© 2019 by Elsevier GmbH

Bitte nutzen Sie das untenstehende Formular um uns Kritik, Fragen oder Anregungen zukommen zu lassen.

Willkommen

Mehr Informationen

B978-3-437-42501-1.50031-4

10.1016/B978-3-437-42501-1.50031-4

978-3-437-42501-1

Schwangerschaft als häufigste endokrine Ursache für Erbrechen (Ultraschallbild).

Erbrechen (Emesis)

E. Endlicher

Definition

Erbrechen beschreibt das kraftvolle retrograde Entleeren von Magen- oder Darminhalt infolge unwillkürlicher Kontraktionen von Magen-, Zwerchfellmuskulatur und Bauchpresse.

Die Ursachen von Erbrechen sind vielfältig. Für eine zielgerichtete Therapie (chirurgisch oder medikamentös) ist die Abklärung der Ursache entscheidend.

Anamnese

Die Anamnese weist auf mögliche Ursachen hin und sollte folgende Aspekte berücksichtigen: Dauer, Häufigkeit und Art des Erbrechens, Begleitsymptome (z. B. Fieber, Nausea, Schmerzen, Diarrhö, Kopfschmerzen, Schwindel, Gewichtsverlust), Vorerkrankungen (z. B. gastrointestinale Tumoren, Cholezystolifhiasis, chronisch entzündliche Darmerkrankung, Diabetes mellitus, Niereninsuffizienz, Hypothyreose, Migräne, Epilepsie, Depressionen, Anorexie, Bulimie), Medikamenteneinnahme (z. B. NSAR, Erythromycin, Digoxin, Sulfasalazin, Azathioprin, Diuretika, Kalziumantagonisten), gastrointestinale und systemische Infektionen, Schwangerschaft.

Untersuchungen

Die körperliche Untersuchung ist wichtig, um Konsequenzen oder Komplikationen von Übelkeit und Erbrechen beurteilen und mögliche Ursachen weiter eingrenzen zu können. Folgende Aspekte sind u. a. besonders zu beachten: Zeichen von Gewichtsverlust und Dehydratation, Ikterus, Lymphknotenschwellungen, abdominale Untersuchung (Resistenzen? Darmgeräusche?, Druckschmerz?, Abwehrspannung?), ggf. neurologische Untersuchung.
Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts (GIT) lassen sich durch laborchemische Untersuchungen sowie eine Abdomensonographie sichern, so z. B. Gastroenteritis, Cholezystitis oder Appendizitis. Zur Beurteilung (Lokalisation) einer mechanischen Obstruktion ist eine Abdomenübersichtsaufnahme sinnvoll, bei V.a. mukosale Läsionen (z. B. Ulkus/Refluxöso-phagitis mit Komplikationen) eine Ösophagogastroduodeno-skopie (ÖGD), bei V.a. Gastroparese eine Magen-Darm-Passage (MDP).
Übelkeit und Erbrechen sind häufig zu beobachtende Nebenwirkungen von Medikamenten , sodass vor umfangreicher Diagnostik eine sorgfältige Medikamentenprüfung sinnvoll ist. Serumspiegelbestimmungen können eine Intoxikation anzeigen, z. B. bei Einnahme von Digoxin oder Theophyllin.
Eine Schwangerschaft ist die häufigste endokrine Ursache für Erbrechen (Abb. 1). Durch Bestimmung von Kreatinin und Harnstoff kann eine Niereninsuffizienz diagnostiziert werden, bei V. a. diabetische Ketoazidose sind erhöhte Blutzuckerwerte wegweisend, eine Hypothyreose kann durch ergänzende Bestimmung von TSH ausgeschlossen werden.
Bei V. a. eine neurologische Ursache (z. B. spontan auftretendes Erbrechen ohne vorausgehende Übelkeit bei erhöhtem Hirndruck) bietet sich eine cCT an. Der V. a. Meningitis erfordert eine Liquorpunktion (cave: vorher erhöhten Hirndruck ausschließen!). Eine symptomatische und ggf. präventive (CTX, RTX, Operation) Therapie ist je nach Situation notwendig.
Komplikationen (z. B. Dehydratation, Hypokaliämie, metabolische Alkalose) erfordern eine intravenöse Flüssigkeitszufuhr sowie die Substitution von Kalium und Chlorid.

Differenzialdiagnosen

Ursachen von Erbrechen

Mögliche Erkrankungen Häufigkeit Weiterführende Untersuchungen
Ösophaguskarzinom/Tumoren des GIT ÖGD u. Biopsie, ggf. Koloskopie
Ösophagusmotilitäts-störungen Röntgenkontrastuntersuchung/Manometrie/ÖGD
(Reflux-)Ösophagitis mit/ohne Komplikationen ÖGD (pH-Metrie)
schmerzreflektorisch (z. B. Gallenkolik, Nierenkolik) Abdomensonographie, Laborchemie
endokrin/metabolisch (z. B., Hyperemesisgravi-darum, Urämie, entgleister Diabetes mellitus, Hypothyreose) Schwangerschaftstest, Kreatinin, Harnstoff, TSH
neurologische Erkrankungen (z. B. Migräne, Epilepsie, vestibuläre Ursachen) neurologische Untersuchung, cCT, Nystagmusprüfung
iatrogen (medikamentös, postoperativ, chemo-/strahlentherapieinduziert) Serumspiegelbestimmungen, auslösendes Medikament ab-/erset-zen, präventive, symptomatische Therapie
Infektionen (z. B. Gastroenteritis) Laborchemie, Abdomensonographie

Holen Sie sich die neue Medizinwelten-App!

Schließen