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B978-3-437-42501-1.50023-5

10.1016/B978-3-437-42501-1.50023-5

978-3-437-42501-1

Eiweißelektrophorese bei Plasmozytom, peak in der -Globulinfraktion

BSG-Erhöhung

G. Lock

Definition

Die Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit (BSG) entspricht der Absenkung der Höhe der Plasmaschicht über den Blutzellen nach einer und zwei Stunden in einem mit Citratblut gefüllten Senkungsröhrchen bei Raumtemperatur (Methode nach Westergren). Dabei werden 1,6 ml Vollblut mit 0,4 ml 3,8igem Na-Citrat gemischt und in ein senkrecht stehendes Röhrchen mit mm-Graduierung bis zu einer Höhe von 200 mm aufgezogen. Die Einheit der BSG ist mm/h.

Die Referenzbereiche sind alters- und geschlechtsabhängig: Männer unter 50 15 mm/h, über 50 20 mm/h; Frauen unter 50 20 mm/h, über 50 30 mm/h. Die Literaturwerte für die Normgrenzen schwanken allerdings erheblich. Abhängig vom Ein-Stunden-Ergebnis kann unterschieden werden zwischen einer leichten (bis 30 mm/h) und einer starken Senkungsbeschleunigung (bis 50 mm/h); sehr ausgeprägte Senkungsbeschleunigungen werden als Sturzsenkung (ab 90 mm/h) bezeichnet.

Vorgehen

Physiologische BSG-Veränderungen finden sich z. B. nach fettreichen Mahlzeiten (Erhöhung der Chylomikronen), in der prämenstruellen Phase oder in der Schwangerschaft (Maximum der doppelten Normgrenze in der Zeit um die Geburt!); auch orale Kontrazeptiva können über eine Fibrinogensteige-rung die BSG erhöhen. Als Störgrößen gelten Veränderungen der Außentemperatur (bei 27C kann sich die BSG verdoppeln!) oder die Gabe von an Eryfhrozyten bindende Medikamente wie Dextrane. Für ca. 5 aller erhöhten BSG-Werte fehlt eine zufriedenstellende Erklärung.
Bei einer erhöhten BSG ist zunächst nach dem klinischen Kontext zu fragen . Bei akuten Infektionen, rheumatischen Systemerkrankungen oder bekannten metastasie-renden Grundleiden ist eine BSG-Erhöhung zu erwarten. Eine Sturzsenkung kann dagegen insbesondere bei vagen oder vieldeutigen Symptomen ein richtungweisendes Indiz für Erkrankungen wie Polymyalgia rheumatica (im Unterschied z. B. zu einer Fibromyalgie), Arteriitis temporalis, Endocarditis lenta, multiples Myelom, Morbus Waldenström oder auch Leukämie, Lymphom oder metastasiertes Prostatakarzinom sein . Diagnostisch helfen hier bildgebende Verfahren (Röntgen oder MRT von Schädel, Wirbelsäule und Röhrenknochen) oder Laboranalysen weiter. Bei nephrotischem Syndrom oder fortgeschrittenen Nierenerkrankungen sind BSG-Erhöhungen die Regel, ohne dass weitere Entzündungsprozesse vorliegen müssen .

Differenzialdiagnosen

Differenzialdiagnose bei deutlich erhöhter BSG oder Sturzsenkung

Erkrankung Häufigkeit Weiterführende Untersuchung
systemische Infektion Anamnese, Blutkulturen, Urinstatus und -kultur, Röntgen Thorax, Sonographie Abdomen
metastasiertes Malignom Anamnese, Bildgebung (Sonographie Abdomen, CT Thorax und Abdomen)
rheumatische Erkrankung Anamnese und körperliche Untersuchung mit Stigmata und Befunden wie bei rheumatoider Arthritis, Kollagenosen, Vaskulitiden
nephrotisches Syndrom, fortgeschrittene Niereninsuffizienz Kreatinin, Harnstoff, Urinstatus, Eiweißausscheidung im 24-Stunden-Urin
Endokarditis Anamnese (Klappenfehler, Klappenersatz), Auskultation, mehrere Blutkulturen vor einer antibiotischen Therapie, Echokardiographie (trans-thorakal, transösophageal)
Polymyalgia rheumatica Anamnese, anderweitige Laboruntersuchungen (CRP, Anämie), Ansprechen auf Steroidtherapie
Arteriitis temporalis schmerzhafte oder verdickte Temporalarterien, Claudicatio masticatoria, Sehstörungen, Sonographie, Biopsie
Plasmozytom Blutbildveränderungen, monoklonale Gammopathie in der Eiweißelektrophorese (peak in der -Globulinfraktion, Abb. 1), Im-munfixation, Knochenmarkspunktion
M. Waldenström () monoklonale IgM-Vermehrung
maligne Lymphome B-Symptomatik, tastbare Lymphknoten-oder Milzvergrößerung, LDH, Blutbildveränderungen, Histologie aus LK, Knochenmarkspunktion
monoklonale Gammopathie unklarer Signifikanz (MGUS) wie Plasmozytom, Befunde bis auf monoklonale Gammopathie negativ

Echokardiogramm bei infektiöser Endokarditis (paraster-nale Längsachse). Vegetation auf dem vorderen Mitralklappensegel (Pfeil) LA = linker Vorhof, LV = linker Ventrikel. [Forbes/Jackson]

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