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B978-3-437-42501-1.50049-1

10.1016/B978-3-437-42501-1.50049-1

978-3-437-42501-1

Angina lacunaris (A) und Rachendiphtherie (B).

Halsschmerzen

Ch. Wrede

Definition

Schmerzen, Kratzen, Brennen und Trockenheitsgefühl im Hals- und oberen Kehlkopfbereich, insbesondere beim Schlucken, werden als Halsschmerzen bezeichnet.

Anamnese

Durch die Anamnese können Halsschmerzen weiter abgeklärt werden: Eine akute Pharyngitis und Tonsillitis geht oft mit Fieber einher, weiterhin ist die Frage nach Erkrankungen im Umfeld des Patienten hilfreich. Eine raue Stimme bis zur Aphonie zeigt eine Laryngitis oder Epiglottitis an. Begleiterkrankungen und deren medikamentöse Therapie können auf einen reduzierten Immunstatus oder eine Agranulozytose hinweisen.
Eine Dauer der Beschwerden über 3 Monate ist pathognomonisch für eine chronische Pharyngitis, Tonsillitis oder einen Tumor. Die chronische Pharyngitis ist meist mit geringen Schluckbeschwerden, aber einem Trockenheits- und Globusgefühl mit häufigem Räuspern und unproduktivem Husten vergesellschaftet. Anamnestisch weiterführend sind Fragen nach Nikotin- und Alkoholabusus (chronische Pharyngitis, Tumor), Staubbelastung oder Exposition gegenüber chemischen Reizen (chronische Pharyngitis), Trockenheit der Schleimhäute und reduzierte Tränenproduktion (Sjögren-Syndrom) oder gleichzeitiges Brennen der Zunge (Plummer-Vin-son-Syndrom bei Eisenmangel).
Eine einseitige Lokalisation der Beschwerden weist auf eine neoplastische Genese hin, hierbei finden sich häufig auch stechende, ins Ohr ziehende Schmerzen und eine kloßige Sprache.

Körperliche Untersuchung

Bei der akuten Pharyngitis findet sich eine Rötung und Schwellung des Pharynx . Wenn eine Rötung und Schwellung der Gaumenmandeln nachgewiesen wird, handelt es sich um eine Tonsillitis (Angina catharralis, Abb. 1A). Fibrinbeläge der Krypten werden als Angina lacunaris bezeichnet. Klinisch finden sich häufig vergrößerte und druckschmerzhafte Halslymphknoten.
Konfluierende und auf die Gaumenbögen übergreifende Beläge weisen auf eine Tonsillitis durch Streptokokken hin Eine begleitende Laryngitis, weißliche, leicht blutende Beläge und ein süßlicher Geruch können durch eine Diphtherie (Krupp) verursacht sein (Abb. 1B). Flache Ulzera mit granulierenden Rändern sind pathognomonisch für eine Tuberkulose. Weißliche Beläge auf Tonsillen und Mundschleimhaut sprechen für einen Soorbefall; wenn diese etwa 8 Wochen nach einer Primärinfektion auftreten, sollte an eine Lues gedacht werden .
Ein Peritonsillarabszess mit einseitiger Schwellung und Beschwerden kann als Komplikation einer akuten Tonsillitis, in der Regel durch Streptokokken , auftreten.
Fibrinöse Beläge zusammen mit einer Tonsillenschwellung, generalisierter Lymphadenopathie und Splenomegalie weisen auf ein Pfeiffer'sches Drüsenfieber durch eine EBV-Infektion hin. Aphthenähnliche Läsionen auf den Gaumenbögen können durch eine Herpangina im Rahmen einer Coxsackie-A-Infektion verursacht sein . Häufig sind Pharyngitiden im Rahmen grippaler Infekte durch Rhino-, Corona- und Adenoviren verursacht.
Bei der chronischen Pharyngitis findet sich oft eine trockene, blasse, atrophe Schleimhaut. Eine chronische Tonsillitis geht mit geringen Rötungen, aber auch zerklüfteten Tonsil-lenoberflächen und Vernarbungen einher, Foetor ex ore kann auftreten.
Tonsillen- oder Oropharynxtumore, meist Plattenepithel-karzinome, selten Lymphome oder lymphoepitheliale Tumoren, zeigen bei der Inspektion einseitige, ulzerative Veränderungen oder polypoides Wachstum und Vergrößerungen der Kieferwinkellymphknoten bei Metastasierung.

Differenzialdiagnose

Ursachen für Halsschmerzen

Mögliche Erkrankungen Häufigkeit Weiterführende Untersuchungen
akute Pharyngitis Untersuchung, ggf. Abstrich, Serologie
akute Tonsillitis Untersuchung, ggf. Punktion
chronische Pharyngitis Anamnese, ggf. Biopsie
Malignome Biopsie, Staging

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