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B978-3-437-42501-1.50048-X

10.1016/B978-3-437-42501-1.50048-X

978-3-437-42501-1

Diffusionsgewichtete (DWI) MRT-Aufnahme. Frischer linksseitiger Mediaterritorialinfarkt

Halbseitenlähmung

A. Schwartz

Definition

Unter Halbseitenlahmung (Hemiparese) versteht man eine unvollständige bis vollständige Lähmung der Muskeln und eine Störung der Sensibilität einer Körperhälfte, die durch eine Läsion in der gegenüberliegenden Gehirnhälfte ausgelöst wird. Die hier abgehandelte akute Hemiparese ist eine Lähmung, die aus vollem Wohlbefinden heraus innerhalb von Minuten bis Stunden auftritt.

Chronische Halbseitenlähmungen werden in überwiegender Zahl bei entzündlicher Genese durch eine multiple Sklerose hervorgerufen. Bei den degenerativen Hirnerkrankungen kommt es ebenfalls zu chronischen Halbseitenlähmungen, sie gehen meist mit weiteren Symptomen einher (Muskeltonuserhöhungen, extrapyramidalmotorischen Funktionsstörungen). Chronische Halbseitenlähmungen gibt es auch bei angeborenen Störungen, bei genetisch determinierten Erkrankungen, bei intrauterinen Entwicklungsstörungen wie Schiz- oder Lissenzephalien.

Anamnese

Wichtig ist es zu erfahren, wann und wie schnell die akute Hemiparese aufgetreten ist, ob sie z. B. aus dem Schlaf heraus oder postprandial entstanden ist. Zu erfassen sind weiterhin vaskuläre Risikofaktoren oder Ereignisse wie Herzinfarkt, Claudicatio intermittens, frühere zerebrale Läsionen, zusätzlich bestehende Symptome wie z.B. Kopfschmerzen .
Eine akute Hemiparese kommt häufig aus dem Schlaf heraus vor. Ohne Kopfschmerzen liegt meist eine zerebrale Ischämie im Großhirnbereich vor. Eine solche kann vermutet werden bei älteren Patienten beim Vorliegen von vaskulären Risikofaktoren oder wenn bereits andere vaskuläre Ereignisse in der Vorgeschichte vorkamen. Weitere Hinweise auf eine vaskuläre Ursache können ein Stenosegeräusch über der Karotis, das Vorliegen einer Herzrhythmusstörung oder der Nachweis einer Mitralstenose sein .

Untersuchungen

Bei der neurologischen Untersuchung findet man eine schlaffe Parese mit aufgehobenen oder abgeschwächten Muskeleigen- und pathologischen Reflexen (Babinski) vor. Während die meisten ischämisch bedingten Hemiparesen von sensiblen Ausfällen oder von neuropsychologischen Störungen begleitet sind, gibt es auch rein motorische Hemiparesen .
Im Labor sind als Notfallmaßnahmen die Bestimmung des CRPs und des Blutbilds zum Ausschluss einer entzündlichen Genese, Blutzucker und Elektrolytbestimmung sowie eine Gerinnungsanalyse zum Ausschluss einer Blutungs- oder Thromboseneigung obligat. Weitere wichtige Untersuchungen sind bildgebende Verfahren wie cCT oder MRT (Abb. 1) . In einigen Fällen werden weitere kurzfristige Maßnahmen wie Liquorpunktion, EEG, Doppler-Sonographie etc. notwendig .
So ergeben sich Hinweise auf Ischämien , Blutungen oder Raumforderungen im Gehirn. Aber auch entzündliche Veränderungen kommen infrage . Internistische Ursachen sind vergleichsweise selten.

Differenzialdiagnosen

Häufigkeit und wegweisende Diagnostik bei den infrage kommenden Diagnosen bei Halbseitenlahmung

Mögliche Erkrankung Häufigkeit Wegweisende Befunde
Ischämie kein CT-Befund in den ersten 3 h; Arteriosklerose bzw. Verschluss der Aa. bzw. der A. carotis, Duplex-Sonographie, Echokardiographie
Sinusvenenthrombose () Anamnese, D-Dimere, Angio-CT, Angio-MRT
Thrombose der A. basilaris () Anamnese, Angio-CT, Angio-MRT
intrazerebrale Blutung CT bzw. (Hirnstamm-) MRT, Anamnese, Gerinnungsstörung
Subarachnoidalblutung positiver CT-Befund, Anamnese, Gerinnungsstörung
postiktale Hemiparese Anamnese, EEG
Hypoglykämie Blutzuckerbestimmung, Medikamentenanamnese
Hirnabszess () Anamnese, CT, MRT
Hirntumor, -metastase Anamnese, CT, MRT
Aneurysma Angio-CT, Angiographie

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