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B978-3-437-42501-1.50155-1

10.1016/B978-3-437-42501-1.50155-1

978-3-437-42501-1

Nichtproliferative diabetische Retinopathie mit Mikroaneurysmen, Blutungen und Exsudaten

Diabetes mellitus Typ 1

K. Müssig

B. Gallwitz

Zur Orientierung

Der Typ-1-Diabetes ist durch einen absoluten Insulinmangel bei progredienter autoimmuner Zerstörung der insulinproduzierenden B-Zellen (Beta-Zellen) des Pankreas definiert. Er tritt gehäuft in jüngeren Lebensjahren auf.

Häufige Symptome sind Polyurie, Polydipsie, Gewichtsverlust, Müdigkeit, Übelkeit und Sehstörungen. Der Erkrankungsbeginn ist meist abrupt, etwa im Rahmen eines Infekts. Oft manifestiert sich ein Typ-1-Diabetes mit einer Ketoazidose.

Die körperliche Untersuchung ist meist unauffällig. Nur bei diabetischer Ketoazidose zeigen sich Kussmaul-Atmung, Dehydratation, Hypotension und Vigilanzstörangen .

Diagnosekriterien sind:

  • Nüchternblutzucker > 126 mg/dl

  • Gelegenheitshyperglykämie > 200 mg/dl

  • 2-h-Wert im oralen Glukosetoleranztest (OGTT) > 200 mg/dl.

Mit dem Nachweis von Inselzell-Autoantikörpern lässt sich der Typ-1- meist vom Typ-2-Diabetes abgrenzen.

Stadien

Oft folgt der Erstmanifestation eine symptomfreie Periode von Wochen bis Monaten, in der aufgrund der Erholung der B-Zel-len kaum Insulin benötigt wird (Honeymoon-Phase). Danach ist eine dauerhafte Insulintherapie notwendig.

Therapie

Therapieziele sind ein gutes Selbstmanagement der Erkrankung und die Vermeidung von
  • diabetesbedingten Einschränkungen der Lebensqualität

  • schweren Stoffwechselentgleisungen (schwere Hypoglyk-ämien und Hyperglykämien mit Ketoazidose)

  • mikro- und makroangiopathischen Folgeerkrankungen.

Daher sollten folgende Blutzuckerwerte angestrebt werden:
  • 90–120 mg/dl vor den Mahlzeiten

  • 110– 135 mg/dl vor dem Schlafengehen.

Nach Erstbehandlung der Hyperglykämie und einer möglichen Ketoazidose mit Insulin sowie Volumen- und Elektrolytsubstitution erfolgt die weitere Betreuung des Patienten multi-disziplinär (Arzt, Diätassistentin, Diabetesberaterin). Er sollte im Rahmen eines strukturierten Therapie- und Schulungsprogramms das Selbstmanagement erlernen .
Der tägliche Insulinbedarf muss individuell angepasst werden. Eine intensivierte Insulintherapie mit mahlzeitenbezogener Insulingabe ist die Therapie der Wahl, da der Patient bei dieser Therapieform die Größe der Mahlzeiten und den Zeitpunkt der Einnahme individuell festlegen kann. Zum Einsatz kommen verschiedene Insulinpräparate.

Komplikationen

Akute Komplikationen sind:
  • Hypoglykämie (u. a. Schweißausbruch, Wärmegefühl, Palpitationen, Bewusstlosigkeit; Kap. Hypoglykämie)

  • lokale allergische Reaktionen

  • diabetische Ketoazidose.

Ursachen für eine Hypoglykämie können eine zu hohe Insulindosis, ausgelassene Mahlzeiten, vermehrte körperliche Arbeit und Alkoholgenuss sein. Patienten müssen über Hypoglyk-ämie-Symptome und die erforderlichen Maßnahmen aufgeklärtwerden (orale Glukosezufuhr z. B. durch Fruchtsäfte, Glukagon i. m.). Angehörige können zudem eine Einweisung in die Applikation von Glukagon erhalten.
Chronische Komplikationen werden unterteilt in:
  • Mikrovaskuläre Komplikationen:

    • periphere und autonome Neuropathie

    • diabetische Retinopathie (Abb. 1), Katarakt, Glaukom

    • diabetische Nephropathie.

  • Makrovaskuläre Komplikationen:

    • Atherosklerose

    • zerebrovaskuläre Erkrankungen

    • koronare Herzerkrankung

    • periphere arterielle Verschlusskrankheit.

Durch optimale Einstellung des Blutzuckers (normnaher HbA1c-Wert) lässt sich das Risiko für Komplikationen senken. Diabetespatienten sollten alle 3 Monate hinsichtlich des Auftretens von makro- und mikrovaskulären Komplikationen untersucht werden . Funduskopien durch einen Augenarzt sollten mindestens einmal jährlich erfolgen. Patienten mit Proteinurie oder Nierenfunktionsstörung sollten durch einen Nephrologen mitbetreut werden.

Insulinpräparate

Insulinwirkung Präparate Wirkungsbeginn Wirkungsmaximum Wirkdauer
sehr kurz (Insulinanaloga) Aspart, Gluli-sin, Lispro 15 min 1 h 2–3 h
kurz Humaninsulin 30 min 2h 2–3 h
mittellang NPH-Insulin 12 h 4–6 h 8–12 h
lang (Insulinanalogon) Detemir 3–4 h 1014 h 16–20 h
sehr lang (Insulinanalogon) Glargin 3–4 h 1016 h 20–30 h
NPH = neutrales Protamin Hagedorn

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