© 2019 by Elsevier GmbH

Bitte nutzen Sie das untenstehende Formular um uns Kritik, Fragen oder Anregungen zukommen zu lassen.

Willkommen

Mehr Informationen

B978-3-437-42501-1.50141-1

10.1016/B978-3-437-42501-1.50141-1

978-3-437-42501-1

Patient mit ankylosierender Spondylitis. Bei der Prüfung der Wirbelsäulenbeweglichkeit fällt neben dem deutlich vermehrten Fingerbodenabstand () die fehlende Flexion () im Bereich der Lenden- und Brustwirbelsäule auf.

In der konventionellen Röntgenaufnahme zeigen sich die typischen Syndesmophyten () als Verknöcherungen des Anulus Fibrosus der Bandscheibe. Bei zusätzlich bestehender Osteoporose ist es bereits zu einer Wirbelkörpersinterung gekommen ().

Ankylosierende Spondylitis

J. Strunk

Zur Orientierung

Die ankylosierende Spondylitis (Morbus Bechterew) ist eine der häufigsten entzündlich-rheumatischen Erkrankungen. Sie manifestiert sich hauptsächlich im Bereich der Wirbelsäule (insbesondere Iliosakralgelenk), kann aber auch periphere Gelenke und Sehnenansätze befallen. Selten kommt es zu extraartikulären Manifestationen (z. B. Auge, Darm, kardiovaskuläres System). Ca. 90 der Patienten sind HLA-B27-Träger (s.u.).

Leitsymptom in der Frühphase ist der typische entzündliehe Rückenschmerz, der sich vordergründig in Ruhe manifestiert und sich bei Bewegung bessert. Der weitere Krankheitsverlauf ist durch eine zunehmende Versteifung der gesamten Wirbelsäule charakterisiert (Abb. 1).

Die Diagnose wird anhand klinischer und radiologischer Kriterien gestellt. Eine ankylosierende Spondylitis liegt vor, wenn ein radiologisches und mindestens ein klinisches Kriterium zutrifft.

Klinische und radiologische Kriterien der ankylosierenden Spondylitis Spondylitis

(modifizierte New-York-Kriterien)

klinische Kriterien
  • Schmerzen und Steifigkeit der LWS > 3 Monate

    Besserung durch Bewegung, nicht durch Ruhe (entzündlicher Schmerz)

  • eingeschränkte Beweglichkeit der LWS in sagittaler und frontaler Ebene

  • eingeschränkte Atembreite (< 2,5 cm)

radiologische Kriterien
  • bilaterale Sakroiliitis mindestens Grad 2 (d. h. Erosionen und Sklerosierungen der lliosakralgelenke ohne Veränderungen der Gelenkspaltweite)

  • unilaterale Sakroiliitis mindestens Grad 3 (d. h. fortgeschrittene Destruktionen mit Gelenkspaltveränderungen und partieller An-kylose)

Therapie

Grundlage der Behandlung ist eine adäquate Physiotherapie. Im Vordergrund steht eine mobilisierende Krankengymnastik, welche durch regelmäßige Bewegungsübungen und an-algesierende bzw. muskelentspannende Maßnahmen sinnvoll ergänzt wird. Die Gabe nichtsteroidaler Antirheumatika (NSAR) stellt den zweiten Grundpfeiler der Therapie dar.
Bei vordergründiger peripherer Arthritis mit potenziell des-truierendem Charakter ist in einigen Fällen die Gabe eines konventionellen DMARD (disease modifying antirheumatic drug) wie z. B. Methotrexat oder Sulfasalazin erforderlich. Eine weitere Therapiemöglichkeit stellt die intraartikuläre Gluko-kortikoidinjektion dar .
Bei meist dominierender Spondylitis ist nach erfolgloser Verabreichung von mindestens 2 NSAR in der Tageshöchst-dosis und dokumentierter anhaltender Krankheitsaktivität (BASDAI > 4; CRP und BSG ) der Einsatz von TNF-Hemmern (Infliximab, Etanercept, Adalimumab) gerechtfertigt. Der sog. BASDAI (bath ankylosing spondylitis disease activity index) beruht auf der Selbsteinschätzung des Patienten hinsichtlich Ausmaß der Beschwerden und Beeinträchtigung und kann Werte zwischen 0 (keine Krankheitsaktivität) und 10 annehmen.
Bei bereits eingetretenen extremen Fehlhaltungen im Bereich der Wirbelsäule durch eine fortschreitende Ankylosie-rung ist die operative Intervention in Form einer Aufrich-tungsosteotomie eine letzte mögliche Maßnahme, um die hochgradig eingeschränkte Funktionalität zu verbessern.

Komplikationen

Die bei 25–30 der Patienten im Laufe der Erkrankung auftretende Iridozyklitis (Uveitis anterior) kann bei fehlender oder unzureichender Therapie zu Visusverlust führen.
Aufgrund einer dauerhaften Entzündungsaktivität kommt es insbesondere im Bereich der Wirbelsäule zu einer sekundären Osteoporose (Abb. 2), sodass trotz der eintretenden Ankylosierungen hier eine erhöhte Frakturgefahr besteht.

Häufige Fehler und Irrtümer

Der Nachweis von HLA-B27 unterstützt zwar den Verdacht für eine ankylosierende Spondylitis, ist aber für eine Diagnosesicherung nicht ausreichend, da dieses Merkmal auch bei anderen rheumatischen Erkrankungen (z. B. Psoriasisarthritis, reaktive Arthritis) nachgewiesen werden kann. Darüber hinaus liegt HLA-B27 bei 6 – 9 aller Gesunden vor.

Holen Sie sich die neue Medizinwelten-App!

Schließen