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B978-3-437-55425-4.00003-X

10.1016/B978-3-437-55425-4.00003-X

978-3-437-55425-4

Pulstastung, Variante a. Pulswelle läuft auf den Daumen des Untersuchers zu.

Pulstastung, Variante b. Pulswelle läuft am Daumen des Untersuchers vorbei.

Pulswellenänderung Pulswellenänderung, RACbeim RAC.

Arbeitstechniken

  • 3.1

    Punktsuche32

    • 3.1.1

      Mechanische Punktsuche32

    • 3.1.2

      „Very-Point-Technik“32

    • 3.1.3

      Elektrische Punktsuche33

    • 3.1.4

      Réflexe auriculocardiaque (RAC)33

  • 3.2

    Nadelung38

    • 3.2.1

      Desinfektion38

    • 3.2.2

      Stichtechnik39

    • 3.2.3

      Begleitphänomene bei Nadelung40

    • 3.2.4

      Nadelverweildauer41

    • 3.2.5

      Nadelentfernung41

Es beruhigt den Patienten und fördert sein Vertrauen, wenn Ohrakupunktur:Arbeitstechniken\"\r\"Arbeitstechnikender Behandler bei der ersten Behandlung jeden Schritt der Untersuchung und der anschließenden Therapie erklärt. Arbeitstechniken\"\r\"Arbeitstechniken

Punktsuche

Zur sicheren und zuverlässigen Punktsuche eignet sich am besten ein Behandlungsraum ohne technische Geräte mit für den Behandler und Patienten entspannender Atmosphäre (Ruhe, Dekoration, Blumen). Punktsuche\"\r\"PunktsucheOhrakupunktur:Punktsuche\"\r\"Punktsuche

Es müssen vor dem Stechen alle pathologischen Punkte definiert sein, da sich durch das Stechen des ersten Punktes die übrigen Punkte in ihrer Erscheinung verändern können. Pathologische Punkte verstärken sich z.B. gegenseitig und sind leichter auffindbar, wenn noch nicht anbehandelt wurde.

Mechanische Punktsuche

Älteste Methode zur Detektion von pathologischen Ohrpunkten; Korrelation von gefundenen Arealen mit bestehenden Krankheitsbildern war Basis für Topografie der Ohrmuschel.Punktsuche:mechanische
  • Prinzip: systematisches Abtasten der gesamten Ohroberfläche mit dem Drucktaster (2.2.3). Wichtig: gleichbleibender Druck! Schmerzempfindliche Punkte in Relation zur Umgebung gelten als pathologisch und damit als behandlungsbedürftig.

  • Vorteil: einfach anzuwenden.

  • Nachteile:

    • Schmerzhaft und ungenau; Untersuchungsergebnis u. a. abhängig von der Schmerzempfindlichkeit des Patienten.

    • Längere Untersuchung des Ohrs oder wiederholte Kontrolle wegen Schmerzhaftigkeit der Untersuchung nicht möglich.

    • Bei mehreren schmerzhaften, nebeneinanderliegenden Punkten Differenzierung schwer möglich.

Zur Basisuntersuchung eines gesamten Ohrs nicht geeignet, sinnvoll zur Überprüfung der Ergebnisse anderer Punktsuchmethoden.

„Very-Point-Technik“

Weiterentwicklung der mechanischen Punktsuche durch Gleditsch im Rahmen der Mundakupunktur zur Detektion von Very-Point-TechnikPunktsuche:Very-Point-Technikpathologischen Punkten auf der Mundschleimhaut, da hier aufgrund der feuchten Umgebung eine direkte Drucktastung nur schwer möglich ist. Technik wird aber heute auch als direkte Methode in der Ohrakupunktur angewendet.
  • Prinzip: Pathologisch verdächtige Ohrareale werden mit Akupunkturnadel durch feinschlägige Klopfmethode oder durch Überstreichen der Ohroberfläche auf erhöhte Empfindlichkeit abgesucht. Am Punkt mit erhöhter Schmerzempfindlichkeit und vermindertem Hautturgor (= „Very-Point“ nach Gleditsch) ist Nadelung ohne Gewebswiderstand möglich.

