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B978-3-437-55425-4.00001-6

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978-3-437-55425-4

Aufteilung der Unterrichtseinheiten (UE) zur Zusatzbezeichnung Akupunktur

Tab. 1.4-1
Kurs Kursinhalte Anzahl der UE
A
  • Wissenschaftliche Grundlagen der Akupunktur.

  • Akupunkturrelevante Grundlagen der TCM.

  • Durchführung der Akupunkturbehandlung.

24 UE
B
  • Systematik der Organsysteme des ventralen Umlaufs.

  • Konzeptionsgefäß.

  • Akupunkturpunkte des ventralen Umlaufs.

  • Übung der Behandlung.

24 UE
C
  • Systematik der Organsysteme des dorsalen Umlaufs.

  • Lenkergefäß.

  • Akupunkturpunkte des dorsalen Umlaufs.

  • Übung der Behandlung.

24 UE
D
  • Systematik der Organsysteme des lateralen Umlaufs.

  • Akupunkturpunkte des lateralen Umlaufs.

  • Extrapunkte.

  • Übung der Behandlung.

24 UE
E
  • Behandlungskonzepte inkl. Ohrakupunktur/Mikrosysteme.

24 UE
F
  • Praktische Akupunkturbehandlungen.

60 UE
G
  • Fallseminare.

20 UE

Weiterbildungsordnung, Block E: Behandlungskonzepte inkl. Ohrakupunktur/Mikrosysteme

Tab. 1.4-2
1. Ohrakupunktur
  • Grundlagen der Ohrakupunktur, geschichtlicher Überblick (1.1).

  • Anatomie, Innervation (hintere Umschlaginnenseite).

  • Erklärungsmodelle der Ohrakupunktur (1.2).

  • Indikationen (7, 8).

  • Kontraindikationen (1.2.3).

  • Komplikationen/Wechselwirkungen (1.2.4).

  • Ohrmuschelkartografie, Systematik der Projektionszonen (6.1, 6.13).

  • Techniken der Punktlokalisation (3.1).

  • Nadelmaterial (2.5).

  • Stichtechnik (3.2.2).

  • Projektionszonen des Stütz- und Bewegungsapparates (6.2).

  • Projektionszonen der inneren Organe (6.4)

  • Einzelne wichtige Punkte: Auge (8) (6.3.4), Nase (6.3.4), Stirn (33) (6.3.3), Hinterhaupt (29) (6.7.4), Oberkiefer/Unterkiefer (6.3.4), Gaumen (6.3.4), Uterus (6.5.2), Ovar (6.5.2), shen men (55) (6.7.2), Thalamus (26a) (6.7.4), Analgesiepunkt (6.7.5), Allergiepunkt (6.6.4), Point de Jerome (29b) (6.8.2), psychotrope Punkte 1–4 (Antiaggression = PT1, Angst/Sorge = PT2, Antidepression = PT3, Kummer/Freude = PT4) (6.13.2).

  • Therapiekonzepte in Kombination mit der Körperakupunktur (10.1 bis 10.1610.110.210.310.410.4.110.4.210.4.310.4.410.4.510.510.610.710.810.910.1010.1110.1210.1310.1410.1510.16)

2. Andere Mikrosysteme
Neben der Ohrakupunktur mit der längsten Historie sind auch weitere Mikrosysteme beschrieben worden wie z.B. die Mundakupunktur nach Gleditsch, die Schädelakupunktur nach Yamamoto und die koreanische Handakupunktur.
3. Integrierte Behandlungskonzepte
  • Kopf- und Gesichtsschmerzen, mindestens Spannungskopfschmerzen (7.3.1), Migräne (7.4), Trigeminusneuralgie (7.5.1).

  • Einfache Schmerzerkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates, mindestens HWS-, BWS-, LWS-Syndrom, Schmerzen der Gelenke (7.1).

  • Chronische Schmerzkrankheit (7.2).

  • Einfache Behandlungskonzepte der Geburtshilfe (8.10.6), sowie von Erkrankungen in der Gynäkologie (8.10), mindestens Dysmenorrhö (8.10.2).

  • Behandlungskonzepte bei Allergien (8.6).

