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B978-3-437-42501-1.50168-X

10.1016/B978-3-437-42501-1.50168-X

978-3-437-42501-1

Hämorrhoidalleiden.

a) Hämorrhoiden I. Grades: Knoten ragen ins Proktoskoplumen hinein, prolabieren aber nicht

b) Hämorrhoiden II. Grades: Knoten prolabiert ins Proktoskoplumen.

c) Hämorrhoiden III. Grades: Knoten ist nach außen vor den Sphinkter prolabiert

Hämorrhoidalleiden

P. Otto

Zur Orientierung

Das Hämorrhoidalleiden wird ausgelöst durch eine Dysfunktion des analen Verschlussapparates sowie eine Hyperplasie des Hämorrhoidalkomplexes mit begleitender Entzündung. Die Ursache dieser Funktionsstörung ist bisher nicht exakt geklärt. Diskutiert wird die Belastung der Mukosa der ano-rektalen Hochdruckzone. Der Obstipation wird dabei eine besondere Bedeutung beigemessen. Etwa 80 aller Menschen über 30 Jahre sind während ihres Lebens einmal davon betroffen.

Die Leitsymptome des Hämorrhoidalleidens sind Juckreiz, Brennen, Feuchtigkeit und Nässen im Analbereich sowie peranale Blutabgänge (hellrot).

Die Diagnose ist nur durch rektal-digitale Austastung in Kombination mit der proktologischen Untersuchung des Analkanals zu stellen . Differenzialdiagnostisch müssen insbesondere tiefsitzende Rektum- oder Analkarzinome ausgeschlossen werden.

Stadieneinteilung

Es werden 3 Schweregrade der Hämorrhoidalveränderungen unterschieden ( Tabelle, Abb. 1), die für das therapeutische Vorgehen ausschlaggebend sind.

Einteilung der Hämorrhoiden

Grad Beschreibung
I Knoten wölben sich ins Proktoskoplumen vor, prolabieren meist nicht und sind nicht palpabel
II Knoten prolabieren unter Defäkation in den Analkanal hinein, werden häufig auch nach distal vor den Sphinkter verlagert, aber spontane Retraktion
III Knoten prolabieren unter Defäkation, keine spontane Retraktion, digitale Reposition in den Analkanal erforderlich (sekundärer Analprolaps); vereinzelt werden die prolabierten Knoten durch den Sphinkter eingeklemmt, was zu massiven, sehr schmerzhaften Thrombosierungen mit ausgeprägten Analrandödemen führen kann

Therapie

Basis der Therapie ist die Regulation der Darmtätigkeit bzw. der Defäkation durch ballaststoffhaltige Nahrungsmittel (Quellmittel: ausreichend Flüssigkeit, Vergrößerung der Stuhlvolumina) .
Das weitere Vorgehen erfolgt je nach Grad des Hämorrhoi-dalleidens:
Hämorrhoiden I. und II. Grades werden durch Sklerosierung (Verödung) behandelt . Dabei wird durch die Injektion einer kristallinen Lösung eine Entzündungs- und schließlich Vernarbungsreaktion provoziert, die die lokale Blutzufuhr drosselt und den Knoten auf der Unterfläche fixiert. Die Therapieergebnisse sind ausgezeichnet bis gut und Komplikationen wie Blutungen, Abszesse und Anodermvernarbung (konsekutive anale Inkontinenz) treten selten auf .
Hämorrhoiden II. und III. Grades mit extremer Vergrößerung der Hämorrhoidalkonvolute oder Knotenprolaps vor den Anus werden mittels Ligatur behandelt . Unter proktosko-pischer Sicht wird an der Basis des Knotens oberhalb der Linea dentata ein Gummiring gelegt und der Knoten abgeschnürt. Nach 3–10 Tagen fällt der nekrotisch gewordene Gewebeanteil ab. Komplikationen sind ein geringer Druckschmerz für 12 – 24 h sowie peranale Schmierblutungen (< 6), die in 10 der Fälle massiv verlaufen (Therapie durch Umstechen) . Bei 90 der Fälle kann die Kontinenz wieder hergestellt werden, nach 5 Jahren sind die meisten Patienten beschwerdefrei. Extreme Hämorrhoiden III. Grades werden operativ versorgt.

Komplikationen

Vergrößerte proplabierende, thrombosierte Hämorrhoiden-knoten können aufgrund eines erhöhten Sphinktertonus inkar-zerieren (extrem schmerzhafter Zustand). Die Therapie beinhaltet eine schnellstmögliche Knotenreposition in Allgemeinnarkose sowie Antiphlogistika und Analgetika. Nach Abklingen der Entzündung muss eine definitive Therapieentscheidung gefällt werden (konservativ oder operativ).

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