jiao), Lycii Cx. (Di Gu Pi). Z.B. Qing Ying Tang (7.6.4.b), Qing Gong Tang, Xi Jiao Di Huang Tang (7.6.4.b, 12.24.2.312.2).
Akupunktur: 12.2.5.
Hitze klären und entgiften
Indikation: Behandlungsstrategie nach der Vier-Schichten-Theorie Wen Bing (12.2), Hitze beseitigen und toxische Wirkungen mildern. Starke Fülle-Hitze-Syndrome in den San Jiao (Tab. 4.56; 12.2) mit Hitze-Toxinen, die sich durch Symptome wie heiße Rötungen und Schwellungen, Fieber, Spannungsgefühl, Schmerz und Eiterung zeigen. Chuang Yang ist ein übergeordneter Begriff für alle geformten, sichtbaren Hautläsionen wie Eiterbeulen, Geschwüre oder Furunkel, charakterisiert durch eine rasche Entwicklung, Erysipel.
Rezept: Arzneien zur Hitze-Klärung und Beseitigung von Toxinen (7.1.3.d) wie Lonicerae Fl. (Jin Yin Hua), Taraxaci Hb. (Pu Gong Ying). Z.B. Huang Lian Jie Du Tang (7.6.4.c), Xie Xin Tang (7.6.4.c). Pu Xiao Du Yin.
Akupunktur: 12.2.5.
Hitze aus den Organen klären/beseitigen
Die Entwicklung einer Fülle-Hitze in einem Organ bzw. einem FK zeigt sich in einer charakteristischen Pathologie des jeweiligen Organs/FK (12.2, 1112.211). Bei der Auswahl der Behandlungsstrategie und der entsprechenden Rezepturen ist jeweils die graduelle Beteiligung des Organs zu beachten und entsprechend zu adaptieren.
Indikation: Fülle-Hitze-Syndrome (4.2.3) in den verschiedenen Organen.
Rezept. Hitze-klärende Arzneien (7.1.3) mit jeweils spezifischem Organbezug. Z.B. aus der Rezeptkategorie Hitze aus den FK klären (7.6.4.d, 12.27.6.4.d12.2): Xie Bai San (7.6.4.d) bei loderndem Feuer bei stagnierender Hitze in der Lunge. Qing Wei San (7.6.4.d) bei Hitze-Akkumulation im Magen. Xie Huang San, Yu Nü Jian (7.6.4.d) bei Magen-Hitze mit Nieren-Yin-Mangel. Dao Chi San (7.6.4.d) bei Hitze in Herz und Dünndarm. Qing Xin Lian Zi Yin, Long Dan Xie Gan Tang (7.6.4.d) bei Hitze in Leber und Gallenblase. Xie Qing Wan, Dang Gui Long Hui Wan, Zuo Jin Wan, Huang Qin Tang, Bai Tou Weng Tang bei Hitze-Toxinen in Magen und Dickdarm.
Akupunktur: 12.2. Immer stark ableitende Nadeltechnik, Blutenlassen der Punkte (5.1.6), um Hitze auszuleiten. Hitze-ableitende Punkte wie Lu 5 (Chize), Di 11 (Quchi), Bl 40 (Weizhong).
Hitze klären/beseitigen und Yin nähren
Kombinierte Strategie bei Hitze mit Yin-Mangel.
Indikation: Fortgeschrittene Stadien febriler Erkrankungen (12.2), chronische Erkrankungen mit Yin-Verbrauch und Schädigung der Säfte sowie Verweilen der pathogenen Hitze im Inneren mit Symptomen wie anhaltenden subfebrilen Temperaturen oder undulierendem Nachmittagsfieber, Wangenrötung, Anorexie, rote oder blutrote Zunge mit wenig Belag.
Rezept: Yin-nährende (7.1.13.d) und Hitze-klärende (7.1.3) Arzneien bzw. Rezepte kombinieren. Z.B. Qing Hao Bie Jia Tang nährt das Yin und ventiliert Hitze. Qing Gu San beseitigt durch Mangel verursachte Hitze und lindert die dampfende Knochenkrankheit. Qin Jiao Bie Jia San nährt Yin und Blut, beseitigt Hitze und lindert die dampfende Knochenkrankheit.
Anmerkung: Wenn die Mangelzeichen stärker als die Hitzezeichen sind, eher Yin-nährende Rezepte verschreiben (7.6.10.d).
Akupunktur: Kombination von Punkten, die Yin nähren wie Ni 3 + (Taixi), Mi 6 (Sanyinjiao) mit Punkten, die Hitze klären wie Le 2 (Xingjian), Du 14 (Dazhui).
Sommer-Hitze klären
Indikation: Erkrankungen durch Sommer-Hitze als stark Yang-pathogenem Faktor.
Rezept: Qing Luo Yin klärt Sommer-Hitze und beseitigt Hitze aus den Lungen.
Akupunktur: 12.2.5.
Sommer-Hitze vertreiben und Feuchtigkeit auflösen
Kombinierte Strategie.
Indikation: Febrile Erkrankung durch Sommer-Hitze (12.2) mit den Symptomen Fieber, Schwitzen, Durst, Reizbarkeit, Miktionsstörungen, einem dünnen, gelben und klebrigen Zungenbelag und einem schlüpfrigen, schnellen Puls.
Rezept: Liu Yi San beseitigt Sommer-Hitze, löst Feuchtigkeit auf und stärkt das Qi. Gui Ling Gan Lu Yin beseitigt Sommer-Hitze und Hitze, transformiert Qi und löst Feuchtigkeit auf.
Akupunktur: 12.2.5.
Sommer-Hitze vertreiben und Qi stärken
Kombinierte Strategie.
Indikation: Febrile Erkrankung durch Sommer-Hitze (12.2) mit Qi- und Yin-Mangel mit profusem Schwitzen, Reizbarkeit, Durst, wenig, dunklem und konzentriertem Urin, Kurzatmigkeit und einem leeren und schnellen Puls.
Rezept: Qing Shu Yi Qi Tang beseitigt Sommer-Hitze, stärkt das Qi, nährt das Yin und erzeugt Körperflüssigkeiten.
Akupunktur: 12.2.5.

Erbrechen (Tu Fa)

  • Wirkung: Ausleitung von Schleim, stagnierender Nahrung oder Toxinen in Hals-, Thorax- oder Magenregion durch Auslösen von Erbrechen

  • Nach dem Huang Di Nei Jing, Su Wen (Kap. 74): Wenn es im Oberen ist, führe es nach oben und außen

  • Indikation: Schleim, der im Rachenbereich oder Thorax festhängt, Nahrungsstagnation im Magen (11.6.5), akute Vergiftungen

  • Cave: Anwendung nur kurzfristig (meist einmalig) bei akuten Erkrankungen. Tu Fa ist eine starke Strategie, um starke Pathogene aus dem oberen und mittleren Jiao zu entfernen. Meist kommt es durch das Erbrechen zum Schwitzen, und das Magen-Qi und -Yin kann geschädigt werden (Methode ist wie ein iatrogen verursachtes gegenläufiges Magen-Qi). Daher nur zur Behandlung bestimmter akuter Erkrankungen, nur bei Patienten mit starker Konstitution

  • Zugehörige Strategie: Erbrechen induzieren, um Schleim zu reduzieren

  • Therapeutisches Ziel: Schleim- und Nahrungsstagnation vermindern, Entgiften durch Erbrechen.

Erbrechen von Nahrung/Schleim
Indikation: Bei Schleim, akuter, schwerwiegender Nahrungsstagnation im Magen (11.6.5) mit schmerzhaftem abdominalem Völle-, Druck- und Spannungsgefühl mit Übelkeit durch unregelmäßiges, wahlloses, gieriges Essen; zur Entgiftung direkt nach Aufnahme toxischer Substanzen. Cave: Regeln der Notfallmedizin beachten!
Rezept: Als Beispiele Emetika wie Gua Di San. Cave: Rezept ist kontraindiziert, wenn die stagnierende Nahrung bereits in den Darm übergegangen ist. Bei nicht nachlassendem Erbrechen korrigierende Gegenmaßnahmen wie 0,3–0,6 g Caryophylli Fl. (Ding Xiang), Reisschleim oder etwas Ingwersaft.
Akupunktur: Pe 6 (Neiguan): 0,75 cm tief einstechen, die Nadel 6-mal stärkend, dann 3-mal ableitend stimulieren. Den Patienten anweisen, während der Stimulation tief durchzuatmen. Dann Nadel anheben, um das Qi aufsteigen zu lassen. Cave: Zur Beendigung des Erbrechens ggf. Stärkung von Pe 6, den Patienten ruhig 36 Atemzüge durchführen lassen, dann Nadel langsam herausziehen und Einstichstelle zudrücken. Falls keine Besserung: Ma 36 (Zusanli) stärkend nadeln. Alternative: Stark ableitende Technik an Ren 12 (Zhongwan) und Ren 22 (Tiantu).