  • Vorteil: schnelle, elegante Methode, da kein Instrumentenwechsel zwischen Punktlokalisation und Punktion.

  • Nachteil: Verletzungsgefahr während der Punktsuche bei unzureichender Technik.

Die Punktion eines pathologischen Punktes kann andere noch nicht lokalisierte pathologische Punkte/Areale beeinflussen: Veränderungen in Qualität und Ausdehnung; Punkte können evtl. auch nicht mehr aufgefunden werden. Idealerweise sollt deshalb die Punktdetektion von der Punktion getrennt erfolgen, was mit der „Very-Point-Technik“ nicht möglich ist.

Elektrische Punktsuche

  • Prinzip: Pathologische Ohrpunkte weisen gegenüber umgebenden Hautarealen messbar veränderten Hautwiderstand auf: Widerstand bei ca. 90 % der Punkte vermindert, bei ca. 10 % erhöht. Zur Detektion wurden Punktsuchgeräte (2.2.2) entwickelt, die über eine Punktsonde mit vergleichender Widerstandsmessung im Innen- und Außenbereich der Auflagefläche arbeiten. Je nach Veränderung des Hautwiderstands unterscheiden diese Geräte Silber- und Goldpunkte, wobei die SilberpunktePunktsuche:elektrischeSilberpunkte den Punkten mit erhöhtem Hautwiderstand und die GoldpunkteGoldpunkte denen mit erniedrigtem Hautwiderstand entsprechen. Es sind unterschiedliche Modelle im Handel. Bei der Auswahl gilt generell: Je einfacher sie konstruiert sind und übersichtlicher die Gestaltung ist, umso mehr wird die Anwendung erleichtert.

  • Durchführung: Patient in entspannter Ausgangsstellung; Arme des Untersuchers ruhen auf der Untersuchungsliege, Finger der Untersuchungshand stützen sich auf Höhe des Mastoids ab; bei Punktsuchgeräten mit Erdungselektrode nimmt der Patient diese in die Hand; bei Geräten ohne Erdungselektrode muss der Untersucher den Patienten mit der Gegenhand berühren. Eichung: Einstellung auf individuellen Hautwiderstand auf möglichst unauffälligen Zonen (z. B. Null-Punkt), ggf. Nacheichung bei längerer Untersuchung. Cave: Bei fehlender oder unsachgemäßer Eichung Gefahr von Messfehlern! Punktsuche: Die sich aus der Anamnese ergebenden Punkte mit der Tastspitze des Geräts absuchen. Bei Lokalisation eines pathologischen Punktes je nach Gerät akustisches oder optisches Signal.

Unterschiedlicher Hautwiderstand an verschiedenen Zonen der Ohrmuschel möglich: im lokalen Bereich des vermuteten Punktes sollte deshalb nachgeeicht werden.

  • Vorteile: standardisierte, objektive Methode; geeignet auch für Anfänger.

  • Nachteile: Geräte oft unhandlich und meist teuer, je nach Einstellung der Sensitivität falsch positive oder falsch negative Werte möglich, aufgrund der Unhandlichkeit zur kompletten Ohruntersuchung in der täglichen Praxis weniger geeignet. Verdeckte Lokalisationen können nur schwer gemessen werden.

Réflexe auriculocardiaque (RAC)