  • Psychosomatische Erkrankungen (8.13), funktionelle Störungen (mit Schmerzen).

  • Psychovegetative Syndrome (8.14).

  • Schlafstörung (8.12.1).

  • Einfache Konzepte der Suchttherapie (8.8).

4. Myofasziale Triggerpunkte
Unter myofaszialen Triggerpunkten versteht man lokal dolente Schmerzpunkte in einem palpierbar verspannten Muskelfaserbündel. Die Schmerzintensität reicht von schmerzloser Bewegungseinschränkung durch latente Triggerpunkte bis zu starken quälenden Schmerzen durch sehr aktive Triggerpunkte. Im Rahmen der Akupunktur können diese Punkte gestochen und die Spannung über die Akupunkturnadel abgeleitet werden.

Einleitung

  • 1.1

    Geschichtlicher Überblick2

    • 1.1.1

      Ursprünge der Ohrakupunktur2

    • 1.1.2

      Französische Schule2

    • 1.1.3

      Chinesische und Wiener Schule3

  • 1.2

    Wirkung der Ohrakupunktur3

    • 1.2.1

      Erklärungsmodelle3

    • 1.2.2

      Indikationen4

    • 1.2.3

      Kontraindikationen6

    • 1.2.4

      Komplikationen/Wechselwirkungen7

  • 1.3

    Ausbildungsmöglichkeiten8

  • 1.4

    Zusatzbezeichnung „Akupunktur“9

  • 1.5

    Studium – Master of Science TCM11

Geschichtlicher Überblick

Ursprünge der Ohrakupunktur

  • In der chinesischen Kultur reicht die erste schriftliche Erwähnung der Ohrakupunktur ins 1. Jahrhundert v. Chr. zurück. Im Huangdi Neijing, dem „Inneren Klassiker des gelben Fürsten“, finden sich Hinweise auf Beziehungen zwischen der Ohrmuschel und einzelnen Körperregionen. Zurzeit der Tang-Dynastie, 618–907 n. Chr., waren 20 vordere und hintere Ohrpunkte bekannt.Ohrakupunktur:Ursprünge

  • In Persien und Ägypten wurde Ohrakupunktur bereits vor 2 000 Jahren zur Linderung von Schmerzen und zur Empfängnisverhütung angewendet.

  • Im 4. Jahrhundert v. Chr. erkannte Hippokrates die Möglichkeit, über die Ohrmuschel zu therapieren. Er versuchte, Impotenz durch Aderlass am Ohr zu heilen.

  • Weitere Hinweise auf die Ohrakupunktur im europäischen Raum sind erst wieder im 17. Jahrhundert niedergelegt. Auf dem berühmten Gemälde „Garten der Lüste“ von Hieronymus Bosch lassen sich Zusammenhänge der Ohrmuschel mit Körperregionen in der symbolischen Darstellung der Hölle erkennen.

  • Über Kauterisation am Ohr zur Ischialgiebehandlung berichtet 1637 Zacatus Lusitanus und über Kauterisation am Ohr bei Zahnschmerzen Valsalva 1717.

  • Im 19. Jahrhundert folgen einem Bericht über Ischiasbehandlung mittels Kauterisation durch Dr. Luciana aus Bastia (Frankreich) mehrere Veröffentlichungen über ähnliche Therapieerfolge anderer Ärzte. Gleichzeitig zeigen sich in Italien (Prof. Ignaz Colla, Parma) und Amerika (Dr. Rülker, Cincinnati) ähnliche Entwicklungen.

Im Gegensatz zur Körperakupunktur wurde die Ohrakupunktur in China über die folgenden Jahrhunderte nicht weiterentwickelt. Erst durch die Veröffentlichungen des französischen Arztes Paul Nogier 1957 rückte die Ohrakupunktur wieder in das Interesse der Ärzte für Traditionelle Chinesische Medizin. Nogiers Erkenntnisse wurden sehr bald nach China gebracht und daraus entwickelte sich die chinesische Schule der Ohrakupunktur.

