© 2019 by Elsevier GmbH

Bitte nutzen Sie das untenstehende Formular um uns Kritik, Fragen oder Anregungen zukommen zu lassen.

Willkommen

Mehr Informationen

B978-3-437-55425-4.00002-8

10.1016/B978-3-437-55425-4.00002-8

978-3-437-55425-4

Instrumente und Hilfsmittel der Ohrakupunktur.

Abrechnungsziffern der GebüH für die Akupunkturbehandlung

Tab. 2.1-1
Ziffer Bedeutung der Ziffer Abrechnungsmodalitäten
21.1 Akupunktur einschließlich Pulsdiagnose 26 € (PKV1)/10,30 €
(PKV2, Beihilfe, PostB)
21.2 Moxibustion 8,05 € (PKV1)/5,20 €
(PKV2, Beihilfe PostB)
25.04 Quaddelbehandlung 8,05 € (PKV1)/7,20 €
(PKV2, Beihilfe)/6,65 € (PostB)
27.03 Schröpfen unblutig 5,91 € (PKV1)/5,20 €
(PKV2, Beihilfe)/4,86 € (PostB)
27.04 Schröpfen blutig 5,91 € (PKV1, PKV2)/5,90 €
(Beihilfe)/4,86 E (PostB)

Stahl, NadelmaterialSilber, NadelmaterialGold, NadelmaterialNadelmaterialien

Tab. 2.5-1
Gold Silber Stahl
Eigenschaften
  • Tonisierend

  • Energie zuführend

  • Stimulierend

  • Sedierend

  • Energie ableitend

Je nach Ohrpunkt tonisierend oder sedierend
Besonderheiten Ohrpunkte, die sediert werden sollen, sind kontraindiziert (z. B. Antiaggression, Valium, etc.) Ohrpunkte, die tonisiert werden sollen, sind kontraindiziert (z. B. Schmerzpunkte, Organpunkte) Alle Ohrpunkte können gestochen werden
Nadeltyp Als sterilisierbare Nadel (meist Kupfer-Gold-Legierung), Einmalnadel (meist vergoldet), Dauernadel (meist vergoldet) Als sterilisierbare Nadel und Einmalnadel erhältlich (alle Nadeln meist versilbert) Als sterilisierbare Nadel, Einmalnadel und Dauernadel erhältlich

Ist eine Schwäche vorhanden, wird dem Punkt Energie zugeführt. Ist eine Stauung vorhanden, wird Energie abgeleitet. In letzterem Fall treten nach Entfernen der Nadel manchmal Blutungen auf (3.2.3).

Praxisausstattung und -organisation

  • 2.1

    Tipps für die Praxisarbeit14

    • 2.1.1

      Praxisräume14

    • 2.1.2

      Sprechzeiten14

    • 2.1.3

      Arbeitsorganisation14

    • 2.1.4

      Praxismarketing15

    • 2.1.5

      Abrechnung16

    • 2.1.6

      Dokumentation20

  • 2.2

    Instrumente zur Punktsuche20

    • 2.2.1

      Steigbügeltaster20

    • 2.2.2

      Elektrisches Punktsuchgerät21

    • 2.2.3

      Drucktaster21

  • 2.3

    Untersuchungshämmerchen22

    • 2.3.1

      3-Volt-Hämmerchen22

    • 2.3.2

      Gold-Silber-Hämmerchen22

    • 2.3.3

      Schwarz-Weiß-Hämmerchen23

  • 2.4

    Sonstige Hilfsmittel24

    • 2.4.1

      Heyne-Lampe24

    • 2.4.2

      9-Volt-Stab24

    • 2.4.3

      Patientenerdung24

    • 2.4.4

      Markierungsstift25

    • 2.4.5

      Modellohr25

    • 2.4.6

      Ohrstempel25

  • 2.5

    Nadeln25

    • 2.5.1

      Einmalnadel26

    • 2.5.2

      Sterilisierbare Nadel26

    • 2.5.3

      Dauernadel27

    • 2.5.4

      Nadelmaterial28

    • 2.5.5

      Nadelsterilisation29

    • 2.5.6

      Nadelentsorgung30

Tipps für die Praxisarbeit

Die therapeutische Wirkung der Ohrakupunktur und TCM wird durch Beachtung einiger Faktoren, die zur Entspannung des Patienten dienen, deutlich verstärkt.

Praxisräume

  • Atmosphäre: persönlich; Patient sollte sich bereits im Wartezimmer wohl fühlen. Dekorationselemente, z. B. Bilder und Blumen, sowie Tee zur Begrüßung wirken positiv.

  • Zimmeraufteilung: möglichst drei Sprechzimmer pro Behandler, um einen reibungslosen Ablauf zu ermöglichen. Somit kann Patient mindestens 20 Min. mit den platzierten Nadeln liegen bleiben; idealerweise keine Durchgangszimmer als Behandlungsräume.

  • Lichtverhältnisse: möglichst Tageslicht zur optimalen Beurteilung der Zunge; wenn künstliches Licht verwendet wird, dann indirekte, helle Beleuchtung, weil diese den Patienten nicht blendet (fördert Entspannung).

Sprechzeiten

Bestellpraxis ist sinnvoll, da die Akupunkturbehandlung lange (aber kalkulierbare) Behandlungszeiten erfordert. Organisatorisch bedingte lange Wartezeiten (> 15 Min.) sollten vermieden werden. Notfälle, die zu einer Zeitverschiebung führen, müssen natürlich berücksichtigt werden.
Nach Möglichkeit ist der Therapeut auch am Wochenende und an Feiertagen für den Patienten erreichbar (z. B. Anrufbeantworter und Rückruf) oder es wird ein Dienst mit Kollegen organisiert. Dies gibt dem Patienten die Sicherheit, auch im Notfall behandelt zu werden und nicht dann auf die konventionelle Medizin zurückgreifen zu müssen. Dadurch bleibt das eigene Therapiekonzept unbeeinträchtigt (z. B. bei Verzicht auf Kortison).

Arbeitsorganisation

  • Ohrakupunktur:ArbeitsorganisationArbeitsorganisationEinbestellung des Patienten: spätestens 5 Min. vor Beginn der Therapiesitzung.

  • Erstgespräch: Erstgesprächmindestens 30 Min.; bestehend aus Anamnese (5.1) unter Berücksichtigung schulmedizinischer Fakten und Aspekten der TCM, Sichtung der mitgebrachten Vorbefunde.

  • PatientenaufklärungPatientenaufklärung: Die Ohrakupunkturbehandlung wird mit dem Patienten zumindest eingangs ausführlich besprochen. Fragen werden erläutert und der Behandlungsablauf erklärt, um Ängste vor der möglicherweise unbekannten Therapie zu nehmen.

