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B978-3-437-42501-1.50009-0

10.1016/B978-3-437-42501-1.50009-0

978-3-437-42501-1

Anämie

J. Panse

Definition

Nach WHO-Definition besteht eine Anämie bei Hämoglobin (Hb)-Konzentrationen bei Frauen < 12 g/dl, bei Männern < 13 g/dl. Hb-Werte sind immer Summe aus Eryfhrozyten-produktion und -abbau bzw. -Verlust, da das blutbildende System ein dynamisches Organ darstellt!

Anamnese

Pathologische Blutbilder i. S. e. Anämie sind oft Zufallsbefunde. Da immer abklärungsbedürftig, erfolgt die Anamnese häufig nach der Diagnose. Vor dem ethnisch/familiären Hintergrund (Hämoglobinopathien/Enzymdefekte!) sollten Ernährung, Alkoholkonsum, Medikamenteneinnahme, Beruf (Bleiexposition in 150 Berufsgruppen), Vorerkrankungen und Operationen (Gastrektomie) erfragt werden. Obligat sind Schwangerschafts- und Menstruationsanamnese sowie Fragen nach Blutungszeichen, Infekten und B-Symptomen als Hinweis auf systemische Erkrankungen (Malignome, Tbc, Sarkoidose, rheumatische Erkrankungen).

Untersuchungen

Bei akuten Anämien stehen Symptome der Hypotension im Vordergrund, daneben Blässe (Nagelbett, Konjunktiven) und Ikterus, ggf. mit Schmerzen (hämolytische Anämie, Sichelzellkrise). Chronische Anämien bleiben lange symptomlos. Typisch sind Schwäche, Leistungsknick und (Belastungs-) Dyspnoe. Petechien, Hämatome, Lymphadenopathie und Splenomegalie (hämatologische Grunderkrankung) geben weitere Hinweise .
Erythrozytenindices und der Retikulozyten-Produktions-Index (RPI) führen zur exakten funktioneilen Anämieeinteilung. Ein RPI < 2,5 spricht immer für eine Bildungs- bzw. Reifungsstörung . Unauffällige Erythrozytenindices zeigen Hypoproliferation durch Knochenmarkpathologien (Neoplasien) oder durch verminderte Stimulation (Nephro-, Endokrinopathie, Infektion) an. Ursachen mikrozytärer Anämien sind Eisenmangel , Thalassämien , die sideroachrestische Anämie und Bleiexposition . Differenzialdiag-nostisch entscheidend ist der Eisenstatus (Ferritin, sTfR), die Beurteilung des Blutausstrichs (Anisozytose) bzw. die RDW und die Hb-Elektrophorese (Thalassämie). Wichtig ist die Abgrenzung der Anämie chronischer Erkrankungen (ACD) , der eine Eisenverwertungsstörung zugrunde liegt. Eine Makro-zytose kann durch Alkoholismus, Hepatopathie, Hypothyreose und Artefakte (Agglutination, Hyperglykämie, Leukozytose) entstehen, hier hilft der Blutausstrich. Folsäure- und Vitamin-B12-Mangel bedingen megaloblastäre Anämien (MCV > 110 fl, LDH ), entscheidend ist der Megaloblasten-nachweis im Knochenmark (DD: refraktäre Anämie).
Ein RPI > 2,5 ohne Hämolysezeichen (LDH , Haptoglobin ) weist auf Blutverlust und intakte Erythropoese bzw. Regeneration durch Therapie mit Fe, Vitamin B12, Folsäure hin. Bei Hämolyseverdacht erfolgt ein Coombstest zur Identifizierung einer Immunhämolyse (AIHA) , bei negativem Coombstest gibt der Blutausstrich Hinweise auf Fragmentationssyndrome, Membrandefekte (Sphäro-, Eliptozyten) und Sichelzellen . Ist der Blutausstrich nicht wegweisend, müssen medikamentöse, toxische, physikalische Ursachen, Enzymopathien (Favismus), Hämolyse bei Lebererkrankungen, die PNH und Hämoglobino-pathien in Betracht gezogen werden .
Abbildungen Eisenmangel- und megaloblastäre Anämie

Differenzialdiagnosen

Ursachen von Anämien

Mögliche Erkrankungen Häufigkeit Weiterführende Untersuchungen
Eisenmangel (weltweit häufigste Ursache parasitäre Erkrankungen) Abklärung obligat Urin-Stix, Ösophagogastroduodenoskopie (ÖGD), Koloskopie, iatrogen?
ACD CRP, Akutphaseparameter, ggf. Tumorsuche, Klinik rheumatoider Erkrankung?
megaloblastäre Anämien ÖGD obligatorisch, Schilling-Test = Goldstandard, oft verzichtbar, In-trinsic-Faktor-, Belegzeil-, Schilddrüsen-AK; V.a. Folsäuremangel immer Mitbestimmung von Vitamin B12
Immunhämolyse (AIHA) Suche nach Grunderkrankung (Lymphom, Kollagenose, Infektion) oder Auslöser (Medikamente), Differenzierung von Kälte- (IgM) und Wärme- (IgG) Antikörpern
Fragmentationssyndrome Thrombozyten , Mikroangio-pathie (TTP, HUS, DIC) Thrombozyten normal mechanische Ursache (z. B. künstliche Herzklappe)
PNH GPI-verankerte Oberflächenmarker (CD55, CD59, CD16, CD24)
hereditäre Sphärozytose MCHC > 36

% Retikulozyten × bestimmter Hkt . Shift in Tagen × 0 , 45 ( Soll - Hkt. )

SHIFT (in Tagen): Hkt. 0,45 1,0; Hkt. 0,35 1,5; Hkt. 0,25 2,0; Hkt. 0,15 2,5

Besondere Abkürzungen: sTfR = löslicher Transferrin-Rezeptor

RDW = red cell distribution width, Erythrozytenverteilungsbreite

PNH = paroxysmale nächtliche Hämoglobinurie

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