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B978-3-437-42501-1.50046-6

10.1016/B978-3-437-42501-1.50046-6

978-3-437-42501-1

Gewichtszunahme

R. Büttner

Definition

Als abnorme Gewichtzunahme bezeichnet man einen Anstieg des Body-Mass-Index (BMI = Gewicht in kg/Quadrat der Körperhöhe in m), der über das physiologische (altersbedingte) Maß hinausgeht. Definierte Grenzwerte für die Diagnose einer abnormen Gewichtszunahme existieren für Erwachsene nicht. Eine stetige Zunahme von mehr als 1 BMI-Einheit/Jahr über mehrere Jahre (entsprechend bei 170 cm Körperhöhe ca. 2 kg/Jahr) oder eine plötzliche Gewichtszunahme von mehr als 3 bis 4 BMI-Einheiten/Jahr (entsprechendbei 170 cm Körperhöhe ca. 7–10 kg) erscheint aber abklärungswürdig. In der überwiegenden Mehrzahl der Fälle liegt eine primäre (ernährungs- und polygenetisch bedingte) Adipositas vor. Sekundäre Adipositasformen bei endokrinen Erkrankungen, Einnahme bestimmter Medikamente, psychosomatisch bedingten Essstörungen und einzelnen monogenetischen Syndromen sind seltener.

Eine Gewichtszunahme durch vermehrte Flüssigkeitseinlagerung wird an anderer Stelle ( Kap. Ödeme) behandelt.

Anamnese

Zur Unterscheidung zwischen Ernährungsstörungen und metabolischen/endokrinen Krankheiten, die mit einem geminderten Energiebedarf oder einer vermehrten Lipogenese einhergehen, dienen im ersten Schritt das Muster der Gewichtszunahme (stetig, plötzlich, beginnend nach Therapieumstellungen, Operationen), das ausführliche Ernährungsprotokoll und die Quantifizierung der körperlichen Aktivität. Neben der allgemeinen Anamnese und Erhebung der eigenen Vorgeschichte sollten Familienanamnese und pädiatrische Anamnese erfragt werden .

Untersuchungen

Die Adipositas kann proportioniert sein und sowohl den Körperstamm als auch die Extremitäten betreffen. Sie zeigt dabei entweder eine Betonung der Hüft- und Oberschenkelregion oder der Körpermitte (gynoide bzw. androide Fettverteilung) . Eine hyperkalorische Ernährung mit erhöhtem Fett-/Alko-holanteil spricht dabei in aller Regel für eine alimentäre Adipositas . Endokrine Adipositasformen sind oft durch eine stetige, teils disproportionierte Gewichtszunahme mit weiteren Symptomen oder auslösende Ereignisse (Schilddrüsenoperation, Einleitung einer Glukokortikosteroidtherapie) gekennzeichnet. Hier muss eine entsprechende laborchemische Abklärung erfolgen . Bestimmte Medikamente (z. B. Antidepressiva, Betabiocker, Antidiabetika) können ebenfalls zu einer Gewichtszunahme führen . Definierte Ernährungsstörungen aus dem psychosomatischen Formenkreis zeigen typische zeitliche oder qualitative Muster der Kalorienaufnahme zusammen mit depressiven oder zwanghaften Symptomen . Monogenetische Adipositassyndrome manifestieren sich bereits in der Kindheit oder Jugend und zeigen bestimmte charakteristische Symptomkonstellationen.

Differenzialdiagnosen

Ursachen einer Gewichtszunahme

Mögliche Erkrankungen Häufigkeit Weiterführende Untersuchungen
alimentäre (primäre) Adipositas Ernährungs- und Bewegungsprotokoll, Medikamentenanamnese, körperliche Untersuchung: proportionierte Adipositas?
endokrine Adipositasformen (Hypothyreose, Syndrom der polyzystischen Ovarien [PCO], Hyperkortisolismus, Hypogonadismus, selten Wachstumshormonmangel, Insulinom) körperliche Untersuchung: typische Stigmata?, Labor: TSH basal, Geschlechtshormone, Dexamethasonhemmtest, IGF-1, Insulin-Glukose-Quotient
medikamentös induzierte Gewichtszunahme (z. B. trizyklische Antidepressiva, Mirtazapin, Neuroleptika, Lithium; Betabiocker; Insulintherapie, Thiazolidindione, Sulfonylharnstoffe) Medikamentenanamnese
psychosomatische Essstörungen, z. B. Binge-Eating Ernährungsanamnese, psychiatrisches Konsil, ggf. bei Unklarheit ZNS-Bildgebung z. A. Hirndruck, Raumforderung
monogenetische Adipositasformen (z. B. Fröhlich-Syndrom, Lawrence-Moon-Biedl-Syndrom, Prader-Willi-Syndrom pädiatrische Anamnese, neuro-psychiatrische Testung, ZNS-Bildgebung, Augenkonsil; Labor: Hypogonadismus?; humangenetisches Konsil
Abbildungen Alimentäre Adipositas, Hyperkortisolismus, Prader-Willi-Syndrom

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