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B978-3-437-56483-3.10006-0

10.1016/B978-3-437-56483-3.10006-0

978-3-437-56483-3

Tui a–c

Na

An a–c

Mo

Rou a–c

Nie

Cuo

Ca

Kou Ji

Gun

Tuina

Rolf Rothe

mit einem Beitrag von

Claudia Focks

(6.2)

  • 6.1

    Einführung 514

    • 6.1.1

      Allgemeine Beschreibung514

    • 6.1.2

      Kurzer geschichtlicher Abriss514

    • 6.1.3

      Indikationen515

    • 6.1.4

      Kontraindikationen515

    • 6.1.5

      Diagnostische Grundlagen zur Anwendung von Tuina516

    • 6.1.6

      Tuina in Kombination mit weiteren Verfahren der chinesischen Medizin516

  • 6.2

    Tendino-Muskuläre Leitbahnen (Jin Jing)516

    Claudia Focks

  • 6.3

    Allgemeine und erweiterte Therapieprinzipien 517

    • 6.3.1

      Übergeordnete Therapieprinzipien517

    • 6.3.2

      Untergeordnete Therapieprinzipien518

  • 6.4

    Behandlungstechniken 518

  • 6.5

    Allgemeine Anwendungsrichtlinien 525

  • 6.6

    Behandlungsbeispiel in der Gynäkologie 526

    • 6.6.1

      Westliche Diagnose: Prämenstruelles Syndrom und Dysmenorrhö526

  • 6.7

    Behandlungsbeispiele in der inneren Medizin 527

    • 6.7.1

      Westliche Diagnose: grippaler Infekt (Beispielmuster: Eindringen von Wind-Kälte)527

    • 6.7.2

      Westliche Diagnose: Leitsymptom Diarrhö528

    • 6.7.3

      Westliche Diagnose: Leitsymptom Obstipation529

    • 6.7.4

      Westliche Diagnose: Gastritis530

    • 6.7.5

      Westliche Diagnose: Akute Dyspnoe bei Stress532

  • 6.8

    Behandlungsbeispiele in der Neurologie 533

    • 6.8.1

      Westliche Diagnose: Kopfschmerzen, stressbedingt533

  • 6.9

    Behandlungsbeispiele bei Störungen des Bewegungsapparats: Gelenk-Bi-Syndrome (Bi Zheng)534

    • 6.9.1

      Wind-Bi oder wanderndes Bi (Feng Bi oder Xing Bi)535

    • 6.9.2

      Kälte-Bi oder schmerzhaftes Bi (Han Bi oder Tong Bi)535

    • 6.9.3

      Feuchtigkeits-(Nässe-)Bi oder haftendes Bi (Shi-Bi oder Zhuo-Bi)536

    • 6.9.4

      Hitze-Bi oder fiebriges Bi (Re-Bi)537

    • 6.9.5

      Knochen-Bi oder chronisches Bi (Gu Bi)538

  • 6.10

    Behandlungsbeispiele bei Mangel-Mustern 538

    • 6.10.1

      Nieren-Jing-Mangel538

    • 6.10.2

      Qi- und /oder Yang-Mangel (Qi /Yang Xu)539

    • 6.10.3

      Blut- und/oder Yin-Mangel (Xue /Yin Xu)542

  • 6.11

    Tuina zur Selbstbehandlung 544

Einführung

Allgemeine Beschreibung

Tuina umfasst massierende und chiropraktische Behandlungstechniken sowie passive Mobilisationen gelenkiger Strukturen. Jede Störung eines FK führt dazu, dass disharmonische Signale ausgesendet werden, die den Gesamtorganismus irritieren bzw. ihn in der Folge erkranken lassen. Der gezielte Behandlungsimpuls setzt einen Heilreiz, durch den sich die biologischen Signale wieder normalisieren (aufrechtes bzw. geradläufiges Zheng Qi, 2.3.1) und der Störungsimpuls (schrägläufiges Xie Qi, 2.6) abgebaut wird.

Kurzer geschichtlicher Abriss

Historisch entwickelte sich Tuina (Schieben und Greifen) aus dem Anmo (Drücken und Streichen), was so viel wie Massage bedeutet, wobei beide Begriffe im heutigen China synonym im sprachlichen Gebrauch verwendet werden. Die terminologische Differenzierung findet sich darin, dass es ursprünglich ein Behandlungsverfahren zur oder über die Beeinflussung von weichteiligen Körperstrukturen, wie Haut, Muskulatur und Bindegewebe war und erst im Laufe der Zeit mit Behandlungstechniken des Knochenrichtens zusammenfand. Des weiteren fanden auch Einflüsse des Die Da (syn.: Tieh Ta, Verletzungen durch Schlagen und Fallen) ihren Weg ins Tuina, dessen Erfahrungen wesentlich aus den Kampf- und Kriegskünsten stammen. In der chinesischen Epoche der Frühlings- und Herbstperiode (722–481 v. Chr.) und der Streitenden Reiche (481–221 v. Chr.) entstanden Verfahren wie das Dao Yin (Führen und Leiten) oder das Qiao Yin (Anheben und Leiten), worunter man die Behandlung zum Beugen und Strecken von Händen und Füßen sowie das Atmen in Bauch- und Rückenlage verstand. Kombinationen dieser Verfahren wie z.B. das An Qiao (Drücken und Anheben) oder das Qiao Mo (Heben und Reiben) differenzierten die Verfahren. Auch bei berühmten chinesischen Ärzten wie Chao Yuan Fang (Allgemeine Abhandlung über Ursachen und Symptome von Beschwerden) und Sun Si Miao (Rezepturen, die 1000 Goldstücke wert sind) finden sich Anweisungen zur Massage. Von Bian Que, einem weiteren berühmten Arzt dieser Zeit, wird z.B. berichtet, dass er den scheintoten Kronprinzen von Guo kurierte, indem er den Toten zurück ins Leben holte (1):

Er ordnete an, der erste seiner Schüler solle die Suppe [Tang, die Kräuterabkochung, Anm. d. Autors] bereiten, der zweite den Puls tastend kontrollieren, der dritte inzwischen Anmo ausführen.

Der große Klassiker der Massage, das Huang Di Qi Bo An Mo Jing (Des gelben Kaisers [Huang Di] und seines Leibarztes [Qi Bo] Klassiker der Massage) ist leider verschollen und nur aus Zitaten bekannt. Als erstes großes Zeitalter des Tuina können die Sui- (589–618) wie auch die Tang-Dynastie (618–907) genannt werden. In offiziellen Aufzeichnungen werden Tuina-Doktoren erwähnt, denen Tuina-Meister und diesen wiederum Masseure unterstanden. Zur Zeit der Ming-Dynastie (1368–1644) gehörte das Anmo zu den 13 fest etablierten heilkundlichen Fachbereichen und wandelte sich wahrscheinlich durch die Integration mobilisierender Techniken und chiropraktischer Techniken (Jiu Zheng) zum Tuina.

Indikationen

Im Folgenden eine Auflistung wichtiger Fachdisziplinen mit beispielhaften Indikationen, bei denen das Tuina Anwendung findet:
  • Traumatologie (Nach- oder Unterstützungsbehandlung von Frakturen, Dislokationen, Zerrungen, Prellungen, Sportverletzungen)

  • Orthopädie (Arthrose, Lumbalgie, Epikondylitis, Periarthropathie)

  • Pädiatrie

  • Rehabilitation (Mobilisationsunterstützung, postoperative Nachsorge, Narbensanierung)

  • Allgemeinmedizin (Erkältungsbeschwerden, chronische Infektanfälligkeit, vegetative Dystonie)

  • Innere Medizin (Asthma, Diarrhö, Obstipation, Dysmenorrhö, funktionelle Hypertonie)

  • Neurologie (Apoplexie, Neuralgien, radikuläre und pseudoradikuläre Beschwerden).

Kontraindikationen

Es werden absolute und relative Kontraindikationen unterschieden. Absolute Kontraindikationen verbieten im beschriebenen Stadium einer Störung oder Erkrankung die Anwendung von Tuina als deren Behandlungsverfahren, da die manuelle Einflussnahme zur Erhaltung oder Verschlimmerung führen würde.
Absolute Kontraindikationen
  • Nachgeburtliche Blutungen

  • Schwere psychische Erkrankungen

  • Übertragbare Infektionskrankheiten

  • Fortgeschrittene Organerkrankungen

  • Hochentzündliche Erkrankungen und Prozesse

  • Offene Verletzungen (außer evtl. Wundrandbehandlung).

Relative Kontraindikationen
Relative Kontraindikationen lassen eine Tuina-Behandlung dosiert und je nach Erfahrung mehr oder weniger ausgedehnt zu.
  • Menstruation (Steuerung des Blutverlustes, Unterstützung des Gesamtorganismus)

  • Fremdmaterial im Körper (dosierte Anwendung zur Verminderung des Risikos einer Gewebereizung)

  • Blutgerinnungsstörungen (dosierte und vorsichtige Anwendung vermindert das Blutungsrisiko)

  • Patienten mit koronarer Herzerkrankung und/oder Herzinsuffizienz (Risiko der Herzüberlastung, aber auch Möglichkeit des Kreislauftrainings)

  • Stark alkoholisierte Patienten (Fehleinschätzung des Schmerzempfindens)

  • Müde, erschöpfte und ausgehungerte Patienten (Risiko der Hypoglykämie durch Stoffwechselanregung beachten!)

  • Fortgeschrittene Schwangerschaft (cave: Abort-Risiko bei fortgeschrittener Schwangerschaft insbesondere im 3. Trimenon ist bei allen stark nach unten führenden oder in der Tiefe bewegenden Techniken zu beachten sowie auf die Stimulation entsprechender Meridianpunkte zu verzichten. Dies gilt auch im 1. und 2. Trimenon, sollten dort Senkungszeichen auftreten oder grundsätzlich eine Schwäche der Mitte zugrunde liegen)

  • Schwergradige und fortgeschrittene Krebserkrankungen (evtl. Risiko der Metastasensetzung: Daher Behandlung postoperativ und in Entfernung vom Tumorgeschehen)

  • Patienten mit stark reduziertem Allgemein- und Schwächezustand, z.B. durch chronische Erkrankung (Risiko der Kreislaufüberlastung und/oder vegetativer Irritationen)

Diagnostische Grundlagen zur Anwendung von Tuina

Eine Therapie mit Tuina fußt, wie die anderen Behandlungsmöglichkeiten der CM, auf einer ihr eigenen Anamnese und einer daraus abgeleiteten Diagnose (4). Jedoch sind bei entsprechenden Befunden auch westlich-medizinische Diagnoseverfahren (z.B. CT, MRT, Röntgen, Laborparameter) hinzuzuziehen, um therapeutische Sicherheit zu gewährleisten.

Tuina in Kombination mit weiteren Verfahren der chinesischen Medizin

Eine Stärke der CM ist die Kombination ihrer maßgebenden Verfahren untereinander, da alle auf einem einheitlichen theoretischen Grundgerüst basieren. Jedes Verfahren setzt an einem bestimmten Einflussbereich an und kann somit gezielt in die therapeutische Steuerung des Organismus eingreifen.
  • Meridiane (Leitbahnen), Einflussbereiche, Funktionskreise, Bindegewebe, Muskulatur, Sehnen und Gelenke: Tuina, Schröpfen, Schaben

  • Meridiane (Leitbahnen), Einflussbereiche, Funktionskreise: Akupunktur, Moxibustion

  • Meridiane (Leitbahnen), Funktionskreise: Qigong

  • Stoffwechsel: chinesische Arzneitherapie.