Nach unten Abführen (Xia Fa)

  • Wirkung: Förderung des Stuhlgangs durch Purgieren. Reinigt den Magen-Darm-Trakt von pathogenen Fülle-Faktoren wie Ansammlungen und Stagnationen von Qi, Blut, Schleim und Wasser-Fülle und leitet sie über den Darm aus

  • Nach dem Huang Di Nei Jing Su Wen (Kap. 74): Wenn es im Unteren voll ist, führe und leite es nach unten. [] Wenn die Mitte voll ist, leite es im Inneren ab

  • Indikation: Obstipation oder Stuhltrockenheit, Ansammlungen von Kälte- oder Hitze-Komplexen, Ansammlungen von Wasser, Schleim und/oder Blut im Darmtrakt

  • Zugehörige Strategien: Hitze-Anhäufung abführen, das Yang wärmen und Anhäufungen abführen, den Darm befeuchten und Stuhlgangblockaden auflösen, das überschüssige Wasser hinaustreiben

  • Kombinierte Strategien: Gleichzeitiges Abführen und Stärken (Tonisieren), das Blut bewegen und nach unten ableiten

  • Kontraindikation: Alte Patienten, geschwächte Patienten, post partum, Störungen des Flüssigkeitshaushalts, Blut- und Flüssigkeitsverlust, Frauen in der Schwangerschaft, während der Menstruation. Cave: Nicht bei einem Außen-Syndrom verwenden. Bei übermäßiger Anwendung Schwächung der Körperabwehr, des Zheng-Qi (Resistenzkraft) und Verletzung des Magen-Qi. Methode nur kurzfristig einsetzen bzw. absetzen, sobald die Wirkung eingetreten ist

  • Therapeutisches Ziel: Blockierende Schlacken ausscheiden, um den Organismus durch diese Darmreinigung zu entlasten

  • Anmerkung: Xia Fa ist eine starke Methode. Viele Rezepte, die unter diese Methode fallen, beinhalten Arzneien, die Stuhlgangblockaden auflösen und daher als Laxanzien wirken. Andere Rezepte enthalten Arzneien, die eine reinigende Wirkung auf die Anhäufung von Körpersäften haben.

Hitze-Akkumulation abführen
Indikation: Fülle-Hitze in der Yangming-Schicht (Yangming Fu Bian Zheng als ein Syndrom nach der Sechs-Schichten-Theorie Shang Han, 12.1.2) mit den Symptomen: Starke Obstipation und Flatulenz, Stuhl ist trocken und hart, Spannungs- und Völlegefühl abdominal, das sich durch Druck verschlimmert, Fieber, in schwergradigen Fällen Delirium, ein trockener, gelber oder trockener und schwarzer Zungenbelag mit Bläschen.
Rezept: Arzneien unter 7.1.4.a wie Rhei Rx. et Rz. (Da Huang). Z.B. Da Cheng Qi Tang (7.6.5.a) als Hauptrezept dieser Gruppe. Xiao Cheng Qi Tang (7.6.5.a) als gemäßigtere Rezeptur bei relativ leichten Erkrankungen in der Yangming-Schicht, wenn Trockenheit und Füllezeichen nicht so dominant sind. Tiao Wei Cheng Qi Tang (7.6.5.a) bei leichter Hitze in der Yangming-Schicht, bei der das abdominale Spannungs- und Völlegefühl fehlen, aber Reizbarkeit und ein schlüpfriger, schneller Puls bestehen. Liang Ge San (7.6.5.a) bei Lungen-Magen-Hitze. Da Xian Xiong Tang.
Akupunktur: Ma 25 (Tianshu), SJ 6 (Zhigou), Ma 36 (Zusanli), Bl 25 (Dachangshu), bei Hitze-Syndrom mit Stimulationstechnik das Kühlende des Himmels einströmen lassen (Tou-Tian-Liang 5.1.1) anwenden.
Yang wärmen und Anhäufungen abführen
Indikation: Syndrome mit Anhäufungen, die durch Fülle-Kälte im Inneren entstanden sind und charakterisiert sind durch abdominale Spannung und Schmerzen, Obstipation, entweder einen dicken, klebrigen Zungenbelag oder eine feuchte Zunge mit weißem Belag und Durstlosigkeit. Weitere Störungen sind charakterisiert durch Milz-Yang-Mangel (11.5.2) mit einer Kälteanhäufung mit Symptomen wie Kälteaversion, kalte Extremitäten und Durst auf warme Getränke. Schmerzen im Hypochondrium, Frösteln, Stagnation und Akkumulationen.
Rezept: Z.B. Da Huang Fu Zi Tang mit einer Kombination aus abführenden und wärmenden Arzneien. San Wu Bei Ji Wan. Ban Liu Wan.
Akupunktur: Ren 12 (Zhongwan), Ma 36 (Zusanli), Mi 4 (Gongsun), Bl 25 (Dachangshu), Moxibustion auf Salz auf Ren 8 (Shenque).
Darm befeuchten und Stuhlgangblockaden auflösen
Indikation: Habituelle Obstipation, Obstipation bei Mangel-Syndrom, im Alter, post partum.
Rezept: Z.B. Wu Ren Wan. Run Chang Wan (7.6.5.b) wirkt mild, gut bei Obstipation durch entwässerten Darm, z.B. bei alten, geschwächten Patienten, Yin-Mangel und Blutverlust. Ma Zi Ren Wan bei durch Hitze entstandener Trockenheit im Darm. Ji Chuan Jian.
Akupunktur: SJ 6 (Zhigou), Ma 25 (Tianshu), Ma 37 (Shangjuxu) und Ma 24 (Huaroumen) fördern die Darmentleerung, befeuchten die Därme; ergänzend Di 4 (Hegu), Ma 36 (Zusanli), Bl 25 (Dachangshu), Mi 15 (Daheng), Ma 44 (Neiting), Di 11 (Quchi). Ni 6 (Zhaohai): Obstipation bei Yin- und Flüssigkeitsmangel z.B. durch Leere-Hitze.
Gleichzeitig attackieren und stärken
Indikation: Bei febrilen Erkrankungen in der Yangming-Organ-Schicht (12.1, 12.2) mit den Symptomen Yin-Mangel und starke Obstipation. Ebenso bei Obstipation bei Yin-Mangel, wenn Zeng Ye Tang (Auffüllung des Yin und der Säfte) nicht zur Beseitigung der Obstipation ausreicht.
Rezept: Z.B. Zeng Ye Cheng Qi Tang nährt das Yin, erzeugt Körpersäfte, lässt Hitze abfließen und löst Stuhlgangblockaden auf.
Akupunktur: SJ 6 (Zhigou), Ma 25 (Tianshu), Ma 37 (Shangjuxu) und Ma 24 (Huaroumen) fördern die Darmentleerung, befeuchten die Därme; ergänzend Di 4 (Hegu), Ma 36 (Zusanli), Bl 25 (Dachangshu), Mi 15 (Daheng), Ma 44 (Neiting), Di 11 (Quchi), Ni 6 (Zhaohai): Obstipation bei Yin- und Flüssigkeitsmangel z.B. durch Leere-Hitze.
Wasser-Fülle nach außen treiben
Indikation: Bei Fülle-Zuständen, die durch eine Anhäufung von Wasser und Körpersäften entstehen, die das Innere blockieren und sich in den Thorax- und abdominalen Hohlräumen sammeln wie z.B. bei Aszites. Sie sind charakterisiert durch Miktions- und Defäkationsstörungen.
Rezept: Z.B. Shi Zao Tang. Yu Gong San.
Akupunktur: Diurese fördern durch Punkte wie Mi 9 (Yinlingquan), Ren 9 (Shuifen), Mi 6 (Sanyinjiao), Mi 4 (Gongsun). Lu 7 (Lieque) reguliert die Wasserpassagen. Evtl. zusätzlich Ni 7 (Fuliu) und Bl 23 (Shenshu).

Harmonisieren (He Fa)

  • Wirkung: Harmonisiert, reguliert und vermittelt zwischen den energetischen Schichten des Körpers sowie den Funktionen verschiedener Organe

  • Zugehörige Strategien: Das Shaoyang harmonisieren, die Membranquelle belüften, Leber und Milz harmonisieren, Magen und Darm regulieren

  • Kombinierte Strategien: Harmonisieren und Entlasten, Harmonisieren und Abführen

  • Indikation: Febrile Erkrankungen in der Shaoyang-Schicht nach der Sechs-Schichten-Theorie (12.1.3, der pathogene Faktor befindet sich halb innen/halb außen), malariaartige Erkrankungen, Disharmonien zwischen Holz und Erde (Leber/Milz) mit Symptomen wie Depressionen, Bauchschmerzen mit Blähungen etc.

  • Kontraindikation: Die Methode Harmonisieren nicht verwenden bei Außen-Syndromen (Tab. 4.55), bei denen sich der pathogene Faktor nur in der äußeren Schicht (der Taiyang- bzw. Wei-Schicht) und noch nicht in der Shaoyang-Schicht (12.1.3) befindet, da sonst die Gefahr besteht, dass der pathogene Faktor weiter in den Körper eindringen kann. Innen-Syndrom (Tab. 4.55), wenn der pathogene Faktor (Xie-Qi 2.6.1) die tiefste Schicht (die Zang-Fu-Organe) erreicht hat und ein Fülle-Hitze- oder Mangel-Kälte-Syndrom (Tab. 4.56) bewirkt. Alternierend Fieber/Frösteln bzw. Kälteaversion kann auch in Fällen eines starken Mangel-Zustands auf Organebene auftreten und muss nicht ein Shaoyang-Syndrom anzeigen. In diesem Fall ist die Harmonisierung kontraindiziert, da sie die Situation verschlimmern würde

