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B978-3-437-42501-1.50154-X

10.1016/B978-3-437-42501-1.50154-X

978-3-437-42501-1

Degenerative Wirbelsäulenveränderungen.

  • 1

    Osteochondrose: Verschmälerung des Bandscheibenfachs mit Randsklerosierung der Grund- und Deckplatten, Vakuumphänomen

  • 2

    Pseudospondylolisthese: Bei degenerierter Bandscheibe verrutscht r obere Wirbelkörper gegen den unteren

  • 3

    Spondylose: spondylophytäre Abstützreaktion

  • 4

    Spondylarthrose: Das linke Facettengelenk ist mit Randsklerosierung noch abgrenzbar; beim rechten Facettengelenk gelingt aufgrund der starken Sklerosierung keine Abgrenzung mehr

Degenerative Wirbelsäulenveränderungen

R. Dinser

Zur Orientierung

Degenerative Wirbelsäulenveränderungen sind Strukturveränderungen der Wirbelkörper, Bandscheiben, Bänder und Wirbelgelenke, die im Lauf des Lebens aufgrund von Alterungsprozessen auftreten.

Die typische Symptomatik ist ein belastungsassoziierter Rückenschmerz mit Besserung bei Schonung bzw. in Ruhe. Klinische Untersuchungsbefunde sind unspezifisch (Fehlhaltung, Druckschmerz, Muskelspannungsstörungen, Bewegungseinschränkung). Die konventionelle Röntgendiagnos-tik erlaubt die Zuordnung gröberer Veränderungen; eine weitere Bildgebung (z. B. MRT) kann zum Ausschluss von Komplikationen notwendig sein.

Formen

Die Abnahme der Festigkeit und Elastizität der einzelnen Elemente der Wirbelsäule führt zu typischen radiologischen Veränderungen (Abb. 1):
  • Bandscheibe: Höhenminderung mit reaktiven Knochenveränderungen der Grund- und Deckplatten der korrespondierenden Wirbelkörper (Osteochondrose)

  • Wirbelkörper: Fraktur mit Fisch- und Keilwirbelbildung (Osteoporose)

  • Facettengelenke: Abrieb mit Gelenkspaltverschmälerung und reaktiver Sklerose sowie Osteophytenbildung (Spon-dylarthrose)

  • Bandapparat: Verrutschen bzw. Verkippen der Wirbelkörper (Skoliose, Pseudospondylolisthese)

  • Reaktive Veränderungen: Sowohl bei Bandscheiben- als auch bei Wirbelkörper- und Banddegeneration kommt es zur Spondylophytenbildung im Sinne einer Abstützreaktion der Wirbelkörper (Spondylose).

Therapie

Die Therapie ist unabhängig von der morphologischen Veränderung zunächst symptomatisch und richtet sich kurzfristig nach der Beschwerde Schmerz. Langfristig ist eine Vermeidung krankheitsfördernder Faktoren Ziel der Behandlung.
Die kurzfristige Behandlung beinhaltet die physikalische Therapie, Krankengymnastik (Massage, Wärmetherapie und ggf. Niederfrequenzstrom zur Lockerung reaktiver Verspannungen; Mobilisationblockierter Bewegungssegmente, Chiropraxis) sowie eine an den Schmerz angepasste medikamentöse Therapie mit Analgetika. Zum Einsatz kommen reine Analgetika wie Paracetamol oder Metamizol, nichtsteroidale Antiphlogistika in niedriger Dosierung sowie zentral wirksame Analgetika (Opiate). Oft ist eine bedarfsweise Behandlung mit rasch resorbierbaren Präparaten, die bei Schmerzeintritt oder vor schmerzhervorrufender Tätigkeit eingenommen werden, ausreichend; gelegentlich ist eine dauerhafte Abdeckung mit retardierten Präparaten notwendig. Bei unzureichendem Ansprechen auf Einzeltherapeutika kann eine Kombinationstherapie versucht werden.
Bei fehlendem Effekt oder Nebenwirkungen der konservativen Therapie ist eine operative Therapie zu erwägen , welche ansonsten erst bei Komplikationen (Spinalkanalstenose und Wurzelkompression) indiziert sein kann.
Die langfristige Behandlung besteht aus Krankengymnastik und Ergotherapie (Korrektur von Haltungsanomalien, Kräftigung der Rückenmuskulatur, Erlernen rückenschonender Arbeitstechniken). Bei Adipositas ist eine Gewichtsreduktion anzustreben. Das berufliche Umfeld sollte aufrückenbelastende monotone Tätigkeiten überprüft werden. Langfristige Strategien werden vorwiegend durch die Rehabilitationsmedizin erarbeitet. Die Durchführung bedarf kontinuierlicher Motivation und Schulung des Patienten durch die behandelnden Therapeuten.

Komplikationen

Die wichtigsten Komplikationen sind :
  • Spinalkanalstenose durch Spondylose, Spondylarthrose, ggf. Bandscheibenvorfälle, Pseudospondylolisthese

  • Wurzelkompressionssyndrome durch Spondylose, Spondylarthrose und Bandscheibenvorfälle ( Kap. Wurzelkom-pressionssyndrom)

  • Schmerzausbreitung im Sinne eines Fibromyalgie-Syndroms oder einer somatoformen Störung.

Häufige Fehler

  • Rückenschmerzen finden oft kein Korrelat in der bildgebenden Diagnostik. Andersherum hängt nicht jede Veränderung der Bildgebung mit Beschwerden des Patienten zusammen.

  • Nichtsteroidale Antiphlogistika führen bei älteren Patienten oft zu einer Einschränkung der Nierenfunktion. Dies wird durch eine begleitende ACE-Hemmertherapie begünstigt.

  • Eine operative Therapie behebt nicht den Verlust der Elastizität und Festigkeit der Wirbelsäule. Der Körper hat ein hohes Potenzial zur Überbauung degenerativer Veränderungen mit Stabilisierung des Skeletts und Schmerzminderung. Geduld ist daher die wichtigste Eigenschaft von Patient und Therapeut.

  • Vor allem bei jüngeren Patienten muss die Differenzialdia-gnose entzündlicher Rückenschmerz bedacht werden.

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