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B978-3-437-42501-1.50013-2

10.1016/B978-3-437-42501-1.50013-2

978-3-437-42501-1

Endoskopisches Bild eines Bezoars im Magen (a) und (b), der dunkle Haarballen ist gut zu erkennen.

Sonographisches Bild einer Frühschwangerschaft (13. SSW). [Isbruch]

Appetitstörung

Ch. Wrede

Definition

Ein quantitativ oder qualitativ verändertes Verlangen nach Nahrung wird als Appetitstörung bezeichnet.

Anamnese

Die Art und Dauer der Appetitstörung ist für die weitere Differenzialdiagnose wegweisend. Ein qualitativ veränderter Appetit kann durch physiologische Veränderungen, z. B. während einer Schwangerschaft , ausgelöst werden. Pathologische qualitative Veränderungen, z. B. Abneigung gegenüber Fleisch, können neben einer quantitativen Störung im Sinne einer Appetitabnahme bei Tumorerkrankungen auftreten. Die gesteigerte orale Aufnahme von bestimmten essbaren, z. B. Stärke, Erdnüsse, oder nicht essbaren, wie Haare, Erde, Substanzen wird als Pica-Syndrom bezeichnet, dem meist eine neurologisch-psychiatrische Grunderkrankung zugrunde liegt, welches jedoch auch zu verschiedenen internistischen und chirurgischen Komplikationen, z. B. Bezoaren im Gastrointestinaltrakt (Abb. 1), führen kann.
Eine quantitative Veränderung des Appetits sollte nach plötzlich aufgetretener und länger bestehender Appetitstörung unterschieden werden. Alle akuten internistischen Erkrankungen und verschiedene Medikamente können zu einem reduzierten Appetit führen. Zur weiteren Abklärung sind die Anamnese, Klinik und Untersuchungsergebnisse wegweisend.
Länger bestehende Appetitstörungen gehen in der Regel mit einer gleichsinnigen Veränderung des Gewichts einher. Im Alter ist der Appetit häufig reduziert. Eine Abnahme des Appetits in Verbindung mit einer B-Symptomatik kann auf eine Tumorerkrankung hinweisen. Eine Appetitstörung mit intermittierendem Heißhunger bei Mädchen sollte an eine Anorexia nervosa oder eine Bulimie denken lassen.
Differenzialdiagnostisch abzugrenzen sind Nahrungsmittelunverträglichkeiten, die zu verändertem Essverhalten führen, beispielsweise bei Magenulzera (scharfe Gewürze), Cholezystolithiasis (fettreiche Speisen) oder Malassimilationssyndromen (z. B. Gluten).

Untersuchungen

Die körperliche Untersuchung gibt zunächst Hinweise auf den Ernährungsstatus, der bei länger bestehender Appetitstörung in der Regel reduziert ist. Ernährungsbedingte Mangelzustände an Vitaminen und Spurenelementen können zu charakteristischen Symptomen, z. B. Mundwinkelrhagaden bei Eisenmangel oder eine atrophische Glossitis bei Vitamin-B12-Mangel führen. Tumorerkrankungen gehen oft mit Lymphknotenvergrößerungen oder anderen tastbaren Raumforderungen ein-her. Bei kurzfristiger Appetitstörung im Rahmen einer akuten Erkrankung steht die jeweilige Klinik im Vordergrund.

Differenzialdiagnosen

Ursachen von Appetitstörungen

Mögliche Erkrankungen Häufigkeit Weiterführende Untersuchungen
Appetitstörung bei akuter Erkrankung Abklärung der Erkrankung
Appetitstörung bei Tumorerkrankungen Tumorsuche und -staging
Schwangerschaft (Abb. 2) Schwangerschaftstest
Anorexie, Bulimie psychiatrische Abklärung
Pica-Syndrom - psychiatrische Abklärung

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