  • Therapeutisches Ziel: Zwischen den verschiedenen FK bzw. Organen harmonisieren

  • Anmerkung: Harmonisieren bedeutet eigentlich Regulation, in einem gewissen Sinn auch ein Gleichgewicht wiederherstellen bzw. zu halten. Durch Harmonisieren wird die (Angel-)Funktion des Shaoyang wieder ins Gleichgewicht gebracht und das Pathogen von selbst wieder ausgeleitet. In diesem Fall sind die Methoden Schwitzen (Han Fa) oder Purgieren (Xia Fa) kontraindiziert. Würde man die Methode Han Fa einsetzen, bliebe der pathogene Faktor in der Shaoyang-Schicht stecken, da gar nicht das Pathogen in der Tiefe erreicht wird. Zudem wird durch die Öffnung der Poren das Zheng-Qi (2.3.1) weiter geschwächt. Die Methode Xia Fa mit dem Einsatz von kalten und bitteren Drogen würde den pathogenen Faktor nur noch weiter nach innen (in die zu schützenden Yin-Schichten) treiben. In der Shaoyang-Schicht geschieht Folgendes: Ein Pathogen ist bis in die Shaoyang-Schicht eingedrungen und bewirkt einerseits Kälteempfindungen und Frösteln als Zeichen dafür, dass das körpereigene wärmende Yang-Qi nicht mehr adäquat die Oberfläche erreicht. Andererseits kommt es wiederholt zu (alternierenden) Hitze-Zeichen. Der San Jiao (2.4.11) und die Gallenblase (2.4.10) gelten als Teile des Shaoyang. Der San Jiao sowie die Gallenblase (als Entscheider und Yang des Holzes) sind an der Verteilung des körpereigenen Yang-Qi bzw. des Ministeriellen Feuers (aus dem Mingmen) beteiligt. Störungen auf der Shaoyang-Ebene zeigen sich daher in Verteilungsproblemen des warmen Yang-Qi. Wird das körpereigene Feuer eingeschnürt bzw. stagniert es, kann sich dies in kalten Händen und Füßen, aber auch in einer lokalen Hitze-Entwicklung, die sich bis zu einem Lodernden Leber-Feuer (11.7.4) steigern kann, manifestieren. Oft zeigt sich Alternierendes, z.B. ein temporärer Wechsel zwischen warm und kalt bzw. auch in dem Sinne, dass ein gleiches Agens (z.B. eine Belastung) einerseits manchmal eine Überreaktion, andererseits manchmal zu wenig Reaktion des Organismus hervorruft. Dies kann sich auch emotional bzw. in Stimmungsschwankungen äußern. Der pathogene Faktor ist bei einem Shaoyang-Syndrom tiefer in den Körper eingedrungen als z.B. bei einem Taiyang-Syndrom. Der Körper bzw. das Zheng-Qi (Resistenzkraft) ist aber nicht stark genug, um das Pathogen ganz zu beseitigen, sondern kann es nur in Schach halten und ein (weiteres) tieferes Eindringen verhindern. Manchmal schafft es der Körper, stärker gegen das Pathogen zu kämpfen (Überreaktion als Kampf des Yang-Qi, Wutausbruch), manchmal aber nicht (zu wenig Reaktion, depressive Stimmung), daher auch die alternierende Symptomatik. Ausgehend von der Kategorie der Behandlung des Shaoyang, hat man diese Methode erweitert und auf andere alternierende Zustände übertragen, z.B. auf gemischte Fülle-/Mangel-Muster und auf Zustände mit oben heiß/unten kalt und v.a. auf Muster mit Leber-/Gallenblasenbeteiligung (z.B. Leber/Magen, Leber/Milz etc.). In dieser Kategorie wurden einige Methoden, die ansonsten nicht zuzuordnen waren zusammengewürfelt. Harmonisierung (oder Vermittlung) bedeutet daher z.B. sowohl einen Aspekt der Tonisierung als auch der Ableitung. Gemeint ist also eine Harmonisierung der Funktionen, damit wieder eine effektive Zusammenarbeit der FK möglich wird.

Das Shaoyang (zwischen Innen und Außen) harmonisieren
Indikation: Febrile Erkrankungen in der Shaoyang-Schicht nach dem Shang Han Lun (12.1.3), bei dem sich das Pathogen zwischen Innen und Außen befindet, oft verbunden mit alternierendem Fieber und Frösteln bzw. Kälteaversion. Kennzeichen für den Shaoyang im SHL sind Halstrockenheit, Benommenheit wie eine Art von Schwindel, ein bitterer (wie Galle, einige bezeichnen ihn als sauren) Mundgeschmack.
Akupunktur und Rezept: 12.1.3, 12.212.1.312.2. Z.B. Xiao Chai Hu Tang (7.6.6) und Variationen. Chai Hu Gui Zhi Tang. Chai Hu Jia Mang Xiao Tang. Hao Qin Qing Dan Tang. Nach einigen Autoren wird hier auch Da Chai Hu Tang (7.6.6) eingeordnet, das die Autorin der kombinierten Strategie Das Äußere entlasten und das Innere abfließen lassen zugeordnet hat.
Die Membranquelle belüften
Indikation: Febrile Erkrankungen, wobei sich das Pathogen in der Membranenquelle (dem Mo Yuan) befindet. Der Kampf zwischen dem Pathogen und dem Zheng-Qi (Resistenzkraft) verläuft in Schüben mit Fieber und Frösteln. Hier findet sich Trübheit an der Membranenquelle, die weder durch Schwitzen (Han Fa) noch durch Abführung über den Darm (Xia Fa) zu beseitigen ist. In diesem Fall müssen die Feuchtigkeit in der Ebene des Mo Yuan transformiert und die Hitze beseitigt werden.
Akupunktur und Rezept: 12.1.3, 12.212.1.312.2. Z.B. Qing Pi Tang trocknet Feuchtigkeit, transformiert Schleim, lässt Hitze abfließen und klärt die Milz. Da Yuan Yin verteilt das Qi und dringt in das Mo Yuan ein. Chai Hu Da Yuan Yin transformiert Schleim und Feuchtigkeit, entlüftet Zustände in der Ebene des Mo Yuan.
Qi regulieren und Stagnation beseitigen
Indikation: Innere Einschnürung und Stagnation des Qi-Mechanismus (2.3.1) im Sinne einer Leber-Qi-Stauung (11.7.2) mit den Zeichen kalter Hände und Füße bei warmem Körper mit evtl. Reizbarkeit und Völle in Thorax und Epigastrium, einer roten Zunge bzw. seitlichen roten Zungenrändern mit gelbem Belag und einem saitenförmigen Puls. Evtl. auch abdominale Schmerzen und/oder Diarrhö.
Rezept: Z.B. Si Ni San (7.6.6) entlüftet pathogene Faktoren, löst Einschnürung auf, verteilt das Leber-Qi und reguliert die Milz. Chai Hu Shu Gan San (7.6.6). Xiao Yao San (7.6.6) bei Leber-Qi-Stauung und Leber-Blut-Mangel sowie Milz-Qi-Mangel.
Akupunktur: Le 3 (Taichong), Di 4 (Hegu) und Le 14 (Qimen) fördern den harmonischen Leber-Qi-Fluss; Gb 40 (Qiuxu) und Gb 34 (Yanglingquan) bewegen das Qi im Gallenblasen-Meridian; Pe 6 (Neiguan) entspannt den Thorax, beseitigt Schmerz, beruhigt den Geist-Shen; Mi 4 (Gongsun) stärkt das Qi, reguliert Menstruation und Reproduktion; Mi 6 (Sanyinjiao) harmonisiert Qi und Blut, gut bei Menstruationsstörungen.
Leber und Magen harmonisieren
Indikation: Leber attackiert den Magen (11.11.19).
Akupunktur und Rezept: 11.11.19.
Leber und Milz harmonisieren
Indikation: Leber attackiert die Milz (11.11.18).
Akupunktur und Rezept: 11.11.18.
Magen und Därme harmonisieren
Indikation: Disharmonien im Gastrointestinaltrakt durch pathogene Faktoren, die in den Magen eingedrungen sind und einen Hitze- und Kälte-Komplex bzw. -Verklumpung im mittleren Jiao bilden. Dies ist gleichzeitig ein Fülle- und Mangel-Zustand. Die Verklumpung führt zu Hitze, diese verletzt das Milz- und Magen-Qi. Symptome wie ein fokussiertes Spannungs- und Völlegefühl im Epigastrium, die fokussierte Spannung ist tastbar als Schwellung (Pi), Blähungsgeräusche und Diarrhö, trockener Brechreiz oder Erbrechen, Appetitminderung, ein dünner, gelber und klebriger Zungenbelag und ein saitenförmiger, schneller Puls.
Rezept: Z.B. Ban Xia Xie Xin Tang (7.6.6). Huang Lian Tang: Reguliert Kälte und Hitze, harmonisiert den Magen und leitet gegenläufiges Qi nach unten ab.
Akupunktur: Ren 12 + (Zhongwan), Ma 36 + (Zusanli), Ma 37 (Shangjuxu), Ma 25 (Tianshu), Bl 25 (Dachangshu), Di 4 (Hegu), Pe 6 (Neiguan).

Erwärmen (Wen Fa)

  • Wirkung: Wärmt das Innere, löst Blockaden auf, macht die Meridiane durchgängig, um Kälte aus dem Inneren oder den Meridianen zu beseitigen. Stellt so die Funktionen des (körpereigenen) Yang-Qi wieder her

  • Nach dem Huang Di Nei Jing, Su Wen (Kap. 74): Wärme das, was kalt ist, behandle Kälteerkrankungen mit Wärme

  • Indikation: Kälte in den Meridianen mit Schmerzen, Kälte im mittleren Jiao, Kälte bei Yang-Mangel (Tab. 4.56)

  • Zugehörige Strategien: Meridiane wärmen und Kälte zerstreuen, Mitte wärmen und Kälte zerstreuen, Yang wiederherstellen und wiederbeleben

  • Kombinierte Strategien: Das Yang wärmen und die Ansammlung/Anhäufung herausführen, den kalten Schleim wärmen und transformieren, Wasser und Feuchtigkeit/Nässe erwärmen und transformieren

  • Kontraindikation: Patienten mit Fülle-Hitze oder Leere-Hitze mit Yin-Mangel. Pseudokälte-Syndrom (4.2.1) mit innerer Hitze und falschen Kälte-Symptomen außen

  • Therapeutisches Ziel: Die Kälte vertreiben mit Wiederherstellung des Yang-Qi

  • Anmerkung: Kälte-Krankheiten, bei denen die Methode Wärmen (Wen Fa) verwendet werden sollte, haben meist Aspekte von Yang-Mangel, daher oft in Kombination mit der Methode Stärken (Bu Fa).