  • Erstuntersuchung:Erstuntersuchung i. d. R. Ganzkörperstatus (5.2.1) auch unter Berücksichtigung der Elemente der TCM (v. a. Zungen- und Pulsdiagnostik) sowie RAC-Tastung (3.1.4).

  • Nadelung (3.2): Der Patient wird grundsätzlich Nadelungim Liegen genadelt, Kreislaufreaktionen (z. B. Schwindel, Ohnmacht) können so abgefangen werden, zudem wird dadurch die Entspannung des Patienten begünstigt.

  • NadelentfernungNadelentfernung (3.2.5): Frühestens 20 Min. nach Nadelung erfolgt die Entfernung durch Therapeut oder auch durch Praxishelfer.

  • Verlaufsuntersuchung: Bekannte pathologische Befunde müssen kontrolliert, neu aufgetretene untersucht werden; Wiederholung der Zungen- und Pulsdiagnostik; RAC-Kontrolle aller bislang genadelten Punkte sowie aller im Rahmen von evtl. neu aufgetretener Symptomatik relevanten Punkte.

Nicht delegierbare Tätigkeiten des Therapeuten sind die Anamnese, die körperliche Untersuchung und die Nadelung.

Praxismarketing

PraxismarketingAufgrund der zunehmenden Konkurrenzsituation und des für den Patienten immer unübersichtlicher werdenden Spektrums von Therapieverfahren wird die klare Darstellung und Abgrenzung der eigenen Fähigkeiten (Leistungsspektrum der Praxis) immer wichtiger.
  • PatientenakquisitionPatientenakquisition: vorwiegend Mundpropaganda; Praxisanzeigen führen meist nicht zur gewünschten Wirkung.

  • PraxisstandortPraxisstandort: Zentrale Lage ist bei einer Spezialpraxis, wie es eine Praxis für Ohrakupunktur ist, eher unwichtig. Wichtiger ist vielmehr eine stressfreie Anfahrts- und Parkmöglichkeit sowie entspannende Umgebung.

  • ZielgruppenauswahlZielgruppenauswahl: Während der Aufbauphase eher breites Spektrum bezüglich z. B. Erkrankungen oder Alter anlegen; Spezialisierung im Bereich der Ohrakupunktur ergibt sich dann automatisch aus den Therapieerfolgen.

  • TherapiespektrumTherapiespektrum: Ein breites Therapiespektrum (z. B. Ohrakupunktur + Homöopathie + Osteopathie + Schulmedizin) ist sicherlich erstrebenswert, aber nicht realistisch, da jedes Verfahren alleine intensives Studium, Anwendungspraxis und regelmäßige Fortbildung erfordert. Cave: nicht verzetteln, besser Kernkompetenzen ausbauen! Aufgrund unterschiedlicher Diagnose- und z. T. gegensätzlicher Therapieprinzipien ist ein Nebeneinander von chinesischer und westlicher Medizin begrenzt sinnvoll. Die westliche Schulmedizin ist jedoch als unverzichtbare Basis zur Beurteilung von Erkrankungen und dem Erkennen von Grenzen der Ohrakupunktur/TCM erforderlich.

Bestimmungen und Verbote
Aufgrund der unterschiedlichen Berufsverordnungen für Ärzte und Heilpraktiker müssen verschiedene Bestimmungen für beide Berufsgruppen berücksichtigt werden.
Ärzte
  • PraxisschildOhrakupunktur:ÄrztePraxisschild: Anbringpflicht bei Berufsausübung; Größe max. 35 × 50 cm; nach Berufsordnung (Bayern) darf Schild enthalten: Name, Bezeichnung als Arzt, Gebietsbezeichnung, Zusatzbezeichnung nur nach der Weiterbildungsordnung, medizinische akademische Grade, ärztliche Titel, Privatadresse, Telefonnummer, Zulassung zu Krankenkassen und Sprechstundenzeiten. Aufführung von Spezialuntersuchungen und -behandlungen (z. B. „Ohrakupunktur“) ist nach den neuesten Bestimmungen jetzt möglich.

  • Briefbögen: Für den Schriftverkehr mit Patienten (gilt auch für Rezeptvordrucke und Stempel!) sind Informationen, die über die vom Praxisschild (s. o.) hinausgehen, nicht erlaubt. Für den Schriftverkehr mit Kollegen kann der Briefkopf weitere Angaben, wie z. B. „Belegarzt“ oder „Ohrakupunktur“ enthalten.

  • Logo: Embleme bzw. Logos sind auf Praxisschild, Zeitungsanzeigen und Briefbögen umstritten, deren Verwendung sollte mit der jeweiligen Ärztekammer geklärt werden.

  • Praxisstatus: Kassenpraxis, Kombination Kassenpraxis/Privatpraxis oder reine Privatpraxis möglich. Aufgrund der intensiven Betreuung, die ein mit Ohrakupunktur behandelter Patient benötigt (Liegezeiten ca. 45 Min.), ist eine privatärztliche Tätigkeit mit dem Ablauf einer zeitlich straff organisierten Kassenarztpraxis schwer vereinbar. Hinzu kommt die Unterschiedlichkeit bzw. Gegensätzlichkeit der konventionellen Medizin und der TCM, die eine gleichzeitige Behandlung mit beiden Therapieformen erschwert. Nicht zuletzt muss beachtet werden, dass neben dem Betrieb einer Kassenarztpraxis wenig Zeit für den Aufbau, die Fortbildung und das Sammeln von Erfahrungen in der TCM bzw. Ohrakupunktur bleibt. Aus diesem Grund ist übergangsweise die Kombination einer Kassenarztpraxis mit Ohrakupunktur/TCM zu empfehlen, nach Etablierung der Akupunkturbehandlung sollte jedoch eine rein privatärztliche Praxis, die sich ausschließlich dieser Therapiemethoden widmet, angestrebt werden. Dies gilt umso mehr, da die Entwicklung in allen medizinischen Fachrichtungen zur Spezialisierung hin verläuft und ein so großes medizinisches Gebiet wie die Ohrakupunktur/TCM nicht „nebenher“ bewältigt werden kann.

Heilpraktiker
  • PraxisschildOhrakupunktur:HeilpraktikerPraxisschild: Die Größe soll sich den örtlichen Gepflogenheiten anpassen (ca. 35 × 50 cm); bis zu drei Heilverfahren dürfen auf dem Praxisschild angegeben werden, so ist es z. B. erlaubt „Ohrakupunktur“ zu nennen; nicht erlaubt ist die Bezeichnung (Ohr)Akupunkteur oder Spezialist für Ohrakupunktur; die Berufsbezeichnung „Heilpraktiker“ muss angegeben werden.