Französische Schule

Ohrakupunktur:Französische SchuleFranzösische SchuleDie Ohrakupunktur wird erst seit 1950 – zunächst durch Paul Nogier, PaulNogier – systematisch erforscht. Ihm war bei einigen seiner arabischen Patienten eine Narbe an der Ohrmuschel aufgefallen. Bei diesen war wegen einer Lumbalgie oder Ischialgie eine Kauterisation im Bereich der Anthelix durchgeführt worden, was innerhalb von Minuten bis Stunden zum Nachlassen der Schmerzen geführt hatte. Nogier versuchte sich zunächst selbst in der Kauterisation, ersetzte dann diese Methode durch das Stechen von Nadeln. Dadurch erzielte er ebenfalls eine positive Wirkung, ohne jedoch bleibende Narben zu hinterlassen. Es dauerte noch drei Jahre, bis er den Zusammenhang zwischen der Wirbelsäule und ihrer umgekehrten Projektion auf die Anthelix des Ohrs erkannte.
In der Folgezeit entdeckte Nogier, dass alle Organe des Körpers am Ohr repräsentiert sind. Unter dem Namen „AuriculotherapieAuriculotherapie“ machte er 1956 seine Erkenntnisse zu dieser Behandlungsmethode in einem Vortrag in Marseille bekannt. Dieser Vortrag erschien 1957 in Übersetzung von Bachmann in der „Deutschen Zeitschrift für Akupunktur“.
Nogier entdeckte 1968 zufällig durch Pulstastung eines von ihm am Ohr untersuchten Patienten, dass sich der Puls bei der Untersuchung der Lokalisationen, die den pathologischen Körperregionen entsprachen, veränderte. Eine systematische Erforschung dieses Phänomens zeigte, dass sich bei Reizung gestörter Ohrzonen die Pulswelle charakteristisch verändert. Diese Reaktion hielt Nogier für einen Fremdreflex und nannte sie „Réflexe Réflexe auriculocardiaqueRAC“ \t „siehe Réflexe auriculocardiaqueauriculocardiaque“ (RAC). Dieses Phänomen löste das Problem der Detektion der relevanten Ohrpunkte. Damit war der entscheidende Durchbruch für die Entwicklung einer objektiven und sicheren Methode zur Lokalisation und damit Therapie der „pathologischen“ Ohrpunkte erzielt.

Chinesische und Wiener Schule

Chinesische Schule
Ohrakupunktur:Chinesische SchuleChinesische SchuleYeh Hsiao-Lin veröffentlichte 1958 in Shanghai Nogiers Erkenntnisse. Die Chinesen erkannten die Integrationsfähigkeit der Ohrakupunktur in die Traditionelle Chinesische Medizin. Seither wird in China die Ohrakupunktur zunehmend neben der Körperakupunktur angewendet. Zuvor waren die wenigen, seit Jahrtausenden bekannten Ohrpunkte von untergeordneter Bedeutung. Sie waren auch eher in Zusammenhang mit der Körperakupunktur zu sehen. Jetzt entwickelte sich die Ohrakupunktur jedoch zu einem eigenständigen Therapiesystem.
Nachdem Nogier 1969 Nogier, Paulund 1977 eine Übersichtskarte über Ohrpunkte veröffentlicht hatte, brachten die Chinesen in Anlehnung daran ebenfalls 1977 eine Ohrkarte an die Öffentlichkeit. Auf dieser Karte wird der Lobulus in neun Felder unterteilt. Diese Unterteilung wurde auch auf den Ohrkarten in diesem Buch verwendet, um den chinesischen Einflüssen in der Ohrakupunktur Rechnung zu tragen. Im europäischen Raum fand die Überprüfung und Weiterentwicklung der Ohrlokalisationen schneller statt als in China. Hier verharrte man länger auf den ursprünglichen Erkenntnissen, die in Europa rasch modifiziert wurden. Außerdem wurde in der chinesischen Schule die RAC-Tastung zur Punktlokalisation nicht verwendet. Aus diesen Gründen entwickelten sich divergente Angaben zu Lokalisationen gleicher Punkte am Ohr.
Wiener Schule
Ohrakupunktur:Wiener SchuleWiener SchuleDer Hauptvertreter der chinesischen Schule im europäischen Raum ist die Wiener Schule unter Prof. Bischko mit seinen Schülern u. a. König und Wancura. Auch diese wenden den RAC nicht an, sondern beschränken sich auf die topografische Punktsuche. Bei der Variabilität des Ohrs sind hier jedoch der Treffsicherheit eines Ohrpunktes bei der Akupunktur Grenzen gesetzt, v. a. da verschiedene Ohrpunkte manchmal nur wenige Millimeter auseinanderliegen.

