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B978-3-437-42501-1.50169-1

10.1016/B978-3-437-42501-1.50169-1

978-3-437-42501-1

Oberflächliches Harnblasenkarzinom.

Muskelinvasives Harnblasenkarzinom mit Konkrementbil-dung.

Harnblasenkarzinom

A.S. Merseburger

S. Waalkes

M.A. Kuczyk

Zur Orientierung

Das Harnblasenkarzinom ist der zweithäufigste urologische Tumor und stellt 3 aller humanen Malignome dar.

Das Leitsymptom des Harnblasenkarzinoms ist die schmerzlose Makrohämaturie. Aufgrund des lokalen Tumorwachstums kann es zur Abnahme der Blasenkapazität und Begleitinfekten kommen. Spätsymptome sind Flanken- und Rückenschmerzen, Anämie, Gewichtsverlust.

Die Diagnose wird durch eine Blasenspiegelung mit trans-urethraler Resektion des Tumors (TUR-B) und histopatho-logischer Beurteilung gestellt . Zur Erfassung der lokalen und systemischen Tumorausdehnung sind weitere Untersuchungen nötig (u.a. Ausscheidungsurographie, CT, MRT, Szintigramm).

Klassifikation und Einteilung

Das Harnblasenkarzinom wird histopathologisch nach der TNM-Klassifikation (UICC 2001, Tabelle) und dem Differenzierungsgrad eingeteilt (low-grade- und high-grade-Tumoren). Je nach Invasivität unterscheidet man:
  • Papilläre nichtinvasive (oberflächliche) Tumoren (ca. 70 bei Primärdiagnose): Ta, Tis, T1 (Abb. 1)

  • Invasive (muskelinvasive) Tumoren: T2, T3, T4 (Abb. 2).

TNM-Klassifikation der Harnblasenkarzinome

T-Primärtumor
Ta nichtinvasives papilläres Karzinom
Tis Carcinoma in situ
T1 Infiltration des subepithelialen Bindegewebes
T2 Infiltration der Muscularis propria
T3 Infiltration über die Muscularis hinaus
T4 extravesikale Ausbreitung
N-regionäre Lymphknotenmetastasen
N0 kein regionaler LK-Befall
N1 einzelner befallener LK < 2 cm
N2 einzelne oder multiple LK bis 5 cm
N3 LK-Befall > 5 cm
M–Fernmetastasen
M0 keine Fernmetastasen
M1 Fernmetastasen

Therapie

Therapeutischer Goldstandard nichtinvasiver Tumoren ist die transurethrale Elektroresektion (TUR); diese hat hier sowohl diagnostische als auch therapeutische Bedeutung. Nach kompletter Resektion eines papillären pTa-Tumors ist keine weitere Therapie, jedoch eine regelmäßige Tumornachsorge erforderlich .
Bei fortgeschrittenem Tumorstadium und Grading (multifokal, Ta G2-3, T1 G2, Tumorgröße > 3 cm) sollte eine Nachresektion nach ca. 4 – 6 Wochen erfolgen . Die im 24-h-Intervall postoperativ gegebene einmalige intravesikale Früh-instillation eines Zytostatikums reduziert das Auftreten von Rezidiven und Tumorzellimplantation. Zur intravesikalen Rezidivprophylaxe stehen Zytostatika (Doxorubicin, Mitomycin C) und der Immunmodulator BCG (Bacillus Calmette-Gurin; erst 2 Wochen postoperativ) zur Verfügung .
Einen Sonderfall in der Therapie nichtinvasiver Harnblasenkarzinome stellt das Carcinoma in situ (Tis) aufgrund seines hohen Rezidiv- und Progressionsrisikos dar. Die postoperative intravesikale Instillationstherapie ist hierbei obligat , bei Therapieversagen ist die radikale Zystektomie indiziert (ebenso bei T1-G3-Tumoren).
Bei invasiven, muskelinfiltrierenden Tumorstadien besteht die Indikation zur radikalen Zystektomie , um eine Fernmetastasierung und lokale Komplikationen zu vermeiden. Vor der Operation sollte zur Beurteilung der Tumorausdehnung (lokal, systemisch) eine Ausbreitungsdiagnostik erfolgen . Das operative Vorgehen beinhaltet die Entfernung der pel-vinen Lymphknoten und zusätzlich die Entfernung von Uterus, vorderer Vaginalwand und Adnexen bei der Frau sowie von Prostata und Samenblasen beim Mann. Die Strahlentherapie eignet sich für inoperable Tumoren oder Patienten, die die Operation ablehnen. Bei Metastasen wird häufig eine Chemotherapie eingesetzt .

Komplikationen

Die wichtigsten Komplikationen sind Blutungen (Anämie), Rezidiv/Progress und Metastasen. Blutungen können meist transurethral durch Elektrokoagulation gestillt werden, beim Rezidiv oder Progress müssen die dem Stadium angepassten Therapieschemata angewandt werden. Aufgrund des hohen Rezidiv-Risikos sollten zur Tumornachsorge regelmäßige Kontrolluntersuchungen erfolgen, die je nach Ausdehnung und Histologie (oberflächlich oder muskelinfiltrierend) unterschiedlich umfangreich sind ( Leitlinien unter www.uni-duesseldorf.de/AWMF).

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