  • Werbung: Es besteht kein generelles gesetzlich normiertes Werbeverbot; Beschränkungen: Es gelten die Gesetze über die Werbung auf dem Gebiet des Heilwesens (Heilmittelwerbegesetz), wie z. B. Verbot von irreführender Werbung, Heilungsversprechen und Werbung für Fernbehandlungen; außerdem ist Werbung, die gegen die guten Sitten verstößt, verboten (Gesetz über den unlauteren Wettbewerb).

  • Logo: erlaubt.

  • Praxisstatus: immer Privatpraxis.

Voraussetzungen für eine erfolgreiche Akupunkturpraxis sind:

  • Fundierte schulmedizinische Ausbildung.

  • Spezialisierung (z. B. Ohrakupunktur).

  • Nachweisbare fundierte Ausbildung in Ohrakupunktur/TCM.

  • Zeitliches und emotionales Engagement für den Patienten.

  • Straffe Praxisorganisation mit kurzen Wartezeiten.

  • Faire Abrechnungsmodalitäten (Abrechnung 2.1.5).

  • Ansprechende Atmosphäre durch gemütliches Ambiente (z. B. orientiert nach Feng Shui) und entsprechenden Service (z. B. Getränke im Wartebereich).

Abrechnung

Viele Patienten sind bereit, die Behandlung aus eigener Tasche zu bezahlen. Dennoch sollten sie in ihrem Bemühen, die Kosten von ihrer Krankenkasse erstattet zu bekommen, unterstützt werden. Denn durch die Ohrakupunktur können meist Medikamente eingespart und die Therapiedauer kann verkürzt werden. Dadurch verringern sich die Kosten für einen Patienten erheblich. Trotzdem fordern manche Krankenkassen als Erstattungsvoraussetzung, dass die konservativen Therapiemethoden ausgeschöpft sind.Ohrakupunktur:Abrechnung
Ärzte können Ohrakupunktur nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ), Heilpraktiker nach dem Gebührenverzeichnis für Heilpraktiker (GebüH) abrechnen. Beide unterscheiden in der Regel abrechnungstechnisch nicht zwischen Ohr- und Körperakupunktur. Für Lasertherapie ist sowohl bei der GOÄ als auch GebüH keine Ziffer vorgesehen; Erstattung erfolgt in der Regel nicht, obwohl sie bei Kindern die ideale Therapieform darstellt.
Abrechnung nach GOÄ (Ärzte)
Abrechnung:nach GOÄIn der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) sind die Ziffern
  • 269 = Akupunkturbehandlung, unter 20 Min. 11,66 (1-facher Satz),

  • 269a = Akupunkturbehandlung, mindestens 20 Min. 20,40 (1-facher Satz)

vorgesehen. Alle weiteren Ziffern ergeben sich aus dem Diagnostik- und Behandlungsumfang bezogen auf die vorliegenden Indikationen. Die Abrechnungshöhe ergibt sich aus der Multiplikation der für die Ziffer vorgesehenen Punkte (269: 200; 269a: 350) mit dem Punktwert (zzt. 5,82873 Cent) und dem Abrechnungsfaktor (i. d. R. 1–2,3).

Dr. med. Markus Maier

Stechnichtweg 10

98765 Muschelhausen

Muschelhausen, den 18.11.2011

Frau

Martina Müller

Urbanstr. 100

11111 Fischen

Liquidationsnr. 5555

Für ambulante fachärztliche Behandlung von Dr. med. Markus Maier bei Frau Martina Müller, geb. 7.7.1945, erlaube ich mir folgenden Liquidationsbetrag zu berechnen:

Diagnose(n):

  • HWS-Myalgie, Spondylarthrose HWK 5/6 mit Bandscheibenprotrusion HWK 6/7

  • Heberdenarthrose Dig III li. Hand

  • Z. n. Rachitis, Migräne

Liquidationsbetrag: XXX

DatumGebührenordnungs-Nr.Faktor
7.9.2011z. B. 269a1–2,3
21.10.2011z. B. 269a1–2,3
18.11.2011z. B. 269a1–2,3
Es wird gebeten, den Betrag innerhalb eines Monats unter Angabe der Liquidationsnummer auf folgendes Konto zu überweisen:

Abrechnung bei Kassenpatienten
Abrechnung:KassenpatientenIn den vergangenen Jahren wurden mehrere Studien durchgeführt, die die Wirksamkeit der Akupunktur nach wissenschaftlichen Kriterien der westlichen Medizin aufzeigten. Für die größte Studie, die GERAC-Studie wurden hierfür vom Gesetzgeber Vorgaben erlassen. So durften die Krankenkassen nur mit Kassenärzten zusammenarbeiten, die eine Prüfung nach mindestens 140 Unterrichtsstunden bei einer der anerkannten Akupunkturgesellschaften abgelegt haben. Weiterhin wurde die Therapie auf 10 Behandlungen pro Patient (zeitweise je nach Krankenkasse auch 6 Behandlungen) beschränkt und es musste eine Schmerzdiagnose vorliegen. Lagen alle Kriterien vor, erstattete die gesetzliche Krankenkasse die Kosten. Bei Privatärzten wurden trotz oft weitergehender Ausbildung keine Kosten im Rahmen dieser Studie erstattet. Weitere Studien, wie z. B. die ART-Studie der Charité Universität Berlin und der Technischen Universität München wurden in Zusammenarbeit mit den gesetzlichen Krankenkassen nach noch strengeren Studienkriterien durchgeführt. Hierbei spielte die Ausbildungskriterien der Akupunkturärzte eine wesentliche Rolle. Es wurden Ärzte mit einer 350-Stunden-Ausbildung und 2 abgelegten Prüfungen bevorzugt. Dazu konnten auch Privatärzte teilnehmen und abrechnen.
Alle Studien zeigten eine signifikante Besserung der Beschwerden durch die Akupunkturbehandlung. Eine Integration der Akupunkturbehandlung in das Gesamtbehandlungskonzept wird deshalb von den meisten Krankenkassen befürwortet.
Indikationsspezifische Voraussetzungen
Aus diesem Grund entschied der gemeinsame Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen (GBA) in seinen Sitzungen vom 18. April und 19. September 2006 folgende Voraussetzungen zur kassenärztlichen Abrechnung der Akupunkturbehandlung, die durch Veröffentlichung durch das Bundesministerium für Gesundheit im Bundesanzeiger Nr. 214 vom 14.11.2006 rechtskräftig und verbindlich wurden: Körperakupunktur mit Nadeln ohne elektrische Stimulation bei chronisch schmerzkranken Patienten wird für folgende Indikationen zugelassen:
  • Chronische Schmerzen der Lendenwirbelsäule, die seit mindestens 6 Monaten bestehen und ggf. nicht segmental bis maximal zum Kniegelenk ausstrahlen; mit jeweils 14–20 Nadeln.

