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B978-3-437-42501-1.50054-5

10.1016/B978-3-437-42501-1.50054-5

978-3-437-42501-1

Akute Otitis media. Auffallend die Rötung und Vorwölbung des Trommelfells

Chronische Otitis media mit reizloser mesotympanal gelegener Trommelfellperforation

Cholesteatom des Mittelohrs. Entlang einer randständigen Trommelfellperforation kam es zur Epitheleinwanderung in die Paukenhöhle mitfötider Sekretion

Hörstörungen

H.-J. Welkoborsky

Definition

Die Hörstörung (Schwerhörigkeit) beschreibt ein ein- oder beidseitiges, akutes oder chronisch progredientes Nachlassen des Hörvermögens. Sie tritt bei einer Fülle von Erkrankungen sowohl des äußeren und Mittelohres (in der Regel eine Schallleitungsschwerhörigkeit) als auch des Innenohres (Cochlea; sensorische Schwerhörigkeit) und des N. vestibulocochlearis (VIII. Hirnnerv; neurale Schwerhörigkeit) auf. Erkrankungen des Hirnstamms und des zentralen auditorischen Systems führen zu einer zentralen Schwerhörigkeit. Neben den erworbenen können angeborene Hörstörungen (bei Syndromen, auch nichtsyndromal hereditär oder intrauterin erworben) unterschieden werden. Leitsymptom aller dieser Erkrankungen ist die Hörminderung.

Anamnese

Die Anamnese bringt in vielen Fällen bereits entscheidende Hinweise auf die Genese der Hörstörung, wobei insbesondere erfragt werden muss:
  • Entstehung der Hörstörung (plötzlich vs. langsam fortschreitend; einseitig vs. beidseitig; fluktuierendes Hörvermögen; auslösende Faktoren wie Unfälle, körperliche Anstrengung, Lärmbelastungen)

  • Hörstörungen in der Familie

  • Medikamenteneinnahme

  • entzündliche Erkrankungen

  • weitere Symptome: Tinnitus (Ohrgeräusch), Ohrenschmerzen, Schwindel und Druckgefühl der Ohren

  • kardiovaskuläre Risikofaktoren, Herzrhythmusstörungen, neurologische oder vaskuläre Erkrankungen

  • Schwindel (Charakter, Dauer, vegetative Begleiterscheinungen, Auslösemechanismen).

Untersuchungen

Wichtig ist eine ohrmikroskopische Untersuchung der Gehörgänge und der Trommelfelle (Ceruminalpfröpfe!) . Schmerzhafte Schwellungen und Rötungen des Gehörgangs sprechen für eine Otitis externa, Rötungen oder Vorwölbungen des Trommelfells zusammen mit Ohrenschmerzen für eine Otitis media (Abb. 1). Trommelfellperforationen sind Ausdruck einer chronischen Otitis media oder eines Cholesteatoms und führen zu einer Schallleitungsschwerhörigkeit (Abb. 2 und 3).
Entscheidende Bedeutung erlangen die Hörprüfungen. Von den klassischen Hörprüfungen werden zunächst die Stimmgabelversuche nach Weber und Rinne durchgeführt, die bereits einen ersten Hinweis auf die Art der Hörstörung liefern. Die Tonschwellenaudiometrie wird seitengetrennt für Knochen- und Luftleitung durchgeführt. Hiermit gelingt die Differenzialdiagnose zwischen einer Schallleitungs- und einer Schallempfindungsschwerhörigkeit . Zum Nachweis einer Raumforderung (Akustikusneurinom) oder von Ischämien kann eine MRT dienen .

Differenzialdiagnosen

Ursachen von Hörstörungen

Mögliche Erkrankungen Häufigkeit Weiterführende Untersuchungen
Cerumen obturans ohrmikroskopische Untersuchung, Entfernung des Ceruminalpfropfes, Audiometrie
akute Otitis media Anamnese, klinischer Befund (Rötung des Trommelfells, ggf. Vorwölbung)
Paukenhöhlen-erguss Anamnese; ohrmikroskopischer Befund, Tonschwellenaudiometrie, Tympanogramm
Hörsturz Anamnese, ohrmikroskopischer Befund, Tonschwellenaudiometrie
M. Menire Anamnese, klinischer Befund, im Anfall meist Spontannystagmus, Tonschwellenaudiometrie, Elektrocochleographie, pathologischer Glyceroltest, Elektronystagmographie
Otosklerose Anamnese, ohrmikroskopischer Befund, Tonschwellenaudiometrie, Tympanogramm
chronische Otitis media Anamnese, ohrmikroskopischer Befund (Trommelfellperforation!), Tonschwellenaudiometrie
ototoxischer Hörverlust Anamnese (Medikamente, z. B. Zytostatika, Aminoglykosidantibiotika), ohrmikroskopischer Befund unauffällig, Tonschwellenaudiometrie, otoakustische Emissionen
akutes bzw. chronisches Lärmtrauma Anamnese, ohrmikroskopischer Befund unauffällig, Tonschwellenaudiometrie
Hirnstamm- oder Kleinhirninfarkt Anamnese, Tonschwellenaudiometrie, Fren-zelbrille, kraniale CT oder MRT notwendig
Ruptur der runden Fenstermembran () Anamnese (Trauma, extreme körperliche Anstrengung, starke Betätigung der Bauchpresse), Ohrmikroskopie, Spontannystagmus in das betroffene Ohr oder in das gesunde Gegenohr, Tonschwellenaudiometrie, MRT (Ausschluss tumoröser oder ischämischer Läsionen), bei unauffälliger MRT Tympano-skopie
Akustikusneurinom () Anamnese, Tonschwellenaudiometrie, Sprachaudiogramm, AEP, Elektronystagmographie, MRT mit Kontrastmittel

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