Meridiane wärmen und Kälte zerstreuen
Indikation: Kälte, die in die Meridiane/Leitbahnen eingedrungen ist und sich äußert durch Gelenk-Bi-Syndrome (Gelenkerkrankungen 13.15.5; Tab. 13.94) durch Wind, Kälte und Feuchtigkeit mit vorwiegenden Kältesymptomen wie Schmerzbesserung durch Wärmeapplikation. Häufig bei Patienten mit schon zuvor bestehendem Blutmangel (4.2.3).
Rezept: Meridian-erwärmende Arzneien wie Cinnamomi Ra. (Gui Zhi 7.1.2), in chronifizierten Fällen zusätzlich kombiniert mit Blut-bewegenden (7.1.11.a), Stase-transformierenden und Knochen/Sehnen-stärkenden Arzneien. Patienten mit schwacher Konstitution erhalten zusätzlich das Blut nährende, Qi-stärkende Arzneien wie Angelicae sinensis Rx. (Dang Gui) und Paeoniae Rx. alba (Bai Shao). Z.B. Dang Gui Si Ni Tang. Huang Qi Gui Zhi Wu Wu Tang.
Akupunktur: Kombination von Lokal-/Regionalpunkten mit Fernpunkten (Tab. 13.95) sowie Moxibustion. Fernpunkte: Z.B. Bl 60 (Kunlun): Knie und LWS-Region; Di 4 (Hegu): Ellenbogen und Schulter; Dü 3 (Houxi): Nacken und LWS-Region; Gb 34 (Yanglingquan): Nacken, Knie, Beine, LWS-Region; Bl 57 (Chengshan): Bein und unterer Rücken; SJ 3 (Zhongzhu), SJ 5 (Waiguan): Schulter, Ellenbogen, (oberer) Rücken, v.a. seitlich.
Mitte wärmen und Kälte zerstreuen
Indikation: Mangel-Kälte in Milz und Magen wie bei Milz-Yang-Mangel (11.5.2) und/oder Magen-Qi-Mangel mit Kälte (11.6.2). Symptome wie Mattigkeit, Müdigkeit, evtl. auch Kälteaversion, kalte Extremitäten, Diarrhö, Abdominalschmerz (besser durch Druck und Wärme), Magenschmerzen und Erbrechen klarer Flüssigkeit, ein feuchter, weißlicher Zungenbelag und ein tiefer, langsamer Puls.
Rezept: Kombination von Arzneien, die die Mitte wärmen (7.1.12) wie Zingiberis Rz. (Gan Jiang) und Milz-/Magen-stärkenden Arzneien wie Atractylodis macrocephalae Rz. (Bai Zhu) und Glycyrrhizae Rx. (et Rz.) (Gan Cao). Bei Kältezeichen zusätzlich Yang-erwärmende Arzneien. Z.B. Li Zhong Wan (7.6.9) wärmt den mittleren Jiao, beendet Diarrhö; Variation Fu Zi Li Zhong Wan. Wu Zhu Yu Tang (7.6.9) wärmt den Magen, beendet Erbrechen. Xiao Jian Zhong Tang (7.6.9). Da Jian Zhong Tang. Gan Cao Gan Jiang Tang. Cave: Yin-Schädigung durch längeren Gebrauch von erwärmenden Arzneien (7.6.9) (trocknen aus).
Akupunktur: Stärkende Nadeltechnik und Moxibustion an Ren 12 (Zhongwan), Ma 25 (Tianshu) wärmen die Mitte; Kombination mit Mi 6 (Sanyinjiao), Bl 20 (Pishu), Mi 4 (Gongsun), Ma 36 (Zusanli) stärkt die Milz.

Zerstörtes Yang retten

Indikation: Extremer Yang-Mangel (Tab. 4.56) wie Yang-Kollaps (4.2.1), meist Herz- und Nieren-Yang-Mangel. Symptome wie Kälteaversion, extrem kalte Extremitäten, die Knie werden angezogen, Abfall von Körpertemperatur und Blutdruck, Kaltschweißigkeit sowie ein verschwindender, schwacher, dünner Puls.
Rezept: Grundlage der Behandlung sind das Innen wärmende, Kälte vertreibende, Yang wärmende Arzneien (7.1.12) wie Aconiti Rx. lateralis praep. (Zhi Fu Zi), Cinnamomi Cx. (Rou Gui). Z.B. Si Ni Tang. Shen Fu Tang.
Akupunktur: Moxibustion an Ren 4 (Guanyuan) und Ma 36 (Zusanli) zur Stärkung von Yang und Qi sowie an Du 20 (Baihui), um das Yang zu heben; Di 4 + (Hegu) unterstützt und bewegt das Qi; Ni 1 + (Yongquan) in extremen Fällen (mit Bewusstseinsverlust) nadeln; Bl 38 + M (Fuxi) mit Ma 36 + M (Zusanli) wärmen den mittleren Jiao.
Yang wärmen und Diurese fördern
Kombinierte Strategie.
Indikation: Yang-Qi-Mangel (Tab. 4.56) mit gestörter Qi-Transformation mit Symptomen wie Ödeme der unteren Extremitäten oder am ganzen Körper, häufiger Harndrang mit spärlichem Urin, blasse Gesichtsfarbe, kalte Extremitäten, Kälteaversion, blasse Zunge und schwacher, tiefer, dünner Puls.
Rezept: Kombination von das Innere wärmenden, Kälte zerstreuenden Arzneien (7.1.12) mit Feuchtigkeit ausleitenden (7.1.5) Arzneien. Z.B. Variation von Jin Gui Shen Qi Wan (7.6.10.e) Shen Qi Wan, Ji Sheng Shen Qi Wan (7.6.10.e), Zhen Wu Tang (7.6.8.d).
Akupunktur: Bl 23 + M (Shenshu), Bl 28 + M (Pangguangshu) und Ren 3 + M (Zhongji) wärmen Nieren- und Blasen-Yang; Mi 9 + (Yinlingquan) fördert die Diurese (unterstützt damit das Wasser); Bl 67 M (Zhiyin) unterstützt den freien Qi-Fluss im unteren Jiao.

Stärken/Tonisieren (Bu Fa)

  • Wirkung: Gleicht die verschiedenen Mangel-Zustände des Körpers durch Stärken (Qi, Yang) und Nähren (Blut, Yin) wieder aus

  • Nach dem Huang Di Nei Jing, Su Wen: Stärke das, was schwach ist (Kap. 20); vermehre das, was verletzt ist (Kap. 74)

  • Zugehörige Strategien: Das Qi stärken, das Blut nähren, das Yang stärken, das Yin nähren

  • Kombinierte Strategien: Das Qi, Blut, Yin oder Yang stärken und das Äußere entlasten, das Zheng-Qi (Resistenzkraft) stärken und gleichzeitig Pathologisches abführen, das Yin nähren und Trockenheit befeuchten, das Qi stärken und das Blut bewegen

  • Indikation: Mangel/Schwäche von Yin, Yang, Blut-Xue, Qi und Schwäche der verschiedenen Organe

  • Kontraindikation: Bei einer Schwäche der Mitte zuerst die Mitte stützen, Anwesenheit von pathogenen Faktoren (10.1.3)

  • Cave: Bei der Methode Stärken (Bu Fa) werden oft schwer verdauliche Arzneien verwendet, deshalb unbedingt auf die Milz- und Magenfunktionen achten. Gleichzeitig Qi- und/oder das Blut bewegende sowie die Verdauung fördernde Arzneien einsetzen. Bei sehr schwachen Patienten zuvor die Mitte stärken. Diese Methode nicht alleinig anwenden, falls noch ein pathogener Faktor im Körper verweilt (10.1.1, 10.1.2). Dann evtl. differenziertere Strategien anwenden

  • Therapieziel: Auffüllung des Mangels ohne Erzeugung einer pathologischen Ansammlung, daher Ergänzung mit bewegenden, die Verdauung und ggf. die Ausscheidung fördernden Arzneien.