Réflexe auriculocardiaque. Syn.: Vaskuläres autonomes VAS (Vaskuläres autonomes Signal)Réflexe auriculocardiaque (RAC)\"\r\"RéflexeRAC\t \"siehe Réflexe auriculocardiaqueSignal (VAS). Veränderung der Pulsqualität (Amplitude und Zeitverschiebung, keine Frequenzänderung) durch Reizung eines pathologischen Ohrpunktes mittels Hilfsmittel (2.3, Untersuchungshämmerchen).
  • Geschichtlicher Hintergrund: Der französische Arzt Paul Nogier, PaulNogier entdeckte 1968 zufällig durch Pulstastung eines von ihm am Ohr untersuchten Patienten, dass sich der Puls bei der Untersuchung der Lokalisationen, die den pathologischen Körperregionen entsprachen, veränderte. Eine systematische Erforschung dieses Phänomens zeigte, dass sich bei Reizung gestörter Ohrzonen die Pulswelle einer Arterie, z. B. der A. radialis, charakteristisch verändert. Diese Reaktion hielt Nogier für einen Fremdreflex und nannte sie „Réflexe Réflexe auriculocardiaque (RAC)auriculocardiaque“ (RAC).

  • Erklärungsmodell: Pathologische Akupunkturpunkte am Ohr weisen einen veränderten elektrischen Hautwiderstand auf. Dieser ist bei ca. 90 % der pathologischen Punkte vermindert, bei ca. 10 % erhöht. Werden die veränderten Punkte mit einer elektrischen Spannung (z. B. Eigenspannung eines Metalls oder Batteriespannung) oder einem Farbreiz (schwarz, weiß) kontaktiert (Hautkontakt oder geringer Abstand des Metalls oder der Farbe zur Haut), wird ein sympathischer Reiz im Körper ausgelöst. Dadurch schließen sich periphere arteriovenöse Shunts und führen kurzzeitig zu einer vermehrten Blutfülle im arteriellen Gefäßsystem. Der sogenannte RAC wird ausgelöst.

Voraussetzungen zur RAC-Tastung
  • Auswahl des Untersuchungshämmerchens: Unter der RAC-Tastung:VoraussetzungenVielzahl von Instrumenten, die zur Punktsuche in der Ohrakupunktur angeboten werden, sind nur wenige zur Basisausstattung erforderlich. Die Ohrakupunktur erfordert vielmehr die Sensibilität und Erfahrung des Behandlers. Diese kann kein Instrument ersetzen. Als Basisinstrument ist lediglich ein Untersuchungshämmerchen zur RAC-Tastung (2.3) erforderlich. Über die Notwendigkeit der Verwendung weiterer Instrumente muss sich jeder in der Ohrakupunktur Geübte ein eigenes Urteil bilden.

  • Auswahl der Arterie: Da die sympathische Reaktion das gesamte Gefäßsystem erfasst, kann die Veränderung über jeder Körperarterie getastet werden. Klassischerweise benutzt der hinter dem Patienten sitzende Behandler die A. radialis zur Pulstastung. Bei Schmerzen im Schulterbereich oder älteren Patienten mit unbeweglicherem Oberarm, sowie bei dicken Unterarmen oder kaum tastbaren Pulsen kann ebenso am Hals die A. carotis benutzt werden. Da die Pulsqualitäten jedoch allein aufgrund des Größenunterschiedes der Gefäße unterschiedlich sein können, empfiehlt es sich v. a. für den Anfänger zunächst bei einer Arterie zu bleiben.

Durchführung der RAC-Tastung
  • RAC-Tastung:DurchführungPatient liegt, Therapeut sitzt hinter dem Kopf des Patienten.

  • Therapeut tastet mit dem Daumen seiner nichtdominanten Hand (linke Hand bei Rechtshänder, rechte Hand bei Linkshänder) Puls des Patienten (bevorzugt A. radialis, in Ausnahmefällen A. carotis).

  • Gleichzeitig fährt der Therapeut mit dem Untersuchungshämmerchen zunächst über das dominante, anschließend das nichtdominante Ohr des Patienten (z. B. Patient Rechtshänder: erst das rechte, dann das linke Ohr); max. Abstand zur Hautoberfläche: 5 mm; evtl. auch Berührung.

