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B978-3-437-42501-1.50157-5

10.1016/B978-3-437-42501-1.50157-5

978-3-437-42501-1

Testgerät zur H2-Messung in der Ausatemluft.

Dumping-Syndrom

M. Mayr

M. Ebert

Zur Orientierung

Das Dumping-Syndrom beschreibt einen postprandialen Beschwerdekomlex, der durch den Verlust der Reservoirfunktion des operierten Magens verursacht wird.

Bis zu 50 der Patienten nach Magenoperationen leiden unter neu aufgetretenen Beschwerden. Das Dumping-Syndrom ist der häufigste Beschwerdekomplex nach Billroth-II-OP. Unterschieden werden das postalimentäre Früh-Dum-ping mit intestinalen und kardialen Symptomen und das postalimentäre Spät-Dumping mit Symptomen der Hypoglykämie. Differenzialdiagnostisch abzugrenzen sind das Af-ferent-Loop-Syndrom (Duodenalinsuffizienz), das Efferent-Loop-Syndrom (Stenosierung im Anastomosenbereich) und das Blind-Loop-Syndrom (bakterielle Besiedelung der blind endenden Schlinge).

Die Diagnose wird überwiegend klinisch gestellt.

Formen

Beim Früh-Dumping kommt es ca. 20 min nach Nahrungsaufnahme durch mechanische Überdehnung des Jejunums bzw. der Mesenterialwurzel zur Freisetzung vasoaktiver Pep-tide wie Serotonin oder Bradykinin. Durch die osmotische Kontraktion des Plasmavolumens entsteht eine reaktive Hy-povolämie mit Übelkeit, Erbrechen, abdominellen Schmerzen, Diarrhö, Flush-Symptomatik, Schwitzen, Hypotonie und Herzklopfen.
Das Spät-Dumping ist bedingt durch den schnellen Eintritt und die Resorption größerer Mengen Kohlenhydrate im Dünndarm. Die überschießende Insulinsekretion mit assoziierter Freisetzung intestinaler Hormone verursacht 2 – 3 h postprandial eine reaktive Hypoglykämie mit Schwäche, Schwitzen, Unruhe und Heißhunger.
Besteht der klinische Verdacht eines Früh-Dumpings, kann die Diagnose durch eine radiologische Untersuchung (Magen-Darm-Passage: Sturzentleerung des Magens) sowie durch eine fettreiche Provokationsmahlzeit und einen H2-Atemtest (Ausschluss einer bakteriellen Fehlbesiedelung; Abb. 1) bestätigt werden . Bestehen die Symptome einer Hypoglykämie, so kann die Bestimmung der Blutzuckerwerte ein Spät-Dumping bestätigen .

Therapie

Der Therapieansatz richtet sich nach dem Beschwerdebild. Es sollten mehrere kleine, kohlenhydratarme (Reduktion wasserlöslicher kurzkettiger Kohlenhydrate, v. a. Mono- und Di-saccharide, die einen schnelleren Blutzuckeranstieg verursachen als Polysaccharide), eiweiß- und fettreiche Mahlzeiten eingenommen werden. Eine 40 – 60 min andauernde horizontale Lagerung postprandial sowie die Gabe von Spasmolytika sind zu empfehlen. Bei Diarrhöen können Kalziumkarbonat, Loperamid, Cholestyramin und Quellstoffe verordnet werden. Die Kreislauf- und Flushsymptomatik kann mit Sandostatin und Betabiockern (30 min vor Nahrungsaufnahme) therapiert werden. Auch der Histamin-Serotonin-Antagonist Cyprohep-tadin stellt eine Therapieoption dar . Eine operative Korrektur wird bei mindestens 1 Jahr anhaltenden Symptomen diskutiert .

Komplikationen

Häufige Probleme sind Refluxbeschwerden, auch durch Galle oder Dünndarmsäfte, sowie Durchfälle, oft Ausdruck einer gestörten Fettverdauung oder bei Zustand nach Vagotomie. Gelegentlich besteht auch ein relativer Laktasemangel oder eine bakterielle Fehlbesiedelung . Wichtige Komplikationen wie ausgeprägte Kachexie und Mangelsymptome durch verminderte Resorption von Eisen, Kalzium, Vitamin D, Vitamin B12 und Folsäure sind auch Folgen der Gastrektomie. Es besteht das Risiko einer Eisenmangel- und megaloblastären Anämie, einer Postgastrektomie-Osteopathie sowie der Entwicklung eines Magenstumpfkarzinoms im langfristigen Verlauf .

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