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B978-3-437-42501-1.50162-9

10.1016/B978-3-437-42501-1.50162-9

978-3-437-42501-1

Kleine Cholesterolpolypen.

Fortgeschrittenes, die Leber infiltrierendes Gallenblasenkarzinom.

Gallenblasentumoren

F. Schorr

J. Pausch

Zur Orientierung

Gallenblasentumoren im weiteren Sinne umfassen umschriebene, z. T. auch polypoid imponierende, sowie generalisierte Veränderungen der Gallenblasenwand. Hierbei kann man zwischen benignen und malignen Formen unterscheiden.

Es gibt keine Leitsymptome, daher sind Gallenblasentumoren meist Zufallsbefunde bei sonographischen und radiologischen Untersuchungen. Gelegentlich wird eine bili-äre Schmerzsymptomatik angegeben. Typisch für ein fortgeschrittenes invasives Wachstum sind Cholestasezeichen.

Zur Standarddiagnostik gehört die transkutane Sonographie. Für Staginguntersuchungen kommen Endosonographie und CT bzw. MRT zum Einsatz.

Einteilung

Gallenblasentumoren werden bei ca. 1,5–4,5 der Ultraschalluntersuchungen gefunden. Hierbei kann zwischen folgenden Formen unterschieden werden:

Gallenblasentumoren

benignenicht-neoplastisch
  • Cholesterolpolypen, Cholesterolose (63)

  • Adenomyomatose (7)

  • inflammatorische Polypen (7)

  • Sonstige

neoplastisch (6): Adenome (am häufigsten)
maligne (8)Adenokarzinome (am häufigsten)
Ursache der Cholesterolpolypen sind Lipidakkumulationen in der Mukosa der Gallenblasenwand (Abb. 1)
Die Adenomyomatose ist eine seltene Wandveränderung durch Verdickung der Muskelschicht, Epithelproliferation sowie Ausbildung intramuraler Divertikel. Segmental ringförmige, lokalisierte (insbes. Fundus) sowie generalisierte Ausprägungen sind möglich. Insbesondere bei den umschriebenen Formen ist eine Neoplasie differenzialdiagnostisch auszuschließen.
Bei den neoplastischen Polypen handelt es sich i. d. R. um Adenome sowie Adenokarzinome (Abb. 2).
Obwohl zahlreiche Klassifikationskriterien vorgeschlagen wurden, ist eine Differenzierung in nicht-neoplastische und neoplastische Formen durch bildgebende Verfahren nicht eindeutig möglich. Als prädiktiver Marker ist die Polypgröße am zuverlässigsten (s.u.).

Diagnostik und Therapie

Durch transkutane Sonographie und endoskopischen Ultraschall (EUS) kann zunächst zwischen polypoiden und inva-sivem Wachstum differenziert werden .
In Abhängigkeit von der Größe der polypoiden Läsion ergeben sich folgende Therapieoptionen:
  • Läsionen > 20 mm: Meist maligne, zum weiteren Staging sollten CT und Endosonographie durchgeführt werden. Hier ist eine offene und ggf. erweiterte Cholezystektomie mit partieller Leberresektion und Lymphknotenresektion erforderlich .

  • Läsionen 10–20 mm: Potenziell maligne; die Karzinominzidenz liegt zwischen 25–77; hier ist ebenfalls eine Resektion ggf. mit Dissektion des Gallenblasenbettes notwendig , welche laparoskopisch bzw. offen erfolgen kann.

  • Läsionen 5–10 mm: Einziges sicheres Kriterium einer Be-nignität ist die Stabilität der Polypgröße, daher wird eine Kontroll-Sonographie nach 3 und 6 Monaten empfohlen , dann ggf. jährlich. Bei Größenzunahme sollte eine Cholezystektomie durchgeführt werden.

  • Läsionen < 5 mm: I.d.R. benigne, eine Kontroll-Sonographie kann nach 3 und 6 Monaten erfolgen .

Eine Cholezystektomie wird unabhängig von der Polypgröße aufgrund einer erhöhten Karzinominzidenz bei gleichzeitiger Cholezystolithiasis sowie primär sklerosierender Cholangitis empfohlen. Bei anamnestisch rezidivierenden Pankreatitisepi-soden und sonst unklarer Ätiologie kann eine Cholezystektomie in Erwägung gezogen werden.
Therapie fortgeschrittener Tumoren (invasives Wachstum) : Wenn aufgrund des Tumorwachstums keine operative Therapie in Frage kommt, sind in der Regel palliative Maßnahmen notwendig. Diese umfassen eine Drainage der gestauten Gallenwege entweder endoskopisch-transpapillär durch Stenteinlage oder durch eine perkutan transhepatische Drainageanlage. Eine ausreichende Schmerztherapie sowie Ernährungstherapie sollte supportiv erfolgen. Der Tumorpro-gress ist häufig langsam und therapeutisch kaum effektiv zu beeinflussen. Eine Chemotherapie kann durchgeführt werden, es existiert jedoch kein Standardschema. Die Wirksamkeit von 5-Fluorouracil (infusional, per os) und Gemcitabin wurde nachgewiesen. Eine eindeutige Verbesserung der Überlebenszeit ist hierdurch jedoch nicht zu erzielen.

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