  • Chronische Schmerzen in mindestens einem Kniegelenk durch Gonarthrose, die seit mindestens 6 Monaten bestehen; mit jeweils 7–15 Nadeln.

Behandlungsdauer: Jeweils bis zu 10 Sitzungen innerhalb von maximal 6 Wochen und in begründeten Ausnahmefällen bis zu 15 Sitzungen innerhalb von 12 Wochen, jeweils mindestens 30 Minuten Dauer.
Die erneute Behandlung kann frühestens 12 Monate nach Abschluss der Akupunkturbehandlung erfolgen.
Qualifikationsspezifische Voraussetzungen
Zur Qualitätssicherung können die abzurechnenden Leistungen nur von Vertragsärzten erbracht werden, die folgende Qualifikationen erfüllen:
  • Zusatzbezeichnung Akupunktur.

  • Zusatzbezeichnung Psychosomatische Grundversorgung.

  • Zusatzbezeichnung Schmerztherapie.

  • Weitere Anforderungen:

    • Erstellen und Überprüfung eines inhaltlich und zeitlich gestaffelten Therapieplans.

    • Durchführung einer fallbezogenen Eingangserhebung zur Schmerzevaluation.

    • Vorlage der Eingangs- und Verlaufsdokumentation und des Therapieplanes zur stichprobenartigen Überprüfung auf Anforderung einer KV-Kommission.

    • Nachweis der regelmäßigen Teilnahme an Fallkonferenzen bzw. Qualitätszirkeln.

    • Durchführung der Akupunktur in separaten, abgeschlossenen Räumen mit Liege.

    • Verwendung steriler Einmalnadeln.

Eine Übergangsregelung erlaubt bis zum 31.12.2007 die Abrechnung bei Nachweis einer der von der Ärztekammer vergebenen Zusatzbezeichnung Akupunktur gleichwertigen Qualifikation (also die meisten der von den Akupunkturgesellschaften vergebenen Diplome) ohne Nachweis der Zusatzbezeichnung Schmerztherapie und Psychosomatische Grundversorgung.
Diese Vorgaben sind in gekürzter Form, teilweise im Wortlaut der Veröffentlichung des Bundesanzeigers entnommen. Es wird sich aufgrund der genannten Anforderungen zeigen, ob nicht grundsätzlich auch von qualifizierten Kassenärzten die privatärztliche Abrechnung der Akupunkturbehandlung vorzuziehen ist. Vor allem für Indikationen außerhalb des genannten Bereichs sind die Patienten meist bereit, die Behandlungskosten als Eigenleistung zu übernehmen.
Grundsätzlich ist anzumerken, dass ein Akupunkteur, der sich allein der Ohrakupunktur und TCM widmet, in der Regel mehr Erfahrung und Praxis in dem großen Gebiet der chinesischen Medizin aufweisen wird als ein Arzt, der sich vorwiegend kassenärztlicher Tätigkeit widmen und seinen Versorgungsauftrag erfüllen muss. Mit dem Gesundheitsreformgesetz, das zum 1.1.2004 in Kraft trat, haben die gesetzlichen Krankenkassen auch die Möglichkeit, bei Spezialisierungen eines Arztes, wie sie beim Akupunkturarzt vorliegen, auch mit Privatärzten Einzelverträge abzuschließen. Dies würde die Qualität der Akupunkturbehandlung auch für Kassenpatienten sicherlich verbessern, wird bisher jedoch von den Krankenkassen kaum praktiziert.
Abrechnung bei Privatpatienten
Abrechnung:PrivatpatientenPrivate Krankenkassen sind in jedem Fall verpflichtet die Liquidationen (mit Angabe der Diagnose) für Akupunkturbehandlungen bis zum 2,3-fachen Satz zu erstatten. Dies gilt für alle Diagnosen, für die die wissenschaftlich erwiesene Wirksamkeit der chinesischen Medizin anhand chinesischer und/oder westlicher Quellen belegbar ist. Manche private Krankenkasse versucht jedoch die Erstattungspflicht auf eine Schmerztherapie zu beschränken – was nicht zu akzeptieren ist.
Abrechnung nach GebüH (Heilpraktiker)
Abrechnung:HeilpraktikerDie Akupunkturbehandlung durch Abrechnung:nach GebüHHeilpraktiker wird von den meisten gesetzlichen Krankenkassen nicht erstattet. Ausnahmen sind durchaus möglich. Bei schulmedizinisch „austherapierten“ Patienten gelingt es je nach Verhandlungsgeschick des Patienten oft doch, Erstattung der Liquidationen zu erhalten. Vor Therapiebeginn muss der Heilpraktiker in der Regel einen Therapieplan erstellen und die voraussichtlichen Kosten angeben, diesen reicht der Patient bei der Krankenkasse ein.
Zunehmend bieten jedoch private Krankenkassen Zusatzversicherungen für diesen Bereich an. Diese erstatten die Akupunkturbehandlung im Rahmen der GebüH, jedoch meist nur im unteren Abrechnungsbereich, manchmal auch bis zu einer Jahreshöchstsumme. Nach der GebüH sind folgende Ziffern vorgesehen (Tab. 2.1-1).

Dokumentation

Diese erfolgt nach Abschluss der Behandlung als seitengetrennte Dokumentation in der Patientenakte. Alternative: Einzeichnen der verwendeten Punkte in Stempelabdruck (Ohrstempel 2.4.6).
Beispiel: Frau Gabriele Sonnenschein (30.5.1968)
  • 16.2.2010 – Beschwerden: akute Myalgien im Bereich der Wirbelsäule seit 2 Tagen

    • Re: PE1, LWK 4, Muskelentspannung (98a), Valium

    • Li: Atlantooccipitalgelenk, HWK 7, BWK 8, Thymus

  • 20.2.2010 – Beschwerden: nach der Akupunktur beschwerdefrei, nach 2 Tagen wieder Beschwerden im Bereich HWS und LWS, aber geringer als zuvor

    • Re: LWK 4, Valium

    • Li: HWK 7, Thalamus (26a)

Instrumente zur Punktsuche

Steigbügeltaster

SteigbügeltasterPunktsuche, InstrumentePunktsuche, Instrumente:SteigbügeltasterInstrumente, PunktsucheBügelförmiger Metalldraht oder Plastikkante von ca. 0,5 cm Länge mit Führungsgriff. Variante: auch integriert im Drucktastergriff (2.2.3) erhältlich (Abb. 2.4-1).
  • Prinzip: durch Gleiten über den Ohrknorpel unter leichtem Andruck mit dem flachen Drahtstück oder der Plastikfläche können Kerben ertastet werden.

  • Anwendung: Lokalisation von objektiven Orientierungspunkten am Ohr, die als Kerben im Ohrknorpel tastbar sind: Atlantooccipitalgelenk, Übergang HWS/BWS, Übergang BWS/LWS (6.1.1), Null-Punkt (6.10.3).