Tendino-Muskuläre Leitbahnen (Jin Jing)

Claudia Focks
Der wesentliche Schwerpunkt der Tuina-Anwendung erstreckt sich auf Störungen und Erkrankungen in der Traumatologie und Orthopädie (13.15). Die Behandlung selbst wird im Bereich des Äußeren, der Körperoberfläche, also an den Muskeln, Sehnen und Gelenken, durchgeführt. Besonderer Angriffspunkt für Tuina ist daher die Behandlung der Tendino-Muskulären Leitbahnen (Jin Jing). Diese Leitbahnen werden im Huang Di Nei Jing Ling Shu (1.2). erwähnt. Sie repräsentieren im Wesentlichen Gruppen von Muskeln, Sehnen und Bändern, die sich v.a. entlang des Verlaufs ihrer Haupt-Meridiane projizieren. Dabei werden 12 bilaterale Tendino-Muskuläre Leitbahnen unterschieden, die nach den Haupt-Meridianen benannt werden. Im Gegensatz zu den Haupt-Meridianen ist ihr Beginn immer an den Extremitäten, also den Fingern oder Zehen. Sie zweigen von den Haupt-Meridianen an deren Brunnen-Jing-Punkten (5.9.6) ab, also dem ersten bzw. letzten Punkt eines Meridians in der Peripherie. Ihr Verlauf ist dabei stets von den Extremitäten ausgehend entweder bis zum Rumpf oder bis zum Kopf und Gesicht (2.5.1, Abb. 2.7, Zentripetales Zirkulationsmodell). Dabei bedecken diese Leitbahnen breitere Areale als die jeweils zugehörigen Haupt-Meridiane, sind bandartiger und verengen sich an den Gelenken oder an Leitbahnpunkten in deren Verlauf. Auf Plus im Web, vorderer Buchumschlag, finden sich Abbildungen mit gekürzten Texten zu den Verläufen der einzelnen Tendino-Muskulären Leitbahnen, die dem Atlas Akupunktur (Focks 2006) entnommen sind.
Störungsmuster treten an den Tendino-Muskulären Leitbahnen durch äußere Traumata (Stoß, Schlag, Prellung, Zerrung) oder äußere pathogene Faktoren (Xie Qi) im Sinne von Stau, Blockade, Atrophie und Lähmung in Erscheinung. Die pathogenen Faktoren (Xie Qi, 2.6) überwinden dabei die Verteidigungslinie der Muskelmauer und dringen in den Körper ein. Analog dazu werden Gelenke als Schranken definiert, an denen der Qi- und Blut-Fluss reguliert wird. Störungen zeigen sich dabei als Schmerzen oder Einschränkung der freien Beweglichkeit. Diese Beschwerdemuster fallen in der CM unter die Kategorie der Bi-Syndrome (13.15.5). Der Terminus Bi bezeichnet die Obstruktion der Zirkulation von Qi und Blut, die üblicherweise aus einem langfristigen Befall der Meridiane (Leitbahnen) und Kollateralen (Netz- /Luo-Gefäße) durch Wind, Kälte und Feuchtigkeit (Nässe) in Verbindung mit einer deutlichen Abwehr-Wei-Qi-Schwäche (2.3.1) resultiert. Hauptsymptome sind Gelenkschmerzen, die möglicherweise mit Muskelentzündungen und Taubheit, lang dauernde Fälle auch mit Kontrakturen der Extremitäten, Schwellung oder Deformation der Gelenke einhergehen (13.15.5).

Allgemeine und erweiterte Therapieprinzipien

Therapieprinzipien (10) bilden die Basis einer planbaren Therapie auf der Grundlage eines vorliegenden Disharmoniemusters. Den Therapieprinzipien wiederum lassen sich spezifische Behandlungstechniken zuordnen, die in Kombination eine Behandlungsrezeptur darstellen. Man unterscheidet im Tuina vier übergeordnete oder unspezifische sowie acht untergeordnete oder spezifische Therapieprinzipien.

Übergeordnete Therapieprinzipien

  • Durchgängig und schmerzfrei machen (Tong Zhi Bu Tong): Schmerz bedeutet mangelnde Durchgängigkeit und Stagnation, Durchgängigkeit dagegen Schmerzfreiheit

  • Blut in Bewegung setzen und Blutstau beseitigen (Huo Xue Qu Yu): Blut-Stase resultiert aus einem starken äußeren Einfluss im Sinne eines Traumas, eines sonstigen pathogenen Einflusses oder als Folge einer fortgeschrittenen Qi-Stagnation. Je stärker und ausgedehnter die Blut-Stase, desto weniger zirkuliert auch Abwehr-Wei-Qi (2.3.1)

  • Regeln und Korrigieren von Muskeln, Sehnen und Gelenken (Li Jin Zheng Fu): Der Körper weist naturgegeben eine harmonische Interaktion aller Strukturen auf. Ist diese Harmonie durch eine angeborene oder erworbene Fehlstellung, einen Sehnen- oder Bänderriss oder eine Fraktur gestört, kommt es zu disharmonischen Bewegungsabläufen und sich daraus ergebenden Folgebeschwerden

  • Lockern von Muskeln und Sehnen samt Durchgängigmachen der Netz-(Luo-)Gefäße (Shu Jin Tong Luo): Die freie Beweglichkeit von Muskeln und Sehnen bildet die Grundlage zur Anpassungs- und Reaktionsfähigkeit des Organismus. Ist diese freie Beweglichkeit gestört, wird dadurch auch die Qi- und Blut-Zirkulation beeinträchtigt oder sogar unterbunden, was wiederum zu einer Mangelversorgung bzw. Degeneration des Gesamtorganismus oder seiner Teilbereiche beiträgt.

Untergeordnete Therapieprinzipien (10.2)

  • Wärmen (Wen Fa): Kälte- oder Mangel-Syndrome

  • Ergänzen, Stärken (Bu Fa): Schwäche- oder Mangel-Syndrome

  • Ableiten (Xie Fa): Ausgleich von Fülle oben und Leere unten

  • Durchgängig machen (Tong Fa): in Fluss bringen bei Qi-, Blut- und Feuchtigkeits- oder Schleimstagnation

  • Schwitzen lassen (Han Fa): bei pathogenen Faktoren in der Oberfläche

  • Auflösen (San Fa): Blut- und Schleimansammlungen sowie Ablagerungen in und an Bindegewebe, Muskeln und Sehnen

  • Klären (Qing Fa): Hitze in Haut, Muskulatur, Darm, Blase und Atemwegen

  • Ausgleichen (He Fa): Gleichzeitigkeit von Fülle- und Mangel-Zuständen.

Behandlungstechniken

Tuina ist in China keine einheitliche Lehrmethode und unterscheidet sich je nach Schule sowohl in der Anzahl als auch im Anwendungsschwerpunkt einzelner Techniken. Es ist jedoch eine Vielzahl von Techniken in nahezu allen Stilrichtungen vertreten, die diese Methode somit charakterisieren. Je nach zu behandelnder Körperregion werden die Einzeltechniken mit den verschiedensten Daumen-, Finger- und Handregionen oder dem Ellenbogen ausgeführt. (Anmerkung: Die Abbildungen auf den folgenden Seiten zu den Behandlungstechniken modifiziert aus: Han Chaling: Leitfaden Tuina. 2. Aufl. 2005.)
Tui (Schieben, Stoßen, Abb. 6.13)
Gleichmäßig, geradlinig schiebende, stoßende Bewegung in eine Hauptrichtung mit dem Daumen, dem Daumen- und Kleinfingerballen, der Handfläche oder der Handwurzel
  • Anwendung: Am ganzen Körper

  • Wirkung: Macht Meridiane und Netzgefäße durchgängig, regt den Qi- und Xue-Fluss an, unterstützt diesen und richtet ihn aus.

Na (Greifen, Aufnehmen, Abb. 6.14)
Flächiges Greifen und Abheben der Muskulatur mit drei oder fünf Fingern
  • Anwendung: Muskulatur der Extremitäten sowie des Körperstammes

  • Wirkung: Löst Stagnation, macht Meridiane und Netzgefäße durchgängig, unterstützt die Blut-Xue-Zirkulation.

An (Drücken, Abb. 6.15)
Punktuelles oder flächiges Drücken senkrecht zur Körperoberfläche mit Fingern, Daumen, Handfläche oder Ellenbogen
  • Anwendung: Leitbahnpunkte, Körperbereiche, Gelenkverbindungen am Körperstamm (Wirbelsäule, ISG)

  • Wirkung: Löst Stagnation, reguliert Qi, mobilisiert Gelenkverbindungen (Schranken).

Mo (kreisendes Streichen, Abb. 6.16)
Oberflächiges, kreisendes Streichen im Bereich Haut und Unterhaut mit zwei, drei, vier Fingern oder der Handfläche
  • Anwendung: Bevorzugt Brust, Bauch, Flanken, Rücken

  • Wirkung: Harmonisiert Qi, zerstreut Wind und Kälte, regt den Qi- und Blut-Fluss an, löst, bewegt und verteilt oberflächliche Stagnation von Qi bzw. Ansammlung von Xue.

Rou (Kneten, Abb. 6.17)
Tiefes, kreisendes Kneten in der Muskulatur mit Daumen, Fingern, Daumen- und Kleinfingerballen, Handwurzel oder Handfläche
  • Anwendung: Alle Körperpartien mit Muskelgewebe

  • Wirkung: Löst Stagnation, wärmt die Meridiane und Netzgefäße, bewegt Ansammlungen, regt den Fluss von Qi und Xue an.

Nie (Pressen, Abb. 6.18)
Pressen von Bindegewebe oder Muskulatur, ohne abzuheben. Spezialtechnik am Rücken: Nie Ji Fa
  • Anwendung: Beidhändig eine Hautfalte über der Wirbelsäule greifen und nach kranial bzw. kaudal schieben

  • Wirkung: Stärkt und hebt bzw. senkt Qi und Yang.

Cuo (Quirlen, Abb. 6.19)
Quirlende, schleudernde Bewegung der Muskulatur mit beiden Händen um den darunterliegenden Knochen
  • Anwendung: Extremitätenmuskulatur

  • Wirkung: Regt den Fluss von Qi und Xue an.

Ca (Hin- und Herreiben Abb. 6.20)
Gleichmäßig, geradlinig schiebende, stoßende Bewegung in zwei Hauptrichtungen mit den Fingern, dem Daumen, dem Daumen- oder Kleinfingerballen oder der Handfläche
  • Anwendung: Am gesamten Körper

  • Wirkung: Löst (Kälte-)Stagnation, wärmt Meridiane und Netzgefäße, regt den Fluss von Qi und Xue an.

Kou Ji (Klopfen, Klatschen, Schlagen, Abb. 6.21)
Dosiert angepasst klopfende, klatschende und schlagende Bewegungen mit Fingern, Hand oder Faust
  • Anwendung: Kopf, Schulter, Rücken, seitlicher Thorax, obere und untere Extremitäten

  • Wirkung: Löst Qi- und Xue-Stagnation, leitet Wind, Kälte und Feuchtigkeit aus.

