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B978-3-437-42501-1.50170-8

10.1016/B978-3-437-42501-1.50170-8

978-3-437-42501-1

Harnwegsinfektionen

R. Brunkhorst

Zur Orientierung

Harnwegsinfektionen (HWI) sind überwiegend bakteriell bedingt (> 80 E. coli).

Pollakisurie, Dysurie und Harndrang sind typische Beschwerden einer Zystitis und/oder Urethritis; zusammen mit Fieber, Abgeschlagenheit, Flankenschmerzen, ggf. auch klopfschmerzhaften Nierenlagern sind dies dringende Hinweise auf eine Pyelonephritis .

Die Diagnose stützt sich auf die typische Symptomatik und die Urinuntersuchung (Teststreifenverfahren im Urin mit Nitrit und Leukozytennachweis). Eine Harnwegsinfektion liegt bei Nachweis einer Bakteriurie (> 105 uropathogene Erreger pro mm3; im Einmalkatheterurin 102, im durch su-prapubische Punktion gewonnenen Urin jeglicher Keimnachweis) und einer Leukozyturie (> 5 pro Gesichtsfeld) vor. Bei komplizierten Formen (s.u.) können je nach Verdacht weitere Maßnahmen notwendig werden (Sonographie, Pyelographie, CT).

Einteilung

Je nach Lokalisation des Infekts unterscheidet man:
  • obere Harnwegsinfektionen: akute Pyelonephritis

  • untere Harnwegsinfektionen: Zystitis, Urethritis, Prostatitis.

Nach dem klinischen Verlauf unterscheidet man unkomplizierte und komplizierte, akute und chronisch-rezidivierende sowie symptomatische und asymptomatische Infektionen der oberen oder unteren Harnwege. Als akutes urethrales Syndrom werden typische klinische Beschwerden (Pollakisurie, Dysurie, Harndrang) ohne Keimnachweis bezeichnet; an eine Tuberkulose muss jedoch gedacht werden. Während eine symptomatische Infektion bei sexuell aktiven Frauen häufig ist, ist sie bei jungen Männern eine Seltenheit. Asymptomatische Bakteriurien sind als echte Infektion einzuschätzen und häufiger bei älteren Menschen zu sehen.

Therapie

Die Therapieentscheidung hängt u. a. vom Geschlecht, von der Risikokonstellation und der Lokalisation des Infekts ab. Grundsätzlich sind eine ausreichende Trinkmenge und hygienische Maßnahmen einzuhalten.
Vor einer antibiotischen Therapie bzw. bei Therapieresistenz (Ausnahme: probatorische Therapie z. B. bei der unkomplizierten Zystitis der Frau) sollte eine quantitative Urinkultur und eine Gramfärbung durchgeführt werden. Bei Vorliegen der Resultate muss die Therapie ggf. geändert werden. Bei Nachweis von mehr als einer Keimart im Mittelstrahlurin muss an eine Kontamination gedacht werden.
Bei seltenen Zystitiden der Frau ist zunächst eine 3-tä-gige Antibiotikatherapie mit Trimethoprim/Sulfamethoxazol (TMP/SMX) oder Chinolonen gerechtfertigt .
Bei rezidivierenden unkomplizierten Zystitiden ist ein Versuch mit harnansäuernden Maßnahmen (Methionin, Obstessig) gerechtfertigt, bei älteren Frauen evtl. östrogenhaltige Salben . Bei rezidivierenden Zystitiden der Frau nach dem Geschlechtsverkehr ist ein rasches Wasserlassen postkoital und evtl. eine einmalige Einnahme von Antibiotika (z. B. Tri-methoprim, Chinolon) indiziert. Bei sehr häufigen Rezidiven (> 5 Infekte/Jahr) kann eine niedrig dosierte Dauertherapie (z. B. 3 pro Woche Ciprofloxacin, Nitrofurantoin oder Trime-thoprim) eingeleitet werden, ebenso bei einer Prostatitis. In der Schwangerschaft können Cephalosporine, Amoxicillin oder Nitrofurantoin verabreicht werden.
Bei akuter Pyelonephritis der Frau oder bei hochgradigem Verdacht auf eine solche und bei einer Zystitis des Mannes muss mindestens 7 Tage zunächst empirisch behandelt werden .
Bei komplizierten Infektionen der Harnwege (bei jeder Pyelonephritis des Mannes) sollte die antibiotische Therapie empirisch i. v. eingeleitet und über insgesamt 14 Tage oral anti-biogrammgerecht fortgeführt werden . Nach einer initialen Therapie z. B. mit Chinolonen kommen Kombinationstherapien (z. B. Aminoglykosid Ampicillin; Aminoglykosid Cephalosporin oder Piperacillin Sulbactam) zum Einsatz .

Komplikationen

Eine Urosepis kann bei inkonsequenter Therapie tödlich verlaufen. Abzessbildung intra- und perirenal kommt insbesondere bei Antibiotikaresistenz, bei Immunsuppression, im höheren Alter, bei Diabetes mellitus und Harnabflussstörungen vor. Eine chronische Pyelonephritis tritt nach rezidivierenden unzureichend therapierten akuten Pyelonephritiden auf und lässt sich sonographisch durch Verschmälerungen und narbige Veränderungen des Nierenparenchyms nachweisen.

Komplizierende Faktoren der HWI

  • Alter < 10; > 70 Jahre; Schwangere

  • Harnabflussstörungen:

    • strukturell, z. B. Steine, Prostatahypertrophie, Tumoren

    • funktionell, z. B. neurogene Blasenentleerungsstörungen, kongenitaler vesikourethraler Reflux (Kinder)

  • Dauerkatheter, andere Fremdkörper

  • Diabetes mellitus

  • Immunsuppression

  • kürzlich zurückliegende HWI, Antibiotikatherapie

  • Niereninsuffizienz

Sonographischer Befund bei Nierenabszess. Kraniale Hälfte der rechten Niere im Längsschnitt. Der Nierenabszess stellt sich als inhomogene Struktur im mittleren Drittel der Nierenrinde dar. [Renz-Polster]

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