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B978-3-437-42501-1.50051-X

10.1016/B978-3-437-42501-1.50051-X

978-3-437-42501-1

Endoskopischer Befund bei Larynxkarzinom (Pfeil).

Heiserkeit

R. Koch

Th. Glück

Definition

Heiserkeit entsteht bei behinderter Beweglichkeit und Schwingungsfähigkeit der Stimmbänder. Dies kann durch eine lokale Affektion im Larynxbereich, aber auch durch eine Störung der neuromuskulären Signalübertragung bedingt sein.

Anamnese

Zeitdauer und Dynamik der Beschwerden zusammen mit parallel auftretenden Symptomen erlauben bereits eine sehr gute Differenzierung der Ursache. Auch muss eine besondere Beanspruchung der Stimme erfragt werden.
Akute Heiserkeit zusammen mit Symptomen eines grippalen Infektes der oberen Luftwege weist mit hoher Wahrscheinlichkeit auf eine akute Laryngitis meist viraler Genese hin.
Eine langsame, schleichende Entwicklung der Symptomatik hat ihre Ursache dagegen eher in einer lokalen mechanischen Ursache im Larynx oder in einer Affektion des Nervus laryngeus recurrens.
Auch die Art der Stimmveränderung kann wichtige Hinweise geben: rau bei einem Prozess direkt an den Stimmbändern (Malignom), flüsternd bei Stimmbandparesen, gurgelnd/kloßig bei exsudativem Prozess im Pharynx/Larynx (z. B. Para-pharyngealabszess) oder überschnappende, heisere Sprache bei muskulärer Dysphonie (z. B. Überbelastung der Stimme).

Untersuchungen

Die Palpation der Halsweichteile gibt Informationen über Erkrankungen von Lymphknoten und Schilddrüse. Daran schließt sich die HNO-ärztliche endoskopische oder Spiegeluntersuchung des Kehlkopfes an, welche weitere Untersuchungen triggert.
Differenzialdiagnostisch wichtig bei der Evaluation von Heiserkeit ist die Zeitdauer der Symptome Die banale Laryngitis im Rahmen von viralen Infekten des oberen Respirationstraktes als häufigste Ursache von Heiserkeit benötigt in der Regel keine weitere Diagnostik, ebenso wenig die akute muskuläre Dysphonie nach vorangegangener Überlastung der Stimme durch Sprechen, Rufen oder Singen, die auch chronifizieren kann . Alle anderen Formen der Heiserkeit, insbesondere wenn sie länger als 14 Tage andauern und/oder mit weiteren Symptomen einhergehen, müssen weiter abgeklärt werden. Mit der HNO-ärztlichen Laryngoskopie (evtl. auch Bronchoskopie) sind einige Erkrankungen direkt zu diagnostizieren, z. B. Tumoren (Abb. 1) oder Infektionen im Stimmlippenbereich wie Soor, Tonsillitis, Mononukleose etc. Je nach Laryngoskopiebefund werden weitere Untersuchungen notwendig, so bildgebende Verfahren zur Beurteilung der den Kehlkopf versorgenden Nerven bei Stimmbandparesen sowie zur Klärung der Tumorausdehnung. Bei Verdacht auf chronischen Reflux sollte eine pH-Metrie erfolgen .
Ergibt die Laryngoskopie einen unauffälligen oder nur diskreten Befund, muss an Ursachen wie Medikamentennebenwirkungen, trockene Schleimhäute z. B. bei Sicca-Syndrom, muskuläre und neurologische Erkrankungen oder Stimmbandveränderungen bei Hypo- wie Hyperthyreose gedacht werden. Sehr seltene Ursachen sind kongenitale Störungen. Die psychogene Heiserkeit ist eine Ausschlussdiagnose.

Differenzialdiagnosen

Übersicht über die verschiedenen Ursachen von Heiserkeit

Ursachen von Heiserkeit Häufigkeit Weiterführende Untersuchungen
Laryngitis (meist viraler Genese) klinische Untersuchung (evtl. Laryngoskopie),
akute/chronische muskuläre Dysphonie Laryngoskopie (ggf. Nachweis Sängerknötchen)
Läsion des N. laryngeus-recurrens Laryngoskopie, CT Hals/Thorax, Halssonographie, ggf. CT Schädel
maligner Prozess an Stimmband/Larynx Laryngoskopie, CT Hals/Thorax, weiteres Staging auf Metastasen
Sicca-Symptomatik (Sjögren-Syndrom und andere Kollagenosen) ANA, ENA (SS-A, SS-B), IgG, Rheumafaktor, Lippenschleim-hautbiopsie
muskuläre Störungen (Myasthenie etc.) EMG
neurologische Störungen (amyotrophe Lateralsklerose etc.) ENG
Medikamente: inhalative Steroide Auslassversuch
kongenitale Erkrankungen (z. B. Hyalinosiscutis et mucosae) Biopsie
chronischer Magensäure-reflux Langzeit-pH-Metrie
Hypo-/Hyperthyreose TSH, periphere Schilddrüsenhormone
psychogene Heiserkeit psychiatrische Evaluation

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