Wirkung der Ohrakupunktur

Erklärungsmodelle

Zur physiologischen Wirkung der Ohrakupunktur gibt es bislang nur Erklärungsmodelle. Im Wesentlichen gibt es zwei Hypothesen; die eine mit physiologischem, die andere mit energetischem Ansatz.Ohrakupunktur:Erklärungsmodelle
Physiologischer Ansatz
Hierin wird versucht, die Reaktion des Körpers auf die Akupunktur mit der Reizung bestehender physiologischer Strukturen, z. B. Nervensystem oder Nozizeptoren der Haut, zu erklären (vergleichbar der Neuraltherapie). Die Wirkung wäre somit auf eine reflektorische Antwort auf Außenreize (Nadelstich) zurückzuführen. Um diese Hypothese zu beweisen wurden wissenschaftliche Untersuchungen, z. B. von Pauser, durchgeführt (Beeinflussung der Schmerzempfindung, des Schmerzgefühls und der vegetativen Lage unter Akupunktur-„Analgesie“. Wiener Klassische Wochenschrift 1975; 87(19):25–28). Es kann sicherlich der Nachweis erbracht werden, dass durch Reizung von Hautrezeptoren eine physiologische Reaktion verursacht wird – bis hin zur Narkose. Ob dies jedoch ausreicht, um die Wirkung der Akupunktur zu umfassen, bleibt zweifelhaft.
Energetischer Ansatz
Das zweite Erklärungsmodell geht davon aus, dass neben den Blutgefäßen, Lymphbahnen und Nerven ein unsichtbares, energetisches System im Körper besteht. Man kann dies vermuten, da die Akupunkturpunkte sowohl am Ohr (nur im pathologischen Zustand) als auch am Körper aufgrund ihres veränderten Hautwiderstandes zur Umgebung messbar sind. Die Ohrakupunktur soll stabilisierend auf das Energiesystem wirken und dadurch die Regulationskräfte des Körpers stützen. Weiterhin soll es das Energiesystem dynamisieren, z. B. zur Auflösung von Blockaden. Zu beachten ist: werden viele Punkte gestochen, wird das Therapiespektrum weiter gestreut, aber die Information jedes einzelnen Punktes durch die geteilte Energie schwächer umgesetzt. Begrenzt man die Akupunkturbehandlung auf wenige Punkte, werden diese wirkungsvoller therapiert, da für jeden Punkt mehr Energie zur Umsetzung der Information zur Verfügung steht.
Die Messbarkeit der anatomisch genau definierten Körper- und Ohrakupunkturpunkte gibt zwar einen Hinweis auf das Bestehen eines Energiesystems im Menschen. Ein klarer wissenschaftlicher Nachweis fehlt jedoch bisher.

Indikationen

Schmerztherapie (7.1, 7.2)
Ohrakupunktur:IndikationenIndikationenIndiziert bei akuten und chronischen Schmerzen (7.1, 7.2).
  • Einsparen von Schmerzmitteln.

  • Adjuvant zur konventionellen Therapie (z. B. bei Tumorerkrankung, Zahnbehandlung, etc.).

  • Bisher als einzige Indikation von allen gesetzlichen Krankenkassen anerkannt.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen (8.1)
  • Auch begleitend zur konventionellen Therapie (z. B. bei Z. n. Herzinfarkt) oder anfangs in Kombination mit konventioneller Medikation (z. B. Hypertonie 8.1.1).

  • Einsparen von Medikamenten und damit Vermeiden von Nebenwirkungen (z. B. Impotenz bei β-Blockern).

Atemwegserkrankungen (8.2)
  • Kurative Therapie durch die Akupunktur möglich, auch wenn konventionell nur noch invasive Therapie, z. B. operative Eingriffe, Erfolg versprechen (z. B. Polypen, Sinusitis 8.2.4).

