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B978-3-437-42501-1.50034-X

10.1016/B978-3-437-42501-1.50034-X

978-3-437-42501-1

Sweet-Syndrom (akute febrile neutrophile Dermatose). Druckdolente Herde mit gruppiert stehenden Pseudovesikeln, nicht auf ein Dermatom beschränkt; häufig parainfektiös oder im Rahmen einer (myelo-ischen) Leukämie.

Erythema nodosum. Extrem druckdolente prätibiale Infiltrate, ausgelöst durch Yersinien, Streptokokken, Mykobakterien, aber auch Sarkoidose, Gravidität und Morbus Crohn/Colitis ulcerosa; bei großen Einzelherden Differenzialdiagnose Erysipel.

Erythema exsudativum multiforme. Streckseitenbetont mit schießscheibenförmigen Herden; häufig postherpetisch.

Seborrhoisches Ekzem. Scharf begrenzte juckende und schmerzhafte Erytheme in Hautfalten von Kopf und Stamm; Assoziation mit Psoriasis und atopischer Dermatitis.

Erythrodermie. Restherde einer Erythrodermie mit folgender großflächiger Desquamation; Folge von Medikamentenunverträglichkeiten, Infekten oder genuiner Dermatosen (Psoriasis, Lymphom, Ekzem).

Exantheme

J. Weiß

Definition

Exantheme sind disseminierte oder generalisierte Hautveränderungen, Enantheme ihr Gegenpart an den Schleimhäuten. Charakteristisch ist das Vorliegen von verschiedenen Ef-floreszenzentypen.

Anamnese

Exantheme sind in den meisten Fällen arzneimittel- oder infektbedingt, die entsprechende Anamneseerhebung ist deshalb diagnostisch entscheidend. Die Differenzialdiagnose parainfektiös versus allergisch ist dann schwierig, wenn ein Infekt medikamentös behandelt wurde.
Aus der Dynamik der Hautveränderungen lassen sich wichtige diagnostische Hinweise ableiten. Bei einer Primärsen-sibilisierung gegen Medikamente erscheint das allergische Exanthem am 7. –10. Therapietag. Dieses kann auch nach Absetzen eines Medikaments beginnen bzw. fortschreiten, falls die Substanz noch im Gewebe vorhanden ist. Verzögerte Arznei-mittelsensibilisierungen sind vor allem bei Allopurinol, ACE-Hemmern sowie Carbamazepin/Phenytoin bekannt.
Die Lokalisation eines Exanthems hat eine geringere diagnostische Aussagekraft. Allergische Exantheme bevorzugen eine zentrifugale Ausbreitung mit Beginn am oberen Stamm, während parainfektiöse Exantheme eher peripher beginnen und eine Streckseitenbetonung der Extremitäten zeigen.
Die diagnostische Zuordnung wird dadurch noch erschwert, dass sowohl medikamenten- wie infektassoziierte Exantheme eine hohe inter- und intraindividuelle Variabilität aufweisen.

Untersuchungen

Zur Einordnung von Exanthemen ist eine sorgfältige Ganzkörperinspektion unabdingbar . Serologische Untersuchungen sind nur bedingt hilfreich. Die Infektserologie ist in der Akutphase meist noch nicht positiv. Bei urtikariellen Exanthemen kann der Nachweis von spezifischem IgE zur Diagnose von Medikamentenallergien weiterhelfen, dies jedoch erst 1–2 Wochen nach Exanthembeginn. Aussagekräftiger sind in diesen Fällen jedoch Hauttests oder Expositionstests nach Abklingen des Exanthems. Hautbiopsien sind diagnostisch wegweisend bei Dermatosen (z. B. Psoriasis, Lichen ruber, allergische Vaskulitis).
Die starke Zunahme der Syphilis in den letzten Jahren macht eine serologische Untersuchung bei jedem nicht eindeutigen Exanthem sinnvoll.