Gun (Rollen, Abb. 6.22)
Vor- und zurückrollende Bewegung vom Kleinfingerballen ausgehend über den Handrücken und wieder zurück
  • Anwendung: Alle Körperbereiche mit ausreichend Muskelgewebe

  • Wirkung: Löst Stagnation, regt den Qi- und Xue-Fluss an, mobilisiert tief gehend im bzw. das Gewebe.

Zusätzlich zu den massierenden Behandlungstechniken beinhaltet Tuina auch noch passiv mobilisierende und chiropraktische Behandlungstechniken. Diese Techniken fließen dynamisch in das Behandlungskonzept mit ein und werden bei entsprechender Indikation immer erst nach einer entsprechenden Weichteilbehandlung ausgeführt.

Allgemeine Anwendungsrichtlinien

Tuina muss in seiner differenzierten Anwendung insbesondere der Technikführung in einer entsprechenden Ausbildung erlernt werden. Die Techniken werden je nach Behandlungsbereich sowohl einzeln als auch in Kombination angewendet. Häufige übliche Kombinationen sind beispielsweise Tui Ca, An Rou oder Nie Na.
  • Tui Ca (Abb. 6.13, Abb. 6.20): Zuerst eine schiebende Bewegung in die jeweilige Hauptrichtung zur Ausrichtung und Unterstützung des Flusses von Qi und Xue ausführen, die dann in eine gleichmäßig hin- und herreibende Bewegung zur Erwärmung der Leitbahn übergeht

  • Nie Na (Abb. 6.18, Abb. 6.14): Zuerst eine pressende Bewegung zur allgemeinen Lösung, Lockerung und Entspannung ausführen, die dann in eine greifend-abhebende Bewegung übergeht, um tief gehend durchgängig zu machen

  • (Dian) An Rou (Abb. 6.15, Abb. 6.17): Eine Kombination von (punktuell) oder mehr oder weniger flächig drückender und knetender Bewegung, um entweder eine stärkende (tonisierende), ableitende (sedierende) oder ausgleichende (siehe jeweils dort) Wirkung an einem Körperbereich oder Leitbahnpunkt hervorzurufen.

Stärkende (Bu), ableitende (Xie) und ausgleichende (He) Techniken
Bezüglich stärkender (tonisierender), ableitender (sedierender) und ausgleichender Impulse gelten die folgenden allgemeinen und besonderen Richtlinien:
  • Stärken (Tonisieren: Bu Fa bei Mangel (Leere), Schwäche, Senkungsgefühl usw.): Leichter, langsamer, länger einwirkend, im Uhrzeigersinn und im Leitbahnverlauf, zum Körperzentrum hin bei beidseitiger gleichzeitiger Anwendung

  • Ableiten (Sedieren: Xie Fa bei Fülle, Übermaß, Anspannung usw.): Kräftiger, schneller, kürzer einwirkend, gegen den Uhrzeigersinn und den Leitbahnverlauf, vom Körperzentrum weg bei beidseitiger gleichzeitiger Anwendung

  • Ausgleichen (He Fa bei kurzfristig oder leichter funktioneller Dysbalance): Leichter, langsamer, länger einwirkend, in wechselnder Bewegungsrichtung.

Zur wirkungsvollen Umsetzung der Behandlungsstrategie ist die Kombination zwischen einer Massage der assoziierten Körperregionen mit einer punktuellen Stimulation der jeweiligen Leitbahnpunkte zu empfehlen. Da eine Tuina-Behandlung im Rahmen einer Gesamtbehandlung überwiegend als zusätzlich unterstützende Behandlungsmethode zur Anwendung kommt, sollte sich die Punktauswahl auf höchstens 5–6 einzelne Punktstimulationen beschränken. Die gesamte Anwendungsdauer einer Behandlung sollte 20–30 min nicht unterschreiten. Sofern die räumlichen Gegebenheiten es ermöglichen, sollte direkt nach der Behandlung eine Nachruhe von 15–30 min erfolgen.

Symbole für neutrale, tonisierende, ableitende, erst ableitende und dann stärkende Techniken:

(N) neutral, (+) stärkend, () ableitend, (,+) erst ableiten und dann stärken

Behandlungsbeispiel in der Gynäkologie

Wu Xing: fünf Wandlungsphasen; Zang Fu: Speicher- und Hohlorgane; Ba Gang: Acht Leitkriterien; Jing Luo: Leitbahn- und Netzgefäße

Westliche Diagnose: Prämenstruelles Syndrom und Dysmenorrhö (13.12.3, 13.12.2)

Differenzierung
  • Chinesische Bezeichnung: Tong Jing (Tong: Schmerz; Jing: Zyklus)

  • Wu Xing: Wu-Zyklus (Holz verachtet Metall 2.2.2), Sheng-Zyklus (Holz entwickelt sich nicht ins Feuer)

  • Zang Fu: Leber-Qi fließt unharmonisch oder stagniert, sodass es sowohl auf funktioneller Ebene (Emotionen) als auch auf körperlicher Ebene (Flüssigkeitsansammlung, Spannung, Krämpfe) zu entsprechenden Störungsmustern kommt, die nach der Menstruation (freier Fluss) wieder aufhören

  • Ba Gang: Innen-Fülle

  • Jing Luo: Le-Meridian, Dai Mai, (He-Meridian).

Therapieprinzip
Leber-Qi-Fluss im unteren Jiao regulieren, Qi und Xue im unteren Jiao bewegen, den Geist harmonisieren.
Behandlungspunkte

Behandlungspunkte prämenstruelles Syndrom und Dysmenorrhö

Tab. 6.1
Punkt Wirkung Tuina-Technik
Di 4 (Hegu)Le 3 (Taichong) Entspannt und reguliert das Leber-Qi in allen San Jiao, reguliert die Qi- und Xue-zirkulation Dian An Rou (,+)
Le 13 (Zhangmen) Alarm-Mu-Punkt der Milz, löst Fülle und Spannungen im unteren Jiao, reguliert den freien Qi-Fluss Dian An Rou (,+)
Gb 26 (Daimai) Reguliert den Uterus und den Dai Mai Dian An Rou (,+)
Le 5 (Ligou) Durchgangs-Luo-Punkt der Leber, löst Qi-Stagnation im unteren Jiao Dian An Rou ()
Mi 8 (Diji) Spalten-Xi-Punkt der Milz, löst Qi- und Blutstagnation im unteren Jiao Dian An Rou ()
Bl 18 (Ganshu) Rücken-Transport-Shu-Punkt der Leber, bewegt und entspannt stagniertes Leber-Qi und reguliert dadurch den freien Fluss des Leber-Qi Dian An Rou (,+), Ca
Ausführung
Rückenlage
  • zuerst Di 4, dann Le 3 mit punktuellem Druck knetend massieren (Dian An Rou). Erst ableiten (sedieren), um das Qi zu entspannen, und dann stärken (tonisieren), um den regulären Qi-Fluss zu unterstützen. Oftmals reicht es aus, jeweils einen der paarigen Punkte über Kreuz miteinander zu kombinieren (bei Frauen erst Di 4 re., dann Le 3 li., bei Männern umgekehrt)

  • mit erträglichem punktuellem Druck an Le 13 und Gb 26 knetend massieren

  • mit beiden Händen in der Taille und der Bauchdecke greifen (Na)

  • mit punktuellem Druck an Le 5 und Mi 8 knetend massieren.

Bauchlage:
  • mit punktuellem Druck an Bl 18 knetend massieren.

Sitzend:
  • mit beiden Händen abwechselnd von hinten oben nach vorn unten am unteren Thorax schieben (Xie Tui).

Behandlungsbeispiele in der inneren Medizin

Westliche Diagnose: grippaler Infekt (Beispielmuster: Eindringen von Wind-Kälte, 13.7.1)

Krankheitsbild
Gan Mao umfasst den Bereich der Erkältungsbeschwerden innerhalb der CM. Diese werden durch das Eindringen oder das Erscheinungsbild so genannter pathogener Faktoren (Xie Qi) beschrieben. Die vorliegende Behandlung geht vom einfachsten Muster aus, d.h., die pathogenen Faktoren befinden sich noch an der Oberfläche, zeigen noch keine eindeutigen Veränderungen an Puls und Zunge und haben auch die Zang-Fu, in diesem Fall den Lungenfunktionskreis, noch nicht in der Tiefe erreicht.
Differenzierung
  • Chinesische Bezeichnung: Gan Mao (Gan: Sich fühlen, Mao: Emporsteigen)

  • Wuxing: In diesem Fall nicht bestimmendes Identifikationsmuster

  • Zang-Fu: Bei chronischer Infektneigung kommt evtl. eine Schwäche des Lungen-, Milz- oder Nierenfunktionskreises in Betracht

  • Ba Gang: evtl. Innen-Mangel (Leere) (s. o.)

  • Jing-Luo: Taiyang-Schicht.

Therapieprinzip
Oberfläche öffnen, pathogene Faktoren ausleiten, Meridiane wärmen und/oder Qi befreien.
Behandlungspunkte

Behandlungspunkte Leitsymptome grippaler Infekt

Tab. 6.2
Punkt Wirkung Tuina-Technik
Di 4 (Hegu) Ursprungs-Yuan-Qi-Punkt, öffnet die Oberfläche, vertreibt äußere pathogene Faktoren Dian An Rou ()
SJ 5 (Waiguan) Durchgangs-Luo-Punkt, öffnet die Oberfläche, vertreibt Kälte Dian An Rou ()
Gb 20 (Fengchi) Windpunkt, vertreibt Wind, klärt den Kopf, befreit die Meridiane des Kopfes von äußeren pathogenen Faktoren Dian An Rou (), Ca
Di 20 (Yingxiang) Vertreibt Wind, befreit die Nase Dian An Rou ()
Bl 12 (Fengmen) Vertreibt äußere pathogene Faktoren, fördert das Schwitzen Dian An Rou ()
Di 13 (Feishu) Rücken-Transport-Shu-Punkt der Lunge, vertreibt äußere pathogene Faktoren Dian An Rou ()
Ausführung
Sitzhaltung:
  • dosiert kraftvolles Schieben (Tui) mit der flachen Hand über die Armaußenseiten in Richtung Du 14

  • Greifen (Na) radial und dorsal am Arm

  • mit punktuellem Druck (Dian An) knetend massieren (Rou) an Di 4 und SJ 5

  • Schieben (Tui) mit der Kleinfingerkante von Gb 20 bis Du 14

  • Greifen (Na) mit der ganzen Hand des Nacken- und Schulterbereiches

  • punktuelles Drücken und knetend massieren an Gb 20, Di 20, Du 16, Bl 12 und Bl 13

  • Reiben (Ca) mit der flachen Hand auf dem inneren Ast des Blasen-Meridians zwischen den Schulterblättern

  • Reiben (Ca) mit beiden flachen Händen am oberen ventralen und dorsalen Thorax.