  • Auswahl der zu testenden Ohrpunkte: erfolgt gezielt nach Anamnese und körperlicher Untersuchung (Punkteempfehlungen 7.1–7.57.17.1.17.1.27.1.37.1.47.1.57.1.67.1.77.1.87.1.97.1.107.1.117.1.127.1.137.1.147.1.157.27.2.17.2.27.2.37.2.47.2.57.2.67.37.3.17.3.27.3.37.3.47.47.4.17.4.27.4.37.4.47.5 und 8.1–8.15)8.18.1.18.1.28.1.38.1.48.1.58.1.68.28.2.18.2.28.2.38.2.48.2.58.2.68.38.3.18.3.28.3.38.3.48.3.58.3.68.3.78.3.88.3.98.3.108.3.118.3.128.48.4.18.4.28.4.38.4.48.4.58.4.68.4.78.58.5.18.5.28.5.38.5.48.5.58.5.68.5.78.68.6.18.6.28.6.38.78.7.18.7.28.88.8.18.8.28.8.38.8.48.98.9.18.9.28.9.38.9.48.108.10.18.10.28.10.38.10.48.10.58.10.68.10.78.118.11.18.11.28.11.38.11.48.128.12.18.12.28.12.38.12.48.12.58.12.68.12.78.138.13.18.13.28.13.38.13.48.13.58.148.14.18.14.28.14.38.15.

  • Tastender Finger: Der Daumen Finger, tastender, RAC-Tastungverfügt über die größte Anzahl von sensiblen Rezeptoren aller Finger, die eine Pulsveränderung wahrnehmen können. Aus diesem Grund sollte er zur Pulstastung verwendet werden, auch wenn der Eigenpuls am Anfang störend sein kann. Nach etwas Übung wird man den Eigenpuls nicht mehr wahrnehmen.

  • Zwei Tastvarianten:

    • Daumenspitze entgegen der arteriellen Flussrichtung (klassische Tastung): Vorteil dieser Variante ist, dass die Pulswelle auf die sensibelste Zone (Fingerspitze) auftrifft und damit besser getastet werden kann (Abb. 3.1-1).

    • Daumenspitze im 90-Grad-Winkel zur arteriellen Flussrichtung: Vorteil dieser Variante ist, dass der Arm des Patienten nicht so weit nach hinten überstreckt werden muss (Abb. 3.1-2).

  • Wird ein pathologischer Ohrpunkt gereizt, spürt der Therapeut eine Änderung der Pulsqualität. Charakteristisches Phänomen: Die typische RAC-Reaktion der vermehrten Blutfülle kann in der jeweilig getasteten Arterie (meist A. radialis) empfunden werden. Der Pulsschlag wird nicht schneller, erhält jedoch einen höheren Gipfel. Da jedem Gipfel auch ein Tal folgt, entsteht kurzzeitig ein tieferes Tal (Abb. 3.1-3). Richtet der Behandler seine Aufmerksamkeit auf den Gipfel der Pulswelle erlebt er einen fülligeren Puls, der auf seinen untersuchenden Finger zukommt, richtet er sie auf das Tal, empfindet er ein Weggehen des Pulses, auch negativer RAC genannt. Beide Empfindungen beschreiben das gleiche Phänomen.

RAC-Antwort bei pathologischen Ohrpunkten
Die RAC-RAC-AntwortAntwort auf Reizung pathologischer Ohrpunkte, RAC-AntwortOhrpunkte hat folgende Qualität:
  • Vermehrte (signifikante) Pulsfüllung über mindestens 3–7 Pulsschläge.

  • Reproduzierbarkeit des Phänomens bei gleichem Reiz.

Artifizieller RAC bei nichtpathologischen Punkten
Nichtpathologische Punkte am Ohr, sowie an Hautarealen an jeder beliebigen Körperstelle reagieren auf Berührung (z. B. mit dem Hämmerchen 2.3) oder Lichtreize mit der Heyne-Lampe (2.4.1) ebenfalls mit der Auslösung einer RAC-Antwort, die sich aber von der RAC-Antwort auf Reizung pathologischer Punkte unterscheidet:
  • Vermehrte (signifikante) Pulsfüllung über max. 1–3 Pulsschläge.