Differenzialdiagnosen

  • 1. makulöse Exantheme (Abb. 1): ausgelöst durch Virus-, bakterielle Infekte und Arzneimittel; allergische Vaskulitis bevorzugt an abhängigen Partien mit hämorrhagischen Herden (Abb. 2)

  • 2. papulose oder knotige Exantheme : Prurigo, Krätze (Abb. 3) oder exanthematischer Lichen ruber (Abb. 4)

  • 3. schuppige Exantheme : Psoriasis (Abb. 5), Psoriasis guttata, Schuppenröschen (Pityriasis rosea), Tinea (besonders bei Kindern, z.B. Microsporie) oder Pityriasis versicolor (Kleiepilzflechte, Abb. 6)

  • 4. vesikulöse/bullöse Exantheme : Windpocken, Hand-Mund-Fuß-Exanthem (Coxsackie-Viren), selten arzneimittelbedingt

  • 5. urtikarielle Exantheme : starker Juckreiz, Kratzspuren aber selten; Urtikaria im Gegensatz zu urtikariellen Arznei-mitteh/Infektexanthemen mit schubförmigem Verlauf.

Klinische Charakteristika von häufig vorkommenden exanthematischen Dermatosen

Mögliche Erkrankungen Häufigkeit Weiterführende Diagnostik und Befunde
Pityriasis rosea (Schuppenröschen) schuppige Erytheme, Beginn mit Primär-plaque: münzgroßes anuläres schuppiges Erythem, dann nach etwa 2 Wochen Exanthem mit charakteristischer spaltlinienbe-tonter Ausbreitung am Stamm, keine Allgemeinsymptome
Psoriasis guttata linsengroße schuppige Erytheme, meist juckende linsengroße Herde, Psoriasisphäno-mene zu Beginn nicht auslösbar, Köbner-Phänomen (isomorpher Reizeffekt) nachweisbar
Lichen ruber kleine, stark juckende, polygonale Papeln an Unterarmbeugeseiten, unterem Rücken und Gesäß sowie Mundschleimhaut; Köbner-Phänomen häufig, Wickham-Streifen
Tinea corporis (Microsporie) disseminiert, oft Gesicht, schuppige Erytheme, die im Verlauf anuläre Formen zeigen; Pusteln und kleine Abszesse möglich; keine/kaum Symptome; Langzeitpilzkultur diagnostisch.
Vasculitis allergica Unterschenkel, bei Bettlägerigen Flanken; hämorrhagische (Glasspateldruck!) Flecken, Blutblasen und selten Nekrosen; Blutbildveränderungen und Allgemeinsymptome möglich, multifaktorielle Auslösung: Medikamente, Infekte, Kollagenosen, Tumoren

Erytheme

Exantheme

Masern. Morbilliforme Exantheme sind heute meist durch andere Viren ausgelöst oder Folge einer Medikamentenunverträglichkeit.

Vasculitis allergica. Hämorrhagische Infiltrate an den Beinen und am Gesäß; polyätiologische Genese sowohl parainfektiös (z. B. Streptokokken) als auch medikamentenallergisch.

Skabies. Milben bei Kindern in palmaren Pusteln nachweisbar; bei Erwachsenen meist an den Fingerseiten; paraskabiöses generalisiertes Exanthem meist milbenfrei.

Lichen ruber. Stark juckende polygonale Papeln mit typischer netzartiger Schuppung (Wickham-Streifen); meist idiopathisch, aber auch bei Virushepatitis und Medikamenten.

Psoriasis vulgaris. Scharf begrenzte Exantheme mit silbrig glänzenden Schuppen; wird durch Betabiocker verschlechtert.

Pityriasis versicolor. Meist pigmentierte oder depigmentierte kleieförmige schuppende Herde an der oberen Körperhälfte; bei erythe-matösen Herden wie hier an Differenzialdiagnose Lues denken!

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