  • Bewertung: für den Anfänger sinnvoll, da die Kerben bzw. Punkte sicher zu finden sind und zur Orientierung beim Aufsuchen weiterer Ohrpunkte dienen.

  • Wartung: keine.

  • Bezugsadressen: 12.2.

Ein provisorischer Steigbügeltaster kann aus einer Büroklammer leicht hergestellt werden, indem der lange seitliche Draht aufgebogen wird und als Führungsgriff dient. Das kurze gerade Ende wird zum Tasten verwendet.

Elektrisches Punktsuchgerät

  • Punktsuchgerät, elektrischesPunktsuche, Instrumente:elektrisches PunktsuchgerätPrinzip: Hautwiderstandsmessgerät. Irritierte Projektionszonen/-punkte haben einen veränderten Hautwiderstand im Vergleich zur Umgebung; über einen Metallstift mit ca. 0,3 mm Durchmesser als Tastspitze, der mit dem vermuteten Ohrpunkt in Kontakt gebracht wird, und einer (bei den meisten Geräten) integrierten Referenzsonde wird diese Potenzialdifferenz gemessen. Je nach Messgerät muss zum Schluss des Stromkreises entweder die Hand des Patienten auf eine Elektrodenplatte gelegt oder aber (bei integrierter Referenzelektrode im Griff) die Ohrmuschel des Patienten vom Untersucher berührt werden. Verdächtige Hautareale werden je nach Gerät mit akustischem oder optischem Signal angezeigt. Cave: Eichung auf den individuellen Hautwiderstand vor eigentlichem Untersuchungsgang notwendig, bei modernen Geräten erfolgt diese Anpassung automatisch.

  • Anwendung: verbreitete Methode; geeignet auch für Anfänger zur Kontrolle von Punkten, die durch RAC-Tastung (3.1.4) gefunden wurden.

  • Bewertung: von vielen Autoren als geeignete Punktsuchmethode neben dem RAC propagiert; Nachteile: Verdeckte Lokalisationen können nur schwer gemessen werden; je nach Einstellung der Sensitivität falsch positive oder falsch negative Werte möglich; geeignet zur Überprüfung eines durch RAC bestimmten pathologischen Punktes.

  • Wartung: regelmäßige Kontrolle der Funktionsfähigkeit durch den Hersteller.

  • Bezugsadressen: 12.2.

Drucktaster

Punktsuche, Instrumente:DrucktasterDrucktasterAuf Feder gelagerter Metallstift zur Überprüfung der Druckschmerzhaftigkeit der Ohrpunkte Abb. 2.4-1.
  • Prinzip: alte, aus den Anfängen der Ohrakupunktur stammende Methode zur Detektion von pathologisch schmerzhaften Ohrpunkten (mechanische Punktsuche 3.1.1); Faustregel: Je aktiver, d. h. pathologischer ein Punkt, desto schmerzempfindlicher.

  • Anwendung: zur Kontrolle von mit RAC (3.1.4) gefundener Punkte, z. B. für Anfänger.

  • Bewertung: gilt heute als ungeeignet für die Praxis; da zeitaufwendig, schmerzhaft und wenig aussagekräftig aufgrund der Subjektivität der Patientenangaben („nach ausführlicher Untersuchung schmerzt das ganze Ohr“).

  • Wartung: Überprüfung der Federfunktion vor jeder Untersuchung.

  • Bezugsadressen: 12.2.

Untersuchungshämmerchen

3-Volt-Hämmerchen

Volt:3-Volt HämmerchenUntersuchungshämmerchen3-Volt-HämmerchenPlastikhämmerchen mit zwei Polen aus Stahl; Abb. 2.4-1.
  • Prinzip: Potenzialdifferenz von 3 Volt zwischen den Hämmerchenpolen wird durch Mignonbatterie aufrechterhalten. Cave: Kurzschluss zwischen beiden Polen (z. B. durch Berührung mit Gegenpol eines zweiten Hämmerchens) unbedingt vermeiden!

  • Anwendung: zur RAC-Auslösung wird das zu untersuchende Hautareal zum Auffinden der Punkte mit erniedrigtem Hautwiderstand (ca. 90 % 3.1.4) mit dem Pluspol oder zum Aufsuchen der Punkte mit erhöhtem Hautwiderstand (ca. 10 % 3.1.4) mit dem Minuspol berührt oder in geringem Abstand (wenige Millimeter) überstrichen. Pathologische bzw. irritierte Areale/Punkte reagieren mit einer RAC-Antwort.

  • Bewertung: deutlich stärkerer Reiz als Schwarz-Weiß-Hämmerchen, etwas schwächerer Reiz als Gold-Silber-Hämmerchen; größte Verbreitung, weil günstigste Kosten-Nutzen-Relation.

  • Wartung: regelmäßige Überprüfung (z. B. wöchentlich) der Spannung durch Voltmeter ist erforderlich, wenn maximale RAC-Reaktion erreicht werden soll. Cave: Ein Hämmerchen mit leerer Batterie löst aufgrund der Eigenspannung des Stahlstiftes ebenfalls einen (jedoch deutlich schwächeren) RAC aus.

  • Bezugsadressen: 12.2.

Gold-Silber-Hämmerchen

Hammerkopf bilden ein Gold- und Silberstift, die vom Hammergriff – aus nicht leitendem Material (z. B. Holz) – getrennt werden, Abb. 2.4-1; ursprünglich von Nogier (1.1.2) zur RAC-Tastung verwendet.
  • Prinzip: Gold- und Silberstift sind durch (nicht leitendes) Holz getrennt, Spannungsaufbau zwischen Gold bzw. Silber.

  • Anwendung: zur RAC-Auslösung (3.1.4) wird das zu untersuchende Hautareal zum Auffinden der Punkte mit erniedrigtem Hautwiderstand (ca. 90 %, 3.1.4) mit dem Goldpol oder zum Aufsuchen der Punkte mit erhöhtem Hautwiderstand (ca. 10 %, 3.1.4) mit dem Silberpol berührt oder in geringem Abstand (wenige Millimeter) überstrichen. Pathologische bzw. irritierte Areale/Punkte reagieren mit einer RAC-Antwort.

  • Bewertung: stärkerer Reiz als durch 3-Volt- oder Schwarz-Weiß-Hämmerchen. Nachteil: teuer und im Wesentlichen vom Goldpreis abhängig, Kostenpunkt ca. 350 €.

  • Wartung: keine Spannungsüberprüfung erforderlich.

  • Cave: Gold-Silber-Hämmerchen darf nicht nass werden, sonst Spannungsabbau.