  • Einsparen von Medikamenten und damit Vermeiden von Nebenwirkungen (z. B. Kortison bei Asthma bronchiale 8.2.1).

Gastrointestinale Erkrankungen (8.3)
  • Kurative Therapie durch die Akupunktur möglich, auch wenn konventionell in fortgeschrittenem Stadium nur medikamentöse Dauertherapie Erfolg verspricht (z. B. M. Crohn 8.3.11).

  • Einsparen von Medikamenten und damit Vermeiden von Nebenwirkungen (z. B. Immunsuppressiva bei Colitis ulcerosa 8.3.10, Antazida bei Gastritis 8.3.2).

Urogenitale Erkrankungen (8.4)
  • Kurative Therapie durch die Akupunktur möglich, auch wenn konventionell nur medikamentöse Dauertherapie Erfolg verspricht (z. B. Harninkontinenz 8.4.2).

  • Einsparen von Medikamenten und damit Vermeiden von Nebenwirkungen (z. B. Antibiose bei Harnwegsinfekt 8.4.1).

Hauterkrankungen (8.5)
  • Einsparen von Medikamenten und damit Vermeiden von Nebenwirkungen (z. B. Immunsuppressiva/Kortison bei Neurodermitis 8.5.1).

  • Erhöhte Stabilität gegen krankheitsauslösende Umweltfaktoren.

Allergische Erkrankungen (8.6)
  • Kurative Therapie durch die Akupunktur möglich, auch wenn konventionell nur medikamentöse Dauertherapie oder aufwendige Desensibilisierung mit begrenztem Wirkungsspektrum Erfolg verspricht (z. B. Heuschnupfen 8.6.1).

  • Einsparen von Medikamenten und damit Vermeiden von Nebenwirkungen (z. B. Kortison bei Allergischem Exanthem 8.6.2).

  • Erhöhte Stabilität gegen krankheitsauslösende Umweltfaktoren.

  • Einige Indikationen (z. B. Heuschnupfen 8.6.1) von einigen gesetzlichen Krankenkassen anerkannt.

Augenerkrankungen (8.7)
  • Kurative Therapie, die konventionelle medikamentöse Therapie ersetzen kann.

  • Verlangsamung von fortschreitenden Krankheitsprozessen.

Suchterkrankungen (8.8)
  • Nur bei Wunsch des Patienten, von der Sucht loszukommen; erhöhte Erfolgsrate bei maximaler Compliance.

  • In Amerika bei straffälligen Drogenabhängigen Wahl zwischen Akupunkturbehandlung oder Freiheitsentzug möglich.

  • Studie (März 1999) des Akupunkturprojekts der „Palette 4“ in Hamburg von Uwe Vertheim zeigt neben einer allgemeinen Befindlichkeitsverbesserung v. a. beim Kokain- und Alkoholkonsum deutlichen Rückgang des Konsums.

Stoffwechselerkrankungen (8.9) und hormonelle Erkrankungen (8.10)
  • Kurative Therapie durch die Akupunktur möglich, auch wenn konventionell meist nur medikamentöse Dauerterapie Erfolg verspricht (z. B. Anfangsstadium des Diabetes mellitus Typ 2 8.9.1, klimakterische Beschwerden 8.10.3, Prämenstruelles Syndrom 8.10.1).

  • Einsparen von Medikamenten möglich (z. B. Antidiabetika).

  • Veränderte Laborparameter können normalisiert werden.

Neurologische Erkrankungen (8.11) und vegetative Erkrankungen (8.12)
  • Kurative Therapie bei „Befindlichkeitsstörungen“.

  • Kurative Therapie durch die Akupunktur möglich, auch wenn konventionell nur medikamentöse Dauertherapie Erfolg verspricht (z. B. Schlafstörungen 8.12.1).

Psychische Erkrankungen (8.13)
  • Kurative Therapie durch die Akupunktur möglich, auch wenn konventionell medikamentöse und Psychotherapie (Dauer von Diagnose abhängig) Erfolg verspricht (z. B. Depression 8.13.1).

Angstsyndrome (8.14)
  • Kurative Therapie durch die Akupunktur möglich, auch wenn konventionell medikamentöse und Psychotherapie Erfolg verspricht.