Westliche Diagnose: Leitsymptom Diarrhö (13.4.3)

Differenzierung
  • Chinesische Bezeichnung: Xie Xie (Xie: entweichen, Xie: dahinströmen)

  • Wu Xing: Cheng-Zyklus (Holz überwindet Erde 2.2.2)

  • Zang-Fu: Leber-Qi attackiert die Erde, überwindet die Milz oder trifft auf eine vorab schon geschwächte Milz, schwächt die haltende und stützende Funktion der Milz

  • Ba Gang: Innen-Mangel (Leere)

  • Jing-Luo: Le-/Mi-Meridian.

Therapieprinzip
Mitte stützen, Leber-Qi regulieren, gegenläufiges Milz-Qi regulieren.
Behandlungspunkte

Behandlungspunkte Leitsymptome Diarrhö

Tab. 6.3
Punkt Wirkung Tuina-Technik
Ren 6 (Qihai) Tonisiert Qi, vertreibt trübe Feuchtigkeit, wärmt den mittleren und unteren Jiao Mo (+)
Ren 12 (Zhongwan) Alarm-Mu-Punkt des Magens, stärkt das Milz-Qi, wärmt Magen und Därme Dian An Rou (+)
Ma 36 (Zusanli) Stärkt und reguliert Milz und Magen-Qi sowie Qi und Xue, unterstützt die Verdauung unverdauter Nahrung Dian An Rou (+), Ca
Mi 6 (Sanyinjiao) Wärmt den mittleren und unteren Jiao, beseitigt Feuchtigkeit Dian An Rou (+)
Bl 20 (Pishu) Rücken-Transport-Shu-Punkt zur Milz, reguliert das Milz-Qi, erleichtert Transport und Umwandlung der Flüssigkeiten Dian An Rou (+), Ca
Bl 21 (Weishu) Rücken-Transport-Shu-Punkt zum Magen, harmonisiert den Magen, wandelt Feuchtigkeit um Dian An Rou (+), Ca
Le 13 (Zhangmen) Einflussreicher-Hui-Punkt der Zang-Organe, Alarm-Mu-Punkt der Milz, löst Fülle und Spannungen, reguliert den freien Qi-Fluss, stärkt das Milz-Qi Dian An (N)
Ausführung
Rückenlage:
  • bei Bedarf (Stress, Ärger, Anspannung, zu hohe Anforderungen an sich selbst) punktuellen neutralen Druck (An) an Le 13

  • kreisend streichende Bewegungen (Mo) mit der flachen Hand um den Nabel herum; Empfehlung: vorher die Hände kräftig ca. 30-mal aneinander reiben

  • mit punktuellem Druck (Dian An) knetend massieren (Rou) an Ren 12

  • mit dem Thenar (Daumenballen) im engen Radius kreisend über Ren 12 streichen

  • mit punktuellem Druck zuerst an Ma 36 knetend massieren und dann reiben (Ca), sodass es zu einer deutlichen Wärmeentwicklung kommt

  • mit punktuellem Druck an Mi 6 knetend massieren.

Bauchlage:
  • mit punktuellem Druck zuerst an Bl 20 und dann an Bl 21 knetend massieren und anschließend beide Punkte beidseitig reibend miteinander verbinden

  • mit Zeigefinger, Mittelfinger und Daumen beider Hände aufwärts Pressen-Greifen (Nie Na) von Bl 23 bis Bl 20

  • kräftiges Schieben (Tui) von kaudal nach kranial am Sakrum.

Westliche Diagnose: Leitsymptom Obstipation (13.3.5)

Differenzierung
  • Chinesische Bezeichnung: Bian Bi (Bian: Stuhl, Bi: Obstruktion)

  • Wu Xing: Wu-Zyklus (Holz verachtet Metall 2.2.2)

  • Zang-Fu: Leber-Qi attackiert den Darm

  • Ba Gang: Innen-Fülle

  • Jing-Luo: Le-/Di-Meridian.

Therapieprinzip
Leber-Qi-Fluss regulieren, Därme entspannen.
Behandlungspunkte

Behandlungspunkte Leitsymptome Obstipation

Tab. 6.4
Punkt Wirkung Tuina-Technik
Di 4 (Hegu)
Le 3 (Taichong)
Entspannt und reguliert das Leber-Qi in allen San Jiao, reguliert die Qi- und Xue-Zirkulation Dian An Rou (,+)
Le 13 (Zhangmen) Einflussreicher-Hui-Punkt der Zang-Organe, Alarm-Mu-Punkt der Milz, löst Fülle und Spannungen, reguliert den freien Qi-Fluss, stärkt das Milz-Qi Dian-An ()
Bl 18 (Ganshu) Rücken-Transport-Shu-Punkt zur Leber, bewegt und entspannt stagniertes Leber-Qi und reguliert dadurch den freien Fluss des Leber-Qi Dian An Rou (,+)
Bl 25 (Dachangshu) Rücken-Transport-Shu-Punkt zum Dickdarm, reguliert den Qi-Fluss, beseitigt Stagnation Dian An Rou (,+)
Ausführung
Rückenlage:
  • zuerst Di 4, dann Le 3 mit punktuellem Druck knetend massieren (Dian An Rou). Erst ableiten (sedieren), um das Qi zu entspannen, und dann stärken (tonisieren), um den regulären Qi-Fluss zu unterstützen. Oftmals reicht es aus, jeweils einen der paarigen Punkte über Kreuz miteinander zu kombinieren (bei Frauen erst Di 4 re., dann Le 3 li., bei Männern umgekehrt)

  • mit punktuellem Druck knetend an Le 13 massieren

  • mit beiden Händen die gerade und seitliche Bauchmuskulatur greifen (Na) und dabei dosiert angepasst schütteln (Dou)

  • mit dosiertem Druck und übereinander gelegten Händen das Abdomen im Uhrzeigersinn kreisend überstreichen (Mo).

Bauchlage:
  • mit punktuellem Druck an Bl 18 und Bl 25 knetend massieren.

Sitzend:
  • mit beiden Händen abwechselnd von hinten oben nach vorn unten am unteren Thorax schieben (Xie Tui).

Westliche Diagnose: Gastritis (13.3.1)

Differenzierung
  • Chinesische Bezeichnung: Wei Tong (Wei: Magen, Tong: Schmerz)

  • Wu Xing: Cheng-Zyklus (Holz überwindet Erde 2.2.2)

  • Zang-Fu: Leber-Qi attackiert die Erde und blockiert die absenkende Funktion des Magens

  • Ba Gang: Innen-Fülle

  • Jing-Luo: Le-/Ma-Meridian, Chong Mai.

Therapieprinzip
Mitte stützen, Leber-Qi-Fluss regulieren, gegenläufiges Magen-Qi regulieren.
Behandlungspunkte

Behandlungspunkte Gastritis

Tab. 6.5
Punkt Wirkung Tuina-Technik
Di 4 (Hegu)
Le 3 (Taichong)
Entspannt und reguliert das Leber-Qi in allen San Jiao, reguliert den Qi- und Xue-Fluss Dian An Rou (,+)
Le 14 (Qimen) Alarm-Mu-Punkt der Leber, löst Fülle und Spannungen, reguliert den freien Qi-Fluss, wenn eher der Magen betroffen ist Dian An Rou (,+)
Pe 6 (Neiguan) Durchgangs-Luo-Punkt des Perikards, harmonisiert den Magen, reguliert gegenläufiges Magen-Qi Dian An Rou (+)
Ma 21 (Liangmen) Harmonisiert Magen und Darm, reguliert das Qi im mittleren Jiao, transformiert Ansammlungen und Stagnationen Dian An Rou (,+)
Ma 30 (Qichong) Reguliert den Chong Mai und damit gegenläufiges Magen-Qi Dian An Rou (,+)
Ren 12 (Zhongwan) Alarm-Mu-Punkt des Magens, stärkt das Milz-Qi, wärmt Magen und Därme, reguliert das Qi des mittleren Jiao Dian An Rou (+)
Ma 36 (Zusanli) Stärkt und reguliert Milz und Magen-Qi sowie Qi und Xue, unterstützt die Verdauung unverdauter Nahrung Dian An Rou, Ca
Bl 18 (Ganshu) Rücken-Transport-Shu-Punkt zur Leber, bewegt und entspannt stagniertes Leber-Qi und reguliert dadurch den freien Fluss des Leber-Qi Dian An Rou (,+), Ca
Bl 21 (Weishu) Rücken-Transport-Shu-Punkt zum Magen, harmonisiert den Magen, wandelt Feuchtigkeit um Dian An Rou (+), Ca
Ausführung
Rückenlage:
  • zuerst Di 4, dann Le 3 mit punktuellem Druck knetend massieren (Dian An Rou). Erst ableiten (sedieren), um das Qi zu entspannen, und dann stärken (tonisieren), um den regulären Qi-Fluss zu unterstützen. Oftmals reicht es aus, jeweils einen der paarigen Punkte über Kreuz miteinander zu kombinieren (bei Frauen erst Di 4 re., dann Le 3 li., bei Männern umgekehrt)

  • mit erträglichem punktuellem Druck Le 14 und anschließend Pe 6 und Ma 30 massieren

  • bei Nahrungsstagnation: Erst mit punktuellem Druck an Ma 21 massieren, dann mit beiden Handkanten über Kreuz entlang der Rippenbögen abwärts schieben (Tui)

  • mit beiden Händen in der Taille greifen (Na)

  • mit aufeinandergelegten Händen das Abdomen kreisförmig überstreichen (Mo)

  • mit punktuellem Druck an Ren 12 und Ma 36 knetend massieren.

Bauchlage:
  • mit punktuellem Druck an Bl 18 und Bl 21 knetend massieren.

Sitzend:
  • mit beiden Händen abwechselnd von hinten oben nach vorn unten am unteren Thorax schieben (Xie Tui).

Westliche Diagnose: Akute Dyspnoe bei Stress (13.2.2)

Differenzierung
  • Chinesische Bezeichnung: Chuan (Chuan: Dyspnoe)

  • Wu Xing: Wu-Zyklus (Holz verachtet Metall 2.2.2)

  • Zang-Fu: Leber-Qi stagniert und beeinträchtigt die verteilende und absenkende Funktion der Lunge

  • Ba Gang: Innen-Fülle

  • Jing-Luo: Le-/Lu-Meridian.