Qi stärken
Indikation: Qi-Mangel-Syndrome (4.2.3) v.a. Lungen-Qi- und Milz-Qi-Mangel (11.3.1, 11.5.111.3.111.5.1) mit Belastungsdyspnoe, körperlicher Schwäche, Müdigkeit, Erschöpfung, Spontanschweiß, schwachem leerem Puls; wichtiges Kennzeichen für Qi-Mangel: Belastung verschlechtert; Uterus- oder Rektumprolaps bei sinkendem Milz-Qi (11.5.4); Schwächezustände in der Rekonvaleszenz oder nach Blutungen.
Rezept: Qi-stärkende Arzneien (7.1.13.a) wie Ginseng Rx. (Ren Shen), Codonopsis Rx. (Dang Shen), Astragali Rx. (Huang Qi). Anmerkung: Bei einer Qi-Stärkung sollte zusätzlich eine Blut- oder Yin-nährende Arznei zur Befeuchtung hinzugefügt werden, um Trockenheit zu vermeiden wie Angelicae sinensis Rx. (Dang Gui). Z.B. Si Jun Zi Tang (7.6.10.a) als Basis-Rezept für einen Qi-Mangel. Liu Jun Zi Tang (7.6.10.a) bei Milz-Qi-Mangel und Schleim. Shen Ling Bai Zhu Tang (7.6.10.a) bei Qi-Mangel mit Feuchtigkeitsretention. Xiang Sha Liu Jun Zi Tang (7.6.10.a) bei Milz- und Magen-Qi-Mangel mit Qi-Stagnation und evtl. Feuchtigkeit/Feuchte Kälte. Bu Zhong Yi Qi Tang (7.6.10.a) bei Milz- und Magen-Qi-Mangel mit sinkendem Yang bzw. sinkendem Milz-Qi. Yu Ping Feng San (7.6.13) bei Mangel an Lungen-Qi und Abwehr-Wei-Qi. Sheng Mai San (7.6.10.a) bei Qi- und Yin-Mangel (v.a. Herz und Lunge). Bu Fei Tang (7.6.10.a) bei Lungen-Qi-Mangel. Ren Shen Ge Jie San (7.6.10.a) bei Lungen-Qi-Mangel mit Hitze und Schleim.
Akupunktur: Punkte des Ren Mai wie Ren 4 + (Guanyuan), Ren 6 + (Qihai), Ren 12 + Zhongwan). Mi 6 + (Sanyinjiao) stärkt die Bein-Yin-Meridiane; Du 12 + (Shenzhu) stärkt das Lungen-Qi; Bl 23 + (Shenshu) und Ni 3 + (Taixi) stärken die Niere; Ma 36 + (Zusanli), Bl 24 + (Qihaishu) stärken das Qi des ganzen Körpers; Du 20 + (Baihui) bei Prolaps innerer Organe; Bl 38 + (Fuxi) mit Ma 36 + (Zusanli) nach lang dauernden Erkrankungen; Ni 7 (Fuliu) mit Di 4 (Hegu) bei Spontanschweiß.
Blut nähren
Indikation: Blut-Mangel, der infolge von starkem, akutem Blutverlust (z.B. post partum), chronischem Blutverlust, durch Qi-Mangel (v.a. durch Milz-Qi-Mangel mit nachfolgend mangelnder Blutbildung), Essenz-Jing-Mangel oder Blut-Stase auftreten kann. Wichtige FK für das Blut sind Milz, Herz, Leber und die Niere. Bei einer Blutnährung muss meist das Qi gestärkt werden, damit es nicht zu Stagnationen und Ansammlungen kommt. Ebenso kann eine Qi-Schwäche (z.B. der Milz) oder eine Blut-Stagnation ursächlich zu einem Blut-Mangel führen. Ein Blutaufbau verbraucht Qi, und Qi bewegt das Blut. Da Blut ein Teil des Yin des Körpers ist und Befeuchtung zu seinen Aufgaben gehört, kann es bei einem Blut-Mangel auch zu Hitze-Zeichen im Sinne einer Leere-Hitze kommen. Dies zeigt sich z.B. bei einem Herz-Blut-Mangel in Unruhe, bei einem Leber-Blut-Mangel mit Hitze-Entwicklung in Reizbarkeit etc.
Rezept: Blut-nährende Arzneien (7.1.13.b) wie z.B. Rehmanniae Rx. praep. (Shu Di Huang), Angelicae sinensis Rx. (Dang Gui). Anmerkung: Einige Blut-nährende Arzneien wie z.B. Rehmanniae Rx. praep. (Shu Di Huang) sind schwer verdaulich und sollten nach Bedarf durch verdauungsfördernde Arzneien wie z.B. Amomi Fr. (Sha Ren) oder Massa medicata fermentata (Shen Qu) ausgeglichen werden. Z.B. Si Wu Tang (7.6.10.b) als Basis-Rezept für einen (leichten Leber-)Blut-Mangel. Tao Hong Si Wu Tang (7.6.10.b) bei gleichzeitigem Blut-Mangel und Blut-Stase. Bu Gan Tang (7.6.10.b) bei einem Leber-Blut- und -Yin-Mangel. Shao Yao Gan Cao Tang. Dang Gui Sheng Jiang Yang Rou Tang.
Akupunktur: Mi 10 + (Xuehai), Bl 17 + (Geshu), Ma 36 (Zusanli), Bl 18 (Ganshu); zur Stärkung und Ernährung von Yin und Essenz-Jing, Mi 6 (Sanyinjiao), Ni 3 (Taixi).
Gleichzeitig Qi stärken und Blut nähren
Indikation: Qi- und Blut-Mangel (4.2.3), z.B. nach einem akuten Blutverlust, bei chronischen Erkrankungen, durch Fehlernährung, post partum, nach Chemotherapie, bei Patienten mit Malignomen oder Immunschwäche.
Rezept: Qi-stärkende Arzneien (7.1.13.a) wie Ginseng Rx. (Ren Shen) und Blut-nährende Arzneien (7.1.13.b) wie Rehmanniae Rx. praep. (Shu Di Huang). Z.B. Ba Zhen Tang (7.6.10.c) bei Qi- und Blut-Mangel bei chronischen Erkrankungen oder großem Blutverlust, bei gleichzeitiger Blut-Stase bei Frauen (z.B. post partum) zusätzlich Leonuri Hb. (Yi Mu Cao) als Ba Zhen Yi Mu Wan. Shi Quan Da Bu Tang (7.6.10.c) bei Qi- und Blut-Mangel mit stärkerer Wirkung auf den Qi-Mangel mit zusätzlich sich entwickelnder Kälte-Symptomatik. Dang Gui Bu Xue Tang (7.6.10.c). Ren Shen Yang Rong Tang und Gui Pi Tang (7.6.10.c) bei Herz- und Milz-Blut/Qi-Mangel (11.11.5). Zhi Gan Cao Tang (7.6.10.c) bei Herz-Qi- und -Blut-Mangel sowie Lungen-Qi- und -Yin-Mangel. He Ren Yin.
Akupunktur: Z.B. Bl 17 + (Geshu), Ma 36 (Zusanli), Bl 18 (Ganshu).
Yin nähren
Indikation: Yin-Mangel (Tab. 4.56): Lungen- und Magen-Yin-Mangel (11.3.2, 11.6.311.3.211.6.3) z.B. nach febrilen Erkrankungen (12). Leber- und Nieren-Yin-Mangel (11.9.6, 11.11.2011.9.611.11.20): Die Niere und die Leber haben eine gemeinsame Wurzel, so zieht ein Nieren-Yin-Mangel einen Leber-Blut-/Yin-Mangel nach sich und umgekehrt. Ein Herz-Yin-Mangel (11.1.4) weist oft psychische Symptome auf.
Kontraindikation bzw. Cave (nur mit Modifikationen): Schwäche der Mitte, Schleimretention und Diarrhö.
Anmerkung: Yin kann nur auf einem starken Yang aufgebaut werden und umgekehrt, daher beinhalten Yin-nährende Rezepturen auch immer Yang-Tonika. Yin-nährende Arzneien sind vom Temperaturverhalten neutral bis kalt und im Geschmack süß, leicht bitter und mild und sind oft sättigender Natur, d.h., sie können im Verdauungstrakt stagnierend wirken. Daher sollten sie bei Bedarf mit verdauungsfördernden Arzneien verschrieben werden wie z.B. Massa fermentata (Shen Qu).
Kombinierte Strategien:
  • das Lungen-Yin nähren, Trockenheit befeuchten und Husten beenden

  • das Magen-Yin nähren, Hitze klären und Flüssigkeiten erzeugen

  • das Leber- und Nieren-Yin nähren, Essenz-Jing tonisieren

  • das Herz- und Lungen-Yin nähren, Hitze klären und Geist-Shen beruhigen.

Häufig werden bei der Yin-Nährung zusätzlich Arzneien eingesetzt, die Hitze klären, Blut nähren, Wind ausleiten und Spasmen lösen.
Rezept: Yin-nährende Arzneien (7.1.13.d) wie Rehmanniae Rx. praep. (Shu Di Huang). Z.B. Liu Wei Di Huang Wan (7.6.10.d) als Basis-Rezept bei Leber- und Nieren-Yin-Mangel (viele Variationen). Variation Zhi Bai Di Huang Wan (7.6.10.d) bei Yin-Mangel mit Feuer und evtl. Feuchte-Hitze im unteren Jiao. Zuo Gui Wan (7.6.10.d) bei Nieren-Yin-Mangel und -Jing-Mangel. Da Bu Yin Wan (7.6.10.d) bei Leber- und Nieren-Yin-Mangel mit aufsteigendem Feuer. Hu Qian Wan. Da Zao Wan. Yi Guan Jian (7.6.10.d) bei Leber- und Nieren-Yin-Mangel mit Leber-Qi-Stagnation. Er Zhi Wan bei Leber- und Nieren-Yin-Mangel. Bai He Gu Jin Tang (7.6.7). Bu Fei E Jiao Tang. Qiong Yu Gao. Zhu Jing Wan. Yi Wei Tang.
Akupunktur: Z.B. Ni 3 + (Taixi), Ni 6 (Zhaohai) und Le 8 + (Ququan) nähren Nieren- und Leber-Yin in Kombination mit Punkten, die Hitze klären oder Feuer ausleiten wie Du 14 (Dazhui), Ni 2 (Rangu).
Yang wärmen und stärken
Indikation: Yang-Mangel (Tab. 4.56) mit Symptomen wie Kälteaversion, kalte Extremitäten, Schwächegefühl und Schmerzen in Knie und Lumbalregion, Impotenz, Spermatorrhö, viel, wässrig-klarer Urin, blasse Zunge und tiefer, schwacher Puls.
Rezept: Arzneien, die Nieren-Yang wärmen (7.1.12, v.a. 7.1.13.c). Yang kann nur auf einem starken Yin aufgebaut werden und umgekehrt, daher beinhalten Yang-stärkende Rezepturen immer auch Yin-Tonika. Z.B. Shen Qi Wan mit Variationen wie Jin Gui Shen Qi Wan (7.6.10.e) und Ji Sheng Shen Qi Wan (7.6.10.e). You Gui Wan (7.6.10.e). Tu Si Zi Wan. Zan Yu Dan. Anmerkung: In dieser Rezeptkategorie(7.6.10.e) ist auch Er Xian Tang aufgeführt. Diese Rezeptur stärkt sowohl Yin wie auch Yang und wurde unter dem Therapieprinzip Yin nähren und Yang stärken gelistet.
Akupunktur: Z.B. Moxibustion an Du 4 (Mingmen).
Yin nähren und Yang wärmen und stärken
Indikation: Yin- und Yang-Mangel (Tab. 4.56) mit Symptomen wie Kälteaversion, kalte Extremitäten, Schwächegefühl und Schmerzen in Knie und Lumbalregion, Impotenz, Spermatorrhö, viel, wässrig-klarer Urin, blasse Zunge und tiefer, schwacher Puls.
Rezept: Arzneien, die Nieren-Yin nähren und Nieren-Yang wärmen (7.1.13.d, 7.1.13.c). Z.B. Di Huang Yin Zi. Gui Lu Er Xian Jiao. Qi Bao Mei Ran Dan. Er Xian Tang (7.6.10.e).
Akupunktur: Z.B. Moxibustion an Ren 4 (Guanyuan), Du 4 (Mingmen); Ren 6 (Qihai) und Punkte, die Yin nähren wie Ni 6 (Zhaohai), Mi 6 (Sanyinjiao).