  • Bezugsadressen: nicht im Handel für Akupunkturbedarf erhältlich, muss vom Goldschmied oder meist billiger vom Zahntechniker angefertigt werden.

Schwarz-Weiß-Hämmerchen

Plastikhämmerchen mit weißem und schwarzem Plastikstift an gegenüberliegenden Seiten, Abb. 2.4-1.
  • Prinzip: vermutet wird eine energetische Beeinflussung der Ohrpunkte durch die unterschiedlichen Wellenlängen von Schwarz und Weiß.

  • Anwendung: Zur RAC-Auslösung (3.1.4) wird das zu untersuchende Hautareal zum Auffinden der Punkte mit erniedrigtem Hautwiderstand (ca. 90 %, 3.1.4) mit dem schwarzen Pol oder zum Aufsuchen der Punkte mit erhöhtem Hautwiderstand (ca. 10 % 3.1.4) mit dem weißen Pol berührt oder in geringem Abstand (wenige Millimeter) überstrichen. Pathologische bzw. irritierte Areale/Punkte reagieren mit einer RAC-Antwort.

  • Bewertung: deutlich schwächerer Reiz als durch 3-Volt-Hämmerchen oder Gold-Silber-Hämmerchen, daher insbesondere für den Anfänger nicht zu empfehlen. Vorteil: preisgünstig.

  • Wartung: keine.

  • Bezugsadressen: 12.2.

Sonstige Hilfsmittel

Heyne-Lampe

Heyne-LampeLichtquelle mit punktförmiger Lichtbündelung (geringe Streuung), batteriebetrieben; findet auch Anwendung in der HNO, Abb. 2.4-1.
  • Prinzip: Lichtreiz bewirkt Veränderung der arteriellen Pulskurve (artifizieller RAC 3.1.4).

  • Anwendung: zur standardisierten RAC-Auslösung bei jedem Patienten vor Beginn der Ohrpunktdiagnostik; vermittelt Gefühl für individuell unterschiedliche RAC-Qualität; stärkere Antwort bei Reizung von Hautarealen mit höherer Sensitivität (z. B. Gesicht).

  • Bewertung: für Anfänger sinnvoll; evtl. durch Taschenlampe mit gebündeltem Lichtstrahl als deutlich preisgünstigere Lösung zu ersetzen.

  • Wartung: regelmäßiger Batteriewechsel.

  • Bezugsadressen: 12.2, auch im normalen medizinischen Fachhandel erhältlich.

9-Volt-Stab

Volt:9-Volt-Stab9-Volt-StabBipolarer Metallstab, ca. 20 cm lang, ca. 2,5 cm Durchmesser; Spannungsunterschied zwischen den Polen: meist 9 Volt; es gibt auch Geräte mit höherer Spannung.
  • Prinzip: Nimmt der Patient den Stab mit der Plus- oder Minusseite in die Hand, kann sein Energiefeld beeinflusst werden.

  • Anwendung: Die pathologischen Punkte, die durch den veränderten elektrischen Hautwiderstand messbar sind, werden verstärkt (entspricht etwa der Verwendung eines Gold-Silber-Hämmerchens). Durch Berührung festgelegter Ohrlokalisationen mit verschiedenen Substanzen (Histamin, Endoxan, Vitamin C, Prostaglandin und Ginseng) in Kombination mit Verstärkung des Energiefeldes, indem der Patient den Pluspol des 9-Volt-Stabes in seiner zum untersuchten Ohr gegenseitigen Hand hält, ist eine Hierarchisierung von Störfeldpunkten bezüglich ihres Schweregrades möglich.

  • Bewertung: Die Hierarchisierung pathologischer Punkte nach dem Schweregrad ist für den Therapieerfolg unerheblich; das Gerät ist deshalb eher von zusätzlichem diagnostischen Wert.

  • Wartung: regelmäßige Überprüfung (z. B. wöchentlich) der Spannung durch Voltmeter erforderlich. Betrieb über mehrere Mignonbatterien mit jahrelanger Lebensdauer, wenn Kurzschluss zwischen beiden Polen vermieden wird (z. B. durch Berührung mit Gegenpol eines zweiten Stabes).

Patientenerdung

  • PatientenerdungPrinzip: Metallclip, der am Ohrläppchen des Patienten angebracht wird, ist über Kabel mit der Erdung in der Steckdose verbunden.

  • Anwendung: Abbau von Spannungsfeldern, die artifizielle RAC-Reaktionen (3.1.4) auslösen können.

  • Bewertung: für den Anfänger überlegenswert, um artifizielle RAC-Antworten zu reduzieren.

  • Wartung: keine.

  • Bezugsadressen: 12.2.

Markierungsstift

  • MarkierungsstiftAnwendung: Markierung der pathologischen Punkte nach Punktlokalisation zur Erleichterung der präzisen Punktion.

  • Stiftauswahl: Geeignet ist farbiger Filzstift (möglichst grün, da bester Kontrast) mit dünner Mine; möglichst wasserfeste Stifte benutzen, wegen längerer Haltbarkeit trotz Kontakt mit Hautfett. Cave: Vor dem Stechen Markierungspunkte immer mit Alkoholtupfer abwischen (3.2.1, Punktedesinfektion), ansonsten bleibende „Tätowierungen“!

  • Bezugsadressen: 12.2 oder im Schreibwarengeschäft erhältlich.

Modellohr

ModellohrNachbildung eines menschlichen Ohrs zu Übungszwecken, Abb. 2.4-1.
  • Material: meist Kautschuk; entspricht der Konsistenz des menschlichen Ohrs, Übungsnadelungen hinterlassen keine bleibenden Defekte.

  • Anwendung:

    • Demonstration der Nadelung und Punktlokalisation.

    • Patientenaufklärung, insbesondere nach der Positionierung von Dauernadeln, die vom Patienten selbst stimuliert werden sollen.

    • Übungszwecke: insbesondere für Anfänger zur Punktlokalisation; u. a. auch Demonstration der relativen Lage von Punkten der Ohrvorderseite zu Punkten der Ohrrückseite, z. B. Schulter (6.2.1, 6.11.2) und Ellbogen (6.2.1, 6.11.2).

  • Bezugsadressen: 12.2.

Ohrstempel

OhrstempelStempel, der die groben anatomischen Strukturen des Ohrs wiedergibt.
  • Anwendung: Dokumentation jeder Behandlung durch Markierung der genadelten Punkte im Stempelbild; namentliche Beschriftung der Punkte erforderlich, da nahe beieinander liegende Punkte allein durch Einzeichnung nicht unterschieden werden können.

  • Bezugsadressen: 12.2.