Therapieprinzip
Thorax öffnen, Leber-Qi-Fluss regulieren, verteilende und absenkende Funktion der Lunge wieder herstellen.
Behandlungspunkte

Behandlungspunkte Asthma bronchiale

Tab. 6.6
Punkt Wirkung Tuina-Technik
Di 4 (Hegu)
Le 3 (Taichong)
Entspannt und reguliert das Leber-Qi in allen San Jiao, reguliert die Qi- und Xue-Zirkulation Dian An Rou (,+)
Pe 6 (Neiguan) Durchgangs-Luo-Punkt des Perikard, öffnet den Thorax, reguliert die Qi-Zirkulation im Thorax und des Leber-Qi Dian An Rou (,+)
Gb 34 (Yanglingquan) Meer-He-Punkt der Gallenblase, reguliert den harmonischen Leber-Qi-Fluss, entspannt Muskeln und Sehnen Dian An Rou (,+)
Ren 17 (Danzhong) Einflussreicher-Hui-Punkt des Qi, öffnet und entspannt den Thorax, reguliert das Lungen-Qi Dian An Rou (,+)
Ex-B 1 (Dingchuan)
Asthma beruhigen
Beruhigt Asthma Dian An Rou ()
Bl 18 (Ganshu) Rücken-Transport-Shu-Punkt zur Leber, bewegt und entspannt stagniertes Leber-Qi und reguliert dadurch den freien Fluss des Leber-Qi Dian An Rou (,+)
Ausführung
Rückenlage:
  • zuerst Di 4, dann Le 3 mit punktuellem Druck knetend massieren (Dian An Rou). Erst ableiten (sedieren), um das Qi zu entspannen, und dann stärken (tonisieren), um den regulären Qi-Fluss zu unterstützen. Oftmals reicht es aus, jeweils einen der paarigen Punkte über Kreuz miteinander zu kombinieren (bei Frauen erst Di 4 re., dann Le 3 li., bei Männern umgekehrt)

  • mit punktuellem Druck knetend an Pe 6, Gb 34 und Ren 17 massieren

  • mit beiden Daumen von Ren 17 nach außen streichen (Fen Tui)

  • beide Handkanten über Kreuz entlang der Rippenbögen abwärts schieben (Tui)

Bauchlage oder Sitzhaltung:
  • mit punktuellem Druck knetend an Ex-B 1 massieren

  • mit punktuellem Druck knetend an Bl 18 massieren

  • mit fünf Fingern Greifen (Na) des queren Trapeziusanteils von innen nach außen

  • mit den mittleren Fingergliedern bei leicht geballten Fäusten vom mittleren BWS-Bereich auf dem Rückenstrecker dosiert aufwärts klopfen

  • mit beiden Händen abwechselnd von hinten oben nach vorn unten am oberen Thorax schieben (Xie Tui).

Prävention
  • aus der Stresssituation herausnehmen

  • Fußsohlen fest auf den Boden setzen, ruhig und gleichmäßig atmen

  • den Blick in die Ferne führen, dabei beide Hände übereinander auf den Unterbauch legen und dorthin atmen.

Behandlungsbeispiele in der Neurologie (13.17)

Westliche Diagnose: Kopfschmerzen, stressbedingt (13.17.2)

Differenzierung
  • Chinesische Bezeichnung: Tou Tong (Tou: Kopf, Tong: Schmerz)

  • Wu Xing: Wu-Zyklus (Holz verachtet Metall 2.2.2)

  • Zang-Fu: Leber-Qi stagniert und schränkt die freie Zirkulation von Qi und Blut zum Kopf ein; Leber-Yang (Feuer) steigt ungebändigt zum Kopf auf und führt zum Andrang von Qi (aufsteigendes Leber-Yang, Kopfdruck, pulsierend) und/oder Blut (aufflammendes Leber-Feuer, berstender, pochender Kopfschmerz)

  • Ba Gang: Innen-Fülle

  • Jing-Luo:

    • Le-Meridian: Aufsteigendes Leber-Yang bei Leber-Yin-(Xue)-Mangel (11.7.5)

    • Gb-Meridian: Aufsteigendes Leber-Feuer (11.7.4)

    • Chong Mai: Gegenläufiges Magen-Qi.

Therapieprinzip
Leber-Yang(-Feuer) absenken, Leber-Qi-Fluss regulieren, Leber-Yin unterstützen, Magen-Qi regulieren.
Behandlungspunkte

Behandlungspunkte Kopfschmerzen

Tab. 6.7
Punkt Wirkung Tuina-Technik
Le 3 (Taichong) Ursprungs-Yuan-Qi-Punkt, fördert den Leber-Qi-Fluss, besänftigt Leber-Yang, nährt Leber-Xue und -Yin Dian An Rou (,+)
Le 2 (Xingjian) Klärt Leber-Feuer, klärt Hitze und kühlt Xue-Hitze Dian An Rou ()
Du 20 (Baihui) Senkt aufsteigendes Leber-Yang, beruhigt Geist-Shen Dian An Rou ()
Pe 6 (Neiguan) Durchgangs-Luo-Punkt des Perikard, reguliert gegenläufiges Magen-Qi, reguliert das Leber-Qi im oberen Jiao Dian An Rou (,+)
Ma 30 (Qichong) Reguliert den Chong Mai und damit gegenläufiges Magen-Qi Dian An Rou ()
Bl 18 (Ganshu) Rücken-Transport-Shu-Punkt der Leber, bewegt und entspannt stagniertes Leber-Qi und reguliert dadurch den freien Fluss des Leber-Qi Dian An Rou (,+)
Bl 19 (Danshu) Rücken-Transport-Shu-Punkt der Gallenblase, kühlt Leber-Feuer und -Hitze, reguliert das Magen-Qi Dian An Rou ()
Ausführung
Sitzend oder in Rückenlage:
  • mit erträglichem punktuellem Druck knetend massieren (Dian An Rou) an Le 3 (Le 2) und Du 20; bei Aufstoßen, Übelkeit und Erbrechen anschließend zusätzlich an Pe 6 und Ma 30 mit punktuellem Druck knetend massieren

  • Behandlung von Gesicht und Kopf (wenn möglich halb liegend bis liegend):

    • Überstreichen der Stirn (Tui)

    • von Ex-HN 3 über die Augenbrauen bis Gb 1

    • von Ex-HN 3 über die Stirnmitte (Gb 14) bis Ex-HN 5

    • von Ex-HN 3 über den Haaransatz und den Schläfenwinkel (Ma 8) bis Dü 19

    • Überstreichen der Augenbrauen sowie des oberen und unteren Orbitalrands

    • Streichen der Stirn mit dem Thenar von der Stirnmitte über Ex-HN 5 zu Gb 20

    • punktuelles Drücken und knetend massieren an Ex-HN 5 und Gb 20.

Bauchlage:
  • mit punktuellem Druck knetend an Bl 18 und Bl 19 massieren

  • mit der flachen Hand unter Führung des Mittelfingers schieben (Tui) von Du 14 bis Du 2.

Sitzhaltung:
  • mit der flachen Hand Greifen (Na) des Kopfes von der Stirn zum Nacken und anschließend streichend reibend mit leicht gekrallten Fingern von der Stirn zum Nacken über den Kopf streichen

  • je nach Lokalisation des Kopfschmerzes den entsprechenden Bereich lokal und meridianbezogen durchgängig machen:

    • Scheitel: Jueyin (Le-Pe-Meridian)

    • Kopfseite: Shaoyang (Gb-SJ-Meridian)

    • Hinterkopf: Taiyang (Dü-Bl-Meridian)

    • Stirn- und Gesichtsbereich: Yangming (Di-Ma-Meridian)

  • Bei stressbedingtem Kopfschmerz ist es unabdingbar, auch die Muskulatur von Nacken, Schulter und oberem dorsalem Thorax mitzubehandeln, da Verspannungsmuster in diesen Bereichen oftmals (zumindest unterstützend) die Auslöser für die jeweils meridianbezogenen Kopfschmerzen sind.

Behandlungsbeispiele bei Störungen des Bewegungsapparats: Gelenk-Bi-Syndrome (Bi Zheng) (13.15.5)

Das Bi-Syndrom, auch chronisches Obstruktionssyndrom genannt, beinhaltet die eingeschränkte oder behinderte Zirkulation von Qi und Xue im Bereich der Meridiane/Leitbahnen und Netzgefäße (Jing-Luo) durch Wind, Kälte und Feuchtigkeit (Nässe). Ursache ist eine übermäßig starke Einwirkung dieser pathogenen Faktoren bei allgemein kräftiger Konstitution sowie häufig oder wiederkehrende Einwirkung bei konstitutionellem oder erworbenem Abwehr-Wei-Qi-Mangel (2.3.1).

Wind-Bi oder wanderndes Bi (Feng Bi oder Xing Bi)

Krankheitsbild
Gelenk- oder Muskelbeschwerden mit wechselnder Lokalisation und Intensität.
Behandlungspunkte

Behandlungspunkte Wind-Bi oder wanderndes Bi

Tab. 6.8
Punkt Wirkung Tuina-Technik
Körperstamm
Du 14 (Dazhui) Treffpunkt aller Yang-Leitbahnen, befreit die Oberfläche, vertreibt Wind Ning, Ji ()
Gb 20 (Fengchi) Windpunkt, vertreibt Wind, klärt den Kopf, befreit die Leitbahnen des Kopfes von äußeren pathogenen Faktoren Dian An Rou ()
Obere Extremität
Di 4 (Hegu) Ursprungs-Yuan-Qi-Punkt, öffnet die Oberfläche, vertreibt äußere pathogene Faktoren Dian An Rou ()
SJ 5 (Waiguan) Durchgangs-Luo-Punkt, öffnet die Oberfläche, vertreibt Wind, befreit die Leitbahnen des Armes von äußeren pathogenen Faktoren Dian An Rou ()
Untere Extremität
Gb 31 (Fengshi) Windpunkt, vertreibt Wind, befreit die Leitbahnen des Beines von äußeren pathogenen Faktoren Dian An Rou (,+)
Ausführung
Tui (Schieben), Na (Greifen), Rou (Kneten), Gun (Rollen), Kou Ji (Klopfen und Schlagen) der betroffenen Muskel- oder Körperpartie(-region), Nian (Zwirbeln) der Finger- und Zehenknochen, Ning (Schrauben).

Kälte-Bi oder schmerzhaftes Bi (Han Bi oder Tong Bi)

Krankheitsbild
Gelenk- oder Muskelbeschwerden mit starken, lokalisierten Schmerzen und Bewegungseinschränkung, jedoch ohne Rötung, Überwärmung und Schwellung.
Behandlungspunkte

Behandlungspunkte Kälte-Bi oder schmerzhaftes Bi

Tab. 6.9
Punkt Wirkung Tuina-Technik
Körperstamm
Du 14 (Dazhui) Treffpunkt aller Yang-Leitbahnen, befreit die Oberfläche, vertreibt Wind Ca ()
Gb 20 (Fengchi) Windpunkt, vertreibt Wind, klärt den Kopf, befreit die Leitbahnen des Kopfes von äußeren pathogenen Faktoren Dian An Rou (), Ca (+)
Bl 23 (Shenshu) Rücken-Transport-Shu-Punkt, stärkt das Nieren-Qi und insbesondere das Ursprungs-Yuan-Qi Ca (+)
Du 4 (Mingmen) Tonisiert das Ursprungs-Yuan-Qi, wärmt den gesamten Körper Ca (+)
Obere Extremität
Di 4 (Hegu) Ursprungs-Yuan-Qi-Punkt, öffnet die Oberfläche, vertreibt äußere pathogene Faktoren Dian An Rou ()
SJ 4 (Yangchi) Ursprungs-Yuan-Qi-Punkt, stärkt und wärmt den Körper Tui, Ca (+)
SJ 5 (Waiguan) Durchgangs-Luo-Punkt, öffnet die Oberfläche, vertreibt Kälte Dian An Rou ()
Untere Extremität
Gb 31 (Fengshi) Windpunkt, vertreibt Wind, befreit die Leitbahnen des Beins von äußeren pathogenen Faktoren Dian An Rou (,+)
Ausführung
Leicht beginnend, dann allmählich steigernd Tui (Schieben), Na (Greifen), Rou (Kneten), Ca (Reiben) der betroffenen Muskel- oder Körperpartie sowie Dou (Schütteln) und passiv Bewegen der betroffenen oder nächstliegenden Extremität.