  • Keine sichere Reproduzierbarkeit bei gleichem Reiz, jedoch auch auslösbar durch Berührung der Haut allgemein oder sonstige Außenreize (z. B. Licht mit der Heyne-Lampe).

Alternative zur Heyne-Lampe: zur Auslösung des artifiziellen RAC kann auch eine stark fokussierende Taschenlampe verwendet werden. Der Effekt ist allerdings weniger intensiv.

RAC-beeinflussende Faktoren
Die RAC-Qualität kann durch verschiedene Faktoren beeinflusst werden. Sie sind bei der Interpretation des Untersuchungsergebnisses unbedingt zu berücksichtigen.
  • Individuelle Sensibilität des Patienten: Jeder Patient hat seine individuelle Sensibilität des Patienten, RAC-AntwortSensibilitätsschwelle und Reaktionsbreite bzgl. Auslösung des RAC und Differenz der Pulskurven vor und nach Reiz. Als eine Art „Selbst-Eichung“ sollte deshalb jeder Anfänger vor einer RAC-Tastung mehrere Male einen artifiziellen RAC, z. B. durch Lichtreiz auf das Gesicht mit der Heyne-Lampe (2.4.1) beim Patient auslösen.

  • Größe des untersuchten Gefäßes: Ein größeres Gefäß (z. B. A. carotis) verfügt an sich über mehr Blutfülle. Eine Änderung des Füllungsstatus durch die Auslösung eines RAC wird etwas kräftiger getastet.

  • Qualität des Pulsschlages: Besteht Pulsschlag, Qualität, RAC-Antwortein kräftiger Puls, z. B. aufgrund einer Hypertonie, kann eine Änderung des Füllungsverhaltens der Arterie deutlicher getastet werden.

  • Lage des Gefäßes: Je oberflächlicher Gefäßgröße/-lage, RAC-Antwortund weniger eingebettet in Fett-, Muskel- und Bindegewebe ein Gefäß liegt, desto deutlicher ist der Puls und seine Veränderung bei einer RAC-Antwort zu tasten.

  • Beobachtung des Behandlers: Je nachdem, ob die Aufmerksamkeit des Behandlers auf den Gipfel oder das Tal der Pulswelle gerichtet ist, wird er die RAC-Antwort als fülligeren oder verschwindenden Puls wahrnehmen.

  • Pathologischer Puls: Insbesondere Puls, pathologischer, RAC-Antwortbei Vorhofflimmern mit unregelmäßiger Überleitung wie auch bei Extrasystolen schwankt die Pulsfüllung von sich aus, ohne Reizung von Ohrpunkten. Ein RAC kann so vorgetäuscht werden. Eine Unterscheidung zum pathologischen RAC ist nur für den erfahrenen Untersucher möglich.

Die Punktsuche mittels RAC ist eine objektive Methode der Punktdetektion, die durch mehrere Untersucher unabhängig voneinander in gleicher Weise reproduzierbar ist. Voraussetzung ist allerdings eine qualifizierte Ausbildung, Sensibilität, ausreichend Übung und Berücksichtigung der Störfaktoren.

Nadelung

Nadelung\"\r\"Nadelung

Die für die Therapie erforderlichen Punkte werden gemäß RAC-Tastung ausgewählt und genadelt. Es ist für den Therapieeffekt gleichrangig, ob es sich um französische oder chinesische Punkte handelt. Sie werden je nach Detektion durch den RAC miteinander kombiniert. Ebenso ist die Kombination der Ohrakupunktur mit der Körperakupunktur immer sinnvoll und meist für den optimalen Therapieerfolg notwendig. Das Erwärmen der Ohrakupunkturnadel mit einem Feuerzeug/Zündholz („Moxibustion“) kann bei Punkten, denen Energie zugeführt werden soll, durchgeführt werden. Da es jedoch keine wesentliche Verbesserung für den Therapieerfolg bringt, wird diese Methode hier nicht empfohlen, v.a. da die Gefahr des Versengens ohrnaher Haare nicht unerheblich ist.

