© 2019 by Elsevier GmbH

Bitte nutzen Sie das untenstehende Formular um uns Kritik, Fragen oder Anregungen zukommen zu lassen.

Willkommen

Mehr Informationen

B978-3-437-42501-1.50148-4

10.1016/B978-3-437-42501-1.50148-4

978-3-437-42501-1

Peripherer Blutausstrich bei CLL mit reifzelliger Lymphozytose und Gumprecht-Kernschatten.

Chronische lymphatische Leukämie

Ph. Schafhausen

Zur Orientierung

Das Leitsymptom der chronischen lymphatischen Leukämie (CLL) ist eine dauerhafte und im Verlauf zunehmende Lymphozytose im peripheren Blut (Abb. 1).

Die initiale Symptomatik beinhaltet häufig eine schmerzlose Lymphadenopathie und eine Hepato-/Splenomegalie sowie Fieber, Nachtschweiß, Gewichtsverlust (B-Symptome) und Fatigue. Im fortgeschrittenen Krankheitsstadium kommt es aufgrund einer zunehmenden Knochenmarkinfiltration zur Anämie und Thrombozytopenie. Kennzeichnend für die CLL ist ein die zelluläre und humorale Immunantwort betreffender Immundefekt. Der Krankheitsverlauf ist sehr variabel, erstreckt sich aber meist über viele Jahre, sodass insbesondere bei älteren Patienten die Lebenserwartung nicht durch die Erkrankung beeinflusst wird.

Die initiale Diagnostik beinhaltet neben dem mikroskopischen Differenzialblutbild eine FACS-Analyse mit Nachweis des Immunphänotyps einer CLL. Eine Knochenmarkpunktion kann zur Beurteilung der Knochenmarkinfiltration erfolgen. Zusätzlich ist eine Erhebung des Lymphknotenstatus sowie der Leber- und Milzgröße erforderlich. Fakultativ können im weiteren Krankheitsverlauf zur Einschätzung der Prognose Zytogenetik (FISH = Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung) und molekulare Untersuchungen hinzugezogen werden .

Stadieneinteilung

Die CLL geht aus einer klonalen Vermehrung von reifzelligen B-lymphatischen Zellen hervor. In der Regel verläuft die Erkrankung indolent, allerdings sind auch aggressive Verläufe möglich. Die Stadieneinteilung nach Binet ergibt sich aus der klinischen Untersuchung und der Blutbildanalyse.

Stadieneinteilung der CLL (nach Binet)

Stadium Definition Uberlebenszeit
A
  • anhaltende Lymphozytose > 5000/l

  • Hb 10 g/dl, Thrombozyten 100000/l

  • <3 LK-Regionen befallen

10 Jahre
B
  • Hb 10 g/dl, Thrombozyten 100000/l

  • 3 LK-Regionen befallen

ca. 5 Jahre
C
  • Hb < 10 g/dl, Thrombozyten < 100 000/l

  • LK-Status irrelevant

2–3 Jahre

als LK-Regionen gelten die bei der klinischen Untersuchung tastbaren zervikalen, axillaren und inguinalen LK, die Milz und die Leber (Grundlage ist der tastbare Befund)

Therapie

Eine Heilung durch eine medikamentöse Therapie ist bisher nicht möglich. Aufgrund des indolenten Verlaufs ist bei Beschwerdefreiheit (Binet A/B) eine Watch & Wait-Strategie indiziert. Erst bei symptomatischer Erkrankung (Binet B/C; B-Symptomatik, große Organe bedrängende Lymphome, Leukozytose > 15000/l, Thrombopenie) sollte eine milde Chemotherapie eingeleitet werden. Als Substanzen stehen Alkylanzien (Chlorambucil, Cyclophosphamid, Benda-mustin) oder Purinanaloga (Eludarabin) zur Verfügung. Zusätzlich wird eine Immuntherapie mit Antikörpern (z. B. Rituximab gegen CD20 oder Alemtuzumab gegen CD 52) bei Risikokonstellation oder im Falle eines Rezidivs eingesetzt. Die Auswahl des Behandlungsschemas hängt vom Alter und der körperlichen Verfassung des Patienten ab. Patienten 70 Jahre ohne Komorbiditäten werden nach dem FCR-Schema (Fludarabin Cyclophosphamid Rituximab) oder dem BR-Schema (Bendamustin Rituximab) behandelt . Bei jungen Patienten mit ungünstigem Risiko kommt bei geeignetem Spender eine allogene Stammzelltransplantation möglichst im Rahmen von Studien in Betracht Patienten > 70 Jahre werden der weniger intensiven Chlorambucil-Monotherapie zugeführt .

Komplikationen

Die wichtigsten Komplikationen sind :
  • In den fortgeschrittenen Stadien Knochenmarkinsuffizienz mit ausgeprägter Thrombozytopenie und Anämie

  • autoimmunhämolytische Anämie ( immunsuppressive Therapie mit Steroiden, Rituximab, Kombination mit Chlorambucil oder Cyclophosphamid)

  • erhöhte Infektanfälligkeit bei sekundärem Immunglobu-linmangel ( regelmäßige Immunglobulingabe)

  • Transformation in ein hochmalignes Lymphom (Richtersyndrom).

Holen Sie sich die neue Medizinwelten-App!

Schließen