Feuchtigkeits-(Nässe-)Bi oder haftendes Bi (Shi-Bi oder Zhuo-Bi)

Krankheitsbild
Gelenk- oder Muskelbeschwerden mit schweren, ziehenden und eher lokalisierten Schmerzen, mitunter Taubheitsgefühl, Schwellung, leichter Überwärmung, eingeschränkter Funktion, jedoch ohne Rötung.
Behandlungspunkte

Behandlungspunkte Feuchtigkeits-(Nässe-)Bi oder Haftendes Bi

Tab. 6.10
Punkt Wirkung Tuina-Technik
Körperstamm
Gb 20 (Fengchi) Windpunkt, vertreibt Wind, klärt den Kopf, befreit die Leitbahnen des Kopfes von äußeren pathogenen Faktoren Dian An Rou ()
Bl 20 (Pishu) Rücken-Transport-Shu-Punkt, reguliert das Milz-Qi, erleichtert Transport und Umwandlung der Flüssigkeiten Dian An Rou, Ca (+)
Ren 9 (Shuifen) Kontrolliert die Wasserwege, leitet Feuchtigkeit aus Dian An Rou, Ca ()
Obere Extremität
SJ 8 (Sanyangluo) Macht die drei Yang-Leitbahnen des Armes durchgängig Dian An Rou (,+)
Untere Extremität
Ma 36 (Zusanli) Meer-He-Punkt, stärkt und reguliert Milz und Magen-Qi sowie Qi und Blut, unterstützt die Verdauung unverdauter Nahrung Dian An Rou, Ca (+)
Ma 40 (Fenglong) Durchgangs-Luo-Punkt, beseitigt Feuchtigkeit Dian An Rou ()
Mi 9
(Yinlingquan)
Meer-He-Punkt, beseitigt Feuchtigkeit, macht die Leitbahnen durchgängig Dian An Rou ()
Ausführung
Möglichst kräftiges Na (Greifen), Tui (Schieben), Rou (Kneten), Ca (Reiben) der betroffenen Muskel- oder Körperpartie sowie Dou (Schütteln) und passiv Bewegen der betroffenen oder nächstliegenden Extremität.

Hitze-Bi oder fiebriges Bi (Re-Bi)

Krankheitsbild
Gelenk- oder Muskelbeschwerden mit brennenden Schmerzen, Rötung, Überwärmung, Schwellung und eingeschränkter Funktion (cave: Entzündung beachten).
Behandlungspunkte

Behandlungspunkte Hitze-Bi oder fiebriges Bi

Tab. 6.11
Punkte Wirkung Tuina-Technik
Körperstamm
Du 14 (Dazhui) Treffpunkt aller Yang-Leitbahnen, befreit die Oberfläche, vertreibt Wind Ning, Ji ()
Gb 20 (Fengchi) Windpunkt, vertreibt Wind, klärt den Kopf, befreit die Leitbahnen des Kopfes von äußeren pathogenen Faktoren Dian An Rou ()
Obere Extremität
Di 4 (Hegu) Ursprungs-Yuan-Qi-Punkt, öffnet die Oberfläche, vertreibt äußere pathogene Faktoren Dian An Rou ()
Di 11 (Quchi) Meer-He-Punkt, klärt Hitze, kühlt das Xue Dian An Rou ()
Untere Extremität
Mi 10 (Xuehai) Klärt Hitze des Xue Dian An Rou (,+)
Ausführung
Keine lokale Behandlung! Lediglich über Fernpunkte, kontralaterale sowie proximale und distale Meridianpunkte mit punktuellem (Dian) Drücken (An) und Kneten (Rou) oder über allgemein die Hitze klärenden Bereichen (z.B. Di 11, Mi 10, Du 14, innerer Ast des Bl-Meridians, Kellerlöcher) mit Ning (Schrauben) arbeiten.

Knochen-Bi oder chronisches Bi (Gu Bi)

Krankheitsbild
Deformierende oder destruierende Gelenkveränderungen wie Schwellungen, Exostosen usw.
Ausführung
Angepasst dosierte Mobilisation mit öffnenden (Dou, Schütteln; Ba Shen, Traktion mit Bewegung) und vorsichtig dosiert mobilisierenden (z.B. Nian, Hin- und Herdrehen; Yao, Kreiseln) Techniken.
Allgemein sind Patienten, sofern keine akute Entzündung vorliegt, anzuhalten und zu motivieren, sich aktiv evtl. mit ergotherapeutischer Unterstützung oder bei dosierter leichter sportlicher Aktivität zu bewegen, um zumindest die Alltagsbeweglichkeit zu erhalten, wenn nicht sogar das Bewegungsausmaß insgesamt zu erweitern.
Zur sportlichen Aktivität bieten sich Bewegungskonzepte der chinesischen Tradition (Qigong, Taijiquan usw.) sowie allgemein die Beweglichkeit erhaltende Gymnastik, Spazierengehen und Wandern an.

Behandlungsbeispiele bei Mangel-Mustern

Nieren-Jing-Mangel (11.9.1)

Krankheitsbild
Z.B. allgemeine Degeneration, Blutbildungsstörungen, Osteoporose, Altersdemenz usw.
Behandlungspunkte

Behandlungspunkte Nieren-Jing-Mangel

Tab. 6.12
Punkt Wirkung Tuina-Technik
Ni 3 (Taixi) Ursprungs-Yuan-Qi-Punkt, unterstützt das Nieren-Essenz-Jing, nährt das Nieren-Yin, Mark und Knochen Dian An Rou, Zhen (+)
Ni 6 (Zhaohai) Nährt das Nieren-Yin, befeuchtet bei Trockenheit Dian An Rou, Zhen (+)
Ni 7 (Fuliu) Fluss-Jing-Punkt, nährt das Yin, klärt den Geist-Shen Dian An Rou, Zhen (+)
Gb 39 (Xuanzhong) Einflussreicher-Hui-Punkt, nährt das Mark, unterstützt Essenz-Jing, stärkt die Knochen Dian An Rou, Zhen (+)
Bl 11 (Geshu) Rücken-Transport-Shu-Punkt, unterstützt Knochen und Gelenke Dian An Rou, Zhen (+)
Bl 23 (Shenshu) Rücken-Transport-Shu-Punkt, unterstützt Nieren-Essenz-Jing, Mark und Knochen Dian An Rou, Zhen (+)
Bl 25 (Zhishi) Stärkt die Niere, unterstützt Essenz-Jing Dian An Rou, Zhen (+)
Ausführung
Rückenlage oder Sitzhaltung:
  • Schieben (Tui) mit der Handkante an der Fußsohle von Ni 1 zu Ni 3 und anschließend mit der flachen Hand an den drei Yin-Leitbahnen des Beines aufwärts bis kurz über das Knie

  • Punktuelles (Dian) Drücken (An) und Kneten (Rou) mit anschließender Vibration (Zhen) an Ni 3, Ni 6 und Ni 7

  • Punktuelles Drücken und Kneten mit anschließender Vibration an Gb 39.

Bauchlage oder Sitzhaltung:
  • Schieben längs und quer im Bereich der LWS mit anschließendem kreisenden Streichen (Mo) zur Wirbelsäule

  • Punktuelles Drücken und Kneten mit anschließender Vibration an Bl 23, Bl 52 und Bl 11.

Qi- und /oder Yang-Mangel (Qi /Yang Xu)

Milz-(Magen-)Qi-(Yang-)Mangel (11.5.1, 11.5.2, 11.5.3, 11.5.4, 11.6.1)
Krankheitsbild
Z.B. Müdigkeit, Erschöpfung, Kraftlosigkeit, Antriebslosigkeit, Appetitlosigkeit.
Behandlungspunkte

Behandlungspunkte Milz(-Magen)-Qi-(Yang-)Mangel

Tab. 6.13
Punkt Wirkung Tuina-Technik
Ren 6 (Qihai) Stärkt Qi, wärmt den mittleren und unteren Jiao Mo, Rou, Ca (+)
Ren 12 (Zhongwan) Alarm-Mu-Punkt des Magens, stärkt das Milz-Qi, wärmt Magen und Därme Dian An Rou (+)
Ma 36 (Zusanli) Meer-He-Punkt, stärkt und reguliert Milz und Magen-Qi sowie Qi und Xue, unterstützt die Verdauung unverdauter Nahrung Dian An Rou, Ca (+)
Mi 3 (Taibai) Bach-Shu-Punkt, reguliert die Qi-Umwandlung der Milz, stärkt die Milz, beseitigt Feuchtigkeit Dian An Rou, Ca (+)
Bl 20 (Pishu) Rücken-Transport-Shu-Punkt der Milz, reguliert das Milz-Qi, erleichtert Transport und Umwandlung der Flüssigkeiten Dian An Rou, Ca (+)
Bl 21 (Weishu) Rücken-Transport-Shu-Punkt des Magens, harmonisiert den Magen, wandelt Feuchtigkeit um Dian An Rou, Ca (+)
Le 13 (Zhangmen) Alarm-Mu-Punkt der Milz, löst Fülle und Spannungen, reguliert den freien Qi-Fluss, stärkt das Milz-Qi Dian An (,+)
Ausführung
Rückenlage:
  • bei Bedarf (Stress, Ärger, Anspannung, zu hohe Anforderungen an sich selbst) punktuellen neutralen Druck an Le 13

  • kreisend streichende Bewegungen (Mo) mit der flachen Hand um den Nabel herum; Empfehlung: Vorher die Hände kräftig ca. 30-mal aneinander reiben

  • mit punktuellem Druck (Dian An) knetend massieren (Rou) an Ren 12

  • mit punktuellem Druck zuerst an Ma 36 knetend massieren und dann reiben (Ca)

  • von Mi 3 in Richtung Mi 4 schieben (Tui).

Bauchlage:
  • mit punktuellem Druck zuerst an Bl 20 und dann an Bl 21 knetend massieren und anschließend beide Punkte beidseitig reibend miteinander verbinden

  • mit der Handwurzel vom lumbosakralen Übergang bis zur unteren BWS dosiert kraftvoll schieben.

Da bei einem Milz-Qi-Mangel und insbesondere einem Milz-Yang-Mangel die allgemeine Verdauungsfunktion mit beeinträchtigt ist, ist mit weichem bis durchfallähnlichem Stuhl zu rechnen. Dazu empfiehlt sich als zusätzliche Manipulation:
  • Kräftiges Schieben (Tui) von kaudal nach kranial am Sakrum.

