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B978-3-437-42501-1.50171-X

10.1016/B978-3-437-42501-1.50171-X

978-3-437-42501-1

Großes solitäres HCC im Ultraschall.

Multifokales HCC im Ultraschall.

Hepatozelluläres Karzinom

M.M. Dollinger

Zur Orientierung

Das hepatozelluläre Karzinom (HCC) ist ein primärer maligner Leberzelltumor. Weltweit steht das HCC auf Grund der Durchseuchung mit Hepatitis B an fünfter Stelle der häufigsten bösartigen Tumoren. In westlichen Industrieländern liegt die Inzidenz wesentlich niedriger und ist in über 80 mit einer Leberzirrhose assoziiert.

Leitsymptome sind Schmerzen im rechten Oberbauch, Gewichtsverlust und plötzlicher Einbruch der Leber funktion.

Die Diagnose wird durch die Histologie oder eine typische Bildgebung (Abb. 1 und 2) in Verbindung mit einem erhöhten Wert des Tumormarkers -Fetoprotein gestellt ( Kap. Leberherd).

Stadieneinteilung

Im Gegensatz zu anderen Tumoren, richtet sich die Prognose und Therapie des HCC nicht allein nach Tumorgröße und -ausdehnung. Da meist bereits eine Leberzirrhose vorliegt, hängt die Lebenserwartung des Patienten wesentlich von der erhaltenen Leberfunktion ( Kap. Leberzirrhose) und dem Allgemeinzustand ab. Entsprechend muss jede Therapieoption daraufhin überprüft werden, ob sie bei Berücksichtigung aller Parameter durchgeführt werden kann. Die BCLC-Klassi-fikation (Barcelona Clinic Liver Cancer) gilt derzeit als die praktikabelste Grundlage für Therapieentscheidungen .

Stadieneinteilung des hepatozellulären Karzinoms

Stadium Tumor Leberfunktion Allgemeinzustand
0 solitärer Knoten < 2 cm Child-Pugh A keine Einschränkung
A solitärer Knoten oder max. 3 Knoten < 3 cm Child-Pugh A-B keine Einschränkung
B multifokaler Tumor Child-Pugh A-B keine Einschränkung
C vaskuläre Infiltration oder Metastasen Child-Pugh A-B selbstversorgend
D Tumorausdehnung > 50 der Leber Child-Pugh C pflegebedürftig

Therapie

Allgemeine Therapiemaßnahmen richten sich nach der hepatischen Grunderkrankung (z. B. Alkoholabstinenz, antivirale Therapie) und der Leberzirrhose ( Kap. Leberzirrhose), da jede weitere Dekompensation der Leberfunktion das Tumorstadium und die Therapiemöglichkeiten beeinflusst.
Als kurative Therapieansätze gelten die chirurgische Leberteilresektion, die Lebertransplantation und lokal-ablative Verfahren wie die perkutane Ethanolinjektion oder die Radiofrequenzthermoablation. Therapie der Wahl bei Patienten ohne Zirrhose ist die Leberteilresektion , die sonst allenfalls noch bei kompensierter Zirrhose mit exzellenter Leberfunktion in Erwägung gezogen werden sollte. Die optimale Behandlung für Patienten mit Zirrhose stellt die Lebertransplantation dar, da sie nicht nur den Tumor kuriert, sondern auch die präkanzeröse Kondition der Leberzirrhose mit dem Risiko weiterer Karzinome entfernt. Es profitieren aber lediglich Patienten mit begrenzter Tumorausdehnung (sog. Milan-Kriterien) von der Transplantation, da bei größeren Karzinomen bereits von einer Mikrometastasierung ausgegangen werden muss. Bei nicht operablen Patienten oder als überbrückende Therapie vor Lebertransplantation gewinnen lokal-ablative Verfahren zunehmend an Bedeutung. Tumoren bis zu einer Größe von 3 cm können derzeit sicher zerstört werden und neuere Studien zeigen eine vergleichbare Effektivität zur Resektion bei erheblich geringerer Morbidität.
Als palliative Therapie steht die transarterielle Chemo-embolisation zur Verfügung, die jedoch nur bei Patienten mit guter Leberfunktion durchgeführt werden sollte. Für Patienten mit vaskulär infiltrierenden oder metastasierenden Tumoren zeigen neue molekulare Therapieansätze mit Angio-genese-Hemmern wie Sorafenib erste Erfolge , systemische Chemotherapien oder strahlentherapeutische Ansätze konnten dagegen in bisherigen Studien nicht überzeugen. Bei schlechter Leberfunktion und sehr großen Tumoren sollte auf Grund der Lebenserwartung ein rein symptomatischer Ansatz gewählt werden.

Komplikationen

Insbesondere die Leberteilresektion kann zu einer Dekompensation der Leberfunktion führen. Daher sollte das Restvolumen nach Resektion mindestens 40 des ursprünglichen Volumens betragen (bei Zirrhose sollten zusätzlich weder Pfortaderdruck noch Bilirubin erhöht sein).
Tumorrezidive oder metachrone Karzinome in der Restleber lassen sich lediglich durch die Transplantation verhindern. Nach anderen Verfahren wird eine regelmäßige Nachsorge mittels Ultraschall und a-Fetoprotein alle 6 Monate empfohlen.

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