Reduzieren/Zerstreuen (Xiao Fa)

  • Wirkung: Reduziert langsam Verklumpungen oder Blockaden von Qi, Blut, Schleim oder Nahrung und beseitigt diese

  • Nach dem Huang Di Nei Jing, Su Wen (Kap. 74): Schabe das, was stark ist, ab. [] Zerstreue das, was verklumpt ist

  • Zugehörige Strategien: Nahrungsstagnation beseitigen, Ansammlungen reduzieren, Schleim transformieren, Ernährungsschädigung (Konzept des Gan Ji 14.7.2) aus der Kindheit eliminieren, Parasiten töten, Wunden reduzieren und Abzesse zerstreuen

  • Kombinierte Strategien: Stagnation beseitigen und nach unten ableiten. Gleichzeitig reduzieren und stärken

  • Indikation: Ansammlungen von Qi (Qi-Stagnation 4.2.3), Blut (Blut-Stagnation und -Stase 4.2.3), Schleim (Schleim-Retention 4.2.3), Nahrung (Nahrungsstagnation 11.6.5) oder Feuchtigkeit (z.B. Flüssigkeitsretention 4.2.3), Parasiten, Abzesse

  • Kontraindikation: Kein Einsatz bei Stagnationen, die durch Schwäche entstehen wie z.B. Gastroenteritis bei Mangel-Syndromen (4.2.1) und Erkrankungen mit Ödemen bei Milz-Qi- bzw. Milz-Yang-Mangel-Syndromen (11.5.1, 11.5.2). Yin-Mangel-Syndrom (Tab. 4.56) mit Polydipsie und Appetitlosigkeit oder Diarrhö mit unverdauter Nahrung

  • Therapieziel: Durch langsame Reduzierung der Verklumpung die Blockaden auflösen

  • Anmerkung: Im Gegensatz zu der Methode des Nach-unten-Abführens (Xia Fa 10.2.4) wird bei dieser Methode die Anhäufung oder Verklumpung allmählich reduziert und beinhaltet zusätzlich zum Ausstoßen eine Umwandlung bzw. Transformation.

Nahrungsstagnation beseitigen und Stagnation transformieren
Indikation: Nahrungsstagnation im Magen (11.6.5), Fülle-Syndrom des Magen-Darm-Traktes mit epigastrischem Druck- und Völlegefühl, abdominalem Spannungsgefühl, Appetitlosigkeit, übel riechendem Aufstoßen, Säurereflux, Übelkeit, Erbrechen, Obstipation mit Bauchschmerzen oder Diarrhö mit unverdauten Nahrungsbestandteilen.
Rezept: Z.B. Bao He Wan (7.6.17). Zhi Shi Dao Zhi Wan. Mu Xiang Bing Lang Wan.
Akupunktur: Ma 25 (Tianshu), Ren 10 (Xiawan), Ma 36 (Zusanli), Ma 37 (Shangjuxu), Bl 25 (Dachangshu) beseitigen die Fülle im Magen-Darm-Trakt; Mi 4 (Gongsun), Bl 20 (Pishu) zur Stärkung der Milzfunktion. Pe 6 (Neiguan; Technik 10.2.3) bei Übelkeit. Ren 21 (Xuanji) mit Ma 36 (Zusanli) zur Beseitigung von Nahrungsstagnation.
Nahrungsstagnation beseitigen und gleichzeitig stärken
Indikation: Nahrungsstagnation im Magen (11.6.5) mit unterliegender Schwäche der Mitte (z.B. Milz-Qi-Mangel).
Rezept: Z. B Jian Pi Wan. Zhi Zhu Wan. Zhi Shi Xiao Pi Wan.
Akupunktur: Ma 25 (Tianshu), Ma 37 (Shangjuxu), Bl 25 (Dachangshu) beseitigen die Fülle im Magen-Darm-Trakt; Mi 4 (Gongsun), Bl 20 (Pishu) zur Stärkung der Milzfunktion. Pe 6 (Neiguan; Technik 10.2.3) bei Übelkeit. Ren 21 (Xuanji) mit Ma 36 (Zusanli) zur Beseitigung von Nahrungsstagnation.
Blut-Stase beseitigen
(Modifiziert nach Neeb [2001] sowie Wiseman/Ellis [1994])
Indikation: Erkrankungen, die durch Blut-Stase (4.2.3) verursacht oder verkompliziert werden z.B. Menstruationsstörungen (13.12.2), Herz-Blut-Stase (11.1.5) etc.
Rezept:
  • Blut beleben (bewegen) bei Blut-Stase 1. Grades (Blut-Stagnation mit Stasebildung 4.2.3) mit Arzneien wie Angelicae sinensis Rx. (Dang Gui), Chuanxiong Rx. (Chuan Xiong), Salviae miltiorrhizae Rx. (Dan Shen), Leonuri Hb. (Yi Mu Cao), Paoniae Rx. rubra (Chi Shao), Moutan Cx. (Mu Dan Pi)

  • Blut beleben (bewegen) und Stase lösen bei Blut-Stase 2. Grades (mittlere Blut-Stase 4.2.3) mit Arzneien wie Persicae Sm. (Tao Ren), Carthami Fl. (Hong Hua), Lycopi Hb. (Ze Lan), Trogopterori Faeces (Wu Ling Zhi)

  • Blut-Stase brechen und Gefäße durchgängig machen bei Blut-Stase 3. Grades (schwere Blut-Stase mit Gefäßblock 4.2.3) mit Arzneien wie Sparganii Rz. (San Leng), Curcumae Rz. (E Zhu), Daemonoropis Resina (früher: Sanguis Draconis) (Xue Jie), Hirudo (Shui Zhi). Z.B. Tao He Cheng Qi Tang. Di Dang Tang. Xue Fu Zhu Yu Tang (7.6.12.a). Bu Yang Huan Wu Tang (7.6.12.a). Wen Jing Tang (7.6.12.a). Sheng Hua Tang (7.6.12.a). Gui Zhi Fu Ling Wan (7.6.12.a). Dang Gui Shao Yao San. Shi Xiao San. Huo Luo Xiao Ling Dan. Dan Shen Yin. Da Huang Zhe Chong Wan.

Akupunktur:
  • Bei Blut-Stase durch Qi-Stagnation (4.2.3) das Qi bewegen und das Blut beleben:

    • Qi bewegen: Im oberen Jiao mit Ren 17 (Danzhong), im mittleren Jiao mit Ren 12 (Zhongwan), im unteren Jiao mit Ren 6 (Qihai)

    • Blut beleben: Hauptpunkte sind Mi 10 (Xuehai) mit Bl 17 (Geshu); bei Herz- und Gefäßerkrankungen zusätzlich Pe 6 (Neiguan), bei Magen-Darm-Erkrankungen mit Blut-Stase (z.B. Blut-Stase im Magen 11.6.6) zusätzlich Ma 36 (Zusanli) mit Bl 57 (Chengshan); bei durch Blut-Stase bedingtem Rücken- und Hüftschmerz Bl 40 (Weizhong); Xi-Punkte (5.9.3) wie Mi 8 (Diji) bei durch Blut-Stase bedingter Dysmenorrhö; Pe 4 (Ximen) bei Herz-Blut-Stase (11.1.5)

  • Bei Blut-Stase durch Kälte (entweder Yang-Mangel als innere Kälte oder äußere Kälte) Meridian erwärmende Therapie: Zunächst Du 14 (Dazhui) und Di 11 (Quchi) mit Feuernadel (Moxanadel 5.1.8) behandeln, um äußere Kälte zu vertreiben, dann ausgewählte Transport-Shu-Punkte (5.9.4) des Rückens und der Hüfte zusammen mit den Ashi-Punkten mit Feuernadel therapieren, danach Schröpfkopfbehandlung (5.1.9) durchführen

  • Bei Blut-Stase durch innere Hitze (Leere-Hitze bei länger bestehendem Yin-Mangel 4.2.1), bei der das Blut eindickt und gerinnt, eine Blut-belebende und das Yin befeuchtende Therapie anwenden: Auswahl z.B. von Transport-Shu- und Alarm-Mu-Punkten der Yin-Meridiane, z.B. Bl 18 (Ganshu), Bl 20 (Pishu), Bl 23 (Shenshu), aber auch Ren 4 (Guanyuan), Ren 6 (Qihai), Mi 6 (Sanyinjiao), Mi 9 (Yinlingquan) etc. In einer Sitzung jeweils nur zwei bis drei Punkte nadeln. Cave: Akupunktur verbraucht Qi!