Lungen-(Herz-)Qi-(Yang-)Mangel (11.1.1, 11.1.2, 11.3.1, 11.11.1, 11.11.2)
Krankheitsbild
Z.B. Herzinsuffizienz, Kurzatmigkeit, spontanes Schwitzen untertags bei verhältnismäßig leichten Belastungen.
Behandlungspunkte

Behandlungspunkte Lungen-(Herz-)Qi-(Yang-)Mangel

Tab. 6.14
Punkt Wirkung Tuina-Technik
Ren 17 (Shanzhong) Einflussreicher-Hui-Punkt, stärkt Herz und Lunge, reguliert die Funktion des oberen Jiao Dian An Rou, Tui (+)
Ren 6 (Qihai) Stärkt Qi, wärmt den mittleren und unteren Jiao Mo, Rou, Ca (+)
Ma 36 (Zusanli) Meer-He-Punkt, stärkt und reguliert Milz und Magen-Qi sowie Qi und Xue Dian An Rou, Ca (+)
Bl 13 (Feishu) Rücken-Transport-Shu-Punkt, stärkt die absenkende und verteilende Funktion der Lunge Dian An Rou, Tui (+)
Bl 15 (Xinshu) Rücken-Transport-Shu-Punkt, stärkt das Herz-Qi, nährt das Herz-Xue Dian An Rou (+), Ca
Bl 23 (Shenshu) Rücken-Transport-Shu-Punkt, stärkt das Nieren-Qi, tonisiert das Ursprungs-Yuan-Qi Dian An Rou (+), Ca
D 14 (Dazhui) Kräftigt das Qi von Herz und Lunge Ca
Ausführung
Rückenlage:
  • mit dosiert punktuellem Druck (Dian An) an Ren 17 knetend massieren (Rou) und anschließend abwärts schieben (Tui)

  • kreisend streichende Bewegungen (Mo) mit der flachen Hand um den Nabel herum, dann mit punktuellem Druck an Ren 6 knetend massieren (Rou) und anschließend reiben (Ca)

  • mit punktuellem Druck an Ma 36 knetend massieren, dann mit dem Daumenballen reiben.

Bauchlage:
  • mit punktuellem Druck zuerst an Bl 13, dann an Bl 15 und Bl 23 knetend massieren und anschließend alle drei Punkte beidseitig reibend miteinander verbinden

  • mit der Handkante auf Du 14 reiben.

Nieren-Qi-(Yang-)Mangel (11.9.2, 11.9.3, 11.9.7)
Krankheitsbild
Z.B. Enuresis, Inkontinenz, Impotenz, Frigidität, Lumbalgien, Schwäche und Kältegefühle in den Knien.
Behandlungspunkte

Behandlungspunkte Nieren-Qi-(Yang-)Mangel

Tab. 6.15
Punkt Wirkung Tuina-Technik
Ren 4 (Guanyuan)Ren 6 (Qihai) Wärmt den mittleren Jiao, stärkt das Yang und Ursprungs-Yuan-Qi Tui, Ca (+)
Bl 23 (Shenshu) Rücken-Transport-Shu-Punkt, stärkt das Nieren-Qi, wandelt Feuchtigkeit um Dian An Rou, Ca (+)
Ausführung
Rückenlage:
  • kreisend streichende Bewegungen (Mo) mit der flachen Hand um den Nabel herum, Empfehlung: Vorher die Hände kräftig ca. 30-mal aneinander reiben

  • mit punktuellem Druck an Ren 4 knetend massieren (Rou), dann mit dem Daumen aufwärts schieben (Tui) von Ren 4 bis Ren 6

  • mit der flachen Hand reiben (Ca) auf dem Unterbauch, anschließend mit der Handkante auf der Fußsohle von Ni 1 zu Ni 3 (Mi 6) Schieben und Reiben (Tui Ca).

Bauchlage:
  • mit punktuellem Druck an Bl 23 knetend massieren, dann mit der Kleinfingerkante auf der Linie Bl 23Du 4Bl 23 reiben

  • Pressen-Greifen (Nie Na) von Bl 23 bis auf Höhe Du 14.

Exkurs: Lumbalgie
Eine Lumbalgie entsteht:
  • aufgrund übermäßiger Belastung bei einer sonst stabilen Konstitution

  • aufgrund einer eher leichten Belastung bei einer geschwächten Konstitution

  • in Verbindung mit äußeren pathogenen Einflüssen (Wind, Kälte, Feuchtigkeit).

Als Beispiel soll hier eine akute Lumbalgie bei eher leichter Belastung, aber zusätzlichem Einfluss des äußeren pathogenen Faktors Wind-Kälte dienen.
Therapieprinzip
Meridiane öffnen, durchgängig machen und wärmen, Qi- und/oder Xue-Stase lösen.
Sitzhaltung:
  • mit dosiert punktuellem Druck (Dian An) knetend massieren (Rou) an Ex-UE 7 (Yaotongxue).

Bauchlage oder Sitzhaltung:
  • leicht beginnendes und dosiert gesteigertes Schieben (Tui) am lumbalen Anteil des Bl-Meridians mit der Handfläche, anschließend quer zum Bl-Meridian mit der Handwurzel und daran anschließend kreisendes Streichen (Mo) mit der Handfläche von der Wirbelsäule zum Beckenkamm, bis eine deutliche Wärmeentwicklung auftritt

  • mit dosiert punktuellem Druck (Dian An) von Bl 23Bl 26 ca. 1–1,5 min knetend massieren (Rou)

  • reiben (Ca), kneten (Rou) und rollen (Gun) im lumbalen Bereich des Bl-Meridians

  • leichtes Wiegen des Körper, dazu beide Hände flach geöffnet nebeneinander quer auf den Lumbalbereich legen und diesen dosiert vor- und zurückbewegen, sodass der gesamte Körper in eine schlängelnd-schwingende Bewegung gerät.

Rückenlage:
  • ein Unterarm unterstützt beide Kniekehlen, die andere Hand beide Fersen, dann leichtes passives Beugen und Strecken beider Beine in den Hüftgelenken und anschließendes Kreisen.

Blut- und/oder Yin-Mangel (Xue /Yin Xu)

Herz-Blut-(Yin-)Mangel (11.1.3, 11.1.4)
Krankheitsbild
Z.B. Ruhelosigkeit, Schreckhaftigkeit, Vergesslichkeit, Schlaflosigkeit.
Behandlungspunkte

Behandlungspunkte Herz-Blut-(Yin-)Mangel

Tab. 6.16
Punkt Wirkung Tuina-Technik
He 7 (Shenmen)He 4 (Lingdao) Bach-Shu-Punkt, stärkt das Herz-Xue, beruhigt den Geist-Shen Dian An Rou, Tui, Ca (+)
Mi 6 (Sanyinjiao) Stärkt und harmonisiert die Milz, nährt Yin und Xue, beruhigt den Geist-Shen Dian An Rou, Zhen (+)
Ma 36 (Zusanli) Meer-He-Punkt, stärkt Milz, Magen, Qi und Xue Dian An Rou, Ca (+)
Ren 14 (Juque) Alarm-Mu-Punkt, reguliert das Herz-Qi, beruhigt den Geist-Shen Dian An Rou (+)
Bl 17 (Geshu) Einflussreicher-Hui-Punkt, tonisiert das Xue Dian An Rou, Ca (+)
Bl 15 (Xinshu) Rücken-Transport-Shu-Punkt, nährt das Herz, beruhigt den Geist, stärkt mit Bl 17 das Herz-Xue Dian An Rou, Ca (+)
Bl 20 (Pishu) Rücken-Transport-Shu-Punkt der Milz, tonisiert Milz und Magen, nährt das Xue Dian An Rou, Ca (+)
Bl 23 (Shenshu) Rücken-Transport-Shu-Punkt des Magens, unterstützt Mark und Knochen und damit das Xue Dian An Rou, Ca (+)
Ausführung
Rückenlage oder Sitzhaltung:
  • Schieben (Tui) von He 7 zu He 4, anschließend punktuelles (Dian) Drücken (An) und Kneten (Rou) mit anschließender Vibration (Zhen) an Mi 6 und Ma 36

  • Schieben (Tui) mit der Handkante an der Fußsohle von Ni 1 zu Ni 3 und anschließend mit der flachen Hand an den drei Yin-Leitbahnen des Beines aufwärts bis kurz über das Knie

  • punktuelles Drücken und Kneten mit anschließender Vibration an Ren 14.

Bauchlage oder Sitzhaltung:
  • Schieben längs und quer im Bereich der LWS, anschließend kreisend streichen (Mo) zur Wirbelsäule

  • punktuelles Drücken und Kneten mit anschließender Vibration an Bl 23 und Bl 20; dann jeweils über Kreuz auf der einen Seite Bl 15 und auf der anderen Bl 17 gleichzeitig behandeln.

Leber-Blut-(Yin-)Mangel (11.7.1)
Krankheitsbild
Z.B. chronische Sehnenreizungen, -entzündungen, Sehstörungen, Reizbarkeit.
Behandlungspunkte

Behandlungspunkte Leber-Blut-(Yin-)Mangel

Tab. 6.17
Punkt Wirkung Tuina-Technik
Mi 6 (Sanyinjiao) Stärkt und harmonisiert die Milz, nährt Yin und Xue, beruhigt den Geist-Shen Dian An Rou, Zhen (+)
Ma 36 (Zusanli) Meer-He-Punkt, stärkt Milz, Magen, Qi und Xue Dian An Rou, Ca (+)
Le 8 (Ququan) Meer-He-Punkt, nährt das Leber-Xue und damit die Sehnen Dian An Rou, Ca (+)
Bl 17 (Geshu) Einflussreicher-Hui-Punkt, tonisiert das Xue Dian An Rou, Ca (+)
Bl 18 (Ganshu) Rücken-Transport-Shu-Punkt, stärkt mit Bl 17 das Leber-Xue Dian An Rou, Ca (+)
Bl 20 (Pishu) Rücken-Transport-Shu-Punkt, tonisiert Milz und Magen, nährt das Xue Dian An Rou, Ca (+)
Bl 23 (Shenshu) Rücken-Transport-Shu-Punkt, unterstützt Mark und Knochen und damit das Xue Dian An Rou, Ca (+)
Ausführung
Rückenlage oder Sitzhaltung:
  • Schieben (Tui) mit der Handkante an der Fußsohle von Ni 1 zu Ni 3 und anschließend mit der flachen Hand an den drei Yin-Leitbahnen des Beines aufwärts bis kurz über das Knie schieben (Tui)

  • punktuelles (Dian) Drücken (An) und Kneten (Rou) mit anschließender Vibration (Zhen) an Mi 6 und Le 8 und Ma 36.

Bauchlage oder Sitzhaltung:
  • Schieben längs und quer im Bereich der LWS mit anschließendem kreisendem Streichen (Mo) zur Wirbelsäule

  • punktuelles Drücken und Kneten mit anschließender Vibration an Bl 23 und Bl 20; dann jeweils über Kreuz auf der einen Seite Bl 18 und der anderen Bl 17 gleichzeitig behandeln.

Nieren-Yin-Mangel (11.9.6)
Krankheitsbild
Z.B. klimakterische Beschwerden (Hitzewallungen, Nervosität, Unruhe).
Behandlungspunkte

Behandlungspunkte Nieren-Yin-Mangel

Tab. 6.18
Punkt Wirkung Tuina-Technik
Ni 3 (Taixi) Ursprungs-Yuan-Qi-Punkt, unterstützt das Nieren-Jing, nährt das Nieren-Yin, Mark und Knochen Dian An Rou, Zhen (+)
Ni 6 (Zhaohai) Nährt das Nieren-Yin, befeuchtet bei Trockenheit Dian An Rou, Zhen (+)
Ni 7 (Fuliu) Fluss-Jing-Punkt, nährt das Yin, reguliert das Schwitzen Dian An Rou, Zhen (+)
Bl 23 (Shenshu) Rücken-Transport-Shu-Punkt der Niere, unterstützt das Nieren-Jing, nährt das Nieren-Yin, Mark und Knochen Dian An Rou, Zhen (+)
Ausführung
Rückenlage oder Sitzhaltung:
  • Schieben (Tui) mit der Handkante an der Fußsohle von Ni 1 zu Ni 3 und anschließend mit der flachen Hand an den drei Yin-Leitbahnen des Beines aufwärts bis kurz über das Knie

  • punktuelles (Dian) Drücken (An) und Kneten (Rou) mit anschließender Vibration (Zhen) an Ni 3, Ni 6 und Ni 7.