Nadeln

Allgemein gilt: Die Schmerzintensität ist vom Nadeldurchmesser weitgehend unabhängig.Nadeln\"\r\"Nadeln
  • NadelmaterialMaterial: Stahlnadeln sind in der Regel zu bevorzugen, da sie die Vorteile von Silber- und Goldnadeln im Wesentlichen vereinen und keine getrennte Sterilisation notwendig machen (Materialübersicht, Tab. 2.5-1).

  • Länge: ca. 35 mm; längere Nadeln sind erhältlich, jedoch nicht zu empfehlen. Nachteile: ungenauere Platzierung durch größeren Abstand von Nadelspitze zu Führungsgriff, erschwertes Stechen mehrerer Nadeln auf engem Raum.

  • NadeldurchmesserDurchmesser: 0,3–1,0 mm, wobei 0,4–0,7 mm in der Regel zu empfehlen sind, da auch bei verdeckten Lokalisationen gut platzierbar (nicht biegsam!). Cave: Je kleiner der Durchmesser, desto exakter müssen die Nadeln platziert werden.

  • Nadelungstechnik: 3.2.

  • Bezugsadressen: 12.2.

Einmalnadel

  • Nadeln:Einmalnadeln Einmalnadeln Vorteil:

    • Kostengünstiger, wenn Ohrakupunktur selten angewendet wird.

    • Kein Nachweis einer ordnungsgemäßen Sterilisation in der eigenen Praxis notwendig.

    • Auch für Hausbesuch geeignet.

    • Bei Kasssenabrechnung für den Kassenarzt vorgeschrieben.

  • Nachteil: teurere Lösung bei häufiger Anwendung der Ohrakupunktur. Ökologisch bedenklich wegen vermehrtem Anfall von Verpackungsmüll und Metallverbrauch; Müllentsorgung (2.5.6).

  • Anwendung: entfernen der Schutzfolie von der Griffseite aus; nach dem Gebrauch im geschlossenen Behälter (z. B. Dose) oder speziellem Nadelbehälter (Bezugsadressen 12.2) sammeln; Müllentsorgung (2.5.6).

  • Nadelungstechnik: 3.2.

Patienten mit V.a. infektiöse Hepatitis, HIV-HIV-Infektion, EinmalnadelInfektion oder sonstige hämatogen übertragbare hämatogen übertragbare Erkrankungen, EinmalnadelnErkrankungen sollten zur Minimierung des Ansteckungsrisikos nur mit Einmalnadeln behandelt werden. Das Tragen von Handschuhen ist in diesem Fall obligatorisch.

Sterilisierbare Nadel

  • Nadeln:sterilisierbareVorteil: bei häufiger Anwendung trotz Ausgaben für einen Sterilisator deutlich weniger Kosten als bei Gebrauch von Einmalnadeln.

  • Nachteil: Sicherstellung und gewissenhafte Dokumentation einer ordnungsgemäßen Sterilisation in der eigenen Praxis notwendig (2.5.5). „Restrisiko“ durch unsachgemäße Sterilisation.

  • Anwendung: ca. 100-mal wiederverwendbar; je größer der Durchmesser, desto häufiger; Nachschliff ist möglich. Cave: Schmerzintensität nimmt bei stumpfen Nadeln zu.

  • Nadelungstechnik: 3.2.

Dauernadel

Nadeln:DauernadelnDauernadelnNadel, die über die eigentliche Behandlungssitzung hinaus im Ohr verbleibt.
  • Verweildauer: 7 Tage bis max. 2 Wochen; therapeutischer Effekt lässt erfahrungsgemäß nach einer Woche deutlich nach. Manche Nadeln fallen trotz ordnungsgemäßer Platzierung vorzeitig heraus, typisches Phänomen bei Punkten mit energetischer Stauung oder nach erfolgreicher Therapie der Beschwerden; müssen nicht erneut platziert werden (bei anhaltenden Beschwerden evtl. im Abstand von 2–3 Tagen erneut nadeln).

  • Indikationen: Einsatz wird kontrovers diskutiert; Wirkung entspricht nach einigen Autoren der der Einmalnadelung, jedoch höheres Infektionsrisiko durch Hautkeime im Bereich des Stichkanals; wegen psychologischer Komponente vom Patienten oft favorisiert („Patient nimmt Therapie nach Hause mit“); Einsatz v. a. in der Suchttherapie (8.8), bei Störfeldern (5.7) sowie bei chronischen Erkrankungen.

  • Kontraindikationen: Kinder (aufgrund größerer Schmerzhaftigkeit als Einmalnadeln).

  • Komplikationen: Infektion; mechanische Irritation, z. B. im Schlaf.

  • Nadeltypen: meist ASP-Dauernadeln, seltener Pyonex-Dauernadeln, chinesische Samenkörnchen und Metallkügelchen.

  • Nadelungstechnik: 3.2.

  • Bezugsadressen: 12.2.

ASP-Dauernadel
ASP-DauernadelDauernadel, die über Führungsgriff am Ohr platziert wird.
  • Länge: ca. 3 mm, Spitze 2 mm.

  • Durchmesser: kegelförmig, an der Basis ca. 0,7 mm.

  • Vorteile: Mit dem Führungsgriff kann das Ohr zur Detektion einer RAC-Reaktion (3.1.4) abgefahren werden. Im Führungsgriff befindet sich ein Magnet zur Stimulierung der Dauernadel; kann auch vom Patienten ausgeführt werden; v. a. zur Suchttherapie aufgrund der Stimulierungsmöglichkeit geeignet (Stichtechnik 3.2.2); ASP-Dauernadeln können neben Ausführung in Stahl auch vergoldet geliefert werden.

  • Nachteile: wegen kegelförmiger Spitze schmerzhafter als Pyonex-Dauernadeln.

  • Anwendung: nachdem über RAC-Tastung richtige Lokalisation aufgefunden wurde, Nadel mit dem Führungsgriff in das Ohr drücken; Führungsgriff wird entfernt 3.2.2.

  • Nadelungstechnik: 3.2.

Pyonex-Dauernadel
Pyonex-DauernadelDauernadel, die in einer kleinen, flachen Spirale endet und auf einem Pflaster fixiert ist.
  • Länge: 1,5–1,8 mm.

  • Durchmesser: ca. 0,3 mm.

  • Vorteil: dünner als die ASP-Dauernadel; weniger schmerzhaft als ASP-Dauernadeln wegen stufenloser Spitze.

  • Nachteil: schlecht platzierbar, v. a. bei verdeckten Lokalisationen.

  • Nadelungstechnik: 3.2.

  • Anwendung: mit dem Pflaster, an dem sie kleben, ins Ohr drücken.

Implantat-Dauernadel
Implantat-DauernadelDauernadel, die an den pathologischen Stellen am Ohr versenkt werden und unsichtbar unter der Haut bleiben.
  • Länge: ca. 2,9 mm +/− 0,2 mm.

  • Durchmesser: ca. 0,8 mm.