Durch die Vorbereitungen und die Diagnostik konnte sich der Behandler ausreichend auf den Patienten einstellen. Jetzt führt er schließlich, die Konzentration auf die pathologischen Punkte gelegt, die Akupunkturbehandlung durch: Nach der Desinfektion wird zunächst das dominante Ohr und anschließend das nichtdominante Ohr (5.4.1) akupunktiert, um einen standardisierten Behandlungsablauf einzuhalten, der Lokalisationsfehler in Zusammenhang mit der Dominanz vermeiden hilft. So findet sich z. B. der Punkt Barbiturat (6.7.1) nur am nichtdominanten Ohr, also links beim Rechtshänder und rechts beim Linkshänder. Wird das nichtdominante Ohr immer als zweites untersucht, fällt es leicht, nicht die falsche (dominante) Seite zu akupunktieren.

Akupunktur verursacht immer ein Mikrotrauma im Gewebe. Nach Entfernen der Nadel führen die Reparaturvorgänge des Körpers (Einwanderung von Leukozyten, Einsprossung von Bindegewebe, etc.) zu einer noch über Tage wirkenden Reizung des Punktes. Eine einmalige Punktion hat demnach einen ähnlichen Effekt, wie das Setzen einer Dauernadel, die nach ca. 1 Woche durch Reizadaptation des Körpers wirkungslos wird, wenn sie nicht zuvor herausfällt.

Desinfektion

Nach Markierung der Punktdesinfektion, NadelungNadelung:DesinfektionPunkte mit einem Markierungsstift (2.4.4) werden die Punkte vor Akupunktur des jeweiligen Ohrs mit einem in Desinfektionsmittel getränkten Tupfer abgewischt. So vermeidet man die Tätowierung des Patientenohrs und erreicht eine oberflächliche Desinfektion.
Die Markierung dient dem eigenen Überblick über ein Ohr vor Beginn des Stechens, was bei mehreren aufeinanderfolgenden Patienten und jeweils zwei untersuchten Ohren hilfreich sein kann, da man sich die gefundenen Punkte nicht längere Zeit vor dem Stechen merken muss.

Der farbige Punkt muss vor dem Stechen in jedem Fall mit Desinfektionslösung abgewischt werden, um punktförmige Tätowierungen durch den Einstich der Nadel in den farbigen Punkt zu vermeiden.

Stichtechnik

Einmalnadeln und sterilisierbare Nadeln
  • StichtechnikNadelung:StichtechnikNadeln\"\r\"NadelnNadeln:EinmalnadelnNadelhaltung: Nadel mit Daumen und Zeigefinger der dominanten Hand (Pinzettengriff) am Führungsgriff fassen.

  • Einstich: mit schneller Drehbewegung platzieren; je schneller die Drehung beim Einstich, desto geringer der Schmerz.

  • Stichtiefe: ca. 2–3 mm; Nadelspitze erreicht je nach Lokalisation meist Weichteile (z. B. Perichondrium oder Subkutis) oder seltener auch Knorpel (z. B. im Bereich der Anthelix). Cave: Wegen erhöhtem Infektionsrisiko ist eine Traumatisierung des Knorpels zu vermeiden! Das Ohr darf nicht durchstochen werden, da eine Verbindung von Ohrvorder- und -rückseite einen energetischen Kurzschluss bewirkt und die Wirkung abschwächt. Erlaubt ist die Zangentechnik, bei der ein Punkt durch zwei getrennte Nadeln je auf der Ohrvorder- und -rückseite gestochen wird. Dadurch wird die Akupunkturwirkung auf den Punkt verstärkt.

Dauernadeln
ASP-Dauernadeln (2.5.3)
  • Nadeln:DauernadelnASP-DauernadelnNadelhaltung: Nadel mit Daumen und Zeigefinger der dominanten Hand (Pinzettengriff) am Führungsgriff fassen.

  • Einstich: Nadel mit Führungsgriff in Ohrgewebe drücken; Führungshülse zurückschieben, Führungsgriff anschließend entfernen, mitgeliefertes Pflaster über Nadel kleben.