  • Bei Blut-Stase nach äußeren Traumata: Mikroaderlass an Lokalpunkten, danach schröpfen oder nach der Nadelung von Lokalpunkten die betroffene Region mit Moxibustion erwärmen (bei zusätzlicher Kälte). Um Qi und Blut zu bewegen und Stase zu beseitigen zusätzlich Fernpunkte (Punktauswahl Tab. 13.56, Tab. 5.57, Tab. 13.95Tab. 13.56Tab. 5.57Tab. 13.95)

  • Bei innerer Blut-Stase im Abdomen: Ni 14 (Siman) bewegt Qi und Blut im Abdomen; Ren 6 (Qihai) bewegt Qi und Blut im Abdomen; Mi 6 (Sanyinjiao) bewegt Qi und Blut in den 3-Fuß-Yin-Meridianen, vertreibt Stase

  • Bei Menstruationsstörungen (13.12.2, 13.12.3) durch Blut-Stase: Ren 4 (Guanyuan), Ren 2 (Qugu) und Ex-CA 1 (Zigong) mit Punkten wie Mi 6 (Sanyinjiao), Mi 8 (Diji), Le 3 (Taichong) kombinieren, um Stase zu bewegen und Blut zu regulieren; zusätzlich Ma 30 (Qichong), um das Qi im Chong Mai (5.4.5) zu harmonisieren und Blut-Stase zu beseitigen

  • Mikroaderlass der Luo-Gefäße, wodurch totes Blut beseitigt wird. Anwendung v.a. bei durch Blut-Stase bedingtem Kopfschmerz (Mikroaderlass an Ex-HN 5 [Taiyang]) oder durch Blut-Stase bedingtem Hüftschmerz (Mikroaderlass an Bl 40 [Weizhong]) oder bei Blut-Stase nach äußeren Traumata an Lokalpunkten.

Feuchtigkeit trocknen und Schleim transformieren
Indikation: Husten mit reichlich schleimigem Auswurf, fokussierte Schwellung und thorakales Beklemmungsgefühl, Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Palpitationen, geschwollene Zunge mit weißem, dickem, klebrigem Belag, schlüpfriger Puls.
Rezept: Z.B. Er Chen Tang (7.6.16.a), Dao Tan Tang, Fu Ling Wan. Um Hitze zu beseitigen und Hitze-Schleim zu transformieren: Wen Dan Tang (7.6.16.b), Qing Qi Hua Tan Wan (7.6.16.b), Xiao Xian Xiong Tang (7.6.16.b). Für sehr alten Schleim auch: Gun Tan Wan.
Akupunktur: Ren 12 (Zhongwan) harmonisiert den Magen, transformiert Schleim; Bl 20 + (Pishu), Ren 13 + (Shangwan), Mi 4 + (Gongsun) stärken die Milz, um Schleim zu transformieren; Mi 9 (Yinlingquan) unterstützt die Diurese; Pe 6 (Neiguan): Entspannt Thorax und Diaphragma, beseitigt Übelkeit; Gb 20 (Fengchi), Ex-HN 5 (Taiyang), Ex-HN 3 (Yintang), Du 20 (Baihui) in Kombination mit Fernpunkten wie Le 2 (Xingjian), Ma 41 (Jiexi) bei Schwindel oder Kopfschmerzen; Du 24 (Shenting), Ma 40 (Fenglong), Dü 7 (Zhizheng), Bl 48 (Yanggang) bei Schwindel durch aufwärtsgerichtete Schleim-Hitze.
Schleim transformieren und Verhärtungen erweichen
Indikation: Subkutane Knötchen, die durch die Verklumpung von Schleim in den Meridianen entstehen wie z.B. Schleimknoten im Bereich des Halses (z.B. auch Struma), in den Achselhöhlen oder in der Leistenregion.
Rezept: Z.B. Xiao Luo Wan. Xia Ku Cao Gao. Hai Zao Yu Hu Tang. Siehe auch Rezepturen bei Struma (13.10.1).
Akupunktur: Stark ableitende Nadeltechnik an Lokalpunkten im Gebiet der Knötchen und Verhärtungen, zusätzlich Punkte nach jeweiliger Erkrankung (13).
Schleim transformieren und Husten beenden
Indikation: Husten mit Schleimauswurf (13.2.1).
Rezept: Bei Mu Gua Lou San (7.6.16.d): Befeuchtet Trockenheit und transformiert Schleim. Zhi Sou San (7.6.16.e): Entlastet (äußeren) Wind und transformiert Schleim.
Akupunktur:
  • Bei Außen-Syndrom (z.B. Erkältungskrankheit Tab. 4.55; 12.1, 12.2): Bl 12 (Fengmen), Bl 13 (Feishu), Di 4 (Hegu), Lu 9 (Taiyuan) und Lu 7 (Lieque) (senkt Lungen-Qi ab) vertreiben pathogene Faktoren wie Wind, verteilen das Lungen-Qi in Kombination mit Punkten wie Mi 5 (Shangqiu), Ren 12 (Zhongwan), Mi 9 (Yinlingquan), die Feuchtigkeit transformieren

  • Bei Yin-Mangel-Syndrom (Tab. 4.56): Yin-nährende und Lungen- und Nieren-stärkende Punkte wie Bl 13 (Feishu), Bl 23 (Shenshu), Ni 3 (Taixi) mit Punkten kombinieren wie Le 2 oder Lu 5; Le 2 (Xingjian) oder Le 5 (Ligou) klärt Leber-Feuer, Lu 5 (Chize) klärt Hitze im oberen Jiao

  • Bei Yang-Mangel-Syndrom (Tab. 4.56): Stärkende Nadelung an Punkten wie Bl 13 (Feishu), Bl 20 (Pishu), Ma 36 (Zusanli) und Moxibustion an Ren 4 (Guanyuan), Ren 12 (Zhongwan): Wärmen das Yang von Lunge, Milz und Niere; Ma 40 (Fenglong) transformiert Feuchtigkeit und v.a. Schleim, leitet das Trübe ab.

Schleim transformieren und Wind beseitigen
Indikation: Z.B. Schwindel, Kopfschmerz, thorakales Völlegefühl etc. bei nach oben aufsteigendem Wind-Schleim (bis hin zu Krampfanfällen).
Rezept: Z.B. Ban Xia Bai Zhu Tian Ma Tang (7.6.16.e). Ding Xian Wan.
Akupunktur: Punkte, die Schleim transformieren wie Ma 40 (Fenglong) und Punkte, die Wind beseitigen wie Le 2 (Xingjian), Gb 20 (Fengchi) etc. Bei Hitze: Zusätzlich Du 20 (Baihui), Ex-HN 3 (Yintang), Ex-UE 11 (Shixuan), SJ 5 (Waiguan), Di 11 (Quchi).
Feuchtigkeit transformieren
Indikation: Syndrom durch den pathogenen Faktor Feuchtigkeit (2.6.1, 4.2.32.6.14.2.3) mit Symptomen wie kontinuierliches Fieber, Schweregefühl, Müdigkeit, bandagiertes Kopfgefühl, schleimig-klebriger Zungenbelag und schlüpfriger Puls.
Rezept: Z.B. Ping Wei San (7.6.8.a) transformiert Feuchtigkeit und harmonisiert den Magen. San Ren Tang (7.6.8.b) ist Hitze klärend und Feuchtigkeit transformierend, Er Miao San (7.6.8.b) klärt Hitze und leitet Feuchtigkeit aus.
Akupunktur:
  • Feuchtigkeit transformieren: Mi 9 (Yinlingquan) gut in Kombination mit Mi 6 (Sanyinjiao), Bl 28 (Pangguangshu), Ren 9 (Shuifen); Schleim transformieren: Ma 40 (Fenglong)

  • Stärken von San Jiao, Niere, Milz und Lunge: Z.B. Rücken-Transport-Shu-Punkte (5.9.4, Tab. hinterer Buchumschlag) des jeweiligen Organs.

Diurese fördern und Feuchtigkeit beseitigen
Indikation: Erkrankung mit Ödemen und spärlichem Harnfluss.
Rezept: Z.B. Wu Ling San (7.6.8.c). Zhu Ling San. Wu Pi San. Fang Ji Huang Qi Tang.
Akupunktur: Punkte wie bei Feuchtigkeit transformieren (13.22.1).
Hitze klären und Harnwege öffnen
Indikation: Dysurie (13.5.1, z.B. bei Hitze-Lin mit Feuchter-Hitze im unteren Jiao), Harnwegsinfekt.
Rezept: Z.B. Ba Zheng San (7.6.8.b), Wu Ling San (7.6.8.c): Klären Hitze, fördern die Diurese, lindern Schmerzen.
Akupunktur: Hitze im unteren Jiao beseitigen mit Punkten wie Ni 3 + (Taixi) und Bl 23 + (Shenshu): Stärken die Nieren und klären innere Hitze; Ren 4 (Guanyuan) und Bl 27 (Xiaochangshu) klären Hitze vom Dünndarm; zusätzlich Bl 15 (Xinshu). Bei Feuchte-Hitze: Zusätzlich Mi 6 (Sanyinjiao), Mi 9 (Yinlingquan) gut in Kombination.

Weitere wichtige Therapieprinzipien

Stabilisieren und Binden
  • Indikation: Zur Behandlung von Verlust (Ausfluss bzw. Auslaufen) von Körperflüssigkeiten bzw. Substanzen wie Schweiß, Sputum, Urin, Sperma etc. Dieser Verlust kann entweder durch Fülle-Muster mit Hitzebeteiligung bedingt sein oder durch einen Mangel bzw. eine Schwäche, die ein ungenügendes Halten der Säfte etc. nach sich zieht. Die Behandlung der Hitze-Prozesse wird teilweise im Abschnitt über die Methode Hitze klären (10.2.2) abgehandelt, die Mangel-Muster im Folgenden, anschließend die Blutungen in einer gesonderten Kategorie (wie auch in Rezeptbüchern üblich). Die Strategien bei einem Mangel-Muster unterscheidet man v.a. nach vier Kategorien: Das Außen und die Lunge stabilisieren, ein Auslaufen aus dem Darm verhindern, die Nieren stabilisieren, den Uterus stabilisieren. Indikationen sind daher z.B. Husten und Schwitzen, chronischer Durchfall, Harninkontinenz, Samenverlust, Leukorrhö etc.

