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B978-3-437-42501-1.50028-4

10.1016/B978-3-437-42501-1.50028-4

978-3-437-42501-1

Urinuntersuchung. a) Mikrohämaturie im Lichtmikroskop; b) Leukozyturie und Leukozytenzylinder (Pha-senkontrastmikroskop). [Renz-Polster]

Dysurie

M. Fahlbusch

Definition

Dysurie bezeichnet jegliche Missempfindung bei der Blasenentleerung. Der Begriff umfasst sämtliche Zustände schmerzhaften und erschwerten Wasserlassens. Dysurie tritt bei Reizung des distalen Harnleiters, der Harnblase, der Prostata und der Harnröhre auf.

Anamnese

Eine initiale Dysurie, d.h. zu Beginn der Miktion, weist auf eine Erkrankung der Harnröhre und Prostata hin. Eine terminale Dysurie, also am Ende der Miktion, spricht für eine Reizung in der Blase oder am Blasenhals.
Die häufigste Ursache für eine Dysurie ist eine Infektion der Harnwege, hier insbesondere die Zystitis bei erwachsenen, sexuell aktiven Frauen. Bei Männern ist diese deutlich seltener, kann aber auf die Prostata übergreifen und zur akuten bakteriellen Prostatitis führen. Eine Urethritis zeigt sich typischerweise durch einen Fluor urethralis.
Bei allen Erkrankungen, die den mechanischen Auslasswiderstand der Harnblase erhöhen (Obstruktion), kommt es zu einer Hypertrophie der Blasenmuskulatur, am häufigsten bei der benignen Prostatahyperplasie (BPH). Die Patienten leiden unter ständigem Harndrang (frequency, urgency) und Harnstrahlabschwächung. Eine ähnliche Symptomatik kann prinzipiell auch von Harnröhrenstrikturen ausgelöst werden.
Die Dysurie ist ein typisches Spätsymptom bei lokal fortgeschrittenen Blasentumoren. Ebenso kann ein fortgeschrittenes Prostatakarzinom durch Infiltration des Blasenhalses oder durch Obstruktion des Blasenauslasses eine Dysurie verursachen.
Ein tief sitzender Ureterstein kann bei der Passage des intra-muralen Harnleiters die Harnblase derart reizen, dass eine Dysurie auftritt. Ein Blasenstein reizt die Blase direkt mechanisch und führt oft zu einer komplizierten Infektion.
Funktionelle Blasenentleerungsstörungen führen zu einer ausgeprägten Dysurie, ohne dass in der Folge ein pathologischer Befund erhoben werden kann. Diese Erkrankungen werden Chronic-Pelvic-Pain-Syndrom (CPPS) genannt.

Untersuchungen

Die urologische Untersuchung umfasst die Beurteilung der Nierenlager, die Palpation des Abdomens und männlichen Genitales und die rektale Untersuchung der Prostata. Die Inspektion der weiblichen Harnröhre wird am sinnvollsten mit der Abnahme von Katheterurin kombiniert. Klopfschmerzhafte Nierenlager weisen auf eine Nierenbeckenentzündung hin. Bei einer Urozystitis kann ein suprapubischer Druckschmerz vorliegen .
Die Harnuntersuchung (Abb. 1) steht im Mittelpunkt der Diagnostik . Ein unauffälliges Sediment schließt eine Infektion beim unbehandelten Patienten praktisch aus. Leukozyten und Erythrozyten oder sogar Bakterien im Mittelstrahloder Katheterurin weisen stark auf eine bakterielle Entzündung hin . Beweisend ist die positive mikrobiologische Untersuchung . Bei einer Urethritis ist die Urinkultur häufig negativ. Hier müssen urethrale Abstriche entnommen werden.
Erythrozyten allein oder in Kombination mit einer Leukozyturie können auf eine Urolithiasis oder einen Blasentumor hinweisen .
Bei Verdacht auf einen Blasentumor ist die Zystoskopie in Kombination mit einer zytologischen Untersuchung des Urins angezeigt. Größere Befunde werden heute bereits sonographisch gefunden .
Die sonographische Untersuchung der Nieren gibt Informationen über Tumoren, Steine und Abflussstörungen. Durch die Bestimmung des Restharns erhält man schnell und unkompliziert Hinweise auf die Qualität der Blasenentleerung. Eine Harnstrahlmessung (Uroflow) ist lediglich in urologischen Fachabteilungen möglich .
Besteht der Verdacht auf ein Steinleiden, kann man dies mittels konventionellem Abdomen-Leerbild und Urographie überprüfen. Die Computertomographie ist sensibler, aber keine Routinediagnostik .

Differenzialdiagnosen

Ursachen von Dysurie

Mögliche Erkrankungen Häufigkeit Weiterführende Untersuchungen
Harnwegsinfekt Urinkultur
BPH Restharn, Uroflow
Blasentumoren Zytologie, Endoskopie
Blasensteine Sonographie, Radiologie
Harnröhrenstrikturen Restharn, Uroflow
distale Uretersteine () Urographie, CT

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