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B978-3-437-42501-1.50027-2

10.1016/B978-3-437-42501-1.50027-2

978-3-437-42501-1

Giardia lamblia.

Durchfall

W. Reinisch

Definition

Auch wenn eine einheitliche Definition von Durchfall (Diar-rhö), der solide wissenschaftliche Erhebungen zugrunde liegen, nicht existiert, wird der Begriff mit einer gesteigerten Frequenz (> 3-mal täglich), einer verminderten Konsistenz (ungeformt) und einer gesteigerten Menge (> 250 g pro Tag) des Stuhles assoziiert. Praktisch sind lediglich die beiden erstgenannten Veränderungen relevant, da Messungen des Stuhlgewichts in der klinischen Routine kaum Anwendung finden.

Anamnese

Akuten Durchfallerkrankungen liegt zumeist eine infektiöse Genese zugrunde, die bei viralem oder toxischem Ursprung vorwiegend von mildem, selbstlimitierendem Verlauf sind und nur selten diagnostischer oder therapeutischer Maßnahmen bedürfen . Durchfallepisoden, die über 48 Stunden andauern und mit Fieber, starken abdominalen Schmerzen, ausgeprägten Blutbeimengungen im Stuhl oder Dehydrierung einhergehen, sollten allerdings einer raschen weiteren Diagnostik zugeführt werden . In diesen Fällen ist meist von einer bakteriellen Genese auszugehen. Eine weitere Abklärung ist zudem bei speziellen Patientengruppen erforderlich, wie Ältere oder Patienten unter Immunsuppression .
Die Befragung des Patienten nach Ingestion potenziell kontaminierten/r Wassers oder Nahrung, Einnahme bestimmter Medikamente (Antibiotika, NSAR), Kontakten mit Tieren, sexuellen Praktiken oder Baden in einem Schwimmbecken kann hilfreiche Hinweise auf die mögliche Ursache liefern Die chronische Durchfallerkrankung ist durch eine Dauer von > 4 – 6 Wochen definiert Die osmotische Diarrhö ist von der Nahrungszufuhr abhängig und äußert sich zumeist in breiig-voluminösen Stuhlmassen ausgelöst durch nicht resorbierbare Darminhalte. Die sekretorische Diarrhö , zumeist von flüssiger Konsistenz und unbeeinflusst von der Nahrungsaufnahme, ist überwiegend infektiös vermittelt und somit akut. Chronische Ursachen sind Medikamente (Laxanzien, Furose-mid, Theophyllin, Misoprostol, Di-5-ASA, Gold) oder Toxine (Arsen, Pilze, Kaffee, Cola) sowie seltener Gallensäuren, z. B. nach Ileozökalresektion, oder hormonproduzierende Tumoren. Funktionelle Diarrhöen beruhen auf Störungen der intestinalen Motilität und im Allgemeinen wechseln im Beschwerdebild Episoden von Durchfall und Obstipation einander ab. Eine inflammatorische Diarrhö , wie im Rahmen einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung (CED), nach Bestrahlung oder bei Ischämie, ist zumeist begleitet von abdominalen Schmerzen sowie Blutbeimengungen im Stuhl.

Untersuchungen

Bei Durchfallerkrankungen sollte die komplette körperliche Untersuchung mit besonderem Augenmerk auf den Hydra-tionszustand, Körpertemperatur und die abdominale Palpation des Patienten durchgeführt werden .
Der Bericht von an Durchfall Erkrankten in der Umgebung des Patienten oder einer rezenten Reise in (sub-)tropische Regionen verlangt eine gezielte Diagnostik nach einem infektiösen Agens durch Stuhlkulturen und eventuell mikroskopischen Untersuchungen von frischem Stuhl. Bei Fieber sind zudem Blutkulturen erforderlich. Andere diagnostische Maßnahmen inkludieren laborchemische Untersuchungen und je nach Verdachtsdiagnosen auch gezielte Diagnostik mittels Ileokolonoskopie z. B. bei Verdacht auf CED .

Differenzialdiagnosen

Ursachen für Durchfall

Mögliche Erkrankungen Häufigkeit Weiterführende Untersuchungen
Infektionen , z. B. toxin-bildende Bakterien, Rota-oder Norwalkviren, Salmo-nellen, E. coli, Giardia lamblia (Abb. 1) Anamnese, Labor, Stuhlkultur, mikroskopische Stuhluntersuchung
osmotische Diarrhö , z. B. Laktosemalabsorption, Fruktoseintoleranz, Zöliakie, Pankreasinsuffizienz, bacterial overgrowth, Medikamente/Laxanzien, Sorbitol/Mannitol (Sweetener) Anamnese, spezielle Labortests (Atemtests, EMA, tiefe Duodenal-biopsie)
sekretorische Diarrhö , ausgenommen Infektionen Anamnese, Medikamentenanamnese, Octreotidscan (synthetisches Somatostatinanalogon), Nachweis intestinaler Hormone im Blut
funktionelle Diarrhö Anamnese, zumeist Ausschlussdiagnose
entzündliche Diarrhö Anamnese, Ileokolonoskopie
Tabelle Infektiöse Ursachen für Durchfall

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