  • Stichtiefe: ca. 2 mm; Nadelspitze erreicht je nach Lokalisation meist Weichteile (z. B. Perichondrium oder Subkutis) oder seltener auch Knorpel (z. B. im Bereich der Anthelix). Cave: Wegen erhöhtem Infektionsrisiko ist eine Traumatisierung des Knorpels zu vermeiden!

  • Besonderheiten: Im Führungskörper der Nadel befindet sich ein kleiner Stimulationsmagnet, der dem Patienten zur Selbstbehandlung mitgegeben werden kann (Instruktion: Magnet über Dauernadel drehen, z. B. Suchttherapie 8.8).

Bei den ASP-Dauernadeln sollte kein (meist mitgeliefertes) Pflaster über die Nadel geklebt werden. Dieses verhindert zum einen die natürliche Abstoßungsreaktion des Körpers nach erfolgter Therapiewirkung. Zum anderen bildet sich unter dem Pflaster eine feuchte Kammer, die über den Stichkanal zum Eindringen von Keimen und damit z.B. zu einer Chondritis führen kann.

Pyonex-Dauernadeln (2.5.3)
  • Pyonex-DauernadelnNadelhaltung: Nadel inkl. Pflaster mit Daumen und Zeigefinger der dominanten Hand führen.

  • Einstich: Nadel senkrecht in das Ohrgewebe drücken, Pflaster klebt dabei über Einstichpunkt. Cave: Drehbewegung beim Einstich nicht möglich, Platzierung deshalb schmerzhafter als bei Einmalnadel.

  • Stichtiefe: ca. 2 mm; Nadelspitze erreicht je nach Lokalisation meist Weichteile (z. B. Perichondrium oder Subkutis) oder seltener auch Knorpel (z. B. im Bereich der Anthelix). Cave: Wegen erhöhtem Infektionsrisiko ist eine Traumatisierung des Knorpels zu vermeiden!

  • Besonderheiten: exakte Platzierung ist wegen mangelnder Führung schwierig, v. a. bei verdeckten Lokalisationen.

Begleitphänomene bei Nadelung

Schmerz
Schmerz, bei NadelungNadelung:SchmerzNadelung:BegleitphänomeneSchmerzempfinden bei Ohrakupunktur ist individuell unterschiedlich und reicht von „bedeutungslos“ bis „kaum auszuhalten“; die meisten empfinden Ohrakupunktur zwar als „unangenehm, aber durchaus tolerierbar“. Allgemein gilt:
  • Initialschmerz: häufigster Schmerz, v. a. beim Hautdurchstich und bei Erreichen des Knorpels durch Nadelspitze; Schmerzstärke ist durch Drehen der Nadel während des Einstichs deutlich reduzierbar (3.2.2).

  • Schmerz während Nadellage: selten; gelegentlich ziehende Schmerzen als Ausdruck erhöhter Aktivität des Punktes; je aktiver, d. h. pathologischer ein Punkt, desto schmerzempfindlicher.

  • Schmerz bei Nadelentfernung: sehr selten.

  • Schmerzen nach Ziehen der Nadel: sehr selten Anhalten des Schmerzes nach Ziehen der Nadel; manchmal über mehrere Tage als Zeichen erhöhter Aktivität des Punktes.

Alle Schmerzformen entwickeln sich weitgehend unabhängig von der Nadeldicke (0,3–0,8 mm).
Rötung der Einstichstelle
  • Nadelung:Einstichstelle, RötungEinstichstelle, RötungTypischerweise innerhalb von Sekunden nach dem Einstich; sie tritt nicht immer und nicht bei jedem Patienten auf (u. a. in Abhängigkeit von der Hautsensibilität). Cave: Rötung der Einstichstelle unmittelbar nach der Akupunktur nicht mit einer entzündlichen Reaktion (z. B. infektiöse Chondritis oder mechanische Reizung; 1.2.3, Komplikationen der Ohrakupunktur) verwechseln. Diese tritt frühestens 3–4 Tage nach der Akupunktur auf.