Kontraindikationen

Absolute Kontraindikationen
  • Ohrakupunktur:KontrainidkationenKontraindikationen:absoluteLokale Entzündungen am Ohr: Durch Akupunktur in entzündeten Hautbereichen besteht die Gefahr der Keimverschleppung sowie Auslösung einer (Peri-)Chondritis. Da am Ohr verschiedene Punktlokalisationen auf engem Raum abgebildet sind, können durch eine lokal umschriebene Entzündung viele Punkte betroffen sein, die nicht akupunktiert werden dürfen. Eventuell kann auf das andere Ohr ausgewichen werden (gemäß RAC-Tastung 3.1.4). Gesunde Areale bei teilweise entzündetem Ohr dürfen für die Ohrakupunktur verwendet werden.

  • Narben am Außenohr: In Narbengewebe kann keine suffiziente Ohrakupunktur durchgeführt werden. Narben, die zu Verziehungen führen, behindern die Ohrakupunktur, da die erwarteten Punktlokalisationen an anderer Stelle erscheinen können. Hier ist die RAC-Tastung besonders wichtig.

  • Defekte nach Verletzungen: Fehlen Teile des Ohrs, so sind die darauf repräsentierten Punkte für die Ohrakupunktur verloren. Dies gilt auch für Ohrlöcher, die durch Ohr- oder Piercingringe verursacht werden (5.9.3, 5.9.4).

  • Absolute Operationsindikationen: Findet man bei der Untersuchung des Patienten Hinweise auf eine absolute Operationsindikation (z. B. hochakute Appendizitis 8.3.5) ist unverzüglich eine operative Therapie einzuleiten. Ein Therapieversuch mit Ohrakupunktur ist in solchen Fällen nicht zu vertreten.

  • Akute (lebensbedrohliche) Erkrankungen: Bei Krankheitsbildern, die eine intensivmedizinische Therapie erfordern (z. B. allergisches Ödem, Status asthmaticus oder hypertone Krise), ist schon allein aus juristischen Gründen eine schulmedizinische Therapie (z. B. Kortison bei Allergie) vorzuziehen.

  • Genetisch bedingte Erbkrankheiten: Die Ohrakupunktur kann hier keine Verbesserung der Symptomatik erreichen, manchmal sogar eine Verschlechterung, z. B. beim adrenogenitalen Syndrom (AGS) mit gestörter Steroidbiosynthese. Eine Akupunkturtherapie führt hier zur vermehrten Bildung von Steroidvorstufen und damit zur Androgenisierung.

Relative Kontraindikationen
  • Kontraindikationen:relativeSchwangerschaft: In der Schwangerschaft müssen die Akupunkturpunkte sorgfältig ausgewählt werden, um z. B. Aborttendenzen zu verhindern. Dynamisierende Punkte sollten nicht verwendet werden (hormonelle Punkte 6.6), stabilisierende Punkte sind dagegen sinnvoll (Null-Punkt 6.10.3, Lateralitäts-Steuerpunkt 6.8.5).

  • Ablehnung der Methode durch den Patienten: Bewusste Ablehnung der Akupunktur kann das Energiesystem so blockieren, dass ein Zugang nicht mehr möglich ist und die Information der Akupunktur nicht umgesetzt werden kann. Eine Akupunktur gegen den Wunsch oder Willen des Patienten, z. B. bei der Suchttherapie, ist wirkungslos und deshalb auch eine Kontraindikation. Fehlender Glaube des Patienten an die Wirksamkeit der Akupunktur ist jedoch kein Therapiehindernis, da die Akupunktur ähnlich der konventionellen Therapie auch ohne Einsicht wirkt.

Komplikationen/Wechselwirkungen

Komplikationen
Ohrakupunktur:KomplikationenKomplikationenSelten können auftreten:
  • Nadelkollaps: Maßnahmen 5.10.2; Ohrakupunktur Nadelkollapssollte deshalb immer nur beim liegenden Patienten durchgeführt werden.

  • Lokale Entzündung an einer Einstichstelle: tritt ca. 3 Tage nach Akupunktur auf. Nicht zu verwechseln mit Rötung nach Einstich (3.2.3). Maßnahmen: evtl. lokal Antiphlogistika (z. B. Rivanol, Braunol).

