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B978-3-437-42501-1.50136-8

10.1016/B978-3-437-42501-1.50136-8

978-3-437-42501-1

Akute Bronchitis

J. Niedermeyer

Zur Orientierung

Die akute Bronchitis ist gekennzeichnet durch eine plötzlich auftretende tracheobronchiale Entzündung ohne Ausbildung einer Pneumonie. Die häufigsten Verursacher sind Viren (Rhino-, Corona-, Parainfluenza-Viren u. a.). Bakterien (Haemophilus influenza, Streptokokkus pneumoniae u.a.) werden seltener nachgewiesen, ihre pathogenetische Rolle ist unklar. Von den oberen Atemwegsinfekten unterscheidet sich die akute Bronchitis dadurch, dass der Husten länger als 5 Tage (meist 10–20 Tage), gelegentlich sogar bis zu 8 Wochen anhalten kann. Inhalative Noxen (Gase, Stäube) können eine nichtinfektöse Bronchitis verursachen.

Anamnese und Diagnostik

Die Diagnose wird ausschließlich klinisch gestellt . Zu Beginn empfindet der Patient trockenen (unproduktiven) Husten, im weiteren Verlauf tritt u. U. gelblich bis grünlich verfärbter Bronchialschleim hinzu (hinweisend auf eine bakterielle Superinfektion ). Parallel können Schnupfen und Halsschmerzen bestehen. Nur selten besteht Fieber (Differenzial-diagnose: Pneumonie). Die Indikation für eine Röntgentho-raxaufnahme sollte nur gestellt werden, wenn klinisch der Verdacht auf eine akute Pneumonie besteht (Puls > 100/min, Atemfrequenz > 24/min, Fieber oder typischer Auskultationsbefund). 40 der Erkrankten zeigen eine vorübergehende Einschränkung der Lungenfunktion. Bei Influenzaverdacht (Anamnese: akut einsetzendes hohes Fieber, Schüttelfrost, trockenem Husten und Muskel-, Gelenk- oder Kopfschmerzen) mit atypischer Klinik oder bei Patienten mit erhöhtem Risiko für einen schweren Influenzaverlauf wird in den ersten 48 Stunden nach Symptombeginn ein Influenza-Schnelltest empfohlen .
Wichtige Differenzialdiagnosen der akuten Bronchitis sind Asthma bronchiale, chronische Bronchitis, Pertussis und seltener eine Bronchiektasenerkrankung oder Bronchiolitis.

Therapie

Die akute Bronchitis wird unabhängig von dem Auslöser (Viren, Bakterien) wegen der meist spontanen Ausheilung nicht typischerweise kausal therapiert. Bei starken Beschwerden können Sekretolytika, Mukolytika oder Antitussiva unterstützend zum Einsatz kommen . Nur bei vorbestehender Lungenerkrankung (COPD/Asthma/Bronchiektasen) und bakterieller Superinfektion werden Antibiotika eingesetzt. Sind Influenzaerreger nachgewiesen, können antivirale Substanzen (Zamivir, Oseltamivir), sofern sie innerhalb der ersten 48 Stunden nach Symptombeginn angewendet werden, die Symptomdauer um einen Tag verkürzen . Entgegen der landläufigen Meinung ist vermehrtes Trinken nicht geeignet, um die Sputumproduktion zu intensivieren. Zahlreiche Studien zeigen, dass Antibiotika zu unkritisch und häufig eingesetzt werden. Hinsichtlich der Dauer und Schwere der Erkrankung profitieren die Patienten wegen der meist viralen Genese nicht.
Gelegentlich werden bei anhaltendem postinfektiösen Husten inhalative Kortikosteroide und im Falle einer nachgewiesener Atemwegsobstruktion inhalative 2-Sympathomimetika eingesetzt. Dieses Vorgehen ist allerdings nicht durch klinische Studien belegt.

Komplikationen

Bei einer sekundären bakteriellen Infektion (häufiger Erreger sind hier Haemophilus influenzae, Streptococcus pneumoniae, Staphylokokken u.a.) kommen entsprechende Antibiotika zum Einsatz ( Kap. Pneumonie). Ältere Patienten, Patienten mit kardialen Grunderkrankungen und unter Immunsuppression stehende Patienten sind vermehrt gefährdet und profitieren möglicherweise von einer frühzeitigen antibiotischen Therapie. Bei Patienten mit Asthma und COPD ist eine Intensivierung der antiobstruktiven Therapie, die sich an den entsprechenden Empfehlungen zur Behandlung der Infektexazerbation orientiert, erforderlich .

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