  • Rötung weist auf eine „energetische Reaktion“ des Körpers hin. Dies ist durchaus erwünscht und hat nichts mit einer Entzündungsreaktion zu tun.

  • Reaktion ist umso heftiger, je pathologischer (und damit therapiebedürftiger) ein Punkt ist. Cave: Nadel bei Rötung auf keinen Fall frühzeitig entfernen!

Herausfallen der Nadel
  • Nadeln:HerausfallenWährend der Liegezeit ist es möglich, dass ordnungsgemäß platzierte Nadeln herausfallen. Diese Nadeln müssen nicht erneut platziert werden. Sie würden wieder herausfallen.

  • Herausfallen der Nadeln bedeutet keinen Wirkungsverlust. Kleine Verletzung durch den Nadelstich bewirkt therapeutischen Reiz, der die nächsten Tage fortbesteht (wie bei den Nadeln, die nach ca. 20 Min. entfernt werden).

  • Vermuteter Mechanismus: Erhöhter „energetischer Druck“ schiebt Nadel heraus.

Blutung nach Nadelentfernung
  • Nadelung:BlutungNadeln:BlutungNach Entfernung der Nadeln kann eine Sickerblutung oder auch eine bis mehrere Zentimeter weit spritzende Blutung auftreten.

  • Tritt unabhängig von der Stichtiefe auf, die ohnehin nur einige Millimeter sein kann.

  • Weist auf Ausgleich eines energetischen Überdrucks an dem gestochenen Punkt hin. Aufgrund der dünnen, kaum verletzenden Nadeln und der winzigen Ohrgefäße ist v. a. die spritzende Blutung nicht allein mit dem Treffen eines Gefäßes zu erklären.

  • Dringt die Blutung nicht nach außen, entsteht ein kleines Hämatom. Auch dies entlastet den „energetischen Druck“ eines Ohrpunktes, ist jedoch über mehrere Tage für den Patienten schmerzhaft und optisch einschränkend.

Blutung möglichst erst nach einigen Sekunden mit Tupfer stillen. Punkt ausbluten lassen!

Nadelverweildauer

  • Nadeln:VerweildauerEinmalnadeln: verbleiben mindestens 20 Min. im Ohr. So lange muss der Patient liegen.

  • Dauernadeln: verbleiben nach dem Stechen so lange, bis sie von selbst herausfallen. Dies erfolgt meist innerhalb einer Woche; ansonsten nach einer Woche z. B. mit einer Pinzette ziehen, da sie aufgrund der Reizadaptation keine wesentliche Wirkung mehr haben.

Nadelentfernung

  • NadelentfernungTechnik: einfaches Herausziehen der Nadel, ein Tupfer sollte für evtl. Blutung bereitgehalten werden; eine Blutung nach Ziehen der Nadel ist grundsätzlich nicht negativ; weist auf Entlastung einer „energetischen Stauung“; es empfiehlt sich, die gezogenen Nadeln zu zählen und mit der Dokumentation zu vergleichen.

  • Durchführung: durch Therapeut oder Helfer (Voraussetzung: der Akupunkteur sollte bei Delegation in „angemessener Zeit“ persönlich in der Praxis erreichbar sein; Helfer muss die Tätigkeit beherrschen, Akupunkteur muss sich von der sorgfältigen Ausführung überzeugt haben). Möglichst jede Nadel einzeln ziehen und in einem Behälter ablegen, um Verletzungsgefahr beim Ziehen zu verringern.

  • Komplikation: Nadelkollaps (5.10.2), Blutung (3.2.3) Stichverletzung (5.10.1).

  • Entsorgung: Einmalnadeln in abgeschlossenen Einmalabwurf (Müllentsorgung 2.5.6); sterilisierbare Nadeln bis zur Sterilisation (2.5.5) in Desinfektionslösung aufbewahren.

Die Nadelentfernung ist in der Regel schmerzlos und problemlos durchzuführen.

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