  • Kontraindikation: Erkrankungen, die durch äußere pathogene Faktoren verursacht wurden, wobei das Pathogen noch nicht gelöst wurde und weiter ein Fülle-Zustand vorhanden ist

  • Anmerkung: Die hier beschriebene Strategie Stabilisieren und Binden bzw. Adstringieren ist in gewissem Sinn der stärkenden Methode zu zurechnen (Bu Fa). Man versucht, dadurch weitere Verluste zu verhindern. Dies betrifft v.a. die FK Herz, Lunge und Niere bzw. auch der Milz (in ihrer Haltefunktion). Eigentlich ist die Methode Adstringieren den üblicherweise eingesetzten Strategien der chinesischen Medizin entgegengesetzt, die eher auf ein Öffnen und Durchgängigmachen bzw. auf ein Wiederherstellen der normalen Physiologie abzielen, damit sich der Körper wieder selbst regulieren kann. Bei den Pathologien, die ein Stabilisieren und Binden erforderlich machen, ist der Verlust allerdings so dramatisch bzw. fortgeschritten, dass einem weiteren Auslaufen unbedingt Einhalt geboten werden muss, damit der Körper nicht weiter geschwächt wird. Erst dann bzw. damit können die physiologischen Funktionen wiederhergestellt werden. Im Falle einer Leckage nur Qi bzw. Flüssigkeiten zuzuführen, ohne dass das entsprechende Loch gestopft würde, reicht nicht aus, um den gewünschten therapeutischen Effekt zu erzielen.

Das Außen stabilisieren
Indikation: Bei Spontan- oder Nachtschweiß (13.22.2).
Rezept: Z.B. Yu Ping Feng San (7.6.13) stabilisiert das Außen, stärkt das Qi und beendet Schwitzen, bei Spontanschweiß bei Qi-Mangel. Mu Li San (7.6.13) bei Qi- und Yin-Mangel mit Schwitzen, beendet Schwitzen und stabilisiert das Außen. Dang Gui Liu Huang Tang: Bei Nachtschweiß, nährt das Yin, beseitigt Hitze, stabilisiert das Außen und beendet Schwitzen.
Akupunktur: Di 4 (Hegu), Ni 7 + (Fuliu), Weiteres 13.22.2.
Därme adstringieren und Diarrhö beenden
Indikation: Chronische Diarrhö, Stuhlinkontinenz, Rektumprolaps.
Rezept: Z.B. Si Shen Wan (7.6.13). Zhen Ren Yang Zang Tang. Tao Hua Tang. Yi Huang San.
Akupunktur: Ren 4 (Guanyuan), Du 4 (Mingmen), Bl 23 (Shenshu), Bl 20 (Pishu), Ma 36 (Zusanli) wärmen und stärken Milz und Niere (stärkend nadeln und Moxibustion); Ma 25 (Tiantu), Bl 25 (Dachangshu) beenden Diarrhö; bei Rektumprolaps Du 20 (Baihui), hebt Yang-Qi; bei Feuchtigkeit Mi 9 (Yinlingquan), Mi 4 (Gongsun).
Essenz-Jing zurückhalten und Enuresis beenden
Indikation: Mangel-Syndrom (Tab. 4.53, 11.9.3) mit Spermatorrhö, Harninkontinenz, Pollakisurie.
Rezept: Z.B. Suo Quan Wan (7.6.13). Jin Suo Gu Jing Wan. Sang Piao Xiao San. Gui Zhi Jia Long Gu Mu Li Tang. Shou Tai Wan.
Akupunktur: Bl 23 (Shenshu), Ni 12 (Dahe), Bl 30 (Baihuanshu), Mi 6 (Sanyinjiao), Ni 3 (Taixi) stärken Niere und stabilisieren Essenz-Jing; Moxibustion an Ren 4 (Guanyuan), Ren 6 (Qihai) stärkt den Ren Mai und Ursprungs-Yuan-Qi; Ma 30 (Qichong) festigt das Samentor.
Den Uterus stabilisieren
Indikation: Chronische Uterusblutungen und anhaltender, klar- und dünnflüssiger weißlicher Fluor vaginalis, der sich bei körperlicher Schwäche verstärkt, Differenzialdiagnose 13.12.4.
Rezept: Z.B. Gu Chong Tang: Uterusblutungen v.a. durch Qi-Mangel und Schwäche der Haltefunktion des Chong Mai. Gu Jing Wan bei Hitze-Entwicklung durch Leber-Feuer aufgrund von eingeschnürtem Leber-Qi und Schädigung des Ren/Chong Mai und der Säfte mit Blutungen, Rezept beseitigt Hitze aus dem Blut. Wan Dai Tang (7.6.13) bei weißlichem Ausfluss. Yi Huang Tang bei gelblichem Ausfluss.
Akupunktur: Ren 6 (Qihai), Mi 6 (Sanyinjiao), Gb 26 (Daimai), Bl 20 (Pishu), Ma 36 (Zusanli), Ni 2 (Rangu), Bl 23 (Shenshu) stärken Milz und Niere; Moxibustion an Ren 8 (Shenque), Ren 2 (Qugu), Du 4 (Mingmen).
Blutungen beenden
Hitze beseitigen und Blutungen beenden
Indikation: Blutungen, die durch Blut-Hitze verursacht sind mit Symptomen wie z.B. Nasenbluten, Exanthemen, Hämatemesis etc., begleitet von Hitzezeichen wie Mund- und Rachentrockenheit, einem geröteten Gesicht, roten Augen, trockenem Stuhl, spärlichem, konzentriertem Urin, gelbem Zungenbelag und beschleunigtem Puls.
Rezept: Z.B. Shi Hui San. Di Yu San. Si Sheng Wan. Huai Hua San (7.6.12.b). Xiao Ji Yin Zi (7.6.12.b). Qing Re Zhi Beng Tang (7.6.12.b).
Akupunktur: Z.B. Mi 10 (Xuehai) kühlt Blut und beendet Hämorrhagien durch Blut-Hitze; Moxibustion an Le 1 (Dadun); Mi 1 (Yinbai) beendet Blutung.
Stärken und Blutungen beenden
Indikation: Blutungen vom Mangel-Typ v.a. durch Milz kann das Blut nicht halten (11.5.3) bzw. bei Leere im Ren und Chong Mai. Chronische Blutungen mit blassroter Färbung und Schwächezuständen.
Rezept: Z.B. Bai Ye Tang. Huang Tu Tang. Jiao Ai Tang.
Akupunktur: Mi 6 (Sanyinjiao), Mi 4 (Gongsun), Mi 9 (Yinlingquan) stärken Milz; Moxibustion an Le 1 (Dadun); Mi 1 (Yinbai) beendet Blutung.
Geist-Shen beruhigen
Geist-Shen beruhigen je nach zugrunde liegender Ursache. Zwei Haupttypen von Erkrankungen des Geistes werden unterschieden: Der Mangel- und der Fülle-Typ, dabei sind v.a. FK Leber und FK Herz betroffen. Störungen des Geist-Shen können bei vielen anderen Disharmonien auftreten wie z.B. bei Hitze, bei Schleim, der die Sinnesöffnungen vernebelt, Blut-Stase, Nahrungsstagnation etc. (13.18).
Herz nähren und den Geist-Shen beruhigen
Indikation: Mangel/Leere-Typ: Störungen des Geist-Shen bei Herz-Yin- und -Blut-Mangel mit Symptomen wie Palpitationen, Konzentrationsstörungen, Reizbarkeit und Schlaflosigkeit z.B. bei Herz-Blut-Mangel (11.1.3), Disharmonie zwischen Herz und Niere (11.11.11, auch 13.18).
Rezept: Z.B. Tian Wang Bu Xin Dan (7.6.14.b): Bei Disharmonie zwischen Herz und Niere (11.11.11), Suan Zao Ren Tang (7.6.14.b): Bei Leber-Blut-Mangel mit Leere-Hitze. Ding Zhi Wan (13.18.2.j): Bei Herz-Qi-Mangel z.B. durch emotionales Trauma. Huang Lian E Jiao Tang (13.18.2.i): Bei Yin-Mangel mit Leere-Hitze z.B. nach einer febrilen Erkrankung. Gan Mai Da Zao Tang (7.6.14.b): Bei Zang Zao einer ruhelosen Organerkrankung als ein emotionaler Zustand mit Besorgtheit, Ängstlichkeit, unterliegend meist ein Blut-Mangel mit Herz-/Leber-Yin-Schädigung.
Akupunktur: Hauptpunkte: Pe 6 (Neiguan), Bl 15 (Xinshu),He 7 (Shenmen).
  • Bei Disharmonie zwischen Herz und Niere (11.11.11): Zusätzlich Ni 3 (Taixi), Bl 23 (Shenshu), Pe 8 (Laogong)

  • Bei Herz-Yin-Blut-Mangel (11.1.4, 11.1.3): Zusätzlich Mi 6 (Sanyinjiao), Bl 17 (Geshu), Bl 20 (Pishu).

Sedieren und den Geist-Shen beruhigen
Indikation: Fülle-Typ: Störungen des Geist-Shen mit schweren Angstzuständen, Panikattacken oder Phobien, Ruhelosigkeit und unkontrollierbaren Emotionen (z.B. Loderndes Herz-Feuer (11.1.6), Schleim-Feuer erregt das Herz (11.1.7), Hitze im Perikard im Rahmen von febrilen Erkrankungen (12.2, auch 13.18).
Rezept: Z.B. Sheng Tie Luo Yin (13.18.5.b): Bei manischem Verhalten durch Schleim-Feuer (cave: Ohne Cinnabaris [Cu Sha]!). Chai Hu Jia Long Gu Mu Li Tang (7.6.14.a): Löst Blockaden in allen drei Yang-Schichten auf, sediert und beruhigt den Geist-Shen, auch bei Schleim-Feuer in Leber und Gallenblase.
Akupunktur: Hauptpunkte: He 7 (Shenmen), Pe 6 (Neiguan).
  • Bei Herz-Feuer (11.1.6): Pe 8 (Laogong), He 8 (Shaofu), Pe 5 (Jianshu)

  • Bei Schleim-Feuer erregt das Herz (11.1.7): Z.B. Pe 5 (Jianshi), Ma 40 (Fenglong), Pe 8 (Laogong).

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