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B978-3-437-42501-1.50035-1

10.1016/B978-3-437-42501-1.50035-1

978-3-437-42501-1

Exophthalmus

B. Wiechens

Definition

Unter einem Exophthalmus versteht man eine akute oder langsam zunehmende Vorverlagerung eines oder beider Augen mit möglichen Störungen des beidäugigen Sehens als Folge eines Traumas , bei Erkrankungen des orbitalen Gewebes oder im Rahmen von neurologischen und internistischen Erkrankungen . Ein Pseudoexophthalmus (d.h. Enophthalmus der Gegenseite) muss immer ausgeschlossen werden .

Anamnese

Es ist zu beachten, dass sich in der Orbita auch fortgeleitete Erkrankungen aus anderen Organen abspielen können. Diese sind bedingt durch die anatomische Nähe zu den Nasennebenhöhlen (NNH) und der Schädelbasis. Bei dem Verdacht auf eine Gefäßmalformation ist immer nach u. U. länger zurückliegenden Unfällen oder vorausgegangenen Operationen zu fragen und ob Schmerzen bestehen . Auch erkundigt man sich nach neu aufgetretenen Ohrgeräuschen (besonders pulssynchrone). Neben dem akuten oder langsamen Beginn der Erkrankung ist nach der Art und dem Zeitpunkt erster Symptome zu fragen. Allgemeinsymptome z. B. bei Tumorleiden oder bei endokriner Orbitopathie sollten ausgeschlossen werden.

Untersuchungen

Die genaue klinische Untersuchung gibt wichtige Hinweise, in welche Richtung die Diagnostik gehen sollte. Zunächst wird der Lidbereich inspiziert. Bestehen Verfärbungen der Lidhaut oder entzündliche Veränderungen? Liegt eine Verlagerung des betroffenen Bulbus vor? Bei einer akuten Orbitaphlegmone kann es zu einem vollkommenen, schmerzhaften Motilitätsverlust mit massiver konjunktivaler Injektion kommen . Ebenso kann die Motilität des Auges je nach Lage der Raumforderung oder bei neurogenen Komplikationen eingeschränkt sein.
Lidveränderungen sind wegweisend für eine endokrine Orbitopathie. Klassischerweise gehören hierzu folgende klinische Zeichen: Oberlidretraktion (Dalrymple), Konvergenzschwäche (Moebius), langsamer, seltener Lidschlag (Stellwag), Zurückbleiben des Oberlids im Abwärtsblick im Verhältnis zur Bulbusbewegung (lid lag, von Graefe).
Besteht keins dieser Zeichen , ist eine anderweitige Ursache mittels bildgebender Verfahren auszuschließen.
Bei der Inspektion des äußeren Auges sollte auf gestaute Bindehaut- und Skleragefäße geachtet werden. Neben akuten Entzündungen können auch Carotis-Sinus-cavernosus-Fisteln oder arteriovenöse Malformationen zu einer Gefäßstauung führen. Lassen sich hierbei zusätzlich noch Strömungsgeräusche über der Orbita oder im Bereich der Schläfe auskultieren, kann eine weitere gezielte Diagnostik bereits die Diagnose sichern.
Weitere Untersuchungsschritte sind: Pupillenreaktionstest, Palpation der Lider und Orbitakante, Bulbusmotilität, Redres-sierbarkeit und Retropulsion des Bulbus oculi.
Beim Valsalva-Versuch bittet man den Patienten bei Verschluss von Nase und Mund stark zu pressen. Liegen venöse Anomalien (z. B. Orbitavarix etc.) vor, kann es zu einer zunehmenden Protrusio eines anderweitig unauffälligen Bulbus kommen. Nach Beenden des Pressversuchs kehrt der Bulbus auf der betroffenen Seite i. d. R. wieder in seine Ausgangslage zurück.
Bei der Untersuchung ist auch ein kontralateraler Enophthalmus (z. B. bei szirrhösen Mamakarzinommetastasen, Hor-ner-Syndrom etc.), der einen Pseudoexophthalmus des normalen Auges vortäuschen kann, auszuschließen .
Weitere spezielle Untersuchungen wie z. B. Hertel-Exoph-thalmometrie etc. bleiben dem Augenarzt vorbehalten.

Differenzialdiagnosen

Ursachen von Exophthalmus

Mögliche Erkrankungen Häufigkeit Weiterführende Untersuchungen
Orbitatumoren Bildgebung
endokrine Orbitopathie endokrinologische Untersuchungen
orbitale Entzündungen (z. B. Orbitaphlegmone, Pseudotumor orbitae) Konsil: HNO, Kieferchirurgie, u.U. auch Neurochirurgie, Bildgebung
Trauma mit Orbita-hämatom Bildgebung
Metastasen (z. B. Mamma-karzinom, Lymphome) Bildgebung
Gefäßerkrankungen (Orbitavarix, Hämangiom, AV-Malformation, Carotis-Sinus-cavernosus-Fistel) Ultraschall der Orbita, Doppler-Sonographie der hirnversorgenden Gefäße, Bildgebung, ggf. Angiographie
Erkrankungen der Schädelbasis und der NNH Konsil: HNO, Kiefer-, Neurochirurgie, Bildgebung
angeborene Malformationen Konsil: Pädiatrie, Humangenetik

Patientin mit Exophthalmus bei Morbus Basedow. [Mir]

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