  • Material, bioresorbierbar: transparent, Resorptionszeit ca. 18 Monate, z. B. Templax quint (Fünfeck), Templax (Kegel).

  • Material, lebenslang nicht resorbierbar: Reintitan, z. B. Implax (Kegel).

  • Vorteil: intensivere Wirkung als andere Akupunkturtechniken, z. B. bei Tinnitus, M. Parkinson.

  • Nachteil: Granulombildung nicht auszuschließen.

  • Nadelungstechnik: über Führungsröhrchen in das Gewebe drücken, vergleichbar ASP-Dauernadel siehe oben, nur subkutane Applikation.

  • Hersteller: z. B. Lametec-Medizintechnik, D-08258 Markneukirchen, www.lametec.de.

Chinesische Samenkörnchen
Samenkörnchen, chinesischeChinesische SamenkörnchenChinesische Variante der Dauernadel; Verwendung finden Vaccariae semen (NelkensamenkörnerNelkensamenkörner).
  • Vorteil: zusätzlich hyperämisierende Wirkung; eignet sich zur Selbstmassage; auch bei Nadelphobie einsetzbar, umweltfreundlich.

  • Nachteil: lassen sich nur ungenau platzieren, sind deshalb den oben genannten Nadeln unterlegen.

Metallkügelchen
MetallkügelchenStahlkügelchen; auch magnetisierte Variante im Handel (dadurch angeblich Verstärkung der therapeutischen Wirkung).
  • Vorteil: eignet sich zur Selbstmassage; auch bei Nadelphobie einsetzbar.

  • Nachteil: lassen sich nur ungenau platzieren, sind deshalb den oben genannten Nadeln unterlegen.

  • Indikation: Suchtbehandlung.

Aufgrund der ungenauen Platzierbarkeit sind chinesische Samenkörnchen und Metallkügelchen den oben genannten Dauernadeln unterlegen und damit für eine differenzierte Therapie nicht zu empfehlen.

Nadelmaterial

NadelmaterialIm Gegensatz zur Körperakupunktur kann bei der Ohrakupunktur durch die Stichtechnik keine tonisierende oder sedierende Wirkung erzielt werden. Eher kann das Nadelmaterial diese Wirkungen unterstützen. Da die Stahlnadel generell ausgleichend wirkt, ist ein alleiniger Einsatz von Stahlnadeln zu rechtfertigen. Die Anwendung von Gold- und Silbernadeln bietet demgegenüber keinen wesentlichen Vorteil. Aus historischen Gründen und der Vollständigkeit halber wird das unterschiedliche Wirkspektrum in Tab. 2.5-1 dargestellt.

Nadelsterilisation

Sterilisation, NadelnNadeln:SterilisationSterilisierbare Nadeln werden bis zur Sterilisation in einer Desinfektionslösung aufbewahrt. Die Sterilisation wird dann zur Abtötung sämtlicher Mikroorganismen, d. h. Bakterien, Bakteriensporen und Viren, durchgeführt. Dies erfolgt durch Denaturierung von Proteinen, Veränderungen der DNA-Struktur oder Blockierung der DNA-Replikation. Dadurch wird eine Krankheitsübertragung von einem Patienten zum nächsten durch die wiederverwendete Akupunkturnadel wirksam verhindert. Bei sorgfältig angewandter Sterilisation ist eine Ansteckung ausgeschlossen. Cave: Sterilisationsart und -dauer sowie den Namen der sterilisierenden Person immer dokumentieren! Vor der Sterilisation sollten die Nadeln durch Einlegen in eine Desinfektionslösung (z. B. Aldehyde, Phenole, Acetate) vorbehandelt und gesäubert werden. In der Praxis werden v. a. die Heißluft- und Dampfsterilisation angewendet. Andere Verfahren, wie die chemische Sterilisation und die Strahlensterilisation finden eher in der Klinik und der Industrie ihre Anwendung.

Für die Sterilisation von wiederverwendbaren Nadeln gilt: Verschiedene Materialien (Gold, Silber, Stahl) dürfen wegen galvanischer Effekte nicht zusammen sterilisiert werden.

Heißluftsterilisation
HeißluftsterilisationGebräuchlichstes Sterilisationsverfahren in der Praxis.
  • Prinzip: physikalisches Verfahren zur Keimabtötung. Hitze bis 100 °C tötet innerhalb weniger Minuten durch irreversible Denaturierung von Proteinen alle vegetativen Bakterienformen und Parasiten ab. Viren und v. a. Bakteriensporen benötigen höhere Temperaturen.

  • Sterilisationstemperatur: 180–200 °C.

  • Sterilisationsdauer:

    • Bei 180 °C mindestens 30 Min.

    • Bei 200 °C mindestens 10 Min.

Beispiel „Sterilisation bei 180 °C“: 40 Min. Aufheizphase, 30 Min. eigentliche Sterilisation, 10 Min. Sicherheitspuffer; Zeitaufwand insgesamt also 80 Min.
  • Vorteil: einfach auszuführen; Nadeln und Instrumente müssen nicht in Folie verschweißt werden.

Dampfsterilisation
  • DampfsterilisationPrinzip: physikalisches Verfahren zur Keimabtötung durch irreversible Denaturierung von Proteinen. Niedrigere Temperaturen als bei der Heißluftsterilisation bei gesättigtem Wasserdampf; Erzeugung im Autoklaven mit Überdruck (100–200 kPa).

  • Sterilisationstemperatur: 121–134 °C.

  • Sterilisationsdauer:

    • Bei 121 °C mindestens 20 Min.

    • Bei 134 °C mindestens 5 Min.

Beispiel „Sterilisation bei 121 °C“: 40 Min. Aufheizphase, 20 Min. eigentliche Sterilisation, 10 Min. Sicherheitspuffer; Zeitaufwand insgesamt also ca. 70 Min.
  • Vorteil: kürzere Sterilisationsdauer.

  • Nachteil: Anschaffungspreis und laufende Kosten des Autoklaven höher als bei Geräten für Heißluftsterilisation.

Nadelentsorgung

  • Nadeln:EntsorgungEntsorgung, NadelnKlassifizierung: gebrauchte Nadeln gehören gemäß Verordnung zur Entsorgung von Praxisabfällen zur Gruppe B (mit Blut, Sekreten und Exkreten kontaminierte Abfälle).

  • Entsorgung: über Hausmüll. Voraussetzung: verletzungssichere Verwahrung, also in bruch- und durchstichsicheren Behältern. Cave: Nadeln von infektiösen Patienten gehören zur Gruppe C (infektiöse Abfälle, infektiöseAbfälle) und müssen vor der Entsorgung über den Hausmüll sterilisiert werden.

Holen Sie sich die neue Medizinwelten-App!

Schließen