  • (Peri-)Chondritis: Maßnahmen: lokal Antiphlogistika (z. B. Rivanol, Braunol) oder Umschläge mit Chloramin-T-Lösung; ggf. Antibiose und Überweisung zum Facharzt. Cave: Keine weitere Ohrakupunktur bis zur völligen Abheilung!

Wechselwirkungen
Negative Wechselwirkungen
Wechselwirkungen:negativeOhrakupunktur:WechselwirkungenDie Ohrakupunktur wirkt stabilisierend auf das Energiesystem des Menschen und stützt die physiologischen Vorgänge im Körper. Jede gleichzeitige Therapie, die zur Unterdrückung von physiologischen Vorgängen führt, behindert die Ohrakupunktur und umgekehrt.
Folgende Medikamente können bei Kombination mit Ohrakupunktur zu einer temporären Verschlechterung führen (5.9.1 Begleitmedikation):
  • Kortison.

  • Immunsuppressiva.

  • Antibiotika.

Dennoch ist in solchen Fällen die Anwendung der Ohrakupunktur sinnvoll, um letztendlich diese Medikamente absetzen zu können. Eine solche Ohrakupunkturbehandlung erfordert jedoch Erfahrung, um die mögliche temporäre Verschlechterung in einem dem Patienten zumutbaren Maß zu halten.
Positive Wechselwirkungen
Wechselwirkungen:positiveIdeal ergänzt wird die Ohrakupunktur durch die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) mit ihrer Körperakupunktur und Phytotherapie. Diese Kombination ist für einen optimalen Therapieerfolg manchmal erforderlich. Kenntnisse der TCM sind zur Anwendung der Ohrakupunktur sehr begrüßenswert. Die Ohrakupunktur ist schneller und leichter zu erlernen als die TCM und eignet sich deshalb für den Einstieg. Die Anwendungen der TCM können dann kontinuierlich ergänzt werden.
Andere Naturheilverfahren, die bedenkenlos mit der Ohrakupunktur kombiniert werden können:
  • Anthroposophische Medizin.

  • Atemtherapie.

  • Ausleitende Verfahren.

  • Autogenes Training.

  • Bachblütentherapie.

  • Eigenbluttherapie.

  • Enzymtherapie.

  • Homöopathie.

  • Manuelle Medizin.

  • Osteopathie.

  • Ordnungstherapie.

  • Physikalische Therapien.

  • Phytotherapie (westliche).

  • Reflexzonenmassage.

  • Sauerstoff- und Ozontherapien.

  • Symbioselenkung.

  • Vitamintherapie.

  • Zelltherapie.

Eine Kombination vieler dieser Therapien mit Ohrakupunktur und TCM führt meist zu keiner weiteren Verbesserung der Therapiewirkung. Auch eine Verkürzung der Behandlungszeit ergibt sich in der Regel hieraus nicht. Es gilt hier nicht das Motto „viel hilft viel“. Denn die Möglichkeiten des Organismus auf die durch die Reiztherapien gegebenen Informationen zu antworten sind begrenzt.

Ausbildungsmöglichkeiten

In Deutschland, Österreich und der Schweiz finden sich mehrere Gesellschaften (12.1), die eine Ausbildung in Ohrakupunktur anbieten. Um eine fundierte Ausbildung zu erhalten, sollte man sich über die Ausbildungskonzepte der verschiedenen Gesellschaften informieren.Ohrakupunktur:Ausbildungsmöglichkeiten
Zu beachten ist dabei, dass für einen maximalen therapeutischen Erfolg die Ergänzung der Ohrakupunktur mit Therapieformen der TCM, v. a. der Körperakupunktur und chinesische Phytotherapie, unbedingt erforderlich ist. Bei den meisten Gesellschaften wird deshalb die gesamte TCM mit Ohrakupunktur als Ausbildungskonzept angeboten. Gesellschaften, die sich in ihrer Ausbildung an den Ursprüngen der Traditionellen Chinesischen Medizin orientieren, sind deshalb vorzuziehen.
Folgende Ausbildungskonzepte werden derzeit angeboten:
  • Ohrakupunktur im Rahmen der TCM als Teilbereich bzw. Ergänzung. Es werden fundierte Kenntnisse der traditionellen chinesischen Denkweise vermittelt.

