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B978-3-437-42501-1.50038-7

10.1016/B978-3-437-42501-1.50038-7

978-3-437-42501-1

Fazialisparese

S. Petri

R. Dengler

Definition

Führendes Symptom einer Fazialisparese ist die Lähmung der mimischen Muskulatur, die vom Nervus facialis (7. Hirnnerv) innerviert wird.

Anamnese

Leitsymptom ist die Schwäche der mimischen Muskulatur. Anamnestisch wichtig sind Fragen nach der Dynamik der Symptomentwicklung (idiopathische Fazialisparese, IFP : Stunden bis Tage; vaskulär: akuter Beginn; Tumoren: sehr langsam ), retroaurikulären Schmerzen (häufig bei IFP), Zeckenbiss, Diabetes mellitus und Schwangerschaft.

Untersuchungen

Motorisch zu unterscheiden sind eine periphere (alle Fazialis-äste betroffen) und eine zentrale Lähmung (bevorzugt Mundpartie betroffen). So führen hemisphärale Läsionen zu einer Lähmung der perioralen Muskulatur mit erhaltenem Stirnrunzeln und Lidschluss. Bei einer nukleären Läsion (pontomedullär) sind neben der ipsilateralen Fazialisparese vom peripheren Typ häufig auch andere Hirnnerven (HN) beteiligt. Geschmackssinn, Tränensekretion und Speichelfluss sind aber meist intakt. Bei Schädigung im Kleinhirnbrückenwinkel (z. B. Akustikusneurinom) können Geschmackssinn, Tränensekretion und Speichelfluss betroffen sein und zusätzlich zerebelläre Zeichen wie Ataxie oder Nystagmus auftreten. Schädigungen im Felsenbeinabschnitt sind durch Parese, Hyperakusis, Geschmacksstörung und verminderte Tränensekretion geprägt. Eine Läsion am Foramen stylomastoideum (Schädel-Hirn-Trauma, Parotistumoren) führt zu einer reinen Lähmung der mimischen Muskulatur. Die sorgfältige Erhebung des Hirnnervenstatus dient dem Ausschluss einer Polyneuritis cranialis (z. B. Miller-Fisher-Syndrom); auch basale Meningitiden und Enzephalitiden gehen in der Regel mit weiteren Hirnnerven-ausfällen einher .
Die Basislabordiagnostik umfasst Entzündungsparameter und Diabetesabklärung. Die Borrelien-Serologie ist Standard bei unklaren Fazialisparesen, serologische Untersuchungen auf Varizella-Zoster, Herpes simplex u. a. sind fallweise sinnvoll. Liquordiagnostik ist empfehlenswert und dient dem Ausschluss einer aseptischen Meningitis, Neuroborreliose, chronisch-entzündlichen ZNS-Erkrankung bzw. einer Polyneuroradikulitis.

Bildgebung

Bei akuter zentraler Parese muss eine rasche zerebrale Bildgebung mit MRT oder mindestens CT erfolgen, um eine Raumforderung, Blutung oder Ischämie darzustellen. Bei peripherem Schädigungsmuster raten wir zur CT zum Ausschluss von ossären Veränderungen und otogenen Prozessen besonders Felsenbein und Mastoid betreffend .

Elektrophysiologie

Die Messung der Leitungszeit des N. facialis mittels EMG ist hilfreich z. B. bei Guillain-Barr-Syndrom. Zur Beurteilung der Prognose sind die Untersuchung des Blinkreflexes sowie der elektromyographische Nachweis von Willküraktivität in klinisch noch gelähmten Muskeln nach 2–3 Wochen geeignet. Die transkranielle Magnetstimulation ist wertvoll in der Einschätzung von Läsionen im Canalis nervi facialis .

Fazialisparese der linken Gesichtshälfte. [Mir]

Differenzialdiagnosen

Ursachen einer peripheren Fazialisparese

Mögliche Erkrankungen Häufigkeit Weiterführende Diagnostik
idiopathisch: IPFP (Bell'sche Parese) (> 80 der einseitigen Gesichtslähmungen) weiterer neurologischer Status, Bildgebung und Liquor unauffällig
endokrin-metabolisch: diabetische Fazialisparese Blutzuckertagesprofil, HbA1c
infektiös: Erregerserologie, Liquoruntersuchung
• Zoster oticus
• Neuroborreliose
• basale Meningitiden, Lues cerebri, HIV-Infektion
autoimmun: multiple Sklerose Liquoruntersuchung, MRT, Elektrophysiologie

Fortsetzung

Mögliche Erkrankungen Häufigkeit Weiterführende Diagnostik
parainfektiös: Polyradikulitis Guillain-Barr, Polyneuritis cranialis Liquoruntersuchung, Elektrophysiologie
granulomatöse Entzündung Liquoruntersuchung, Bildgebung (MRT), evtl. Biopsie
• Melkersson-Rosenthal-Syndrom ( Lingua plicata, Cheilitis granulomatosa)
• Heerfordt-Syndrom bei Sarkoidose
Tumoren der Schädelbasis: Akustikusneurinom, Schädelbasistumoren, Parotistumoren cCT/MRT, Biopsie
Traumata: Felsenbein-, Unterkieferfrakturen cCT mit Felsenbeindarstellung
otogen: Mastoiditis, Otitis media, Cholesteatom Bildgebung, HNO-Untersuchung
andere, z. B. Meningeosis carcinomatosa MRT, Liquordiagnostik

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