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B978-3-437-42501-1.50161-7

10.1016/B978-3-437-42501-1.50161-7

978-3-437-42501-1

Schmerzhafte Druckpunkte bei Fibromyalgie-Syndrom (tender points).

Fibromyalgie-Syndrom

I.H. Tarner

Zur Orientierung

Das Fibromyalgie-Syndrom (FMS) ist eine chronische, nichtentzündliche Schmerzerkrankung unklarer Ursache. Es bestehen generalisierter Schmerz der Weich teile und des Skelettsystems sowie eine gesteigerte Schmerzempfindlichkeit auf Druckreize (Allodynie) an definierten tender points des Bewegungsapparates ohne objektivierbare somatische Pathologie (Abb. 1). Häufig treten begleitende vegetative Symptome (z. B. Erschöpfung, Schlafstörungen, Kopfschmerz, Herzrasen, Dyspnoe, Globusgefühl, Bauchschmerz, Tinnitus) und psychische Störungen (Depression, Angst) auf. Es gibt experimentelle Hinweise auf endokrinologische und neuro-funktionelle Störungen.

Die Diagnose des FMS bedarf als Ausschlussdiagnose einer sorgfältigen differenzialdiagnostischen Aufarbeitung.

Formen und Verlauf

Es werden zwei Formen unterschieden:
  • primäres FMS ohne objektivierbare Grunderkrankung

  • sekundäres FMS bei schmerzhaften Grunderkrankungen, z. B. rheumatische Erkrankungen (häufig!), Arthrose, endokrine Erkrankungen, Neuropathien, Malignome.

Der Verlauf ist chronisch mit relativ schlechter Prognose. Obwohl ca. 65 der Betroffenen im Verlauf von 10 Jahren eine Besserung gegenüber ihrem Ausgangsstatus angeben, z. T. bereits innerhalb von 2 Jahren, wird keine Heilung erzielt, und die Mehrzahl der Patienten berichtet von persistierenden Schmerzen.

Therapie

Die wichtigste therapeutische und auch diagnostische Maßnahme besteht darin, den Patienten und die Beschwerden ernst zu nehmen. Das FMS löst keine Organschäden aus, der Leidensdruck und die Beeinträchtigung der Lebensqualität dürfen jedoch nicht unterschätzt werden.
Die Ansprechraten auf die verfügbaren symptomatischen Therapiemöglichkeiten des FMS sind begrenzt. Der Evidenzgrad für die Therapien wird durch eine geringe Zahl von Studien mit relativ niedrigen Fallzahlen geschmälert.
Wichtigste Therapieziele sind die Aufklärung der Patienten über die Natur der Erkrankung und multimodale Schmerzlinderung zum Erhalt eines Mindestmaßes an Lebensqualität.
Ein multimodales Therapiekonzept umfasst:
  • medikamentöse Schmerztherapie

  • medikamentöse Modulation der Schmerzempfindung

  • physikalische Therapie

  • psychosomatische/psychiatrische Therapie.

Ein solches Therapiekonzept erfordert enge interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Rheumatologen, Schmerztherapeuten und Psychiatern.
Der Erfolg der medikamentösen Schmerztherapie ist begrenzt. Paracetamol und Tramadol (Cave: Abhängigkeitspotenzial) sind häufig effektiver als nichtsteroidale Antiphlogistika (NSAR). Ferner gibt es Hinweise für eine bessere Wirkung der Kombination von Paracetamol und Tramadol. NSAR sind zur Behandlung entzündlich-schmerzhafter Grunderkrankungen bei sekundärem FMS geeignet. Die Effektivität der Schmerztherapie steigt durch Kombination mit einer schmerzmodulierenden Therapie mit trizyklischen Antidepressiva in ausreichender Dosierung, selektive Serotonin-Wiederauf-nahmehemmern (SSRI), dualen selektiven Serotonin-Noradre-nalin-Wiederaufnahmehemmern (SSNRI) oder Antikonvulsiva. Als supportive Therapie werden auch Muskelrelaxanzien wie Tolperison eingesetzt. Die Wirkung beruht wahrscheinlich auf der Linderung unwillkürlicher Muskelverspannungen, die aus reflektorischen Schonhaltungen erwachsen.
Eine physikalische Therapie mit Wärmeanwendungen und behutsamer Massage zielt ebenfalls auf Muskelentspannung. Darüber hinaus scheint die Aufrechterhaltung regelmäßiger physischer Betätigung bedeutsam zu sein. Geeignet ist ein moderates aerobes Training (Gehen, Radfahren, Schwimmen).
In den Bereich der psychosomatischen/psychiatrischen Therapie fallen kognitive Verhaltenstherapie einschließlich autogenem Training und progressiver Muskelrelaxazion nach Jacobson, EMG-Biofeedback-Übungen, Erlernen von Coping-Strategien zum Umgang mit chronischem Schmerz sowie die Diagnose und Therapie ggf. vorliegender psychiatrischer Begleiterkrankungen .
Bei sekundärem FMS ist eine adäquate Therapie der Grunderkrankung unerlässlich .

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