© 2019 by Elsevier GmbH

Bitte nutzen Sie das untenstehende Formular um uns Kritik, Fragen oder Anregungen zukommen zu lassen.

Willkommen

Mehr Informationen

B978-3-437-42501-1.50138-1

10.1016/B978-3-437-42501-1.50138-1

978-3-437-42501-1

Akute Pankreatitis. Computertomographie mit Kontrastmittel und Nachweis einer infizierten Nekrose gekennzeichnet durch Lufteinschlüsse in der Pankreasnekrose (Pfeile).

Akute Pankreatitis

G. Sauter

J. Mayerle

M.M. Lerch

Zur Orientierung

Die akute Pankreatitis ist eine akut einsetzende Entzündung der Bauchspeicheldrüse.

Ätiologisch liegen meist Gallensteinleiden oder ein übermäßiger Alkoholgenuss zugrunde. Seltene Ursachen sind Medikamente, Stoffwechselstörungen oder eine hereditäre Genese.

Leitsymptom ist der gürteiförmige Oberbauchschmerz verbunden mit 3-fach erhöhten Pankreasenzymen im Serum (Lipase/Amylase). Häufig kommt es zu Erbrechen und einem gummiartig gespannten Abdomen.

Formen und Verlauf

Nach der Schwere der Erkrankung werden eine milde öde-matöse (80, Mortalitätsrate < 1) und eine schwere nekro-tisierende Pankreatitis (Mortalitätsrate: 10–24) unterschieden. Einfache Parameter, die einen auf einen schweren Verlauf hindeuten, sind das CRP (Werte > 130 mg/dl) und der Hämatokrit (> 44 bzw. ein fehlender Abfall innerhalb der ersten 24 h nach Therapiebeginn).

Therapie

Die Therapie der akuten Pankreatitis sollte immer unter stationären Bedingungen erfolgen. Die wichtigste therapeutische Maßnahme in der Frühphase der Erkrankung ist die intravenöse Flüssigkeitssubstitution. Da bei Patienten mit akuter Pankreatitis große Flüssigkeitsmengen intraabdominell sequestriert werden, kann der Volumenbedarf weit mehr als 101 betragen. Eine weitere Säule der Behandlung ist eine adäquate Schmerztherapie. Hier haben Morphinderivate eindeutig den höchsten Stellenwert, auch wenn diese in der Vergangenheit aus Angst vor einem während der Pankreatitis irrelevanten, erhöhten Sphinktertonus nur mit Zurückhaltung eingesetzt wurden.
Bei Hinweisen für eine biliäre Genese (Gallenblasensteine, Bilirubin > 5 mg/dl, sonographische Zeichen einer extrahepatischen Cholestase) ist eine ERCP mit Papillotomie indiziert, bei Infektzeichen (Fieber, Leukozytose), die auf eine Cholangitis hindeuten, auch als Notfalleingriff. Im Verlauf sollte eine Cholezystektomie durchgeführt werden. Bei Alkoholabusus als Ursache ist der Patient auf die Notwendigkeit der Alkoholabstinenz hinzuweisen. Werden Medikamente als Auslöser der akuten Pankreatitis vermutet , sind diese abzusetzen. Hyperlipidämie bzw. Hyperkalzämie müssen behandelt werden. Finden sich Hinweise für eine hereditäre Genese (junge Patienten < 30 J., Pankreatitisfälle bei Angehörigen 1. Grades), sollte eine genetische Beratung und Diagnostik auf Mutationen im Trypsinogen-Gen erfolgen.
Bei Vorliegen einer milden Pankreatitis stehen Flüssigkeitssubstitution und Schmerztherapie im Vordergrund. Mit einer enteralen Ernährung sollte frühzeitig begonnen werden. Der Nutzen einer Nahrungskarenz ist nicht gesichert.
Bei Verdacht auf eine schwere Pankreatitis muss eine intensivmedizinische Therapie erfolgen. Eine weiterführende Diagnostik mittels Kontrastmittel-CT innerhalb der ersten 7 Tage ist nur bei einer klinischen Verschlechterung indiziert oder wenn der Verdacht auf eine Komplikation besteht . Bei mehr als 30 der Patienten mit einer schweren Pankreatitis finden sich im CT oder MRT Pankreasnekrosen . Die Frage nach einer prophylaktischen Antibiotikagabe ist nicht abschließend geklärt. Die meisten Zentren favorisieren aktuell eine Beschränkung der Antibiotikatherapie auf Fälle mit nachgewiesenen infizierten Nekrosen oder bei septischen Konstellationen. Sterile Nekrosen sollten konservativ behandelt werden Infizierte Nekrosen (Abb. 1) sollten möglichst interventio-nell drainiert werden (CT-gesteuerte Drainage, endoskopische transgastrale Nekrosektomie). Ein operatives Debridement sollte möglichst nicht vor der 3.–4. Woche nach Symptombeginn erfolgen.

Komplikationen

Neben der Entwicklung von Pankreasnekrosen und deren Infektion mit der möglichen Folge einer Sepsis und eines Multi-organversagens, sind die Arrosion von Gefäßen oder des Darms, die Pfortader-/Milzvenenfhrombose oder die Pankreaspseudozystenbildung im Verlauf möglich .

Holen Sie sich die neue Medizinwelten-App!

Schließen