Bauchlage oder Sitzhaltung:
  • Schieben (Tui) längs und quer im Bereich der LWS, anschließend kreisend streichen (Mo) zur Wirbelsäule

  • punktuelles Drücken und Kneten mit anschließender Vibration an Bl 23 und Bl 52.

Tuina zur Selbstbehandlung

Tuina zur Selbstbehandlung dient sowohl der Prävention als auch der unterstützenden Behandlung entsprechender Beschwerdemuster. Die Massage sollte nicht mechanisch abgearbeitet, sondern in entsprechend ruhiger und konzentrierter Atmosphäre ohne störende Einflüsse ausgeführt werden.
Lagerung
Allgemeine Lagerungspositionen zur Behandlung sind die Bauch-, Rücken- und Seitenlage sowie die Sitzhaltung. Diese sind den aktuellen Gegebenheiten anzupassen, wenn das Einnehmen einer bestimmten Behandlungsposition z.B. aufgrund von Beschwerden im Körperinneren, -äußeren oder insbesondere durch Operationsnarben nicht möglich ist.
Anpassungen der Behandlungsgrundpositionen ergeben sich durch bestehende Beschwerdemuster oder Erkrankungen, z.B.
Rückenlage:
  • erhöhte Beinlagerung bei venösen Abflussstörungen

  • erhöhte Oberkörperlagerung bei Atemwegs- und Herzbeschwerden

  • Lagerung zur Bauchdeckenentspannung (Oberkörper angehoben, Beine in Hüft- und Kniegelenken leicht gebeugt) bei Abdominalbeschwerden sowie postoperativen Narbenzügen in diesem Bereich.

Bauchlage:
  • Unterlagerung der Bauchdecke zur leicht gestreckten oder leicht kyphosierten Position bei Lumbalgien und Ischialgien.

Sitzhaltung
  • Unterstützung des Kopfs durch den Behandler, durch Auflagerung der Stirn in leichter Kopfvorneigung oder Behandlung in einem speziellen Massagestuhl bei Beschwerden im HWS-, Schulterbereich.

Kopf und Gesicht
Tui der Stirn
  • mit den radialen Flächen der gebeugten Zeigefinger 30-mal in drei Linien über die Stirn streichen

    • von Ex-HN 3 (Yintang) bis Gb 1 (Tongziliao)

    • von Ex-HN 3 (Yintang) über Gb 14 (Yangbai) bis Ex-HN 5 (Taiyang)

    • von Ex-HN 3 (Yintang) am Haaransatz entlang über Ma 8 (Touwei) bis Dü 19 (Tinggong)

  • An Rou mit anschließendem Ma der Schläfen: 30-mal mit der Daumenkuppe an Ex-HN 5 (Taiyang) leicht drücken und kneten, anschließend mit den Flächen der Daumenendglieder 30-mal in drei übereinanderliegenden Strichen Richtung Ohren stoßen

  • An Rou der Punkte am Hinterkopf: Gb 20 (Fengchi) 10-mal drücken und anschließend 30-mal leicht drücken und kreisförmig kneten

  • Pai auf dem Scheitel: Mit beiden Hohlhänden 10-mal von der Stirn in Richtung Hinterhaupt klopfen.

Das Gesicht waschen
  • die Handflächen gegeneinander reiben, bis sie deutlich warm werden

  • dann die Handwurzeln nebeneinander auf die Stirn legen, parallel bis zum Unterkiefer kräftig abwärts reiben

  • dem Unterkieferverlauf bis ungefähr Ma 6 (Jiache) folgen, vor den Ohren wieder parallel aufsteigen und an der Stirnmitte wieder zusammenführen.

Augen
  • Rou an Bl 1 (Jingming), Ex-HN 4 (Yuyao) und Ma 2 (Sibai): 30-mal an Bl 1, Ex-HN 4 und Ma 2 leicht drücken und kreisförmig kneten

  • Gua der Augenhöhle: Mit den radialen Flächen der gebeugten Zeigefinger den oberen und unteren Orbitalrand im Wechsel 30-mal vom inneren zum äußeren Augenwinkel überstreichen

  • Bügeln der Augen: die Handwurzeln gegeneinander reiben, bis sie sich deutlich erwärmen, dann für 30 sec auf die geschlossenen Augen legen, anschließend mindestens 10-mal leicht reiben.

Nase
  • An Rou an Di 20: 30-mal an Di 20 (Yingxiang) leicht drücken und kreisförmig kneten

  • Ca der Nasenseiten: Die radialen Seiten der Zeigefinger aneinander reiben, bis sie sich deutlich erwärmen, dann 30-mal entlang der Nasenseiten auf- und abreiben, bis diese sich deutlich erwärmen.

Ohren
  • An Rou an Gb 2 (Tinghui), Dü 19 (Tinggong) und SJ 21 (Ermen) und anschließend SJ 17 (Yifeng): Mit den Zeige-, Mittel- und Ringfingern erst die Punkte Gb 2, Dü 19 und SJ 21 und anschließend SJ 17 leicht drücken und kreisförmig kneten

  • Kneten der Helix: Mit der radialen Seite des Zeigefingers und dem Daumen die Helix auf- und abkneten, bis deutliche Wärme entsteht

  • Schlagen der Himmelstrommel: Die Mitte der Handflächen mit nach dorsal weisenden Fingern auf die Ohren legen, dann die Zeigefinger auf die Mittelfinger legen und 30-mal auf den Hinterkopf schnippen lassen

  • Ca vor dem Ohr: Die radialen Seiten der Daumen aneinander reiben, bis sie sich deutlich erwärmen, dann 30-mal vor den Ohren auf- und abreiben, bis eine deutliche Wärme entsteht.

Arme
  • An Rou der Punkte an den Armen: Mit Daumen oder Mittelfinger 30-mal Drücken und kreisförmig Kneten der folgenden Punkte

    • Handgelenk: Di 4 (Hegu), SJ 4 (Yangchi), Dü 4 (Wangu), Pe 7 (Daling)

    • Unterarm: Pe 6 (Neiguan), SJ 5 (Waiguan)

    • Ellenbogen: Di 10 (Shousanli), SJ 10 (Tianjing), Lu 5 (Chize)

    • Schultergelenk: Di 15 (Jianyu), SJ 14 (Jianliao), Gb 21 (Jianjing)

  • Tui und Ca des Arms: Jeweils 30-mal am Deltamuskel, ulnar und radial des Ellenbogens sowie palmar und dorsal des Handgelenkes reiben und anschließend jeweils 30-mal an der Außenseite des Armes aufwärts und an der Innenseite des Armes abwärts streichen

  • Tui der Hand und Nian der Finger: Mit leicht gekrallten Fingern der anderen Hand 30-mal zwischen den Mittelhandknochen in Richtung Handgelenk ziehen, anschließend mit dem Thenar auf der Handfläche reiben und mit dem Daumen und der radialen Seite des Zeigefingers der anderen Hand die Finger hin- und herdrehen.

Beine
  • An Rou der Punkte an den Beinen: 30-mal an Gb 30 (Huantiao), Gb 34 (Yanglingquan), Gb 40 (Qiuxu), Ma 36 (Zusanli), Bl 40 (Weizhong), Bl 57 (Chengshan), Mi 6 (Sanyinjiao) mit Daumen oder Mittelfinger leicht drücken und kreisförmig kneten

  • An Rou des Oberschenkels: 30-mal kräftiges beidhändiges Drücken und kreisförmiges Kneten medial, lateral und frontal der Muskulatur des Oberschenkels

  • Na der Patella: Die Patella 30-mal bei gestreckten Beinen mit dem Daumen und der radialen Seite des Zeigefingers greifen und kneten

  • Na und Rou des Unterschenkels: 30-mal den Unterschenkel greifen und kneten

  • Pai des Beines: 30-mal das Bein an der Außen- und Vorderseite abwärts, an der Innenseite aufwärts klopfen.

  • Ca an Ni 1: 30-mal an Ni 1 reiben, bis eine deutliche Wärmeempfindung entsteht

  • Yao des Fußes: Den Mittelfußbereich greifen und den Fuß 30-mal in beide Richtungen kreisend bewegen.

Thorax
  • An Rou der Punkte am ventralen Thorax: 30-mal an Ren 17 (Shanzhong) und Ma 18 (Rugen) leicht drücken und kreisförmig kneten, anschließend den Thorax beidseits von oben nach unten dosiert drücken

  • Na der Pectoralismuskulatur: 30-mal den Brustmuskel greifen und kneten

  • Pai am Thorax: 30-mal den Thorax von oben nach unten beklopfen

  • Ca am Thorax: 30-mal am oberen Thorax quer reiben.

Abdomen
  • An Rou: 30-mal an Ren 12 (Zhongwan), Le 13 (Zhangmen), Ma 25 (Tianshu), Ren 6 (Qihai), Ren 4 (Guanyuan) und Ren 3 (Zhongji) leicht drücken und kreisförmig kneten

  • Mo am Abdomen: Mit der Handfläche kreisförmig um den Nabel streichen

  • Ca am Hypogastrium: 30-mal quer über den Unterbauch reiben.

Hals-Nacken und Rücken
  • An Rou an Nacken und Rücken: 30-mal mit Zeige-, Mittel- und Ringfinger von Gb 20 (Fengchi) über Bl 10 (Tianzhu) bis zum Schulterübergang drücken und kreisförmig kneten, anschließend mit drei Fingern von Du 16 (Fengfu) bis Du 14 (Dazhui) 30-mal schieben

  • Pai am Rücken: Mit der jeweils gegenüberliegenden Hohlhand die obere Rückenseite 30-mal beklopfen

  • Ji an Gb 21: Mit leicht geballter Faust 30-mal auf Gb 21 (Jianjing) klopfen

  • Mo an Bl 43: Bei 90 abduzierten Ellenbogen und maximal gebeugten Unterarmen 30-mal größtmögliche Kreisbewegungen im Schultergelenk ausführen, um die Interskapularregion, insbesondere den Bereich um Bl 43 (Gaohuangshu) zu massieren.

Lendenregion
  • Rou der Punkte in der Lendenregion: Bei geballten Fäusten mit den Grundgelenken der Zeigefinger die Punkte Bl 23 (Shenshu), Bl 52 (Zhishi) und Ex-B 7 (Yaoyan) 30-mal kreisförmig kneten

  • Ji in der Lendenregion: Mit den radialen Seiten der geballten Fäuste 30-mal von Bl 23 (Shenshu) bis Bl 28 (Pangguangshu) dosiert schlagen, um tief gehende Vibrationen zu erzeugen

  • Ca in der Lendenregion: Mit beiden Handflächen 30-mal kräftig in der Lumbalregion auf- und abreiben.

Zur Anwendung der Tuina-Therapie bei Kindern 14.4.

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