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B978-3-437-42501-1.50022-3

10.1016/B978-3-437-42501-1.50022-3

978-3-437-42501-1

12-Kanal-EKG mit Sinusrhythmus, AV-Block l (380 ms), Rechtsschenkelblock und linksanteriorem Hemiblock. Z. n. Hinterwandinfarkt, a: Ableitungen I, II, III, aVR, aVL und aVF, b: Ableitungen V1–V6

Bradykardie

J. Tebbenjohanns

Definition

Kardiale Arrhythmien beruhen auf einer Störung der Reizbildung oder der Erregungsleitung des Herzens, sie können angeboren oder erworben sein. Liegt die durchschnittliche Herzfrequenz < 60/min spricht man von einer Bradykardie.

Anamnese

Bradykarde Arrhythmien äußern sich zumeist in Allgemeinsymptomen (z. B. Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Leistungsabfall, Schwindel, Belastungsdyspnoe) oder seltener auch in gravierenden Symptomen wie Synkope, Schock oder Herz-Kreislauf-Stillstand. Hohes Lebensalter und degenerative Prozesse führen oft zu bradykarden Herzrhythmusstörungen. Zur Ursachenklärung muss nach strukturellen Herzerkrankungen (Vitien, Herzinsuffizienz, KHK, Hypertonie), endokrinen Störungen (Hypothyreose) und Elektrolytstörungen gefragt werden. Eine Medikamentenanamnese ist gezielt zu erheben, insbesondere kommen Digitalis, Betablocker, Kalzi-umantagonisten (Verapamil oder Diltiazem) sowie alle Anti-arrhythmika als Ursache der Bradykardien infrage .
Die häufigsten Ursachen von Bradykardien sind die Störungen der Sinusknotenfunktion wie Sinusbradykardie, sinu-atriale (SA-) Blockierungen, Syndrom des kranken Sinusknotens, ggf. mit intermittierendem Vorhofflimmern als sogenanntes Brady-Tachy-Syndrom oder der atrioventriku-lären (AV) Überleitung (unterschiedliche Grade des AV-Blocks durch Leitungsstörungen im AV-Knoten und/oder im His-Pur-kinje-System).

Untersuchungen

Es folgt eine ausführliche körperliche Untersuchung mit Blutdruckmessung. Eine Bradykardie ist durch Palpation des Pulses während simultaner Auskultation des Herzens leicht festzustellen, auch gelingt hierdurch bereits ein Erkennen von Extra-systolen mit möglichem peripherem Pulsdefizit. Vitienty-pische Geräusche sowie Zeichen der Herzinsuffizienz werden erfasst .
Wichtige weiterführende Untersuchungen sind:
  • EKG :

    12-Kanal-EKG (Abb. 1) zum Zeitpunkt der klinischen Symptomatik und Langzeit-EKG.

    Falls kein eindeutiger Befund besteht, erfolgt die Aufzeichnung mit einem externen oder implantierbaren Ereignisrekorder (Eventrecorder). Letzteres ist bei schwerer, mutmaßlich rhythmogener Synkope ohne vorherige Diagnose notwendig.

  • Echokardiographie (Echo) :

    Zur Klärung von strukturellen Herzerkrankungen wie KHK, Vitien.

  • Ergometrie (Belastungs-EKG) :

    Zur Detektion von ischämieinduzierten Bradykardien, ggf. Linksherzkatheter.

  • Labor :

    Es kommen Bestimmungen der Medikamentenspiegel sowie von Troponin etc. zum Einsatz, um eine medikamenteninduzierte Bradykardie oder Akutereignisse wie einen Herzinfarkt diagnostizieren zu können. Aber auch nichtkardiale Erkrankungen wie eine Hypothyreose oder Elektrolytstörungen lassen sich so erkennen.

  • Langzeit-Blutdruck :

    Zur Diagnose bzw. zum Ausschluss einer arteriellen Hypertonie.

Differenzialdiagnosen

Ursachen für eine Bradykardie

Mögliche Erkrankungen Häufigkeit Weiterführende Untersuchungen
allgemeiner Alterungsprozess keine, ggf. Ausschlussdiagnostik
koronare Herzkrankheit Belastungs-EKG, ggf. Herzkatheter
Vitium Echokardiographie
hypertensive Herzkrankheit Langzeit-Blutdruckmessung; Echokardiographie; Augenhintergrund
Medikamente Anamnese, ggf. Spiegelbestimmung
nichtkardiale Erkrankungen Anamnese, Labor
Elektrolytstörungen Labor
AV-Block, z. B. bei Sportlern, KHK, bei Medikamenteneinnahme etc. Langzeit-EKG
Vorhofflimmern, z. B. idio-pathisch, bei Mitralvitien, KHK, arterieller Hypertonie Langzeit-EKG
Sick-Sinus-Syndrom Belastungs-EKG

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