  • Ohrakupunktur als zentraler Inhalt der Therapie. Kenntnisse der TCM werden nur am Rande vermittelt.

  • Ohrakupunktur auf westliches Denkmuster zugeschnitten; es werden Therapiekonzepte angegeben im Sinne einer Rezeptakupunktur.

Für die ärztliche Ausbildung (Körper- und Ohrakupunktur) wurden aktuell von der Bundesärztekammer und bereits einigen Länderärztekammern generelle Voraussetzungen erarbeitet:
So hat im November 2003 die Bundesärztekammer die Einführung der Zusatzbezeichnung Akupunktur festgelegt. Als Voraussetzung zum Erhalt dieser Zusatzbezeichnung müssen mindestens 200 Stunden Kursseminare und Falldemonstrationen in Körper- und Ohrakupunktur nachgewiesen werden und danach eine Prüfung bei der jeweiligen Ärztekammer abgelegt werden. Die Details hierfür arbeiten die einzelnen Landesärztekammern aus.
Die Bayerische Landesärztekammer hat wegweisend für die übrigen Landesärztekammern am 24.4.2004 auf dem Sonderärztetag die neue Weiterbildungsordnung beschlossen, die ab 1.8.2004 in Kraft trat. Die Zusatzbezeichnung kann in einzelnen Bundesländern unabhängig vom Führen einer Facharztbezeichnung erlangt werden.

Zusatzbezeichnung „Akupunktur“

Auf dem Deutschen Ärztetag 2003 wurden im Rahmen der Neustrukturierung der Weiterbildungsordnung die Voraussetzungen zur Erlangung der Zusatzbezeichnung „Akupunktur“ festgelegt. Die Richtlinien der Ärztekammer zur Erlangung der Zusatzbezeichnung „Akupunktur“ sehen 200 Stunden Kursinhalte vor, die sich folgendermaßen untergliedern (Tab. 1.4-1):
  • 120-stündige Kursweiterbildung in theoretischen und praktischen Übungen zur Nadeltechnik und der Punktlokalisationen.

  • 60-stündige praktische Akupunkturbehandlung am Patienten mit Supervision des Weiterbildungsbefugten.

  • 20-stündige Fallseminare in mindestens 5 Sitzungen innerhalb von 24 Monaten.

Die Weiterbildung wird mit einer Prüfung vor der Ärztekammer abgeschlossen.
Aus dieser Aufstellung ergibt sich, dass dem Bereich Ohrakupunktur im Prinzip 24 UE zugeordnet wurden, die im Rahmen zur Erlangung der Zusatzbezeichnung „Akupunktur“ prüfungsrelevant sind. Im Folgenden soll auf den für die Ohrakupunktur relevanten Block E eingegangen werden (Tab. 1.4-2); in Klammern stehen die Verweise auf die Kapitel dieses Buchs, in denen die prüfungsrelevanten Inhalte dargestellt sind.

Studium – Master of Science TCM

Seit dem Wintersemester 2013 hat sich an der Technischen Universität München unter der Leitung von Prof. Dr. Carl-Hermann Hempen der Masterstudiengang zum Master of Science TCM etabliert. Das Studium umfasst 3 600 Unterrichtsstunden, die auf 3 Jahre terminiert sind. Die Voraussetzung zur Zulassung ist die medizinische Approbation. Der Studiengang wendet sich nur an Ärzte mit abgeschlossener Ausbildung, da nur so die Bologna-Kriterien erfüllt werden können, die für jede europäische Universität Gültigkeit haben.
Die Lerninhalte des ersten und bisher einzigen Masterstudiengangs für Traditionelle Chinesische Medizin an einer westlichen Universität umfassen neben der Körperakupunktur und Ohrakupunktur als wichtigstes therapeutisches Verfahren die Chinesische Arzneitherapie (Pharmakotherapie). Als weitere Therapieformen werden Bewegungsübungen (Tai-chi, Qigong), Diätetik sowie Techniken der Manuellen Medizin (Tuina) gelehrt.

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